BR(ICHSALER POST SÜDD. HEIMATZEITUNG FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN Nummer 231 Mittwoch, den 4. Oktober 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Adenauer verzichtet auf „Notstand" Bundesschutz wird als Landespolizei organisiert — 10000 Mann in einem halben Jahr Bonn (UF). Die Bundesregierung und die elf Länderregierungen hatten sieh nach Verlautbarungen aus dem Bundeskanzleramt grundsätzlich geeinigt, den neuen 30 000-Maim- Bundesschutz als Länderpolizei zu organisieren, wobei dem Bund Jedoch in gewissen Fragen eine Einflußnahme zugebilligt werden soll. Die Bundesregierung will mit den Ländern eine Verwaltungsvereinbarung treffen, in der alle Rechte der Länder und die Vollmachten des Bundes im Falle eines Notstandes abgegrenzt werden sollen. Der Mißerfolg der kommunistischen Demonstranten am vergangenen Sonntag hat insofern eine Wendung herbeigeführt, als auch Bundeskanzler Adenauer nicht mehr darauf zu bestehen scheint, daß der im Grundgesetz verankerte Notstandsartikel schon jetzt angewendet werde. : Maßgebliche Persönlichkeiten des Bundeskanzleramtes sind der Meinung, die ersten 10 000 Mann Bundesschutz dürften kaum vor einem halben Jahr verfügbar sein. In diesem Zusammenhang wird die Möglichkeit diskutiert, ob die von den Alliierten genehmigte Höchstzahl von 30 000 Mann überhaupt ausgenutzt werden soll, da einzelne Länder glauben, daß die schon bestehenden Polizeiverbände ausreichten. Neben der Kostenfrage spielt das Problem der Unterbringung der neuen Polizeikräfte eine wichtige Rolle. Der Bundesschutz soll kaserniert werden. Entsprechende Gebäude stehen aber nur beschränkt zur Verfügung und ihre Zahl dürfte durch die Verstärkung der alliierten Besatzungstruppen weiter vermindert werden. Die Bereitschaftspolizei wird nach dem kündbaren Verwaltungsabkommen, das in etwa 14 Tagen geschlossen werden soll, wahrscheinlich an bestimmten Schwerpunkten stationiert. Länder, in denen Einheiten des Bundesschutzes nicht untergebracht werden. Am Vorabend eines Putsch-Versuches? Österreich befürchtet neue Unruhen — Polizei in Alarmbereitschaft Bevölkerung hortet Lebensmittel Wien (UP). Bundesregierung und Gewerk- xhaften Österreichs appellierten an die gesamte werktätige Bevölkerung und forderten sie auf, ihre Fabriken und Betriebe gegen kommunistische Streikende zu schützen und alle Straßenbarrikaden zu beseitigen, die die Kommunisten errichten wollen, wenn sie am Mittwoch zum Generalstreik aufrufen. Aus Kreisen des österreichischen Innenministeriums verlautet, daß die Polizei in allen vier Besatzungszonen Österreichs in dauern-' der Bereitschaft sein werde. Starke Abteilungen bewaffneter Polizei haben bereits alle wichtigen Gebäude besetzt. Die westlichen Alliierten und die österreichischen Behörden sind der Ansicht, daß die Hauptziele der Kommunisten nichtstreikende Fabriken in den westlichen Sektoren von Wien, Bahnhöfe, Post- und Telegrafenstationen und Energiewerke sein werden. Um einen Streik in dem Haupttelegraphenamt, das in der internationalen Zone von Wien liegt, begegnen zu können, haben die westlichen Besatzungsmächte Radioverbindungen zwischen den westlichen Besatzungszonen eingerichtet. Freiwillige Wachtrupps wurden von den katholischen Eisenbahnarbeitem gebildet und auch auf dem Land haben sich die Bauern zusammengeschlossen, um der Polizei gegen die Kommunisten baizustehen. Auch viele nichtkommunistische Betriebsräte in den Fabriken haben sich zur Verteidigung ihrer Werkanlagen bereitgemacht. Der Vizepräsident des Bundesparlaments, Böhm, erklärte in einer Ansprache, es gebe Beweise dafür, daß die Kommunisten einen Umsturz planten. „Wir werden ein paar harte Tage vor uns haben. Aber wir wissen, unser Kampf wird alles oder nichts bedeuten“, rief er aus. Man fragt sich in Regierungskreisen, wieweit die Russen die Kommunisten unterstützen werden und glaubt, der Mittwoch werde es klar machen, ob die Sowjets die Einheit oder die Teilung Österreichs beabsichtigten. Ein großer Teil der Bevölkerung kaufte in den letzten Tagen Lebensmittel, wie für eine Belagerung ein. Man erwartet, daß viele Kaufleute am Mittwoch schließen werden, trotz der Aufforderung der Handelsvereini- gungen, die Läden offen zu halten. Nächstes Angriffsziel: Wonsan Südkoreaner stoßen weiter nach Norden vor — Vereinzelter Feindwiderstand im Rücken der Vorausabteilungen gebrochen Tokio (UP). Die Truppen der 3. südkorea- nischcn Division, deren Stärke auf etwa 20 000 Mann geschätzt wird, sind entlang der Ostküste weiter auf nordkoreanischem Gebiet vorgerückt. Während ein Teil dieser Streitkräfte an den bedeutenderen Städten, in denen sich noch nordkoreanische Garnisonen befinden, vorbeimarschierte, sind andere Einheiten dabei, den Widerstand der Kommunisten zu brechen. Die Angriffsspitzen der Südkoreaner haben nach den letzten Frontberichten etwa die Hälfte des Weges nach der großen Hafenstadt Wonsan zurückgelegt, die wahrscheinlich von den Kommunisten energisch verteidigt werden dürfte. In Tschonjin-ni, dessen Einnahme bereits gemeldet worden war, ist es doch noch zu Kämpfen gekommen. Das weiter nördlich liegende Kamsong, an dem die Vorausabteilungen der 3. Division vorbeimarschierten, fiel endgültig in die Hände der vachrüekenden Südkoreaner. Mit Erlaubnis MacArthurs Sin Sprecher des Hauptquartiers General MacArthurs gab bekannt, daß es aus militärischen Gründen erforderlich gewesen sei, den südkoreanischen Truppen die Erlaubnis zum Überschreiten des 38. Breitengrades und zur Fortsetzung ihres Marsches nach Norden zu geben. Der Sprecher lehnte es ab, sich darüber zu äußern, ob die südkoreanischen Truppen einen direkten Befehl zum Überschreiten des 38. Breitengrades erhalten haben. Er sagte nur: „Es war notwendig geworden, die südkoreanischen Truppen, als sie den Breitengrad erreicht hatten, hinüberzusehicken, beziehungsweise ihr Vorgehen zu sanktionieren oder aber wenigstens vor diesem die Augen zu verschließen.“ Amerikanische Marinetruppen bemächtigten sich gegen äußerst heftigen Widerstand der Stadt Uijocgbu, die etwa 115 Kilometer nördlich von Seoul liegt. Während damit die letzte größere Kampfhandlung im Raume Intschon-Seoul abgeschlossen sein dürfte, finden in vielen Teilen Südkoreas hinter den Frontlinien noch schwere Kämpfe mit den Resten der kommunistischen Divisionen statt. Wie US-General Cates erklärte, ist der Krieg in Südkorea „noch lange nicht beendet“. Tatsächlich liefern die Nordkoreaner noch verzweifelte Rückzugsschlachten. Der Oberbefehlshaber der US-Luftstreit- kräfte, General Stratemeyer, versicherte: „Der strategische Luftkrieg in Korea ist vorbei. Wir werden jedoch damit fortfahren, den Feind überall dort anzugreifen, wo wir ihn finden können.“ Radio Pusan gab bekannt, daß südkoreanische Marinetruppen bei Mokpo an der Südwestküste Koreas gelandet seien und die Hafenstadt eingenommen hätten. Aus gleicher Quelle verlautet, daß südkoreanische Marinetruppen Gefangenentransporte der Kommunisten abfingen und dabei 700 Südkoreaner befreiten, die aus Gefängnissen Seouls nach Nordkorea gebracht werden sollten. Aus Seoul wurde der Bericht eines amerikanischen Aufklärungsfliegers bekannt, demzufolge er auf mandschurischem Gebiet eine Fahrzeugkolonne gesichtet habe, die auf 160 Kilometer Länge schätzte. Der Konvoi, in dem sich auch Artillerie befunden haben soll, hätte sich in Richtung auf die koreanische Grenze bewegt. Aus dem Bericht ging aber nicht hervor, ob die Kolonne bereits nordkoreanisches Gebiet berührt habe. Starke Verbände des fünften amerikanischen Luftgeschwaders nahmen inzwischen auf der Straße zwischen Pjöngjang und der mandschurischen Grenze eine kommunistische Fahrzeugkolonne mit Bomben und Bordwaffen unter Feuer. In Kreisen der amerikanischen Luftflotte wurde zugegeben, daß die sich nach Süden bewegende Kolonne „größer als gewöhnlich“ war. Nach einer Meldung aus Hongkong behaupten natioriälcfainesische Kreise auf Formosa, das Gros der 4. kommunistischöl Feldarmee General Lin Piaos sei über den Yalu-Fluß aus der Mandschurei in nordkoreanisches Gebiet einmarschiert. Die kommunistischen Verbände sollen dieser bisher unbestätigten Meldung zufolge gegenwärtig bei Singisyui, gegenüber Antung, stehen können Angehörige ihres Landes in die Schutzpolizei entsenden. Das Führerkorps wird im Zusammenwirken von Bund und Ländern ernannt. Wie weiter verlautet, beabsichtigt die Bundesregierung im Einvernehmen mit den Ländern für die neu aufzustellende Polizei eine eigene Ausbildungsstätte auf dem Stegskopf im Westerwald südlich von Siegburg zu schaffen. Die dortige Kasemenanlage, die mit ihren vier großen Bauten Unterkunft für 500 Mann bietet, wurde vor zehn Tagen von der französischen Besatzungsmacht ah deutsche Behörden zurückgegeben. Da die Vertreter der Bundesregierung in den Verhandlungen mit den Ländern die Be-, denken über angebliche Bonner Absichten zur Bildung einer regulären Bundespolizei zerstreuen konnten, ist auch der Widerstand der sozialdemokratischen Ministerpräsidenten und Innenminister der Länder geschwunden. Bundeskanzler Adenauer hat in einem Gespräch unter vier Augen mit dem SPD-Vor- sitzenden Dr. Schumacher eingehend über - Polizeifragen gesprochen. Neuwahlen in Sicht? „Der Bundestag ist in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung nicht berechtigt, eine Entscheidung über die Remilitarisierung der Bundesrepublik zu fällen“, erklärte der zweite Vorsitzende der SPD, Ollenhauer, in einem Gespräch mit einem Bonner Presse-. Vertreter. „Als der Bundestag gewählt wurde, stand die Frage einer möglichen Remilitarisierung nicht auf der Tagesordnung“, sagte er und meinte, daß es beim letzten Wahlkampf auf Bundesebene um wirtschaftliche, kulturelle und soziale Dinge gegangen sei. Die Bundestagsabgeordneten hätten also auch nur für diese Aufgaben und Probleme eine Legitimation ihrer Wähler. Ollenhauer deutete in diesem Zusammenhang an, daß maßgebende sozialdemokratische Persönlichkeiten die Möglichkeit einer Forde-' rung nach Neuwahlen im Zusammenhang mit der Frage der Remilitarisierung diskutieren. Eine Entscheidung über die Haltung dpr SPD bei etwaigen Remilitarisierungsverhandlungen sei allerdings noch nicht gefallen. „Nicht unerhebliche“ Steigerung Sprecher der Alliierten haben angedeutet, daß die Westmächte auf eine Erhöhung der deutschen Leistungen für Besatzungskosten hoffen, um den gesteigerten Ausgaben für die Verstärkung der t Besatzungstruppen begegnen zu können. Obwohl bisher weder über den Umfang der alliierten Truppenverstärkungen noch über die mögliche Erhöhung der Besatzungskosten Zahlen bekannt wurden, hegt man in Regierungskreisen die Besorgnis, daß. der Besatzungskostenetat eine nicht unerhebliche Steigerung erfahren dürfte. Deutschland wünsche keine Wiederaufrüstung, weil es seine Demokratie vor einem Wiederaufleben des deutschen Militarismus schützen wolle, erklärte der amerikanische Hohe Kommissar M c C1 o y vor Pressevertretern in Frankfurt am Main. Die Bundesrepublik müsse allerdings einen Beitrag zur westeuropäischen Verteidigung leisten, dessen Form noch offen sei. Er zweifle Pber nicht daran, daß die Bundesrepublik zu Opfern bereit sei. Etat immer angespannter Bundesfinaazminister Schaffer hat vor dem Bundestagsausschuß für Kriegsopfer und Kriegsgefangene mitgeteilt, die Bundesregierung werde im laufenden Haushaltsjahr etwa 236 Millionen DM mehr für die Arbeitslosen- füreorge ausgeben müssen, als im Haushaltsplan vorgesehen sei. Wie hierzu aus dem Bun- desfinanzmmisterium bekannt wird, ergibt sich diese Mehrausgabe dadurch, daß viele Erwerbslose durch lange Arbeitslosigkeit von der Arbeitslosenunterstützung auf die Arbeitslosenfürsorge umgeschrieben werden müssen, deren Zahlung Aufgabe des Bundes ist. Linksruck in Finnland Vorläufiges Ergebnis der Gemeinde wählen Helsinki (UP).-Die bisherigen Ergebnisse der finnischen Gemeindewahlen lassen Erfolge der beiden Linksparteien, der Sozialdemokraten und Kommunisten, erkennen. Allerdings können die Wahlergebnisse auf dem Lande das Bild noch verschieben, da die bisher bekannten Stimmenzahlen aus den Städten stammen. Bis jetzt sind über 1100 000 Stimmen gezählt worden. In Prozenten haben erhalten (dahinter die Vergleichszahlen der Präsidentenwahl von 1950 und der letzten Gemeinde- wahlea 1947): 1950 1948 1947 Sozialdemokraten 28,2 22,8 24,4 Kommunisten 23,5 21,8 20,4 Mittel- und Rechtsparteien 48- s 55 54,7 Koreanische Zwischenbilanz Von unserem Korrespondenten H.F. New York Der koreanisäie Konflikt ist In seine kritischste Phase eingetreten. Noch haben die Vereinten Nationen angesichts der zweiffellos möglichen Gefahr einer rotchinesischen oder sowjetischen Einmischung keine klare Entscheidung darüber gefällt, ob die UN-Streitkräfte McArthurs sich dem Vorgehen der südkoreanischen Verbände anschließen und die Demarkationslinie des 38. Breitengrades überschreiten sollen. Dem politischen Ausschuß in Lake Success sind sowohl von westlicher wie von östlicher Seite konkrete Vorschläge zur Beendigung des Streitfalles vorgeiegt "-irden, deren gegensätzliche Anlage freilich so gut wie keine Möglichkeit zu einer Einigung erkennen läßt. Während die weitere Entwicklung der koreanischen Dinge auf des Messers Schneide steht, versucht unser New Yorker Korrespondent eine Zwischenbilanz des Koreakrieges zu geben, die wir — ohne uns mit ihrem Inhalt im einzelnen zu identifizieren — als interessante, von New York aus gesehene Beurteilung der augenblicklichen Lage wiedergeben D. R. Die Amerikaner haben den Sieg in Korea mit hohen Verlusten an Menschen und materiellen Werten erkaufen müssen. Sie haben aber auch Gewinne erzielt, die schwerer wiegen als diese Verluste. Es steht fest, daß die meisten Amerikaner hinter Präsident Truman standen, als dieser zur Überzeugung gelangte, daß der Tag gekommen sei, um den Plänen des internationalen Kommunismus Einhalt zu gebieten. Sie alle hatten erkannt, daß ein „kleiner“ Krieg, den es jetzt zu bestehen galt, möglicherweise die große Kraftprobe eines Atomkrieges um Jahre, vielleicht sogar für alle Zeit hinauszuschieben, imstande ist. Was in den nächsten zehn Tagen auch geschehen mag, sie' Werden dio Erkenntnisse, die der Koreakrieg mit sich brachte, nicht mehr in Frage stellen können Diese Erkenntnisse sind: 1. Daß der Kreml zögert, sobald er sich entschlossenen Kräften gegenübersieht, die eher kämpfen, als sich zu einem Frieden um jeden Preis bereitfinden. 2. Daß die Weltorganisation der Vereinten Nationen in der Lage ist, zu jeder Zeit wirksam für den Frieden einzutreten und ebenso schnell wie wirkungsvoll zu handeln. Wenn es jetzt auch darum geht, mit den Nordkoreanem zu einem Friedensschluß zu gelangen, so wird es in Wirklichkeit doch die Sowjetunion sein, die diesen Krieg verloren hat. An Offizieren des Abwehrdienstes der US- Armee wurde Kritik geübt, weil sie den Angriff der nordkoreanischen Kommunisten auf Südkorea nicht genau vorausgesagt haben. Abgesehen von einer gewissen Berechtigung dieser Kritik muß heute aber doch festgestellt werden, daß es der sowjetische Geheimdienst war, der einen viel größeren Fehler beging. Ganz offensichtlich war Stalin dahingehend informiert worden, daß die Vereinigten Staaten und die Vereinten 'Nationen nichts Konkretes tun, sondern sich mit der Absendung einiger Noten und der Ausarbeitung einiger Resolutionen begnügen werden. Genau das Gegenteil trat ein. Der Gewalt wurde mit Waffen entgegengetreten, und als es zur Kraftprobe kam, hat die Sowjetunion nachgegeben. Vor ungefähr einem Monat wäre die Möglichkeit vorhanden gewesen, die Truppen der Vereinten Nationen aus Korea hinauszuwerfen. Um dies zu erreichen, hätte die Sowjetunion Truppen und Flugzeuge entsenden müssen. Dies geschah nicht und jetzt ist es dazu zu spät. Stalin hat damit nicht nur eine Siegeschance verpaßt, sondern er hat sich überdies in eine Lage hineinmanöveriert, die es ihm nicht leicht machen dürfte, seinen zukünftigen Kurs festzulegen Er alarmierte die westliche Welt, die jetzt so schnell wie möglich ihre Rüstungen verstärkt. Die Vereinten Nationen waren nur dank der kurzsichtigen Handlungsweise der Russen in der Lage, schnell zu handeln. Die Sowjetunion hatte wegen der Meinungsverschiedenheiten über die Vertretung Chinas in den Körperschaften der UN auch den Sicherheitsrat verlassen. So war kein sowjetischer Delegierter anwesend, um an dem schicksalhaften Tag, an dem Amerika die Vereinten Nationen aufforderte, der bewaffneten Intervention in Korea zuzustimmen, ein Veto einzulegen. Als M a 1 i k in den Sicherheitsrat zurückkehrte, Mittwoch, de» 4 Oktober I960 waren bereits alle Beschlüsse gefaßt, die notwendig waren, um dem nordkoreanisehen Angriff Einhalt zu gebieten. Er sab ach einem Block demokratischer Staaten gegenüber, die nicht nur Reden hielten, sondern bereits zum praktischen Handeln übergegangen waren. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten, Europas und vieler anderer Länder wird es in den nächsten zehn Jahren nicht leicht haben. Sie werden hohe Steuern bezahlen müssen, damit große Armeen unterhalten werden können. Die westliche Welt hat sich entschlossen, vorläufig den Zustand der Alarmbereitschaft beizubehalten. Diese bevorstehenden Jahre werden aber such den Kommunisten nicht leicht werden. Wenn in ihren Staaten auch nicht die Mög- ichkeit. besteht, Regierungen durch Wahlen' aus ihren Ämtern zu beseitigen, so dürften sie dennoch keinen leichten \Stand haben. Die westliche Welt wird alles tun, um jede weitere Expansion des Kommunismus zu verhindern. Auf die Frage nach dem Schicksal der heute vom Kommunismus beherrschten Länder vermag noch niemand eine Antwort zu geben. Attlee: Nur Sozialismus bannt Gefahr Englands Premier kündigt »unpopuläre Maßnahmen" an Der Parteitag der Labourparty Mar gute (UP). Ministerpräsident Attlee erklärte vor dem Jahreskongreß der britischen Labour Party, daß der Kapitalismus das Vertrauen zu sich selbst verloren habe und daß einzig und allein der Sozialismus in der Lage sei, die Gefahr zu bannen, daß die Welt dem totalitären Kommunismus ausgeliefert werde. Attlee widmete in seiner Rede den innerenglischen Angelegenheiten überraschend wenig Aufmerksamkeit. Parlamentswahlen, so erklärte er, würden „zur richtigen Zeit“ stattfinden. Die Regierung werde sich vielleicht gezwungen sehen, „unpopuläre Maßnahmen“ im Zusammenhang mit der Verstärkung der Verteidigung anzuwenden. Der Premier versprach aber, daß das sozialistische Programm im Unterhaus auch weiterhin vorangetrieben werden würde, ohne allerdings irgendwelche Einzelheiten bekanntzugeben. Stattdessen befaßte er sich in sehr ausführlicher Weise mit dem Bild einer sozialistischen Gesellschaft, die er als die einzige Hoffnung der Welt be- zeichnete. Der Griff in die Mottenkiste Polen wirbt mit dem Gespenst der deutschen Gefahr Warschau (UP). Der polnische Staatspräsident Bierut, der das Beglaubigungsschreiben des neuen französischen Botschafters Dennery entgegennahm, wies bei dieser Gelegenheit auf die französische Zurückhaltung in Zusammenhang mit einer westdeutschen Wiederaufrüstung hin. „Die gemeinsamen Interessen, die sich aus einer Wiederbelebung der neo-nazistischen Aggression ergeben“, sagte er. „dürften im Lichte der Erfahrungen der letzten Jahrzehnte kaum verfehlen, eine Quelle der Besorgnis sowohl für Polen als auch für Frankreich zu bilden.“ * Dieses sichtbare Liebeswerben um Frankreich steht im bemerkenswerten Gegensatz zu dem beleidigenden Ton der polnischen Behörden gegenüber Frankreich, der während der vergangenen Monate vorherrschte. Noch vor kurzer Zeit schien es, als ob es zwischen Paris und Warschau als Folge der Verhaftung und Ausweisung einiger Dutzend polnischer Kommunisten aus Frankreich zu einem diplomatischen Bruch kommen würde. Auch Polen hatte Anfang des Jahres eine Anzahl Spio,- nageprozesse angestrengt, in die akkreditierte französische Diplomaten verwickelt wurden. Anscheinend ist man in Warschau bestrebt, diese Gegensätze wieder aus der Welt zu schaffen. Daß dem polnischen Staatspräsidenten Bierut zu diesem löblichen Zweck nichts Besseres einfiel, als in die Mottenkiste zu greifen und das altersschwache Gespenst der deutschen Gefahr ans Tageslicht zu zerren, ist zwar bedauerlich, aber nicht überraschend... Sie wählten die Freiheit Tschechisches Frachtflugzeug verschwunden Prag (UP). Verantwortliche hiesige Kreise erklärten, daß ein verschwundenes Frachtflugzeug der tschechoslowakischen Luftlinien die bedeutendsten Piloten der Linie an Bord hatte. Der Pilot Kautzky sei vom Flughafen Ruzyn mit einem C-47-Frachtflugzeug zu einem verlassenen Feldflughafen bei Kralupi, etwa 20 Kilometer nördlich von Prag geflogen, wo ihn die anderen Piloten mit Ihren Familien 'erwartet hätten. Die ganze Gruppe sei wieder auf gestiegen, um vermutlich nach Großbritannien zu fliegen. Es soll sich um mindestens sechs, vielleicht aber sogar 15 Spezialpiloten der CSA handeln. Man glaubt in den genannten Kreisen, daß es zu dieser Flucht gekommen sei, nachdem kurz vorher auf dem Flughafen Ruzyn eine Anzahl Angehöriger des Bodenpersonals verhaftet und alle früher der britischen Royal Air Force angehörenden Piloten entlassen worden waren. Herabsetzung der Kaffee-und Tabaksteuer? Beratungen über ein Neim-Punbte-Wirtschaftsprogramm Die Bundesregierung wird in Kürze Beratungen über ein Neun-Punkte-Wirtschaftsprogramm beginnen, das vom wirtschaftspolitischen Ausschuß des Kabinetts in enger Verbindung mit den Koalitionsparteien ausgearbeitet wurde. Nach den uns zugegangenen Informationen umfaßt das Programm folgende Punkte: 1. Eine unabhängige, prohibitive Kreditpolitik gegenüber allen Kreditwünschen zu Hortungszwecken. 2. Äußerste Einschränkung des Kreditbedarfs der öffentlichen Hand. 3. Zeitweilige Aufhebung oder Herabsetzung bestimmter Einfuhrzölle für lebensnotwendige Güter. 4. Herabsetzung der Kaffee- und Tabaksteuer zur Erhöhung der Realkaufkraft 5. Gewährung von bevorrechtigten Einfuhrmöglichkeiten als Prämie für besonders verantwortungsbewußte Preisgestaltung. 6. Geschickte Ausnutzung aller Einfuhr- und Vorratsmöglichkeiten durch Einschaltung von Importhandel und Wirtschaft sowie Einsatz von Vorräten bei nervöser Übersteigerung der Nachfrage. 7. Zielbewußter Umbau des gesamten Lohnsystems auf leistungsbezogene Löhne. 8. Beschleunigte Verabschiedung noch notwendiger Agrargesetze und Aufnahme der marktregelnden Funktionen mit marktkonformen Mitteln. 9. Änderung der Steuerpolitik in dem Sinne, daß ein Teil der bisher für die Selbstfinanzierung gewährten Vergünstigungen nur noch für die Anlage in Aktien und anderen Kapitalmarktartikeln gewährt werden. Die Preisentwicklung wird von der Bundesregierung weiter sorgfältig beobachtet. Es bestehen Pläne, die noch aus der Reichsmarkzeit stammenden Handelsspannen aufzuheben und sich neu einspielen zu lassen. Deutschland billigstes Holzland Ungesunde Verhältnisse auf dem deutschen Holzmarkt Der deutsche Forstwirtschaftsrat, das von den Forstverwaltungen der Länder gebildete Organ der gesamten Forstwirtschaft in der Bundesrepublik hat auf dem Schauinsland eine Tagung abgehalten, auf der in den einzelnen Fachausschüssen vor allem Fragen des Hoizmarktes. der Ertragssteigerung, der Waldbesteuerung und des Forstrechtes behandelt wurden. Im Holzmarktausschuß war vor aiiom die Beseitigung der noch bestehenden Reste einer staatlichen Holzmarktordnung Gegenstand der Beratungen. Man will besonders die Abschaffung der Richtpreise für Holz zugunsten freier, der Nachfrage angepaßter Preise. Ein dahingehendes Gesuch soll sofort nach der Tagung dem Bundeswirtschaftsministerium zugeleitet werden. Die gegenwärtige Preissituation, so wurde betont, habe dazu geführt, daß Deutschland augenblicklich das billigste Holzland der Welt sei. Daraus sei die ungesunde Entwicklung entstanden, daß Deutschland, das schon immer Holzmangelland gewesen sei, knappen Nachkriegsj ahnen und durch die Besatzungseinschläge sind etwa eine halbe Million Hektar Kahlfläche entstanden; dies macht einen finanziellen Schaden von mehreren hundert Millionen Mark aus. Die Höhe der Besatzungseinschläge wurde für die französische Zone mit vier Millionen Festmeter angegeben. In der amerikanischen Zone seien die Ausfälle durch Besatzungsentnahmen noch am erträglichsten gewesen. Der gegenwärtige jährliche Zuwachs an Holz wurde mit etwa 19 Millionen Festmeter beziffert. Vlelzweck-Maschine für Landwirtschaft Der Mechanikermeister Eger aus Hechingen- Hohenzollem hat eine Vielzweck-Maschine für acht verschiedene Arbeitsvorgänge konstruiert Die Maschine besteht aus Rahmen, Stützbock, Lagerwelle und Elektromotor. Sie hat versenkbare Räder, kann an Traghebeln leicht fahrbar geschoben werden und ist auch als Motorwagen zu verwenden. Der Tisch ist schräg verstellbar, und durch Einsetzen einer Vorlegewelle kann die Tourenzahl heute Holz eroortiere öas «s unter Umstän- vuilc « cwclie ule roureiizam beliebig verringert w«den. Als Kreissäge kann man mit der Maschine Bretter schneiden^ Nuten, den m wenigen Jahren wieder hereinholen müsse. Wetter wurde in dem Ausschuß die Einschränkung djes Brennholzanfalles zugunsten einer Verbreiterung der Rohstoffbasis der Industrie, vor allem der Zellstoffmdustrie und die Belange der Forstwirtschaft bei Zoll-und Gütertariffragen erörtert. Als Ergebnis der Arbeiten im Ertragsausschuß wurden die Forderungen nach Gewährung von Aufforstungszuschüssen durch die Länder und nach einer Ausbildung der Waldbesitzer im Sinne einer fortschrittlichen Forstpolitik geäußert Die Aufforstungskosten für einen Hektar betragen, wie mitgeteilt wurde, heute 2000 bi# 3000 DU. Durch den erhöhten zivilen deutschen Holzbedarf in den kohlenFalzen, Fräsen, Schlitzen und Trennen, als Brennholzsäge kommt eine Wippe für die Holzrollen hinzu, so daß man weitgehend unfallsicher arbeitet. Zum Schleifen setzt man Schleif- und Schmirgelsteine ein, wobei man durch Zusatz Vorrichtungen sogar Spezialwerkzeuge, wie vor alten Mähmaschinenmesser, schleifen kann . Außerdem wird die Maschine durch eine Schälmesserscheibe zum Stangenspitzer und zur Schälmaschine und durch einen trichterförmigen Aufsatz zum Rübenschnitzler. Die Vielzweck-Maschine ist also in einem: Brennholzsäge, Kreissäge, Schleifmaschine, Schmirgelbock, Stangenschäler, Pfählespitzer, Rübenschnitzler und Motorwagen, Nach Attlees Rede begann der Parteitag mit der Debatte über die Arbeit der Regierung. Im weiteren Verlauf der Tagung beugte sich der Exekutivausschuß der Labour-Party der Forderung seiner gewerkschaftlich organisierten Mitglieder, die Politik der „eingefrorenen“ Löhne zu beenden und billigte eine Empfehlung, ip der höhere Besteuerung der Gewinne und eine Überprüfung der Belastung der niederen Einkommensklassen gefordert wird. Auch Großbritannien lehnte die neuesten von der Sowjetunion angeführten Zahlen über die noch nicht heimgeschickten deutschen Kriegsgefangenen ab. „Diese Zahl“ — ungefähr 13.000 Mann — sagte ein Sprecher des britischen Außenministeriums, „ist im Verhältnis zu der tatsächlichen Zahl lächerlich klein. Untersuchungen, die während einer Zeitspanne von vielen Monaten in den Westzonen Deutschlands vorgenommen wurden“, so fuhr der Sprecher fort, „haben deutlich erwiesen, daß in der Sowjetunion noch eine sehr große Zahl von Kriegsgefangenen zurückgeblieben ist, über deren Schicksal nichts bekannt wurde.“ Das ganze Problem werde wenigstens von zwei wahrscheinlich von allen drei westlichen Großmächten nächste Woche vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Sprache gebracht werden. Weitere Schritte würden von dem Ausgang der Debatte in der Vollversammlung abhängen. Zwischen London und Peiping Liu Ning-i, der Leiter einer gegenwärtig in London weilenden Handelsdelegation des kommunistischen China, erklärte in einer Pressekonferenz: „Großbritannien kann mit China jederzeit volle diplomatische Beziehungen aufnehmen. Falls die britische Regierung beweist, daß sie der Regierung der chinesischen Volksrepublik freundschaftlich gegenübersteht, indem sie alle Verbindungen zum reaktionären Kuomintang-Regime abbricht, wird die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Großbritannien von der Regierung und von der Bevölkerung Chinas willkommen geheißen werden.“ UN-Truppen sollen Breitengrad überschreiten Australiens Außenminister befürwortet westliche Korea-Resolution — Sir Rau wünsch! Kompromißlösung Lake Success (UP). Der australische Außenminister Percy Spender forderte aul der Sitzung des politischen Hauptausschusses der UN-Vollversammlung, den Verbänden der Vereinten Nationen die Genehmigung zum Überschreiten des 38. Breitengrades zu geben. Spender, dessen Regierung zusammen mit sieben anderen Nationen die westliche Resolution über die Zukunft Koreas befürwortet, verurteilte den von dem sowjetischen Außenminister Wyschinski unterbreiteten Vorschlag eines Rückzuges aller ausländischen Truppen von der Halbinsel. Der Indische Delegierte Sir Rau regte als nächster Redner an, daß beide Parteien in gemeinsamer Verhandlung eine Kompromißlösung zwischen den beiden unterschiedlichen Resolutionen ausarbeiten sollten. Für den Fall, daß sich keine Kompromißlösung finden lasse, müsse ein Sonderausschuß ernannt werden, mit der Aufgabe, einen von beiden Seiten gebilligten Text fertigzustellen. Der norwegische Delegierte Sunde erklärte, den Nordkoreanem sei mit der Übergabeforderung General MacArthurs die Gelegenheit gegeben worden, weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Da sie dieses Angebot nicht angenommen haben, müßten sie bis zum „Letzten vernichtet werden“. Der nationalchinesische Delegierte T s i a n g betonte, daß die sowjetische Resolution von einer falschen Voraussetzung ausgehe: während dieser Vorschlag die Wünsche der Bevölkerung außer Acht lasse, ziele die westliche Achfanächteresolution darauf ab, den Wünschen der Koreaner durch gerechte und ehrliche Wahlen zu entsprechen. Wieder ein Hochverratsprozeß. In Brünn begann ein Hochverratsprozeß gegen acht tschechoslowakische Staatsangehörige, die un-. ter der Leitung des britischen Vizekonsuls in Preßburg, dessen sofortige Abberufung von der Prager Regierung verlangt wird, Spio nage getrieben haben sollen. Zeugen beschuldigen Bertram Beim Kriegsverbrecherprozeß in Brüssel Brüssel (UP). Ein belgischer Militärgerichtshof vernahm die ersten Zeugen, die gegen die deutschen Machthaber während der Besatzungszeit aussagen sollen. Zeugen aus Liege beschuldigten General Bertram, den Befehl zur Erschießung eines Mannes und einer Frau gegeben zu haben. Die Frau wurde mit einer Gruppe von zehn Geiseln im Januar 1943 erschossen, nachdem belgische Widerstandskämpfer vier Belgier und einen Deutschen getötet hatten. Bertram erklärte, er habe durch eine Verwundung sein Gedächtnis verloren und behauptete, daß ein Befehl zur Entlassung von Geiseln nicht befolgt worden sei. Der Hauptangeklagte, General von Falkenhausen, blieb weiter bei seiner Erklärung, daß er versucht habe, in Belgien das Schlimmste zu verhüten. Schweiz baut Panzerwaffe aus Fünf jahresplan zur Landesverteidigung Bern (ZSH). Ein außerordentlicher Fünfjahresplan zur Verstärkung der schweizerischen Landesverteidigung sieht zusätzliche Ausgaben von 1,4 Milliarden Schweizer Franken vor. Vor allem sollen die Panzerwaffe und die Panzerabwehr ausgebaut werden. Der Bundesrat gab der Hoffnung Ausdruck, daß die menschliche Vernunft der Welt einen dritten Krieg ersparen werde, betonte aber, daß dennoch größere Summen zur Sicherung des Landes- aufgebracht werden müßten. Ein wichtiges Ereignis: Bundesgerichtshof Karlsruhe (Id). Die feierliche Eröffnung des Bundesgerichtshofes im ehemaligen erbgroßherzoglichen Palais In Karlsruhe wird, wie bereits früher mitgeteilt, am 8. Oktober stattfinden. Der Bedeutung des Ereignisses entsprechend werden im Rahmen eines Festaktes Bundespräsident Heuß, Justizminister Dr. Dehler, der Präsident des Landesbezirkes Nordbaden, Finanzminister Dr. Kaufmann, Oberbürgermeister Topper sowie der Präsident des Bundesgerichtshofes, Weinkauff, sprechen. An dem Festakt, der durch musikalische Darbietungen der badischen Staatskapelle umrahmt wird, nehmen auch Bundeskanzler Dr. Adenauer, der Bundestagspräsident, der Bundesratspräsident, die Staatspräsidenten Wohieb und Dr. Müller, Ministerpräsident Dr. Maier, die Landtagspräsidenten von Stuttgart, Freiburg und Tübingen, die Justizminister der westdeutschen Länder sowie der Präsident Eisler wieder zurück Aussprache Kirche—Staat in Mecklenburg Berlin (UP). Der Informationschef der Deutschen Demokratischen Republik, Gerhard Eisler, trat nach mehrwöchiger Zurückgezogenheit mit starken Ausfällen gegen die USA wieder in einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit. „Wer noch Zweifel über die Absichten und Methoden der anglo-amerika- nischen Imperialisten hatte“, so sagte er u. a., „dem haben die Untaten der amerikanischen Schlächterarmeen in Korea die Augen geöffnet. Für die Welt wird es kein schönes aber gerechtes Schauspiel sein, wenn dem Schlächtergeneral McArthur für seine in Korea verübten Untaten der Strick um seinen alten Hals gelegt wird. Vergessen wir nicht, daß die amerikanischen Schlächter das gleiche wie in Korea bei uns in Deutschland vorbereiten wollen.“ 43 Geistliche beider Konfessionen in Lande Mecklenburg (Ostzone) haben an einer Aussprache mit Ministerpräsident Höcker über die Zusammenarbeit zwichen Kirche und Staat teilgenommen. Wie ADN meldet, sollen die Geistlichen in einer Entschließung gesagt haben. gerade die Seelsorger müßten sich „für die Ziele der Nationalen Front, für Frieden, Einheit und Aufbau mehr als bisher einsetzen.“ Vertriebenen-Fragen erörtert. Im Bundesministerium für Angelegenheiten der Vertriebenen fand die erste gemeinsame Sitzung von amerikanischen und deutschen Sachverständigen statt, die sich mit dem deutschen Ver- triebenenproblem befaßte. Kirkpatrkh sprach in Hannover. Für ein».’ feste und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Großbritannien sprach sich der britische Hohe Kommissar Sii Kirkpatrick bei einem Empfang in Hannovei aus. Hamburger BIP protestiert. Gegen die Verhaftung des Vorsitzenden der KP-Fraktion in Hamburg, Dettmann, hat der Landesvorstand der KP Hamburgs protestiert. Dettmann wurde unter dem Verdacht festgenommen, an Demonstrationen gegen die Polizei teilgenommen zu haben. McArthur-Mlssion verläßt Formosa. Die von General McArthur nach Formosa entsandte Untersuchungsmission erhielt die Anweisung, sofort ihre Geschäfte abzuwickein und nach Japan zurückzukehren. Griechenland und Türkei verhandeln. Der griechische Ministerpräsident Venizelos gab bekannt, daß zwischen den Regierungen Griechenlands und der Türkei Verhandlungen und die Richter des Bundesgerichtshofes und über den Abschluß eines Mittelmeer-Rcgio- des Oberbundesanwaltes teil " nalpaktes geführt werden. AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Spareinlagen haben zugenommen Im Bundesgebiet haben im August 1950 die Spareinlagen bei Spar- und Girokassen von rund 2658 Millionen DM um 8,8 Millionen DM auf rund 2667 Millionen DM zugenommen. Von der Zunahme sind 8,3 Millionen DM reiner Einzahlungsüberschuß und nur 0,5 Millionen DM Zinsgutschriften. An dem Einzahlungsüberschuß sind die steuerbegünstigten Spareinlagen mit 5,6 Millionen DM beteiligt Indisch-deutsche Handelsbesprechungen In Neu-Delhi wurden Besprechungen aufgenommen, die zur Intensivierung des Handels zwischen Indien und Westdeutschland führen sollen. Die Besprechungen werden von indischer Seite von Handelsminister C. Desai geführt, während die deutsche Handelsdelegation unter der Leitung von Dr. van Sch erpenberg steht. Stuttgarter Schiachtviehmarkt vom 3. Oi:t. Auftrieb: Rinder 499, davon 90 Ochsen aus Ungarn, Käiber 758,- Schweine 1*52, davon 1185 aus Ungarn und etwa 50 aus Frankreich. Preise: Ochsen AA junge 90—98, A 76—88, BuUen AA 94 bis 98, A 85—93; Färsen AA 95—180, A 85—93. B 78—83; Kühe A 70—80. B 56—05. c 48—55, D bis 45. Kälber Sonderklasse über Notiz: A 128—136, B 117—127. c 102—116, D bis 100: Schweine A 134—136, Bl, B2 130—135, C 127—133, D 115—126, E, F 110—120, G 4 US—125, G 2 105—115. Marktverlauf: Rindei mäßig belebt, Uberstand an alten Ochsen und Bullen. Kälber langsam geräumt. Schweine langsam. Oberstand an mageren Schweinen ivßttwoen, aen 4. Oktober 195o Das „sparsame" Büro Rapp Kamm and Befreinngsministerium za Beanstandungen des Rechnungshofes Neue Konferenz der Regierungschefs? Staatspräsident Dr. Maller za den südbadischen Erklärungen Stuttgart (lwb). Das württemberg-badische Staatsministerium hat dem Landtag kürzlich eine Stellungnahme zu den vom Rechnungshof beanstandeten Etatsüberschreitungen des Ministeriums für politische Befreiung für die Jahre 1946 und 1947 zugeleitet. Der Rechnungshof für Württemberg-Baden hatte in einer Denkschrift vom 6. Dezember 1949 vor allem die mehrjährige Inanspruchnahme des Buchprüfers und Steuerberaters Rapp und seines Büros durch das Befreiungsministerium, die übermäßige Benutzung von Dienst- und Mietkraftwagen und die Überschreitung der veranschlagten persönlichen und sächlichen Ausgaben beanstandet Das Staatsministerium stellt u. a. fest Baß die Finanzgebarung des Ministeriums für politische Befreiung in den Jahren 1946 und 1947 nicht in allen Einzelheiten gebilligt werden könne. Bei der heutigen Beurteilung seien aber die „ganz außergewöhnliche Arbeitsaufgabe“ und die damaligen allgemeinen Verhältnisse zu berücksichtigen. Die Stellung-: nähme des Staatsministeriums fußt auf längeren Berichten des Ministeriums für politische Befreiung und des ehemaligen Befreiungsministers Kamm, Beide weisen darauf hin, daß die durch die Tätigkeit Rapps und seines Büros entstandenen Ausgaben vollständig durch die Einnahmen an Sühnegeld und Gebühren gedeckt gewesen seien. Außerdem seien infolge des Vorsprungs der Entnazifizierung in Württemberg-Baden vor der anderer Länder in der US-Zone auch auf anderen Gebieten große Einsparungen erzielt worden, die in erster Linie der Tätigkeit Rapps zuzuschreiben seien. Durch den Einsatz von Kraftwagen seien Tage- und Übemach- tungsgelder eingespart und die Dienstgeschäfte in viel kürzerer Zeit erledigt worden. Die Haushaltplanüberschreitungen der Jahre 1946 und 1947 sind nach Angaben Kamms auf Befehle der amerikanischen Militärregierung zurückzuführen, die eine Erhöhung des Personalstands erforderlich machten. Die Planüberschreitung des Jahres 1947 sei durch Mehreinnahmen und Einsparungen voll gedeckt. Der Finanzausschuß des Landtages wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit der Angelegenheit befassen. Neues Gesetz über Beamten-Wählbarkeit? Stuttgart (lwb). Der württemberg-badische Landtag wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch mit der Lage befass«!, die sich aus der Ablehnung des Artikels 10 Absatz 2 des Landtagswahlgesetzes durch die alliierte Hohe Kommission ergeben hat. Er muß insbesondere die Frage prüfen, ob das Landtagswahlgesetz auch nach der von der Hohen Kommission verlangten Streichung des Artikels 10 Absatz 2 und 3 noch verkündet werden soll und ob an der Stelle des Artikels 21 des Beamtengesetzes ein neues Gesetz verabschiedet werden «oll, das die Wählbarkeit der Beamten grundsätzlich regelt. Mit diesem Gesetz würde dann der umstrittene Artikel 21 des Beamtengesetzes auch formell außer Kraft gesetzt werden. Man beabsichtigt—vorausgesetzt daß die Fraktionen damit einverstanden sein sollten — nach‘dem Vorbild des hessischen Beamtengesetzes einen bestimmten Kreis von Beamten, wie zum Beispiel Wahlbeamte und Hochschullehrer, aus den Beschränkungen auszunehmen. Mit der Verabschiedung eines solchen Gesetzes wäre «He leidige Frage der einschränkend«! Bestimmungen des alben Beam- tengeeetzes endgültig geklärt. 1000 Mann Bereitschaftspolizei für das Land? Stuttgart (lwb). Der württemberg-badische Innenminister Ulrich äußerte die Ansicht, daß Württemberg-Baden mit etwa 1000 Maün Bereitschaftspolizei auskomm en könne. Die für das gesamte Bundesgebiet vorgesehenen 30 000 Mann würden nach Schwerpunkten auf die einzelnen Länder aufgeteilt werden. Keil will nicht mehr kandidieren Stuttgart (ZSH). Der Jubilar unter den deutschen Parlamentariern, der 80jährige Präsident des württemberg-badischen Landtages, Wilhelm Keil (SPD), hat seine Entschlossenheit bekanntgegeben, die Annahme einer Landtagskandidatur auch dann abzulehnen, wenn man sich einstimmig auf seine Nominierung einigen sollte. Schon vor einiger Zeit hatte der Kreisvorstand der SPD seines Wahlkreises Ludwigsburg einstimmig beschlossen, Keil doch als Spitzenkandidaten aufeustellen. Wie aus Kreisen der Delegiert«! in diesem Zusammenhang bekannt wird, wurden auf der Kreiskonferenz der SPD in Ludwigsburg für die Nominierung Keils 27 Stimmen bei 30 Enthaltungen abgegeben. „Sagenhafte WohmmgsverhäItnisse ‘ Hannover (UP). Als „sagenhaft“ bezeich- nete der niedersächsische Minister für die Vertriebenen, Albertz, nach seiner Rückkehr von einem Besuch Württemberg-Badens die dortigen Wohnungsverhältnisse. Die württemberg-badische Regierung habe auf diesem Gebiet „Außerordentliches geleistet“. So hätten im Gebiet von Heilbronn alle Umsiedler entweder schon eine Neubauwohnung bezogen oder würden in den nächsten Wochen in eine Wohnung eingewiesen. Ein Nachspiel rann „Fall Schacht“ Stuttgart (UP). Der Strafsenat des Oberlandesgerichtes Stuttgart hat einen Antrag des ehemaligen Schacht-Verteidigers Dr. Schwam- berger gegen den Ministerialrat im Stuttgarter Staatsministerium, Ströle, wegen „Nötigung im Amt“ zurückgewiesen. Schwamber- ger beschuldigte Ströle, Dr. Schacht den Verzicht auf dessen Schadenersatzklage gegen das Land Württemberg-Baden abgenötigt zu haben mit dem Versprechen, daß dafür die Kassation der damals für Schacht positiven Spruchkammerentscheidung rückgängig gemacht werde. Das Oberlandesgericht hat den Antrag Dr. Schwambergers mit der Begründung verworfen, bei dem Vorgang habe es sich nicht um eine „rechtswidrige Drehung“, sondern lediglich um eine „übliche Abmachung zwischen beiden Parteien“ gehandelt. Kalbfells Immunität aufgehoben Tübingen (ZSH). Der Landtag von Würt- temberg-Hohenzollem nahm mit großer Mehrheit den Antrag des SPD-Abgeordneten Kalbfell auf Aufhebung seiner Immunität an. Bekanntlich wurde Kalbfell, der Oberbürgermeister von Reutlingen ist, schon wiederholt vorgeworfen, er habe bei den Reutlinger Geiselerschießungen im Jahre 1945 mitgewirkt. Das Wahrzeichen von Manhattan New Yo^ks größte Arena: Madison Square Gard — Vom Boxmateh bis zum Paderewski-Konzert A. D. New York Was für Berlin der Sportpalast, das ist für die New Yorker der Madison Square Garden. Vom Boxmatch bis zum Toscanini- Konzert, vom Zirkus bis zum Basketball und von der politischen Versammlung bis zum Eishockey- oder zum Reitturnier — bei jeder Massenveranstaltung muß er herhalten: Der größte Hallenspielplatz Amerikas, die größte Sportarena New Yorks, das Wahrzeichen von Manhattan, das in den 25 Jahren seines Bestehens über 150 Million«! Maischen in seinen gewaltigen Ziegelmauem beherbergt hat. Das Merkwürdigste am Madi6on Square Garden ist aber zweifellos die Tatsache, daß er weder ein Gart«! ist, noch am Madison Square liegt. Zwar gab es einmal eine Zeit, in der er beiden Bezeichnung«! gerecht wurde, aber das war um das Jahr 1880 herum, als um den gepflegten Rasen von New Yorks Madison Square ein paar hohe Holzwinde errichtet wurden, zwischen denen alljährlich das große New Yorker Reit- und Springturnier unter freiem Himmel ausgetragen wurde. Wie ein maurisches Schloß . . . Um die Jahrhundertwende machten die Holzfassaden einem zweiten „Garden“ Plate, der nun bereits kein Garten mehr war, abef wenigstens noch am Madison Square lag. Der Architekt Stanford White erhielt den Auftrag, ein Gebäude zu errichten, das gleichzeitig als Sportarena, Versammlungshalle und Konzertsaal dienen sollte — und das Resultat war eine komplizierte Struktur, die wie ein maurisches Schloß aussah und dem nüchternen Madison Square den Anstrich einer anda- lusischen Landschaft gab. Es dauerte aber immerhin noch ein Vierteljahrhundert, bis sich das in einfachen Linien in die Höhe wachsende New York an dieser Monstrosität gatt- tesehen hatte. Im Jahre 1925 endlich riß man den zweiten „Garden“ nieder, aber sein None war bereits derart mit der Stadt verwachsen, daß der neue New Yorker Sportpalast, der an der Achten Avenue, zwischen der 49. und der 50. Straße, gebaut wurde, ihn einfach übernahm. Wettlauf mit der Zelt Heute ist der Madison Square Garden die erstaunlichste Schiebebühne der Wett. Angenommen, es ist 6 Uhr abends. Ein Eishockeykampf ist soeben zu Ende gegangen, und um 9 Uhr — also nur drei Stunden später — soll ein Baskettballmatch seinen Anfan g nehmen. Die Kühlanlage des „Garden“ hört bereits auf zu arbeiten, während die Spieler noch hinter dem Puck herjagen. Heiße Salzsole fließt durch die Kühlröhren, als die siegreiche Partei zum letzten Torschuß ansetet, und eine halbe Stunde später schon kratzt eine elektrische Schabemaschine das Eis von der Kampffläche und schiebt es in einen riesigen Dampfbehälter, wo es sich in wenigen Minuten verflüssigt. Zur gleichen Zeit fahren Lastwagen durch die weiten Tore der Halle und laden Teile der neuen Spielfläche ab, die in weniger als einer Stunde zu einem glatten, spiegelnden Parkettboden zusammengesetzt werden. Und um Punkt neun fliegt der erste Basketball durch das offene Netz. Oder: Am Vorabend des Nationalen Reitturniers hat ein Boxkampf stattgefunden. Noch während die letzten Zuschauer den Seal verlassen, fahren 20 bis 25 sandbeladene Lastwagen vor dem Eingang des Madison Square Gerd«! auf. Und kaum sind die Hunderte von Ringreiben abgebaut, wird auch schon der Bend hineingefahren, gewalzt und geharkt. Niemand würde es am nächsten Vormittag für möglich halten, daß hier je etwas anderes als eine Reitbahn war. Das größte Ereignis Fast immer ist der Madison Square Garden bis auf den letzten Platz besetzt — je nach Zahl der Sitze. Bei Wild-West- und Zirkus- Veranstaltungen sind es etwa 14000, bei Eishockey kämpfen 15500, an Basketball-Abenden 17 400 und bei Boxkämpfen 18500. Kasseneinnahmen von 200 000 Dollar an einem Abend sind keine Seltenheit Am vollsten aber war der Madison Square Garden nicht bei einem Jack-Dempsey- oder Joe-Louis-Kamp#, sondern am Abend dee 8. Februar 1932 , als Paderewski ein Klavierkonzert gab. Die Leiter des Madison Square Garden waren derart überwältigt von dem Ansturm der Zuhörer, daß sie es zum Schluß aufgaben, die angeblich«! Besitzer von Stehplatzkarten auf ihre Billetts zu untersuchen. Und als Paderewski die ersten Töne anschhig, war der Madison Square Garden angefüllt mit nicht weniger als 23 000 schweigenden Maischen — und war weder einen Sitz- noch einen Stehplatz gefunden hatte, saß im Dek- kengebälk, 25 Meter über dem Pianisten Bebenhausen (ldn). Staatspräsident Dr. Müller verlas vor dem südwürttembergischen Landtag eine Regierungserklärung zum Ergebnis der Volksbefragung, in der die Auffassung vertreten wird, daß die drei süd-westdeutschen Regierungschefs unverzüglich zusammentreten müssen, um zu einer Einigung zu gelangen. Das Staatsministerium habe daher beschlossen, daß Staatspräsident Dr. Müller die beiden anderen Regierungschefs zu einer Konferenz einlädt. Die südwürttembergische Regierung bezeichnet es als entscheidend, daß sich bei der Volksbefragung 70 Prozent der Abstimmenden für die Vereinigung der Länder ausgesprochen habe. Zu der Erklärung der Süd badischen Regierung, daß sich die beteiligten Regierungen auf eine Auszählung der Stimmen .nach den alten Ländern geeinigt hätten, sei festzustellen, daß es in dieser Frage nie zu einer endgültigen Einigung gekommen sei. Die Regierung von Württemberg-Hohenzollem ersehe aus dem Abstimmungsergebnis den Auftrag der Bevölkerung an die Regierung, das Zustandekommen des Südweststaates weiter zu verfolgen und werde dieser Forderung erneut und noch stärker entsprechen. Weiter wird in der Erklärung u. a. gesagt, die altbadische Mehrheit sei so gering, daß sie auch bei ein«: Durchzählung der Stimmen nach den alten Ländern nicht als Grundlage einer Befriedung angesehen werden könne, zumal sie „unter Umständen durch das Eingreifen von Kreisen zustandegekommen sei, die sich nicht einzumischen brauchten und nur auf Grund bewußter Irreführung eingriffen.“ Verdienter Beamter ausgeschieden Stuttgart (lwb). Ministerialdirektor Dr. Fritz Kiefer ist am vergangenen Samstag aus seinem Amt im württemberg-badischen Innenministerium ausgeschieden. Dr. Kiefer war bereits im Januar dieses Jahres nach Erreichung der Altersgrenze offiziell in den Ruhestand versetzt worden, hatte aber sein Amt bis jetzt als Angestellter weitergeführt. Zu seinem Nachfolger im Amt des Stellvertreters von Innenminister Fritz Ulrich wurde der bisher im Verkehrsministerium tätige Ministerialdirektor Dr. Fetzer bestimmt. Seit 1945 war Dr. Kiefer im württemberg-badischen Innenministerium als Ministerialdirektor tätig. OETV protestiert gegen „Polizeisoldaten“ Stuttgart (ZSH) Die Hauptfachabteilung Polizei der Gewerkschaft öffentliche Dienste beschäftigte sich dieser Tage mit der neu zu bildenden Bereitschaftspolizei und forderte, daß den neuen Einheiten eine Bezeichnung gegeben werde, die jede Verwechslung mit der Polizei ausschließe. In einer Erklärung wird vor allem dagegen Stellung genommen, daß mit der Aufstellung der künftigen Bereitschaftspolizei fast ausnahmslos ehemalige Wehrmachtsoffiziere beauftragt seien. In diesem Zusammenhang wendet sich die Gewerkschaft vor allem gegen den Landespolizeipräsidenten des Regierungsbezirkes Oberbayern, Max Kreutzer, von dem behauptet wird, er sei „erwiesenermaßen mit dem Dritten Reich geistig verbunden“. Als Oberstleutnant der Wehrmacht habe Kreutzer 1943 ein Buch herausgegeben: „Der Polizei-Truppendienst“, dessen Inhalt die Gewerkschaft nicht zustimmen könne. Es sei zu befürchten, daß Kreutzer seine in diesem Buch niedergelegten Gedanken im demokratischen Staat verwirklichen wolle. Damit hätte aber die Be- reitschaftspolizei nicht das geringste mit dem Begriff Polizei gemeinsam, weil es sich dann um rein militärische Verbände handeln würde Ein Familienvater ermordet Nächtlicher Raubmord an der Dreisam bei Zarten Freiburg (Ids). An der Dreisam bei Zarten wurde am Montag der 53 Jahre alte Landwirt Josef Steinhard aus Zarten von Kindern tot aufgefunden. Nach Ermittlungen der Kriminalpolizei liegt Raubmord vor. Die Tat dürfte in der Nacht zum Montag gegen Mitternacht verübt worden sein. Steinhard befand sich zu dieser Zeit mit seinem Fahrrad auf der Heimfahrt aus der Gegend von Titisee. Das Fahrrad des Überfallenen lag unmittelbar an der Bundesstraße 31, ungefähr 300 Meter von der Ortschaft Zarten in einem Rüben acker. Spuren deuten darauf hin, daß Steihhard an dieser Stelle überfallen, ausgeraubt und dann an die Dreisam geschleppt worden ist Es soll ein Geldbetrag und die Uhr des Ermordeten fehlen, dem außerdem ein Ohr abgerissen wurde. Der Tat verdächtig sind zwei junge Männer im Alter von etwa 25 Jahren, die einen ortsfremden Akzent sprachen. Der Tote ist Vater von sechs Kindern. Falschmünzerpaar verhaftet Konstanz (lds). Ein Falschmünzerpaar konnte durch die Aufmerksamkeit eines Geschäftsmannes festgenommen werden, nachdem es bereits 60—80 falsche 50-Pfg.-Stücke abgesetzt hatte. Die Polizei konnte über 600 falsche Münzen sicherstellen. Schon wieder ein Kabel durchgeschnitten Mannheim (UP). Ein Haupttelegraphenkabel bei Mannhäm wurde nach Mitteilung der Polizei in der vergangenen Nacht durchgeschnitten. Zehn Meter Kabel wurden von den noch unbekannten Tätern her ausgenommen. Die Ausbesserung des Schadens dauerte zwölf Stunden. Damit wurde innerhalb von einer Woche zum dritten Mal eine Nachrichtenverbindung in der Bundesrepublik unterbrochen. Die Polizei vermutet in allen Fällen Sabotage. Von den Tätern fehlt jede Spur. Verteidiger eines Postgeldräubers verurteilt Karlsruhe (UP). In der Mannheimer Postraubaffäre verurteilte das Karlsruher Landgericht den 42jährigen Mannheimer Strafverteidiger Rechtsanwalt Dr. Förderer wegen Begünstigung, Hehlerei und fortgesetzter Steuerhinterziehung zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis sowie zu insgesamt 15200 DM Geldstrafe. Der Rechtsanwalt hatte als Verteidiger eines der Mannheimer Postgeldräuber, die voriges Jahr im September 160 000 DM erbeuteten, einen Teil der Beute beiseite schaffen lassen. Von den 10 300 DM erhielt Dr. Förderer ein Honorar von 800 DM. Außerdem schmuggelte er Zigaretten, Fleischwaren und Alkohol in das Untersuchungsgefängnis, um dem jungen Räuber den Aufenthalt zu erleichtern. Zugleich wurde der Rechtsanwalt für schuldig befunden, in ununterbrochener Folge Umsatz- und Einkommensteuer hinterzogen zu haben, obwohl er Sachbearbeiter für Steuerfragen war. Die 23jährige Freundin des Postgeldräubers, Anita Hörner sowie ihre 42- jährige Tante Maria Dubail, die gleichfalls in die Affäre verwickelt waren, erhielten wegen Begünstigung und Unterschlagung je neun Monate Gefängnis. Außerdem wurden alle drei Angeklagten dazu verurteilt, der Post die beiseitegeschafften 10 300 DM zu ersetz«!. Neue Betrugsaffäre großen Formates Karlsruhe (UP). Eine der größten Betrugsaffären der Nachkriegszeit wird gegenwärtig von der Karlsruher Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft untersucht: Durch raffinierte Fälschungen von Überweisungsaufträgen war ein Geldinstitut veranlaßt worden, auf bestimmte Bankkonten insgesamt 240 000 DM zu überweisen bzw. gutzuschreiben Wie aus der Darstellung der Vizegeneralstaatsanwaltschaft in Karlsruhe weiter hervorgeht, soll der — inzwischen verhaftete — Holzhändler Gustav r.ang als Inhaber einer dieser gefälschten Konten unrechtmäßig 32 000 DM abgehohen haben. Der Verteidiger des Holzhändlers, Rechtsanwalt Dr. Hoffmann, wurde im Zusammenhang mit dieser Affäre vor einigen Tagen ebenfalls verhaftet. Dem bekannt«! Karlsruher Strafverteidiger wird vorgeworfen, er habe von seinem Mandanten bzw. dessen Verwandten einen unrechtmäßig abgehobenen Betrag erhalten und zum großen Teii für sich verbraucht. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. NEUES AUS ALLER WELT Knapp den Flammen entronnen Große Flüditlingsbaracke niedergebrannt Bremen (UP). Eine Brandkatastrophe brachte in Bremen 12 Flüchtlingsfamilien und Ausgebombte, mit ine gesamt 60 • Personen in furchtbares Elend. Auf bisher noch ungeklärte Weise stand eine last 450 qm große Holzbaracke in der Nacht plötzlich in Flammen Die überraschten Barackenbewohner mußten zum großen Teil noch im Nachthemd bei strömendem Regen und starkem Sturm aus den Fenstern springen, um dem Flammenmeer zu entkommen. Die mit sieben Fahrzeugen herbeigeeilte Feuerwehr konnte nur noch ein Übergreif«! de« Feuers auf eine benachbarte Holzbaracke verhindern. Ein Tanker explodierte Acht Tote and drei Vermißte Bogota (UP). Wie die Tropicial Oil Company mitteftt, sind bei der Explosion eines Tankers acht Beeatzungsmitglieder getötet worden. Der Tanker war mit einer Ladung Asphalt auf dem Wege von Puerto Berrio nach Caatimplora. Drei Matrosen, unter ihnen der Kapitän, «raren sofort tot Fünf starben Im Krankenhaus. Drei Vermißte wurden aufgegeben. Vom Eiffelturm gestürzt Tödlicher Unfall eines Fünfzehnjährigen Paris (UP). Ein lSjähriger Junge stürzte von der ersten Plattform des Eiffelturms in die Tiefe. Er war sofort tot. Die Polizei registrierte den Todessturz als Selbstmord, nachdem der Vater des Junger, aussagte, daß dieser sich vor einer Prüfung in der Schule gefürchtet habe. Im Wald unter den Lastkraftwagen geraten Baden-Baden (ZSH). Ein tragischer Unfall forderte zwei Menschenleben. Eine 51- jährige Mutter, die mit ihren drei Söhnen im Wald Holz gesammelt hatte, bestieg am Abend den Lastkraftwagen, der das Leseholz ab- führen sollte. Auf dem abschüssigen Waldweg verlor der Fahrer die Herrschaft über den Wag«! und fuhr auf eine Böschung, so daß der Wagen umkippte. Die Frau wurde mit ihrem neben ihr sitzenden Sohn aus der Kabine geschleudert und geriet unter den Wagen. Die Verletzungen waren so schwer, daß ihnen Mutter und Sohn nach dem Unfall erlagen. Festlicher Empfang der Weinkönigin Trier (ld). Maria-Elisabeth I., die neue deutsche Weinkönigin, im bürgerlichen Leben Marlies Pütz aus Saarburg/Beurig, wurde bei der Heimkehr von ihrer Krönung auf dem deutsch«! Weinfest in Neustadt in ihrer Heimat festlich empfang«i. Alle Häuser des Stadtteils Beurig hatten beflaggt. Vor dem Rathaus wurde der Weinkönigin von ihrem Großvater, der mit 83 Jahren der älteste Saarwinzer ist, ein Ehren trunk gereicht Wettervorhersage Am Mittwoch und Donnerstag wolkig bis aufheiternd und etwas wärmer; trok- ken. Schwache Winde. Tiefsttemperaturen nachts stellenweise nur wenig über 0 Grad. N kinteWelt // Himmelsaugen" erkunden den Weltenraum Die Technik auf neuen Wegen zur Erforschung des Raumes über der Atmosphäre — Fotografierte Unendlichkeit p i Die Technik und Wissenschaft von heute hat die kühnsten Voraussetzungen eines Jules Verne, dessen Zukunftsbücher einst Millionen von Lesern mit, wahrem Heißhunger verschlangen, längst übertroffen. Immer schneller wird der Mensch und im. mer höher steigt er hinauf in die unendlichen Räume. Längst ist der alte Wunschtraum der Menschheit, sich von der Erdenschwere frei zu machen und wie ein Vogel durch die Lüfte zu fliegen, Wirklichkeit geworden. Aber der forschende Geist der Wissenschaftler und der Techniker unseres Jahrhunderts gibt sich damit nicht zufrieden. Die fernen Welten und der Raum, der zwischen ihnen und der Erde liegt, sind die nächsten Ziele, die sich der Mensch zu erreichen vorgenommen hat. Hierbei helfen ihm die Raketengeschosse aller Art, die in den letzten zehn Jahren eine sich geradezu überstürzende Entwicklung durchgemacht haben und von Jahr zu Jahr, ja von Monat zu Monat mehr und mehr vervollkommnet werden. Das Neueste auf dem weiten Gebiet der Erforschung des Weltenraumes mit Hilfe von Raketen sind > die „Himmels- v äugen“, die in den Versuchs- 1 % Stationen des /// III! !i! amerikanischen Kontinents zur Zeit im Bau sind und deren Modelle bereits zahlreiche Prüfungen mit Erfolg bestanden haben. Die Rakete soll • zur I Erforschung der Ausstrahlungen _der Sonne, des WStetiiS®!n< Himmels und der Erde dienen und ihre Auswirkungen im Raume über der Erdatmosphäre feststellen. Bei dieser Rakete handelt es sich um eine Konstruktion, in deren äußerster Spitze sich ein ballförmiges, in Kompaßringen befestigtes Gehäuse befindet. Eis ist in Kreiselkonstruktionen gelagert, die es ständig in der gleichen Lage halten, wie auch immer die Rakete ihren Lauf nimmt. Dieser ballförmige Apparat ist eine besondere technische Konstruktion, die mit sogenannten „Himmelsaugen“ ausgerüstet ist, die ihre Wahrnehmungen in einer Höhe von fast 150 Kilometern auf eine Schmalfilmkamera übertragen sollen. 115 Sekunden nach dem Abschuß der Rakete, die dieses Instrument zur Erforschung der Weltraumstrahlen Brücke über die Straße von Messina In Rom finden zur Zeit Verhandlungen mit einer amerikanischen Firma statt, die den Behörden Pläne unterbreitet hat, die Straße von Messina zwischen Sizilien und dem italienischen Festland mit einer Brücke zu überspannen. Die Brücke würde rund 100 Millionen Mark kosten und für zwei Jahre 8000 Spezialarbeitern Brot geben. Die Brücke ■würde gleichaeitg die größte der Welt se t und sich in einer Länge von 4200 Metern über die Meeresstraße spannen, die schon Odysseus durchsegelte. in die schwarze Finsternis der Unendlichkeit jagt, öffnet sich automatisch eine Klappe und die Kugel mit den Himmelsaugen, inmitten seiner äußeren, schützenden Kompaßringe, M 'Tk'XKdt' „Augen“ zu arbeiten. Sie befinden sich am Nordpol und am Südpol der Kugel und längs der gedachten Äquatorlinie. Weitere sind in , ... , „ gleichmäßigen Abständen zwischen dem Em Zwinger für „fliegende Munde Äquator unH jedem der Pole. Auf dem Flugplatz La Guardia (New York) verteilt. , Die „Augen“ beste- hat dieser Tage die amerikanische Fluggesefl- hen in der Hauptsache aus schaft Trans World Airlines einen besonderen einer dünnen Glimmerschicht zollfreien Zwinger für die „reisende Hunde* und einer Mischung von Wis- weit“ eingerichtet. Dieser Zwinger, der si8n- mut und Antimon. Die Strah- dig mit einem großen Vorrat an Fleisch und len, d e sie aufnehmen, wer- dem nötigen Sägemehl versehen ist, wurde 1 ? Die Illustrationen zeigen die Kugel in der Spitze der Rakete (linkes Bild) und die einzelnen Phasen ihres Abschusses und die Wirkungsweise der eingebauten Kamera sowie die Kreiselkonstruktionen im Innern der Kugel (oberes Bild). Die gestrichelten Linien deuten den Weg an, den der Apparat zur Erforschung von Weltraumstrahlungen nach der Loslösung von der Trägerrakete nimmt. Rechts unten auf dem Bild: die Kamera am Fallschirm, vesläßt die Rakete. Sie sprengt die Ringe, und die „Augen“ werden frei und treten in Tätigkeit. Dank der eingebauten Kreisel wird der Ball in ruhiger, immer gleicher Lage fallen. Während dieser Fallzeit beginnen die den auf dem Film der Kamera festgehalten. Wenn die in den Weltenraum geschossene Kugel während ihres Falles wieder in die Atmosphäre eintritt, über die sie ja weit hinausgeschossen wurde, löst sich wiederum aus ihrem Inneren die eingebaute Kamera und wird mit einem Fallschirm sicher zur Erde getragen, so daß die gemachten Aufnahmen nicht durch irgendwelche Erschütterungen beschädigt werden. Ein weiteres Sicherungsmittel ist ein ebenfalls eingebauter starker Sender, der im gegebenen Augenblick ein Signal gibt, so daß von den Beobachtungsstationen auf der Erde das Niederkommen der Kamera genaue- stens verfolgt werden kann, um die kostbaren Filme Zu bergen, da sie ja aus Höhen herrühren, die bisher noch kein lebender Mensch erreicht hät. Man erhofft sich von den „Himmelsaugen“ in Fachkreisen der Wissenschaft und Technik neue Erkenntnisse von ausschlaggebender Bedeutung über die Weltraumstrahlen und ihre Wirkungen. der Hier kann man fröhlich vor Anktr geton „Zwischendeck“ mit Komfort im Mainzer Schiffshotel - Besucher aus aller Welt Schwimmende Hotels sind an sich nichts Neues. Die Bundestagsabgeordneten, die auf dem „Knurrhahn“ in Bonn zu übernachten gezwungen sind, wissen ein Lied von den Annehmlichkeiten, aber auch von den unangenehmen Seiten zu singen, die das Übernachten auf einem vor Anker liegenden Schiffshotel mit sich bringt. Wenn man es aber versteht, ein Hotelschiff mit so viel Bequemlichkeiten und modernen Errungenschaften auszustatten, wie dies dem Besitzer des neuen Schiffshotels an der Mainzer Straßenbrücke gelungen ist, dann wird eine Übernachtung auf dem Wasser ein Genuß und eine bleibende Erinnerung. Als sich der Oberkellner Konrad Pabst aus Bad Kreuznach entschloß, sein Erspartes in einem schwimmenden Hotel-Restaurant anzulegen, da war er sich der Schwierigkeiten dieses Wagnisses wohl bewußt. Der alte Rheindampferkapitän, der den abgewrackten 800-Tonner aufstocken und das Oberdeck zu einer etwa 200 Personen fassenden Terrasse ausbauen ließ, hatte mit seiner Idee, den Schiffskörper zu einer Paddelboothalle aus- zugestalten, zum erstenmal in seinem Leben Schiffbruch erlitten. Sein neuer Besitzer fand bessere Verwendungsmöglichkeiten für das 50 m lange „Unterdeck“. In seinem vorderen Die klugen Krähen von Jaipur V ßgel mit ein Mn ganz unheimlichen Verstand — Eine Plage in Indien Hs ist kaum mägfcch, in Indien irgend etwas Zu tun, und völlig ausgeschlossen, irgend ‘Jtwas zu essen, ohne daß eine Krähe davon Notiz nimmt Die indische Krähe ist das erstaunlichste Tier, das ich in den Tropen gesehen habe. Anfangs guckte der Europäer lieber einem grasgrünen Papagei nach oder einem Elefanten. Krähen kann er auch zu Hause haben, meint er, sogar schönere. Denn die indische Krähe ist nur klein geraten, und ihrem stumpfschwarzen Gefieder fehlt der irisierende Glanz. Sie ist ein schlichter Vogel. Aber sie hat Verstand. Einen ganz unheimlichen Verstand! Wenn sich der Europäer an die Tropen gewöhnt und zur Kenntnis genommen hat, daß die Papageien hier so häufig sind wie daheim die Spatzen, wenn ihm die kecken grauen Affen nicht mehr possierlich erscheinen, sondern nur mehr lästig, wenn er somit den Re- f ekt- "e? absonderlichen Tierformen und erfarixsn verloren’ hat, dann beginnt ihn der Verstand der indischen Gäste zu interessieren. Er sieht sie überall, und wenn er sie nicht sieht, so ist damit keineswegs gesagt, daß sie nicht in der Nähe ist. Es braucht nur ein Stück Brot auf die Erde zu fallen, und sofort ist sie da. Ganz gleich wo, am Meeresstrand, im Gebirge, im Dschungel oder auf der Hotelveranda: ein Stück Brot ergibt stets ein halbes Dutzend Krähen, manchmal auch ein ganzes. Sie haben ihre Posten überall, und eie wissen alles. Dieses Wissen verstehen sie meisterhaft in Fressen umzusetzen. Denn es sind ausgesprochen spekulative Vögel. Die Erforschung und Ausnutzung eines Zufalls-Gewinnes erscheint ihnen weit wichtiger (und gewiß auch schmackhafter) als die solide Arbeit des systematischen Futtersuchens. Ich wurde in Jaipur auf die Krähen aufmerksam. Dort hat der Maharadscha einen kleinen Zoo gestiftet mit ein paar Tigern, Gazellen und Affen. Die Affen werden abends um sechs Uhr gefüttert; der Wärter drückt jedem ein Stück Weißbrot ins Häindchen. Niemand kann sagen, weshalb der Maharadscha in seinem Zoo Affen an einen Baum bindet, während alle anderen Bäume von Affen wimmeln. Immerhin, er tut es; vielleicht der Krähen wegen. Fünf Minuten vor sechs Uhr sind die meisten Krähen von Jaipur beim Affenbaum. Schon von halb sechs an treiben sich ein paar herrenlose Hunde herum. Hunde sind nicht so präzise wie Krähen. Sobald der Affe sein Brot hat, klettert er auf den Baum, an den er mit einer feinen gleitenden Kette ange- schlossen ist. Er muß hinaufklettern, sonst nehmen ihm die Hunde das Brot weg. Die Krähen wissen das selbstverständlich — was wissen sie nicht! — und erwarten ihn schon auf seinem Lieblingsast Kaum ist er oben, so sitzt auch schon eine Krähe zwei Spannen hoch vor ihm und krächzt ihn an. So recht höhnisch, mit schiefem Kopf und offenem Schnabel. Der Affe kann sich das nicht gefallen lassen. Ich bitte sehr, ein echter heiliger Hanuman-Affe! Er fletscht die Zähne. Die Krähe krächzt weiter. Er schlägt mit der einen Hand nach ihr — sie weicht aus und krächzt um so höhnischer. Er schlägt mit der anderen Hand nach ihr — die Krähe ist weg. Denn er hat gleichzeitig das Brot fallen lassen, .und die Krähe muß es in der Luft fangen. Sonst fressen es die Hunde. An den fünf Abenden, an denen ich diesen Jai- pur-Krähen im Zoo zmsah, haben sie das Brot dreimal bekommen. Ein einziges Mal fiel es vor die Hunde, und ein anderes Mal hat ein Affe es überhaupt abgelehnt;,er schien zu wissen, daß er es ja doch nicht-ffessen würde. ' R. K. Teil wurde eine Warmwasserheizung eingebaut, während das „Achterdeck“ eine elektrische Kühlanlage und elektrische Eismaschinen aufnahm. Neben der Warmwasseranlage entstand ein schön gekacheltes, modernes Wannenbad mit Duschen. Fließendes warmes und kaltes Leitungswasser im Bad und in den Kabinen läßt die Leute vergessen, daß sie sich auf einem Schiff befinden. Das Glanzstück des Mainzer Schiffshotels ist zweifellos das „Zwischendeck“, das zur Hälfte zu einem stilvollen, gemütlichen Restaurant ausgebaut ist, während die andere Hälfte die Kabinen sowie die Schlafräume und die eigene Wohnung für den Besitzer mit seiner Familie enthält. Der gepflegte Restaurationsraum mit seiner getäfelten Decke und den breiten Schiebefenstern, die einen wundervollen Blick auf Strom und Brücke gestatten, ist schon in kurzer Zeit seit seiner Inbetriebnahme zu einem Anziehungspunkt für in- und ausländische Reisende geworden. Das Gästebuch weist Besucher aus allen Teilen des Bundesgebietes auf. Reisende aus den Vereinigten Staaten, England, der Schweiz und Belgien haben dem Mainzer Schiffshotel eine Resonanz im Ausland verschafft, die bereits Vorbestellungen auf mehrere Tage erforderlich macht. Die Romantik ist zu Gast in den heimeligen Räumen des schwimmenden Hotels an der Mainzer Brücke, und manch verliebtes Hochzeitspärchen mag mit leiser Sehnsucht an di« Abende auf der Terrasse des Schiffshotels zurückdenken, wenn sich die Lichterkette auf der Mainzer Straßenbrücke im Wasser spiegelte und von den weißen, lampioi ten Rheindampfern Musik und fröhl Lachen herüberschallte. durch die immer zahlreicher werdenden Transporte kleiner Haustiere bedingt. Der teuerste dieser „vierbeinigen Passagiere“, den die TWA bisher von Europa nach New York beförderte, war ein langhaariger DaAshuad im Werte von 1500 Dollar. Das größte Rätsel für die Zollbehörden boten jedoch neuKeh 7 kleine Pudel, die in dem Zwinger der TWA geboren wurden. Da sie aber auf amerikanischem Boden zur Welt gekommen waren, wurden sie schließlich als „amsrikanisAe Staatsbürger“ anerkannt, und die reintufor. gebühr für die kleinen Schützlinge wurde aufgehoben! Wo lag der Zirkus Nero? Bekanntlich werden seit 1940 unter Peterskirche Ausgrabungen vorgemo um weitere Teile des alten Roms zu entd< Man ist unter anderem auf der Suche na _ den Überresten des Zirkus von Calieula un' Nero. Bisher hat man aber an den von Toas- graphen des alten Roms beaeichneten Stellen, unter der Basilika, nichts gefunden. Eine Inschrift des unter St. Peter entdeckten Mausoleums des Popilius Heracla spricht allar- dings von dem Wunsch des Verstorben«», „im Vatikan nahe dem Ziakus“ begraben zjpi werden. Was darauf schließen ließ, daß dir Zirkus nicht unter den jetzt wiederhergestfiu- ten Grotten lag. Bei den neuesten UntessuAuogan in Gegend des Petensplataes konnte nun Annahme bestätigt und die genaue L; Nero-Zirkus festgestellt werden. Er sich unter den beiden neuen vatüsa: Gebäuden, die an der früheren Piazza cucci, dicht am Petersplatz und der Gredfte der Vatikahstadt, errichtet worden sind. Dte erwähnten Gebäude sind heute nach düh» gegenwärtigen Papst benannt. Das Neueste in der Konstruktion von Telefqn- apparaten ist das raumsparende Telefon, Ser Hörer ist gleichzeitig der Verschluß für die versenkte Wählerscheibe, die in einem stromlinienförmigen Gehäuse untergebracht ist. Der eigentliche Hörer dient so als staub- und schmutz- sicherer Deckel für den Apparat, Er kann auch verriegelt werden, so daß das ganze Gerät Handgriff bequem an jeden gewünschten zu tragen ist. Das olympische Haus für die Musik Sein -Grundstein wurde in Salzburg gelegt — MusHf-Olympiade in Vorbereitung Vor rund zwei Jahren wurde zum ersten Male in einer breiteren Öffentlichkeit der Gedanke einer Musik-Olympiade bekanntgemacht. Der Grundgedanke dieser Olympiade der Töne war der, sie als Gegenstück zur Sport-Olympiade zu veranstalten. Im Laufe langwieriger Vorbereitungen und Vorbereitungen technischer und organisatorischer Art gedieh der Vorschlag eines internationalen Musik Wettstreites schließlich soweit, daß sich Vertreter von 29 Staaten in Bad Gastein zusammensetzten, um die Durchführungsbestimmungen auszuarbeiten. Die Abgeordneten, darunter solche aus Südafrika, Persien, Japan und den meisten süd- und mittelamerikanischen Ländern, beschlossen nunmehr an die praktische Ausführung der Musik-Olympiade im Jahre 1952 zu gehen. In zwölf Staaten bestehen bereits Nationalkomitees zur Vorbereitung der Länderwettbewerbe. Im Sinn der aktiven Wettspiele soll jedoch der friedliche Wettkampf und die Demonstration gegenüber dem Wettbewerb und der Zensur beherrschend sein. Innerhalb der vierjährigen Periode soll das erste Jahr dem Solo- und Chorgesang sowie Darbietungen von Volksmusik, das zweite der geistlichen Musik und dem Tanz, das dritte den Instru- mentalisten und das vierte der Komposition gewidmet sein. Der Reingewinn wird in den Dienst der Förderung junger Begabungen gestellt werden. Einem Internationale!! Musik-Olympischen Komitee, das seinen Sitz in Salzburg hat, obliegen die organisatorischen Aufgaben, Die Arbeiten für das musikalische Gebiet werden von einem gewählten Senat übernommen. Er besteht aus 120 Mitgliedern. Zur Leitung des Senats wurden Ildebrando Pizzetti, Karl Böhm, Jaques Thibaud, Sir Adrian Bould, Bernhard Baumgartner und Walter Braunfels berufen. Generalsekretär ist der Schriftsteller Hermann Heinz Ortner, der Urheber des Gedankens einer Musik-Olympiade. Im Salzburger Mirabell-Garten wurde bereit der Grundstein für ein olympisches Haus g' , das im Mai und Juli der Olympiade sei. _t dienen soll und in den folgenden beiden Monaten dann den Aufführungen Salzburger Feetspielwochen zur Verfüguf! steht. Die musikalischen Wettspiele sollen j-edqjjh nicht nur auf Salzburg beschränkt bleiben. Ste können jedes zweite Jahr auf Einladung eines Teilnehmerstaates auch außerhalb der klassischen Musikstadt abgehalten werden. Mit der Verwirklichung der Musik-Olyrp- piade ist ein seit Jahren gehegter Wunsch der internationalen Musikwelt in Erfüllung; gegangen. Allerdings sind zur praktische^ Ausführung der Pläne, die bereits bis ins kleinste ausgearbeitet sind, zwei Voraussetzungen nötig: erstens die kommende politische Entwicklung und zweitens die gegebnen Möglichkeiten der Finanzierung durch r Bruchsal Der Unmut des Karlsruher Vertreters ging soweit, daß er dem Bruchsaler Bahnhof den Namen „Wildwestbahnhof“ beilegte und es war bezeichnend, daß die Versammlung diese Klassifizierung offensichtlich als zutreffend erachtete. Wir nehmen an, daß auch die an- Krankenpflegerinnen, die das Staatsexamen in wesenden Vertreter der Bundesbahn und def Regierung Notiz genommen haben. <- In Bruchsal hörte man in letzter Zeit öfters von der Bewilligung von Mitteln für den Wiederaufbau des so wichtigen Bahnhofs, aber es will und es will eben damit nicht so recht vorwärts gehen. Der Winter rückt immer näher und Eile ist geboten. f. h. Die Wiener Sängerknaben Zu ihrem Konzert in Bruchsal am 8. Oktober Dieser Jahrhunderte alte Chor, der auf eine Gründung Maximilians I. im Jahre 1498 zu- rückgeht — also vor 452 Jahren — und damals die Bezeichnung „Hof sängerknaben“ führte, besteht als einziger nur aus Knabenstimmen, Er wurde seinerzeit aus der kaiserlichen Schatulle unterhalten und nur zum Singen des. Hofburg-Hochamtes eingesetzt. Ais im Jahre 1918 die Habsburger Privat-’ schule hinschwand, übernahm der jetzige Hofrat Schnitt die Sängerknaben und ließ sie sich selbst finanzieren durch jene Konzerte, die. den Chor durch die Welt führten. Nach dem Zusammenbruch 1945 war es wiederum Hof - rat Schnitt, der sich des Chores annahm und ihn neu aufbaute. Es sind insgesamt drei Chöre. Einer bleibt immer in Wien, um dort die Messen zu singen und der Staatsoper-Chöre und Solisten für verschiedene Opern zu stellen — denn auch dort wirken die Sängerknaben mit — und zwei Chöre gehen auf Reisen. Natürlich ist es unvermeidlich, daß alljährlich einige Knaben den Chor verlassen, der Stimmwechsel zwingt dazu. Indessen fehlt es nie an Nachwuchs. Wenn in den Wiener Zeitungen die bewußte kleine Anzeige steht, führen Tausende von Eltern ihre acht- und neunjährigen Jungen vor. Aber nur wenige werden ausgesucht, nachdem man sich von ihnen hat ein Lied Vorsingen lassen. In drei Kursen wird eine weitere Auswahl getroffen. Am Ende werden die 20 Knaben, die man jährlich zur Ergänzung braucht, in den Heimat-Chor eingereiht und in das Institut übernommen. Eltern ihre Buben gern zu den Wiener Sängerknaben geben. Die sehen viel von der weiten Welt (nach 1945 waren die verschiedenen Chöre bereits in Nordamerika, Südamerika, Australien, Portugal, Griechenland, Tschechoslowakei, Italien, Türkei, Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Norwegen, Dänemark, Schweden, England), haben freien- Turnerinnen 20 Uhr. Transvaal abgelegt haben, kann ein Stipendium gewährt weiden, um auf Spezialgebieten eine UniversitätsÄsbildung zu -erlangen, die sie zum Aufstieg in einen höheren Verwaltungsposten (Oberschwester) befähigt. Meldungen müssen über die Arbeitsämter erfolgen. Arbeitszeit bei den staatlichen Behörden. Die Dienstzeiten der Staatsbehörden in Bruchsal — mit Ausnahme von Bundesbahn und Bundespost — wurden für das Winterhalbjahr vom 1. 10. 1950 bis 31. 3. 1951 so festgesetzt: Wochentags, mit Ausnahme von Slamstagen: von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr, von 13.30 Uhr bis 17.15 Uhr; Samstags: von 7.30 bis 11.45 Uhr. TSG — Bruchsal. Am Mittwoch, 4. Okt., findet das Turnen sämtlicher weiblicher Abteilungen wieder regelmäßig in der Turnhalle der Freiherr-von-Stein-Schule wie folgt statt: Mittwoch: Schülerinnen 17 Uhr, Frauen 20 Uhr; Donnerstag: Schülerinnen 17 Uhr, Unterhalt im Internat in ihrem neuerstandenen Augarten-Palais und gehen kostenlos zur- Scbule. Aber wenn sie auf Reisen gehen; bleibt die Schule zu Hause. Und wenn man die Buben fragt, hat man nicht den Eindruck, daß sie die Schule sehr vermissen. Sie fühlen sich in der Welt wohl; denn sie wissen, daß sie viel Freude mit ihren Liedern der Menschheit bringen. „In wenigen Tagen beginnt die neue Klassenlotterie.“ Seit Generationen erfreut sich die Klassenlotterie wachsender Volkstümlichkeit. Durch die neuen Zwischenklassen werden jetz* aller 14 Tage Gewinne ausgeschüttet, die mit 60 Prozent des Einsatzes alle anderen Einrichtungen ähnlicher Art übertreffen. Der Höchstgewinn beträgt 500 000 DM, der Hauptgeviinn 300 000 DM., die Prämie 200 000 DM. Wir ver- Wodienberidit der Brudisaler Stadlpolizei 17jähriger Schüler in der Nähe des Schlachthofes vom Zug überfahren In den frühen Morgenstunden des gestrigen Montag liefi sich ein 17 Jahre alter Schüler in der Nähe des städtischen Schlachthofes von einem Eisenbahnzug überfahren. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß aller Wahrscheinlichkeit nach seelische Depressionen die Ursache waren. Zwei Verkehrsunfälle In der Nähe der Eisenbahnunterführung der Bundesstraße 35 zwischen Bruchsal und Heidelsheim geriet ein Dreikraftrad ins Schleudern und prallte gegen einen entgegenkommenden Lastzug. Eigenartigerweise blieb Es ist nicht verwunderlich, daß die Wienerdas Dreikraftrad' unbeschädigt, während an Bande dressieren - Pfarrer sein Von Oskar Frey - Rheinsheim Ja gibts den so etwas!? — Wenn einer so eine Uebersehrift schreibt, gehört er eigentlich nach Wiesloch. — Ich weiß es nicht, — vielleicht könnten beide auf ihrem Posten bleiben. Höre einmal zu—: War da am letzten Sonntag in Rheinsheim der Tag des Hundes. Man könnte lachen. Es war aber so. Warum auch nicht Man hat mich auch eingeladen, was mich riesig gefreut hat Freilich kann ich weder Hund noch Katze leiden. Man hat mir früher oft spaßhalber nachgesagt, ich hätte deswegen keine Frau bekommen., Doch dies nur nebenbei. Ich ging also auch auf den Sportplatz. Es war Betrieb, sogar großer Betrieb — sogar eine Lautsprecheranlage war vorhanden. Ein Fachmann übernahm die Reportage. Ich habe als Nichtfachmann verdammt wenig verstanden. Ab und zu wurde geklatscht. Heute weiß ich noch nicht, warum. Aber Spaß beiseite, was vorgeführt wurde, hatte Händ* und Füß‘. — Natürlich ist ab und zu ein Hund nicht über das Hindernis. Es soll auch Menschen geben, die am Hindernis Vorbeigehen, anstatt es zu meistern. Soll man das einem Hund übelnehmen? Ich hörte jeweils: Vorführung gut, sehr gut — und sogar vorzüglich. Ich habe bereue es nicht. Wißt ihr, was ich den lieben Herren, die so glänzend am letzten Sonntag abgeschnitten, gesagt habe, nachdem ich mich für ihre so liebe Einladung an mich, den „Hundefreund“, bedankt hatte? — Wenn ihr mir als Pfarrer jeden Werktag und jeden Sonntag auch so gut folgt, wie euere Hunde am letzten Sonntag es euch gegenüber getan haben, dann kann ich euch auch das Prädikat: gut, sehr gut und vorzüglich geben. Am liebsten wäre mir, wenn ich immer sagen könnte: vorzüglich. — Aber bitte, keine Beleidigung, ich wollte nur ein bischen stupfen nach dem Tag der Hunde, der doch großartig verlaufen ist. Eines wollen wir festhalten, wir leben doch in einem fortschrittlichen Zeitalter, wenn schon die Hunde radfahren. Es ist höchste Zeit, daß das Volksflugzeug kommt !!!- Ein Zweites : Sport! — Was wird trainiert? Es werden Mannschaften auf-, besser gesagt, zusammengestellt, auf einander eingedrillt, trainiert nennt man es mit dem modernen Ausdruck. Der Trainer kennt seine Kumpanen, ihre Licht- und auch ihre Schattenseiten. — Er fiebert am Rande des Spielplatzes, wenn es nun ernst gilt. Vorher war es Theorie, jetzt mich an meine Examina auf der Universität kommt die Praxis und nachher kommt wieder zurückgesetzt gefühlt. Ich weiß noch so gut, wie einmal ein Kandidat ins Examen ging und vom gestrengen Herrn Professor die Bemerkung hörte: „Gut!“ — Wie er aber dann nachher sein Zeugnis erhielt, stand die Note „vier“ darunter. Beides war gut. Der Leidgeprüfte hats doch noch zu etwas im Leben gebracht. Also eines muß man sagen. Die Dressierer haben ihre Sache wirklich gut gemacht und die Hunde haben ihre Sache aber auch gut gemacht. — Abends habe ich mir dann lange überlegt, ob ich noch zu den Hundefreunden gehen solle. Schließlich siegte das Ja. Und ich Theorie. Aber es herrscht Disziplin, Gehorsam. Jeder weiß, was er zu tun, und was er zu lassen hat. Der Schiedsrichter spricht das letzte Wort. Und es klappt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wie oft muß ich denken, wenn alle Pfarrkinder dem Pfarrer folgen würden, — z. B. jeden Sonn- und Feiertag, — was wäre das doch eine Freude und ein Segen für den Einzelnen und die Gesamtheit?-Merkst was ! ?? — — Nimm einen Gesangverein. Wieder dasselbe Lied. Ordnung. Disziplin. Maulhalten. Einüben, Wiederholen — und nochmals singen; allein, ein paar Stimmen, miteinander. — Der Chorleiter funkt auch einmal zwischen hinein, flucht - auch mal, was zwar nicht notwendig wäre, — denn deswegen wirds doch flicht besser. — Aber eines Tages steigt das Lied, bringt Freude jedem, der es hört.-Warum wollen wir dem Pfarrer nicht auch folgen, wenn er zur Sonntagsfeier ruft,, um alle Berufe und_ Stände zu überbrücken? — Merkst was? — Wir Pfarrer müßten den Fanatismus eines Dresseurs, den Idealismus eines Trainers und den Optimismus eines Chorleiters haben, um auch alle unsere Anbefohlenen auf einer gemeinsamen großen Linie abzurichten, im guten Sinn des Wortes. — Merkst was? — Unsere Büdterschau BADISCHER BILDKALENDER 1951. 54 Blätter mit Aufnahmen aus dem badischen Land in Tiefdruck; Titelblatt in Dreifarbentiefdruck. Format 15X24. Preis DM. 3.80. Schon bei flüchtigem Durchblättem des Badischen Bildkalenders 1951 wird die ganze Fülle köstlicher Schätze offenbar, die das Badner Land mit vollen Händen all denen austeilt, die für das Schöne in Natur und Kunst empfänglich sind. Erinnerungen an unbeschwerte Urlaubstage werden geweckt, mit jedem Blatt verdichtet sich die Empfindung, wie gottgesegnet doch die Heimat ist. Herrliche Schlösser und Kirchen, Kunstwerke von unschätzbarem Wert, aber auch idyllische Winkel und die Stille der Natur wurden in meisterhaften Aufnahmen festgehalten. Die vollendete Wiedergabe der Bilder macht diese zu einer wirklichen Zierde des Heimes. Etwas ganz Erlesenes ist dfcs Deckblatt des Kalenders. Es gibt in Drei- farben-Tiefdruck eine Oelstudie des badischen Trachtenmalers Johann Baptist Tuttind (1838 bis 1889) wieder, einen Hauensteiner Bauern. Der Kalender ist ein herrlicher Wandschmuck für alle, die das schöne Baden lieben! dem Motorfahrzeug des Lastzuges die Stoßstange erheblich verbogen wurde. Beim Einbiegen eines Lastwagens von der Kaiserstraße in diie Rheinstraßenunterführung rutschte die aus Coca-Cola-Flaschen bestehende Ladung auf die Fahrbahn. Eine beträchtliche Anzahl von Flaschen gingen dabei in Scherben, wodurch eine Verkehrsstockung entstand. Die Ladung des Fahrzeugs war nicht ausreichend gesichert. Zwei Festnahmen. Bei einer Personenkontrolle im Bahnhof wurde ein 22 lahre alter junger Mann fest- genommen. Er war ohne festen Wohnsitz und bestritt seinen Lebensunterhalt durch Bettelei. Ein Jugendlicher aus Bielefeld sprach beim Roten Kreuz vor und bat um Benzin für sein Kraftrad. Der Junge besaß weder einen Führerschein noch sonstige Ausweispapiere. Die Polizei nahm an, daß er in Bielefeld wegen verschiedener Straftaten, vielleicht des Diebstahls des milgeführten Kraftrads wegen flüchtig gegangen war und setzte ihn deshalb vorerst hinter Schloß und Riegel. Schlägerei auf dem Meßplatz Zwischen einem Bürstenmacher und zwei Zigeunern, die ihre Wohnwagen auf dem Meßplatz abgestellt hatten, kam es zu Streitigkeiten. Der Bürstenmacher wurde verprügelt und sein Wohnwagen erheblich beschädigt. Alle Beteiligten standen unter Alkoholeinwirkung. Die Polizei sorgte für Ruhe und Ordnung. Landung eines US-ArmeeSugzeuges Auf den Wiesen zwischen Salbach und Sal- bachkanal, am Westrand der Stadt, landete am Sonntag ein amerikanisches US-Armee- flugzeug. Der Pilot gab an, daß ihn ungünstige Wetterbedingungen zu der Notlandung gezwungen hätten. P. B. „Sieben Jahre Pech!“ Bruchsaler Filmschau. In den Europalichtspielen läuft bis Donnerstag der neue Lloyd- Film: „Sieben Jahre Pech“. Die Hauptdarsteller sind Hans Moser, der einen Löwen kurierenden Tierarzt verkörpert, Theo Lingen, der ein ulkiges Faktotum darsteUt, Wolf Al- bach-Retty, dem sieben Jahre hindurch alles schief geht. t In allen Städten, in denen der Film gezeigt wurde, nahm ihn die Bevölkerung mit außerordentlichem Vergnügen auf. Die Zeitungen bezeichneten den Film als „Ein Lustspiel der tollsten Einfälle“. Rhein wasserstände Konstanz 346 (—3), Rheinfelden 225 (unvj, Breisach 168 (—2), Straßburg 235 (+1), Karlsruhe 402 (—3), Mannheim 255 (—5), Mainz 245 Mittwoch, den t Oktober weises auf die Beilage der Lotterie-Einnahme Stürmer-Mannheim, die unserer heutigen Ausgabe beigefügt ist. Die zahlreichen und beliebten Mittelgewinne bitten wir besonders zu beachten! AUS KRAICBGAU UND BR UH RAIN VdK Büchenau auf froher Pfalzfshri Männer und Frauen, das Bote Kreuz ruft euch. Der Ortsverein vom Roten Kreuz Bruch- sal bittet alle Volkskreise ohne Unterschied der Bekenntnisse und Parteien um ihre Mitarbeit als unterstützende Mitglieder. Die vor einiger Zeit an die Bevölkerung ergangenen Rundschreiben geben jedem Aufschluß über die Aufgaben des Roten Kreuzes. Wir bitten daher, den demnächst bei allen Haushaltungen vorsprechenden aktiven Helferinnen und Helfern den ausgefüllten Aufnahmeschein aus- händigen zu wollen. Klassentreffen des Jahrgangs 1898^99. Alle Schulkameraden und Schulkameradinnen, die zwischen dem 1. Juni 1898 und dem 31. Mai 1899 geboren sind, treffen sich am Samstag, 7. Okt., 20 Uhr, im „Klceterberg“ zu einem gemütlichen Abend. Frauenring Bruchsal. Die für Mittwoch, 4. Oktober, 20 Uhr, im „Jägerstüble“ ange- eetzte Zusammenkunst des Frauenrings muß wegen Erkrankung des Redners auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Treibstoffausgabe für Oktober. Für Fahrzeughalter der Stadt Bruchsal erfolgt die Ausgabe am 7. Oktober von 7.30 bis 12.00 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr und am Samstag von 7.30 bis 10 30 Uhr. Die Fahrzeughalter der Ge- * meinden können die Marken auf dem Rathaus \ f irer Gemeinde in Empfang nehmen. l/ereinskalender Skiklub Bruchsal. Die nächste Mitgliederversammlung findet anwDonnerstag, 5. Okt., 20 Uhr, im „JägerstüblcF statt. Wegen der Wichtigkeit — Aufstellung eines Wintersport- programms — werden die Mitglieder aufgefordert, recht zahlreich und' pünktlich zu erscheinen. Touristenverein „Die Naturfreunde“. Am Samstag, dem 7. Oktober, 20 Uhr, Monatsver- sammlung im „-Gasthaus zur Blume“. bliebenen war für alle Teilnehmer ein fröhes Erlebnis. In Bergzabern nahmen alle am Gottesdienst teil und um 10.00 Uhr wurde das Weintor in Schweigen passiert Unser Landsmann, Lorenz Leiling, wartete mit einem köstlichen Mittagsmahl auf. Hei, wurde da gegessen und getrunken! — Annweiler brachte den Höhepunkt der Fahrt. Selbstverständlich, daß dem Trifels ein Besuch abgestattet wurde. Auf dieser steilen Höhe saß vor 700 Jahren der englische König Richard Löwenherz als Gefangener des deutschen Kaisers. Und Jahrhunderte hindurch wurde die Reichskleinodien auf dieser Felsenburg aufbewahrt: Reichszepter, Reichsapfel und Reichskrone. * Im Hotel zum „Schwan“ entbot der Annweiler Verkehrsverein und die Annweiler Ortsgruppe des VdK den Büchenauer Gästen einen herzlichen WiUkommgruß. Reiseleiter Helmut Frey dankte für den freundlichen Empfang und die treffliche Gastfreundschaft der Pfälzer. Die Fahrt endete in Bad Dürkheim und staunend standen unsere Büchenauer vor dem größten Faß der Welt. Eine Stimmung kam auf, wie sie nur in der Pfalz möglich ist, bei Musik, bei Gesang, bei Wein. — Geradezu selbstverständlich, daß dem Tanz gehuldigt wurde. Wenn der Reiseleiter nicht zum Aufbruch gemahnt hätte, die-Ausflügler säßen heute wahrscheinlich noch in Bad Dürkheim. — Zu Hause angekommen dankten alle dem VdK für die erlebnisreiche Fahrt, insbesondere Chauffeur Diehl für seine Zuverlässigkeit. H. F. Neibsheim Der Gemeindewegwart Oskar Frank hat in folge Krankheit seinen Dienst niedergelegt, sein Nachfolger wurde Anton Westermann, Munzengasse 2. Aufgeboten sind: Josef Weniger, Maurer, Hauptstr. 26 u. Rosa Göpfrich, Zig.-Arbeierin, Steigstr. 5. Gaboren wurde: Rudi, Vater Josef Rinderspa eher, Schmied, Heide] sheimerstr. II; Klaus, Vater Fritz Weingärtner, Schlosser, Obere Mühlstr. 9, Monika, Vater Emil Kratzmeier, Weichenw., Klostergasse 3; Angelika, Vater Ludwig Dörr, Schlosser, Schafgrabenstr. 1; Günter, Vater Josef Schwarz, Lehrer, Hauptstraße 51. Am 3.10. begehrt Herr Franz Winkler, Hauptstraße 27, seinen 72. und am 4.10. Frau Katharina Ledogar ihren 76. Geburtstag. Wir wünschen beiden Jubilaren einen recht sonnigen Lebensabend. Kirrlach Am Sonntag, 1. Oktober, veranstaltete der Obst- und Gartenbauverein in der „Linde“ eine Obst- und Gartenbauausstellung. Am Nachmittag sprach Volksschuldirektor Kaiser- Bruchsal über „Gemüsebau" und Obstbauinspektor Dickgießer über „Obstbaumpflege". Der Spielabend des Schachklubs wurde auf allgemeinen Wunsch von Mittwoch auf Sonnabend verlegt Der erste Spielabend findet daher am Samstag,'l. Oktober, im „Gasthaus zum Hirsch“ zu der üblichen Zeit statt w. Wiesen tal Am Freitag, 6. Okt, 20 Uhr, findet in der „Rosenhalle“ ein großes Forum statt. Die Tagesordnung besteht aus 5 Punkten: 1. Bürgernutzen, 2. Baukredite, 3. Gewerbefreiheit und Schwarzarbeit, 4. Die Verteuerung der Lebenshaltungskosten, 5. Verschiedenes. Epptagen Kräfte der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe brachten am Sonntag in der evang. Stadtkirche in Eppingen die Johannes-Passion von J. S. Bach zur Aufführung. Freunde guter Musik fanden sich zu dieser Veranstaltung in großer Zahl ein und lauschten diesen Darbietungen, die stärksten Eindruck hinterließen. Badlsdies Staatstheater Spielplan vom 5. bis 8. Oktober Donnerstag, 5. Okt, 19.30 Uhr; 3. Vorstellung für die Platzmiete C und freier Kartenverkauf. „Dann Carlas“. Große Oper von Verdi. Freitag, 6. Okt., 19.30 Uhr, im Schauspielhaus: „Das große Welttheater“. Von Hugo von Hofmannsthal. . Samstag, 7. Okt., 19.30 Uhr; 5. Vorstellung für die Premierenmiete und freier Kartenverkauf. Neuinszenierung von „Saison in Salzburg“. Operette von Fred Raimund. Sonntag, 8. Okt., 18 Uhr; Festvorstellung anläßlich der Eröffnung des Bundesgerichtshofs. „Don Carlos“. Große Oper von Verdi. Im Schauspielhaus 19.30 Uhr: Sondervorstellung zu kleinen Preisen. 1,— bis 2,40 DM. „Emilia Galotti“. Trauerspiel von Lessing c DER Sm.tä DER HEIMAT J Sport im Tabelleitspiegel 2. Amateurliga: IUendorfer Chronik der Wodie Eine Notbrücke über den Kanal — Unt erhalt ungsabend des „Liederkrans“ In den frühen Morgenstunden des 1. April ,945 wurde Neudorf durch eine starke Detonation in Schrecken versetzt. Allmählich sik- kerte durch, daß die große Eisenbahnbrücke und die Kanalbrücke durch Sprengkomman- dos in die Luft gesprengt wurden. Während die Eisenbahnbrücke durch Schlossermeister Pe- termann bald gehoben war — es war eine Meisterarbeit eines dörflichen Handwerksmeisters — blieb die Kanalbrücke weiterhin batin, Kapellenstraße 42, das 74., am 30. Rosa Dahm, Luisenstraße 9, das 72., am 1. Oktober Barbara Gaier, Bruchsalerstraße 22, das 83., am 2. 10. Franziska Dörfler, Huttenheimerstr. 42, das 73., am 4. 10. Andreas Siegel, Hauptstraße 7, das 85. Lebensjahr. Am 6. Oktober wird Werkmeister a. D. Wilhelm Schwörer, Hauptstraße 16, 89 Jahre alt. Der Jubilar ist der älteste Einwohner der Gemeinde. Am gleichen Tage wird Theresia Degen, Kapellenstr. als Ruine in den Wassern des Kanals Hegern 54, 76 Jahre alt. — Allen Geburtstagskindern Französische Pioniere errichteten damals eine gratulieren wir aufs herzlichste und wünschen Holzbrücke, die vor allem den ganzen Ver- Ihnen einen gesegneten Lebensabend. H. kehr Mannheim-Karlsruhe zu tragen hatte. . _~ Seit einigen Tagen regt sichs auch, um diese Brücke. Im Aufträge des Wasser- und Stra- ßenbauamtes Karlsruhe wird durch eine bekannte Karlsruher Firma eine zweite Notbrücke erstellt, die den Kleinverkehr über nimmt — und den Bauern die Möglichkeit gibt, Alemannia Eggenstein 6 20:6 12 :0 Germania Fotst 5 10 :10 7:3 Germania Karledorf 6 14 :12 7:5 VfB Knieüngen 4 14:7 6:2 FC Kirrlach 5 13:8 6:4 FV Weinharten 5 6:4 6:4 Phönix Durmersheim 4 12 :7 5:3 ASV Hagsfeld 6 10:13 5:7 FV Odenheim 6 11:17 5:7 FC Neureut 5 5:6 4:6 FV Hochstetten 5 8:19 3:7 FV Wiesental 3 9:12 2:4 FC Grünwinkel 6 11 :14 2:10 SV Blankenloch 6 9 :17 2:10 A-Klasse: Philippsburg 4 8:6 6:2 Kronau 3 10:6 5:1 Rheinhausen 4 11:7 5:3 Huttenheim 4 7:3 5:3 Heidelsheim 4 8:6 5:3 Mrngolsheim 4 10:8 4:4 Untergrombach 4 7:9 4:4 t Verdaiaau fBMrt. au* An BCt. ihre Felder jenseits des Kanals abzuernten. Die Tragfähigkeit der Brücke beträgt 1,5 Tonen. Der Fernverkehr wird über die Bruchs aler Straße umgeleitet Der MGV Liederkranz veranstaltete am Samstag anläßlich seines 45jährigen Jubiläums ein gemütliches Beisammensein in der Brauerei Peter. Vorstand Alois Prestel begrüßte die Anwesenden aufs herzlichste. Als Humorist, Solist und Ansager erfreute Herr Willi Steinle von Oberhausen die Anwesenden mit bumo- ristiischen Vorträgen. Besondere Aufmerksamkeit erregte der 9jährige Waisenknabe Alfred Maier von Oberhausen. Mit einer herrlichen Stimme sang er mehrere Lieder, von denen das Lied vom „Mütterlein“ ganz besonders ansprach. Auch der Liederkranz selbst wartete mit erhebenden Chören aut Der TV Neudorf veranstaltete am Sonntag auf dem Festplatz sein Jahresabschlußtumen. Schüler und ältere Turner zeigten Uebungen am Barren, Reck und Pferd. Den Abschluß bildeten Pyramidenbau und Keilübungen. Am Abend fand im Lamm ein geselliger Unterhaltungsabend statt, wobei humoristische Vorträge, Reigen der Turnerinnen und allgemein gesungene Lieder dargeboten wurden. Die Tischtennisabteilung absolvierte am Sonntag ihr 1. Verbandsspiel gegen Hambrük- ken. Die Begegnung endete 7:9 für Hambrük- ken. Kommenden Sonntag stellt sich die Tischtennisabteilung aus Kirrlach vor. Das Spiel beginnt um 9 Uhr im Gasthaus zum Lamm._ Am 24. September wurde Bahnarbeiter Martin Blümle, Kapeltenstraße 52 75 Jahre alt. — Am 26. September vollendete Xaver Müller, Hauptstraße 21, das 76., am 27. Elisabeth De- Brief ans Heidelsheim Am 1.10. wurde Emil Schmitt, Schlittengasse, 79 Jahre alt Emil Grämlich, Marktplatz, federte am 2. 10. seinen 73. Geburtstag und Luise StuhWnüller geb. Barth, Brettenerstr., konnte am 3. 10. ihr 77. Lebensjahr beschließen. Wir gratulieren herzlich! Auf Anregung des Odenwaldklubs, der der Ortsverschönerung sein besonderes Augenmerk ssbenkt, sollen auch an verschiedenen andere Punkten der Ortsgetnarkung Ruhebänke aufgestellt werden. Für den Winter wurden nun 20 Vogelnistkästen und 10 Futter- ampeln bestellt, um den kleinen Sängern Schutz zu bieten und sie der heimatlichen Vogelwelt zu erhalten. Helmsheim Frau Christine Feldmann feierte dieser Tage bei -körperlicher und geistiger Frische ihren 73. Geburtstag. Wir entbieten dem Geburtstagskind unsere herzl. Glück- und Segenswünsch» ’ u. Verdat«, fBMrt. wird rrrgiflrt. Kopf- und Kretusthntmea, Hdmorr- koidto. Obrdttd. btetdm umi mnteer Teilt elod dir Futtern Man ffiU ekh mtde emd eerdm IM. Ca hdtt DARMOL ■ du galt AbftAr-SdkMade. wwpmekm im CiebraoA. nr—HCbjif med mild m der Wk- BIHLODON» h Apoth.ttnd ridimürfi, zuwftei# rWlr- 02&P Zu verkaufen Vf Violine in guterhaltenem Zustand. Anfragen unter Nr. 530 an die Geschäftsstelle der B. P. erbeten. 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Bruchsal 4 6:8 4:4 Langenbrücken 3 6:7 3:3 Oberhausen 4 4:6 3:5 Brett en 3 7:8 2:4 Unteröwisheim 3 6:8 2:4 Neudorf 4 8:11 2.-6 Oestringen 4 8:13 2:6 Belasse: Gruppe Hardt: Neuhard 4 15 :5 8:0 Hambrücken 3 10:1 6:0 Weiher 4 19:6 6:2 Wiesental lb 3 10:6 5:1 Rheinsheim 3 7:3 4:2 Ubstadt 4 9:6 4:4 Stettfeld 4 7:4 4:4 08 Bruchsal 4 6:14 2:6 Zeutern 4 8:19 2;6 TSV Wiesental 4 3:13 2:6 Frank. Bruchsal 3 2:6 1 :5 VFB Bruchsal lb 4 8:18 0:8 Gruppe Bergstraße Münzesheim 4 15 :6 8:0 Obergrombach 4 19:9 6:2 Oberöwisheim 4 16:13 6:2 Bauerbach 3 17:3 5:1 Breiten lb 4 6:5 4:4 Rinklingen 4 8 :13 3:5 Gölshausen 2 9:7 2 :2 Menzingen 4 6:14 2:6 Gochsheim 3 2:12 1 :5 Büchig 4 4:17 1 :7 Neibsheim 2 4:8 0 :4 Handball: Verbandsliga: Leutershausen 4 37 :23 6:2 Waidhof 4' 28:27 6:2 Rot 4 37 :26 5:3 Birkenau 3 35 :22 4:2 Weinheim 3 27 :24 4:2 Oftersheim 3 27 :21 4:2 Rintheim 4 36:36 4:4 St Leon 3 20 :24 3:3 Ketsch 4 23:24 3:5 • Mühlburg 3 28 :34 2:4 Beiertheim S 12 :25 1:5 Neckarau 4 25 :49 0:8 Bez.-Klasse: Staffel 4: Kronau 4 36:15 8:0 Odenheim 4 28:23 6:2 Bruchsal 3 27 :23 4:2 Forst 3 20:17 4:2 Neuthard 4 30 :33 4:4 Kirrlach 4 22:27 4:4 Oestringen 2 14:16 2:2 PhiHppsburg 3 26:20 2:4 Oberhausen 3 19:17 2:4 Büchenau 4 25 :38 1:7 Spöck 4 24 :42 1:7 Staffel 3: Ettängen 4 8:0 Daxlandea 4 8:0 Bretten 3 6:0 Blankenloch 4 6:2 Bulach 4 4:4 Linkenheim 4 4:4 Pforzheim 3 4:2 Grün winkel 4 3:5 Mühlacker 3 2:4 Fr. Sp. Sp. K’he 4 2:6 Isp ringen 4 1:7 Tsch. Durlach 4 0:8 KTV 46 3 0:6 Ringer-Oberliga: Gruppe Nord: SV Ketsch 3 5:1 ASV Feudenheim 3 3:3 ASV Lampertheim 3 3:3 Eiche Sandhofen 2 2:2 1834 Mannheim 2 2:2 ASV Heidelberg 3 1 :5 Grünt* $JM: SV Brötzingen I 6:0 KSV Wiesental 3 5:1 KSV Kirrlach 3 3:5 Germania Bruchsal 3 2:4 ASV Grötzingen 3 2:4 Germania Karlsruhe 3 o: 6 Mittwoch, de« 4. Oktober Unsere Sport-Toto« 1/orsdtan SpKsenkampf I. FC Nürnberg — Bayern München, Mühlburg in Augaburg Recht interessant ist der Spielplan des 9. W.-B.-Totos, wobei die Begegnungen zwischen den Nürnberg-Fürther Vereinen und ihren Münchener Kontrahenten im Vordergrund stehen. Sehr schwer wird es auch der VfB. Mühlburg beim BCA. haben und schließlich läuft auch der FSV Frankfurt in Waldhof Gefahr, den erst errungenen ersten Plate wieder zu verlieren. 1. SSV Reutlingen — Kickers Offen baeh bisher keine Spiele. Reutlingen ist immer noch ohne Punkte und hat auch am Sonntag nicht mehr als eine Außenseiterchance. Allerdings sollten die wieder in Schwung gekommenen Lederstädter Sieg und Punkte mit an den Main nehmen. Tip: 2 (0). 2. SV Waldhof — FSV Frankfurt 1948/49: 2:2, 2:4 — 1949/50: 1:1, 1:1. Von den letzten vier Begegnungen der beiden Kontrahenten endeten drei unentschieden. Gefühlsmäßig möchte man auch dieses Mal „Unentschieden“ tippen. Die Papierform spricht jedoch für die Frankfurter, auf der anderen Seite benötigen die Waldhöfer dringend Punkte, um endlich aus der Schlußgruppe herauszukommen. Tip: 0(1). 3. 1860 München — SpVgg. Fürth 1948/49: keine — 1949/50: 1:3, 1:3.. So leicht wie vor Jahresfrist wird den Fürthern am Sonntag das Siegen im Münchener Stadion wohl nicht fallen. Dennoch sollte die Elf für ein Remis gut genug sein. Typ: 0 (2). 4. FC Singen — Darmstadt 98 ' bisher keine Spiele. Die beiden Oberliganeulinge werden sich am Hohentwiel zweifellos einen interessanten und harten Kampf liefern. Der Platzvorteil läßt einen Erfolg der Singener vermuten. Tip: 1 (Q). 5. BC Augsburg — VfB Mühlburg 1948/49: 1:0, 0:5 1949/50: 1:1, 2:1. In Augsburg gelang dem VfB Mühlburg bisher zwar noch kein Sieg gegen den BCA, doch waren die Spiele in ihrem Ausgang immer sehr umstritten. Mit etwas Glück, das den Mühlburgem bislang auf fremden Plätzen nicht gerade Hold war, müßte wenigstens eine Punkteteilung herausspringen. Tip: 0 (2). 6. 1. FC Nürnberg — Bayern München 1948/49: 2:2, 1:2 — 1949/50: 4:2, 4:2. Die Münchener laufen im Treffen gegen den ruhmreichen 1. FC Nürnberg Gefahr, die zweite Saisonniederlage einstecken zu müssen. Rein spielerisch gesehen, muß man dem Club ein Plus einräumen, der darüber hinaus noch auf eigenem Platz spielen kann. Tip: 1 (0). T. Eintracht Frankfurt — Schweinfurt 05 1948/49: 2:0, 0:3 — 1949/50: 1:1, 5:2. Beide Mannschaften überraschten bisher durch schöne Siege und nehmen augenblicklich gute Tabellenplätze ein. In Frankfurt sollte allerdings der Eintracht ein sicherer Sieg glücken. Tip: 1 (0). 8. VfB Stuttgart — Schwaben Augsburg 1948/49: 1:1, 2:3 — 1949/50: 1:0, 0:1. Die Ergebnisse der beiden letzten Jahre sprechen für die Hartnäckigkeit, mit der beide Sonntag wird es im Neckarstadion nicht anders Mannschaften um die Siegespalme streiten. Am werden. Die vertraute Umgebung spricht für einen Erfolg der Stuttgarter. Tip: 1(0). 9. Holstein Kiel — VfL Osnabrück 1948/48: keine — 1949/50: 1:3, 2:3. In Kiel hingen für die Osnabrücker die Punkte schon immer recht hoch und nur eine im Vergleich zum Vorsonntag wesentlich verbesserte Gesamtleistung der Osnabrücker läßt einen Sieg der Mannschaft erwarten. Tip: 0 (2). 10. Ulm 46 — 1. FC Bamberg Beide Mannschaften konnten bislang nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Die Gastgeber mußten allerdings die letzten drei Spiele auf fremden Plätzen bestreiten und gewannen dabei vier Punkte. Auf eigenem Platz sollte ihnen ein weiteres Punktepaar sicher sein. Tip: I (0). 11. Aschaffenburg — 1. FC Pforzheim Ein schweres, aber keineswegs verlorenes Spiel für die Pforzheimer. Die Aschaffenburger haben allerdings ihr anfängliches Formtief überwunden und erzielten zuletzt schöne Siege. Anders Pforzheim, dessen Kondition nach wie vor unbefriedigend ist Tip: 1 (0). 12. SV Wiesbaden — FC Freiburg Die Wiesbadener können mehr als es Ihr augenblicklicher Tabellenstand vermuten läßt und sollten gegen den FC Freiburg zu einem sicheren Sieg kommen. Tip: I (0). 13. ASV Durlach — VfL Konstanz Wenn die Konstanzer ihrer bisher geübten Tradition treu bleiben, müßten sie auch im Turmbergstadion zu einem vollen Erfolg kommen. Immerhin stehen aber auch die Chancen der bisher arg vom Pech verfolgten Durlacher nicht schlecht. Tip: 0 (2). 14. SV Tübingen — Kickers Stuttgart. Das Spiel müßte eigentlich eine sichere Sache für die Stuttgarter werden. Tip: 2. Witz und Sdinitz mm Blmnepeler Der Name des schon vor 10 Jahren entschlafenen „Blumepeter“ ist noch in aller Mund. Nur wenige unserer Leser aber werden das Vergnügen gehabt haben, ihn kennengelernt zu haben. Er war ein kurzer, dicker Mann vom Wuchs eines Zwergs und verkaufte in seiner guten alten Zeit in Mannheim Blumen an „bessere“ Herren und Damen. Als es ihm schlechter ging, kam er in die Heil- und Pflegeanstalt Weinheim, wo er sich noch einige Scherze geleistet haben soll, und als es noch schlimmer mit ihm wurde, kam er in die Wies- locher Anstalt, wo Peter Schäfer, wie er mit dem bürgerlichen Namen hieß, im Jahre 1940 starb und beerdigt wurde. Verlockendes Angebot Als Peter in der Wieslocher Anstalt war, sah er eines Tages eine Bäuerin mit einem Schubkarren voll Mist vorbeifahren. Zutraulich fragte er sie: „Was hosch'n do in deim Schubkarre?“ — „Was werds sei,“ entgegnete sie kurz. „Mischt isses!“ — Peter läßt nicht locker: „Was willsch'n mit‘m mache?“ — „Der kummt uff die Erdbeere.“ — „Was, uff die Erdbeere?“ staunt Peter; „do kumm doch lie- wer zu uns rei, — do kriegsch Zugger unn Schlagsahne druff.“ Stilblüten, frisch gepflückt „Mein Haus war 100 Jahre niemand im Weg und dort kommts auch wieder hin.“ Aus einer Bürgerversammlung. „Sein stereotyper, zukunftsfroher Seufzer durchzieht den ganzen Streifen, bis in die ' heutige Zeit.“ Aus einer Filmkritik. „Dabei flog einer unbeteiligten Frau ein Backstein an den Kopf und erlitt einen Schädelbruch.“ „Böblinger Post“. „Im Wald legten die Laubbäume bereits ihr herbstliches Kleid an. Sie taten es ganz lautlos.“ Aus dem Roman „Verlorene Heimat“. „Die Leichenträger bringen den Sarg mit der Leiche vom Trauerhaus in den Leichenwagen und zum Leichenhaus. Sie tragen bei dar Beerdigung den Sarg vom Leichenhaus cum Aussegnungsplatz und zum Grab und senken den Sarg zusammen mit dem Totengräber und dem Friedhofaufseher in das Grab.“ Aus einer Friedhofsatzung. So kann’s gehen Als Adam einmal nach Wiesloch zu Besuch kommt, führt ihn Peter in der ganzen Anstalt herum und zeigt ihm alle Sehenswürdigkeiten. Plötzlich machte er ihn auf einen Insassen aufmerksam, der trübselig auf einer Bank im Park saß. „Siegsch den, wo uff dere Bank do hocke duhd? — Der is iwwergschnabbt, weiTm sei Meedl am Daach wor de Hochzeit durchgange is!“ — „Des hett mir net bassiere kenne“, meint der Adam ungerührt „Des is aa net's Schlimmschde,“ gibt Peter zu; „awwer guck emool do nüff ans middlere Fenschder vumm zwette Schdock!“ — „Um Himmels wille,“ ruft Adam entsetzt, „do duhd jo änner sein Kapp geeche des Eisegidder boxe!“ —> „Ja, so geht‘s im Lewe,“ sagt Peter nachdenklich, „des do owwe is nämlich der, wo selles Meedl mit‘m durchgange is, unn wo se dann gheirat hot!“ Pharisäer und Zöllner Peter und Karle streiten sich. „Isch glaab, du bisch varrickt“, fährt es Karle in der Hitze des Gefechts heraus. „So, — unn du vielleicht net?“ fragt Peter lauernd. „Näh, isch bin sicher net!“ - „Sicher net!“ — „Ganz sicher net!“ beteuert der andere. „Dann bin isch froh, daß isch verrickt bin,“ erklärt Peter abschließend. Acht Tage darauf brachten sie ihn nach Wiesloch. So schlimm ist es doch nicht Adam, ist von der Wieslocher Atmosphäre sichtlich beeindrukt. „Wenn ich mei Fraa verliere dehd, ich glaab, do dehd ich aa verrickt werre,“ sagt er nachdenklich. „Ha, des mähnech halt jetz,“ tröstete ihn Peter; „in ähm, zwee Johr hettsch dich gedreeescht, unn dann dehtscht halt e anneri heirade.“ — „Näh, so Me Dort* /Demi alle @d>u(b eäd>t fiel) auf (geben Auf «""mul richtete rieh Rösly neben dem schnarchenden Ingoldbauer auf und starrte mit brennenden Augen in die dunkle Kammer. Ein Gedanke, der sie förmlich betäubte, hatte von ihr Besitz ergriffen, und sie hatte das Gefühl, daß er wie ein Glockengoppel gegen ihre Hirnschale schlug, bis ihr ganzer Kopf von seinem erbarmungslosen Hämmern dröhnte. „Du lügst, Rösly!“ sagte sie au sich selbst _Du dir vor, daß du gern dein Leben Rir ihn gäbest, wenn du ihm helfas könntest; braucht es nicht einmal das, und doch tust du et nicht Du allein kannst Meinen von dem Fluch befreien, Ingold* ältester Sohn zu »ein, aber du bringst den ungeheuren Mut nicht auf, die Wahrheit zu bekennen und alle Folget, so furchtbar sie auch sein mögen, auf dich zu nehmen. Lieber schaust du zu, wie dein liebstes Kind elend zugrunde geht* Rösly hatte die Hände vor ihr entsetztes Gesicht geschlagen, und die Tränen rannen durch ihre arbeitsharten Finger hindurch und fielen lautlos auf den rotkarierten Bezug des Federbettes. Die ungeheure Erregung ihrer aufdämmemden Erkenntnis schüttelte Ae wie ein unsichtbarer Sturm. ./Meinest, Meinert!“ stöhnte sie leise, „muß denn das sein?“ Aber während sie diese "’orte noch flüsterte, wußte sie doch schon, ° es einen anderen Weg nicht gabt, Sie konnte ihn nur retten, indem sie sich selbst zum Opfer brachte. Ob der Brunnenbühler sie verstieß oder nicht, wäre ihr ziemlich gleichgültig gewesen, hätte sie nicht noch zwei Söhne gehabt Sie standen ihr nicht so nah wie Meinert, aber sie waren doch ihr Heisch und Blut und wenn sie sie auch selbst gering achteten, so war sie doch ihre Mutter und hatte die Pflicht, für sie zu sorgen. Würde sie stark genug sein, dies alles um Meinert* willen zu ertragen, den Verlust des Heims, die Trennung von ihren Kindern und die höhnische Verachtung der Menschen? Hel- leicht würden ihre Buben und selbst Meinert, Als Rösly mit ihren Erwägungen bis zu die- teilen und sich ihrer Mutter schämen. Ach, du lieber Herrgott im Himmel, verfahre nicht so hart mit einer armen Frau! Noch weigerte sich Röslys Vorstellungskraft, ihr alle Bilder vor Augen zu führen, die das Anrollen dieser Lawine heraufbe- schwören müßte, Vielleicht gab es doch noch einen anderen, weniger furchtbaren Ausweg, wenn sie ihren armen Kopf nur richtig zergrübelte. Konnte Meinert nicht mit ihrer Hilfe und stillschweigenden Duldung fliehen und dem Vater für Immer aus den Augen gehen? Von was aber sollte er leben? Konnte sie aus der Wirts- und Ladenkasse unbemerkt so viel Geld entwenden, daß der Bub vor Not geschützt war, und wie konnte sie es verrickt weer ich awwer doch net,“ wehrt der Adam entsetzt ab. — Der harmlose Spieler Einmal kommt der Inspektor dazu, wie Peter ganz allein im Zimmer sitzt und Halma mit sich selbst spielt. — Er schaut ihm eine Weile zu, dann sagt er plötzlich: ,Peter, eben hast du dich selbst bemogelt!“ — „Bscht, — duhn Se‘s bloß niemand saacheü — des mach isch jo schun lang, awwer immer ganz hähm- lich!“ — „Das geht doch gar nicht, — hast du dich noch nie selber dabei erwischt?“ — „Ha näh, strahlt Peter, „dodezu bin isch zu schlau!“ Zur Beobachtung „Was fehlt'n dem Magere do driwwe?“ fragt Adam mitleidig, „der is jo bloß noch Haut und Knoche. — „Dem fehlt weider nix, der is bloß zur Beowachdung do!“ — Warum soll'r denn beowacht werre?“ — „Ha, der hott sei Fraa mit siwwe Kinner sitze losse unn is middere Wittfraa durchgebrennt, wo zäh Knegges hott!“ Guter Rat „Zum Schluß will isch da noch‘n guder Root gewwe,“ sagt Peter, als sich Adam verabschiedet; „loß dein Hut uff, wenn‘d ins Tor kumm sch, unn mach käh so‘e saudummes G'sicht, wie jetz grad Widder.“ — „Was soll denn des Widder heeße? — Warum denn?“ — „Ha, du Simbl, sunnscht losse se dich net raus!!“-- — Nicht müde werden! Tag der Inneren Mission am 8. Oktober Unter dem Leitwort „Nicht müde werden!“ steht der Tag der Inneren Mission am 9 . (Met. und die in Verbindung damit durchzuführende Haussammlung vom 8. bis 12. Oktober. Von dem segensreichen Wirken und den gewaltigen Aufgaben der Inneren Mission in Baden erhält man einen Begriff, wenn man sich die folgenden Zahlen vergegenwärtig, die nur einen Ausschnitt aus der Arbeit dieses seit mehr als 100 Jahren im Dienst stehenden Wohlfahrtsverbandes geben können; In 372 Kindergärten werden Tag für Tag 30 000 Kinder betreut. 358 Gemeindepflegestationen mit 520 Schwestern stehen immer bereit, um Kranken Hilfe und Linderung zu bringen. In den 175 Anstalten der Inneren Mission mit über 10 000 Betten werden Kranke gepflegt, Alte und Sieche betreut, wird Schwachen und Hilfsbedürftigen aller Art geholfen. Für kranke und gesundheitsgefährdete Kinder stehen 16 Kindererholungsheime und Heimstätten zur Verfügung. 25 Erziehungsheime verschiedenster Art mit 1093 Betten unterhält die Innere Mission in Baden. In 37 Siechen- und Altersheimen mit 1400 Betten betreut die Innere Mission in Baden Alte, Einsame und Sieche in besonderer Weise. 13 wohleingerichtete evangelische Diäkonis- senkrankenhäuser, die sich überall des besten . Rufes erfreuen, gehören zur Inneren Mission in Baden. Das ist, wie gesagt, nur ein Ausschnitt aus dem gewaltigen Arbeitsgebiet der Inneren Mission in Baden. Aber er zeigt deutlich, daß dieses große Werk hilfreicher Nächstenliebe aus dem Leben unseres Volkes nicht mehr wegzudenken ist. Gewiß ist die vorbeugende, beratende und unterstützende Arbeit zur Behebung der Not in erster Linie Sache des Staates, und bestimmt könnte diese Arbeit nicht ohne die erheblichen Mittel getan werden, die der Staat zur Verfügung hat. Aber genau so sicher ist auch, daß neben den staatlichen und kommunalen Stellen freie Organisationen, caritative Verbände, kirchliche Stellen in diese Arbeit eingreifen müssen, wenn die Hilfe gegen die Not beweglich, lebendig und von aufopfernder Liebe getragen sein soll. Hier ist der eigentliche Grund für die Notwendigkeit der caritativen Verbände und an ihrer Spitze der Inneren Mission: Ihre Arbeit ist ein Werk der Liebe! Daß es weiter getan werden kann, dazu soll auch che Haussammlung beitragen, bei der vom 6. bis 12. Oktober um eine Gabe gebeten wird. l/ersdiwundenes Dorf im Ried Eine Erinnerung an die Auswandererwelt vor hundert Jahren Bin« knapp« Stunde südlich von Lorsch, an der alten vorrömischen Straße, die - über Hüttenfeld nach Viernheim führt, lag zu Beginn des vorigen Jahrhunderts Seehof, ein kleines Dorf ehrwürdigen Alters, das seine Entstehung dem Kloster Lorsch verdankte. Unweit davon, auf einer Insel der Weschnitz, stand ursprünglich das schon im. Jahre 764 errichtete Kloster Altenmünster. Bald aber wurde die Insel zu klein, und so erbauten die Mönche an einem bequemeren Ort das Kloster Lorsch, das in der Geschichte unserer Heimat eine so große Rolle spielen sollte Der Seehof war ein landwirtschaftliches Gut des Klosters Lorsch auf altem Siedlungsboden, denn man machte dort Funde aus der Steinzeit und späteren Epochen. Als das Gebiet hessisch wurde, war der Seehof ein Weiler mit 15 Häusern und 120 Einwohnern. Das Dörfchen machte .sich 1833 sogar selbständig, aber nicht für lange, denn ein Seehofer nach dem andern verließ in jener Auswandererzeit seine Heimat, weil sie ihm keine Lebensmöglichkeit mehr bot. Im Jahre 1850 war die Einwohnerzahl so weit gesunken, daß nur noch neun wählbare Ortsbürger vorhanden waren, die man kurzerhand sämtlich zu Ortsvorständen bestimmte, als wieder einmal die Wahl eines Bürgermeisters und Ortsgerichts- orstehers fällig war. Es war ein armes Dorf, dieser Seehof; anno 1852 zahlte der Bürgermeister, sicher der wohlhabendste Mann im Ort, ganze fünf Gulden und 36 Kreuzer jährlich an Steuern! Wenige Jahre später hatte der weitaus größte Teil der Einwohner den Wanderstab ergriffen; die Zurückgebliebenen, die noch zu arm waren, un nach Amerika auszuwandem, verkauften hren Besitz und siedelten' sich in benachbarten Ortschaften an, wo zum Teil heute noch •hre Nachkommen leben. Der Bürgermeister stellte 1856 sein Amt der Kreisbehörde zur Verfügung und verließ ebenfalls das sinkende Gemeindeschiff. Da sich unter den wenigen Bewohnern des Seehofs kein geeigneter Mann mehr fand, um die Gemeindegeschäfte zu führen, übernahm die Bürgermeisterei Lorsch diese Arbeiten. Damit war die Gemeinde Seehof aufgelöst. Als kurz darauf auch der letzte Bewohner dem Ort den Rücken gekehrt hatte, verfielen die Häuser allmählich, soweit sie nicht abgerissen wurden. Die Familie Scipio in Mannheim und Baron Rothschild in Frankfurt kauften nach und nach die ganze Gemarkung auf; später gingen die Ländereien in den Besitz des Freiherm Heyl zu Herrnsheim über. Heute ist der Seehof, ebenso wie das ganz in der Nähe gelegene Kloster Altenmünster spurlos verschwunden W. N—el ihm zukommen lassen, ohne daß ihr heimliches Tun ruchbar würde? Da — mitten in ihren hetzenden Gedanken — irrte ein kleines, tröstliches Lächeln um Röslys Mund. Was hatte es für einen Sinn, sieh derart um das leibliche Wohl ihres Buben zu sorgen, da es doch einen gab, der ihr diese Sorge gern und selbstverständlich ab- nehmen würde? Als Rösly mit ihren Erwägungen bis zu diesem Punkt gekommen war, begannen ihre Gedanken sich zu ordnen und die Gestalt eines festen Planes anzunehmen. Sie wurde auf einmal ganz ruhig und überlegte kühl und klar. Bevor sie das Aeußerste tat, mußte dieses gewagt werden; wenn es mißlang, würde sie es als ein Zeichen nehmen, daß Gott nicht mit sich handeln Heß tmd ihr das volle Opfer abverlangte. Mit katzengleicher Geschmeidigkeit verließ Rösly Ingold über ihren schlafenden Mann hinweg das Bett Ohne Licht zu machen, tastete sie nach seinen Kleidern und fand im Hosensack den Schlüssel, wie sie es vermutet hatte. Sie zog nur ihren Rock über das Hemd und öffnete dann mit unendlicher Vorsicht die Türe. Da - Gang kam ihr so schwarz vor wie der dunkle Schlund eines Berges, aber sie ertastete mit sicherem Fuß die erste Stufe der Treppe und stieg behutsam herab. Dir Denken war von solcher Ueberklarheit. daß sie sich sogar noch entsann, auf welcher Stufe der gefallene Schuh liegen geblieben war unC sorglich vermied, ihn erneut in Bewegung n bringen. Als sie in die. Wirtsstube trat, schlug es vom Kirchturm ein Uhr. Sie fröstelte. Eile tat not, denn gegen den Morgen zu wurde der Schlaf des Ingokibauem aus langer Gewohnheit dünner. Sie schaltete das Licht an und suchte lange nach Tinte, Feder und Schreibpapier, schließlich riß sie, als sie nichts anderes fand, ein Blatt aus Hansulis Schönschreibheft und warf mit Bleistift ein paar Worte darauf. In einer Schublade fand sie einen Umschlag, in den Eugen seine Briefmarken verwahrte; sie leerte ihn ohne Gnade und steckte ihr Blatt hinein. Mit un gelenken gotischen Buchstaben schrieb sie die Adresse darauf: „Herrn Adrian von Werth, Bern, Gerechtigkeitsgasse 27“, und klebte ihn sorgfältig zu. Nachdem sie der Wirtsklasse, die heute besonders wohlgefüllt war, fünfzehn Franken entnommen hatte, schlich sie ebenso leise, wie sie gekommen war, wieder zurück und hielt erst an, als sie in der Gastkammer war. Geschickt fand und entzündete sie die Kerze. Beim Anstreichen des Schwefelhölzchens fuhr Meinert aus unruhigem Schlummer auf. „Ach, du bist es, Mutter?“ fragte er erleichtert. „Ich habe so lange auf dich gewartet und bin schließlich darüber eingeschlafen. Warum bist du denn nicht gekommen?“ Rösly richtete ihre großen, fiebrig glänzenden Augen fest auf ihn. »Er hat mich eingeschlossen“, sagte sie im Tone haßerfüllten Abscheus. „Es ist keine Zeit zu verlieren, Meinert. du mußt fliehen, noch in dieser Nacht.“ „Mutter!!“ schrie er auf. „Es gibt keine andere Wahl. Wenn du auf ’am Brunnenbühl nicht zuschanden werden «ällst, mußt du dich davonmachen, so lange es noch Zeit ist“, flüsterte sie heiser. „Und du, Mutter? Gehst du mit mir?“ „Ich kann nicht. Frag jetzt nicht lang, Mei- ^rt, sondern zieh dich an. Oder willst du nicht?“ fragte sie, wider Wißen und bessere Einsicht hoffnungsvoll. Fortsetzung folgt. KULTUR UND LEBEN ZUR WOCHE DES DEUTSCHEN FILMS: Wo steht der deutsche Film ? Von Dr. Rudolf Vogel, Vorsitzender des Bundestagsaüsschusses in Fragen von Presse, Rundfunk und Film, M. d. B. ■ In einem viel größeren Maße als dies früher jemals in der großen Zeit des Schauspiels und der Oper der Fall war, tritt heute der Film an die breitesten Massen als Unterhaltungs-, Lehr- und Bildungsfaktor heran. Gerade seine Bedeutung auf dem Gebiete der Wiß- sensübermittlung. der Belehrung wird beute von denen meistens unterschätzt, die nur zu leicht geneigt sind, über den Film abfällig insgesamt zu urteilen. Er ist heute ebenso wie der Rundfunk eine Gegebenheit des modernen Lebens, mit der wir alle zu rechnen haben. Ob wir ihn lieben, ob wir ihn ablehnen: der Film ist da und wirkt täglich auf Millionen von Menschen auf seine Art find Weise ein. Naturgemäß hat jedes Volk das größte Interesse daran, seine eigenen Darsteller zu sehen, seinen eigenen Volkscharakter mit allen seinen Vorzügen und Schwächen, seine eigene Geschichte widerspiegelt zu sehen. Da wir Deutschen in der .Entwicklung des Films mit an erster Stelle unter den großen Nationen gestanden haben und da wir mit zu den größten Filmproduzenten der Welt überhaupt gehörten, vermißten die breiten Massen nach 1945 gerade besonders den deutschen Film. Die Auslandskonkurrenz Ehe die neue deutsche Filmproduktion wieder in Gang kam, und ehe die Besatzungsmächte die vor 1945 produzierten deutschen Filme langsam freizugeben begannen, überschwemmte uns eine Flut ausländischer Filme. Es war nicht immer die Auslese! Sie führte zu einer Übermüdung des deutschen Publikums. Es begann sich stärker denn je nach dem deutsehen Film . zurückzusehnen. Sicherlich war der deutsche Durchschnittsfilm der Vorkriegszeit, wenn wir von den typischen Propagandaerzeugnissen aus der Göeb- belsschen Küche absehen, nicht immer gerade ein künstlerisches Musterbeispiel; aber alles in allem genommen war sein Durchschnittsniveau besser als das Durchschnittsniveau der ausländischen Filme. Umgekehrt müssen wir eingestehen, daß die ausländischen Spitzenfilme meistens stärker waren als die deutschen. Aber wieviel davon bekommt der durchschnittliche Kinobesucher im Laufe eines Jahres zu sehen? Wirtschaftlich gesehen Nun hat die deutsche Filmproduktion im Laufe dieses Jahres wieder 6Ö Filme hervorgebracht. Das ist etwa die Hälfte dessen, was früher produziert wurde. Der Bundestag hat der Filmwirtschaft mit einer Ausfallbürgschaft von 20 Millionen DM unter die Arme gegriffen, als in den ersten Monaten d. J. die Lage des Films hoffnungslos erschien. Viele Menschen, die an dieser Ausfallbürgschaft herumkritisierten, übersahen, daß die deutsche Filmwirtschaft vor dem Kriege der viertgrößte deutsche Wirtschaftszweig war und im Durchschnitt der Jahre rund 40 Millionen an Devisen aus dem Export einbrachte. Da das deutsche Publikum heute auf den Kinobesuch nicht verzichten will und die deutsche Produktion noch nicht annähernd den Bedarf an Filmen decken kann, werden gegenwärtig viele, viele Millionen für den Film-Import ausgegeben. Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich betonen, wie sehr wir daran interessiert sind, in Deutschland die besten ausländischen Filme zu sehen. Wir werden niemals imstande sein und wären es nie, den deutschen Filmbedarf selbst zu dek- ken, aber wir sollten als Deutsche uns bemühen, wieder einen hinreichenden Prozentsatz des Filmbedarfes selbst zu erzeugen. Ich spreche hier von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten selbst auf die Gefahr hin. für einen Materialisten genommen zu werden. Aber der Film ist nun einmal nicht nur allein ein Kulturprodukt, oder sollte es zumindesten sein, sondern ist auf der anderen Seite, ebenso wie das Buch, das Bild usw., ein Wirtschaftsprodukt. Wir möchten allerdings keineswegs verhehlen, wie sehr die gegenwärtige deutsche Filmproduktion noch unter dem von uns angestrebten Niveau liegt. Zwar vermochte sie im vergangenen Jahr eine Spitzenleistung, „Die Nachtwache“, hervorzubringen. Sie schuf auf dem Gebiete des Kultur- und Dokumentarfilms ebenso wie des Kinderfilms beachtliche Leistungen, die auch international wieder anerkannt werden. Ich denke dabei an, Menzel’s Film „Über alle Zeiten“ und an Dr. Lamb’s „Bustelli“. Erfreulicherweise scheint die Produktion des Jahres 1950 bedeutend mehr Filme von überdurchschnittlichem Niveau hervorgebracht zu haben als die der drei letzten Jahre zusammen genommen. Immerhin konnten wir noch nicht auf der großen internationalen Filmleistungsschau der Biennale in Venedig im August und September mit einer, gemessen an dem großen internationalen Niveau, durchaus ebenbürtigen Leistung aufwarten. Das ist umso bedauerlicher, als darunter naturgemäß auch, der deutsche Filmexport krankt. Wo liegen nun die Krankheitssymptome des deutschen Films? Er darf heute bereits wieder mit 5000 Kinos in der Bundesrepublik allein rechnen und mit einigen Tausend mehr in Ländern deutscher Sprache wie der Schweiz und Österreich. Die Synchronisationstechnik hat bereits einen so hohen Grad erreicht, daß wirklich guten Filmen auch das Ausland offen steht mit Ausnahme vielleicht der USA, wo' besondere Bedingungen obwalten. Unserer Überzeugung nach ist die deutsche Filmproduktion zu wenig konsolidiert. Sie lebt von der Hand in den Mund. Infolgedessen vermag sie nicht auf weite Sicht gute Filmmanuskripte zu planen und zu finanzieren. Unter dem Druck ständiger Kreditschwierigkeiten produziert sie überlastet und nicht immer mit den Darstellern, die vielleicht die beste Besetzung darsteilen würden. Auch haben noch nicht alle wirklich fähigen Autoren, Regisseure usw. zum Film zurückgefunden. Teile von ihnen produzieren außerdem im Gefolge der sowjetischen Propagandamaschinerie in der Ostzone; Es gibt eine Reihe von Wegen, um den Film aus seiner jetzigen bedrückenden Lage herauszuführen. Der Staat allein kann niemals helfen. Wir sehen noch große Möglichkeiten in der europäischen Gemeinschaftsproduktion, im genossenschaftlichen Zusammenwirken der Filmtheaterbesitzer und in der Ausmerzung aller derjenigen' Elemente in der Filmwirtschaft durch die gesunden Kräfte des Films selbst, die nicht hineingehören. Wir sehen weiter noch auf dem Gebiete des Kinderfilms beachtliche Ausweitungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt aber, scheint uns auf dem Gebiet des Schmalfilms sich eine bedeutsame Entwicklung anzubahnen. Der Schmalfilm wurde in Deutschland bisher im Vergleich zu Frankreich und anderen Ländern merkwürdigerweise vernachlässigt, obgleich er in bezug auf Wirtschaftlichkeit bei ebenbürtiger Leistung dem 36 - Millimeter - Normalfilm überlegen „ist. Auch die beachtliche Entwicklung der deutschen Filmclubs berechtigt zu Hoffnungen vor allem in bezug auf die Steigerung des künstlerischen Niveaus des Films. Und hier möchten wir den Ausspruch eines der größten amerikanischen Filmproduzenten zitieren, einen Ausspruch, den eine so international anerkannte Autorität wie der Rektor der „Pro-deo-Universi- tät“ in Rom kürzlich auf dem internationalen Kongreß für den Kinderfilm wiederholte: „Decency makes money“ (Anständigkeit macht sich bezahlt). Gerade dieser" Hinweis darauf, daß nicht die sogenannten Kriminal- oder Lepidal-„Reißer“, sondern erfreulicherweise häufig genug die künstlerisch höchststehenden Filme die besten Kassenerfolge sind, wenn sie das notwendige Element der Spannung mit höchstem künstlerischen Niveau vereinen. Haffen-wir, daß dieses Ziel zu erreichen der deutschen Filmwirtschaft im kommenden Jahr vergönnt ist. THOMAS WOLFE Ein Gedenkblatt zu seinem 50. Geburtstag Um 1900 herum wurde jene Generation amerikanischer Schriftsteller und Dichter geboren, die mit einer in der Welt beispiellosen Offenheit sich selbst gegenüber tritt und die bewußt auf alle Höflichkeit und Rücksicht gegen ihr Publikum, verzichtet. Es scheint, als sei Nietzsche, der große Immoralist aus betonter Moralität, in den Vereinigten Staaten erst jetzt rezipiert worden; derart umfassend, eindringlich und auch kaltschnäuzig wird die Hevision der Werte der amerikanischen Zivilisation und Kultur von der Literatur her vorgenommen, darin vielleicht ■ nur der großen russischen Dichtung von Gogol bis Gorki vergleichbar, Zu DosPassos, Hemingway, Faulk- ner, Steinbeck, Wilder und anderen trat Thomas Wolfe — er hat gelebt vom 3. Oktober 1900 bis 15. September 1938 —, der frühvollendete, gigantische Erzähler, der in einem runden Jahrzehnt werkbesessen ein paar große Romane als Fragmente eines größeren Ganzen hinfiebert, aber keineswegs mit linker Hand und ohne Pflicht zu einer verbindlichen Aussage, dieser stofflich, nicht fertig gewordene Dichter, der noch mehr Entworfenes, Angefangenes, Halbvollendetes hinterläßt, dem seine Verleger alsdann das best» entnehmen. Seine Art zu schaffen erklärt die Eigenart seines Werkes: in den Pausen zwischen großen kontinentalen Reisen in Amerika und Europa rafft er Erinnerung und Erlebnis, Vergangenheit und Gegenwart, Ewiges und Zeitliches zusammen, immer voll Gier nach Leben und nochmals Leben, stets auf der Jagd nach der Zeit, die ihm davon läuft, voll des reporterhaften Drangs, täglich drei heue Menschen kennen zu lernen, immer aber auch getrieben von der Lust zur Einsamkeit, die am Ende seines unersättlichen Wandertriebes steht, die als tragische Maske über der kurzen, aber innigen Szene seines Daseins hängt. Ja, er liebte das Leben und die Gemeinschaft unter Freunden, die Unruhe war ihm Lebenselement, er hielt sich für einen Stein im Geröll, aber er brauchte auch das einsame Nachdenken, das Aussinnen der Tatsachen, und nur Wahnsinn, Krankheit oder Tod, so glaubte er, sei das einzige, was ihn überhaupt aufhalten könne, ehrlich, mutig und wahr sein Leben als unabhängiger Schriftsteller fortzusetzen. Er erlag der typischen Hast dessen, den ein frühzeitiges Ende erwartet. Die innere Voraussetzung dieses Lebens war tragisch. Wolfe war körperlich und geistig ein Riese, eine Mischung von hochmögender Leiblichkeit und zarter Empfindung, wie man sie bei so überdimensionierten Menschen häufig anzutreffen pflegt, wesensmäßig Orson Welles und Einest Hemingway verwandt, ein Gigant mit erschreckender Urkraft und zugleich mit einer überraschend zarten, dem Idealischen und Stoischen zugetanen Seele. Es sind die Extreme des amerikanischen Lebens, die sich in ihm offenbaren. Es ist der Zwiespalt, der durch die ganze amerikanische Zivilisation hindurchgeht und der geschichtlich bedingt ist: indem nämlich Leute, wie er, die ihre Wurzeln in alten kolonisierten Ländern haben, das optimistische, wilde Leben eines jungfräulichen, an Möglichkeiten und Aussichten reichen Kontinents führen. Denn Wolfe, ein Abkömmling pennsylvanisch- deutscher und schottisch-irischer Eltern, fühlte sich immer als alter Amerikaner, als Sahn eines Volkes, das das Land besiedelte, in seinen Kriegen focht und nach Westen vor» stieß. In diesen biologisch - historischen Voraussetzungen liegen die geistig - künstlerischen Grundmotive seiner Leistung. Immer wieder betont Wolfe, vermutlich sei er „einer der einsamsten Menschen der Welt“. Seiner verlorenen Generation ist darum nichts gemäßer Junger Zweig der Geistes Wissenschaften Die erste Arbeitstagung für vergleichende Literaturwissenschaft fand vom 21. bis 23. September in Tübingen statt. Der von Teilnehmern aus 10 Ländern besuchte Kongreß zeigte zugleich die Fülle von Aufgaben und den Mangel an methodischer Klärung, der diesen jungen Zweig der Geisteswissenschaften auszeichnet. Die vergleichende Literaturwissenschaft, die im Ausland durch zahlreiche Lehrstühle vertreten ist, hat in Deutschland bislang nicht die gebührende Beachtung gefunden, doch soll in Bälde für den Tübinger Gelehrten Professor Wais ein solcher Lehrstuhl errichtet werden. Während die französischen und italienischen Vertreter auf der Tagung wesentlich die alte Form der vergleichenden Literaturgeschichte zu akzeptieren schienen, die ihre Hauptaufgabe in der Aufdeckung internationaler „Einflüsse“ sieht, zeigten die Referate der Engländer Prof. Willoughby und Frau Prof. Wilkinson (London), des Amerikaners Prof. Lange (Coroell Univ. Ithaka) und der beiden Niederländer Prof. Meyer und Dr. Tee sing (Amsterdam) eine „modernere“ Auffassung von den Aufgaben ihrer Wissenschaft. Im Zusammenhang mit neueren Strömungen der Ästhetik überhaupt (wie das von Miss Wilkinson ausdrücklich unterstrichen wurde) sehen diese Forscher besonders deutlich das Spezifische der literarischen Schöpfung und liehen einen scharfen Strich zwischen sich und allen ideengeschichtlichen oder soziologischen Untersuchungen. Worauf es ihnen ankommt, das ist die Erfassung der typisch literarischen Seinsweise eines Bildes, einer Aussage eines Stiles; dabei gehen sie in ihren konkreten Forschungen mit Vorliebe von kleinen, festumschriebenen Details, etwa bestimmten Metat>h°m. Mn- Funktion und Geschichte sie dann untersuchen. Ein schönes Beispiel für diese Methode gab Prof. Meyer in seinem Vortrag „über das Bild des Holländers in der deutschen Literatur“, der in jeder Hinsicht den Höhepunkt der Tagung bildete. Prof. Meyer gelang der Nachweis, daß eine Reihe metaphorischer Bildungen wie „Treckschute“ (der holländische Schleppkahn), Kanal, Krämer, Tulpe, „Seelenverkäufer“ namentlich in der Dichtung der Romantik zur Evozierung des Bildes des Holländers sich eingebürgert hat, um dann in der Folgezeit durch seine stark suggestive Wirkung noch lange das außerliterarische Holländerbild zu beeinflussen. Sein Vortrag zeigte so, wie die vergleichende Literaturwissenschaft über ihre bloß wissenschaftliche Bedeutung hinaus allgemein-menschliche Aufgaben erfüllen und zur Überwindung von Vorurteilen durch deren sachliche Prüfung beitragen kann. 1. Fetscher. Der neue Richard-Wagner-Verband Nach Richard Wagners Wunsch und 'Willen sollte Bayreuth die Pilgerstätte werden, zu der alljährlich Tausende und Abertausende wallen, um seine Werke, gestaltet nach seinen Ideen und dargeboten von den besten Künstlern der Welt, zu erleben. Es ist wohl einmalig, wie in der Wagnerstadt sein Geist und Schatten verwurzelt liegt, wie sein Erbe immer mehr vervollkommnet wird, indem er durch Kinder und Enkel fortlebt als Vermächtnis für das deutsche Volk. „Mein Publikum“, meinte er, „sollen nicht etwa die Klugen und Klugseinwollenden, Gelangweilten der privüegierten Kunstwelt sein, sondern edle, gesunde Me-’sr^en. aus a l ° n Deshalb trat der Meister auch alsbald ein für eine Stipendienstiftung, die den nicht mit Glücksgütern Gesegneten den Besuch der Festspiele ermöglichen sollte. Zweimal haben die Ortsgruppen des Richard-Wagner-Verban- des deutscher Frauen seit 1909 diese Stiftung .auf annähernd eine Million auf gefüllt, zweimal ging dieses Vermögen verloren. Nun gilt es trotz allgemeiner Verarmung erst recht, mit allen Mitteln und unter letztem Einsatz die Festspiele wieder ins Leben zu rufen und recht vielen die Teilnahme zu ermöglichen. Der bisherige „Richard-Wagner-Verband deutscher Frauen“ ist aufgegangen im Richard- Wagner-Verband. Die Namensänderung soll dartun, daß alle an der deutschen Kultur und damit an Bayreuth Interessierten als Mitglieder und Mitarbeiter erwünscht sind, Männer und Frauen aller Bildungsschichten. Auf der letzten Hauptversammlung in Bayreuth wurden drei Hauptpunkte des Gesamtverbandes in den Vordergrund gestellt: 1. Propagandistische Arbeit für Bayreuth als Festspielstadt; 2. Förderung der Stipendienstiftung, um namentlich unserer Jugend das Erlebnis Bayreuth zu vermitteln; 3. Ausbau des Richard-Wagner-Verbandes zur umfassenden Gemeinschaft aller Wagner- freunde und zum Weltbund. Die Hälfte aller Mitgliedsbeiträge fließt der Stipendienstiftung zu, der bis heute schon wieder namhafte Beiträge, besonders aus Bayreuth und Hannover zugegangen sind. Schon sind wieder 14 Gruppen neu erstanden mit teilweise über 300 Mitgliedern. Wieland Wagner als Vertreter von Wahnfried bekundete in herzlichen Worten seine Verbundenheit mit dem Verbände bei gesundem Optimismus für 1951, wofür die Kartenfrage aus dem Ausland bereits sehr rege ist. 1 -. TJT-- T-~- - - ’ ----- In die Geheimnisse der Natur führt ans der Kulturfilm. Leider zeigt das deutsche Filmschaffen der Nachkriegszeit Mer eine empfindliche Lücke. Unser Bild zeigt einen brasilianischen Urwaldschmetterling, den die Bayer- Eichhorn-Expedition in seiner Blatt-Tarnstellung aufnahm. als das beständige Heimverlangen, die Sehnsucht nach entgangener Gemeinschalt, die Rückkehr aus der individuellen Isolation. Die Briefe an seine Mutter (die in der Übertragung von Ina Seidel in der Nymphenburger Verlagshandlung, München, erschienen) dienen besser als jede Erläuterung dem Verständnis seiner Werke mit dem großartig-geheimnisvollen Titel: „Schau heimwärts, Engel“; „Von Zeit und Strom“, „Vom Tod zum Morgen“, „Es führt kein Weg zurück“ und „Strom des Lebens“, die thematisch und stofflich ineinander verflochten das einzelne Leben als Summe aller bisherigen Leben gelten lassen, So verstehen wir denn auch, daß die Schilderung des Schicksals einer großen Familie, als eine Art von großem Gewebe aufgefaßt, schließlich die ganze Geschichte Amerikas enthalten würde und daß Wölfe als ihr Dichter und. Deuter den immensen Rohstoff ailer Erinnerungen und Geschichten, Erlebnisse und Begebenheiten dazu verwenden mußte. Er war von einem unersättlichen Hunger nach Nachrichten und Informationen gepeinigt, den ihm- größtenteils seine prächtige, einzigartige Mutter stillte. -Sie .war es auch, die ihres Sohnes Genie erkannte. Sein ganzes Werk ist auto-biographisch fundiert und darum einzig als Schöpfung aus den Tatsachen anzusehen, denn alle ernsthafte Romanliteratnr ist nach Wolfes Überzeugung autobiographisch. Obwohl er künstlerisch den Realismus befürwortete, ist er ein wortreicher, sprachmäch- tiger rhapsodischer Romantiker des Geistes, ein mythischer Dichter, der aus dem Irrationalen schafft und der wie keiner seiner Generation die Tragik des Lebens bis auf den Grund durchschaut hat. Er ist vielleicht der tiefste Dichter des modernen Amerika, aber immer und stets ganz Dichter, reiner Dichter, und durch und durch von Skepsis erfüllt über die Errungenschaften des Fortschritts und über die Geschichte der menschlichen Seele. K. H. B. Das Atomgewicht der Frau Der Atomgestalter hat auch für die Frau eine Definition gefunden: „Atomgewicht: 20“. Vorkommen: Überall, wo es Menschen gibt, aber ziemlich selten in freiem Zustand. Chemische Reaktionen: Sehr aktiv, kocht leicht, ständig wechselnder Siedepunkt, kann aber jeden Augenblick erstarren. Schmilzt bei richtiger Behandlung. Sehr bitter, wenn falsch behandelt. Wird grün, wenn in die Nähe eines besseren Exemplares gleicher Art gesetzt. Verwendung: Außerordentlich dekorativ. Das beste Mittel, wenn es gilt, Geld rollen zu lassen. Gefahrenpunkt: In unvorsichtigen Händen sehr explosiv. zeitig in Bayreuth „Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“, die sich die Vorfinanzierung der Festspiele zur Aufgabe gemacht hat. Sunlc %V«I§ „König der Landstreicher“ Der 84 Jahre alte Johann Hofmann aus Schrobenhausen (Bayern) wurde dieser Tage in Landau zum 100. Male vor. einem Gericht wegen Bettelei vorgeführt und in „Nummer sicher“ gebracht. 1884, gerade 18 Jahre alt, wurde dieser „König der Landstreicher? in Plauen im Vogtland das erstemal wegen Bettelei angehalten und drei Tage eingesperrt. Insgesamt verbrachte der Greis 8401 Tage, das sind rund 27 Prozent seines Lebens, hinter Schloß und Riegel. Allein 19 Jahre und 5 Monate verlebte er als Staatspensionist in Arbeitslagern. Hofmann wurde nie kriminell bestraft. Seine Delikte waren Bettelei und Landstreicherei, einmal Beleidigung und einmal Hausfriedensbruch. Wie er sich ausrechnete, legte er eine Viertel Million Kilometer auf der Landstraße zurück, eine Strecke, die 6mal um den Erdball reicht. Jetzt fand der alte Vagabund Aufnahme im Krankenhaus, weil seine Beine nicht mehr so recht wollen. Der Staatsanwalt hatte den Haftbefehl aus Mitleid aufgehoben. Im Frühjahr will Hofmann seine Wanderung wieder fortsetzen Der Rechenfehler „Liebste Claire“, schrieb 1929 der Farmer Mike Johnson aus USA an seine Freundin, „meine liebe Frau befindet sich zwar noch bei bester Gesundheit, Gott sei Lob, gleichwohl wollte ich Dich fragen, ob Du bereit wärest, nach ihrem Tode und angemessener Trauerfrist ihre Stelle an meiner Seite einzunehmen?“ — Claire sagte ja, wartete 21 Jahre lang und half dieser T.->< T e