Ältestes Heimatblatt für Stadt und Bezirk Offenburg *r»Aeint wöchentlich dreimalig. Bezugspreis für den laufenden Monat DM 1-75 mzügUch ZS Pfennig Trägerlohn. Einzelnummer JO Pf. Im Falle höherer Gewalt oder bei Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung der Zeitung, auch nicht auf Rückzahlung des Bezugspreises I m JmI m uldt. .»ilü,.iilh.Tm7i,Tiifth .m,iigiili,u,.iH Sffenburger Zeitung Anzeigenblatt mit anerkannt guter Werbewirkung Erfüllungsort und Gerichtsstand Offenburg. Zur Zelt ist die Anzeigenpreisliste Nr. 1 gültig. Druck und Verlag: A. Reiff * Cie., Budi.lrudcerei Offenburg Bad. Geschäftsstelle: Offenburg, Kornstraße 10 Fernsprecher« Offenburg Nr. 1537 und 3134. Postschließfach Nr. 331 . Postscheckkonto- Karlsruhe Nr. 13* *1. Nummer 43 Dienstag, 11. April 1950 Ausgabe a 139. Jahrgang 1 Ostern in aller Welt Aprilwetter brachte Regen, Hagel und Schnee — Lebhafter Reiseverkehr im Bundesgebiet Hamburg. Das Osterfest brachte — obwohl der Karfreitag verheißungsvoll mit schönem Wetter begann — fast in allen Teilen der Welt kühle Witterung, Regen und sogar Schnee. Lediglich Rom scheint eine Ausnahme gemacht zu haben. Tausende von Bewohnern der italienischen Hauptstadt waren nach Ostia hinausgefahren, um dort zum erstenmal in diesem ,Jahr im Mittelmeer zu baden. Im übrigen stand Rom ganz im Zeichen des -Heiligen Jahres. Einen Höhepunkt bildete am Ostersonntag der Festgottesdienst im Petersdom. Papst Pius der Zwölfte erteilte anschließend etwa einer halben Million Pilger aus aller Welt den apostolischen Segen. Großbritannien und Frankreich verzeichne- ten am Ostersonntag ungewöhnlich niedrige Temperaturen England wurde von Hagelstürmen und Regenschauern heimgesucht. Nur selten zerriß die dicke Wolkendecke. Die französische Hauptstadt verzeichnete in der Nacht zum Sonnabend einen Temperatursturz von 23 auf dreizehn Grad. In allen Kathedralen und Kirdien von Paris fanden Festgottesdienste statt. In den USA wies die traditionelle Unfallstatistik der Osterfeiertage bisher 102 Tote, zumeist Opfer von Verkehrsunfällen, auf. Am Ostersonntag wurde in Genesö (Illinois) ein Haus durch Feuer zerstört, wobei sieben Bewohner in den Flammen umkamen. In der zum Osterconntsg begann im Gebiet von New York zu schneien. Die Temperatur in dieser Nacht betrug drei Grad unter Null. In vielen Teilen der USA zerstörten Schneestürme Elektrfzitäts- und Telephonleitungen. •Mehrere Ortschaften waren eine Zeitlang ohne Licht und Wasser. In der Moskauer Jelochowskij-Kathedrale zelebrierte Patriarch Alexius von Moskau vor einer großen Menschenmenge die Ostermesse. In allen russisch-orthodoxen Kirchen der Sowjetunion fanden Ostergottesdienste statt. Palästina war zum Osterfest Ziel vieler Pilger aus aller Welt. Nazareth war von Pilgern überfüllt. In Westdeutschland Hamborg. Wie im übrigen Europa und in Nordamerika war auch im Bundesgebiet das diesjährige Osterfest von den Launen eines typischen Aprilwetters bestimmt, das die Ausflugspläne zum großen Teil ins Wasser fallen oder, sehr zur Freude vieler Wirte, vorzeitig in Gasthöfen enden ließ. An der Nordseeküste herrschte am Sonntag derartiger Sturm, daß die Ausflugsdampfer nur verspätet auslaufen konnten. Die Ostergottesdienste waren sehr gut besucht. Ein besonderes Ereignis war ein deutsch-amerikanischer Gottesdienst in Stuttgart, in dem Pastor Niemöller predigte. Sehr beachtet wurde auch die Osterpredigt des katholischen Bischofs von Berlin, Kardinal Preysing, der eine geistige und religiöse Erneuerung forderte, die allein dem deutschen Volke eine Wende bringen könne. Die Reisegesellschaften ließen sich durch das schlechte Wetter nicht entmutigen, sondern blieben bei ihren angesetzten Ausflugsfahrten Sonderzüge der Bundesbahn und Omnibusse lagen dabei in scharfem Wettbewerb. Die Fremdenverkehrsorte hatten ihre Betten nahezu restlos ausverkauft. Autobusreisegesellschaften aus der Schweiz. Belgien, Holland, Schweden, Norwegen, Frankreich, England und sogar aus Indien ließen sich nicht von ihren Plänen abbringen. Ein Brennpunkt des Osterverkehrs war die Bergstraße. Die Reisegesellschaften beschränkten sich jedoch im allgemeinen darauf, die Baurqblüte durch die Fensterscheiben gut geheizter Luxusomnibusse zu bewundern. Das Bodenseegebiet war als Reiseziel verhältnismäßig wenig gefragt, umsomehr dagegen der Schwarzwald. In Bayern waren Tegernsee und Chiemgau Hauptanziehungs- ounkte. Der Zugverkehr vom Rheinland nach Bayern war enorm, meinte der zuständige Beamte der Bundesbahndirektion München Höhepunkt des Heiligen Jahres Das Osterfest in Rom — Pius XII. segnete Hunderttausende Rom. Einen glanzvollen Höhepunkt des Heiligen Jahres 1950 bildete für Hunderttausende von katholischen Gläubigen die Feier des Osterfestes in Rom. 50 000 Pilger hatten am Morgen des Ostersonntags in die St. Peters kirche Einlaß erhalten, um dem päpstlichen Pontifikalamt beizuwohnen, und 500 OOtf Menschen füllten, den apostolischen Segen erwartend, den Platz vor dem Dom. In einer feierlichen Prozession von ‘Bis&lT TBfcsar !Htf"eren Frieden erlangt, wenn der fen, Kardinälen, Priestern, Edelleuten des päpstlichen Gefolges und Wachen wurde Papst Pius der Zwölfte unter einem weißen seidenen Baldachin in den Petersdom getragen. Als die Prozession das Hauptportal durchschritt, erstrahlte das festlich ge schmückte Gotteshaus im Licht tausender elektrischer Kerzen, und aus sechs silbernen Trompeten, erklang ein langsamer Marsch. Nach beiden Seiten segnend, wurde der Papst unter dem Jubel der Gläubigen zum Hochaltar getragen, wo er auf einem mit weißer Seide beschlagenen Thron Platz nahm. Anschließend zelebrierte er das Pontifikalamt, In seiner in lateinischer Sprache gehaltenen Predigt forderte Papst Pius der Zwölfte die Welt zur Rückkehr zu einer christlichen Lebensweise und zur Erneuerung des Evangeliums auf Er sagte: „App bitterer Erfahrung wissen wir sehr gut wieviele Verbrechen, Blutbäder und Kriege angestiftet worden sind, weil die Menschen den göttlichen Weg verließen, den der Erlöser durch sein leuchtendes Beispiel gezeigt und mit seinem Blut geweiht hat. Jeder Einzelne muß zu diesem Weg zurückkehren und die Ueberzeugung ge- Die Arbeitslosigkeit im Bundesgebiet Eine Denkschrift des Bundesministeriums der Arbeit Bonn. Das Bundesarbeitsministerium stellt in einer in den Ostertagen veröffentlichten Denkschrift über die Arbeitslosigkeit im Bundesgebiet von 1946 bis 1950 fest, daß ein „fast genau durch die Ländergrenzen gekennzeichnetes Ost-Westgefälle besteht“. Die östliche Hälfte des Bundesgebietes mit den Ländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bayern und dem nordhessischen Raum leide viel stärker unter der Arbeitslosigkeit als die westliche Hälfte. Dieses Gefälle habe sich seit der Währungsreform immer stärker abgezeichnet und habe jetzt ein Höchstmaß erreicht. Die größten Belastungen durch die Arbeitslosigkeit ergaben sich nicht für die Großstädte, sondern für die ländlichen, industriearmen und verkehrsungünstigen Bezirke. Ende vergangenen Jahres entfielen nach der Denkschrift auf Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern fast zwei Drittel aller Arbeitslosen des Bundesgebietes Der Umfang der strukturell bedingten Arbeitslosigkeit müsse mit einer bis 1,2 Millionen veranschlagt werden. Von den rund zwei Millionen Arbeitslosen zu Beginn des Jahres käme etwa ein Drittel aus Außenberufen. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit werde dieser Teil der Arbeitslosen wieder beschäftigt werden. Als Gründe für die strukturell bedingte Arbeitslosigkeit werden, die Verschiebungen im Gefüge der westdeutschen Wirtschaft, die Deutschland auferlegten wirtschafts-politi- schen Beschränkungen und die Veränderungen im Bevölkerungsaufbau angegeben. Der strukturell bedingte Teil der Arbeitslosigkeit beruhe im Wesentlichen auf der arbeitsmarkt politisch ungünstigen Verteilung der Flüchtlinge. Dieser Teil der Arbeitslosigkeit könne erst beseitigt werden, wenn die Verteilung der Flüchtlinge geregelt worden ist. Voraussetzung ist dabei, daß der Zustrom aus der Sowjetzone nicht mehr zunimmt. Beschäftigtenzahl in der Landwirtschaft wieder auf Friedensstand In der Landwirtschaft hat die Beschäftigtenzahl jetzt wieder den Friedensstand erreicht. Die Zahl der in der Landwirtschaft, Tierzucht und Gärtnerei Beschäftigten ist vom Sommer 1948 von 1,38 Millionen bis Anfang 1950 auf 1,03 Millionen zurückgegangen. Nach der Kapitulation war die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft durch den Zustrom von Flüchtlingen stark angestiegen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten führt die Wandlung in der Beschäftigtenzahl in der Landwirtschaft auf die Rückkehr vieler Bauernsöhne und Landarbeiter aus der Kriegsgefangenschaft und auf die Währungsreform zurück. Alle zusätzlichen, nicht dringend benötigten Arbeitskräfte seien wieder abgestoßen worden. Unter den Anfang März gemeldeten 137 000 Arbeitslosen in der Landwirtschaft seien höchstens 50 000 gewesen, die im Bundesgebiet früher in der Landwirtschaft tätig waren. Das bedeute, daß die Landwirtschaft im Winter eine Arbeitslosigkeit von noch nicht fünf Prozent gehabt habe. winnen, daß die Gesellschaft nicht den Frieden erhalten kann, wenn dieser nicht das Herz eines jeden .Menschen beseelt und leitet. Wenn sich die Menschen entschließen, Christus zu folgen, werden sie jenes inneren Friedens teilhaftig werden, der die Vollkommenheit der Freude ist, selbst wenn sie Heimsuchungen, Verfolgung und Ungerechtigkeit durch andere erleiden müssen. Wenn jeder Haß versiegt und die Leidenschaft erlahmt, wenn die Reichtümer nach dem vernünftigeren Kriterium der. Gerechtigkeit und der Nächstenliebe verteilt werden, erst dann kann für die ganze Welt mit unfehlbarer Gewißheit und mit einem glücklichen Zeichen für die Zukunft das erstehen, was als die Harmo nie der Ordnung gilt.“ Aus der Hand eines Kardinals empfing der Papst dann die Kommunion. Neben ihm kniete Prinz Colonna, das Oberhaupt einer der angesehensten römischen Adelsfamilien. Zum Schluß des Pontifikalamtes wurden die Reliquien der Passion, ein Teil des Kreuzes, die Lanze und der Schleier der heiligen Veronika, gezeigt. Der Papst segnete die im Dom versammelte Gemeinde, dann wurde er durch den Mittelgang zurückgetragen. Wenig später erschien Papst Pius der Zwölfte in seinem weißen Gewand über dem Hauptportal des Doms und erteilte. den Hunderttausenden den apostolischen Segen. S- Erdbebenwelle in Italien Rom. Italien wurde an den Ostertagen von einer neuen Erdbebenwelle heimgesucht. Die Erdstöße, die letzte Woche in Norditalien begonnen hatten, griffen auf den Süden des Landes und auf Sizilien über. In den Ortschaften Macchia und Coda di Velpe in der Nähe des Aetna wurden etwa Zweidrittel der Häuser zerstört. Seit 1914 wurden in diesem Gebiet nicht so heftige Erdstöße verzeichnet. Tausende von Italienern verbrachten die Ostertage in Zelten auf dem freien Feld. Viele Bewohner Livornos hatten die Stadt schon vor Ostern verlassen. Sie feierten die Ostermesse vor improvisierten Altären. In Reggio (Kalabrien) führten zwei Erdstöße zu einer Panik unter den Kirchengängern. Ein großer Teil der Bevölkerung verließ fluchtartig die Stadt. Truman wieder in Washington Washington. Präsident Truman kehrte am Montag nach einmonatigem Ferienaufenthalt in Key West, in Florida, nach Washington zurück. Helgoländer Friedhof zerstört Cuxhaven. Eine britische Kommission stellte am Karfreitag auf Helgoland fest, daß der Friedhof auf dem Oberland der Insel durch die Bombenangriffe der britischen Luftwaffe (RAF) zum größten Teil zerstört ist Die britische Kommission unter* Führung eines Admirals hatte Helgoland aufgesucht, um die Behauptung von Helgoländer Fischern, der Friedhof sei zerstört, zu prüfen. Die Fischer hatten darüber eine Denkschrift verfaßt, die im britischen Unterhaus debattiert worden war. Ein Vertreter der Helgoländer erklärte, daß es möglich sei, trotz der Schäden durch die bisherigen Bombenangriffe die Insel wieder zu besiedeln. Recht oder Unrecht - mein Gewissen von Gösta von Uxkull Vor rund 150 Jahren hielt ein junger amerikanischer Seeheld nach seinem Sieg über die tripolitanischen Piraten eine Tischrede, in der folgender Satz vorkam: „ .. .Unser Land, möge es in seinem Umgang mit andern Nationen immer im Recht sein — aber unser Land, Recht oder Unrecht!“! Der Anlaß der F°de und der Name des Seehelden (Stephen Decatur) sind heute fast vergessen, nicht aber jener ominöse Satz in seiner abgekürzten und verschärften Form: ..Right or wrong, my country". In dieser Form hat er eine Bedeutung erlangt, die weit über den Anlaß hinausgebt. Nicht in Amerika oder England, wo es nahezu unbekannt ist, aber in andern Ländern, vor allem in Deutschland. Viele gebildete Deutsche halten „Recht oder Unrecht — mein Land“, meist ohne seine Ursprungsgeschichte zu kennen, f ür die Quintessenz der politischen Moral 'oder Unmoral) der Engländer — eine Ironie der Geschichte« wenn man bedenkt, daß Stephen Decatur gegen England kämpfte. Oswald Sven gier bewundert „right or wr^ng .... " als Ausdruck der bedingungslosen Vaterlandsliebe. Er meint das „Juden heraus" der Nationalisten nähme sich kläglich aus neben dem englischen „right or wrong — my country“. Es ist das Schicksal sogenannter geflügelter Worte, daß sie mißverstanden und mißbraucht werden, — ja das Mißverständnis und der Mißbrauch beginnt eigentlich schon in dem Augenblick, in dem ihnen Flügel wachsen. Der Mißbrauch gerade dieses Wortes ist jedoch kein Zufall. Das Wort war durchaus unschuldig gemeint. Stenhen Decatur war ein verwegener Draufgänger, aber gleichzeitig ein Offizier mit unerschütterlichen Fhrhegriffen. Ein Ehrenhandel wurde sein Schicksah Er fiel ln einem Duell! Doch die Zeit war nicht unschuldig. Sie bemächtigte sich des Wortes, weil es einem dringenden Bedürfnis des emanzipierten Nationalismus, der damals zu Beginn des vorigen Jahrhunderts unter den schönsten Hoffnungen geboren wurde — und heute 150 Jahre später, unter furchtbaren Qualen seinem Ende zueilt. Niemand hatte in den damaligen Keimen die Früchte von heute zu erkennen vermocht. Das Maß des Unrechts, dessen ein Land, eine Nation fähig ist, war damals unvorstellbar. Wie hätte es auch anders sein können in einer Zeit, die in der französischen Revolution die Morgenröte der Menschheit sah. und die mit Rousseau glaubte, daß der Mersch von Natur gut sei! Seither sind wir um viele Illusionen ärmer und um viele Erfahrungen reicher geworden. Schon um die Jahrhundertwende endete die erste Phase, die Phase des naiven Nationalismus. Man sah ein, daß auch Nationen „unrecht“ handeln konnten, und bemühte sich um eine Einschränkung d“r unbedingten nationalen Souveränität. Völkerrechtliche Abkommen, wie das von Bern, von Genf, und vom Haag waren das Ergebnis. Zur gleichen Zeit erschütterte der Burenkrieg die Gemüter und führte zu der ersten ernsten Verstimmung zwischen Deutschland und England. In England erklärte man zwar nicht: „right or wrong — my country“ — viele Engländer waren alles andere als entzückt von diesem Krieg —. aber sie reagierten im Sinne des viel englischeren Wahlspruches: „drunk or sober — my mother" — Betrunken oder nüchtern — meine Mutter!“ Darin liegt kein Auftrumofen, kein Sich- Hinwegsetzen über das Recht, sondern eine ’m Grunde verständliche Sehen. ..Familienangelegenheiten“ mit .Außenstehenden zu diskutieren. Daß dieser Fam'lienstolz nicht auf die Spitze getrieben werden darf, hat — im ersten Weltkrieg — die von den Deutschen als Spionin erschossene englische Krankenschwester Edith Cavell klar erkannt und ausgesprochen. In ihrem Abschiedsbrief schrieb sie, sie hätte ein gesehen, daß ..Vaterlandsliebe nicht genug sei“. Dieser Satz steht auf ihrem Denkmal, aber er ist leider nicht zum geflügelten Wort geworden. Er hätte es verdient, denn er räumt der Liebe zum eigenen Lande gleichzeitig den Platz ein, der ihr gebührt — und zieht ihr die Grenzen. In der Regel wird diese Grenze instinktiv richtig gezogen, doch gibt es, wie wir heute aus bitterer Erfahrung wissen, Ausnahmen. Die sogenannten totalitären Staaten ersetzen die Vaterlandsliebe durch Staatsvergottung tmd verwischen damit jede Grenze zwischen Nr. 43 — Seite 2 A Offenbarster Tageblatt Dienstag, 11. August 1930 Erlaubtem und Unerlaubtem. Die Position des Nationalen wird bis ins Absurde, Groteske und schlechthin Böse vorgetrieben. Um diesen unhaltbaren Zustand zu beendigen, ist eine Neuorientierung des Nationalen im Verhältnis zu den eigentlichen menschlichen Werten wie Anständigkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit usw. dringend erforderlich. Es gibt heute schon eine klare Erkenntnis der Gefahren des „emanzipierten Nationalismus“, aber wie es unserer menschlichen Natur gemäß ist, es fällt uns leichter, sie bei anderen wahrzunehmen als bei uns selbst. Eine solche Erkenntnis ist aber unvollständig. Sie läßt immer noch den bequemen Trugschluß zu, daß der Fehler bei einem oder mehreren bestimmten Völkern liegt und nicht am Nationalismus, ohne den wir uns das Staatsleben von heute nun einmal nicht vorstellen können. Und ' doch brauchen wir nur unsere eigene Reaktion auf solche Thesen wie „Recht oder Unrecht — mein Land“ zu beobachten, um festzustellen, daß wir dem Nationalismus gegenüber nicht mehr naiv, sondern höchst zweifelnd und skeptisch gegenüberstehen. Wir glauben nicht mehr, daß der Mensch von Natur gut ist. Wir sind auch nicht mehr überzeugt, daß sein Instinkt ausreicht, um die Grenze zwischen Liebe zum eigenen Lande und „Kadavergehorsam“ unter allen Umständen stets richtig zu erkennen. Wir sind dabei, diese Grenzen zu ziehen, indem wi r übernationales Menschenrecht proklamieren. Nur eine fehlt noch: der Entschluß, diese Grenzen auch zu verteidigen. Das ist die Aufgabe, die vor una liegt. Sie Ist schwer, weil es so viele Hemmungen zu überwinden gilt, aber sie muß bewältigt werden, wenn unsere Zivilisation überleben will. Als man die absoluten Monarchien abschaffte, hätte man etwas beibehalten müssen; das „Gottesgnadentum“. Es verband die Völker, auch wenn sie sich noch so heftig bekriegten. Vor Gottes Thron war auch der mächtigste Herrscher nur ein armer Sünder. Eine solche oberste Instanz fehlt den souveränen Nationalstaaten. Es muß etwas an ihre Stelle treten, was im Grunde das gleiche ist: das menschliche Gewissen: „Right or wrong — my Conscience.“ Ueber die Wellen des Funks Dienstag » Stuttgart: 14.00 Schulfunk; 15.45 Aus der Wirtschaft: 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Frauenfunk; i 17.15 Kleines Konzert; 18.00 Mensch und Arbeit; 18.15 Klänge der Heimat; 18.30 Gartenfunk; 19.30 Aus der Wirtschaft; 20.00 „Wenn die Liebe zu uns kommt“; 20.40 Arturo Toskanini dirigiert: 21.50 Bilde in die Welt; 22.00 Schwarze Tasten — Weiße Tasten; 22.30 „Mädchen-Medaillons"; 23.00 Tanzmusik; 23.50 Zum Tagesausklang. , Südwestfunk: 14.00 Wir Jungen Menschen; 15.30 ßinfoniekonzerut des SWF-Orchsstere; 16.15 Erzählung der Woche; 16.30 Sang und Klang im Volkston: 17.00 Grenzen und Gefahren der suggestiven Heilbehandlung; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.20 Die- Farteien sprechen; 20.00 Operettenkonzert; S0.45 „Der Schwierige“; 22.20 Probleme der Zeit; >2.30 Neues Musiktheater (IV); 23.15 Unsere kulturpolitische Glosse; 23.30 Jazz 1950! Mittwoch Stuttgart: 14.00 Schulfunk; 15.15 Kinderfunk; 15.45 Aus der Wirtschaft; 16.00 Von Dichtern und Dichtung; 16.15 Konzertstunde; 17.00 Christentum und Gegenwart; 17.15 Graziöse Kleinigkeiten; 18.00 Jugendfunk; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 „War Christus überall?“ 21.05 Die Faktoren der politischen Wlllensbildung ln Deutschland: 21.15 Abendmusik; 21.50 Wir denken an Mittel- und Ostdeutschland; 22.00 Melodien von Jos. Lanner zum 150. Geburtstag; 22.30 Zeit und Gedanke; 23.50 Kleine Tagesbilanz; 0.05 Jazzfreunde unter sich. Südwestfunk: 13.15 Unterhaltungsmusik aus Frankreich; 14.00 Für die Schuljugend; 15.30 Musikalische Teestunde; 16.00 Stimme der Heimat: Fahrendes Volk zieht durch das Heimatland; 16.30 Musikalische Teestunde; 17.00 Bücherschau; 17.15 Sollstenkonzert; 18.20 Welt des Sports; 20.00 Scheinwerfer auf!; 21.00 Das Prisma — Konzert des SWF-Orch.; 22.30 Klaviermusik; 22.45 Nachtgespräch: 22.15 Tanzmusik zum Tagesausklang. Neues in Kürze U-Boot drei Wodien unter Wasser Kommandant: „Die angenehmste Fahrt.. Washington. Die längste feststellbare Unterwasserfahrt eines U-Bootes wurde am Ostersonntag von der amerikanischen Kriegsmarine bekanntgegeben. Das U-Boot „Pickerei“ hat die 8300 Kilometer lange Strecke von Hongkong nach Pearl Harbour (Hawaii- Iftseln) ohne ein einziges mal aufzutauchen in 21 Tagen zurückgelegt. Am 15. März tauchte das Boot in der Höhe von Hongkong und kam erst am 5. April vor der Insel Oahu wieder an die Oberfläche. Es war genau 505 Stunden unter Wasser. Der letzte bekannte Langstrecken-Unterwassereinsatz eines Unterseebootes wurde im Winter 1948 von der britischen Kriegsmarine bekanntgegeben. Damals hatte ein britisches U-Boot auf mehrere Wochen (die genaue Zeit wurde nicht genannt) eine Versuchsfahrt im Atlantik unternommen. Der Kommandant der „Pickerei“ bezeichnete die Fahrt in einem Interview als angenehmste, die er als alter U-Bootfahrer je gemacht habe Die einzige Panne unterwegs sei der Ausfall eines Kühlschrankes gewesen. Die 75 Mann Besatzung hätten sich zweimal täglich einen Film angesehen. Wenn er mehr Brennstoff an Bord gehabt hätte, hätte er mit seinem Boot noch weiter fahret können. Lage in Makassar unverändert Djakarta. Die Lage in der ostindonesischen Stadt Makassar (Celebes) hat sich über das Osterfest nicht geklärt. Der Führer der Aufständischen, Hauptmann Abdul Azis, weigert sich, der Aufforderung der Zentralregierung in Djakarta, zum Bericht nach der Hauptstadt zu kommen, Folge zu leisten. Unterdessen liegen die beiden Schiffe mit indonesischen Bundestruppen noch immer vor Makassar. Die Ausladung der Mannschaften wird von den Aufständischen weiter verhindert. Ein neuer Transport mit 351 Heimkehrern aus der Sowjetunion, unter ihnen zwei Frauen, trafen am Ostermontag im Lager Friedland bei Göttingen ein. Alle Heimkehrer erhielten bei ihrer Ankunft ein Osterpaket aus Spenden der Heilsarmee, der Caritas und der Inneren Mission. Der 24 968 BRT große Passagierdampfer „Hamburg" der Hapag ist im Saßnitzer Hafen gehoben worden. Das Schiff war im März 1945 bei einem Luftangriff im Hafen versenkt worden. Die Instandsetzungsarbeiten au dem Schiff sollen ln Kürze beginnen. Der brandenburgische Innenminister Bruno Lentzsch (SED) bat die Leitung der volkseigenen „Handelsorganisation“ in Brandenburg der „angloamerika- nisch-kapitalistischen Gesinnung“ bezichtigt, weil die Textilabteilung der HO Ringelsöckcben verkauft hat. Das Innenministerium hat den Verkauf verboten und die vorhandenen Bestände an Ringelsöckchen beschlagnahmen lassen. Marschall Fewzi Tscbakmak, der frühere Generaistabscbef der Türkei, starb im Alter von 75 Jahren an einer Lungenentzündung. Er gehörte mit dem ersten Präsidenten der Türkei, Kemal Atatürk, und dem jetzigen Staatspräsidenten Ismet Inönue zu den Männern, die die moderne Türkei schufen. Tscbakmak war der Schöpfer der türkischen Armee von heute. Er war der letzte Kriegsminister des letzten Sultans des Osmanischen Reiches gewesen. Mit Kemal Atatürk führte er den Sturz des Sultans herbei. Fünf junge Leute, darunter zwei Mädchen, kamen am Sonntag ums Leben, als ihr Automobil bei Coeur d’Alene im Staate Idaho (USA) von einer Lokomotive erfaßt wurde. Belgische Königsfrage noch ungeklärt Sozialisten drohen mit Streikwelle - Schwierige Kabinettsbildung Brüssel. Der Nationalrat der belgischen Sozialisten nahm am Ostermontag eine Entsdilie-- ßung an, die nach Ansicht politischer Beobachter von neuem alle Aussichten auf einen Kompromiß zwischen den Anhängern und den Gegnern König Leopolds zunichte gemacht hat. Die 900 Delegierte des Nationalrats wollen „unerbittlich und unermüdlich“ gegen die Rückkehr König Leopolds auf den Thron kämpfen, ln der Entschließung, die der frühere Ministerpräsident Spaak einbrachte, heißt es, man werde den Kampf „im geeigneten Augenblick aufnehmen und diejenigen mit allen Kräften unterstützen, die einer solchen Lösung der Königsfrage Widerstand leisten, die das belgische Volk aufspalten würde“. Vorher hatte Spaak eine Unterredung mit dem Sekretär König Leopolds, Professor Pirenne, gehabt. Der sozialistische Parteivorsitzende Max Buset erklärte vor dem Nationalrat: „Wenn der König auf den Thron zurückkehrt, wird eine unabsehbare Streikwelle ausgelöst“. Aus Kreisen der Christlich-Sozialen Partei verlautet, daß der mit der Regierungsbildung beauftragte christlich-soziale. Politiker van Zeeland, der eigentlich am Montag nach Schloß Pregny zu König Leopold fahren sollte, diesen Plan aufgegeben habe, nachdem er am Sonntagabend von Professor Pirenne nach dessen Rückkehr aus Genf eine Botschaft erhielt, van Zeeland hatte am Sonnabend bekanntgegeben, daß neue Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung aufgetaucht seien Falscher Dominikaner in Notre Dame Paris. Die Ostermesse in Notre Dame wurde am Sonntag durch einen falschen Dominikanermönch unterbrochen, der plötzlich-auf die Kanzel stieg und laut ausrief: „Ich beschuldige die katholische Kirche unsere Gedanken auf einen leeren Himmel hin zu richten. Die Kirche ist die Krebskrankheit des Westens ...“ An dieser Stelle wurde er durch das Aufbrausen der Orgel unterbrochen. Der Organist zog alle Register Vor der Kanzel kam es zu einer Schlägerei, und der falsche Dominikaner flüchtete aus der Kirche. Auf der Flucht versuchte er, seine weiße Mönchskutte abzustreifen. Doch wurde er von der Polizei gefaßt und verhaftet. Er erklärte, er sei Philosoph und Weltbürger und habe eine neue Religion verkünden wollen. Die Mönchskutte hatte er bei einem Kostümverleiher entliehen. Der Erzbischof von Paris verklagte ihn wegen Störung religiöser Zeremonien und unberechtigten Tragens geistlicher Kleidung. Don Cristobal- Francos Schwiegersohn Madrid. Die Tochter General Francos, Carmen Franco Polo, hat am Ostermontag einen jungen spanischen Arzt geheiratet. Sein Name lautet: Don Cristobal Martinez Bordiu Ortega y Bascaran, Marquis de Villaverde. General Franco soll sich den Heiratsabsichten seiner Tochter . ursprünglich widersetzt haben, stimmte ihrer Wahl aber schließlich doch zu, so daß im Dezember Verlobung gefeiert werden konnte. Carmencita Franco, wie die Tochter des Staatschefs allgemein genannt wird, trat mit ihrem jetzigen Gatten in der Oeffenüichkeit kaum in Erscheinung. Der Marquis de Villaverde ist 27 Jahre alt, seine Gattin 23. Wenige Tage vor der Hochzeit gab Franco bekannt, daß amtliche Stellen keine Hochzeitsgeschenke überreichen dürften. London hört „Geräusche" London. Seit Monaten gibt ein Geräusch, fast so geheimnisvoll wie die fliegenden Untertassen, den Londoner« Rätsel auf. Es klinge wie ein ferner Düsenmotor sagen die einen, wie eine Fabriksirene, eine Stimmgabel oder wie eine „zornige Wespe“ meinen andere, aber niemand weiß, wo es herkommt. Niemand hat bisher öffentlich davon gesprochen. Am Samstag hat sich die „Daily Mail“ endlich dazu entschlossen, das Thema aufzugreifen. Die „Daily Mail“ führt „Ohrenzeugenberichte“ für diese Geräusche an. So soll ein Rechtsanwalt eine Umfrage veranstaltet haben. Viele Leute hätten ihm bestätigt, daß auch sie das geheimnisvolle Geräusch hören. Es höre sich wie das Sausen des Windes in den Telefondrähten an und sei in den letzten zwei Monaten immer lauter geworden. Sogar Taube sollen es „hören“. Der Rechtsanwalt finde sogar, daß er es noch wahmehmen könne, wenn er sich die Ohren mit Watte zustopft. Das merkwürdige Geräusch, das allen Erklärungen spottet, könne am lautesten in den frühen Morgenstunden vernommen werden. Drei-Länderbesprediungen am Mittwoch? Vor Wiederaufnahme von Besprechungen in Freudenstadt Baden-Baden. Die „Badische Post“, das Sprachrohr der für die Wiederherstellung des alten Landes Baden eintretenden Kreise, meldet am Samstag, Staatspräsident Wohieb habe die Regierungschefs von Württemberg-Baden und Südwürttemberg-Hohenzollern auf den Mittwoch nach Ostern nach Freudenstadt zur Wiederaufnahme der Dreier-Besprechungen über eine Vereinbarung in der Frage der Län- dergrenzen-Regelung im südwestdeutschen Raum bzw. der Volksabstimmung in den drei Ländern eingeladen. Dagegen teilte die Badische Staatskanzlei am Sonntagvormittag mit, die Badische Regierung habe bis jetzt mit den beiden anderen Partnern keine Fühlung wegen der Festlegung eines Termines und Ortes der geplanten Zusammenkunft aufgenommen. Es liege jedoch nahe, daß beim gegenwärtigen Stand der Dinge diese Fühlung unmittelbar nach Ostern aufgenommen werde. Die „Badische Post“ will ferner erfahren haben, daß die Antwort des Stuttgarter Ministerpräsidenten, Dr Reinhold Mäier, auf das Schreiben des badischen Staatspräsidenten, mit dem Maier zu neuen, Dreier-Besprechungen aufgefordert wurde, „völlig hinhaltenden Charakter“ trage, was in der Hauptsache damit begründet werde, daß der Finanzminister von Württemberg- Baden, Dr. Edmund Kaufmann, erkrankt sei. Wetterbericht Die Tiefdrucktätigkeit über dem Nordatlantik und Nordeuropa ist sehr lebhaft geworden. Ein bei Irland am Ostermontag erschienenes Tief umkreist das große, über dem Nordmeer liegende Zentraltief und bringt bei zeitweise stark auffrischenden südwestlich bis westlichen Winden erneut den Zufluß kalter Luft aus höheren Breiten. Aussichten bis Dienstag abend: Weiterhin unbeständig, wechselnd bewölkt, Schauer. Recht kühl mit Nachtfrostgefahr. Besonders in freien Lagen zeitweise stürmisch auffrischende Winde aus südwestlicher bis westlicher Richtung. Verlorene Jahre „. . . drei meiner Brüder fielen auf dem Schlachtfeld, ein vierter wurde zweimal- schwer verwundet, die Uebriggebllebenen wurden total bombengeschädigt, sie verloren alles. Mein Vetter ersten Grades, der Schriftsteller Joachim Benn, fiel in der Somme- Schlacht, sein einziger Sohn im letzten Kriege, von diesem Zweig der Familie ist nichts mehr übrig. Ich selbst war folgende Jahre ohne Unterbrechung als Arzt im Kriege: 1914 bis 1918, 19J9 bis 1944. Meine Frau kam 1945 in unmittelbarem Zusammenhang mit den Kriegshandlungen um. Dieser Ueberblick wird ungefähr der Durchschnitt dessen sein, was eine etwas umfangreichere deutsche Familie der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts an äußeren Schicksalen erlebte.“ Der dies berichtet, ist keiner vom Durchschnitt, sondern der Dichter Gottfried Benn; aber das tut nichts zur Sache. Gerade so gut hätte ich die jüngste Familienchronik Meyers oder Müllers im Fragebogenstil erzählen können: die Nuancen wären anders gewesen, nicht der Lauf der Schicksalslinie. Sie ist typisch. Wenn man dereinst einer älteren Generation das Wesentliche unserer Zeit klarzumachen versuchen wird, wird man sie am einfachsten als die Epoche der ungelebten und verlorenen Jahre bezeichnen. Die imgelebten: sie zählen nach hunderten Millionen; die Dämonen, die wir entfesselt oder deren Entfesselung wir ohnmächtig geduldet haben, sind so großzügig damit verfahren, wie es einer • „großen Zeit“ geziemt. Es sind die Jahre der immer noch Ungezählten, die ungelebt blieben, well ihnen der Lebensfaden in zwei Weltkatastrophen brutal abgeschnitten wurde. Ihre Last verringert sich für uns, “die Ueberlebenden, mit der Zeit, denn Vergesset Ist der Weit Lauf; aber die verlorenen Jahre, die vereitelten, anders als / Von Kurt Honolka gewollt gelebten, die zwangsweise vertanen, die schleppen wir mit uns herum als Bleigewichte unseres Geschicks, und hier verklärt die Erinnerung nicht, sondern bohrt mit bitterem Stachel. Wir sind noch nicht bereit, unsere Zeit mit Ihrem eigenen Maß zu messen. Zu lebendig sind in uns die Maße einer anderen Epoche, die uns heute, wie leicht wir auch geneigt sind, über sie zu spötteln, fast schon als goldenes Zeitalter der modernen Menschheit erscheint. In den hoffnungsvollen Zwanzigerjahren konnten wir noch überzeugt die Fassadenkultur der Gründerzeit entlarven, ihre Hohlheit und Verlogenheit verachten, ihre Dekadenz anprangem und ihren naiven Fortschrittsglauben belächeln. Aber heute? Wir hören von Leuten, die ohne Paß durch Europa reisten; die Lebensversicherungen abschlossen, ohne,das sichere Gefühl zu haben, irgend einem unersättlichen, übermächtigen Moloch unfreiwillige Präsente zu machen; die an der Wiege vorausbestimmen konnten, was ihr Kind dereinst werden würde, die dreißig, vierzig Jahre lang Krieg und Kriegsgeschrei mit wohligem Gähnen zur Kenntnis nehmen konnten, weil es sich hinten, weit in der Türkei“ abspielte — wir hören und lesen, und es ist wie eine Sage. Wir vergleichen und wir zählen bitter unsere verlorenen Jahre. Die Alten, die zweimal um die Früchte ihre* Fleißes oder Glücks beraubt wurden, haben das goldene Zeitalter noch erlebt. Sie fühlen sich, zumal wenn sie Heimatvertriebene. Bomben- oder Währungsopfer sind, als die Hauptbetrogenen, weil sie am wenigsten Hoffnung haben, das Verlorene wieder einzubringen. Was wollt ihr? antworten die Jungen. Ihr habt wenigstens etwas von der guten Zeit gehabt — wir nur von der „großen". Was sollen wir sagen? Als wir zu denken begannen, befahl man uns, wie wir zu denken hatten. Als wir die Reifeprüfung ablegen sollten, wurden wir für reif befunden, Kanonenfutter abzugeben. Als wir in die Lehre gehen wollten, mußten wir das Kriegshandwerk lernen, welche dunklen Wege man gehen muß, um nicht zu hungern. Wir haben am meisten verloren, die besten Jahre unseres Lebens. Unsere armen Kinder, seufzen die Mütter, wenn sie an ihre Kleinsten denken. Kaum satt kriegen konnten wir sie, und was wird ihnen noch blühen? Was haben die Würmer schon vom Leben? Das ist mütterlich gedacht aber nicht logisch. Mein Bub hat in diesem Sommer die erste Banane seines Lebens gegessen. Sie hat ihm geschmeckt, aber er hat sie nicht sehr entbehrt, so wenig wie das Kinderfräulein, das ich hatte, als ich klein war, und die viel schöneren Kleider und die elektrische Eisenbahn. Die Jüngsten, die einzigen, die noch keine verlorenen Jahre empfinden können, werden das leichteste Gepäck zu tragen haben. Keine wehmütige Erinnerung wird sie belasten, denn sie werden das Märchen von dem Urgroßvater, der an der Wiege den Lebensweg des Kindes festlegte, einfach nicht glauben. Sie haben die Gefährdung und Kargheit mit der Muttermilch eingesogen — das ist eine gute Lebensrüstung. Dürfen wir hoffen, daß sie, wenn sie dereinst die Zügel ergreifen, das simple, nackte Leben so lieben werden, daß sie vernünftiger und nüchterner regieren, oder müssen wir fürchten, daß die Gehärteten vom Baiast behaglicher Erinnerungen Befreiten ähnlich zu fanatischen oder stumpfen T^des- und L”beiu”°7-ächtem werden, wie wir es im letzten Krieg erlebt haben? Werden sie den Käfig unserer Zeit, der uns die verlorenen Vahrs beschert hat, so bedrückend find» wie wir; werden eie ihn sprengen — oder werden sie seine Gitter gar nicht mehr wahrnehmen? Zwischen Hoffnung und Skepsis orakeln wir, die schon Beraubten, um die Zukunft, nicht well wir wähnen, Unwiederbringliches einzubringen. Aber noch immer haben wir Augen, um zu sehen, wie die Sonne das Leben vergoldet, und Ohren, um die „Zauberflöte“ und Bruckners Achte zu hören. Noch immer gibt es die Liebe der Mütter und die großen staunenden Augen der Kinder. Wir haben, trotz allen ■ verlorenen Jahren, noch viel mehr zu verlieren. Kunst und Wissenschaft Die evangelisch* Akademie Bad Boll veranitaltet in der Zeit vom 28. April bis zum 3. Mai ein Gespräch, zu dem Buchhändler und Verleger „ohne Rücksicht auf ihren geistigen und religiösen Standpunkt“ eingeladen werden. Lajidesbischof D. Dr. Haug begründete die Notwendigkeit dieser Zusammenkunft mit der Feststellung, daß eine Auseinandersetzung mit gewissen- Grundfragen der christlichen Botschaft unerläßlich sei. Nach dem Erfolg der deutschen Buchausstellung in der Schweiz wird der deutsche Buchhandel Im Herbst 1950 eine Ausstellung deutscher Bücher ln den Vereinigten Staaten veranstalten. Eine kritische Gesamtausgabe der Werke Kierkegaards wird im Verlag Jakob Hegner in Köln und lm Summa-Verlag zu Olpen (Schweiz) vorbereitet. Die Ggsamtleltung der Herausgabe, für die auch die UCbersetz ungen Theodor Häckers zur Verfügung stehen, hat Professor Dr. Walter Rest von der pädagogischen Akademie Emsdetten übernommen. Die bayerische Akademie der schönen Künste, die zum erstenmal seit ihrem Bestehen Preise verliehen hat, sprach für 1950 den Kunstpreis dem Bildhauer Toni Rückei, den Literaturpreis dem Schriftsteller Friedlich Georg Jünger, und den Musikpreis dem Komponisten Karl Amadeus Hartmann zu. Der Direktor des zoologischen Museums und des zoologischen Staatsinstituts in Hamburg, Professor Dr Berthold K 1 a 11, vollendete sein 65. Lebensjahr. Klatt ist Herausgeber des „Zoologischen Anzeigers” und durch zahlreiche Publikationen, darunter ein Handbuch der Naturwissenschaften, hervorgetreten. Dienstag, 11. August 1950 A Offenburger Tageblatt Nr. 43 — Seite 8 Ostern mit reichhaltigem Programm Mannschaften aus der Schweiz, Skandinavien, Spanien und anderen Ländern zu Gast — Auch die Meisterschaftskämpfe ruhten nicht Xh Karfreitag und über die Osterfeiertage herrschte im gesamten Bundesgebiet lebhafter Spielverkehr, der *eine besondere Note durch die Gastspiele zahlreicher ausländischer Mannschaften erhielt. Gäste aus der Schweiz, Skandinavien, Spanien und anderen Ländern maßen mit wechselnden Erfolgen ihr Können mit deutschen Mannschaften. Darüber hinaus fanden die Punktespiele um die Meisterschaft kaum Unterbrechung. In der Zonen- liga Süd wurde zwar nicht mit vollem Programm gespielt, aber immerhin fanden einige Treffen statt, die das Bild weiter abrundeten. Reutlingen war spielfrei, so hatte es Singen und Tübingen in der Hand, durch Erfolge dichtauf zu bleiben. Aber nur Tübingen siegte klar über Hechingen mit 4:0. das weiterhin hoffnungslos am Tabellenende liegt, Singen, gab an den FFC einen wichtigen Punkt ab, Ebingen blieb durch das Unentschieden gegen Trossingen punktgleich. Ueberraschend hoch fiel der Sieg des FT/SC Freiburg gegen Villingen aus Schwenningen . und Friedrichshafen trennten sich unentschieden. Sie bilden nun mit Hechingen das Dreigestim am Tabellenende. Kickers Stuttgarts Schicksal besiegelt Vfe. Fürther ‘Kleeblättler Imponierten den 20 000 ln Mannheim-Waldhof ln einem meisterhaften Spiel. Daß ihnen in der letzten Minute der 2:2- Ausglelch gelang, ließ die Begeisterung der Zuschauer in Enttäuschung Umschlagen und der Schiedsrichter Bembeck-Frankfurt mußte als Prügelknabe herhalten. Und dies, obwohl Bembeck ln seinen letzten Spielen überall nur beste Kritiken erhalten hatte. Schadens Führungstreffer glich Herbold durch Elfmeter aus und nach dem erneuten Treffer von Hölzer sah es nach einem Ueberraschungserfolg der Waldhöfer aus, ehe Haffmann kurz vor dem Ende eine Ecke für Fürth zum Gleichstand verwertete. Ebenfalls unentschieden (0:0) spielte der VfB. Stuttgart in Schweinfurth und behauptete seine günstige Position, da zu gleicher Zeit die Offenbacher Kik- kers bei Bayern München 2:3 unterlagen. Auch in München gab es ausgezeichnete Leistungen zu sehen. Den Bayemtreffern von Bachl und Metz stellte Buhtz zwei für Offenbach entgegen. In hartnäckigem Ringen glückte Bachl das siegbringende Tor. Am Tabellen-Ende erfüllt sich das Schicksal der Stuttgarter Kickers, die bei Schwaben Augsburg ,0:1 unterlagen. Das Pech, das die Stuttgarter Kickers seit Wochen verfolgt, blieb ihnen' auch hier treu. Der, seit bald einjähriger Pause mitwirkende Torhüter Matheis wurde in der 65.‘ Minute erneut verletzt. Für ihn mußte Oswald ins Tor gehen. So wirke sich der erneute Einsatz von Langjahr und Herberger nicht wie erwartet aus und drei Minuten vor Schluß fielen durch ein Eckballtor von Grünsteudel zwei schwerwiegend^. Punkte an die Augsburger Schwaben. Haben Sie richtig getippt? Württembg.- Baden Bayern Rheinland- Pfalz 1 2 0 0 2 1 2 0 3 1 0 1 4 1 1 - 0 5 1 1 0 6 2 1 0 7 0 0 2 8 0 1 2 9 2 0 0 10 0 I — 11 — ' 1 1 12 1 0 — 13 1 1 — 14 0 — - Sport-Toto Rheinland-Pfalz Der Sport-Toto Rheinland/Pfalz hatte am 34. Wettbewerb (9.—lo. 4.) einen Gesamtumsatz von rund 1 406 000 DM. zu verzeichnen Davon entfallen auf den Kleintip rund 144 000 DM. Die Gewinnauszahlung beträgt in jedem Rang der Normalwette je *10 000 DM. Für den Kleintip kommen 72 050 DM zur Ausschüttung. Gewinner des 11. Eigenheimes wurde Heinrich Lutz (Landau), während der 23. Volkswagen an Maria Franzen, Minheim bei Wittlich fiel. Das Fußballspiel West- gegen Norddeutschland wird am 14. Mal in Köln stattfinden. Auf Düsseldorf wurde verzichtet, weil die Stadt nicht das erwartete Entgegenkommen zeigte. Herberger schult badischen Fußball-Nachwuchs In der Zeit vom 29. Mai bis 4. Juni findet ln Freiburg für die südbadisehen Nachwuchsspieler ein Fußball-Lehrgang unter Leitung von Bundestrainer Sepp Herberger statt. Spruchkammerurteile der Zonenliga Süd Nach einem Beschluß der Spruchkammer wird das am 23. 11. 1949 ausgetragene Meisterschaftsspiel zwischen dem SV Hechingen und dem FC 04 Singen (3:3) apnulliert und neu angesetzt. Als Begründung wird angeführt, daß die durch den SV Hechingen erwirkte Spielgenehmigung für den Spieler Langfahl, der zu jenem Zeitpunkt vertraglich beim FC OS Villingen verpflichtet war, ungültig sei. — Die Spieler H. Rittweiler (Lahr), - Höhn und Oswald (beide ASV Ebingen) wurden wegen Tätlichkeit im Spiel Ebingen — Lahr am 12. Februar bis einschl. 12. April gesperrt. — Eugen Pfister (SV Hechingen) wurde wegen Schiedsrichterbeleidigung bis einschl. 11. April vom Spielverkehr ausgeschlossen. — Wegen Tätlichkeit im Spiel gegen den SV Kuppenheim wurde gegen den Hechinger Torhüter Slckinger Spielsperre bis einschließlich 19. Mai verhängt. — Der Lahrer Verteidiger Gerhard Rittweller wurde ebenfalls wegen Tätlichkeit bis einschl. 16. April gesperrt. Wer wird deutscher Waldlaufmeister ? Nach den Landesmeisterschaften im Waldlauf hat man einen Ueberblick über das Feld der Hauptgegner des Deutschen Meisters Otto Eitel, der am 23. April in München seinen Titel verteidigen will. Landesmeister wurden: Bayern: Kaindl (München); Baden: Rimek (ASV Nordrach); Berlin: Steller (Charlottenburg); Bremen: Schiffer (Werder Bremen); Hamburg: Kruczyski (Hamburg); Württemberg: O. Eitel (Eßlingen); Hessen: Farnung (Friedberg); Schleswig-H.: Warnemünde (Pinneberg); Ostzone: Schörock (KTV Wittenberg). Otto Eitel will mit Gude und Bolzhausen den Deutschen Mannschaftsmeister 1947—49, TSV 1860 München, entthronen. SC Charlottenburg, Werder Bremen, KTV Karlsruhe, Viktoria Hamburg, Phönix Lübeck u. a. könnten weitere Bewerber um den Mannschaftstitel sein. Spiele der Zonenliga Süd VfL Schwenningen — VfB Friedrichshafen 1:1 (6:1) In Schwenningen gab es ein sehr hartes Spiel das von der Platzelf in der ersten Halbzeit überlegen 1 geführt wurde. Während .dieser Zeit hatten es die Schwenninger mehr als einmal in der Hand, den Sieg sicherzustellen, doch durch das Schuß- Unvermögen des Schwenninger Sturmes blieben Erfolge aus. Die zweite Spilehälfte war bis kurz vor Schluß ziemlich ausgeglichen. In den letzten 15 Minuten drängten die Schwenninger erneut und erzielten dann noch den Ausgleichstreffer. Friedrichshafen brachte dann eine ziemlich harte Note ins Spiel, sodaß ein Friedricttshafener Spieler wegen Nachschlagens eine Minute vor Schluß vom Platz verwiesen werden mußte. Spielvgg. Trossingen — FV 07 Ebingen 2:2 (1:2) In einem Kampf auf Biegen- und Brechen, der vor allem von, den Ebingern sehr robust und mit dem Einsatz aller Mittel geführt wurde, gab es in Trossingen ein gerechtes Unentschieden. Starker Wind beeinträchtigte das Spiel in hohem Maße, so daß ein flüssiger Ablauf des Kampfes nicht zustande kam. Immerhin konnten die Trossinger, in der ersten Spielhälfte gegen den Wind spielend, mehr überzeugen als die Ebinger, die es nicht verstanden, den Wind als Bundesgenossen entsprechend auszunutzen. Die Platzelf ging durchaus verdient in der 10. Minute in Führung. Den Ausgleich erzielten die. Gäste in der 35. Minute durch einen Strafstoß, den Wäschle aus 35 Metern einschoß. Kurz vor der Pause gab es ebenfalls aus einem Strafstoß den zweiten Treffer für die 'Ebinger. Die zweite Halbzeit stand im Zeichen einer eindeutigen Ueberlegenheit der Trossinger, deren Sturm aber zu aufgeregt spielte, um gegen die mit der ganzen Mannschaft verteidigenden Ebinger zum Erfolg zu kommen. Erst sieben Minuten vor Schluß gelang dann Weißhaar der Ausgleich, nachdem kurz zuvor Gärtner II von Ebingen wegen Tätlichkeit an einem Trossinger Spieler vom Platz verwiesen wurde. FC 04 Singen — Freiburger FC 0(0 Das Unentschieden wird den Leistungen beider Mannschaften gerecht, die zwar mehrfach Gelegenheit hatten, ihre zahlreichen Torchancen in Treffer umzuwandeln, doch immer wieder an den vorzüglichen Abwehrreihen scheiterten. Im ersten Spielabschnitt, als die Freiburger mit dem starken Rückenwind operierten, sah es keineswegs nach einer Punkteteilung aus. Mit zügigen Angriffen setzten sich die FFC-Sttirmer immer . wieder .gut in Szene, doch erwiesen sich zu diesem Zeitpunkt die Villinger Abwehrreihen als unüberwindlich.' Nach Seitenwechsel änderte sich das Bild zugunsten der Platzbesitzer, die nun vornehmlich mit schnellen Angriffen und überraschenden Flankenläufen gefährlich werden konnten, ohne aber die ausgezeichnet funktionierende Dek- kung der Gäste entscheidend ausspielen zu können. Der ausgezeichnete Schiedsrichter Fritz (Og- 50 Schwimmer fahren nach Wien Verpflichtung der Olympia-Anwärter — Klein besser als Europarekord Eine würdige Olympia-Verpflichtung nahm anläßlich seines Verbandstages in Schwäbisch-Gmünd (in. Württemberg) der Deutsche Schwimm-Verband am Ostersamstag vor. In der Stadthalle legte der Sekretär des Nationalen Olympisdien Komitees, Professor Dr. Diem, der Direktor der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Köln, die Aufgaben der deutschen Spitzensportler generell fest. „Wir deutschen Schwimmer geloben . . In neuen blauen Olympia-Trainingsanzügen sprachen dann für die gesamte deutsche Schwimmer- Jugend: Herbert Klein (München), Heinz Günther Lehmann (Braunschweig), Gertrud Herrbruck (Pirmasens) und Christi Claassen (Krefeld) folgend« Gelöbnis: „Wir deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer, Wasserballer und Springer geloben dem Deutschen Schwimmverband, in Sieg und Niederlage faire Sportsleute zu sein, nach sportlichen Regeln zu leben und unsere ganze Kraft für die Steigerung unserer Leistung .einzusetzen." — Dieses Gelöbnis ist besonders wertvoll lm Hinblick auf die Europameisterschaften ln Wien, zu denen der DSV eine Expedition von 50 Köpfen mit Reise-Omnibus entsenden wird. Fünf Tage Lehrgang nach den Deutschen Meisterschaften am 13. August ln Göppingen geben den letzten Schliff. Klein auf 16-m-Babn besser als Europarekord „Gemischte Wettbewerbe ‘ gab es auf der auf 16.66 m verkürzten Bahn des Gmünder Hallesbades. Die dreifache deutsche Meisterin Gertrud Herrbruck-Pirmasens gab dabei über 100-m-Rücken in 1:15,3 1b'er männlichen Konkurrenz, Hans Richter-Gmünd (1:15,8) das Nachsehen. „Nur gegen mich schwimmt keine Frau“, rief uns dann Europarekordmann Herbert Klein zu, bevor er über 200- m-Brust dank der vorzüglichen Wenden auf der 1-m-Bahn 2:33,8 Min. erzielte. Diese Zeit liegt sechs. Zehntel Sekunden unter dem Europarekord, kann aber wegen der verkürzten Bahn natürlich nicht registriert werden. Im Verlaufe des Verbandstages wurde Bernhard Haler (Hannover) zum neuen ersten Vorsitzenden und gleichzeitig zum Präsidenten des Deutschen Schwimmverbandes gewählt, (bisher Kurt Masch (Hamburg). Vizepräsident wurde Erich Frank (Schwäbisch-Gmünd), Vizepräsident und Auslandsreferent Bernhard . Skamper (Köln): Schwimmwart Artur Barth (Braunschweig): Wasserbau: Franz Dabmen (Wuppertal): Springen: Hans Keefer (München): Frauen: Käthe Jakobi (München); Jugend: Heinrich Eggert (Göttingen) und Presse: Dr. Ewald Bussard (Düsseldorf). Gisela 3,6 Sekunden hinter Geertje Dre Schwimmsport erlebt zur Zeit eine Rekbrd- periode. Der Australier John Marshall unterbot am laufenden Band Weltbestzelten im Freistil, u. a. die 400 m des Franzosen Jany von 4:35,2 auf 4:29,5. Die Japaner drückten über 4X100 m-Kraul ihren eigenen Weltrekord von 8:50 auf 8:40,6. In Europa verbesserte die lä’/sjährige Holländerin Geertje Wielema über 200 m-Rücken den Weltrekord ihrer Landsmännin Cor Kmt von 2:38,8 auf 2:35,3. Nun bereitet sie den 100 m-Rücken-Rekord-Angriff vor. 1:12,3 hat sie schon geschafft. Noch 1,4 Sekunden trennen sie von Cor Kint’s 1:10,8 Mm. Ueber die gleiche Strecke kam. die Deutsche Meisterin Gisela Herrbruck in München auf 1:16,4, während Ol» in Fumaren» 1:15,9 erreicht batte. gersheim) hatte bei der fairen Spielweise beider Mannschaften ein leichtes Amt. SV Tübingen SV Hechingen 4:0 (1:5) In dem auf Gründonnerstag vorverlegten Spiel siegte Tübingen erwartungsgemäß glatt über den Tabellenletzten. Die Gäste wurden mit 4:0 noch recht billig bedient, denn die Platzbesitzer waren in der zweiten Spielhälfte deutlich überlegen. Hechingen mußte sich ln dieser Periode völlig auf die Verteidigung beschränken- Die Tübinger spielten mit mehrfachem Ersatz, der sich gut ln das Mannschaftsgefüge einfügte. Die fair und eifrig kämpfende Gastmannschaft kam gegen die Technik und das rationelle Spiel der Tübinger in keiner Phase auf. Sportclub Freiburg — FC Villingen 5:2 (3:1) Das Spiel endete mit einem überraschend hohen Sieg der Freiburger. Die Villinger »varen allerdings keine drei Tore schlechter. Sie waren in der ersten halben Stunde der zweiten Halbzeit sogar leicht ■ überlegen, ihr Sturm arbeitete jedoch ohne jeden Zusammenhang. Außerdem schienen die Gäste vom Pech verfolgt. Nachdem Schiedsrichter Baas, Offenburg, in der 22. Minute einen zu harten Elfmeter für Freiburg verhängte? den Trltsch- ler verwandelte, schoß der Villinger Verteidiger Huber in der 42. Minute beim 2:1-Stand ein Eigentor. Auch sonst hatten die Villinger kein Glück. Sie hätten gut zwei Tore mehr schießen können. Beide Mannschaften boten keine überragende Leistungen. Fußball an Karfreitag und Ostern Zonenliga Süd: SV Tübingen SV Hechingen 4:6; FC 04 Singen — Freiburger FC 0:0: FT 4 SC Freiburg Tegen FC 08 Villingen 5:2; SpVgg Trossingen gegen ASV Ebingen 2:2; FV Lahr — FV Kuppenheim verlegt: FC 04 Rastatt — SSV Reutlingen ausgefallen; VfL Schwenningen — SG Friedrichs- hafen 1:1. Oberliga Süd: FSV Frankfurt — BC Augsburg 3:lf ~V Waldhof — SpVgg Fürth 2:2; 1. FC Nürnberg ?egen VfB Mühlburg 2:4; Schweinfurt 05 — VfB Stuttgart 0:0: Bayern München — Offenbacher Klickers 3:2: Schwaben -Aurrsburs — Stuttgarter Kicker® 1:0; 1860 München — Eintracht Frankfurt 3:0. Oberliga West: Preußen Münster — Borussia Dortmund 0:2; SchalkeO 4 — 1. FC Köln 1?2; Preußen Dellbrück — Rot-Weiß Oberhausen 2:1; Dunsburg 98 — Vohwinkel 80 1:0; Hamborn 07 — Duisburger SV 3:1; Rot-Weiß Essen — SpVgg Erkenschwick 3:0; Arminia Bielefeld — Aachen 0:1; Concordia Hamburg — Bremer SV.4:2; Harburger TB — Bremerhaven 93 1:6; St. Pauli — Göttingen 05 4:2. Oberliga Nord: Holstein Kiel — St. Pauli 2:1? VfB Oldenburg -- Eintracht Braunschweig 3:1; VfL Osnabrück — Harburger TB 7:0; Werder Bremen — Arminia Hannover 4:1. Zonenliga Nord: Mainz 05 — 1. FC Kaiserslautern» 9:2; FK Pirmasens — SpVgg Weisenau 5:2; Phönix Ludwigshafen — Wormatia Worms 2:2; VfR Kaiserslautern — VfR Kirn 2:1; TuS Neuendorf gegen ASV Landau 5:1; Eintracht Trier — VfL Neustadt 5:1; SpV Andernach — ASV Oppau 2:1 (Karfreitag). Zonenliga Nord (Ostern): Wormatia Worms gegen 1 FC Kaiserslautern 1:1; ASV Oppau — FV Enger* 1:4; SpVgg. Andernach — VfL Neustadt 3:1; SpVgg Weisenau — VfR Kim 6:2; ASV Landau — FSV Trier/Ktirenz 4:1: TuS Neuendorf — Phönix Lud- wigs^afen 6:0; VfR Kaiserslautern —- Eintr. Trier 2:2; Primasens 03 — Mainz 05 3:0. Freundschaftsspiele: 1860 München — FC Zürich 1:1: Stuttgarter SC — FC Aarau 3:2; VfB Stuttgart gegen FC Real Valladolid 2:3; Eintracht Braun- schweig — Chaux-dg-Fonds 3:0; Holstein Kiel gegen Aadvida Berg 2:2; Fortuna Düsseldorf — Vienna Wien 2:0; Rot-Weiß Essen — Casablanca 5:1; SpVgg Offenburg — BC Zürich 5:1: Borussia Dortmund gegen Belenenses Lissabon 1:2: Bonner FV — Ce- ario Sehaffhausen 2:3; VfL Witten Kenty Lin- köping 3:1; Duisburger SV — Union Oberschöne- weide Berlin 0:1: SSV Wuppertal — Vohwinkel 0:3; Meidericher SV — Preußen Dellbrück 1:0; Wanne- Eickel — Erkenschwick 2:3: Bad Kreuznach gegen BC Augsburg 1:3; SF Weingarten St. Gallen 3:1; VfL Konstanz — FC Austria Lustenau 2:3. Weitere Freundschaftsspiele: SC B.-Baden gegen SpVgg Fürth (verstärkte Oberliga-Reserve) 4:1; FC Radolfzell — Freiburger FC 1:3; FC 04 Singen gegen — FC Kreuzlingen (Schweiz) 5:2; VfR Sulz gegen VfL Schwenningen 1:5; FV 07 Ebingen gegen Phönix Karlsruhe 4:3: VfL Konstanz — FC Brühl (Schweiz) 3:1; SV Tübingen — Kicker* Offenbadh 1 : 8 . Südwestdeutsdie Handball meistersdiaft SSV Reutlingen — TuS Schutterwald 8:10 Im ersten Heimspiel um die Meisterschaft der französischen Zone unterlag Reutlingen dem südbadischen Meister Schutterwald knapp mit 8:10 Toren. Allerdings Ist der Sieg !der Schütterwälder durchaus verdient, denn die Südbadener zeigten ein ausgezeichnetes Stürmerspiel und waren vor allem viel schneller als die Reutlinger, die gegenüber den Punktessielen schwer nachgelassen haben. Vor allem ließ die Deckung der Platzelf zu wünschen übrig. Die meisten Tore der Schutterwäldör resultierten aus Deckungsfehlern der Reutlinger Verteidigung. Die Schutterwälder warteten mit einer vorzüglichen Gesamtleistung auf. Verträge für den 7. Mal einwandfrei Di# Mannheimer Veranstalter des für den 7. Mal ln Mannheim geplanten Schwergewichts-Boxkampfes zwischen Joe Walcott und Hein ten Hoff legten am Freitag dem Präsidenten des Bundes deutscher Berufsboxer, Erich Döring, (Remagen), die Verträge zur Einsichtnahme vor. Döring erklärte. daß die Schriftstücke zu keinerlei Beanstandungen Anlaß geben. Handballmeisterschaft Südwest: Grün-Wbiff Obermendig — SpVgg Fürth 11:4; SSV Reutlingen gegert TuS Schutterwald 8:10. Unser Tabellenspiegel Zonenliga Süd: SSV Reutlingen 25 20 2 3 68:26 44 SC Singen 26 17 3 6 53:2« 37 SV Tübingen 24 15 5 4 58:2? 35 Freiburger FC 25 12 8 5 54:29 34 FV 07 Ebingen 26 13 8 7 41:35 34 SV Kuppenheim 26 12 S 9 55:58 28 VfL Konstanz 24 11 5 8 49:31 27 FC 04 Rastatt 24 10 7 7 48:38 47 FV Lahr 27 11 3 13 43:56 26 Offenburger SV 25 7 8 10 29:39 22 FC Villingen 25 9 3 13 45:49 41 SG Friedrichshafen 28 9 4 14 30:55 90 FT 4 SC Freiburg 24 6 4 14 48:37 16 VfL Schwenningen 24 6 4 14 44:85 16 Sp Vgg Trossingen 25 5 5 15 36:50 16 SV Hechingen 26 2 r 22 27:100 8 Oberliga Süd SnVgg Fürth 25 15 6 4 64:3» 3« VfB Stuttgart 25 12 8 5 42:32 32 VfR Mannheim 26 12 6 3 52:37 30 SV Waldhof 28 9 11 6 48:4« 29 München 1860 25 13 2 10 41:33 28 FSV Frankfurt 25 10 8 7 34:29 26 Offenbache! Kickers 25 10 7 8 49:45 27 VfB Mühlburg 26 9 8 9 36:37 26 BC Augsburg 25 9 6 10 45:59 24 Eintracht Frankfurt 26 8 8 10 43:46 24 1. FC Nürnberg 25 8 7 10 40:38 23 Bayern München 25 10 3 12 49:58 24 1. FC Schweinfurt 26 7 8 11 32:34 22 Schwaben Augsburg 26 8 4 14 32:58 26 Jahn Regensburg 26 7 5 14 44:57 19 Stuttgarter Kidcers 26 4 9 13 42:57 17 Deutsche Tisditennis-Jugenchneisterschaften Vertreter Bayerns in Front Unter Teilnahme von rund 40 männlichen und 80 weiblichen Nachwuchsspielern wurden am Ostermontag in Speyer die deutschen Jugend-Tischtennis-Meisterschaften abgeschlossen,, die ein eindeutiges Uebergewicht der Bayern zeigten. Die Ostzone hatte trotz der Einladung keine Vertreter entsandt. Während die Entscheidung im Einzel- ^Indkampf bei der männlichen Jugend hart umstritten war, war das Endspiel im Einzelwettbewerb der weiblichen Jugend eine eindeutige Angelegenheit Zu zweifachen Siegerehreri kamen jeweils die Einzelsieger, die auch bei den Endkämpfen ln den Doppelspielen siegreich' blieben. Die Titelträger: märinl. Jugend: Einzel: I. Hans Rockmeier (Landshut), 2. Konrad Freundorfer (Freising). Doppel: 1. Rockmeier/Freundorfer (Landshut/ Freising). Weibl. Jugend: Einzel: 1. Ursel Eichhoff (Sulingen), 2. Hannelore Walz (Bonn). Doppel: 1. Eickhoff/Pannweitz (NiederSachsen). Die Teilnehmer traten außerdem in Länderver- gleichskämfen an, die folgende Plazierung brachten: Männl. Jugend: 1. Bayern, 2. Baden, 3. Nordrhein-Westfalen. Weibl. Jugend: 1. Nordrhein-Westfalen, 2. Niedersachsen, 3. Baden und Hamburg. England Sieger im Rol'hodceyturnier England beendete das Roll-Hockeyturnier in Montreux am Sonntag ungeschlagen und holte sich mit 14 Punkten vor Portugal (12 Punkte) den Sieg. Es folgten in der .Gesamtwertung Italien, Spanien, I Schweiz, Belgien, Frankreich, und an letzter Stelle mit 0 Punkten, Deutschland. Am letzten Tag schlug England den Welt- und Europameister Portugal . 1:0. Deutschland unterlag gegen England 3:6. Der deutschen Mannschaft, die in allen Spielen geschlagen wurde, fehlte das nötige Zusammenspiel und die internationale Erfahrung. War Omen schon bekannt... ? . . . , daß an einem Tischtennisturnier, das die französische Tageszeitung „LTntransigeant" veranstaltete, die Rekordzahl von 25 000 Spielern teilnahm’ Es handelte sich durchweg um Anfänger im Ping-Pong, die nicht zu den in 1500 Clubs organisierten 15 000 Spielern gehörten. .... daß Kekkonen, der neue Ministerpräsident von Finnland ein glänzender Hochspringer lst( In seiner besten Zeit übersprang er 1,85 Meter und noch 1933 als 45 Jähriger holte er sich die finnische Hochsprungmeisterschaft der Veteranen mit 1,65 Meter. . . ., daß der Ansager des Pariser Sportpalastes, Georges Berretrot, unglücklich ist. daß wieder einmal die für ihn so lukrative Hallen-Saison zu Ende ging? Berretrot ist in Paris der „Herr Locker- macher“ von Prämien bei Sechstagerennen, Bo» kämpfen, Eisrevuen usw., die er auch akustisch und werbemäßig untermalt. Von den Gewinnern de» Prämien aber zieht er erst einmal zehn Prozent Anteil ein, so daß z. B. der Holländer Schulte nah Erspurten eines 2000-DM-Pelzes erst einmal 300 DM an Herrn Berretrot zahlen mußte, ehe er die Prämie* erhielt. > Nr. 43 — Seit* 4 A Offenbarter Tageblatt Dienstag, 11. August 1950 Missa-Aufführung nach 200 Jahren Der Kirchenchor von Heilig-Kreuz sang ein Werk des südbarocken Meisters Meinrad Spieß ZEITGESCHEHEN Ostertage - ein wenig verregnet Die Ostertage sind vorüber. Es kam alles anders, als es der Wettermann vorausgesagt hatte und als es optimistische Leute, die auf die Wetterregel im Volksmund „Freitagswetter — Sonntagswetter“ schwören, meinten. Der April ist nun einmal ein wetterwendischer Monat, wie wir es noch in unserer Osterspitze feststellten. Er hat seine Daunen und macht mit ihnen auch nicht vor Ostern halt. Wenn wanderlustige Leute mit hochfliegenden Wanderplänen am frühen Ostersonntag noch mit einem Blick zum Himmel zuversichtlich sein mochten, so waren sie schon bald eines anderen belehrt. Der schöne Freitag, und der nicht minder schöne Samstag mit dem trügerischen Abendrot, hatten entschieden zuviel versprochen. Eine niedere Wolkendecke zog heran. Es fieselte, es rieselte, es tröpfelte, es regnete in schrägen Regenschauern, die der Nordwind gegen Süden trieb. Zwischendurch hellte es sich einmal auf. Die Sonne blitzte zwischen Blütenträumen. Aber nur kurze Zeit. * Waren sie uns darum verdorben? Nun, der Osterhase wurde von den Kindern deswegen trotzdem mit hellen Mienen „gejagt“. Und wie! Die Schokolädengeschäfte konnten noch am Karsamstag davon ein Lied singen, in welchen Mengen der gebefreudig beflissene Osterhase einkaufte! Eier wurden auf dem Frühmarkt in rauhen Mengen verkauft. Für 19 Dpf. das Stück. An den Ständen ging es- vielfach wie vor Jahren zu, als die Eier noch seltener zu bekommen waren. Es erwies sich aber, daß sie deswegen in der Stadt längst nicht ausverkauft waren. Abends konnte man sie in manchen Läden noch billiger haben, als auf dem Markt, insgesamt dürften auch etliche Mengen Ostereierfarbe aus den Geschäften unter die Leute gekommen sein. Es gab auch eine neuartige Kleisterfarbe in diesem Jahr, von der der Ostertage-Chronist ein Lied singen kann. Bei jeder zweiten Begegnung mit einem Bekannten wird er von der Frage überrascht, wie er zu diesen marmorierten Händen gekom- ^men sei. Natürlich, man war der Gehilfe des Osterhasen! Ganz ohne Zweifel, die Farbe Ist echt und dauerhaft und eignet sich ausgezeichnet für Ostereier, leider aber nicht für Hände.. * Wenn die Kleinsten ihren stattlichen Hasen tagten und ihn stolz herum zeigen konnten, , die „Großen“ konnten dies leider wegen des mißmutigen Wetters nicht. Wir meinen hier die „Osterüberraschungen“ in Form von hübschen kecken Frühlingshütchen, eleganten Frühjahrsmänteln, duftigen Frühlingskleidem, mit denen die Damen in der Regel die repräsentative Osterparade bestreiten. Wie wir hören, war das diesbezügliche Ostergeschäft nicht schlecht. Vor allem war ein guter Schuhverkauf vor den Festtagen zu verzeichnen. Wenn man nun alle diese schönen Sachen wegen des Wetters leider nicht so ausgiebig zeigen konnte, zu einer kleinen Osterparade reichte es immer noch. Es war eine recht stattliche Zahl von Offenburgem, die sich zu dem schönen Standkonzert der Stadtkapelle in den Räeanla- gen eingefunden hatten. Sportbegeisterte Damen konnten ihre Frühlingsüberraschungen für kurze Zeit auch auf der Stegermatt präsentieren. Aber wer hätte hier ein sonderliches Auge für solche' Dinge gehabt, wo es vor allem für die Herren der Schöpfung um weit wichtigere Dinge ging. Das Wesentliche für sie war, daß Offenburg gewonnen hat. * Es waren mehr oder weniger richtige Pen- del-Ostertage, die wir hinter uns haben. Wenn es sich aufhellte, pendelten wir ein wenig ins Freie, immer ein wenig mit dem Blick auf Deckung. Die fand sich für manchen in einer der gemütlichen Gaststätten, in denen man gemächlich sein Glas Wein oder Bier trank. Natürlich kam die Frage nach dem Wetter aufs Tapet. Sachlich, ironisch oder auch lakonisch stellte man fest: Ostertage — ein wenig verregnet ....! Theobald. Sdion wieder ein Einbruch In der Nackt vom Ostersonntag auf Ostermontag brachen unbekannte Täter in die Park- und Stadthalle-Lichtspiele ein, ohne jedoch irgendwelche besondere Werte zu erbeuten. Die Täter waren von den Stadthalle- Lichtspielen über den an der Rüdefront befindlichen Balkon in das Büro eingedrungen, nachdem sie sachgemäß die Scheibe der Türe ausgehoben hatten. Sie erbrachen Schränke, Regale und Schreibtische, versuchten auch das Safe im Privatbüro der Besitzerin der Lichtspiele zu erbrechen, was ihnen aber mißlang. Wie der Geschäftführer der Lichtspiele erklärte, vermutet man, daß die Einbrecher sich nach der letzten Vorstellung am Sonntag einsckließen ließen Die Ermittlungen sind im Gange. Was das Kino bringt „Das Heilige Jahr“ I. Teil: Porta Santa Öffne Dich. Dieser Film gibt Gelegenheit, wenigstens auf der Leinwand wichtige Stadien des Heiligen Jahres mitzuerleben. Er wird in verschiedenen Sondervorstellungen nur Mittwoch und Donnerstag jeweils um 15.30, 18 und 20.30 Uhr im Park vorgeführt. — „La Habanera“. In den Stadthalle nur Mittwoch 18 und 20.30 und Donnerstag nur 18 Uhr »La Habanera“ mit Zarah Leander. Am Ostersonntag führte Josef M. Fasbender mit seinem Kirchenchor von Heilig Kreuz die Missa brevis in e-moll des Südbarock-Meisters Meinrad Spieß auf. Das Werk galt, wie wir bereits in unserer Ankündigung mitteilten, bis noch vor kurzer Zeit als verschollen. Es ist eine Ausgrabung des Musikwissenschaftlers Alfred Goldmann, der an einer Biographie von Meinrad Spieß arbeitet und im Münchener Hauptstaatsarchiv eine Reihe bisher unbekannter Dokumente über den Komponisten gefunden hat. Wenn bisherige Aufführungen von einzelnen Werken am Rundfunk Stuttgart und München als günstiges Vorzeichen gewertet werden können, so steht eine Renaissance des Komponisten bevor, die unseres Erachtens zwar nicht der Neuentdeckung einer musik- scköpferiscken Erscheinung wie sie etwa die Zeitgenossen Joh Seb. Bach oder Händel darstellen, entspricht, die aber doch auch eine interessante Bereicherung unseres Musiklebens aus der Stilepoche des Barocks bedeutet. Wer war Meinrad Spieß? In einem gewöhnlicken Lexikon sucht man vergeblich nach seinem Namen. Spieß wurde 1683 in Honsolgen im Allgäu als Sohn eines Lehrers und Organisten geboren und starb im Jahre 1761. Er war also zwei Jahre älter als Händel und achtzehn Jahre jünger als Bach. Nach Mitteilungen des Musik-Lexikons von Riemann wurde Spieß 1702 in das Benediktinerstift Vrsee aufgenommen. Der musikliebende Abt erkannte die musikalische Begabung von Meinrad Spieß und ließ ihm bei dem Münchener Hofkapellmeister Bernabei eine gründliche Ausbildung zuteil werden. 1712 wurde er zum Musikdirektor des Freien Reihsstiftes berufen. Er bekleidete dieses Amt bis zum Jahre 1750. Vom Jahre 1713 an entstanden Kompositionen von Messen, Psalmen und Motetten und andere geistlicke Chorwerke. Er schrieb auch zwölf Triosonaten für Violinen, Cello und Orgel. Mit 24 seiner berühmtesten Zeitgenossen durfte er die Auszeichnung teilen, als Mitglied der „Correspon- dierenden Societät der musikalischen Wissenschaften in Deutschland“ anzugehören. Hier fand er Gelegenheit zu fruchtbarem Gedankenaustausch u. a. mit Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus Mozart. Sein Name wurde zu seiner Zeit durch den 174? erschienenen „Traktatus musicus“, einem Lehrbuck der Komposition, bekannt. Soweit das Biographische. Wie es schon die Bezeichnung Missa brevis dartut, handelt es sich bei dem Spießscken Werk, das der Kirchenchor von Heilig Kreuz aufführte, um eine „kurze“ Messe. Es gibt keine breit gebauten, umfangreichen Sätze. Ihre Anlage weist vielmehr auf eine liturgisch-praktische Bestimmung, auf die Gebrauchsmesse hin. Hier nmg der Priester im Komponisten mitbestimmr haben, der den Fortgang der heiligen Handlung nicht durch allzu intensive künstlerische Aufenthalte beeinträchtigt sehen möchte. Bei den meisten und vor allem den späteren Messen anderer Meister liegen musikalisch-gedankliche Schwergewichte auf dem Gloria und beim Credo. Bei Spieß verschieben sich diese gleichsam. So wird bei ihm beispielsweise das Sanctus zu einer Art Credo. Das Gloria ist mit seinem dreimaligen flehenden Misere fast ein vorausgenommenes Agnus dei, während dies, wenigstens anfänglich, nahezu hymnisch wirkt. Die musikalische Sprache der Trotz des Osterfeiertags waren 3500 Zuschauer erschienen, um den Kampf zu erleben, den die Mannschaft der OSV gegen ein Mitglied der 1. schweizerischen Division, den BC Zürich, ausfocht. Nachdem der 2. Vorsitzende der OSV, Bitter, die Gäste begrüßt und im Namen des Vereins ein Blumengebinde überreicht hatte, dankte der Kapitän der Züricher Mannschaft für die freundliche Aufnahme und überreichte ein Gegengeschenk. Nun begann unter Leitung von Schiedsrichter Kempf-Zunsweier das Spiel, das durch den äußerst fairen Kampf beider Mannschaften kaum Gelegenheit zum Pfeifen gab. Die sympathischen Gäste aus der Schweiz fanden sich rascher und zeigten flüssige, schöne Kombinationen. Bald kam jedoch auch Offenburg auf, und es entwickelte sich nun ein herrlicher Kampf mit rasch wechselnden Situationen. Kaum hatte der schweizerische Halbrechte mit einem scharfen Schuß, den Vogel prächtig hielt, einen Angriff abgeschlossen, als Müller ln der 12. Minute mit, einem Saftschuß nur die Latte treffen konnte. Aber drei Minuten später gelang es Willimowski, der wieder hervorragend aufgelegt war, den Ball zum ersten Tor einzuschieben. Auch im weiteren Verlauf des Spieles kamen die begeisterten Zuschauer voll auf ihre Kosten, denn kaum hatte der wie selten schön kombinierende Sturm einen Angriff abgeschlossen, da lief wieder der Ball von Mann zu Mann der schweizerischen Mannschaft, und nur der volle Einsatz • def Offenburger Abwehr, die wieder ihre große Klasse zeigte, verhinderte einen Gegentref, fer. Es wäre ungerecht, einen einzelnen hervorheben zu wollen. Denn angefangen mit Vogel im Tor, über Merz und Babold bis zu Pfeiffer zeigten alle eine hervorragende Abwehrleistung. Kurz vor Halbzeit erzielte Willimowski mit einer seiner typischen fußballartistischen Zwischenejnlagen ein weiteres Tor, das jedoch wegen Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. Nach Wiederanpfiff konnte Müller bald nach einer schönen Hereingabe von Herold zum zweiten Tor eind rücken. Die Gäste gaben sich jedoch noch nicht geschlagen. Gleich darauf konnte Vogel prachtvoll einen Kopfball des Schweizer Mittelstürmers halten. Der Offenburgdr Sturm, durch Bittner erheblich verstärkt, lief nun auf vollen Touren. Während Arm- bruster und KHngert in der Läuferreihe zerstörten, abwehrten und aufbauten, kombinierte und schoß der Sturm, daß alle Zuschauerherzen höher schlugen. Und die Schweizer Abwehr war bestimmt nicht schlecht. Besonders der rechte Verteidiger machte Herold schwer zu schaffen. Ganz hervorragend war auch der Mittelläufer der Gäste, und besonders auch ihr Torwart, der an keinem der Tore Schuld trug und durch einige sehr schöne Paraden seine große Klasse unter Beweis stellte. Der Offenburger Sturm war jedoch nicht zu Messe ist zwar nicht ohne Ansprüche, aber doch in ihrem Grundcharakter schlicht und unkompliziert. Es ist interessant, wie sich in ihr eine Mischung von barockem und zugleich späterem klassischem, von polyphonem und homophonem Ausdruck feststellen läßt. Der motettische Überschwang, ein Zeitkind jener Tage, ist auf ein begrenztes Maß beschnitten, das einem zeitgeschichtlich späteren Empfinden entgegen kommt So schlicht auch nun diese Aussage ist, sie ist zugleich in vielem von einer frommen Innigkeit und Gefühlstiefe. Wenn auch der Ge- samteindruck des Werkes nicht als überwältigend stark bezeichnet weiuoa kann, so wird das Werk in seiner Wirkung durch sie noch in eine echte Erlebnisnähe gerückt. Die Aufführung bleibt ungeachtet aller Einwände ein Verdienst von Josef M. Fasbender. Das mutige Eintreten für einen Komponisten, für ein Werk, das seit über zweihundert Jahren nicht mehr erklang, das durchaus'originale Tendenzen aufweist und so vielen musikalischen Messen von kleineren Komponisten, wie sie in den verschiedensten Gotteshäusern immer wieder aufgeführt werden, weit überlegen ist, rechtfertigte unsere .Ankündigung, von einem kirchenmusikalischen Ereignis für Offenburg zu sprechen. Man muß zwar Spieß nur einen Zeitgenossen der Bach und Händel nennen, aber immerhin als einen ihrer begabtesten. Daß nun aber die Messe am Ostersonntag zu einem nachhaltigen Erlebnis wurde, das noch lange in uns nachklingen wird und mit Recht nach den Worten von Stadtpfarrer Hugle in seiner so gedankentiefen Predigt als ein „erhebendes Ostergeschenk“ bezeichnet werden konnte, das verdankten alle die vielen Besucher des Gottesdienstes dem Kirchenchor von Heilig Kreuz, der sich unter der Leitung von Josef M. Fasbender, in Begleitung durch ein' aus Kräften des Orchestervereins zusammengestelltes Streichorchester und mit Maria Hugle an der Orgel, für eine vorbildliche Wiedergabe einzusetzen wußte. Diese Messe war, man spürte das, in allen ihren Teilen sorgsam und liebevoll durchgearbeitet. Sie gab Zeugnis von der gepflegten Gesangskultur des Chors, sowohl des reinen, klaren Soprans, der klangschönen Tenöre als auch der vollen tieferen Stimmen. Es ist mit ein Reiz der Messe, daß sie gleichsam jeder Stimmlage besondere Partien zuweist, um sie wirkungsvoll zur Geltung kommen zu lassen. Es gab hier in allem Leistungen, die nicht leicht übertroffen werden können. Meinrad Spieß, der Benediktiner-Komponist, müßte wohl seine Verwunderung und seine Freude darüber ausgedrückt haben, wenn er unter den vielen Kirchenbesuchern geweilt hätte, die in dieser Kirche schon einen Händel, einen Haydn, einen Mozart, einen Beethoven, einen Bruckner in soviel anderen, in so verschiedenen Klängen vernommen haben. K. G. Klassische Kirchenmusik in St. Dreifaltigkeit In diesem Jahre war fast die gesamte Kirchenmusik von Karfreitag bis zü den Oster- tagep in der Dreifaltigkeitskirche auf den streng klassischen, palestrinensischen Stil ausgerichtet. Dies gilt auch für die diesjährige Osterfestmesse „Ecce nunc benedicite“ von Orlando di Lasso. Es war kein geringes Wagnis, diese 6-stimmige Messe einzuhalten. Die Mitte, der rechte wie der linke Flügel, waren gleich gut, und besonders der rechte Flügel leistete an technischem Können und spielerischem Einsatz Hervorragendes. Müller und Höfler waren gleich gut und verstanden sich ausgezeichnet. Wunderbar war wieder Willimowski in der Mitte. Seine Uneigennützigkeit ist vorbildlick für die ganze Mannschaft, und selten sah man ihn so schießen wie bei diesem Spiel. Besonders sein Prachtschuß aus etwa 15 Meter Entfernung in der Mitte der 2. Halbzeit ln die linke obere Ecke war nicht von Pappe. Bittner auf halblinks hatte zu diesem Treffen Spielerlaubnis erhalten und zeigte mit seinen zwei Toren, daß er der geeignete Mann für diesen Posten wäre. Sein Tor in der 18. Minute der zweiten Halbzeit war beispielhaft. Offenburg gelang es nun immer mehr, dag Spiel an sich zu reißen. In der 75. Minute lenkte der linke Verteidiger der Gäste einen Schuß Bittners ins eigene Tor. Kaum 5 Minuten später gelang es dann Bittner aus nächster Nähe, aus einer Drangperiode heraus zum 5:0 einzuschießen. Die Schweizer Gäste ließen nun merklich nach. Trotzdem gelang es in der 85. Minute ihrem Halbrechten noch, den wohlverdienten Ehrentreffer zu erzielen. In einem kleinen Wolkenbruch ging dann der Schlußpfiff des Schiedsrichters unter. Beide Mannschaften hatten sich einen schönen, fairen Freundschaftskampf geliefert, und Ottenburgs Fußballfreunde werden sich gerne der Züricher Gäste erinnern. Boxern Harte Begegnung erbrachte OSV-Sieg Offenburger •,». reinigung — Lahr 8:7 Am Ostersamstag konnte die Box-Abteilung der OSV ihre Anhänger wiederum auf das angenehmste überraschen. Gelang es ihr doch, die kampfstarke Staffel Blau-Weiß Lahr nach erbitterten Kämpfen mit 0:7 zu schlagen. Nach der Begrüßungsansprache durch den Vereinsvorsitzenden, Herrn Kahles, gab Ringrichter Dreher (Freiburg) den Bing frei. Im Fliegengewicht traf Kiefer (OSV) auf Schneider (Lahr). Nach zwei ausgeglichenen Runden konnte er sich in der dritten Bunde einen Punktvorsprung erkämpfen, der ihm den knappen, aber verdienten Sieg brachte. — Aeußerst hart war die Begegnung im Bantamgewicht. Bodins Gegner war der südbadische Bantamgewichtsmeister Wiegert (Lahr). Beide Kämpfer zeichneten sich durch gewaltige Härte im Nehmen und Geben aus. Bodin konnte sich in den ersten Runden schön durchsetzen und es gelang Ihm sogar, seinen Gegner bis 8 auf die Bretter zu schlagen. Doch dem ungeheuren Angriffswillen des Lahrers war es zu verdanken. studieren. Eine gewisse Vorschulung hatte der Chor bereits durch eine zu Weihnachten 1948 durchgearbeitete Palestrina-Messe (ad fugam). Studienrat Braunstein brachte nun die Messe von Orlando di Lasso im österlichen Hochamt in wirklich ausgefeilter und würdiger Weise zur Aufführung. Bei der klanglich so warmen und polyphon doch fein aufgegliederten Wiedergabe vergaß man, daß dieses bei aller kirchlichen Strenge doch so lebendige Werk des großen Niederländers bereits über 400 Jahre alt ist. Ja, wir Menschen unserer leidgeprüften Zeit haben sogar zu dieser strengen Musik wesentlich tiefere seelische Beziehungen als etwa zu manchen geistlichen Schöpfungen eines Haydn oder Mozart. Die im Amte nach eingefügten Chöre von Palestrina und Prätorius paßten stilvoll recht gut zu der Messe und wurden ebenfalls in vortrefflicher Ausarbeitung dargeboten. -n. Unser kritischer Filmbericht: „Figaros Hochzeit" im Film Der Musikfilm nimmt in der Filmproduktion einen gewichtigen Platz ein. Neben der bevorzugten Operette wird auch die Oper verfilmt. Selbst die sinfonische Musik, wie das zuletzt noch der österreichische Beethovenfilm zeigte, wird filmisch verwertet. Es mag zu diesen Versuchen einmal der Mangel an guten Drehbüchern, dann der Ehrgeiz darstellerischer Entfaltung an erprobten Stoffen, nicht zuletzt aber das Interesse des Publikums auch an berühmter Musik beitragen. Ueber die Ostertage wurde in den Parklichtspielen der Defa-Film „Figaros Hockzelt" gezeigt. Die berühmte Oper Mozarts ist in ihm weitgehendst in ihrem Originalzustande belassen, so -daß man hier mit einigem Recht von einer verfilmten Oper sprechen kann. Aber gibt es nun das? Seltsamer Weise empfindet man immer wieder gerade auch bei diesem Film trotz.noch so interessanter Illusionssteigerungen, wie sehr doch die eigentliche Welt der klassischen Oper der Bühne zugehörig ist. Der Regisseur Georg Wildhagen vermochte wohl die Schauplätze weiträumiger zu gestalten, aber ihre örtliche Gebundenheit nicht aufzuheben. Wildhagen inszenierte auf die „Revolutionsoper“ hin, welche Mozarts Gegner schon in dem Werk witterten. Es kann dazu allerding» gerade nur Andeutungen hergeben. Diese Andeutungen werden von Wildhagen am Schopf* gefaßt. Der verliebte Cherubin soll das Küssen und Kosen aufgeben und Soldat werden. Das Soldatwerden wird für ihn zu einer erschreckenden Vision des Schlachtenlärms. Die Szene wird so zu einer wirksamen Anti- Kriegs-Demonstration. Den nächtlichen. Szenen der zum Zuschlägen bereiten Bauern im Park konnte man allerdings nur das übliche drohende Moment mitgeben. Wie. schade für unsere Zeit, daß da Ponte schon zu Mozart» Zeit alle „gefährlichen“ Stellen aus dem Aufführungsbuch strich! Künstlerisch bedeutete es ein Manko, daß die verschiedensten Rollen gleichsam „doppelt“ besetzt werden mußten. Die agierenden Personen sind vielfach keine Sänger und es mußte eine „Synchronisation stättfinden. Einzig Willy Domgraf-Faßbender und Mathieu Ahlersmeyer (Figaro bezw. Alma viva) sind auch nach dieser Seite hin echt. Darstellerisch, gesanglich als auch musikalisch zeigt der Film hervorragende Leistungen. Aber der Eindruck läßt sich nicht verwischen: wir sahen keine Oper, auch keinen eigentlichen Film. Besser wäre es vielleicht gewesen, man hätte, wie vielfach üblich, einen Film um eine Oper gedreht. -S; daß sich Bodin mit einem Unentschieden begnügen mußte. — Ein unglückliches Ergebnis hatte der Federgewichtskampl zur Folge. Bodin H, der seinen ersten Kampf absolvierte, wich seinem erfahrenen Gegner Hanger (Lahr) gut aus und konnte dessen ungestüme und blitzschnelle Angriffe mit aller Ruhe und mit seiner guten Linken stoppen, mußte aber schließlich seinem Gegner den k.o.-Sieg überlassen. — In Lott (OSV) und Eichner (Lahr) standen sich im Leichtgewicht zwei Nahkämpfer gegenüber, / Oienstag, 11. August 1950 A Offenburger Tageblatt Seite 5 Nr. 43 — Bürgermeisterstelle jeht hauptamtlich Aus der letzten Sitzung des Gengenbacher Stadtrats a Gengenbach. Zu Beginn der letzten öffentlichen Gemeinderatssitzung verlas Bürgermeister Schrempp die Neufassung der Hauptsatzung, die das Einverständnis des Stadtrats fand. Hiernach wird die Stelle des Bürgermeisters hauptamtlich besetzt, während die beiden Beigeordneten und acht Gemeinde rate, die ihm zur Seite stehen, ehrenamtlich fungieren. Vor Eintritt in die Beratung über den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 sprach Stadtrat Holl als Mitglied der Finanzkom mission über den neuen Haushaltsplan. Aus ihm sei ersichtlich, daß auch weiterhin äußerst sparsam gewirtschaftet werden muß. Im allgemeinen gleicht der Haushaltsplan dem des vergangenen Rechnungsjahres. Da es zu weit führen würde, den Haushaltsplan bist in die kleinsten Positionen wie derzugeben, seien hier nur die wesentlichsten Zahlen aufgezeichnet; In den Ausgaben sind für den Wiederaufbau des Rathauses 45 000 DM veranschlagt worden. Für die offene Fürsorge sind 10 000 DM festgesetzt. Die Ausgaben für allgemeine Fürsorge gleichen denen des vergangenen Jahres. Der Gern. Baugenossenschaft sollen, da die Stadt für dieses Jahr keine eigenen Bauten vorgesehen hat, 2500 DM als Zinszuschuß zugestanden werden. Für die Ausbesserung von Straßen und Wegen (Pflastern bezw. Teeren) sind 30 000 DM vorgesehen. Folgende Straßenzüge und Wege werden im Zuge dieser Planung geteert: Grünstraße, Oberdorfstraße, Parkweg bis zur Höhe, Schiller-, Scheffel- und Bahnhofstraße, Nöllen bis Görke, ferner sollen an'der Schule entlang ein Bürgersteig und vom Schuttplatz ab bis zum oberen Nöllen ein Gehsteig angelegt werden. Der Feuerwehr werden für Ausrüstung und Anschaffung von Uniformen bezw. Umändem 2300 DM zugestanden. Zur Errichtung eines Ehrenfriedhofes und zur Unterhaltung der Friedhofsanlagen stehen 2000 DM zur Verfügung, der gleiche Betrag wurde auch zur Unterhaltung der Grünanlagen (einschl. der vorgesehenen Neuanlagen) vorgesehen. Der Bademeister wurde in das Angestelltenverhältnis übernommen. Da hierdurch größere Ausgaben entstehen, wird das städt. Bad künftig an zwei Tagen in der Woche bis 21 Uhr geöffnet sein, um der berufstätigen Bevölkerung auch Gelegenheit zum Baden zu geben. Ein Zuschuß von 1000 DM ist für den Verkehrsverein festgesetzt worden. Der Verkehrsverein, der die Fremdenverkehrswerbung übernommen hat, muß im Zusammenwirken mit der Einwohnerschaft für die weiteren Kosten selbst aufkommen. Zur Unterhaltung des Stromnetzes und des Wasserwerkes sind je 5000 DM vorgesehen. Für den Erwerb bebauter Grundstücke sind 10 000 DM in Ansatz gebracht. Als weitere Ausgaben belasten die Stadt der Gewerbesteuerausgleich für die in Gengenbach berufstätigen auswärtigen Arbeiter und Angestellten mit 5400 DM und die Umlage an den Landkreis mit 43 500 DM. • An Einnahmen werden erwartet: Aus dem Verkauf von Strom 135 000 DM, von Wasser 28 000 DM, von Holz 150 000 DM. Aus Miet- und Pachtzinsen (einschl. der im Juni fertigwerdenden Neubauten wird mit einer Einnahme von 35 500 DM gerechnet. Aus Steuern sind folgende Beträge als Eingang ins Soll gestellt: Grundsteuer 102 000 DM, Gewerbesteuer 53 000 DM, Vergnügungssteuer 9000 DM, und aus der vom Staat zu überweisenden Bürgersteuer 22 000 DM. Nach eingehender Beratung aller Positionen wurde der Haushaltsplan vom Gemeinderat gutgeheißen. Abschließend verlas der Vorsitzende die sein Programm im Bereich des Möglichen zu verwirklichen. Die Kapelle hat im Musikverein die materielle Hilfe zum Aufstieg, sie bildet den Stolz so vieler Männer in der Gemeinde Elgersweier. Aenderung der Friedhofsgebührenordnung und die beschlossene Uebernahme der Ausfallbürgschaft für das Baudarlehen der Gern. Baugenossenschaft- Berghaupten. (as) Am Donnerstag nachmittag wurde unter zahlreicher Anteilnahme die Bäckerswitwe Magdalena König, die im Alter von nahezu 66 Jahren starb, zur letzten Ruhe gebettet. Bestandene Prüfung Berghaupten, (as) Die Gesellenprüfung im Korbmacherhandwerk bestand der Kriegsversehrte Mathias Kienzle, im Obertal. Dirigentenwechsel in der Musikkapelle Elgersweier, (a) Seit Kriegsende hat sich unsere zerrissene Musikkapelle wieder zu einer stabilen Höhe emporgearbeitet. Nach und nach gruppierten sich die einzelnen Spieler zusammen und versuchten die Kapelle soweit zu fördern, daß sie den örtlichen Bedürfnissen wieder dienen konnte. Bei dieser Arbeit hat Zigarrenmeister Anton Decker sein Können wie schon in früheren Jahren als Dirigent in den Dienst der Sache gestellt. Ihm hat die Kapelle vieles zu verdanken. Bis vor wenigen Wochen hat er trotz seines hohen Alters die Kapelle mit Erfolg dirigiert. Nun hat ihn eine junge Kraft abgelöst. Herr Dienert, aus Zell- Weierbach kommend, jetzt hier wohnhaft, ist als guter Musiker bekannt. Er wird die Zukunft der hiesigen Musikkapelle weiter gestal-| Dankesworten an die Pflanzer schloß Lutz die ten. Möge es ihm gelingen, seine Pläne und| Versammlung. Grasvertilgungsmittel mit Kochsalz verwechselt Rund um Olfenburg / Generalversammlung des Tabakbauvereins Altenheim Altenhelm (r) Am Mittwochabend fand im Bahnhofsaale die Generalversammlung des Tabakbauvereins statt, zu der Landwirtschafts- rat Engelhardt erschienen war. Leider ließ der Besuch der Versammlung in Anbe tracht der Wichtigkeit zu wünschen übrig. Vorstand Lutz begrüßte die Anwesenden und gab den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr bekannt. Aus diesem konnte ersehen werden, daß trotz ungünstiger Witterung noch eine beträchtliche Gewichtsmenge an Tabak abgeliefert werden konnte und einen finanziellen Erlös brachte, der leider durch Hemmung im Verkaufsgeschäft, infolge hoher Banderolsteuer auf Zigarren, nicht den sonstigen Preisverhältnissen entsprach. Landwirt schaftsrat Engelhardt sprach hierauf über die Vorgänge beim Verkauf der 49er Ernte und die Qualität derselben. Zum ersten Male nach langer Zeit war der Verkauf ein freier, der auch die großen Preissenkungen brachte im Verein mit der damals ungeklärten Steuerlage Des weiteren kamen die gemachten Erfahrungen im Anbau zur Sprache und die Pflanzer wurden erneut aufgefordert, im Interesse der Erhaltung bester Qualität die Anbauvorschriften einzuhalten. Der Erfolg war eine beträchtliche Anzahl neuer - Mitglieder. Mit Schutterwald. Am 5. April, gegen 15 Uhr, wurden vier Personen aus Schutterwald wer gen Vergiftungserscheinungen in das Städt. Krankenhaus eingeliefert. Nach den bisher! gen Ermittlungen wurde beim Zubereiten des Mittagessens Natriumkalorium, das als Grasvertilgungsmittel verwendet wird, mit Kochsalz verwechselt. Nach einer Mitteilung des Stadt Krankenhauses besteht zurzeit bei keiner Person Lebensgefahr. Plötzlicher Tod des Pfarrherrn Müllen (k). Am Karsamstagabend durcheilte die Kunde unser Dörflein, daß unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Paul G1 a s s, im Krankenhaus Offenburg, wo er sich einer leichteren Operation wegen aufhielt, plötzlich an einem Herzschlag verstorben ist. Seit drei Jahren wirkte er in Müllen und war -beliebt bei jedermann, da er seine seelsorgerische Tätigkeit nicht nur vom Pfarrhaus ausübte, sondern in jedes Haus trug und so eine Verbindung vom Dorf und seinen Bewohnern zur Kirche schuf. Am 27. April 1883 in Bischofsburg in Ostpreußen geboren, wurde er am 26. Januar 1908 um Priester geweiht. Wähnend des ersten Weltkrieges wirkte er als Divisionspfarrer und anschließend in Danzig. Von dort wurde er 1945 in ein Flüchtlingslager in Schleswig-Holstein evakuiert und kam nach Wyhl am Kaiserstuhl und von dort im Jahre 1947 nach Müllen. Es war gewiß eine große Umstellung nötig, vom äußersten Nordosten Deutschlands, in unsere Gegend. Durch seine humorvolle Art hat sich aber Pfarrer Glass schnell die Achtung und Liebe seiner neuen Pfarrkinder in Müllen erworben. Nun findet er hier seine letzte Ruhestätte. Waltersweier, (b). Den Bund fürs Leben schlossen Buchhog Rosa von hier und Fallbrecht Fritz Blechner Offenburg. und Installateur aus Bohlsbacher Familienchronik Bohlsbach. (1) Am Mittwoch, dem 5. April, konnte Katharina Ernst, Wwe., geh. Huber, in guter Gesundheit ihren 70. Geburtstag feiern Am vergangenen Montag, dem 3. April, vollendete Ehefrau Helena Walz, geh. Rösch, ihr 74. Lebensjahr. — Die Standesregister vom Monat März weisen folgende Eintragungen auf: eine Geburt (Auswärtsgeburten 2), ein Sterbefall: Karl Ganter, Lademeister a. D. Appenweier, (v) Auszug aus dem Standes register im Monat März: Geburten keine. Eheschließungen keine. Sterbefälle: Gustav Rein bald, Bahnarbeiter, 56 Jahre alt. — Geburtstagskinder im März 1950: Barbara Gießler, geh. Seitei, Witwe, Bahnhofstraße 7, 73 Jahre alt. Franz Xaver Brudy, Landwirt, Dorfstraße 177, 75 Jahre alt. Ignaz Grumer, Landwirt, Dorf Straße 194, 80 Jahre alt. Barbara Heuberger, geh. Brudy, Witwe, Bachstraße 235, 76 Jahre alt. Franziska Wiedemer, geh. Veith, Witwe, Bachstraße 236, 75 Jahre alt. Frgnz Josef Brudy, Landwirt, Bachstraße 250, 77 Jahre alt. Sofie Grumer, geh. Mechler, Hauptstraße 262, 70 Jahre alt. Franziska Wiedemer, geb. Lechleiter, Witwe, Hauptstraße 264, 73 Jahre alt. Katharina Saur, geb. Wiedemer, Witwe, Oberkircher Straße 275, 73 Jahre alt. Ebersweier, (e) Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige Männer-Gesangverein im Gasthaus zur „Krone“ seine ordentliche Hauptversammlung bei , gutem Besuche ab. Nach der Begrüßungsansprache des Vorstandes und Bekanntgabe der Tagesordnung wurden die Rechenschaftsberichte der Kasse und die Protokollführung eingehend erläutert. Nach Ueberprüfung aller Unterlagen konnten die Funktionäre entlastet werden. Eine Neuwahl mußte nicht vorgenommen werden, da die gesamte Vorstandschaft in folgender Zusammensetzung einstimmmig zur weiteren Leitung der Vereinsgeschicke bestimmt wurde: 1. Vorstand Josef Schnurr, 2. Karl Kaltenbrunn, Kassierer August Huber, Schriftführer Hermann Eckert. Während der anschließenden lebhaften Aussprache über verschiedene interne Angelegenheiten wurde auch endgültig beschlossen, die schon lange geplante große Omnibus-Fahrt mit allerdings geheim gehaltenem Ziel, nun am 14. Mai zu starten. Nach gemütlichem Beisammensein und Gesang schloß der 1. Vorstand die harmonisch verlaufene Versammlung mit herzlichen Dankesworten für die bisher von allen Mitgliedern aufgebrachten Mühen und Unterstützungen, er forderte die ganzen Sangesfreund* wieder auf, zukünftig den Pflichten gerne nachzukommen im Interesse der Aufwärtsentwicklung unseres neuen, aber doch alten Vereines. - Aus dem ‘Harmersbachtal Oberharmersbacb (m) Frau Karoline Pfundstein vom Dörfle verstarb in Offenburg im Alter von 76 Jahren. Sie wurde am Mittwoch zu Grabe getragen. — Eine Sammlung der Arbeiterwohlfahrt ergab den schönen Betrag von 235 DM. — Der Film „Das Lied der Bernadette“ hatte einen so großen Interessenkreis, daß der Bürgersaal nicht alle Besucher fassen konnte. Lehrgräsergarten der Ldw. Berufsschule Nordrach (b). Den Bemühungen der Leitung der Ldw. Berufsschule Biberach/Zell ist es gelungen, nun auch ein Gelände zur Anlage eines Lehrgräsergartens im Schulort Nordrach zu sichern. Die Gemeindeverwaltung Nordrach hat in großem Verständnis für die Schule ein äußerst günstiges Gartenstück zur Verfügung gestellt, Nachdem Landesökonomierat Zipf von Haslach bei einer Besichtigung, die die Eignung festgestellt hat, wird unter seiner Leitung in Bälde die Einsaat von Obergräsern Unter- gräsem und Kleearten erfolgen Mit der Einrichtung von Lehrgräsergärten soll der bäuerlichen Jugend, aber auch den Erwachsenen die Möglichkeit geboten werden, die Hauptgräser und ihre Verträglichkeit mit dem vorhandenen Boden Klima und Wasserverhältnissen kennen zu lernen. Wenn die Glodcen rufen Gottesdienstordnung in Gengenbach Mittwoch: 6.30 Gemeinschaftsmesse für die Pfarrjugend, hl. Messe für den vermißten Krieger Franz Marter, GengenbaCh; 7.15 2. Opfer mit hü Messe für Uffz. Bernhard Rauer, Hüttersbadi. Donnerstag: 6.30 hl. Messe für Berta Suhm, geb. Schüler, Gengenbach; 7.00 hl. Messe für Sophia Hermann, Bermersbach; 7.15 hl. Messe für Krieger Ludwig Göppert, Mittelbach; 18.00 hl. Stunde mit Herz-Jesu-Liebeswerk.r .. sih Gottesdienstordnung in Zell a. H. ' ~ Mittwoch: 7.15 Uhr hl. Messe für Rosalia Hug geb. Gutmann und Charlotte Hug von Unterharmersbach. Donnerstag: 7.15 Jahrtagsmesse für Katharina Breig geb. Schwarz von Unterharmersbach. Freitag: 7.15 Jahrtagsmesse für Christian Nägele geb. Hirsch von Zell. An allen Wochentagen um 8.00 Probe für alle Erstkommunikanten in der Kirche. Gottesdienstordnung in OberharmersbaCh Mittwoch 7.00 Uhr: 1. Opfer mit Seelenamt für verstorbene ( Justine Schwarz geb. Lehmann, Hub. Gottesdienstordnung NordraCh Mittwoch — In der Osteroktav: 7.15 Uhr hl. Messe für Zäzilie Gmeiner und verst. Bruder K. Echtle; 8 Uhr Jahrtagsmesse für Ludwig und Gottfried Riehle: anschl. Kommunionunterricht. Offenburger Tageblatt Chefredakteur: Adolf K i mt nig, Verantwortlich für HeimattcU: Herbert Bohle» Sprechstunden der Redaktion: Montag, Mittwoch und Freitag 11 bis 12 Uhr. Drude u. Verlag: A. Reift dt C!e„ Offenburg Für unverlangt eingehende Manuskripte wird KRIMINALROMAN VON FREO ANDREAS der Familie anheimzugeben, Doktor Hesse amtlich als vermißt melden zu lassen, woran sich dann nach Ablauf der gesetzlichen Frist die gerichtliche Verschollenheitserklärung anschließen konnte. Mit der Versicherung mußte sich die Familie eben einigen. Inzwischen erschienen in der Presse Todesanzeigen und Nachrufe. 14. Fortsetzung Gerade diese sonderbaren Familienverbält- ’nisse fand der Kommissar erschwerend. Sie machen es nicht gerade unwahrscheinlich, daß der verliebte und verzweifelte Mann versucht hatte, sich seinem bisherigen Leben zu entziehen. „Uebrigens, Herr Flöther“, fragte er weiter, „daß Ihre frühere Angestellte, Fräulein Mon- nard, Herrn Doktor Hesses Geüebfe war. wußten Sie natürlich auch nicht?“ „Nein.“ Der Prokurist riß wieder die Augen groß und erschrocken auf, sein Gesicht rötete sich noch mehr, und sein weißer altmodisch geölter Scheitel verschob sich, von schweren Stirnfalten bewegt, um einen Zoll nach hinten. „Es war mir bekannt“, sagte er, „daß Hesse in diese Dame verliebt war. Aber er selber schickte sie trotz meinem Widerspruch nach vier Wochen fort. Meines Wissens hat er sie nie wiedergesehen.“ „Er hat sie sehr häufig besucht, bis in die letzte Zeit hinein. Anfang Oktober allerdings ist Fräulein Monnard unbekannt verzogen, nachdem sie sich einen Auslandspaß hatte ausstellen lassen.“ „Na“, fuhr er fort, „Herr Flöther, ich sehe bereits, daß Doktor Hesse ihn nicht gerade zum Beichtvater genommen habe. Er, Stern, glaube natürlich nicht im Ernst, daß der Unfall vorgetäuscht worden sei. Aber wie die Dinge lägen, sei doch noch viel Aufklärenswertes übriggeblieben. Es sei fraglich, ob Danzig einen Totenschein ausstellen werde, möglicherweise müßte der Weg der Verschollenenerklärung eingeschlagen werden.“ Mit der dringenden Bitte um Diskretion, „auch den Angestellten gegenüber“, empfahl sich Doktor Stern, den alten Prokuristen in einem Zustand zurücklassend, der zwischen Betrunkenheit, Lähmung und Geistesabwesenheit schwankte. Als der Kommissar durch das Büro kam, sah er Fräulein Busch mit blassem Gesicht tief über das Hauptbuch gebeugt Ihr Haar war nicht sehr sorgfältig frisiert, und die kleinen Falten um ihre Mundwinkel zuckten. Der ist auch nicht ganz wohl, dachte er, ja, ja, die Liebe . . . Abends fuhr er nach Stettin, um die Besatzung der „Regina“ zu vernehmen. Alle Aussagen stimmten mit dem Protokoll überein. Hesse mußte tot sein. Allerdings war die technische, das heißt mathematisch-logische Möglichkeit, daß er das Schiff vor der Abfahrt verlassen haben konnte, trotz der Aussage des Matrosen Geritzki nicht absolut von der Hand zu weisen, wenn man Sturm, Dunkelheit, Gedränge und Ablenkung durch Dienstpflichten berücksichtigt Daß der Steward Doktor Hesse nachts hatte stöhnen hören wollen, konnte eine Sinnestäuschung gewesen sein. Wer mochte in dieser Nacht nicht alles gestöhnt haben! — Ganz zu schweigen von den nachträglich bekundeten Hilferufen. Doktor Stern gab das Gepäck Hesses frei und ließ es nach Berlin-Dahlem schicken. Das Dan- ziger Standesamt wurde angewiesen, vorderhand keinen Totenschein auszustellen, sondern VI. Hesse nahm in Landeck das Postauto der Paznaun-Linie, gab die Skier aufs Verdeck und klemmte sich den Rucksack zwischen die Knie. Anderes Gepäck hatte er nicht mehr, seitdem er den dünnen Anzug einem Münchener Arbeitslosen gegehenkt hatte. Die nächsten vier Wochen gedachte er radikal ungezwungen und sportlich zu verleben; dazu genügten der Skianzug und warme 'Wäsche. Später, wenn er mit Lisa Monnard einen bestimmten Plan gefaßt hatte, konnte er sich immer noch in Innsbruck oder Wien einkleiden. Das Städtchen Landeck war verschneit, die Räder des Postautos trugen schon Schneeketten. Wie herrlich war es, weiße Berge zu sehen und den milchigen Himmel Tirols. Er war acht Jahre nicht in diesem Land gewesen und hatte seine Leidenschaft für den Wintersport immer nur für zehn oder zwölf Tage befriedigen können, im Harz oder im Riesengebirge, während der Hochsaison unter lauter Berlinern. Manchmal hatte Eberhard geruht, ihn zu begleiten. Hesse war heute der einzige männliche Fahrgast, ihm gegenüber saßen eine Bäuerin und ein etwa vierzehnjähriges Schulmädchen. Das Kind erinnerte ihn an Katja, er wußte nicht warum, ähnlich war es ihr nicht. Beim Eingang in den Paznaun reckte er, durch Baedecker gut vorbereitet, den Hals, um den Trisanna-Viadukt zu sehen, und er fand es mehr als lohnend. In schwindelnder Höhe eine zierliche lange Brücke wie aus Filigran. Darüber sauste jeden Mittag der .Arlberg-Expreß, der Wien und Paris verbanä. Märchenhaft schön, fand er, wirkte das Bauwerk durch das Leichte.... vielleicht sah es von oben gar nicht so kühn aus aus wie von unten. Ueber dem Viadukt hatte sich ein blaues Loch in den Himmel gebildet und machte die Brücke noch zauberhafter. Die Straße folgte dem Trisanenbach, der bald unten liegenblieb. Hohe, schneegedeckte Tannen an den Hängen. Durch offene Wagenfenster strich die würzige und belebende Winterluft Tirols. Hesse fühlte eine so heftige Rührung in sich auf steigen, daß er schlucken mußte, um das Zittern seiner Kehle zu verbergen. An jähen Abgründen ging es vorüber, schmalspurige Kurven zwangen den Wagen zu schleichen. Kam einmal ein Bauernschlitten, so mußte er bis zur nächsten breiten Wegstelle zurückfahren, manchmal einen halben Kilometer weit In Käppi gab es fünf Minuten Aufenthalt. Hesse ging in den Gasthof der Katharina Un- tertracher, erfuhr, daß „die Frau Gemahlin“ allen guten Ratschlägen zum Trotz sich zur Jamtalhütte hatte führen lassen, und bekam auch einen Brief von Lisa, nur ein paar Zeilen: wie sehr sie sich auf das Wiedersehen freue und daß sie hoffe, es sei alles geglückt. „Ich fahre also nach Galtür weiter“, sagte er zum Chauffeur. Diesmal war er der einzige Reisende. Hinter Ischl nahm er noch einmal die Karte vor und verfolgte den Weg, den er zu gehen hatte; er war nicht zu verfehlen, immer am Jambach entlang Spuren würden ja von gestern noch da sein, die Lisa mit einem Führer gegangen war. Er selber brauchte wohl keinen Begleiter, der Rucksack war zwar ungewohnt, aber doch nicht allzu schwer. In drei Stunden würde er oben sein. (Fortsetzung folgt) 4 Nr. 43 — Seite 6 Offenburrer TsgebUtt .•liwräi. naar Ele&slag, H. August 1950 Gegen Darmträgheit ... SANI DROPS 25 Jahre bewährt t In Apoth.u. Drogerien. Todesanzeige nnd Danksagung Tiefbetrübt gebe ich allen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 5. d. Mts. mein lieber, treusorgender Mann Georg Höpf Bahnassistent a. D. wohlvorbereitet im Herrn im Alter von 80 Jahren sanft entschlafen ist. Auf Wunsch des Verstorbenen fand die Beerdigung am 8. d. Mts. in aller Sülle statt. Für erwiesene Teilnahme und Kranzspenden herzlichen Dank. Offenburg, den 11. April 1950. Altersheim. Okenstraße. In tiefer Trauer: Frau Maria Höpf, geh. Hönninger und Anverwandte Nach einem arbeitsreichen Leben verschied nach kurzer Krankheit, versehen mit den hl. Sterbsakramenten, am Karsamstagabend unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Schwester Magdalena Glatt ged. Kern im Alter von nahezu 88 Jahren. Windschläg, den 10. April 1950.« In stiller Trauer: Familie Karl Glatt, Schreinermeister Familie Leo Dierle Familie Josef Lurker Franz Schanb u. Frau Maria, geh. Glatt Familie Karl Kern, Offenburg Beerdigung am Dieistag nachmittag 2.30 Uhr. OURO Lauf und deutlich ich verkünde daß beim Sport-Toto Rheinland-Ptaiz, und zwar bei der HauptsteJle Hüttemann II in Koblenz, an jedem Wettag zusätzlich gratis und franko ein Eigenheim im Werfe von 15000 DH ein funkelnageln aner Volkswagen und an diesem Wettag außerdem noch 10 NSil-Quick-Moforrä der unter den Wettfreunden verlost werden. 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