Ältestes Heimatblatt für Stabt mb Sezirk offenbar- Äareigenblatt mit aaerkanat guter Werdewirkung Erscheint wöchentlich viermalig. Bezugspreis für den laufenden Monat DM 2.10 zuzüglich 30 Pf. Trfigerlohn. Einzelnummer SO Pf. Im Falle höherer Gewalt od. bei Betriebsstörung bat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung der Zeitung, auch nicht auf Rückzahlung des Bezugspreises. Erfüllungsort und Gerichtsstand Offenbur?. Zur Zeit ist dis Anzeigenpreisliste Nr. 2 gültig Druck u Verlag A. Reiff & Cie., Buchdruckerei, Offenburg/Baden Geschäftsstelle: Offenburg, Kornstraße 10. Fernsprecher: Offenburg Nr. 1537 und 2134. Postschließfach Nr. 333. Postscheckkonto: Karlsruhe Nr. 136 81. Nummer 150 Donnerstag, 26. Oktober 1950 Ausgabe al 139. Jahrgang Gedenktag der Kriegsgefangenen Bundespräsident Professor Heuß appelliert an die Weltöffentlichkeit Bonn. Bundespräsident Professor Theodor Heuß appellierte am Donnerstag an die Weltöffentlichkeit, die noch festgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen in die Heimat zurück- zuschicken. Außerdem müßten die Namen aller in der Fremde Verstorbenen und Listen mit den Namen der noch festgehaltenen Deutschen übermittelt' und die Verbindung der noch Gefangenen oder internierten Deutschen Männer und Frauen mit der Heimat hergestellt werden. * Der Bundespräsident erhob diese Forderungen in einer Rede zum Tag der deutschen Kriegsgefangenen über alle Sender des Bundesgebietes am Donnerstagvormittag, die teilweise am Donnerstagabend noch einmal wiederholt wird. In der Rede versicherte Prof Heuß, daß die deutschen Menschen nicht aufhören werden in dem Bemühen, Gewißheit über das Schicksal der Brüder und Schwestern zu erhalten, die in die Hand des Kriegsgegners gefallen und bis heute nicht z"rückgekehrt sind, ohne daß, etwa« über ihr Geschick bekannt wurde. Die Weltöffentlichkeit beginne den Ruf nach Auskunft über diese deutschen Menschen zu hören und zu verstehen. Die Kirchen hätten s ; rh der Sache der Kriegsgefangenen. Internieren u"d Vo-rcchTpt'>*j fryb ärigehornmen. Unablässig hätten die zuständigen Behörden und Heimkehrerminnen gewirkt Jetzt werde dieses Kanitel auch in, die Beratungen der Vereinten Nationen aufgenommen. Präsident Heuß erwähnte in seiner Gedenkrede außer den nicht heimgekehrten Soldaten die fest Gehaltenen Wehrmachtshelferinnen, die verseh’enntori Frauen und jungen Menschen, di- zum Te’i noch halbe Kinder gewesen seien als sie von Polen in eine sogenannte Arbeits- veroflichtung genommen wurden. Die Sowjetunion h=be bekanntgegeben, daß nur noch 1* 000 deutsche Straf- und Untersuchungs- gefangene oder nichttransnortfähige Kranke Im sowjetischen Machtbereich seien. Aber es fehlten noch viele. Was ist ans den Hunderttausenden geworden? Fragte Professor Heuß. Ueber 60 000 Deutsche schrieben vor einem Jahr noch aus der Sowjetunion und etwa ein Fünftel derer, die seinerzeit aus dem Osten als vermißt gemeldet wurden, habe sich in der Heimat wieder eingefunden. Washington. Außenminister Acheson lehnte am Mittwoch auf seiner Pressekonferenz den Vorschlag der acht Ostblockstaaten ab, einen konstituierenden Rat zur Vorbereitung einer vorläufigen Gesamtdeutschen Regierung zu bilden. Außenminister der acht Ostblockstaaten hatten in einer am Samstag in Prag veröffentlichten Erklärung vorgeschlagen, in dem konstituierenden Rat sollten die Bundesrepublik und die Sowjetzonenrepublik paritätisch vertreten sein. Acheson erklärte, der Gedanke, daß „achtzehn Millionen unfreie Deutsche in der Sowjetzone“ in dem Rat ebenso stark vertreten sein sollten wie die 47 Millionen freien Deutschen in der Bundesrepublik verletze die elementarsten Grundsätze der Demokratie. Die Prager Erklärung bedeute lediglich „eine Rüdekehr zu alten und undurchführbaren Vorschlägen zum Deutschlandproblem.“ Acheson wies darauf hin, daß die USA die Sowjetunion wiederholt aufgefordert haben, freie gesamtdeutsche Wahlen unter internationaler Kontrolle zu einer neuen verfassunggebenden Versammlung abzuhalten. Nur auf diese Weise könne eine deutsche Regierung gebildet werden, die dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung entspricht. Die Zeit sei vorüber, in der die Sowjetunion durch „allgemeine Phrasen über Abrüstung, Frieden und deutsche Einheit“ Hoffnungen erwecken könne. „Wir wollen jetzt Taten sehen. Wir wünschen, daß die bedrohliche sowjetzonale Armee aufgelöst, die Beschränkungen im innerdeutschen Handelsverkehr beseitigt und freie demokratische gesamtdeutsche Wahlen abgehalten werden.“ Außerdem gebe es Berichte über Lager, in denen jeder briefliche Verkehr mit der Heimat verboten war und das Kapitel-der sogenannten Kriegsverbrecher, das nicht bloß den Nachbarn im Osten angehe. Menschlichkeit und Gerechtigkeit verlangten, daß ihnen bald ordentliche Gerichtsverfahren mit allen Sicherungen gewährt werden. Der Bundespräsident schloß mit der Bitte, den späten Heimkehrern bei der Rückkehr in ein gesichertes Leben zu helfen. Sondersitzung des Bundestags Bonn. Der Bundestag tritt am Donnerstagvormittag, dem Tag der deutschen Kriegsgefangenen, um 09.30 Uhr zu einer Sondersit- Bonn. Der ehemalige amerikanische Militärgouverneur General Lucius D. Clay erklärte am Mittwochnachmittag, vor der Bundespressekonferenz in Bonn, die amerikanischen Trupoenyerstärkungen , für Westeuropa und das Gebiet der Bundesrepublik würdön in kurzer Zeit, vielleicht sogar schon in einigen Wochen, Eintreffen. Die ihm wiederholt gestellten Fragen über die. Remilitarisierung Deutschlands und die Teilnahme deutscher Einheiten in einer europäischen Verteidigungsmacht beantwortete Clay ausweichend. Er betonte besonders, daß das Problem einer deutschen Teilnahme der Bundesregierung noch nicht offiziell nahegebracht worden sei. Man dürfe auch nicht vergessen, daß in erster Linie die Frage zu beantworten sei, welche Nation vordringlich mit Waffen beliefert werden müsse. Außerdem habe sich das deutsche Volk noch keineswegs entschieden. Niemand habe die Absicht, der Bundesrepublik eine Wiederaufrüstung aufzuzwingen. Auf Viktorshöhe und im Palais Sdiaumburg Bonn. General Clay stattete am Mittwochmittag Bundespräsident Prof. Theodor Heuß auf der Viktorshöhe einen kurzen Besuch ab. Acheson erhob „feierlichen Protest“ dagegen, daß das Prager Kommunique „mit seinen Wortverdrehungen“ die Hoffnungen der Welt auf Frieden und Verständigung mißbrauche. Plauderei Truman-Wyschinski New York. Präsident Truman führte nach seiner Ansprache vor der UNO-Vollversammlung mit dem sowjetischen Außenminister Wyschinski eine dreiminütige freundliche Unterredung. Danach sagte Truman, Wyschinski sei doch „ein netter Kerl“. Truman fragte den sowjetischen Außenminister während der Plauderei scherzend, warum er denn in der Sitzung der Vollversammlung nichts über „Kriegshetzer“ geäußert habt. Wyschinski gab mit einem Lächeln zurück, darauf werde er noch zu sprechen kommen. Die USA-Presse treibe zum Kriege. Der Präsident erwiderte darauf, daß die Presse in Amerika sagen könne, was sie wolle. Nach dem Gespräch erklärte Truman gegenüber Pressevertretern, die Sowjets seien Gäste der Vereinigten Staaten und die Amerikaner sollten höflich zu ihnen sein. Präsident Truman, Außenminister Wyschinski und der nationalchinesische UNO- Delegierte Dr. Tsiang waren wenig später bei einem Essen vereint, das UNO-Generalsekre- tär Trygve Lie nach den Feiern zum fünften Jahrestag der Vereinten Nationen gab. Eine drei Mann starke Musikkapelle spielte ausgewählte Kompositionen, darunter den „Marsch der Roten Kavallerie“. Nach diesem Marsch schlug Wyschinski vor, dem Orchester zuzuprosten. zung zusammen. Als einziger Punkt steht auf der Tagesordnung die Entgegennahme einer Erklärung der Bundesregierung. Adenauer Mitte November in Rom Bonn. Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer wird voraussichtlich Mitte November nach Rom fahren, um der italienischen Regierung einen Besuch abzustatten. Die Einladung hierzu war dem Bundeskanzler vom italienischen Kultusminister Guido Gonelia auf dem Gos- larer CDU-Parteitag im Namen des italienischen Regierungschefs de Gasperi übermittelt worden. Regierungkreise erwarten, daß Dr. Adenauer bei dieser Gelegenheit auch vom Papst in Audienz empfangen wird. Er wurde anschließend von Bundeskanzler Dr. Adenauer zu einem Essen im Palais Schaumburg empfangen. General Clay war zum Palais Schaumburg von einer Polizeieskorte auf Motorrädern begleitet worden. Mit ihm zusammen traf der amerikanische Hohe Kommissar John McCTov ein, der mit seinem britischen Kollegen Sir Ivone Kirkpatrick an dem Essen teilnahm. Die Bundesminister, der Führer der »roßen Onoositionsoartei im Bundestag Dr. Kurt Schuhmacher und die anderen fraktionsvorsitzenden mit Ausnahme der Kommunisten, waren ebenfalls Gäste de? Bundeskanzlers. —t - An der mandschurischen Grenze? Söul. Südkoreanische Truppen sollen, vn» in Söul verlautet, am Mittwcvh d'e Voreanis'-h- mandschurische Grenze erreicht haben. Ortsangaben zu dieser Nachricht fehlen bisher. Be’ Gefechten von Einheiten der ersten siH- koreanischen Division mit Nordkoreanern vor der Stadt Unsan fiel den Südkoreanern ein Gefangener in die Hand, der sich als chinesischer kommunistischer Soldat ausgab. Er sagte nach Darstellung eines amerikanischen Militärberaters der ersten südkoreanischen Division aus. am Donnerstag vergangener Woche hätten 20 000 chinesische Kommunisten den Grenzfluß Jaul überschritten, um auf nordkoreanischem Gebtiet Verteidigungsstellungen zu beziehen. Zwei weitere chinesische Soldaten sind in dem Gefecht mit gefallen. In Tokio wurde in der Umgebung General Mac- Arthus bemerkt, die Berichte vom angeblichen Eindringen kommunistischer chinesischer Verbände in Korea seien mit großer Vorsicht aufzunehmen. Ein Sprecher des amerikanischen ersten Korps in Korea erklärte am Mittwoch, das Hauptquartier habe befohlen, alle Streitkräfte die dazu benötigt würden, zum Vorstoß bis zur mandschurisch-koreanischen Grenze einzusetzen. In den letzten Tagen war verschiedentlich gemeldet worden, daß die UNO- Truppen mit Ausnahme der südkoreanisriien Verbände auf einer Linie etwa sechzig Kilometer vor der mandschurischen Grenze Halt machen sollten. 8 Grad Kälte im Harz Bad Harzburg. Nach ungewöhnlich milden und sonnigen Herbsttagen ist ganz plötzlich der Winter in den Harz eingezogen. Wenn er auch bei wolkenlosem Himmel noch keinen Schnee mit sich gebracht hat, so sind doch vor allem in den Orten des Oberharzes durchweg Temperaturen von acht Grad unter Null gemessen worden. Zehn Millionen Lire für Giulianos Tagebuch Rom. Aus Palermo wird berichtet, daß die Hinterbliebenen des sizilianischen Banditenhäuptlings Salvatore Giuliano im Besitz eines Tagebuches seien, das die Memoiren des Banditen enthalten soll. Die Familie Giuliano ■will die Memoiren für zehn Millionen Lire (68 000 D-Mark) verkaufen. Wann kommen sie wieder? ak. Hart im Raume stoßen sich die Dinge. Vorgestern erst, am Dienstag, sangen die Glodcen das Lied der Freiheit, für uns Deutsche zwar einer noch imaginären Freiheit — heute schon mahnen sie uns, der Väter, Brüder, Frauen und Mädchen zu gedenken. die fünfeinhalb Jahre nach Einstellung der Kampfhandlungen in einem nahen russischen Winter noch hinter Stacheldraht verkommen, in Gefängnissen schmachten, unter Tage, in Brüchen oder beim Straßenbau bis zur Erschöpfung schuften müssen. Weltfreiheit, der die Glocke in Berlin-Schöneberg Symbol sein soll, noch Schall und Klang, wie bei der Glocke, und zu erkämpfendes Ziel, Unfreiheit aber grausame, unbarmherzige Wirklichkeit! Am gleichen Tage, an dem in Berlin die Führer der westlichen Welt zur Weihe der Freiheitsglocke zusammenkamen, Bundeskanzler, Hochkommissare und Schwarm der Ehrengäste Iler Glockenfeier anwohnten und ihre Namenszüge im goldenen Buch der ehemaligen Reichshauptstadt verewigten, war man auch in Flushing Meadows auf Versöhnung und Moll gestimmt. Es gab zur Feier des fünfjährigen Bestehens der Organisation der Vereinten Nationen ein UNO-Geburtstags- kuchen mit fünf Kerzen drauf, Sekt und Erfrischungen daneben, und Präsident Truman fand nach einem Dreiminutengespräch mit Wyschinski, daß dieser doch „ein netter Kerl“ sei. Aber hundert Meilen hinter Berlin beginnt Herrn WysdhinSkis Heimatland und beginnt — der Berliner Stadtkommandant General Taylor hat dies gesagt — die Linie der Unfreiheit Darum trugen, auch vorgestern die Fahnen der deutschen Ostgebiete, die neben den Flaggen der westlichen Welt im Berliner 'Herbstwind wehten, der Trauer schwarzen Flor. Niemand wird so inbrünstig wie wir Deutschen in Trumans Forderung nach internationaler Ordnung und Gerechtigkeit einstimmen und aus gequälter Seele sie hinausschreien in die Welt — die Forderung nach .Gerechtigkeit auch für uns, unsere kriegsgefangenen Männer und Frauen und unsere Verschleppten. Wenn heute um die zwölfte Stunde zwei Minuten lang der Verkehr stille steht und von den Kirchtürmen die Glocken läuten, wollen wir bewußter und inniger noch als sonst der Unglücklichen gedenken, denen Völkerrechtsbruch noch die Heimat verwehrt, Eltern den Sohn und Kindern den Vater vorenthält, so daß niemand Antwort auf deren Frage weiß: „Wo ist mein Vater?“ Die Frauen, die zerbrochenes Glück beweinen, und die Vaterlosen stehen heute in vorderster Front des Protestes gegen ein System, das den Menschen, Gottes Ebenbild, zu Freiwild macht Der Sinn der Menschheit ist der Mensch, er ist zugleich der Sinn der Welt. Am 1. Oktober 1945 schon, als überall der Deutschenhaß noch Orgien feierte und politischer Trumpf der Morgenthauplan war, schrieb die Pariser Zeitung „Le Monde" den für uns erschütternden Satz: „Ein Gefangener, selbst ein deutscher, ist ein menschliches Wesen.“ Und sie meinte, wie man heute von Dachau spreche, werde man in zehn Jahren in der ganzen Welt von Gefangenenlagern wie Saint Paul d'Eglaux und anderen reden, in deren einem innerhalb eines Vierteljahres zwei Friedhöfe angelegt werden mußten, weil die Gefangenen Hungers starben. Wir wollen dieses mutige und mannhafte Bekenntnis zur Gerechtigkeit nicht vergessen. Das Problem der Kriegsgefangenen und Verschwundenen ist kein politisches Problem, das sich durch Kuhhandel und Kompromiß aus.der Welt schaffen ließe, es ist eine Frage der Menschlichkeit. Es war darum auch ein Witz der Weltgeschichte, daß vor dem Nürnberger Tribunal ausgerechnet der Sowjetgeneral Rudenko die Anklage auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit formulierte. Es gibt kein unrühmlicheres Kapitel der Nachkriegsjahre als die Behandlung der Kriegsgefangenenfrage mit ihren Verstößen gegen das Statut der Kriegsgefangenen, für die in weitestem Umfange die Sowjetunion Verantwortung trägt. Umso lauter klagen wir sie der Zurückhaltung der Kriegsgefangenen an, als sie die Protestnote der Westmächte zurückgewiesen hat. Wir klagen sie an, über Millionen deutscher Mütter und Väter, Frauen und Kinder Leid und Hoffnungslosigkei gebracht und das Menschentum von weit über einer Million Kriegsgefangener geschändet zu haben. Wir klagen aber auch an Wilhelm Pieck, der auf einer Pressekonferenz die be- Acheson lehnt Prager Vorschläge ab „Zeit der allgemeinen Phrasen vorüber" Clay antwortete ausweichend Wiederaufrüstung soll nicht aufgezwungen werden Donnerstag, 28. Oktober 1950 rüchtigte TASS-Meldung über die ^beendete Repatriierung“ dahin kommentierte, rund eine Million deutscher „Kriegsverbrecher“ verbüßten seinen Informationen nach in der UdSSR ihre Strafen, und es sei grotesk, sie als deutsche Kriegsgefangene zu bezeichnen. Der ost- Frankreichs Pian für eine Europa-Arm ee Nationalversammlung debattiert deutsche und europäische Aufrüstung Paris. Frankreich schlägt die Aufstellung zonale Staatspräsident fügte noch hinzu- „D'e eIner Europa-Armee mit Heranziehung deut- Kapitalisten mögen intervenieren so oft sie,** er Einheiten nach Unterzeichnung des wollen, sie werden die Verbrecher nicht frei- 1 Schumanplanvertrages über den Zusammen- bekommen“ ISchluß der europäischen Grundindustrien vor. Man erinnert sich noch des Entsetzens, das P ie _ t Europa-Armee soll einem europäischen die erwähnte Meldung der russischen Nachrichtenagentur damals in der ganzen Welt aüsgelöst hat: seit d°r KaD'tu’ation seien nach Deutschland 1 939 063 deutsche Kriegsgefangene repatriiert worden, 13 500 seien wegen Kriegsverbrecher, verurteilt oder ihre Fälle würden untersucht und vierzehn Mann würden zeitweilig wegen Krankheit zurück- gehalten. In einem Appell an die ganze Welt hat Bundeskanzler Adenauer vor dem Bundestag gegen diese Behauptungen der amtlichen sowjetischen Agentur protestiert und von der Sowjetunion Aufklärung über das Schicksal von ehemhalb Mi’Monen Deutschen verlangt Der Bundestag nahm anschließend ein Entschließung an, in der Aufklärung über Namen, Straftaten und Aufenthaltsort der Zurückgehaltenen, Bekanntgabe der in russischen Lagern Verstorbenen und Nachforschung nach den Verschollenen verlangt wurde. Nur die Kommunisten hatten sich von dieser Aktion der Menschlichkeit ausgeschlossen und durch Heinz Renner feststellen lassen, Regierungserklärung und Fraktionsentschließung seien lediglich als Hetze gegen Sowjetrußland anzusehen. Ein nochmaliger Nachweis der Unwahrhaftigkeit der TASS-Meldung und der Widersprüche in den russischen Angaben über deutsche Kriegsgefangenenzahlen Ist müßig. Was bleibt, ist die Ungewißheit über das Schicksal von eineinhalb Millionen deutscher Soldaten, 300 000 Verschleppter und weiterer drei Millionen Reichs- und Volksdeutscher von jenseits der Oder-Neiße-Hnie und aus den Ostblockstaaten. Wir werden uns an den schmerzlichen Gedanken gewöhnen müssen, daß Hunderttausende der Vermißten eines einsamen Todes gestorben sind und in den vieltausend Massengräbern russischer Gefangenenlager letzte Ruhestatt fanden. Immer wieder werden wir aber an Rußland die Verteidigungsminister unterstehen, der die gleichen Befugnisse hätte, wie der Verteidigungsminister eines Landes. Der französische Plan, der inzwischen den elf anderen Mitgiiedstaaten des Atlantikpaktes mitgeteilt worden ist, wurde von Ministerpräsident Rand Pleven am Dienstag zu Beginn der zweitägigen Debatte über die etwaige Aufrüstung der deutschen Bundesrepublik bekanntgegeben. Ministerpräsident Pleven erklärte: „Jedes System, das in naher oder weiter Zukunft mit oder ohne bestimmte Bedingungen zur Schaffung einer deutschen Armee führen würde, würde Mißtrauen und Verdacht wecken. Die Aufstellung von deutschen Divisionen und die Schaffung eines deutschen Verteidigungsministeriums würden früher oder später unausweichlich zur Schaffung einer deutschen Armee und zum Wiedererwachen des deutschen Militarismus führen.“ Pleven unterstrich, daß sich die Atlantikpaktmächte darin einig seien, sich auf einer möglichst weit im Osten liegenden Linie zu verteidigen. Um dieses Vorhaben durchzuführen, müsse jeder Mitgliedstaat barte Opfer bringen, die Militärdienstpflicht verlängern und die Rüstungsausgaben erhöhen. Deutschland, das dem Atlantikpakt nicht angehört, soll von diesem Sicherheitssystem doch Nutzen ziehen. Es ist daher recht und billig, daß es seinen Beitrag leistet, um Westeuropa verteidigungsfähig zu machen. Die europäische Armee, fuhr Pleven fort, könne nicht durch das Zusammenlegen nationaler militärischer Verbände entstehen. Das würde tatsächlich nur eine „Koalition alten Stils“ bedeuten. Die Armee eines geeinten Europas müsse so weit wie möglich eine sichtlich im Laufe des Donnerstag mit einem beträchtlichen Abstimmungserfolg für die Regierung Pleven zu Ende gehen. In der Mittwochdebatte äußerten die meisten Sprecher ihre grundsätzliche Abneigung gegen eine deutsche W ederbswaffnung, Einige der Redner, die den Plan für die Aufstellung einer Europa-Armee unterstützen, äußerten nichtsdestoweniger Zweifel an seinen Erfolgsaussichten. In den Wandelgängm der Nationalversammlung äußerte man freimütig die Auffassung, „daß die Wiedeibewaffnung Deutschlands auf irgendeine Weise erfolgen wird.“ Eine besondere Note cph'elt die Debatte durch das Drängen der Sozialisten auf neue Bemühungen um eine Verständigung mit der Sowjetunion vor Beginn einer deutschen Wiederbewaffnung. Adenauer prüft Bonn. Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer hat am Mittwoch die französischen Vorschläge über eine Einbeziehung deutscher Verteidigungskräfte in eine europäische Wehrmacht geprüft . Ein amtlicher Text der Vorschläge ist der Bundesregierung noch nicht übereicht worden. Sachbearbeiter in Bonn erklären, daß der französische Plan in verhältnismäßig kurzer Zeit ausgearbeitet werden mußte und daher zweifellos Lücken aufweise. Es sei die Frage, ob den französischen Bedingungen, die die deutschen Eigenrechte schmälern, ohne weiteres zugestimmt werden könnte, und ob dies überhaupt der militärischen Zweckmäßigkeit entsprechen würde. Keues in Kürze Tartfverlian dl ungen mit dem Verband der öffentlich rechtlichen Kreditanstalten konnten jetzt sunt Abschluß gebracht werden.. Rückwirkend werden die Gehaltssätze und allgemeinen Vorschriften des Tarifvertrages für das private Bankgewerbe Jetzt auch auf die öffentlich rechtlichen Kreditanstalten angewandt. Das bedeutet iür alle Beschäftigten der öffentlich rechtlichen Kreditanstalten eine Erhöhung der Tarif bezöge um durchschnittlich 2S Prozent. Das amerikanische „Komitee für ein freies Europa“, das die Freiheitsglocke für das Berliner Rathaus gestiftet hat, rief die Einwohner von New York auf, 36S0M Dollar für die Errichtung einer starken Rundfunkstation des Senders „Freies Europa“ zu stiften. Die Im schutzverband deutscher AutomobUbesltzer vereinigten Kraftfahrzeugbesitzer wollen ln einen Käufer- und Verkehrsstreik treten, wenn die vom Bundeskabinett beschlossene Treibstoffsteuer und Autobahnbenutzungsgebühr eingeführt wird. Der Schutzberband hat Bundestag und Bundesrat in eine m Protestschreiben davon unterrichtet. Der belgische Ministerpräsident kündigte an» daß die wegen Zusammenarbeit mit der deutschen Besatzungsmacht zum Tode Verurteilten nicht mehr hingerichtet werden, Ihre Strafe würde ln eine Freiheitsstrafe umgewandelt. In Belgien erwarten zur Zeit dreihundert zum Tode verurteilte Kollaboration nisten eine Entscheidung darüber, ob Ihr Urteil vollstreckt werden soll oder nicht. In Kürze unterzeichnet Paris. Ein Sprecher de? französischen Außenministeriums erklärte am Mittwoch, dis sechs an den Schumanplän-Verhandlungen beteiligten Nationen würden den Vertrag über die Kohle- und Stahlunion wahrscheinlich schon in zwei bis drei Wochen unterzeichnen. Weltfreiheitsglocke in Berlin 200000 Berliner Jausdiien ihr vor dem Srhöueberger Rathaus Mitgliedstaaten würden in die zu stellenden Kontingente denkbar kleinsten Einheiten Frage richten, die in seinem heutigen Appell ^ Europa-Armee eingegliedert werden. Die an die Weltöffentlichkeit Bundespräsidant Finanzierung der Europa-Armee würde durch Heuß in die Worte kleidete: „Wann kommen sie wieder?“ Und immer wieder werden wir hinausschreien, daß es der Welt in den Ohren gellt: „Gebt uns unsere Brüder und Schwestern wieder!“ — bis auch uns Deutschen Gerechtigkeit wird. Für zwei Millionen Mark Rot-Kreuz-Pakete Das Deutsche Rote Kreuz teilt aus Anlaß des Kriegsgefangenentages mit, daß es bisher Pakete und Sammelsendungen im .Werte von zwei Millionen Mark an deutsche Kriegsgefangene geschickt hat. Außerdem weist das DRK auf die segensreiche Arbeit seines Suchdienstes hin. Deutschen Kriegsgefangenen wurde ferner durch das Rote Kreuz Rechtsschutz gewährt und bei Prozessen Entlastungsmaterial beschafft. ein gemeinsames Budget erfolgen. Während einer Uebergangszeit würde es erforderlich sein, einen Teil der bestehenden Nationalarmeen nicht sofort in die europäische Armee einzugliedern, obgleich sie dem vereinten atlantischen Oberkommando unter stehen. Frankreich halte einen Krieg nicht für unvermeidlich, schloß Pleven. Die französische Regierung sei davon überzeugt, daß insbe sondere europäische Fragen durch direkte und womöglich periodische Fühlungsnahmen der USA» Großbritanniens, der Sowjetunion und Frankreich gelöst werden könnten. Mehrheit für Pleven-Vorschlag erwartet Die Debatte d3r französischen Nationalversammlung über die deutsche Wiederbewaffnungsfrage wird, wie Pariser politische Beobachter am Mittwochabend annahmen, voraus „ , „ , . Berlin. „Ich werde nun die Freiheltsglocke V0 H s ^ n , < ?!? e -,,^ erSC ^ me i? Ur ^,, rnenS Si C ? ier ! ertönen lassen und wir alle wollen unser Be- ! Kenntnis erneuern und uns in dem stillen Gebet vereinen, daß die Welt nach Gottes Willen frei sein soll.“ Mit diesen Worten setzte General Lucius D. Clay am Dienstag Im Schöneberger Rathaus die Weltfreibeitsglocke in Bewegung, die den Ruf der Freiheit jenseits des Eisernen Vorhanges verkünden, die Unterdrücker warnen und die Geknechteten ermutigen soll. Als das Dröhnen der zehn Tonnen schweren, in England gegossenen Bronzeglocke über die Viersektorenstadt klang, lauschten ihr mehr als 290 000 Menschen auf dem Platz vor dem Rathaus in ergriffenem Schweigen. Tausende von Rundfunkstationen trugen ihr Läuten gleichzeitig in der bisher größten Gemeinschaftssendung um die halbe Welt. , Die Glocke, die ein Relief mit fünf Menschen zeigt» die sich brüderlich zu einem, Kreis vereinen, ist von dem amerikanischen „Nationalen Komitee für ein freies Europa“ gespendet worden. Zusammen mit den Unterschriften von Millionen von Amerikanern, die sich zur Freiheit bekannten, wurde sie nach Berlin gebracht. Ihrer feierlichen Weihe wohnten Vertreter der Bundesregierung der alliierten Hohen Kommission, der Länderregierungen und ausländische Ehrengäste aus Europa, Amerika und Asien bei. Der amerikanische Stadtkommandant in Berlin, General Taylor, rief der Menge vor dem mit dq»- UNO-Flagge geschmückten Rathaus zu Beginn der Feierstunde zu, daß der Kreuzzug der Freiheit nach seinem Beginn in Amerika jetzt in Berlin, „hundert Meilen hinter der Linie, an der die Freiheit endet“ erreicht habe. Das schlichte Bekenntnis der Amerikaner, die bei der Fahrt der Glocke durch die Vereinigten Staaten ihre Unterschrift unter die Freiheitserklärung auf Pergamentrollen gesetzt haben, werde nirgends besser verstanden, als in Berlin. Mit den Worten: „Diese Freiheitsglocke kennt keine Grenzschranken“, übergab der amerikanische Hohe Kommissar McCloy die Glocke der Berliner Bevölkerung. Dem Osten rief McCIoyzut „Laßt euch nicht irrefüüfen durch falsche Schlagworte, die den heißen Wunsch aller Menschen nach Frieden mißbrauchen.“ Berlins Oberbürgermeister, Prof. Reuter, erklärte: Berlin empfange die Freiheitsglocke als eine Anerkennung seines Kampfes. „Wir hoffen, daß wir niemals der Ehre unwürdig sein werden, die uns dadurch zuteil wird.“ Auf keinen Fall Steuererhöhung Schäffer: Steuersätze zur Zeit an der höchstmöglichen Grenze Dreipunkte-Abrüstungsplan der USA Von Präsident Ir um an vor der UNO-Vollversammlung bekanntgegeben Bonn. Die Bundesregierung beabsichtigt nicht, die Einkommensteuer zu erhöhen. Anderslautende Berichte wies BundesTnanzmini- ster Fritz Schäffer entschieden zurück. Die Bundesregierung und der Bundesflnanz- m’nister seien nach wie vor der Auffassung, daß eine Erhöhung der Lohn-, E’nkommen-, und Körperschaftssteuer auf keinen Fall in Frage kommen könne. Die Steuersätze hätten zurzeit ihre höchstmöglichste Grenze erreicht Aul keinen Fall würden d'e überhöhten Sätze, wie sie bis vor Jahren gültig waren, wieder eingeführt. In diesem Zusammenhang betonte der Finanz- minister, daß Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard inzwischen die irrigen Auslegungen über seine G'oslarer Ausführungen selbst richtiggestellt habet, Professor Erhard sei mit ihm über den gültigen Einkommensteuertarif einer Meinung. Wie aus Regierungskreisen dazu verlautet können die Worte des Bundeswirtschaftsministers nur so gedeutet werden, daß unter Umständen zur Finanzierung zusätzlicher Ausgaben der Länder ein Abbau der Vergünstigungen bei der Einkommen- und Körperschaftssteuer vorgesehen werden muß. Besonders sei daran gedacht, die Vergünstigungen der Selbstfinanzierung einzuschränksn. Auf diese Weise sollen die Firmen zu erhöhten Gewinnausschüttungen veranlaßt werden, die dann dem Kapitalmarkt zufließen würden. Ein Abbau der Steuervergünstigungen für den Wohnungsbau ist aber, so wird ausdrücklich betont, auf keinen Fall zu erwarten. New York. Präsident Truman gab am Dienstag im Namen der USA einen Abrüstungsplan bekannt, der sich auf die folgenden drei Punkts stützt: 1. Der Plan muß alle Arten von Waffen umfassen. 2. Er muß auf einem einmütigen Ueberein- kommen begründet sein. „Einseitige Abrüstung ist eine Aufforderung zur Aggression“. 3. Er muß Sicherheitsvorkehrungen haben, die die Gewähr geben, daß sich alle Nationen daran halten. Der Präsident erklärte dies in seiner außenpolitischen Rede, die er zum fünften Gründungstag der Vereinten Nationen vor der UNO- Vollversammlung hielt „Wir wollen, solange es notwendig ist, unsere Stärke für den Frieden ausbauen“, sagte Truman. Gleichzeitig müssen wir aber im Rahmen der Vereinten Nationen unsere Bemühungen für eine internationale Kontrolle der Atomenergie und die Herabsetzung der Rüstung und der Streitkräfte fort- ^etzen. Gemeinsame und wirksame Abrüstung würde d'e Kriegsgefahr in weite Ferne rücken. Der Präsident erklärt?, nach dem letzten Krieg hätten viele Länder ihre Streitkräfte verringert, „andere aber behielten so starke Armeen bei, daß diese eine ständige Aggressionsdrohung bilden“. Der Fall Korea habe gezeigt, wer diese anderen seien. WWW USUS 'mw i- ' v * ’< TfYfe-: «Äfeää MW« Zum Kiiegsgefangeneugedenktag Der 2*. Oktober wird lm gesamten Bundesgebiet als Gedenktag für alle noch ln Kriegsgefangenschaft festgehaltenen Deutschen begangen werden. Er soll der Höhepunkt einer Gedenkwoche für die Kriegsgefangenen vom 22. bis 29. Oktober sein. — Unser 1!ld zeigt: Im Entlassungslager Friedland warten Angehörige ln der Hoffnung, von e in e m Rückkehrer vielleicht etwas über den noch immer Vermißten zu erfahren. Erschütterndes Drama in den Abruzzen Wolf und Mensch töteten sich gegenseitig Rom. Dieser Tage kam es auf einem wenig begangenen Wegpfad in den Abbruzzen zu einem furchtbaren Zweikampf zwischen einem Menschen und einem Wolf, berichtet die Polizei in Teramo am Dienstag. Schon seit mehreren Monaten werden starke Wolfsrudel aus dem unwirtlichen Abbruzzengebiet gemeldet. Mit Eintritt der kalten Jahreszeit treibt der Hunger die Raubtiere in die Nähe menschlicher Wohngebiete. Ein auf Urlaub befindlicher Soldat war nachts auf dem Heimwege, als er plötzlich von einem Wolf angegriffen wurde. Ein riesiges Tier, das sich offenbar vom Rudel entfernt hatte, biß sich am Halse des Soldaten fest. Der Mann hatte die Geistesgegenwart, sein Bajonett herauszureißen 'und dem Tier in den Leib zu stoßen. Es gelang ihm schließlich, die Bestie durch einen tiefen Bajonettstich in den Bauch zu töten. Doch selbst danach blieben die Zähne des Wolfes noch fest in den Hals des Menschen gebohrt Dieser schleppte sich mit letzter Kraft immer mit dem riesigen Tier am Halse, bis in die Nähe seines Hauses und brach erschöpft zusammen Flüchtige Amerikaner festgenomnfen Frankfurt Ma'n. Die Wasserrdritzpolizei in Gernsheim am Rhein nahm am Dienstag vier Amerikaner fest, die sich nach dem nächsten Weg in die Schweiz erkund'gt hatten- Da vermutet wurde, daß sie aus dem Militärgefängnis Rhein-Ma!n-Flughafen ausgebro-hen sind, wurden sie der amerikanischen M'litärpoüzel übergeben. Zwei der Festgenommenen dürften in der Nacht zum Montag den Ueberfall auf den Frankfurter Taxifahrer Walter Kor- lowski verübt haben, bei dem der Taxifahrer durch einen Schuß schwer verletzt wurde. Wetterbericht Ein ausgedehnter Kaltluftstrom aus Nordosten braente den ersten stärkeren Kaltlufteinbruch dieses Herbstes für Deutschland. Im Süden ist die Auswirkung der Abkühlung durch Bewölkung, die von einem italienischen T'ef herrührt, abgeschwächt. Der Hochschwarzwald hatte jedoch schon Tagestemperaturen bis zu minus 4 Grad. Aussichten bis Freitagabend. Vielfach wol- _ . . . ... . , -rig oder neblig mit nur kurzen Aufhellungen. Erst am nächsten Morgen fand man den Sol- Oertliche Niederschläge, im Hochschwarzwald daten und den Wolf, eng ineinander ver-1 vorübergehend Schnee. In nächtlichen Auf- krampft Beide waren tot 1 fciärungsgebieten Nachtfröste Tagsüber kühl. Donnerstag, 26. Oktober 1950 i Am 26. Oktober 1800 wurde Uei grOüe ÖCflW©ig©r / Helmuth v. Moltke geboren Ein Nichtsoldat, der die Entwicklung de« Generalstabe* von einem politischen Standort aus vor und nach 1918 beobachtete, gibt diese Darstellung, der in der gegenwärtigen Diskussion aktuelle Bedeutung zukommen dürfte. (dpa) Als der junge Leutnant Helmuth von Moltke, „dünn wie ein Bleistift“, aus dänischen Diensten in die königlich preußische Armee übe*trat, wurde er nicht begeistert aufgenommen. „Keine gute Acquisition“, sagte der Generalinspekteur Prinz Wilhelm. Es war der nachmalige König, dem dieser Moltke einige Jahrzehnte später die Siege von König- grätz und Sedan und die Kaiserkrone gewann. So unzuverlässig sind, wie überall, so auch beim Militär, voreilige Qualifikationen. Können wir heute den Chef des Generalstabes jener geschichtlichen Epoche noch genau so sehen, wie er vor zwei Menschenaltern gesehen wurde? Soll man nicht auch an ihn, den seinerzeit zum Idol Erhobenen, die Kritik der Mitschuld anlegen, von der auch Bismarck nicht verschont bleiben konnte, an ihn umsomehr, weil er als einer der Träger des preußisch-deutschen Militarismus betrachtet werden kann? Und ist nicht doch selbst auf fachmilitärischem Gebiet an der Tradition, die er schuf und hinterließ, etwas Entscheidendes fehlerhaft gewesen?^ „Preußischer Militarismus“ Die preußische Militärtradition als solche ist freilich viel älter als der vor 150 Jahren geborene. Sie stammt, was in Deutschland und erst recht im Ausland wenig bekannt und gerade heute lehrreich ist, aus dem 30- jährigen Kriege. Damals nämlich hatte sich der Kurfürst von Brandenburg zunächst vom Kriege femgehalten und, obwohl protestantischer Fürst, sogar den Schutz seiner Hauptstadt Berlin mit Spandau kaiserlichen Truppen anvertraut. Erst als das ein Chaos heraufbeschwor, erst als die kaiserliche Macht immer weniger in diesen Wirren auch nur . die Ordnung behaupten konnte, Schweden und andere Truppen durchzogen, gründete der junge Hohenzoller, der später der Große Kurfürst hieß, um 1642 eigene Bataillone und Regimenter. Er brauchte sie auch später notwendig, um sich in den schweren Zeiten nach dem Kriege zu behaupten. Von ihm stammt dann auch die testamentarisch niedergelegte These, daß ein Staat ohne Armee und Militärmacht nicht bündnisfähig sei. In dieser Formulierung war, in jenen Zeitläuften zumal, dieser Lehrsatz weder unerhört noch angreifbar. Zum Mittelpunkt der Staatsräson gemacht hat ihn der Soldatenkönig, und in die Praxis umgesetzt hat ihn Friedrich der Große. Die Befreiungskriege, vor allem die vorangegangene Zeit der Ohnmacht zwischen Jena und Leipzig, schienen ihn aufs Neue zu Bestätigen. Dieses Axiom, verbunden. mit der ■ Erkenntnis, daß Staaten, durch . die’"Kräfte erhalten werden, die sie geschaffen haben, hat auch innerpolitisch weitergewirkt über die Revolution von 1848 hinaus in der These: „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten" und dazu beigetragen, daß die Reichsgründung soldatischen Charakter annahm. Die Uebersteigerung des Dogmas ergab das, was Militarismus genannt wurde. Auf dem engeren Felde der militärischen Fachleute ging in der Zeit, an deren Abschluß Moltke Chef des Generalstabes geworden ist (1858), ein damit zusammenhängendes Ringen zwischen „Linie“ und „Landwehr“ einher. Freiwillige und Landwehr von 1813 hatten, nachdem Scharnhorst von der Französischen Revolution die allgemeine Wehrpflicht über- . nommen hatte, zunächst getarnt im Krümpersystem (im Austausch der Auszubildenden, so daß die Truppenzahl unter Waffen nicht überschritten wurde), Taten vollbracht, die sich neben dem aktiven Heere, der „Linie“, rühmlich sehen lassen konnten. Aus verschiedenen Gründen, unter denen der Vorrang des Adels im „Offizierkorps“ die wichtigste Rolle spielte, während amtlich vor 1813 dessen Alleinanspruch in der Armee abgeschafft war, gewann jedoch die „Linie“ unter Führung des Prinzen Wilhelm wieder steigend an Boden. Das hatte Wirkungen für Jahrzehnte. Nämlidv zwar allgemeine Wehrpflicht, aber isolierte Führung. Der Generalstab war, als Moltke an seine Spitze trat, noch keineswegs das zentrale Gehirn der Armee. Die Verwaltungsangelegenheiten erledigte das Kriegsministerium, mit dem übrigens bis in den ersten Weltkrieg hinein eine Rivalität bestand, die wichtigsten Personalfragen das Militärkabinett des Königs, damals noch französisch „Maison militaire“ genannt Erst Moltke hat es durchgesetzt, daß die Operationspläne zentral beim Generalstab bearbeitet wurden. Vorher wollten das die Truppenbefehlshaber machen, die Armeeführer, und noch in den sechziger Jahren hat ein solcher General die berühmt gewordene Frage getan: „Wer ist eigentlich dieser General von Moltke?“ Moltke und Bismarck Die Siege von 1864, 1866 und 1870 haben den Generalstab dann legitimiert. Es gab einige Reibungen mit dem Kriegminister Roon, und sowohl 1866 wie 1870 schwere Konflikte mit dem Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzler und Reichskanzler Bismarck — trotz Uebereinstimmung in den Grundanschauungen. Beidemal waren es hochpolitische Fragen: im Kriege mit Oesterreich der Wunsch des Militärs, auch des Königs, siegreich in Wien einzumarschieren, was Bismarck leidenschaftlich ablehnte, und im Französischen Kriege u.a. die Frage der Bombardierung von Paris. Beide Male hat schließlich Moltke nachgegeben und damit auf „Militarismus“ in dem Sinne der Beherrschung der Politik verzichtet. Die Entscheidung freilich fällte der König, zugunsten seines Kanzlers. Es ist grotesk, daß Bismarck 1866 der „Questenberg im Lager“ genannt werden konnte, nach dem kaiserlichen Gesandten im „Wallenstein“, derselbe Bismarck, der den siegreichen Krieg und den Triumph über Wien sowie gleichzeitig sogar auch den Triumph des Königs über das Parlament am Tage von Königgrätz erst ermöglicht hatte. Dieses Ende der preußischen „Konfliktszeit“ durch den Sieg der Waffen auf einem böhmischen Schlachtfelde ist auch für die deutsche Innenpolitik fast noch entscheidender geworden als das Fiasko von 1848. Den zweimal und dreimal, 1848, 1866 und 1870, schien also die parlamentarische Demokratie selbst auf dem Gebiete der zivilen Gestaltungskraft gegenüber dem Soldatentum im Unrecht geblieben zu sein. Das war die Grundlage der politischen Prägung von zwei oder drei Generationen in Deutschland. Moltke hat daran, nach Vollendung seines Schlachtenwerkes, kaum mehr Anteil gehabt. Er überließ es seinem Freunde Bismarck, ausgenommen Teil fragen wie Heeresvermehrung und die routinemäßige Generalstabsarbeit, Vorbereitung von Aufmarsch- und Verteidigungsplänen, wie sie überall bereitgestellt wurden und werden. Die führende und zentrale Position des Generalstabs hat er festzuhalten verstanden, die Erziehung des Nachwuchses geleitet Man hat gesagt, daß er hierin, in der Heranbildung einer Schule, größer gewesen sei als Bismarck, der das für den politischen und diplomatischen Dienst nicht verstanden habe, so daß sein Werk auf zwei Augen oder höchstens auf den vier Augen der „Firma Bismarck und Sohn“ gestanden habe, und daß die richtige Führung mit seiner Entlassung abreißen mußte, während im Generalstab die Kontinuität gesichert war. Unter Wilhelm dem Zweiten Nun ist das freilich für militärische Behörden, wo der Befehl gilt, leichter als für zivile Staatskunst Immerhin war Preußen- Deutschland doch eine konstitutionelle Monarchie, der Kaiser und König hatte dem Kanzler und dem Parlament Rechnung zu tragen: auf dem militärischen Felde aber entschied sein Befehl in letzter Instanz. Das aber ist das Wesentliche für die Beurteilung dessen, was nach Moltke gekommen ist: als nicht mehr der gediegene und sachliche alte Wilhelm, sondern der sprunghafte Enkel den Thron innehatte, war das überhebliche Wort, daß die Stellung des Chefs des Großen Generalstabs „die erste Stellung der Welt“ sei, innerlich erst recht nicht mehr wahr. Als dann die Monarchie 19J8 überhaupt, wegfiel und überdies durch Versailles der Generalstab verboten wurde, reichte das fachmilitärische Bemühen, das sich um den Namen Seeckt gruppierte, für sich allein schon nicht mehr aus, um die gewünschte Wirkung zu garantieren. Und als dann vollends der „größte Führer aller Zeiten“ an die Spitze der Wehrmacht trat, wurde Generalstabsarbeit in allen Instanzen, von Brauchitsch bis herab zur Division, oftmals zum Gewissenskonflikt. (Zum „Befehl im Widerstreit“, wie Heusinger sein jetzt erschienenes Buch überschreibt.) Nicht zu übersehen ist der Abstand zwischen dem Grafen Helmuth von Moltke und einigen Generalen Hitlers. Der alte Moltke war ganz gewiß ein Vorbild an Sachkunde, an Selbstentäußerung, er kannte das Ich und das Selbst nicht, aus seiner Charakterhaltung stammen die berühmten Forderungen „Generalstabsoffiziere haben keinen Namen“ und „Mehr sein als' scheinen“. Gewiß, auch später hat es Offiziere gegeben, die nach dieser Richtschnur gelebt- haben. Aber es gab auch andere! Der alte Feldmarschall selbst hat noch die Thronbesteigung Wilhelms des Zweiten und die Entlassung Bismarcks erlebt. Bei dem zweiten Ereignis hat er gesagt: „Das ist ein sehr bedauerlicher Vorgang; der junge Herr wird uns noch manches zu raten aufgeben!“ Erst ein Jahr später ist er einundneunzig- jährig gestorben. (Seltsam, daß er noch ein Reichstagsmandat innegehabt hat.) Ausland und Inland haben wenig davon gewußt, daß die Generalstabelite mit größten Sorgen auf diesen * Kaiser sah, der so wenig von ihrem Geist besaß, daß er z. B. in den Kaisermanövern lange Zeit eine Partei führen wollte — die füglich siegen mußte! Von Walderiee bis Hindenburg Unter Moltkes Nachfolgern sind neben dem Grafen Waldersee der breiten Oeffentlichkeit vier bekannt: Graf Schlieffen, der den ursprünglichen Aufmarschplan für einen Zweifrontenkrieg entworfen und die Heerführer des ersten Weltkrieges geschult hat; der sogenannte jüngere Moltke, Neffe des Feldmarschalls, der die Marneschlacht 1914 verloren hat; Falkenhayn, der mit Verdun 1916 verknüpft ist, und Hindenburg. An den alten Moltke reichte keiner von ihnen heran; auch über die Genialität des bei Lebzeiten vergötterten Grafen Schlieffen, der 1906 zurücktrat und 1913 starb, sind später Zweifel geäußert worden. Die Tradition wurde fortgeführt durch Seeckt, der sich im Kriege als Chef von höchsten Stäben bewährt hatte. In. seiner Hand war sein Grundgedanke, politische Konzessionen zu machen, um die soldatische Integrität in eine bessere Zukunft zu retten, vielleicht richtig. Aber als er abtreten muße, als Hindenburg ihn gehen ließ, wußte der Alte Herr wieder einmal nicht, was er getan hatte. Hindenburg trägt vor der Geschichte die Last von Moltkes Erbe. Hätte die Schulung tatsächlich die persönlichkeitsbildente Kraft gehabt, die ihr zugeschrieben worden ist, — die fachliche Schulung fast aller ist unbestritten — so hätte der Chef des Großen Generalstabes kaum am 9. November 1918 über seinen kaiserlichen Herrn abstimmen lassen. Ein anderer hoher Generalstabsoffizier, General von der Schulenburg,, der Chef des Kronprinzen, zeigte den preußischen Ausweg! Und hätte Hindenburg auch nur annähernd das Format des alten Moltke gehabt, so hätte er die beispiellose Chance, die ihm ein vertrauendes Volk durch die Wahl zum Reichspräsidenten gegeben hatte, ganz anders zum Wohle des Volkes anwenden können. Er konnte entweder die Republik und die Demokratie stabilisieren, oder er konnte die Monarchie vorbereiten oder sogar auf richten: er aber tat keines von beiden, sondern lieferte den Staat seiner Könige und Kaiser an den Demagogen aus Braunau aus — der in jedem Wesenszug das genaue Gegenteil Moltkescher Haltung vertrat: Mehr scheinen als sein, nur das eigene Ich brüllend hervorheben, unsachlich arbeiten und schwindeln, treulos gegen Kameraden sein, erst wagen und dann noch lange nicht wägen, keine Verantwortung kennen für das anvertraute Volk. „Kreisauer Kreis“ und Schlieffen- Verein Von 1933 an scheint dann das charakterliche Format immer kleiner zu werden und die Schwierigkeit, Haltung und Sachlichkeit und Ethos zu retten, immer größer. Die Geschichte hat es gefügt, daß noch ein dritter Moltke eine Rolle spielte: er war kein Offizier, sondern nur Kriegsjurist. Es war jener Graf Moltke, der dem Kreisauer Kreis vor dem 20. Juli 1944 den Namen gegeben hat — nach dem bekannten Gute, das sich der alte Feldmarschall aus der Dotation nach seinen historischen Siegen gekauft hat. Leibeserben hatte er aus seiner Ehe mit der Engländerin Marie Burt nicht, die er als Vierzigjähriger heiratete und um Jahrzehnte überlebte. Mit und neben dem Kreisauer Kreis haben auch andere Angehörige des höchsten Militäradels, wie die Grafen Hardenberg und Schulenburg, aber auch hohe bürgerliche Offiziere wie die Generalstabschefs Beck und Haider und Generalfeldmarschall Rommel, sowie viele andere gegen Hitler Widerstand geleistet; viele von ihnen haben mit dem Leben bezahlt, wie schon vorher Schleicher und Freiherr von Fritsch. Die Generalstabschefs unter Hitler waren nicht mehr das gleiche wie früher, sie hatten schon nicht einmal den gleichen Aktionsradius: erstens waren sie nur Chefs des Heeres, nicht der gesamten Wehrmacht, und zweitens pfuschte Hitler nicht nur in die oberste Führung, sondern auch in die Divisionsabschnitte hinein sein „Chef des Wehrmachtführungsstabes“ aber, Jodl, galt mit Keitel als bloßer Befehlsemp'anger. Bände sind schon gefüllt worden und werden noch gefüllt werdend mit dem Nachweis der Fehler der militärischen Führung, sofern man darunter den Befehlskopf mit Hitler versteht. Man könnte von einer Tragödie des Generalstabs sprechen — wenn nicht Schuld darein verflochten wäre. Diese Schuld liegt weniger in dem zu schwachen Widerstand gegen den Diktator. Wia auf dem politischen Felde nicht so sehr erst (Fortsetzung Seite 4) Weibliche Arbeitssklaven Von weit über 100000 deutschen Frauen in russischer Kriegsgefangenschaft fehlt bis heute noch jede Nachricht PRD. Der amerikanische Publizist Prof. Dr. A. J. App aus Philadelphia stellt in seinem kürzlich erschienenen Buch „Die Entehrung der Frauen in Europa“ lakonisch fest: „In der Nachkriegszeit ist allein in Europa eine Million christlicher Frauen geschändet worden.“ Die Oeffentlichkeit, nachgerade von ähnlichen astronomischen Ziffern des Entsetzens überfüttert, nahm von diesen Angaben kaum Kenntnis. Dabei umreißen sie noch gar nicht die ganze Tragödie. Die Tragödie nämlich, was mit vielen dieser geschändeten Frauen weiter geschah. An Hand zahlreicher Aussagen von Rußlandheimkehnerinnen läßt sich heute jedoch ein Bild darüber machen. Es ist eine schauerliche Impression, die aufzuzeigen eigentlich die ohnedies von Furcht und geheimen Grauen erschütterte Welt verbietet. Aber noch leben in buchstäblich „gottverlassenen“ Lagern in Sibirien viele Frauen unter demselben trostlosen Zwang. Bevor nicht die letzte von ihnen heimgekehrt ist, darf die Sprache des Gewissens nicht verstummen. Auch wenn es leider mehr als traurige Lieder sind, die sie vorzutragen hat . . . Ein Schicksalvon vielen Siebzehn Jahre war Maria K. alt, als die russischen Truppen ihr ostpreußisches Heimatstädtchen eroberten. Ihr Vater war krank, die Mutter schon lange gestorben. Maria brachte es nicht übers Herz, ihren Vater allein zu lassen. Als die Sowjets das Städtchen besetzten, versteckte sie sich auf dem Speicher des elterlichen Hauses. Sie wurde von einer betrunkenen Soldateska aufgestöbert, aus ihrem Versteck gezerrt. Und dann ... Maria schweigt darüber. Statt dessen erzählt sie, wie sie Wochen später, als sie eben einen Sack voll Kartoffeln nach Hause bringen wollte, unterwegs plötzlich von russischen Soldaten mit vielen anderen Männern und Frauen zusammen von der Straße weggeholt und in eine Scheune gesperrt worden war. Am anderen Morgen fuhren Lastwagen vor. Russische Soldaten rissen die Türe auf, trieben die verängstigten Menschen auf den Wagen. Die Fahrt ging ostwärts, endete in einem Lager, wo schon Tausende ähnlicher Leidensgenossen verzweifelt beisammenhockten. Hier wurden Listen aufigesteljt. Und dann gingen die Transporte auf offenen Güterwagen, nach Alter und Geschlecht geordnet, weiter dem Osten zu. Marias kranker Vater blieb allein zurück. Sie hat ihn nie mehr gesehen, nie mehr etwas von ihm gehört. In der Nähe Leningrads wurden die Verschleppten in einem Barackenlager untergebracht. Maria arbeitet zuerst im Wald, schlug Holz, sägte und spaltete es. Sechs Meter war die tägliche Norm für drei Frauen. Wurde sie nicht erfüllt, gab es weniger, noch weniger Brot und Kohlsuppe, Die Frauen wurden krank, starben wie Fliegen im Herbst. Besonders die älteren und jene, die einmal „bessere Tage“ erlebt hatten, Maria hielt durch. Sie überstand den ersten, eisigen Winter in Karelien. Kam in ein Bergwerk des Donez- beckens. Verdiente 200 Rubel als Hauerin. 80 Rubel gingen davon für „Unterkunft und Bewachung“ ab. Der Rest reichte kaum für das tägliche Brot aus. Dann ging es in das Lager 1752 nach dem Ural. Die „Zivilinternierten“, wie sie nun hießen, konnten sich ziemlich frei bewegen. Auch die Quartiere waren sauberer, die Löhne besser. Aber , . . Nun, Maria biß die Zähne zusammen und schleppte Steine auf einer Baustelle. So vergingen über vier Jahre. Bis eines Tages das Wunder geschah und Maria mit 200 anderen Frauen zusammen „heimkehren“ durfte. Heim in ein Krankenhaus, heim in das fremde Westdeutschland, heim in eine mehr als fragwürdige Existenz. Ein Schicksal von vielen — und dazu noch eines, das sozusagen gut ausgegangen ist. Denn die Toten schweigen — und die anderen sind noch in Rußland. Ueber die Hälfte gestorben Weit über 200 000 deutsche Mädchen und Frauen traf das Geschick mit derselben bitteren Ausweglosigkeit wie die damals siebzehnjährige Maria K. Nach den Ermittlungen der Frauensuchzentrale in Bethel wird die Zahl der Frauenlager in der UdSSR auf über 200 geschätzt. Etwa 150 000 zwangsverschleppte Frauen; und 25 000 ehemalige Wehrmariits- helferinnen und Angehörige des Roten Kreuzes sollen auch heute noch in solchen Lagern dahinvegetieren. Sofern, und diese Vermutung ist leider sehr naheliegend, nicht ein großer Teil dieser weiblichen Arbeitssklaven an den Strapazen zugrunde gegangen ist. Die deutschen Ermittlungsstellen versuchten bis heute vergeblich, zuverlässige Unterlagen zu beschaffen. Aus den Berichten der bisher heimgekehrten Frauen geht lediglich hervor, daß etwa die Hälfte aller verschleppten Mädchen und Frauen kaum den Transport und den ersten Winter überstanden haben dürften. Völlig ungewiß ist das Schicksal der DRK-Schwestem und Stabshelferinnen, von denen die Ueberlebenden nach einem Leidensweg sondersgleichen in „Schweigelagern“ ihr Leben fristen dürften. Andere Frauenlager wurden im Donezbecken, bei Leningrad, Minsk Moskau, Tula und Tiflis ermittelt. Allein im Donezbecken sollen zur Stunde noch über 30 000 deutsche Frauen in den Kohlenschächten arbeiten. Aus den Lagern im Ural wurde bekannt, daß dort hauptsächlich jüngere Mädchen in Ziegelbrennereien, beim Straßen- und Häuserbau beschäftigt sind. Aber unter welchen Umständen! In manchen Schächten ist der Boden kniehoch mit Wasser bedeckt. 12 Stunden lang heißt es hier in gebückter Haltung Kohlen schaufeln. „Und will man sich einmal an einer höheren Stelle des Gangs etwas ausstrecken“, so berichtete eine Heimkehrerin, „dann ist auch schon ein Aufseher da: „Daway daway .... „Weitermachen, schneller . . . .“ Beim Häuserbau muß die Baumasse aus Lehm, Kuhdung und Sand mit den bloßen Füßen festgestampft und dann mit den Händen an die Wände geknetet werden. Dazu der weite Anmarschweg zur Arbeitsstätte, das mörderische Klima, der ständige Hunger. Nicht viel besser sieht es in allen anderen Lagern aus. In der Nähe von Karanga in Zentralsibirien, so berichteten heim bekehrte Kriegsgefangene aus dem Lager 7099/6. soll z. B. eines jener „Schweigelager“ für Frauen sein, in dem Rote- Kreuz-Schwestern und BDM-Führerinnen gefangen gehalten werden. 45 Mädchen aus Breslau sollen dort ihr Brot als Näherinnen verdienen. Wehe aber, wenn die Norm nicht erfüllt wird. Essens-Entzug ist die Folge. Läßt sich eine der Gemaßregelten dann vor Hunger zu einem Mundraub verleiten, so wird sie wegen „Sabotage der Sowjetwirtschaft“ zu weiterer langjähriger Zwangsarbeit verurteilt. Es ist ein Elend ohne Ende. Unter diesen elenden Verhältnissen leben zur Stunde noch weit über 100 000 deutsche Frauen — selbst wenn über die Hälfte der Verschleppten inzwischen gestorben sein sollte. Helfen, wirklffch helfen und das Erduldete auswischen, kann niemand. Aber dafür Sorge tragen, daß die letzten Ueberlebenden dieser weiblichen Arbeitssklaven wenigstens aus ihrer unwürdigen Haft befreit werden, das wäre nun wirklich an der Zeit. Michael Brant t Donnerstag, 28. Oktober 1950 das Ermächtigungsgesetz vom März 1933 das maßgebende Indiz ist wie die früheren Versäumnisse, so ist beim Generalstab, besser gesagt beim Schlieffenverein, das Versäum nis u. a. darin zu suchen, daß man dem alten Hindenburg nicht, wie selbstverständlich, den politisch klügsten und aktivsten Kopf aus den eigenen Reihen beigegeben hat, sondern ihn Meißner und seinem eigenen Sohn Oskar überließ. Die Politik aber im Raume der Rechten vertraute man ebenso wie die Industrie nach wie vor dem Geheimrat Hugen- berg an, obwohl dessen verhängnisvolle Beratung Ludendorffs und der OHL des ersten Weltkrieges mit ihren fürchterlichen Folgen für Reich und Heer wirklich offenkundig waren. Natürlich war der Schlieffenverein kein politischer Club, das hat er vor dem Militärgericht nachgewiesen. Aber das ist es ja gerade: daß er Hamlet „Generalstab“, von des Gedankens Blässe angekränkelt, sich für nicht zuständig erklärte, wo der Geist Moltkss laut nach Aktion gerufen hätte! Und demnächst, nach 1930, sah man, wenn auch mit einiger Ironie, vertrauensvoll auf den „böhmischen Gefreiten“, wie ihn Hindenburg noch genannt hatte. Irgendetwas Entscheidendes schien da nicht mehr in Ordnung. Der Geist Moltkes und seines geistigen Ahnherrn Clausewitz saß nicht mehr wirklich in Fleisch und Blut. N^ührungsrolle abgelaufen? Ist es die bürgerliche Infektion, die ja auch den Obersten Kriegsherrn selbst ziemlich weit von seinem Vorgänger Friedrich entfernt hatte und schon um 1913 in manchen Regimentern das „Geld“ hochkommen ließ? Ist es die seelische Schockwirkung von Versailles, der unfaßbare Zusammenbruch der gesamten Anschauungswelt? Ist es die Verunglimpfung durch äußere und innere Gegner, welche Unsicherheit und Komplexe hervor- | gerufen hat? Ist es die zu rasche Beförderung zwischen 1935 und 1940? Ist es die Auslöschung der individuellen Werte und des Gewissens, überhaupt, dieses Zeichen der Zeit? Ist es eine Verfallserscheinung einer Klasse und ihrer Exponenten, deren Führungsrolle eben unweigerlich abgelaufen ist? Die Sprache ist; zuweilen satanisch: schon Jahrzehnte vor' Hitler nannten sich die Generalstabsoffiziere „Führergehilfen“ — wenn auch natürlich in ganz anderem Sinne. Unsere Toto - Vorschau 1) Der deutsche Meister trifft in Mannheim'können. —- 5) Reutlingen hat endlich Tritt auf den Altmeister. Der Platzvorteil des VfR gefaßt Der BCA wird schon Mühe haben, Das alles war vor zwei und fünf Jahren jSine historische Betrachtung. Heute aber ist , dieser Versuch der Klarstellung eminent ak- jtuell, weil irgendwie und irgendwann deutsche Offiziere wieder in Dienst treten sollen. 'Damit wird vielleicht auch die Frage nach dem Geist des Generalstabs in der Zukunft [neu gestellt werden. Die Antwort, daß dafür [kein Raum mehr sei, ist müßig. Man kann die in Betracht Kommenden durch 200 Kilo Fragebogen durchpressen oder überhaupt keinen nehmen, der die roten Streifen getragen i hat: ein Stückchen von Moitke wird doch wieder auf tauchen — wenn es dereinst zu ei- 'nem deutschen Kontingent in einer europäischen Wehrmacht kommen sollte, selbst in einer etwaigen deutschen Bolschewistenarmee oder selbst wenn alle Offiziere Arbeitersöhne sein müßten. Deshalb ist es Sache der früheren Generalstäbler selbst, sich über das Fiasko in zwei Kriegen und zwei Friedensperioden klar zu werden. Sie sollten diese Epoche an der Persönlichkeit des alten Moitke messen, obgleich sein Geburtsdatum schon 150 Jahre zurückliegt Denn Ethos stirbt nicht O.B. Mannheim spricht zwar für den Gastgeber, doch hat VfB Stuttgart am letzten Sonntag eine sehr überzeugende Partie geliefert, so daß das Spiel als absolut offen zu bezeichnen ist — 2) Auch die Begegnung zwischen dem FSV und dem „Club“ ist offen. Ein Unentschieden mindestens einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Vorschlag: 1, 0. — 6) Beide Mannschaften sind am Sonntag bei Auswärtsspielen knapp unterlegen. Ein Lokal-Derby also, bei dem der Gastgeber HSV infolge Platzvorteils knapp in Front zu erwarten sein dürfte. — 7) Die Begegnung zwischen Eintracht Braunschweig und Eimsbüttel erscheint als offen. Wir rechnen mit einem Unentschieden. — 8) Kickers Offenßach muß nach, Schweinfurt und dürfte es dort sehr schwer haben. Ein Unentschieden wäre schon eine Ueberraschung und ein großer Erfolg für die Lederstädter. — 9) Der Tabellsnzweite der Oberliga West, Fortuna Düsseldorf, muß nach Dortmund Obwohl der Spielausgang auch hier als offen erscheint, erwarten wir den Gastgeber knapp in Front — 10) Aachen empfängt Rot-Weiß Essen und sollte mindestens ein Unentschieden erzwingen. Vorschlag: 0, 2. — 11) Beide Mannschaften sind zur Zeit sehr stark. Die Regensburger müßten schon zu großer Form auflaufen, wenn sie aus Pforzheim die Punkte Ist nicht unwahrscheinlich. — 3) Neuling'entführen wollten. Vorschlag: 1, 0. — 12) Darmstadt wird gegen die stark verbesserten Hier erscheint trotz der katastrophalen Nie- Frankfurter Eintracht wohl unterliegen, — 4) derlage des Vörsonntags der ASV Durlach ge- Die Schwaben haben am letzten Sonntag einen Igenüber Wiesbaden als Favorit — 13) Auch Ueberraschungssleg gegen Kickers Offenbach die Stuttgarter Kickers sollten auf eigenem erzielt Sie sollten auch diesmal auf eigenem Platz Union Böckingen klar besiegen können. Platz gegen Bayern München erfolgreich seinl— L4) Epe eindeutige Sache für Bayern Hof. Die Leichtathletiksaison 1950 (1) Nur noch wenige Achillesfersen - Ausgezeichnetem MlOO n, _ I #ä 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Württemberg! scfc-Badlsch er Sport-Toto Spieltage 28. und 23. Oktober 1350 VfB Mannheim — VfB Stuttgart FSV Frankfurt — 1. FC Nürnberg Darmstadt 98 — Eintracht Frankfurt Schwaben Augsburg — Bayern München SSV Reutlingen — EC Augsburg Hamburger SV — FC St. Pauli Eintracht Braun sch weis — Eimsbüttel Schweinfurt 05 — Kickers Offenbach Borussia Dortmund — Fortuna Düsseldorf Alern. Aachen — Rotweiß Essen 1. FC Pforzheim — Jahn Regensburg ASV Durlach — SV Wiesbaden (28. Oktober) IS Stuttgarter Kickers — Union BöCklngen 14 Bayern Hof — 1. FC Bamberg Zuchthäusleriimen gehen ins Kloster In Bethanien spricht man nicht über die Vergangenheit In Plefsis-Chenet bei Paris vertauschen jährlich fast 50 entlassene Zuehthäuslerinnen die gestreifte Gefangenentracht mit der Weißen Kutte und dem schwarzen Schleier der Dominikanerinnen. D’e französischen Bethanien-Klöster sind Zufluchtsstätten für ehemalige Schwerverbrecherinnen, die m't ihrer Vergangenheit abschließen wollen. „Wir alle sind ehemalige zum Tode Verurte'lte“, antwortete eine Junge Schwester ln einem Betha- nien-hloster bei Paris läche'nd auf die Frage eines Reporters, ob s ! e im Zuchthaus gewesen sei. In Bethanien wird über die Vergangenheit nicht gesprochen. Vom ersten Augenblick ihres Eintritts in den Dominikanerorden an genießen alle Schwestern die gleichen Rechte. Nichts unterscheidet die gewesenen Gefangenen von den „gutgearteten“ Nonnen, d'e von angesehenen, und wohlhabenden frenzös’schen Familien zur Erziehung ins Kloster gesduekt werden. Alle tragen d>« gleiche Tracht, alle essen und arbeiten gemeinsam. Nur die Spuren ehemaliger Leidenszeifen, die sich in den Gesichtem einzelner Schwestern abzeichnen, lassen Rückschlüsse auf ihre harte Vergangenheit zu. Die Bethanien-Klöster wurden vor etwa 100 Jahren von dem Dominikanerpater Joseph Pataste gegründet, der aus Kummer über den Tod seiner Braut Mönch wurde. Im Frauengefängnis von Cadillac, das Pater Lataste zu betreuen hatte, war ihm zum ersten Male der Gedanke gekommen, den Unglücklichen nach ihrer Befreiung zu helfen. Er hatte hart zu kämpfen. Der Dominikanerorden, einer der exklusivsten Frankreichs, fürchtete, seine wohlhabenden Zöglinge durch die Zulassung von Schwerverbreicherinnen zu verlieren. Pater Lataste überwand alle Schwierigke'ten. In der Nähe von Großstädten, vor allem bei Paris und Marseiile, entstanden seine Bethanien- Klöster. Sie liegen meist inmitten von Feldern und Gärten, wo die Anstaltsinsassinnen arbeiten müssen. Die Schwestern sind fast alle bettelarm. Sie ernähren sich durch Näharbeiten, Waschen, Kleintierzucht usw. Wenn eine der begüterten Novizen von ihrer Aussteuer ein paar Kleinigkeiten für die gemeinsame Wirtschaft stiftet, sind sie besonders glücklich. In den Bethan’en-Klöstem hat jede Schwester ihre eigene Zelle, in der sich außer einem Strohsack nur ein kleinsr rohgezimmerter Tisch u. e'n Tonkrug befinden. An der schneeweiß gekalkten Wand hängt zwischen den Bildern der Gottesmutter und dem Schutzpatron des Ordens e'n Kruzifix. Nach ihrem Gelübde erhält jede Insassin noch eine aus Holz geschnitzte Dornenkrone als Wandschmuck. Der E'ntritt ln das Kloster geschieht freiwillig. Die Novizen bringen das Geheimnis ihrer Schuld oder Unschuld mit über die Schwelle des Hauses. Niemand versucht, sie auszufragen. Eine der Schwestern schwieg bis zu ihrem Tode. Dann kam heraus, daß sie 15 Jahre im Zuchthaus verbüßt hatte, vfeil sie angeblich' ihren Schwager, einen Vater Von fünf Kindern, ermordete. Nachdem sie gestorben war, kam die Mutter der Kinder weinend in d°s Kloster und bekannte sich schuldig. Ihre Schwester hatte den Mord auf sich genommen, damit den fünf Kindern die Mutter erhalten bliebe. Dr.LP. Trauung in der Eisernen Lunge Eine nicht alltägliche Trauung wurde dieser Tage in einem Londoner Krankenhaus vollzogen. Der 22iährige Bräutigam lag mit spinaler Kinderlähmung in einer Eisernen Lunge, als der Geistliche die genehmigte Eheschließung mit einer 18 Jahre alten Londonerin vornehm. Das junge Paar hatte schon vor drei Wochen den Hochzettstermin festgesetzt und alles auf diesen großen Tag vorbereitet. Eine Woche vorher erkrankte der Bräutigam plötzlich an spinaler Kinderlähmung und mußte ins Krankenhaus. Durch eine Sonderlizenz des Erzbischofs von Canterbury wurde die Trauung im Krankenhaus ermöglicht. Wieder Ist ein großes Lelehtathiettkjafir zur Neige gegangen. Schon sehen wir vor uns die herrlichen Meistersdiaftstage von Stuttgart, den brillanten ZehlUcartpisieg Von Sepp Hipp, den verbissenen Endkampt der Löwen im Münchner Schnürlregen, den schönen Erfolg unserer Jungen Leichtathleten In Mailand. Doch überstrahlt wird alles von jenem Tage, an dem in Brüssel die Wiederaufnahme Deutschlands ln den Internationalen Verband beschlössen wurde: Mittwoch, den 23. August. Für 1931 stehen uns somit die Tore offen zur Leichtathletik- Welt und wir können mit Stolz sagen: Wir sind gewappnet! Die Saison 1930 brachte unerwartete Erfolge, sie war die beste seit 1911 und schloß LüdSen, die wir erst ln einigen Jahren beseitigt glaubten. Unsere große Stärke, die Ausgeglichenheit, haben wir fast erreicht. Nur noch wenige AÄllles'ersen sind zu verzeichnen. Freuen wir uns, daß unsere Schwächen von Jahr zu Jahr geringer werden. Altmeister noch ln der Form ihres Lebens Wer hätte 1947 gehofft, daß wir 1950 einen Schade, Hipp, Geister, Haas, Steines, Cleve oder Will auf- weisen würden? Wer glaubte damals, daß ein Eberlein, Storch, Dömpert oder Eitel nochmals ln die Form Ihres Lehens kommen würden? Die Jugend riß die Alten nach vorne, weckte Ihren Ehrgeiz und s'e überbrückten mit Ihrer Erfahrung und durch Ihr Vorbild eine Zelt, ln der der Nachwuchs heranreifte. Heute können wir schon eher auf unsere bewährten Altmeister verzichten, wenn auch nicht ln allen Uebungcn. Bis Helsinki Ist noch ein langer Weg, aber wir dürfen scnon‘heute' Sagen, daß Wir von dort nicht mit leeren Händen helmkehren werden. Arbeiten wir weiter an uns und lassen uns weder durch Erfolge noch durch Rückfälle ablenken. Die ersten Länderkämpfe im nächsten Jahr gegen die Schweiz, Schweden, Italien und vielleicht auch Finnland werden uns klar aufzeigen, wo noch der Hebel anzusetzen ist. Unser Mitarbeiter verteilt „Zeugnisse“ im folgenden beleuchtet unser Spezialmitarbeiter Wolfgang Wünsche die einzelnen Hebungen und verteilt seine Bewertungs-Zensuren, die sich von der Note „ungenügend“ bis .ausgezeichnet“ erstrecken. Wir beginnen heute mit den Laufstrecken und lassen die Wurf-, Stoß- und Sprung-Disziplinen folgen. 100 Meter: Unters Sprinter haben uns ln diesem Jahre etwas enttäuscht. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Eine wichtige davon Ist vielfach aber bemerkenswert. Unsere Kurzstreckenläufer essen zuviel! Läufer wie Wltteklndt, Fischer. Licke* haben zuviel Pfunde auf dem Leibe, um an ihre Hochform anknüpfen zu können. Werner Zandt war einwandfrei der Beste, er trug mit Recht 1950 Deutschlands „schnellste Hose“. Talente: Saimen (Düsseldorf), Keinen (Krefeld), Gesamtergebnis: befriedigend- 2 0 0 Meter: Hier Ist die Situation besser. Der Kurvenspezlallst Werner Zandt zählt zu den schnellsten europäischen Athleten. Das Niveau Ist höher als lm Vorjahre. Talente: Haas (Nürnberg), Kosina (Schwandorf). Gesmtergebnls: gut. 400 Meter: Diese Strecke Ist unser Paradepferd. Vier Mann — Huppertz Geister, Haas, Au- dorf — besser als 47,81 Alle vier Jung und verbesserungsfähig. Einer von ihnen sollte im nächsten Jahr bestimmt knapp unter 47 Sekunden kommen. Geister hat alle Anlagen, diese Leistung, dl- außer Harblg niemand vollbrachte, zu erreichen. Niemals zuvor hatte Deutschland eine derartig lmnönlerende Breite. Selbst zu Harbiss Zelten nicht. Haas, Mle- decke, Viebahn. Gesamtergebnis: ausgezeichnet. 8 0 Meter: Cleve war — ähnlich wie sein Vereinskamerad Arendt lm Vorjahr — die Jahres- entdeckurtg. Sein Stil oestieht, aber der Koblenzer Steines Ist härter, zäher und „gerissener“. Ulz- heimer dagegen, der entthronte Meister, enttäuschte etwas, aber ln Mailand zeigte er, daß er noch keineswegs ausgebrannt Ist. Talente: Cleve. Bonah. Sauer (Frankfurt). Gesamtergebnis: sehr gut. 1500 Meter: Unsere Läufer haben sich auf dieser „schwedischen“ Distanz erstaunlich schnell entwickelt, Sodaß wir hier nicht mehr schwach dastehen. Athleten wie Lammers, Läufer, Lueg und Warnemünde sind noch nicht am Ende mit ihrem Latein. Gesamtergebnis: befriedigend. 5000 Meter: Schade war der Athlet des Jahres. Sein Rekord ist ausgezeichnet, seine Beständigkeit lobenswert. Er dürfte sich weiter entwickeln. Erstaunlich der zweite Frühling von Eberlein. Er hat sich für 1951 viel vorgenommen. Otto Eitel fiel durch Krankheit zurück. Alle drei Genannten sind Europaklasse. Talente: Hesselmann, Müller, . Gu4e. Gesamtergebnis: gut. ' ’ 10 0 00 Meter: Verblüffend gutes Niveau. Schade sollte auch hier fähig sein, den Rekord zu stürzen, aber auch Eberlein und Eitel trauen wir einen Lauf um 30 Minuten herum zu. Die Achlllesfe-se ln den langen Strecken existiert nicht mehr. Hesselmann, Metz und Steller können im Schlepptau der großen Drei weiterkommen. Gesamtergebnis: gut. Klarer amerikanischer Gewlcbthebersieg in München Im dritten deutsch-amerikanischen Gewichtheber- Vergleichskampf lm Münchener Hofbräuhaus unterlag die deutsche Auswahl am Dienstag mit 1807.5: 1855 kg gegen die USA-Natlonalmannschaft, die allerdings ohne ihren Verletzten Federgewichtsmeister Tomlta an treten mußte, so daß nur in fünf Gewichtsklassen gekämpft wurde. Nicht ganz erwartet kam der Einzelsleg des achtfachen deutschen Bantamgewichtsmeisters Sepp Schuster (München) über Olympiasieger 1948 de Pietro fUSA). Bantam-Gewicht: Schuster (Deutschland! 275 kg: 2. de Pietro (USA) 370 kg. — Leichtgewicht: Pitman (USA) 815 kg; 2- Ismyr 225 kg. — Mittelgewicht: George (USA) 875 kg: 2. Höllerer 325 kg. — Halbschwergewicht: Stanezyk (USA) 410 kg; 2. Clausen 342,5 kg. — Schwergewicht: Davla (USA) 455 kg; 2. Schattner 400 kg. UNTE LDENER. „Herr Doktor, wollen Sie denn heute nicht zum Kaffee kommen?“ Pauline, mit weißer Schürze und ebensolchem Häubchen, machte einen blitzsauberen Eindrude. „Ich komme sofort, Pauline. Ich habe Ihnen etwas Vertrauliches mitzuteilen. Morgen abend kommt eine junge Dame zu Besuch. Aber bitte, kein Wort zu den Simpsons. Bereiten 57. Fortsetzung Sie sich etwas vor. Natürlich keine Extra- Wie wenig wißt ihr eigentlich davon, vaganzen. Es[genügt, eine Schwedenplatte. Wir ihr Menschen in eurer bürgerlichen Sicher- tr ^°rvfrkt.f» beit, daß man erst verlieren muß, was man 1 ® nniHmr« . wahrhaft besitzen wllL Noch eins Sorge be- fLr „ZI' mächtigte sich seiner. Wie würden ihm die A^r nochmals. Kein Wort zu den ^tgegentreten vor allem die, £ ^ Dongen vor der ^ der elterlichen war ihm Villa stand, kostete er in Sekundenschnelle ^ noch einmal die Bitterkeiten durch, die ihn ihren damals, beim Verlassen des Hauses, erfüllt 1 da JL 'Lfa „rri^cfiP hatten. Trotzdem — das überwältigende Ge- f 1 ^ l EUchkeit und Tiefe durch die ^ wieder dje Luft dss Vaterhauses atmen da sie dürfen, verdrängte die gegenteilige Emp- bewerten. ^ ^rdecken suchte. Nun. da sie flndung> und er mußte sich ein g e stehen, daß inzwischen Frau Justizrat Keller geworden de n Jahren in der Fremde doch mit war, wurde sie sich kaum zu ihrem Vorteil __cts«. verändert haben. Sein Bück fiel auf das Material zu seinem Werk, das sich auf dem Schreibtisch ange- häuft hatte. Er begann in den kapieren her- „ nken Hand , n der Mauer ^tand. Er mußte umzublättem und überprüfte den Entwurf rio vnn Kuvsi jeder Faser seines Herzens an dieser Stätte seiner Jugend hing. Er zog die Klingel, und sein Blick blieb auf dem kleinen Loch haften, das sich zur zu seiner Arbeit. Er hoffte im stillen, mit die sem Werk der Wissenschaft einen Dienst erweisen zu können, da es sich um Beobachtungen handelte, die er durch sein langjähriges Studium der Tierseele mit Tatsachen belegen konnte. lächeln. Dieses Loch rührte von der Kugel einer Luftbüchse her, und der jugendliche Schütze war er gewesen. Auch eine Erinnerung, dachte er. Ein Mädchen öffnete und blickte ihn fragend an. Van Dongen nannte kurz seinen Namen. Er griff zum Federh^ter und war bald ^„te. Herr Doktor, die Garderobe befln einige Stunden an den Schreibtisch gefesselt!^» sich gleich llnks * Ah> sle wissen ^ Erst ein energisches Klopfen an der Tür Bescheid hier. Die Herrschaften sind im Win- unterbrach sein stilles Schaffen. Itergarten. Soll ich Sie anmelden? Pauline trat «in. * „Ich bitte darum.“ Van Dongen legte Hut und Mantel ab. Einen Augenblick später öffnete sich die Tür des Salons und Reinhards Vater erschien. „Das ist recht Reinhard, daß du Wort hältst Wir sitzen im Wintergarten. Da kannst du gleich deinen Schwager und Erikas Bräutigam kennenlernen.“ Der Geheimrat faßte seinen Sohn jovial am Aermel und schritt mit ihm durch den Salon. Dann fühlte van Dongen, wie eich alle Blicke auf ihn hefteten. Er tah eigentlich nur Erika, die plötzlich auf stand und ihm um den Hals fiel, während Gisela in abwartend kühler Haltung neben ihrem Gatten stand. Der Herr Gehelmrat übernahm die Vorstellung seines Sohnes, und um- das Peinliche d-r Situation rasch zu beenden, nötigte er den Sohn in den Klubsessel, der bereits auf den Gast gewartet hatte. „Du hast gleich Gelegenheit, meine alte Lleb- UrPsnv»rke zu pronieren, Reinhard." Der Griieimrat hielt dem Sohn ein Glas goldgelben Mosels entgegen. „Trinken wir auf unser Wiedersehen!“ Van Dongen ergriff gerührt das Glas. Die Wärme, die von seinem Vater ausstrahlte, war echt Als aber der Blick an dem weißhaariger Haunt des Vaters vorbei auf das unbete'U-te Gesicht Gise’as fiel, durchfuhr es ihn in plötzlicher Kälte. Es mahnte ihn zur Vorsicht Er verstand diese stumme Sprache zu gut. Ihre Eitelke’t w?r zutiefst verletzt worden, a's si*> ihm jemals vergessen konnte, daß er ein Clown geworden war. Für sie würde er ewig ein Deklassierter bleiben. So saß er d»nn im Kmise d«r Seinlgen. bereit e'ne r se'ts d ! e ihm entvegengehraebt- Herzlichkeit zu erw'doro. andererseits w'» e'n Fechter 'n d-r Aus'°g-striiuog sl'e Ansniehm- »en verletree^-r Art mit. d°m p»- ; w- Hohn»* zurück zu we''-»n. f’e C~~~o-efb-'t s“ nes Aeußeren und die ruhige, sichere Art mit der er die Anwesenden maß, mochten auf den Justiznit und auch auf den Bräutigam Erikas ihren Eindruck nicht verfehlen, denn in der nun folgenden zwanglosen Unterhaltung geschah nichts, was van Dongen als eine Spitze gegen sich hätte betrachten können. Im Gegenteil, der Just’zrat bot ihm das brüderl'-he Du an, und der Bräut'o-m Ericas nutrig die Gelegenheit, sieh der Geste des Justizrats anzu- schliePen. Schließlich g*b Erika ihrc-ri Bcud°r »'"«n Wink, d’ß »r 'h r fo’oen solle, und a 1 * Frika hlnausschritt, ging van Do“”n s<* ; ner S-'-weiter nach. Er fand sie am Treppenaufgang. ..Du hari doch sicher Lust Reinhard, dir dein AilerbeiliPs*es nochmals enzusehen. ich mrioe, dein Zimmer. Es ist all°s so seit 'tem Augenblick, da du es veri'»"°ri. Ich habe datür gesorgt daß nichts angerührt wurde. Er fühlte es heiß in sich aufsteigen. „Ich danke dir, Erika.“ Es war wirklich so, wie Erika sagte. Dort s. nd das Bücherregal mit se'-en IüeMinps- werken. Er trat ans Fenster. Wahrhaftig, an dem vorspringenden Giebel des Hauses hing noch der alte Starenkasten, an dem er vor Jahren, wenn der Frühling kam, das Leben und Treiben der Familie Star beobachtet, und die seine erste Liebe zu den Tierep geweckt h tte. „Wie schön, daß du wieder helmgekommen bist Re’nhard“, sagte Erika plötzlich hinter ihm. „Wirst du nun bleiben, wie du’s dem Vater versprochen hast, Reinhard?“ Da war s ! e wieder, die Kette, die er einmal mutwillig zerbrochen Es keimte etwas von der alten Feindschaft zwischen ihm und seinen Angehörigem (Fortsetzung folgt) DER ALTE HERR ERINNERUNGEN AN HINDENBURG Eine Artikelfolge von Rolf Brandt ZITortsetaung Friesisches Intermezzo Auf der Insel selbst in Westerland war natürlich der übliche Empfang vorbereitet. Mit besonderer Betonung der Ausnahme hatten sich auch Friesinnen bereit erklärt, den friesischen Tanz auf der kleinen Bühne vorzuführen. Als die etwas eintönige Musik ertönte, erwarteten wir alle den üblichen Fischertanz; aber plötzlich wurde die Reihenfolge der Töne schneller und diese friesischen Mädels wirbelten da herum in einer Weise, wie man es glaubt, sonst nur in Neapel zu sehen. Bei einer Wendung, die von dem Tanz vorgeschrieben war, standen die Röcke wie Wagenräder in der Luft. Selbst Bindenburg war erstaunt über so viel Temperament, obgleich sein Spaß an solchen Dingen sehr gering war. Da gab es im Hintergrund des Saales ein furchtbares Gebrüll. Erst flog ein Saalordner durch das Fenster, dann der zweite und sehr bald der dritte. Die Musik aber spielte weiter, als wäre dies nicht besonders beachtlich. Schließlich aber flog auch durch das zweite Fenster, das nun schon der Gruppe um den Reichspräsidenten näher war, eine dunkle Gestalt durch die Luft und irgend ein Ministerialrat aus der Umgebung begab sich nach hinten, um zu sehen, warum denn diese merkwürdige Unterbrechung stattfände. Die Musik brach ab, und Bindenburg erhob Sich, plötzlich, ohne daß man ihn selbstverständlich hindern konnte und sah in den dunklen Hintergrund des Saales. Da stand ein riesiger Friese, fast noch größer als Bindenburg selbst, sicherlich aber sehr viel jünger, und er warf die Saalordner, die man für genügend zum Schutze der Ordnung gehalten hatte, einen nach dem andern zum Fenster hinaus. Wirres Haar flatterte über sein hochrotes Gesicht, und seine Augen schossen Blitze. Bindenburg machte eine Bewegung mit der Hand, der Mann schüttelte wiederum zwei oder drei Burschen, die ihn festhalten wollten, zur Seite und stand vor dem Reichspräsidenten. Es war wohl eine der erstaunlichsten Gruppen, die man sich vorstellen konnte, die beiden großen Männer, der eine mit weißem Haar vom Alter und der andere mit dem fast weißen friesischen Blondhaar. Der eine ruhig, der andere sichtlich vor Wut unbezähmbar. In dem Augenblick, wo der Friese vor dem alten Generalfeldmarschall stand aber, nahm er sogar etwas wie Haltung an. Er erklärte kurz und gut, obgleich man Bindenburg diese Erklärung erst übersetzen mußte, daß es eine ,jn-F'riesland jedenfalls unmögliche Sache sei, daß sein Mädel da in der Form vor fremden Augen tanzen müsse. Das dulde er nicht, das werde er nicht dulden und das habe er nicht zu dulden. Bindenburg nickte ihm zu, er habe ganz recht, er könne sich das zwar nicht mehr so gut vorstellen, aber er verstehe vollständig die Gefühle, die er da zum Ausdruck bringe. Dann sprach er, so weit ich mich erinnere, sogar einen Satz westpreußisch, deh aber nun auch wiederum niemand verstand: „Ick habe ihr nuscht abjeguckt!“ Das sah auch der Friese ein, und er nickte. Dann machte Bindenburg wieder eine Bewegung nach der Bühne und sagte zu dem Verantwortlichen dieses friesischen Heimatfestes nur die Worte: „Das Mädel her!“ Es gab keinen Widerspruch, so wenig auch die junge Schöne wollte. Sie trat heran, Bindenburg nahm ihre Hand und legte sie in die ihres riesigen Bräutigams, der ebenso schnell beschwichtigt schien wie er aufgebracht war. „So, nun laßt die beiden 'raus“, sagte Bindenburg, „und macht mir kein Nachspiel, bitte, ich lasse mich erkundigen. Es war sehr schön“, sagte er dann zu dem Veranstalter, „aber schließlich lohnt es sich.nicht, sich deshalb verprügeln zu lassen.“ Fr ließ sich dann noch alle Tänzerinnen vorstellen, und ab und zu ging ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er sich für den schönen Tanz bedankte. Bei dem ewig gleichen Ablauf solcher Staatsbesuche, die er ja sein ganzes Leben lang nur in etwas anderer Form kannte, ist ihm dieses kleine Begebnis da in Friesland lange in Erinnerung geblieben, und wenn man das Wort Westerland später einmal sagte, zog jedesmal ein Lächeln über sein Gesicht. Es sei ausdrücklich dabei vermerkt, es wäre übertrieben, das ganze als eine Art Episode zu bezeichnen. Es dauerte noch nicht drei Minuten und war im Grunde nichts als eine kleine Geste des Mannes, der für alle menschlichen Dinge viel mehr Verständnis aufbrachte, als man von seiner so militärischen und zugeschlossenen Haltung erwartete. Vom Berliner Bildhauer K. Harald Isenstein geschaffene Büsten des Reichspräsidenten von Hinden« bürg und des verstorbenen ersten Reichspräsiden ten Friedrich Ebert. Männer um Hindenburg Man darf natürlich nun aus diesen Aufzeichnungen, die ja nur auf persönlichen Erinnerungen beruhen sollen, nicht schließen, daß sich der Tageslauf des Reichspräsidenten nur aus solchen Dingen zusammensetzte. Es war sehr schwer für ihn, sich in dem politischen Wirrwarr seiner Aufgaben zurechtzufinden, und zunächst wählte er seine nähere Umgebung — es blieb ihm ja auch gar nichts anderes zu tun;— nach dem Grundsatz, Männer zu finden, die im Amt der Reichskanzlei, um es so auszudrücken, nicht neu waren. Er pflegte dabei niemals zu vergessen, auch nach militärischen Dingen zu fragen, und dies war ja nun für diese anderen Aufgaben keineswegs maßgebend. Der Hauptmann in einem Eisenbahnerregiment, Meißner, der sich schon dem ersten Reichspräsidenten Ebert durch die Ordnung auf einem Berliner Bahnhof, wo er befehligte, empfehlend in den Blick geworfen hatte, wurde nun auch unter vielen Titeln schließlich der Vorsteher der Kanzlei des Reichspräsidenten. Er hatte das E. K. I aus dem ersten Weltkrieg. Das empfahl. Er hatte Routine in der Erledigung auch der schwierigsten Dinge, und das empfahl. Der damalige Reichspressechef Zechlin hatte auch das E. K. I aus dem ersten Weltkrieg und einen außergewöhnlich starken Mutterwitz. Das empfahl. Daß er einer Partei angehörte, die dem Wesen des Reichspräsidenten keineswegs wohlwollend gegenüberstand, weil sein früherer Beruf ja eben General gewesen war, tat wenig zur Sache. Zechlin erschien des Morgens um acht Uhr, es kann auch früher gewesen sein, und gab den Pressebericht Dabei erzählte er aber zwei bis drei der besten Berliner Witze, die gerade in der Hauptstadt h'erumliefen. So fing der Tag wenigstens nicht mit dem grausigen Aerger an, der ihn sonst erfüllte, und Zechlin hatte es später, auch nach dem Tode Hindenburgs, der Fürsorge des Ver ewigten zu danken, daß er in ein angenehmes diplomatisches Amt nach Mexiko kam. Ich habe übrigens auch später bei allen möglichen und sehr ernsten politischen Angelegenheiten festgestellt, daß selten jemand dem Mutterwitz dieses Pressechefs Zechlin gewachsen war. Er hat sich darüber einmal in Genf im übrigen etwa so geäußert: „Es wäre ja eine wirkliche Schande, wenn ich mich weniger unvoreingenommen zeigen würde als der Reichspräsident. Dat feuert doch an!“ Politische Folgerungen aus diesen Betrachtungen sollen, wie bei dieser ganzen Erinnerungsreihe, nicht gezogen werden. Es ist im übrigen oft genug geschehen. Zum zweitenmal Reichspräsident Nach der Wiederwahl Hindenburgs am 10. April 1932 im zweiten Wahlgang mit über neunzehn Millionen Stimmen zog sich der nun fast Fünfundachtzigjährige viel stärker noch zurück als während seiner ersten Amtsperiode. Er hatte diese zweite Wiederwahl nur sehr schweren Herzens auf sich genommen. Er brach, als er nun die verschiedenen politi- tf Safe* 6» sehen Manöver sah, die diesmal besonders stark mit seiner Wiederwahl verknüpft waren, von tiefstem Gram erfüllt in die Worte aus: „Mein Gott, wo ist das Rechte! Mir altem armen Mann hilft niemand!“ Immer einsamer wurde der Greis. Er stand nun schon zu Lebzeiten wie ein Mythos inmitten seiner Nation. Er war für viele schon eine Statue geworden, ragend, schwer, groß, und man glaubte, er sei fast unbeirrbar vom Lärm und Gewoge der Zeit. Dabei war der alte Mann bis zu seinem Tode ein Mensch, der täglich seine Aufgabe neu erwerben wollte. So wie Bismarck in den Jahren vor dem Tode den „Alpdruck der Koalitionen“ gegen Deutschland hatte, so hatte ihn der alte Reichspräsident in der Möglichkeit eines Bürgerkrieges. Diese Möglichkeit auszuschalten, hat wohl auch seine letzten verhängnisvollen Schritte bestimmt. In den letzten Jahren seines Lebens wuchs die Enttäuschung und die Erkenntnis menschlicher Eigenschaften und Schwächen, so daß bei dem hohen Alter oft dies Uebermaß des Eindringens zu einer Art Erstarrung führte. Leites Gespräch: beinahe in Bismarcks Räumen Im ereignisschweren Dezember des Jahres 1932, genau am 21. Dezember, saß ich dem Reichspräsidenten zuletzt in dem großen Arbeitszimmer gegenüber, im Hause Bismarcks in der Wilhelmstraße in Berlin. Das elektrische Licht mußte dauernd in dem Raum brennen. Der Reichspräsident redete wie immer ganz einfach. Er sprach gleich in der ersten Minute davon, mit einer Handbewegung zu dem elektrischen Licht, daß er „mal eine Stunde fortrenne in den großen Park.“ Wieder formte die Hand eine Bewegung, als ob er die Bäume streicheln wolle. Eg war mein letztes persönliches Gespräch mfe Hßp» xep&?t*a Mann. Vor dem Reichskanzlerpalais, auf dem während der Zeit, da das Haus des Reichspräsidenten erneuert wurde, die Standarte wehte, gingen die badischen Posten des Wachtregiments mit dem gelb-rotgelben Schild am Stahlhelm auf und ab. Auf dem Fenstertisch in der Vorhalle lag da* Gästebuch mit den großen Namen aus aller Welt. Gesandten, Botschaftern, Ministem und Freunden des Hauses. Um die Mittagszeit ging ein Lachen und helles Sprechen durch die Behutsamkeit de® alten Vorraumes: die Enkelkinder Hindenburgs kommen vom Spaziergang und stürmen die Treppe nach oben hinauf. Der Reichspräsident saß an seinem mach* tigen Arbeitstisch, auf dem eine hohe Stehlampe mit gelbem Pergamentschirm, wie schon erwähnt, dauernd brennen mußte. Das Licht vom Park war sparsam. Es ist nicht das Arbeitszimmer Bismarcks, das liegt nebenan. Auch damals, man mußte natürlich daran denken, während man in diesen Räumen weilte, brannte der Schein einer hohen silbernen Lampe und halb liegend ließ sich der -Alt- Reichskanzler referieren. „Nein, hier war nicht Bismarcks Arbeitszimmer“, sagt Hindenburg. In seinen Augen taucht es wie ein Lächeln auf. Wie es ja überbauet erstaunlich ist. über welche Ausdrucksmöglichkeit dieses alte Gesicht noch verfügen kann. „Nein, das möchte ich auch gar nicht, wo der hohe Herr... “ Er deutet auf das Nebenzimmer: „Das war da. Ich wundere mich allerdings, wie er da* mit den Augen ausgehalten hat die langen Jahre. Mich stört das künstliche Licht den ganzen Tag. Einfach gräßlich!“ Es war um diese Zeit, also im Dezember 1932, als der große Ansturm auf den alten Mann begann, nach meiner bescheidenen Auffassung von dieser immerhin recht langen Unterredung war es nicht so, als sei er abgeschlossen vor dem Kampf und als habe er resigniert. Es war das Gesicht eines sehr alten Mannes, das ich da mir gegenüber sah, aber in den Augen konnte ein Ausdruck von Entschiedenheit und einer festen Stellung treten. Die leisen Ironien, die man früher schon spürte, allerdings waren wohl stärker geworden. Sie schwangen oft im Hintergrund der Stimme. Es ergab sich zunächst von selbst, daß Hin- denburg auf Militärisches zu sprechen kam. Wenn man wirklich warm in der Unterredung mit dem alten Herrn werden wollte, redete man ihn ja auch besser mit .Herr Generalfeld- marschall’ an. Er sagte: „Die Winterschlacht haben Sie mitgemacht? (Die Winterschlacht in Ostpreußen 1914 bei dreißig Grad Kälte). Es war die Schlacht des Mannes. Es ist ja gar nicht oft genug gesagt und wiederholt worden, was der einzelne Mann geleistet hat. Immer geleistet hat! Marschieren, marschieren in der Saukälte dieser Schlacht. Ach, sehen Sie, dfe Führung ...“ Es ist dieses ganz leichte wie ferne Lächeln unter den schweren Augen: „Von der Führung weiß ich auch einiges.. Eine kleine Pause. In dieser Pause ist alles gesagt. Es ist die Herzenspause eines sehr großen und innerlich bescheidenen Mannes. Er schiebt aber auch viele geschwätzige Tagesworte anderer ohne Handbewegung beiseite, Immer der Dank an den Mann und an die Mitarbeiter, so sehr sie auch oft den alfeh Mann mitverstanden haben. Als man Hindenburg den Entwurf für die Inschrift des Denksteins für Osterode vorlegte, wurde er ärgerlich: „Sie haben doch Ludendorff vergessen!“ Er hatte mir schon in Hannover einmal sein Verhältnis zu Ludendorff in einem Satz auseinandergesetzt. Er verstand ihn nicht mehr. Er sagte damals, und er stand am 21. Dezember 1932 noch genau bei derselben Auffassung, als er von dem „tschechischen Gefreiten“ Hitler sprach — am 21. Dezember 1932! —: „Was wollen Sie, er ist doch nur diti Trommler, und haben Sie schon einmal gehört, daß ein General einem Trommler nachläuft?“ Hindenburg über Hitler Als in diesem letzten Gespräch der NaA» Hitler fiel, eben des „tschechischen Gefreiten“, fragte er mich plötzlich: „Kennen Sie ihn übrigens?“ Ich bejahte. „Na und?“ sagte er etwfes ungeduldig. Das war nun eine schwere Frage. Es bedeutete eine Einmischung, zu der ich sicherlich nicht von dem alten Herrn zu dieser Unterredung ausdrücklich bestimmt war. Ich erwiderte aber nach meiner Ueberzeugung: „Ich" glaube, etwas hysterisch, Herr Generalfeldmarschall.“ „Etwas 1s j u t!“ sagte Hindenburg, indem er sich mit der rechten Hand, eine Angewohnheit, die ich sonst nie bei ihm beobachtet hatte, ganz leicht auf den Schenkel schlug und das Wort wiederholte. Dann brach er das ganze Thema ab und ging unvermittelt auf die Schwere der Aufgabe des Reichspräsidenten, über. Das große Gesicht bekam einen fast leidenden Ausdruck. Er sagte sehr langsam jedes Wort floß förmlich durch den Raum: „Das ist schwer, sich immer mehr trennen zu müssen, von Männern, mit denen man gearbeitet hat und die gearbeitet haben. Es ist die schwerste Pflicht des Staatsoberhauptes.“ Er sagte das selbstverständlich gar nicht mit Pathos, er machte eine Handbewegung, als sähe er eine Reihe: „Es kann ja wohl nicht anders sein. Parlamentarismus verbraucht die Männer.“ Dann fügte er hinzu, ohne jede besondere Betonung: „In Deutschland hat jeder einzelne seine private politische Meinung und hat unbedingt recht nach dieser seiner Meinung.. Das Gespräch kam dann auf ein paar Männer, nun längst verstorhep, die Hindenburg besonders nahestanden und die mir erzählt hatten, wie schwer der Reichspräsident unter den verschiedenen politischen Angriffen gelitten habe und wie sein alter Körper geradezu erschüttert wurde von dem Anprall der Entscheidungen. Wie er mit sich und seinem Gott rang. Schluß folgt. Soraya wird Kaiserin von Persien Die 18jährige Tochter einer Deutschen — Unter Tausenden gab der Schah ihr den Vorzug Im November oder Dezember wird der Orient wieder einmal in verschwenderischer Pracht eine Königshochzeit feiern, Mohammed Reza Pahlevi, der Schah von Persien, hat die 18jäh rige Soraya Isfandiari zu seiner zweiten Frau auserwählt. Weil sie ihm in neunjähriger Ehe keinen Sohn schenkte, verstieß er Prinzessin Fawzia, seine erste Gattin, die Schwester König Faruks von Aegypten. In Kairo war man ob dieses Affronts verärgert und beschuldigte die Zwillingsschwester des Schahs, die energische Prinzessin Aschraf, böser Ränke. Sie tyrannisiere den nachgiebigen Mohammed Reza Pahlevi, habe ihm immer wieder vorgehalten, daß der Thron nach persischem Recht nur an einen männlichen Nachfolger vererbt werden kann, daß die zierliche Aegypterin nie einen Sohn gebären werde. Fawzia mußte gehen. Der junge Schah blieb allein hinter den hohen Mauern seines Marmorpalastes. Aber schon ein Jahr später verbreitete sich das Gerücht, der „König der Könige“ beabsichtige, eine neue Braut heimzuführen. Wer wäre geeigneter gewesen als er, ein Frauenherz höher schlagen zu lassen! Wohlaussehend, kul- riricri, muskn’ös. Besitzer eines Vermögens, das auf etwa 300 Millionen DM geschätzt werden kann, steuerfreies Jahreseinkommen von 1 Million DM. Kein Wunder, daß die Prinzes- •innen Arabiens danach schmachteten, von einem Blick des 30jährigen getroffen zu werden! Aber auch in Amerika drängten sich die Filmstars Hollywoods und die reizendsten Tänzerinnen des Broadway um ihn. Aber er widerstand den Atombomben des Sex-appeal und meinte mit orientalischer Höflichkeit, er bedauere. auf soviel Schönheit verzichten zu müssen, weil er nur eine Perserin oder Muselmanin heiraten dürfe. Kaum war dieses Stichwort gefallen, so begannen die Perserinnen einen Generalangriff. Fnäter verlautete, keine der Prinzessinnen gefalle dem Schah. Da er sowieso nur der Sohn eines ehemaligen Kosakenkapitäns sei, halte er nun nach einer Bürgerlichen Ausschau. Für ihn zähle nur die Schönheit, Geld und Klasse bedeuteten ihm nichts. Die Werbung erreichte bald solche Ausmaße, daß sich die Schönsten des Landes mit all ihren Reizen auf Photos in Magazinen anboten, von denen bekannt war, daß sie der König las. Aber er wählte zur völligen Ueberraschung der Welt eine, von der noch niemand gesprochen hatte, eine, die sich ihm nicht aufdrängte: die 18jährige Soraya Isfandiari. Schwarzes Haar, dunkle Augen, helle Haut, ein katzenhaft elastischer Körper, ein großer runder Mund, der Märchen aus Tausendundeiner Nacht verspricht. Soraya heißt Stern. Bisher war sie der Stern ihres Vaters, des reichen Persers Isfandiari aus I späh an (Mittelpersien), und ihrer Mutter, einer Deutschen. Einer der 300 obersten Familien des Iran entstammend, bringt sie ihrem kaiserlichen Gemahl also nicht nur Schönheit, sondern auch die Macht und den Einfluß ihres Vaters, der besonders beim Stamm der Bakhtiaris im Gelgebiet großes Ansehen genießt. Bisher grollten die Bakhtiari* dem jungen Schah, weil sein Vater, der alte Gewaltherrscher Reza Shah, sie so brutal unterdrückte. Auf diese Weise hält die traumhafte Hochzeit des Morgenlandes auch politische Be deutung. In den vergangenen Jahren weilte die schöne Soraya in Schweizer Schulen, wo sie, wie so viele Orientalinnen, eine erstklassige Ausbildung genoß. Den Schah sah sie nur einmal vor einem Jahr, während seines Europabesuches in Paris. In der persischen Botschaft tanzte sie mehrmals mit ihm. Ihre Schönheit berauschte ihn, und ein Jahr später schickte er, der von Natur aus etwas schüchterne, zurückhaltende Monarch, seine Schwester Sham nach Paris, um mit „ihr die Zukunft zu besprechen“. Seit jenem Abend in der Botschaft hatte die Siebzehnjährige oft an den schönen, mächtigen, | schüchternen, jungen Kaiser gedacht. Sie wil-; ligte daher begeistert ein und flog mit des Schahs Schwester nach Teheran. Koffer voll ; herrlicher Kleider nahmen sie mit. die sie in ■ Paris eingekauft hatten. Nur eine Wolke droht j noch an Sorayas blauem Himmel. Aschraf, die! herrschsüchtige Zwillingsschwester des Schahs. Wird sie der kritischen Prüfung durch Aschrafr strenges Auge standhalten? Wird seine Schwester es ihr so schwer machen wie Fawzia? Dl6 langsame 5 / Kurzgeschichte von Josdü Neck PRD. Bogumil Mückebein hockte in dem großen Kontorraum der Firma Alexander Peekenburg an seinem Schreibtisch und schrieb als einer unter vielen langsam, Zahl nach Zahl, Buchstabe nach Buchstabe, Komma, Punkt und Doppelpunkt. Plötzlich rief eine Stenotypistin schrill herüber: „Herr Mückebein — ans Telefon!“ Hastig sprang er auf und riß die Muschel ans Ohr. „Hier Hauptkasee. Kommen Sie bitte sofort! Sie bekommen 347 Mark zuvielgezahlter Steuern aus dem Jahre 1946 zurück.“. Der kluge Papagei / von Ha SS o Graf Als ich kürzlich meinen Freund in einem Dorf bei Potsdam besuchte, traf ich ihn in heller Aufregung an. „Denke dir nur“, sagte er, morgen muß ich zur Gerichtsverhandlung nach Potsdam. Du weißt doch, daß mein Papagei immer ruft: „Nieder mit der SED!“ nicht wahr? Neulich kam nun der Kreissekretär und wollte mich zum Eintritt in die Partei überreden. Kaum hatte er den Mund aufgemacht, da brüllte Lore: „Nieder mit der SED!“. Du kannst dir denken, was da los war. Nun sind Lore und ich an geklagt — wegen Sabotage! Morgen ist, Verhandlung. Da soll Lore dann die sabotierenden Worte wiederholen!“ „Kann denn das Vieh nicht einfach vorher sterben?“ „Daran hatte ich schon gedacht. Aber die andere Seite auch. Es wurde mir ausdrücklich mitgeteilt, daß ein plötzlicher Tod oder ein Verschwinden Lores als eindeutiges Schuldbekenntnis meinerseits aufgefaßt würde.“ „Dann bleibt nur eine Möglichkeit — Du mußt den Papagei austauschen!“ Zuerst machte mein Freund ein verständnisloses Gesicht, aber dann begriff er, was ich meinte. Und es fiel ihm ein, daß der Pfarrer im Nachbarort einen Papagei besaß, der völlige Aehnlichkeit mit Lore hatte. So setzte er sich bei Dunkelheit auf das Fahrrad und fuhr mit Lore davon, um schon nach kurzer Zeit mit dem Papagei des Pfarrers heimzukehren. Der Gerichtssaal war gefüllt bis auf den letzten Platz. Niemand wollte sich die Sensation entgehen lassen, einen Papagei die ergreifenden Worte: „Nieder mit der SED!“ rufen zu hören. Auf der Anklagebank saß mein Freund und neben ihm in seinem Käfig, streng bewacht von zwei Volkspolizisten, der Papagei. Man schritt zur Beweisaufnahme. Der Volksrichter sprach mit dem Papagei. Er versuchte, ihm die bösen Worte zu entlocken. Aber der Vogel blieb stumm. Das Gericht wurde unruhig. Da tat der Volksrichter etwas Furchtbares. Er stellte sich vor den Käfig und sprach langsam und laut die Worte: „Nieder mit der SED!“ Aber auch diese Provokation ließ den Vogel kalt.; Da drängte sich der Volksstaatsanwalt vor. „Gestatten Stev Herr Kollege, darf ich einmal?“ Und er brüllte mit lauter Stimme: „Nieder mit der SED!!“ Aber der Papagei schwieg. Einige Anwesende glaubten lediglich ein leichtes Lächeln um seine Schnabelwinkel spielen zu sehen. Im Geiste sah der Volksrichter bereits seinen schönen Prozeß platzen, da kam man ihm zu Hilfe. Die Volksschöffen, d'e Volksbeisitzer, die Volkspolizisten und schließlich auch die Volksgenossen — alle drängten sich um den Käfig und jeder schrie mit aller Kraft: „Nieder mit der SED!!“ Der Vogel schwieg. Da machte der Volksrichter den letzten Versuch. „Nicht alle durcheinander, im Takt bitte. Ich zähle eins — zwei — drei!“ Und im Chor hallte der Ruf durch den Saal: ..Nieder mit der SED!“ Dieses einmütige und geschlossene Bekenntnis nun schien dem Vogel zu gefallen. Er spreizte die Flügel, steckte den Kopf durch das Gitter des Käfigs und rief mit krächzender Stimme vergnügt: „Der Herr erhöre Euer Flehen. Amen!“ Bogumil Mückebein raste im Dauerlauf zur Kasse. Dort wußte man von nichts — zuerst staunte man, dann aber wurde die gesamte Hauptkasse durch ein homerisches Gelächter in ihren Grundfesten erschüttert. Zähneknirschend kehrte er an seinen Platz zurück. Da hatten ihm Kollegen wieder einmal einen Scherz gespielt! Als er gerade mit dem senkrechten Strich eine 5 zu malen begonnen hatte, hörte er erneut: „Herr Mückebein: Telefon!“ Wütend winkte er ab, nahm aber dann doch den Hörer. „Hier Kulicke, Portier. Kommen Sie doch einmal zur Portierloge, es ist ein Paket für Sie abgegeben worden!“ Wenige Sekunden später sprang Bogumil Mückebein die 6 Treppen hinunter und kam atemlos beim Portier an. Keuchend fragte er nach dem Paket. Aengstlich zog sich der alte Mann in seine Loge zurück, da er annahm. Mückebein sei nicht ganz bei Sinnen. O diese Kollegen! 10 Minuten danach hockte Bogumil Mückebein ingrimmig wieder an seinem Schreibtisch u. malte gerade die untere Rundung der 5 als er wiederum ans Telefon gerufen wurde. Er holte tief -Atem, wuchs über sich selbst hinaus und hatte mit einem Ruck den Hörer am Ohr. Zynisch grinsend hörte er die befehlenden Worte: „Hier Direktor Peekenburg! . Ach, Herr Mückebein, bemühen Sie sich doch einmal zu mir!“ Da packte Bogumil Mückebein die kalte Wut. Er brüllte: „Du verdammter Idiot! Laß mich endlich in Ruhe! Meinst Du. ich habe meine Zeit gestohlen?! Ich arbeite, Du Hammel!“ Damit knallte er den Höhrer in die Gabel, so daß alle Insassen des. Raumes ehrfürchtig verharrten. Kurz darauf wurde die Tür aufgerissen, der Bürovorsteher trat ein und rief mißbilligend: „Herr Mückebein, sofort zum Herrn Direktor Peekenburg!“ Als Bogumil Mückebein angstschlotternd in das Allerheiligste trat, rief ihm Direktor Peekenburg begeistert entgegen: „Mann, Sie gefallen mir! Am Telefon haben Sie endlich gezeigt, daß Sie Energie haben! Solche Leute brauche ich. Ich wollte Ihnen gerade Ihre Entlassung mitteilen, aber nun befördere ich Sie zum Prokuristen und zu meinem persönlichen Ratgeber!“ Modelfier-Kiinsffer bei Hagenbeelt Hamburger Schulen halten Ihren Werkunterricht im Tierpark Hagenbeck ab. Klassenweise fahren sie einmal in der Woche hinaus, wo die Schüler sich dann vor den verschiedenen Tiergehegen nieder- lassen und aus Modellierton nach den lebenden Modellen ihre Plastiken gestalten. Dabei kommen oft erstaunliche Talente ans Tageslicht. fUeittet WeUstUfyä. Die statistische Abteilung einer Autofabrik in Detroit (USA) ließ die gesamte Belegschaft des Werkes mit einem Lügendetektor auf ihre betriebliche Ehrlichkeit abtasten. Zwei Arbeiter erschienen auf dem Lochstreifen des Wahrheitsautomaten als Diebstahlsverdächtig. Bei dem einen wurden 200 Papierservietten, bei dem anderen vier Rollen Toilettenpapier gefunden. Der Test kostete 1 300 Dollar. ch * Mit imitierten Fernsehantennen macht eine Firma in Los Angeles (USA) ein Bombengeschäft. Käufer sind: Erstens Leute, die sich keinen Fernsehempfänger leisten können, aber „wegen der Nachbarn“ wenigstens so tun wollen als ob, und zweitens die Hausfrauen, die auf diese Weise die unzähligen Vertreter für Fernsehapparate schneller los zu werden hoffen. :;r.o Dichterruhm Der Mann mit dem Ehrgeiz nach literarischem Ruhm und der Theaterdirektor standen wenige Minuten vor Beginn der Vorstellung auf der Bühne und sahen durch das Loch im Vorhang in den fast leeren Saal. „Das ist doch keine Sache“, sagte der Dichterling, „jedesmal, wenn nur einige wenige Karten verkauft sind, führen Sie ein Stück von mir auf, Herr Direktor!“ pf. Der Mann Fräulein Schön war Modeberichtenstatterin beim Verlag Frauenfleiß u. Co. Eines Tages erhielt sie ihre Entlassung. „Warum, meine Herren?“ — „Unsere Leserinnen behaupten, Sie wären ein Mann.“ „Wie kommen Sie denn auf diese verrückte Idee?“ — „Weil Sie immer wieder schreiben, wie man alte Hüte ohne große Kosten zu neuen umarbeiten kann.“ pf. Ein neues Dogma Zum ersten Mal seit 80 Jahren ist die katholische Kirche entschlossen, der überlieferten Glaubenslehre ein neues Dogma hinzuzusetzen, das die verleiblichte Himmelfahrt Mariä als Glaubenswahrheit feststellt, die damit für 420 Millionen Katholiken in der ganzen Welt verbindlich wird. Ueber 200 Bischöfe und 20 Kardinäle werden an dieser überragenden Feierlichkeit teilnehmen. Es handelt sich damit um die größte Versammlung höchster katholischer Würdenträger seit 1300 Jahren. Schon an der Wende des 6. Jahrhunderts, als der Festtag von Mariä Himmelfahrt von der Kirche eingeführt wurde, vertrat man in den klerikalen Kreisen genau so wie in den breiten Volksschichten die Auffassung, daß die Himmelfahrt Mariä körperlich zu verstehen sei. Um dieses Dogma aber zu proklamieren, bedurfte es einer jahrhundertelangen Klärung. Bereits im Jahre 1940 hatten sich 113 Kardinäle, 2523 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe und 82 000 Priester. Mönche und Nonnen für das Dogma ausgesprochen. Trotzdem verfügte Papst Pius XII. im Jahre 1946. daß alle Bischöfe und führenden Kirchenmänner noch einmal befragt würden. Die päpstliche Kanzlei übersandte jedem im Amt befindlichen Bischof sowie den Aebten und Priestern ein entsprechendes Schreiben. Die vom Vatikan veröffentlichten Antworten bestätigen, daß eine absolute Mehrheit der katholischen Geistlichkeit sein Einverständnis mit dem neuen Dogma erklärt. 1169 Bischöfe, also 98,2 Prozent, setzen sich für das neue Dogma ein und halten es auch für richtig, daß es nunmehr verkündet wird. Nur 22 Bischöfe äußerten einige Zweifel, und 16 gaben ihren Zweifeln darüber Ausdruck, daß die Zeit für die Verkündung des Dögmas reif sei. 6 Bischöfe glauben nicht, daß es richtig ist, das Dogma als erwiesene Glaubens- WLhrheit hinzustellen. Insgesamt wurden 2091 Kirchenmänner be- Lagt, von denen bisher 1916 geantwortet haben und wobei sich 1884 für und nur 32 gegen das Dogma Aussprachen. Auch in der griechisch- katholischen Kirche hat eine Mehrheit für das neue Dogma gestimmt. 53 von 54 Patriarchen haben sich für die Verkündung der verleiblichten Mariä Himmelfahrt durch den Heiligen Vater ausgesprochen. R. Features Indiens neuester Wundei-Yogi Indien, das Land zahlloser Wunder, ist wieder um ein neues bereichert worden. Ohne mit irgendwelchen Instrumenten zu arbeiten, hat der 50jährige Yogi Jeevram Vyas die Fähigkeit entwickelt, in bisher als völlig wasserlos berüchtigten Gegenden mit mathematischer Genauigkeit unterirdische Wasservorkommen festzustellen. Er fährt in einem Wagen umher, schließt plötzlich die Augen und deutet auf eine bestimmte Stelle. Da noch keine Grabung ohne Erfolg geblieben ist, hat das Landwirtschaftsministerium ihn zu einem der bestbezahlten Angestellten gemacht Der Minister persönlich mußte ihn kürzlich, als er sich wieder der Kontemplation in seiner Waldeinsamkeit widmen wollte, überreden, seine für das Land unschätzbare Arbeit weiter zu verrichten. Selbst Ministerpräsident Pandit Nehru interessierte sich, zunächst reichlich skeptisch, für den Fall und forderte den Yogi auf, in dem Flüchtlingslager Faridabad, in dem man eine Wasserleitung für eine Million Rupies legen lassen wollte, nach unterirdischen Quellen zu forschen. Die kostspielige Wasserleitung hat sich bald als überflüssig erwiesen, nachdem auf Hinweis des Yogi dort acht Bohrversuche erfolgreich waren. Das Landwirtschaftsministerium hat jetzt eine offizielle Liste aller der Stellen veröffentlicht, an denen er unterirdisches Wasser entdeckt hat, darunter Plätze in dem trockenen und von Hungersnot bedrohten Staat Sauraschtra im Nordwesten und in der bekannten Wüste Rajputana. Jeevram Vyas ist heute in ganz Indien unter dem Namen Pani Maharaj bekannt, was zu deutsch Wasserkönig bedeutet. (real) Wie wirken Pilzgifte auf den Körper? Alljährlich sterben Dutzende 1 von Menschen nach dem Genuß giftiger Waldpilze. Sie sind außerstande, einen Steinpilz von seinem giftigen Verwandten, dem Satanspilz, zu unterscheiden, oder den Champignon von dem gefährlichen Knollenblätterpilz. Aber sie sammeln Pilze. Und bilden sich ein, daß sie genießbar sind, wenn eine dazugekochte Zwiebel oder ein Löffel nicht schwarz anlaufen. Und sie essen das Zeugs... und sterben daran, eines qualvollen Todes. Der giftigste aller Pilze ist der grüne Knollenblätterpilz, der leicht mit ähnlichen Pilzen verwechselt werden kann. Sein Gift, Phallintoxin genannt, hat eine schreckliche Wirkung. Bald nach dem Genuß wird dem Vergifteten übal, schwere Leib- und Magenschmerzen treten auf, Erbrechen und Durchfälle. Nach diesem ersten Stadium der Vergiftung kommen Muskelschmeizen und ein starkes Durstgefühl hinzu. Schließlich, nach unsäglichen Schmerzen, schwindet das Bewußtsein und 2—3 Tage nach dem Pilzgenuß tritt der Tod durch Herzlähmung ein. Der Satanspilz, dessen rotes Futter uns schon Abschrecken sollte, hat ein harzartiges Gift, das die Schleimhäute des Verdauungstraktes reizt: es kommt zu schmerzhaften Krämpfen und Durchfällen. Jeder Wald'reund kennt den giftigen Fliegenpilz mit seinem Schuppengürtel. Er besitzt dreierlei Gifte: das Muskarin, das Cholin und das Pilzatropin. Es sind typische Nervengifte, besonders das Mu skarin, das im Norden Sibiriens ein beliebtes R a usch- rn i 11 e 1 ist. Muskarin erzeugt merkwürdige Sehstörungen und Halluzinationen. Der Kor- jäke, der von dem Gift genossen hat, sieht die Welt ganz verwandelt Alles wächst für ihn ins Riesenhafte, auch er selbst. Endlich sieht er sich so, wie er gern sein möchte: groß und fettleibig. Er wird gesprächig und großtuerisch, denn auch sein Selbstgefühl wächst ins Riesenhafte.- Er ist der Herr der Welt er sieht alles gewaltig: eine Schale Wasser wird ihm im Giftrausch ein wahrer See, ein Halm ein Urwaldbaum und ein kleines Erdloch zum Abgrund. Dieses Gift ist in manchen sibirischen Gegenden so begehrt daß es ein kostbares Handelsobjekt darstellt. Nicht selten hat ein Sibiriake ein Renntier für einen Fliegenpilz hingegeben. Das Gift hat die Eigenschaft, daß es nur zum geringen Teil vom Körper aufgenommen wird, der Rest scheidet aus. Bei richtigen Vergiftungen mit dem Fliegenpilz wird nach einem Zustand des Tobens, den das dem Tollkirschengift ähnliche Pilzatropin erzeugt das Herz matt, bis es ganz aussetzt In gewissen Jahren ist der Pantherpilz weit verbreitet ein weißgrauer Pilz mit scharf abgesetzter Knolle und weißem Ring. Sein Gift greift das Nervensystem an; der Vergiftete kann kaum mehr denken, er wird zum Automaten, der alles nachbrüllt, was man ihm vorsagt Auch Pilzkenner haben sich schon vergiftet; man lasse also alle Pilze, die man nicht genau kennt, stehen, denn gerade die giftigsten Pilze haben die Eigenschaft, den eßbaren täuschend ähnlich zu sehen. Universum. V Donnerstag, 25. Oktober 1950 Wohleb zum Wildbader Vorschlag Nadi wie vor für Wiederherstellung Badens — Schwierige Stellung im Bundestag — Freiburg hofft auf Unterstützung durch Hamburg und Bremen Freiburg. „Es kann keine Rede davon «ein, daß wir dem Auftrag, den die Volksbefragung uns gegeben bat. nämlich die Wiederherstellung des Landes Baden in die Wege zu leiten, nicht entsprechen Würden oder ihn irgendwie verwässern wollten“, erklärte Staatspräsident W ohleb auf einer Pressekonferenz in der Badischen StaatskanzleL Der badische Vorschlag auf der Konferenz der südwestdeut- Der Gedenktag der Kriegsgefangenen in Baden Staatspräsident Leo Wohieb wird am heutigen Donnerstag um 12 Uhr über den Südwestfunk sprechen. Die Schulen in Sfidbaden werden in einer schlichten Feier der immer noch in Gefangenschaft lebenden deutschen Soldaten gedenken. Wie in allen Teilen der Bundesrepublik wird dem Gedenken der Bevölkerung durch das Läuten aller Glocken um 12 Uhr auch äußerlich Ausdruck verliehen werden. sehen Ministerpräsidenten in Wildbad, ein Verwaltungsabkommen zu treffen, sei von der Erwartung ausgegangen, in einer Uebergangszeft den Beweis zu erbringen, daß eil d'e Angelegenheiten, die angeblich den Südweststaat notwendig machen, auch ohne diesen geregelt werden können. Stuttgart schiebe gegenwärtig immer mehr den Artikel 85 der württemberglseh-badischen Verfassung vor, nach dem eine Verfassungsänderung, wie sie d’e Ausgliederung Nordbadens erfordern würde, nur bei einer Zweidrittelmehrheit im Landtag möglich sei. Wenn es dabei blribe, dann hätte eine Volksbefragung keinen Sinn. Südbaden vertrete desha’b den Standpunkt, daß der Artikel 118 des Grundgesetzes, der ausdrücklich eine Neuordnung im südwestdeutschen Raum vorsieht, als Bundesrecht dem Landesrecht vorgehe und entgegenstehende Bestimmungen der einzelnen Länderverfassungen außer Kraft setze. Gegebenenfalls müßte der in Entstehung begriffene Verfassun^sgeriAtshof um eine authentische Interpretation des Artikels angerufen werden. Wenn men angesichts der Hemmnisse des Artikels 83 der württemberglseh-badischen Verfassung nicht zu einer Verabredung komme werde die Angelegenheit wahrscheinlich an den Bund gehen. Baden werde es gewiß nicht leicht haben, sich im Bundestag durchzusetzen aber schließlich müsse die südwestdeutsche Ländergrenzenfrage auch für den Bund als ein Schulbeispiel der Demokratie gelten. Wohieb wies darauf hin, daß Baden in seiner Auffassung von der Struktur der Bundesrepublik in der Person des Hamburger Oberbürgermeisters und zweifellos auch in der Bremer Bürgerschaft entscheidende Bundesgenossen gefunden haben dürfte, auch dort lehne man einen sogenannten Nordweststaat aus ähnlichen Erwägungen ab, wie sie Baden zur Ablehnung des Südweststaates veranlaßt habe. Wenn man schon dem Einheitsstaat zusteuere und einem echten Föderalismus widerstrebe, dann wäre es nach Ansicht Wohiebs richtiger und ehrlicher gewesen, bereits das Grundgesetz entsprechend zu gestalten, als jetzt auf dem Umweg über Verfassungsparagraphen und den im übrigen vorläufig suspendierten Artikel 29 des Grundgesetzes die föderalistische Struktur der Bundesrepublik, eben doch zu beseitigen. Wohieb sagte: „Ich warne alle diejenigen, die meinen, durch Majorisierung über unseren gerechten Anspruch hinwegzugehen zu können“ und bedauere, daß die so zahlreichen Belastungen ausgesetzte junge deutsche Demokratie durch die Schwierigkeiten der Regelung der Ländergrenzenfrage im Südwesten so diskreditiert werde. 60 Millionen für 12000 Wohnungen Das südbadische Bauprogiamm bis zum Ende des Haushaltsjahres Freiburg. In Südbaden würden bis zum Ende das Haushaltsjahres 12 000 neue Wohnungen geschaffen werden, erklärte der badische Finanzminister Dr. Wilhelm Eckert am M'ttwoA beim Richtfest für den sogenannten „Basler Hof“. Hierfür stünden 60 MilTonen DM zur Verfügung. Für die Wiedererrichtung, den Neubau und die Instandsetzung vö* staatlichen Gebäuden, eine Aufgabe, die hinter dem Wohnungsbau in zweiter Linie kommen, werde das Land im Haushaltsjahr 1950-51 zusätzlich 15 Millionen DM auswerfen. Der Minister bezeichnet« es als vornehmste Aufgabe der Finanz- und Wirtschaftspolitik des Landes, dafür zu sorgen, daß es auch in Zukunft keine nennenswerte Arbeitslosigkeit in Südbaden gebe. Hierzu solle die Bauwirtschaft in erster Linie beitragen. Den Bauunternehmern empfahl der Finanzminister, durch rationelleres und billigeres Bauen den Vorwurf zu entkräften, daß in Südbaden teurer als in anderen Bundesländern gebaut werde. Beim Wiederaufbau des „Basler Hof“, der im November 1944 durch Luftangriff stark beschädigt worden war, wurde den Erfordernissen der Denkmalspflege und den Bedürfnissen einer modernen Verwaltung Rechnung getragen. Erste Teile des Gebäudes werden im Januar bezugsfertig. Das gesamte Gebäude Soll die Mehrzahl der Abteilungen des badischen Innenministeriums aufnehmen. Umsiedlung wird verlangsamt Zur Vermeidung der Unterbringung Heimatvertriebener in Massenlagern Freiburg. Das Tempo der Umsiedlung von Heimä (vertriebenen aus Schleswig - Holstein nach Südbaden wird als Ergebnis der Besprechungen zwischen dem Sozialminister von Schleswig-Holstein, Hans Adolf Asbach, und der südbadischen Regierung am Montag und Dienstag in Freiburg, in den kommenden Monaten verlangsamt Damit soll die Unterbringung von Heimatvertriebenen in Massenlagern verhindert werden. Die Verlangsamung der Der „höchste" Beamte Badens 35 Jahre Feldberg-Observatortum — Ideale Beobachtungsmöglichkeiten Auf dem 1493 Meter hohen Gipfel des Feldbergs ist kürzlich ein Richtfest gefeiert worden. Bis zum nächsten Sommer wird das mit Holzschindeln verkleidete Gebäude bezugsfertig sein und dann einem Teil des Personals vom Feldberg-Observatorium als dauernde Unterkunft zur Verfügung stehen. Heute begnügen sich die drei wetterfesten Männer des meteorologischen Dienstes auf dem „Höchsten" noch mit einer primitiven Unterkunft in einem Zwischengeschoß des steinernen Beobachtungsturmes, der 1937 durch den „Reichswetterdienst“ am Nordwesthang dicht unterhalb des Gipfels errichtet wurde. Das jetzt im Wiederaufbau befindliche Gebäude war vor zwei Jahren bis auf seine Grundmauern niedergebrannt. Das Feldberg-Observatorium kann jetzt auf 35 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Die von ihm vorgeriommenen Beobachtungen der Wetterelemente sind im Rahmen des gesamtdeutschen meteorologischen Beobachtungsnetzes von besonderer Bedeutung, weil das Feldberg-Observatorium die höchstgelegene Wetterwarte in den deutschen Mittelgebirgen ist Im Jahre 1915, also während de? ersten Krieges, wurde aus Gründen der Flugsicherung der Feldbergturm als Wetterwarte eingerichtet. Der Beobachtungsdienst mußte bei Kriegsende vorübergehend eingestellt werden, konnte ater später noch einmal als „Außenstelle* des Physikalischen Instituts der Universität Freiburg aufgenommen werden. Da sich die Wohnverhältnisse während der kalten Jahreszeit in dem feuchten und kaum heizbaren Feldbergturm für einen einzelnen Beobachter als unerträglich erwiesen, verlegte man das Observatorium im Februar 1920 auf den Feldbergertot Erst im Jahre 1921 wurde es der Badischen Landeswetterwarte in Karlsruhe unterstellt und dem meteorologischen Netz Badens eingegliedert. Nach dieser finanziellen Sicherung begann das Observatorium, sein Beobachtungsprogramm mehr und mehr auszubauen. 1925 wurde die Wetterwarte wieder auf den Gipfel verlegt, später zog sie in einem Nebengebäude des Turmhotels unter, bis dann im Jahre 1937 das Eergobservatorium auf dem Gipfel errichtet wurde. Die Lage dieses Observatoriums auf dem höchsten Gipfel des Schwarzwaldmassivs bietet dem Meteorologen geradezu ideale und in der Südwestecke Deutschlands einmalige Be- obachtungsmögl'chkelten. Es gibt in den deutschen Mittelgebirgen keinen zweiten Berggipfel, der mit dem Feldberg an Großartigkeit de. Form, Schönheit von Lage und Umgebung sowie an Umfassung des Fernblicks auch nur annähernd vergleichbar wäre. Die Fläche, die von der Kette der weitesten SiAtriels (Aloen! umschlossen wird, beträgt rd. 60 000 Quadratkilometer, das ist die vierfache Fläche ganz Badens. Seit einiger Zeit hat die Bundesbahn im Feldberg-Observatorium eine eigene Sendeanlage mit Richtstrahlen nach der Hornisgrinde und dem Hohentwiel eingrichtet, die der Verbesserung des Eisenbahntelefonnetzes zwischen Konstanz und Karlsruhe auf drahtlosem Wege dient Der Südwestfunk wird nach der Fertigstellung des Wohngebäudes im Obergeschoß einen UKW-Sender unterbringen. Das Personal des Observatoriums, ein Meteorologe und zwei Techniker, führen auf ihrer olympischen Höhe ein schönes, wenn auch oft sehr einsames Dasein. Der Leiter, DlpL Meteorologe Waibel, ist wahrhaftig der .höchste' Beamte Badens. Es ist bereits seit vier Jahren auf dem Feldbe-g, der eine Techniker hat 2X Jahre, der andere sogar »Aon 8 Jahre Feldbergdienst hinter sich. Die außergewöhn- HAe Lage des Observatoriums bringt es mit slA, daß ab und zu auch „außerdienstliche“ Aufgaben von den drei „WettermaAem“ erfüllt werden müssen. DurAscbnlttliA zehnmal pro Winter wird der eine der beiden Techniker. der an den Wochentagen eine Rettung» Station der EergwaAt auf dem Observatorium unterhält, in der Nacht zur Hilfeleistung her- Umsiedlung soll durch Verkleinerung der Transporte für diejenigen südbadischen Kreise erfolgen, die wegen fehlender Unterbringungs- mögliAkeiten ihr Aufnahmesoll bisher nicht erfüllen konnten. Die badische Regierung hat darin eingewilligt, daß die Umsiedlung für die Gebiete der Rheinebene und des Bodensees auch in den Wintermonaten fortgesetzt wird. Die in Freiburg getroffenen Vereinbarungen, die noch der Zustimmung des BundesflüAt- llngsministers bedürfen, werden zur Folge haben, daß von den 34 000 Umsiedlern, die Südbaden ln diesem Jahr aus Schleswig-Holstein hätte übernehmen sollen, ein Ueberhang von 9000 Personen verbleibt, der bis zum 31. März 1931 abgedeckt werden soll. Die Atempause wird ln Südbaden zur Schaffung neuer Unterkunftsmöglichkeiten für Heimatvertriebene benützt werden. Ueber die Wellen des Funks Samstag, den 28. Oktober •Südwestfunk: 8.40 Musikalisches Intermezzo; 13.00 SportvorsdÄau; 13.20 Mittagskonzert: 13.15 Volkstümliche Welsen aus unserer Heimat: 14.30 Frohes Wochenend; 15.15 Opemmelodlen: 16.00 Unser Sams- ■ tag-Nachmittag; 17.15 Sang und Klang lm Volkstons 20.00 Hörerwünsche: 22J0 SWF bittet zum Tanz. Stuttgart: 7.00 Junge Christen sprechen: 8.00. Di« Frau lm öffentlichen Leben: 9.05 Marktumschau;*10.15 Schulfunk Englisch; 10.30 Schulfunk Französisch: 10.45 Liederstunde; 11.45 Landfunk: 13.00 Echo aus Baden; 15.00 Unsere Volksmusik: 15.40 Jugendfunk: 18.20 Kleines Konzert; 18.45 Südwestdeutsche Heimatpost: 20.00 „Amor auf Reisen“: 21.00 Familie Staudenmaleri 22.00 Schöne Stimmen. Nach den USA eingeladen Freiburg. Der Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und FinanzwissensAaft an der Universität Freiburg, Prof. Dr. Constantin von D i e t z e, hat von der Universität Madison (Wisconsin) in den Vereinigten Staaten eine Einladung erhalten, im kommenden. Frühjahr Gastvorlesungen zu halten. Prof, von Dietze, der erst kürzlich von einer Reise aus den USA zurückkehrte, ist Spezialist für das Gebiet der Agrarpolitik, das an den Universitäten in den USA niAt gelehrt wird. Der Freiburger Gelehrte wird der Einladung voraussichtlich im Februar nächsten Jahres Folge leisten. Nach Ankara berufen Ueberllngen. Prof. Dr. Fahmer, Ueberlin- gen, bat einen Ruf an die Universität Ankara erhalten. Der Gelehrte, der seine Professur an der Universität Heidelberg im Jahre 1936 niederlegte, war von 1939 bis 1944 als ordentlicher Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Athen tätig. Intendant BlsAoff Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Mainz Baden-Baden. Die Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz wählte den Intendanten des Südwestfunks, Friedrich Bi- sAoff, auf ihrer letzten Plenarsitzung zum ordentlichen Mitglied. Die Wahl erfolgte auf Antrag der Klasse Literatur. Intendant Bischof! gehört auch der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an und wurde kürzlich in den deutschen Ausschuß für Unesco- Arbeit berufen. * Generalkonsul Clemens von Brentano vor der Abreise nach Born Baden-Baden. Der neue deutsche Generalkonsul in Rom, Botschaftsrat a- D. Clemens von Brentano, Freiburg, wird sich wie dpa erfährt, schon in den ersten Novembertagen nach Rom begeben, um den für die erste Novemberhälfte vorgesehenen Besuch des Bundeskanzlers Dr. Adenauer vorzubereiten. Erzbischof Br. Ranch fährt nach Rom Freiburg. Im Anschluß an die Feierlichkeiten anläßlich seines 40jährigen Priesterjubiläums wild siA Erzbischof Dr. Rauch nach Rom begeben, um dort am 1. November der feierlichen Verkündigung des neuen Dogmas über die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel beizuwohnen. Hochstapler ergaunerte 30000 DM Geschäftsleute wurden nicht um Benzinsorgen, aber um ihre Moneten erleichtert ü- Freiburg. Mit einem trotz seiner Jugend ausgekochten Hochstapler, dem kaum 21jäh- rigen Heinz B. (BospaA), wurde dieser Tage vor dem französischen Militärtribunal ln Freiburg eine hoch angelaufene Rechnung beglichen. Ueber zehn Monate lang wandte der Bursche die gleiAbleibende Methode an, um sich die Taschen mit Geld zu füllen. Gewandt auftretend, erschien er bei gutsituierten Geschäftsleuten in Baden und Württemberg und flüsterte ihnen zu, er sei in der Lage, ihnen Benzin in rauhen Mengen zu beschaffen, das aus französischen Heeresbeständen herrühre. Sie hätten bloß mit ihm naeh Freiburg mit Lastkraft- oder Lieferwagen zum Empfang des flüssigen Betriebsstoffes zu fahren. An dem hohen Preis dürften sie sich freilich niAt stoßen, da es siA um Schwarzhandelsgeschäfte Mrehe. Mit gefüllter Brieftasche trat mancher in Benzinnöten steckende Geschäftsmann in Begleitung des B. die Autorelse in die Breisgauhauptstadt in gehobener Stimmung an. Weniger freudig gestaltete slA die Rückfahrt, da sie von der schmerzlichen Erkenntnis getrübt war, daß man von einem geriebenen Gauner schmählich hinters Licht geführt wurde. In Freiburg hatte der junge Benzinonkel vor irgend einem vertrauenerweckenden Gebäude den Kraftwagen anhalten lassen, das er als die Benzinquelle bezeichnet», Dann nahm er das Geld zur angeblichen Bezahlung ausgerufen, wenn siA Skifahrer in der Dun-j n Empfang, um siA dann mit den Mone- kelhelt oder im Nebel verirrt haben. Aber such in den Sommermonaten springen die Leute vom Observatorium oft und gerne helfend ein, sei es daß sich waghalsige Kletterer in den Felswänden sm Feldsee verstiegen haben oder daß Kurgäste auf ihren Spaziergängen plötzlich von einer Nebelwand überrascht werden und den Heimweg ins Hotel allein niAt mehr finden. (an) ten durch eine Hintertüre schleunigst aus dem Staube zu machen. Mit der Ausübung dieses Benzin: Awindels ergaunerte er gegen 30 000 DM. Das ihm so leicht zugeflossene Geld legte B. in einem verschwenderischen Lebenswandel an, bei dem auA das Ewig- Weibliche und ein Kuraufenthalt auf der Insel Norderney niAt fehlen durfte. Als polizeiliche Fahndungen hinter ihm dreinliefen, steckte er siA in englische, französische und amerikanische Uniformen, in deren Umhüllung er üliertölle SA windeleien verübte, die Erinnerungen an den „Hauptmann von Kö- penik“ waAfufen. Bei seiner ersten Festnahme gelang ihm die Flucht aus dem Untersuchungsgefängnis nach der zweiten in Koblenz erfolgten wurde er zur Aburteilung nach Freiburg überführt Die Strafzumessung verhindert die Fortführung der hoAstaplerisAen Praxis des B. für längere Zelt; das Militärgericht verurteilte Ihn zu fünf Jahren Gefängnis. Scheuende Pferde rasten ln Kindergruppe StockaA. bg. Beim Einspannen scheuten die Pferde eines hiesigen Landwirts und Fuhrunternehmers und rasten auf dem Bürgersteig der Tuttlinger Straße entlang, auf dem siA gerade die Betreuerin der Klelnkin- dersAule mit ew» 30 Kindern befand. Glücklicherweise konnten siA die Kinder naA den beiden Seiten flüchten und die Lehrerin einen Teil derselben wegziehen. Leider wurden aber zwei fünf und zwei eineinviertel Jahre alte MädelAgn von dem Gespann erfaßt und mußten mit erheblichen Beinverletzungen Ins städtische Krankenhaus verbracht werden. Nur der Geistesgegenwart der Kindergärtnerin und der Kinder ist es zu danken, daß ein größeres Unglück vermieden werden konnte. LOrraAer KP-Stad trat legt Mandat nieder Lörrach, (lid) Der kommunistische Stadtrat Brennfleck teilte in einem Schreiben an den Bürgermeister mit, daß er sein Mandat aus „gesundheitlichen“ Gründen niederlege. Es ist aber bekannt, daß er mit dem von der SED angewiesenen Kurs der jetzigen kommunistischen Führer niAt mehr einverstanden ist, Obwohl er bisher einer der aktivsten Kommunisten in LöridA war. Donnerstag, 26. Oktober 1950 m ZEITGESCHEHEN Zirkus Brambach kommt ' Am Dienstag, 31. Oktober, wird der Zirkus Gustav Brumbadi sein Viermasten-Zelt in Ottenburg auf der Kronenwiese aufschlagen. Dieser in Südwestdeutschland noch wenig be bekannte Zirkus ist 250 Jahre alt und damit eines der ältesten derartigen Unternehmen. Die Ahnen der alten Artistenfamilie Drum- Unsichtbare Brücke zwischen den Welten Das Rote Kreuz im Dienst der Hilfe an den Kriegsgefangenen Der 26. Oktober 1950 ist von der Bundesregierung zum „Tag der deutschen Kriegsgefangenen“ bestimmt worden. In der ganzen Bundesrepublik wird heute das deutsche Volk durch Glockengeläut um 12 Uhr durch Minuten des Schweigens, durch Kundgebungen und Versammlungen die Weltöffentlichkeit erneut auf die Tatsache aufmerksam machen, daß noch immer Tausende deutscher Männer, Frauen und Kinder im Auslande zurückgehalten werden. Offenburg gedenkt heute besonders seiner 23 kriegsgefangener Söhne, die bis vor kurzem noch geschrieben haben, und der 483 Vermißten, deren Schicksal immer noch im Dunkeln liegt. An diesem Tage richten sich unzählige Blicke auf das Rote Kreuz. Selbst wo es unsicher ist, steht an einem Tage des Bekenntnisses zu bach stammen aus Lörrach und zogen einst’ dem Schicksal derer, die das schwerste Op- in den deutschen Osten. Der Zirkus ist ein I fer tragen haben, das Rote Kreuz als Zei- Flüchtlingsbetrieb, der sich in der letzten Zeit chen der Hoffnung. Dieses Amt muß es sich einen guten Namen machen konnte. Nach seine» Flucht aus dem Osten bezog er in Berlin ein festes Quartier, muhte aann aber mit „Roß und Wagen“, mit Löwen und Elefanten, nach vier Monate langer Vorbereitung wieder über die grüne Grenze fliehen, da man ihn in Berlin zum Staatsbetrieb machen wollte. Das Programm, das der Zirkus, der mit 80 Wagen kommt, zu bieten hat, ist vielseitig und interessant. Neben Tierdressuren und artistischen Darbietungen wird der „Todessprung in den Löwenkäfig“ eine besondere Attraktion des Programms sein. Es ist zu hoffen, daß der Zirkus Brumbach in Offenburg ebenso wie iii den bisher bereisten 75 westdeutschen Städten vollbesetzte Aufführungen wird verzeichnen können. Uraufführung des Hexenstein - Filmes Heute, Donnerstag, um 20.00 Uhr, wird, wie bereits mitgeteilt, im Saalbau „Drei Könige“ der große Film vom 1. Hexenstein-Rennen ur- aufgeführt. Im Beiprogramm wird der Film der Ortenauer Herbstmesse mit Auszügen aus dem Festzug vorgeführt und außerdem läuft im Beiprogramm noch der Farbfilm eines Schwarzwälder Hochzeitszuges, welcher insofern einmalig ist, als in diesem Film fast sämtliche Schwarzwälder Volkstrachten vertreten sind. Die Filmvorführungen werden vom Schülerorchester der Stadt. Musikschule musikalisch umrahmt. Lohnzahlung Oktober 1950 Die Lohnzahlung für Monat Oktober 1950 für die Hausgehilfinnen usw. findet statt: Buchstabe A—L am 30. 10. 50; Buchstabe M—Z am 31. 10. 50; für die Popots und Instandhaltung am Dienstag, den 7. November 1950. rielle Hilfe des Roten Kreuzes im Vordergrund, so dürfen die anderen Unterstützungen nicht in Vergessenheit geraten. Es sei daran erinnert, daß das Internationale Komitee vom Roten Kreuz kraft seines ihm zugesprochenen Rechts befugt ist, sich für die Erfüllung internationaler Vereinbarungen bei den einzelnen Nationen einzusetzen. Dieses führte dazu, daß von seiten des Internationalen Komitees zahlreiche Interventionen bei allen Gewahrgespürt samstaaten erfolgten, um die Durchführung der durch die Genfer Konvention übernommenen Verpflichtungen sicherzustellen. Die juristische Abteilung des IKRK in Genf entsandte zahlreiche Vertreter ins Ausland, um die Rechtssprechung in den Prozessen' der angeklagten Deutschen sicherzustellen. Das Deutsche Rote Kreuz schuf auf Bitten des IKRK Rechtsschutzstellen, die sich zur Aufgabe gestellt haben, Entlastungsmaterial für die angeklagten Angehörigen der ehemaligen deutschen Wehrmacht herbeizuschaffen und den bewahren, noch weit über seine unmittelbaren Möglichkeiten der Hilfä hinaus, die viele Tausende und aber Tausende von Vätern und Müttern, Söhnen und Töchtern segensreich in den vergangenen Jahrzehnten haben. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, welches, durch 67 Nationen der Erde anerkannt, seine Aufgabe darin sieht, überall dort die Brücke der Humanität zu schlagen, wo alle anderen Brücken menschlicher Beziehungen abgebrochen wurden, hat sich während des Krieges und in der für Deutschland so besonders schweren Nachkriegszeit mit unermüdlicher Energie für die Rechte der deutschen Kriegsgefangenen eingesetzt. In fast allen Ländern, in welchen Deut- Gerichten zur Verfügung zu stellen, sehe als Kriegsgefangene verblieben waren/ waren über alle Grenzen hinweg Delegationen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz eingesetzt, um das Los dieser Menschen zu erleichtern. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden unübersehbare Mengen von Spenden an Bekleidung und Verpflegung an die deutschen Kriegsgefangenen zur Verteilung gebracht. Durch Einrichtung von Behelfskrankenhäusern und Zahnstationen, durch Zurverfügungstellung von Prothesenmaterial für die Kranken und Schwerkriegsbeschädigten wurde überall dort versucht Hilfe zu bringen, wo sie erforderlich war.. Das Deutsche Rote Kreuz hat ohne Unterbrechung versucht, seinen Beitrag für diese Hilfe zu leisten. Es konnten in den vergangenen Jahren durch Paket- und Sammelsendungen Sachwerte in Höhe von rund 2 Millionen Mark an die deutschen Kriegsgefangenen zum Versand gebracht werden. Steht äußerlich leicht erkennbar die mate- Internationale Modenschau in Offenburg Die neuesten Kreationen der Modekönige im „Palmengarten" Viele Menschen gehen in das, Reisebüro, ?ur - J 'Bähnhöfshalle, besehen oder, erwetben %lch vielerlei bunte Prospekte und Plakate, um für kurze Zeit wenigstens die Illusion des Verreistseins, der Ferne oder den , Zauber einer fremden Welt zu genießen. Mit ähnlichen Gefühlen mögen die vielen Besucher der Einladung zur Internationalen Modenschau im „Palmengarten“ am Dienstag und Mittwoch gefolgt sein. Erlesenste Kollektion zauberte dort für wenige Stunden die Atmosphäre ver- ss* Si wirrender Eleganz berühmter Salons, untermalt mit charmanter Plauderei von Vera Rudolph, leider nicht immer von allen Besuchern vernehmbar, so daß man manchmal nur sah und nicht auch hören konnte. Aber hörbar war das Aufatmen der Gäste, als die hübschen Mannequins den Kleiderreigen mit Modellen des bekannten Offenburger Sporthauses Grimm eröffneten. Fast wie ein Grimm-Märchen muteten die effektvollen Ausrüstungen für den Wintersport an, die sowohl den Schneehasen selber, als auch den Apres-Skihasen in Entzücken versetzten. Auch für den Nachmittag wurden von Sport- Grimm für den verwöhnten Geschmack bekannte Hauser-Modelle gezeigt. Und dann wurde die Modenschau offiziell international, was jedoch nicht heißen soll, daß die vorausgegangenen Mod?lle sich nicht auch in anderen Ländern sehen lassen könnten- Mme. .v. d. Boogaart eröffnete ihre- in-tpr- hätiönaIe"'Revue' der" neuesten Kreationen der größten Modekönige der Welt (die Superlative kommen nicht von ungefähr), wie es sich gehört, mit einem Pariser Modell. Daß der Hut dazu von Elly Kraus (Offenburg) war, bedarf nur der besonderen Erwähnung. Damit ist schon gesagt, daß aus diesem Hutsalon Hüte von internationalem Format kommen, sowohl der Eleganz als auch den Maßen nach. Daher paßten sie auch zu dem Stil eines Jacques Fath und den anderen Kollektionen führender europäischer Modehäuser, die den Frauen das Gehen diesen Winter anscheinend schwer machen wollen. Jedenfalls hatte man den Eindruck, daß das Ausreißen bei der neuen Mode nicht gut gelingen kann; es müßte denn sein; daß die Silhouette des Kleides etwas reißt. Bei ihr wird ebenso . mit Stoff gespart, wie beim Dekollete. Rätselhaft bleibt deshalb der Umstand, daß zu einem Nachmittags- oder kleinen Abendkleid auch bei der neuen Mode nicht weniger Stoff benötigt wird; also eine in doppeltem Sinne fragwürdige moderne Eleganz. Aber schön ist sie doch. Recht mephistophelisch wirkte der Empfang im „Moskau-Kleid“, bei dem die schwarz-rote Koalition als treffliche Lösung erschien. Wie schnell aus einem seriösen, um nicht zu sagen braven Modell, etwas Aufregendes und Gewagtes werden kann, demonstrierten die zu modelligen Coctail-verwandelten Nachmittagskleider. Die beiden Arten unterscheiden sich besonders im Stoffaufwand. Beiden verstand Eduard Weber (Adler-Parfümerie) das richtige Köpfchen aufzusetzen und sie kosmetisch zu präparieren. So hätte man sich selbst in Offenburg in eine Geisha verlieben können Sie, wie auch Konstanze, Blondy und Baby waren von Pelz-Hummler für die bevorstehende kältere Jahreszeit mit kostbarem Pelzwerk ausgestattet. Einen weiteren Blickfang bildete das elegante Schuhwerk aus dem Schuhhaus Emst, das sowohl für den „Tiger aus Eschnapur“, gezähmt vom „milieu du siecle“, als auch für „Kleopatra“, die passenden Schuhe hatte. Die Goldpfeil-Taschen, die diese ungekrönten Königinnen der Mode anstelle der Szepter trugen, waren natürlich vom Liederwarengeschäft August Kirn, dessen neue Taschenformen jedem Geschmack Entgegenkommen. Nicht nur in der extravaganten und hervorragend vertretenen großen Abendrobe, etwa zur „Pariser Steroennacht“, erstrahlte Juwelier - Macks individueller Schmuck in vollendet kunstvoller Ausführung. Auch bei den Tageskleidern wollte man ihn nicht vermissen. Es waren wirklich die neuesten Schöpfungen auf allen Gebieten, und aus allen tonangebenden Hauptstädten der Mode, die Mme. v. d. Boogaarts Mannequins im „Palmengarten“ vorführten. Offenburg hat dabei ein gewichtiges Wörtchen mitgesprochen. Es ist ja sdüießUch auch schon ziemlich international geworden. Mit seinen Suchdiensteinrichtungen konnte das Deutsche Rote Kreuz unermeßliche Not lindern und Millionen von Suchenden Gewißheit über das Schicksal ihrer Angehörigen bringen. So ist das Rote Kreuz in jedem Notbereich der Kriegsgefangenen als ein —oft unsichtbarer — Helfer eingetreten. Seine besonderen internationalen Möglichkeiten sind ihm Verpflichtungen, sie für alle Leidenden auszuschöpfen. Die Rücksicht auf diesen besonderen Weg kann auch die Verpflichtung einschließen, auf ein Hervortreten des Roten Kreuzes zu verzichten. Seine Vermittlerfähigkeit. ist oft das letzte und einzige Hoffnungsgut für getrennte Welten und eine Brücke, die von Nord nach Süd und Ost nach West führt. Es ist die Brücke des Roten Kreuzes, die gestern, heute und morgen begangen wird, um unerträgliche Leiden zu mildern und den Ruf und die Mahnung an die Liebe und Menschlichkeit in alle Welt zu tragen. Viele Tatsachen und Geschehnisse mögen die Grundpfeiler dieses Denkens in jüngster Vergangenheit erschüttert haben. Noch immer aber hat in äußerster Not und in letzter Minute ein Funke des guten Willens ein Feuer der Hilfe und des Verständnisses entfacht. Das Rote Kreuz will schweigen, um die Wege der Tat, für die es di« Brücken geschlagen hat, weiter zu begehen. , Gräber mahnen zum Frieden Audi Offenburg soll seinen Teil zur Kriegsgräberiürsorge beitragen Der Volksbund für Kriegsgräberfürsorge hielt am Dienstagabend im Saal des „Römischen Kaisers“ die Gründungsversammlung eines Ortsvereins Offenburg ab. Im Mittelpunkt des Abends stand eine Ansprache des Verbandssekretärs Fernkom-Konstanz, und die Wahl eines Vorstands für den Offenburger Ortsverein. Bürgermeister Dr. Schenkel begrüßte die nicht sehr zahlreich erschienenen Anwesenden. Vor allem galt sein Gruß den beiden evangelischen Stadtpfarrern Lautenschläger und Haaf, sowie dem Kreisvorsitzenden des VdK, Herrn Hüther. Der Bürgermeister um- riß die kulturellen und ethischen Aufgaben des Volksbundes. Unsere Toten, die im Glauben an eine scheinbar gerechte Sache gestorben seien, hätten es verdient, würdig bestattet zu werden. Dies wäre die Aufgabe der Hinterbliebenen und der kommenden Generationen. Aus den Gräbern sollten Frieden und Eintracht erwachsen, sie sollten zur Verständigung zwischen den Völkern beitragen. Dr. Schenkel warnte vor der Absicht, im Zeichen des Kreuzes wieder zu neuem ICrieg zu drängen. Der Volksbund sehe angesichts der vielen Kreuze seine Aufgabe in der Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Die Sorge für die Toten sei nicht Aufgabe des Staates, sondern unsere eigene, die durch den Volksbund in der Praxis gelöst werden könne. Verbandssekretär Fernkorri machte in seinem Referat Angaben über die Zahl der Soldatengräber im Ausland und die Entstehung des Bundes. 1919 war er von Heimkehrern gegründet worden. Im Jahre 1939 sind es schon zwei Millionen Mitglieder gewesen. Nach 1945 war der Bund die erste Organisation, die von den Alliierten wieder zugelassen wurde, Aufgabe, des Volksbund'es ist neben der Fühlung einer Zentralgräberkartei und einem Gräbersuchdienst die seelische Betreuung der Angehörigen und deren Benachrichtigung. Der Bund arbeitet mit allen westeuropäischen Ländern zusammen. In Frankreich liegen jetzt 250 000 deutsche Gefallene auf 3215 Friedhöfen. Viele sind noch nicht identifiziert. Belgien meldet 46 224 Gräber. In Luxemburg sind 20 000, davon 10 000 in No- ville; in Holland 35 000, in Italien 1Ö0O00, wovon 90 000 erfaßt sind. Die Jeia hat bisher alle engere Zusammenarbeit in finanzieller Hinscht mit Italien unmöglich gemacht. In Bevölkerung. England ruhen 1554 deutsche Soldaten, in Dänemark 12 500, davon 17 000 Zivilpersonen, die in Lagern gestorben sind. Norwegen hatte als einziges Land das ewige Ruherecht für deutsche Soldaten verweigert, worauf der englische Feldmarschall Montgommery inter- ventierte und sich auch durchsetzte. In Finnland liegen 15 000 deutsche Soldaten begraben, in Nordafrika 25 000. In fast allen diesen Ländern hat man eine Uebersicht über die Grablagen und den Zustand. Lediglich die Länder des Ostens gewähren keinerlei Einsichtnahme. Von der Tscheche! hat man einige Angaben, die jedoch nicht zuverlässig sind. Man rechnet dort mit 13 000 Gräbern. Jugoslawien ermöglicht jetzt auch eine Zusammenarbeit. In Griechenland sollen 8000 Gräber liegen. Der Redner bat die Angehörigen von Gefallenen, die für ihre Gräber im Osten nicht mehr sorgen können, dem Volksbund zu helfen und damit gleichsam die Patenschaft für eltr Grab IftV Westen zu übernehmen. Für Solda-tenfriedhöfe und GräberanlägpQ, : ifti§äjd- baden, die" bis Allerheiligen zum größten Teil fertiggestellt werden, sind bisher 100 000 DM ausgegeben worden. Die praktische Arbeit im Ausland kann erst einsetzen, wenn im Inland alles getan ist. Jedoch soll mit der Anlage von deutschen Soldatenfriedhöfen auch im Ausland in kurzer Zeit begonnen werden. . Der Kreisvorstand des VdK, F. Hüther, hob anschließend in kurzen Worten die Notwendigkeit der Zusammenarbeit des VdK mit dem .Volksbund für Kriegsgräberfürsorge hervor und bat alle, mitzuhelfen an dieser großen und vornehmen Aufgabe. Zum Vorstand des Offenburger Ortsver- yeines wurde Bürgermeister Dr. Schenkel gewählt, zum zweiten Vorsitzenden der Kreis- vörsitzende des VdK, F. Hüther. Schriftführer wurde Inspektor Schulz, Kassierer Herr Fahner von der Stadtverwaltung In den Beirat wurden Stadtpfarrer Lautenschläger und Stadtpfarrer Hugle, sowie Karl Martin, der ehemalige Vorstand Wöhrle, der Leiter des Jugendbildungswerkes Dehmer und Frau Kistner gewählt, Bürgermeister Dr. Schenkel bat zum Schluß nochmals um starke Beteiligung an der Mitarbeit und um die Hilfe der ganzen Zur 75-Jahrfeier des Oken-Gymnasiums Die Nadumttagsfeier wird am Samstag wiederholt Das Okengymnasium dankt Bei der festlichen Gestaltung des äußeren Rahmens der Jubiläumsfeier waren neben der schon erwähnten Stadtgärtnerei die Gärtnereien Glatt, Josef Müller, Schweiger und Wie- demer beteiligt. Sie sind alle mit der Schule verbunden und stellten zahlreiche Blumen für das gemütliche Beisammensein am Nachmittag zur Verfügung, wofür ihnen an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Zum guten Gelingen des Festes trugen auch die „Klassenvertreterinnen“ bei, die die Wohnsitze ihrer ehemaligen Mitschülerinnen feststellten . und sie benachrichtigten. Auch ihnen gebührt der Dank der Schule für ihre unermüdliche Arbeit. Wiederholung der Nachmittagsfeier Die große Zahl der Anmeldungen für die Feier am vergangenen Samstag machte es unmöglich, auch noch die Eltern der jetzigen Schülerinnen zur Teilnahme einzuladen. Deshalb soll am kommenden Samstag, 28. Oktober, nachmittags 8.30 Uhr, eine Wiederholung (ohne Bewirtung) stattfinden. Hierzu sind außer den Eltern und Angehörigen der jetzigen Schülerinnen alle Freunde der Schule und ehemaligen Schülerinnen eingeladen. — Der Schulfilm — z. T. mit schönen Farbaufnahmen — und die Tanzvorführungen, fanden großen Anklang und werden auch bei der Wieder* holung dargeboten. Zur Deckung der Unkosten muß ein Eintrittspreis von 50 Pf. erhoben werden, Kinder bis zu 14 Jahren 30 Pf., unter 7 Jahren keinen Zutritt. Die Festschrift Die zur 75-Jahrfeier herausgegebene Fest* Schrift ist mit ihren zahlreichen Beiträgen und Bildern ein Dokument der Offenburger Lokalgeschichte. Die vorbildliche Gestaltung dieses Büchleins wurde auch von höchster Seite anerkannt. Für die zahlreichen ehemaligen Schülerinnen aller Altersstufen wird die Festschrift eine dauernde Erinnerung an diesen schönen Tag sein. Die Offenburger Druckereibetriebe Burda und Rappenecker haben in dankenswerter Weise an der Gestaltung mitgewirkt. — Weitere Exemplare sind im Sekretariat des Okengymnasiums noch zu 1,50 DM zu haben. In ein Auto gelaufen Am Dienstagnachmittag lief ein elfjähriger Junge auf der Hauptstraße in Höhe der Kittelgasse einem vorbeifahrenden Pkw in die Fahrbahn, wobei er von dem Pkw erfaßt und zu Boden geschleudert wurde. Der Junge erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf sowie Prellungen und einen Bluterguß. Donnerstag, 28. Oktober 1950 Kleine Stadtdironik Die Auszahlung der Krlegsversehrtenrenter findet am 27. Oktober 1950 statt Alle übriger Renten werden am SO. und 31. Oktober gezahlt _Der Verein für Krafteport und Körperpflege «German'a* Offenburg hält ab sofort wieder seine Uebungsstunden im alten Heim in d“i Städtischen Turnhalle ab. Die Uebungsstunden linden jeden Samstag von 19.00—22.00 Uhr für sämtliche Sportabteilungen statt. Die Deutsche Angestelltengewerkschaft Ortsgruppe Offenburg — Berufsgruppe öffentlicher Dienst — halt am Sonntag, 29. Oktober, in Offenburg, Hotel „Union“ um 13.30 Uhr eine Mitgliederversammlung ab. Die Edeka-Genossenschaften des Verbandsbezirkes Südbaijen-Württemberg veranstalten fiiren Herbstbezirkstag 1950 am Oktober, 15 Uhr, im Festsaal des Hotels „Drei Könige“ in Offenburg. Bund der Steuerzahler In Anbetracht der bedrohlichen Verlaut- barungen in Presse und Rundfunk der letzten zeit über eventuelle neue Steuererhebungen, soll nun auch eine Bezirksgruppe Offenburg aes „Bundes der Steuerzahler“ ins Leben gerufen werden. Einerseits um der Bundes- leitung durch die etwas straffere Zusammenfassung der Bundesmitglieder innerhalb der Bezirksgruppe den Rüchen zu stärken, andererseits aber auch, um die berechtigten Beenge der Steuerzahler zunächst auch innerhalb des Bezirks im Rahmen der Satzungen des „Bundes der Steuerzahler“ zu wahren. Zu einer eingehenden Besprechung und nach Möglichkeit auch zur Wahl des Bezirksvorstandes und -Geschäftsführers wurde auf Freitag, den 27. Oktober 1950, abends 20 Uhr, in den „Römischen Kaiser“ eine Versammlung einberufen, zu der alle Bevölkerungskreise herzlich eingeladen sind. Fahrpreisermäßigungen zu Allerheiligen und am Totensonntag Zu Allerheiligen und zum Totensonntag gibt die Deutsche Bundesbahn zum Besuch von Gräbern nach dem dem Friedhof nächstgele- genen Bahnhof um 50 Prozent verbilligte Rückfahrkarten aus. Diese gelten zur Hinfahrt am Tage vor Allerheiligen und Totensonntag von 12.00 Uhr ab und an diesen Feiertagen, zur Rückfahrt an diesen beiden Feiertagen und am folgenden Tage bis 24.00 Uhr. Auf der Hin- und auf der Rückfahrt ist je einmal Fahrtunterbrechung gestattet Eindrucksvoller Heimatabend in Urioffen Zweitaufführung des Festspiels „1000)ährige Heimat’ in der Turnhalle Urloffen. (h) Noch einmal und gewissermaßen zum harmonischen Ausklang der Festtage versammelten sich eine große Anzahl Ur- löffer am vergangenen Sonntag in der Turnhalle zu einem schönen Heimatabend, ln dessen Mittelpunkt die Zweitaufführung des Festspieles „Tausendjährige Heimat“ von E. A. Huber, und ein heimatgeschichtlicher Vortrag des bekannten Heimatforschers, Hauptlehrer Hans Heid aus Lautenbach, stand. Nach der Begrüßung durch Kreisrat Otteni und einem sehr beifällig aufgenommenen Gedichtvortrag durch FrL Reißing „Herbstliche Heimat* von E. A. Huber sprach Herr Heid über die Ur- loffer und Ortenauer Heimatgeschichte. In seiner lebendigen und plastischen Vortragsweise erstand die Vergangenheit von der Vorzeit bis zur Gegenwart, und erleichterte die Einfühlung in das Festspiel, das im Anschluß unter der Leitung von Hauptlehrer Wörner über die vom Organisten B. Neumayer mit feinem Talent ausgeführte Bühne ging. Die Darsteller überboten sich gegenseitig und machten das historische Spiel zu einem einmaligen Erlebnis. Die flatternde Gestalt des Landfahrers in der düsteren Vorahnung des 30jährigen Krieges (Otto Wiedemer) war von eindringlich packender Wirkung. Gesangverein und Musikkapelle hatten sich wieder zur Verfügung gestellt und umrahmten das Ganze durch heimatliche Chöre. Urloffen. (f) Die Eheleute Josef Schmidt und Frau Theresia, geh. Kiefer, Waldstraße 20, begehen am heutigen Donnerstag das Fest der silbernen Hochzeit Schöne Ware kam zur Waage Appenweier, (v) Die von der Firma Arnold Schindler, Zigarrenfabriken in Herbolzheim, in hiesiger Gemeinde aufgekauften Grumpen kamen zur Verwiegung. Zur Anlieferung gelangten 64 Zentner gebündelte Und ungebündelte Grumpen. Es kam durchweg schöne Ware zur Waage, so daß an 80 Prozent sämtlicher Ablieferer bis zu 18 Prozent Zuschläge erteilt wurden. Nur bei einzelnen Pflanzen mußten Abzüge vorgenommen werden. Käufer wie Verkäufer waren zufrieden. Wlndschl&ger Familienchronik Windschläg, (st.) Im Alter von 70 Jahren Starb die Witwe des Obergerichtsvollziehers Otto Bührle, Emma geh. Gaß. — Den Bund fürs Leben schlossen der Kraftfahrer Paul Dietrich aus Bühi-Dorf und die Kontoristin Karo- lina geh. Fischer von hier. — Am 20. Oktober kann Zäzilia Haury, Bahnarbeiterswitwe, geh. Schuh, ihren 79. Geburtstag begehen, und am 29. wird Theresia Kemof, Zugschaffnerswitwe, geh. Broß, 86 Jahre alt. Frau Kempf ist die drittälteste Einwohnerin und die älteste Frau im Ort. Der größte Jahrmarkt seit Menschengedenken Ueber 100 Verkaufsstände bei der „Gallen-Kilbl" ln Ober barmersback Oberbarmersbach, (m) Die Pfarrgemeinde konnte am Sonntag das Fest des Kirchenpatrons, des bl. Gallus, begehen. Unter Glockengeläuts zog die Musikkapelle mit Spielmannszug und Bürgerwehr in ihrer historischen Tracht in die Kirche. Die Aufstellung der Bürgerwehr mit der Fahne, den Bannern der Kol- pingsfamilie und der Marianischen Jungfrauenkongregation gaben dem Gottesdienst einen feierlichen Rahmen. Die Festpredigt hielt ein Pater von Offenburg; die feierliche Prozession und das- lev. Hochamt wurde verschönt von der Messe in C von Bruckner, gesungen vom hiesigen Kirchenchor, unter Mitwirkung des Orchesters „Collegium musicum“ in Zell a. H. Der Nachmittagsgottesdienst war ebenfalls feierlich; auch an ihm nahmen Musikkapelle und Bürgerwehr teil. Gleichzeitig fand an diesem Tage der zweite und letzte Jahrmarkt des Jahres statt. Er brachte das größte Aufgebot an Verkaufsständen seit Menscher gedenken. Weit über hundert Händler hatten in der Hauptstraße Bedarfsartikel für die kältere Jahreszeit ausgelegt. Aber auch Spielwaren-, Speise- und Glücksstände waren ausreichend vertreten. Für die über 2000 Einwohner große Gemeinde war dieses Angebot trotz der zahlreichen auswärtigen Gäste viel zu groß. Das herrliche Wetter hatte viele auswärtige Besucher zu unserer „Gallen-Kilbl“, wie sie im Volksmund heißt, herbeigeführt, und in den Nachmittagsstunden war die Straße derart belebt, daß der Durchgangsverkehr sich nur langsam und mit Mühe abwickeln konnte. Das Wildschwein blieb Sieger Ortenberg führt Rebumlegungen weiter Umlegung in zwei verschiedenen Lagen ergibt bessere Tauschmöglichkeiten -"Ortenberg, (s) Die schon vor zwei jähren auf der Gemarkung Ortenberg begonnenen Rebumlegungen ' werden weitergeführt. Zur Umlegung kommen 1950/51 die Gewanne im „Neuen Bann“ und im „Roth“. Am letzten Sonntag fand eine Versammlung der Grundstückseigentümer im Gasthaus „Zum Ochsen“, zwecks Bildung der Teilnehmergemeinschaften statt. Daß man diesmal in zwei verschiedenen Lagen die Umlegung durchführt, hat seinen Grund darin daß man dadurch eine bessere Tauschmöglichkeit gewinnt, was wiederum eine bessere Zusammenlegung ergibt. Für jede Teilnehmergemeinschaft wurde der Vorstand gewählt, der aus je sieben Winzern besteht. Er hat die Aufgabe, die notwendigen Arbeiten zu organisieren und zu leiten. An dem Unternehmen sind neben hiesigen auch auswärtige Winzer beteiligt, die ebenfalls im Vorstand vertreten sind Der Gewann „Neuer Bann“ ist zum Teil stark mit der Reblaus verseucht, so daß die Umlegung dort sehr dringlich ist. Es ist in der Gemarkung Ortenberg das jüngste Rebgelände und hat jeweils die größten Erträge gebracht. Bis zum Jahre 1783 befand sich dort ein Eichwald, der abgeholzt und zu Reben angelegt wurde. 50 Jahre Im Dienst der Kirche Diersburg, (s) Am 1. November 1900 trat der Jetzige Mesner Georg Kempf seinen Dienst in der hiesigen Kirche an. In diesen 50 Jahren pflichtbewußter Tätigkeit sah er vier Geistliche kommen und gehen. Unter Pfarrer Hamm erwarb er die Mesnerstelle, dann folgten Pfarr- verwbser Leger, Pfarrer Römer und der jetzt die Gerne 5 nde, leitende Pfarrer Franz Weimert Da der Jubiläumstag auf Allerheiligen fällt, wird die Ehrung des Jubilars bereits am Christkönigsfest (29. Oktober) im Gasthaus „Zum Hirsch“ vorgenemmen werden. Silberne Hochzeit Berghaupten, (g) Am Dienstag konnten die Eheleute Otto Faißt und Luise, geh. Faller, ihr 25jähriges Ehejubiläum feiern. Zur Hochzeit ein Ständchen Hofweier, (h) Den Bund fürs Leben schlossen der Verwaltungsangestellte Heinrich Klumpp und Claudia Ritter. Fräulein Ritter und Herr Klumpp waren äußerst rührige Mitglieder des Gesangvereins. Aus diesem Grunde ließen es sich die Sänger nicht nehmen, dem Brautpaar ein Ständchen zu singen. Ebenfalls vermählten sich der Schmied Theodor Wörter und Mechthilde Ritter. Schutterwald, (s) Zu dem schön geschmückten Hochzeitshaus brachte der hiesige Kirchenchor seiner treuen Sängerin Rosa Hansert ein gutgelungenes Ständchen. Sie hat sich am darauffolgenden Tag mit Walter Spinner vermählt. Silberne Hochzeit Windschläg, (st) Schreinermeister Kail Glatt und Frau Amal'e geb. Hornstein begehen diese Woche das Fest der silbernen Hochzeit Oberharmersbach, (m) Einem ausgewachsenen Wildschwein, das ungestört an dem Gehöft des August Roth, auf dem Berg, vorbeizog und sieh dann in der Nähe des Hofes in einem Buschwerk' ein Lager zurecht machte, rückten Väter und Sohn, mit Axt und Gabel bewaffnet, zu Leibe. Der Söhn, der mit der Axt auf das Wildschwein einschlug, wurde von demselben zu Boden geworfen. Der Vater konnte mit der Gabel ebenfalls nicht viel aus- richten, und wurde derart angefallen, daß er erhebliche Verletzungen am Oberschenkel erlitt und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Zu Grabe getragen Unterharmersbach (1). Vergangenen'Samstag wurde die im 67. Lebensjahr verstorbene Frau Luise Harter, gcb. Hermann, auf dem Zeller Friedhof zur letztem Ruhe bestattet Die Wertschätzung der allzeit ruhigen und fleißigen Frau kam in der großen Anteilnahme bei der Beerdigung zum Ausdruck. Im Wa d erhängt aufgefunden Zell a. H. (s) Ein hiesiger, im Dienste der Stadt stehender Arbeiter, wurde dieser Tage im Wald erhängt aufgefunden. Die Motive zu dieser unseligen Tat sind ungeklärt. Der Mann hinterläßt eine Frau und drei Kinder, denen sich die allgemeine Teilnahme zuwendet. Nordrath. Zu unserem letzten Bericht wäre richtigzustellen, daß es sich bei der Hochzeit um das Brautpaar H. Schnurr vom Sägewerk Schnurr (nicht Scheurer) in Nordrach-Kolonie und Annemarie Spitzmüller gehandelt hat. Sport in der Heimat Bohlsbacb 1 — Appenweier I 1:5 (1:1) Bei schönstem Pußballwetler begannen beide Parteien mit schwungvollem Auftakt das Spiel. Schon nach 10 Minuten konnte der Mittelstürmer der Gastgeber zum 1:0 einsenden, dem nach einem groben Fehler der Platzmannschaft der gegnerische Ausgleich folgte. Dieser Stand blieb bis zur Pause. Tn der 2. Splelhfilfte wurde ziemlich ausgeglichen gespielt, die Schiedsrichterleistung iedoch ließ zu wünschen übrig. Damit soll aber nicht die Spielweise der Gäste geschmälert werden, • denn beide Parteien wurden in gleicher Weise benachteiligt. Kurz nach der Halbzeit konnten die Gäste zum 1:2 einschießen, d. h. der Ball traf die Außenkante des Tores, aber der Schiedsrichter gab Tor. Die Entmutigung, die die Platzmannschaft ergriff, benützten die Gäste zu einem kraftvollen Endspurt, und zogen bis auf 1:5 davon. Kurz vor Schluß iedoch drehten die Gastgeber nochmals mächtig auf, doch der guten Apoenweierer Verteidigung war es zu verdanken, daß nur noch ein Tor fiel. Der Sieg der Gäste war verdient, in dieser Höhe allerdings nicht. le. Handball-Kreisklasse — Staffel Offenburg-Kefcl: Schutterwald n — Offenburg IX 10:3 Griesbe'm — Ohlsbach 2:12 Willstätt — Marlen 2:4 Kork — Urloffen 6:3 Tischtennis: tv Ottenburg n — ofv n «:ie Da* aut Samstag, 81. Oktoter, an-esagte Turnier zwischen den beiden Offenburger Tischtennisabteilungen fand am Dienstag, 24. Oktober, statt- Mit großer Spannung war dieses erste Spiel erwartet worden, da keine Mannschaft ihrer Abteilung eine Niederlage bringen wollte. SömU gab es entgegen aller Erwartungen doch eine Ueberraachung. Der OFV konnte die Mannschaft des Turnvereins mit dem Gesamtergebnis 16:0 schlagen, wobei das Sätze- verfcältni* mit 32:2 ebenfalls für die ausgezeichnete Spielform der Siegermannschaft anrach. Trotz diesem Unterschied ln der Kr&ftemessung beider Mannschaften brachte das Sniel insoweit eine Snannung mit sich, als die Frage entstand, ob es dem OFV gelingt, alle Punkte für sich ru erringen. Das Spiel wurde in fairer Art von beiden Selten aus durchgeführt. Zirkus Brumbach kommt nach Gengenbach Gensenbech. (a). Allen Freunden der M^nnse und Artistik wird am kommenden Samstag und Sonntag Ge’esenbeit gegeben, Pferde-, Löwen- und Elefantendressuren anzusehen. Der Zirkus Brumbach wird für zwei Tage seine Zelte in der Schneckenmatt aufschlagen. Manch atemberaubende Leistung, wie etwa der Sprung eines Artisten von der Zirkuskuppel in den Löwenkäfig wird geboten werden. Wir gratulieren Bohlsbacb (m) Frau Adelheid S1 e b e r t, geb. Burger, konnte am Dienstag in geistiger und körperlicher Frische im Kreise ihrer Angehörigen die Vollendung ihres 75. Lebensjahres feiern. Wir wünschen der Jubilarin einen gesegneten und sonnigen Lebensabend. Gottesdienstordnungen Gengenbach. Freitag . 6.30 hl. Messe für Frau- J£mll Scherer und Großeltern; 7.00 hl. Messe zu Ehren des hl. Judas Thaddäus; 7.15 Lghülergotteslenst; 2. Opfer mit hl. Messe für Andreas Lehmann, Schwaibsch. — Sams+ag (Fest der Apostel Simon und Judas): 6.39 hl. Messe für Malermeister Alb. Lehmann u. Eltern: 7.15 hl. Messe für die Pfarrgemeinde; 7.30 in Haigerach: hl. Messe für Anton Diener: 18.00 Rosenkranz mit Segen. Nordracb: Fre'tag 6.45 hl. Messe für Aug. Rink, Ehefrau und Kinder; 7.15 Jahrtagsseelenamt für Erwin Göhrlng. — Samstag 6.45 Jahrtagsmesse für Justin* Heger und Ehrmann Karl; 7.15 Jahrtags- messe für Georg Bildstein (Ernsbach); 16.30 und 18.30 Uhr: Beichtgelegenheit. Zell a. H„ Freitag: 6.45 hl. Messe für Marie Arnold, geh. Wöller von Zell: 7.15 Schülergottesdienst mit Singmesse für Friedrich Fehrenbach und verst. Angehörige von Unterharmersbach. — Samstag: 6.45 hl. Messe für Bernhard Lehm-nn, Sohn des Schreinermeisters Lehmann von Zell; 7.15 Jahrtagsmesse für Valentin Halter, verst. Kinder und Angehörige von Oberentersbach; 14.00 und 17.00 Beichtgelagenheit; i8.0#^Rosenkranz mit Segen. Evang. Kirche Gengenbacb: Freitag *0.00 Uhr: Bittgottesdienst für die Kriegsgefangenen und Internierten. Offenburger Tageb’att Chefredakteur: Adolf Kimmlg verantwortlich für Politik: Adolf Kimmlg Bariner l-ano omi Snort- Herber» Ruhte* Kultus und Unterhaltung: Karl Gles (1. Uri.): 1. V.: Adolf Kimmlg Lokales. Di Alfred Gatter Landwirtschaft! Beite«e Walter Plchert Druck: A. Reiff & Cie„ Offenburg Mit Namen gekennzeichnete Artikel stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar „Wieder gesunde Füße!“ „Kein Brennen und Jucken mehr!“ - „Kein Wundlaufen mehr!“ „Von lästiger Schweißbildung restlos befreit!" so heißt es in Dankschreiben über Klosterfrau Aktiv-Puder. Verblüffend saugfähig, geruchbindend und wundheilend hält er cier'uße gesund, hilft er Strümpfe und Schuhwerk schonen! Jeder sollte ihn jetzt täglich anwenden. 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