LACHEN WIR MAL... lto Gasthof trafen sich zwei Bauern. Der eine reichte dem andern die Hand und sprach: „Ich habe gerade erfahren, daß dein Bruder gestorben ist, ich spreche dir mein Beileid aus!“ »Wie?“ fragte der andere, denn er hörte nicht gut. „Ich hörte, daß dein Bruder verstorben ist!“ „Rede doch lauter! Ich verstehe kein Wort!“ „Man hat deinen lieben Bruder begraben müssen!“ „Ja — leider! Er ist nämlich gestorben!“ * Ueber das Gebirgsflüßchen führt eine Brüche. Dahinter liegt das Wirtshaus „Zum vierfachen Echo“. Jüngst kam ein Wanderer über den Steg, las das Gasthausschild und jodelte sofort probeweise. Aber ohne Erfolg. Stattdessen kam der Huberwirt aus dem Haus. „Warum nennen Sie Ihr Wirtshaus ,Zum vierfachen Echo'?“ fragte der Wanderer verwundert. „Ich kann nichts davon hören!“ „Nein, nein, hier ist auch kein vierfaches Echo“, bestätigte der Huberwirt gemütlich, „aber sehen Sie, der Gemeinderat hat beschlossen, für das Passieren der Brücke zehn Pfennige Wegegeld zu erheben, damit die Anlage rauskommt. Ich kann aber nicht immer aufs Kassieren achtgeben, und so meldet sich eben mit dem vierfachen Echo jeder selbst an, der rüber komm! Darf ich also bitten?“ „Wieviel Glas Bier trinken Sie wohl täglich?“ fragte der Kurgast den Wirt zur „Grünen Schlucht“. „Nun, so achtzehn bis zwanzig!“ „Was? Ich glaube, ich könnte nicht einmal so viel Glas Wasser an einem Tage trinken!“ „Das glaube ich gern“, nickte der Wirt eifrig, „das könnte ich auch nicht!“ * Als Ambusch das kleine Dorf verlassen wollte, gab man ihm einen Abschiedabend. Sein Freund Ferdinand stand auf und sprach: „Und nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wollen wir auf das Wohl unseres lieben Mitbruders Anton Ambusch anstoßen, der uns verlassen muß. Hier, in unserer lieben Heimatgemeinde ist er geboren worden, hier wuchs er zum Jüngling, zum Manne heran. Hier nahm er ein Weib und sah seine Kinder groß werden — und wir alle hofften, daß er auch hier sterben würde! Aber es hat nicht sollen sein . . . * Ammerdorf am See. Dort gibt es auch ein Postamt. Am Schalter saß der Beamte. Samstag kam der Krugwirt vorbei und fragte: „Wie wird morgen das Wetter, Herr Pichler?“ „Hoffentlich regnet es!“ „Hoffentlich?“ „Ja! Haben Sie eine Ahnung, wieviel Ansichtskarten wir sonst bei schönem Wetter abstempeln müßten!“ RÄTSELECKE Kreuzworträtsel 1 2 3 r = ■*= ft 1 n m • -jji l 1 1 : • . 1 9 10 \e 1 11 tf 1 3 H E 1& « N 17 1 18 10 to 21 [ 2 9 y Hu ■ *” ■ Waagerecht: 1. Tierwohnung; 4. Geländeform; 6. Fluß in Thüringen; 7. schiffbarer Kanal innerhalb der Stadt; 9. Gesangstück; 11. Drama von Hauptmann; 14. Lohnsatz; 15. Sternbild; 16. Saugwurm; 18. Roman von Zola; 19. Flachland; 22. Stadt an der Etsch; 23. Südfrucht; 24. seemännischer Befehl. Senkrecht: 1. Werkzeug; 2. Nebenfluß der Weser; 3. Laubbaum; 4. Süßwein; 5. geometrische Linie; 7. Handwerkszeug; 8. Ausdruck beim Lottospiel; 9. griechische Göttin; 10. Inselbewohner; 12. weiblicher Vorname, Kurzform; 13. Sammlung von Aussprüchen; 17. Maurerwerkzeug; 20. Raubtier; 21. Teil des Gesichts. Auflösung: Kreuzworträtsel •aseN -\Z !Joea 0Z AI {eov £i !en zi !sji 01 iaiV '6 ‘.atuaj, 8 ioiRä A taieuogecci •fi ‘.buoSbjibx k !aunn 6 :jouv Z ipaa l :tqDaa3(uag aoH fZ !auis[ajdv BZ - B IV •zz :auaqa '61 !bubn öi !ia8a ’9I iuouo SI !juex H !e3ia u fauy '6 ‘4»3ia 'A huu '9 Ipuetpjex ^ ineg T nqoaiaSeeM. Zahlenproblem 12 3 4 5 6 7 8 9 tMe Zahlen von 1 bis 9 sollen so untereinander ausgetauscht werden, daß die Summe sämtlicher waagerechten und senkrechten Reihen wie auch der Diagonale von links unten nach rechte oben 15 ergibt. abc. Zahlenproblem: Auflösung 915 483 267 geleitet von Helmut Sohn Eine Glanzleistung des Deutschlandmeisters auf der „Schach-Olympiade“ in Helsinki Weiß: Teschner (Deutschland) Schwarz: Planas (Kuba) 1. d2-d4, Sg8-f6; 2. c2-c4, g7-g6; 3. Sbl-c3, Lf8-g7; 4. e2-e4, d7-d6; 5. Sgl-f3, 0-0; 6. Lfl-e2, Sb8-d7; 7. 0-0, e7-e5; 8. Tfl-el, Tf8-e8; 9. Le2-fl, c7-c6; 10. b2-b3 (Eine offensichtliche Herausforderung, die auch prompt angenommen wird) 10.... e5xd4; 11. Sf3xd4, Sf6-g4 (Sieht, in Verbindung mit den folgenden Zügen, recht vielversprechend aus, aber unser Deutschlandmeister hat am Ende weiter gerechnet); 12. Ddlxg4, Lg7xd4; 13. Lcl-b2, Dd8-f6; 14. Dg4-g3, Sd7-c5; 15. Tal-dl, Ld4-e5; 16.Dg3-e3, Sc5-e6; 17. g2-g3, g6-g5; 18. Lfl-g2, g5-g4; 19. Tdl-d3, Se6-d4; 20. Td3xd4ü (Die taktische Widerlegung, wenn Weiß dabei auch stark von der gegnerischen Zeitnot unterstützt wird) 20.... Le5xd4; 21. Sc3-d5 Stellung nach 21. Sc3-d5! Schwarz: Planas Weiß: Teschner (Die Pointe!) c6xd5; 22. Lb2xd4, Df6-g6; 23. c4xd5, Lc8-d7; 24. Ld4-b2, Ta8-c8; 25. De3-d4, f7-f6!; 26. Lg2-fl!, Dg6-g5; 27. Dd4-b4!, Tc8-c2; 28. Db4xd6!, Tc2xb2; 29. Dd6xd7, Dg5-e5; (Verliert — im Mattangriff! Nach Tc8-f8! wäre es nicht so glatt, jedenfalls erst nach längerem Kampfe, „gegangen“!); 30. Tel-cl!, De5-e7; 31. Dd7xg4, Kg8-h8; 32. Dg4-f4, De7-e5; 33. Df4-f3, Kh8-g7; 34. Lfl-h3, Te8-e7 (oder 34.... De5xe4; 35. Tel~e7+, Kg7-g6; 36. Lh3-f5+!, De4xf5; 37. Te7-g7+ mit Damengewinn!) 35. Lh3-f5, Tb2xa2; 36. Df3-g4+, Kg7-h6 (oder Kg7-f8; 37. Lf5- e6!); 37. Dg4-h4+ und Schwarz gab auf, denn er verliert, ähnlich wie in der obigen Variante, die Dame. MhÄin unbSkaiswalö 44 'eimatbeilage zum QVochenenae S. JAHRGANG Samstag, 23. August 1952 Nummer 34 Der Hir£e auf dem Schauinsland Sein größter Wunschtraum: ein Kofferradio / Von Karl Gies Ich habe ein merkwürdiges „Interview“ gehabt. Ich sprach mit Hans Kolb. Wer Hans Kolb ist? Nun, er ist kein führender Politiker, kein bedeutender Künstler oder berühmter Wissenschaftler. Er ist der Hirte der Kuh- und Ziegenherde des Lo- renzbauern vom Schauinsland. Seit über dreißig Jahren hütet er hier oben seine Herde. Abseits vom Strom der Besucher, die meist mit der Schwebebahn, auch in Omnibussen und Wagen heraufkommen, knallt er die Peitsche hinter widerspenstigem Rindvieh und eigenwilligen Geißen her. Es ist für ihn schon etwas eintönig-einsam hier „heroben“ auf dem Schauinsland, trotz noch so wundervoller Ausblicke in eine großartige Welt der Naturschönheiten. Seit über dreißig Jahren ist es für ihn immer dasselbe. Was ist so ein Hirte schon für ein Mensch. In den alten Lesebüchern liest man zuweilen von ihm, daß er stundenlang auf einem grünen Hügel liegen, phantasieren und Weisheiten ausspinnen kann. Es wird manchmal berichtet, daß solche Hirten schon zu berühmten Leuten in ihrem späteren Leben wurden, weil sie so viel Zeit und Muße hatten über das Leben nachzudenken. Ist das aber, genau besehen, nicht eine schöne Legende? Hans Kolb, der Hirte vom Schauinsland, zählt jedenfalls nicht zu ihnen. Ich sah ihn nicht müßig liegen. Er knallte immer wieder mit seiner Geißel und war mächtig hinter seiner Herde her. An dem grünen Taleinschnitt über der Kappeier Wand, wo ich unter einer vom Sturm verkrüppelten Buche von schorfiger Rinde im Grase lag, machte ich die Bekanntschaft mit Hans Kolb. Er sah mich dort allein meinen Gedanken nachhängen und mochte wohl in mir einen Genossen der Einsamkeit vermuten. Er kam von seiner Herde hergelaufen und trug mich nach der Uhrzeit. Zunächst wollte ich fast über sein Wesen erschrecken. Der untersetzte Mann mittleren Alters, aus dessen magerem, unrasiert-struppigem Gesicht ein paar grünlich leuchtende Augen hervorstachen, hatte wenig Vertrauenerweckendes. Aber an diesen Augen sah man sofort, daß er harmlos war. Seine Stimme verriet ihn als gutmütig. Mit gedrungener Peitsche fuchtelnd, ein wenig fahrig, stand er da. Ein alter, etwas speckiger, zerbeulter Hut war geradezu gefährlich von Bremsen, ungewöhnlich großen Bremsen, umwittert. Trotz der Mittagshitze, es war gegen ein Uhr, trug er über einem blauen Monteuranzug einen ersichtlich viel zu weiten, abgeschabten Ledermantel, der immer wieder über eine der viel zu kurzen Schultern rutschte. Er kam mir darin vor, wie ein verunglückter Nikolaus, der Kinder fürchten machen soll. „Komm nach heroben“, meinte er, „da gibt es eine schöne Sicht“. Ich schritt mit ihm bis in die Nähe der Observatoriums- Baracke (er nannte sie Sanatoriumsbaracke). Freilich der Blick hier oben - ich kannte ihn schon zur Genüge - war unvergleichlich. Rechts hinüber sah man auf den Feldberg und das ihm einzigartig zu Füßen liegende lange Tal von St. Wilhelm, links sah man über das tiefe Kappeier Tal bis nach Freiburg und weit darüber hinaus über den Kaiserstuhl, den weingesegneten, über den Rhein bis zu den Vogesen hin. Manchmal zogen über den Höhenrücken des Schauinsland rasche Wolken. Aber die Täler lagen im schönsten hellen Sonnenglast. Grüne Matten, braune Felder. Sommerlich rot leuchteten die winzigen Dächer der menschlichen Behausungen freundlich und friedlich herauf, umrahmt vom dunklen Grün der stillen Wälder — das Auge ruhte in ihnen wohltuend aus. Aber was mir nahezu ein Traum war, war für den Hirten Hans Kolb nüchterne Realität. Er sprach unermüdlich auf mich ein. „Siehst da herüben auf dem Feldberg die Kuhweide?“ Er wies mit dem Finger auf einen bräunlichen Fleck. Was sah dieser Mann schon von dieser Landschaft, die er auf seine Weise schön fand. Er sah dort drüben nur den anderen Hirten mit seiner Kuhherde. Er dachte an sein Alltagsgeschäft. Und es war ein banales, ein ersichtlich ärgerliches Geschäft, das er trieb, wie ich immer wieder feststellen mußte. Die Geschichte vom geruhigen Hirten, ja, sie war nur eine schöne Legende. Das Gespräch wurde immer wieder unterbrochen, weil eines der Tiere aus der Reihe tanzte. Mit der Peitsche knallte er hinter ihm her. Es war besonders „die Geiß’“, die ihm immer wieder zu schaffen machte. „Wart hier auf mich“, bat er, und rannte hinter der Mutwilligen her. Aber dann erzählte er mir doch, während ich mich der stechenden Bremsen erwehren mußte, die seinem Ledermantel nichts an- haben konnten, in dem er freilich erheblich mächtiger schwitzte, als ich in meinen Shorthosen, von seinem einfachen Leben und seinen Sorgen. Beim Lorenzbauern, dem Kirchlebur bei der Kapellen, der ihm Kost und Schlafstelle gibt, verdient er gerade kein Vermögen. „Schau die Schuhe, ich müßte wieder neue haben. Ich müßte Kleider haben, der Verbrauch bei Wind und Wetter ist beträchtlich. Ich muß sie selber stellen. Kannst mir nichts besorgen?“ Zu meinem Erstaunen hörte ich, daß er wintersüber in Freiburg wohnt, wo er ausgebombt sei. Er habe natürlich auch andere Wünsche. Ob ich sie ihm nicht erfüllen könnt. Gar zu gerne hätte er eine Pfeife und Tabak, um die lästigen Bremsen zu vertreiben. Rasch rückte er auch mit seinem größten Wunsch heraus: dem großen Traum seines Hirtenlebens: Er möchte einen Kofferradio haben. Man bekomme fabe - hafte Apparate drunten in der Tauschzentrale in Freibur- Ob ich diese Tauschzentrale kenne? Ob ich zu ihr hinkomme und ihm einen solchen Apparat besorgen könne? Er hielt micn offensichtlich für einen Krösus, weil ich ihm wohl so ermunternd zuhörte. Irgendwie machte ich ihm wohl heimliche Hoffnungen. ■ mf’ Eine Aufnahme, wie man sie nicht häufig sieht: Dies ist eine Schwarzwälderin, die zu Besuch auf einer Alm bei Oberstdorf mit dem Sennen ein lustiges Interview führt. Foto: Hans Retzlaff Ich käme ja wieder herauf zum Schaulnsland und wenn nicht, seine Anschrift sei mir ja bekannt, er wohne, wie gesagt, beim Lorenzbur, dem Kirchlebur bei der Kapellen. „Weißt“, meinte er, „auch die Tiere lieben Musik. Letzten Sonntag spielte hier heroben eine Musikkapelle und da hättest sehen sollen, wie sie alle die Ohren spitzten, die Kühe und die Geißen! So ein Kofferradio...!“ Hans Kolb kam nicht mehr los von seiner Lieblingsidee. Ich konnte ihm keine Hoffnungen machen, durfte sie ihm aber auch nicht zerstören. Vielleicht daß der Rundfunk sie ihm erfüllen könnte vielleicht auch, daß ein freundlicher Menschenfreund, der über größere Geldmittel verfügt als ich, Hans Kolb, dem Hirten vom Schauinsland, helfen könnte? Diese Zeilen seien als ein Appell an gutherzige Leser hierher gesetzt. Man stelle sich die Freude Hans Kolbs vor, wenn ihm plötzlich sein geliebter Kofferradio übergeben würde! Wenn er zum ersten Male auf dem Schauinsland Musik einschaltete und vielleicht ein Strauß’- scher Walzer erklingen würde. Die Kühe und Geißen horchten wohl auf und — wer weiß! — vielleicht ließen sie sich in kecken Sprüngen zu einem Tanz verführen... zu einem fröhlich»! Tanz auf dem herrlichen Schauinsland.... We^Iauf um Sekunden Wenn man erstmals diesem, im alten Aulabau der Karlsruher „Fridericiana“ untergebrachten Institut einen Besuch abstattet, glaubt man zunächst nicht daran, in einem wissenschaftlichen Laboratorium, sondern in einem modernen Uhrenladen oder in einer neuzeitlichen Werkstätte zu sein. Rings an den Wänden hängen die Uhren aller Fabrikate und Modelle, auf den Tischen liegen die kleinen Wunderwerke deutscher Präzisionsarbeit und man gewinnt den Eindruck, daß es hier in diesen Räumen wirklich nur eine Zeit gibt, so „genau gehen die Uhren“. „Es ist oft ein Wettlauf mit Sekunden“, bemerkte sehr treffend Direktor Professor Dr. Schlötzer, „auf den unsere Arbeit seit zwanzig Jahren ausgerichtet ist.“ Das „Institut für Zeitmeßkunde und Uhrentechnik“, 1930/32 von der Deutschen Gesellschaft für Zeitmeßkunde und Uhrentechnik aufgebaut, hat nach seinem gründlichen Wiederaufbau seine alten Beziehungen zum Auslande wieder angebahnt. Seine Hauptaufgabe ist, durch wissenschaftliche Forschungs- und Prüfungsarbeiten der deutschen und besonders der- Schwarz- Wälder Uhrenindustrie helfend zur Seite zu stehen. Wir machen einen Rundgang und stehen vor einer Zeitwaage, einem komplizierten elektrischen Apparat, mit dem in kürzester Zeit der Gang zweier Taschenuhren verglichen werden kann. Er gestattet, eine Uhr in etwa einer Viertelstunde Abend am Bodensee goto: Heinz Finke (Konstanz) i >v - ■ * * DER SOMMER GEHT Im Garten vor dem Pfarrhaus blühn Veil, Sonnenblum und Rosmarin. Vincula Petri geht alsdann den Weizen mit der Sense an. Die Traube kocht, es gilbt der Mais, die Störche sammeln sich zur Reis’, und beib’n sie noch nach Barthelmä, ein Winter kommt, der tut nicht weh. Brachüber grast das Weidevieh, und auf den Tennen schlagen sie den Flegeltakt durchs ganze Land. So geht das Ackerjahr zu Rand. Josef Weinheber. (Aus: „O Mensch / gib acht!“ — Ein erbauliches Kalenderbuch für Stadt- und Landleut.) / Forschung im Dienste der Uhrenindustrie ' Von Kurt Engel für eine bestimmte Lage auf den richtigen Gang zu regulieren. Ein neuer Federprüfungsapparat zeichnet in fortlaufender Registrierung das jeweils herrschende Kraftmoment der Zugfeder einer Wanduhr auf, und wie man aus einem Diagramm ersieht, nimmt das Drehmoment durchaus nicht gleichmäßig ab, sondern es kommen erhebliche Stöße und Sprünge vor, so daß es beinahe einem Sägeblatt gleicht. Solche Kraftschwankungen haben natürlich auf die Gangart der Uhren einen bedeutenden Einfluß. Man führt uns einen Apparat vor, der alle Pendelschwingungen der zu prüfenden Uhr photographisch aufzeigt Sie werden auf „Herz und Nieren“ geprüft. Mit dieser Untersuchung soll herausgefunden werden, wie die Uhr auf Unregelmäßigkeiten der Feder reagiert und welche Größe der Kraftschwingungen noch als zulässig betrachtet werden kann. Interessant sind auch die Feststellungen, daß bei Holzpendeln mit etwa 22 cm Länge die Uhren bei nur 10 Prozent Feuchtigkeitsgrad im Tage etwa drei Sekunden nachgehen. Dabei ergab sich, daß die elektrisch aufgezogenen genauer sind, wie die Uhren mit Federaufzug und die Gebrauchswanduhren in Regulaturausführung mit Zugfedern. Wir reichen dem „Uhrenprofessor“ unsere Armbanduhr. Er öffnet Glasdeckel und Gehäuse und berichtet uns dazwischen, ‘daß bei der raschen Entwicklung dieser Industrie, besonders in Württemberg und Baden (Pforzheim) noch mancherlei Verbesserungen zu treffen seien. Lage und Temperatur spielen eine erhebliche Rolle. Sie werden daher je eine Woche lang bei täglicher Ablesung geprüft. Zur Durchführung dieser Untersuchungen sind Spezialapparate erforderlich, die das Karlsruher Institut — trotz starker Bombenschäden — noch besitzt. Sie werden in eigenen Versuchswerkstätten angefertigt. Ebenso die Chronographen, die das Interesse der ganzen Fachwelt auf sich ziehen. Zur Untersuchung kleinster Bestandteile schließlich dient ein Panihot mit mikrophotographischer Einrichtung bei gewöhnlichem und polarisiertem Licht. ..Noch viele Probleme“, meint Professor Dr. Schlötzer abschließend, „gibt es auch in der Erforschung der Uhrentechnik zu lösen, genau so wie in der Uhrenindustrie unserer engeren Heimat, mit der wir Zusammenarbeiten. Auch in Bezug auf Materialfragen treten Forderungen heran, die sich mitunter als sehr schwierig erweisen. Es muß angestrebt werden, durch wissenschaftliche Forschungsarbeit der deutschen und besonders der Schwarzwälder Uhrenindustrie die Unterlagen zu geben, um alle Uhrenbestandteile selbst herstellen zu können. NACHMITTAG AM BODENSEE Die Stille ist wie zartes Glas Kristallen übern See gespannt Femüber träumt das blaue Land Verborgen hinterm Ufergras. Und Well’ auf Welle lautlos zieht Und schmilzt in gold’ner Sonnenbahn So wolkenleicht dein Herz entflieht Kein Schmerz rührt dich mehr an. ~~ Unsäglich reine Zeichen malt Der Möve Flug ins leise Blau. Der Firne Haupt unendlich strahlt, Daß du erbebst in tiefer Schau. Walter Franke TN. Tnvt . "N/T I J11 * / Zum Freiburger WeinbaukongreB Die »Khinozeros=I v leaaule« / von otto Emst sutter In diesen Tagen, in denen der Deutsche Weinbaukongreß in Freiburg stattfindet, beschäftigt man sich auch mit der Frage, wie den Gästen der vielköpfigen Versammlung die Oberrhein-Landschaft in ihren Beziehungen zum Rebbau und zur Kellerwirtschaft nahegebracht werden kann. Von den Leistungen der Winzer der Gegenwart werden auf Exkursionen die Teilnehmer der Konferenz sich unterrichten können. Indessen liegt es nahe, ihnen auch einen Blick zu erschließen in die Geschichte des Rebbaues unserer Gebreiten. Leider ist das ausgezeichnete Werk von Karl Müller über die „Geschichte des badischen Weinbaues“ noch immer nicht neu aufgelegt. Es wäre sehr zu wünschen, daß dies bald geschähe. Unter den Gestalten, die sich im vergangenen Jahrhundert um die Pflege von Rebbau und Kellerwirtschaft verdient gemacht haben, steht Adolph. Blankenhom in der vordersten Linie. In dem 1843 zu Müllheim geborenen hervorragenden Manne darf man den Schöpfer des neuzeitlichen Weinbaues sehen. Seine Bedeutung freilich reicht weit über die badischen Rebland- schaften hinaus. Erkenntnisse, die er zutage gefördert hat, sind den Winzern in allen Ländern zugute gekommen. Der einundzwanzigjährige Dr. phil., der nach Abschluß der Studien 1864 die Universität Heidelberg verließ, ließ sich vom väterlichen Weingut im Markgräflerland nicht festhalten. Hatte doch von ihm die Einsicht Besitz ergriffen, daß der Rebbau einer wissenschaftlichen Erforschung seiner Voraussetzungen bedürfe, so wie andere Zweige der Landwirtschaft damit bereits angefangen hatten, sich Entdeckungen und Erfindungen der Laboratorien an den Unversitäten und Technischen Hochschulen zu Nutzen zu machen. Aus eigenen Mitteln schuf Adolph Blankenhom in Karlsruhe das erste Weinbauinstitut. Bald gründete er auch ein eigenes Fachorgan. Und als 1874, nachdem er bereits begonnen hatte, an der Technischen Hochschule in Karlsruhe Vorlesungen über neuzeitlichen Rebbau und planmäßige Kellerwirtschaft zu halten, der Deutsche Weinbauverband ins Leben trat, erwählte dieser den Professor Dr. Adolph Blankenhom zu seinem ersten Vorsitzenden. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß vor allem der damalige Pfarrer von Hagnau, Heinrich Hansjakob, der in dem Bodensee-Rebort 1881 die erste Winzervereinigung ins Leben rief, zu den Bewunderern Blankenhorns gehörte. Xsfflssj i Im schönen Gutachtal. Der Malerpoet Eugen Falk-Breltenau, ein eifriger Mitarbeiter unseres Heimatblattes, skizziert einen Idyllisch gelegenen Bauernhol. Foto Günther Hausberg Die Winzer selbst, vor allem die kleinen und kleinsten Betriebe, ließen sich nur ganz allmählich von der Richtigkeit der Lehren, die von Adolph Blankenhom entwickelt wurden, überzeugen. Das indessen störte den energischen Mann, der übrigens seine Gedanken in origineller Form aussprach, nicht im geringsten. Er pflegte nie ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Aller Bequemlichkeit rückte er scharf auf den Leib. Besonders überraschend aber mag es anmuten, zu erfahren, daß der Schöpfer neuzeitlicher Verfahren im Rebbau und in der Weinbehandlung mehr und mehr der Meinung sich verschrieb, je weniger Wein man trinke, desto besser sei dies. Er wetterte gern gegen die „Markgräfler Krankheit“. Und wenn ihm jemand begegnete, der unbekümmert Wein wie Brunnenwasser hinabgoß, so griff er in die Tasche, holte die „Rhinozeros- Medaille“ oder den Orden vom „Branntweindrachen“ aus der Tasche und heftete sie dem allzu unbekümmerten Zecher auf die Brust. Ganz alltäglich mutet es fürwahr nicht an, daß ein Geist, der seine Lebensarbeit darin sah, guten Tropfen in Faß und Flasche zu verhelfen, ein Abzeichen schuf, für alle, die sich dem Wein unbedacht überließen. Oder ist es am Ende gar nicht so erstaunlich, daß der Initiator der Möglichkeiten zur Hervorbringung köstlicher Creszensen, der übrigens am Bodensee seinen Lebensabend verbrachte und 1906 verschieden ist, zugleich ein Mentor hinsichtlich des verständigen und gemäßigten Weingenusses war? Denn immer wird, wer mit der Gabe der Reben wirklich auf vertrautem Fuße steht, ei« auch ehren, diese Gabe, indem er sich maßvoll ihrer erfreut. Soviel jedenfalls steht fest, daß Dr. Adolph Blankenhom nicht nur zu den großen Geistern im Bereich des Rebbaues und der Kellerwirtschaft gehört, sondern auch zu den originellsten Köpfen in der Welt des Weines. Der »badische Bach« Von Friedrich Baser Fünfunddreißig Jahre älter als J. S. Bach, starb Johann Kaspar Ferdinand Fischer nur vier Jahre vor ihm; als bedeutendster Suitenmeister vor Händel verdiente er, besser bekannt zu werden, zumal seine „Ariadne Musica“ in ihrer Tonart-Anordnung, darüber hinaus aber auch in manchen Themen da« Vorbild zu Bachs „Wohltemperierten Klavier“ gewesen ist Wir wissen von ihm nur, daß er, in Böhmen geboren, bereit« in den 1690er Jahren Kapellmeister des jung vermählten Markgrafenpaares auf Schloß Schlackenwerth gewesen ist, mit ihm später in ihre zerstörten Stammlande übersiedelte, in das neuerbaute Schloß zu Rastatt auch nach dem baldigen Tode de« Türkenlouis seiner Herrin und ihren beiden Söhnen bis zu seinem Tode 1746 treu geblieben ist und im Laufe seines langen gesegneten Lebens nur ein Dutzend Werke veröffentlich# ha+ sein außerordentliches Können, auch als einer der besten Cembalo- und Orgelmeister seiner Zeit, hätte ihm die größeren Höfe, die weite Welt geöffnet. Aber er blieb seiner Herrin treu, dieser stolzen Sachsen-Lauenburgerin, die so tapfer da« Schicksal trug, jung die Gattin des kühnen Türkenbezwinger« geworden zu sein, der so tragisch den Intrigen am Habsburgerhof erliegen sollte, der einst der Lehrer und imposantest« Kriegskamerad des Prinzen Eugen gewesen war. All diese bitteren Erfahrungen als „treuer Diener seines Herrn“ hat dies« charaktervolle Frau mit ihm getragen und als Witwe ihr ganzes ererbtes Vermögen zum Wiederaufbau seiner zerstörten Stammlande hingegeben. Ihre eigenste Schöpfung ist das Parkschlößchen Favorite bei Kuppenheim und Rastatt, weder pompös noch prahlerisch, aber der getreueste Ausdrude ihre« stillen Familienlebens mit dem Kinderzimmer, dessen Wänd« und Boden mit entzückenden Etdechslein, Schmetterlingen und Käfern ausgeziert sind. Ueber dem großen dreistöckigen Saal schließt die Lichtkuppel ab, in der ihr altvertrauter Hofkapellmeister mit seinen erwählten Musikern all das erklingen ließ, was ihr Trost im Leid und Jubel in der Freud bringen sollte. An anderen Höfen mag anspruchsvoller, repräsentativer konzertiert worden sein, nirgendwo aber intimer als vollendeter Ausdruck häuslicher Vertrautheit. Wer von ihnen beiden, die Markgräfin oder ihr Kapellmeister, den Gedanken dieser Musikkupnel zuerst gedacht haben mag, ist gleich. Richard Wagner hat ihn neu aufgegriffen im „Parsifal“, wo die Knabenstimmen vom Gralstempel herao ihre Himmelschöre erklingen lassen. Auch d ! e Blumenliebe der Markgräfin kehrt in seinen Werktiteln wieder, „Blumenbüs'- - lein“, „Blumenstrauß“ und so weiter. Auch der schöne syrr ■ - lische Titel „Ariadne Musica“ mag der Markgräfin aus dem Herzen gesprochen und erfunden worden sein, der die Musi.: eo oft letzten Trost in bitteren Schmerzen gebracht hat. Nur an diesem Faden der Ariadne konnte er sie aus dem Labyrinth der Qualen hinausführen ins Freie. Das galt ihm mehr als Ruhm, Neunen und Einfluß.