SUDKURIER TAGBLATT FÜR BODENSEE, SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET Dar Mdkwiar enchemt vorerst Man »tag and Freitag . A ■‘tu rnw.n., Doavartaoatr. 12 • Filialen and GeochifUitellse an dan mriatae größeren Ortaa 2. JAHRG. NR. 1 KONSTANZ FREITAG 4. JANUAR 1946 Ba aa l pia l » 20 Ptg. - Beeng dardi dia Poet 1,02 M., durch Träger 1,60 M. a «nijMMiMtiM durch alla OaacbiftiataHaa «od Amtoncaa • Expeditionen Deutsche Anklage Das Verbrechen des Nationalsozialismus am deutschen Volk Eine Aktion des Südkurier zur Ergänzung des Nürnberger Prozesses I. Begründung und Eröffnung / Von Dr. Fritz Harzendorf Der Prozeß, der «eit Wochen vwr dem Forum des Internationalen Gerichtshofes in Nürnberg gegen die deutschen Kriegsverbrecher geführt wird, ist edn politischer Prozeß. Es igt unverkennbar, daß er in doppelter Absicht geführt wird: Er soll in der Vergangenheit begangene Taten als straf- wüdiges Unrecht erweisen und dieses durch gerechte Bestrafung der schuldig Befundenen sühnen. Außerdem aber soll er einen eindeutigen Präzedenzfall schaffen, der das Gewissen der Weltöffentlichkeit weckt, damit eine Wiederholung gleicher Verbrechen in der Zukunft verhindert werde Es stehen als strafwürdige Verbrechen in diesem Prozeß unter Anklage: die planmäßige Vorbereitung und Entfesselung des «weiten Weltkrieges, die in diesem Zusammenhang von der deutschen Regierung begangenen Vertragsbrüche, die im Verlaufe des Krieges von Deutschen verschuldeten Verletzungen des Völkerrechts sowie die gegen Angehörige der Alliierten Mächte verübten Grausamkeiten. Es handelt sich ■Iso bei all diesen Punkten um Taten, die •ich gegen fremde Nationen und ihre Angehörigen gerichtet haben. Dagegen ist in der Anklageschrift verhältnismäßig wenig die Rede von den deutschen Opfern -des nationateozialistiScheiHRe-' gimes und denjenigen Handlungen seiner Machthaber, die sich gegen Angehörige de6 deutschen Volkes und dieses als Ganzes richteten. Zwar spricht die Nürnberger Anklageschrift auch von der Verletzung deutscher Staatsgesetze und allgemeiner Grundsätze des Strafrechts und zählt als Verbrechen die Errichtung der Konzentrationslager im Jahre 1933, die Zerschlagung der Gewerkschaften, den Kampf gegen die Kirchen und die Judenverfolgungen im Reich auf, und sie exemplifiziert diese Verbrechen durch Morde und Gewalttaten, die an deutschen Persönlichkeiten begangen wurden. Die Anklageschrift läßt aber andere Tatbestände außer Betracht, die sich gegen Deutsche richteten. Der internationale Charakter des Nürnberger Prozesses verweist uns Deutsche auf «He Rolle des Zuschauers und Zuhörer«, der dort erst einmal die Wahrheit erfahren und kenneniernen soll, die den meisten von uns bisher vorenthalten oder nur in entstellter Form bekannt geworden ist Wir können in Nürnberg aus vielen Gründen nicht als Kläger auftreten, vor allem darum nicht weil die Verbrechen, die dort zur Aburteilung stehen, nicht primär an Deutschen und an Deutschland verübt worden sind. Vielmehr ist Nürnberg für uns nur die Gelegenheit zu erkennen, daß und in welchem Umfang der Nationalsozialismus die Deutschen zu jenen Verbrechen als Werkzeuge mißbraucht hat. Darum verfolgen wir den Prozeß mit dem Gefühl einer brennenden Scham, die aus der mit dem Fortschreiten des Prozesses zunehmenden Erkenntnis der Wahrheit erwächst. Je klarer diese wird, mnso deutlicher begreifen wir aber auch, «laß die Verantwortlichen des Dritten Reiches nicht nur gegenüber der Welt, sondern such gegenüber ihrem eigenen Volk schuldig geworden sind, wenn auch diese Schuld auf einer anderen Ebene liegt und in einem anderen Sinn verstände«! und beurteilt werden muß. Es ist notwendig und unvermeidlich, Art und Maß dieser Schuld eindeutig und unverwischbar vor uns selbst und vor der Geschichte festzustellen. Notwendig ist dies, damit die Einsicht in diese Schuld Gemeingut aller Deutschen werde; denn nur aus solcher Einsicht kann die radikale Abkehr von der Vergangenheit möglich werden. Unvermeidlich ist es, weil nur eine eindeutige Klärung der Schuldfrage die Grund- teige bieten kann, auf der sich die Deutschen unter sich versöhnen und gleichzeitig hof- len können, auch den Weg der Versöhnung mit den anderen Völkern tu finden. Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Wer aber einmal begriffen bat, welche« Verbrechen durch dem Nationalsozialismus auch am deutschen Volk, begangen worden ist, darf sich durch keine wie immer geartete Rücksicht der Pflicht entziehen wollen, als Anwalt des verletzten Rechtes und damit als Ankläger aufzutreten. Es handelt sich dabei nicht in erster Linie •dar gar ausschließlich darum, denjenigen Minen, denen im Dritten Reich durch willkürliche Rechtsbeugung oder durch eine nicht weniger willkürliche Gesetzgebung schwerstes Unrecht zugefügt worden ist, eine Wiedergutmachung zu verschaffen. Diese wird im Wiederaufnahmeverfahren oder durch Klage auf Wiedergutmachung vor den ordentlichen Gerichten erfolgen müssen. Darüber hinaus aber bleiben Tatbestände, deren Opfer nicht einzelne Deutsche, sondern ganze Schichten des deutschen Volkes und schließlich dieses selbst in seiner Gesamtheit sind. Diese Tatbestände gilt es festzustellen, damit Anklage gegen die Schuldigen erhoben werden kann . Als legitimiert hierzu erscheint jeder Deutsche, dem solche Tatbestände bekannt und bewußt sind. Vor allem aber scheint es uns Aufgabe der deutschen Presse zu sein, durch öffentliche Feststellung und Bekanntgabe solcher Tatbestände die Grundlage zu schaffen, auf der gewissermaßen ein Prozeß der Deutsches gegen die Machthaber des Dritten Reiches geführt werden kann. In (fieser Absicht haben wir uns entschlossen, untersuchen zu lassen, welcher Verbrechen sich die nationalsozialistischen Gewalthaber am deutschen Volk, am deutschen Menschen und an dem,' jaus w«dw- haft unter deutschem Wesen zu verstehen ist, schuldig gemacht haben. Dabei sind wir tief ’ von der Ueberzeugung durchdrungen, daß allein auf diesem Weg, nicht aber durch Diskriminierung von Einzelpersonen nach iußerlidien Merkmalen eine endgültige Reinigung des deutschen Volkes von allem nationalsozialistischen, ugd darum, wie wir nachweisen werden, auch dem deutschen Geist feindlichen Unwesen zu erreichen ist Aus den festgestellten Tatbeständen wird sich die moralische Anklage ergeben, gleichviel ob diese dann ln einer juristischen Formulierung ver einem deutschen Gerichtshof erhoben werden kann oder nicht. Um welche Tatbestände es rieh dabei handeln wird, ergibt sich, wenn wir von dem verfassungsmäßigen Zustand ausgehen, wie er vor der nationalsozialistischen Machtergreifung bestanden hat Denn alles, was kn Dritten Reich geschehen ist, konnte nur durch Verfassungsbruch möglich werden. Am 28. Februar 1933, aleo 4 Wochen nach der Machtergreifung, ist im Reichsgesetz- bla tt eine Verordnung der Reichsregierung erschienen, die eins Reihe von Artikeln der Reichsverfassung vom 11. August 1919 als aufgehoben erklärte. Die wenigsten Deutschen werden sich damals die Mühe gemacht haben, die Reichsverfassung zur Hand zu nehmen, um darin nachzulesen, welcher Rechte sie durch eine einfache Regierungsverordnung beraubt wurden. Hätten sie es getan, so wäre ihnen damals schon kein Zweifel geblieben, mit welchen Mitteln sie I künftig „regiert" würden. Aufgehoben wurden die Artikel 114, 115, 117, 118 und 153 der Weimarer Verfassung. Diese lauten: Artikel 114: „Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Eine Beeinträchtigung oder Entziehung der persönlichen Freiheit durch die öffentliche Gewalt ist nur auf Grund von Gesetzen zufässig. Personen, denen die Freiheit entzogen wird, sind spätestens am darauffolgenden Tag in Kenntnis zu setzen, von welcher Behörde und aus welchen Gründen die Entziehung der Freiheit angeordnet worden ist » unverzüglich soll ihnen Gelege nh ei t ge g eben .werden,' Anwendungen gegen Ihre Freiheitsentziehung vorzubringen.“ Artikel 115: ,J)ie Wohnung jedes Deutschen ist eine Freistätte und unverletzlich. Ausnahmen sind nur auf ’Grund von Gesetzen zulässig.“ Artikel 117: „Das Briefgeheimnis, sowie das Post-, Telegraphen- und Fern- sprechgeheimnit sind unverletzlich. Ausnahmen können nur durch Reichsgese tx zugelassen werden.“ Artikel 118: „Jeder Deutsche hat das Recht, innerhalb der Schranken der aUi gemeinen Gesetze seine Meinung durch Wort, Schrift, Druck, Bild oder In sonstiger Welse frei tu äußern. An diesem Recht darf ihn kein Arbeite- und Ange- steütenverhältnis hindern, und niemand darf ihn benachteiligen, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht Eine Zensur tindet nicht statt. Doch können für Lichtspiele abweichende Bestimmungen getroffen werden." Artikel 153: ,J3as Eigentum wird von der Verfassung gewährleistet. Sein Inhalt und seine Schranken ergeben sich aus dem Gesetz. Eine Enteignung kann nur aui gesetzlicher Grundlage vorgenommen werden. Sie erfolgt gegen angemessene Entschädigung." Ist es notwendig, heute nach zwölfjähriger Erfahrung mit der nationalsozialistischen Praxis auch nur ein Wort darüber zu sagen, wie diese Grundrechte eines frei«! Volkes mißachtet worden sind, nachdem sie dee Verfassungsschutzes entbehren mußten? Man kann nur mit tiefster Erschütterung den Abgrund ermessen, in den wir von der Höhe dieses Verfassungszustandes ab gesunken sind und kann daran das satanische Verbrechen, das am deutschen Volk begangen wurde, sowie das Maß der Schuld erkennen, das die Verantwortlichen des Dritten Reiches auf sich geladen haben. Doch nicht genug damit Liegt für die Mißachtung dieser Grundrechte wenigstens die scheinlegale Berechtigung einer Regierungsverordnung vor, die ihrerseits wieder auf dem ebenso scheinle- galen „Ermächtigungsgesetz" sine« dam wahrea Voikswillen nicht riehr konformen Reichstags beruhte, so beweist das Beispiel des nicht außer Kraft gesetzten Artikels 116 der Weimarer Verfassung, daß sich die Machthaber des Dritten Reiches durch verfassungsrechtliche Zwirnsfäden ln ihrer Willkür nicht hemmen ließ«!. Dieser Artikel lastet nämlich : „Eine Handlung kann nur dann mit Strafe belegt werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich . bestimmt war, bevor die Handlung begangen wurde.“ Wiederum bedarf as nur des Hinweises auf den Inhalt dieses Artikels, um die Erinnerung daran wachzurufen, wie sehr gerade er im Dritten Reich durch die Praxis der Gestapo mißachtet wurde. Die Beispiele ließ«! sich nach Belieben vermehren, doch mag in diesem Zusammenhang die Feststellung genügen, daß das nationalsozialistische Geweltragime auf einem fortge- eetzten Verfaas ung sferuch beruhte. Verfassungsbruch aber ist Hochverrat an der Souveränität des Volkes Und wie die Engländer einen Karl L und die Franzosen einen Ludwig XVI. vor ihr Volkstribunal gezogen und aufs Schafott geschickt haben, weil sie gewagt hatten, die Freiheit ihrer Völker anzutasten,, so i6t es heute die unerläßliche Pflicht der Deutschen, als Voraussetzung eines demokratischen Neuaufbaues ihrer Volkssouveränität die nationalsozialistischen Hochverräter vor ihr Tribunal zu ziehen und sie zumindest unter moralische Anklage zu stellen. Das Beispiel der Engländer und Franzosen gibt uns dabei die Hoffnung, daß aus solcher Selbstreinigung eine dauerhafte Erneuerung im Geiste einer echten Demokratie hervorgehen werde. Dieses geschichtliche Beispiel soll aber auch dazu dienen, uns Deutsche begreifen zu lassen, wieviel schwerer das Verbrechen ist, das an uns begangen wurde, denn weder die Engländer noch die Franzosen sind durch einen Karl L oder einen Ludwig XVI. der völligen Vernichtung ihrer nationalen Existenz ausgesetzt worden. Jene Völker besaßen genügend gesunden Instinkt, genügend politische Einsicht und Willen zur Verteidigung ihrer Freiheitsrechte, um einem Attentat gegen diese schon in „ 4J«U Anfängen zu widerstehen. Die DeÜschen aber ließen sich die verfassungsmäßig^Lverbürgten Grundrechte auch darum raube® weit sie ihre Bedeutung in weiten Schichten überhaupt nicht begriffen hatten odef weil sie zwischen dem, was für die politische Existenz eines Volkes wesentlich und derh, was unwesentlich ist nicht zu unterscheiden vermochten. Der Raub der in der Verfassung garantierten Rechte war der erste Schritt auf einer Bahn, die 1939 in den Krieg und 1945.in die Niederlage führen mußte. Das ist das Wesentliche, das wir alle .begreifen Jemen müssen. Es wird darum eine der wichtigsten Aufgaben unserer Untersuchung sein, den Blick und das Verständnis für das Wesentliche und das Unwesentliche zu schärfen und damit zu einer Erziehung unseres Volkes beizutragen, die eine Wiederholung gleichen Unglücks unmöglich macht In Nürnberg hat die Weltöffentlichkeit den Vorrang, ihre Anklage zu führen und ihr Urteil zu sprechen und zu vollstrecken. Unabhängig und nicht präjudiziert von dem Urteil, das dort gefällt wird, muß das deutsche Volk zu einem eigenen Urteil über das Verbrechen gelangen, das an seinem Wesen und an seiner Geschichte ln den zwölf Jahren der nationalsozialistisch«! Herrschaft begangen werden ist. Tbm kann und darf es nicht genügen, daß die Kriegsverbrecher vom Internationalen Gerichtshof abgeurteilt und bestraft werden. Denn für uns Deutsche handelt es sich um die Selbstreinigung, die allein aus der Erkenntnis des geschehenen Unrechts bervoigebsn kann. Diese Erkenntnis sachlich zu ergründen und mm Gemeingut der Deutschen zu machen, ist Sinn und Zweck der deutschen Anklage, (He zu erheben wir uns entschlossen haben. Das Verfahren, welches der „Südkurier" somit eröffnet, wird sich zunächst in einer sehr einfach«! Form abspielen. Hervorragende Kenner der verschiedenen Gebiete des politischen, sozialen und kulturellen Lebens werden in zusammenfassenden Aufsätzen die Verbrechen darstellen, die der Nationalsozialismus gegen Geist, Sinn und Art des deutschen Lebens begangen hat Aus diesen zusammen fassenden Berichten werden sich die entscheidenden Hauptanklagepunkte herausschälen, die eineT besonder«! Behandlung unterzogen werden «ollen. Am Ende wird in einet noch festzu- stetlenden Form ein Urteil zu finden sein, dem beute nicht vorgegriffen werden soll und kann. Di« Namen der Persönlichkeiteil, die zunächst eingeladen wurden, als Ankläger aufzutreten, bieten Gewähr für eine sachkundige and einwandfreie Art der Untersuchung. Der Zeitraum, in dem sie im „Südkurier" ihre Anklage erheben werden, wird sich übet Monate erstrecken Aber mit unerbittlicher Genauigkeit, und Sorgfalt wird das Verfahren so fortgeführt werden, daß es dis von «ms erhoffte Wirkung erziele* «bi Der SQdkurler stellt in de« Mittelpunkt seiner Arbeit für den Anfang des netten Jahres eine Felge großer Publikationen, weich« heute mit einest Aufsatz von Dr. Fritz Harzendorf eröffnet uad begründet wird. Deutsche Anklage ist der einheitliche Titel, unter welchem diese Veröffentlichungen meammongefaßt seri wer d en. Den Nürnberger Freseß ergänzend, sollen die Darstellungen auizeigen, wessen wir Deutsche selbst, über dis Anklagen der Alliierten hinaus, die vergangene Epoche — und zu einem großen Teil freilich euch ne selbst — au beschuldigen haben. Zunächst werden folgende Fragen behandelt: Das Verbrechen am Recht Das Verbrechen am Glauben Das Verbrechen am Arbeiter Das Verbrechen an den Frauen Das Verbrechen am Soldaten Das Verbrechen an der Wirtschaft Das Verbrechen an der Kunst Das Verbrechen an der Wissenschaft Das Verbrechen am Geist der Geschichte Das Verbrechen an der Jugend Weitere Untersuchungen werden rieh voraussichtlich ansdtUeßen. Am Ende der Reihe werden drei Publikationen stehen: Das Verbrechen am deutschen Volk Deutsches Urteil Der Weg aus dem Unglück Die rar Behandlung dieser Fragen bisher eisgeladeaen Persönlichkeiten sind: Prof. Dr. Gustav Radbrmh; Prot. Dr. Romano Guardini; Emst Jünger; Dr. Gertrud Bäumer; ein Soldat; ein Gewerk- schaftstührer: Dr. Ricarda Hucb; Prof. Dr. Kart Jaspers: Prot. Dr Gerhard Ritter: Prot Dr Eduard Spranger Infolge zeitbedingter, besonders Verkehrs technischer Schwierigkeiten liegt noch nicht von allen Genannten die Zusage ihre) Beteiligung vor. Es wird daher erst später bekanntgegeben werden, wer im einzelnen im Laufe der nächsten Monate das Wort zu den verechiedenen Anklagepunkten ergreifen wird. Der Nachdruck der Aufsätze ist j ede r deutschen Zeitung gestat- ~ las OMMtw—meuIiang ri g|sf«hsr Frim tat, weiche über OmHeaMgil« wie der dhmtsBL Seite 3 f TJDKCBTZ1 Frankreichs Kriegsopfer und der Neubau des Staates Das Budget verabschiedet — Resultate der Säuberungsmaßnahmen Paris. (AFP.) Zum erstenmal werden Jetzt amtliche Zahlen über die Menschenverluste Frankreichs infolge des Kriegs veröffentlicht. Danach beträgt die Zahl der Kriegsopfer 500 000, und zwar 200 000 Soldaten, von denen 150 000 im Kampfe gefallen sind, und 50 000 in den deutschen Kriegsgefangenenlagern gestorbene Militärpersonen, 160 000 Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, von denen 30 000 zwischen dem 10. Mai und 25. Juni 1940 getötet wurden, 40 000 Füsilierte und 90 000 Zivilopfer bei den Operationen, die nach dem 25. Juni 1940 stattfanden. Von den 90 000 zivilen Opfern haben 80 000 während der sechs ersten Monate des Jahres 1944 in der Normandie den Tod gefunden. Dazu kommen noch 97 000 französische Juden und 43 000 andere Franzosen, die nach Deutschland deportiert und in den Gaskammern getötet wurden. Als direkte Folge des Krieges und der Besetzung hat im Jahr 1945 die Kindersterblichkeit einen beunruhigenden Charakter angenommen. Während im Jahre 1944 46 000 Säuglinge im Alter von weniger als einem Jahr starben, beträgt für das laufende Jahr die Zahl der an Hunger, Kälte und Elend gestorbenen Säuglinge 90 000. * SK. Wir melden wieder einmal Zahlen ■— und wieder sind diese Zahlen Summen von Tragödien der einzelnen. Die Zahlen und ihren Inhalt im Zusammenhang einer kurzen Meldung ihrem vollen Gewicht nach zu kommentieren, ist nicht möglich. Wir wünschten aber, daß unsere Leser in unserer Arbeit als ganzem einen Kommentar zu Meldungen von so furchtbarem Inhalt erblickten. Die Säuberung in Frankreich Paris. (AFP) Im Laufe des Jahres 1945 sind im Zusammenhang mit der Säuberung Frankreichs von Kollaborationisten und Verrätern laut Angaben des Justizministeriums 110 000 Untersuchungen eingeleitet worden. Davon wurden 74 411 durch Urteil erledigt. Die Sondergerichtshöfe erließen 2984 Todesurteile, während die Zivilgerichte 43 041 Prozesse erledigten und dabei rund 30 000 Verurteilten die nationale Würde aberkannten Erklärung de Gaulles zum Budget Paris. Die Verfassunggebende Nationalversammlung hat vom Sonntag bis zum Neujahrsmorgen das Staatsbudget behandelt und schließlich nach wiederholter Unterbrechung der Sitzung verabschiedet. Die Ausgaben sind auf 487 Milliarden Frs. veranschlagt, denen an Einnahmen 311 Milliarden Frs. gegenüberstehen. Wenn man die französische parlamentarische Praxis in Rechnung zieht, die offizielle Kammer-Uhr in der Budgetdebatte anzuhalten, falls das Budget nicht bis Jahresende erledigt ist um theoretisch die Forderung der Geschäftsordnung zu erfüllen, daß die Verabschiedung vor Ende des Kalenderjahres erfolgen muß, »o ist diese Frist gewahrt worden, obwohl die Sitzung beträchtlich bis weit in den Neujahrsmorgen hinein dauerte. Das Budget wurde nach 35stündiger Sitzung in der Form, in der es die Regierung eingebracht hatte, schließlich angenommen, nachdem General de Gaulle erklärt hatte, er werde die Ablehnung eines Teiles des Budgets als Mißtrauensvotum und Anlaß zum Rücktritt ansehen. Ein Zusatzantrag der Soziallisten zum Budget, hatte eine Herabsetzung der Militärkredite um 20 Prozent gefordert Die Sozialisten hielten zunächst an der Forderung fest, um die Armeereform, die von ihnen verlangt wird, zu fördern. Be gelang jedoch, ein Kompromiß zustandezubringen, das die Regierung verpflichtet, bis zum 15. Februar eine Vorlage zur Armeereform einzubringen, widrigenfalls die 20prozentige Kürzung der Militärkredite eintritt. De Gaulle versprach diese Vorlage der Armee- reform. Im Laufe der Verhandlung trat der kommunistische Fraktionsführer Duclos mit einer bedeutsamen Erklärung hervor. Er betonte, die Kommunistische Partei habe weiter Vertrauen in General de Gaulle und die Regierung, doch sei die Partei der Meinung, daß die Versammlung das Recht habe, Herabsetzungen der Militärkredite zu verlangen. Jedoch würden die Kommunisten gegen die Herabsetzung stimmen da jetzt nicht die Zeit sei, Krisen zu provozieren. Das Budget wurde mit 544 gegen 31 Stimmen angenommen. Französisch-russisches Handelsabkommen Mo s k a u. General Catrouz und Außen- handelskommissar Mikoyan Unterzeichneten ein französisch-russisches Handelsabkommen. Die beidereitigen Delegationen haben darüber in Moskau 28 Tage verhandelt. Die französische Delegation stand unter der Führung von Professor Aiphand. Die Hauptpunkte des Fünfjahresplanes sind eine Klausel über Vorzugsbehandlung und eine andere, die die Einrichtung von Handelsmiesionen in Moskau und Paris vorsieht. Frankreich und die Friedensverträge Paris. Der Ministerrat befaßte sich am Mittwoch in vierstündiger Sitzung mit der Antwort auf die Aufforderung der Moskauer Außenministerkonferenz an Frankreich, sich mit der in Moskau ausgearbeiteten Prozedur für die Aufstellung der Friedensverträge einverstanden zu erklären. Wie man erfährt, hat sich die französische Regierung weder zu einem „Ja“ noch zu einem „Nein“ entschieden. Die Einberufung einer Friedenskonferenz wird ausdrücklich gutgeheißen, doch will das französische Kabinett bei den drei Mächten Rückfrage halten, inwiefern diese die Wünsche der Konferenz bei der endgültigen Festlegung der Verträge berücksichtigen werden. Nach den Moskauer Beschlüssen sollen die Verträge zuerst in engem Kreis ausgearbeitet, dann von der Friedenskonferenz revidiert und schließlich endgültig von den drei Großmächten aufgesetzt werden. Der Nürnberger Prozeß wieder aufgenommen Die Judenpogrome in der Ukraine Fortsetzung der Verhandlung: i sich nach den ihnen von der SS zuge wiese- Nürnberg. Am Mittwoch wurde die ' nen Plätzen! Storey^verlaßferner^einen Verhandlung im Kriegsverbrecherprozeß Militärkonferenz der fünf großen Nationen Um den Plan einer Welt-Polizeitruppe N e u y o r k. Hier verlautet mit Bestimmtheit, daß England die militärischen Leiter der fünf großen Nationen aufgefordert hat, sich sobald wie möglich in London zu treffen, um den Plan der Weltpolizedtruppe der Vereinten Nationen auszuarbeiten Die britische Anregung sei zur Zeit in allen fünf Hauptstädten Gegenstand eifriger Beratungen, und in Washington ist man der Ansicht, daß das Zusammentreffen wahrscheinlich zu gleicher Zeit mit der Vollsitzung der Organisation der Vereinten Nationen stattfinden wird. In den maßgeblichen Ländern ist man geneigt, einer solchen Zusammenkunft der militärischen Leiter der Vereinigten Staaten, Rußlands, Englands, Frankreichs und Chinas zuzustimmen, da man dl« Ansicht vertritt, daß eine solche Zusammenkunft zur Bewahrung des Friedens, allen Gerüchten über einen neuen.Krieg unter den bislang Verbündeten ein Ende machen müßte. London. Die englische Regierung hat den britischen Vertreter für die Fünfmächte- Militärkonferenz zur Bestimmung der Polizeitruppe der Vereinten Nationen ernannt. Es ist Feldmarschall Alexander. Die Amerikaner haben Generalleutnant Ridgeway ernannt. Der Vertreter Frankreichs dürft« wahrscheinlich in erster Linie General Jouin sein. Präsident Tniman fordert Wehrpflicht Washington. In einer Botschaft an den Kongreß empfiehlt Präsident Truman den Zusammenschluß aller amerikanischen Streitkräfte in einem einzigen Departement der nationalen Verteidigung. Ebenso tritt der Präsident darin für den obligatorischen Militärdienst ein. Truman verweist auf die Dringlichkeit entsprechender Maßnahmen, da es sich um eine wesentliche Etappe bei der Ausarbeitung eines umfas- Spanische Politik Koalitionsregierung und monarchistische Tendenzen London Die von Frankreich angeregten Beratungen der Großmächte über das Problem Spanien dürften, wie man erfährt, in London stattfinden. Man hat jedoch noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob die Frage im Rahmen einer Konferenz der zur Versammlung der Vereinten Nationen entsandten Außenminister oder von den Stellvertretern der Außenminister behandelt werden soll, die in London demnächst ihre Arbeit zur Entwertung der Friedensverträge wieder aufnehmen werden. Paris. Angesichte der Möglichkeit einer Wendung in der Politik der Großmächte gegenüber Spanien hat die Kommunistische Partei Spaniens die Bildung einer Koalitionsregierung vorgeschlagen. Initiantin ist die Generalsekretärin der Partei, La Pasio- naria, deren wirklicher Name Dolores Iba- turi lautet. Sie regt die Bildung einer Regierung an, die von der revolutionären Linken bte zu den Monarchisten und den francofeindlichen Militärs reicht. Diese Regierung soll, sobald sie an der Macht ist, Wahlen abhalten und dann ihre Befugnisse einer aus den Wahlen hervorgegangenen Regierung abtreten. Hierzu meldet der L. F.-Korrespondent des Südkurier folgendes- Lissabon. Die monarchischen Kreise zeigen erneut größte Aktivität und machen •Ile Anstrengungen, um die Monarchie in Spanien wieder herzustellen. Jose Maria Oriol, der kürzlich in Lausanne den Kronprätendenten Don Juan sprach, hat sich jetzt mit dem Prinzen Alfons von Orleans •uf seiner Besitzunq in der Provinz Cadiz getroffen. Die Tatsache, daß Oriol den Prinzen Alfons von Orleans besucht hat, beweist deutlich, daß die Verhandlungen zur Wiederherstellung der spanischen' Monarchie wieder aufgenommen wurden und Franco höchst interessiert daran ist. mit Don Juan zu einem Einvernehmen zu kommen Viele monarchistische Persönlichkeiten sind über- Professor Dr Kircbheimer Konstanz. Auf Vorschlag der Univei- »ität Gießen hat die Regierung von Groß- Hessen Dr. Franz Kirchheimer-Konstanz. in Anerkennung seiner umfangreichen wissenschaftlichen Tätigkeit in den vergangenen Jahren den Titel Professor verliehen. zeugt, daß diese Aktivität durch die Moskauer Konferenz hervorgerufen wurde, da die Russen auf Grund der französischen Note an die Regierungen in London und Washington die Gelegenheit benutzen werden, die Außenminister Englands und der USA. dazu zu bringen, konkret die Haltung ihrer Länder gegenüber Spanien zu definieren. Die Russen werden alle Anstrengungen machen, um die Wiederherstellung der Re publik in Spanien durchzusetzen Deshalb beeilen sich die Monarchisten, das monarchistische Regime in Spanien wieder herzueiel- len, das auch die Unterstützung von Franco selbst genießt. Uranium-Vorkommen in Spanien Lissabon. (Von unserem L.F.-Korrespondenten) Mit der Erfindung der Atombombe hat die Erzgewinnung in Spanien neue Bedeutung gewonnen. Das an mineralischen Bodenschätzen reiche Spanien ist, nach Kanada, USA. Belgisch-Kongo und der Tschechoslowakei, an 5. Stelle an der Welterzeugung von Uranium beteiligt. Seit 1939 wird in der Sierra Albarrana in der Provinz Cordoba intensiv an der Gewinnung der Pechblende einem Uraniumoxyd, gearbeitet, die zur Herstellung von Radium bestimmt war. Es wurden uraniumhaltige Kristalle von 7 Kilogramm gefunden. Die Mauleselpfade die früher in das Gebirge führten, wo das Uraniumerz gewonnen wurde, sind bereits in Landstraßen verwandelt die direkt bis zu den Minen führen. Der Preis für Uranium, der bis zum Ersehe’ nen der Atombombe 50 Peseten pro Kilogramm betrug, ist seitdem rapid gestiegen Graf Karoiy rehabilitiere Paris, ag. Radio Paris veröffentlicht einen Bericht aus Budapest, wonach Graf Karoiy, der bei den kürzlichen Wahlen als Abgeordnetei von Budapest gewählt wurde, vpn der ungarischen Regierung rehabilitiert worden ist. Im Jahre 1918 war Graf Karoiy, damals Präsident der Ersten ungan sehen Kammer vom Regime Horthy als Verräter bezeichnet worden. Es wurden ihm damals alle politischen Rechte abqe-ptocben und sein Vermögen wurde beschlagnahmt. Die von der Regierung Miklos an den Grafen gemachte Einladung, nach Ungarn zurückzukehren, machte Karoiy von seiner formellen Rehabilitierung abhängig. senden Programms für die Sicherheit der Vereinigten Staaten und für den Weltfrieden handle. Auszeichnungen in England London. Zum Jahreswechsel hat Wln- ston Churchill die höchste Auszeichnung erhalten, die der König einem Manne verleihen kann, der ein gewöhnlicher Bürge/ bleiben will: den Verdienstorden. Feldmarschall Montgomery und Feldmarschal) Sir Alexander wurden zu Viscounts ernannt, sbeiteo Luftmarschall Portal, Generalstabschef der RAF., der außerdem noch den Verdienstorden erhält. Besprechungen in Innsbruck Innsbruck. Der Oberkommandierende der französischen Besatzungstruppen in Oesterreich, General Betouart, hat Vertreter des österreichischen Gewerkschaftsbunde«; zu einer eingehenden Aussprache empfangen Dem General wurden Vorschläge über Er- nährungs- und Wohnungsfragen unterbreitet und eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Lohnpolitik vorgeschlagen. General Bethouart stellte der Arbeiterabordnung mehrere Erleichterungen in Aussicht. Die französischen OkkupationsbehördeD stimmten u. a. dem Vorschlag der Gewerkschaftsführer zu, einen Teil der beschlagnahmten Wohnungen der Zivilbevölkerung zurückzugeben. Polens Ostgrenze festgelegt Paris (AFP) Wie Radio Warschau meldet, hat det polnische Nationalrat das polnisch-russische Abkommen über die Ostgrenze Polens angenommen. Die gesamte Ostgrenze ist jetzt für immer festgelegt und der alte Grenzstreit mit. den Nachbarn ist endgültig liquidiert. Mannerheim kehrt zurück S t o ck h o 1 m- Der finnische Staatspräsident Mannerheim ist am Mittwoch von seinem Urlaub nach Helsinki zurückgekehrt. Auswanderung nach USA Washington. Drei Abgesandte Präsident Trumans werden zu Beginn de« neuen Jahre« nach Deutschland reisen, um Trumans Plan der Auswanderung von Flüchtlingen nach Amerika in die Tat umzusetzen In Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt a. M., Stuttgart und München sollen Visa-Büros eingerichtet werden. Zwei Flüchtlingsschiffe sind monatlich zwischen New York und Bremerhaven geplant. Es werden maximal monatlich 2500 Deutsche und 1500 Flüchtlinge anderer Nationen das amerikanische Ein reisevisum erhalten. Die Auswanderer werden zunächst der amerikanischen Zone entnommen, wo schätzungsweise l'/'s Millionen Menschen auszuwandem gedenken. nach der Feiertagspause wieder auf genommen. Die Angeklagten sahen ausgeruht und frisch aus: nur Admiral Raeder fühlte sich nicht wohl, nahm aber trotzdem seinen Sitz auf der Anklagebank ein. Oberst Ralph Storey setzte seine vor der Weihnachtspause begonnene Anklage über die Ausrottung der Juden fort und brachte neues belastendes Material gegen die Gestapo vor Er verlas die eidesstattlichen Aussagen des Direktors einer ukrainischen Baufirma namens Hermann Friedrich Graebe, der jetzt in den Vereinigten Staaten tätig ist. Dieser schildert die Judenprogrome vom Juli 1942, als das Ghetto von Rowno in der Ukraine von der SS „liquidiert“ wurde, sowie die Ausrottung der Juden in Dubno (Ukraine) im Oktober 1942, sagt Graebe aus: „1500 Juden wurden täglich umgebracht. Die Opfer wurden nach Verlassen der Lastwagen von SS-Leuten gezwungen, sich zu entkleiden und ihre Kleider an genau bezeichneten Stellen niederzulegen. Die SS-Leute trugen Reitpeitschen oder Hundepeitschen bei sich. Die Kleidungsstücke mußten nach Oberkleidem, Unterkleidung und Schuhen geordnet werden. Die Leute entkleideten sich ohne Wehklagen. Sie standen in Familiengruppen umher, scherzten sogar miteinander, verabschiedeten sich und warteten auf das Signal eines anderen SS- Mannes, der bei einer dreißig Meter langen und drei Meter tiefen Grube stand, in die sich die Opfer auf das Signal hin sefbst hinlegen mußten. Während der Viertelstunde, die nun verging, hörte ich keine Bitte um Gnade.“ Der Zeuge fährt fort: „In der Leichengrube lagen die Opfer eng zusammengepfercht. Bei fast allen konnte man das Blut vom Kopf über die Schultern hinunterrinnen sehen. Einige bewegten sich noch und erhoben ihre Arme, zum Zeichen, daß sie noch am Leben waren. Ein SS-Mann saß am 1 Rande des Massengrabes, ließ seine Beine in die Grube baumeln, spielte mit einer , Schnellfeuerwaffe und rauchte sorglos eine Zigarette. Nackte Menschen stiegen in die Grube; andere kletterten über die Köpfe derer, die schon unten lagen und beqaben Briefwechsel zwischen Heydrich und Göring über die Judenverschleppung und Ermordung. Bei der Verlesung des Briefwechsel« sah sich Göring mit strahlendem Gesicht nach seinen Mitangeklagten um Weiteres Beweismaterial der Anklage war eine Verordnung des Reichsjustizministers vom April 1943, wonach alle Häftlinge nach einer Verbüßung von einer halbjährigen Freiheitsstrafe in ein Konzentrationslager überführt werden mußten. Dort waren Juden auf Lebenszeit, Polen für Kriegsdauer eingesperrt zu halten In einem Führerbefehl vom Oktober 1942 wurde die Hinschlachtung aller britischen Kommandos, Agenten und Saboteure sofort bei Gefangennahme angeordnet, oder sie sollten der SS ausgeliefert werden In dem Befehl heißt es: „Von jetzt an sind alle Feinde auf sogen. Kommando- Missionen in Europa und Afrika, selbst wenn sie uniformiert oder unbe vaffnet oder auf der Flucht sind, sofort bis auf den letzten Mann niederzumachen, einerlei ob sie von Schiffen oder Flugzeugen landeten oder mit Fallschirmen absprangen.“ Oberst Storey ersuchte abschließend den Gerichtshof, Gestapo und SS als Verbrecher-Organisationen zu erklären. Kaltenbrunners Anwalt beantragte die Vertagung der Verhandlung gegen seine» Klienten während seiner Erkrankung. Der Gerichtspräsident gab dem Antrag statt Kriegsverbrecherprozeß Brjansk Moskau. In Brjansk hat ein Prozeß gegen die deutschen Offiziere Generalleutnant Bernhardt, Generalmajor Hamman und zwei andere Wehrmachtsangehörige begonnen. Nach der Anklage ermordeten deutsche Truppen während der deutschen Besetzung der Städte Brjansk, Orel und Bo- bruisk über 130 000 Sowjetbürger und 96 000 russische Kriegsgefangene. Auße> dem wurden 217 859 Personen als Zwange- arbeiter nach Deutschland verschleppt. Generalleutnant Bernhard und Generalleutnant Haman sowie ein Unteroffizier zum Tode verurteilt und am gleichen Tage auf dem Marktplatz vonBrjansk gehängt. Ein mitan- geklagt.er Unteroffizier wurde zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Dokumente zu Hitlers Tod Neue Funde in Tegernsee Frankfurt a. M. Nach einer Meldung des amerikanischen General« Lucian Trus- cott, der in Tegernsee in Bayern wohnt, haben britische Offiziere, die gemeinsam mit den Amerikanern arbeiten, in einer kleinen Villa in Tegernsee vier Dokumente gefunden, die erneut bestätigen, daß Hitler tatsächlich tot ist. Es handelt sich um Hitlers Testament an das deutsche Volk, um Hitlers persönliches Testament, um Flitlers Trauschein von der Hochzeit mit Eva Braun und einen Brief Bormans an Großadmiral Dönitz. Das politische Testament Hitlers an das deutsche Volk, gezeichnet 29. Aprü 1945, ist von Martin Borman, Dr. Goebbels, Hans Krebs, dem einstigen Machthaber in der Tschechoslowakei, und dessen Adju- | tanten Bergdorf gegengezeichnet. Das per- j sönliche Testament Hitlers, das von Borman, Goebbels und von Below gegengezeichnet ist, bestimmt, daß Flitlers Leiche : zusammen mit der Eva Brauns in der ! Reichskanzlei zu verbrennen sei. Flitler j verfügt dann über sein Vermögen. Die Zeu- I gen der Hochzeit sind nach dem Trauschein Goebbels und Borman gewesen. Der Brief an Dönitz von Borman enthält Anweisungen an diesen und die Mitteilung, daß ihm die drei vorerwähnten Schriftstücke zugehen werden. In dem persönlichen Testament erklärt Hitler, nachdem er seine Verbrennung angeordnet hat, daß er und seine ! Frau den Tod einer Uebergabe an j Feind vorgezogen hätten. General Truscott erklärt, daß er sich für die Echtheit der aufgefundenen Dokumente verbürge. Der Tod Adolf Hitlers sei jetzt einwandfrei festgestellt. Auch die neu aufgefundenen Dokumente müßten zu dem gleichen Schluß führen. In dem politischen Testament erklärt Hitler, daß er Göring und Himmler aus der Partei ausstoße und sie aller Rechte verlustig erkläre, weil sie widerrechtlich versucht hätten, sich die Macht im Staat anzueignen und mit dem Feind verhandelt hätten. Ferner enthält das Testament die Liste einer neuen Reicheregierung mit Admiral Dönitz als Reichspräsident und Joseph Goebbels als Reichskanzler. Im übrigen fordert Hitler in dem Testament das deutsche Volk auf, den Krieg unentwegt fortzusetzen. * fh. Selbst in den Tod zu gehen un4 damit einzugestehen, daß er sedne Sache endgültig für verloren hält, da« Volk aber noch am 30 April 1945 aufzufordem, de* Krieg fortzusetzen, obwohl zu diesem Zeifc punkt jeder Mensch mit vernünftigen Sin» nen eihsehen müßte, daß ee keine 'Möglichkeit mehr zur Fortsetzung des Kampfes gab: Damit hat Hitler über sich und eeinea Geisteszustand selbst ein Urteil gesprochen, wie es vernichtender von keinem Gericht hätte gesprochen werden können. Die „X-Beliebigen* Rom. Güglielmo Giannini, de: Gründer der „Uomo qualunque“-Bewegung, wird von jetzt ab eine Tageszeitung herausgeben, die den Namen “II Buon Senso" („Der gesunde Menschenverstand“) tragen wird und ebenso wie seine überaus erfolgreiche Wochenschrift „Uomo qualunque“ („Der X-Beliebige“), deren Auflage bereits ein« halbe Million erreicht hat, seine neue Bewegung unterstützen soll. Der „Buon Senso _ erklärt, daß er die Konkurrenz der 23 be- den [ reits erscheinenden römischen Tageszeitungen nicht im geringsten fürchte Selbstregierung für Indonesien geplant Englisch-holländische Besprechungen London, ag. In Chequers, dem Wo- chenendsitz de« jeweiligen britischen Premierministers haben Besprechungen zwischen Vertretern der englischen und de: holländischen Regierung begonnen, die zu einem konkreten Vorschlag über die künftige Regierung Indonesiens führen dürften, j wie der diplomatische Berichterstatter des i „Daily Telegraph“ meldet j „Das Hauptinteresse der Konfeienz wen- I det sich einer gemeinsamen Aktion der Bri- 1 teb und Holländer zwecks Wiederherstel- j tung det Ordnung in Indonesien als Vorbe- I dingunq zum Rückzug der britischen Truppen zu“, erklärt deT Korrespondent weiter. Auf britische; Seite besteh Wunsch, eine Lösung auf Grundlage zu finden, die bis zu einem ge wissen Grad den Wunsch de: indonesischen Führer entspricht, gleichzeitig abe: das holländische Commonwealth nicht zerceißt Man erfährt, daß auf der Konferenz ein Geist dei Versöhnlichkeit herrscht und daß wahi- scheinlich ein Angebot auf weitgehende Selbstregierunq an die Indonesiei ergehen wird.“ Inzwischen wird aus Batavia gemeldet, daß General Christison neue Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung auf Java getroffen hat. Batavia wurde mit einem Trappenkordon umgeben. Ueber die Beeprechungen wurde eine amtliche Erklärung herausgegeben, in der ee heißt, die Aussprache habe befriedigende Ergebnisse gezeitigt. Die Regierungen Englands und Hollands sind sich darüber einig daß eine Politik eingeschlagen werden soll, die die Verständigung zwischen der indonesischen nationalistischen Bewegung und den niederländischen Behörden fördert. In der Zwischenzeit werden sofortige Schritte unternommen um so bald als möglich die Sicherheit der Kriegsgefangenen und Internierten in Indonesien zu gewährleisten. Umerziehung der Japaner Tokio, ag. General Mac Arthur hat am Montag die Einstellung des Unterrichts in ” el ß • St *™ ce ! den Fächern Geschichte. Geographie und großzügiger Sittenlehre des japanischen Volkes angeordnet Alle Lehrbücher, die sich damit befassen werden eingesammelt und eingestampft, damit neue Schulbücher gedruckt werden können, aus denen alle militaristischen und nationalistischen Stellen ausqe- merzt werden. Der Kaiser ist Gott gewesen Tokio. General Mac Arthur hat das kaiserliche Manifest, in dem Kaiser Hirohito jeden Anspruch auf „Gottähnlichkeit" fallen läßt, genehmigt Der alliierte Oberbefehlshaber bemerkte in diesem Zusammenhang, der Kaiser von Japan habe mit diesem Schritt den „Pfad der Demokratisierung seine« Volkes“ betreten. Diese Meldung hat eine amüsante und für die Verhältnisse in Italien bezeichnende Vorgeschichte. Zu ihr beruhet der Italien- Korrespondent des „Südkurier“ aus Mailand: W. D. „L Uomo Qualunque“, eine satirische Wochenzeitschrift, wird von dem neapoletanisdien Lustspieldichter Giannini herausgegeben, der bis zum 25. Juli 1943 Faschist gewesen war. Er entfesselte im Zeichen der neuen Pressefreiheit einen erbitterten Kampf und eine beißende Kritik an allen Maßnahmen der Regierung und betitelte seine Zeitschrift „Jedermann“ oder „Der X-Beliebige“, in der Spekulation, dal' sie so das Sprachrohr aller Unzufriedenen, im besonderen der politischen Heimatlosen und ExFaschisten werden könne, denen die neuen Parteien die Mitgliedschaft versagen. Sein Blatt wurde verboten, wurde wieder erlaubt, schuf sich einen Unterbau durch Gründung einer Art von Partei mit Zelle« und Gruppen, die .Front des Uomo Qualun- que“, „Eier X-Beliebigen“, über die der folgende Scherz kursiert: Es treffen sich zwei alte Faschisten; der eine mit einer gelben Sonnenbrille, die ihn nicht erkennbar macht sagt: „In anderen Zeiten war ich Parteisekretär, Konsul, hatte zahlreiche Einkünfte und fette Pfründen. Was bin ich heute?..« ein X-Beliebiger“. Dieser „Uomo Qualunque, ein verfrühter „Miesbacher Anzeiger“, hat in letztei Zeit ein Bündnis mit Nitti, einem aus der Emigration zurückgekehlten alten Politiker der vormussolinischen Zeit, eingegangen. Dieser hielt in Neapel eine Brandrede gegen di« Regierung Parri und gründete alsdann ein« eigene Partei für den Wiederaufbau Italiens. Der „Uomo Qualunque“ schwärmt um deswillen für alte Fachminister wie Nitti oder Orlando (letzterer vertrat Italien auf der Friedenskonferenz in Versailles), weil er einen Verwaltungsstaat mit einer Regierung von Fachleuten statt Politikern auf sein Prcv gramm gesetzt hat. So haben wir das merkwürdige Bild daß unter dem Deckmantel des „Üomo Qualunque“ eine Opposition besteht, in der Ex-Faschisten mit den von de* Faschisten jahrzehntelang verbannten altes Politikern eine Front bilden. Bucht der Stille Beilage des Südkurier für Wissenschaften, Künste und Unterhaltung Zwischen Reeperbahn und Elbchaussee Ein Hamburger Bericht von Norbert Jacquea Xwfachen Oervelgönne «ad Teuf elsbrü cke, fco beiden Elbavororten Hamburg», steht am War ein zyklopischer blinder Zementblock. Er ist der erste Fuß, mit dem eine Brücke den Strom überschreiten sollte, eine Brücke, wel- die die Großbausucht des Ver-Führers der Beutsdien vor den Hamburger Hafen als •in „Tor »ur Welt" legen wollte, damit es is seinen prahlsüchtigen Ueberdimensionen ab eines der Zeichen Hitlers in die bekannten kommenden dreitausend Jahre reiche. Es schaut auf die Trümmer der halbver- eankenen Schiffwracks, welche den Wasserspiegel der Elbe bespicken. Aber zugleich schaut es zu, — und das tue auch ich von der Höhe meines Balkons auf dem Geestbügel, der die Flo-ttbeckerchaussee trägt und das rechte Elbufer bildet — wie der Strom allmählich aus seiner Verwaisung sich erlöst. Denn zwischen den hin- und herpur- aelnden kleinen Daiqpfern und Barkassen, »eiche dem internen Verkehr dienen, erscheint ab und zu mit dunkler Stimme ein fremder großer Gast und bringt Güter aus der Welf die fünf Jahre lang verschlossen gewesen war. Der Union Jack weht am Heck, seltener das gelb-blaue Kreuz der Schweden »der der rot-weiße Danebrog oder die rot- weiß-blaue Flagge der Niederländer. Parallel diesem sichtbaren Bild eines neuen Beginns strahlt unsichtbar aus den zwischen Ruinenhaufen erhaltenen Stadtvierteln der Willen der Hafenstadt, sich wieder aus Schutt und Asche zu erheben. Oft riebt man an notdürftig wieder geschlossenen Hauswänden, unter als Regendach abgedichteten Etagenböden neugemalte Schilder mit einem Namen, begleitet von der alt&i Formel: „Import-Export” und gar noch der Erwähnung eines Weltteile dabei. Doch droht dieser Willen an einem Ueber-, maß zu zerschellen, da er wohl nicht ziellos, Jedoch zunächst noch gegenstandslos ist. nenn er spielt nur erst bloß mit sich selber mid vermag nicht, in sich füllenden Lagerräumen oder den Lineaturen von Geschäftsbüchern ein Ergebnis seiner Kräfteanspan- aung zu zeigen. Und das ist das tragisch durchpulste Doppelproblem des gegenwärtigen Hamburgers: Wirtschaftlich arbeitet er ln ein Vakuum hinein und muß als Mensch die Kraft aufbringen, an eine Verwirklichung der Unterstellung zu glauben. Freilich ist ein merkwürdiger Umstand vorhanden, der fast wie ein Zeichen wirkt, indem die großen Gebäude alle erhalten sind: Das Hochhaus der Shell steht, das des Deutschen Rings, das Chile-Haus und seine nachbarlichen Nacheiferer, die Hapag, die Hauptpost,, das Telegraphenamt und der Hauptbahnhof, das Rathaus, St Pauli Landungsbrücken und die Seewarte. Auch das Verhältnis zur besetzenden Truppe bringt schon in der Angleichung des einheimischen Wesens und der Sprache an die der Engländer eine Erleichterung des Lebens, die nicht zu unterschätzen i6t. Die Sprache der Ruinen in den Resten, welche der Krieg von den deutschen Städten gelassen hat, ist in Hamburg wie überall etwas völlig Neues. Der grausame Inhalt mildert sich an dem Eingreifen der Natur, «n der Malerischkeit des Charakters der Ruinen, manchmal aber auch an heiteren Zufälligkeiten. Die Zentralheizungen haben bekanntlich in zahllosen durch Fenster und Fassaden gesteckten Ofenrohren primitive Ablöser gefunden. In einer Straße qualmt die Röhre eines Büros dessen Firmenschild an: „X. X, die leistungsfähigste Firma Groß- Hamburgs auf dem Gebiete der Erstellung von Heizungsanlagen", während die Trüm- sr des schwer getroffenen Gerichtsgebäudes von Altona varraten, daß dieses Institut den Uebergang des Kaiserreichs in die Republik von 1918 ignoriert batte: Denn von der einzigen erhaltenen Wand des früheren Schwurgerichtesaales schaut ein überlebensgroßes Prunkbildnis Wilhelm II in die Straße herab. Stärker als in dem Wirkungsgebiet des Wirtschaftliche» treten im Land der Künste, Wissenschaften und der Kultur überhaupt Mühen und Ringen um die Wiederaufnahme in Sicht. Ja, hier herrscht Gründungsfieber: Die Stadtverwaltung hat einen eigenen Kultursenator eingesetzt. Eine Unzahl von Unternehmern strengen sich an, Lizenzen für Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage, Theater zu bekommen. Vorerst erscheint nur ein Blatt Die alten Zeitungen streben aber alle nach ihrer Wiedergeburt, doch setzt die Besatzungsbehörde der Aufnahme der früheren Namen einen nicht zu durchbrechenden Widerstand entgegen. Sechs Buchverlage haben bisher die Erlaubnis zu produzieren bekommen, darunter Hoffmann und Campe, Go- vaerts, Marion von Schroeder und Rowohlt. Auf das Theaterleben nimmt es Einfluß, daß mit einer Ausnahme alle wesentlichen Theatergebäude ein Opfer der Bomben geworden sind. Völlig erhalten blieb nur das Deutsche Schauspielhaus, in welchem vor einem Lebensalter der Freiherr von Berger tätig gewesen war. Heute wird es von der englischen Besatzungsbehörde beansprucht and zeigt augenblicklich einen „Sheeke- speese Festival". Einige deutsche Trappen spielen in entliehenen Sälen and mit von Berlin ausgeliehenen Größen. Sie spielen lant wie Plakate. Man verspricht sich etwas von einer neuen Gesellschaft junger Schauspieler, die sich die „Junge Bühne" nennt Auf dem Gebiete des Theaters bat sich jedoch so etwas wie ein Irrtum eingeschU- cben, indem man den Umstand, daß viele Schauspieler von Namen, auf der Flucht von Berlin, sich in Hamburg niederließen, in eine Konjunktur umdichten wollte. Man sah die Gelegenheit der Dauerkonkurrenz mit Berlin und will sogar, um die Namen in der Stadt zu behalten, eine Filmindusrie gründen. Früher hätte man in Hamburg, mit dem geraden und gesunden Sinn dieser Stadt, einen solchen Ebrgei^geradezu als etwas Anstößiges abgewiesen, falls überhaupt jemand auf den Gedanken gekommen wäre. Inzwischen scheinen diese Pläne übrigens auch bereits Wasser gezogen haben. Bedeutender und zukunftsversprechender zeigen sich die Arbeiten in der Domäne der Universität und der Museen. Beide sind tätig, wenn auch die Museen noch nicht geöffnet sind Nur das Volkskundemuseeum zeigt eine Sonderausstellung von Funden einer frühgeschichtlichen Kultur in Kleinasien; es zeigt sie bei Fenstern, denen die Glasscheiben fehlen, die nebst Heizmaterial heute zu den seltensten Dingen in Hamburg gehören. Tausende und Tausende von Menschen leben hinter Sperrholzplatten und verrichten ihre Arbeit in Mänteln und Handschuhen. Allein von allen Anstalten auf diesem Gebiet ist voll der Norddeutsche Rundfunk angelaufen. In dem alten Haus der Norag in der Rothen bäum-Chaussee (such dieses ist heil aus der Katestrophe hervorgegangen) setzt er sein Programm in Ausführung, das sich temperamentvoll in Lebensnähe hält und mit buntem Wesen und neuartigen Einfällen Musik, Wissenschaft und Dichtung dieselben Rechte gibt wie der Unterhaltung oder der Aussprache über die Zeitfragen bis zur Streitkunst. Ich hörte einmal, um eine andere Seite des täglichen Lebens nicht unbeachtet zu lassen, wie der Direktor eines Speisehauses klagte, die Gäste von heule sähen mehr auf die Teller der Nachbarn al6 auf die eigenen Gerade für einen Berichterstatter über Hamburg ist es eine angenehme Pflicht, nicht an dieser in unseren Tagen so hochaktuellen Aeußerung des öffentlichen Lebens vorbeizugehen Denn die Wirte dieser Stadt haben das Bewußtsein der Tradition durch Lebensmittelmarken und Steckrüben hindurch bewahrt, und ihren Gästen kann es geschehen, daß sie ein Pfund Kabeljau oder Dorsch und noch Besseres markenfrei auf den Teller gelegt bekommen. Wa6 ich nämlich vielleicht mit an den Anfang hätte setzen sollen: Die deutsche Fischerflotte fährt bis an die Küste Schottlands. Bloß die alte Reeperbahn in St. Pauli zeigt sich nur noch als das Wrack der Weltkirmes, als welche sie einst der Phantasie der Matrosen durch die Häfen der fünf Weltteile teuer war. Winter in London / Von Georg Christoph Lichtenberg Der Meister der geschliffensten Aphorismen in deutscher Sprache, Georg Christoph Lichtenberg, .mit 27 Jahren Professor für Physik und Mathematik in Göttingen, ein berühmter Gelehrter seiner Zeit, ein großer Liebender und, ungeachtet seines gefürchteten Sarkasmus', ein Mann der Freundschaft und Geselligkeit, hat an seine Freunde Briefe geschrieben, in denen sich sein Charakter und das Bild seiner Lebensjahre reizvoll spiegeln. Einem Brief an seinen Freund Ernst Gottfried Baidinger, Professor der Medizin in Göttingen (vom 10. Januar 1775) verdanken wir die hier folgende Schilderung seiner Eindrücke vom Winter in London. ... Wenn das Wetter schön ist, so habe ich herrliche Tage. Ich gehe alsdann nach dem Observatorium bei Richmond oder, wenn es nicht ganz heiter ist, so spaziere ich in den Garten... Was tue ich aber, wenn es häßlich ist, wenn es nebelt, gütiger Himmel? Was für ein Ort ist Kew da? Die Nebel sind nicht allein häufiger als bei uns und am Rhein, sondern auch dicker-, neulich ritt bei einem solchen Nebel um 9 Uhr des morgens ein Bedienter in voller Karriere gegen den Schaft einer Postchaise, daß der Schaft dem Pferd auf einen Fuß tief in den Leib drang. Der Engländer zieht den Kragen seines Ueberrocks über die Nase und schleicht in seinen Grillen fort Einige weissagen, andere bekehren sich, und andere erschießen sich, und was tue ich? Ich sehe zuweilen stundenlang in mein Kamin- f ler, suche Gesichert in den Kohlen und ihren Gestalten und denke an Göttingen, und zwar, weil ich weder Barde noch Schäfer bin, ganz schlechtweg an meine Freunde und Freundinnen. Wohl dem, der bei einem so schweren Himmel ein so gutes Gewissen hat und nicht verliebt ist, wenigstens nicht mit bösen Prospekten, sonst schneidet_ er sich den Hals ab wie Lord Clive, erschießt sich wie mein Nachbar neulich, oder erhängt sich wie am vorigen Samstag ein schönes junges Mädchen von 16 Jahren getan hat. Sehr oft aber stehe ich alsdann auf, sehe nach meinem Geldbeutel und wenn es da auf gut Wetter steht, so nehme ich eine Kutsche und fliege für 18 Pence nach London. Dieses habe ich während meines Aufenthaltes vierzehnmal getan. Da vergesse ich mich dann sehr leicht, und um Ihnei. einigermaßen zu zeigen, daß es kaum anders möglich ist, will ich Ihnen ein flüchtiges Gemälde von einem Abend auf der Straße machen, das ich mündlich nicht blos ausmalen, sondern auch noch mit einigen Und so, mein Gott, ist jede Nacht; immer sind welche aulgewacht, die gehn und gehn und dich nicht finden. Hörst dH sie mit dem Schritt von Blinden das Dunkel treten ? Auf Treppea, die sich niederwinden, hörst du sie beten ? Hörst du sie talleu auf den schwarzen Steinen? Du mußt sie weinen hören; denn sie weinen. Aut dem «Stundenbuch» tob Reiner Merle RUR«. Gruppen vermehren will, die man nicht gern mit se dauerhafter Farbe als Tinte malt. Ich will dazu Cheapside und Fleetstreet nehmen, so wie ich sie in voriger Woche, da ich des abends etwas vor 8 Uhr nach meinem Logis ging, gefunden habe. Stellen Sie sich eine Straße vor etwa so breit als die Weender, aber, wenn ich alles zusammennehme, wohl auch sechsmal so lang. Auf beiden Seiten hohe Häuser mit Fenstern von Spiegelglas. Die unteren Etagen bestehen aus Budiken, scheinen ganz von Glas zu sein; viele Tausende von Lichtem erleuchten da Silberläden, Kupferstichläden, Bücherläden, Uhren, Glas, Zinn, Gemälde, Frauenzimmer, Putz und Unputz, Gold, Edelsteine, Stahlarbeit, Kaffeezimmer und Lotterie Offices ohne Ende. Die Straße läßt wie zu einem Jubelfeste illuminiert, die Apotheker und Materialisten stellen Gläser, worin sich Dieterichs Kammerhusar baden könnte, mit bunten Spirituosen aus und überziehen ganze Quadratrouten mit purpurrotem, gelbem, grünspangrünem und himmelblauem Licht. Die Zuckerbäcker blenden mit ihren Kronleuchtern die Augen und kitzeln mit ihren Aufsätzen die Nasen, für weiter keine Mühe und Kosten, al6 daß man beide nach ihren Häusern kehrt; da hängen Festons von spanischen Trauben, mit Ananas abwechselnd, um Pyramiden von Aepfeln und Orangen; dazwischen schlüpfen Bewachende und, was den Teufel gar los macht, oft nicht bewachte, weißarmige Nymphen mit feinen Hütchen und seidenen Schlenderchen. Sie werden von ihren Herren den Pasteten und Torten weislich zugesellt, um auch den gesättigten Magen lüstern zu machen und dem armen Geldbeutel seinen zweitletzten Schilling zu rauben; denn Hungrige und Reiche zu reizen, werden die Pasteten ut ihrer Atmosphäre allein hinreichen. Dem ungewohnten Auge scheint dieses allein ein Zauber; desto mehr Vorsicht ist nötig, alles gehörig zu betrachten; denn kaum stehen sie still, bums! läuft ein Packträger wider Sde an und rnft: „By Your leave", wenn Sie schon auf der Erde liegen. In der Mitte der Straße rollt Chaise hinter Chaise, Wagen hinter Wagen und Karren hinter Karren. Durch dieses Getöse und das Sumsen und Geräusch von Tausenden von Zungen und Füßen hören Sie das Geläute von Kirchtürmen, die Glocken der Postbedienten, die Orgeln, Geigen, Leiern und Tamburine englischer Savoyarden und das Heulen derer, die an den Ecken der Gasse unter freiem Himmel Kaltes und Warmes feilhaben. Dann sehen Sie ein Lustfeuer von Hobel- Acker Gottes von Herta Gran-di Nun weiß ich nicht mehr, wo ich suchen soll, in jeder Feme bin ich schon gewesen ich fand sie ungezählter Gräber voll, doch deinen Namen bab ich nicht gelesen. Mehr Kreuze fand ich wohl, al6 Bäume stehn, mehr Tränen, als die Meere Tropfen hielten, mehr Schmerzen spürt ich um den Erdkreis [gehn, als jemals Winde unsre Welt umspielten. Dar Acker war vom Blute hart und naß, die Luft noch schwer von vielen Sterbe- [stunden. Ich lauscht’ und suchte ohne Unterlaß uik’ hab dich, Geliebter, nicht gefunden. Doch eines Landes Scholle deckt auch dich, ein Stern hat deinen letzten Blick gesehen, ein wenig Erde wärmt dich sicherlich, so will ich leiser denn darübergehen... So vieler Mütter Gram hat sie getränkt und soviel Hoffnung sich in ihr verloren, mehr Leben ward in ihren Schoß versenkt, als von den Liebenden für uns geboren. So wurden alle Reiche dieser Welt zu Hall und Widerhall der gleichen Klage, zum Acker Gottes, den der Tod bestellt; und warten alle, daß er Leben trage. spänen etagenhoch auflodern in einem Kreis von jubilierenden Betteljungen, Matrosen und Spitzbuben. Auf einmal ruft einer, dem man sein Schnupftuch genommen: „Stop thief!" und alles rennt und drückt und drängt sich, viele nicht, um den Dieb zu haschen, sondern selbst vielleicht eine Uhr oder einen Geldbeutel zu erwischen. Ehe Sie es sich versehen, nimmt Sie ein schönes, niedlich angekleidetes Mädchen bei der Hand: „Come, mylord, come along, let ua drink a glass together, or I’U go with you if you please"; dann ein Unglück vierzig Schritt vor Ihnen; God pless me, rufen einige, poor creature ein anderer; da stockt's, und alle Taschen müssen gewahrt werden, alles scheint Anteil an dem Unglück des Elenden zu nehmen; auf einmal lachen alle wieder, weil einer sich aus Versehen in die Gosse gelegt hat; look there, damn me, sagt ein Dritter, und dann geht der Zug weiter. Zwischendurch hören Sie vielleicht einmal ein Geschrei von Hunderten auf einmal, als wenn ein Feuer auskäme oder ein Haus einfiele. In Göttingen geht man hin und sieht von vierzig Schritten heran, was es gibt; hier ist man, hauptsächlich des Nachts und in diesem Teil der Stadt — the City — froh, wenn man mit heiler Haut in einem Nebengäß- chen den Sturm auswarten kann. Wo es breiter wird, da läuft alles, niemand sieht aus, als wenn er spaaieren ginge oder observierte, sondern alles scheint zu einem Sterbenden gerufen. Das ist Cheapside und Fleetstreet an einem De 2 ember-Abend. Ich habe nunmehr das Volk so ziemlich kennengelernt und versäume keine Gelegenheit, meine Kenntnis darin zu erweitern. Ich habe zuweilen zu meiner größten Satisfaktion Engländer sagen hören, daß sie nicht gewagt hätten, was ich gewagt habe. Wenn ich den Eifer in mir verspüre, so sind mir Rippenstöße und Schimpfwörter gerade was Stoppeln dem Behemoth; ich folge allezeit dabei dem ersten Eindruck, den der Anblick eines Mob oder einer Gesellschaft auf mich macht, dieser belehrt mich bald, ob ich ohne Gefahr untertauchen kann oder nicht, und ich betrüge mich alsdann selten. Unterdessen habe ich ein Schnupftuch und ein silbernes Petschaft eingebüßt, denn es ist bei einer einzigen Seele nicht möglich, oft zugleich über die Haut und die Taschen zu wachen und Beobachtungen anzustellen... Französische Antigone / Die Münchener Residenz «oll Staatsschau- fciel werden. Der große, tausend Personen fassende Thronsaal wird dafür horgerichtet ■ad — weil das einige Monate dauert — vorerst einmal ein kleinerer, der doch immerhin 500 Personen faßt und später als Kammerspieltheater Verwendung finden •oll. Aber auch der braucht noch eine ganze Reihe von Wochen, ehe er im Glanze der eeuen Bestimmung erstrahlt Bis dahin will das Ensemble de« Staatsschauspiels auf Reisen gehen, um insbesondere den Bayern die chinesischen Weisheiten ■es Klabund’schen „Kreidekreises" zu Ge- teüte zu führen, weil — wie schon Heine Versicherte — die Wahlverwandtschaft zwischen China und Oberbayern unbestreitbar ist. Man kann verstehen, daß sie unruhig werden, die bayerischen Staatsschauspieler, denn sie bilden schon jetzt eine beachtliche künstlerische Potenz, die sich nun endlich produ- cieren will. Paul Verhoeven als Staats- schauspiel-direktor hat unter Intendanz von Dr. Bauckner diesen Schauspielerstamm ausgesucht. Er wählte von den Prominenten Gustav F r ö h 1 i ch , der offenbar vom Film, bei dem er zum Schluß sogar als Regisseur tätig war, ganz zum Theater zurückgefunden Rat. Heinz Rühmann läßt sich, nachdem er — diesmal ohne Flugzeug — am Starnberger Ree gelandet ist. zur Zeit noch bitten. Fest Verpflichtet ist Otto Wernidee, bekannt durch seine Narrendarstellungen am Deutschen Theater in Berlin, Kurt Jürgens, dessen Bärtchen ^eder vom Film her kennt, und Han s-Ernst Gotthold, ein jugendlicher Held «us Hamburg, dessen Stimme man gegenwärtig täglich über Radio München hören kann. Von den Frauen am bekanntesten sind Maria-Theres Angerpointner, die im Film al6 PeUbesetzung berühmt wurde, Eva Veitl von der Wiener Exl-Bühae and — für München nichts Neues — Anne Kerstan als Hochdramatische. Regie wird der im München schon Heimatrecht genießende Arnulf Schröder führen. Dr. v. Hameck soll Ihm dabei helfen. Und nun der Spielplan: Lessing's „N er than der Weise ", Goldonies „Kaffeehaus" und Zuckmayer’s „Hauptmann von Koepenick" stehen darauf. Epoche machen jedoch will man mit schwerstem Kaliber: Heinz Nolde hat die „Orestie" des Aeschylo« bearbeitet. Verhoeven will sie zum Leben erwecken. Und nach dem großen Erfolg von Thornton Wilder« „Unsere kleine Stadt” in den Städtischen Kammerspielen hat nun das Staatstheater schnell das allerneueste Stück dieses amerikanischen Autors erworben: „Wir eind noch einmal davongekommen" heißt es und beschreibt Menschen aus den verschiedensten Jahrtausenden als immer gleich verblendet und rettungslos dem Krieg verfallen. Die interessanteste Premiere allerdings dürfte „Antigone" werden. Man begnügt sich nämlich nicht mit Sophokles. Vielmehr ist der Sophokleische Stoff ins Zeitlose übertragen und von dem Franzosen Jean Anouilh im modernsten Konveisations- stil gefaßt. Es wird zwei Akte mit einer liebenswürdigen Persiflage des Militarismus und der Staatsraison geben, so jedenfalls versichert uns der Uebersetzer Franz Geiger, der selbst — wenn er nicht gerade dichtet — als Dramaturg der Staatsoper ständig Telefongespräche führt Ganz neu ist diese französische „Antigone" übrigens nicht, denn sie wurde (es ist kaum zu glauben) trotz ihrer Tendenz unter den Augen der deutschen Besatzung 1943 in Pari« urauf- geführt. Hans-Hubert G e n s e r t Adolf Busch, der große deutsche Geiger, der seit Beginn der Hitler-Zeit deutschen Boden nicht mehr betreten konnte und wollte, ist jetzt in Basel im Alter von 53 Jahren gestorben,. Prof. Dr. h. c. Adolf Busch ist der Bruder des jetzt an der Metropoli- ten-Oper in New York tätigen, gleichfalls weltberühmten deutschen Dirigenten Fritz Busch. Das nach Adolf Busch benannte Quartett, dem bei gegebener Gelegenheit der Pianist Rudolf Serkin noch zur Seite trat, hat den Namen seines Begründers in den Konzertsälen Europas zu einem Begriff für alle«, was deutsche Musik der Welt bedeutete, gemacht: Tiefe der Empfindung und der geistigen Auffassung, Reinheit und Werktreue der Wiedergabe, Beseeltheit des Tons und Vergeistigung des Ausdrucks. Für alle Musikfreunde in Deutschland wird die Tatsache, daß sie diesem großen Künstler und aufrechten Menschen gerade in einer Zeit, wo man seiner so sehr bedurft hätte, nicht mehr begegnen werden, eine schmerzlichste Nachricht sein. Theater -Nachrichten Mit „Jedermann" in der bekannten Nachdichtung von Hugo v. Hofmannsthal eröffnete das Badische Staatstheater Karlsruhe seine Spielzeit. Intendant: Hans Herbert Michels. Das Hessische L a n des t h e a t e r Darmstadt beginnt seine Spielzeit im Orangeriehaus mit Goethes „Iphigenie" ln der Titelrolle Maria Pierenkämper. Das Schauspielhaus Tübingen hat für die Aufführung von Goethes Iphigenie im Januar Anna Dammann gewonnen. Curt Goetz' Lustspiel „Hollywood" wird in den Heidelberger Kammerspielen seine deutsche Erstaufführung erleben. Der ehemalige Kölner und Mannheimer Generalintendant Gustav M. Hartung, der aus der Emigration zurückkehrte, übernimmt die Leitung dieser Bühne, die auch Benatzkys neues musikalisches Lustspiel, nach Gogols „Revisor", herausbringen wird. Hindemiths Oper „M*this, der Maler" wird in der Berliner Stooteeper seine Erstaufführung in Deutschland erleben. In den Münchener Kammer- spielen wurde unter der Regie von Friedrich Engel „Our town" (unsere Stadt) von dem amerikanischen Autor Themton Wilder aufgeführt. Dem französischen Film L’Eter- nel retour (die ewige Rückkehr) von Jean Delannoy (mit Jean Marais und Madeleine Sologne) hat ein Ausschuß der 12 berühmtesten belgischen Filmkritiker den Preis des besten Films verliehen. Arturo Toscanini wird im Verlauf seiner Konzertreisen auch in Paris und in Straßburg dirigieren. Maurice Chevalier, der bekannte Schauspieler und Filmkünstler, ist durch eine französische Untersuchungskommission rehabilitiert worden von dem Verdacht der Kollaboration mit den Deutschen. Der F i 1 m s c h a us p i el e r Hairy P i e 1, der in seinem Fragebogen verschwiegen hatte, daß er förderndes Mitglied der SS war, wurde in Hamburg zu 6 Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe verurteilt. Haus Brausewetter, der beliebte Filmschauspieler, ist vor kurzem an den Folgen eines schweren Autounglücks im Alter von 46 Jahren gestorben. Kunst und Wissenschaft Die Vorlesungen der Münchener Universität werden im Januar wieder aufgenommen. Rektor ist Prof. Albert Rehm. Zum Rektor der Universität Freiburg i. Br. wurde bei der kürzlich durchgeführten Rektoratswahl der bisherige Dekan der Theologischen Fakultät, Professor der alfctestamentlichen Literatur und Exegese, Dr. theol., Dr. phil. Arthur All- g e i e r gewählt. Prof. Allgeder, der seit über 25 Jahren an der Freiburger Universität tätig ist, ist Spezialist für die Erforschung der lateinischen Bibelübersetzungen, vor allem der Psalmen. Als Philologe hat er maßgeblich auf dem Gebiete der syrischen Literaturgeschichte gearbeitet. Br wurde 1936 zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt. — Der bisherige Prorektor, Prof. Dr. Franz Böhm, wurde als Kultusminister in die Regierung von Groß-Hessen berufen. An seine Stelle trat der bisherige Rektor, Prof. Dr. Sigurd Janssen. Prof. Dr. Butenandt, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biochemie, hielt in Tübingen einen öffentlichen Vortrag: „Aus der Werkstatt des biologischen Chemikers". Die Universität Heidelberg hat die Erlaubnis erhalten, außer in der schon bisher genehmigten theologischen und medizinischen Fakultät, auch in der philosophischen, naturwissenschaftlichen und juristischen Vorlesungen abzuhalten. Die Warschauer Universität, die 1939 von den Deutschen geschlossen wurde, ist wieder eröffnet worden. Eine Volkshochschule wurde in Offenbach a. M. (amerikanische Zone) gegründet In Bad Neuenahr und Boppard (oder Kochern) beginnen im Januar für katholische und in Neuwied für evangelische Lehrer und Lehrerinnen fünfmonatige Ausbildungskurse Der normale Ausbildungs- nang soll nach dem Abitur zwei Jahre dauern Studenten und Studentinnen werden gemeinschaftlich unterrichtet. Hans Dominik, der Verfasser technischer Zukunftsromane, ist in Berlin gestorben Er hat bei der Erfindung der V- Waffen mitgewirkt. Theodor Dreiser, der bekannte amerikanische Romanschriftsteller, ist in Hollywood im Alter von 74 Jahren gestorben Die Romane „Der Titan" und „Eine amerikanische Tragödie" gehören zu seinen berühmtesten Werken. ■teil ftefte 4 IDO KtTKIEl 4. Jnw M 4 | Unsere Korrespondenten berichten Mittagessen im Von unserer Fsiitei Paris, Ende Dezember. Es fängt natürlich mit einer Schlange an. Sie wälzt sich in mehrfachen Windungen durch den Vorraum des Foyer International,, denn außer den etwa 150 heißbeneideten Pensionärinnen, denen ein besonderer Glücksfall, besondere Hartnäckigkeit oder ein nahebevorstehendes Examen ein Zimmer im Hause gesichert hat, sind mehr ails 1600 Studentinnen und Studenten für die Mahlzeiten eingetragen. Nirgendwo ist es so günstig. Man kriegt ein Mittagessen für 25.—, ein Nachtessen für 19.— Frs., während in keinem gewöhnlichen Restaurant, auch der billigsten Kategorie, unter 50 Frs. etwas zu haben ist. Und zudem wird man 6att. Daß jeder kleine Vorteil buchstäblich erstanden werden muß, daran haben sich die Pariser in langen, harten Jahren gewöhnt; sie beklagen sich kaum. Bloß die Neuein- iretenden zur Stunde des großen Andrangs trifft hie und da ein gereizter oder ein beschwörender Blick, denn jeder, der die Türe öffnet, bringt einen Schwall kalter Luft herein und läßt etwas Wärme ins Freie schlüpfen. Kostbare Grade! Das Foyer ist eine amerikanische Stiftung — aus friedlicher Zeit allerdings — und nun beliefert die Armee die paar einquartierten WACs so freigebig mit Brennstoff, daß alle profitieren. Für den Großteil der Studenten ist es der einzige Aufenthaltsort außer den Hörsälen, wo sie für ein paar Augenblicke Ihre Canadiennes ablegen können, ohne daß gleich der Husten schlimmer wird. Fast eile husten. Wer überhaupt irgendeine Unterkunft hat finden können, bezahlt sie außer mit teurem Geld durch Frieren. So warten sie alle geduldig, bis die Türe eufgeht und sich die Schlange, sanft klappernd auf vielen hundert Holzsohlen in Bewegung setzt. Es gibt beinahe ausschließlich Holzsohlen. Und die meisten Mädchen stehen mit bloßen Beinen drauf, an denen die eisigen Dezembertage blaurote Flecke und Beulen hinterlassen haben. Einzelne nutzen die Zeit mit Lesen, der größere Teil diskutiert unermüdlich über Zimmerschwie- Quartier Latin E. R. - Korrespondentin rigkeiten, den Büchennangel, die Kostspieligkeit des Lebens, die leidigen Strom pennen, von denen die Arbeit täglich stundenlang unterbrochen wird. Auch von einem Skilager im Tirol ist die Rede, und in kleinen Gruppen wird etwa Sartre« letztes Vortrag besprochen, von ein paar Juristen ein politischer Vorfall. Um zwölf Uhr wird das Restaurant geöffnet. Man nimmt sich das Essen am laufenden Band; ein rostiges Tablett, dann einen Blechnapf mit Suppe, dann was es sonst noch gibt, Kohl oder Rutabagaz — Kohlrüben — ein Kartoffelmus oder ein Nudelmus und sinnt verträumt über tausend frühere Schilderungen französischer Eßkultur nach. Sein Besteck muß jeder selber bringen, denn Paris ist arm und ausgeplündert, und nichts kann ersetzt werden. Manche haben nur ein Taschenmesser, andere nur einen Löffel — jene trinken ' Lissabon, im Dezember. Am 2. Dezember hat Brasilien seinen neuen Präsidenten gewählt; General Gas- par Dutra. Bis zur Verkündigung der endgültigen Wahlergebnisse vergingen einige Wochen. Es ist dies auf die kontinentale Ausdehnung der Vereinigten Staaten von Brasilien und die Schwierigkeiten der Verbindung mit den Ortschaften im Innern des Landes zurückzuführen. Viele am und im Urwald gelegenen Dörfer sind ohne telephonische und telegraphische Verbindung und die Wahlergebnisse mußten per Boten nach der nächstgelegenen Poststation gemeldet werden. Das politische Vorspiel zu den Wahlen war dies; Das Land befürchtete, der 15 Jahre lang am Ruder gewesene Diktator-Präsident Getulio Vargas würde einen Weg finden, an der Macht zu bleiben. So zwang die öffentliche Meinung die dann eben die Suppe, diese zerreißen da« Fleisch, wenn es weiches gibt, mit den Zähnen. Auch die hübschen tönernen Krüge, in denen der Wein zu Wasser geworden ist, sind alle schadhaft, und es gibt nicht mehr genug davon; sie wandern von Ti6ch zu Tisch. Den Becher muß man bei sich haben, wenn man Durst hat, oder sich in einem Akt der Selbstverleugnung entschließen, das Wasser aus dem Napf zu trinken. Die hungrigen jungen Wölfe essen ihre Suppe ohnehin so sauber auf und es ist so wenig Fettstoff drin, daß es kaum noch trüb wird. Gott in Frankreich hat sich an ein ganz bescheidenes Leben gewöhntl Die Ausländer aus den vom Krieg verschonten Ländern machen gepuälte Gesichter und lassen die Hälfte stehen. Sie haben Mühe, sich nachträglich an diesen kleinen Anteil am Schicksal Europas zu gewöhnen. Bloß wenn die französischen Altersgenossen, die alle um Jahre älter aus6ehen und von denen viele die Abzeichen der resi- stance im Knopfloch tragen, aus den vergangenen Jahren berichten, schweigen die meisten beschämt. Armee, zu intervenieren. Durch einen Staatsstreich, der ohne Blutvergießen verlief, wurde Getulio Vargas zum Abdanken gezwungen. Der Präsident des Obersten Gerichtshofes, Jose Linhares. übernahm vorübergehend die Führung, um einen freien und unverfälschten Wahlverlauf zu garantieren. Die beiden Hauptkandidaten waren der General Gaspar Dutra, Vertreter der Pro-Vargas-Strömung, und General Go- mez, Vertreter der Anti-Vargas-Strömung. General Dutra wurde von der sozialdemokratischen Partei, General Gomez von der Demokratischen Union gestüzt Ueber die Hauptpunkte seines Regierungsprogramms äußerte sich General Gaspar Dutra in einem Interview: Die wirtschaftliche Freiheit stehe an erster Stelle und müsse im Innen- wie im Außenhandel verwirklicht werden. Er sei Gegner der Zollgrenzen und jeder Form totalitärer Wirtsdraftslenkung abgeneigt Ohne wirtschaftliche Freiheit könne in Brasilien keine wirkliche politische Demokratie bestehen. Eine Erhöhung des Importes sei unerläßlich zur Hebung des Lebensstandardes. Er sprach sich gegen ständige Unterstützung der einheimischen Industrien, die auf die Dauer keine Wirtschaftsmöglichkeiten haben, und für die Aufnahme ausländischen Kapitals, das die Entwicklung Brasiliens zu fördern vermag, aus. Er mache keinen Unterschied zwischen ausländischen und nationalen Unternehmungen, sofern beide zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beitragen. Das ausländische Kapital müsse unter gleichen Bedingungen wie das inländische aufgenommen werden, wenn es dem Fortschritt der Nation dient Auf das politische Gebiet übergehend äußerte Dutra kategorisch: Ich bin gegen jede unbegrenzte Ausdehnung der Staatsgewalt, die nur in Ausnahmezeiten, nicht abei in normalen Zeiten berechtigt ist In einer wirklichen Demokratie müßten die Konti oll- funktionen des Staates und die Notwendigkeiten der Entwicklung der privaten Initiative ausgeglichen sein und nicht die einen über die anderen herrschen. Der Staat dürfe nicht auf das Gebiet der privaten Initiative übergreifen und industrielle oder landwirtschaftliche Unternehmen erwerben, sondern nur das unternehmen, was die Privatinitiative nicht verwirklichen könne Der Die neue Bewegung Von Dr. Robert Winzer. Di« Ausführungen von Herrn Carl Diez in Nr. 33 des Südkurier über „Die neue Bewegung geben Veranlassung zu einer Stellungnahme zu den hierin angeschnittenen Fragen und zu einigen prinzipiellen Feststellungen. Zuerst eine Richtigstellung: die Ortsgruppe Konstanz der „Antifaschistischen Bewegung" wurde ins Leben gerufen, ohne daß hierzu Besprechungen mit den genannten geistlichen Herren oder irgendeiner andern Person in Freiburg durchgeführt wurden. Dies wurde auch an keiner Stelle, insbesondere nicht in Nr. 28 des Südkurier behauptet,. Inwieweit für die zentrale Organisation für die gesamte französisch besetzte Zone Vorbesprechungen dieser Art stattfanden, wird Erwin Eckert, der geschäftsführende Vorsitzende des Präsidiums voraussichtlich in dieser Zeitung feststellen Das in Nr. 28 veröffentlichte Programm der Bewegung gibt Herrn Diez Anlaß zu „schweren Bedenken" Um zu verhindern, daß sich iiese Bedenken bei unwidersprochener Darstellung auf breitere Schichten der Bevölkerung übertragen, soll an dem von Herrn Diez selbstgewählten Beispiel der Jugenderziehung unsere gegenüber allen Parteirichtungen und Konfessionen loyale Arbeitsweise gezeigt werden. Die streng korrekte Haltung ist — außer durch unsere demokratische Einstellung - auch durch die paritätische Zusammensetzung von Präsidium und Arbeitsausschüssen aus den Vertretern der drei großen Parteirichtungen Kommunisten, Sozialdemokraten und Christlich-demokratische Union gewährleiset. Es ist uns eine besondere Freude, über eine völlig harmonische Zusammenarbeit der verschiedenen Richtungen innerhalb der Organisation berichten zu können. Wenn sich — wie in der Frage der Jugenderziehung — keine Ueberem6timmung über ein gemeinsam zu empfehlendes Vorgehen ergibt, so werden den zuständigen Stellen der Militärregierung drei Vorschläge eingereicht, die die verschiedenen Standpunkte der Parteirichtungen herauestellen. Innerhalb der Organisation werden di« Vorschläge ausgetauscht, um jeder Se il s Gelegenheit zu ge- Not und Moral Von unserem Berliner H. G. - Korrespondent#» Berlin, Ende Dezember Das Nachrichtenblatt der britischen Mili- Mrbehörden meldete in diesen Tagen: „Die Prostitution in Berlin nimmt zu. Der Wunsch, Nahrungs- und Genußmittel zu erhalten, hat der versteckten Prostitution einen starken Auftrieb gegeben". Diese Tatsachen sind in der Tat eines der Kennzeichen des Berliner Lebens. Die Not der letzten Kriegszeit, die Jahre des Mangels an wichtigsten Nahrungsmitteln und bescheidenen Genüssen und Leckerbissen, dazu in den Tagen des Zusammenbruchs wohl auch manche .Vorgänge, die innere Hemmnisse nieder- zissen und die den Wertmaßstab für die Beziehungen zwischen Mann und Frau verschoben — das sind wichtige Ursachen. Die Lebensmittelversorgung ist zwar besser geworden, aber die rauhe Witterung gleicht das aus. Es wird über Kriminalität der Jugendlichen geklagt. Vor den Kinos, besonders den für die Besatzungsangehörigen reservierten, findet man oft Scharen wartender weiblicher Wesen, die, wie die Razzien dann ergeben, manchmal kaum das 15. Lebensjahr erreicht haben. Man muß, um diese Dinge zu beurteilen, einige Ergebnisse der Berliner Statistiken in Betracht ziehen. In Berlin war im Monat Juli die Kindersterblichkeit auf 65 Prozent g estiegen. In einem westlichen Vorort Berns, Zehlendorf, einem Bezirk mit ausgesprochen bürgerlicher Bevölkerung von etwa i 70 000 Menschen, gab es im Juli bei 35 Ge- j hurten 186 Sterbefälle; August bei 57 Geburten 378 Sterbefälle. (Die letzten Friedensziffern besagten monatlich 121 Geburten und I 52 Sterbefälle.) Im November gab es in den einzelnen Wochen je 5 bie 6 Geburten bei 55 bis 60 Sterbefällen. Ein Hilferuf der Zehlendorfer Aerzte stellte schon vor Wochen fest, daß bei Erwachsenen ''.örpergewichte von 35 Kilo keine Seltenheit seien, daß Mattigkeit, niedrige Pulszahlen, kaum mehr meßbarer Blutdruck, aufgedunsenes Gesicht und stark geschwollene Beine typische Kennzeichen des durch Mangel hervorgerufenen Körperzustandes seien. Die Vorsorge der Besatzungsbehörden, die jetzt durch Schulspeisungen dem erschrek- kenden Gesundheitszustand der Kinder abzuhelfen suchen und die sich bemühen, die Kalorienzahl der Erwachsenen-Ernährung ebenfalls zu steigern, ist anzuerkennen. Aber die Rückwirkungen jahrelanger Not mit dem Höhepunkt wochenlanger Entbehrung des Unentbehrlichen lassen sich nicht so bald ausgleichen. Die Bemühungen zielen dahin, die Kalorienzahl der Rationen auf 2000 zu steigern. Aber die Gruppe V der Lebensmittelverbraucher in Berlin, die Gruppe der so- genannten „Unbeschäftigten", zu denen auch alle Hausfrauen gehören, bekommt Rationen von 1312 Kalorien täglich, und 37 Prozent der Berliner Bevölkerung werden zu dieser Gruppe V der Verbraucher gerechnet „Ansteigen de Prostitution", „Kinder als Schwarzmarkthändler" - das sind aufregende Zeitungsüberschriften und das 6ind Zeichen bedenklich gesunkener Moral. Aber man muß auch an die Ursachen denken, an die psychischen der Tage des Zusammenbruchs und an die materiellen, die noch fort- dauern. Italienische Tagebücher Von unserem W. D. - Korrespondenten Mailand, im Dezember. Seit Monaten überbieten sich die italienischen Zeitungen mit der Veröffentlichung sensationeller Tagebücher und Dokumente. Der hierbei entwickelte Eifer weckte bereit« den Spott der Karikaturisten. So brachte L'Illustrazione Italiana eine humoristische Zeichnung, die ein Redaktionszimmer zeigt, In das ein Redakteur mit einem dicken Manuskript in der Hand stürmt, der seinem Chef zuruft: „Herr Direktor, ein ganz großes Geschäft für unsere Zeitung!.. Das Tagebuch der Waschfrau der Geschwister Pe- iacci!" Tatsächlich befand sich unter den abge- drudcten Diarien auch da« der Geliebten de« ehemaligen Duce, Oaretta Petacci. Das Versprechen besonderer Intimität rechtfertigte sich in jeder Hinsicht. Man lernte Mussolini unter dem Kosewort „Bibi" kennen, einem Bibi, der zwei Tage nach Kriegsausbruch «eine Violine mitbringt und traurige Weisen spielt: der Leser folgt ihm sogar ins Schlafzimmer der Petacci.. Den Anfang der Tagebuch-Manie machte man mit Graf Ciar.o, den Schwiegersohn des Duce, dessen Beobachtungen mitunter recht treffend und viel geistreicher sind, als man Ihm zugetraut hätte. „Hitlers Augen funkelten, wenn er vom Kriege sprach" bemerkt •r am 1. Oktober 1939 in Salzburg, und Rib- bentrop konnte nichts neues sagen, es war Dicht „Mehl aus seinem Sacke". „Generale sind eifersüchtiger als Frauen" steh* an •iner anderen Stelle. Neid ind Eifersucht sind überhaupt ein toter Faden in diesen Berichten. Mussolinis Eifersucht auf Hitlers militärische Erfolge geht so weit, daß er ihm gelegentlich Rückschläge wünscht (die doch auch seine Niederlagen wären!) und sich über den Fall Heß freut, weil hierdurch das Ansehen de« Naziregimes sinkt. Der italienische Leser schmunzelt, wenn er erfährt, daß man dem Duce von Spoleto 24 Stunden die kroatische Königskrone nachschleppen mußte, weil er unauffindbar — mit einem Mädchen in einem Mailänder Hotel verschwunden war. Den deutschen Leser muß — mögen Dichtung und Wahrheit vermischt sein die Leichtfertigkeit erschüttern, mit der die beiden Diktatoren das Glück ihrer Völker aut« Spiel sezten. Welche Angst hat Mussolini, in diesem Krieg zu spät zu kommen! Obschon nach Ciano bei Kriegsbeginn nur 10 Divisionen einsatzbereit waren, offeriert er im Mai 1940 Hitler 70 (!) und die Aufstellung weiterer 70 Divisionen, wobei ihm die unzu’äng liehe Ausbildung und Ausrüstung nicht unbekannt sein konnten. E: strebt mit alte Gewalt rach Kriegslorbeeren. Er will Truppen nach Frankreich und später nach dem Osten schicken, bietet sie wie saures Bier an, bis Hitler nicht mhin kam nung der Angebote aufzugeben. Er befiehlt 1940 e.ne Offensive in der Sahara übe: fiOO j Kilometer hinweg bei 55 Grad Hitze was zu i dem Verlust von fünf Divisionen führt Be- i sonders tragisch ist ein langer Brief Hitlers | vom 21 Juni 1941 in dem er dem - wie ! üblich vorher nicht informierten — Duce I breit auseinanderlegt, warum er sich ent- I schlossen habe, Rußiand den Krieg zu erklä- ; ren. Da ist nichts von der meisterlichen Po- ; litik eines Bismarck, da gibt es nui ein plumpes Durchhauen des Gordischen Knotens Und in einem Nebensatz bemerkt Hitler, es sei „gleichgültig”, ob Amerika in den Krieg eintrete, weil es ja jetzt sc’.on die Feinde der Ache« Bk allen Kräften snteretüse... Brasiliens neuer Kurs Von unserem L. F. - Südamerika-Korrespondenten Kampf gegen dl« Inflation, die gegenwär- j tig in Brasilien herrsche, werde das Haupt- j Problem seiner Regierung sein. Er hoffe, es mit demokratischen Mitteln, ohne Ergrei- j fung drastischer Maßnahmen, die die wirt- ; schaftliche Struktur des Landes gefährden, ■ zu lösen. Die soziale Frage sei ebenfalls eines der Probleme, die seine Regierung mutig anpacken werde, denn sie werde für Hebung des Lebensstandardes des brasilianischen Volkes und ein Minimum wirtschaftlicher Sicherheit, für alle kämpfen Zur internatinalen Politik äußerte er: er i sehe im Panamerikanismus die einzige Form der wirksamen Verteidigung und des wirklichen Fortschritts für den amerikanischen Kontinent. Er sei ein Anhänger der Politik enger Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika zum Wohle des Friedens und der kontinentalen Harmonie. * Moskau. Der frühere russische Botschafter in Berlin und Paris, Jakob Suritz wurde zum Sowjetbotschafter in Brasilien ernannt. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern wurden 1945 zum erstenmal seit 1917 wieder aufgenommen. Der Schweizer Bundespräsident Von unserm Dr. P.R.-Korre6pondenten Z ü r i ch , Anfang Januar. Als Bundespräsident für 1946 ist von der Vereinigten Bundesversammlung tumusge- mäß Bundesrat K o b e 11 gewählt worden. Das Amt fällt jede« Jahr einem andern Bundesrat zu, der während seiner Präsident- : schalt unter den sieben Bundesräten so 6ehr i primus inter pares ist, daß manche Schweizer im Laufe des Jahre6 wieder vergessen, wer zur Zeit als Landesvater regiert. Wich- I tiger als die Stellung des Bundespräsiden- : ten im Lande selbst, wo er nur den Präsi- I denten der Regierung darstellt, ist seine | Aufgabe nach Außen, als Repräsentant des Landes. Bis zum Weltkrieg war der Bundespräsident immer zugleich auch Chef des Politischen Departements, d. h. Außenminister Heute ist bei der zunehmenden Komplizierung und Spezialisierung der Aufgaben de; einzelnen Abteilungen die jährliche Depar- tementsverechieb-ung nicht mehr möglich. Der neue Bundespräsident ist Chef des Militärdepartements, in einem andern Lande würde das bedeuten Kriegsminister. Gebürtiger St. Galler, Ingenieur und Stabschef eines Armeekorps ist Bundesrat Kobelt im Dezember 1940 mit einer parteilosen Außenseiterkandidatur an seinen Posten gelangt. In den fünf Jahren seiner Tätigkeit als Leiter des Militärdepartemen- tes hatte er zwischen Bundesrat und Parlament als zuständigen politischen Behörden und dem General als verantwortlichem Anführer aller Streitkräfte der Landesverteidigung Verbindung und Einklang herzustellen. Seit dem Ende der Mobilmachung und der damit verbundenen Verabschiedung des Generals sind alle Aufgaben aus dem Bereich der militärischen Landesverteidigung verfassungsmäßig wieder auf den Bundesrat übergegangen. Der neue Bundespräsident leitet ein Departement, indem sowohl für die Uebergangszeit wie für die end- j gültige Ordnung große Probleme zu bear- I beiten und zum Entscheid zu bringen sind, ! ein Departement, das, wie die „Neue Zür- : eher Zeitung" sich ausdrückt, „stark dem Spiei zeitgebundener Stimmungen ausgesetzt ist und vor Aufgaben steht, die den Volkswillen der wehrhaften Demokratie auf die Probe stellen". Als Leiter dieser besonders exponierten Abteilung ist Bun- despräsidnt Kobelt natürlich manchen Anfechtungen ausgesetzt, aber die Zahl der i Stimmen, die ihm zufielen — 165 auf 222 — ! zeigt, daß seine Fachkenntnis, Aufgeschlos- j senheit und Sachlichkeit in allen Lagern I anerkannt werden.' ben, die abweichenden Auffassungen kennenzulernen. Die einzelnen Eingaben enthalten sich jeder Kritik und bringen sachlich neben den Vorschlägen jeweils die Begründung. Von diesen Ausführungen sieht der Vorschlag der Christlich-demokratischen Union die Schaffung konfessioneller Jugend verbände vor, gibt also Herrn Diez wohl zu keinen Bedenken Anlaß. Von den verbleibenden zwei Vorschlägen dei Sozialdemokraten und Kommunisten enthält keiner irgendwelche Stellen, die auf die Schaffung „einer neuen Hitler-Jugend" abzielen oder dazu führen könnten. In beiden Vorschlägen Herrscht zwar Uebereinstimmung darin, daß es notwendig i6t, breiteste Schichten der Jugend zu erfassen, um auf dem Weg über eine konsequente Schulung zum demokratischen Denken eine innere Wandlung des Volkes zu erzielen. Es ist jedoch klar und ohne Einschränkung in beiden Vorschlägen gesagt, daß die Teilnahme grundsätzlich freiwilig «ein soll. Die übrigen Vorschläge zur Erziehungsarbeit an der Jugend dürften Gemeingut aller sein und sehen vor: körperliche und geistige Ertüchtigung durch Sport verschie- '• denster Art, Wandern und Reisen. Abend- : schulen und Fortbildungskurse, Jugend- I büchereien, Literatur- und Laienspielabende j und Pflege der Musik. Sprachkurse und Ein- I führung in die Kultur unserer Nadibarvöl- I ker sollen der Anbahnung des internationalen Verständnisses über die Jugend hinweg dienen. Der Tendenz der beiden Parteien entsprechend wird die Forderung erhoben, daß alle Veranstaltungen und Ein- j richtungen möglichst unentgeltlich allen ! Jugendlichen zur Verfügung stehen. Die „schweren Bedenken" von Herrn Diez . dürften ausgelöst sein durch die Anregung , der Sozialdemokraten und Kommunisten, daß die Erziehung in religiösen Fragen nicht Sache der neuen Jugendorganisationen sein sollte, daß die verschiedenen Konfessionen sich vielmehr auf die zusätzliche religiöse und sittliche Erziehung der für sie jeweils in Betracht kommenden Jugendlichen beschränken sollten Ein solches Vorgehen j würde eine Fortsetzung der in den Schulen i geübten Praxis bedeuten, daß die eil ge- 1 meine Erziehung gemeinsam, die Erziehung in religiösen Fragen gegebenenfalls xusitj, lieh erfolgt. Begründet wird der Vorschlag einer eia- heitlichen Jugendorganisation in den Entwürfen der Sozialdemokraten und Kommunisten vorzugsweise mit äußeren Gründen indem gesagt wird, daß es bei der allgemeinen Not und dem Fehlen jeglicher Bildung*, mittel und Geräte bereits schwer genug sein wird, che notwendigen Vorkehrungen für eine geeinte Jugendbewegung zu schaf. fen. An dieser Stelle soll auch die politische Begründung angeschlossen werden: Wir wollen aus den Organisationen der Jugend, denen wir unser kostbarstes Gut, unser einziges Aktivum in dieser Notzeit anvertrauen, niemand ob seiner Religionszugehörig, keit, Herkunft oder Rasse oder wegen jetziger oder früherer Parteizuhörigkedt der Eltern ausgeschlossen oder benachteiligt wissen. Wir möchten nicht 6ehen, daß ju- gen dl i che Wanderer vor einer Jugendherberge umkehren müssen, weil dort ein an- deres Fähnlein gehisst ist oder daß junge Menschen von der Möglichkeit, ihre Bildung zu erweitern, aus äußeren Gründen keinen Gebrauch machen können. Wir kennen da* tiefe Sehnen der breiten Massen in allen Völkern nach gebührendem Anteil, an den ideellen und materiellen Gütern und wissen diese Zeichen zu deuten. In seinen Ausführungen stellt Herr Carl Diez weiterhin fest, daß er e6 für anmaßend hält, daß die antifaschistische Bewegung entsprechend ihrem Programm durch Vorschläge zur Ueberwindung der gemeinsamen Not und durch die Kontrolle ihrer Durchführung tätig ist. Wir dagegen wundern uns, daß Herr Diez als früherer langjähriger Zentrumsabgeordneter es nicht begrüßt, daß in der antifaschistischen Bewegung eine legale und die einzig legale politische Organisation zur Verfügung steht, die Kontakt mit allen Bevölkerungsschichten hat und imstande ist, deren Sorgen und Nöte zu vertreten. Jeder Deutsche, der politisch unbelastet und guten Willens ist, wurde zur Mitarbeit aufgefordert und sein* Ansicht wird, wie es in einem nach demokratischen Prinzipien gestalteten Organ selbstverständlich ist, gehört und gewürdigt werden. Mindestens bis zum Funktionieren des auf den politischen Parteien aufgebauten Apparates halten wir es nicht nur für unser Recht, sondern für unsere Pflicht, auf die vordringlichsten Fragen hinzuweisen und an deren Lösung zu arbeiten. Das Problem der Ernährung und Heizung, wirtschaftliche Fragen, kulturelle Angelegenheiten besonders auch die Presse, der Aus- tausch der kriegsgefangenen Antifaschisten vertragen keinen Aufschub. Bereits heute sind führende Vertreter der einzelnen Parteirichtungen an den entsprechenden Stellen tätig, so daß auch nach den Wahlen in den Vertretungen der Gemeinden, Kreise und Länder eine gewisse Kontinuität zu erwarten ist. Unsere Bewegung wird jedenfalls — auch wenn der Name im Zusammenhang mit der Zulassung der politischen Parteien geändert werden sollte — solange es das öffentliche Interesse erfordert, mit allen Kräften an den uns gestellten Aufgaben arbeiten mit dem Ziel, ein neue« Deutschland auf demokratischer Grundlage, ein Land der Gedankenfreiheit und der Menschenrechte schaffen zu helfen. Parteien und Parteisorgen Einem Aufsatz de« „Tageaspiegel", ein« schon bemerkenswert qualitätvollen Berliner Zeitung entnehmen wir folgende*: Al* sich aus dem Zusammenbruch de« Krieges die demokratischen Parteien bildeten, riefen fix und fertige Parteivorstände zum Beitritt auf, ohne den notwendigen Vorbehalt, daß da«, was hier unter dem Zwang der Verhältnisse hätte geschehen müssen, baldigst von den Mitgliedern bestätigt werden solle. Die Berliner Parteien bestehen ein halbes Jahr, ohne daß einer ihrer Vorstände auch nur eine Andeutung gemacht hätte, die auf die Absicht einer demokratischen Wahl der definitiven Vorstände schließen ließ. Wir wissen nicht, wie groß die Zahl der Mitglieder iet, die «ich tn Berlin zu den einzelnen Parteien bekennen. Seltsamerweise hat auch noch keine einzig* Partei Zahlen darüber veröffentlicht. Aus anderen Gegenden aber, in denen die Mitgliederbewegung weniger geheimgehalten wird, ergibt sich ein für die Parteien wenig schmeichelhaftes Bild. Solange die Parteien auf Parteitage verzichten oder vielleicht auch verzichten müssen, weil die besonderen Umstände der Nachkriegszeit etwa« andere« nicht erlauben, mag eine enge Beziehung zwischen Vorstand und Mitgliedern schwierig «ein- Trotzdem kann man eich nicht des Eindruck« erwehren, daß von den Parteivorständes diese losen Beziehungen nicht ungern gesehen werden. Damit erscheint das Leben der Parteien Zufälligkeiten ausgesetzt, statt daß es von einer breiten Welle des Vertrauens getragen wird. Berlin, Mecklenburg und Halle sind nicht Deutschland. Entweder verzichten di* Parteien der Berliner Spielart endgültig darauf, im übrigen Deutschland Fuß zu fassen d. h. sie bekennen sich zu den Tatsachen, die klar genug die Verschiedenheit der Anschauungen zwischen den politischen Gebilden im Osten und denen im Süden und Westen Deutschlands beweisen. Eine solch« Haltung wäre im Interesse der künftiges föderalen Struktur nur zu begrüßen. Oder aber die Parteien de« Typus Berlin setzen ihre bisher ziemlich ergebnislosen Versuch* fort, mit den Gruppierungen des Westen* und Süden« in ein Gespräch zu kommen — dann werden sie dafür sorgen müssen, dal bei allen Entscheidungen die Stimme de« Westens und Südens gehört wird. Wir wiederholen ausdrücklich: die Perso- nenfrage und da6 Gemisch von Intrigen, de« hier Politik genannt wird, ist sekundäre« Natur. Es kommt auch nicht auf die Problem* an, wenn sie nur zum Vorwand für etwa* ganz anderes dienen. Je heftiger der Bode« schwankt, auf dem diese posthumen Par- teigebilde stehen, desto eher wird ein* wirkliche Erneuerung des politischen Lehe»*, in Deutschland möglich sein... Das 1 'Ans A tung g yermei Arbeits ▼erlag« lege rar jegieru 1. Sc durch c zeit V und Fi hierfür Nacht- 2. In der Sf der Arl mer ve erheit, arbeit Mehrar tegsarb «ach di sen Be 3. Fü arbeit eind m stimmu aufsicht Auf ( Comma magne ten Ge Zone i; Volke fahren, über de Staats ai keit, de keit ere im Hin wichtige xialen französi nen. M: Zählunc «9 Jahres Augen •wo sich hayeri« Alpen, .aublic t nc In die Prägen allen n Gebirge diesem maßen pomisct afitifasc Kann k «een so iandkre macht r Ünab Jahr nc ebenfall auf die Die Fra ten is t hier in rechnet Da« Behörde ■ur Ve gegenk von de bg. D der Feil den Fai 11. Fo c Nachc stiftete der Sc weitere aie, trot müde w lnft. 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Aus Anlaß dieser Arbeitszeitverlagerung wird mit Zustimmung der Militärregierung Baden folgendes angeordnet: 1. Soweit die Arbeitnehmer infolge der durch die Stromsperre verlagerten Arbeitszeit Mehrarbeit, Nachtarbeit oder Sonnend Feiertagsarbeit leisten müssen, sind hierfür die regelmäßigen Ueberstunden, Nacht- und Sonntagszuschläge zu vergüten. 2. In den Betrieben, in denen aus Anlaß der St’romeinschränkung eine Verlagerung der Arbeitszeit erfolgt, sind die Arbeitnehmer verpflichtet, dadurch entstehende Mehrarbeit, Nacht- und Sonntags- bzw. Feiertagsarbeit zu leisten. Die Verweigerung von Mehrarbeit, Nacht-, Sonntags- und Feierlagsarbeit stellt Vertragsbruch dar und wird »ach den von der Militärregierung erlassenen Bestimmungen bestaft. 3. Für Frauen und Jugendliche ist Nachtarbeit grundsätzlich untersagt. Ausnahmen «ind nur im Rahmen der gesetzlichen Beatimmungen mit Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamtes zulässig. Volkszählung am 26. Januar 1946 Auf Grund einer Verordnung des General Commandant en Chef Francais en Alle- magne findet am 26. Januar 1946 im gesamten Gebiet der französischen Besatzungs- »one in Deutschland eine allgemeine Volkszählung statt. Wie wir dazu erfahren, wird sich die Zählung auf Fragen über den Personen- und Familienstand, die Staatsangehörigkeit, die Religionszugehörigkeit, den Schulbesuch sowie die Berufstätigkeit erstrecken. Die Zählung hat den Zweck, rm Hinblick auf die künftige Neuordnung wichtige Grundlagen zur Beurteilung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im französischen Besatzungsgebiet zu gewinnen. Mit der Organisation und Leitung der Zählung ist der Service de Statistiques et d'Etudes Economiques beauftragt, dar seinerseits die örtliche Durchführung der Zählung durch die Organe der deutschen Verwaltung (Landräte, Bürgermeister) unter Heranziehung ehrenamtlicher Zähler vornehmen läßt. Nähere Einzelheiten über die Durchführung der Volkszählung werden in den nächsten Wochen durch die Presse, öffentl. Anschlag usw. der Oeffentlichkeit bekanntgegeben. FRIEDRICHSHAFEN Oberteuringen. In der Gemeinde Ober- teuringen fand ein Kind im Straßengraben eine kleine Kapsel. Nach kurzer Betrachtung warf es dieselbe wieder weg. Plötzlich explodierte der Sprengkörper und verletzte das ijKind am ganzen Körper und an den Augen erheblich. Dichterlesung in Langenargen Der Verfasser des großen Kepler-Romans, Olaf S a i 1 e und Käthe Lambert, bekannt durch ihre Bücher: „Das Haus des Lebens", „Meister von Ulm" und „Der große Preis' lasen im Saale des Hotels „Schiff" aus ihren Werken. Käthe Lambert begann mit zwei lyrisch-feinen Mariengedichten zur Weilyiacht und las dann aus ihrem Werk „Die Sürlins" (die Bildschnitzer von Württemberg) das Kapitel der Grundsteinlegung des Ulmer Münsters. Olaf Saile las einige Szenen aus einem noch unveröffentlichten Buch „Der Schwabenspiegel", die er unter dem Titel „Die deutsche Tragik" zusammenfaßte und „Der Karlsschüler", in der Schiller als Preisträger der Akademie dem Feuergeist Goethe begegnet. Aus dem Kepler-Roman vermittelte Saile zwei Unterredungen des großen Astronomen, die erste mit dem Kaiser Franz Ferdinand II., die zweite mit dem Heerführer Wallenstein. Die feingetroffene Auswahl dieser in Wort und Formgebung starken Szenen vermochten in ihrem zeitnahen Sinn den aufmerksamen Zuhörern viel zu geben. , Kirchenmusik im Münster zu Weingarten Weingarten. Veranstaltet von Chordirigent Hermann Feißl, Weingarten, und unter Raoeneburg im neuen Jahr bg. Dia letzten Tage des vergangenen Jahree mit ihrem Föhnwetter haben aller Augen magnetisch in die Ferne gezogen, wo sich die schweizer, österreichischen und bayerischen, ja sogar der französischen Alpen, von den umliegenden Höhen in unglaublich naher Entfernung darboten. Was Hegt näher als daß sich nach diesem Blick in die Ferne der Blick in die Nähe, zu den Prägen der Gegenwart, wandte, die uns ja Allen noch tausendmal näher liegen als die Gebirgewelt jenseits des „Sees"? Anlaß zu diesem Gedankenwechsel bot sich gewissermaßen von selbst durch die Tatsache, daß für unaara Zone nunmehr die politische iWDenebt! düng in dar Form der Bildung politischer Parteien auf demokratischer und •fÄifaschiStikcher Grundlage gestattet ist. Es lann kein Zweifel bestehen, daß von diesem so lang entbehrten Recht im Stadt- und Landkreis Ravensburg bald Gebrauch gemacht werden wird. Unabhängig davon hebt sich im neuen Jahr noch eine andere Entwicklung ab, die ebenfalls nicht ohne weittragenden Einfluß auf die Geschicke des Kreises sein wird. Die Frage der Errichtung von Gewerkschaften ist nunmehr soweit gediehen, daß auch hier in Bälde mit positiven Ergebnissen gerechnet werden kann. Das Konzerthaus ist von den Militär- .beh Orden wiederum der Stadtverwaltung »ur Verfügung gestellt worden. Das Entgegenkommen der Militärregierung wird von der Bürgerschaft allgemein begrüßt. Weihnachten für Heimatlose bg. Der Appell der Geistlichkeit, während der Feiertage heimatlose Kriegsversehrte in den Familien aufzunehmen, fand überall Ge- | hör. Die Zahl der Familien, die sich hierzu i bereit erklärt hatten, war größer als die der Versehrten. Dankbaren Herzens schieden die i Beschenkten von ihren Gastgebern. — Für ; Lazarette und Krankensammelstellen fanden ! während der Feiertage Weihnachtsfeiern auf ! Veranlassung der Stadtverwaltung statt, bei i denen neben den Gaben kleine Geldbeträge i überreicht wurden. Gleiche Feiern wurden auch im Städtischen Krankenhaus, im Altersheim und im Kindergarten abgehalten. Die Beschenkten gaben ihrer Freude in herzlichen Worten Ausdruck. Urteile des Militärgerichts bg. Aus den Urteilen, die das Mittlere und Untere Militärgericht dieser Tage ge- fällfhaben, ist hervorzuheben'die Bestrafung einer Frau aus Wangen mit zwei Monaten Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe, die sich hatte hinreißen lassen, einem gefangenen amerikanischen Flieger ins Gesicht zu schlagen. Mildernde Umstände wurden in Rücksicht gezogen. — Ein Pole war wegen mehrerer Diebstähle, darunter Motorrad- und Fahrraddiebstahl, angeklagt. Er war aus dem Gefängnis entwichen und hatte vor seiner Wiederergreifung eine Waffe weggeworfen. Das Gericht ahndete seine Taten mit einer Gesamtstrafe von zwei Jahren Gefängnis. Ein Schwerkriegsbeschädigter Angeklagter aus Ulm wurde wegen Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 500 RM. verurteilt. Bei der Strafe wurde das Leiden des Angeklagten weitgehend berücksichtigt. — Ein Käsereibesitzer aus Waldsee wurde wegen unerlaubter Tauschgeschäfte und Nichteinholung der Genehmigung der Militärregierung zu Kompensationsgeschäften mit 2 Monaten Gefängnis bestraft. Mitwirkung von Frau Maria Haller, Berlin, Sopran, Erich Schmale, Stuttgart, Violine, Frau Milla-Cäcilia Feißl, Weingarten, Orgel, und dem Weingartner Münsterchor hörte man am 2. Weihnachts'teiertag im Münster zu Weingarten schönste Weihnachtsmusik. Zum Vortrag kamen Werke von Bach, Förster, Brahms, Prätorius, Händel, Buxtehude, und das siebenstimmig gesetzte „Stille Nacht" von Gruber. Frau Feißl bewies durch ihr beseeltes und meisterhaftes Spiel, wie sehr sie mit der herrlichen „Großen Orgel" verwachsen ist, auch bei Begleitung der Solisten zeigte sie ihr großes Können. Erich Schmales wundervolles Violinspiel gewann in der herrlichen Sonate in F-dur für Violine und Orgel von Händel die Herzen der Zuhörer. Mit klarer, schwingender Sopranstimme sang Frau M. Hailer „Mein gläubiges Herze” von J. S. Bach und die Solokantate: „Singet dem Herrn" von Buxtehude. Ganz hervorragend bewährte sich der Münsterchor, der in dem Lied von Prätorius „Es ist‘ein Reis entsprungen" und in Grubers: „Stille Nacht" eine gute Schulung und prächtiges Stimmenmaterial bewies. Die gewaltige Toccata in F-dur von Bach beschloß diese schöne, weihnachtliche Stunde. Jettweiler. Unsere Gemeinde ist von den Wirren des Krieges im wesentlichen verschont geblieben. Die von der Gemeinde bekannt gegebene Kriegsteilnehmerliste enthält 99 Namen. Hiervon sind 15 Männer gefallen, 45 wurden entlassen, 20 gaben Nachrichten aus der Gefangenschaft, während 19 noch vermißt werden. Unser Bür- germeisier lenkt die Geschicke der Gemeinde mit Umsicht. Jeden Monat findet eine Versammlung der Bürger statt, in der die wichtigsten Fragen besprochen werden, um zur Mitarbeit anzuregen. Bei der letzten Milchgeldauszahlung war ein Vertreter der Milchgenossenschaft Radolfzell anwesend, um die viele Schwierigkeiten bereitende Milchanfuhr zu regeln. Erfreulicherweise konnte trotz des herrschenden Mangels an Arbeitskräften und Pferden eine Einigung erzielt werden. Zur Ablieferung von Getreide und Kartoffeln sowie zur Viehnützung wurden von Ortsbeauftragten Vorträge gehalten, mit der Mahnung, sich in keiner Weise der Ablieferung zu entziehen. Auch die Ortsversicherung bezw. Fleisdiabnahme wurde neu geregelt. An der Schule wird seit 21. November der Unterricht wieder erteilt. SAULGAU Ein alter Brauch lg. Auch dieses Jahr zogen am Heiligen Abend die traditionellen „Engelsänger" im Scheine stimmungsvoll gebastelter Ampeln durch die stillen Straßen der Stadt und erfreuten die Bevölkerung durch das „Hirtenlied" und andere, die Herzen der Zuhörer ansprechende Weisen. Wir möchten gerade auch in dieser schweren Notzeit den uralten heimatlichen Brauch wirklich nicht ipehr missen, die anheimelnden Töne . dgr Hörner und die vertrauten Weihnachts- gesänge. Die Sänger dürfen des Dankes der Einwohner und vor allem auch der Kriegsgefangenen, denen sie damit eine besondere Festfreude bereiteten, gewiß sein. Verschiedenes lg. Am Stephanstag fand in der Evangelischen Kirche eine Kirchenmusikalische Weihnachtsfeierstunde mit Werken von Bach, Mozart und Corelli statt. Die Darbietungen verrieten durchweg hohes musikalisches Können und wurden allen Zuhörern zu einem tiefen seelischen Erlebnis. — Am 27. 12. brach im Hotel „Post" ein Zimmerbrand aus, der aber dank des raschen Zugreifens einiger Personen keinen^ größeren Schaden verursachte und das Eingreifen der Feuerwehr überflüssig machte. — Tags darauf wurde vor dem Kaufhaus Pischl ein älteres Fräulein von einem Fahrzeug angefahren und etwa 10 m weit geschleift. Sie wurde in äußerst bedenklichem Zustande in AUS OER CHRISTLICHEN WELT Präsident Bender gestorben Konsistoriälrat Präsident Bender, der seit Kriegsende der Kirchenleitung von Berlin-Brandenburg als juristischer Dezernent für Berlin angehörte, ist in Charlottenburg im Alter von 72 Jahren gestorben. Im Jahre 1933 mußte Konsistorialrat Bender sein Amt in der Kirchenleitung in Breslau auf Verlangen der „Deutschen Christen“ niederlegen. Der Bischof von Amiens gestorben Kürzlich ist im Alter von 62 Jahren der Bischof von Amiens, Msgr. Lucien Martin, gestorben Spende aus dem Vatikan Eine Spende aus dem Vatikan in Form von Kirchenfensterglas ist durch Vermittlung des Bischofs Dr. Paulus Rusch von Innsbruck der Hauptstadt Tirols zugegangen. Um der grausamen Kältenot des beginnenden Winters in etwa zu steuern, wird das eingetroffene Kirchenfensterglas an die bedürftige Bevölkerung der Stadt kostenlos abgegeben, damit sie die Fenster ihrer Wohnungen wieder schließen kann. Die Glasschäden in Innsbruck sind infolge der zahlreichen Bombenangriffe sehr umfangreich. Ein Teil der Sendung wurde für Schulen und Krankenhäuser bestimmt. Es werden noch weitere Sendungen erwartet. D; Tagung de« Lutherischen Weitkonvents. Die erste Tagung des Lutherischen Weltkonvents seit 1939 fand am 13. und 14. Dezember in Kopenhagen statt. Außer den skandinavischen Kirchenvertretern nahmen an der Konferenz auch drei Delegierte des amerikanischen Luthertums teil, die gegenwärtig dem Problem des kirchlichen Wiederaufbaus und der Hilfleistung für die sechzig Millionen zählenden Lutheraner in Europa, sonderlich in Deutschland, nachgehen. Die Amerikanische Sektion des Lutherischen Weltkonvents hat unter dem Namen „Lutheran World Relief Inc." ein Hilfswerk ins Leben gerufen, das keine getrennten Sekretariate in Europa eröffnen, sondern seine Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit den hier bereits tätigen Hilfswerken durchführen wird das Kreiskrankenhaus eingeliefert. Die Schuldfrage ist noch nicht ganz geklärt. WALDSEE Weihnachtsmusik der Stadtkapeile ws. Nachdem die Bevölkerung am Heiligen Abend mit alten, vertrauten Weih- nachtsliedem durch ein Bläserquartett der Stadtkapelle überrascht worden war, lud diese auf den Nachmittag des ersten Weih- j nachtstages zu einer abendlichen Weihnachtsmusik in die Turnhalle ein. Die vor kurzem neu aufgestellte, 25 Mann (der jüngste „Mann" ist 8 Jahre alt) starke Kapelle brachte weihnachtliche und unterhaltende Stüdce in reicher Folge. Bürgermeister Boxler dankte der Kapelle und ihrem jungen Dirigenten. Die Kapelle hat in der kurzen Zeit ihre« Bestehens tatsächlich hervorragende Arbeit geleistet. Sie bildet eine j willkommene Bereicherung unseres kultu- relln Lebens. Am gleichen Tage erfreute die Kapelle die schwerverwundeten Soldaten im Lazarett Schloß Wolfegg und am darauffolgenden Tag die Insassen des Krankenhauses, Bürgerheimes und Spitals mit ihren flotten Weisen und löste überall dankbare Freude aus. Waldsee. Der Wiederaufbau in unserer Stadt geht dank der Unterstützung durch die Behörden allmählich in etwas schnellerem Zeitmaß vor sich. Die Arbeit haben wieder aufgenommen: die Württ. Seidenweberei, die zwei Sägewerke, das Kieswerk und einige Reparaturwerkstätten. Das Handwerk ist vollbeschäftigt. Die früher in der Rüstungsindustrie tätigen Arbeiter sind meistens in der Land- und Forstwirtschaft untergekommen. In kultureller Beziehung ist ebenfalls neues Leben durch die Aufführung von Kirchenkonzerten edn- i gezogen. Die Schulen und alle öffentlichen Aemter ebenso das Amtsgericht haben ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. LINDAU Gerichtswesen li. Am 21. Dezember 1945 fand im Saal des Alten Rathauses die feierliche Eröffnung des französischen mittleren Strafgerichtes (Tribunal intermediaire) im Beisein de« Stadtrates statt. Friede auf Erden li. In Lindau haben die im „Antifa- Block" zusammengeschlossenen Anhänger aller demokratischen Partedrichtungen am , vergangenen Sonntag gemeinsam eine öffentliche Weihnachtsfeier mit Kinderbe- scherung veranstaltet, bei der etwa 700 Kinder, deren Väter gefallen oder in Gefangenschaft sind, beschenkt wurden. In wochenlanger Vorbereitung, bei der sich vot allem Frau Seifried aufopferte, hatte alles zusammengeholfen, Behörden, Geschäftsleute und Einwohnerschaft, um diese schöne, einträchtige Feier zu ermöglichen. Bürgermeister G ö 111 e r warf in einer Ansprache einen Rückblick auf die Zeit, in der Verbrecher Deutschland regierten, und rief alle, die guten Willens sind, zu gemeinsamer Arbeit an der Wiedergutmachung des hereingebrochenen Unglücks auf, an dem das ganze Volk in gewissem Sinne schuld sei und das nun auch gemeinsam gr tragen werden müsse. Sch Vorträge des Süöhurier Der am Montag, 7. Januar 1946, 20 Uhi im Stadttheater stattfindende Vortrag des Südkurier von Universiätsprofessor Dr. Gerhard Ritter- Freiburg i. Br. über das Thema Die Wissenschaft und das öffentliche Leben ist ausverkauft. Lediglich für auswärtige Besucher, die sich entsprechend ausweisen, wird am Vortragstage an der Abendkasse de« Stadttheater« eine beschränkte Anzahl Eintrittskarten bereitgehalteni diese müssen eine Stunde vor Beginn des Vortrages abgeholt sein. Der Süötuirter »Theaterfonöe Schon kann eine weitere kostenlose Theatervorstellung veranstaltet werden. Die 42 ersten Spender — große und kleine — verschaffen wieder 500 Mitbürgern einen Theaterbesuch, nach dem diese sich sehnen und den sie sich selbst nicht leisten können. Die Einzelheiten über die nächste Vorstellung werden noch bekanntgegeben. Erste Spendenliste: W. Erdan, Konstanz; E. Schneider, Konstanz; L. Brandt, Konstanz; O. Schroth, Konstanz; A. Zanella, Böblingen; K. Stich, Konstanz; P. Weimar, Konstanz; Dr. Kim- mig, Konstanz; W. Dück, Konstanz; R. Eder, Konstanz; M. v. Gottschall, Konstanz; A. Wolfensberger, Konstanz; W. Brunner, Konstanz; J. Tröndle, Waldshut; P. Häußler, Konstanz; Dr. Guth, Rielasingen; Ungenannt, Hegne; R. Riegger, Konstanz; L. Stiegeler- B., Konstanz; M. Sedlmeier, Friedrichshafen; Ungenannt, Konstanz; K. H. Schmidt, Konstanz; Ungenannt, Konstanz; Ungenannt, Konstanz; E. Bögle, Konstanz,- Fr. Hengstier, Konstanz; Dr. Käst, Karlsruhe; W. Abels, Radolfzell; Fr. Knobelspieß, Radolfzell; Familie Graf-Lauer, Radolfzell; A. Kraft, Radolfzell; J. Pfändler, Geisingea; Dr. Welte, Preiburg; P. und H. Müller-Trunk, Troehtel- fingen; A. Maetzigen, Schömberg; Ungenannt, Konstanz; L. Kaiser, Konstanz; R. Zöllner, Konstanz-, H. Rebholz, Kreenhein- stetten; Prof. Schmiedel, Freiburg; Dr. Koch, Ueberlingen-Owingen; K. Kunzweiler, Konstanz. Die zweite Spenderliste hoffen wir bald veröffentlichen zu können. Spendet! Alle Geschäftsstellen des Südkurier nehmen Spenden entgegen — jeder Betrag ist willkommen. Spenden können auch einbezahlt oder überwiesen werden an die Deutsche Bank Konstanz, Konto „Südkurier- Theaterfonds". Drei Männer im Schnee ™ “7 k*!Z 11. Foctsetzunq Copyright by Erast R«wob)t-Vertag. Stuttgart i wiiu uuH i i muwm»H«iuiini»iiMiiMHMMMmimiwit>HtiHtiii>» Nachdem die von Karl dem Kühnen gestiftete Flasche leergetrunken war, bestellte der Schiffahrteibesitzer Kesselhuth eine weitere Flasche. Sie wunderten sich, daß *ie, trotz der langen Reise, noch immer nicht müde waren. Sie schoben es auf die Höhenluft. Dann kletterten sie ins Bräustübl hinunter, aßen Weißwürste und tranken Münchener Bier. Die Bar war, als sie zurückkamen, noch voller als vorher. Frau von Maliebre und Baron Keller saßen an der Theke, tranken Cocktails und knabberten Kaffeebohnen. Frau Casparius und deT dicke Herr Lenz Waren aus dem Esplanade zurück und knobelten. Eine stattliche Schar rotwangiger Holländer lärmte an einem großen runden Tisch. Später verdrängte einer der Holländer den Klavierspieler. Sofort erhoben sich «eine temperamentvollen Landsleute und veranstalteten, ungeachtet ihrer Smokings und mondänen Abendkleider, echt holländische Volkstänze. Sullivan rutschte von seinem Barhocker und nahm, da sich Fräulein Marech sträubte, als Solist und gefährlich taumelnd, an dem ländlichen Treiben teil. Das währte rund zwanzig Minuten. Dann eroberte der Klavierspieler seinen angestammten Drehsessel zurück. „Nun tanzen Sie schon endlich mit einer ihrer Verehrerinnen!" sagte Schulze zu Hagedorn. „Es ist Ja kaum noch zum Aushalten, wie sich die Weiber di* Augen verrenken!" Der junge Mann schüttelte den Kopf. »Man meint ja gar nicht mich, sondern den Thronfolger von Albanien." „Wenn'* weiter nichts ist!" erwiderte Schulze. „Das würde mich wenig stören. Der Kffekt ist die Hauptsache." Hagedorn wandte sich an Kesselhuth. „Man hält mich hier im Hotel unbegreif- licherweise für den Enkel von Rockefeiler oder für einen verkleideten Königssohn. Dabei bin ich keines von beiden." „Unglaublich!" sagte Herr Kesselhuth. Er bemühte sich, ein überraschtes Gesicht zu ziehen. „Was es alles so gibt!" „Das bleibt aber, bitte, unter uns!“ bat Hagedorn. „Ich hätte das Mißverständnis gerne richtiggestellt. Aber Schulze hat mir abgeraten." „Herr Schulze hat recht", sagte Kesselhuth. „Ohne Spaß gibt's nichts zu lachen!" Plötzlich spielte die Kapelle einen Tusch. Herr Heltai, Professor der Tanzkunst und Arrangeur von Kostümfesten, trat aufs Parkett, klatschte in die Hände und rief: „Damenwahl, meine Herrschaften!" Er wiederholte die Ankündigung noch in englischer und französischer Sprache Die Gäste lachten. Mehrere Damen erhoben sich. Auch Frau Casparius. Sie steuerte auf Hagedorn los. Frau von Maliebre wurde blaß und engagierte, verzerrt lächelnd, den Baron. „Nun aber ran an den Speck!" befahl Schulze. Frau Casparius machte einen übertriebenen Knicks und sagte: ,Sie sehen, Herr Doktor, mir entgeht man nicht." „Da werden Weiber zu Hyänen!" deklamierte Schulze, der sich auskannte. Doch die Bremerin und Hagedorn waren schon außer Hörweite. Der Tanz begann. Schulze beugte sich vor. „Ich gehe in die Halle", flüsterte er. „Folgen Sie mir unauffällig! Bringen Sie aber 'ne anständige Zigarre mit!" Dann verließ er die Bar. Geheimrat Tobler saß nun also mit seinem Diener Johann in der Halle. Die meisten Tische waren leer. Kesselhuth klappte sein Zigarrenetui auf und fragte: „Darf ich Sie zu einem Kognak einladen?" „Fragen Sie nicht so blöd!" meinte Tobler. Der andere bestellte. Die Herren rauchten und blickten einander belustigt an. Der Kellner brachte die Kognaks. „Nun haben wir uns also doch kennengelernt", sagte Johann befriedigt. „Noch dazu am ersten Abend! Wie habe ich das gemacht?" Tobler runzelte die Stirn. „Sie sind ein Intrigant, mein Lieber. Eigentlich sollte ich Sie entlassen." Johann lächelte geschmeichelt. Dann sagte er: „Ich kriegte ja, als ich ankam, einen solchen Schreck! Der Hoteldirektor und der Portier krochen doch dem Doktor Hagedorn in sämtliche Poren! Am liebsten wäre ich Ihnen entgegengelaufen, um Sie zu warnen." „Ich werde meiner Tochter die Ohren ab- schneiden". erklärte Tobler. „Sie hat natürlich angerufen." „Fräulein Hildegards Ohren sind so niedlich", meinte Johann. „Ich wette, die Kunkel hat telefoniert." „Wenn ich nicht so guter Laune wäre, würde ich mich ärgern", gestand Tobler. „So eine Frechheit! Ein wahres Glück, daß dieses verrückte Mißverständnis dazwischenkam!" „Hat man Ihnen ein nettes Zimmer gegeben?" fragte der Diener. „Ein entzückendes Zimmer", behauptete Tobler. „Sonnig, luftig. Sehr luftig sogar." Johann nahm dem Geheimrat ein paar Fusseln vom Anzug und bürstete mit der flachen Hand besorgt auf den violetten Jackettschultern herum. „Lassen Sie das!" knurrte Tobler. „Sind Sie verrückt?" „Nein", meinte Johann. „Aber froh, daß ich neben Ihnen sitze. Na ja, und ein klein bißchen besoffen bin ich natürlich auch. Ihr Anzug sieht zum Fürchten aus. Id» werde morgen auf Ihr Zimmer kommen und Ordnung machen. Welche Zimmernummer haben Sie, Herr Geheimrat?" „Unterstehen Sie sich!” sagte Tobler streng. „Das fehlte gerade noch, daß man den Besitzer einer gutgehenden Sdiiffahrts- linie dabei erwischt, wie er bei mir Staub wischt. Haben Sie Bleistift und Papier bei sich? Sie müssen einen geschäftlichen Brief erledigen. Beeilen Sie sich! Ehe unser kleiner Millionär eintrifft. Wie gefällt er Ihnen?' „Ein reizender Mensch", sagte Johann. „Wir werden zu dritt noch sehr viel Spaß haben." „Lassen Sie uns arme Leute ungeschoren!" meinte der Geheimrat „Widmen Sie sich gefälligst dem Wintersport und der vornehmen Gesellschaft!' „Die Hoteldirektion glaubt, daß ich Doktor Hagedorn von Berlin aus kenne und es nur nicht zugeben will", erzählte Johann. „Man wird also nichts dabei finden, wenn ich oft mit ihm zusammen bin. Im Gegenteil, ohne midi wäre er nie so schnell Millionär geworden!" Er blickte an Tobler herunter. „Ihre Schuhe sind auch nicht geputzt!" sagte er. Man sah es ihm an, wie er darunter litt. „Es ist zum Verzweifeln!" Der Geheimrat, dem die Zigarre außerordentlich schmeckte, meinte: „Kümmern Sie sich lieber um Ihre Schiffahrtslinie!" * So oft die Kapelle eine Atempause machen wollte, klatschten die Tanzpaare wie besessen. Frau Casparius sagte leise: „Sie tanzen wirklich gut." Ihre Hand lag auf Hagedorns Schulter und übte einen zärtlichen Drude aus. „Was tun Sie morgen? Fahren Sie Ski?" Er verneinte. „Als kleiner Junge hatte ich Schneeschuhe. Jetzt ist mir die Sache zu teuer." „Wollen wir eine Schlittenpartie machen? Nach Sankt Veit? Den Lunch nehmen wir mit." „Id» bin mit meinen beiden Bekannten verabredet." „Sagen Sie ab!" bat sie. „Wie können Sie überhaupt diesen Mann, der wie eine Vogelscheuche aussieht, meinftr bezaubernden Gesellschaft vorziehen?" „Id» bin auch so eine Vogelscheuche", sagte er zornig. „Schulze und ich gehören zusammen!" Sie lachte und zwinkerte eingeweiht. „Freilich, Doktor. Ich vergesse das immer wieder. Aber Sie sollten trotzdem mit mir nach Sankt Veit fahren. Im Pferdeschlitten. Mit klingelnden Glöckchen. Und mit warmen Decken. So etwas kann sehr schön sein." Sie schmiegte sich noch enger an ihn und fragte: „Mißfalle id» Ihnen denn so?" „O nein", sagte er. „Aber Sie haben so etwas erschreckend plötzliches an sich." Sie rückte ein wenig von ihm ab und rümpfte die Lippen. „So sind die Männer. Wenn man redet, wie einem zumute ist, werdet ihr fein wie ein Schock Stiftsdamen." Sie sah ihm kerzengerade in die Augen. „Seien Sie doch nicht so zimperlich, zum Donnerwetter! Sind .wir jung? Gefallen wir einander? Wie? Wozu das Theater! Hab »di recht oder stimmt's?" „Sie haben recht", sagte er. „Aber wo sind meine Bekannten?" Er begleitete sie an ihren Tisch, verbeugte sich vor ihr und vor dem dicken Herrn Lenz und entfernte sieh eilends, um die Herren Schulze und Kesselhuth zu suchen. „Stedten Sie die Notizen weg!" sagte Geheimrat Tobler zu seinem Diener. „Dort kommt unser kleiner Millionär." Hagedorn strahlte. Er setzte sich und ächzte. „Das ist eine Frau!" meinte er benommen. ..Die hätte Kavalleriegeneral werden müssen!" „Dafür ist sie entschieden zu hübsch", behauptete Schulze. Hagedorn dachte nach. „Na ja" sagte er. Aber man kann dod» nicht mit jeder hübschen Frau etwas anfangen! Dafür gibt es schließlich viel zu viele hübsche Frauen!" „Id» kann dem Doktor nur beinfliditen", meinte Herr Kesselhuth. „Ober! Drei Korn!" Und als der Kellner wieder da war — und der Korn auch — rief er: .Allerseits frohe Pfingsten!" (Fortsetzung folgt) ■ Mi-::! I HÜ 8UDKVKIES 4. Januar IMS Welt-Wirtschaftskollektiv Mach all den Nachrichten, &• im Zuaam- E enhaog mit der Gewährung des USA,* redits an England in Höhe von turi« St. Seotgen (S^matsmalb). VERMIETUNGEN 3a|ranm, ca. 25 000 Eitet, mit gutem Kettet Fofort ju uctmieien. Otto ©eiget, Xtoclnungsroetl Scblacbters/Einbau, Mäbhen, Felbft., ehrlich, Peiftig, für meinen Bta;isbausbatt gefuebi. ©l|e Mott, heniiftin, petnenlttb (Sttg.). B«|on. JBelcbe ebatafteruotte, tüchtige Betion mürbe einem (elbftänbigen panbroetlet, Sßitmet mit drei Kindern, ben pausbalt befotgen. 3 u F ( htifi- uni 3ir. 1733 Sübturier Einbau. STELLEN-G ES UCHE MIETGESUCHE Uasg. «■ in je« SSPtnsaernmerte«: 8tte unlete Berftcbetungsnehmer, bie durch JBecbiel bes SBobnftges ob« aus anderen ©tünben bie Betbinbuug mit höret bisherigen ©e[djäftsftette uniet« ©e! dem B.. Oder« Schtannenplp (. bnahmefteBe für Sttumpf.(Eaufmajiben) Jiepaiaturen Fuchr Betdindnng mit per- ftetterfirma. 3 u i r - «• Ät. 96 329 Sübl. griebtihsbafen. Märllineifenbabn mit 3ubeböt. gegen AHorbeon (gutetb.). Ang. u. Ät. 96 303 Sübluriet griedtihsbafen. perrenbalbfhube, fdjroarg, neum., ©t. 41, geg. Sptungfebetmattaben 1,90X99. 3ufht. u. Ät. 63 258 Sübluriet Konftg. VERKXUFE ^pizalfebetit für gr. 2Ber!c, 2900 ffit ItWruxt 10 000 ISafancetoettert 20 1,8 mm (ftafct. wag), gtö^cte 3Renge Slnferftifte giB4 ab. Keime in 3aj}lnng U^ten ober ®et!e. Bttgeboie unt. Kt 1820 £iib= furier St. Seorgen fSifHDatatoalbl KAUFGESUCHE Sufolge Umftettung auf Xtebfttom benötige th btingend: 1 Xrebfttommotot 10 BS, 380 B.. ca. 2000 Xouten. 1 7,5 BS, ca. 1400 Xouten, 3 4 BS. 380 B . co. 3000 Xouten, 2 5 B5. 380 B., ca. 1400 Xou. teu, 1 3 BS. 380 B„ ca. 1400 Xouten, 4 1—1,5 BS, 880 8., ca. 1400 Xouten. 6leihftrommototeu 220—440 Bolt tön. nen in Xauih gegeben meiden. Angebote an 3. König, Möbclfabtil. Mengen (Mttbg ), Kteugftt. 7. gngott, Kontrafagott Ä* n. B-KIati* nette und 1 Maidborn gefuht. 3 u tät u Ät. 91 609 Sübturier Singen Äadis, guten, gn taufen ober lauicben :ef. geg. Staubfänger ffileltro-Eui, 2 eile, fhmarv 1 Baar Shaftftiefet. ©t. Stnoleumläufer, Xeppidj, attg. Meb» art, menig gebrauht, 1 6alatbeftect, Silber, petteübemben, Unterhofen, per. resfoden, alles iadelus. 3»f4rifi. unt. Ät. 894 Sübluri« Einbau. XeSttfhleifmafhiue ober äbnltöte für Schreinerei geeignet, gef., entl. Xaufdj. Kufhr. u. Är. 63 266 Sübluri« Konftg. 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Ät. 63 310 Sübturier Konftang. (5ärtn«ei, miltt., ausbaufähige geg. bat gei., entl. geeignetes ©rundftücf, roo tührigem gadjmann ffijifteng geboten ift. Jalldrift. unt. Ar. 62 905 Sübluriet Konftang. ©ärinnei, mittlere ober Heinere, dringend »on ©ättttetmeiftet gu laufen bgro. gu pachten gef. Senorgugt Sübdeuljh- land, bef. Sobenfeegebiet. 3 u Wtift. unt. Ar. 63 485 Sübturier Konftang. Anmefen, Unkmirtfh., bis ca. 20 ba., heftet Boden, Obftlage, mögl. atton« biert, mit etmas Mau, non Eanbmtri bar gu taufen oder mit Borlaufsteht gu pahten gef. Berläufet lann entl. mahnen bleiben. Ausfiibrl. 3ufhttft. u. Ar. 62 909 Sübhirier Konftang. Kleineres Eandhans in gutem baulichem Kuftanb mit grobem Obftgarien, mttbg. Seegegend benorgugt, bar gu laufen ad. gu pahten gef. 33(4110. u. 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Eei» manis, ©beumeiler-Sroppah übet Au» lendotf._ HEIRATEN Mann (Mitroer), 51 3., gut ausfehend, fuht roegen Miebernerbeitatung gute, btaoe Xame obet Mitroe ohne Kiub, roo ffiinbeirat auf Eanbroittfhaft geboten ift. Am liebfien im Bobenfee» ober Sttgäugebiet. ©töheres Batnetmögcn »otbanben. 3 u !4tift. unt. Ät. 63 268 Sübluri« Konftang. Selbftinferent! Eanbmirt und ©efhäfts» mann, 19 3., netmögenb, fuht infolge ©efhäftsteilung ffiinbeitai auf lanb». Befig. Ausfübtl. Bilbgufhxiften unt. Ät. 68 087 Sübluriet Konftang. tfrifeurmeifter, Mitte 40, münfdjt Ei«» Beirat obet Kauf. 3«j4t. u. 62 670 Sübluriet Konftang. Aaiurbeilhcndig«, 50 3., Eigenheim (Einbau), bietet lattj. gej., notuineib. fftäulein, b««sfraul,, tühtig, Anbän» aerin bet biolag, Eebensroeife, gütiges, friebferi. Mejen, am Eiebften neutrale Berjönlihleit, ffiinbeirat. Bilbgujht- Ät. 62 727 Sübluriet Konftang. 3met ffreuitbe, 22 u. 25 3., münfhen mit gmei netten, geb. Mädels gletäjen Alters gm. fpät. peitat in Brief» roedjjel 3U rieten. Ausfübtl. 3 u Wt. mit Bild u. Ät. 62 694 Sübluriet Konftang. SB» ift ein »infamer Mann (45—55 3.), ber Rh nah einem giüdlthen peim feljnt? Bin Mttroe, 45 3. unb findet* los. 3«f4t' 9lr. 138 Sübhirie.t Aa* »ensbutg. ASelhes nette Hebe Mäbel mähte einem 35jäljt. Shteinet, jhulbtos aejhieben. bie panb gu einem neuen Bund reihen? Mitroe mit Kinb auh angenehm. Bild» gufht. n. 132 6übluriet Äaaensbutg. Sanbmirt, 35 3., roünfhi tüht., latb Möbel ». Sand mit etmas Betmögen, gm. fpät. peitat fennenguletnen. Bild- gufht. u. 135 Sübluriet Äaoensbutg Kriegerroitroe, 30 3.. mit 5jäbt. Mäbel, tnünfht Belanntfh. mit latb-, folib. Perm in fthetet Bofti- (Altet bis gu 38 3.), gm. bald, peitat. Bilbgufhr Ät. 11 962 Sübturier ffahbregiftin, anfangs 20et 3., latb hatte ©elegenheit in gutgeh. Ejtfteng, mit etg. peim eingttfjeiraien. Bild» gufhr. Ät. 83 157 Sübturier Konftang. Kfihtndjef, anf. 30, in gut« Stellung, gt. fhi. Sfigut, fuht nettes Mäbel gm. 22 u. 30 3. aus gutem paufe gm. peitat lennenguletnen. Einheirat niht unetmfinjht. Bilbgujht. Ät. 63165 Sübluriet Konftang. Einheirat in Kunftmühle mit ca. 40 Margen Eanbroirifhaft. mitb tüht. lath Mütter gm. 30 u. 40 3 geboten. 3 U ’ fhriften u. Ät. 62 660 Sübl. Konftang. Sanbmirt, anf. 50, mit 70 Motgen Sand, münfht mit gfrl. obet Stau Brief» roehfel gm. batb, peitat. 3«'ht. u. At. 63 217 Sübluriet Konftang. Kriegerroitroe, junge, mit 5jäi|t. Kinb, angenehme ffrfdjeinung, 34 3., fuht Eebensgefäbtten, bet mir liebet Mann und meinem Kinb guier Sater rft. 3 Us fhrift. u. Ät. 63 080 Sübluri« Konftg. Kaufmann und Xrogerift, 23 3., fuht mit nettem, anftänd. u. eini. Mäbel »on 18—21 3. in btiefl. Sebanfen* anstaufh über Aatur, Spott, gilm obet Elteratur gn treten, gro. fpät. peitat. Rreunbl. 3«I4t At. 62 795 Sübluri« Konftang. VERMISCHTES Siete ©roft»nbienft (©eneralnerttetung) demjenigen, bet mit gn einem groben Sau*©runbftüd am Drtsrandc ob. auh gmifhen groej Sobenfeeorten »erbilft. 3ufht. u. Är. 63 423 Sübluriet Konftg. Shtiftftett«! Met liefert praltifhe Minie füt ©artenbau, Kfeintierguhl, Klein* garten eic.? 3uihrift. unt. Ät. 33 426 Sübturier Konftang. Stofte Sebensoerftherungsgef. hat gu* Hxnftigen Sntaffobeftanb für Dber* fhmaben ab 1. 1. 46 gu »«geben. 3n- tereffenten rootten fih melben unter Ar. 96317 Sübturier griebrihsbafen. Englifhe Konefpondeng. Mer bat 3n< terefie an engl. Sriefroehiel? 3 u fhr u. Ät. 62 663. •Ber lann mir Austunfi geben über Autaanbäng«, Bol. »Ar. n3 9581. Mitteilungen gegen Belohnung an 3a< lob 3>rn Shloifermeifter. Eindenbeta (Allgäu). SUCHDIENST t» ift ei« Kcncnrad, der mit unferem Sobn: Alfred Xutah, geh. am 9. gebt. 1927 in Altsbaufen, gulammctt roat? Eeftte Aufhtift: ©ten Alfred Xutah, 9. Ausb.»Kp. „®.X.“ ©üben (Äiedetl.), Moltfefaferne. Beftte Aahriht »occt 11. San. 45, roeniae Xage oor Abftettung an die gront (Dftpt ). Um jede Heine Ausfunft mären dantbar gamilie Sofef Xutah. Shmiebemeiftet, Ältshoufe«, Kreis Saulgau (Mürttembetg). Uff). Karl Slattbaar, geb. am 9. 1. 1910, gelbp.*Ät. 13 451. 3uleijt angeblih gr» feben im Sag« AöHrijoenbeim bei Eub, roigshafen a. Ab. fflethet Kamerad lann uns ausfunft geben übet feinen Serblet»? atroiue ©lattbaor, Kteftbionn ffBobenfee), Stianblaffee. grau EiefeUtte Staubt!» geb. Opt|, gu» legt bei einet Äahrihte«“«s 6iI bunas» abteilung in Eiegniü. Met meift etroas üb« den Setbleib diefet Xame? Äa©- rihten erbittet ©etba Ktauf», gried- rihsbafen, Settenhaufen 22. güfting«. Met tann uns Vnslunft geben über den Berbleib unterer 4 Sohne: Uffg. Sofef güfttnger, gelbp.»Ät 25913, gulefti in Kifhinero (Aumancen); Oder- gefr. Auguftjüftin^et, geIdp.»Ät. 25 913, Kifhinero (Aumänten), »etmtftt feit 22. 8 44; ©eft. Albert güftinget, geldp.» Är 02 338/X, feit 27. 8. 41 oermigt tn Bolafhoma (Suftland); 3äaet gtang güftinger. geidp.-Ät. 8 50 771/A, »er- miftt bei Xbtun (Äotmandte) gtanlr. Ausfunft an gamilie 3o[ef gufttnget, goiftenbaufen / Maldbutg, Kt. Äaoens- Dürft. SB« mar bei poh» u. Xeutfhmeiftet.Xio. Streb«sdotf=Mien, geldp.»At. 36116/X »on gebruat 45 bis ffinde des Krieges? Um gütige Mitteilung bittet SBroe. Senge MoU, Softftette 1. Uttenroeilet, Kreis Saulgau. .. Dbergeft. Martin Maier, legte Retbpoft- Ät 28 202/E. Melher Peimlehtet aus Sialien tann mir Ausfunft geben? Mathias Maier, ffitlenmoos, Soft Dhfenbaufen, Kteis Bibetad) e. d. Aig. Aormegentämpfer! geldpoftttum. 13044. Mer lann Auslunft übet den ffie* birgspionier Dbergeft. Anton Bodj« geben. Mitteilung «bittet gegen ffit* ftattung bet Untoften grau Maria Baffo, griedtihsbafen, Baltilumjtr. 11. peimtehr« «ns Äormegen. Mer lann Auslunft geben üb« meinen S»b« petntid) pirfhet, geb. 16. 12. 19. Eegie Adteffe: Dbergeft. peinrih Stricher, gpn. 12 302. Seht« Aufenthalt Aäfje Oslo. gt. Xh. pitfh«. Unter* tadetah bei griedtihsbafen. Uff), grau) »eifch, geldp.*Är. 02 130/S. Segte Aahriht »om 3. Mat) 1945 aus Aatibot. gtang Aeifh, ffiggelsbah, Kt. Siberah (Äift). _ Dbergeft. Otto Aeifh, geldp.=Är. 30877/A. »erroundei 18. April 1945 fübt. So» longua (Sarbebinenfhluht) bei ffiafe Eampaiti Segte Aahriht ». 23. 3. 45. gtang Aeifh, ffiggelsbah, Kt. Siberah (Äift). ®eft. pa«s<©etb pordenbah, 1. A.*Kp., ffirf.» u. Ausb.-Bail. 109, (14) Beuton» pobengottetn. Met gibt Auslunft an grau Antonie Shottenbetget (14) Bibe» rah (Äift), pinbenbutgfttafte 22. Dbergeft. Anton Aubet. Könnte mit jemand eine Aahriht gulommen laffen übet ben Berbleib bet (Einheit gelbpoft» Är. E 63 022/S. E®B®- Batt®, bei bei fih mein Sobn befindet? Eegie Aahriht besfetben aus Aennes (Sud* jtanfretdj) uom 21. 7. 44. gelig Aubet, Einbau/B., Biegengerftrage 101. Dberlin. bet Sendarm. pan* Ko. 5. 1924, entla{fen n. Eajateii Böblingen, gulegt gefeften in gtanlreih. Saget Xepot Sa giahes. Melhet Soldat lann Auslunft geben? petmann Schneien- Burger. Kirhdorf bei Bittingen (Shm.). Major gtiebtih Sand«, geh. 15. 12. 08, Rpn 47 487 A. Mer tann Ausfunft über meinen Mann geben? Segte Sah« riht Xe). 1944 som Kampfraum Bubo- pejt. Margarete Sand«, Btttingeu * (6hm.), Seb.