F O R He Ue St D V K SUDKUR ER 1JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODENSEE • SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 111 Einzelpreis 20 Pfg. Abonnement bei der Post 1,74 M., durch träger 1,60 M. Anzeigenannahme durch eile Geschäftsstellen und Agenturen des Südkurier .Erscheint vorerst Dienstag und Freitag. Adresse: Konstanz, Rosgartenstr. 12 rAVOTAV7 Ti T F M C T A r O/I C F D T F M 13 TT 15 in,/ Einzelpreis 20 Pfg. Abonnement bei der Post 1,74 M., durch Träger 1,60 M. Belefon: Redaktion, Verlag u. Anzeigenabtlg. Nr. 924, 925.1130: Vertrieb Nr. 562 R U ™ u 1 Ai'l A U 1 fj It o 1 A b *4. 5 tr 1 t JV1 £> Üi IX 1946 Handelsminister Wallace zurückgetreten Auf Wunsch von Präsident Truman — Harriman sein Nachfolger Washington. Präsident Truman hat Wallace ersucht, seinen Abschied einzureichen. Handelsminister Wallace hat der Aufforderung Trumans Folge geleistet und ist surückgetreten. Die formelle Erklärung, die der Präsident auf einer Pressekonferenz abgab, hat folgenden Wortlaut: „Die Außenpolitik unseres Landes ist die wichtigste Frage, der wir heute gegenüberstehen. Unsere Verantwortung für die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens erstredet sich nicht nur auf unser Volk, sondern auf alle Nationen der Welt Das Volk der Vereinigten Staaten mag frei und öffentlich zum Ausdrude bringen, wenn es in irgendeiner Frage einschließlich der Außenpolitik eine andere Meinung vertritt Aber die Regierung der Vereinigten Staaten muß in ihren Beziehungen zur übrigen Welt eine Einheit bilden. Ich habe Wallace heute ersucht, vom Kabinett zurückzutreten. Es hat sich klar herausgestellt, daß zwischen seinem Standpunkt zur Außenpolitik und dem der Regierung — ich glaube, daß ein großer Teil unserer Bürger den Standpunkt der Regierung teilt — ein grundlegender Konflikt besteht. Wir können nicht zulassen, daß dieser Konflikt unsere Stellung in den Beziehungen zu anderen Ländern gefährdet „Ich habe volles Vertrauen in Außenminister Byrnes und seine Delegation auf der Friedenskonferenz. * New York. Präsident Truman gab bekannt, daß er ■ den gegenwärtigen Botschafter in London, Harriman, zum Nachfolger des zurückgetretenen Handelsnuni- sters Henry Wallace ernennen werde. Ham- man war auch während einiger Jahre Botschafter seines Lande« in der Sowjetunion. Eine weitere Wallace-Erklärung Washington. Der zurückgetretene amerikanische Handelsminister Wallace gab nach seinem Rücktritt eine Erklärung ab, in der u. a. ausführte: Erfolg oder Mißerfolg der amerikanischen Außenpolitik sind gleichbedeutend mit dem Unterschied zwischen Leben und Tod unserer Kinder und Enkel, gleichbedeutend mit Leben und Tod für unsere Zivilisation. Sie mögen sogar gleichbedeutend sein mit dem Weiterbe- stehen der Menschheit und der Welt Ich für meinen Teil glaube fest daran, daß es für mich nichts Wichtigere« gibt als die Arbeit für die Sache des Friedens. Ich habe den Eindrude, daß unsere gegenwärtige Außenpolitik die grundlegenden Tatsachen nicht verkennt, die zu zwei Weltkriegen geführt haben und die nun drohen zu einem neuen Krieg zu führen, dieses Mal zu einem Atomkrieg. , Das Echo Paris. Die französische Presse legte tu ihrer Samstag-Ausgabe Präsident Tru- mans Entscheidung, den Handelsminister Wallace zum Rüde tritt aufzufordern, als eine Maßnahme aus, die praktisch einem „Ultimatum an die Sowjetunion" gleich- komme, und steht einer „entschlosseneren" Außenpolitik Washingtons wohlwollend gegenüber. Die kommunistische Tageszeitung Aus den Reihen der Gemeinderäte, die am 15. September gewählt worden waren, wurden am letzten Sonntag die Bürgermeister gewählt. Nachstehend veröffentlichen wir die Namen der neuen, bzw. wiedergewählten Bürgermeister der wichtigsten Städte und Gemeinden in Baden: Freiburg: Oberbürgermeister: Dr. Hoffmann (BCSV), bisher: 1. Bürgermeister: Geiler (SP), bisher; 2. Bürgermeister: Dr. Brandei (BCSV); 3. Bürgermeister: Vielhauer (DP); 4. Bürgermeister: Streng (BCSV). Konstanz: Oberbürgermeister: Franz Knapp (BCSV), bisher Bürgermeister; Bürgermeister: Kaufmann Hermann Schneider (BCSV); DipL-Ing. Fritz Arnold (SP); Architekt Franz Fischer (DP)) Baden-Baden: Oberbürgermeister: Fabrikdirektor Dr. Emst Schlapper (BCSV); 1. Beigeordneter: Hotelier Alfred Koetter (DP); 2. Beigeordneter: Werkmeister Mathias Schneider (SP); 3. Beigeordneter: Mechanikermeister Hugo Zeitvogel (BCSV). S i n g en : Bürgermeister Rechtsanwalt Theopont Diez (BCSV), neu; 1. Beigeordneter: Jakob Kahn (SP); 2. Beigeordneter: Anton Reigl (KP). ,4,'Humanite" hingegen nennt den Rücktritt Wallace« einen „Sieg jener, die Wallace als Kriegspartei bezeichnete". London. Die englische Presse bringt in ihren Kommentaren zum Rücktritt des amerikanischen Handelsministers Wallace teüs ihre Zustimmung., teilweise auch ihr Bedauern zum Ausdruck. Während die unabhängige „Daily Mail" erklärt, deß der Rücktritt Wallace« in Großbritannien mit Zustimmung aufgenommen werden wird, schreibt der liberale „Manchester Guardian", daß es äußerst bedauerlich sei, daß Wallace die Regierung Truman verlassen mußte. Der unabhängige „Daily Expreß" erklärte, daß Wallace entlassen worden sei, weil Byrnes sonst zu- rückgetreten wäre. Der „Manchester Guardian" kritisiert Truman und schreibt, daß der Präsident eine Unentschlossenheit gezeigt habe, die seinem Ansehen außerordentlich schädlich sein müsse. Briefe an Truman Washington. Das Weiße ■ Haus veröffentlichte einen an Präsident Truman gerichteten gemeinsamen Brief des US- Kriegsministers Robert Patterson und des US-Flottenministers James Forrestal, in dem diese erklären, es sei ihnen nicht bekannt, daß irgend ein verantwortlicher Offizier de« amerikanischen Heeres oder der Flotte „jeweils einen Plan eines Angriffe« gegen Rußland unterstützt oder überhaupt angeregt habe." Die beiden Minister betonen, daß die Feststellung in dem kürzlich bekanntgegebenen ■ Brief des Handelsministers Wallace an Präsident Trumann, es gebe „eine Richtung, die für einen Präventivkrieg gegen die Sowjetunion eintrete, bevor sie die Atombombe entwickelt habe”, unbegründet sei. Französischer Volksentscheid Paris. Im Staatsanzeiger vom 22. September veröffentlicht das Innenministerium unter dem Datum vom 21. September Erlasse, in denen die Wähler des Mutterlandes Algeriens und der überseeischen Gebiete aufgefordert werden, am 13. Oktober 1946 in dem durch Gesetz vom 2. November 1945-vorgesehenen Volksentscheid über die Annahme bzw. Ablehnung des Verfassungsentwurfs abzustimmen. Die „Gaullistische Union“ Paris. Der Pariser Korrespondent des „News Chronicle” berichtet, General de Gaulle sprach sich vor maßgebenden Persönlichkeiten dreier französischer Parteien gegen die nach ihm benannte „Gaullistische Union” aus. Er dementierte, daß er zur Unterstützung der Kandidaten der Union in den kommenden Wahlen aufgefordert habe und distanziert sich von jeder Politik der „persönlichen Macht”. Tschechoslowakei kein Satellitstaat Prag. „Die Tschechoslowakei ist kein Satellitstaat”, erklärte der tschechoslowakische Außenminister Jan Masaryk einem Korrespondenten der „Lidova”, des demokratischen Organs der tschechoslowakischen Volkspartei, gegenüber. Die Tsche- Radolfzell: Bürgermeister Wilhelm Gohl (BCSV.) bisher; Engen: Bürgermeister: Angestellter Josef Bundt (BCSV) neu; Gottmadingen: Bürgermeister: Hugo Schwarz (BCSV); Stock ach: Bürgermeister: Dr. Alios Deufel (BCSV) bisher; 1. Beigeordneter: August Schmidt (KP); Pfullendorf: Bürgermeisten Plazitus Ott (BCSV) wie bisher; Meß- kirch: Bürgermeister: Oberregierungsrat Wilhelm Hildebrandt (BCSV), 1. Beigeordneter: Josef Häuptle (BCSV); Ueber- 1 i n g e n: Bürgermeister: Bäckermeister F. Hug (BCSV), 1. Beigeordnet. G. Waldschütz (DP); Markdorf: Bürgermeister: Leo Bürkle (BCSV) bisher; Meersburg: Bürgermeister: Dr. Otto Ehinger (DP) bisher, 1. Beigeordneter: Georg Seyfried (BCSV); V i 11 i n g e n: Bürgermeister: Dipl.-Kaufmann Edwin Nägele; 1. Beigeordneter: der bisherige Bürgermeister Hartmann, 2. Beigeordneter und Stadtamtmann Rapp. St. Georgen: Bürgermeister: Emil Riemensperger, bisher; Triberg: Bürgermeister: Willi Faster (BCSV); Rastatt: Bürgermeister: Franz Maier (DP), bisher; 1. Beigeordneter Karl Geiges (KP), 2. Beigeordneter Herbert Köllner (SP); Donaueschingen: Bürgermeister Leopold Meßmer (SP), bisher, 1. Beigeordneter Apotheker Richard Baur (BCSV); Waldshut: Bürgermeister Hermann Dietscbe, I. Beigeordneter: Adolf Groß. choslowakei, sagte Masaryk weiter, sei der Sowjetunion für ihre Befreiung dankbar und werde ehrlich bestrebt sein, Frieden zu halten. Die Tschechoslowakei wünsche aber ebenso in Frieden und Eintracht mit den westlichen Demokratien zu leben. Ueber den Fortschritt der Verhandlungen zwischen seinem Land und Polen befragt, erklärte Masaryk, daß die Verhandlungen aus verschiedenen Gründen verschoben wurden. „Griechenland nicht bedroht“ Athen. Der griechische Ministerpräsident Tsaldaris, der von der Pariser Friedenskonferenz nach Athen zurückgekehrt ist, erklärte Griechenlands Ingetriät und Sicherheit sei nicht bedroht Alles was sich bisher an der Friedenskonferenz und im Sicherheitsrat der Vereinigten Nationen betreffend Griechenland ereignet habe, sei nichts anderes als „Nervenkrieg“ gewesen. „Gewisse Leute versuchen, Griechenland als Unruhestifter hinzustellen. Ich habe nie erklärt, Griechenland sei ein Brückenkopf gegen die Sowjets. Ich habe Moskau. Der „Oberste Sowjet” und das Zentralkomitee der kommunistischen Partei der Sowjetunion ordneten in einem Erlaß die sofortige Entlassung und Bestrafung aller Staatsbeamten an, denen Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung der sowjetischen Kollektivgüter vorgeworfen wird. Dieser Erlaß ermächtigt die Leiter der Bezirksverwaltungen der kommunistischen Partei, die Verwaltung der sowjetischen Kollektivgüter in Ordnung zu bringen. In dem Erlaß heißt ec, daß viele landwirtschaftliche Organisationen in ungesetzmäßiger Weise über das Eigentum der Kollektivgüter verfügen, Aufträge an die Güter, zum Verkauf von Pferden und anderen Tieren an verschiedene Organisationen verteilten, oder Arbeiten anordneten, die den sowjetischen Gesetzen widersprächen. Wie die „Prawda” sagt, lag einer der schwersten Mißstände, die auf den Kollektivgütern festgestellt wurden, in einem Anwachsen der Verwaltungskosten. Die „Prawda" schreibt weiter: „Häufig sind kommunale Kollektivgüter ausgeplündert worden. Oertliche Sowjets haben dies ermöglicht, indem sie zuließen, daß verschiedene Organisationen und Einzelpersonen ohne behördliche Genehmigung kollektives Land erhielten. Diese Personen und Organisationen haben dann die verschiedensten Arten von zusätzlichen Unternehmungen auf den Paris. Am Freitag tagten in Paris der politische und territoriale Ausschuß für Italien. Der jugoslawische Antrag auf Berichtigung der „Französischen Linie" wurde in der Sitzung des politischen und territorialen Ausschusses für Italien abgelehnt. Alle 4 Teile des jugoslawischen Antrages wurden mit je 13 gegen 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen zurückgewiesen. Ein unmittelbar vor der Abstimmung eingebrachter tschechoslowakischer Vorschlag, einen Unterausschuß, in dem die 4 Großmächte nicht vertreten sein sollten, zur neuerlichen Prüfung der Grenzfrage einzusetzen, wurde mit 10 gegen 7 Stimmen abgelehnt Ein weiterer jugoslawischer Antrag, daß das Gebiet des Freistaats Triest sich auf die unmittelbaren Außenbezirke beschränken 6olle, wurde ebenfalls mit 13 gegen 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Bei allen Abstimmungen mit diesem Ergebnis stimmten gegen den Antrag: die USA, Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Indien, Neuseeland, Holland, Südafrika und die Sowjetunion. Weißrußland, die Ukraine, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien sprachen sich für den Antrag aus, während Belgien und Abessinien sich der Stimme enthielten. Ein weißrussischer Antrag, Görz an Jugoslawien zu geben, wurde mit 13 gegen 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Ein südafrikanischer Antrag über die Internationalisierung Westistriens wurde mit 12 gegen 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen zurückgewiesen. Nach der Abstimmung erklärte der jugoslawische Delegierte Kardelj, sein Land könne sich nicht an die Entscheidungen der Konferenz gebunden fühlen, die es direkt berührten. Im politischen und territorialen Ausschuß für Italien wurde darüber beraten, ob das kürzlich abgeschlossene italienisch-österreichische Abkommen über die Gleichberechtigung der deutschsprechenden Bevölkerung Südtirols in den Friedensvertrag aufzunehmen ist oder nicht Der Ausschuß beschloß im Gegenteil stets gesagt, daß Griechenland ein Bindeglied zwischen Osten und dem Westen werden müsse.“ F ranzösich-sowjetisches Interzonen-Handelsabkommen Baden-Baden. Am 20. September 1946 ist in Berlin zwischen den sowjetischen und den französischen Behörden ein Interzonenhandelsabkommen abgeschlossen worden. Dieses Abkommen, das einen Austauschwert von ungefähr 7 MilL Mark hat, verteilt sich auf drei Monate (vom 1. Oktober bis zum 31. Dez. 1946). Es ist von der russischen nach der französischen Zone die Lieferung von chemischen Grundprodukten, von Düngemitteln, von Saatgut und von Zucker vorgesehen, der für die Verbesserung der Rationöl der Bevölkerung besonders notwendig ist Die französische Zone wird dagegen nach der russischen Zone verschiedene chemische Produkte, Textilfarbstoffe, stickstoffhaltige Düngemittel, landwirtschaftliche Ausrüstungsgegenstände und Uhreneinzelteile liefern. Gewisse vom badischen Wirtschaftsministerium gemachte Vorschläge sind berücksichtigt und in das Abkommen einbezogen worden. kollektiven Grundstücken errichtet, wie x. B. eigene Gärten für Arbeiter und Angestellte. Diese Besitzergreifung gemeinschaftlichen Landes durch individuelle wirtschaftliche Elemente ist ein offensichtliches Wiederaufleben privaten Unternehmertums in der Sowjetunion". Reiseabbruch russischer Journalisten Berlin. Acht führende russische Zeitungskorrespondenten, die sich anf einer Studienreise durch die britische Zone befanden, wurden von den sowjetischen Behörden, wie bekanntgegeben wurde, wegen angeblich unhöflicher Behandlung nach Berlin zurückgerufen. Es wurde erklärt, daß den sowjetischen Korrespondenten nicht volle Möglichkeit gegeben wurde, in der britischen Zone das zu sehen, was sie zu sehen wünschten. Die britischen Behörden haben sich daraufhin mit dem für die Rundreise der sowjetischen Journalisten verantwortlichen Offizier in Verbindung gesetzt und eine eingehende Untersuchung des Falle« eingeleitet. — Der Korrespondent des amtlichen Moskauer Parteiorgans „Prawda” erklärte: „Wir wurden behandelt wie arme Verwandte und ich wünsche eine solche Behandlung nicht." mit 13 gegen 6 Stimmen, dieses Abkommen in den Friedensvertrag mit Italien aufzunehmen. Heute wieder Vierer-Sitzung Paris. Am Montagvormittag führte Bevin eine Unterredung mit Molotow. Am Abend traf er mit Bidault zusammen. Zweck dieser Unterredungen war eine Einberufung des Rats der vier Außenminister, die noch vor der für Mittwoch vorgesehenen Abreise Bevins stattfinden solL Die Initiative zur Einberufung einer neuen „Vierer“-Sitzung geht von Bevin aus. Es soll damit eine Beschleunigung der Arbeiten der Friedenskonferenz erreicht werden. Weltsicherheitsrat New York. Die ukrainische Beschwerde gegen Griechenland wurde im Weltsicherheitsrat von der Tagesordnung abgesetzt. Ein amerikanischer Vorschlag, eine Dreimann-Kommission einzusetzen, die die angeblichen Zwischenfälle an der griechischalbanischen Grenze und an den bulgarischen und jugoslawischen Grenzen untersuchen sollte, wurde durch das Veto des sowjetischen Delegierten Gromyko auf der Sitzung des Weltsicherheitsrates abgelehnt. 8 Stimmen waren für und 2 gegen diesen Antrag abgegeben worden. Gromykos Vorschlag, die griechische Politik zu verurteilen, wurde mit 9 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Die Sowjetunion und Polen stimmten bei der in einzelnen Phasen vorgenommenen Abstimmung jedes Mal dafür. — Die niederländische Entschließung. Griechenland und Albanien zur Beendigung der Grenzzwischenfälle aufzufordem, wurde durch das Veto der Sowjetunion zurückgewiesen. Sechs Staaten hatten dafür und drei dagegen gestimmt. — Ein in letzter Minute vorgebrachter polnischer Vorschlag, die griechische Frage „unter Beobachtung" anf der Tagesordnung zu belassen, wurde mit 9 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Die neuen Bürgermeister in Baden Säuberung bei den Kollektivgütern Scharfe sowjetische Maßnahmen Triest ohne Lösung? Die Abstimmungsergebnisse im politischen Ausschuß der Pariser Konferenz DER BAUPLAN Von Hermann Dörflinger Die letzten 130 Jahre deutscher Geschichte, angefangen vom Deutschen Bund 1815 bis zum Ende des nationalsozialistischen Reiches 1945, können und müssen heute bei Beginn eines neuen staatlichen Aufbaues nach dem totalen Zusammenbruch wertvolle Fingerzeige geben. Das alte Deutsche Reich unter Oesterreichs Führung war mit Franz II. im Jahre 1806 zu Ende gegangen. Der auf die napoleoni- sche Aera folgende Deutsche Bund, durch den Wiener Kongreß 1814/15 geschaffen, hatte unter Oesterreichs Einfluß noch eine Lebensdauer von einem halben Jahrhundert. Er wurde von dem neuen Bundesstaat Bismarckscher Prägung unter Preußens Führung abgelöst. Nach 5 Jahrzehnten preußisch-deutschen Kaisertums wurde dieser Bundesstaat durch den republikanischen Einheitsstaat im Jahre 1918/19 abgelöst Die Republik zeigte eindeutig zentralistische Tendenzen und stand wiederum stark unter preußischem Einfluß. Infolge eines fehlerhaften Aufbaues und unter Außerachtlassung jeder organischen Entwicklung konnte sich die Weimarer Republik nur ein Dutzend Jahre behaupten. Als der Reichspräsident Hin- denburg im Jahre 1933 Hitler die Macht übertrug, endete die demokratische Republik in der totalen nationalsozialistischen Diktatur. „Tausend Jahre“ wollte sich dieses Reich behaupten, nur 12 Jahre waren ihm beschieden. Es endete mit dem totalen Bankerott des deutschen Staates. Volk, Staat und Wirtschaft liegen heute nach diesem 130jährigen blutigen Kampf um die Hegemonie im Reiche zerschmettert am Boden. Uns Heutigen bleibt nur noch der Versuch, aus dem moralischen und materiellen Trümmerfeld, das uns der Nationalsozialismus hinterlassen hat, die kargen Ueberreste zu neuen Ansatzpunkten zu sammeln um damit bescheiden einen neuen staatlichen Aufbau zu beginnen. Dieser Aufbau kann nur auf den Fundamenten der Selbstverwaltung, der Menschenrechte und der Demokratie erfolgen. Keinesfalls aber dürfen wir wieder in die Fehler von 1919 verfallen und mit dem Aufbau „oben“ beginnen. Dies ist zunächst auch unmöglich. Wir können keine Reiehsverfassung schaffen, weil wir kein Reich mehr haben. Der Anfang dieses Aufbaues ist gemacht Das Fundament ist durch die Gemeindewahlen, die vor acht Tagen stattgefunden haben, und durch die Bürgermeisterwahlen des vergangenen Sonntags gelegt worden. Bei einer solchen fundamentalen Arbeit muß mit größter Vorsicht zu Werke gegangen werden. Daß nicht übereilt gehandelt werden darf, zeigen uns die Erfahrungen aus den Gemeindewahlen. Schon müssen in einer großen Anzahl von Gemeinden mit nur einer Vorschlagsliste Nachwahlen am nächsten Sonntag abgehalten werden.. Es sind in verschiedenen Gemeinden Fälle vorgekommen, wo nahe Verwandte gewählt wurden. Ferner sind auf den freien Listen Kandidaten gewählt worden, die Funktionen in der NSDAP inne hatten, ohne daß sie zuvor rehabilitiert wurden. Auch bei der Wahl der Bürgermeister durch den Gemeinderat haben sich Schwierigkeiten ergeben. Die Bürgermeisterwahl durch die Gesamtheit der Wahlberechtigten, wie sie im württembergischen Teil der französisch besetzten Zone durchgeführt wurde, bringt eine erstrebenswerte Klärung der politischen Verhältnisse in der Gemeinde und entspricht mehr den demokratischen Grundanschauungen unserer Bevölkerung. Das sind einige Erfahrungen aus der Wahl, die bei der Schaffung des neuen Gemeinderechtes durch die zukünftigen Landesversammlungen berücksichtigt werden müssen. Mit der Verordnung Nr. 60 über die Abhaltung der Wahlen zu den Kreisversammlungen geht die Militärregierung in ihrem Aufbauplan einen Schritt weiter. Die Wahl ist auf den 13. Oktober festgesetzt und die Verordnung schafft z. T. eine ganz neue verwaltungsmäßige Lage. Zunächst ist gegenüber dem badischen Verwaltungsgesetz vom 5. 10. 1863, der badischen Kreisordnung vom 19. 6. 1923 und der Kreiswahlordnung vom 17. September 1926 insofern eine grundlegende Aenderung eingetreten, als jeder Amtsbezirk ein selbständiges Kreisgebiet bildet. Früher waren mehrere Amtsbezirke (2—7) zu einem Kreis zusammengefaßt. In Württemberg bestanden seit dem 1. 4. 1924 überhaupt keine Kreise als Verwaltungsbezirke Die Aufgaben der Kreisverwaltungen gingen dort direkt auf die Oberämter über. Der neuen Kreisversammlung, dem Kreisrat und der Kreisverwaltung obliegen bedeutungsvolle Staats- und Selbstverwaltungsaufgaben. Die Zuständigkeit der Kreise erstreckt sich auf alle Einrichtungen, die der Pflege gemeinsamer öffentlicher Interessen und Angelegenheiten der Gemeinden und ihrer Angehörigen dienen. Sie haben Staatsaufgaben wie Landarmenpflege, Verwaltung der Kreis- straßen und Selbstverwaltungsaufgaben Seite 2 7 Nr. 111 SUDKUKIES v Dienstag, 24. September 194» Die große Aufgabe Zur Frage des deutsch-fr anzösischen Verhältnisses «rte Kreisfürsorge, Einrichtung und Unterhaltung von Anstalten für Schwache, Bedürftige und Kranke (Kreispflegeanstalten), Gesundheitspflege, Unterhaltung von Land- und hauswirtschaftlichen Schulen. Sie haben das Recht des Vermögenserwerbes und der unmittelbaren Besteuerung der Kreisangehörigen. Zwischen der neu gewählten Kreisversammlung und dem Landrat wird eine enge Zusammenarbeit erforderlich sein. Es wird die große Aufgabe der gewählten Kreisabgeordneten bleiben, aus der Kreisversammlung und dem Kreisrat jenes demokratische Selbstverwaltungsorgan im Amtsbezirk zu schäften, das in der Lage und befähigt ist, mit dem von der Landesregierung eingesetzten Landrat wirklich selbstverantwortlich den Kreis zu verwalten. Das wird nur auf siner gegenseitigen Vertrauensbasis möglich sein. Es erscheint uns deshalb als notwendige Voraussetzung, daß auch der Landrat das Vertrauen des Kreisparla- mentes besitzt. Nur so ist eine ersprießliche Arbeit möglich. Die Wahlbestimmungen sind klar und eindeutig. Die zugelassenen Parteien werden ihre Wahl Vorschlagslisten einreichen. Sonderlisten sind nicht zugelassen. Bei dieser Wahl kommt erstmals der politische Wille und die parteipolitische Meinung des Volkes eindeutig zum Ausdruck. Bei der Gemeindewahl waren vielfach noch persönliche Gründe bei der Stimmzettelabgabe maßgebend, was aus der großen Zahl der abgegebenen Stimmen auf freie Wählerlisten zu erkennen ist. Bei dieser poli- ti sehen Bedeutung der Kreiswahl ist es deshalb erforderlich, daß das Volk seinen politischen Willen bekundet, von dem freien Wahlrecht ausgiebigsten Gebrauch macht und geschlossen an die Wahlurne geht. Die Kreiswahlen verdienen gerade Im Hinblick auf die Bildung und Zusammensetzung der nächsthöheren staatlichen Selbstverwaltungsorgane: des Landespar- laments und der Landesregierung beson- Z ü r i ch. Wie schon gemeldet, sprach Winston Churchill am vergangenen Donnerstag in Zürich. Der Südkurier bringt in Anbetracht der Bedeutung dieser Ausführungen den noch nicht veröffenüichten Teil dieser Rede. Churchill wie s einleitend darauf hin, daß er über die Tragödie Europas sprechen wolle. Europa sei die Heimat aller großen Muttervölker der westlichen Welt und eine Quelle christlicher Ethik. Europa sei der Ursprung des Meisten, was auf dem Gebiete der Kultur und der Wissenschaft sowohl im Altertum wie in der Neuzeit geschaffen wurde. Und dennoch sei Europa der Ursprung einer Reihe von furchtbaren nationalistischen Kämpfen, die von teutonischen Nationen in ihrem Aufstieg zur Macht heraufbeschworen wurden. Unter den Siegern wird ein babylonisches Stimmengewirr laut, so erklärte Churchill weiter, bei den Besiegten herrsche das finstere Schweigen der Verzweiflung. Da® sei alles, was die germanischen Völker erreicht haben dadurch, daß sie einander zerfleischten. ln der Tat hätte nicht die große Republik jenseits des Atlantischen Ozeans schließlich erkannt, daß die Versklavung Europas ihr eigenes Schicksal mitbestimmen werde, so wären dunkle Zeiten mit all ihren Schrecken zurückgekehrt. Aber es gebe ein Heilmittel. Es ist, das Gebilde Europa oder wenigstens so viel wie möglich davon wieder herzustellen und ihm eine Struktur zu geben, unter der es im Frieden leben kann. Wir müssen eine Art Vereinigter Nationen von Europa schaffen. Es gebe keinen Grund, warum eine regionale Organisation Europas in irgendeiner Weise mit der Weltorganisation der Vereinigten Nationen in Konflikt geraten könnte. „Ich glaube im Gegenteil, daß eine weiter gespannte Synthese eher Bestand dere Bedeutung. In der Verordnung Nr. 80 der Militärregierung heißt es in einer Ausführungsbestimmung des Bad. Ministeriums des Innern im Schlußabsatz: Die Kreisversammlung wird eine besondere politische Bedeutung haben, weil sie berufen wird, eine beratende Landesversammlung zu wählen. Die Wahl der Mitglieder zu dieser beratenden Landesversammlung erfolgt wiederum auf Grund des Stärkeverhältnisses der Parteien in der Kreis- versammlung. Mit dieser Wahl gehen wir bei dem Aufbau unseres Hauses, das Deutschland heißt, einen Schritt weiter. Das Fundament ist durch die Gemeindeparlamente gelegt. Im Erdgeschoß arbeitet die Kreisversammlung. In den nächsten Stockwerken werden die Landesparlamente mit den Landesregierungen tagen. Dann erst kommt zum Schluß gleichsam als Dach das Deutsche Parlament mit einer Regierung, der die große Aufgabe bevorsteht, den Kriegszustand zu beenden und den Frieden abzuschließen. Die Fluchten, d. h. die Grenzen für unseren Hausbau werden erst durch die Friedenskonferenz festgesetzt werden. Der innere Ausbau ist durch den Wirtschaftsplan der „Großen Vier von Potsdam“ zunächst festgelegt. Unsere nächste Aufgabe ist es, das Parlament und die Regierung zu schaffen, die die Verhandlungen um den Frieden aufnehmen können, wenn die Friedenskonferenz ruft. Bei diesem Hausbau sind alle Hände und alle Kräfte notwendig. Selbst dann, wenn alle mit bestem Willen an diese Arbeit gehen, hat es auf Grund der bisherigen Ergebnisse der Pariser Friedenskonferenz den Anschein, als ob alle menschlichen Kräfte noch versagen wollten. Ueber der Eingangstür eines einfachen aber soliden Bauernhauses aber lasen wir dieser Tage den alten biblischen Spruch: „Wenn der Herr nicht das Haus baut, bauen alle Bauleute umsonst“. Ein Motto, das auch für unsere Aufbauarbeit stärkere Beachtung verdient. haben wird, wenn sie sich auf den Völkergruppen aufbaut, aus denen sie sich zusammensetzt." Eine solche Gruppe sei schon die Commonwealth of Nations. Warum sollte es nicht eine europäische Gruppe geben, die den verzweifelten Völkern dieses Kontinents das Gefühl einer gemeinsamen Staatsangehörigkeit vermittelt? Frankreich und Deutschland müßten bei dieser wichtigen Aufgabe die Führung übernehmen. Zusammen mit der britischen Völkerfamilie, dem mächtigen Amerika und, er vertraue darauf, mit Sowjetrußland. Pariser Echo Paris. Die von Churchill in Zürich gehaltene Rede findet in Frankreich eine reservierte Aufnahme. Wenn auch die offizielle französische Politik Deutschland gegenüber keineswegs von Rachegefühlen oder kleinlichem Revanchegeist erfüllt ist, so hält man jedoch den Zeitpunkt für noch nicht gekommen, sich mit Deutschland an einen Tisch zu setzen und unter das Vergangene einfach einen Strich zu ziehen, dazu sind die Wunden noch zu frisch, ist die Erinnerung an die Geiselmorde, Deportationen und Konzentrationslager noch zu wach, als daß man heute in Frankreich nicht in erster Linie an Sicherheit «nd Wiedergutmachung denkt Erst wenn Deutschland seinen guten Willen durch die Tat bewiesen haben wird, den angerichteten Schaden so weit als möglich wieder gut zu machen, und wenn Frankreich an seiner Ostgrenze die notwendige Sicherheit erhält, die es braucht, um nicht abermals Opfer eine s deutschen Angriffes zu werden, erst dann wird man in Frankreich bereit sein, gemeinsam mit Deutschland an eine Zusammenarbeit zum geistigen und materiellen Wiederaufbau Europas heranzugehen. G.B. Es sind nunmehr 20 Jahre verflossen, seitdem der französische Friedensfreund und katholische Politiker Marc Sag- nier einen größeren Kreis gesinnungsverwandter Deutschen in seine Heimat nach Bierville einlud, um mit ihnen in einer Atmosphäre von Gastfreundschaft und edler Menschlichkeit über den Gedanken der deutsch-französischen Verständigung zu diskutieren. Als Frontkämpfer des ersten Weltkriegs hatte der hochherzige Franzose den Krieg verabscheuen gelernt und die Einsicht gewonnen, daß der unseligen Erbfeindschaft zwischen den beiden Nachbarvölkern ein Ende bereitet werden müsse, wenn nicht die Welt einem noch schrecklicheren Krieg entgegengehen sollte. Unter Führung des mannhaften, inzwischen verewigten Dr. Hugo 'Baur folgten auch zahlreiche Friedensfreunde aus unserer Bodenseeheimat der Einladung Marc Sagniers, der sich später durch einen Gegenbesuch in Konstanz revanchierte. Die Frage, was von alledem geblieben ist, rührt an eine schmerzhafte Wunde. War es nicht ein aussichtsloser Versuch, das Problem Frankreich und Deutschland sozusagen aus dem Gefühl heraus lösen zu wollen? Alles schien uns damals einfach: man mußte an die Stelle einer festgefahrenen, ewig hadernden Politik, bei der sich die Verständigungsgegner hüben und drüben die Bälle zuwarfen, nur die Bereitschaft der Herzen und des guten Willens setzen, den Krieg zu ächten und dem Nachbarn brüderlich die Hand zu reichen, und alles würde gut werden. Auf diesen Verständigungsfrühling der ausgehenden Zwanzigerjahre ist sehr bald ein rauher Reif gefallen. Wohl wurde auf beiden Seiten immer wieder einmal die Hand zur Verständigung ausgestreckt. Aber ein böses Verhängnis wollte es jeweils, daß gerade im entscheidenden Augenblick der andere Teil nicht bereit war, in diese Hand einzuschlagen. Briand und Stresemann haben in diesem tragischen Kampf gegen den inneren Feind ihre besten Kräfte geopfert. Als Stresemann 1929 starb, waren die deutschnationalen Maulwürfe unter dem Patronat des Marschalls Hindenburg längst wieder am Werk, und die nationalsozialistische Propaganda, damals im Kampf gegen den Youngplan, lief auf Hochtouren. Ihr Getöse übertönte die beschwörenden Friedensrufe diesseits und jenseits des Rheins. Am Deutschen Eck in Koblenz — in dem soeben von den Alliierten vorzeitig geräumten Rheinland — marschierte trutzig der Stahlhelm auf. Frankreich, mißtrauischer denn je, verstärkte seine Sicherheitspositionen gegenüber einem Deutschland, das morgen vielleicht schon wieder aufrüsten würde. Die Bürgermei st er dürfen nicht von der Gemeindevertretung gewählt, sondern müssen von der stärksten Partei vorgeschlagen werden, heißt es in einer Verfügung der Landesverwaltung Thüringen, die auf Veranlassung der sowjetischen Militärverwaltung erlassen wurde. Danach wird jeweils die aus den Gemeindewahlen hervorgegangene stärkste Partei den Bürgermeister zu stellen haben, so daß die Städte Weimar, Jena, Erfurt und Eisenach Oberbürgermeister aus der LDP erhalten werden. Der Oberbürgermeister von Halle, Mertens wurde nach Mitteilung der Parteileitung der Ldp in Berlin von der sowjetischen Militärverwaltung seines Amtes enthoben. Gründe für die Amtsenthebung wurden nicht angegeben. An Mertens Stelle wurde ein neuer Oberbürgermeister, der Mitglied der SED ist, berufen. Die sozialistische Einheitspartei gab durch ihren Parteivorstand 20 Grundrechte des deutschen Volkes bekannt, die als eine Warum wir diese Erinnerungen herauf- beschwörep? Churchill hat soeben in seiner Züricher Rede zur Ueberraschung der Welt und wohl am meisten der Deutschen und Franzosen das Wort von der Partnerschaft Deutschlands und Frankreichs gesprochen. Er sprach als Privatmann aber mit dem Wissen des welterfahrenen Staatsmannes, der Europa noch einmal zur Besinnung rufen möchte. Seine Worte wurden in einem Deutschland vernommen, das von den Siegern besetzt ist, als Staat aufgehört hat zu existieren, und dessen Bewohner einen verzweifelten Kampf um das nackte Leben führen. Vernommen wurde die Rede des großen Engländers ebenso in einem Frankreich, das sich nur mühsam von den schweren Wunden erholt, die ihm der wahnwitzige Hitlerkrieg geschlagen hat. Ist es in dieser Situation angebracht, einer deutsch-französischen Partnerschaft das Wort zu reden, und fehlen nicht alle psychologischen Voraussetzungen hierfür? So fragen sich insbesondere die Deutschen, deren Herzen sich zusammenkrampfen vor der eigenen Not und im Anblick des Unglücks, das durch Deutschland über Europa und nicht zuletzt über Frankreich gekommen ist. Und doch hat die heutige Situation den Vorteil, daß sie beide Völker vor Illusionen bewahrt, denen die Verständigungsfreunde nach dem ersten Weltkrieg zum Opfer fielen. Heute geht es nicht mehr um die Manifestierung von Menschheitsidealen. Wichtiger ist für uns und die Welt die Frage der Befreiung von Furcht und Not geworden. Churchill ist alles andere als ein Phantast, wenngleich er, der so oft den Dingen vorauseilte, häufig ein Rufer in der Wüste war. Auch heute führt ihn wieder die Sorge um eine friedlose Menschheit an das Mikrophon. Diese Sorge und sein leidenschaftlicher Wille, zu helfen, bewegen ihn, ebensowenig auf den lähmenden Pessimismus auf der einen Seite wie auf die berechtigte Verbitterung auf der anderen Seite Rücksicht zu nehmen. Er will die Deutschen aus einer bedenklichen Resignation herausreißen und fordert Unerhörtes von den Franzosen. Daß auch von Frankreich die hohe Aktualität der deutsch-französischen Frage erkannt wird, und daß man dort entschlossen ist, in ein positives Verhältnis zu den Deutschen zu kommen, beweisen die jüngsten Reden seiner führenden Männer in unserer Zone. Ihre guten Worte verpflichten uns nicht minder wie das französische Volk, uns für die große Aufgabe bereitzuhalten, einer jahrhundertealten Entfremdung und Feindschaft ein Ende zu bereiten, deren Belastung Europa nicht mehr gewachsen ist Art Verfassungsurkunde den Weg zur Einheit Deutschlands aufzeigen sollen. Die 5 bayerischen Funktionäre der kommunistischen Partei, die wegen illegalen Ueberschreiten der sowjetisch-amerikanischen Zonengrenze im Juni 1946 zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt wurden, sind von der amerikanischen Militärregierung für Bayern begnadigt worden. Die Streitkräfte der Sowjetunion werden nicht mehr den Namen „Rote Armee" oder „Rote Flotte" tragen erklärte ein sowjetischer Verbindungsoffizier Vertretern der amerikanischen Militärregierung gegenüber. In Zukunft werden sie offiziell „Sowjetarmee" oder „Sowjet- flotte” genannt. Die Repatriierung der Tsehe- choslowaken aus Ungarn hat gemäß der Vereinbarung zwischen den beiden Ländern mit der Rückführung von 520 Tschechoslowaken begonnen. Insgesamt hatten sich 91000 Tschechoslowaken für die Heimkehr gemeldet. Thorsten Petersen, der Sprecher des Lagting (Parlament der Färöer-Inseln), proklamierte auf einer Sondersitzung des Parlaments die Färöer zum Staat Bayerischer Verfassungsentwurf M ü n ch e n. Der Entwurf der bayerischen Verfassung wurde in der Sitzung der bayerischen verfassungsgebenden Landesversammlung mit 134 gegen 18 Stimmen angenommen. Gegen den Entwurf stimmten geschlossen die Vertreter der KPD, der FDP und der WAV. — Der Abgeordnete Dr. Hundhammer (CDU) äußerte im Namen seiner Fraktion die Zustimmung zu dem vorliegenden Verfassungsentwurf und zog damit, wie er sagte, die Konsequenzen aus der Ablehnung seines Antrages für einen Staatspräsidenten. — Die Ablehnung des Verfassungsentwurfes durch die KPD begründete der Abgeordnete Ficker damit, daß die Voraussetzungen zur Schaffung einer Verfassung, vor allem die Einheit Deutschlands, noch fehlen. — Im Namen der WAV erklärte der Abgeordnete Loritz, seine Partei könnte für den Entwurf nur stimmen, wenn die von ihr geforderten Artikel über den Anruf des Volksentscheides bei bestimmten Gesetzen Aufnahme gefunden hätten. Die Flagge Schwarz-Rot-Gold Stuttgart. Die Vollversammlung der württembergisch - badischen verfassunggebenden Landesversammlung hat, wie schon gemeldet, ihre Beratungen aufgenommen. Der Artikel 43 besagt, daß die Staatsfarben Württembergs - Badens Schwarz-Rot-Gold sind. Diese Farben entsprechen denen des Jahres 1848 und den früheren Reichsfarben der deutschen Republik. Sie haben mit einer Kombination der württembergischen und badischen Landesfarben nichts zu tun. Verleumdung der Sowjetunion Leipzig. Wegen Verleumdung der Sowjetunion wurde durch Beschluß der amerikanischen Militärregierung das offizielle Organ der CDU in Bayern, das „Mitteilungsblatt der CDU“ vom 5. September verboten und alle weiteren Mitteilungen des Blattes unter Vorzensur gestellt. Das CDU-Blatt hatte vor einiger Zeit die Behauptung aufgestellt, deutsche Kinder seien aus der Sowjetzone nach Umerzie- hungslagem verschleppt worden. Außerdem hatte das Blatt gegen die sowjetische Besatzungsmacht den Vorwurf erhoben, Deutschland entvölkern zu wollen. Es fiel erschwerend ins Gewicht, daß auch keine Richtigstellung gebracht worden war. Wahl des Jesuitengenerals Vatikan. Der belgische Pater Johann Baptist Janssens ist zum 27. General des Jesuitenordens gewählt worden. Janssens ist 57 Jahre alt. Die Wahl war geheim, doch wurde bekannt, daß Janssens im ersten Wahlgang gewählt worden ist. * Johann Baptist Janssens wurde am 22. Dezember 1889 in Mecheln geboren, wo sein Vater Steuereinnehmer war. Nach Studien am Institut Saint-Louis in Brüssel und an der juristischen Fakultät der Universität Loewen hielt sich Janssens während des ersten Weltkrieges in Rom auf, wo er im kanonischen Recht doktorierte. Nach Belgien zurückgekehrt, wurde Janssens 1919 zum Priester geweiht. Dann amtete er als Professor für kanonisches Recht in Loewen, und 1938 wurde er zum Provinzial des Jesuitenordens ernannt In dieser Eigenschaft war Janssens Inspektor der Jesuitenmissionen im Kongogebiet. * Vatikanstadt. Pater Emmanuel Suares ist zum Generaloberen des Dominikanerordens gewählt worden. Churchill fordert „Vereinigtes Europa“ Die Rede des englischen Staatsmannes in Zürich Kurz gemeldet Entdeckung des Neptun Am 23. September 1846, also vor 100 Jahren, wurde der Planet Neptun entdeckt. Seine Entdeckung ist eine der Größtaten menschlicher Geistesgeschichte. Bald nach der Entdeckung des Uranus durch Hereehel im Jahre 1781 zeigte sich, daß seine Bewegung mit der theoretisch vorausberechneten Bewegung nicht übereinstimmt. Die Abweichungen waren natürlich nur gering, erreichten aber bis zum Jahre 1840 immerhin einen Wert von über einer Bogenminute, astronomisch gesehen also einen ziemlich großen Betrag. Schon im Jahre 1821 sprach daher Bouvard auf Grund seiner ergebnislosen Bemühungen, diese Abweichungen theoretisch zu erklären die Vermutung aus, ein außerhalb der Uranusbahn sich bewegender, noch unbekannter Planet könnte diese Störungen verursachen. Bessel, der berühmte Königsberger Astronom gab 1823 der gleichen Meinung Ausdruck und veranlaßte 1838 einen seiner Schüler, Elemming zu entsprechenden Untersuchungen, die aber durch dessen Tod 1840 nicht zu Ende geführt wurden. Im Jahre 1843 begann ein englischer Student. Adams in Cambridge mit der theoretischen Bearbeitung dieses Problems und kam schon im Oktober 1845 zu entsprechenden Resultaten, die er Airy in Greenwich und Callis in Cambridge mitteilte. Beide waren aber etwas ungläubig und verschoben die Nachprüfung. Zudem wandte dann Callis ein sehr langwieriges Verfahren an, um den Planeten zu finden. Urbain J. J. Leverrier aus St Lo, Ingenieur der Admindstation des Tabacs, begann auf Empfehlung Aragos im Jahre 1845 mit der Bearbeitung des Materials. Er hatte aber mehr Glück, als Adams, denn als er seine Ergebnisse 1846 unter anderen auch an Galle in Berlin mitteilte, fand dieser noch am gleichen Abend, am 23. September 1846 das gesuchte Objekt, noch nicht ein Grad von der vorausberechneten Stelle entfernt auf. Für Galle war diese Entdeckung insofern verhältnismäßig einfach, als kurz vorher in Berlin eine genaue Karte gerade dieser Gegend des Himmels gezeichnet worden war, die Sterne bis zur neunten Größe enthielt, während Neptun als Stern 8. Größe auftrat. Er hätte also unbedingt mit aufgenommen werden müssen, wenn er z. Z. der Aufnahme schon an dieser Stelle gestanden hätte. Nun untersuchte auch Callis seine Beobachtungen und fand, daß er schon am 4. und 12. August 1846 Neptun beobachtet hätte. Viel früher aber, am 8. und 10. Mai 1795 hatte schon Laland in Paris Neptun notiert, ohne natürlich zu wissen, daß es sich hier um einen Planeten handle. Diese Beobachtung war natürlich für die weitere Bahnbestimmung sehr wichtig. So ist die Entdeckung des Neptun ein Beweis für die Universalität der Astronomie, die übrigens auch während de s • 2. Weltkrieges nicht abriß, sondern über Holland weitergepflegt wurde. Mittels der Gravitationstheorie des Engländers Newton, die ihrerseits wieder auf italienischen, deutschen (Kepler) und französischen Arbeiten beruht, errechneten Engländer und Franzosen den Planeten, der dann von einem Deutschen entdeckt wurde. K. Büttner L’Esprit Europeen . Nach Konstanz war es vom 2. bis 14. September Genf, das die Blicke aller Kulturfreunde auf sich zog, mit einer umfangreichen Veranstaltung, den „Rencontres Internationales de Geneve“, die, dem europäischen Geist gewidmet, alle lebendigen Zweige am Baume der Kunst vereinigten. Einladungen an fast alle kulturschöpferischen Staaten Europas waren ergangen und das Programm der Tagung zeigte — wie bereits von uns in Nr. 109 berichtet — einen weitestgespannten Rahmen glanzvoller Veranstaltungen und Namen: Vorträge zum Thema „L’Esprit Europöen“ von den Schriftstellern Julien Benda, Francesco Flora, Jean de Salis, Jean Guö- henno, Denis de Rougemont, Jose Ortega y Gasset, Stephan Spender, Georges Ber- nanos und Karl Jaspers; an Theateraufführungen: ,,L’Annonce faite ä Marie“ von Paul Claudel, „LTiistoire du soldat“ von Ramuz und Strawinski und Beethovens „Fidelio“ mit der Zürcher Oper und dem Orchestre de la Suisse romande, sämtlich im Grand-Theätre; ferner ein Recital Paul Valöry mit Jean-Louis Barrault und Madeleine Renaud; ein großes Konzert zeitgenössischer europäischer Musik des Orchestre de la Suisse romande unter Emest Ansermet in der Victoria-Hall und ein Röcital Beethoven mit Wilhelm Backhaus. Parallel zu diesen Veranstaltungen ein Festival europeen du Cinema und eine Exposition nationale des Beaux-Arts. K L. Das Gemeinsame Erwin Reiche schreibt in der „Weltbühne": Nur erst wenige Deutsche wissen heute von dem großartigen Ehrenmal, das französische Schriftsteller und Philosophen in den Tagen, da ihre Heimat, vergewaltigt und gepreßt, in dem Schraubstock der deutschen Faschisten lag, errichtet haben zu Ehren. des anderen Deutschlands. Männer wie Aragon, Eluard, Sartre, Caseou, Vercore und andere haben damals unter Todesgefahr in den „Editions de minuit" eine Sammlung von Dichtungen der verfemten deutschen Lyriker herausgegeben: „Les banni6". Welche tief symbolische, tief zu wahrer Revanche verpflichtende Geste: deutsche, verbannte und verbrannte Dichter in der französischen Mitternacht gehütet, mit Folterungen und dem Blute einer Handvoll junger wertvoller französischer Widerstandsdichter bezahlt Nur wenige Deutsche wissen aber heute auch davon, daß es einige tausende Landsleute gegeben hat, die ihr Leben dafür eingesetzt haben, um einen winzigen Teil der unauslöschlichen Schande zu tilgen, die der Nazismus über unser Volk gebracht hat Diese wahrhaften Patrioten haben Seite an Seite mit französischen Brüdern und Schwestern in der Verborgenheit des Maquis, an den Fronten, zu Paris, als es um die Befreiung ging, gegen die Unterdrücker und Henker gekämpft, in jenem blutigen Befreiungskrieg, der nicht nur der Verzweiflungskampf eine s überfallenen und unterdrückten Volkes, sondern der große Kampf des gefesselten und entwürdigten Menschen gegen die Barberei war. Als nach der Austilgung der Nazityrannei eine erschütternde Ausstellung „Das Maquis" in der Schweizer Bundesstadt gezeigt wurde, erregte eine Ecke des Raumes grenzenloses Staunen und tiefes Nachdenken: da sah man Dokumente in Bild und Wort, die diese edle menschliche Kampfgemeinschaft aufzeigten. Wir deutschen Schriftsteller aber, die wir heute im Frieden den schwersten Krieg führen um ein neues Vaterland, wollen in unablässiger, tätiger Dankbarkeit jener Franzosen gedenken, die in ihrem eigenen Lande, das von den Sdier- gen der unseren gefoltert wurde, für die Ehre des deutschen Geistes zeugten. VON DEN HOCHSCHULEN Freiburg i. Br. Professor Dr. theoL, Dr. phiL, Dr. rer. poL Johannes V i n ck e, wurde zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte an der Universität Freiburg ernannt Das Hauptarbeitsfeld des neu ernannten Kirchenhistorikers liegt auf dem Gebiet der spätmittelalterlichen Kirchen- und Rechtsgeschichte Spaniens. Tübinger Mathematiker-Ta-, gung. Vom 23. bis 27. September veranstaltet die Universität Tübingen eine Mathematiker-Arbeitstagung, zu der aus ganz Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Holland Teilnehmer erwartet werden. Es handelt sich um die erste größere wissenschaftliche Tagung nach der Kapitulation, die in Deutschland stattfindet. Insgesamt werden etwa 150 Mathematiker an dieser Tagung teilnehmen. Volkshochschulkurse in Freudenstadt. Das Volksbüdungswerk Freudenstadt eröffnete im September sein erstes Trimester. Folgende Kurse finden statt- Astronomie, Heilkunde, Religionsgeschichte. Fremdsprachen, Kunstunterricht, kaufmännische Praxis, Gymnastik, Singen. Die Leitung der Kurse liegt in Händen politisch unbelasteter Fachleute unter dem Vorsitz de s Oberstudienrats Otto S ch o e 11. Außer den Kursen finden regelmäßig musikalische Veranstaltungen und gelegentlich größere Vorträge und Theatervorführungen statt. NOTIZEN Ein Opernfragment von Bizet. Bizet schrieb eine Oper „Jwan der Schreckliche", die lange als verschollen galt, bis sie von dem deutschen Musikhistoriker Dr. Hartmann in Paris entdeckt wurde. Das Fragment wurde jetzt vor Kunstfreunden unter Leitung von Dr. Hartmann, unter Mitwirkung von Willy Rosenau und Frau Claire Faßbaender-Luz auf S dx 1 oß Mühringen auf geführt Registrierung der Künstler. In Bayern müssen sich alle Künstler zu einer besonderen Registrierung melden, die erst die Berechtigung erteilt, weiter den Beruf ausüben zu können. Französische Ausstellung in Venedig. In Venedig wurde eine Gemälde-Ausstellung moderner französischer Meister eröffnet. Die Ausstellung umfaßt 86 Werke von Matisse bis Picasso. Sie wird bis Januar 1947 geöffnet bleiben Es handelt sich hierbei um die bedeutendste Ausstellung der zeitgenössischen französischen Malerei, die jemals in Italien gezeigt wurde. Neuer Theateralmanach. In Kürze erscheint im Verlag Kurt Desch der von Alfred Dahlmann bearbeitete „Thea- teraimanach", der zu Theaterfragen und zur geistigen Situation des heutigen Theaters Stellung nimmt. Dienstag, 24. September 1946 SVDKUKIEB Nr. 111 / Seite 3 V om „Fall Grün 11 zu „Barbarossa ii ann des ens im, im 22 . wo ach ssel ni- äh- mf, rte. ns- unecht ro- lie- tor uel ni- u * eu- ites att- ite, än- -ei- scb sitz Ber die ere e t. *ck- bis Dr. )&9 ien 4it- rau o ß In ner srst iruf rr Die Generalstäbe in aller Welt pflegen für alle Eventualfälle Operationspläne vorzubereiten; für den Fall, daß man mit diesem oder jenem Nachbarn in kriegerische Verwicklungen gerät, oder mit bestimmten Kombinationen von Gegnern. Das ist nun einmal so; wenn Militär da ist, muß es auch etwas zu tun haben. Diese Pläne sind das Geheimste vom Geheimen. Trotzdem, und manchmal auch gerade deshalb, fallen sie bisweilen jemand in die Hand, für den sie nicht bestimmt sind. In London sind imlängst solche Dokumente veröffentlicht worden. Da ist z. B. der „Fall Grün“. — Deutscher Einmarsch in die Tschechoslowakei. Erweiterter „Fall Grün“, — dieselbe Situation, jedoch für den Fall, daß Frankreich und England eingreifen sollten. Operationspläne machen Generalstäbe in aller Welt, — und trotzdem... 2 5. August 193 8. Generalstab der Luftwaffe. Kapitel: Vorschläge für unsere eigene Durchführung des Luftkrieges. „Die Frage, ob es Eingebracht ist, den zusammengefaßten Einsatz unserer Streitkräfte bis zum Frühling aufzuschieben, muß negativ beantwortet werden. Das Kräfteverhältnis würde sich wesentlich in dieser Zeit zu unseren Ungunsten verschoben haben, infolge weiterer Fortschritte der französischen und britischen Flugzeugindustrie und Einfuhren aus Nord-Amerika ... Angriffe gegen Ziele auf den britischen Inseln nicht zu verantworten, im Hinblick auf die kleine Anzahl unserer Kampfkräfte...“ So reden Fachleute. Göring ist das nicht ; unbekannt. Soldaten haben sich nicht um Politik zu kümmern. Sie planen für alle Eventualfälle. Eine Landung in England ist nicht vorgesehen. Hitler marschiert gegen die Tschechoslowakei. Der .Premierminister des englischen Weltreiches schreitet die Treppen zum „Berghof“ hinauf — man wünscht den Frieden. 2 3. Mai 193 9. Besprechung Hitlers mit seinen Oberkommandierenden. Kriegsgeschichtlicher Exkurs: „In früheren Zeiten genügte es nicht, die Flotte zu besiegen. Man hätte landen müssen, um England zu besiegen. Wenn die deutsche Luftwaffe britischen Boden angreift, wird England nicht cm einem Tage zu kapitulieren gezwungen werden. Es besteht kein Zweifel, daß ein Ueberraschungssmgriff zu einer schnellen Entscheidung führen könnte. Trotzdem wäre es verbrecherisch von der Regierung, sich ganz auf das Ueberraschungsmoment zu verlassen.“ Ein Ueberraschungsangriff würde „nur möglich sein, wenn wir nicht wegen Polen in einen Krieg mit England verwickelt werden... Eine Waffe wird nur so lEinge von entscheidender Bedeutung für das Gewinnen von Schlachten sein, als der Feind sie nicht besitzt. Dies gilt für Gas, Untersee-Boote und die Luftwaffe. Für die letztere würde dies z. B. richtig sein, so lange wie die britische Luftwaffe keine Gegenmaßnahmen ergreifen könnte Das wird 1940 bis 41 nicht mehr der Fall sein.“ Eile tut also not!? Von Invasion ist keine Rede. Das Verhängnis beginnt. Anfangs scheint alles gut zu gehen... 2 3. November 193 9. Besprechung Hitlers mit den Oberkommandierenden, •us den Archiven des OKW in Flensburg: „U-Boote, Minen und die Luftwaffe könnten gegen England wirksam Vorgehen, wenn wir eine bessere Startbasis hätten. Zur Zeit wird für einen Flug nach England so viel Benzin benötigt, daß nicht genügend Bomben mitgenommen werden können. Der Minenkrieg, in dem wir die Luftwaffe brauchen, erfordert eine andere Startbasis.“ Also Norwegen—Frankreich— Belgien—Holland! 4. Juni 194 0. Besprechung Hitlers mit Raeder: „Alle Anstrengungen sind auf die Verstärkung der Luftwaffe und der Flotte rr- | zu konzentrieren.“ Man steht am Kanal. Was nun?! Anfang Juli 194 0. Bestellte Aufsätze in der deutschen Presse über die Landung Cäsars und Wilhelms des Eroberers in England. 19. Juli Rede Hitlers vor dem deutschen Reichstag. Schlagzeüen: „England muß wählen ..Drei Tage darauf: „Die Briten wollen den Krieg, — sie sollen ihn haben.“ „England lehnt ab. — das Schicksal nimmt seinen Lauf.“ „Wir warnen vor Heckenschützenkrieg.“ „Momentbüder aus der englischen Weltuntergangsstimmung.“ 8. A u g u s t Beginn der Luftschlacht um England. Invasion? Alles spricht dafür, ■ daß Hitler glaubte, England würde unter den Angriffen der Luftwaffe kapitulieren. Alles spricht dafür, daß er erst nach der Ablehnung des deutschen „Angebots“ ernstlich an Landung in England gedacht hat Die Schlacht geht weiter. 9. September 1940. „Der Reichsmarschall leitet den Einsatz der Luftwaffe persönlich.“ 17. August 194 0. Erster bekannter Operationsbefehl für Plan „Seelöwe“. — Invasion! „Ein Unmöglich gibt es nicht“, — steht unausgesprochen dahinter! Am D-Tag, am 6. Juni 1944, landeten neun alliierte Divisionen; die Truppen, die Hitler landen wollte, hätten nach seinem Plan etwa die gleiche Stärke gehabt. Die Großbritannien 1940 zur Verfügung stehenden Kräfte waren der Zahl nach unvergleichlich geringer, als die deutschen Truppen im Westen in der Normandie im Jahre 1944, und trotzdem: Am 15. September geht die Luftschlacht um Großbritannien verloren; an jenem Tage, als 185 Flugzeuge vom Feindflug nicht zurückkehrten. Die Beherrschung des Luftraumes über Südengland wurde nicht erreicht. England wäre, nach britischen Zeugnissen, verloren gewesen, hätte Hitler diese Luftschlacht gewinnen und — landen können, aber — „es war keine drei Tage lang fortgesetzt gutes Wetter“, hat Hitler dreiviertel Jahre später zu Mussolini gesagt. Hatte nur das Wetter schuld?? August 194 0. Truppenbewegungen nach dem Osten. „Der Führer bezeichnete mir gegenüber die Truppenbewegungen zur Ostgrenze als eine großangelegte Camouflage-Maßnahme für „Seelöwe“, schrieb Raeder, der Gegner des Planes „Barbarossa*, — des Angriffs auf die Sowjetunion —, vor Kriegsende nieder. ■ Im Osten hatte sich inzwischen Einiges ereignet: In Bessarabien und der nördlichen Bukowina und im Baltikum. In England glaubt man, daß der Plan „Seelöwe” zwischen dem 15. und 19. September fallen gelassen wurde. 12. November 194 0. Kriegsanweisung Nr. 18, Artikel 6: „Im Falle einer Aenderung der Gesamtlage kann es doch möglich oder notwendig werden, das Unternehmen „Seelöwe“ im Frühling 1941 zu beginnen.“ Im November besuchte Herr Molotow die Reichshauptstadt. 19. Juni 1941. Besuch von Mussolini, Ciano und dem italienischen Oberkommandierenden bei Hitler: „Wir befinden uns in der Lage eines Mannes, der nur noch eine Kugel im Lauf hat Wenn er vorbeischießt, ist die Lage schlimmer als vorher .. Wir können nur unter bestimmten Bedingungen eine Landung unternehmen, die im vorigen Herbst nicht gegeben waren, — es war keine drei Tage fortgesetzt gutes Wetter.“ Welcher moderne Feldherr verläßt sich bei der Entscheidung des Krieges — auf drei Tage gutes Wetter? Wer ist schuld? Das Wetter oder — der Feldherr?? 18. Februar 1941. Raeders Stabschef protokolliert Instruktionen: „Später, JAN AUFDER ININSEL Roman von Olaf Henriksson 25. Fortsetzung Copyright 1943 by Enrop« Varlag A. G. ZSrich Er drehte Beryll um, so daß sie flach mit dem Gesicht nach unten auf seinen Armen lag und sagte: „Schwimmen!” Sie ▼ersuchte die Bewegungen, aber es gelang ihr nicht so recht. Dann trug Jan sie zurück zum Ufer, und sie klammerte sich mit einer Hand an seinen Hals dabei. Sie saßen am Strand und trockneten •ich. Als es ihnen zu heiß wurde, legten sie sich wieder in den Schatten des Baums. Jan wunderte sich, daß das Mädchen, wenn es auch nur ein Kind war, sich so ohne Scheu nackt vor ihm zeigte. Maria hatte das nie getan, in den letzten Jahren nicht mehr. Er wußte es ja nicht, daß der Maler seine Kinder bei warmem Wett« gern so sich hatte tummeln lassen im Garten und auf der Wiese zum Fluß hinunter und daß er sorgsam bedacht gewesen war, ihnen die Unschuld des Körpers zu bewahren und zu belassen, solange dies nur immer möglich schien. Die zarten, schlanken Glieder gefielen Jan, sie schienen so zerbrechlich, und das Kind war so leicht gewesen in seinen Armen, und er spürte noch den Arm des Mädchens um seinen Hals. Das alles war » anders, als wenn die Lisa sich an ihn herandrängte. Etwas war ähnlich, ein dumpfes Erregtes, das fühlte er, aber hier War keine Angst, kein Ekel wie bei der täsa, nur Frohes, Zärtliches, daß er das Mädchen neben sich hatte und beschützen durfte, er ein großer Bruder. Er sah den Kahn der Fischer heransegeln. Er wollte nicht, daß sie ihn da so «nträfen mit Beryll. Sie lag jetzt auf dem Bauch und hatte ihr Gesicht in den Armen vergraben. Ihr Haar breitete sich auf dem Rücken aus und war schon fast wieder trocken und golden. Jan gab ihr einen ganz sanften Klaps auf das Hinterteilchen; sie fuhr auf, drehte sich um und schaute verwirrt um sich. Dann lächelte sie. „Anziehen!” sagte er und deutete es auch mit Bewegungen an. Sie strafte ihre Kleider über, und er ging zur Hütte zurück und zog sich dort Hemd und Hose an. Dann half Jan den Fischern, trug mit ihnen die vollen Körbe zum Felsenkeller. Beryll saß auf der Bank vor der Hütte und sah zu. Jan machte den Fischern verständlich, daß sie nicht hätten zum Asyl gehen können und daß sie hierbleiben müsse, bis die Männer sie zum Markte in die Stadt mitnehmen sollten. Alle vier nahmen ihr einfaches Mahl an dem rohen Tisch vor der Hütte im Freien; sie saßen da, bis es Nacht wurde und vom Meer der kühle Hauch des Abendwindes heranwehte. Beryll schauderte zusammen und drängte sich näher an Jan, und er hielt sie umfaßt. Er sah nur undeutlich noch die schweigenden Männer. Rötlich glommen die zwei Lichtpunkte der Zigarren auf und loschen wieder zurück, das Rauschen des Meeres kam heran wie ruhiges Atmen, und vom Felsen her wehte von Zeit zu Zeit der starke, süße Duft eines Blütenstrauches. Jan war es wunderlich zumute, froh und schwer zugleich. Und mit einem Male war es ihm, als könne dies alles nicht wirklich sein. Wie kam er aus der rauchigen Fabrikstadt hierher? Warum wohnte er bei Fischern und hielt ein kleines Mädchen umfaßt, eine Elf, die so leicht war, so zerbrechlich und fein wie ein Schmetterling? Er war ja dagegen ein plumper Bär, ein Raubtier also — das fiel ihm ein, und es durchzuckte ihn. Herrn Toms gütig wenn diese Vorbereitungen für „Barbarossa“ nicht länger zu verbergen sind, müssen sie als Täuschungsmanöver für die Invasion Englands dargestellt werden... Gerüchte über neue Waffen und Transportmittel... Plötzliche Sperrung gewisser Landstriche am englischen Kanal und in Norwegen... Unter den eigenen Truppen den Eindruck aufrecht erhalten...“ 1. Juli 1941. Luftflotte II nach dem Osten verlegt... „Mehr sein als scheinen“, sagte einst Moltke. Mehr scheinen als sein, — so handelte der größte Feldherr aller Zeiten. Der Seelöwe Dünkirchen war eine Niederlage, die erste Niederlage — Hitlers. Im Schlieffen- plan stand von einer Invasion nichts drin. Es mußte etwas geschehen, veranlaßt werden. Nicht denken, sondern handeln. Schneidig, forsch. Moltke hat davon gesprochen, das der Krieg fortgesetzte Improvisation sei. Also, improvisieren wir — wo uns das Können fehlt und der Plan. (Moltke, der kühle Mathematiker, hatte gemeint, daß ein Plan nur als Grundlage, nicht starr, sondern elastisch jedes neue Ereignis einbeziehend genommen werden solle, Clausewitz gedacht, daß aus vollendeter Vorbereitung heraus gewagt werden müsse, wie Eisenhower am D-Tag trotz schlechter Wetterlage wagte. Für unsere Führung war Improvisation System zur Tarnung der Planlosigkeit) I Wirkliche Zusammenarbeit zwischen den drei Wehrmachtsteilen hat es in Deutschland kaum gegeben. Es gab nur eine Spitze und den Befehl, daß niemand etwas wissen darf, was ihn nicht unmittelbar anging. Der Große Generalstab, Moltkes Schöpfung zu einer Zeit, in der es noch keine Marine gab, — der erste deutsche Marinechef war ein General, Caprivi — war eine reine Heeresangelegenheit geblieben, an der die Marine nur durch Verbindungsoffiziere, nicht aktiv teiligt war. Tausende von Rheinkähnen wurden auf Hollands Werften geschleppt, der Bug abgeschnitten, eine Klappe angebracht, so daß Panzer und Wagen direkt von vom hinein und hinaus fahren konnten. Damit die See sie nicht umschlug, wurden sie durch einen Zement-Bodenbelag beschwert, der ihnen die Elastizität nahm, die Fähigkeit, die Kraftwirkung des Seegangs aufzunehmen. Die verantwortlichen Marine- Schiffbauer mußten das wissen — wußten es — aber, wie sage ich es den Offizieren, ohne mich unmöglich zu machen ? Wie nun sollten diese Kähne sich bewegen? Genug Seeschlepper gab es nicht, wenn auch in Massen Flußschlepper befehlsgemäß zum Seeschlepper avancierten. Verantwortung? Wer hatte die? Da gab’s zum Beispiel ein altes holländisches Kanonenbötchen, Baujahr 1884, bei Nijm- wegen auf dem Rhein als Zollwachtboot verwendet Anruf irgend eines schneidigen Offiziers bei der Marinebauaufsicht, Besichtigung, ob seefähig. Ein kleiner Baubeamter, noch nie zur See gefahren, gibt ohne nähere Maschinenuntersuchung sein Urteil ab nach der Richtlinie: „Was irgend schwimmen kann, muß ran“. Der Rest der Kähne erhielt — Flugzeugmotoren und — Propeller, 2 Stück je Kahn, von Görings Schwager auf hochragendem Gerüst montiert. Bei glattem Wasser ging’s — wenn auch mit miserablem Wirkungsgrad. Mannschaft: Die Marine hatte nicht genug, auch nicht die Pioniere. Egal, es wurde einfach kommandiert. Bei der Marine traf ich einmal einen — Goldschmied (sprich Juwelier) als Maschinisten. „Wer kann radfahren, wer hat schon mal in einem Boot gesessen? Rechts raus!“ Trotz allem, für England waren es kritische Wochen. Die langen Küsten ungeschützt, die Luftwaffe zahlenmäßig unterlegen. Auf Vorschlag des holländischen Admirals Fürstner legten die Engländer Oelleitungen vor die Küste. Der deutsche Soldat hätte durch ein Flammenmeer den Zugang zu der Inselfestung erzwingen müssen. Himmler stand auch hier zum Mord bereit für den, der selber dachte. Es dachte keiner laut. Den wenigen, die wußten, was Seefahrt ist, die den Kanal kannten, standen die Haare zu Berge. Bei etwas Seegang schon mußte es dieser Armada ergehen, wie Philipps stolzer Flotte 1588 bei Calais. Immerhin entschloß man sich in letzter Stunde doch noch zu einer Probe bei der Insel Rügen. Voller Mißerfolg, die Kähne brachen und trieben rettungslos herum. Monatelange Arbeit war nutzlos vertan, England gerettet. Churchill war 1913 Marineminister, Roo- sevelt Unterstaatssekretär der Marine gewesen, ja, der amerikanische Präsident war selber einst zur See gefahren, hatte das Kapitänspatent — Hitler? ... Wußte alles besser! Und die Fachleute wußten es au besser, und fügten sich doch... ... und auf der anderen Seite „Wenn ich einen Gegner von Format hätte, dann könnte ich mir ungefähr ausrechnen, wo er angreift. Wenn man aber militärische Kindsköpfe vor sich hat, da kann man natürlich nicht wissen, wo sie angreifen, es kann ja auch das verrückteste Unternehmen sein. Ich kann ihm jedenfalls versichern: „Ganz gleich, wo er sich den nächsten Platz aussucht, er kann überall von Glück reden, wenn er 9 Stunden an Land bleibt” also sprach der „größte Feldherr aller Zeiten" im Winter 1942. Seit dem 1. Juli 1942 waren Tausende von Fachleuten der Engländer und Amerikaner, dieser- „militärischen Kindsköpfe" an den Vorbereitungen zum „D-Tag" emsig tätig. Nichts wurde dem Zufall überlassen. 660 verschiedener Typen von Landungs- und Begleitfahrzeugen aller Art wurden geschaffen, vom kleinen gepanzerten Sturmboot bis zum großen Frachter, dessen Riesen-La- debäume auch den größten Panzer spielend auf hoher See bewältigten. Am Tag der Invasion wurden nicht weniger als 4000 große Spezialtransporter eingesetzt, die kleinen Boote nicht gerechnet, doppelt soviel an Schiffsraum, als unsere Handelsflotte 1939 betrug. Das Be- und Entladen dieser Schiffe war seit Monaten bis in die letzte Einzelheit geübt und festgelegt, doch konnte das Ganze auf die Dauer- nicht funktionieren ohne feste Häfen an der Küste. Man ahnte, daß es nicht leicht sein würde, Häfen in die Hand zu bekommen, drum brachte man sich seine Häfen mit: 85 Schlepper führten die vorbereiteten Einzelteile über den Kanal: 146 Zementsenkkästen, zu deren Herstellung 600 000 t Zement und 31000 Tonnen Stahl verarbeitet worden waren — für den Zement verwendete man den Schutt der zerbombten Städte, London lieferte zeitweilig 15 000 t wöchentlich — schwimmende Piers, Landestraßen aus Stahl, so konstruiert, daß sie elastisch den Wellen trotzen konnten. Wenige Tage nach Beginn der Invasion waren bereits Piers von einigen hundert Meter Länge in Gebrauch, anfangs hatte man sich hinter etwa 60 ausrangierten, absichtlich versenkten Blockierungsschiffen lächelnde Augen sah er und wußte wieder alles von sich. Und die bohrende QuaL die ihn nie ganz verließ, begann von neuem. Er stand hastig auf, Beryll schreckte ein wenig zusammen. Dann gingen sie alle vier in die Hütte auf ihre Lagerstatt Am nächsten Morgen wußte Jan lange nicht, was er beginnen sollte. Er wollte den Fischern helfen, wieder mit ausfah- ren. Aber man konnte das Kind doch hier nicht allein lassen. Endlich fragte er den alten Markus, ob er das Mädchen ins Boot mitnehmen dürfe. Der Alte verstand nach einiger Zeit und nickte zustimmend. Es wehte wohl eine frische Brise, aber Sturmwetter war nicht zu befürchten. So fuhren sie denn aus unter dem braunroten SegeL und Beryll wurde in eine Ecke des Kahns gesetzt, von wo sie gerade noch über die Reling hinausschauen konnte. Wenn Jan von der Arbeit aufblickte, dann sah er ihre Augen übers Meer hinschweifen, und es schien ihm, als seien sie selbst so blau und hell und so weit und tief wie das Meer, das sich in ihnen spiegelte. Und wieder fiel ihm eines der Märchen aus dem Kinderbuche ein — verachtet war es lange in einem Winkel seines Bücherbrettes gestanden, jetzt kamen all die Geschichten und Märchen wieder empor aus der Tiefe. War Beryll nicht eine Seejungfrau, eine Nixe, irgendwo aufgetaucht am Strand? Brachten diese Nixen nicht Unheil? Zogen sie nicht die Fischer mit sich auf den kühlen, grünen Grund des Meeres? Manchesmal aber schenkten sie den Menschen auch von den unermeßlichen Reichtümem, die auf dem Meeresboden lagen. Vielleicht mußte er solches denken, weil er gerade das Netz mit heraufzog, voller Silber, voller zappelnder, wimmelnder Fische — hatte keiner eine kleine goldene Krone auf dem Kopf? Plötzlich lachte Jan auf, unwillig über sich selber, schüttelte seine Haare zurück, und dann nahm ar das Holz wie Tonio einen notdürftigen Hafen geschaffen. Doch traten weitere Erfindungen der „Kindsköpfe” neben 25 000 Pionieren in Erscheinung. Die Bulldozer waren Riesen-Hobel aufRau- penbändem, die jedes Trümmerfeld im Handumdrehen in eine schöne glatte Fläche wandeln, auf die dann die Sommerfeldstreifen, große tragbare Metallteppiche gelegt werden können. Diese Teppiche lassen auf jedem noch so schlechten Untergrund im Nu eine brauchbare Autobahn oder eine Landungsfläche für Flugzeuge entstehen. So war es möglich, bereits im Anfangsstadium der Invasion täglich 12 000 t Nachschubmaterial aller Art, Waffen, Munition, Verpflegung, Ersatzteile, medizinisches Gerät sowie 2500 Kraftfahrzeuge aller Größe zu landen. Den ungeheuren Brennstoffbedarf jedoch deckte da« Unternehmen „Pluto", eine biegsame, auf den Grund des Aermelkanals gelegte Röhrenleitung. In der Neujahrsnadti 1942/43 schon wurde das erste Versuchsstück im Bristolkanal erfolgreich verlegt. Das Röhrenkabel für den Aermelkanal mußte nun mehr als 100 km lang sein, das gab, aufgespult, eine recht beachtliche Trommel, mit einem Durchmesser von 15 m und einem Gewicht, von 1600 Tonnen, das schon dem eines kleinen Kreuzers entspricht. Das kann man nicht mehr auf einem Schiff verladen, so mußte diese Trommel selber schwimmen. Von Schiffen aller Größe, bis zum 10 000 t Liberty-Frachter gezogen, setzte sich unmittelbar nach der Einnahme Cherbourgs die Flotille „Pluto” in Bewegung, die Riesenräder spulten sich, durch den Kanal geschleppt, selber ab. Bald konnte man von Liverpool aus täglich 5000 t Treibstoff nach Cherbourg pumpen, von dort wurden Leitungen immer der Truppe nach gelegt, nach Brüssel, an den Rhein. Und unsere Leute wußten und ahnten nichts von all dem. Doch das war noch nicht alles. Den ungeheuer schnellen Vormarsch der gelandeten Truppen unterstützten noch weitere Erfindungen: die Baileybrücke und „Fido”. Die Baileybrücken waren aus Normteilen zusammengesetzte federleichte Träger, die ohne Unterstützung Räume von 80 m überbrücken und schlug auf die Köpfe der Fische — er hörte einen Schrei und sah um. Beryll starrte ihn entsetzt an und warf die Hände vors Gesicht und weinte: „Nein — nein nicht — nicht — .“ Verlegen hielten der Fischerssohn und Jan einen Augenblick inne; dann setzte Tonio seine Arbeit fort. Aber Jan konnte das nicht Er löste den Alten am Steuer ab und überließ ihm das Töten. Beryll saß nahe bei Jan und hatte sich weggewandt, um nichts zu sehen, und wieder mußte Jan denken, ob sie eine Meerprinzessin sei und die Fische vielleicht ihre Untertanen. Nachdem das Mordgeschäft beendigt war, sprach Jan zu BerylL suchte Worte zusammen, und sie wurde wieder ruhig und schaute bald auch wieder um sich und lachte auf, wenn ein Spritzer vom Bug her über sie stäubte. Sie. fuhren den ganzen Tag umher. Aber kein Fang wollte mehr glücken. Hatte die Seenixe ihre Fische gewarnt? Nach Beendigung der Arbeit säuberte sich Jan am Felsenbrunnen, so gut es anging. Seine Hände, alles roch nach Fisch und nach Teer und Tang. Er opferte sein letztes Stückchen Seife. Morgen mußten ihm die Fischer eine andere aus der Hafenstadt mitbringen. Ob sein Geld noch reichte? Morgen — ja, da würde er wieder allein sein, dann war sie wieder fort, die Prinzessin. Er dachte nicht gerne daran. Aber was. sollte' man mit ihr anfangen hier? Wenn sie es nicht einmal ertrug, beim Töten der Fische zuzuschauen. Was waren solche Gören doch auch lästig! Man konnte von den Fischern nicht verlangen, sie da umsonst zu beherbergen. „Meinetwegen — dachte er, „meinetwegen könnte sie ja dableiben. Ich würde sie schon bei mir behalten.“ Das waren die Gedanken des großmütigen Jan, der noch so wenig wußte von sich. Beim Abendessen schüttelte Beryll den Kopf, als man den gebratenen Fisch aufkonnten. Sie lassen sich mit Leichtigkeit zu den stärksten Brückenkonstruktionen kombinieren. Fido hingegen besteht au« einem System perforierter Röhren, die längs der Flugzeug-Landestreifen ausgelegt werden. Pumpt man Petroleum mit hohem Drude hindurch und setzt es in Brand, dann wird der dickste Nebel verscheucht, der ärgste Feind bei Flugzeuglandungen. Dem Flugzeug aber kamen bei der Invasion sehr wesentliche Aufgaben zu. Man hatte sich im Gegensatz zu Göring darauf beschränkt, vor der Invasion strategisch wichtige Bahnknotenpunkte und Wege zu zerstören, während der Landung aber hielten 11 000 Flugzeuge die deutschen Truppen nieder, verhinderten das Herbeiholen von Reserven, vernichteten die Bunkerstellungen. Hitler-Göring hatten 1940 durch die sinnlosen wochenlangen Flugzeugangriffe auf London — die wir später dann vergaßen, als die „Vergeltung" dafür uns ereilte — strategisch für eine Landung nichts erreicht, wohl aber unsere Luftwaffe so geschwächt, daß sie als wirksame Unterstützung einer eventuellen deutschen Landung nicht mehr in Frage kam. Zwei Jahre war das alles vorbereitet worden, fast ebensoviele Jahre, wie Hitler 1940 Monate verwandte. An alles war gedacht Kommandotrupps und stereoskopische Luftaufnahmen hatten jeden Zoll der Küste Nordfrankreichs bis ins einzelne erkundet, die Sturmtrupps waren an lebensgroßen Modellen deutscher Küstenbefestigungen ausgebildet worden. Die Landung fand dort statt, wo sie nach Ansicht aller Marinefachleute stattfinden mußte, in der Seinebucht. Nur jemand ander« wußte es besser, glaubte an eine Landung in der Sommebucht und verzettelte so unsere Kräfte. Das Hauptquartier lag in . . . Rastenburg in Ostpreußen. Die Oberkommandierenden an der Front mußten auf Rastenburg hören. Sie mußten nicht nur, sie taten es auch ... So blieb der Gegner dann doch etwas länger als 9 Stunden an Land. H. C. Go stellte. Sie nahm nichts davon, aß nur Brot und ein paar Früchte. „Natürlich — die Seeprinzessin“, dachte Jan und ärgerte sich. „Wehe, wenn ich mich daheim bei meinem Vater geweigert hätte, etwas zu essen, von dem, was auf den Tisch kam.“ Mürrisch und kurz erklärte er plötzlich: „Beryll, du mußt morgen zurück mit den Männern, im Boot zur Hafenstadt.“ Sie verstand und schüttelte den Kopf. „Du kannst nicht dableiben“, sagte Jan barsch und schaute vor sich hin. „Herr Markus wird dich mitnehmen zum Markt..“ Beryll senkte den Kopf, und er sah, daß sie mit den Tränen kämpfte. Da bereute er seine unwirschen Worte und begleitete sie noch einmal in den Dachraum und sah zu, wie das Kind sich legte, und hörte es beten und deckte es zu. Aber er sprach kein Wort Er ging noch nicht zu Bett Er stieg ein Stück den Felsen weg hinauf und saß eine Weile und sah die Sterne, das Meer und sah doch nichts davon. Er war so traurig wie noch nie, seit er bei den Fischern war, und dann kam wieder eine heiße, flutende Welle von Freude über ihn, und so warfen ihn die ersten Wogen seiner jungen Kraft sich zu, übermütig, spielerisch, grausam — auf und nieder — hin und her, und er mußte sie gewähren lassen und mußte es gewärtigen, ob sie ihn zum Lande treiben würden, an seichten Strand oder an steile Klippen oder hinaus auf den weiten Ozean. Früh mußte Jan am nächsten Morgen Beryll wecken. Wie noch im Traum befangen, nahm sie mit ihm die Morgensuppe. Die Fischer waren schon am Boot beschäftigt und verstauten die Fischkörbe. Jan sagte: „Du darfst nichts von mir erzählen, Beryll, in der Stadt, niemanden etwas sagen von mir, verstehst du?“ (Fortsetzung folgt) 6eite 4 / Nr. 111 SGDKUKIER Dienstag, 24. September 1946 Bodenreform in der US-Zone Gesetz der Militärregierung — Großagrarier und Kirchenland stark herangezogen Hatte das vor fünf Wodien vom Länderrat der US-Zone beschlossene Gesetz qur Beschaffung von Siedlungsland den Großgrundbesitz mit einer vorgesehenen Landabgabe von höchstens 50°/o der Nutzfläche noch relativ sanft angepackt — die Kegierungen der drei Länder wollten in der radikalen Enteignung des Großgrundbesitzes ihren künftigen Parlament«! nicht vorgreifen — so hat jetzt die amerikanische Militärregierung mit einer tiefgreifenden Aenderung dieses Gesetzentwurfes doch eine umfassende Bodenreform auch für die US-Zone verfügt. Das endgültige „Gesetz zur Beschaffung von Siedlungsland und zur Bodenreform“ ist mit seiner Verkündung am 19. September bereits in Kraft getreten. Es unterscheidet sich aber immer noch in wesentlichen Punkten von der Bodenreform, wie sie in der sowjetischen Zone vorge- *nommen wurde. Zunächst wird der zu enteignende Großgrundbesitz nach seinem Ertragswert entschädigt, des weiteren geht die Enteignung in keinem Falle über 85% der landwirtschaftlichen Nutzfläche hinaus. Das größte Gut der US-Zone, das über rund 4800 ha landwirtschaftliche Nutzfläche verfügt, wird auf etwa 755 ha zusammengestrichen werden; aber auch Kirchenland wird nun in beachtlichem Maße zu- Siedlungszwecken herangezogen werden. Der private Besitz sollte in der ursprünglichen Fassung des Gesetzes in der Größenklasse bis zu 100 ha mit 1 bis 10% der Nutzfläche, in der Größenklasse zwischen 100 und 500 ha mit 10 bis 50% und in der Größenklasse über 500 ha mit 50°/o zur Landabgabe herangezogen werden. Das endgültige Gesetz in der von der US- Militärregierung verfügten Fassung bestimmt nun, daß die Größenklassen zwischen 500 und 1000 ha mit 50 bis 75°/o, jene zwischen 1000 u. 1500 ha mit 75—90% ihrer Nutzfläche erfaßt werden. Die Anwendung der Prozentsätze erfolgt aber stufenweise, so daß in der Praxis kein Besitz mehr als 85°/o seiner Nutzfläche wird abgeben müssen. Es fällt auf, daß die amerikanischen Sachverständigen trotzdem für den privaten Großbesitz nur eine Landabgabe von 61 000 ha in der gesamten US-Zone berechnet haben, während die deutschen Sachverständigen nach der ursprünglichen, milderen Fassung, mit 71 000 ha Land aus privatem Besitz rechneten. Diese Differenz hat ihre Ursache in den verschiedenen Ansichten über die Behandlung des Besitzes unter 100 ha. Seine Heranziehung nach einer gleitenden Skala von 1 bis 10% ist eine Kannvorschrift und wurde bei den Berechnungen der Militärregierung offenbar gar nicht in Betracht gezogen, hat aber in den Schätzungen der deutschen Stellen doch wohl eine wesentliche Rolle gespielt. Sie bleibt nach wie vor den Durchführungsbestimmungen überlassen, die von den Ländern festzusetzen sind. Im übrigen aber zeigt sich auch in ■ diesen Zahlen, daß der wirkliche Großbesitz über 500 ha in der US-Zone recht dünn gesät ist und aus seiner mehr oder weniger starken Heranziehung nicht so sehr wirtschaftliche wie politische Konsequenzen erwachsen. Das zeigt noch deutlicher eine Zusammenstellung des insgesamt nach dem Gesetz nun anfallend«! Siedlungslandes, die dem amerikanischen Kommentar beigegeben ist. Nach dem Landbeitrag der einzelnen Besitzergruppen geordnet, besagt sie, daß aus Staats- u. Gemeindebesitz 158 000 ha aus Privatbesitz, Fideikommissen usw. 61 000 ha aus ehemaligem Wehrmachtsund Parteibesitz ebenfalls 61000 ha aus kirchlichem Besitz 33 000 ha und aus Moor- u. brauchbarem Waldland 15 000 ha zur Verfügung gestellt werden müssen. Auch der Kirchenbesitz, das ist bemerkenswert, muß nicht, sondern „kann“ nach dem Buchstaben des Gesetzes herangezogen werden. Die Militärregierung hat aber durch die Rubrik „Kirchen 33 000 ha“ deutlich gezeigt, -wie sie sich die Durchführung dieser Kannvorschrift vorstellt. Interessant ist hier, daß bei der Bischofskonferenz in Fulda im März 1946 der Landbesitz der katholischen Kirche in der US-Zone mit 67 000 ha beziffert wurde. Die Enteignung des Landes soll nicht schlagartig, sondern nach Maßgabe des Bedarfs durch die Siedlungsbehörden erfolgen. Auch heißt es in Art. VI, Abs 4: „Die Landbeschaffung für die Zwecke dieses Gesetzes darf nicht eine nachhaltige Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Erzeugung zur Folge haben.“ Bei energischer Durchführung des Gesetzes, so sagt die Militärregierung, wird es mit seiner Hilfe möglich sein, den anderthalb Millionen Menschen, die seit vorigen Winter in die US-Zone eingeströmt sind, eine neue Lebensgrundlage zu geben. fe. Vom Außenhandel Die Einfuhr in die amerikanische Zone seit der Besetzung ergibt folgendes Bild (Stand vom 8. August 1946 ohne Lebensmittelimporte aus USA): Insgesamt wurden für 15,2 Mill. Dollar Waren importiert. In der Hauptsache waren die Lieferanten Skandinavien (50 0001 Fische), Tschechoslowakei (15 000 t Braunkohle), Großbritannien (5 000 t Ammonium-Nitrat), Italien 3 000 t Hanf), Schweden (Sulfat-Zellstoff), Holland (Saatgut), Frankreich (Harzei und USA (Schwefel) Dagegen belief sich die Ausfuhr auf 5,8 Mill. Dollar. Hauptabnehmer für Holz waren Großbritannien mit 650 000 cbm. Kali wurde nach Oesterreich, Dänemark, Belgien und der Tschechoslowakei (insgesamt 18 300 t) geliefert. 15 000 Tonnen Zement gingen nach Holland, Hopfen nach USA (2,2 Mill. Dollar) und Belgien (1,4 Mill. Dollar). • Durch die Baumwoll-Lieferungen aus USA ist zuerst in der Textilindustrie mit einer Bedarfsdeckung zu rechnen. Nach neuesten Verhandlungen sind nun auch Lieferungen von Wolle zu erwarten. Die amerikanische Militärregierung (Property Control) hat außerdem nunmehr 400 000 Meter Oberstoff und 400 000 m Futterstoff zur Verteilung an Textilindustrie und -handwerk freigegeben. 10 000 t amerikanischer Baumwolle, die in Bremen eingetroffen sind, werden zur Schließung der Nähmittellüdce verwendet. E. W. Genug Weizen für die Welt In einem Bericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums heißt es, die diesjährige Weltweizenemte sei nach neuerlichen Schätzungen 10% höheT als die des Vorjahres. Damit wird die Ernte etwa dem Durchschnittsertrag von 1935/39 gleichkommen. In den Schätzungen sind die Sowjetunion und China nicht enthalten. Der Bericht gelangt zu der Feststellung, daß trotz der fast vollständigen Erschöpfung der Weltbedarf an Weizen durch die diesjährige Ernte gedeckt werden kann. Die Erzeugung in den nordafrikanischen Ländern liege über dem Ergebnis der beiden vorangegangenen Jahre, damit jedoch ist der Vorkriegsstand noch nicht erreicht worden. Wenn auch in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten mit einer Rekordernte gerechnet wird, so sind jedoch die amerikanischen Vorräte die geringsten seit 20 Jahren. Der Weizenexport aus den Vereinigten Staaten wird 1947/48 auf 200 Mill. Busheis veranschlagt. In den europäischen Ländern ist nach einem Bericht des Emährungsnotstandsausschusses für Europa die diesjährige Ernte zwar besser als erwartet, hat Jedoch den Vorkriegsstand noch nicht erreicht Man kann eine Besserung nicht vor der nächstjährigen Ernte erwarten. Die Knappheit an Fetten wird voraussichtlich noch einige Jahre anhalten. Der Leiter des Produktions- und Absatzamtes In den Vereinigten Staaten äußerte auf einer Pressekonferenz, daß nach Beendigung der Hilfslieferungen durch die UNRRA viele europäische Länder nicht in der Lage sein werden, die erforderlichen Lebensmittelkäufe zu finanzieren. Man wird hauptsächlich Getreideprodukte kaufen müssen und sich bei Fett, Oel und Fleisch sowie Milchprodukten auf das Notwendigste beschränken müssen. Beamtenstreik in Frankreich Etwa 100 000 Beamte und Angestellte der französischen Finanz-, Steuer- und Zollämter traten wegen Gehaltsforderungen in den Streik. Die Polizisten sowie die Angestellten der Börsen und die Beamten des Erziehungsministeriums wollen zieh dieser Bewegung anschließen. Der französische Ministerpräsident erklärte, den Lohnforderungen der Beamten nicht nachgeben zu können, da die Gefahr einer Inflation dadurch zu groß werden würde. Eine allgemeine Erhöhung der Gehälter um 25 Prozent sei von der französischen Regierung zugesagt worden und ein neuer Bamtengehaltstarif für das neue Jahr befände sich in Bearbeitung. Die französische Nationalversammlung sprach mit 537 gegen 12 Stimmen der Regierung das Vertrauen zu ihrer Haltung tan Streik der Finanzbeamten aus. Internationale Handelsverträge Zwischen England und Brasilien wurde ein Wirtschaftsabkommen geschlossen, das den Ankauf britischen Materials durch Brasilien und die Verfügung der in England blockierten Ster- kng-Guthaben regelt. Weitere Abmachungen erztrecken sich auf die in britischer Hand befindlichen Ves s o r g un gsbetriebe Brata W e st s and die Verschiffung international festgesetzter Lieferungen von Nahrungsmitteln. — Zwischen der Schweiz und Frankreich wurde ein Handelsabkommen geschlossen, wonach Frankreich Kohle, Eisen, Glas, Obst, Wein, Käse und Fische im Austausch gegen Maschinen und Grubenstützen liefern soll. — Die S ch w e i z wird auf Grund von Vereinbarungen mit Jugoslawien dorthin Maschinen, ärztliche Instrumente, Anilin und Chemikalien liefern, um dafür Holz, Metalle und Erz zu erhalten. — Eine in Warschau befindliche österreichische Handelsabordnung vereinbarte dort mit der polnischen Regierung einen Warenaustausch zwischen den beiden Ländern in Höhe von 7,2 Millionen Dollar. — Zum Ankauf amerikanischen Tabaks durch das tschechoslowakische Tabakmonopol gewährte die Export-Import-Bank der Tschechoslowakei einen auf 26 Monate ausgedehnten Kredit in Höhe von 2 Millionen Dollar. Kurzmeldungen In Düsseldorf wurde eine Vereinigung industrieller Wirtschaftsverbände als Dachorganisation der Wirtschaftsverbände in der britischen Zone beschlossen. Die Anlagen der unterirdischen Flugzeug fabrik bei Mannheim werden nach einer Mitteilung der Rhein-Transportorganisation der Militärregierung als Reparationsleistung auf dem Wasserwege nach der Sowjetunion abtransportiert werden. Die Gewerkschaft der Kohlenarbeiter in deT amerikanischen und britischen Zone wird einen Sonntag im Monat arbeiten, um die Versorgung der Großstadtbevölkerung mit Hausbrandkohle im kommenden Winter sicherzustellen. Nach einem Abkommen der b r i t i s ch e n und russischen Besatzungsbehörde werden Eisen und Stahl aus der britischen Zone im Austausch gegen Hausbrandkohle und Getreide geliefert werden Infolge Intensivierung der Textilindustrie in der Sowjetzone werden im Land- und Stadtkreis Greiz auf Anordnung der Militärverwaltung 3 000 Frauen zur Arbeit in der Textilindustrie herangezogen. Da es sich vornehmlich um Hausfrauen handelt, fürchtet man, auf Schwierigkeiten bei diesen Maßnahmen zu stoßen. Nach Erklärungen des französischen Finanzministers Schumann wird die französische Regierung dem internationalen Währungsfond die Parität der französischen Währung bekanntgeben. Sie hält den derzeitigen Wechselkurs für den richtigen Wert der französischen Währung. Die Gerüchte über eine mögliche Abwertung wurden von Finanzminister Schumann dementiert. Der amerikanische Seeleutestreik wurde Ende der vergangenen Woche beigelegt, nachdem den Angehörigen der CIO-Gwerkschaf- ten dieselben Lohnerhöhungen bewilligt wurden, wie den AHeGwaifcsdiaftaiL Süddeutsche Rundschau Reiseverkehr im englisch-amerikanischen Gebiet Tübingen. Seit der Oeffnung der Zonengrenzen zwischen dem englischen und amerikanisch besetzten deutschen Gebiet hat der Reiseverkehr zwischen den beiden Zonen ganz erheblich zugenommen; wenn auch ein TeU der Reisen auf lang angestaute Bedürfnisse zurückzuführen ist, so darf doch von dieser Maßnahme, freien Reiseverkehr zu gestatten, eine starke Belebung im gegenseitigen Austausch erwartet werden. Wie Firmenvertreter beider Zonen erklären, wirke sich die freie Verkehrsmöglichkeit außerordentlich günstig für den Wirtschaftsaustausch und für die gemeinsame Planung aus. Das neue Wappen Bayerns Lindau. Ueber die Gestaltung des neuen Wappens des Landes Bayern wird bekannt, daß es quadriert ist und in beiden oberen Feldern einen goldenen, rotbewehrten Löwen auf schwarzem Grund als Symbol der Pfalz zeigt, rot und silbern aufsteigende Spitzen als Wappen des Franken. Die unteren Felder zeigen in Silber einen blauen, goldbewehrten Panther als Versinnbildlichung für Niederbayern und drei schreitende schwarze Leoparden auf goldenem Grund als Wappen von Schwaben. Das Herzschildchen ist 6ilberblau gerautet. Auf dem Schild ruht eine Volkskrone, die aus einem mit Steinen geschmückten goldenen Reifen besteht, der oben mit fünf Blättern besetzt ist Trümmerbeseitigung in Reutlingen Reutlingen. In Reutlingen begann eine Aktion zur Trümmerbeseitigung, an der sämtliche männliche Einwohner von Groß-Reutlingen im Alter von 16—50 Jahren für die Dauer einer Woche teilnehmen. Um den Betrieben soweit als irgend möglich entgegenzukommen, wurde es ihnen überlassen, den Einsatztermin bis zum I. 12. 1946 selbst zu wählen. Die Teilnehmerzahlen während der ersten vier Einsatzwochen sind wie folgt: 1. Woche 140 Kräfte, 2. Woche 190 Kräfte, 3. Woche 225 Kräfte, 4. Woche 250 Kräfte. Doppelraubmord in Homburg Homburg. Ein Doppelraubmord wurde in Homburg entdeckt. Der Elektroingenieur Emst Griebel und seine Frau wurden in einem Wochenendhäuschen, das ihnen als Notwohnung diente, durch mehrere Revolverschüsse ermordet. Die Mörder versteckten die beiden Leichen unter einem Vorhang und raubten dann einen Geldbetrag von 2000 RM. sowie einen neuen Radioapparat. Am nächsten Tag konnten sie in de? Person von zwei Polen verhaftet werden. Lebensmittelzulagen für heimkehrende Kriegsgefangene M ü n ch e n. Der Münchener Stadtrat hat beschlossen, den aus der Sowjetunion und aus Frankreich heimkehrenden Kriegsgefangenen von nun an eine „Heimkehrerzulage“ zu den normalen Lebensmittelrationen zur Verfügung zu stellen. Diese Zuteilung soll auf die Dauer von sechs Wochen in der Höhe der Schwerarbeiterzulage ausgegeben werden. Die bayerische Hauptstadt folgt in dieser Entscheidung dem Beispiel von Bremen, wo die Kriegsheimkehrer für die gleiche Zeitdauer erhöhte Lebensmittelrationen erhalten. Zwischenrufe Zwangsarbeit? Im Südkurier Nr. 91 vom 16. 7. 46 wird für und wider zu obigem Thema Stellung genommen. Aber keiner der Wortnehmer, weder der Arbeiter, Wirtschaftsmann, noch die sonstigen Schilderungen, aus anderen Zeitungen entnommen, bringen die Lösung dieses Zeitproblems. DieZwangsmaßnahmen der Naziregierung, denen das deutsche Volk während zwölf Jahren unterworfen war, die Dienstverpflichtungen, die Arbeits- dienstpflicht, auch die Wehrdienstpflicht und alle anderen „Pflichten” für die Arbeit und die Wirtschaft dienten alle einem Zweck: Der Vorbereitung und der Führung eines verbrecherischen Krieges. Zwangsmaßnahmen, welche der Vernichtung von Menschenleben und von Volksgut dienen, sind verabscheuungswürdig und müssen von jedem Kulturmenschen abgelehnt werden. Zwangsmaßnahmen, welche aber der Rettung und Erhaltung von Menschenleben, dem Wiederaufbau eines ganzen Volkes dienen, sind gerechtfertigt Der Kontrollrat hat daher auch in seinem Kontrollratsbefehl Nr. 3 vom 17. 1. 46 einige „Nazigesetze" mit übernommen, zwar nicht im Wortlaut, aber die Arbeitsverwaltung kann nach wie vor Arbeitsverpflichtungen aussprechen. Gesetze können ja bekanntlich von den ausführenden Behörden ins Gegenteil umgewandelt werden. Diese wieder „aus dem Chaos” auferstandenen Gesetze für die Dienstverpflichtung sollen ja in erster Linie die notorischen Nichtstuer, die Asozialen, die Schwarzhändler treffen. Doch diese befinden sich gerade heute in der Konjunkturblüte und der Arbeitsverwaltung fehlen die Mittel, diese Kreise wirkungsvoll in nutzbringende Arbeit zu bringen. Die Voraussetzungen müssen daher erst geschaffen werden, um einen Anreiz zur Arbeit zu geben. Und dazu sollen die Arbeitsgesetze beitragen. G.Röhl, Arbeitsamtleiter-Lindau Sklavenmarkt ... Diese Nazigesetze und -methoden sind aber heute, wo Deutschland nach Wort und Schrift eine Demokratie werden soll, nur noch für Nazis und deren Agenten da, die es heute noch massenhaft in Deutschland gibt, nicht aber für deren Gegner, die nach 12 Jahren Naziterror endlich wieder freie Menschen und ihr eigener Herr sein wollen. Dieser anständige Teil des deutschen Volkes sind nicht die Arbeitsscheuen, die Schieber und die an unserem Untergang Schuldigen, kurz gesagt, nicht die Nutznießer, sondern die Opfer des Naziregimes, die es ablehnen, trotz dessen Untergang weiterhin nach effektiven Nazimethoden wie die der vorerwähnten Arbeitsanordnung entrechtet und versklavt zu bleiben. Es soll nämlich keiner glauben, daß mit diesem Nazigesetz in der Hauptsache etwa die Nazis selbst, die Drückeberger, Schwarzhändler oder sonstigen Intriganten erfaßt und getroffen werden, sondern höchstens die ehrlichen und anständigen Deutschen. Die Arbeitslust und das Interesse an einem Wiederaufbau kann bei den Antinazis nicht durch Nazimethoden erzielt werden, sondern einzig und allein dadurch, daß die Voraussetzungen dafür von den deutschen Provinzialregierungen geschaffen werden. Es sind dies in erster Linie die Emährungs- und die Wirtschaftsprobleme. Wenn diese deutschen Regierungsstellen es verstehen, das heute so stark erschütterte Vertrauen des Volkes zu ihnen durch mutiges und zähes Anpacken der als unüberwindlich erscheinenden Schwierigkeiten in erster Linie auf dem Emährungssektor zu heben, dann kommt bei den jetzt ausgehungerten und erschöpften Menschen die Arbeitslust von selbst. Frau M. Walther, Homberg. Sportdienst des Südkurier Die Revanche für Tübingen Baden schlägt Württemberg in Rastatt 4:1 (2:0) Die Revanche für Tübingen ist geglückt. Die badische Elf in der vorgesehenen Aufstellung lief besonders in der zweiten Halbzeit zu einer Form auf, die diesen Erfolg ohne weiteres als berechtigt erscheinen läßt. Während man in der ersten Hälfte von einem Vorteil der einen oder anderen Mannschaft kaum sprechen konnte, stellte sich nach dem Wechsel eine deutliche Ueberiegenheit der Badener heraus. Es war nur bedauerlich, daß kurz nach der Pause der ausgezeichnete linke Verteidiger Huber (Baden-Baden) infolge einer Verletzung nicht mehr mitmachen konnte. Der für Um eingesetzte Renaud (Rastatt) konnte diese Lücke in keiner Weise ausfüllen. Im übrigen hatte die badische Elf keinen schwachen Punkt. Wäldele (Rastatt) kam in der Sturmmitte nicht zum Zuge, da ihm der gegnerische Mittelläufer Schraid wie ein Schatten folgte. Nur einmal während der 90 Minuten ließ ex ihn für Sekunden aus den Augen, und da war es auch schon geschehen. Eine wunderbare Vorlage von Neurohr hatte Wäldele zum vierten Treffer verwandelt. Eine ausgezeichnete Leistung vollbrachte Schilli im Tor. Briegel in der Verteidigung war anfangs etwas unsicher, kam abei nach der Pause sehr gut ins Bild. Die überraschende AufsteUung von Bruder (Offenburg) als Mittelläufer hat sich nicht als Nachteil erwiesen. Die beiden Außenläufer Seifer und Reis hatten durch ihre Aufbauarbeit großen Anteil an dem Erfolg. Sie wurden dabei wesentlich unterstützt von Neurohr und Scherer, die sich unermüdlich einsetzten. Von den Außenstürmern trat der Villinger Hauser stärker in Erscheinung als Maier (Emmendingen). Die Gäste hatten wohl sehr gute Einzelspieler, die sich aber zu keiner geschlossenen Einheit zusammenfinden konnten. Wohl der beste Mann auf dem Platze überhaupt war der Mittelläufer Sdunid, der nicht nur Wäldele bewachte, sondern auch noch sehr viel für den Aufbau tun konnte. Die linke Sturmseite mit Amann-Schöl- ler trat gegenüber der rechten etwas mehr in Erscheinung, während Mittelstürmer Vögele diesmal etwas enttäuschte. Maier und Scherer erzielten bereits in der ersten Vtrtelstunde zwei Tore. Nach dem Wechsel erhöhten Neurohr und Wäldele die Torzahl auf vier. Erst beim Stande von 4:0 kamen die Gäste 15 Minuten vdr Schluß durch den Halbrechten Roth zu ihrem Ehrentreffer. Schiedsrichter Schmetzer (Mannheim) leitete ausgezeichnet. Süddeutsche Fußballmeisterschaft Die Meisterschaftsrunde in der Süddeutschen Fußballmeisterschaft hat am vergangenen Sonntag begonnen. Von den beiden angesetzten Spielen ist die Partie Karlsruher FV — Bamberg ausgefallen. Das einzige Spiel des Tages brachte die Begegnung 1860 München — SpVgg. FÜTth, die die Münchener 2:1 gewannen. Hamburger SV. 1:2; Rotweiß Frankfurt — Turu Düsseldorf 2:1; Eintracht Frankfurt — Borussia Fulda 3:0; Offenbacher Kickers—Borussia Fulda 3:1. Sportergebnisse aus dem Bezirk Fußball: SV. Konstanz I — VfL Konstanz n 2:3: FC. Ueberiingen I — VfL. Konstanz I 2:8: Stodcacb — Blumberg 6:2; (Aufstiegsspiel, Stodcach spielt in der Oberliga); Wollmatingen — Engen 1:4; Eintracht Singen — Kgf.-Lager Singen 0:3; Trossingen — Villingen 6:1; Dauchingen — Neustadt 3:1; Pfullendorf — Meßkirch 6:2; Riedlingen — Sigmaringen 4:2; Riedlingen II — Sigmaringen II 2:4; Buchau — Schelklingen 4:1; Buchau II — Schelklingen II 6:1; Saulgau — Schussenried 2:3. — Jugend: Lindau A — VfL Konstanz A 1:1; Welschingen A — VfL. Konstanz B 8:4; VfL. Konstanz CI — Friedrichshafen CI 3:3: VfL. Konstanz CU — Fried- richshafen C H 2:3; VfL. Konstanz C III — Fried- richAafen CHI 0:3; Wollmatingen — Engen 1:1; Dauchingen — Weilerebach I 0:1; Pfu llendorf — Meßkirch 5:1; Sigmaringendorf —- Krauchenwies 3:4; Sigmaringendorf II Jgd. — Krauchenwdes II Jgd. 3:1; Bingen — Plochingen 1:1. Handball: Friedrichshafen — Wangen 7:3; Friedridishafen Res. — Wangen Res. 9:2; Eintracht Singen — Kgf.-Lager 9:9; Donaueschingen — Wolterdingen 5:8; Donaueschingen (Frauen) — Wolterdingen (Frauen) 7:0; Radolfzell — Lindau 14:1; Deißlingen — Dauchingen 1:2; Tri- berg — Haslach 14:1; Triberg II — Haslach II 6:2; Trjberg (Frauen) — Haslach (Frauen) 1:5; Rotweis Lörrach — Geigy Basel 17:9; Rotweiß Lörrach II — Ciba Basel I/II 8:9; Waldshut (Frauen) — Säckingen (Frauen) 1:3; Engen (Frauen) — Böhringen (Frauen) 4:1. Hockey: VfL. Konstanz — HC. Salem 1:2. Fußball in anderen Zonen. Schwaben Augs bürg—lettische Auswahl 3:2, Schalke 04—Cloppenburg 2:2, Hamburger Meisterschaft: Hamburger SV.—Blankenese 3:1, St. Pauli—Altona 3:2, Städtekampf Berlin—Zwickau 2:4 (!). Südwestdeutscher Tennissieg Niedersachsen ln Baden-Baden 5:4 geschlagen In Baden-Baden wurde am vergangenen Wochenende der Tennis-Länderkampf Südwestdeutschland — Niedersachsen ausgetragen, bei dem klangvolle Namen wie von Cramm, Kuhl- mann, Denker und Dr. Buß vertreten waren. Es wurde ausgezeichnetes Tennis geboten und vor allem zeigte es sich, daß der alte und doch noch so junge Meister Gottlieb von Cramm leistungsmäßig auf einsamer Höhe steht und heute noch im internationalen Tennissport seine Rolle spielen könnte. Im Gesamtergebnis siegte Südwest- deutschiand mit 5:4 Punkten. Die Einzelergebnisse: von Cramm {Niedersachsen) — Kuhlmann (Südwestdeutschland) 6:0, 6:2: von Cramm/Den- ker (N.) — Walch/Kuhlmann (S.) 6:3, 11:9, 6:2; Dr. Beutter (S.) — Stephanus (N.) 7:5, 7:5: Kretzer (S.) — Stein (N.) 6:3, 6:2: Dr. Buß (S.) — Walter (N.) 7:5, 3:6, 3:6; Walch (S.) — Denker (N.) 6:4, 7:9, 5:7; Kretzer/Beutter (S.) — Walter/Stein (N.) 2:6, 7:5, 8:6; Wetzel (S.) — Panke (N.) 6:3, 9:11, 6:2; Dr. Buß/Wetzel (S.) — Ste- phanus/Panke (N.) 6:3, 4:6, 7:5. Badische Staffelmeisterschaften Den Rahmen des kleinen Länderspiels Baden- Württemberg in Rastatt bildeten die Badischen Staffelmeisterschaften. Das kleine, im Murgtai gelegene Ottenau, die Heimat Scheurings und des badischen 100-Metermeisters Merz, kam in Rastatt zu vierfachen Meisterehren. Scheuring und Merz waren die beiden Stützen der Mannschaft, die 4X100-, 4 X400-, 3x1000 m- und die Schwedenstaffel gewann. Die 4x1500 m und die Oiym- < pische Staffel gewann Rot-Weiß Lörrach, das in Preschany seinen hervorragendsten Mann hatte, während die 4x100 m für Frauen an den Sportverein Rastatt fiel. Ergebnisse. Männer: 4X100 m: 1. Sportvgg. Ottenau 45,7 Sek.: 2. Rot-Weiß Lörrach 46,8 Sek.; 3. ASV. Villingen 47,6 Sek. — 4X400 m: 1. Sportvgg. Ottenau 3:44,8 Min.; 2. Sportfreunde Lahr 3:50 Min. — 3x1000 m: 1. Sportvgg. Ottenau 8:41,3 Min.: 2. SC. Baden-Baden 8:44,8 Min. — 4X1500 m: 1. Rot-Weiß Lörrach 19:12,8 Min.; 2. Sportvgg. Ottenau 19:18,5 Min. — Schwedenstaffel: 1. Sportvgg. Ottenau 2:06,5 Min.,- 2. Rot-Weiß Lörrach 2:10,4 Min.: 3. ASV. Villingen 2:10,6 Min. — Olympische Staffel: 1. Rot-Weiß Lörrach 3:59,4 Min.; 2. Sportclub Baden-Baden 4:01,3 Min. — Frauen: 4X100 m: 1. Sportverein Rastatt 56,2 Sek.; 2. Sportclub Baden-Baden 56.5 Sek. Knappe Schweizer Leichtathletikniederlage Der siebte Leichtathletik-Länderkampf Schweiz gegen Italien endete vor nur 4000 Zuschauern in Zürich mit einem knappen Sieg der Gäste. Italien gewann mit 80:76 Punkten. Die Schweizer hatten insofern Pech, als sie in der 4-mai-100-m-Staffel infolge Ueberschreitens der Marke disqualifiziert wurden und dabei punktlos ausgingen. Da auch im Stabhochsprung durch das Pech des besten Schweizers eine Punkteabwertung erfolgte, wäre ohne das Mißgeschick der Eidgenossen ohne weiteres ein Unentschieden möglich gewesen. Dis Schweiz belegte erste Plätze in folgenden Wettkampfarten: HO Meter Hürden, Speerwerfen, 400 m Hürden, Weitsprung, 1500 m, 4 mal 400 m In der Mannschaft unseres Nachbarlandes fehlte der Speerwurfmeister Neumann, bei Italien vermißte man u. a. Lanzi und Paterlini. Städtekämpfe der Knnsttnmer Die Kunsttumer in der amerikanischen und englischen Zone entwickeln in letzter Zeit einen lebhaften Wettkampfbetrieb. Sb gewann Stuttgart einen Städtekampf gegen Frankfurt in der Mainstadt mit 443,5 gegen 440,9 Punkte der Frankfurter. Der Stuttgarter Göggel war mit 80 Punkten bester Einzeltumer: er erzielte in allen vier Uebungen die Höchstnote mit 20 Punkten. Zweiter wurde Konrad Frey-Frankfurt 78 P., Dritter Theo Wied-Stuttgart 77,5 P. — In Essen siegte die Essener Vertretung mit 385 Punkten im Dreistädtekampf gegen Wuppertal (378,6 P.) und Düsseldorf. Mannheimer Ruderregatta Die Reihe der mit großen Schwierigkeiten aufgezogenen deutschen Ruderregatten setzte der Mannheimer Regatta-Verein mit der 59. Oberrheinischen Ruderregatta fort. Es waren Boote aus Mühlheim, Ulm, Frankfurt, Würzburg, Hanau, Offenbach, Heidelberg und Mannheim am Start. Die wichtigsten Resultate: I. Seniorvierer m. St.: Amicitia Mannheim 4:54,7, 2. W.Sp.V. Offenbach-Bürgel. II. Senior-Vierer m. St.: 1. Frankfurter RG. Oberrad 5:11,18, 2. Mannheimer RC. Jungmann-Achter: 1. Mühlheimer RV. 4:39 Min., 2. Mannheimer RG. Baden. Senior- Achter: 1. Amicitia Mannheim 4:19,8, 2. Renn- gemeinsthaft Offenbach-Bürgel 4:24,1. Kurz notiert Die olympische Fahne, die sich seit 1936 nach internationalem Brauch in Berlin befand und vermißt wurde, ist in einem Gebäude der Berliner Städtischen Sparkasse wiedergefunden worden. Die Fahne ist bereits von London, dem Austragungsort der nächsten olympischen Spiele, angefordert worden. Die USA.-Besatzungstruppen richten als Krönung der mehrmonatigen Unterweisung der deutschen Sportjugend in der amerikanischen Zone auf dem Sportplatz des Tempelhofer Flughafens ein Jugend-Olympia aus. Amerikanische Einheiten in Bad Wildungen stifteten für die einheimische Schuljugend 100 Paar Baseball-Schuhe, Baseball-Schlager und -Bälle, sowie Fuß- und Handbälle. Im Rahmen des Sportprogramms für die deutsch* Jugend wurde außerdem mit dem Bau eines neuen Sportplatzes begonnen. Ans Stockholm wird gemeldet, daß Schweden am 20. Oktober gegen Rußland ein Länderspiel austragen wird und zehn Tage vorher treten die Russen in Helsinki gegen Finnland an. Walter Lohmann (Bochum), der deutsche Stehermeister 1946, gewann ln Nürnberg den „Matadorenpreis", ein Radrennen für Steher hinter großen Motoren über 100 km vor dem Kölner Schorn. Den 100 000-Mark-Preis um das Deutsche Derby 1946 iif München-Riem gewann „Solo" mit dem sechsfachen Derby-Sieger Streik Als schnellster Autorennfahrer am Lido erwies sich beim „Großen Preis" der Italiener Bertin. (Fiat), der mit seinem 1100-ccm-Wagen 79 Stundenkilometer fuhr. SODKURIE* Verantwortlicher Redaktionsausschuß: Hermann Fiebing, Hermann Dörflinger (CSV), Rudi Goguel (KP). Dr Robert Winzer (SP). Friedrich Munding (DP). — Verlag: Südkurier-Verlag G. m. b. H. — Druck: Druckerei Konstanz. Fischmarkt 5. — Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Haftung. Dienetag, 24. September 1946 HEIMAT KURIER Nr. 111 / Seite 5 Zeichnung: Platte-Freiburg An Öen ßoöenfee / Von Emanuel Geibel Sei mir gegrüßt im frühen Morgenstrahl, Lichtblauer See, vom reinsten Gold durchsät. Du Stück vom Himmel, das ins schönste Tal Herabgesunken, ew’ge Frische weht! Was kränzt sich hier, soweit das Auge späht, Dein Hang mit Gärten, wo im Laub versteckt Die Traube glüht, indes voll Majestät Der königliche Säntis dort, bedeckt Vom Hermelin de s Schnees, die mächt’gen Schultern reckt Hier will ich ruh’n, hier vom Gedränge los, Wo Schein und Hoffart führt den lauten Reigen Zum Quell des,, was ewig schön und groß, Zu der, Natur, die durstge Seele neigen? Hier will ich atmen, jenes tiefe Schweigen, Aus dem wie Götter aus dem Wolkendutt In Licht gewappnet die Gedanken steigen, Durch nichts gestört, als wenn aus hoher Luft, Beschwingt und frei wie sie, der Alpenadler ruil. Die fchräg geftellte Jaloufic Von Bodenseedampfern, Kartoffeltrecks und dem beginnenden Herbst / Von Willy Häusler SflOroertOeutfche Chronik Wahlfprüche Nicht von den Wahlsprüchen sei die Rede, die als wohlmeinende Ratschläge ; bei irgendeiner Gelegenheit von weise sein trollenden Leuten gesprochen werden. Nein, es gibt auch noch andere Wahl- iprüche. Dabei muß aber dieses Wort mit Bedacht zerlegt werden. Es steht nämlich in direkter Beziehung zur richtigen Wahl, io wie sie z. B. am vorletzten Sonntag stattfand. Der zweite Teil wiederum ist eine hierbei gegebene Meinungsäußerung, also ein Spruch. D. h. manche Wähler fanden es für notwendig, ihrer Meinung nicht mit dem Stimmzettel den gewünschten Ausdruck zu geben, sondern sie flüchteten ach in die große Anonymität und versahen ihren Zettel bzw. ihren Umschlag mit entsprechenden Sprüchen. Was wurde nun zum Besten gegeben? Natürlich war es in der Hauptsache Kritik und zwar in erster Linie an Dingen, auf die wir selbst in der gegenwärtigen Lage am allerwenigsten einen Einfluß ha- : ben. Die Emährungslage kam am schlechtesten weg — sie gefällt uns auch nicht! Als sichtbarer Protest wurden deshalb öfters alte Lebensmittelmarken in den Wahlumschlag gesteckt und dazu „wür- : xige“ Bemerkungen gemacht. So mancher glaubte, der Demokratie etwas am Zeug flicken zu müssen — daß nach lVt Jahren noch nicht alles im rosigen Licht leuchten kann, müßte auch diesen Leuchten einleuchten. Ein anderer fühlte sich in seiner Ehre als ehemaliger Berufssoldat gekränkt. Wieder andere brachten zum Ausdruck, warum sie noch nicht zur Wahl gingen. So wäre noch von manchem Schrieb zu berichten. Da es aber nur richtiggehende Sprüche waren, lohnt es sich nicht, näher darauf einzugehen. Nur eine Bemerkung sei noch gestattet: Der Name Hitler tauchte nirgends auf. Er ist anscheinend so schnell in die Vergessenheit geraten, daß er nicht einmal über diesen anonymen Umweg für würdig befunden wurde, in unsere Gegenwart hin- j eingeschmuggelt zu werden. Und das ist : immerhin eine Feststellung, die sich lohnt. L Zelterfcheinungen Das Wirtschaftsamt des Kreises Uelzen/ Hannover stand im August vor der Aufgabe, 70 Fahrradbereifungen auf rund 1000 gleichberechtigte Bewerber zu verteilen. Da jeder Versuch einer Lösung die Quelle neuer Mißstimmung sein muß, ist nunmehr in der „Lüneburger Landeszeitung" der Vorschlag gemacht worden, die 70 Bereifungen in einer öffentlichen Verlosung auf die 1000 Bewerber aufzuteilen, wobei ein unbescholtenes Kind mit verbundenen Augen Schicksal spielen soll. Im Verlaufe eine s Monats sollen dann immer die Anträge °eu ausgesucht und ergänzt werden, die jeweils zur Ziehung zugelassen werden. Der Querfchnitt Der Erfinder und Konstrukteur der automatischen Fallwählerzentrale, einer umwälzenden Erfindung im Femsprechwesen, Oberingenieur Friedrich Merk, ein geborener Konstanzer, der Direktor in der Firma Telefonbau und Normalzeit Frankfurt am Main, ist in Konstanz im 72. Lebensjahr gestorben. — Das Militärgericht in Konstanz hat zwei Tschechen, die im Scheinwerfer ihres Autos hohe Summen ausländischer Währung über die Grenze schmuggeln wollten, zu je einem Monat Gefängnis, 1000 RM Geldstrafe und Einziehung aller beschlagnahmten Geldbeträge und Waren einschließlich des Kraftwagens verurteilt. — Einer der Kellereinbrecher und Fahrraddiebe, die in der letzten Zeit in Konstanz ihr Unwesen trieben, ein Zwanzigjähriger, aus Freiburg stammender Mann, erhielt acht Monate Gefängnis. In Ravensburg ist eine Ausstellung der französischen Jugend eröffnet worden. — Am Sonntag nahmen in Langenargen die Bodensee-Festspiele ihren Anfang, die ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm auf den verschiedensten Gebieten der Kunst umfassen. Die Lindauer Kreisausstellung hat schon in den ersten drei Tagen nach ihrer Eröffnung eine Besucherzahl von über 10 000 zu verzeichnen. Während der Ausstellung findet ein Dampferverkehr von Romanshom nach Rorschach statt. — In Biberach entdeckte ein Besucher während einer Lichtspielaufführung auf dem vorgeführten Film seinen Vater, von dem er bereits vor Kriegsausbruch keine Nachricht mehr hatte. Etwa 100 Kinder kommen in den Kreis Calw (Wttbg. Schwarzwald) zur Erholung. Sie stammen aus dem französisch besetzten Sektor Berlins und genießen im Schwarzwald einen längeren Aufenthalt. Der neue Staat Rheinpfalz Der neue Staat Rheinland-Pfalz umfaßt die ehemals preußischen Regierungsbezirke In den glitzernden Wassern des Schwäbischen Meeres spiegelt sich jetzt die leise Schwermut der herbstlichen Ufer: von den Gezeiten des ewigen Kreislaufs der Jahre meldet sich die dritte, der Herbst Die dunstverhangene Weite gibt am sonnigen Morgen nur zögernd Raum für die leuchtende Folge der Farben — aber der Tageslauf steigert das Zusammenfließen des herbstlichen Lichtes zum prachtvollen Abschluß, und wer in diesen Tagen am See lebt — kurz oder länger — lernt ihn kennen von einer neuen und nicht weniger schönen Seite, als er sie zeigt in den lichtblauen Stunden sonniger Sommertage. Der Andrang zu den Kursdampfem im Konstanzer Hafen ist immer stark. Sie vermitteln neben der etwas umständlicheren Eisenbahn die einzige Verbindung zum diesseitigen Ufer. Auf der schmalbrüstigen Kommandobrücke hält der Kapitän eine besänftigende Ansprache an die ungeduldig Nachdrängenden, kneift die Augen ob der Unzahl an kleinen Handwagen und sonstigen zeitgemäßen Vehikeln, als wäre er ein alter Seebär und stünde das Wetter auf Windstärke 11. Das Schiff wird gerammelt voll, es scheint, als hätte keine Maus mehr Platz. Aber der Käpt’n ist ein braver Mann, er entscheidet menschlich und läßt die letzten Nachzügler auch noch über den Verbindungssteg ins Schiff. Der Ausdruck Dampfer, der eben fiel, ist übrigens ungenau oder, ehrlich gesagt, falsch. Keine Rauchfahne war über dem langen Kamin gehißt Trotzdem liegt das dickbäuchige, breithüftige Schiff unter Dampf, aber das Holz verbreitet keinen starken Tabak. Nicht majestätisch, sondern schlicht und einfach verläßt die „Hohentwiel“ den sackartigen Hafen von Konstanz, läßt die beiden Leuchttürme, die wie eingetrocknete Kerzenstümpfe im Wasser stehen, hinter sich und gewinnt wenn man es übertrieben ausdrücken will, rasch an „hoher See“. Es öffnet sich jene Weite, Koblenz und Trier, vier ehemals hessen- nassauische Kreise auf Taunus und Westerwald (jetzt Regierungsbezirk Montabaur), die ehemals bayerische Rheinpfalz und den hessischen Regierungsbezirk Rheinhes6en. Das Land hat einen Flächeninhalt von 19 744 qkm und 2660 099 Einwohner. Hiervon entfallen 12 775 qkm mit 1 390 716 Einwohnern, auf das bisherige Rheinland/Hessen-Nassau und 6972 qkm mit 1 269 282 Einwohnern auf das bisherige Hessen/Pfalz. Die Bevölkerungsdichte beträgt 134,7 Einwohner auf den Quadratkilometer. Von den Einwohnern sind 1 539 287 Katholiken und 1053 336 Protestanten, wobei im Norden der katholische Bevölkerungsteil, im Süden der protestantische überwiegt. Mainz, Trier und Speyer sind Bischofssitze. Die wichtigsten Städte des Landes sind Mainz, Koblenz, Trier, Montabaur, Worms, Frankenthal, Ludwigshafen, Speyer, Neustadt a. d. Haardt, Kaiserslautern, Pirmasens. In wirtschaftlicher Hinsicht sind Weinbau und Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Nach den letzten Erhebungen über die Bodenbenutzung beträgt die Ackerfläche 628 736 ha, die Fläche der Forsten 737 907 ha und die des Reblandes 42 352 ha. Aber auch die Industrie nimmt einen breiten Raum im Wirtschaftsleben ein. In der Pfalz ist eine bedeutsame chemische, Eisen-, Tabak- und Webe-Industrie beheimatet. Die Schuhindustrie von Pirmasens ist weltbekannt. Mainz, Koblenz und Trier sind Zentren des Weinhandels und der Sekterzeugung. Der Koblenzer Raum verfügt über eine ausgeprägte Baustoff-Industrie (Schiefer, Basalt, Schwemmstein, Lava, Traß). jene breitausladende Wasserfläche, jenes meerartige Kräuselfeld mit dem flimmernden Blaugrün, das sich nach dem Wetter richtet und sich deswegen alle Stunden ändern kann. Diese Weite ist das geheimnisvolle „Schwäbische Meer“. Unter dem fast wolkenlosen Septembertag ziehen die Brosamen gleich über das badische, würt- tembergische und Schweizer Ufer hingetupften Ortschaften vorüber. Charakteristische Türme und Bauten tauchen auf, als hätte sich im vergangenen Jahrzehnt nichts verändert, als wäre „Geschehenes ungeschehen geblieben, als müßte es beim Näherkommen sich zeigen, daß die Welt von gestern noch als Welt von heute ihren Bestand hätte.“ Aber Weltgeschichte, und gar eine so umwälzende, die ihr Lawinengeröll bis an die südlichste Grenze unseres Vaterlandes schleuderte, malt mit groben Strichen und wetterfesten Farben. An Bug und Heck unseres Schiffes flattert die Trikolore und die badischen Landesfarben finden nur als Gösch Verwendung. Mit ein paar hundert Meter Abstand passiert uns ein Schweizer Schiff. Es trägt das Schweizer Kreuz und gleichfalls die Trikolore. Wie auf hoher See grüßen sich beide Schiffe mit dem dreimaligen Reffen der Fahnen. Aber unsere Fahrt gilt nicht dem schwer zerstörten Friedrichshafen, das eine unheimliche erschreckende Stille über den See trägt Meersburg, das alte, dessen Merowingerschloß ehrfurchtgebietend ins Land schaut, ist unser ZieL Wir wollen uns dort unter die Unzahl von Menschen mischen, die als „Hamsterer“ schon längst zu keiner sozialen Schicht, vielmehr zu einer notgedrungenen Erscheinung geworden sind. • Es ist der Obst- und Kartoffeltreck; ein. seltsamer Zug, der in seiner Unbeirrbarkeit stark an die Gesetzmäßigkeit des Vogelzuges erinnert Auch die Menschen, die hier ziehen, folgen einem Gesetz: Dem Gesetz des Hungers und der Not. Auch hierzulande ist dieser Vorgang das Hauptgesprächsthema. Das Schiff entläßt von Anlegestelle zu Anlegestelle einen Schwarm von Männern und Frauen, die mit kleinen Rollwägelchen oder mit Fahrrädern versehen, die umliegenden obstreichen Dörfer überschwemmen. Der Ausgang des Dämpfers wird bestürmt, jeder will der Erste sein, denn der Weg ist weit und steigt zudem noch die ersten Kilometer an. Auch hier sind die Menschen rücksichtslos und sie tragen verschlossene Gesichter, sie, die einstmals teilnehmend sein konnten. Uns scheint, es treibt sie eine Vision, die Angst mit leeren Rucksäcken und leichten Wägelchen heimkommen zu müssen. So wandern sie, gleich Tippelbrüdern vor einem Jahrhundert, durch das altersgraue Meersburg die steile Burgstraße hinauf, um sich auf dem Hügelkamm auf die Gehöfte und Ortschaften zu verteilen. Man muß wissen, dieser gesegnete Garten Gottes am nördlichen Bodenseeufer ist ein wahres Obstmeer. Zu Friedenszeiten wußten die Erzeuger mit ihren Aepfeln und Birnen nicht mehr wohin. Heute sind die Bauern abgabepflichtig und die gesamte Obsternte ist schon beschlagnahmt, ehe sie reif ist. Dennoch läßt sich von den Trecks niemand entmutigen. Sie müssen Stolz und Scham, Mühe und mitunter manches rauhe Wort in sich niederzwingen, wenn sie von Hof zu Hof gehen, und sie fühlen sich mit ihren Aepfeln und Kartoffeln nicht sicher, ehe sich die Wohnungstür hinter ihnen geschlossen hat. Menschen aller Berufe und Gesellschaftsschichten treffen sich beim Kartoffeltreck. „Es geht wieder zur HKL!“ meint einer, der erst vor einigen Wochen aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist und der unter der HKL von 1946 die Hauptkartoffellinie versteht. Es sind auch hierzulande keine Bettler und auch nicht Hamsterer. Ihnen gebietet die Not Wenn aber die Polizei sich eine Hamsterertype auf mehreren Zentnersäcken thronend greift, dann ist dies der einzige Fall, bei der das Auftauchen von Uniformen zumindest mit Gleichmut aufgenommen wird. Ansonsten ist das Auge des Gesetzes nicht gerne gesehen. Man stecke mal seine Ohren zwischen die Konversation der Kartoffelholer und man vernimmt da eine Atmosphäre des verzweifelten Kämpfens, des Gehetztseins, der Müdigkeit. Erzählungen, Nachrichten, aber auch Gerüchte von Kontrollen überschlagen sich. Jeder weiß es von einem andern. Die Razzien erscheinen uns wie ein Spuk um Mitternacht. Niemand vermag dabei zu prüfen, was Dichtung und Wahrheit und inwieweit es noch heute Menschlichkeit in Uniform gibt. Sicher ist nur eines: Daß sie auf jedem Bahnhof und an fast jeder Straßenecke Gefahr laufen, ihre kostbare Ladung zu verlieren und daß bei der Razzia der .kleine Mann“ der Leidtragende ist, während der Schieber sich die Strapazen erspart. So sind auch am Bodensee, dem Lande, wo der Erzählung nach Milch und Honig fließen soll, täglich Tausende auf der Strecke. Sie stammen nicht nur allein von der näheren Umgebung. Tief aus dem Schwäbischen und Nordbadischen fahren sie nach dem Süden. Die Trecks überschneiden sich, der Sektor wird nur selten eingehalten, denn der knurrende Magen und erwartungsvolle Kinderaugen kennen keine territorialen Grenzen. * Inzwischen ist die Dämmerung über den herbstlichen See hereingebrochen. Das Schiff hat die Rückfahrt angetreten. Der Treck hat sich wieder gesammelt und man sieht wieder dieselben Gesichter und die stumme Ergebenheit. Die sinkende Sonne schneidet inzwischen unbehindert des drückenden Alltags die sich treu gebliebene Silhouette des Konstanzer Münsters, und in der dunstigen Feme verdämmert bläulich der Hohentwiel. In uns aber bleibt der Eindruck einer herbstlich schönen, wenn' auch mit schmerzlichen Empfindungen belasteten Fahrt haften. RegCamee Karleruhe Die Zeitstunde hat es Karlsruhe doppelt schwer gemacht, sich im harten Daseinskampf der Städte zu behaupten. Seiner Würde als Landeshauptstadt entkleidet, seiner Schönheit als Stätte der klassizistischen Weinbrenner-Bauten größtenteils belaubt, lebt es dahin und blickt voller Sorge den kommenden Wintermonaten entgegen. Trotz allem aber ist es von Hoffnung erfüllt Es weiß, daß in seinem auf gerissenen Inneren keine öden, leblosen Schutt- Bassen liegen, sondern Ruinen, die es wieder mit neuem Leben zu erfüllen gilt Es ist «ich auch bewußt daß die 14 Millionen Kubikmeter Trümmer nicht das einzige Schlimme sind, was die Hitlerzeit als Erbe hinterlassen hat Deshalb geht Karlsruhe >n diesen Monaten mit allen Kräften daran, auch den geistigen Schutt des Gestern zu beseitigen. Nicht durch bloßes, unfruchtba- >*s Reden, sondern durch planvolle kulturelle Taten. Nach der kürzeren oder längeren Sommerpause hat in diesen Tagen im Karlsruher Kulturleben die neue Saison begonnen. Da« B a d i 6 ch e Staatstheater begann mit einer Carmen-Premiere und der deutschen Uraufführung des Schauspiels «Die Rechenmaschine" des amerikanischen Autors Rire seine Spielzeit Während Generalmusikdirektor Matzerath, der ehrenvolle Berufungen nach anderen Städten zur Freude der Karlsruher abgelehnt hat, weiterhin Oper und Staatskapelle leitet, ist der Intendantenposten mit dem aus München kommenden Intendanten Erwin Hahn neu besetzt worden. Das theaterfreudige Publikum erwartet deshalb für die nächsten Monate einen neuen Aufschwung seines Schauspiele und seiner Kunsttradition. da« aus der früheren Konzertdirektion Bert Metzger hervorgegangen ist, erhielt nach langem Planen und Wägen in der Durlacher Festhalle sein festes Haus. Kapellmeister Werner Idler und das Opernensemble stellten sich den Zuschauern mit Puccinis „Madame Butterfly" vor: das Schauspiel lud zur ersten Aufführung zu „Gyges und sein Ring" ein, das W. Kienscherf inszeniert hatte. Aus der Fülle von Ankündigungen, mit denen die Plakatsäulen bis zum letzten Zentimeter bedeckt sind, sticht der große Anschlag der Bruckner-Festwoche 194 6 hervor. Sie findet zum Gedächtnis des 50. Todestages des Meisters vom 5. bis 13. Oktober statt und bringt in einem achttägigem Programm zahlreiche der bekanntesten Schöpfungen Bruckners. Ein Kuratorium, das unter dem Protektorat Reichsministers a. D. Dr. Köhler steht, und dem u. a. Landesdirektor Prof. Dr. Franz Schnabel, Landesbischof Dr. Bender, Stadtdekan Dr. Rüde, Rektor Prof. Dr. Pöschl angehören, zeichnet für die Veranstaltungen verantwortlich. Die Kath. Arbeitsgemeinschaft gibt eine eigene Bruckner-Schrift heraus. Ein umfangreiches Programmheft miterrichtet über die einzelnen Konzerte, Vorträge und Feierstunden. So führt Karlsruhe auch in schwerer Zeit seine alte Bruckner-Tradition fort, die räch bis zum Jahre 1881 zurückleiten läßt, wo hier erstmals in Deutschland durch Felix Mottl die Uraufführung einer Bruckner-Symphonie stattfand. Im vergangenen Winter bereits hatten sich die Katholischen und Evangl. Arbeitsgemeinschaften der Stadt zusammengetan, um gemeinsame VGlksbildungskur- se zu veranstalten. Ueber 4000 Hörer besuchten Monate hindurch die Vortragsreihen. Die beiden Arbeitsgemeinschaften haben nun wiederum zu solchen Kursen aufgerufen, die von September bis Ende November dauern und unter dem Gesamtthema „Mensch und Masse" stehen. Katholische und evang. Theologen, Historiker, Kunstgeschichtler, Musikwissenschaftler und Sozialpolitiker behandeln in ihren Vorträgen die Auseinandersetzung des Ich« mit der Gemeinschaft im Spiegel ihrer Fachgebiete; in einer Reihe von Diskussionsabenden in der Technischen Hochschule geben verschiedene Redner Antwort auf Zeitfragen. Zu brennenden Erziehungsproblemen sprechen Angehörige verschiedenster Stände und Berufe. Im ersten Semester hat vor allem die Jugend besonders eifrig die Gelegenheit benützt, sich hier ihre Allgemeinbildung zu erweitern. Sie wird auch in den nächsten Wochen an den Karlsruher Volksbildungskursen teilnehmen, die so einen wertvollen Beitrag zum Neuaufbau des kulturellen Lebens leisten. Dr. S. ßruchfaler Zuhunfitepläne Der erste Eindruck bei der Ankunft in Bruchsal ist niederdrückend. Vergebens späht man nach einem Bahnhofsgebäude oder zumindest nach dessen Ueberresten aus. Es ist so gut wie völlig verschwunden, nur ein großer flacher Haufen von Schutt und Trümmern läßt die Stelle vermuten, an der das Gebäude einstmals gestanden. Die unbedachten und ziemlich mitgenommenen Bahnsteige allein bilden den Bahnhof, zu dem noch eine dürftige Holzbaracke auf dem früheren Vorplatz gehört. Dann fällt der Blick auf die umliegenden Häuser oder vielmehr deren Ruinen, da mit zwei Ausnahmen alle in der näheren Umgebung aufgerissen oder völlig niedergelegt sind. Das Bild der Zerstörung wird noch schlimmer, wenn man sich in das Innere der Stadt begibt. Bruchsal fet zu 80 Prozent zerstört, von den fünf Kirchen ist nur eine einzige verschont geblieben, die Peters- Kirche, ein Werk Balthasar Neumanns. Seine Kunst hatte auch das herrliche Treppenhaus im Bruchsaler Schloß gestaltet, das ebenfalls der Verwüstung anheimfiel. Von den 50 Bauten, die zu der Anlage des Schlosse« der Fürstbischöfe von Speyer in dem weiten herrlichen Park gehörten, sind nur sechs an sich unbedeutende Nebengebäude einigermaßen erhalten geblieben, in denen jetzt Behörden eine notdürftige Unterkunft gefunden haben. Wenn es einmal gelingen solte, das beinahe völlig vernichtete Schloß wiederaufzubauen, wird sich doch nur die äußere Form hersteilen lassen, die Inneneinrichtung dieser prächtigen Barockschöpfung des Fürstbischofs Schönborn mit den Malereien eines Asam und Zick und den einzigartigen Stukkaturen ist nicht mehr zu ersetzen. Rund 18 000 Einwohner zählte die Stadt, als am 1. März 1945 die Bomben hernieder rauschten und in 20 Minuten ihre Wohnstätten in Trümmer sinken ließen. Heute halten sich wieder nahezu 14 000 Menschen in Bruchsal auf. So ist es nur zu verständlich, daß bei dem enormen Grad der Zerstörung der übrig gebliebene Wohnraum äußerst knapp ist, so daß drei Personen auf einen Raum kommen, wobei die Unterbringung zum Teil sehr schlecht ist. Im Anfang war die« noch viel schlimmer, da sich durchschnittlich 4,4 Personen mit einem Wohnraum begnügen mußten. Inzwischen sind manche Häuser notdürftig zusammengeflickt und beziehbar gemacht worden. Andere Bauten wurden wieder aufgerichtet, doch fehlt es an den für die innere Ausgestaltung erforderlichen Materialien für den Verputz und den Bodenbelag. Auch an gelernten Bauarbeitern und Handwerkern, wie Zimmerleuten und Gipsern, mangelt es, dazu sind wichtige Baustoffe, wie Eisen und Holz, nur schwer zu bekommen. Dennoch sucht man die Schwierigkeiten 60 gut als möglich zu überwinden, denn die Baulust, namentlich auch von privater Seite, ist groß, nur lassen die Hemmnisse alle Vorhaben langsam gedeihen. So .werden nach Ansicht der Städtischen Behörden wohl zehn Jahre vergehen, bis Bruchsal wieder 18 000 Einwohner aufzuweisen vermag. Dabei sind jedoch schon heute weit gespannte Pläne für den Neuaufbau der Stadt fertig entworfen. Der Bebauungsplan berücksichtigt vor allem die Tatsache, daß Bruchsal im Schnittpunkt wichtiger Verkehrsstraßen und Handelswege liegt. Da soll die Nord-Süd-Achse möglichst gradlinig geführt werden, so daß eine gerade Verbindung zwischen dem Friedrichsplatz im Norden und der Durlacher-Straße im Süden entsteht, wobei es sich nicht vermeiden lassen wird, einige Anlagen diesem Wege zu opfern. Der Ost-West-Verkehr, der der Strecke von Germersheim nach Stuttgart dient und auch den Anschluß zur Autobahn vermittelt, 6oll durch Einbahnstraßen geleitet werden. Bei der Ausführung dieser Straßenzüge wird darauf gesehen werden, das alte Stadtbild zu wahren. Größere Veränderungen werden im Bereich der Liebfrauen-Kirche eintreten, wo an die Stelle des bi s zu seiner Zerstörung zwar romantischen, aber unhygienischen Altstadtviertels ein neuer großer Marktplatz angelegt werden soll. In die Neugestaltung wird auch der Komplex um das alte Bruchsaler Schloß, die Residenz der Fürstbischöfe nach dem dreißigjährigen Kriege, einbezogen.. Doch die Pläne greifen noch weiter. Auf dem Gelände des ehemals weiter nach Westen ausgedehnten Schloßparks sollen ausgedehnte Sportanlagen mit einem Stadion entstehen. Und schließlich wird die Anlage von größeren Siedlungen erstrebt, in denen das Einfamilienhaus vorherrschet soll. Auf dem Papier ist alles fix und fertig, aber leider auch nur hier. Man blickt auf den Bebauungsplan mit Bewunderung und freudiger Anteilnahme und kann nur wünschen, daß diese Pläne, die Bruchsal in einer nicht nur vorteilhaften, sondern auch wirklich schönen Form wieder erstehen lassen wollen, in nicht allzu ferner Zeit verwirklicht werden können. Dann wird die leidgeprüfte Stadt einen hervorragenden Platz in dem Kranz ihrer badischen Schwestern einnehmen. Dr. Gspann Gleichzeitig mit dem Badischen Staatstheater hob sich in der neuerstandenen Seiten Bühne Karlsruhes zum ersten Male 4«r Vorhang. Das „Nene Theater", Seite 6 / Nr. 111 SÜDKUBIER Dienstag. 24. September 194| Blick über die Grenzen New York. Der bisherige Handelsminister der USA, Henry Wallace, erklärte, das Hauptziel müsse sein, den Sowjets jeden Grund zur Furcht, zu Verdacht und Mißtrauen zu nehmen. „Wir sollten uns vergewissern, was die Sowjetunion für ihre eigene Sicherheit für notwendig hält als Voraussetzung für den Frieden und die Zusammenarbeit beim Aufbau einer neuen Weltordnung. Wir sollten, selbst auf die Gefahr hin, daß man uns ein dauerndes Nachgeben nur um des lieben Friedens willen vorwirft, bereit sein, vernünftige sowjetische Sicherheitsgarantien anzuerkennen.“ Moskau. Professor Wachsmann, Mitglied der Nationalakademie der USA und Entdecker des Streptomycin, hielt auf Einladung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in Moskau eine Reihe von Vorlesungen über sein Spezialgebiet, die Erforschung neuer Heilmittel aus Mikroorganismen. New York. Der Generalsekretär der UNO, Trygve Lie, erklärte vor skandinavischen Journalisten, daß sich seiner Ansicht nach die Interessen der kleinen Länder nicht so sehr von denen der anderen Länder unterscheiden. Es wäre auch nichts gewonnen, wenn sich die kleinen Nationen zu einer Art Union kleiner Nationen zusammenschließen würden, im Gegenteil, es würde ihnen eher schaden. „Man darf nicht glauben, daß die Welt am Rande eines Abgrundes steht, lediglich, weil heftige Worte gewechselt worden sind.“ Wenn die Friedensverträge erst geschlossen seien, würden die verschiedenen Organe der Vereinten Nationen eine viel größere Wirksamkeit entfalten. Budapest. Zum erstenmal in der Geschichte des ungarischen Parlaments sprach eine Frau als Berichterstatterm, und zwar anläßlich der Beratung eines Gesetzes über das Frauenstudium. Frankfurt. Angehörige der USA- Besatzungstruppen und Zivilpersonen der USA-Armee in Europa dürfen nunmehr ungarische, rumänische und bulgarische Staatsangehörige heiraten. Stockholm. Auf einer Konferenz des Internationalen Leichtatlethik - Verbandes wurde Deutschland offiziell n i cht aus dem Verband ausgeschlossen, jedoch wurde der Beschluß gefaßt, vorläufig keinen Kontakt mit deutschen und japanischen Leichtatlethen aufzunehmen. Glückliches Luxemburg Klagenfurt. Auf den Kärntner Universitätswochen sind Professoren vieler Nationalitäten vertreten. M ü n ch e n . Mr. Pieter Beer von der Militärregierung sprach vor Studenten in der Technischen Hochschule in München. Er forderte die deutsche Jugend auf, ihre Passivität aufzugeben, gesunde Selbstkritik zu üben und warnte vor dem Trick „halbintellektueller Politiker“, Haß gegen Minderheiten zu säen. Anschließend entwickelte sich eine Debatte, ob das Erlebnis „Krieg“ positiv auszuwerten sei. Mr. Beer, der selbst an der Front gestanden hat, erklärte hierzu: „ Ich erinnere mich nur sehr ungern der aufgedunsenen Leiber deutscher und amerikanischer toter Soldaten. Ich erinnere mich nur sehr ungern, wie das Trommelfeuer begann und wir alle Angst hatten, und ich erinnere mich nur sehr ungern der deutschen Jungen, die in unser Vernichtungsfeuer liefen.“ Man könne diese Dinge ruhig vergessen und dafür lieber wieder an einem guten Buch, einem wertvollen Menschen, einer schönen Landschaft, einem tiefen Werk oder der täglichen Arbeit ein Erlebnis empfinden. Für mich und wohl auch für Euch soll es nur ein Erlebnis, das desFriedens geben.“ Brüssel. Eine internationale Konferenz der naüonalen Ermittlungsbüros fand vom 16. —18. September statt. Es soll eine der UNO untergeordnete internationale Suchzentrale geschaffen werden, die über Staatsangehörige aller Länder Nachforschungen anstellen soll. Die Mosel fließt Dir noch eine ganze schöne Strecke weit zur Seite, wenn Du schon lange die alte Stadt der dunklen „Porta Nigra“ hinter Dir gelassen. Der Blick an der Landesgrenze in das nachbarliche Land hat etwas Verlockendes. Ein Grenzbaum hebt sich langsam hoch, und Du meinst, es wäre nur ein Bahnübergang gewesen, denn drüben geht es weiter durch schmucke, liebliche Dörfer. Wer von Trier her das Luxemburger Land bereist, der lernt es im Wiegen der Landstraße von der sanft gebirgigen Seite kennen. Man kommt wie in einen großen, weiten Park, so, als wäre man nur für einige Zeit von der Mosel fort und wollte nun in Ruhe alles Geschaute noch einmal überdenken. Eine üppig breite Flußlandschaft mit dem ausgesprochenen Charakter des Behaglichverträumten tut sich auf. Ein Stück Rheingau in Kleinformat. Nichts hemmt den Blick, frei schweift er über die vom Ufer zurücktretenden sanft abfallenden Rebberge, über die saftiggrünen Talwiesen, über fruchtstrotzendes Acker- und Gartenland, über reiche Obstplantagen. Und mitten durch diesen Sommersegen zieht gelassen, still mit kaum bewegtem Spiegel die Mosel ihre sonnenglitzemde Bahn. Der erste Kontakt mit Luxemburg ist gewonnen. Vielleicht sollte man, wenn man zum erstenmal in die Stadt Luxemburg kommt, auf der Petrus-Brücke stehen, um jenen Blick als unmittelbaren Eindruck zu empfangen, der all das in sich beschließt, was den Begriff dieser Stadt ausmacht. Auf dieser gigantischen Brücke, zwischen Himmel und Wasser, mag man schon ein wenig von dem undeutbaren Reiz dieser Stadt begreifen, die mit einer Grazie sondergleichen Altes und Neues in sich vereint. Der vielfältigste Reiz ist jeden Augenblick anders und neu, fremdartig und zugleich vertraut; hier findet sich so viel Größe mit Anmut, so viel Emst mit Lieblichkeit verbunden. Das ist keine Stadt, durch die Du einmal gehst, und dann hast Du sie gesehen und sie hat Dir dabei ihre Geschichte gleich erzählt. Dazu ist ihre Geschichte schon zu groß. Diese Stadt will verstanden sein. Der Kranz der steilen Felsenufer, von mächtigen Ecken der alten Bastionen überragt, durch kühne Brücken ins Raumlose gehoben, das alles noch auf allen Seiten von Grün, von Parkanlagen und von dem Flüßchen Alzette umfaßt, so liegt das schöne Luxemburg, so alt es durch die Jahrhunderte einer bewegten Geschichte auch sein mag, dennoch als eine junge, blühende Stadt im Land. Wenn auch verschiedene Gebiete vom Krieg nicht verschont geblieben sind, manches schöne Städtchen beträchtliche Schäden aufzuweisen hat und die meisten Brücken des Landes zerstört wurden, so kann man doch die angenehme Feststellung machen, daß große Wiederaufbauarbeit geleistet wurde und daß das Wirtschaftsleben einen beachtlichen Fortschritt nahm. Der Luxemburger kann schon wieder vieles kaufen, was er zur Befriedigung seiner täglichen Lebensbedürfnisse und zur Aufrechterhaltung seines Vorkriegsstandards benötigt. Bewirtschaftungsmaßnahmen werden zwar noch aufrecht erhalten, sind aber bei weitem nicht mehr so einschneidend wie zur Zeit der deutschen Besetzung. Die Läden sind gefüllt mit Waren, angefangen von dem elegantesten Schuhwerk, schönsten Lederwaren, feinster Wäsche und Stoffe, edelsten Obstsorten, Patisserien, Konserven, Fische u. a. m. Die Restaurants und Cafes sind gut besucht, und Höflichkeit und Gastfreundschaft wirken auf den Gast von 1 besonderer Nachhaltigkeit. Man sitzt wieder in den Cafes, genießt die freundliche Stunde des Nichtstuns und trinkt den „Filtre“ von Vorkriegsqualität. In den Buchhandlungen gibt es eine reichhaltige Literatur; neue französische, englische und amerikanische Romane, Werke deutscher Emigranten, und auf der Lein- I wand der Lichtspielhäuser sieht man Filme aus alliierten Ländern. Die Menschen sehen gut und gepflegt I aus. Die Autos auf den breiten, geräumigen Straßen mäßigen ihre Eile, um die Schönheit ihrer Linien, das Funkeln ihres lackierten Metalls, das heitere Aussehen der Frauen zur Geltung zu bringen; wie überhaupt die Luxemburgerin in ihrer soliden Eleganz dem Bild der Stadt einen unnachahmlichen Akzent gibt Auch Industriegebiete brauchen noch keine Ansammlung von Schloten zu sein, die allem anderen, nicht industriellem Leben feindlich sind. Das Luxemburger Industriegebiet ist zum Beispiel ganz anders. Zwischen Gruben und Bahnen, Schloten und Halden sind immer wieder die freundlichen, grünen, sanftgeschwungenen Hügel; sie trennen, klären und lassen der Natur ihr Recht neben dem schwärzlichen Menschenwerk. Die Werke selbst sind nach einem klugen Plan auf weite Strecken verteilt und geordnet, zwischen den klingenden Namen der Industrieorte: Düdeldingen und Esch zwischen Differdingen und Rödingen liegen immer wieder grüne Hügel und Wiesen, Strecken fruchtbaren Ackerlandes. Die luxemburgische Großindustrie — besonders die Eisen- und Stahlwerke — konnte durch den Mangel an Kohle und Rohstoffen noch nicht zu voller Entfaltung gebracht werden. Man hofft auf Zuteilungen von Ruhrkohle, damit die Industrie bald wieder ihre Vorkriegskapazität erreicht. Ein Symptom für das lebhafte Bemühen, den Außenhandel möglichst schnell wieder in Gang zu setzen, stellt die zwischen Belgien, Holland und Luxemburg abgeschlossene Zollunion dar. Das neue Handelsabkommen zwischen den drei Ländern sieht eine wesentliche Vereinfachung im Handelsverkehr vor. Die beteiligten Regierungen verpflichten sich, Einfuhrgenehmigungen für eine große Anzahl von Erzeugnissen zu erteilen. Zur Förderung der kulturellen Zusammenarbeit ist der Handel mit Büchern, Zeitungen und Zeitschriften völlig frei. Karl Fraund Glück und Reichtum Eine ungarische Volkserzählung Glück und Reichtum saßen am Ende der Welt und stritten darüber, wer es besser verstünde, den Menschen das Leben zu erleichtern. Da lebte am Rande eines Waldes ein Mann, der war §p arm, daß er mit seiner Frau Reisig zu Besen band. „Sieh diese armen Menschen!“ rief der Reichtum aus, „Ich werde dafür sorgen, daß sie nie mehr Besen zu binden brauchen.“ Er trat auf den Mann zu, der mit einigen Pfennigen vom Markt nach Hause trottete, reichte ihm einen Beutel mit tausend Goldstücken und sprach: „Du dauerst mich! Hier, nimm und schaffe dir davon ein besseres Leben.“ Der arme Mann war nun reich, lief geschwind nach Hause, er glaubte, er sei noch halb im Traum, aber das Gold im Beutel klang recht wirklich und lieblich in die Ohren. Daheim angekommen fand er seine Frau nicht zuhause, steckte die Goldstücke in den Kleietopf und lief ins Dorf, um ein gutes Essen einzukaufen. Die Frau aber, die gleich darauf ins Haus trat, nahm den Kleietopf und brachte ihn zum Gutsherrn als Zins, da ihr Mann mit dem Erlös der Besen noch nicht zurück und der Herr ungeduldig war. Als der Mann heimkam — ja, da war kein Kleietopf mehr da. Ihm fielen vor Schreck die Würste und das Brot zur Erde, als seine Frau ihm sagte, wo der Topf geblieben sei. Er lief zum Herrn, aber nicht ein halbes Stück bekam er von dem, sondern wurde mit Gelächter vom Hof gejagt. Am andern Morgen standen Glück und Reichtum am Walde und betrachteten das Ehepaar, das verdrossen seine Besen band. Das Glück lachte, der Reichtum war wütend. „Na, versuche du mal, ob du’s besser verstehst mit diesem Holzkopf!“ rief er. Das Glück lächelte, trat zu dem Mann und reichte ihm eine Kupfermünze: „Hier, du Armer, und viel Glück damit!“ Der Arme bedankte sich, seine Frau knickste. Dann ging der Mann in die Stadt, verkaufte seine Besen und kaufte für den Erlös Mehl, Salz und Eier. Für die Glücksmünze aber kaufte er drei besonders große Nüsse. Auf dem Heimweg traf er drei Kinder, die prügelten sich im Straßenstaub. „Was zankt ihr denn, Kinderchen?“ fragte der Mann. „Seht nur, Herr Oheim,“ riefen sie, „dies glitzernde Ding fanden wir und können es nicht teilen.“ Der Mann, den Streit zu schlichten, gab jedem eine Nuß. „Da habt ihr jeder etwas. Ist das nicht besser als solch ein blinkendes Glas?“ sagte er. Da waren die Kinder wohl zufrieden, drängten dem Mann aber das Glasstückchen auf, um ihm ihren Dank zu zeigen. Der Mann wollte sie nicht mit einer Ablehnung kränken, steckte das Ding in die Tasche. Zuhause angekommen, legte er es auf den Tisch und als es Abend wurde, fing es an zu funkeln und zu strahlen, daß alles hell wurde in der Stube. „Das hast du gut gemacht, Mann,“ sagte die Frau, „Nun brauchen wir nicht mehr so früh zu Bett gehen, sondern könne« auch am dunklen Abend Besen binden.“ Ueber diesem klopfte es an der TO« Ein reisender Kaufmann trat ein. „Kann ich bei euch Feuer für mein* Pfeife haben?“ fragte er. Nirgends im Dorfe war mehr licht außer bei euch." Da fiel sein Blick auf das Glas auf dem Tisch. Er schlug die Hände überm Kopf zusammen. „Was für einen Schatz habt ihr da!“ rief er. „Wollt ihr ihn mir gegen einen Scheffel Silber verkaufen?“ „Ach, Herr, das ist eine kostbare Sach* für uns, nie brauchen wir Oel kaufen, solange wir dies Licht haben.“ Der Kaufmann, der das Glas gleich all kostbaren Diamanten erkannt hatte, ließ nicht ab. „Nun, drei Scheffel Silber biet« ich dir.“ „Für fünf Scheffel kannst du ihn haben, Herr,“ sagte darauf der arme Mann. Gleich holte er sie vom Wagen und schüttete sie dem Mann in die Truhe. Eine kleine Zeit später standen Glück und Reichtum vor einem Gutshof, auf dem ein reicher Herr Knechte und Mägde regierte. „Kennst du diesen Herrn?“ fragte das Glück den Reichtum. Der schüttelte den Kopf. „Du sollst ihn aber kennen. Es ist der Mann, der mit tausend Goldstücken arm blieb und den ein Kupferstück reich machte.“ Da schämte sich der Reichtum seiner Machtlosigkeit und sagte: „Wahr, wahr! Wenig tauge ich, wenn das Glück nicht bet mir ist!“ P. Karz. Das Experiment Ungarn *-Ji Jbschem; Telefon: Die Einführung der Guldenwährung, Forint genannt, hat im ungarischen Alltag vorerst einen radikalen Szenenwechsel zur Folge gehabt, der insbesondere in den Städten festzustellen ist. An die Stelle der Geldschwemme, die bei Trillionen-Bank- noten endetet, ist plötzlich die Deflation getreten. Bauern, Handwerker und Kaufleute brachten der neuen Währung Vertrauen entgegen. Es gibt wieder mehr Waren, vor allem auch die zustehenden Lebensmittelrationen. Die Suppenküchen in Budapest und in anderen Städten sind nicht so überlaufen, da auf den Märkten Bauern der Umgebung erscheinen und ihre Produkte feilbieten. Die Position des Käufers ist eine bessere geworden. Umfangreiche Warenlager, die offizielle Stellen in den letzten Monaten der Inflation angesammelt hatten, wurden nun zur teilweisen Deckung des Bedarfs herangezogen. Die Budapester Zeitungen brachten auch erstmalig wieder Inserate, in denen Waren bei entsprechender Sicherstellung gegen Ratenzahlungen angeboten wurden. In den Pfandleihanstalten hat der Kundenverkehr eine wesentliche Steigerung erfahren. Es ist wohl nur natürlich, daß diese neue Umstellung auch Schwierigkeiten zur Folge hatte. Ministerpräsident Nagy hatte schon vor 'Wochen in einer Rede in Fünfkirchen darauf hingewiesen, daß der Uebergang zur neuen Währung nicht bloß Vorteile, sondern auch neue Opfer mit sich bringen werde. Er ließ es dabei nicht an kritischen Bemerkungen über die Entwicklung des künftigen Lebensstandards fehlen. Der aufgestellte Stabilisierungsplan sieht infolge der wirtschaftlichen Lage für Ungarn einen Lebensstandard vor, der um 50 % unter dem Niveau von 1938 liegt. Die neuen Arbeitslöhne betragen bei Hilfsarbeitern etwa 0,80 und bei hochqualifizierten Facharbeitern bis zu 1,90 Forint je Stunde. Auch die Gehälter sind höher als ursprünglich geplant. In der Privatwirtschaft werden Monatsgehälter von 100 bis 650 Forint gezahlt; im Staatsdienst wurden sie sogar auf 120 bis maximal 1350 Forint erhöht, was Kritik ausgelöst hat. Es sind aber auch wesentliche Preiserhöhungen festzustellen, insbesondere für Leistungen staatlicher und kommunaler Institutionen. So kostet ein* Eisenbahnfahrt von Budapest bis zur Grenze gegen Wien über 100 Gulden. Auf dem eingeführten „Freien Markt“ sollen Lebensmittel mit einem Preisaufschlag von 50—60% abgegeben werden. Zugleich aber wurde die Ablieferungspflicht für die Bauern verschärft, lediglich die Mehrproduktion soll frei gehandelt werden. Da berüchtigte Schwarze Markt spielt dabei immer noch eine nicht unerhebliche Rolle. Durch die hohen Preise hoffen die staatlichen und städtischen Unternehmungen ihr laufendes Defizit decken zu können, das ansonsten noch vom Steuerzahler aufgebracht werden müßte. Es geht auch nicht mehr wie früher, einfach die Notenpresse in Bewegung zu setzen. Im Staatshaushalt sollen Ausgaben und Einnahmen mehr als bisher aufeinander abgestimmt werden. Außer Einsparungen sachlicha Art wird auch der seit Kriegsende aufgeblähte Verwaltungsapparat einen Abbau erfahren. Vorsichtshalber werden die Banknoten nur etappenweise herausgebracht und der Banknotenumlauf soll sich maximal auf 240 MHL Forint belaufen, denen eine Deckung durch den Goldschatz da Ungarischen Nationalbank im Werte von 32 Mill. Dollar gegenübersteht. In der Versorgung werden gewisse Erleichterungen erwartet. Die Ernte ist zufriedenstellend ausgefallen, doch bleibt noch offen, welche Ablieferungsquoten seitens Rußlands gestellt werden. Für den Wiederaufbau der Wirtschaft werden .verschiedene Pläne diskutiert. Es wird dabei die Rückgabe des in Oesterreich und Deutschland befindlichen ungarischen Eigentums, es soll sich um Schiffe, industrielle Anlagen, rollendes Material und Maschinen handeln, als unerläßliche Voraussetzung für den neuen Start bezeichnet. Nach ungarischen Schätzungen soll sich der Wert dieses Materials auf drei Milliarden Dollar (!) belaufen. In Budapester Wirtschaftskreisen ist man sich aber durchaus darüber einig, daß ein Wiederaufbau der Industrie selbst bei herabgesetzten Reparationsforderungen ohne die aktive Mithilfe des Auslands nicht möglich sein wird und denkt dabei an ausgiebige Dollar- und Pfundkredite RS. B e r 1 pale Be xunehm wird ei wachser noch nie fehlt. B Art De will. E Hauptst Ostzone ermöglic Kraft v mächtig neuen f Wenn : Hauptst entschei Gefahr verflüeh .yragme: Diese mit de Zeitung führ lieh Zusamn klärung absichtij gegen \ Die n |;*d»eint Nfirnbei 1. Okto! 2. 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Mäbdjen für Sebienung u. 3intntcrmäli= (ben 3ttm alsbalb. Eintritt gef. Berner* bumgen mit 3 e ugntsabfdjt. u. 2id)tbilb an §oteI*Bentton ..Ddjfen“ Baben- »eilet 2. STE LLEN-GESUCHE Konbitot, Meisterprüfung, fudjt fefbft. BEirfungsfteis, audj in ffotel, Beitau! raut eit. 3ufdjr. n. 50 597 Süb! RBg. Mann, 48 3., juoerl., [ud)t Stelle als 2ageriB. 3 a 'du. u. 67 324 Süblunet KonBaitj. $ansbiener m. gübtetidtetn u. guten Umgangsformen, iudjt Sielle in fjotel ob. ©aBBätte, ntög! in Konftanj. 3 U = febriften u. 50 442 Sübfuriet Konftanj. Sefretärin (g-rentbfptadjenforreiponbentin (fran3. n. eng!) iud)t paif. SSirtnngs* freis. 3u!(br. n. 6137 Sübf. Konftanj. fjansbälterin aüufdjt Unterluntt bei aHeinBebenbem fjeirn 3ur Betreuung. 3uf WERKZEUGE KotBrom-BggRgite, 2 fBa, Breftlaftbäm. mer für ben Siubebarf oerf. SSilb- Sriekricbs, Scftalfsmüble, i. SB, Buf 337. 2 Scbrotfteiie mit Scbmirgelauflageptat ten 1200 Euthm., neu»., nur im T»uf(b abgugeben gegen nem. ©eiretbe Spift* u SfbälnwcfCfiine 3uf(br. unter 6063 Sübfurior Konftanj. SiditpttissBppant mit Ropieriampe, ,forma: 1000X1500 mm, gegen Komp, gef. 3ufiiij} Sailen t (12 ?ßerte 5,&; bes gl. fBieberairfbas (3 SB.) SiSR. 2.75; besgl. Sobenreform (2 SB.) 5J3R. 0.75; besgl. S&bemejotm auf Pergaminpapier 9t9J? 0.50 ^Sarto. <£. Spalter. ft9) Sl'tfrersle&en SBil^elmspla^ 9. VERMISCHTES 3ngetrienrgefellfdjaft, Entmidlung unb Beitrieb, über 20 3. auf bem Spejial* gebiet bei BjmbfunfetnjelterlinbuBiie tätig, fueftt Betbinbung, ent! Seteilt* gung, mit fletnerem eteftroteebn,, fei»* meibanrfcben Betrieb, jmeds Bufban. 3uWr u. 6078 Sübfur. Koitttanj. Stogerien Jjrifenre u äbnl. ©efdjäfie fönnen laufenb mit guten Ufa re n be* liefert »erben. 3uf