£ 0 FOVDSHeüeStt SUDKURIER 2. JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODENSEE. SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 126 Erscheint vorerst Dienstag und Freitag Adresse: Konstanz, Rosgartenstr. 12 f ftW fiT A N 7 r D r TT A P tr \T A r A/T D r D I a : / Einzelpreis 20 Pfg Abonnement bei der Post 1,74 M.. durch Träger 1,60 M. Telefon: Redaktion, Verlag u. Anzeigenabtlg. Nr. 924 , 925 . 1130 : Vertrieb Nr. «62 NUilol r flü/l 1 Air ID. it U V £, iVl D t n 1“'»° Anzeigenannahme durch alle Geschäftsstellen und Agenturen des Südkurier Berline r Spiegel Telegramm unseres Berliner A.G.-Korrespondenten Berlin. Der Umfang der bevorstehenden Wandlung des Berliner politischen Lebens ist erkennbar aus der Ankündigung, daß die Ausschüsse für die Opfer des Faschismus verschwinden sollen. Bisher waren diese Ausschüsse zwar dem Sozialamt des Berliner Magistrats unterstellt, hatten sich aber in der Praxis zu selbständigen Organisationen entwickelt. Sie besaßen in jedem der 20 Bezirke Berlins große eigene Büros mit bis zu 20 Angestellten. Die Ausgaben zu Lasten des Berliner Magistrats hatten einen erheblichen Umfang angenommen. Die SPD und CDU haben nunmehr Sonderdezernate beim Magistrat vereinbart mit ausgesprochenen Fürsorgeaufgaben unter Fortfall sämtlicher unkontrollierten Stellen. Ein gleichzeitig damit geplantes Verbot der Aktenverschleppung oder Akten- vemichtung eröffnet Ausblicke auf kommende Untersuchungen. Zetilich fällt damit die Bekanntgabe des Berichtes von General Clay mit den russischen Reparationen zusammen. Er enthält u. a. folgende Punkte: 1. Demontage von Fabriken und Maschinen: 2. Ueber- nahme von 70—80 Prozent der verbleibenden Produktion in der Ostzone; 3. Beteiligung russischer Staatsbetriebe an deutschen Unternehmen. Im Zusammenhang mit der Politik der Besatzungsmächte hat die Besetzung und Kontrolle der Berliner Borsigwerke im französischen Sektor viel Aufsehen erregt. Allerdings hat die schnelle Aufklärung beruhigend gewirkt, daß der Anlaß dazu die vorgeschriebene Kontrolle früherer Rüstungswerke bildet, die ohne Nachteil für Belegschaft oder Friedensproduktion vonstatten geht. Nach den französischen Wahlen Möglichkeiten und Aussichten der Regierungsbildung Paris. Die neue französische Nationalversammlung wird zum ersten Maie am 28. Nov. zusanunentreten. Wahrscheinlich wird unmittelbar darauf die gegenwärtige Regierung zurücktreten. Ob dann ein neuer Ministerpräsident gewählt wird, der mit der Regierungsbildung beauftragt werden würde, oder ob Bidault die Regierungsgeschäfte bis Mitte Januar weiterführen wird, hängt von der Entscheidung der Nationalversammlung ab. Im Januar tritt die neue Verfassung mit der Bildung einer Zweiten Kammer und der Wahl de s Präsidenten der Republik in Kräh. Die Frage, wer Präsident der Republik werden wird, ist im Augenblick nicht akut Genannt werden Herriot, de Gaulle, Vincent Auriol, sowie Gay. Die Kommunisten, die als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen sind, propagieren die Idee einer großen demokratisch-republikanischen Koalition, die von den Kommunisten über die Sozialisten bis zu den Radikalsoziälisten reiche und sozusagen ein Wiederaufleben der Volksfront vom Jahre 1936 bedeuten würde. Die MRP. erklärt, die republikanische Volksbewegung, als zweitstärkste Partei, sei die wirkliche Achse der vierten Republik. Es sei unmöglich, etwa ohne sie eine stabile Regierung zu bilden. Man dürfe nicht übersehen, daß es jetzt nach den Wahlen in der Kammer keine marxistische Mehrheit gebe. Paris. Das politische Bureau der kommunistischen Partei hat heute vormittag eine Sitzung abgehalten und den Beschluß gefaßt, den Posten des Ministerpräsidenten für ein Mitglied der Rartei zu fordern. I Im Vordergrund jeder Weltbetrachtung- Ausführungen Churchills über Deutschland London. Der Führer der Opposition äm Unterhaus, Winston Churchill, hielt während der Debatte über die Thronrede eine Rede, in der er auch auf das deutsche Problem einging. „Im Vordergrund jeder Weltbetrachtung“, sagte er. „stehtDeutschland, eine besiegte, nicht aber entkräftete und zerschlagene Nation. 70 bis 80 Millionen Männer und Frauen einer alten, fähigen und außerordentlich tüchtigen Rasse leben im Herzen Europas in Trümmern und leiden Hunger. Dies stellt uns vor Probleme, die von den Siegern bis jetzt nicht gelöst werden konnten. Wir und die Amerikaner verwalten unsere Zonen mit übermäßigen und für uns fast untragbaren Kosten, wobei die Deutschen gleichzeitig _ immer unzufriedener werden. Und doch sind wir uns alle darüber einig, daß der richtige Weg wäre, die Deutschen ihr Leben verdienen und sie ihre eigenen Angelegenheiten so bald als möglich selbst erledigen zu lassen, sowie ihnen jede mögliche Hilfe zu geben, wobei natürlich alle Formen einer Wiederaufrüstung zu verhindern wären. Es ist dringlich, mit dem deutschen Volke oder mit jenem Teil des Volkes, der in unserem Verantwortungsbereich liegt, Frieden zu schließen. Der Rache und der Vergeltung muß ein Ende gesetzt werden. Man sagt. Deutschland müsse bestraft werden. Ich frage sie aber: Wann hat die Bestrafung begonnen? Es scheint, daß sie schon seit langem im Gange ist. Sie nahm ihren Anfang im Jahre 1943 und dauerte durch die Jahre 1944 und 1945 mit den schrecklichen Luftbombardierungen deutscher Städte fort, zu einer Zeit, als der deutschen Rasse und Nation durch das Naziregime die letzten Kräfte genommen wurden. Die Nürnberger Prozesse sind vorüber, und die schuldigen Führer des Naziregimes sind von den Eroberern gehängt worden. Es wird gesagt, Tausaide müßten noch abgeurteilt werden, und zahlreiche Deutsche sind wegen ihrer Beziehungen zum Naziregime als potentielle Schuldige klassiert worden. Es sollte jedoch stets auch auf das einfache Volk Rücksicht genommen werden. Wenn das gewöhnliche Volk hin- und hergeworfen wird, und wenn die grausamen Hände von Tyrannen und Diktator«! nach ihm .greifen, wenn ruchlose Organisationssysteme mit Hilfe von Spionage und anderen grausamen Mitteln auferlegt werden, dann gibt es eben eine große Zahl von Menschen, die erliegen müssen. Ich danke Gott, daß wir in unserer Heimat nicht der Prüfung unterworfen wurden, die so viele Völker Europas durchmachen mußten.“ Thronrede in London London. Anläßlich der Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode des Parlaments hielt König Georg VI. die traditionelle Thronrede, von der wir folgende, besonders bemerkenswerte Stellen wiedergeben: Der König erklärte, er hoffe, daß in naher Zukunft von Großbritannien ein Vertrag mit Oesterreich geschlossen wird, der es ermöglicht, alle Besatzungstruppen aus diesem Lande abzuziehen. An einer anderen Stelle der Thronrede bemerkte der König: „Meine Minister werden binnen kurzem mit den Vertretern der Vereinigten Staaten, der UdSSR und Frankreich Zusammentreffen, um die Frage der Zukunft Deutschlands zu prüfen mit dem Ziel, in Deutschland Verhältnisse zu schaffen, durch welche die Entwicklung einer echten Demokratie ermöglicht, die Welt vor einem neuen Versuch Deutschlands, die Herrschaft an sich zu reißen, geschützt und von meinem Volk die finanzielle Belastung genommen wird, die es auf Grund der Besetzung zu tragen hat. Zur Ernährungslage Französische Bemühungen um Einfuhr — Herabsetzung der Brotration Sofort nachdem es möglich war, die Hilfsquellen der Zone an Lebensmitteln zu veranschlagen, sind von der französischen Besatzungsbehörde die sich aus den Veranschlagungen ergebenden Einfuhranträge gestellt worden, um die für die Zivilbevölkerung vorgesehenen Rationen auf das in Berlin durch ein gemeinsames Abkommen der verschiedenen alliierten Besatzungsbehörden festgesetzte Niveau bringen zu können. Die den zuständigen Stellen der verschiedenen Exportländer eingereichten Einfuhranträge haben bis jetzt, besonders was das Getreide betrifft, nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Um zu ermöglichen, daß für alle Verbraucher eine Ration festgesetzt wird, die auch tatsächlich zugewiesen werden kann, sieht sich der General Commandant en Chef frangais in Deutschland gezwungen, die tägliche Brotration ab 15. November yon 300 auf 200 Gramm herabzusetzen. Es werden gegenwärtig Maßnahmen geprüft, um an die Bevölkerung zusätzliche Nahrungsmittel zu verteilen, doch dürfte kaum vor dem 1. Dezember mit einem praktischen Ergebnis zu rechnen sein. Insbesondere ist die Verteilung von Zucker, Hülsenfrüchten, Fisch und Teigwaren vorgesehen. Es wird bei dieser Gelegenheit daran erinnert, daß • seit dem 1. Oktober der deutsche Emährungsausschuß für die Auflage, Sammlung und Verteilung der Lebensmittel für die deutsche Bevölkerung verantwortlich ist. Die französisch«! Behörden geben sich die größte Mühe, die unzureichende Produktion nach Möglichkeit auszugleichen. Um diesen Bemühungen aber zu voller Wirksamkeit zu verhelfen, ist es unbedingt erforderlich, daß die Erzeuger alle Lebensmittel in vollem Umfang der für sie festgesetzten Auflage abliefern. Le General d’arm^e K o e n i g Comonan- dant «i Chef tr angais en Allemagne." Das Wahlergebnis Paris. Nach den französischen Wahlen vom 10. November ergibt sich im Vergleich zu den Wahlen vom 2. Juni folgendes Bild: 10. Nov. 2. Juni Gewinn Verlust Kommunisten 186 1« + 38 Sozialist«! 104 120 — 16 MRP 163 160 + 3 Vereinigung der republik. Linken (Rad.-Soz.) 63 41 + 22 Gemäßigte (PJLL., Gaullistische Union 87 68 + 18 Algerien 12 11 + 1 Politisch erscheinen die Kommunisten, wie die „Neue Züricher Zeitung'* schreibt, als die Sieger, da sie die bisher stärkste Partei, den MRP, überflügeln und zur stärksten Partei aufrücken konnten. Sie haben ihren Gewinn aber ganz auf Kosten der benachbarten Sozialistischen Partei erlangt, so daß die Linke insgesamt geschwächt aus dem Wahlkampf hervorgeht. Verloren hat ferner die Mittelpartei des MRP, weil sie von den neuen Mandaten nur 3 gewinnen konnte. Dagegen gewinnen die Radikal-Sozialisten einen Teil der von den Sozialisten verlorenen Sitze, und die Rechtsparteien ziehen Vorteil aus der Schwächung des MRP. Insgesamt könnte man das Ergebnis also als Ausdruck der Verschärfung der Gegensätze bezeichnen, da die äußerste Linke und die äußerste Rechte auf Kosten der Mittelparteien, der Sozialisten und des MRP gewinnen. Das politische Problem, das sich aus der Kräfteverteilung unter den Parteien ergibt, wird sich in seiner vollen Schärfe Stellen, wenn die Regierung Frankreichs neu gebildet werden muß. Eines steht fest: Die eingestandene Hoffnung der Kommunisten, zusammen mit den Sozialisten unter Ausschluß aller anderen Kräfte eine Koalitionsregierung bilden zu können, ist nicht in Erfüllung gegangen. Mit zusammen 290 Sitzen stehen sie einer schwachen Mehrheit der Mitte und der Rechten mit 313 Sitzen gegenüber. Die 12 algerischen Abgeordneten können zudem nicht mehr, wie das in der Konstituante möglich war. durch ihre Stimme den Ausschlag nach rechts oder links geben.. Paris. Die Regierung Bidault hat beschlossen, ihren Rücktritt zu erklären, sobald die Nationalversammlung am 28. November Zusammentritt Der Beschluß erfolgte in der Kabinettssitzung am Donnerstag. Die Regierung Bidault folgt damit dem Beispiel der Regierung Felix Gouin, die nach den Wahlen vom 2. Juni zurücktrat Wahlen zum „Rat der Republik“ Paris. Die Wahlen für die französische Nationalversammlung sind kaum vorüber, und schon hat die Kampagne für einen neuen Wahlgang eingesetzt, der in ganz Frankreich am Sonntag, den 24. November, stattfindet und bei dem das französische Volk seine Delegierten ernennen wird, die dann am 8. Dezember die eigentliche Wahl der 2. Kammer, des sogenannten „Rats der Republik“, vornehmen werden. Diese 2. Kammer, die nach der neuen Verfassung gemeinsam mit der am letzten Sonntag gewählten Nationalversammlung das französische Parlament bildet ist kein Senat und kein Oberhaus im früheren Sinne, sondern eine im wesentlichen überprüfende, Beratende Körperschaft die der Nationalversammlung nicht über-, sondern beigeordnet ist. Der Rat der Republik überprüft die ihm vo$ der Nationalversammlung zugeleiteten Gesetzentwürfe. Die Gemeindewahlen in Italien Rom. Zwei Tatsachen kennzeichnen die Ergebnisse der am vergangenen Sonntag in Rom, Neapel, Florenz. Genua, Turin und Palermo durchgeführten Gemeindewahlen, meldet der 'Korrespondent der Schweizer „Tat“: JMMUgroße Terraingewinn der Kommunisten und der gänzlich unerwartete Vorstoß von Gianninis „Uomo qualunque“ Will man die Resultate in Verhältniszahlen ausdrücken, so ergibt sich das folgende Bild: Kommunisten 5. Christlich- Demokraten und Sozialisten je 3, Uomo qualunque 2. In weitem Abstand folgen Republikaner, Liberale und Monarchisten. Gegenüber den Wahlen vom 2. Juni d. Js. ist die Umgruppierung eklatant. Abrüstung unter Führung der UNO? Amerikanischer und russischer Standpunkt nähert sich New York. Der britische Außenminister Bevin erklärte vor Pressevertretern in New York: Ich habe bisher über die Abrüstung keine großen Worte gemacht, mein Stillschweigen darf nicht mißverstanden werden. Es hat seinen Grund darin, weil ich wünsche, daß vorher praktische und verwendungsfähige Grundsätze ausgearbeitet werden müssen. Die Aufgabe der UNO umriß Bovin mit den Worten: „Wenn die UNO ihren Zweck erfüllen soll, muß sie tatsächlich in der Lage sein, jeden Menschen in jedem Staat nachdrücklicher vor Angriffen und Kriegen zu schützen, als dies durch die Regierung seines Landes geschehen kann. Bevin schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß man zunächst eine entsprechende Atmosphäre des Vertrauen« schaffen müsse, damit die verschiedenen politischen Auffassungen, die es in der Welt gibt, harmonisch Zusammenarbeiten können. Der ebenfalls anwesende amerikanische Außenminister Byrnes erklärte, die Presse würde einen großen Fehler begehen, wenn sie den letzten Wahlen in den USA die Bedeutung gäbe, daß sich in ihnen der Wunsch eines Teiles des amerikanischen Volkes für eine Aenderung der amerikanischen Außenpolitik widerspiegele. • New York. Der sowjetische Außenminister Molotow beantwortete bei einem Empfang des Verbandes der Auslandspresse die Ausführungen des britischen Außenministers Bevin über die Frage der Abrüstung und erklärte: „Da die amerikanische Delegation dem sowjetischen Abrüstungsvorschlag bereits entgegengekommen sei, so sei die sowjetische Delegation ihrerseits bereit, den Vorschlägen der amerikanischen Delegation näherzutreten. Molotow sagte, man könne bereits erkennen, daß die Vorschläge der Sowjetunion und der USA auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden könnten. Alle sollten an der Durchführung dieser großen Aufgabe mltarbeiten. Molotow erklärte weiter, kein einziges Land werde die Durchführung einer solchen Maßnahme umgehen können, ebenso werde auch kein Land eine privilegierte Stellung einnehmen. „Nachdem wir den Krieg gewonnen haben", schloß Molotow, „können wir non nur Abrüstung in unseren Ländern übergehen. Dies wird das Rüstungswettrennen, das jetzt begonnen hat, beenden. Wir müssen die allgemeine Herabsetzung der Rüstungen nach einem einzigen Plan und unter direkter Führung der Vereinten Nationen vornehmen." Die Außenministerkonferenz New York. Der Konferenz der vier Außenminister ist es am Dienstag gelungen, in bezug auf das Triester Problem aus der Sackgasse herauszukommen. Nach einer langen Diskussion über eine Note der italienischen Regierung beschlossen die Außenminister: 1. Die Grundlagen der in Paris getroffenen Entscheidungen bezüglich der Grenzen und des Grundsätze« des frei«! Gebiets beizubehalten. 2. Jedes zwischen Rom und Belgrad auf Grund direkter Verhandlungen abgeschlossene Abkommen wohlwollend aufzunehmen unter der Bedingung, daß dieses Abkommen nicht gegen die in Paris abgeschlossenen Abkommen verstößt Die Diskussion war durch die nachgiebige Haltung Molotow* gekennzeichnet, der sich damit einverstanden erklärte, die von der Viererkonferenz in Paris gefaßten Beschlüsse beizubehalten, die von der Sowjetdelegation noch nicht bestätigt waren. Der französische Abgeordnete Couve de Mur- ville wies abschließend darauf hin, daß die Verhandlungen zwischen Italien und Jugoslawien einen neuen Faktor darsteüen. Falls es diesen beiden Ländern gelinge, eine Uebereinstimmung zu erzielen, so würde dies das beste für Europa sein. Die deutsche Frage Paris. E« ist eine irrige Auffassung, anzunehmen, daß die französische Regierung dem stellvertretenden Außenminister Couve de Murville nach New York Instruktionen hat zugehen lassen, mit der Anweisung, beim Außenministerrat die Vertagung einer eingehenden Behandlung der deutschen Frage bis zum Januar zu beantragen. Tatsache ist, daß der französische Delegierte bei seiner Abreise nach New York bereits im Besitze von Instruktionen war, die darauf abzielten, daß das deutsche Problem am 20. November lediglich vom Gesichtspunkt der Geschäftsordnung aus behandelt, der Kern des Problem« jedoch erst später aufgegriffen werden soll. Vom französischen Standpunkt ans ist es übrigens ganz klar, daß die deutsche Frage erst dann grundlegend erörtert werden kann, wenn die innerpolitiscben Verhältnisse die französische Regierung in die Lage versetzt haben wird, des Vollgewicht ihrer legalen Autorität bei der Debatte in die Waagschale werfen zu können. Die Weimarer Republik V o n F r i e d r i cfa M u n d i n g Die Weimarer Republik wird durch dip Legende immer mehr zu einer romantischen Episode der deutschen Geschichte. Nicht" ganz zu Unrecht. Als zum erstenmal die feierlichen Farben schwarz-rot-gold aufgezogen wurden, schien ein alter deutscher Traum in Erfüllung gegangen zu sein, der Traum von einem demokratischen Deutschland der staatsbürgerlichen Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit Nicht« lag denen, die klopfenden Herzens an der Wiege der' Weimarer Republik standen, ferner als der Imperialismus. Dazu brauchte es keiner Beteuerungen. Es verstand sich einfach von selbst. Es war kein Zufall, daß gerade Weimar die Taufstätte wurde, und ebensowenig, daß die alten süddeutschen Farben in die neue Reichsflagge kamen, nachdem soeben das preußisch-deutsche Kaisertum rühmlos untergegangen war. Es waren für uns im Jahr 1919 große und schöne Tage, als noch einmal der idealistische Geist aufflammte, der seine stärkste Wurzel immer im Weltbürgertum hatte. Man konnte damals von den Tribünen starke Worte wag«! von Freiheit und Menschenwürde und sie fanden gleichgestimmte Seelen. Auch über die Grenzen streckte man nicht vergeblich die Hände aus. Ein Arbeiter und vorbildlicher Staatsbürger, Friedrich Ebert, konnte zum Reichspräsidenten gewählt und eine freiheitliche Verfassung in Kraft gesetzt werden. Eine neue Zeit schien angebrochen zu sein. Aber behutsam und hartnäckig begann die Reaktion ihr Werk. Es mußte schon um die Reichsfarben gehandelt werden. Aus angeblicher Zweckmäßigkeit blieb die Handelsflagge schwarz-weiß-rot und es gab wieder eine Reichs-Kriegsflagge: sie war natürlich auch schwarz-weiß-rot Ein Eckchen, die Gösch, wurde den Reichsfarben zugebilligt Bald wurden sie für würdelose Spaßmacher zu „schwarz-rot-mostrich". Immer kühner erhob die Reaktion ihr Haupt Bald wurden wieder Generäle zu politisch entscheidenden Faktoren und eine Armee von Pensionären war am Werk nachzuweisen, daß der Krieg 1914—18 gar nicht verloren worden. war. Ludendorff vergaß sogar sein eignes Telegramm über den Frieden um jeden Preis. Hugenberg baute einen riesigen Zeitungskonzern auf, der nur von Fälschung der Geschichte und von unverantwortlicher Kritik lebte. Man schämte sich nicht, die demokratischen Freiheiten zn benützen, um sie zu gelegener Zeit zu vernichten. Die ostelbischen Junker waren quicklebendig trotz ihren andauernden „Unterschüssen" und drohten gegen das „rote Berlin" und den ganzen „demokratischen Schwindel" zu marschieren. Ein Freiherr von Brandenstein prügelte seine Landarbeiter wieder persönlich, was ihn 150 Jahre früher, unter Friedrich dem Großen, für ein paar Jahre inS Gefängnis gebracht haben würde. Das war ihre Republik! Die prekäre wirtschaftliche Situation schien der Großindustrie der rechte Augenblick, ihre alte Rechnung mit den Gewerkschaften abzumachen. Die blau-weiße Reaktion Bayerns -war natürlich auch dabei, w«in es gegen eine freiheitliche und demokratische Einrichtung ging. Der letzte Versuch, die in die Verteidigung gedrängte Republik zu retten, war das „Reichsbanner Schwarz-rot-gold". Er mißlang. Das Bürgertum war zu fern, um geschlossen mitzumarschieren und die Arbeiterschaft wurde verhängnisvoll in zwei Lager gespalten. Die Begeisterung war längst verflogen, der Geist jenes neuen Deutschland« gebrochen, triumphierend erteob die Reaktion jetzt ihr Haupt Noch galt das Gesetz, die Verfassung. Aber was gilt ein Gesetz, wenn seine Hüter nichts von seinem Geist in sich haben? Immerhin bedurfte es noch einer besonderen Sorte Politiker, um diese letzte Hemmung zu überwinden. Sie wurde in München großgezogen und präsentierte sich zum Zweck der deutschen Ehrenrettung mit Hundspeitsche und Revolverschießen in einem Bierkeller. Das war das Signal des Anfangs vom Ende der deutschen Republik von Weimar, die mit dem tausendsten Teil des Einsatzes, der ehrlosem Abenteurertum zur Verfügung gestellt wurde, den Weg zn Wohlfahrt und Freiheit gefunden hätte. Es ist einiges aus der Geschichte der Weimarer Republik zu lernen. Demokratie, d. L Herrschaft des Volkes, läßt 6fch nicht dekretieren. Der Staatsbürger muß in die Rechte und Pflichten des Staatswesens hineinwachsen. Es ist nicht so, daß die Weimarer Republik au« Mangel an Ideen oder Persönlichkeit«! keinen Bestand hatte. Die verhängnisvolle Wirtschaftskrisis wäre mit einer großen Anstrengung des ganzen Volkes zu überwinden gewesen, wenigstens ihr kritisches Stadium. Pläne hiefür lagen in den Schreibtischen der republikanischen Minister, vor allem ein riesiges Siedlungsprogramm für den menschenarmen Osten. 600 000 Menschen sollten angesiedelt werden, e s hätte Brot und Arbeit für Millionen gegeben. Aber Herrr von Hindenburg war dagegen. Es war den Junkern „bolschewistisch”. Sie wollten keine deutschen Menschen in ihren Bezirken. Sie spielten ein ge- Beite 3 / Nr. 126 SÜDKURIER FTeitag, 15. November 1946 wagte s Spiel. Ihr Deutschtum war immer skrupelloser Egoismus. Ihnen verwandt waren die Industrieherren im Westen. Ihre stupide Gewerkschaftsfeindlichkeit machte eie aus kalten Rechnern zu Abenteurern. Sie ernteten, was sie säten. Wir hatten in der Weimarer Republik eine genügende Anzahl Staatsmänner, die Bich durch Charakter und Fähigkeiten auszeichneten. Ebert, Severing, Koch-Weser, Brüning, selbst Streeemänn, der zeitlebens auf zwei Pferden reiten mußte. Hätte das Volk sie stärker gestützt, es stünde heute anders um uns. Es lag also nicht an der Staatsform der Republik, soadem an mangelnden Verständnis für Rechte und Pflichten des demokratischen Staatsbürgers, am mangelnden demokratischen Geist, daß da» Weimarer Experiment nicht gelang. Man wind künftighin vor allem auf die in der Maske von Demokraten auftretenden Totengräber aller demokratischen Rechte und Freiheiten zu achten haben. Welche verhängnisvolle Bedeutung diese „legale” Unterminienmg zur Folge haben kann, haben wir kennen gelernt Auch die neue Verfassung muß dagegen ihre Sicherungen haben. Demontage im Senftenberger Braunkohlenrevier Abbau der Zuckerraffinerie Tangerm finde beendet Berlin. Eine Abordnung von Bergarbeitern und Vertretern der treuhänderischen Grubenverwaltungen aus dem Lausitzer Braunkohlenrevier ist in den letzten Tagen nach Berlin gekommen, um mit den zuständigen Besatzungsbehörden über eine Milderung der Demontagemaßnahmen zu sprechen, die in einer Reihe von Lausitzer Kohlengruben vor etwa eirjer Woche begonnen haben. Der Gewerkschaftsbund und die politischen Parteien der Sowjetzone unterstützen die Eingabe der Graben- und Bergarbeitervertretung an die sowjetische Militärverwaltung, der auch eine Bittschrift der Lausitzer Bergarbeiter zugeleitet wurde. Das Lausitzer Kohlenrevier mit Senften- berg als Hauptort ist gegenwärtig neben dem mitteldeutschen Braunkohlenrevier um Bitterfeld und Leipzig der wichtigste Kohlenlieferant der Sowjetzone. • Tangermünde. Die Demontage der größten Raffinerie Europas, der Zuckerraffinerie Tangermünde, ist jetzt nach fast siebenmonaüger Arbeit beendet. Die modernen Apparaturen und Maschinen wurden unter Leitung eines russischen Spezialkommandos in Kähne verladen und auf dem Wasserwege ab transportiert. Weitere Reparationsleistungen Berlin. Insgesamt 25 000 Werkzeugmaschinen und andere Fabrikeinrichtungen wurden, wie der Leiter der Wirtschaftsabteilung der amerikanischen Militärregierung für Deutschland, General William H. Draper bekanntgab, vom Wirtschaftsdirektorium des Alliierten Kon- trollrats zu Reparationszwecken bereitgestellt. — Der Wert der Maschinen und Geräte beträgt 58 Millionen Mark. Die Anlagen werden aus den drei westlichen Zonen entnommen. 75°/# davon sollen durch die alliierte Reparationskommission in Brüssel unter 18 westliche Alliierte verteilt werden, während der Rest entsprechend dem Potsdamer Abkommen für die Sowjetunion und'Polen bestimmt ist. Brot für britische Zone London. Die britischen Heeresbehörden gaben bekannt, daß sie 2 000 Tonnen amerikanischer Brotreserven für die deutsche Zivilbevölkerung in der britischen Zone freigegeben haben. Außerdem verabreichen sie 120 000 Arbeitern und Angestellten je eine Mahlzeit täglich, um sie arbeitsfähig zu erhalten. Die amerikanischen Behörden haben Weisung erteilt, zwei Schiffe mit Getreidelieferungen von zusafnmen 36 000 Tonnen für die amerikanische Zone hach der britischen Zone umzuleiten. Eisenbahnunglück bei Paris Paris. 30 Menschen kamen ums Leben und 70 wurden verletzt, als am Dienstag bei Revigny sur Omain, 10 Meilen westlich von Bar-le-Duc ein Güterzug in einen haltenden Personenzug der Strecke Paris- Straßburg raste. — Dieser Zusammenstoß ist der schwerste seit fünf Jahren, als damals bei Thinovile 40 Menschen getötet und 27 verletzt wurden. Landeskonferenz der SPD Bezirk Südbaden Frsiburg. Am 9. und 10. November fand in Freibarg die Landeskonferenz der Sozialistischen Partei statt, auf der der Anschluß an die Geeamt- partei unter dem Namen „Sozialdemokratische Partei Deutschlands — Bezirk Südbaden" beschlossen wurde. Hierdurch wurde auch äußerlich die bereits vorher bestehende Verbundenheit mit der grundsätzlichen und taktischen Haltung der Sozialdemokratischen Partei, wie sie in Dr. Schumacher verkörpert ist, zum Ausdruck gebracht. Nach der Erledigung parteiinterner Angelegenheiten und einem Referat von Bürgermeister Geiler, Freiburg, über die Gemeinde- und Kreiswahlen wurden bedeutsame Beschlüsse gefaßt. Eine Entschließung zur Emähnmgslage betont, daß nur durch planmäßige Lenkung und die Aus- schöpfnng aller Möglichkeiten eine Katastrophe vermieden werden kann und die sofortige Steigerung des Warenaustausches innerhalb Deutschlands und mit dem Ausland gefordert wird. In einer Entschließung zur Wirtschaftslage wurde besonders betont, daß die Sozialdemokratie sich außerstande sieht, die Verantwortung zu übernehmen, wenn nicht willkürliche Maßnahmen einer sogenannten freien Wirtschaft das planmäßige Arbeiten einzelner Verwaltungen und die Hemmungen durch einschneidende Bestimmungen hoher Stellen ein Ende finden. Eine weitere Entschließung fordert die sachlich und psychologisch gleich notwendige Heimkehr der unbelasteten Kriegsgefangenen Von Bedeutung sind noch der Beschluß über eine allgemeine politische Jugendamnestie und die Forderung nach Aufhebung der Internierungslager, deren Insassen einem politischen Gerichtsverfahren unterworfen und entsprechend dem Urteil in Freiheit gesetzt oder zur Arbeitsleistung herangezogen werden sollen. Durch wichtige Beschlüsse wurden Aenderungen in der Parteileitung und der Ausbau der Organisation zur Aktivierung beschlossen, wobei die Aufnahme von 3 Vertretern der politischen Jugend in den künftigen Landesvorstand einstimmig begrüßt wurde. Den Höhepunkt der Tagung bildete das großangelegte Referat von Erich Ollenhauer, Hannover, über die politische Lage. Der Redner betonte, daß Deutschland durch seine Lage im Herzen Europas die internationalen Spannungen unmittelbar verspürt und darunter leidet, ohne auf ihr Entstehen einen Einfluß zu haben. Ein baldiger Friedensschluß und die Herbeiführung übersichtlicher Verhältnisse müssen den derzeitigen unerträglichen Zustand beenden. Als politisches Ziel nannte Ollenhauer die Schaffung eines einheitlichen freien Deutschland der Demokratie und des Sozialismus. Der Referent betonte, daß die Sicherung gegen einen möglichen Angriff nicht in der Aufteilung Deutschlands, in einen lockeren Staatenbund oder ein anderes hilfloses Gebilde versucht werden sollte, sondern in der Schaffung der Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben des deutschen Volkes, das Raum läßt, für die völkerverbindenden und friedenssidieraden Gedanken. Diese Verständigung und Freundschaft muß insbesondere auch für Frankreich bereitgehalten werden, das nach den Angriffskriegen berechtigtes Mißtrauen hat. Die Schaffung eines einheitlichen Deutschland — zu der sich auch die bayrischen Sozialdemokraten bekennen — darf jedoch nicht zu einem tötenden Zentralismus führen, sondern muß Platz lassen für eine Rakhe- reform nach organisch sussminenfehOrigaa Ländern. deren Bestand durch die Uebertragung der regioae’. lösbaren Aufgaben gesichert werde« muß. Neben dieser gedanklichen Sicherung des äußeren Friedens steht heute an erster Steile die Sicherung des inneren sozialen Friedens durch sinnvolle und gerechte Lenkung und Planung von Produktion und Verteilung. Ollenhauer richtete einen dringendsten Appell an alle Produzenten auf den Sekteren der Ernährung und der Veihreuchsgüter, unter Zurrücksetzung egoistischer Ueberlegungen ihren Beitrag zu liefern, da sonst ein Zusammenbruch — der Besitzlose und Besitzende in gleicher Weise vernichten würde — unvermeidlich ist. Der Neuaufbau unseres Vaterlandes unter Zurücksetzung der Einzelinteressen ist heute keine Aufgabe einer Klasse, sondern eine nationale Notwendigkeit, und die deutsche Verantwortlichkeit sollte zur Sicherung unseres Lebens mehr und mehr gesteigert werden. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Zusicherung, daß die deutsche Sozialdemokratie, die heute an Mitgliedern schon stärker ist als 1931 nnd bei Wahlfreiheit in der russischen Zone in Deutschland wohl die Mehrheit der Wähler verträte, ihren Anteil am Neuaufbau leisten wird, als echte Volkspartei mit allen Freiheiten und Toleranzen in ethischer, sittlicher und ökonomischer Beziehung, wenn der kommende Friedensvertrag einen Aufbaugedanken überhaupt zuläßt. Dr R. W, Kurzmeldungen Der ehemalige Generaloberst v. Mak- k e n s e n , früherer Befehlshaber der 14. Armee in Italien, wurde unter britischer Bewachung von Deutschland nach Rom gebracht, wo er sich am Montag unter der Anklage des Kriegsverbrechens vor Gericht zu verantworten haben wird. Dänemark wird, wie 4 ein Sprecher des britischen Außenministeriums bekanntgab, einen Teil der britischen Besatzungszone Deutschlands besetzen. 29 914 Personen sind wegen Landesverrat bis zum 1. Oktober ds. Js. von norwegischen Gerichten abgeurteilt worden. Weitere 2635 Personal sollen unter der Anklage von Landesverrat noch vor Gericht gestellt werden. 21 000 Fälle von Landesverrat werden gegenwärtig von der norwegischen Polizei noch überprüft. Indien und die UdSSR werden in Kürze diplomatische Beziehungen aufnehmen, gab der Vizepräsident der indischen Uebergangsregierung. Pandit Nehra, vor der indischen Zentralversammlung am Dienstag in Neu-Delhi bekannt. Zuchthaus für Helene Schwärzet Berlin. Helene Schwärzei. die wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit Mord angeklagt war, wurde am Donnerstagnachmittag vom Schwurgericht Berlin-Moabit zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Einziehung des Vermögens zugunsten des Alliierten Kontrollrats verurteilt. Helene Schwärzei hatte Goerdeler denunziert. Nobelpreis für Hermann Hesse Stockholm. Der Nobelpreis für Literatur 1946 wurde am Donnerstag an Hermann Hesse verliehen. * Der seit vielen Jahren in der Schweiz lebende deutsche Dichter Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw in Württemberg geboren. Er ist nicht nur Dichter; ebenso gut könnte' man ihn nach seinen vielen gedankentiefen Werken in Prosa und Poesie auch als philosophischen und religiösen Denker bezeichnen. Nicht müder tiefe, innerlich ansprechende Gehalt seiner Werke, sondern auch seine wundersam phantasievolle Sprache hat ihm eine Lesergemeinde geschaffen, die besonders diesseits der Grenzen immer wieder aus seinen Worten und Gedanken, auch wenn sie nur im Stillen aufklingen konnten, Trost und seelischen Halt schöpften, fter Sorgen der italienischen Wirtschaft Unzureichende Produktion und Inflationstendenzen Die nod» auf unsicheren Füßen ruhende italienische Regierung, aber auch das Volk als Ganzes, haben in den letzten Monaten zweifellos starke Anstrengungen unternommen, um den chaotischen Wirtschaftszustand einigermaßen zu überwinden. Trotz der weiter schreitenden Teuerung und der immer noch unzureichenden Ernährung hat der Arbeitswille bisher nicht fühlbar nachgelassen, und namentlich aus den Nordpro- vinzen mit ihren großen industriellen Anlagen lauten die Berichte über die Versuche zur Ankurbelung der Produktion überwiegend positiv. Wenn das Erreichte trotzdem noch nicht zu einer Stabilisierung der Verhältnisse ausreicht und die Produktionsleistung 40 Prozent der Kapazität noch nicht zu überschreiten vermochte, so sind die Gründe hierfür vielfältiger Natur. Trotz der umfangreichen UNRRA-Hilfe vermochten-zahlreiche Fabriken die Kriegsschäden noch nicht zu beseitigen. Es fehlt an Rohstoffen aller Art, besonders aber an Kohle und elektrischer Energie, die Verkehrsmittel sind noch unzureichend, die Lebensmittelversorgung in den Industriebezirken ist unzulänglich und auch die inneren politischen Auseinandersetzungen absorbieren Kräfte und schwächen den Aufbauwillen. Dazu kommt die Unruhe, die von einzelnen Bestimmungen des Friedensvertrages in die Bevölkerung hineingetragen worden ist. Als besonders gefährliche Krankheit haben sich in den letzten Monaten die Entwertung des Geldes, die Preissteigerungen und in Verbindung damit die Schrumpfung der Kaufkraft bei der arbei tenden Bevölkerung erwiesen. Bereits Mitte Oktober hatte deT Schatzmeister Bertoni die untragbare Höhe des Notenumlaufes von 400 Milliarden und der annähernd 1000 Milliarden Lire betragenden öffentlichen Schuld bekannt gegeben. Inzwischen hat die inflationistische Entwicklung weitere bedenkliche Fortschritte gemacht, und die schwebende Schuld des Staates, der mehr und mehr zur künstlichen Geldschöpfung schreiten muß, bildet mehr denn je ein heikles Problem für die Regierung, die für all die Unzuträglichen des Lebens verantwortlich gemacht wird. Die Regierang spricht zwar seit Monaten von einer großen Wiederaufbauanleihe, hat sie aber bisher nicht auflegen können, weil ein Mißerfolg bei den heutigen Verhältnissen ihr fast sicher erscheint. Außerdem werden schon seit längerer Zeit Pläne für eine scharfe Vermögensabgabe und für einen Notenumtausch erörtert, ohne m die Tat umgesetzt zu werden. Die Folge ist, daß die im Sommer vorübergehend abgestoppte Sachwert- Psychose wieder in verheerender Weise um sieh greift. Obwohl neuerdings von Regierungsseite beruhigend gesagt wird, der Notenaustausch werde nicht vor 1947 kommen, gehen alle Preise für schwarze Lebensmittel und Fabrikate sprunghaft in die Hölle. Niemand möchte, wenn der kritische Augenblick etwa über Nacht kommen sollte, der letzte sein, den nach Meinung der Bevölkerung auch in diesem Falle die Hunde beißen würden. Die Preise für Maschinen, Automobile, Textilien nnd andere Bedarfsartikel sind im Laufe des Oktober um das Zwei- und Dreifache gestiegen. Wer ausländische Banknoten oder gar Gold kaufen kann, bezahlt völlig unkontrollierbare Preise. Eine leichte Besserung des Außenhandels hat allgemeinen Pessimismus und die Stimmung des „rette sich, wer kann" nicht zu dämpfen vermocht. p. Bodensee und Rheinverkehrspolitik In der Sondernummer „Strom und See" der Zeitschrift für Binnen- und Seeschiffahrt zur internationalen Seeschiffahrtstagung in Basel am 11./12. Oktober veröffentlicht Dr. H Knicker, St. Gallen, einen interessanten Artikel, in dem er darauf hinweist, daß der Bodensee ein prädestiniertes Sammelbecken von Verkehrsbeziehungen sei, welche bis zur oberen Donau hinreichen und sich über das Allgäu in Richtung München, über den Arlberg und Tirol und schweizerseits über St. Gallen, Appenzell nach Graubünden und Glarus erstrecken. Die ganze Stromgestaltung des Rheines mit einem Einflußgebiet von ca. 30 000 qkm Landesfläche zeige daß nicht Basel Endpunkt der Rheinschiffahrt bleiben könne, sondern daß die wasserreiche Rheinstrecke Basel—Bodensee als natürliche Verkehrsgrundlage im Oberlauf des Stromes zu gelten habe. Kein Mensch werde es den Anwohnern des Rheins oberhalb Basel und des Bodensees verargen, wenn sie an das glauben und an dem festhalten, was sie vor ihrem Hause sehen, nämlich die überragende wirtschaftliche Bedeutung der Rheinschiffahrt In erster Linie sei für die Förderung der Rheinschiffahrt zum Bodensee der Ausbau der noch fehlenden 5 Kraftwerke zwischen Base! und Schaffhausen wichtig. Die im Rhein oberhalb Basel in so reichlichem Maße gebotenen, vorteilhaft greifbaren Naturkräfte dürften, noch dazu in der jetzigen Zeit, angesichts des großen Energiemangels und der dringenden Wiederaufbauaufgaben nicht unausgenützt bleiben. Man stehe heute unter dem Eindruck, daß neues Vertrauen gesucht und neues Vertrauen gegeben werden müsse, wenn ein erträgliches Zusammenleben der Völker und eine bessere Zukunft ermöglicht werden soll. Für Deutschland sollten aber Friedensaufgaben gestellt werden, an denen es sein Dasein wieder aufriehten könne. Mit zu diesen Aufgaben gehört die Rhein-Bodenseeschiffahrt, die unter den denkbar günstigsten Vorbedingungen einzurichten sei. Zu den obigen Ausführungen ist hinznzufügen, daß der Ausbau * der Hochrheinstrecke Basel- Bodensee als Kraftquelle und Großschlffahrts- straße von der im Jahre 1907 gegründeten, das südliche Baden, Württemberg, Bayern sowie Vorarlberg umfassenden Vereinigung „Rheinschifffahrtsverband Konstanz e, V." angeregt wurde. Dieser Verband hat im Verein mit den entsprechenden schweizerischen Verbänden das Projekt trot 2 wiederholter Rückschläge unbeirrt weiter verfolgt und in weitgehendem Maße gefördert. Gfiterverkehrserlelchterungen zwischen z den drei westlichen Zonen Vom 1. November 1946 an sind im Güterverkehr zwischen den Bahnhöfen der britischen, amerikanischen und französischen Besatzungszone Deutschlands für alle Sendungen der Frei- madrungszwang aufgehoben und Nachnahmen und Barvorschüsse zugelassen worden. Es gelten somit zwischen den drei westlichen Zonen für die Frachtzahlimg wieder die §§ 46 und 69 der Eisenbahnverkehrsordnung. Tagung des Einzelhandelsverbapdes e. V. Der Einzelhandelsverband für die französisch besetzte Zone Badens hatte am 14. Oktober zu einer Landesbeiratssitzung nach Freiburg eingeladen. Gustav Adler, Textilwaren, Freiburg, wurde zum Präsidenten des Verbandes gewählt; zum ersten Stellvertreter Max Vierlinger, Lebensmittel, Freiburg i. Br., und zum 2. Stellvertreter W. Weiher, Haushaltwaren, Offenburg. Dem Präsidium gehören ferner an; Alfred Riedl«, Konstanz, Otto Maier, Lörrach. E. S AetBeffuna 9$m gamltie geg. BerluB bee Ernübrete burtfj lob gebt 35tun fof. ju, roenn Eie 'An boxte noA »er» langen! Site Seimiger. Sebeneoetfttbc» nragegefeffiAaft a. Seaenfeitigfeii, (20) Sab Saubere beim, Drfeoertretangeu in ; Stabt nnb Sanb. feit arbeiten n. liefern! Sd)ttn( n. Cie. Elefitafoble» nnb Balierfabtil. (16) (Sieben, SoftfaA 119. Cinen 9nemeg es« Sbttn SdjmierigfeHtn roeCft 3bnen 3nforma, Stasfimfitt n. ermittttnigsbiet#, Äonftanj, Äaffgeffe 2, SaAfoifchangen na nehme Stelle u. gnte Sebanblnna. Dt. tneb. SmB Robei, HJernerBr. 20. 3tmmeemnbtben, &cnrentäbtben. Rödjln in SabreeBetlimg gef. ®nt. Sebalt, ÄoB n. SBobiran« im Bauje. Senfion Silla Sottet. Sabemoeiler. SirtfAafterin für SAIofAnnebatt gei. greibeti t>. O», SBctbeitborf üb. Hat» lenbttig. STELLE N-GESUCHE 9U(A-»3nt. (39 3-1. 1. ÄonBrufteur f. Bgbtaulif. grobe Erfahrungen im Sen f. Statt tage n. Betrieb bobtanl. In* lagen k. Schmer., SeiAtmetall», Äuuft* bat}» a. Ennnti>3nbnBrie, längere lä< tigfeit in bei SebrlingeaneKlbnng, «. fftrten engl. n. frj. SpraAftnntniffen, FnAi Paff Sirftmgefteie. SSilbelm grenft (22t), Krefetb, SHetanbfir. 2. ©ipl.»3m«., lieft., 40 3.. Spe}Mftenntn. SSaffer», Sifenbabn», Briefe«, n. Cifen» beianban. mit reiAer SanfteHenptarls, anA Behelfe. Statif n. Kalfntation, gnte fron}. SprnAfemttn., taAi emt« fppeAenben, Denn anA fl. SBitfnnge» Heia. 3ttfAt. ». $6 294 Sibf. Kanfta«}. Sejirfeleiter bet SUfians Sebeneoerf. 9®.. 31 3., gei. Sanftanfm., pol. trabeL, ausgefpr. EebeneoeiGgaAtraft übet BAeree. geo. Suftreten, Organtfatione* »leni n. b) RtaAt, xre. D'.ej. Sahn. 2 C A » «B e et . Hnelinbetinnen. lfm. 9n> § Bettle. beniiAe. polntfAe >. frenj. pradtfeuutniffe. taAeu in bet SAmeig SteQnng nie Büfett» bg». 3immet» «äbA«n i. B«4«I ober ale Bütafräfte in legO» bjm. SAMolabentabrif. Sin» teilebemiHignug htauAt nidft geftalt Derben. 3niAt. n. 66166 Sibfuriet Konftang. Kaffeuie, ärjit. gepiifi, fetbft.. 28 3., f. paff. JBirfungefr. Äranfenbaus, Sa» natorium Mi. beigl. benorg. 3 u fAt. n. 56 273 Sibf. Äonßang. Rinberpflegerin. 3 3. in Äranlenpflege tätig, fuAt paff. Irbeifsplag jnt 9lit> ßilfe im Bnusbalt. 3»fAt. n. 56 225 SiM. Äonftanj. Kutter mit eintäbt. Ätnb, tu allen 3meigen bee Banebnlts n. bet Sank» »irffAafi erfahren, mit gut. Empfeb» langen, fnAt tat. SteUung. 3«iAr. n. 10 395 SüM. ÄonBanj. 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SAienen: SBiebenbaA, Slnna, 66 3 . geB 30. 10. 40 Singen: Baibet, grieba. geb. Bärbel. 67 3.. geB 5. 11 46: Keper, Äari. geB, 5. 11. 48; Sprenger. 9itna. geh Kcrite. geft. 12. 11. 46 llebezliu«eu»6ee: Äiffan. SRatgarc» ie. gefi 5. 11, 46. OnierianAringen: gifAer, Emma. 72 3 Siffingen: Keiftet. EtiA, 16