FB VWSUeKH St OK DKURIER 8. JAHRGANG ÜBERPARTEILICHE I N F O R M A T I O N S Z E I T U N G FÜR DAS LAND BADEN KONSTANZ FREITAG 30. MAI 1947 NUMMER 43 Erscheint Dienstag und Freitag. Adresse: Konstanz, Rosgartenstraße 12 Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr. 024, 925, 1130, 1510, 1511 Einzelpreis 20 Pfg. Abonnement bei der Post 1,74 M.. durch Träger 1,60 M Anzeigenannahme durch alle Geschäftsstellen und Agenturen des Südkurier Kurz notiert Die US-Militärregierung genehmigte das vom Länderrat angenommene Gesetz zur Schaltung eines Sonderfonds zu Wiedergutmachungszweic- ken für politisch, rassisch und religiös Verfolgte. Die deutschen Postgewericschaften setzten sieb dafür ein, daB die im Potsdamer Abkommen festgelegten Grundsätze für die Schaffung eines Staatssekretariats des deutschen Nachrichtenwesens baldmöglichst verwirklicht werden. Bei einer Verkehrskontrolle in deT Nähe von Osnabrück wurde in einem Leichenwagen statt des Sarges eine Kiste mit 23 Ferkeln und ein Schwein vorgefunden. In Bad Boll fand eine interzonale Franentagung statt, an der auch Gewerkschaftsvertreterinnen in. allen Zonen teilnahmen. 4700 Heimkehrer aus der Sowjetunion trafen in den letzten Tagen in Frankfurt a. d. Oder ein. General Franz Böhme, der wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde, verübte Im Nürnberger Gerichtsgefängnis Selbstmord. Eine brasilianische Mission ist in Oesterreich eingetroffen, um lg 000 verschleppte Personen für die Einwanderung nach Brasilien auszuwähien. Der neue französische Resident in Marokko, General Juin, hielt in der feierlich beflaggten Stadt Rabat, von einer begeisterten Menschenmasse begrüfit, seinen offiziellen Einzug. Norwegen wird auf Grund eines Vertrages täglich 20 000 belegte Brötchen nach England liefern, wo sie für dfe Fluggäste des Flughafens Croydon als Reiseproviant verwendet werden sollen. Aus Madrid wird bekanntgegeben, daB die Cortes Anfang Juni zusammentreten wird, um über das Nachfalgegesetz abzustimmen. Der brasilianische oberste Gerichtshof hat die Entscheidung über das Verbot der kommunistischen Partei mangels genügender Beweise aufgeschoben. Wie man aus Moskau vernimmt, wurde der russische Botschafter von Paris. Bogomolow, durch Dekret vom 24. Januar 1947 zum stellver tretenden Aufienminister der Sowjetunion ernannt. Durch ein weiteres Dekret vom 19. März 1947 wurde der bisherige stellvertretende Außenminister Dekanozow seiner Stellung enthoben. Die finnische Staatspolizei gab die Aufdeckung einer geheimen Spionageorganisation bekannt, die gegen Sowjetrußland und die finnischen Linksparteien arbeitete. Als Ursache der Brände und Explosionen, die die amerikanische Stadt Texas Cltv vernichteten. Wird Nachlässigkeit beim Umgang mit gefährlichen Ammoniura-NUrat-KunstdÜngern angegeben. Das größte Tankschiff der Welt, die 27 500 t große „Olysses” lief ln Norfolk/ Virginia vom Stapel. Van Kieffens ist znm holländischen Botschafter in den Vereinigten Staaten ernannt worden. Van Kieffens war früher Außenminster. Die ungarische Brotration ist um täglich 50 Gramm herabgesetzt worden, bis amerikanischer Weizen eintrifft. „Eine gewisse Macht" Ankara. Der türkische Premierminister Peker erklärte vor dem türkisdien Parlament, „eine gewisse Macht" habe der Regierung der Türkei eine Note übersandt, in der sie militärische Stützpunkte in der Türkei fordere Peker ei wähnte den Namen der betreffenden Macht nicht, gab aber an, das Ersuchen sei „unter dem Vorwand allgemeiner Verteidigungsmaßnahmen" an die Türkei gerichtet worden Die Türkei sehe sich Ansinnen gegenüber, die territorialen Forderungen gleichzusetzen 6eien, erklärte er weiter, und die Regierung sei gezwungen, in einer Atmosphäre voller Gefahren wachsam zu bleiben. Der Badische Landtag feierlich eröffnet Ansprache von Gouverneur Pene — Person (BCSV) zum Präsidenten gewählt Freiburg. Am Donnerstagnachmittag vollzog sich in Freiburg ein für die Geschichte Badens bedeutsames Ereignis. In feierlicher Form übernahmen die Mandatsträger des am 18. Mai dieses Jahres gewählten neuen Landtags ihr Amt. In der Stadt Freiburg, der die Ehre zuteil wird, nach der Beratenden Landesversammlung auch den Badischen Landtag in Ihren Mauern Heimatrecht gewähren zu dürfen, wehten von den staatlichen und städtischen Gebäuden wieder die badischen Flaggen Gelb-Rot-Gelb. Der historische Kaufhaussaal, den die Stadt Freiburg wiederum für die Sitzungen des Landtags zur Verfügung gestellt hat, hatte eine geschmackvolle Ausschmückung mit frischem Grün gefunden, das neben den gelb-rot-gelben Fahnentüchern, die an den Stimsäulen des Saales gespannt waren, dem Raum eine gewisse Lebendigkeit verlieh. Schon frühzeitig hatten sich die Abgeordneten des Landtages eingefunden und standen gruppenweise im Gespräch beieinander, Audi der Zuhörerraum war dicht besetzt. Mit dem Glockenschlag 4 Uhr ertönten von dem Münsterturm die Glocken. Vor dem Portal wurden Gouverneur Pene und die Vertreter der Militärregierung von dem Präsidenten der vorläufigen badischen Regierung, Wohieb, und dem Alterspräsidenten Vielhauer empfangen und in den Saal geleitet. Hier wurde Gouverneur Pene als oberster Vertreter der Militärregierung von dem Abgeordneten Vielhauer in seiner Eigenschaft als Alterspräsident des Landtages begrüßt. Er dankte für das Interesse, das er den Bemühungen des Landtages an dem Neuaufbau eines demokratischen Staates entgegenbringe und dieses Interesse durch seine Anwesenheit bekunde. Gouverneur Pene wies in seiner Ansprache darauf hin, daß die anwesende Versammlung nicht mehr wie die vorhergehende eine Schöpfung der Militärregierung sei, sondern direkt vom badischen Volk ausgehe, das frei über die Form seiner Einrichtungen befragt wurde. Die feierliche Einführung der badischen Landesversammlung habe neben ihrer politischen Bedeutung symbolischen Wert. Sie unterstreiche den Neuaufbau der durch den Krieg angel äuften Trümmer und bestätige den Wiederaufbauwillen, von dem das badische Volk beseelt sei. Gouverneur Pene wies auf den langen und schweren Weg hin, an dem sich zahlreiche Hindernisse auftürmen werden, sei aber überzeugt, daß das badische Volk mit Mut und Ausdauer sie zu bewältigen wisse und so das Vertrauen der freien Nationen gewinne. Er gab zum Schluß die Versicherung ab, daß auf diesem Weg zur Freiheit das badische Volk auf die volle Unterstützung Frankreichs rechnen könne. Nach dieser feierlichen Eröffnung verabschiedeten sich Gouverneur Pene und die Vertreter der Berlin statt München? Als Tagungsort für die Minis terbespredmngen vorgescUagen Berlin. Wie man an zuständiger deut- i an der Münchener Konferenz zuzusagen oder edier Stelle erfährt, haben die fünf Ministerpräsidenten der sowjetischen Beset- zungszone dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Ehard telegrafisch mitgeteilt, ex Bolle erstens nochmals ernstlich den Gedanken prüfen, die vorgesehene Ministerpräsidentenkonferenz unter Einbeziehung von Partei- und Gewerkschaftsvertretern einzuberufen, zweitens in den Mittelpunkt der Tagesordnung die Schaffung der wirtschaftlichen und politischen Einheit Deutschlands zu stellen, drittens in Anbetracht des gesamtdeutschen Interesses den Tagungsort nach Berlin zu verlegen. In dem Telegramm wird auf die Besprechungen zwischen Dr. Ehard und Dr. Friedrich in Hof Bezug genommen und erklärt, daß Dr. Ehard dem Vorschlag, die Beratungen dieser gesamtdeutschen Fragen auf breitester demokratischer Grundlage abzuhalten, zugestimmt habe. Da die angeschnittenen Probleme das ganze deutsche Volk angehen, seien sie nur durch berufene Vertreter, in erster Linie die der Gewerkschaften und Parteien, zu lösen. Eine Konferenz, an der ausschließlich Ländervertreter teilnehmen, trage Gefahren des Partikularismu6 in sich. Französische Zone nimmt teil München, Der bayerische Ministerpräsident Dr. Hans Ehard erklärte, er habe die Mitteilung erhalten, daß die Regierungschefs der französischen Besetzungszone ihre Zusage zu der Ministerpräsidentenkonferenz am 6. und 7. Juli in München gegeben haben. * Baden-Baden. Die französische Militärregierung hat es dem freien Ermessen der drei Regierungschefs der Länder der fran- Bösischen Zone überlassen, ihre Anteilnahme abzulehnen. Münchner Spiegel Ferosprucb unseres G.L.-Korrespondenten M ü n di e n. Die Gespräche in der bayerischen Lande dhauptstadt drehen sich um die Münchner Konferenz. Dr. Ehard, der die Einladungen absandte, erklärte am Mittwoch vor dem Landtag erneut die Gründe, die ihn zu diesem Schritt bewogen hätten. Elr trat gegen die Behauptung auf, das Ziel der Konferenz wäre, Deutschland aufzuteilen. „Man kann nicht mehr als einladen und damit erklären, daß wir zusammen gehören“, bemerkte Dr. Ehard. Als er bekanntgab, daß die Länderchefs der französischen Zone eine Zusage für München gegeben hätten, gaben alle Abgeordneten durch starken Beifall ihrer Freude Ausdruck. Von Papen verletzt Nürnberg. Von Papen wurde im Regensburger Gefängnis von einem Mitgefangenen schwer verletzt, befindet sich aber außer Lebensgefahr. Er liegt mit elf anderen Gefangenen in einem Saal des Gefängnis-Krankenhauses. Sein Gesicht ist derart verschwollen, daß er mehrere Tage lang nur flüssige Nahrung nehmen konnte. Emmy Göring vor der Spruchkammer Nürnberg. Es wird offiziell bekanntgegeben, daß Emmy Göring, die Witwe des ehemaligen Reichsmarschalls vor die Spruchkammer in Auerbach berufen wird. Der Tag der Verhandlung steht noch nicht fest. Emmy Göring lebt zur Zeit mit ihrem Töchterchen Edda in völliger Freiheit. Sie bewohnt 10 km von Auerbach ein Häuschen, das ihr von den amerikanischen Behörden angewiesen wurde. Militärregierung und der badische Landtag trat in die Tagesordnung ein. Vor der Wahl des Präsidenten des Landtages überreichte der Abgeordnete Dr. Eckert (BCSV) im Aufträge des badischen Handwerks dem Alterspräsident eine kunstvoll gearbeitete Wahlurne, die die Handwerkskammern Freiburg und Konstanz dem badischen Landtag zur Erinnerung an diese denkwürdige Stunde geschenkt haben. Hierauf wurde die Präsidentenwahl vorgenommen. Mit 57 Stimmen von 59 anwesenden Abgeordneten wurde der ehemalige Präsident der Beratenden Landesversammlung, Dr Person (BCSV) wieder zum Präsidenten gewählt. Er dankte für das Vertrauen, das ihm durch die Wahl wiederum geschenkt wurde Zum Vizepräsidenten wurden die Abgeordneten Geiler (SP) und Vielhauer (DP) geuählt. Außerdem uurden zur Vervollständigung des Präsidiums vier Schriftführer bestellt, von denen die BCSV 2 und die SP und DP je einen bestellten. Eine heftige Debatte entspann sich gleich in der ersten Sitzung über die Zusammensetzung des Geschäftsordnungsausschusses und des Vertrauensmännerausschusses. Die BCSV wünsche eine Verminderung der Ausschüsse auf 7 Mitglieder, während nach kommunistischer Meinung die bisherige Zahl der Mitglieder in den Ausschüssen beibehalten werden sollte. Von sozialdemokratischer Seite wurde eine Vertagung um eineViertelstunde gefordert, die aber von der BSCV abgelehnt wurde. Nach einer Kontroverse zwischen diesen beiden Parteien war die BSCV schließlich doch mit einer Vertagung einverstanden, die sich auf eine Stunde ausdehnte. Nach Wiedereintritt in die Tagesordnung ergab sich aber kein anderes Bild, da die BSCV an ihrem Antrag festhielt. Durch die Verteilung der 7 Mandate in den Ausschüssen im Verhältniss von 4:2:1 wäre der kommunistische Einfluß ausgeschaltet worden. Da ein Gegenantrag der Kommu- niten, die Zahl der Mitglieder auf 10 zu erhöhen, im Verhältnis von 5 : 2 : 2 :1 ab gelehnt wurde, erklärte schließlich die sozialdemokratische Fraktion, auf ihr zweites Mandat verzichten zu wollen zugunsten der Kommunisten. Auf diese Weise kamen die Kommunisten in jedem der beiden Ausschüsse zu einem Sitz. Bei der Abstimmung enthielt sich die BSCV ihrer Stimme. * Freiburg. Ehe der neue Landtag am Donnerstagmittag zu seiner ersten Sitzung zusammentrat, hielt am Vormittag des gleichen Tages die Beratende Landesver Sammlung ihre Schlußsitzung im Kaufhaussaal in Freiburg ab. Verfassungsvorbereitungen im Saargebiet Saarbrücken. In Anwesenheit des Gouverneurs des Saargebietes, sowei füh render Mitglieder der saarländischen Zivilverwaltung, der Parteien, sowie aus Handel und Industrie, fand im Festsaal des Saarbrücker Rathauses die feierliche Einsetzung einer neugewählten Verfassungskommission des Saarlandes statt. Die Kommission hat die Aufgabe, bis zum 15. September dieses Jahres einen VerfaS' sungs Vorschlag für das Saargetoiet auszuarbeiten. Die neue Verfassung wird alsdann einer Versammlung von Abgeordneten zur Genehmigung vorgelegt, die demnächst durch allgemeine Wahlen für einen saarländischen Landrat bestimmt werden. Deutsche Patente als Reparationen Berlin. Zur Frage der Anrechnung deutscher Patente als Reparationsleistung verlautete in unterrichteten Kreisen der amerikanischen Militärregierung Berlins, daß die Inlandspatente wahrscheinlich nicht angerechnet würden, während bezüglich der Auslandspatente zur Zeit Verhandlungen beim Sonderausschuß der interalliierten Reparationsagentur in Brüssel im Gange seien. Da es allen Interessenten möglich sei, Unterlagen über die deutschen Inlandspatente für wenige Cenis in den Vereinigten Staaten käuflich zu erwerben, sei eine Anrechnung dieser Patente und technischen Neuerungen als deutsche Reparationsleistung wohl wahrscheinlich. Die interalliierte Reparationsagentur würde sich daher hauptsächlich mit den deutschen Auslandspatenten beschäftigen. Am 30. November 1946 sei zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Holland, Indien, der Südamerikanischen Union und Neuseeland ein Vertrag abgeschlossen worden, nach dem ein Austausch der deutschen Patente zwischen den Vertragspartnern vorgenommen werden sollte. Es war anderen Ländern freigestellt worden, sich diesem Abkommen anzuschließen und man könne deshalb nicht sagen, daß Amerikaner und Engländer einseitig einen Nutzen aus den deutschen Auslandspatenten zögen, den man als Reparationsleistung ansehen könne. Da das Problem der Anrechnung der deutschen Auslandspatölte eine internationale Frage sei, könne ein einziges Land die Entscheidung zwar beeinflussen, aber ncht selbstständig treffen. De Gasperi bildet neues Kabinett Rom. Der Leiter der Christlichen Demokraten, Alcide de Gasperi, teilte dem italienischen Staatspräsidenten, Enrico de Nicola mit, er 6ei in der Lage, seinem Aufträge gemäß ein neues italienisches Kabinett zusammenzustellen. Damit findet die ^tägige Regierungskrise ein Ende. Gut unterrichtete Kreise teilten mit, daß de Gasperi beabsichtigt, ein Kabinett aus Vertretern der christlichen Demokraten und einer Reihe von unabhängigen Fachmindsiem zu bilden. Der Leiter der Kommunisten, Palmiro Togliatti, erklärte, er habe De Gasperi mitgeteilt, daß et es für nicht notwendig halte, eine nur aus einer Partei bestehende Regierung zu bilden. Falls es sich jedoch her- aussteÜe, daß eine solche Regierung die einzige Lösung der gegenwärtigen Regierungskrise darstelle, so solle nicht der Leiter der Regierungspartei, sondern ein Unabhängiger an der Spitze der Regierung 6tehen. Friedensstimmen ans USA New York. „Ich möchte Europa nicht kommunistisch werden sehen,“ erklärte Henry Wallace auf einer Tagung der „Fortschrittlichen Bürger Amerikas, „sondern ich wünsche, daß die Ideale der vier Freiheiten von der ganzen Welt angenommen würden.“ Teder Versuch, die Welt gegen die UdSSR zu vereinen, werde in der Vereinigung der Welt gegen Amerika enden. Westeuropa werde weder mit der UdSSR gegen Amerika noch mit Amerika gegen die UdSSR kämpfen, da es sich einen neuen Krieg einfach nicht leisten könne. Abschließend rief Wallace erneut auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um mit der UdSSR übereinzukommen. Am folgenden Abend forderte General Eisenhower in einer Ansprache an Wirtschaftsvertreter das amerikanische Volk zu einer großen Antikriegskampagne auf. Von den Kindergärten an bis in die höchsten Regierungsstellen müsse der Krieg als das größte Unglück und als Ergebnis menschlichen Irrens und menschlicher Unkenntnis angesehen werden. Eisenhower stellte ein Vier-Punkteprogramm auf und betonte, wenn Amerika die Friedens-Initiative ergriffe, werde es keinen Mangel an Anhängern haben. Keine englischen Familienbesuche in Deutschland Berlin. Familienbesuche bei den in Deutschland wirkenden Beamten und Truppen der britischen Militärregierung dürften demnächst auf unbestimmte Zeit verboten werden. Die seinerzeit eingeleitete „Besuehsaktion” war kürzlich schon während zweier Monate unterbrochen worden, und jene Frist erfuhr später eine Verlängerung. Man weist darauf hin, daß es für die Familienangehörigen in Deutschland weder Unterkunftsmöglichkeiten noch Transportmittel gebe. Es sei nicht einmal möglich, den Zeitpunkt festzulegen, zu dem die in Deutschland weilenden Familien nach England zurückkehren könnten. In Berlin sind gegenwärtig im englischen Sektor 280 britische Familien untergebracht, das heißt etwa die Hälfte der für einen Besuch in Deutschland tatsächlich vorgemerkten Personen. Finnisdie Gewerkschaftswahl Helsinki. Die ersten Ergebnisse der finnischen Gewerkschaftswahlen stellen einen Erfolg für die Sozialdemokraten dar, der auf Kosten der Volksdemokraten errungen wurde. Die Sozialdemokraten konnten den Gewinn von 30 Sitzen verzeichnen, sie haben jetzt etwa 170 Sitze inne gegenüber 130 ihrer Gegner. Abschaffung der doppelten Sommerzeit gefordert Berlin. Das Berliner Stadtparlament nahm einstimmig einen Antrag an, worin der Magistrat beauftragt wird, mit der alliierten Militärkommandantur Verhandlungen zwecks Wiederabschaffung der doppelten Sommerzeit zu führen. In der Be- I gründung betonte der Sprecher der SPD- Fraktion, daß die durch die allgemeine Emährungslage hervorgerufene körperliche Schwäche der Bevölkerung insbesondere bei Kindern, eine Verlängerung der Tages- und Arbeitszeit imdurchführbar macht. GEBURTSTAGSWUJN SCH Von Hermann Döxflinger Der Tag der Geburt ist immer ein denkwürdiges Ereignis. Beste Wünsche und Hoffnungen begleiten das Neugeborene. Die Eltern nehmen als Stellvertreter die Gratulationen entgegen. Noch weiß niemand, wa6 aus dem jungen Erdenbürger werden kann und soll. Wird er die Kinderkrankheiten überwinden? Wird aus ihm ein brauchbares und nützliches Glied der zukünftigen menschlichen Gesellschaft werden? Das sind Fragen, die wir auch zum Geburtstag des vor acht Monaten durch die Uebergabe der Schöpfungsurkunde von der Militärregierung an die beratende Regierung embryonal gegründeten neuen Badischen Staates zu stellen haben. Nun ist dieser Badische Staat durch die Annahme der Verfassung, durch die direkte Wahl des ersten badischen Landtages geboren worden. Der 29. Mai ist als erster Geburtstag in bescheidener Form dadurch gefedert worden, daß das Parlament unter dem Schutz der vom Volke angenommenen Verfassung zum erstenmal zusammentrat Viele Hoffnungen und sicherlich noch viel mehr Sorge stehen an der Wiege dieses neuen Badischen Staates Pate. Wird es nun anders werden, werden bessere Zeiten kommen? Das sind die tagtäglichen Fragen von den besorgten und unter der Not der Tage lebenden Mitmenschen. Wird der neue Staat soviel Lebenskraft besitzen, um auf der Grundlage der Verfassung wenigstens ein Mensdienalter glücklich zu überstehen? Vergleiche aus der Vergangenheit stimmen pessimistisch. Unter dem verheißungsvollen Stern dei Dichterstadt Weimar im Jahre 1919 geschaffen, ist die Weimarer- Republik schon nach 14 Jahren zu Grabe getragen worden. Jenes junge hoffnungsvolle und freie demokratische Staatsgebilde wurde innerpolitisch von politischen Abenteurern, von Hitlei und seinen Mitarbeitern abgewürgt. Der Staat ist aber nicht allein an seinen innerpolitischen Krankheiten gestorben. An seiner Wiege schon wurden damals unerfüllbare Anforderungen gestellt, die jedes gesunde Wachstum in Frage stellen mußten. Männern wie Wlrth, Scheidemann, Erzberger, Rathenau, Stresemann und Brüning ist ihre ehrliche Arbeit und offensichtliche Verständigungsbereitschaft nicht leicht gemacht worden. Hitler maßte sich dann Rechte außenpolitischer Art an, die zur Katastrophe führen mußten. Guter Wille und rechtzeitige gegenseitige Verständigung hätten die Weimarer Republik zu einem Friedensinstrument gesamteuropäischer Konstellation werden lassen können. Aus diesen Fehlern der Vergangenheit müssen die notwendigen Konsequenzen gezogen werden. Dabei dürfen wir allerdings die Geduld nicht verlieren. Nach dem gewonnenen Kriege von 1870/71 dauerte es nahezu zwei Jahrzehnte, bis wieder normale Zeiten ins Land zogen. Nach dem ersten Weltkrieg 1914/18 verstrichen sechs Jahre, bis endlich 1924 nach der Inflation wieder geordnetere Verhältnisse eintraten. Bei dem ungeheuren Ausmaß an Zerstörungen des zweiten Weltkrieges werden wir wohl noch mit einem längeren Zeitraum rechnen müssen, bis wir wieder’ festen Boden unter die Füße bekommen werden. Zwei Jahre sind eine kurze Zeit. Welche Summe von Unrecht, über den ganzen europäischen Kontinent verstreut, muß wieder gutgemacht werden, bis die Waage der Gerechtigkeit im Gleichgewicht steht. Und auf dem wirtschaftlichen Gebiete verhalten sich die Dinge nicht anders. Dann erst kann eine gedeihliche Entwicklung deutlicher spürbar werden. Die Gründer des neuen badischen Staates, die Militärregierung und das Volk, das P ar ~ lament und die Regierung, müssen in allseitigem Verständnis vertrauensvoll Zusammenarbeiten. Diese Arbeiten kannn sich nicht in Minister- und Regierungsdemissio- nen erschöpfen. Die Not kann nicht durch Proteste und Resolutionen behoben werden. Demonstrationen, Streiks und stille Sabotage sind Freiheitarechte, die nach solch einem Zusammenbruch und bei solch einem Wiederaufbau nicht zum Ziele führen können. Unsere Blicke dürfen nicht im kleinlichen hängen bleiben, sondern müssen die große Linie su fassen versuchen. Im Augenblick, wo die europäischen Gespräche im Mittelpunkt der abendländischen Diskussion stehen, müssen zu Beginn die Parlamente und Regierungen der französischen Zone versuchen, in ernster Arbeit den großen Brückenschlag zwischen Deutschland und Frankreich vorzubereiten. Das ist eine grundsätzliche Aufgabe. Ist diese ln positivem Sinne gelöst, dann sind die größten Hinderndsee einer dauerhaften Zusammenarbeit beseitigt. Die Erreichung dieses Zieles ist für uns im Westen von ebenso lebenswichtiger Bedeutung, wie die Lösung der politischen Synthese von Ost und West. Dem neuen Staate können wir nur dann ein festes Fundament schaffen, wenn nicht Sieger und Besiegte, sondern vor allem Menschen sich die Hand zur Friedensarbeit reichen. Nur wenn der neue Staat auf der Grundlage des gleichen und allgemein gültigen Rechts aufgebaut wird, kann er Bestand haben. Denn „Justitia fundamentum M Seite 2 / Nr. 43 regnorua" — die Gerechtigkeit iet die Grundlage de* Staate» Greifen wir das Friedens- und Bruderwort eine# der größten französischen Dichter, Victor Hugo, auf, daß wir in der Pfingst- nummer zum Abdruck brachten. Suchen wir es, alle die es angeht, nach hundert Jahren in die Tat umzueetzen, dann werden wir vor den Generationen von morgen bestehen können. Wir müssen über die trostlose, kriegsmüde und friedensdurstige, durch Elend und Trümmer verödete Ebene unsere« Alltag» durchstoßen zu neuen Oasen aufrichtig« Verständigung und wahren Frieden« unter den Völkern. Darum reichen wir in absolut ehrlicher Gesinnung all Jenen die Hand, die gewillt 6ind, ebenso ehrlich einzuschlagen. Wir hoffen, daß eie nicht zurück gestoßen wird. Erst dann können wir an den Bau unsere« neuen demokratischen Volkstaates herangehen. „Eine Demokratisierung kann, wie eich au« dem Weeen der Demokratie heraus ergibt, nicht dadurch erreicht werden, daß man sie von oben herab befiehlt, sondern nur dadurch, daß man den Deutschen die Demokratie zeigt und aie mit der Demokratie in Kontaikt bringt," «o schreibt Dr, K. v, Sch, in der neuesten Züricher „Weltwoche." Diesen Kontakt möchten wir so gerne finden. Er muß auch gefunden werden, wenn wir nicht alle «amt und 6onder* Sklaven falscher und verabscheu- Die Entlassung unserer Gefangenen in Frankreich Pari». Ueber die Heimschaffung der Kriegsgefangenen aus Frankreich, ihren Rhythmus und ihre praktische Durchführung bestehen in Deutschland noch vielfach Unklarheiten. Es »ind hierüber auch verschiedentlich unzutreffende Nachrichten durch Presse und Rundfunk verbreitet worden. Kosmos-Pressedienst hat deshalb an maßgebender Stelle m Paris Erkundigungen eln- Berliner Spiegel {Drairtbericht urweres A. G. • Korrespondenten) Berlin. Die Pflngstansprache des Berliner Bischofs, Kardinal Graf von Prey» sing, wurde in maßgebenden Kreisen Berlins stark beachtet. Auszüge aus seiner Predigt wurden wegen der scharfen Kritik an den russischen Okkupation«methoden nur von der Presse der westlichen Berliner Sektoren wiedergegeben. Preysing warf die Frage auf, ob die heutigen Verhältnisse sich mit den Forderungen des Rechtsbewußtseins und der Forderung der Menschlichkeit decken. Der scharfe Ton ist kennzeichnend für die Gereiztheit der hiesigen Situation, in der jedes Ereignis zur Sache der Parteipolitik und zur Stellungnahme für oder gegen eine andere Besatzungsmacht wird. Die Gegensätzlichkeit der parteipolitischen Strömungen ist auf anderem Gebiet noch peinlicher ln Erscheinung getreten. Die Ernährungslage der einzelnen Zonen ist ;um gegenseitigen Kampfmittel der Parteien geworden. Russisch lizenzierte Blätter berichten täglich aufsehenerregend über die Hungerlage in der britischen Zone. Westlich lizenzierte Zeitungen geben daraufhin Mangelberichte aus der Ostzone. Nunmehr veröffentlichen sämtliche russisch lizenzierten Zeitungen in Großaufmachung optimistische Meldungen über die Ernährungslage ln der Sowjetzone. N-ch diesen ist der Anschluß an die neue Ernte gesichert. Arie diese Tatsachen sind in ihrer Wirkung verstärkt durch die zunehmende A-^’ösung Berlins in autarke Sektoren. Man beabsichtigt anscheinend nicht mehr gemeinsame Bewirtschaftung der Stadt, sondern jeder Sektor Ist angehängt an die Zone der betreffenden Macht. Unter solchen Umständen einer steigenden Zerrisr senhelt selbst Im Stadtgebiet werden die bevorstehende Münchener Konferenz sowie Verhandlungen der Parteien übernati- wie Verhandlungen der Parteien über nationale Repräsentation ln Berliner politt- sonders wichtig empfunden. gezogen und hierüber authentisch .folgende« erfahren.: Die Zahl der im Laufe dieses Jahre« ln Frankreich befreiten und helmgeführten Kriesgefangenen beträgt zur Zeit 84 000 Mann, und zwar wurden je 12 000 in den Monaten Januar und Februar und je 20 000 in den Monaten März, April und Mal aue der Kriegsgefangenschaft entlassen. Die Heimschaffung geschieht in völliger Ueber- einstimmung mit den seinerzeit zwischen der franzö«ischen und amerikanischen Regierung getroffenen Vereinbarungen. Wenn verschiedentlich behauptet wurde, daß bei der Entlassung der Kriegsgefangenen aus Frankreich ein Unterschied zwischen den von den Franzosen und den von den Amerikanern gemachten Kriegsgefangenen bestehe, so ist da« unzutreffend. Beide Kategorien von Kriegsgefangenen werden völlig gleichmäßig behandelt. Auch die ln Nordafrika stationierten Kriegsgefangenen werden in genau dem gleichen Rhythmus entlassen wie ihre in Frankreich beschäftigten Kameraden. Was die Befreiung der jugendlichen Kriegegefangenen angeht, so wird erneut darauf hingewiesen, daß alle nach dem 1. Jan. 1929 geborenen Kriegsgefangenen, also diejenigen unter 18 Jahren, bereit» befreit und nach Deutechland entlassen worden sind; ausgenommen von der Heimschaffung sind lediglich Kriegsverbrecher. Gewisse Kategorien von Kriegsgefangene»! werden bevorzugt entlassen: Antinazi, d. h. solche, die eine aktive Tätigkeit gegen daß Hitlerregime nachweieen können. Ferner weiden folgende Kategorien von Kriegsgefangenen bevorzugt entlassen die älteren Jahrgänge über SO Jahre, Familienväter mit mehr als vier Kindern, Witwer und Väter von mindesten« zwei Kindern sowie Unteroffizier», die sich freiwillig zum Arbeitseinsatz gemeldet haben, obwohl eie nach der Genfer Konvention hierzu nicht verpflichtet gewesen waren. Was die Umwandlung von Kriegegefange- nen in freie Arbeiter angeht, eo kann hierüber folgendes gesagt werden: Diese Aktion ist gegenwärtig im Gange. Jeder Kriegsgefangene hat zwischen dem 1. und 20. Mai den Text der hierfür von der französischen Regierung ausgearbeiteten Richtlinien erhalten und kann sich aus freien Stücken entscheiden, ob er für eine Weiterarbeit in Frankreich optiert oder nicht. Die französische Regierung wünecht, daß diese Entscheidung völlig frei und unbeeinflußt geschieht. Sie läßt deshalb dem Kriegsgefangenen eine Optionsfrist von drei Monaten. Zwischen der Zustimmungserklärung der Kriegsgefangenen und der Umwandlung in freie Arbeiter -•reuag, 30. Mai liK. ungswürdiger Leidenschaften werden wollen. Friede verlangt Verstehen und ehrliche Gesinnung, Aus ehrliches Gesinnung heraus wissen wir, daß wir noch vieles gutzumachen haben, daß wir in einem Ueber- gangszustande leben, in dem nicht alles ideal sein kann. Nicht mit Unrecht schreibt die „Nouvelles de France" vom 28. Mai, „daß das, was sich heute in Deutschland afc- spielt, ein Uebergangszustand ist, der seines militärischen Charakters wegen noch keine volle Demokratie bedeuten kann." Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten im Rat« der französischen Republik hat _aber eiet dieser Tage «he Umbildung der Verwaltungsstruktur in der französisch besetzten Zone einstimmig beschlossen. Wir wollen gutmachen durch einen aktiven Beitrag zum Aufbau eines wahren Friedens. Darum beginnen wir da« notwendigste aller Gespräche, das Gespräch über ein ehrliches und offenes Sichverstehan und damit das Gespräch über den wirklichen Frieden, der von uns allen so heiß ersehnt wird. Großer Optimismus ist dazu notwendig.. Wir glauben ihn trotz allem haben zu dürfen. Wir wollen keine Pessimisten sein. Wir glauben . nicht an dauernde Feindschaft und ewige Kriege, sondern trotz allem an eine Verständigung aller Menschen, die guten Willen« sind und, an eine göttliche Gerechtigkeit im Weltgeschehen. muß »ine Frist von Sech« Wochen verstreichen, wodurch den Kriegsgefangenen das Recht gewährt ist, beim Lagerkommandanten oder beim Internationalen Roten Kreuz Einspruch zu erheben, wenn er glaubt, bei seiner Entscheidung irgendeinem Drude ausgesetzt gewesen zu «ein. Es sind somit alle Garantien gegeben, um die Option der Kriegsgefangenen so frei und unbeeinflußt als irgendmöglich gestalten. Kanadas wirtschaftliche Bedeutung Oie Urteile im Rastatter Prozeß Rastatt. Im Namen de« französischen Oberkommandierenden in Deutschland wurden heute vom Hohen Gericht in Rastatt die Urteile im Prozeß gegen die Wachmannschaften der KZ-Lager Schömberg, Spaichingen, Bieingen und Iffezheim und gegen die Betriebe der Oelschie- fer- und Metallwerke Spaichingen bekanntgegeben. Die Angeklagten Ehrmanntraut, Markart, Kabus, Granse, Schulz, Zindel, Koecke, Müller und Fuchs wurden zum Tode verurteilt. Die Angeklagten Landen- berger, Meseke und Goebel wurden zu lebenslänglichem Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt. Die Angeklagten Franz Har.tmann und Grill erhielten 20 Jahre Gefängnis mit Zwangsarbeit. Die Angeklagten Tempel wurden zu fünf Jahren, Bruder zu acht Jahren, Jungblut zu 18 Monaten Gefängnis, Neumerkel zu zehn Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit, Dudwig zu acht Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit, Der Angeklagte Fortmann zu fünf Jahren, Rackowicz zu 14, Rainer Hartmann zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Bel Steinbeißer wurde ein Strafaufschub von drei Jahren und sechs Monaten bewilligt. Die Angeklagten Breitling, Worm, Gaidu* und Dr. Haetln würden freigesprochen. Sühne für Mauthausen Frankfurt. 22 Wachen des ehemaligen Konzentrationslager* Mauthausen, in dem über 100 000 Häftlinge umkamen, wurde lt. Bekanntgabe de« Hauptquartiers der amerikanischen Streitkräfte in Frankfurt, in Landäberg gehängt. Außerdem wurden 2 polnische Staatsangehörige wegen Mordes hingerichtet. Weitere 26 Wachen de« ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen bei Linz, die Im vergangenen Jahr von einem amerikanischen Militärgericht in Dachau zum Tode durch den Strang verurteilt worden waren, wurden am Mittwochfrüh im Landsberger Gefängnis hingerichtet. Unter den Hingerichteten befanden sich der ehemalige Gauleiter von Oberösterreich August Elgruber und der ehemalige SS-Bataillonskommandeur und Lagerleiter des KZ-Mauthaueen Viktor Zoller. Neues Säuberungsgesetz für Südwürttemberg Tübingen. Dae Staatssekretariat für das französisch besetzte Gebleit Südwürttembergs und Hohenzollems veröffentlicht soeben die bereits vor einiger Zeit angekündigte Rechtsanordnung zur politischen Säuberung, die dae Datum vom 25. April 1947 trägt. Sie tritt am 1. Juli 1947 in Kraft und löst die bisher bestehende Säuberungsanordnung für Süd Württemberg und Hohen- zollern ab. Da bi« zum genannten Zeitpunkt der gröBte Teil der Säuberungefälle auf Grund der alten Anordnung reditekräftig erledigt sein dürfte, wird die neue Rechtsanordnung ln erster Linie zur Durchführung der Säuberungsverfahren für die mehreren Tausend noch in Internierungslagern befindlichen Schwerbelasteten dienen und außerdem die Grundlage für Revisionsverfahren aue den bisherigen Säuberungsentscheidungen bilden. Die neue Rechtsanordnung unterscheidet eich von der Trüberen dadurch, daß eie eng an die Direktive Nr. 38 de« Kontrollräte« angelehnt ist, wobei an die Stelle des bis jetzt bei Säuberungsverfahren angewandten Verwaltungsverfahrene ein gerichtliche« Verfahren tritt. In der Präambel der neuen Rechtsanordnung wird erwähnt, daß im Grundsatz eine Amnestie in Aussicht genommen und befürwortet werden wird. Mit rund 9,57 M®. qkm steMt Kanada etwa 27 Prozent des Fiädrenmaaune* dMS bri-tischm Weltreiche» dar, wobei es fast die Ausdehnung Baropas erreicht. Die Bevölkeeungszatol betrug 1941 rund 11,5 Millionem. Entgegen einer weit- verbreiteten Meinung ist Kanada kein ausge- ^»rochenes Agrarland, obwohl die Landwirtschaft mit 26,7 Promo* die höchste Zahl der im Lande Beschäftigten aufwe'ist. Der Anteil der Agrarproduktion beträgt 26,01 Prozent, der der Industrie 39,70 Prozen*. In ddeeer «ind jedoch nur 16‘ Prozent der Bevölkerung beschäftigt. Die Landwirtschaft, die eine Nutzfläche von 65,2 Mill. ha (Infolge dpr klimatischen und der Bo- denibeschaftargsverhälitmisse niuir 13 Prozent der Landflächie) umfaßt, hat für das gesamte Wirtschaftsleben Kanadas besonders für den Export größte Bedeutung. Die HoöhwertJgkeät dies harten kleheffiretchen Sommerwieteen« ließ des Land zum eirsiten Wedzenausfuhrtand der Erde wenden. Vor dem Kriege wurden im Jahresdurchschnitt 430 Milli butiiai (1 hustoell = 36,35 1) geerntet und 72 Prozent dieses Erträge® exportiert. Im Kriege kamen die Wabzeniemteerträge auf jährlich rund 10 Müll t. Hauptabnehmer mit 64 Prozent war England. Haute wird ein großer Tteii Europas, Deutschland etageschiossen, mit kanadischem Weizen versorgt. Auch die Vwhwfot- sdmft ist so beachtlich, daß größere Ueberschüese exportiert wenden können. Von größerer Bedeutung sind ferner Waldwirtschaft, Petehomdiel und Fischerei. In seinem WaMredchtium (etwa 3 Mil. qkm) wird Konedia nur von der Sowjetunion übertrotfeu. Bei der wirtschaftlichen Nutzung spielt die Ze it un g sp apierhe retellung eine wichtige Rolle. Kanada ist der bedeutendste Zett'ung'Spapier-Produzent der Welt, dessen Erzeugung zu 90 Prozent von den USA abgenom- mon wind. -1946 wurden 4,3 MM. t produziert, davon erhielten die USA rund 3,2 M19f. f. Ohe 1670 gegründete Hudaon-Bav-Compony unterhält noch heute etwa 230 PtfoharuMestetioaen, im nördlichen Kanada. Petatäerjagd wind teilweise durch Zucht ersetzt. 1940 gab es rund 10 000 Pelztierfarmen, davon mehr als 7000 Silberfuchs- fermen. Im gleichen Jahr wunden Pelze im Werte von nahezu 16,5 Milli. Dollar aibgesetzt Die Fischerei ist außenondentlich umfangreich. 1940 ergeh der Fischfang (Lachs, Hering, Kabeljau, Hediiibutt, Schedllfliseh, Hecht, Forelle u.e.m.), der rund 85 000 Menschen beschäftigt, eiben Wert- ertrag von über 45 Müll, Doller. Die wertvollen Bodenschätze Kanada« gewinnen immer mehr an wirtsdieiWiichier Bedeutung. Das Land gehört heute zu den wuchtigsten Erzeugern von Edel- und Biumitmeteiilen. An Nickel wenden rund 85 Prozent der Weftproduktion gewonnen. In der Erzeugung von Kupfer und Zinn stellt es an dritter, in der Gewinnung von Gold, Silber und Blei an vierter Stelle. Die Produktionsmengen ergaben vor dem Kirdiege im ungefähren JahresdiUKbechnatt: 421 Kupfer, 363 Bitei, 333 Zänk und 170 Mül. lös Nickel. Von beachtlichem Wert ist auch die Gewinnung von Platin, Kobalt, Pechblende (Radium!), Quecksilber, Wolfram, Chrom, Molybdän und Mangara. Wie der kanadische Minister für Wiederaufbau, Cla- reooe Howe, erklärte, ist Kanada ln der einzigartigen Loge, mit seinen Urenvorkommen das Endprodukt herzuistellen. woraus Atomenergie gewo nne n wird. Kanada sammelt PMorvtum an, das augenblicklich den Hauptbestandteil dm USA-Atembombein damsteilt. — Kanada gilt auch als der größte Asbesterzeuger der Welt. Die vrtketvrstedmlech ungünstige Lage der Koh fe avoricouzaen wind durch die Auswertung de® gewaltigen. Rerchitums an Wasserkräften als Energiequellen ausgeglichen. Von über 44 MBll. PS werden z. Zt. rund 10 Milt. PS auisgiewertet und etwa 33 MMiiatden kWh Strom wind erzeugt. Etwa ein Sechstel des durch Wasserkraft erzeugten Stromes verbraucht die Papier- und Alumi- niumuidujtrie. Der Außenhandel Kanadas ergab 1940 einen Geeamtwert von 1193 Mill. Ddlter. Hauptbamdete- pamtner tind Großbritannien und die USA. Die hauptsächlichsten Ausfuhrprodukite sind — in der Reihenfolge feres Exportwertes — Zedtemgepa- Pier, Welslen, Nutzholz, Fleisch, ZtilMoee, Fische, Mehl und PelBweren. O. B. Importdroeseiung ln England Wie man aus London erfährt, «oll Schatzkanzler Dalton mit der Ausarbeitung eines Planes zur Drosselung des Imports aus den Ländern mit „harter" Währung beschäftigt sein. Danach müßten auch LebensmitteUmporte eingeschränkt werden, was eine Herabsetzung der Lebensmittelrationen unvermeidbar machen würde. Bin sehr schwieriger Punkt dieses Planes wird die Deutschlandfrage sein, da England im vergangenen Jahr 150 Mill. Pfund, den größten Teil davon ln Dollar, für die Aufrechterhaltung der kleinen Rationen ln seiner Zone aufwenden mußte. Von den 500 Mill. Dollar, die Im ersten Vierteljahr 1947 von der Amerika-Anleihe abberufen wurden, gingen 70 Mill. nach Deutschland. Bel Ausbleiben einer Neuregelung der Wirtschaftslasten werden die englischen Dolleraut- gaben für Deutschland 1947 noch über denen des Vorjahres liegen. In englischen Kreisen Ist man dar Ansicht, daß dar englischen Bevölkerung eine weitere Einschränkung Ihrer Versorgung zugunsten Deutschlands nicht zugemutet werden könne, andererseits erscheint eine Uebernahme bithe- rigar Dollaraufgaben Englands zu Gunsten Deutschlands durch Amerika höchst ungewiß. Wirtschaftsrat für englisch-amerikanische Zone Die Militärregierungen Großbritanniens und der USA hah: t a 1 s Operett e „Eva Im AbendUeld" zuetacute, di« «Uh überall «eben l au e n kann In dar Titelrolle sang und spielte weh Utal Lfcndner in die Harten cter Hörer. Joeef Solo« und Willy Gundermann «ten- den ibr al« verliebte Partner stimmlich wie dar- steilaricch beeten« zur Saite. In Anke Jefteh-Sia- nasMxui fand die geratet» Geganap te teri n ein« charak.tertett«ti« Darstellerin. Al« ausgeeeicho»- te Verwandluagakünetierin mit viel Roeee orwtoa sich Elfi jede Vogler. Zwei gut geprägte Typen auch Guido Wagner aU Buchhalter und, al« Wörtlicher Rechtsanwalt, Helmut Silberhorn Dte beiden ansprechenden Bühnenbilder entwarf H. Schanidt-Seeger Auch der ausgezeichnet klappenden technischen Einrichtung Friedr, Brokern- mers sei lobend gedacht. Di« MueUc hotte man geschickt auf zwei Flügel mit Schtagaeug beschränkt; die Leitung lag bei Helm Schröter io den beeten Händen — im wahrsten Sinne des Wortes —. sie hatte mitreißenden Schmiß. Alle« in allem: Dte nou zosaaunengeateHte Spielge- memeebaft hol unter Schmidt-Soeger eine tadellose Aufführung auf die Beine gestellt. F. R gründung der Gesellschaft statt. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Nachfolger und Schüler AtchoHs, Professor Dr. Franz Buechner berufen. In seinem Festvortrag berichteten Professor Buechner von einer Fortsetzung jener klassischen Versuche zur embryonalen Entwicklung, wie sie Han» Speemann und seine Schule in Freiburg an den Keimen heimiecher Molcharten durchgeführt haben. D«r Rest vom Schützenfest. Unter dem Motto „deutsch • französischer Kulturaustausch" hatten dl« Nazis o. a. mehren Koloasal- statuen des Hitlerschen Hofbildhaueri Arno Broker nach Paris gebracht, wo si« nach dem Rüdczug aus Frankreich verblieben. Sie kamen jetzt zur Versteigerung und wurden von einem Abbruchunternehmer erworben, der für ein drei Meter hohee Männerstandbild 1000 Francs bezahlte. Kulturbund und Friedensver- handlangen. Die Stimme de« Kulturbünde« eoli bei den künftigen Frtedens-Verbendlua- gen angehört werden, erklärte Oberst Professor Tulpanow in einer Rede, die er am zweiten Tag der Tagung des Kulturbundes zur demokraü- sdien Erneuerung Deutschlands ln Berlin hielt Die sowjetische Militärregierung fühle sich dem Kulturbund gegenüber nicht als eine Kontroli- kommieeion, betonte Oberst Tulpanow, eie wolle ihm vielmehr Freund und Mitarbeiter sein. KULTURNACHRICHTEN In zwei Folgen ist eine Mappe mit Steinzeichnungen „Der Bodensee” erschienen. Peinliche Exaktheit, die schon bei den Aquarellen auffiel, möchte leicht verärgern, aber mehr noch wird dann die große Bescheidenheit des Künstlers vor dem Gegenständlichen deutlich: so mag ieder einmal dieses oder jenes Motiv erlebt haben. Hans Erich Simon verspricht uns demnächst Figürliches. Schon hier deuten ein paar Ideenmotive, „Tod und Leben” und Künstler in der franzöi. Zone dürfen nach einer Mitteilung des Amtsblattes der Landesverweisung vom 1. Oktober 1947 ab nur dann auftreten und ihre Tätigkeit ausüben, wenn sie politisch überprüft und beruflich bestätigt sind. Freiburger medizinische Gesell, ■ che ft. Im Jahre 1911 gründete Ludwig Aschoff die Freiburger medizinische Gesellschaft. Im Hörsaal seines pathologischen Instituts fanden in der Folgezeit alle Sitzungen der Gesellschaft statt, die der Förderung wissenschaftlicher Erkenntnisse und zur Belehrung des medizinischen Nachwuchses dienten. In einem zum Teil noch erhaltenen Teil des Instituts fand jetzt die Neu- Abgeiehnter Hitler-Film. Die rikegfscha PtitebcHteske „Hitler und der Teufel" welche dieser Tege in eenem Pariaar Kino auf- geführt werden eökte. ist von der französischen Fümzensur verboten worden, Din VettahanateH. welche die Rechte über c Meaeu Fiten erworben hatte, legte gegen das Verbot Proteat «In, und es liegt nun an der Regierung, die endgültige Entscheidung zu treffen. Bin Teil dar Pariser Presse bo/t sich dem Protest angeschloeeen. Erfolgreicher Film. In Penis gelangte der neueste Ftim von Rene Ciair, „Schwelgen iat Gold", mit großem Erfolg zur Uraufführung. Dia Presse bezeichnet den Hlm nicht nur efe Meisterwerk, sonder n efe d a s Meisterwerk des bedeute n den französischen Rogtoeeurs. Die Erforschung des Welträume». Auf dem Mount Hamilton in Callüornien soll in 1600 m Höhe ein neue« Rleeen-Teteekog gebaut worden mit einer Oeffnung von etwa 3 m Durchmesser, das die Erforschung des Weltraumes & einer Tiefe von 900 Millionen Lichtjahren ermöglichen soll. /freltag La Warn rte es '»eres Rfasserl stimmt Wunsch fcen, w< Sim de scheint dörrt n bar an Bauern fitft noi terweis auf die tiger V Schäfch nur haJ «lr di« wünsch Im baß sei Wärme («drihe ken aol es ist s Bauern Der ] sten Bf wwäch. Häufelt tun der rur „F beut« Bütteln futter t ler, w« blüte g ist des Wenn um 22 mts v Ai» 1 Heur latssitzi den Wi konnte gebnlsft Instand uungen gangen« fertigge über d mehr * Sdiwiei Der Wi sich de lenden Wange! Uarkgr au« de ru eine soll, er ■■nhaft Innenü susschl auch d Zu inte tung ei Grundg kannt wird si wettbei der Ar ben aol dem N Richtur Das Punkt Nord-S %gert< Weinbi erbaut hen. Ir gedehn ten, da Beso •llem «traße de Bai hundet Gebäut «lnand Gerwin Höfe, c eine fil gestalt ähnlich reinigu düng Voraus •ein. Das Von < fnöglid •ufbau gleich tnen. 1 läßt »1 •eben. Schafts schäftf bringe: stellt« Fehler daß je Hau« di« Et geht, i gebiet« laasen. them ■Trettag, SO. Mai 194T KURIER B Nr. *3 / Seite 3 ßaOifche Unöcechronih ßrachmonö Warm und naß soll der Juni sein oder, #ie es in der bilderreichen Sprache untreres Landvolks heißt, Feuer und ein Wasserkessel drauf. Aber tyie wenig Stimmt oft sein Ablauf mit de« Bauern Wunsch überein; Die Winde können wehen, woher sie wollen, aber keiner bringt ihm den ersehnten Regen, der Westwind Scheint „trockengelegt”, der Ostwind gar dörrt noch das Wenige aus, das vom Mai her an Feuchtigkeit geblieben. Da ist dem Bauern schließlich ein kühler Nordwind fast noch lieber, soll er doch nach der Vä- terweisheit Korn ins Land wehen. Auch auf die Wolken ist im Brächet kein richtiger Verlaß, selbst wenn am Himmel die Schäfchenwolken aufziehen, traut er ihnen nur halb. Der Regen ist aber am meisten für die beiden ersten Monatsdrittel erwünscht, wie ein alter Spruch beweist: Vor Johanni bitt’ um Regen nachher kommt er ungelegen Im Gegensatz zum Mai, der ja kühl und paß sein soll, soll der Juni nun endlich Wärme bringen, wenn Korn und Wein gedeihen und das Wachstum nicht stok- ken soll. So paradox es klingen mag, aber es ist so: bleibt der Juni kühl, wird dem Bauern schwül Der Bauer tummelt sich, mit dem ersten Behacken der Wurzel- und Handels- gewächse, von Tabak und Mals, mit dem .Häufeln der Kartoffeln fertigzuwerden, um der ersten Aufforderung des Wetters zur „Heuet" Folge zu leisten. Heu ist heute bei dem Fehlen von Kraftfuttermitteln erst recht unersetzliches Grundfutter für das Vieh und umso gehaltvoller, wenn es beim Eintritt der Gräserblüte gemäht wird. Sankt Barnabas — das ist der 11. Juni — schneidet dag Gras. Mondfinsternis am 8. Juni Wenn der Mond am Abend des 3. Juni um 22 Uhr '* Minuten aufgeht, Ist er bereits verfir, .t, denn schon um 21 Uhr 56 Minuten doppelter Sommerzeit ist sr in den Kemschatten der Erde eingetreten. Den Höchstbetrag der Finsternis mit l li» des Monddurchmessers erreicht er um 22 Uhr 15 Minuten und um 22 Uhr 34 Minuten hat er den Erdschatten wieder verlassen. Nachdem der Mond am gleichen Tag um 1 Uhr den absteigenden Knoten überschritten hat, befindet er sich also unterhalb der Erdbahn. Die Finstemis- kerbe ist also am oberen Rand zu suchen. Juni — Klimaspiegel vom Bodensee Obschon das Bodenseegebiet zu den klimatisch am meisten begünstigten Tellen Süddeutschlands gehört, sind infolge der verschiedenen Höhenlage che Temperaturen uneinheitlich. Im Durchschnitt ergibt eich eine Juni-Tage swärme von 16 bis 17 Grad, auf eine Höhe von 400 Meter NN. bezogen, errechnet aus der Morgen-, Mittags- und Abendtemperatur. Als absolute Höchsttemperatur kann 31 bis 33 Grad angenommen werden, die aber, wie die langjährige Statistik beweist, nicht oft und nicht einmal ln Jedem Jahr erreicht wird. An Regenfällen sind 110 bis 140 Liter Wasser auf Jeden Qudratmeter Boden wahrscheinlich, doch können diese Mengen örtlich sehr verschieden sein. Charakteristisch ist auch im Bodenseegebiet die starke Zunahme der Niederschläge im Sommerhalbjahr, die wir in ganz Süddeutschland beobachten können und die sich um so mehr steigert, je näher wir den Alpen kommen. Drei Zeiten in einem Ort w Entlang der Schweizer Grenze gibt es auf deutschem Boden eine Ortschaft, in der es drei offizielle Zeiten gibt. Die in der Schweiz Tätigen richten sich nach der mitteleuropäischen Zeit, die zwei Stunden hinter der unsrigen liegt. Die Kirche dagegen zeigt normale Sommerzeit und Bahn und Post endlich haben ihre Uhren nach den letzten Vorschriften eingestellt. Während vier Stunden, nämlich von 10 bis 14 Uhr, ist auf irgendeiner Uhr in dieser Ortschaft immer Mittag und zu bedauern ist nur die Hausfrau, von der sich morgens der Gatte verabschiedet mit den Worten „bis Mittag bin ich zurück”, ohne beizufügen, nach welcher Uhr er Mittag zu machen gedenkt. Karlsruhe tulrö mleöer aufgebaut Von unserem M.-I*-Berichterstatter Ais vor einiger Zeit Erster Bürgermeister H e u r i ch in einer öffentlichen Stadt- ratssitzung einen längeren Bericht über den Wiederaufbau Karlsruhes erstattete, konnte er zwar auf die erfreulichen Ergebnisse der Schuttaufräumung und der Instandsetzung leicht beschädigter Wohnungen hinweisen, von denen im vergangenen Jahre 2 955 mit 8 663 Zimmern fertiggestellt wurden, dagegen konnte er über den geplanten Wiederaufbau kaum mehr sagen, als daß er mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden sein wird. Der Wiederaufbau der Innenstadt, in der sich der Charakter der wiederherzustellenden Weinbrenner-Bauten wie Rathaus, 'Wangellsehe und katholische Stadtkirche, . Markgräfliches Palais mit einem neuen, aus der‘Zelt heraus geborenen Baustil zu einer harmonischen Einheit verbinden - soll, erfordert eine sorgfältige und gewissenhafte Planung; zumal das Bild der Innenstadt auch das Stadtbild insgesamt ausschlaggebend beeinflussen wird. Um . auch die Öffentlichkeit weitgehend dafür ° zu interessieren, bereitet die Stadtverwaltung eine Ausstellung vor, die mit den Grundgedanken des Wiederaufbaus bekannt machen soll, und an die Ausstellung Vrird sich die Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs anschließen, der insbesondere der Architektenschaft die Möglichkeit geben soll, mit Vorschlägen und Anregungen dem Neuaufbau eine erfolgversprechende Richtung zu geben. Das Schloß wird wie bisher den Mittelpunkt des Stadtbildes abgeben, und die Nord-Süd-Achse, die von ihm zum Ett- %gertor-Platz führt, jene Straße, die Weinbrenner einst als Via triumphalis «ibaut hat, wird im alten Stil neu erstehen. Im Norden der Stadt wird der ausgedehnte Hardtwald die Möglichkeit bieten, das Wohngebiet zu erweitern. Besondere Aufmerksamkeit wird vor allem auch die Ausgestaltung der Kaiser- ttraße finden müssen, wo durch das wilde Bauen der Jahrzehnte um die Jahrhundertwende wahllos Gebäude neben Gebäude gestellt worden war, ohne sie einander anzupassen. Dazu kamen die Verwinkelten, spitzwinklig verlaufenen Höfe, die hinter einer gradlinigen Fassade eine für die Zukunft untragbare Fiächen- gestaltung aufwiesen. Deshalb wird hier, ähnlich wie auf dem Lande die „Flurbereinigung”, eine Begradigung und Abrundung der Grundstücke die notwendige Voraussetzung für den Wiederaufbau •ein. Das Ziel der Stadtverwaltung ist es, von der Errichtung von Behelfsbauten möglichst abzusehen, dafür den Wiederaufbau nach eingehender Vorbereitung gleich in der endgültigen Form vorzuneb- men. Wie weit das möglich sein wird, läßt »ich im Augenblick noch nicht übersehen. Da die Kaiserstraße die Hauptgeschäftsstraße war, erwägt man. die Geschäfte zunächst provisorisch unterzubringen, bis sie endgültig ln ihr neuerst eilten Heim einziehen können. Um die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, daß jeder nach seinem Geschmack »ein Haus wieder aufbaut und so wiederum di* Einheitlichkeit der Planung verlorengeht, ist vorgesehen, für bestimmte Stadtgebiete eine allgemeine Bausperre zu erlassen. Das ist eine Maßnahme, die manchem Bürger schweres Kopfzerbrechen hen wird, der bereit wäre, vor der Währungsumstellung mit den vorhandenen Mitteln sein Haue wieder aufzubauen, was er später vielleicht überhaupt nicht mehr kann, aber das Interesse des Einzelnen muß sich hier dem Gesamtbild unterordnen. Albtalbahn-Brück e wird gebaut Karlsruhe. Die 1945 sinnlos gesprengte Brücke der Albtalbahn über die Rangierbahngleise wird jetzt durch eine Pionierbrücke ersetzt werden, die die Stadtverwaltung der Albtalbahn zur Verfügung gestellt hat. Dadurch wird die Albtalbahn in etwa drei Monaten wieder in ihren Bahnhof einfahren können, während die Reisenden bisher den Weg vom Dammerstock bis zur Stadt zu Fuß machen mußten. Der frühere Präsident der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und Vizepräsident der Gauwirtschaftskammer Baden/Elsaß, Fabrikant Fritz Rolf Wolf, hatte gegen das Urteil der Spruchkammer Berufung eingelegt, die ihn in die Gruppe der Belasteten eingereiht und seine Einweisung in ein Arbeitslager für vier Jahre , und 75 prozentigen Vermögenseinzug angeordnet hatte. Die Berufungskammer beließ es bei der Einreihung in die Gruppe der Belasteten, setzte aber das Sühnemaß von vier auf zwei Jahre Arbeitslager herunter, die durch die Internierung als verbüßt galten. Segensreiche» Hilfswerk Offenburg, Die Kreisstelle Offenburg des Badischen Hilfswerk hielt unter dem Vorsitz von Landrat Dr. Joachim eine Generalversammlung ab. In Zusammenarbeit mit Caritas, Innerer Mission und Arbeiterwohlfahrt wurde Großes geleistet. Oft mußten an einem Tage 5000 Kriegsgefangene verpflegt werden. Tausende von Evakuierten mußten mit Kraftwagen nach Villingen, Freiburg und Karlsruhe befördert werden. Im Uebernachtungaheim fanden über 40 000 Personen Unterkunft. Ungezählte Flüchtlinge, zumal Kranke, erhielten warm« Verpflegung. 800 bedürftige Kinder nahmen täglich an der Schweizer Speisung teil. Für Flüchtlinge und Fldeger- geschädigte wurden Kleddarspenden vom Ausland vermittelt. Vermittelt wurden ferner die irische Speckspende, Zuckerspenden aus Irland, Gemüse-, Obst- und Kartoffelspenden aus der Schweiz, die Spenden der deutschen Kriegsgefangenen aus der USA u. v. a. Im neuerrichteten Kindererholungsheim Käfersberg finden jeweils 20 Kinder 5 Wochen lang Er holung. Die Rodung des 23 ha großen Kahlhiebs im Stadtwald wurde einer Heidelberger Firma übertragen. Die Kosten belaufen sich auf 52 000 RM. — Die 66 Siedlungshäuser der 1932 begonnenen Siedlung Hildboltsweier gingen in den Besitz der seitherigen Mieter über. Jeder Sedler hat den Betrag von 250 RM. zu entrichten. Der Fehlbetrag wird von der Stadt getragen. Bunter Abend des Südwestfunks Freiburg. Der Sender Freiburg des Südwestfunke veranstaltete zum ersten Male einen „Bunten Abend” vor der Oeffent- llchkeit. Unter den Mitwirkenden sah und hörte man u. a. Elfriede Draeger und Charlotte Schütz vom Staatstheater Wiesbaden, Anton Lehmbach, Freiburg, Hans Hofele vom Radio Stuttgart, sowie Hermann Schlttenhelm als Akkordeonsolist. Das verstärkte Rundfunkorchester unter der Leitung von Franz Hauck bildete mit flotten Rhythmen die Brücke zwischen den einzelnen Darbietungen, die allgemeinen Beifall fanden. * Thermalbad am Kaiserstuhl? Freiburg. Es sind Bestrebungen im Gange, die warme Quelle am Fuße des Badberges bei Vogtsburg zu fassen und als Thermalbad auszunützen. Das Wasser der Quelle soll die gleichen Eigenschaften wie die Thermen von Bad Krotzingen besitzen. Gefangene kehren heim Kaiserslautern. Zwei Transporte mti insgesamt 3200 zur Entlassung kommenden Kriegsgefangenen aus französischen Lagern passierten während der Pfingstfeier- tage Kaiserslautern. Sie wurden von der Arbeiterwohlfahrt, Caritas und Inneren Mission verpflegt. Weitere Heimkehrertransporte sind angemeldet. Aus de* Schweiz Die außerordentliche Kirchengemeindeversammlung in Schaffhausen billigte einen Kredit von 200 000 Franken für den Bau der neuen Steigkirche. Sie «oll da« durch Bomben zerstörte Gotteshaus ersetzen. Die Bausumme beträgt eine Million Franken, davon zahlt Amerika rund 600 000 Franken, während der Rest von der Einwohner- und Kirchengemeinde je zur Hälfte getragen wird. Geplent ist die Errichtung einer Kirche mit Turm und 570 Sitzplätzen und eines angebauten Gemein- desaalea mit 180 Sitzplätzen. — Am 12. Mai ist in der Richtung Schweiz-Deutschland der private Telefonverkehr in beschränktem Umfang aufgenommen worden. Vorläufig können Gespräche mit der amerikanischen und der britischen Besetzungszone geführt werden. Eine Gewähr für die Herstellung einer Verbindung innerhalb einer bestimmten Frißt, mit einer bestimmten Gemeinde oder Pereon kann nicht übernommen werden. Unö roleöer Frühling ln Dreifach Unendlich lichter, seidenblauer Himmel spannt «ich von Gebirge zu Gebirge wie ein riesiges Himmelszelt über die weite Ebene des hohen Rheines. Man wandelt in des Lichtes Fülle wie in Gefilden jenseits des Alpengebirges. An die Albanerberge muß man denken, sieht man die rebenbekränzten Hügelzüge des Kaiserstuhles, aneinander gereiht im beglük- kenden Rythmus, eine vollendete Bildung der Schöpfung. Hier hat schon der Süden begonnen, hier schwebt etwas von dem ewigen Reiz, der unsere Sehnsucht an jenes Land jenseits der Alpen fesselt. Ein neuer Frühling ist an den Rhein gekommen. Es schmücken sich nicht nur die Bäume der Ruinenstadt mit Blütenpracht, die Gärten und Beete mit den an frühere Zeiten werden wieder wach. Meine Gedanken wandeln hinaus auf die Wege und Hügel des Kaiserstuhles, auf die Weinbergterrassen, wo an den stillen Waldsäumen die elfenbeinfarbige, große Anemone leuchtet. Und der Blick wendet sich rückwärts von der Höhe hinab zur Ebene, die sich von schimmerndem Licht durchflutet in die Feme weitet, sich verliert über dem langgestreckten Rücken der Oberstadt Breisachs, in kaum wahrnehmbaren Formen jenseits der Rheinebene die Vogesenberge ahnen lassen. In dieser Ebene, der alten Rheinniederung, floß einst der Rhein hart am Westrand des Kaiserstuhles hin. Dies alte Bett trägt heute noch im Volksmund den Namen „der Kinkelerhein”. In dieser Ebene standen im 17. Jahrhundert die Zeltstädte ‘MiWfön 5i“(wMVWV 'lüuaurfiH» leuchtenden Farben aller der Frühlings- kinder, es wächst auch in den Herzen der Menschen wieder ein neuer Frühling, ein neuer Mut nach einem solchen Winter, nach diesen Jahren der Leiden und Trauer. Der Glaube an die eigene Kraft bricht in diesem Frühling hervor. Man hofft, man plant und hier und da erschallt aus den Brandruinen und Trümmerstätten das helle Klopfen fester Hammerschläge und das Klingen der Maurerkelle. Das drängt wie «in neuer Pulsschlag des Lebens herauf. Der Wiederaufbau beginnt! Steht man auf dem Münsterberg, so leuchtet schon hier und da ein neues hellrotes Dach verheißungsvoll, dem manches noch in diesem Sommer folgen wird. Der altehrwürdige Münsterbau auf der Felsenhöhe wurde schon im letzten Jahr neu eingedeckt, um dieses edle Bauwerk vor allen weiteren Unbilden zu bewahren. Wie einen heimlich Liebenden erfüllt mich dieses neue Erwachen des alten Städtchens mit Glück. Alle Erinnerungen Text umd Zeichnung von Carl Moritz Schreiner der Schwedischen und Weimarer Heere, die unter dem Oberbefehl Herzog Bernhard von Weimar die Veste Breisach belagerten. Bernhard bezwang und gewann diese „allerschönste Braut", wie der Chronist es vermeldet, wodurch Oesterreich diese Schlüseelstellnug am Rhein verlor, diese Pforte zum Elsaß und Burgund. Erst drei Jahrhunderte sind seitdem verflossen und immer wieder stand diese Stelle erneut Im Brennpunkt geschichtlichen Geschehens. Dennoch — oder vielleicht deshalb — blieb dieses Erdenfleckchen ein echtes Land deutscher Seele, in dem einst die köstlichsten Früchte deutscher Kultur und Kunst reiften, die Werke Martin Schongauers, des unvergleichlichen, Meister Mattis und vieler Anderer. Darum gehört diesem Lande unsere ganze Liebe und wir halten es fest und unverlierbar im Herzen mit unseren besten Wünschen. Süötoeftöeutlche Umfchau Konstanz. Das Mittlere Militärgericht Fredburg, das in Konstanz tagte, verurteilte die 43 jährige Inhaberin eines Frise mrgeschafte« und einen 60- jährigen Sägewerksbesitzer, beide aius Konstanz, wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu je (Uni Jahren Gefängnis und 5000 RM Geldstrafe Die Ftsu hatte einen während des Krieges bei ihr dienstverpflichteten Franzosen aus nichtigen Gründen b«i der Gestapo denunziert, der Mann bei ihm beschäftigte Ostaibetter schlecht behandelt. Ferner verurteilte das gleich« Gericht eine 32 - und eine 36 jährige Ehefrau, beide au« Stodcachi die entere zu fünf Jahren,letztere zu 10 Monaten Gefängnis Die beiden Freuen hatten im April 1945 der Waffen-SS den Schlupfwinkel von Ausländem gezeigt, die daran ermordet worden waren. — Wie sich aus einer Sadi- verständiffen-Feststeliung ergab, fehlen fei Konetanz zur Zelt rund 1525 Wohnungen. $chrocöifch*öcutfchc Freizeit auf öer Infel Mainau Blta großzügiges Hiltswerk für di« deutsche Jugend Wer in diesen Frühsommertagen der Insel Mainau im Ueberlinger See einen Besuch abstattet, der findet dort beinahe alles wieder so anmutig und gepflegt wie in Vorkriegstagen. Die Besucher kommen in Scharen, die Kuredampfer können an Sonn- und Feiertagen kaum die Zahl der Fahrgäste fassen. Es fällt aber auch gleich auf, daß sich noch ein muntere» Völkchen hinzugesellt hat, nämlich die männliche Jugend, di« dort Jeweils auf die Dauer von 14 Tagen das „Schwedisch- deutsche Freizeitwerk des YMCA" genießt. Prinz Lennart von Schweden, der Eigentümer des lieblichen Eilands, hat, es in Verbindung mit dem „Christlichen Verein junger Männer” vor einiger Zeit ins Leben gerufen und dafür Unterkunftsräume gleich neben der Bekannten „Schweden- =cchenke" zur Verfügung gestellt. Zwei bewährte Schwestern schwedischer Nationalität, Krankenschwester Meri und Sozialfürsorgerin Vide, die beide bis kurz vor Kriegsende in der Berliner schwedischen Kolonie imerschrocken tätig waren, haben die frühere Reichshauptstadt mit dem Bo- deneeegestade vertauscht und nehmen sich jetzt mit gleichem Eifer der Jungen an,