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AUbUßl L V % t Anzeigenannahme durch alle Geschäftsstellen und Agenturen des Südkurler SUDKURIER Kurz notiert Nach einem Bericht der evangelischen Frauenarbeit Deutschlands befinden sich noch etwa 20 000 deutsche Frauen in russischer Kriegsgefangenschaft. Die Repatriierung aller deutschen Kriegsgefangenen aus England und dem mittleren Osten soll Ende 1948 beendet sein. Nach einer Entscheidung des Aliiefften Kontrollrates ist der grüßte Helgen der Schiffswerft „AG. Weser" in Bremen zur Auslieferung an die Sowjetunion bestimmt worden. Zum päpstlichen Sonderbeauftragten «■ für die heimatvertriebenen Deutschen wurde der Kölner Weihbischof Dr. Josef Ferche ernannt. Ueherlebende Häftlinge des KZ-Lagers Ravensbrück wurden zu einem kostenlosen Kuraufenthalt nach Polen eingeladen. Der Revisionsantrag des zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilten ehemaligen Generalfeldmarschall Milch ist angenommen worden. Die Verhandlung soll im Herbst in Washington statlfinden. Splitter von Phosphorbomben, die während des Krieges abgeworfen wurden und die tief in den Boden eingedrungen waren, sollen die Ursache der großen Waldbrände bei Nürnberg gewesen sein. Die anläßlich der Hannoverischen Exportmesse entworfene Sonderbriefmarke kann nicht aus- gegeben werden, weil der sowjetische Vertreter im Kontrollrat die Ausgabe abgelehnt hat. Der Aufseher des Friedhofes Heidelberg- Nauenheim wurde von der Stadtverwaltung seines Amtes enthoben, weil er mehreren Personen Gelegenheit gab, in den Letdienzellen zu übernachten. Der französische Rat der Republik nahm das neue Wahlgesetz mit 205 gegen 90 Stemmen an. Die Kommunisten hatten sich gegen das Gesetz ausgesprochen. Aus London wird mitgeteilt, daß die sowjetische Regierung aufgefordert worden ist, gemeinsam mit England und USA an Besprechungen über das Todesurteil teilzunehmen, das gegen den bulgarischen Oppositionsleiter Petkoff ausgesprochen wurde. Der japanische Landwirtschaftsminister erklärte, daß Japan im September zum erstenmal einen leichten Ueberschuß an Nahrungsmitteln Infolge der Einfuhr von Nahrungsmitteln aus USA zu verzeichnen hat. Die kanadische Regierung gab bekannt, daß Kanada einer unbegrenzten Anzahl von Flüchtlingen die Einwenderungagenebmigung erteilen werde. Nach einem Bericht aus Moskau wird die Getreideernte der Sowjetunion als sehr gut bezeichnet. Griechische Regierung zurückgetreten Athen. Am Samstag wurde in der griechischen Hauptstadt bekanntgegeben, daß drei griechische Minister ihren Rücktritt eingereicht halsen. Diese Rücktritte hatten dann die Demission des Gesamtkabinetts zur Folge. Im Verlaufe einer Sitzung hatten eie zurückgetretenen Minister zum Ausdruck gebracht, daß sie eine Umbildung der Regierung für dringend erforderlich halten. Die drei zurückgetretenen Politiker brachten ihre Ueberzeu&ung zum Ausdruck daß der nationale Kampf nur nach einer Umbildung der Regierung zum guten Ende geführt werden könne. Durch eine solche Umbildung würde das Vertrauen der Regierung im Auslande verstärkt, während gleichzeitig im Innern eine schöpferische Leistung vollbracht werden würde. Der jetzige Außenminister Tsaldans soll nun ein neues Kabinett bilden. In offiziellen amerikanischen Kreisen glaubt man. daß die Regierung Maximos deshalb zu Fall gekommen sei, weil der Minister für öffentliche Ordnung Zervas weder für die Linke noch für die Rechtskreise tragbar war. Londoner Konferenz hinter verschlossenen Türen Die Besprechungen über die Wiederherstellung des deutschen Industrife-Niveaus nur von kurzer Dauer London. Im Lancaster-Haus trat am Freitag, wie schon gemeldet, die Konferenz zusammen, die das Problem der Erhöhung des deutschen Industrieniveaus und das der Kontrolle der Ruhrindustrie beraten soll. Auf der ersten Sitzung wurde die Tagesordnung auegearbeitet. Es ist anzunehmen, daß die Beratungen nur vier bis fünf Tage andauern werden. Man hat in London den Eindruck, daß die britischen Vertreter die Rolle der Schiedsrichter zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten übernehmen Washington wünscht die Wiederherstellung des deutschen Industrieniveaus, wie es vor dem Kriege bestand, insbesondere soll die Stahlproduktion auf 13 MilL Tonnen erhöht werden. Da diese Menge kaum zugestanden werden wird, will England einen Vermittlungsantrag stellen, der etwa 10 Mill. Tonnen umfaßt. Frankreich steht auf dem Standpunkt, daß es -•elbfi nicht weniger Stahl e< zeugen kann als Deutschland, was aber nur möglich wäre, wenn Frankreich zureichende Koksmengen aus dem Ruhrgebiet erhält. Die Verteilung des Ruhrkoks wird also das Hauptthema der Beratungen sein. Man versteht in britischen- Regierungskreisen, daß Frankreich die Interessen seiner Industrie verteidigt, wie man auch versteht, daß die Vereinigten Staaten auf Erhöhung des deutschen Industrieniveaus dringen, damit Deutschland den AUiierteri nicht länger zur Last fällt. Man verhehlt allerdings nicht, daß die zu erörternden Probleme derartig verwickelt sind, daß im besten Falle nur grundsätzliche Beschlüsse gefaßt werden können. Der Konferenzbeginn stand unter dem Eindruck der Protestnote der Sowjetunion, die sich gegen die Abhaltung der Besprechungen wendet In London wird wiederholt darauf hingewiesen daß es der Sowjetunion freigestanden habe, an der Konferenz teilzunehmen, wenn die Sowjetunion sich an das Potsdamer Abkommen halten würde, das die Wirt- schsftseinheit für ganz Deutschland ausspricht. Wenn das Potsdamer Abkommen heute kaum noch Geltung habe, so sei die Sowjetunion für diesen Zustand verantwortlich. Die Beziehungen der französischen Zone Geteilte Ansichten über europäische Zollunion Paris. Zehn Delegationen der Pariser Konferenz zur Ausarbeitung eines Programms für den Marshall-Plan trugen am Samstag ihre Stellungnahme über die Errichtung eines Komitees zum Studium der Möglichkeit einer europäischen Zollunion vor. Bevor die Konferenz einen Plan für die europäische Wirtschaft aufstellen kann, müssen ihr endgültige Zahlen über die deutsche Produktion vorliegen 13 Teünehmernationen der Pariser Wirtschaftsbesprechungen haben sich bereit er- 1 klärt, dem Komitee zu dem Studium der Möglichkeit einer europäischen Zollunion beizutreten. Schweden und Norwegenn habe sich noch nicht entschlossen, eich an dem Komitee zu beteiligen, und die Haltung Irlands ist noch nicht geklärt. Großbritannien, Frankreich, die Türkei, Italien, Griechenland, Oesterreich, Holland, Belgien, Luxemburg, Portugal, Dänemark, die Schweiz und Island stimmten für die Errichtung des Komitees. Norwegen und Schweden stellten sich auf den Standpunkt, daß die Frage der Zollunion von der entsprechenden Organisation der Vereinten Nationen erörtert werden solle. Die meisten Nationen zeigten sich dem Vorschlag einer Zollunion gegenüber sehr zurückhaltend, waren jedoch bereit, an einer Prüfung des Problems teilzunehmen, ohne sich im voraus zu dem Prinzip einer europäischen Zollunion zu verpflichten. Vereinte Nationen am Scheidewege NewYork. In einem Leitartikel mit der Ueberschrift „Die Vereinten Nationen am Scheideweg” schreibt „New York He- rald”: „Der offizielle Antrag Amerikas, die Bedrohungen der politischen Unabhängigkeit und territorialen Integrität Griechenlands auf die Tagesordnung der Vollversammlung der Organisation der Vereinten Nationen zu setzen, ist der Beginn einer neu- Phase in der Geschichte der Vereinten Nationen, die entscheidungsschwere Folgen haben kann.” Die Zeitung zitiert die Worte des amerikanischen Delegierten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und schreibt: „Wenn diese Versammlung sich entschließen könnte, dahingehend zu wirken, daß Griechenland der berechtigte Schutz zuteil wird, könnte dieser Schritt ein, wenn auch zeitgebundenes, so doch ausgezeichnetes Ergebnis zeitigen. Dadurch würde die Notwendigkeit, die dahtatw steift; rt&r noch deutlicher hervorgehoben werden, nämlich der Friedensschluß zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und den Vereinigten Staaten von Amerika.” zur amerikanisch-britischen Bizone werden in London sicherlich zur Sprache kommen, aber eine Regelung dieser Frage wird nicht erwartet. Die Konferenz trat am Samstag und am Sonntag zu ihrer dritten Sitzung zusammen. Alle Besprechungen zogen 6ich außerordentlich lange hin. Kommuniques wurden keine ausgegeben. Die Mitglieder der verschiedenen Delegationen lehnen es kategorisch ab, irgendeinen Hinweis auf den Verlauf der Arbeiten zu geben. Es steht lediglich fest, daß eich die Beratungen in einer Atmospäre der allgemeinen Herzlichkeit abwickelten. Erstes Echo London. Der „Manchester Guardian” schreibt unter dem Titel: „Die deutsche Produktion”: „Die Döllar-Sterling-Krise ist eine Weltkrise, deren letzter Grund die ungenügende Produktion Europa« ist. Suchen wir den Ursprung dieses Versagens, so sind wir gezwungen, von dem fühlbaren Verschwinden Deutschlands aus dem Welthandel zu sprechen. Das Ruhrgebiet stellt zur gleichen Zeit einen Aktivposten und auch eine Gefahr für Europa dar. In Potsdam irrte man sich, indem man annahm, daß die Welt sich erlauben könne, gleichzeitig mit der Gefahr auch dieses Wertobjekt zu vernichten. Diese Illusion ist heute verflogen. Wir können uns keine Torheiten mehr erlauben”, fährt die englische Zeitung fort. „Frankreichs Ein wände müssen aufmerksam angehört werden bei den Londoner Besprechungen, aber es wäre unvernünftig”, meint das Blatt, „die Tatsache außer acht zu lassen, daß das schon vor langer Zeit festgesetzte Industrie- Niveau den unhaltbaren Zustand der europäischen Wirtschaft noch auf unbestimmte Zeit hinaus verlängern und damit die Döllartinapphttr erüü»R und 1 '“den Marshall-Plan ins Lächerliche ziehen könnte. Denn tatsächlich hat Frankreich ein ebenso großes Interesse an der Wiedergeburt Euroms als irgendein anderer Staat. > Gromykos 18. Veto im Sicherheitsrat Auch die Aufnahme Oesterreichs und Italiens abgelehnt Pfund nicht mehr Weltwährunjj London. Das einem unfreiwilligen Thronverzicht gleichkommende Ausscheiden des Pfund Sterling als Weltwährung ist der britischen Regierung gewiß nicht leicht gefallen. Man weiß i* der Londoner City und in Downing Street so gut wie in der Wallstrett New Yorks, daß die Verhängung einer Wechselsperre gegenüber dem Dollar die Stellung der englischen Währung auf absehbare Zeit hinaus aufs schwerste erschüttern und den besten Stützpfeiler des englischen Welthandels anfressen muß, zu einem Zeitpunkt obendrein, in dem das britische Mutterland seine Vorhandstellung in Indien, Griechenland, Aegypten und auf anderen wichtigen Märkten des Empires preisgeben mußte. Die Wirklichen Gründe für die Wiedereinführung der De visen-Z wangswirtschaft — denn um eine solche handelt es sich bei der Aufhebung der Konvertierbarkeit des Pfundes — sind in den schweren Einbußen zu suchen, welche Großbritannien im zweiten Weltkrieg erlitten hat Nach zuverlässigen Untersuchungen haben Englands Kriegskosten über 120 Milliarden Dollars, und zwar ohne die fast 20 Milliarden Paditleihgeschenke der USA, betragen. Vielleicht hätte England im Laufe der Nachkriegsperiode diese Vermögenseinbuße wenigstens teilweise wettmachen können, wenn nicht die politische Gefügekrise des Empires alle Pläne über den Haufen geworfen hätten. So aber war England bei Kriegsende Großschuldner Sicht nur bei. den Vereinigten Staaten, sondern auch bei den rohstoffreichen Dominien und bei Indien. Während die Vereinigten Staaten schon bald durch einen 4 Milliarden Dollarkredit Ueberbrückungs- hilfe leisteten, mußte England sich auf die Rückzahlung seiner Sterlingsschulden an Kanada, Australien, Südafrika, Aegypten, Indien und an einige südamerikani6che Länder einrichten. Diese Verpflichtung erwies sich aber inzwischen um so drückender, als in der Amerikaanleihe ausdrücklich die Konvertierbarkeit der Sterlingsschulden vereinbart worden war. Das bedeutete, daß den Sterlinggläubigern das Recht eingeräumt wurde, vom 15. Juli 1947 ab Rückzahlung in Dollar zu verlangen. Es hat sich inzwischen herausgestellt, daß die Gläubiger diese Rückforderung in Dollar in so massiver Weise betrieben haben, daß die Amerikaanleihe im Verlaufe von wenigen Wochen geradezu „aufgefressen” worden ist. also nicht mehr zur Ankurbelung der englischen Exportproduktion ausgenutzt werden konnte. Da sich anderseits die Hoffnung auf eine neue amerikanische Anleihe und auf die Hilfskredite des Maishall-Plans nicht schnell genug realisieren läßt, blieb der durch die Kriegserbschaft bedrängten Labourregierun g schließlich nichts anders übrig, als «ich wenigstens nach der Dollarseite durch ein Transfermoratorium aus der drohenden Gefahr zu retten. Ohne sich in voreiligen Prophezeiungen ergehen zu wollen, muß doch wohl befürchtet werden, daß der englische Währungsechritt noch manche Konsequenzen in der Weltwirtschaft nach sich ziehen wird. P NewYork. Die Anträge fünf europäischer Staaten, nämlich Ungarns, Bulgariens, Rumäniens, Italiens und Oesterreichs um Aufnahme in die UN sind vom Sicherheitsrat abgelehnt worden. Der sowjetische Delegierte Gromyko legte gegen das Aufnahmegesuch Oesterreichs und gegen eine australische Resolution über die Zulassung Italiens sein Veto ein. Die Sowjetunion hat damit bisher 18mal ihr Veto-Recht angewandt. Der USA-De- j legierte Johnson zog im Hinblick auf das „unvermeidliche Veto” der Sowjetunion den USA-Vorschlag zurück, wonach der ganze Fragenkomplex der Aufnahmegesuche der UN-Vollversammlung vorgelegt werden sollte. Italienische Stimmen zum Sowjet-Veto Rom. Das sowjetische Veto gegen die Aufnahme Italiens in die UN hat in Rom große Enttäuschung hervorgerufen. Die unabhängige Zeitung „il Tempo” schreibt: „Die Kluft zwischen Osten und Westen hat sich verbreitert. Dieser Umstand zwingt Italien, noch engere Bindungen mit dem Westen zu suchen.”. Die kommunistische Zeitung „lUnita” behauptet, das Veto der Sowjetunion würde in Rom als eine natürliche Folge der Isolierungspolitik und der feindlichen Haltung gegenüber den Ostmächten angesehen. „Tatsache ist, daß diese Politik, die zunächst die sofortig^ Ratifizierung des Friedensvertrages durchsetzte, uns nunmehr den Mißerfolg von Lake Success eingebracht hat.” Vetofrage vor die UN - Voll versamm lung; New York. Australien stellte überraschend den Antrag, die Frage des Vetorechts der fünf Großmächte und die Zulassungsanträge weiterer Staaten auf die Tagesordnung der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu setzen. Die Vollversammlung wird ferner ersucht, eine ausgedehntere Tätigkeit des Internationalen Gerichtshofes zu erörtern. Indonesien-Debatte vor dem Sicherheitsrat NewYork. Der niederländische Delegierte van Kleffens erklärte vor dem Sicherheitsrat bei der Wiederaufnahme der Indonesien-Debatte, der Sicherheitsrat habe mit seiner Anordnung, daß die Feindseligkeiten eingestellt werden, keinen Erfolg gehabt. Wenn er wolle, daß die Kämpfe in Indonesien beendet würden, müsse er entweder Truppen dorthin entsenden, oder den Niederländern gestatten, Ruhe und Ordnung zu schaffen, wonach sich Mililionen im Lande sehnten. Der indische Vertreter erklärte, es sei untragbar, die Genehmigung zur Fortsetzung eines Kolonialkrieget zu geben. Der Sicherheitsrat müsse seine eigene Untersuchungskommission für die Indonesienfrage erneimen und ferner auf dem Rückzug der Truppen auf ihre ursprünglichen Positionen bestehen. Alle Versuche, den Sicherheitsrat im augenblicklichen Stadium zu umgehen, würden für die Weiterentwicklung der Vereinten Nationen schwere Konsequenzen haben. Die Völker Asiens hätten am Kampf für die Demokratie teilgenommen. Nun seien ihnen die Illusionen genommen, und sie blickten auf den Sicherheitsrat um Hilfe bei der Errichtung der Demokratie. US-Hilfslielenmgen an Griechenland Washington. Das USA - Außenministerium gab bekannt, daß über 50 000 Tonnen dringend benötigter militärischer Ausrüstung für die griechische Armee von den USA nach Griechenland unterwegs seien. 12 Transportschiffe seien vor Mitte August, heißt es in der Erklärung, mit Lastwagen, Lebensmitteln und anderen Gütern an Bord, zusammen mit über 20 000 Tonnen, von den USA abgegangen. 30 000 Tonnen anderer Güter wurden vergangene Woche verladen und nach Griechenland abgesandt. Der Wert der Lieferungen beträgt ungefähr 18 Millionen Dollar. X London. Bestrebungen zur Bildung eines italienisch-griechisch-türkischen Verteidigungsblocks, eng verknüpft mit dem amerikanischen Hilfsprogramm, werden in Athen als wichtigstes Ergebnis des vor kurzem beendeten Besuches des griechischen Außenministers Tsaldaris in den USA angesehen, schreibt der Athener Korrespondent der liberalen News Chronicle. In weiteren Kreisen werde mit der Ausdehnung dieser „Entente” auf den Iran und die Staaten der Arabischen Liga gerechnet. Exodus - Emigranten kommen nach Deutschland Paris. Laut einem Kommunique der britischen •Botschaft in Paris werden die Emigranten der „Exodus 1947", die Port de Bouc auf britischen Schiffen in Richtung Gibraltar verlassen haben, in zwei Lager in die Nähe von Hamburg gebracht werden. Diese beiden Lager sind die z. Zt. besten in Deutschland vorhandenen Massenquartiere. Sobald die Identität der Emigranten festgestellt ist, seilen die britischen Bewachungsmannschaften der Lager zurückgezogen weiden. In einer an den König von England gerichteten Botschaft zugunsten der Emigranten erklärt das „Zentratkomite" ehemaliger Internierter und politisch Deportierter", daß die UNO den Schutz der Freiheit der 250 000, den nationalsozialistischen Krematorien entkommenden Juden übernehmen Der sozialistische Staat Von H. C. Goldscheider Wir setzen die in Nr. 52 begonnene Artikelserie über die Staatsauffassungen fort Um von vornherein jedes Mißverständnis auszuschalten: der sozialistische Staat unterscheidet sich zwar wesentlich vom kommunistischen, er steht im scharfen Gegensatz zum kapitalistischen und liberalen, jedoch in keiner Weise zum christlichen. Denn diese beiden Begriffe, Christentum und Sozialismus, liegen auf verschiedenen, miteinander nicht vergleichbaren Ebenen, die aber nach sozialistischer Meinung parallel verlaufen, derart, daß ein wahrhaft christlicher Staat auch ein sozialitischer sein muß Wenn tatsächlich in der Vergangenheit Streit zwischen Kirche und Sozialdemokratie bestanden hat bis zur zeitweisen, nirgends aber praktisch wirksam gewordenen Antichristlichkeit der Sozialdemokratischen Partei, so hatte dies historische,- nicht aber prinzipielle Gründe. Das beweist unter anderem Großbritannien, wo es niemals einen antichristlichen Sozialismus gab, wo man im Gegenteil, wie Attlee in seiner Geschichte der Labour- Party schrieb, die Religion an erster Stelle unter den Einflüssen nennen muß, welche die sozialistische Bewegung in England aufgebaut hat. Das beweist weiterhin der enge Zusammenhang in der Geschichte zwischen reformatorischen und sozial- revolutionären Bewegungen, beginnend mit der hussitischen, bei der übrigens der Engländer Wiclif geistiger Pate war. Auch die lutherische Reformation war mit Sozialrevolutionären Bewegungen -eng verknüpft, den Bauernkriegen, jedoch scheute Luther, trotz durchaus scharfer Sprache gegenüber den Fürsten, vor der letzten politischen Konsequenz der Gewalt zurück und stellte sich hier auf die Seite des Bestehenden. Der Kirche als Institution ist ein gewisser Traditionalismus bis zur Gleichsetzung von Dogma und Tradition natürlicherweise eigeji. und damit eine, vielleicht instinktive Abwehrstellung gegen jeden Einbruch in die Ueberlieferung. Hierzu kam, daß in Deutschland der sogenannte Augsburger Religionsfrieden von 1555 auch den Bereich des Religiösen dem landesherrlichen Willen unterordnete durch die obskure Formel, daß dessen Konfession zu gelten habe, der das Land oder Ländchen regiere. Zusammen mit dem wirtschaftlichen Niedergang des Bürgertums als Folge des Dreißigjährigen Krieges ergab sich hieraus in weiterer Folge eine gewisse Abhängigkeit der „Landeskirchen“ — zumal nördlich des Mains — vom Landesherren, welche die Kirchen in eine politisch konservative und damit antisozialistische Haltung trieb, als der Sozialismus erkennen mußte, daß er seine Forderungen offenbar nur durch wesentliche Eingriffe in die überlieferte Staatsform durchsetzen konnte. Denn im Grunde ist die Frage der Staatsform mehr eine Frage der Praxis als des Prinzips. Auch das beweist uns Großbritannien und das Schicksal der Weimarer Republik, zeigen die seit Dezennien sozialdemokratisch regierten skandinavischen Königreiche und die kapitalistische Republik der USA. Der Sozialismus ist nach Spengler das Lebensgefühl des 20. Jahrhunderts, und wenn wir auch seine kategorische Untergangsphilosophie selbst auf den Trümmern Europas ablehnen, weil Sozialismus eine Philosophie kraftvoller Tat und nicht der Resignation ist, hierin hat er Recht. Sozialismus ist kein fertiges System, es ist die Sehnsucht nach dem idealen Ziel, einer möglichst großen Anzahl von Menschen einen möglichst großen Anteil an den materiellen — und geistigen Gütern dieser Welt zu sichern, wobei die Sozialisten sich durchaus darüber klar sind, daß Glück nicht allein eine Angelegenheit weltlicher Güter ist. Sie aber beschränken sich auf diese und überlassen die überweltlichen Räume anderen und glauben, daß diese Arbeitsteilung sinnvoll und zweckmäßig ist. Um diese, im Grunde ethische Forderung des möglichst großen Anteils an den Gütern dieser Welt für eine möglichst große Zahl von Menschen zu erfüllen, bedarf es einer möglichst sinnvollen Verteilung dieser Güter. Wir wissen, daß Gerechtigkeit und rein mechanische Gleichheit nicht dasselbe sind, und darum halten ' wir nichts vom Kollektivismus, der den Menschen zu einer Nummer macht, die im Getriebe der Bürokratie von aller Menschlichkeit entkleidet wird. Aber auch die sogenannte „gleiche Chance”, die der Liberalismus angeblich bietet und die zu einem Wettkampf aller gegen alle führt, in dem der Ellenbogen und die körperliche Kraft zu siegen pflegen, und nicht, wie man behauptete, zu einer Harmonie, ist nicht das, was wir unter Gleichheit verstehen. Es handelt sich für uns im wesentlichen um die gesellschaftliche Gleichheit, das heißt um die Wertung des Menschen als Menschen und nicht als Vertreter irgendeines Standes. Es handelt sich auch darum, daß nicht eine geringe Zahl Privilegierte von der Arbeit einer großen Zahl Schaffender lebt —» Saft« 1/Nr. 6« S0DKUIIE1 Dienstag, 26. August 1947 Deutsche Schwixnmeisterschaften in Frankfurt {Drahtbericht unteres Frank furter F.W.-Korrespondenten) sondern daß jeder wirklich in den ungeteilten Genuß des Ertrages ßeiner Arbeit kommt Der so organisierte Staat nun ist ■weder lediglich — wie der extreme Liberalismus meint — eine reine Feuerwehr und Wach- und Schließgesellschaft, noch, wie Absolutismus und Kollektivismus meinen, eine allmächtige gottähnliche, um ihrer selbst willen existierende Institution, sondern eine Gemeinschaftsunternehmung. Der Staat ist alles, Du bist nichts, heißt es im Kollektivismus; Du bist alles, der Staat ist nichts, im schrankenlosen Liberalismus. Du bist ein Glied des Staates, der Staat ist eine Summe der Du’«, sagt der Sozialismus. Und so bedeutet das Wort „Sozialisierung” nicht einfach Verstaatlichung, sondern nur dann, wenn dieser Staat ein sozialistischer ist. Verstaatlichung im kapitalistischen oder auch im kollektivistischen Staat bedeutet Bürokratisierung, bedeutet Untergang des Menschen im Getriebe der Überorganisation. Wir fürchten den Staatskapitalismus nicht weniger als den Privatkapitalismus, vielleicht noch mehr, weil er noch schwerer zu beseitigen ist. Sozialisierung bedeutet zunächst nicht mehr als Überführung der Produktionsmittel der Großbetriebe in die Zeitungsverbote Berlin. Der Leiter der Nachrichten- kontrollabtedlung der amerikanischen Militärregierung für Deutschland, Oberst Textor, erklärte zur Entziehung der Lizenz Emil Carlebachs für die „Frankfurter Rundschau”, es fehle Carlebach nicht nur das Vertrauen in die Zielsetzung der amerikanisch«! Militärregierung, sondern seine politische Haltung lasse ihn als „völlig Berliner Spiegel Von unserem A.G.-Korrespondenten Berlin. In der gesamten russisch lizenzierten Presse Berlins wird der sowjetische Protest gegen die brittsch-amerika- nlsch-französischen Besprechungen über das Ausmaß des deutschen' Industrieniveaus in verschiedener Form behandelt, aber immer als großes politisches Ereignis angesehen. Die „Tägliche Rundschau” erklärt in einem Leitartikel „Große Gefahr für die Demokratie” als Ziel des Marshall- Planes in Westeuropa, die Wirtschaftsführung unter die Herrschaft des Großfinanzkapitals zu bringen. Das Blatt spricht von einer Nachkriegsverelendung in den westeuropäischen Ländern und betont demgegenüber den Wirtschaftsaufbau in den Balkanländem. Die polnische Kohlenförderung übertreffe diejenige der Vorkriegszeit um 23 Prozent, in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien sei die Eisen- und Stahlerzeugung sowie die Kohlenförderung auf dem Vorkriegsstand. Aber noch ein neues Moment taucht in den Berliner Pressekommentaren zu dem russischen Protest auf. Die Innere Front der Parteientwicklung zeichnet sich an diesen weltpolitischen Dingen ab. Die russisch lizenzierte Zeitung der LDP „Der Morgen” zeigt eine eindeutige Anlehnung an die russische Tendenz. Es wird darin Kritik an England und Amerika geübt, d'e nach dem russischen Protest nicht wie Frankreich vorschlugen, die Ergebnisse der jetzigen Besprechungen der kommenden Londoner Konferenz vorzuleeen. „Dort wird das Fm des deutschen Bären bereits verteilt. Alle Deutschen sollten ein gemeinsames Interesse haben, das Aueein- anderb rechen der deutschen Wirtschaft zu verhindern. Sie sollten durch die Unterstützung des russischen EinaDruchs darauf hinarbeiten, daß bei allen Entscheidungen über das Ruhrgebiet die politische und wirtschaftliche Einheit gesichert ist.” Die CDU steht demgegenüber in einem gewissen außenpolitischen Gegensatz. Das Organ der CDU „Neue Zeit” weist nur auf «He große Bedeutung des russischen Pro- test>echrtttes hin. Er könne der Ausgangs- P’inkt für neue konstruktive Ueberlegun- g°n auf der Londoner Konferenz sein. Verfügungsgewalt der Allgemeinheit In welcher Form dies zweckmäßig geschieht hängt von dem jeweiligen Stand der Technik und der Wirtschaft ah, ist eine Frage der lebendigen Praxis, die jeweils neu gestellt und neu gelöst werden muß, ist ein Problem des Standes der Produktionsmittel, das Marx nur im Prinzip deuten, nicht für alle Zeiten im einzelnen lösen konnte und wollte. Es ist das Schicksal jeder Lehre, daß sich die Schüler über die rechte Auslegung streiten und daß es, je weiter der zeitliche Abstand vom Begründer wird, desto mehr „Schulen” gibt Es gibt Buchstabengetreue und jene, die das Werk des Meisters sinngemäß, den jeweiligen Zeitumständen entsprechend ausgelegt sehen wolle. Was hätte er heute gedacht oder getan, ist ihre Frage. Das gilt in gleicher Weise für die Lehre von Marx, der Philosophie des Sozialismus. Je enger unsere Welt wird, — und sie wird täglich enger — desto bedeutsamer wird das Problem der gerechten Verteilung der Wirtschaftsgüte*.—, das heißt das Problem der Sozialisierung, das heute auch im Mittelpunkt der englischen Krise 6teht und das Ruhrproblem beeinflußt. in der US-Zone ungeeignet” für eine verantwortliche Stellung innerhalb der demokratischen freien Presse in Deutschland erscheinen. Carlebach ist Lau dtags a hgeor dneter der KPD. Bremen. Der Direktor der amerikanischen Militärregierung für Bremen untersagte der KPD im Lande Bremen jegliche Veröffentlichungen für die Zeit vom 20. 8. bis 12. 9. Die Maßnahme erfolgte, nachdem KPD-Verleger eine beanstandete Ausgabe der „Tribüne der Demokratie” trotz Verbotes durch die Militärregierung verbreitet hatten. Dementierte Dementis Zu dem auch vom „Südkurier” in Nr. 64 gebrachten Dementi des SNB, die Meldungen über Fortgang der Demontagen in der Ostzone seien aus den Fingern gesogen, schreibt der Berliner .Abend", daß die Werksleitungen der demontierten Betriebe in vielen Fällen den Betrieb mit neu hergerichteten Maschinen wieder aufgenommen hätten. Da sie aber keinen Abschlußschein der ersten Demontage erhalten hätten. erschienen jetzt Prüfungskommissionen. welche die inzwischen wieder eingebauten Maschinen ebenfalls fortnähmen. Das SNB scheine diese Fortnahmen zu den alten Demontagen zu rechnen, die Betroffenen empfänden das anders. Das SNB hatte auch erklärt, die vom .Abend” als demontiert bezeichnete Grube Regina gäbe es gar nicht. Das sei richtig, sie heiße nämlich „Regis". und diese sei demontiert. Maßnahmen gegen Kommunismus in Südamerika Petropolis. Der Lenkungsausschuß der interamerikanischen Verteidigungskonferenz hat beschlossen, sich mit der Frage einer Aktion gegen den Kommunismus in der westlichen Hemisphäre zu befassen. Beim Besuch des chilenischen Präsidenten Gonzalez Videla im vergangenen Monat in Brasilien soll nach Angaben aus der gleichen Quelle zwischen Videla und Dutra ein eigener antikommunistiseher Plan aus- geartoeitet worden sein, worin die Entlassung aller Kommunisten aus dem Regie- rungsdienst. die Erklärung der Kommunistischen Partei als ungesetzliche Organisation und das Verbot jeglicher kommunistischen Betätigung — innerhalb getarnter Organisationen — gefordert wird. Schumacher über dieOder Neiße-Linie Hannover. Dr. Schumacher forderte in einer großen Rede in Hannover freie Wahlen in der Ostzone. Auf die hannoversche Exportmesse eingehend erklärte er, man erkenne an dieser Schau die Bereitwilligkeit zum Export Dr. Schumacher ging dann auf das Oder- Nedße-Problem ein, das er als Ursache für die Emährungsechwierigkeiten ansieht, Dazu müsse der Export, der all das aus- gleichen solle, noch immer nach der Vor» schrift der Besatzungmächte durchgeführt weden, das hieße, nicht immer nach dem Willen der Exporteure, sondern dem der Konkurrenz. Die deutsche Forderung sei Einfuhr von Nahrungsmitteln und nicht von Fertigwaren. Der Sinn des letzten Krieges sei gewesen, so fuhr Schumacher fort, eien Völkern das Selbstbestimmungsrecht zu sichern. Auch die Besiegten hätten einen Anspruch darauf. Die Arbeit der SPD gelte der Entmachtung der Schwerindustrie, damit sie nie wieder durch Strohmänner die Gewalt über das deutsche Volk erhalte. Die Sozialisierung müsse erkämpft und erarbeitet werden. Besatzungskosten um die Hälfte gekürzt Bericht unseres F. A.-Korrespondeaten Freiburg. Der Südkurier teilte bereits in Nr. 62 mit, daß die Militärregierung die Besatzungskosten wesentlich herabgesetzt hat. Die Besatzungskosten wurden zu Beginn der Besetzung von der Besatzungsmacht beglichen, die aber das Verfahren bald aufgab, da die damit verbundene Vermehrung des Banknotenumlaufs eine Gefahr für die Währung bedeutete. Die Ausgaben wurden deswegen auf den Etat der Länder übernommen. Im Jahre 1946 betrugen die Kosten für die Besatzung in der gesamten französischen Zone 775 Millionen Mark, die auf die einzelnen Länder der französisch besetzten Zone je nach dem Umfang der Ausgaben eines jeden Landes verteilt wurden. Auf das Land Baden entfielen 27,10 Prozent, was einem Betrag von rund 210 Millionen Mark entsprach. Nach den Sparmaßnahmen, die von der französischen Militärregierung nun getroffen worden sind, kannten die gegenwärtigen Ausgaben auf 400 Millionen Mark für die Gesamtzone ermäßigt werden. Für das Land Baden ist der Anteil an diesen Kosten auf 25,9 Prozent verringert und dadurch auf 103 590 000 Mark zurückgesetzt worden, was einer Ermäßigung gegenüber dem Vorjahre um etwas über die Hälfte entspricht. Die Einsparung an Besatzungskosten, das Land Baden betrifft, beläuft sich gegenüber dem Budget 1946 auf 106 435 000 Mark. * Abschluß der Fuldaer Bischofskonferenz Fulda. Die dreitägigen Beratungen der Fuldaer Bischofskonferenz endeten mit einer Feier im Dom. Etwa 6000 Gläubige hatten sich dazu eingefunden. Nachdem die Erzbischöfe und Bischöfe feierlichen Einzug gehalten hatten, sprach Bischof Beming, Osnabrück, über die Bedeutung der Bischofskonferenz für die Bischöfe selbst, für Fulda und für das katholische deutsche Volk. Auch in diesem Jahre wird die Stellungnahme der Bischöfe zu Zeitfragen in einem Hirtenbrief veröffentlicht In seiner Ansprache unterstrich Bischof Beming drei Punkte: Die Bischofskonferenz als Lehrer der Wahrheit, als Hüterin der sittlichen Ordnung, als Verkünderin der tatkräftigen Nächstenliebe. Schweres Eisenbahnunglück in Berlin Berlin. In Berlin ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück. In einem Wagen des Vorortzuges, der im Norden Berlins in der sowjetischen Besatzungszone zwischen Veiten und Kremmen verkehrt begannen ein Benzinkanister und Filmstreifen zu brennen. Da die Flammen bereits in einigen Sekunden auf die verschiedenen Abteile des Wagens Übergriffen. bemächtigte sich der Reisenden eine entsetzliche Panik, bei der es 24 Todesopfer gab. Zwei Bauernhöfe abgebrannt Bodman. Am Montag brach in einer Scheune infolge Kurzschluß Feuer aus, das zwei landwirtschaftliche Anwesen in Asche legte. Die ersten Nachkriegsmeisterzebaften der deutschen Schwimmer batten in allen Zonen und Ländern ein freudiges Echo gefunden, und so verzeichnet«! die Frankfurter Meisterschaftstage eine Rekordbeteiligung und eine glänzende Besetzung. Die Organisation war ausgezeichnet, nur batten es die Veranstalter versäumt, die als •ehr schwer bekannte LlO-m-Baho des Frankfurter Schwimmstadions zu unterteilen. Wenn trotzdem die Leistungen durchweg ausgezeichnet und teilweise erstklassig waren, so stellt dies den Aktiven das beste Zeugnis aus. Jahresbestleistungen gab es auf der ganzen Linie. Darüber hinaus brachten die Meisterschaften die Gewißheit, daS es um den deutschen Schwimmer- naehwuehs nicht schlecht bestellt ist. Wenn men erst genügend Erfahrungen gesammelt hat, dann wird es bald würdige Nachfolger der alten Meister geben. Schon jetzt zählt eine ganze Reihe der neuen Meister zur jüngeren Generation, auch wenn einige davon schon bei den letzten Titelkämpfen 1943 zu Meisterehren vorrückten. Fritz Lehmann vom MTV Braunschweig beherrschte wie einst der Berliner Plath die Kraulstrecken und holte sich hier sämtliche Titel, die 100 m in 1:01,8 Min., die 200 m ln 2:19,8 und die 400 m in 5:06,8. Der Braunschweiger hatte keinen gleichwertigen Gegner. Gleich nach Lehmann ist Walter Klinge (Halberstadt) zu nennen, der in der Brustlage in .die Phalanx der alten Meister einbrach. Die 100 m gewann er in 1:14,6 vor dem westdeutschen Kunke und Lieitz, während Weltrekordmann Heina aufgab, da er zu spät abgesprungen war. lieber 200 m wehrten sich Heine und der alte Kämpfer Sietas, Hamburg, der seine 24. deutsche Meisterschaft bestritt, verbissen gegen den Ansturm der Jugend, aber Klinge war am Schluß doch der Stärkere und holte sich den Titel in 2:54,2 Min. Mit'dem Siege des Frankfurters Karoß lm 100-m- Rüdcen gab es eine große Ueberraschung. Der favorisierte Hamburger Hotz wurde in 1:15,2 Min. geschlagen. Unsere Springer bewiesen, daß sie nichts von ihrem großen Können eingebüßt hatten. Vom 3-m-Brett verwies der Braunschweiger Walter den Titelverteidiger Aderholt auf den zweiten Platz, während im Turmspringen der Hamburger Haase seinen Titel erfolgreich gegen Stork (Frankfurt) verteidigte. Staffelsiege erran- gen Neptun Erkenschwick, Olympia Gladbeck und MTV Braunsdiweig. Die Braumschweiger waren mit fünf Meisterschaften der erfolgreichste Verein. Bei den Damen fehlten leider die Titel- Verteidigerinnen Weber und Gisela Graß. Als schnellste Kraulerin erwies sich die letzte Meisterin Oberstein, München (100 m in 1:14,2). Ueber 100 m Rücken siegte Gertrud Hersbruck (Südwest). Die beiden Brustschwimmstrecken holten sich Frau Hensthel, Cuxhaven (100 m in 1:28,3) und Frl. Schmidt, Hamburg (200 m in 3:10,3). Die besten Springerinnen stellte Neptun Erkenschwick mit Tatarek (1.) und Boffmann-Eckstein. In den Staffeln gab es Siege durch MTV Braunschweig (4X100 m Kraul 4:20), Olympia Gladbeck (4X100 m Brust 5:26,4) und Hamburger TB (4X100 m Kraul für Damen 6:23,4). Im Wasser- bäll sah man die deutschen „Alt-Internationalem" mit 5:4 Toren über den Nachwuchs siegreich. Leichtathletikmeister Südwürttejnbergs Vor 4000 Zuschauern ermittelte in Tailfingen das Land Südwürttemberg aus 350 Teilnehmern seine Leichtathletikmeister 1947. Trotz stürmischen Wetters wurden auch auf dein Laufstrecken teilweise sehr gute Leistungen erzielt, die zum Teil auch die Ergebnisse der gesamtwürttembergischen .Meisterschaften (in Waiblingen) übertreffen. Ergebnisse: Männer: 100 m Mader (Biberach) 11 Sek.,. 200 m Vetter (Pfullingen) 23,2 Sek,, 400 m Daub (Tailfingen) 52,1 Sek., 800 m Bruder (Ravensburg) 1:58,7 Min., 1500 m Gesele (Ehingen) 4:22,7 Min., 3000 m Holl (Ehingen) 10:16,0 Min., 5000 m Fatti- schek (Wangen) 17:04 Min., 10 000 m Faltischek (Wangen) 35:41,7 Min., Weitsprung Vatter (Pfullingen) 6,65 m, Hochsprung Vatter (Pfullingen) 1,80 m, Staöhoch Erb (Ravensburg) 3,10 m, Kugel Hipp (Friedingen) 12,61 m, Speer Haas (Saulgau) 57,58 m, Diskus Bitzer (Tailfingen) 35,81 m, Ham- raer Sagawe (Lindau) 34,19 m, 4X1°° SV Tailfingen 45,8 Sek., 4X400 m SV Pfullingen 3:38,3 Min., 3X1000 m SV Ravensburg 8:24 Min., Fünfkampf Kl. I Hipp (Friedingen) 105 Punkte, Dreikampf Kl. II Ebner (Ebingen) 56 P. — Frauen: 100 m Ehe (Wangen) 13,1 Sek., Weitsprung Veeser (Balingen) 4,74 m, Hoch Veeser (Balingen) 1,37 m, Kugel Schmid (Wangen) 10,32 m, Diskus Schmid (Wangen) 32,31 m, Speer Sdimid (Wangen) 32,60 m, 4X100 m ASV Ebingen 55,3 Sek., • Dreikampf Ehe (Wangen) 49 P. Bartall wieder Tour-Sieger Die 1600 km lange Tour de Suisse ist am Samstag mH der Schlußetappe Basel — Zürich (253 km) zu Ende geführt worden. Der kluge Taktiker Gino Bartali aus Italien, der bereits die letztjährige Tour gewonnen hatte und sich 1947 von Anfang an an die Spitze des Gesamtklassement setzte, bat sich auch in diesem Jahr erfolgreich durchgesetzt. Mitte der Wqfhe war er zeitmäßig nur einmal von dem Schweizer Kühler bedroht. Dann aber holte der Italiener zum Gegenschlag aus und verschaffte sich in der nächsten Etappe einen so erheblichen Vorsprung, daß er ohne weiteren Etappensieg mit kluger „Bewachung" seiner schärfsten Konkurrenten die Führung knapp behaupten konnte. Der 33jährige Mann aus Florenz erwies sich ebenso sehr al s hervorragender „Bergsteiger" wie als schneller Mann auf dem flachen Lande, M was sich beim Zeitfahren Lausanne—Genf erwies. Auf dieser Strecke fuhr der Italiener Coppi mit 1:17:10 (46,7 Stdkm.) eine phantastische Zeit. Mit 21.16 Min. Vorsprung vor seinem Landsmann Bresci war Bartali im Gesamtergebnis ein überlegener Sieger. Gesamtklassement: 1. Gino Bartali (Italien) 47:35:55, 2. Bresci (Italien) 47:57:11. 3. Ocker s (Belgien) 48:00:28, 4. Kubier (Schweiz) 48:01:51, 5. Coppi (Italien) 48:16:01 6. Pasquini (Italien) 48:21:33, 7. Depredhomme (Belgien) 46:21:43, 8. Geus (Belgien) 48:23:11, 9. Stettier (Schweiz) 48:23:57, 10. Dupont (Schweiz) 48:27:53, 11. Diederich (Luxemburg) 48:30:01 12. Guyot (Schweiz) 48:32:20. Fußball-Freundschaftsspiel Die kurze Zeit vor Beginn der Meisterschaftsrunden wurde am 24, August wieder zu einer Reihe von interessanten Freundschaftsspielen benützt: FC Kaiserslautern — Bayern München 6:3, VfL Freitarg — Wormatia Worin* 2:5, Lahr — WormaticTWorm* 3:3 (I), Meßkirch — SV Offenburg 0:3, Weingarten — VfL Schwenningen 2:3, SV Biberach — Lindau 0:6, Donauesdiingen — Fortuna Freiburg 4:4, Zizenhausen — SV Ottenburg 2:8, ASV Villingen — Fortuna Freiburg 0:1, Engen — Eintracht Singen 4:4, FK Pforzheim — Hamburger SV 0:4, Stuttgarter Kickers — Nürtingen 16:1, VfL Osnabrück — Offenbacher Kickers 3:1, Werder Bremen — FC Nürnberg 3:2 (I), Baden-Baden — FK Pirmasens 3:6, Kuppenheim — FK Pirmasens 4:1 (I), ASV Ebingen — VfB Stuttgart 2:6, Wiesbaden — Mainz 05 3:5, SV Waldhof — Hamburger SV 1:3, Landau — Mainz 05 5:2, VfR Pforzheim — Hamburger SV 0:4, Bremer SV —■ Duisburger SV 1:4, St. Pauli ■— Eimsbüttel 3:0, VfR Köln — Schalke 04 0:3, VfR Ohligs — Borussia Dortmund 1:5, Spvgg Fürth — Rotweiß Obeihau9en 2:1, Fahrn au — Rot weiß Lörrach 0:2, Weil — Stetten 2:3, Turaringen — Steinen 3:2, Wehr — Donauesdiingen 2:6, Sädringen-Istein 1:1. Im Schwarzwild begannen die Rundenspiele der Bezftksklasse. Ergebnisse: Neustadt — Furtwangen 1:1, Löffingen — Blumberg 2:5, Mönchweiler — St. Georgen 1:1, Eisenbach — Weizen 8:1, Roth- weiler — Fieiburg 7:0. Handball: Radolfzell — Rotweiß Lörrach 5:13, Singen — Ueberlingen (in Engen) 14:3, Fabmau — Sädcingen 8:11, in Wuppertal: deutsche National, elf — Auswahl Westdeutschland 11:8 Kurz notiert In einem Fußball-Länderspiel ln Boraas schlug Schweden die finnisch« Vertretung 7:0. Ungarn, bezwang in Budapest Albanien 3:0. Beim Auftakt der französischen Fußballmeisterschaft schlug der Pokalmeister LiUe Racing Paris 4:1, der französische Meister Roubeix bezwang Cannes 3:1. Bei einem Motorrad-Rundstreckenrennen auf einem 5,8 km langen Abschnitt der Braunsdiwel- ger Autobahn fuhr Mansfeld (Nordheim) auf einer 350 ccm DKW mit 116 km/std schnellste Zeit; er war damit schneller als Georg Meier, der in der 500-ccm-Klasse nach dem Ausscheiden & von Fleischmann NSU mit einer BMW siegte (115 km/std). Einen Leichtathletik-Vergleichskampf (französ Zone) in Neustadt a. d. H. gewann die Rheinland. Vertretung mit 175 Punkten vor Pfalz (127,5) und Baden (121,5). Der in Karlsruhe ausgetragene Leichtathletik- Vergleichskampf (US-Zone) wurde von Bayern 171 Punkte vor Hessen 141,5, Württemberg 116,5 und Baden 111,1 p. gewonnen Bayerischer Tennismeister im Herrenednzel wurde in München Roderich Menzel, der im Endspiel Gottfried vonCramm mit 6:2, 6:4, 6:2 sch'ug. Einen von zwanzig Städten beschickten Städtekampf im Radrennen in Stuttgart gewann die Stuttgarter Mannschaft Schertle, Bühler, Hasen- forther vor Ludwigsburg und Hannover Kramer/Schröder schlugen* im Endspiel der USA-Tenmismeisterschaft Talbert/Sidwell (USA/ Australien) 6:4, 7:5, 6:3. Das Damendoppel gewannen Margaret Osborne/Luise Brough. Der Japaner Furahashlr durchschwamm die 400 m Kraulstrecke in 4:38,4 Min. und erreichte damit die Weltrekordzeit des Amerikaners Bill Smith. Bei den schwedischen Scbwimm-Meisterschaften benötigte Per Oisson für die 100 m Kraul 59,1 Sekunden. S prach Verwilderung Von Friedrich Munding Etwa seit Beginn diese« Jahrhunderts, offenbar infolge der veränderten Daeeins- bedingungen der Menschen, sind in •• Deutschland und in ganz Europa unübersehbare Wanderbewegungen der Menschen im Gange, die in der letzten Zeit einen stürmischen Grad erreicht haben. In Verbindung mit der Zerstörung einer in sich ruhenden Gesellschaftsordnung haben 6ie einen augenscheinlichen Zerfall der Kultur, auch der sprachlichen Kultur zur Folge gehabt. Es wird schlechter geschrieben und noch viel schlechter gesprochen und die Schulen legen einen zu geringen Wert auf die sprachliche Bildung, die die Grundlage jeder höheren Bildung ist Die Größe de« alten römischen Reichs beruhte eu einem Teil darauf, daß in «einen Grenzen eine reine dialektfreie Sprache voll eindrucksvoller Klarheit gesprochen wurde und daß in dieser Sprache nicht nur mit Sorgfalt, sondern auch mit Liebe geschrieben wurde. Wers anders hielt, zählte nicht zu den Gebildeten. Wir leben in einer Zeit der sinnfälligen sprachlichen Verwahrlosung ; an die Stelle des -einfachen, klaren nud redlichen Ausdrucks eines einfachen und klaren und redlichen Gedankens sind spitzfindige Dialektik und eine brandende Flut eines Geschwätzes getreten, in dem man mit Mühe den Gedankengang sucht Jeder weiß heute so viel, ja er weiß alles, nach seinem Bedünken. Aber selbst wenn er vieles weiß, kann es doch nur Stückwerk sein; Bildung besteht aber nicht so sehr aus vielem Wissen, als aus verarbeiteten, zu eigen gewordenem Wissen und aus der genauen, persönlich geprägten Form. Es gibt kaum einen Satz, der richtiger ist als der: Der Stil sei der Manrf. Der Stil des Sprechens oder Schreibens spiegelt so sehr den Charakter, daß es um ein Beispiel zu erwähnen, lediglich eines gewissen Feingefühls auf sprachlichem Gebiet bedurfte, um eine politische Figur, die kürzlich nicht allein durch ihre Taten, sondern auch, und ganz besonders, durch ihre Reden und Schriften Epoche machte, als einen kranken Narren zu erkennen. Es scheint aber, als habe dieses schauerliche und verhängnisvolle Erlebnis nicht zur Abschreckung gedient, als habe dieses peinliche Beispiel von zusammengelesener Halbbildung die Menschen nicht stutzig gemacht und auf einen besseren Weg verwiesen. Die wahrhaft babylonische Sprachverwirrung geht weiter und keiner versteht mehr den andern. Gewiß ist die Sprache, wie alle Formung, eine Kunst und in ihr Ungewöhnliches zu leisten, erfordert natürliche Anlage und handwerkliches Können. Dabei spielt auch das Moralische eine wesentliche Rolle, weil Gewissenhaftigkeit unerläßlich ist, sich selber und andern gegenüber und gegenüber dem Gedanken, der zu formen ist. Diese ist aber jedem zugänglich. Man weise es darum nicht von sich als Sache der Schriftgelehrten, nach einem klaren und schönen Ausdruck in Wort und Schrift zu suchen, mit Bedächtigkeit und Beharrlichkeit, wobei immer die Vorausaetznug ist, daß man etwas Eigenes zu sagen habe. Wem ist es nicht schon aufgefallen, daß unsere Vorfahren so sehr viel besser schrieben? Alte, vergilbte Briefe versetzen uns oft in Erstaunen durch ihren Gehalt an Erlebnis und durch ihren einfachen, redlichen Ausdruck, die vor unserem geistigen Auge den Menschen und seine Zeit und seine Lebensumstände lebendig werden lassen. Manches ist da ungelenk; wir sind ja so viel gescheiter geworden, oder scheint es uns wenigstens so. Wir haben aber keine Zeit mehr, uns wie Jene in den Augenblick zu versenken, ihn in Freud und Leid voll auszukosten, zum Erlebnis, zum lebendigen Teil unsres Lebens werden zu lassen. Wir haben keine Zeit? Als ob man weiter käme, wenn man die kurze Spanne, die dem Menschen als sein Leben zugemessen ist, verlängern könnte, wenn man sie im Laufschritt durchmißt. Uns gehört nur der Augenblick; ihn in Gemüt und Verstand voll auszunützen, läßt uns erst zum Erleben des eigenen Lebens kommen. So allein wird es für uns und für andere fruchtbar. Dabei ist es gleichgültig, ob dieses Leben an der Werkbank oder hinter dem Pflug oder an weithin sichtbarer Stelle gelebt wird. Wer sich aber des geschriebenen oder gesprochenen Wortes bedient, um von diesem Leben anderen mitzuteilen, oder sich selbst tiefer darauf zu besinnen, versäume nie, zu 6f inem eigenen Gewinn und Nutzen, sich klar und einfach auszudrücken, billigen Ueberschiwang und Ueberredung zu vermeiden und die Sache für sich sprechen zu lassen. Ob er ein williges Ohr findet, ist nicht seine Sache; genug, daß er das Seinige tut. Keiner kann mehr geben, als er hat; wenn er aber dieses schlicht und redlich gibt, gibt er nicht n-ur sein Bestes, er gibt auch, was allen dienlich ist. Es ist genug der Bildungsmaskerade ir Worten und Gesichtem; wir brauchen Einfachheit und Redlichkeit, im kleinen wie im großen; und diese spiegelt sich im Stil und Ausdruck unserer Sprache, die nicht umsonst als ein göttliches Geschenk gepriesen wird, aber darum Verantwortungsgefühl erfordert. Man muß es heutigentags sich zuweilen sauer werden lassen, zum einfachen Ausdruck zu gelangen und nur das zu sagen, was man selbst gesehen oder gehört oder bedacht hat, und In dem rasenden Wechsel der Gesichte zu sich selber zurückzufinden, vor allem auch zu schweigen, wenn man nichts zu sagen hat und nicht Worte um der Worte willen zu machen. Wer siche aber sauer werden läßt, wird bald die straffende Wirkung auf sein Wesen und seinen Charakter spüren und zudem das Glücksgefühl, das mit aller formenden, gestaltenden Arbeit verbunden ist. Dazu bedarf es aber nicht künstlerischer Finessen, sondern der einfachen Redlichkeit. Als dem Menschen das Wort gegeben, wurde er erst zum Menschen; das Wort ist der geformte Gedanke, sein Gefäß. Bewahrt er sich die fromme Ehrfurcht vor diesem Wunderbaren, das ihm ebenso zum Segen wie zum Fluch werden kann, wird er den Stein behauen, aus dem sich die große Pyramide der menschlichen Kultur zusammensetzt. KULTUR UND WELT Der Schriftsteller und frühere Geschäftsführer des Landes-Vereines Badische Heimat, Hermann Eris Busse ist, im Alter von 57 Jahren in Freiburg gestorben. Katholische Schriftsteller in Lahr In Lahr in Baden, findet demnächst eine Zusammenkunft katholischer Schriftsteller und Jugend- Vertreter im Haus der Jugend statt. Es werden nicht nur deutsche, sondern auch französische Vertreter teiinebmen. Prof. Bergei ln Baden-Baden starb der bekannte Schriftsteller und Anthropolog Prof. Dr. Kurt Berget. Et war bis vor kurzem noch vielseitig journalistisch tätig. Der „Existentialismus". ln einer langem Abhandlung über den „Existentialismus” in der S. Z. schreibt Prof. Dr. Ebbinghaus abschließend: „Mir scheint in der Philosophie das genaue Gegenteil von dem zu tun notwendig, was der Existentialismus wirklich tut — und obgleich ich den unmittelbaren Einfluß philosophischer Literatur auf das Leben der Menschen nicht für groß halte, so glaube ich doch nicht, daß die Menschheit sich zurechtfinden wird, wenn ej der Philosophie nicht gelingt, wenigstens in ihren eigenen Bezirken der in Existentialismus verkörperten Schwärmerei, die in unserer gepeinigten Zeit eine besonders große Versuchung darstellt, Herr zu werden.” Förderung der Intelligenz. Auf Anordnung der sowjetischen Militäradministration werden alle Studenten und Schüler von technischen Hochschulen sowie von Bau-, Kunst, und Musikhochschulen in der sowjetischen Be- satzmtgszone ab 1. September die Lebensmittel- karte II erhalten. Teilnehmer an Vorbereitungskursen dieser Lehranstalten fallen ebenfalls unter die Anordnung, Geistige Arbeiter jeglicher Art erhalten die Karte I. Severing über die Volksbühne. Der frühere preußische Minister Dr. h. c. Carl Severing, eröffnet* die neugegründete Volks, bühme Bielefeld mit bemerkenswerten Ausführungen. Er bezeichnete die Volksbühne al s eine parteipolitisch nicht gebundene kulturelle Einrichtung, die gerade heute angesichts mancher dunklen Zeiterscheinungen notwendig sei, um die Menschen zum wirklichen Weltbürgertum im Geist des Friedens und des wechselseitigen Verstehen« zu erziehen. Folgen des Kohlenmangels. In den Pariser und Londoner Kunstausstellungen dieses ... Sommer* sollen, «sch der Feststellung der Kri- ^ tiker, Aktstudien recht selten geworden sein. Man führt das auf den Kohlenmangel im vergangenen Winter zurück. BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN Euripides: Iphigenie im T aueT- lande. Uebertragen und mit eindringlichen hi- sterischen und literarischen Erläuterungen versehen von dem Archäologen Prof. Dr. Emst Buschor. Verlag Piper München. Der alte, unvergängliche, für die Griechen so kennzeichnende tphigenienstofl in einer wirksamen deutschen Bearbeitung, dem Verständnis nahe gebracht durch die aufschlußreichen Bemerkungen über den örtlichen und geistigen Raum der griechischen Antike, ln der der Tan taliden-Mytho* eine große Rolle spielte Insofern handelt es sich um mehr als nur um eine an sich schon begrüßenswerte Neuausgrbe. „Deutsche Rundschau" (Herausgeber R. Pechei) 1947, Heft 5/6. Pechei: Um Deutschlands Zukunft, Paetel: Das deutsche Exil, Bohne: Politische oder Völkerverständigung, Greiner: Das Unternehmen Seelöwe, Sprenger: Falsche Ehrbegriffe, Addicks: Situation des Rechts. (Verlag Deutsche Rundschau in Berlin Lance'ot der Bote aus Frankreich Baden- Baden. Heft 7. Eine gewichtige Monatsschrift, von Jacqueline Grappin herausgegeben, die mit ihren meist aus französischen literarischen Zeitschriften entnommenen Veröffentlichungen mitten in die literarisch-philosophischen Probleme führt, die in Frankreich ausgefochten werden und die ihre Wellen auch zu uns hinüber werfen. Erwähnt seien: Mougin: Geschichte des Existenzialismus, Elsa Triolet: Sage von der Baronin Melanie, Sar. raxin: Sojsnet Böguin: Valärys Faustdichtung. Leureiflard: Heinrich Mann. | Dienste v< Für c (st zur ein her Wir gelände Marken ben. Ni Enten hüpfen andern, Schilf ra hinter Hohenta unsacht Wolken zell sei! Die e Hoch ki men v< Abertau falkenp; Sturzflu schickt aus. Im höchst« der stü! « hat 1 im Fan „Vor wahre u ein m< Mensch! füllt die Khenhei ihn an c dert Jal gers dur in dem wie heu stark in fühlbar, treide u die Preii ter den rung in bitterer Odenwai meinden fcauptsta maßnaht der Miß Not ger. Großher Ausland Malter I kaufen and An missione richtet, „Mit der Zahl, un gen war von den aus der der „Ko tage 184 selbst w mar am Ronstan; heißt es, Rücksidi ten werc tei, die tätigen i leien sin dürftiger Auf V weiter ei Es lo Schule z realschul mit Gern der Stad über die tersee”. machend: die Werl aus diese Wahiheir Um mi hi begin Wien Ot Khieden« hing hä] aer Ring iterlicher »Eisgang der Unte öhlerfre üie „Sill »us der Umrisses Mystik d «rische ] Üie „fün fonlichei Farben g licht wei äicht ak dvs mit Srund. — Elahnbrec Üonismu! •einen il Bemalten ans dafüi •oller Za tungskra •eldorfer ttnand 1 Idikeiter tutzen, i Dienstag, 26. August 1947 HEIMAT KURIER B Nr. 66/Seite 3 ßaöifche LanÖcöchronih Vogclroartc bei Oer Arbeit Für den Naturfreund und Ornithologen Ist zur Zeit an der Markeifinger Bucht ein herrliches Schauspiel geboten. Wir stehen vor einem dichten Schilfgelände des Sees, nahe am Bahnhof Markelfingen, und erwarten die Schwalben. Noch sind kaum einige zu sehen. Enten quaken im See, Teichrohinsänger hüpfen im Schilf von einem Stengel zum andern, und Bläßhühner jagen sich am Schilfrand. Die Sonne verschwindet rot hinter dem schwarzblau schimmernden Hohentwiel und Hohenstoffel und verursacht eine wunderbare Beleuchtung von Wolken, Himmel und See. Ueber Radolfzell schlängeln eich Rauchwolken. Die ersten Schwalbenzüge treffen ein. Hoch kreisen sie! Immer neue Züge kommen von Westen heran. Tausende und Abertausende werden es jetzt. Ein Baumfalkenpaar beginnt seine abendliche Jagd. Sturzflug auf Sturzflug erfolgt, doch geschickt weichen die Meister des Fluges aus. Immer wieder steigen die Falken in höchster Höhe über die Schwalben, wieder stürzt das Falken-Männchen herunter, cs hat Glück gehabt. Mit einer Schwalbe im Fang streicht es ab, dem Bodanrück zu. Das Weibchen hatte kein Heid und mußte leer zum Schlafplatz ab fliegen. Nun fallen die Schwalben wie Steine stürzend ins Schilf, aber nicht alle auf einmal, sondern tropfenweise brausen sie an. Bald ist das Schillstück voll von Schwalben, und aus ihm ertönt ein Rauschen und Zwitschern. Langsam senkt sich che Nacht, und stille wird es auch im Schilt Am Rande des Schi Utes knien Männer der Vogelwarte Radolfzell mit einem Licht. Sie hatten in einem Netz einfallende Schwalben gefangen, und nun werden sie beringt, eingetragen und wieder freigelassen. Meist sind es Rauchschwalben, doch einige Uferschwalben sind auch daunter. Bald werden die Schwalben die große Reise nach dem Süden antreten, und mancher Ringfund wird die Strecke des Zuges oder des Winteraufenthaltes deuten und fördert dadurch die friedliche, wissenschaftliche Forschung unter den Völkern. Stadttheater Konstanz unter neuer Leitung Konstanz. Die Leitung des Kons tan zer Theaters, das seit seiner Wiedereröffnung nach dem Kriege eine erfreuliche und beachtliche Entwicklung erlebte und den Namen Konstanz als interessante Theaterstadt weitbekannt werden ließ, ist nun nach einer mehrwöchigen Krisis durch «ine Wahl des Stadtrates für «he kommende Spielzeit wieder besetzt worden. Nachdem che vorhergegangene Wahl Heinz Hilperts für das Konst an zer Stadttheater nicht aufrechterhalten werden konnte, wurde Wolfgang Engels, der in der vergangenen Spielzeit zusammen mit Dr. Walter Koch Nöte t)or hunöcrt Jahren „Vor Pest, Krieg und Hungersnot bewahre uns, o Herr!“ lautet nicht etwa nur ein moderner Bittruf der gequälten Menschheit, nein, seit Jahrhunderten erfüllt dieser Ruf aus angsterfüllten Men- «henherzen die Welt. Eine Generation gibt ihn an die folgende weiter. Auch vor hundert Jahren ging das Gespenst des Hungers durch unsere Heimat, wenn auch nicht in dem Umfange und aus den Ursachen wie heute. Die Not machte sich besonders stark in der ersten Hälfte des Jahres 1847 fühlbar, als die letzten Vorräte an Getreide und Kartoffeln zur Neige gingen, die Preise in die Höhe schnellten und unter den ärmeren Schichten der Bevölkerung in den Städten und auf dem Lande bitterer Mangel einkehrte. Vor allem im Odenwalde, im Kraichgau, in manchen Gemeinden der Seegegend, in der Landeshauptstadt und in Mannheim mußten Notmaßnahmen getroffen werden, um das von der Mißernte, betroffene Volk und die in Not geratenen Bauern zu unterstützen. Großherzog Leopold von Baden ließ im Ausland 26 000 Malter Roggen und 10 000 Malter Weizen (1 Malter = 150 Liter) an- kaufen und an unbemittelte Gemeinden and Arme verteilen. Unterstützungskom- missionen in den Gemeinden wurden errichtet, durch Suppenanstalten Tausende tespeist. In Karlsruhe sah man große Scharen tagtäglich zum Schlosse ziehen. „Mit der steigenden Not vermehrt sich Ihre Zahl, und an den letzten drei Audienzta- gen waren es jeweils über 1000 Personen, von denen jede eine Gabe empfing“, wie aus der Fülle der anschaulichen Berichte der „Konstanter Zeitung“ jener Februartage 1847 zu entnehmen ist. In Konstanz selbst wurde unter Führung von J. Marmor am 5. Februar 1847 der „Hilfsverein Konstanz“ gegründet. In seinem Aufruf beißt es, daß uns „nur rein menschliche Rücksichten bei unseren Handlungen leiten werden... Wir kennen nur eine Partei, die Partei der Humanität, der werktätigen Menschenliebe; alle anderen Parteien sind für uns im Begriffe der hilfsbedürftigen Menschen untergeganaen“. Auf Veranlassung der Regierung wurde weiter ein Fonds zur Unterstützung armer Landwirte mit Sommersaatfrüchten geschaffen. Ferner wurden die Reiseinfuhr vom Eingangszoll befreit und die Ausgangszölle auf Getreide und Hülsenfrüchte, auf Mehl und Mühlenfabrikate auf 25 Prozent des durchschnittlichen Preises erhöht, wurden Kulturarbeiten auf domänenärarischen Gütern für bedrängte Gemeinden unternommen und im Mai eine allgemeine Früchteaufnahme über die Vorräte an Kernen, Weizen, Spelz, Korn, Gerste, Haber, Mehl, geröllter Gerste, Erbsen, Bohnen, Linsen Kartoffeln, Welschkorn und Mischfrucht angeordnet. Im Seekreis war der Verbrauch an Getreide weitaus am stärksten, auch die Preise niedriger. Der starke Absatz In die Schweiz wurde durch die erhöhten Ausfuhrzölle merklich gedrosselt Durch solche Maßnahmen gelang es der Regierung unter energischer Mithilfe der Gemeinden und Einzelpersonen, der Not und der Teuerung Herr zu werden und den Anschluß an die neue Ernte zu gewinnen. Um Mittsommer 1847 ging ein befreiendes Aufatmen durch das Land, als reicher Frucht- und Emtesegen die Mühen lohnte. Unter dem 6. August 1847, also just vor einem Jahrhundert, brachte die „Konstanzer Zeitung" einen Bericht über günstige Ernteaussichten, daß „der Regen den Kartoffeln gut getan“ habe und „ungewöhnlich ergiebige Obsterträgnisse“ zu erwarten seien, wovon „ein großer Teil zu Most ausgepreßt werde, welcher bei gehöriger Behandlung bis in den Sommer des künftigen Jahres 6ich halte als ein sehr gesundes Getränk’’. „Auch der Seewein wird geraten und wohlfeil werden”, heißt es weiter,“ wenn auch nicht in dem Grade, wie die Chronik einer Stadt am Bodensee uns erzählt, wonach im Herbste 1473, welcher Ende August begann, das Fuder Wein 1 fl. 45 Kr. kostete, die Maß für ein Pfennig und der allerbeste für drei Heller ausgeschenkt wurde, und ein Eimer Wein mit einem Apfel gleichen Preis gegolten haben soll”.. 1484 habe man einen Eimer Wein für ein Hühnerei verkauft und um ein leeres Faß ein anderes mit Wein gefüllt. J, H. dem Theater Vorstand, gewällt, unter der Bedingung, daß Heinrich Troxböhm- ker als OberspieUedter engagiert wird. Diese neuerliche Lösung der Konstanzer Theaterfrage muß noch von der Militärregierung bestätigt werden. Unterbrochene Spruchkammer-Verhandlung Kar brühe. Zu einem sensationellen Ergebnis führte die Spruchkammerverband- lung in Bruchsal gegen einen Gerbermeister. Als der öffentliche Ankläger in dem Betroffenen seinen ehemaligen Peiniger wiedererkannte, legte er sein Amt als öffentlicher Kläger nieder und trat als Hauptbelastungszeuge gegen ihn aut Während des Krieges war der Gerbermeißter mit der Ueberwachung einer von der Organisation Todt eingesetzten „Arbeitsgruppe” von politischen Häftlingen und rassisch Verfolgten beauftragt. Dieser Gruppe gehörte auch der heutige öffentliche Kläger an und soll dort von diesem Gerbermeister geschlagen und mißhandelt worden sein. Das Verfahren wurde sofort unterbrochen, der Betroffene verhaftet und seine Ueberfüh- rung in das Internierungslager Ludwigeburg angeordnet. Nur 12 Prozent voll einsatzfähig Mannheim. Die vertrauensärztliche Untersuchung von 510 Männern und 42 Frauen beim Arbeitsamt in Mannheim im Monat Juli ergab, daß nur 12 Prozent voll einsatzfähig und nur 4,1 Prozent für den bisherigen Beruf geeignet waren. Kontrolle schon ln Göttingen Wiesbaden. Zur besseren Kontrolle der Ausweispapier deutscher Reisender in dem täglich verkehrenden internationalen Schnellzug Dänemark—Schweiz, der bei Hachenberg die Grenze zwischen der britischen und amerikanischen Zone passiert, werden die hessischen Grenzpoli- zieten zukünftig den Zug bereits in Güttingen besteigen und auf der Fahrt bis zum Eintritt in die US-Zone kontrollieren. Durch diese neue Methode der Zugkontrolle sollen unnötige Verspätungen an der Zonengrenze verhütet werden. Traditioneller Mainzer Weinmarkt Mainz. Auch in diesem Jahre hält Mainz, trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, seinen traditionellen Weinmarkt ab. Am 30. und 31. August, sowie am 6., 7. und 8. September wird auf dem Halleplatz eine Zeltstadt aufgebaut. Man hofft, daß der Mainzer Weinmarkt in nicht allzu ferner Zeit wieder seinen eigentlichen Sinn, nämlich den einer Werbung für den heimischen Weinbau, erhalten wird. In diesem Jahr wird der freigegebene Wein in der Hauptsache der Großma Inzer Bevölkernug und den evakuierten Fliegergeschädigten zugute kommen. Audi der ehern. Bürgermeister von Mayen verhaftet Koblenz. Auf der letzten Ministerratssitzung des Landes Rheinland-Pfalz wurde über den Fall des Mayener Großschiebera debattiert Der Generalstaatsanwalt von Koblenz teilte mit daß der Stadtamtsrat von Mayen, der von Januar 1945 bis Ende 1946 Bürgermeister der Stadt Mayen war, wesentlich für die bisherige Nichtverfbl- gung des Falles verantwortlich ist. Der ehemalige Bürgermeister hatte genaue Kenntnis von den geheimen Warenlagern, nahm jedoch von der Einleitung des Strafverfahrens Abstand. Gelegentlich einer Haussuchung bei dem Exbürgermeister wurden ein Zentner Weißmehl, 50 Büchsen Fleisch, etwa 800 Zigaretten und 45 Büchsen Tabak aufgefunden. Außerdem unterhielt er in einem Keller der Genoveva-Burg ein weiteres Lager mit Lebensmitteln. Schließlich ergab sich der Verdacht daß er sich in seiner Eigenschaft als Bürgermeister während der Nazizeit eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat. Der Bürgermeister ist inzwischen ebenfalls verhaftet worden. Der Wieöeraufbau Der Freiburger Kliniken Die 1926 bis 1931 gemeinsam mit der Medizinischen Klinik erbaute Freiburger Chirurgische Universitätsklinik wurde beim Angriff auf Freiburg am wenigsten innerhalb des ganzen Klinikenkomplexes beschädigt. Auf Befehl von General König wurde dieser Teil deshalb auch zuerst wieder instandgesetzt. Die Aufbauarbeiten stehen nun vor dem Abschluß. Dieser Tage erfolgte eine Besichtigung der Instandgesetzten Teile dieser — bis zum Angriff — modernsten und wirtschaftlichsten deutschen Universitätsklinik durch Vertreter der Müitärregierung, des Kultusministeriums und der Stadt. Bei diesem Anlaß wurde bekanntgegeben, daß nicht nur die beiden im Sanatorium Glotterbad und in der Kaltwasserheilanstalt St. Urban untergebrachten Teile der Chirurgischen Klinik, sondern auch die im Waisenhaus Günterstal untergebrachte Hals-, Nasen- und Ohrenklinik in die neue Chirurgische Klinik ziehen werden, und zwar noch vor Anbruch des Winters. Im Anschluß daran soll auch der Torbau der neuen Freiburger Kliniken zur Aufnahme der Klinikapotheke und der Klinikverwaltung ausgebaut werden, ferner der westlich an die Chirurgische Klinik anschließende, weniger beschädigte Teil der Medizinischen Klinik vor allem zur Aufnahme der heute noch unbefriedigend untergebrachten medizinischen Poliklinik und eines Teiles der Medizinischen Klnik instandgesetzt werden. Das Sanatorium Glotterbad soll mitsamt dem Kurhaus ein privates öffentliches Krankenhaus werden, das an die Freiburger Universitätskliniken angeschlossen ist. Die Anstalt St. Urban wird von der gynäkologischen Abteilung der Frauenklinik in Anspruch genommen werden. Nach diesen Umgestaltungen werden die Freiburger Kliniken wieder 1740 Betten zur Verfügung haben Postwertzeichen mit dem Freiburger Münster Seit einigen Tagen Ist in der franzöesich besetzten Zone Badens eine neue Elne- Mark-Briefmarke tim Umlauf. Das außergewöhnliche Hochformat (25 ; 43 mm) zeigt in grau-braunem Druck * die Vorderansicht des Freiburger Münsters. Im allgemeinen dürfte dieses Wertzeichen mehr dem Liebhaber und Sammler als der Allgemeinheit dienen. Sommerlicher Brief aue ßaöen*ßaöen Einet waren diese Tage Auftakt zu der „Großen Woche" von Baden-Baden. Die sommerliche Badestadt war der Treffpunkt der Haute volee von Geburt und Geldbeutel. Jene Tage der Rosen und des „Blumepkorsos” sind längst vergangen — geblieben aber ist: das Rennen in Iffezheim. Es geht zwar nicht mehr um den „Grand Prix” von früher, aber wieder sind es meist französische Renner, die sich die großen Preise holen. Und viel Volk aus der Umgegend ist da, wenn auch nicht mehr in Cut und grauem Zylinder. Es gab aber diesmal auch etwas, was es früher nicht gab — ein Reitturnier auf den Klosterwiesen am Ende der Lichtentaler Allee, den berühmten Boulevard des flaneurs. (Auch sie hat ihren traurigen Tribut an die Zeit zahlen müssen.) Zwar kehrt man nicht mehr die Wiesen, damit ja kein welkes Blatt das satte Grün störe. Aber, staunen Sie, es werden neben den alten Tennisplätzen neue angelegt; gegenüber dem stets überfüllten Schwimmbad, dort, wo einst im Winter der „Eisweiher” und später der Kleingolfplatz war. Weniger erfreulich war, daß an einem der letzten Sonntage plötzlich die Sirenen heulten! Auch diesmal war es Signal zu einer bedrohlichen Sache; wenn auch nicht ganz so ernst wie früher: der „Steinwald” war in Brand geraten. Die Feuerwehr bekämpfte den Waldbrand ganz modern mit Schaumlöschgeräten! — Im Stadtrat hörte man von mancherlei Plänen und den dazu gehörenden Sorgen: vom reichlich theoretischen Wohnungsbauprogramm — bis jetzt sind fünf Holzhäuser mit vierzehn Wohnungen fertig —, von den Schwierigkeiten der Müllabfuhr, von der Ernährung, und wieder von der Wohnungsnot, wobei der Oberbürgermeister erklärte, die hiesige Wohnungslage entspreche einer bis zu 70 Prozent ausgebombten Stadt. Trotzdem wolle der starke Zuzug immer noch nicht aufhören. Nun wird eine neue Ueberprü- fung aller 1939 Zugezogenen vorgenommen. Rr. SüDroeftDeutfche Umfchau Konstanz. Am vergangenen Freitag erlitt das Kursschiff „Hohentwiel" (Konstanz—Friedndis- hafen) am Ausgang der Konstanzer Bucht einen Bruch des Schaufelrades und blieb manövrierunfähig liegen. Die „Stadt Bregenz" nahm das Schiff in Schlepptau und fuhr es in den Konstanzer Hafen. Ein zweiter Bruch stellte sich am Samstagmorgeo bei der Fahrt von Meersburg nach Konstanz ein. Jedoch konnte diesmal das Schiff mit eigener Kraft den Konstanzer Hafen erreichen. — Seit der Eröffnung des Konstanzer Kur- und Hallenbades im FTÖhsommer d J. bis zum 19. August haben nicht weniger als 82 000 Besucher das Bad aufgesucht. Dagegen zählte man während der ganzen Saison 1946 insgesamt 42 000 Besucher. Immenstaad. Eine vorbildliche Maßnahme wird in der Gemeinde Immenstaad durchgeführt. Bin Teil der Obsternte von gemeindeeigenen Bäumen wird für die OstfWditlinge eingekeiiert, damit diesen an Weihnachten eine Freude bereitet werden kann. Lindau. Die Stadt Lindau plant vom 13 bis 18 September eine Herbstwoche. Im Gegensatz zu 1946 trägt die Woche keinen industriellen Ausstellungscharakter, sondern beschränkt sich lediglich auf kulturelle Veranstaltungen, für die namhafte Kräfte verpflichtet wurden. Man rechnet außerdem mit einem starken Besuch aus der Schweiz. Tuttlingen. Die Stadt Tuttlingen hat für jeden kriegsgefangenen Sohn der Stadt, der sich in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft befindet, ein großes Uebeepaket abgesandt, das neben verschiedenen nützlichen Gegenständen Eß- und Rauchwaren enthält. Hinterzarten. Die Landeserziiehungs-Heimschule Birklehof wurde von einem Schadenfeuer heim- gesucht Zwischen dem Schindeldach und der darunter liegenden Bretterverkleidung lag der Brandherd und konnte nur schwer bekämpft werden. Das Feuer konnte auf den Mittelbau beschränkt werden Die Biamdursache ist völlig ungeklärt, da das Gebäude . seit acht Tagen nicht mehr betreten wurde. Der Schaden. wird auf 30 000 bis 40 000 RM. geschätzt. Der Unterrichtsbetrieb leidet keine Unterbrechung. Rbetnfelden. Am 6. und 7. September findet hier der 1. Friedenstag der deutschen Jugend statt. Die Feier, an welcher Jugendliche aus den Kreisen Sädcingen, Lörrach und WaMshiut teil- nabmen, wird von sämtlichen demokratischen Jugendorganisationen getragen. Es wird mit einer Teilnahme von ca. 300 auswärtigen Jugendlichen, gerechnet. OHenburg. Auf Anordnung der Militärregierung wurden drei Landwirte in Stadelhofen, Ulm und Tiergarten wegen dauernder schlechter Milch- ablieferung verhaftet. In diesem Zusammenhang wurde erklärt, daß die Milch- und Fe «Versorgung nur dann gewährleistet sei, wenn die Bauern ihrer Milchablie ferungspflicht in vollem Umfange genügten. , Baden-Baden. Die im vergangenen Jahr wegen Anstiftung zum Mord an ihrem Ehemann zum Tode verurteilte Maria Schlltt aus Niederbühl bei Rastatt wurde in der Revlsionsveihandlung von der Strafkammer Baden-Baden neuerdings zum Tode verurteilt. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß Frau Schlltt die treibende Kraft bei der Ermordung ihres Ehemanns war. Farbige Welt im Hegau Zur Ausstellung ln Singen Es lohnt sich, wieder einmal in die Schule zu gehen, und zwar in die Oberrealschule in Singen. Hier können wir mit Genuß etwas lernen. Der Kulturbund äer Stadt am Hohentwiel unterrichtet uns äber die „Malerei im Hegau und am Untersee”. Und es ist ein lebendiger, froh hachendr Auschauungsunterricht, der uns äie Werke von 37 Künstlern vorführt, die lus dieser Gegend stammen oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Um mit einem von der höchsten Klasse hi beginnen, nenne ich den problematischen Otto Dix, der uns durch die Ver- •chiedenartigkeit seiner Gesichte in Spannung hält und immer als ein mit sich seiner Ringender erscheint. Sein in altmei- iterlicher Technik minutiös ausgeführter »Eisgang” (Oel) übersetzt den Eindruck äer Unterseelandschaft bei kindlicher Er- tehlerfreude in eine Märchenbuchsprache. Uie „Silberdistel mit Mohn” dagegen ist, *Us der Bindung des graphischen harten Umrisses befreit und auch frei von aller Mystik der Lichteffekte, eine wirklich materische Impression in frischen Akkorden. Die „fünf Masken” (Oel), ganz aus dem tenlichen Eindruck stark aufgetragener Farben gestaltet, erregen und treffen uns licht weniger im Gemüt als die etwas geeicht aktuelle Variante des gleichen Mo- 3vs mit dem sichtbaren Ruinenhinter- Dund. —Erich He ekel, der uns einst als Bahnbrecher des jungen deutschen Expressionismus begeisterte, läßt uns kühl mit •einen illustrativ wirkenden, groß in Oel Bemalten Landschaften, und überrascht ins dafür durch Aquarelle von stimmungs- ’oller Zartheit. — Von vitaler Ueberzeu- tungskraft sind Arbeiten des aus der Düsseldorfer Akademie hervorgegangenen Ferdinand Macketanz. Er weiß die Möglichkeiten des Aquarells vielseitig auszu- teitzen, indem er zum Beispiel im .»Winter am Untersee'’, das Verschwimmen der dünnen Farben auf dem leuchtenden Papier virtuos zu atmosphärischen Effekten verwendet oder, wi a bei den „Farbigen Gegenständen", einem Stüleben, mit starker, fester Kontur und den klaren Gegensätzen kompakter Farbflächen arbeitet Seine „Birnenblüten”, in schmalem, hohen Format, mit Tempera gemalt erinnern, bei durchaus eigener geistiger Haltung und Technik, an die Manier japanischer Holz- achnitte. — Klarheit, Ruhe und Besinnlichkeit sprechen aus dem besonders schönen „Stilleben” des Konstanzers F. Mühlenweg, dessen Kunst in den letzten Jahren viel an Reife gewonnen hat Auch seine gleichsam traumhaft gesehene „Mozartstraße in Freiburg” zeugt von geistiger Tiefe, die sich produktiv auswirkt — — Durch sprühende Lebendigkeit fällt das kleine „Zirkusbild” (Tempera) von dem in Hemmenhofen lebenden Walter Herz- g e r aut Man denkt an den französischen Meister solcher Motive, den großen Toulouse-Lautrec. Dabei sitzt Herzger, der das Bunte und Witzige dezent in den Farben vorträgt, fest in eigenem SatteL — Daß die Luft der weltabgelegenen Höri, die Geister der dort Schaffenden nicht einschläfert, hat sich längst erwiesen. Dort fand Max Ackermann nach seiner Verfemung durch das Hitlerregime Zuflucht. Seine aus aller Konvention herausgelösten „Kompositionen” in Pastell wenden sich an Vorurteilslose, die selber Suchende sind. — Curt Georg Becker, in Singen geboren, geht streckenweise ähnliche Wege, die ihn von der Welt realistischen Sehens entfernen (Komposition I und IR. — Eine der miniaturhaften Bildtafeln von Alexander Rath (Kattenhorn), „Die Nächtlichen”, begriffen als die phantastisch-schönen Erscheinungen eines Traumes, kann dazu dienen, manchem Bereitwilligen das Verständnis für die vom realen Gegenstand abgewandte Kunst zu erleichtern. Auf der Bahn der Ueberlieferung ist Otto Marquardt (Konstanz) geblieben. Sein Negerporträt in Oel ist kennzeichnend für das handwerkliche Rüstzeug, das er von Hans Thoma mitbekam. Oswald Poetzelberger (Reichenau) pflegt eine durch allegorische Gedanken beschattete Art der Darstellung und bleibt auch im Landschaftlichen in grüblerischem Dunkel. Erdnah sind die porträtmäßigen Oelbilder von Bernhard Schneider- Blumberg, wie der „Volksfreund”. Besten künstlerischen Nachwuchs aus dem Hegau repräsentiert' Hans Loch - mann (Hilzingen). Sein „Birnbaum” ist voller Feinheit und Frische. Von dem in Tengen geborenen Erich R ü ck e r t erfreut und das Pastell „Ballett”. Voll erstaunlicher malerischer Qualität sind die kleinen Oelbilder „Höri” und „Am See”, die der in Gefangenschaft verstorbene Emil Z i m m a n n aus Gottma dingen 1935 gemalt hat. Ein feinmodellierter Knabenkopf des Bildhauers Hans Kindermann (Hemmenhofen) ergänzt den Eindruck vom schöpferischen Reichtum der im Hegau und am Untersee lebenden Künstler. Dr. Ernst Brasch Die Hamsterfahrt Kartoffeln alle. Kein Brot mehr. In Keller und Küche völlige Flaute. — Was macht da ein treusorgender und liebender Gatte und Vater? — tüchtig: er schickt 6eine Frau aufs Land und stattet sie mit guten Ratschlägen aus. Mehr kann und will er nicht mitgeben •, denn erstens kommt sowieso auf den Kopf seiner Familie nur noch je ein Teller, ein Löffel und ein Bettuchi und die paar Stumpen, dies bei der letzten Zuteilung gab, mein Gott, die möcht er doch selber rauchen. Was macht nun aber obengenannter Vater und Gatte, wenn (Me Mutti nicht mehr kann? Einfach nicht mehr kann, weü sie viel zu sehr ab ist und das Betteln und das Davon- gejagtwerden nicht mehr erträgt? — Er geht selbst mal... und demonstriert, wie man'g macht. > Unter uns gesagt: dieser Vaü bin ich. Mit eiserner Entschlossenheit schwang ich mich nuf’6 Rad und fuhr mit der Miene eines Mannes, der zum äußersten entschlossen ist, in die vorsommerliche Landschaft Es war schön. Die Skabiosen blühten, und von den Linden wehte berückender Duft Die Aepfei hatten schon angesetzt, und selbst die jüngsten Birnbäume mühten sich, erste Früchte zu tragen. Wie herrlich ist doch unsere Heimat Es erfaßt mich immer eine seltsame, unnennbare Sehnsucht, wenn mir der Rhythmus unserer Drumlin-Hügel und das entzückende Widerspiel von Wolken und Wasser bewußt wird. Eingebettet in eine sanfte Mulde lag ein bäuerliches Gehöft. Wie malerisch wirkte das Rot der neuen Ziegel vor dem dunklen Grün der Wiese. Aus dem Hausgarten schimmerte ein dunkleres Rot, das Rot von Feuerbohnen. Ach, es war mir, als würde das jubelnde Fortissimo des Daches von cellodunklen Pizzikato des Gartens wiederholt. Herrlich war es. Ich entbot der freundlichen Landfrau meinen Gruß; aber die Arme schien taub. Und wehen Herzens sah ich sie zum Kuhstall gehen, über dessen Eingang ein versilbertes Hufeisen blinkte. Weiter ging's. Weiter, immer weiter. Und bald erschrak ich bis in den tiefsten Grund meiner Seele. Die Taubheit schien in unserer Landschaft epidemisch geworden zu «eia. Wohin kh ging, wohin ich kam: kann nit verstan. Besorgt setzte ich mich an den Grabenrand. Griff spielerisch nach einem Taubenkröpfchen. Hoppla, nicht daß Sie mich falsch verstehen, ich ließ eine Blume, die Taubenkröpfchen heißt, durch meine Finger gleiten. Und sann. Sinnen ist eine Spezialität von mir. Und wie ich so grübelte, huschte ein braunes Etwas vor mir weg, blieb wie angenagelt stehen und bäumte auf. Blütenweiß leuchtete mir sein Latz 'entgegen, seine Aeuglein phosphoriszierten wie dunkelste Ruhrköhle, und sein zierliches Spitzmaul war frech wie... ja wie das eines Wiesels. Man kann da nichts anderes sagen. Und nun entspann sich ein sinniger Dialog. Ich: „Grüeze, du herrliches Wuschele." Wiesel: „Depp". Ich: „Wieso, bitte?" Wiesel: „Generaldepp!" Und weg war das Biest. Unwiderruflich weg. Ich dachte nach, ich sann, ich sinnierte, ich wandte die differenziertesten und raffiniertesten Methoden des Grübelns an. Ich muß bekennen: alle meine Spezialitäten versagten, Traurig schaute ich in die Abendröte, und mir schien, als traure das Geiß- biatt, das ein kleines Wiesenwässerchen säumte, mit mir. Und Krähen fielen plötzlich in die Wiesen ein, und ihr Krächzen fiel mir auf B rußt" und Atem. Es dämmerte. Goldene Schleier standen vor Wald und See. Wo kamen all die Schwalben her? Ich mußte heimwärts. Ich sprach Verse vor mich hin. Schöne Verse, keine eigenen. Weiß der Kuckuck, immer wieder kam mir das Wiesel in den Sinn. Das schlanke, ranke, wendige Wiesel. Gibt es eine visionäre Vorwegnahme großer Ereignisse? — Ich bin felsenfest davon überzeugt. Denn als ich mit dem leeren Korb nach Hause kam, sagte meine Frau nur: „Depp." — Aus — Dch. Volkslied-Tagung in der Ortenau Der Ortenauer Kulturbund Offenburg veranstaltet in Ortenburg in der Zeit vom 5. bis 7. September eine Volkslied- Arbeitstagung. Da® Volkslied und besonders die alten Ortenauer Heimatlieder, die viel unvergängliches Brauchtum und eine tiefe Liebe zur engeren Heimat aufs eigen, sollen der Jugend neu erschlossen werden. Seite 4 1 N c. 66 Ruhrkahle und Bergmann Eia Beitrag zur Konferenz in Washington Von Andrf Francois-Poncet Die Engländer und Amerikaner haben sich in «Hasen Tagen in Washington unterhalten, mit ■welchen Mitteln man «Ke Kohlemprodufcöon an der Ruhr steigern könnte. Das ist in der Tat eine Frage von allergrößter Bedeutung, und man muß sich nur darüber wundem, daß es so lange gedauert hat, his man sich. entschloß, sie ernstlich in Angriff zu nehmen, im Ruhrgebiet wird tatsächlich im Augenblick kaum «Ke HäSfte der Vorktiegaproduktiom gefördert. Genau genommen «and es 48 Prozent, während beispielsweise die Saar schon 60 bis 65 Prozent erreicht hat. Woher kommt diese Dauerkrise der Unterproduktion? Man sagt, von der mangelhaften Ernährung der Bergarbeiter. Das ist richtig, allerdings nur zum Teil. Und es war gestern richtiger als heute. Man hat geglaubt, durch Erhöhung der Rationen für die Bergarbeiter Abhilfe schaffen zu können. Aber die Arbeiter teilten diese Rationen mit ihren Famüäen und waren selbst immer noch nicht ausreichend ernährt. Es ist richtig, daß in allen Kohleradistrrieten, In England und Frankreich, ebenso wie in Deutschland, die Kohlenförderung je Kopf des Bergarbeiters gesunken ist. Man konnte dieselbe Erscheinung nach dem ersten Weltkrieg fest- steilen. Aber damals stiegen diese Ziffern langsam und gleichmäßig. Und das ist diesmal an der Ruhr nicht der Faid. Es ist fermer wahr, daß die Maschmeoausrüstung an der Ruhr wie anderswo reparatur- und emeuerungsbediirftig ist. Die erforderlichen Anstrengungen in dieser Richtung sind noch nicht gemacht worden. Schließlich ist es auch wahr, daß die Erhöhung der Zahl der Bergarbeiter, wie sie beispielsweise in Frankreich vorgenommen wurde, in Deutschland angesichts der Bombenschäden auf erhebliche Schwierigkeiten, insbesondere in der Wohmungs- besehatffumg, stößt, die zu beseitigen man bisher noch nicht in der Lage war. Das Entscheidende aber ist nach meiner Meinung die Tatsache, daß, als gelegentlich der Moskauer Konferenz beschlossen wurde, von einer gewissen Produktionshöhe an die Lieferungen an Frankreich zu steigern, dieses Produfctionsmveau nicht nur nicht gehalten wurde, sondere, daß von da an die Produktion, die gerade im Ansteigen war, wieder aibfiel. Da haben wir den klaren Beweis, daß die Frage des mehr oder weniger guten Willens der Bergarbeiter an der Ruhr von entscheidender Bedeutung ist. Sie werden nicht eher mit vollen Kräften arbeiten, als bis sie überzeugt sind, daß sie nicht nur für das Ausland, sondern auch zu ihrem eigenem Besten und zu demjenigen Deutsch, larads arbeiten. Man sieht also: das Problem der Ruhrkohlenförderung hat eine technische und materielle, zugleich aber auch eine psychologische und politische Seite. Die Meinungsverschiedenheiten im Lager der Alliierten, das Fehlen einer klaren Richtlinie und eines festen Willens zusammen mit einem gewissen Schwanken der englischen Fühlungsstellen steigern schließlich noch den endemischen Zustand der Ruhr, der kaum von einem halben Dauerstreik entfernt ist. * General Ctay erklärte auf einer Pressekonferenz vor seiner Abreise nach London, daß die deutsche KoMenproduktion ein Defizi t- gesdiäft sei. Der Verkaufspreis der deutschen Kohle betrage jetzt 2 wei Drittel desjenigen der amerikanischen Koble, eine Erhöhung stelle die ganze Preispolitik in Frage. Mit einer Tagesleistung von 241 000 Tonnen haben die Ruhr-Bergairbeiter am 20. August einen neuen Rekord aufgestellt. Unter Einbeziehung einer Tagesförderung von 35 000 Tonnen im Saargebiet fehlen nun nur noch 4000 Tonnen arbeitstäglich an der im Moskauer Abkommen vorgesehenen Durchschnittsleistung von 280 000 Tonnen. Die Kohtezuteilungen für die Industrie «1er Bizooe für August und September 1947 sind nach dem bizonalen Kohlenzuteilungsplan gegenüber 1946 wesentlich gekürzt. Die Industrie wird besonders von dieser Kürzung betroffen. Das August-Kontingent beträgt 52 400 Tonnen, während im Oktober 1946 der Kohleverbrauch 71 300 Tonnen betrug. Die britische Kohlenförderung im Monat Juli erreichte den tiefsten Stand des Jahres und zwar beträgt dieser Rückgang im Wochemdurdi- schnitt e twa 600 000 Tonnen gegenüber dem der vorhergehenden Monate. In amtlichen Kreisen begründete man diesen Rückgang mit dem Jahresurlaub der Bergleute. Wirtschaftsfachleute sind der Ansicht, daß weder die britische Regierung noch die Oeffentlichkeit die Bedeutung der englischen Kohle für die europäische Wirtschaft wirklich einzuschätzen wissen. Am 21. August begannen in London Beratungen zwischen Mitgliedern des Kabinetts, Vertretern der Zentralstelle der verstaatlichten Kohlenbergwerke und der Landesgewerkschaft der Bergarbeiter über Verlängerung der Arbeitszeit in «Jen Kohlengruben, eine Einigung konnte jedoch nicht erzielt werden. Japan und Australien Japan wird inmerhaTb von sechs Monaten wirtschaftlich unabhängig sein, wenn es bereit ist, die Einedrränfcungsmaßnahmen zu unterstützen, mit denen eine aktive Handefeböanz verwirklicht werden kann, erklärte Mändsterpräsiclent Kefayama larut AFP. Der internationale Privathandel mit Japan wird laut BBC voraussichtlich dieser Tage offiziell wieder auf genommen werden. Eine Anzahl amerikanischer Geschäftsleute ist bereits in Tokio eingetroffen. Südena berichtet, General Mac Arthur habe die japanische Regierung ermächtigt, im Ausland eine Anleihe von 500 Millionen Dollar anfzunehmen, die durch die japanischen Goldreserven gedeckt werden würde. Reuter meldet aus Canberra, der australische Ministerpräsideot habe die Lenkung dar wirtschaftlichen Entwicklung Japans im Rafcmem eines allgemeinen Planes für die -wirtschaftliche Ordnung Ost- und Südostasiens gefordert. Es sei ungerecht, wenn Japan gegenüber den von ihm verwüsteten Ländern bevorzugt würde. Bereits früher hatte der hfindster- präsidient darauf hingewiesen, daß Australien durch seine Kriegsleistungen berechtigt sei, als Haupfpartner bei den japanischen Friedens- Verhandlungen anerkannt zu werden SDOKDIlEt Schuld oder Schicksal - Weizen oder Spinat Unter dem Namen „Deutschenspiegei" erscheint bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart eine Brosdiürensammhmg, die bisher 24 Bände (26 Nummern) umfaßt und sich mit den Problemen der Wiedergeburt eines humanistischen Deutschlands befaßt. Betrieb«verembarun* *en in Baden Die Forderungen der Gewerkschaften auf das MitberstHnmumgsrecht der Betriebsräte in den Betrieben stößt weitgehend — und zwar nicht nur in privaten Betrieben — auf Widerstand. Als eine der ersten Privatbetriebe in Südbaden hat die Firma Bäuerle in St. Georgen eine Befriebs- veredobareng mit dem Betriebsrat getroffen, in der sie sich u. a verpflichtet, keine grundlegenden Aenderungen des Produktionsbetriebes. Einschränkungen oder Stillegungen ohne Zustimmung des Betriebsrates vorzunehmen. Weiterhin erklärt sie sich bereit, dem Betriebsrat auf Verlangen jederzeit die Personalakten sowie die Kalkülaftionsunteriagen vorzulegen. Einstellungen und Entlassungen sind grundsätzlich nach jedem Vertrag ohne Zustimmung des Betriebs- rates rechtsungültig Die Betriebsvereinbarung hält sich wertgebend an die vom Geweiksdiafts- feuad ausgearbeiteten und vom Wirtschaftsmin i- t tonen g rtvIUgten Richteten. Gr „Die europäische Wissenschaft und die aus ihr entspringende materielle und geistige Kultur ist das Gegenstück zu der umfassenden Ethik und dem Sozialismus der Tat, der aus Philosophie, Religion und Staateverfassung das tägliche Leben Asiens kennzeichnet“ lesen wir in der Broschüre: „Bindung und Selbstverantwortung“ von Hans Scheurig, Band 17 des „Deutschenspiegels“. Nun. auch Dksehingis Khan war Asien und nicht nur Konfuzius. Solche Art typisierende, katalogisierende Weltgeschichtsbetrachtung erinnert uns peinlich an die wissenschaftliche Methode nicht nur Spenglers, sondern vor allen Dingen des „Dritten Reiches“, die sich in Gegenüberstellungen von Weltanschauungen, Rassen und Räumen erschöpfte und vermied, auf das Gemeinsame und die Bipolarität alles organisch Gewachsenen tiefer einzugehen. Wir müssen von dieser Art Geschichtsbetrachtung endgültig Abstand nehmen, wenn wir zu neuen, konstruktiven Gedanken kommen wollen. Wir finden leider nichts davon bei Scheurich. . Auch in Gert Tellenbach’s Schrift (Band 20 derselben Reihe) „Die deutsche Not als Schuld und Schicksal“ finden wir keine in die Tiefe gehende Untersuchung, warum gerade wir seit vierhundert Jahren immer wieder von einer Katastrophe in die andere stürzen. Wären wir wirklich Herrenmenschen, wie wir sie gerne sein wollten, und nicht nur Untertanen, so würden wir weniger vom Schicksal und mehr von unserer Schuld zu sprechen haben. Denn das Schicksal ist unabwendbar, die Schuld jedoch läßt sich überwinden. Aber um sie zu überwinden, darf man nicht Untertan des Schicksals sein. In dieser Richtung liegt auch die Behauptung, das „betäubende und anschwellende Getriebe der Wirtschaft“ bedrohe „die Möglichkeiten des Lebens als Individuum, besonders das Geschehen des einzelnen in echter menschlicher Gemeinschaft“. Wir meinen, uns würde heute handgreiflich das Gegenteil bewiesen: das unzulängliche Getriebe der Wirtschaft, der'Mangel nämlich, bedroht die Möglichkeiten des Lebens des Individuums. Und nur die Technik und die Wirtschaft sind in der Lage, diesem Mangel abzuhelfen. Resignierendes Rückwärtsschauen auf die „Gute alte Zeit“ — in der es auch nur dem gut ging, der das Geld dazu besaß, — hilft uns nichts. Sie spricht auch aus Georg Görges Abhandlung „Vom kulturellen Lebensstandard“ (Band 23 des Deutschenspiegels), in welcher die Kultur verbunden dargestellt wird mit einem Lebensstandard, den auch vor diesem Zerstörungswerk des Krieges die breiten Massen der Arbeiter- und Bauernschaft nicht erwerben konnten. Sind diese also grundsätzlich von jeglicher Kultur ausgeschlossen? Wenn dem so wäre, dann hätte die Welt durch die Bomben nicht viel verloren. Nein hier gilt es, überlieferte Begriffe von der Kultur grundsätzlich neu zu formen. Besitzen wir denn heute tatsächlich in unseren Trümmern keine Kultur mehr? Diese Problem vermag uns Görge nicht erschöpfend aufzuklären. Er klebt zu sehr an der Ueberlieferung, er findet nicht das Fundament zu neuem Aufbau. Huberta von Bronsart versucht dies, wenn auch auf einem praktischen Weg, dem der Landwirtschaft, und vielleicht gerade deshalb wirklich erfolgreich, weil sie in ihrer Schrift: „Weizen oder Spinat“ (Band 24 der Sammlung) Lebensformen und Wirtschaftsformen zur harmonischen Einheit bringt. Sie weist auf Grund bodenchemischer Erkenntnisse nach, daß Deutschland nun einmal kein Getreideland ist und werden kann, allein Gemüse- und Obstbau sowie Viehzucht sind seiner Bodenbeschaffenheit gemäß. Ein Land jedoch, da« hinsichtlich seines Brotbedarfs auf das Ausland angewiesen ist. kann und darf keine Aggressionspolitik treiben, wie wir es seit 1870 unter junkerlicher Führung taten. Konstruktives zu unserer heutigen Lage finden wir auch in der vorzüglichen Schrift von Prcrf. Lenz: „Friedrich List und die deutsche Einheit" (Band 22), in der ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen und politischen Lage Deutschlands im 19. Jahrhundert entworfen wird. Es zeigt uns, wie der Unitarismus eines Bismarck der lachende Dritte wurde im dauernden Streit zwischen engstirnigem Partikularismus kleinstaatlicher Bürokratie und dem wirtschaftlich notwendigen kosmopolitischen Förderalismus des Kaufmanns und des Unternehmers. Man hat 1848, ein Jahr nach dem Tode List’s, des großen süddeutschen Vertreters der Wirtschaftseinheit auf förderativer Basis, in Frankfurt versucht, diese Forderung verfassungsmäßig zu verankern. Da man sich aber links der Elbe zu großzügiger gemeinschaftlicher Wirtschaftspolitik nicht entschließen konnte, verfiel Deutschland schließlich dem rechtselbischen Unitarismus. Audi Alois Guggenberger spricht in der Broschüre: „Leibniz oder die Hierarchie des Geistes“ (Band 26) vom Geist des Kos- mopolitismus. Allerdings legt er den Schwerpunkt seiner Betrachtung auf die Monadenlehre, jenes stets sehr umstrittene System, in dem Leibnitz den von ihm als Mathematiker gefundenen Begriff der Differentiation und Integration in die Ebene der Philosophie überträgt. Das wahre Leben aber ist — wir sagten es bereits — ein komplexer Vorgang, in dem auch das Imaginäre Realität besitzt. Mathematisch läßt es sich nicht erfassen. In diesem Sinne lehnt der Biologe Max Hartmann in: „Atomphysik, Biologie und Religion“ (Band 21) den Versuch der modernen Physiker ab, — insbesondere unter Führung Jordans — aus den Erkenntnissen der Atamphysik Gott beweisen zu wollen, nachdem sich einst, von Laplace angeführt, die Physiker um das Gegenteil bemühten. Hartmann erklärt, daß der physikalische Gottesbeweis im Grunde auf derselben Ebene liege, wie der Beweis seiner Nichtexistenz. Es geht nicht an, den Glauben — die imaginäre Komponente — vom jeweiligen Stand der Physik abhängig zu machen; denn wer weiß, ob unser heutiges Erkennen nicht von der Wahrheit noch ebenso weit entfernt Sein mag, wie das von gestern? Glauben und Naturwissenschaft stehen nicht im Widerspruch zueinander, aber auch nicht im Zusammenhang. In diesem Sinne muß auch Leibniz verstanden werden, wie Guggenberger in seiner obengenannten Schrift darlegt. Von einer anderen, heute für uns nicht weniger bedeutsamen Seite von Leibniz sollte aber ebenso ausführlich gesprochen werden, davon, daß er nicht nur .Philosoph, Mathematiker, Theologe, Jurist, Historiker und Techniker war. sondern auch Diplomat, eine Fähigkeit, die leider der überwiegenden Mehrzahl unserer Wissenschaftler abgeht — auch deshalb war Hitler möglich. HCG. Schon zuviel Uhren? Von unserem Schweizer Wirtschaftskorrespondenten Aus dem Uhrenzentrum der Westechweiz wurde vor kurzem berichtet, daß vier Fabriken sich gezwungen gesehen hätten, ihre Betriebe wegen Mangel an Exportaufträgen vorläufig zu schließen. Zwar stellte sich bald heraus, daß der Grund nicht im Mangel an Aufträgen, sondern in der vorzeitigen Erschöpfung der Exportkontingente lag. Seither ist die aus Wäh- rungsgründen angeordnete Beschränkung der Uhrenausfuhr nach Dollarländern aufgehoben worden, und die Uhrenmascfainen produzieren seitdem wieder alle in zwei oder drei Tagesschichten für die uhrenhungrige Welt. Trotzdem urteilt man in der schweizerischen Uhrenindustrie nach wie vor ungewöhnlich besorgt über die zukünftige Entwicklung. Diese Stimmen mögen sicherlich nicht zuletzt an die Adresse des auch in der Schweiz einnahmefreudigen Steuerfiskus gerichtet sein; aber es läßt sich doch nicht übersehen, daß im Weltuhrengcschäft eine Kräfteverlagerung im Gange ist, welche das faktische Uhrenmonopol der Schweiz aus den Kriegsjahren nicht unberührt lassen dürfte. Noch bewegt sich die Schweizer Produktion auf höchsten Touren und in Rekordumsätzen. Nicht weniger als 21,3 Mill. Uhren im Werte von 605 Mill. Franken hat die Schweiz 1946 auf die Weltmärkte geliefert. Wenn man diese Ziffern mit denen des Krisenjahres 1932, ja noch mit denen der absatzgünstigen Kriegsjahre vergleicht, wird deutlich, wie sehr die Uhrenindustrie zunächst von der allgemeinen Hebung der Kaufkraft voi dem Kriege und dann von der steigenden Wichtigkeit der Uhren und der ührenähnlichen Instrumente im Berufsleben und leider auch in der Zerstörungstechnik profitiert hat. Nachdem die Schweiz in den Kriegsjahren als einziges Land in der Lage- war, die zivilen Märkte mit Taschen- und Armbanduhren zu beliefern, haben seither die früheren Produktionsländer mit der Wiederingangsetzung und der Erweiterung ihrer Uhrenfabriken begonnen, insbesondere in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien. Namentlich die Vereinigten Staaten haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie entschlossen sind, eich eine angemessene Position auf dem Weltuhrenmarkt zu schaffen, und in Großbritannien bemüht man sich schon aus Devisengründen, wenigstens den Uhrenbedarf des Empires von der Insel aus zu decken. In beiden Ländern spielt naturgemäß die Ueberlegung eine Rolle, daß schon aus wehrpolitischein Gründen eine leistungsfähige Uhrenindustrie aufgebaut werden müsse. Man bezweifelt in der Schweiz nicht, daß vor allem die Vereinigten Staaten über alle Voraussetzungen für die Einrichtung einer solchen feinmechanischen Industrie verfügen. Anderseits ist bekannt, daß die Konstruktion der erforderlichen Werkzeugmaschinen und Automaten, wenn die Produktion einwandfrei sein soll, Jahre der Erprobung bedarf. Den Verkauf solcher Werkzeugmaschinen an das wettbewerbsgewillte Ausland hat die Schweiz aber aus erklärlichen Gründen immer abgelehnt. Immerhin hat sie sich zur Sicherung ihrer Absatzmärkte im angelsächsischen Bereich bereit erklärt, gewisse Fabrikationsautomaten leihweise abzugeben. Nach den dabei gesammelten Erfahrungen ist von englischer Seite, wo man überdies das Schwergewicht auf die Herstellung von Weckeruhren legt, nicht so bald mit einem gefährlichen Wettbewerb in Kleinuhren zu befürchten, eher von den Vereinigten Staaten, wo man für 1948 schon eine Rekordproduktion erhofft. Anderseits fehlt die inzwischen mit der französischen Industrie gekoppelte deutsche Uhrenkonkurrenz noch völlig auf den Weltmärkten, und auch die französische hat bis auf weiteres Mühe, den Inlandsbedarf zu befriedigen. Solange aber das Mißverhältnis zwischen dem ungestillten Welthunger nach Uhren aller Art und der Produktionskraft der außerschweizerischen Industrien nicht entscheidend geändert ist (wofür wenigstens auf dem europäischen Kontinent und in England und in der Sowjetunion noch keine Aussicht zu bestehen scheint) hält es schwer, an die Echtheit der westschweizerischen Unkenrufe zu glauben. über die Grenzen Genf. Der bekannte italienische Philosoph und Politiker Benedetto Croce wurde von der Universität Genf zum Ehrendoktor ernannt. Genf. Frau Roosevelt wird der zweiten Tagung der UNO-Kommission für Menschenrechte, die Ende des Monats im alten Völkerbundspalast tagt, präsidieren. Bern. Einer der der bekanntesten polnischen Dichter, Julian Przybos, wurde zum polnischen Gesandten für die Schweiz ernannt Bern. Die Angestellten der Handelsabteilung des Eidgenössischen Volkswirtschafts- departements erhielten von Produzenten einen Wagen mit 24 Zentnern Tomaten zum Geschenk, die anderweitig nicht abgesetzt werden konnten. Da aber dem Bundespersonal die Annahme von Geschenken verboten ist, wurde die Gabe an ein Spital weiterqe- leiteti Bern. Seit Anfang August sind die Bezieher von Mehl künftig in der Wahl ihrer Lieferfirma frei, nachdem die Bäcker schon vor einiger Zeit die Aufhebung dieser Kriegsmaßnahme gefordert hatten. Bern. Das Schweizerische Kaufmännische Zentralblatt hat. um den Stellenwechsel von einem zum anderen Orte zu erleichtern, eine ständige Rubrik über Wohnungstausch eingeführt. Bern. Der Rindviehbestand ist heute rund IV* Millionen, das heißt etwa 260 000 Stück kleiner als 1939. Er hat gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent abgenommen, der Schweinebestand um 8,5 Prozent auf rund 700 000 zugenommen, ist aber noch um rund 180 000 geringer als in der Vorkriegszeit. Der Hühnerbestand ist nahezu unverändert geblieben gegenüber 1946, jedoch mit rund 5 Millionen noch um eine halbe Million geringer als in der Vorkriegszeit. Die Schweiz bleibt demnach weiterhin auf die Einfuhr von Futtermitteln, Milchprodukten und Schlachtvieh bzw. Fleisch angewiesen. Bern. Die Rationierung der Speise-Hafer-, Gerste- und Maisprodukte ist aufgehoben, weil in den verschiedenen Landesgegenden die bisherigen Coupons von der Bevölkerung sehr ungleichmäßig eingelöst wurden. Verfütterung bleibt verboten. Zürich. Viele Vdehbesitzer müssen jetzt schon Heu verfüttern; die Abteilung für Landwirtschaft gestattet deshalb in den Mangelgebieten schon jetzt die Verfütterung von Futterstroh, Dreschabfällen, Futterkartoffeln, Obst und Kleie an Milchkühe. Die Kraftfutter-Winterzuteilung wird schon am 1. Oktober einsetzen, in besonders benachteiligten Gebieten gibt es schon in nächster Zeit eine zusätzliche Menge von Kraftfutter. Zürich. Bei Schuh-Importen aus England und Amerika werden Preise verlangt, che 10 bis 15 Franken unter den einheimischen liegen. Baden. Aus Paris besuchte der historische Eisenbahnzug „Le Continent” mit 50 kostümierten Damen und Herren, mit einer Crampton-Lokomotive aus dem Jahie 1852 und mit Wagen aus der Zeit von 1840 bis 1845 die Feierlichkeiten zum Jubiläum der Schweizer Bundesbahn. Schwyz. Der Inner schweizerische Bauernbund beantragte die Erhöhung des Grundpreises für Milch auf 40 Rappen und eine Erhöhung des Getreidepreises um 5—6 Franken je Zentner. Der Preis für erstklassigen Weizen soll 32,5, die untere Preisgrenze für Speisekartoffeln soll 24 Franken betragen, die Fleischratiomerung sollte aufgehoben werden, — wünscht der Bauernbund. Saigneiegier. Auf dem Pferdemarkt wurden für edle Hengste bös 12 000 Franken, für Stuten bis 3500 und für Fohlen 700 Franken bezahlt. Arosa. Vom Lichtklimatologischen Observatorium wurde dieser Tage ein Nordlicht beobachtet. Wien. Der Alliierte Rat hat der österreichischen Regierung die Errichtung eines Amtes für Zivilluftfahrt im Verkehrsministerium gestattet Wien. In den Abendstunden wurden wiederholt helle Feuerkugeln am Himmel beobachtet, die sich „in hyperboloiden Formen" fortbewegen. Wiener Astronomen fordern in einem Aufruf die Bevölkerung auf, weitere Beobachtungen mitzuteilen. Wien. Normalverbraucher können in der nächsten Zuteilungsperiode wegen der von 280 auf 700 Gramm erhöhten Zuckerration statt 1550 nunmehr 1600 Kalorien erhalten. Wien. Falls nicht die Betreuung von Kleinwaldbesitz durch geschultes Forstpersonal durchgeführt werden sollte, würde die Zahl der Studenten der Forstücfaen Hochschule den Bedarf um das fünf- und sechsfache überschreiten. Der normale Jahresbedarf an höher vorgebildeten Nachwuchs beträgt gegenwärtig 25—30. Wien. Durch Kriegseinwirkungen sind in Wien rund 110 000 Wohnungen zerstört oder beschädigt worden; 14 492 zerstörte sind bisher wiederhergestellt. mehr als 33 000 gefährdete wieder bewohnbar gemacht. Innsbruck. In Tirol gibt es gegenwärtig 211 Sportvereine, darunter 80 Ski- und 36 Fußballvereine mit einer Gesamtzahl von über 12 000 aktiven Mitgliedern. Salzburg. Eine Schmugglerbande, die einen großangelegten Menschenschmuggel zwischen Deutschland und Oesterreich betrieb, wurde ausgehoben. Ein illegaler Grenzübertritt kostete 500 RM. Mit und ohne Kommentar Lake Success.- In der Debatte über de« Fall Indonesien beschuldigte Gnomyko die U5A, sie wollten der indonesischen Republik ihre Vermittlung aufdTängen, um den Sicherheitsrat zu umgehen. Washington. Die amerikanische Regierung hat iht Vermittlungsangebot im indonesischen Konflikt zurückgezogen. Lake Success. Im Sicherheitsrat legte Gromyko während der Beratungen über die Situation .auf dem Balkan, die nach einem australischen Antrag eine Bedrohung des Weltfriedens darstellen soll, sein 15. und 16. Veto ein. Der jugbslawisdie Delegierte erklärte, die griechisch« Regierung könne nur durch ausländische Einmischung am Ruder bleiben London. Der Führer der griechischen Liberalen, Sofulis, erklärte einem Reporter von „News Chronicle”, der Sieg der „Rebellen über die Regierungsstreitkräfte sei nur eine Zeitfrage. Ein Ausweg sei nur möglich, wenn Griechenland es aufgebe, ein Bollwerk gegen die Slawen sein zu wollen. LakeSuccess. Nachdem die General Versammlung der UNO den Anspruch Südafrikas auf Eingliederung Südwestafrika s abgelehnt und empfohlen hatte, dieses Gebiet unter die Treuhänderschaft der UNO zu stellen, -wurde der UNO jetzt offiziell mitgeteilt, daß die südafrikanische Union der Empfehlung der Generalversammlung der UNO n i ch t nachzukommen beabsichtige Lake Success. Der holländische Botschafter teilte dem Sicherheitsrat mit, Holland werde niemals bereit sein, sich einem Schiedsspruch der UNO in Sachen Indonesiens zu unterwerfen, „da die UNO dort nichts zu tun habe”. Holland besitze die Oberhoheit in Indonesien. Seattle. Der amerikanische Handelsminister und frühere Botschafter in Moskau, Harriman, erklärte in einer Rede, die Tatsache, daß amerikanische Großflugzeuge in denkbar kürzester Zeit den Atomkrieg in feindliches Land zu tragen imstande seien, sei die wirksamste Abschreckung und Garantie gegen den Einsatz militärischer Kräfte durch andere Völker. Die USA müßten „die Fahnenträger der Freiheit gegen den gierigen russischen Imperialismus" sein. „Exchange” bezeichnet die Rede von Harriman als die schärfste, die je ein USA-Regierungs- mitglied gegen die UdSSR gehalten habe. Es ist ein Zeichen für den Geist der neuen Zeit, daß solche Aeußerumgen nicht einmal mehr diplomatische Demarchen hetrvorrufen, sondern daß führende Vertreter der führenden Länder ständig beisammen sitzen, und weiter diskutieren . .. „Und nun gehen wir zu dem Tischchen hinüber, auf dem zwei Blätter aus der französischen Zone aufgeschl-agen liegen. DeT in Konstanz heraus- gegebene „Südkurier" streift am 18. Juli in einem Washingtoner Bericht „Die wirtschaftliche Stabilisierung Deutschlands", deT sich vornehmlich mit den Beratungen über die Ruhrindustrie befaßt, die Direktiven an General C1 a y und registriert die „skeptische Haltung Frankreichs”. Die Leitartikel über Deutschland scheinen gerade um diesen Zeitpunkt beim „Siid- kurier" ausgesetzt zu haben ...” Die Neue Zeitung, 15. August Hören wir weiter; Lace Success (Reuter) Der Generalsekre tär der UNO, Trygve Lie, erklärte in seinem Jahresbericht, daß kein verantwortungsbewußter Staatsmann in irgendeinem Land einen Krieg beabsichtige. „Wenn die beteiligten Nationen bei ihren Bemühungen zur Lösung allgemeiner Weltprobleme die militärischen Vorbereitungen fallen lassen würden, könnten Millionen von Menschen, die unsere Anstrengungen überwachen, ihr eigenes Verlangen nach Frieden durch unsere Organisation verwirklicht sehen. Die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage darf nicht IängeT als eine Folge des Krieges angesehen werden. Die Ursachen liegen vielmehr in der allgemeinen politischen Entwicklung . . ." Vorarlberger Volksblatt, Bregenz Lake Success (DENA-ReuteT) ... Keine von Verantwortung getragene Erklärung irgend einem Lande könne sich mit der Möglichkeit eine g bevorstehenden Krieges befassen, erklärte usw .. " Wenn die betreffenden Nationen bei ihren Bemühungen, die grundlegenden Probleme der, Welt zu lösen, die militärischen Voraussetzungen beiseite ließen, könnten Millionen von Menschen usw. . .." Die Folgen des Krieges könnten jetzt nicht mehr als Hauptgrund für die wirtschaftlichen Probleme der Welt angesehen werden. Diese Probleme seien vielmehr in großem Umfang eine Folge der politischen Lage . .” Giessener Freie Presse Lace Success. (DPD.-Reuter). Die Nachwehen des Krieges seien nicht mehr die Hauptursache der wirtschaftlichen Probleme, denen die Welt gegenüberstehe. Wenn man bei dem Versuch, die Weltprobleme zu lösen, die „hoffnungsfrohe, aber dennoch wahrhaft realistische Ueberzeugung haben könne, daß kein verantwortlicher Staatsmann irgendeines Landes die Möglichkeit eines Krieges ins Auge fasse, würden sich Millionen Menschen im Schutz der Vereinten Nationen geborgen fühlen . . .” Tagesspiegel, Berlin New York. (SNB). .Wenn die betroffenen Nationen bei ihren Bemühungen, die Grundprobleme der Welt zu lösen, alle militärischen Anstalten fallen lassen würden, dann würden Millionen Menschen, welche unsere Bemühungen beobachten, wirklich fühlen, daß ihr eigener unbestreitbarer Wunsch nach Frieden durch diese Organisation gefördert würde Tägliche Rundschau, Berlin „Die Gegenwart, die an das krankhaft nervöse Tempo der Entwicklung auf manchen Gebieten gewohnt ist, möchte auch von den Vereinten Nationen rasche und große Wirkungen sehen und übersieht dabei die ungeheuren Schwierigkeiten ersprießlicher internationaler Zusammenarbeit. Auf diese Schwierigkeiten weist der Bericht (Trygve Lies) einleitend hin, indem er eindeutig erklärt, die Arbeit der Vereinten Nationen werde durch die politischen Auseinandersetzungen der Großmächte stark behindert usw. Die neue Welt ist nicht wie die alte in sechs Schöpfungstagen hervorzuzaubem ... Da gibt es nur eine Parole, die allgemein gültige Parole einer zerstörten Welt: Geduld." « J 1 1 3 •c t S s 1 t I s V \ h il a d sl d z V Si Si feit S bi fei ki zi ri v< «1 zi & sic un ff* ft ec re 20 m ra fa ur vc m te le de kl he sd re vn ve W U pe re M. no • N< Tc fr< na 15 Aus einem Kommentar der Neuen Zeitung, München, vom 15. August (siehe oben). Der Platz für Nachrichten sdieiirt gerade um diesen Zeitpunkt bei der ..Neuen Zeitung’* knapp gewesen Es ist interessant, welche Zeitungen welche Meldungen kommentieren, und wie. Ebenso interessant ist es aber auch, zu untersuchen, welche Zeitungen weiche Meldungen veröffentlichen, in. welches* Fcxnn, und warum. Denn: Nachrichten, sind heilig, Kommentare sind frei .,. SÜDKURIER Verantwortlicher Redakticmseu sschuß: Hermann. Dörfläoger (CDU) Rudi Goguel (KP), Herbert Goldscheider (SP). Friedrich Mundüng (DP). Hermann Fiebing. • Vertag: Südkurier-Vertag GmbH • Druck: Druckerei Konstanz, Fisch markt 5 Für unverlangt eingesandte Manuskripte, über« nimmt die Redaktion keinerlei Haftung sic de tiR tei mi ka Ha tei Pr Br tio Be de elr an de sch mc Se eri eet sid ne: da «ei ehi dis aru 1 arr dei zie