FBWSVHRUeStDK SUDKURIER. 3. JAHRGANG • ÜBERPARTEILICHE I N F O R M A T I O N S Z E I T U N G FÜR DAS LAND BADEN • NUMMEB 70 Erscheint Dienstag und Freitag Adresse: Konstanz, Rosgartenstraße 12 KONSTAN7 FlTITNST A f Q CFPTflURl'D iais Einzelpreis 20 Pfg Abonnement bei dei Post 1.74 M- durch Trägei t.H, M Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr 924. 925. 1130. 1510. 1511 KUNMAJNZ DIEN b 1 AG 9. SEF IEMBER 1947 Anzeigenannahme durch alle Geschäftsstellen und Agenturen des Südkuiiei Kurz notiert Auf einer Antikriegskundgebung der hannoverschen Jugendorganisationen gaben die Jugendlichen ihrer Bereitwilligkeit Ausdruck, mit der Jugend aller Völker gute Kameradschaft trotz der Gegensätze zwischen Ost und West zu halten. Nur durch Kameradschaft und Völkerverständigung lasse sich ein Friede erarbeiten. Am grünen Tisch sei dies, wie die Friedenskonferenzen der Nachkriegszeit bewiesen hätten, nicht möglich. Beim Einsturz einer Tribüne im Bamberger Stadion wurden 200 Personen, die einem Fußballspiel beiwohnten, verletzt. Etwa 1 Million Landarbeiter in Norditallen begannen am Montag einen Streik, duTCh den sie bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen erzwingen wollen. Der vorläufige Präsident der italienischen Republik de Nicola, Unterzeichnete die Ratifikationsurkunde des Friedenvertrages, der nach Gegenzeichnung durch Außenminister Sforza nach Paris gebracht wuTde. 200 000 Lire ln 1000-1Ire-Scheinen wurden von einem Unbekannten auf der Straße ln Palermo verteilt. Bei dem Spender soll es sich um einen aus sowjetischer Gefangenschaft helmgekehr- ten Soldaten handeln der damit ein Gelübde erfüllte. Als die Schweizer Zollbehörden einen nach Lausanne gehenden Sarg öffneten fanden sie darin Edelsteine und Juwelen im Werte von 8 Millionen Lhe. Der ehemalige österreichische Bundeskanzler, Dr. Kurt v. Schuschnigg, ist mit seiner Frau und seinem sechsjährigen Töchterchen in Amerika eingetroffen — wie er erklärte als „dispiaced person". Tschechische Truppen haben den Leiter der „Bender-Bande" mit seinem ..Stab" festgenommen. Die „Bender-Bande" Ist eine Terroristenorganisation, die aus etwa 20 000 bewaffneten Mit. gliedern — Polen. Ukrainern und ehemaligen SS-Männern — besteht, die in den Grenzgebieten Polens und der Tschechoslowakei ihr Unwesen treibt, ln der Nähe von Madrid explodierten zwei Sprengstoffwerke. Bis jetzt konnten diu Leichen von 38 Personen geborgen werden. Große Zerstörungen erschweren die Ausgrabung der übrigen OpfeT. Um den Frieden zu garantieren, benötigen die USA eine ständige aktfonsbereite Luftstreitmacht von 10 000 modernen Flugzeugen und 400 000 Soldaten, erklärte der kommandierende Genera) . des amerikanischen LciftverteidignBgskom- m andos. Nach der Rückkehr von seiner Nordpolexpedi- tion teilte Dr. Robinson mit, daß sich der magnetische Nordpol um 350 km ln den letzten Jahren verlagert hat und sich jetzt in 75 Grad nördlicher Breite und 100 Grad westlicher Länge befindet. Ein Vertrauensvotum mit knapper Mehrheit Ministerpräsident Ramadier gegen ungesunde Spekulation und Streikbewegungen Paris. Vor dem Beginn der Parlamentsferien trat die französische Nationalversammlung zusammen, um über eine Vertrauensfrage der Regierung Ramadier abzustimmen. Der Gesetzesentwurf über einen 4,5 Mrd Kredit für Kohlensubventionen war mit dieser Vertrauensfrage verbunden worden. Die Nationalversammlung stand zur gleichen Zeit unter dem Eindrude der unerfreulichen Nachrichten von der Streijclag.e in Frankreich. So demonstrierten in Nantes 20 000 Arbeiter gegen die Teuerung und die Lebensmittelknappheit. Auch in Paris wurde gegen die Herabsetzung der Brotration auf 200 Gramm und gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung von streikenden und demonstrierenden Arbeitern protestiert Im übrigen Frankreich wurde in zahlreichen Provinzstädten aus dem gleichen Grunde gestreikt. Nachdem die Sprecher der einzelnen Parteifraktionen zur Vertrauensfrage Stellung genommen hatten, erklärte Ministerpräsident Ramadier vor dem Parlament u. a.: „Wir stehen in einer Warenkrise und zugleich in einer Geldkrise. Wir müssen eine Wirtschaftspolitik betreiben, die die ungesunde Spekulation beseitigt. Erst wenn diese aufhört, können wir zur freien Wirtschaft zurück." Wenn die Regierung die Vertrauensfrage mit der Kohlensubvention in Verbindung bringt, so darum weil eine Erhöhung des Kohlenpreises eine Preissteigerung auf allen anderen Gebieten nach sich ziehe. Dann wandte Ramadier sich gegen die streir kenden Arbeiter, indem er ausführte, der Streik sei ein Stück Inflation, ebenso verderblich wie die Herausgabe von Banknoten. Bei der Abstimmung kam es zu folgendem Ergebnis: 292 Abgeordnete sprachen der Regierung ihr Vertrauen aus, während 243 dagegen stimmten. 54 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Damit hat die Regierung mit etwa 50 Stimmen Mehrheit ihr 5:; in den letzten 7 Monaten gestelltes Vertrauensvotum erhalten. Die Nationalversammlung vertagte sich sodann auf den 13, November, während der Kabinettsrat verschiedene Probleme prüfte, mit denen sich die Regierung während der Parlamentsferien beschäftigen wird. Es handelt sich um eine umgehend durchzuführende Sparsamkeitsaktion, um die Verwirklichung der europäischen Zusammenarbeit, um Steuer- und Budgetreformen sowie um eine verwaltungsmäßige Reform des Armeestatuts de Gaulle und Bidault sprachen B a y o n n e. General de Gaulle entwarf in einer Rede, die er am vergangenen Sonntag hier hielt, ein Bild von den „alarmierenden Tatsachen“, denen Frankreich innen- und außenpolitisch ins Auge 6ehen muß. Er sprach von einer „dumpfen Angst", die auf der Welt laste und prangerte „die eiserne Knute des sowjetischen Regimes" an. Auch die Politik der Vereinigten Staaten beunruhigte ihn, da ihr „ein läuterndes Licht und eine sichere Linie" fehle. Außerdem könne Amerika bei der Regelung der deutschen Frage den Lebensinteressen Frankreichs zuwider handeln. St. Etienne. Außenministei Bidault erklärte auf einer Kundgebung der republikanischen Volksbewegung, es gebe für die Leiden Frankreichs nur ein Heilmittel, nämlich die Autorität des Staates wiederherzustellen. Frankreich brauche mehr Dollars und müsse mehi arbeiten, um die Kohle, die Maschinen und die Rohstoffe, die ihm fehlten, beschaffen zu können Durch den Marehall- Plan begebe sich Frankreich keineswegs unter die Befehlsgewalt von Wallstreet. Abschließend äußerte er: „Es ist nicht richtig zu sagen, man solle die Parteien fallen lassen.’ Besonders nicht in einem Augenblick, da wir kein anderes System an ihre Stelle setzen können." Jüdische Emigranten gehen in Hamburg an Land Drei Schiffe mit den ehemaligen Exodu -Passagieren eingetroffen Ein Ministerpräsident wird gesucht Der thüringische Ministerpräsident Dr. Paul seit einer Woche verschwunden Zone geflüchtet sei und sich noch in der Nähe Göttingens aufhalte. Berlin. Der thüringische Ministerpräsident Prof. Dr. Rudolf Paul (SED) und seine Ehefrau werden seit Montag letzter Woche vermißt. Beide haben, dem „Tagesspiegel" zufolge, Weimar im Kraftwagen verlassen. Seit Mittwoch fahndet die thüringische Polizei nach Paul. In Begleitung des Ministerpräsidenten befinden sich ferner die Chefdolmetscherin des thüringischen Präsidialamtes, Frau Bauer, und deren Sohn sowie zwei Polizeioffiziere. Pauls Wagen wurde zuletzt am Montagmittag auf der Autobahn in der Nähe von Beelitz in Richtung Berlin fahrend gesehen. Einige Zeit später folgte ein großer Maybach mit seiner Frau und deren Begleitung. Der Maybachwagen wurde Diensatg abend in der Nähe des Bahnhofs Potsdam gefunden. Deir Mereedes des Ministerpräsidenten Paul blieb verschwunden. Von maßgebender Seite der thüringischen Landespolizei erfährt der „Telegraf” weiter, es habe sich inzwischen herausgestellt, daß Paul 1935 an Göring, den er aus seiner Tätigkeit als Fliegeroffizier aus dem ersten Weltkrieg kannte, die Bitte gerichtet habe, in die NSDAP aufgenommen zu werden. Dieser Antrag sei aber abgelehnt worden, da Paul der NSDAP als ehemaliger politischer Staatsanwalt in Thüringen untragbar erschien. Von seiner ersten Frau, einer Jjidin, habe sich Paul, als er später selbst zugegeben habe, scheiden lassen, um das gemeinsame Vermögen zu retten. Außerdem werden Paul ungerechtfertigte Verwendungen von Staatsgeldem zur Last gelegt. Er hat dem Staatssekretär Haas Staas, der im Februar dieses Jahres entlassen wurde und sein engster Mitarbeiter war, bis jetzt außer einem Krankengeld von 300 RM monatlich 600 RM aus einem Dispositionsfodns weitergezahlt. Paul setzte diese Zahlungen fort, obgleich Hans Staas im Winter dieses Jahres nachgewiesen wurde, daß er vor der Kapitulation Organisator des Volkssturms im Lande Thüringen gewesen ist, als Beisitzer bei Kriegsgerichten an verschiedenen Todesurteilen mii- gewirkt hatte und überdies verschiedene Aufträge der Gestapo durchführte. Staas wurde seiner Zeit nach diesen Enthüllungen entlassen und befindet sich jetzt zur Ausheilung eines Lungenleidens in der Schweiz. Dr. Paul in Göttingen ? Kassel Das Polizeipräsidium Göttingen bezeichnet eine Nachricht, nach der Dr. Paul’s Wagen an der Zonengrenze bei Eichenberg aufgefunden worden «ein soll, als „wahrscheinlich zutreffend”. Es sei an- pmehmen daß Dr. Paul in die britische Deutsche Zeitungen in allen Zonen Berlin. Ab 15. September können deutsche Zeitungen in allen vier Besatzungzonen frei versandt werden. Der Postausschuß des Kontrollrates hat der Deutsche,, Post die Anordnung erteilt, von diesem Zeitpunkt ab alle Zeitungs-und Zeitschriftensendungen anzunehmen. Diese Anordnung wird auf Grund der Entscheidung der Moskauer Außenminister-Konferenz vom April, die den freien Austausch von Nachrichtenmaterial vorsieht, getroffen. Bis jetzt waren die Zeitungen der Bizone von der Post der russischen Zone nicht angenommen worden, die erklärt hatte, 6ie müsse Richtlinien über die Ausführung dieser Entscheidung abwarten. Hamburg. Die 4350 jüdischen Flüchtlinge, deren Landung an der palästinensischen Küste vor einiger Zeit von englischen Kriegsschiffen mit Gewalt verhindert wurde, sind nach einem unfreiwilligen Aufenthalt im südfranzösdschen Hafen Port le Bouc am Sonntag in Hamburg eingetroffen. Verstärkte britische Militärpolizeiposten bewachten die Ein- und Ausgänge der Docks, um alle Zwischenfälle bei der Ausschiffung zu vermeiden. Montagfrüh begannen die Flüchtlinge, das erste der drei Emigrantenschiffe, die „Ocean Vigour” zu verlassen, nachdem sie der Landungsanweisung, die ihnen in sechs verschiedenen Sprachen durch den Lautsprecher übermittelt wurde, zunächst nicht gefolgt waren. Im Anschluß an eine Besprechung jedoch, beschlossen die Flüchtlinge an Land zu gehen. Unter Tanzmusik halfen die britischen Truppen den Flüchtlingen mit ihrem Gepäck an Land. Während der größte Teil der Flüchtlinge gegen 10 Uhr ausgeschifft war, mußten die letzten. noch an Bord befindlichen Flüchtlingen durch britische Militärpolizei mit Gewalt an Land gebracht werden Dabei kam es zu lebhaftem Widerstand der Juden. Besonders Jugendliche sollen sich mit Händen und Füßen gewehrt haben und wurden von den Soldaten liegend an den Beinen den Laufsteg hinuntergeschleift. Die Juden werden v^rn Hamburg aus mit der Eisenbahn nach dem mit Stacheldraht und eisernen Zäunen abgesperrten Bahnhof Kücknitz an der Strecke Lübeck- Travemünde überführt. Von dort aus ist ein Pendelverkehr mit Lastwagen zum etwa 800 m entfernten Lager Pöppendorf eingerichtet. Pressevertretern ist es verboten, direkten Kontakt mit den Juden aufzunehmen. Zur Beobachtung wurde ihnen die Veranda der Bahnhofsvorsteher-Wohnung in Kücknitz angewiesen Protestkundgebung gegen die Landung der Emigranten H am bürg. Das Zentralkomitö der befreiten Juden in der britischen Zone veranstaltete am Sonntag im Lager Horn in unmittelbarer Nähe des KZ-Lagers Belsen, eine Protestkundgebung. Nach der Sieben Druckereien fälschten Lebensmittelkarten Fernspruch unseres I. F.-Korrespondenten Frankfurt. Einer der größten Fälscheraffären ist die hessische Landeskriminalpolizei auf die Spur gekommen. Bei einem großen Fest in einer Turnhalle in Wiesbaden-Biebrich, bei dem sich etwa 1000 Taubstumme trafen, wurden gefälschte Lebensmittelkarten in großen Mengen zum Kauf an geboten. Als die Polizei dieser ersten Spur nachging, traf man im Deportiertenlager Zeilsheim auf weitere Mittäter. Man vermutete sofort ein weitverzweigtes Fälschernetz und entdeckte auch nach intensiven Fahndungen in Marburg a. d. Lahn die Hauptzentrale. Inzwischen wurde ein Deportierter aufgegriffen, der gefälschte Lebensmittelmarken für fast 80 Zentner Brot und 40 Zentner Fett mit sich führte. Diesmal wies die Spur nach Bayern, wo man in München einen mehrmals vorbestraften Mann namens Weber als den Chef einer Fälscherbande festnehmen konnte. Die Fälscher hatten eine großzügige Organisation aufgebaut und unterhielten in jedem Land einen Sonderbeauftragten. Als Führer der Bande in Hessen wurde der in Mainz- Marnbach geborene Heinz Nägeli festgenommen. Schließlich gelang es der Lan- deskriminalpolizei auch, sechs Druckereien in Wiesbaden, München, Rosenheim, Wuppertal, Solingen und Oldenburg zu ermitteln, in denen mit Hilfe von Matern laufend Lebensmittelkarten mit dem Aufdruck „Landesemährungsamt Hessen” hergestellt wurden. Ersten Anstoß zu den umfassenden polizeilichen Recherchen gaben die Berichte der Landesemährungs- ämter, daß die von den Geschäften zurückgereichten Lebensmittelmarken bis zu 50 Prozent Fälschungen waren. Die Tätigkeit der jetzt ausgehobenen Fälscherbande hatte monatelang die behördliche Planung der Lebensmittelverteilung stillgelegt. Die Kühlhäuser reichen nicht aus Frankfurt. Der außerordentlich starke Auftrieb in den Schlachthöfen von München, Nürnberg, Stuttgart Mannheim und Frankfurt, der durch den Futtermangel der Landwirte bedingt ist, stellt die Emährungsbehörden vor eine sehr schwierige Aufgabe. Die Kühlhäuser reichen bei weitem nicht aus, den starken Anfall aufzunehmen. Außerdem hält sich in den Kühlkellem das Frischfleisch nur wenige Wochen. Die Fleischverarbeitungsindustrie ist infolge Materialmangels nicht in der Lage, den erhöhten Anforderungen nachzukommen. Auch hat man mit dem Eindosen schlechte Erfahrungen gemacht, da viele Büchsen wieder aufgehen Die Abschlachtungen sind zudem sehr schwierig, da die meisten Schlachthöfe in ihren Einrichtungen stark kriegszerstört sind und überdies die Klassifizierung des Viehsund die Zuteilungen an die Metzger viel Zeit erfordern. Da die öffentliche Vorratswirtschaft nicht in der Lage ist, das Fleisch auf lange Frist in genußfähigem Zustand zu erhalten, ist der Vorschlag gemacht worden, größere Zuteilungen an die Zivilverbraucher auszugeben, die noch am ehesten in der Lage sind, in ihren Haushalten das Fleisch einzusterilisieren. Verbrennung eines Bildes von Bevin protestierten mehrere Redner vor etwa 1000 Personen gegen die Haltung der britischen Regierung. In der amerikanischen Zone Deutschlands führen 140 000 internierte jüdische Flüchtlinge zum Protest gegen den Rücktransport der jüdischen Flüchtlinge der „Exodus” einen eintägigen Streik durch. * In England ergriffen die Behörden strenge Sicherheitsmaßnahmen, nachdem bekannt wurde, daß jüdische Terroristen von Frankreich aus London in einem Privatflugzeug anzufliegen beabsichtigen, um über der britischen Hauptstadt Bomben abzuwerfen. Im Zusammenhang damit erfolgten in Paris bis jetzt 17 Verhaftungen. Zweite Jabresfjijf’ing der CDU Berlin. Die 2. Jahrestagung der CDU in Berlin und in der Sowjetzone wurde hier am Samstag in der Staatsoper unter Teilnahme zahlreicher Gäste der Besatzungsmächte und d-’’ Parteien durch den 2. Vorsitzenden der CDU, Emst Lemmer, eröffnet. Zur Eröffnungsfeier waren erschienen: Der Chef der US-MG, General Lucius D. Clay, der Chef der sowjetischen Propaganda-Abteilung, Oberst Tulpanow, die Vorsitzenden der SED, Wilhelm Pieck und Otto Grothewoh., als Vertreter der S#D Franz Neumann, Kurt Swolinzky und Dr. Otto Suhr, Hans Jendretzky vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund und aus Kreisen der LDP Dr. Wilhelm Kuelz und Arthur Lieutenant. Im Anschluß an die Begrüßungsworte Emst Lemmers 6prach Oberst Tulpanow als Vertreter der sowjetischen Militäradministration. Wenn die ■ Parteien für die Einheit kämpfen, so sagte er, wird man es nicht wagen, Deutschland zu teilen. Der Oberst wies auf die bedeutende Kraft der CDU hin, deren Mitglieder bereits in den Regierungen aller Länder der Sowjetzone vertreten seien. Die SU sei erfreut, daß die Deutschen die politische Initiative ergriffen hätten. Er forderte schließlich die Christliche Union auf, dafür zu sorgen, daß der Faschismus nicht neu erstehen könne. Anschießend hielt der 1. Vorsitzende Jakcb Kaiser sein grundlegendes Referat über die Ziele der CDU, wobei er den Vorschlag zur Einsetzung eines Kon- sulativrates (siehe Berliner Spiegel, S. 2) machte. Moskau feierte seinen „Geburtstag" Moskau. Im Scheine von 100 Millionen Lampen, unter den Klängen von 200 Orchestern feierten die über 4 Millionen Einwohner der Sowjethauptstadt den 800. Jahrestag der Gründung Moskaus. „Moskau muß heute die strahlendste, glücklichste, röteste — und auch am meisten übertünchte — Hauptstadt der Welt gewesen 6ein", schrieb ein Reuterkorrespondent. Bereits am Samstagabend nahm das Feiern seinen Anfang, al s Hunderttausende von Paaren auf den Plätzen und in den Parks der Stadt tanzten. Mit Sonderzügen, Schiffen und Flugzeugen strömten Abordnungen aus den entferntesten Republiken der SU mit ihren Gaben herbei, um den „Geburtstag" der Stadt $n der Moskwa zu begehen. Abordnungen aus nahezu 30 ausländischen Hauptstädten, darunter Paris, Rom, Prag, Budapest, Oslo, Kopenhagen und Ottawa, waren ebenfalls zu den Festlichkeiten erschienen. Am Bolschoi-Theater im Zentrum der Stadt erstrahlten Riesenportraits von Lenin und Stalin im Glanz der Scheinwerfer, zwischen den Bildern prangte in leuchtenden Farben die 1. Strophe der sowjetischen Nationalhymne. Ein großes Sportfest, an dem 20 000 Sportler teilnahmen, umherfahrende Kapellen, Dichter, Balladensänger. Sagenerzähler, sie alle waren aufgeboten, um dem Fest seinen Glanz zu verleihen das den Staat schätzungsweise 100 Millionen Rubel gekostet haben dürfte. Aufbau der Sdiiffahrt? Von Dr. Carl Weichaxdt Wie grundlegend die Folgen des ersten Weltkrieges für Deutschland sich von denen des zweiten unterscheiden wie die Katastrophe von heute wirklich ein Zusammenbruch ist, während der Ausgang von 1918 schließlich doch nur eine große Niederlage war, läßt sich besonders deutlich an dem Schicksal der deutschen Schiffahrt damals und heute abmessen Das Fragezeichen über diesen Zeilen besagt daß gegenwärtig von einem Neuaufbau unserer Haudelsschiffahrt überhaupt noch nicht die Rede sein kann, vielleicht nicht einmal sein darf, während damals der Friedensschluß. der heute noch in weiter Ferne zu liegen scheint, bereits ein halbes Jahr nach dem Waffenstillstand erfolgte und drei Jahre später, 1922. trotz der Inflation der Neuaufbau der Haridelsschiffahrt bereits in vollem Gange war und Ende 1923 vorläufig abgeschlossen wurde. Ungefähr die Hälfte der früheren deutschen Handelsflotte, rund 2,5 Mill. BRT, war schon zu diesem Zeitpunkt wieder aufgebaut! Laut dem Versailler Vertrag hatten wir zwar den wesentlichen und besten Teil unserer Handelsmarine im Umfang von rund 4 Mill, Tonnen abzuliefem. was einer Reparationszahlung von etlichen Goldmilliarden gleichkam. Derselbe Vertrag aber verpflichtete das Reich, seine Staatsangehörigen für abgetretenes oder zurückbehaltenes Eigentum zu entschädigen, und mit Hilfe der vom Reich gewährten Abfindungssummen von zunächst 12 und dazu später 18 Milliarden Mark (Papiermark natürlich) führte die Hamburger Schiffbau- und Treuhand-Bank den Wiederaufbau im Laufe von knapp drei Jahren, vom Frühjahr 1921 bis Ende 1923, durch. Trotz der entnervenden Inflationswelle damals war für alle, die etwa in Hamburg oder Bremen das Wiederauferstehen der neuen und damit moderneren deutschen Handelsflotte miterlebt haben, diese Tat eine außerordentliche Ermutigung. Heute, über zwei Jahre nach dem Waffenstillstand, wissen wir noch nicht einmal, wann Frieden sein wird, und Schiffe dürfen wir nicht bauen. Der uns erlaubte Handelsschiffsraum ist vom Kontrollrat auf 167 000 t Tragfähigkeit, d. h. gut 120 000 BRT beschränkt worden. Die Schiffsgröße darf im Höchstfälle 1500 BRT ausmachen, das ist kaum die halbe Größe eines Frachtdampfers für mittlere Fahrt. Diese Schiffe reichen also technisch nur für den Küstenverkehr und allenfalls für die Fahrt nach England. Sie könnten, wenn sie alle emsatzfähig wären. höchstens eine jährliche Gütermenge von 3.75 Mill t befördern, während bei normalisierter deutscher Wirtschaft der Transportbedarf in der Küstenfahrt mindestens 7 Mill. t jährlich beträgt und einen Schiffsraum von 600 000 Tragfähigkeitstonnen oder 400 000 BRT erfordern würde. Dieses Mindestbedürfnis wird auch vom Auslande kaum als übersteigert oder „gefährlich“ angesehen werden können, da es ja nicht einmal den zehnten Teil des Bestandes der deutschen Handelsflotte vor. dem zweiten Weltkriege ausmacht. Das Hauptproblem ist heute genau das gleiche wie in den zwanziger Jahren, obwohl die immer wiederkehrende Sorge des Auslandes, nämlich die Scheu vor jedem Erstarken unserer Handelsflotte die - damals berechtigt sein mochte jetzt der triftigsten Begründung entbehrt. Kein vernünftiger Mensch an der Wasserkante träumt davon, daß ein beschränkter Neuaufbau unserer Handelmarine eines Tages von neuem militärisch uns nützen könnte oder sollte. Uns liegt zufällig ein altes Gutachten der Pariser Hande’skammer von 1923 vor, worin es heißt: .Eine blühende französische Handelsmarine ist von der größten Bedeutung für die Entwicklung des Handels wie für die Verbesserung der Valuta. Es ist anzustreben daß der größere Teil der von Frankreich ex- ' portierten und nach Frankreich importierten Güter unter französischer Flagge befördert wird.“ Ganz das gleiche galt und gilt für Deutschland und seine Handelsflotte, zumal wenn es noch Reparationen zahlen soll. Die harten wirtschaftlichen Tatsachen müssen darum eines Tages dazu führen, den Wiederaufbau einer auf Reichsmarkgrund’age arbeitenden Schifffahrt auch diesmal wieder ins Auge zu fassen, weil unsere Zahlungsbilanz auf anderem Wege nie in Ordnung’ zu bringen sein wird. Die deutsche Einfuhr vollzieht sich nach früheren Erfahrungen zu 70 v. H., die Ausfuhr zu 60 v. H. des Warenwertes auf dem Seeweg. Selbst wenn man den ursprünglichen Industrie- und Außenhandelsplan des y ‘rollrats. der 6 Mrd. Außenhandelsvolumen vorsieht, zu Grunde legt, müßte von der Seeschiffahrt ein Außenhandel von 3.9 Mrd. RM. befördert werden, wofür bei den heutigen hohen Frachten ein Devisenaufwand im Werte von 1,6 Mrd. RM. notwendig wäre. Auch bei sinkenden Frp<*>+r= + '-^ könnte solch eine Belastung nicht aus dem Ausfuhrerlös abgedeckt werden. Diese Zusammen- Seite 2 / Nr. 70 SODCU1IEI Dienstag, 9. September 1947 i hänge finden in der Fachpresse Englands und Amerikas heute übrigens schon mehr und mehr Verständnis. Hamburg hat bei alledem noch seine besonderen Sorgen. Sein Inlandsverkehr, Küsten- lind Binnenschiffahrt, Eisenbahn und Kraftwagen, teilte sich früher fast genau zur Hälfte nach Westen und Osten. Ueber 47 v. H. entfiel auf die heutige Sowjetzone und das Gebiet ostwärts Oder-Neiße. Heute hört dieser Verkehr wenige Kilometer südlich Hamburgs auf. Kommt eine Wirtschaftseinheit nicht zustande, würden weiter che Güter aus dem Osten fehlen, so müßte künftig die Hälfte • der Hamburger Schiffe leer auslaufen. Das verträgt keine Schiffahrt; Güterwagen können allenfalls leer laufen, Schiffe auf die Länge nicht Hamburg braucht als Hauptausfuhr wie einst wieder Fertigfabrikate und könnte darum ohne ein Anlaufen der deutschen Produktion nicht über den Berg kommen. Schließlich und endlich 6ind die Schiffahrtskreise der Wasserkante der Ueberzeugung, daß der Bau von Handelsschiffen, die wie die Eisenbahnen Verkehrsmittel sind, einem Volke eigentlich nicht verboten weiden könnte. 50 000 ausgebildete deutsche Seeleute, wie sie in ihrer Zuverlässigkeit willen einst überall geschätzt werden, hoffen im Dienste einer dem Frieden dienenden Schiffahrt den Kredit der Welt wiedergewinnen zu können. Hirtenbrief der deutschen Kardinäle und Bischöfe Berlin. Der gemeinsame Hirtenbrief der deutschen Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe, die sich am Grabe des hl. Boni- fatius in Fulda versammelt hatten, wurde am Sonntag in allen katholischen Kirchen Deutschlands von der Kanzel verlesen. Der Hirtenbrief steht unter dem Zeichen der Not. „Die Not ist groß, ist riesengroß. Im Bewußtsein unserer bischöflichen Aufgabe und Verantwortung stellen wir uns die Frage: Wie können wir unserem armen, bedrückten Volke helfen? Unser Hirtenwort soll darum ein Trost und Mahnwort sein.“ Berliner Spiegel Von unserem A.G.-Korrespondenten Berlin. Das innenpolitische Leben der Ostzone ist gegenwärtig besonders stark bewegt. Drei Ergebnisse stehen im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit: Die Parteitage der beiden politischen Hauptpartner in der Ostzone, der CDU und SED, und der sensationelle Fall des thüringischen Ministerpräsidenten Paul. Der CDU-Parteitag wird besonders wegen der Heftigkeit der vorangegangenen Diskussionen über die weitere politische Haltung der Partei in Berliner poltischen kreisen mit Spannung verfolgt. Seit zwei Wochen erscheinen täglich in russisch lizenzierten Blättern Zuschriften von CDU-Mitgliedern, die Kritik an der Parteiführung üben , wegen mangelnder Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der SED und wegen ihrer zustimmenden Haltung zum Marshall-Plan. Dieser starke Druck wurde von dem Parteiführer Jakob Kaiser in einer Programmrede dahingehend beantwortet, daß er Einschüchterungen nicht fürchte, nachdem er die Hinrichtung zahlreicher politischer Freunde durch die Nazis erlebt habe. Kaiser trat leidenschaftlich für einen Ausgleich der Gegensätze zwischen den Weltmächten um der Sicherung Europas willen ein. Er schlug den Siegermächten die Einsetzung eines deutschen Konsultativrates mit je einem Mitglied auf je eine Million Einwohner der einzelnen Zonen vor, so daß jede Besatzungsmacht ih**er Neigung entsprechend mehr föderalistische oder parteipolitische bzw. gewerkschaftliche Personen berufen kann. Dieser Konsultativrat soll Vorschläge für e ; ro Zentralverwaltung, eine deutsche P erationskommission und für die Nationalversammlung ausarbeiten. Kaiser erwartet von dem Auftreten einer deutschen Instanz eine ausgleichende Wirkung auf die Konfliktstimmung der Weltmärkte. Gleichzeitig findet die Delegiertenkonferenz der Sozialistischen Einheitsnartei von Berlin statt. Seit mehreren Tagen wird für diese Konferenz ein deutscher Plan nronagiert, dessen wesentliches Merkmal die Annahme der Vorschläge Moloiows für die deutsche Einheit und die Uebertragung der Ernährungswirtschaft der Ostzone auf ganz Deutschland unter schärfster Ablehnung des Marshallplanes bildet. Die möglichst vollkommene Lösung der sozialen Frage wiTd als unerläßliche Voraussetzung für die Gesundung des deutschen Volkes angesehen. .Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind nicht Gegensätze und Gegenspieler, sondern Schicksalsgenossen und Arbeitsfreunde. Auch eine neue Ordnung der Eigentumsverhältnisse wird sich als unvermeidlich erweisen. Wohl läßt sich das 7. Gebot, das das Eigentum schützt, niemals außer Kraft setzen und das Wort des ehemaligen Führers der französischen Sozialisten Proudhon .Eigentum ist Diebstahl“ nicht zum neuen Recht stempeln. Das Privateigentum beruht auf einer Forderung der Menschennatur und dem ausdrücklichen göttlichen Willen. Damit ist aber nicht gesagt, daß die kapitalistische Anhäufung der irdischen Güter fc wenigen Händen der gottgewollten Ordnung entspricht. Es wird daher ein angemessener Lastenausgleich unvermeidlich sein. Die soziale Neuordnung, die nicht in einer Umwandlung des Privatkapitalismus in einen Staatskapitalismus bestehen darf, verlangt die besten Kräfte des Volkes und ist des Schweißes der Edelsten wert.“ Mit eindringlichen Worten wird die Not der deutschen Kriegsgefangenen geschildert und die Bitte um ihre Freigabe an die Alliierten erneuert. „Wir wiederholen auch mit aller Innigkeit und Dringlichkeit das Ersuchen um Weitherzigkeit und Großmut gegenüber jenen, die nur dem Druck des Nazismus und nicht dem Geiste der Bedrücker folgten.“ Hamburgs Mensdienverluste im Kriege Hamburg. Das amerikanische Landesamt in Hamburg gibt die ersten vorläufigen Zahlen über Hamburgs Menschenverluste im Kriege bekannt. Danach fielen 55 000 Menschen Bombenangriffen zum Opfer, 35 000 Kriegssterbefäll* «n d*o Fronten beurkundeten die Standesämter und a!« vermißt gelten 33 000, von denen zwei Drittel, also 22 000, als gefallen bezeichnet werden. Die Gesamtzahl der Toten durch den Krieg beträgt demnach für Hamburg 123 000. Die Zahl der Vermißten wird mit 48 500 Personen ausgegeben. Beschleunigung der Europa-Hilfe Washington. Eine Beschleunigung des USA-Programmes für die Durchführung des Marshall-Plan6 zur Unterstützung Europas wurde am Samstag vom USA-Außenministerium angekündigt. „Wir sind der Ansicht, daß der Zeitplan für den Marshall-Plan erheblich beschleunigt werden muß, um eine Hilfe für Europa vor dem Jahresende durchführen zu können”, heißt es in der Verlautbarung -des Außenministeriums. Die Erklärung unterstützt die von Staatssekretär im Außenministerium Robert Lovett in der vergangenen Woche aufge- stellten Forderungen. Bündnisvertrag wurde ratifiziert London. Der anglo-französische Biind- - nisivertrag, der am 4. 3. von dem brit. Außenminister Bevin und dem franz. Außenminister Bidault unterzeichnet, worden war, wurde am Montagmittag im britischen Außenministerium ratifiziert. Neue griechische Regierung Athen. Die neue griechische Regierung hat am Sonntagabend dem König ihren Treueid geleistet. Ihr gehören 13 Minister und ein Staatssekretär der Volkspartei Tsaldaris und neun Minister und ein Staatssekretär der liberalen Partei So- phoulis an. Tsaldaris ist Vizepremier und Außenminister geworden. Alle Führer der Parteien, die außerhalb des neuen Kabinetts blieben, haben erklärt, der neuen Regierung ihr Vertrauen aussprechen zu wollen. „Kreuzfahrer" bekämpfen Tito Mailand. In Jugoslawien hat nach einem letzten Bericht der italienischen Zeitung „Corriere Lombardo” ein anti- Tito Partisanenkampf begonnen. Berichte von Jugoslawien, die aus Belgrad in Triest eintrafen, besagen, daß eine Partisanenvereinigung „Die Kreuzfahrer” unter der Leitung von Oberst Palosevacs, dem Nachfolger des zum Tode verurteilten Generals Drage Mihailowitsch mit 20 000 Anhängern in Südjugoslawien -und 5000 in Kroatien mit schweren Waffen einschließlich Artülerie die jugoslawischen Regierungstruppen bekämpft. Ein bedenklicher Aufruf S.K. Im Gebiete des Landkreises Ueber- lingen hat der stellvertretende Landrat einen öffentlichen Aufruf anschlagen lassen, in dem er der Bevölkerung bekannt gibt, daß eine größere Zahl von Flüchtlingen im Kreisgebiet untergebracht werden müsse, und worin die Einwohner aufgefordert werden, den erforderlichen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, macht er diejenigen, die seiner Anordnung nicht freiwillig nach- kommen werden, nicht nur darauf aufmerksam, daß sie eine Bestrafung zu erwarten hätten, sondern er droht ihnen ausdrücklich an, daß sie zwangsweise eine Zeitlang in dasnLager Goldbach (ehemaliges KZ!) untergebracht würden. Diese ausgesprochenen Drohungen erinnern lebhaft an die Sprache der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Schließlich sind sie widerrechtlich, denn keine Gesetzesbestimmung gibt dem Landrat das Recht, einen Menschen nach seinem Gutdünken in ein Lager zu verschicken, selbst dann nicht, wenn er nicht des Landrats Willen tut Nach der soeben in Kraft getretenen badischen Verfassung ist Baden ein Rechtsstaat, in dem die Freiheit eines Menschen nur durch Gesetze, niemals aber durch einen ungesetzlichen Verwaltungsakt eingeschränkt werden kann. Unsere- Verwaltung ist eine gesetzmäßige Institution, die nicht nach Willkür schalten und walten kann. Es gibt heute hinreichende gesetzliche Bestimmungen, die eine Unterbringung von Flüchtlingen und die notwendige Fürsorge für sie auch unter dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit ermöglichen, gegen Widersetzliche und Egoisten den erforderlichen .verwaltungsrechtlichen Zwang mit gesetzlichen Mitteln auszuüben Die unangebrachte Drohung mit dem Lager Goldbach ist daher eine nicht nur überflüssige, sondern auch widerrechtliche Anmaßung. Sie verletzt das Rechtsbewußtsein d*s Volkes und steht dem sich anbahnenden Vertrauen zur Staatsführung hindernd im Wege. Der Wortlaut dieser behördlichen Willensäußerung ist in hohem Maße geeignet, die Gefühle des Vertrauens, des guten Willens und der Hilfsbereitschaft, ohne die ein gutes Zusammenleben zwischen Flüchtlingen und 'Alteingesessenen überhaupt nicht möglich sein kann, von vornherein ZU ersticken. Pokal- und Punktekämpfe haben begonnen Süddeutsche Oberliga ohne Sensation — Mit dem vorgestrigen Sonntag hat die Fuß- und Handbadlsaison 1947 48 offiziell begonnen. Zwar rollte schon vordem Verschiedenerorts das runde Leder, jedodi bedeuteten diese Spiele für die meisten Akteure mehr oder minder nur einen Brobegalopp für die nunmehr begonnene Saison, im Mittelpunkt des badischen Fußballs stand der Beginn der Pokalrunde um den „Pokal von Baden" im Fuß- und Handball, an dem sich am vorgestrigen ersten Spielsonntag allein in den Bezirken des Bodensees, des Schwarzwald« und des Oberrheins rund 50 Fußball, und 40 Band- ballmannschaften beteiligten. Die Mannschaften rekrutierten sich bei dieser ersten Pokalrunde vorwiegend aus den unteren Spielklassen, wobei das Eingreifen der Landes- und ZonenMgavereine zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt erfolgen wiTd (Aus Platzgründen veröffentlichen wir die einzelnen Ergebnisse des Sonntags in den betr. Loka lausgaben.) Im Gegensatz zu den badischen Vereinen haben die württembergischen Klubs bereits mit den Pflichtspielen der beiden Landesligen: Nord und Süd begonnen. Genau wie in Baden erwartet man auch dort mit Spannung auf den Start der Zonenliga am kommenden Sonntag. Sie bedeuten auch dort das „Salz in der Suppe", zumal ja der württemibergische Fußball gleichfalls mit sechs Vereinen an der Zonenligarunde beteiligt ist und man dort dieselben Chancen für den Meistertitel wie im Badischen empfindet. — Schließlich wäre noch der Beginn der Süddeutschen Meisterschaft in der Oberliga (US-Zone) erwähnenswert, der mit neun Spielen bis auf eine Ausnahme (Sportfreunde Stuttgart — Schwaben ^.ugsburg) programmgemäß verlief. Württ. Landesliga, Gruppe Nord: Münsingen — Ebingen 0:4, Gosheim — Pfullingen 4:2, Tailfingen — Schramberg 2:2. Gruppe Süd: Ravensburg — Ehingen 1:2, Lmdenbeig — Buchau 2:5, Lindau — Weingarten 0:6, Riedlingen — Mengen 4:2. Süddeutsche Oberliga (US-Zone): Wacker München — FC Nürnberg 1:6, SpVgg Fürth — Bayern München 0:2, VfB Mühlburg — Stuttgarter Kickers 0:3, Stuttgarter Sportfreunde — Schwaben Augsburg 1:0, 1860 München — FC Schweinfurt 4:2, Ulm 1846 — VfB Stuttgart 2:2, SV Waldhof — Viktoria Aschaffenburg 3:0, Of- fenbadier kickers — VfR Mannheim 0:0, FSV Frankfurt — Rot-Weiß Frankfurt 1:0. Privatspiele. VfR Stodcach — Fortuna Freiburg 5:6; SV Schussenried — Fortuna Freiburg 0:4; VfL Freiburg — TuS Neuendorf 2:0; SV Rastatt -— TuS Neuendorf 2:2; Eintracht Frankfurt — Schalke 04 2:1; Hamburger SV — Fortuna Düsseldorf 3:1, VfL Benrath — Eintracht Braunschweig 6:3; Rhenania Würselen — Borussia Dortmund 2:4; Werder Bremen — Viktoria Oldenburg 4:2; Mainz 05 — Karlsruher FV 3:1. Fußball in England. (6. 9.) 1. Division: Arsenal-Manchester United 2:1. Blackburn Rovers— Aston Villa 0:0, Blackpool — Wolverhampton Wanderers 2:2. Bolton Wanderers — Portsmouth 4:0. Charlton Athletic — Preston North End 1:2. Derby County — Everton 1:0. Grimsby Town— Sheffield United 0:3. Huddersfield Town — Chel- sea 3:1. Liverpool — Bumley 1:1. Manchester City — Sunderland 3:0. Middlesbrough — Stoke City 2:1. — 1. Arsenal 5 Sp. 10 P. 2. Preston 5 Sp. 8 P. 3. Wolverhampton 5 Sp. 7 P. Blackpol 5 Sp. 7 P., 5. Derby 5 Sp. 6 Punkte. Fußball in Frankreich. Resultate der 3. Meister- sterschaftsrumde: Toulouse — Cannes 0:0; Soch- aux — Lille 1:2; Metz — Red Star 2:0; Roubaix- Straßburg 3:2; Sete — Rennes 2:0; Ales — Reims 0:1; Marseille — Stade Francais 5:1; Nancy — Montpellier 2:2. Handball. SG Friedrichshafen — SG Lindau 15:3; Ravensburg — SV Reutlingen 13:6; Lahr— Haßloch 6:16; Emmendingen Lahr 7:2. Keine Spiele außerhalb Badens In unserer Ausgabe vom 2 September veröffentlichten wir die Nachricht, daß der Sport- beauftnagte der Militärregierung für Baden, Walter Dioger-Freiburg, auf eimer Fußballtagung in Freiburg erklärt hat, daß „künftig nur noch für Spiele gegen Partner außerhalb der französischen Zone besondere Spdelgenehmlgumgen notwendig sind“. Diese Mitteilung beruht auf einer Fehlinformation, die wir dahingehend • richtigstelfen, daß auch weiterhin alle Wettkämpfe mit Mannschaften außerhalb der französischen Zone Badens durch die Militärregierung genehmigungspflichtig sind. Nun doch Berufsfußball Der Vorsitzende der „Interessengemeinschaft Deutscher Berufs-Fußballklubs", Albert Bauer, München, erklärte daß die lizenzierten Berufs- Fußball vereine der US-Zone in spätestens vier Wochen mit ebner Pokalrunde an die Oeffentldch- kelt treten werden. Bereits Lizenziert und für Um den Fuß- und Handballpokal in Baden | den „Probe-Aufgalopp" bestimmt sind bisher die ! Berufsfußballvereine von München. Augsburg, i Stuttgart, Mannheim, Frankfurt und Kassel. Je- : doch ist nach den Ausführungen Bauer s damit zu ! rechnen, daß in Kürze weitete Profis-Klubs in der I amerikanischen und den beiden übrigen Westzonen himzuifcommen. Eine Einbeziehung der Sowjetzone in die Spdelrunde dürfte vorerst nicht erfolgen. Mangelwarenspiele Die sogenannten „Kalorienspiele" sind nicht die letzte zeitgemäße Form des sportlichen Verkehrs. Als neueste Mode kamen die ,,Mangel - ' warenspiele" auf. Die „Neue Zeitung" in München hat nun verschiedene solcher „Fälle" aufgeführt. So hat die SpVgg Fürth — Naila im Frankenwald für elf Paar neue Fußball schuhe, Fürth — Schwarzenbach für elf Sporthemden, 1, FC Nürnberg in der Lederstadt Rehau für 15 Paar Straßenschuhe und 15 Paar Fußball- stiefe'l, 1. FC Nürnberg in der Porzellanstadt Selb für 18 Kaffeeservices (30-teildg) und eine Kiste GebrauchsporreHan, 1. FC Nürnberg in der Puppenstadt Neustadt für Weihnachtspuppen, j Bayern München ebenfalls gegen Selb gespielt. — Die Parallele dazu stellt die „Landsucht" verschiedener Fußballtramer dar. Mit Vorliebe übernehmen prominente Spieler das Training kleinerer ländlicher Vereine So soll es beispielsweise im Niederrheinbezirk einen Verein geben, bei dem sich sämtliche Spieler der ersten Mannschaft als Trainer von Laradverefien betätigen. Dies sind sportliche Auswüchse, wie sie aus der südfranzösischen Zone bisheT noch nicht gemeldet werden konnten. Ruder-Regatta in Frankfurt Auf der bekannten Gerbermühlstrecke in Frankfurt wurde am Sonntag die 25. Herbstruderregatta ausgetragen. Die Ergebnisse bei 1000 Meter Streckenlänge: Jugend-Gig-Achter: RC Nassovia Höchst 3:29,3 Min.; Stadf-Gig-Dop- pelvierer (m. Strrn.) für Frauen: Frank f urter Rudersportvereinigung in Sachsenhausen 3:34,1; Frauen-Gig-Doppelvierer: RG Wiesbaden-Biebrich 4:29,4; Altherren-Gig-Vierer (m. Strm.): Limburger RG 4:12 Min.; Herbst-Jugend-Gig-Vierer (m. Strm.) Frankfurter RG Germania 4:14,7 Min.; Jugend-Gig-Vierer (m. Strm.) RG Nassovia Höchst 3:58 Min.; Herbst-Jungmann-Gig-Vierer (m, Strm.) SPV Weüburg 4:16,6 Min.; Jungmann- Gig-Vierer (m. Strm.) Flörsheimer RV 4:05,1 Min. Bei 1500 Meter-Streckenlänge: Jungmann- Einer: Frankfurter RG Germania 6:15,3 Minuten. Kurz notiert Bei einem Fußballspiel zwischen zwei schottischen Profivereinen kam es zu tumultartigen Zwischenfällen, bei denen mehrere Zuschauer verletzt wurden. Als Polizei und Sanitätsmann- sdiaften die Ordnung wieder herstellen wollten, wurden hunderte von Flaschen auf das Spielfeld geworfen. Der „Große Preis der Sowjetischen Besatzungs- Zone“ (100 000 Mark) wurde von „Harlekin" unter Otto Schmidt gewonnen. Der Tennisklübkampf zwischen Rotweiß Baden- Baden und dem TC Konstanz endete mit einem ll:5-Sieg der Baden-Badener Die Herreheinzel gewann Baden-Baden mit 6:1, das Doppel mit 3:0, während die Konstanzer Frauen mit 2:1 und im Gemisdyten Doppel mit 2:1 die Spiele gewannen. Mit einem 4:1-Sieg über Australien holte sich die amerikanische Tennismannschaft auch in diesem Jahre den Davis-Cup. Damit sicherte sich USA zum 14. Male den Davis-Cup vor England neun. Australien sieben und Frankreich sechs Siegen. Da« Entscheidungsspiel um die Frauenbandbail- meisterschaft der französischen Nordzone gewann Friesenheim mit 4:2 gegen Bad Kreuznach. Frankreich gewann den Leichtathletik-Länderkampf gegen Großbritannien mit 73:56 Punkten, während die englischen Leichtathletinnen die französischen Mannschaften mit 25:23 Punkten schlugen. Der Italiener Trossi auf Alfa Romeo gewann den 18. großen Preis von Italien. Richard Vogt-Hamburg, schlug bei der in Leipzig durchgefübrten Berufs-Boxveranstaltumg den Heidelberger Halbschwergewichtler Hans Kupsch in der siebten Runde k. o. Max Schmeling wird am 28. September im Rahmen einer Boxveranstaltung des amerikanischen special service in Frankfurt seinen ersten „Aufbaukampf' übeT zehn Runden gegen den Magdeburger Werner Vollmer austragen. Das längste und schwierigste Motorradrennen der Welt wurde am 7. September in Moskau gestartet. Das Rennen, das lediglich Maschinen der sowjetischen Produktion Vorbehalten ist, führt über Odessa, Minsk, Kowno, Wilna, Riga, Leningrad zurück nach Moskau und wird 35 Tage dauern. Stadttheater Konstanz Druten „Das Lied der Taube” Man war gespannt, diese vielgespielte und viel besprochene amerikanische Komödie kennenzulernen. Die Erwartung, daß es 6lch um etwa« durchaus Neuartiges in Form oder Inhalt handle, ist indessen nicht gerechtfertigt. Es sind pikante Angelegenheiten, die da abgehandelt werden, und wenn der Reißverschluß mit der Zange in Angriff genommen wird, offenbaren sich Dinge, die nur von reiferen Knaben mit offenen Augen betrachtet werden dürfen. Aber das Pikante wird echt amerikanisch, d. h. mit so viel Naivität behandelt, daß es schon nicht mehr pikant ist. Es wird sogar zur Staffage für die Diskussion eines emsthaften Problems. Nach den Erfolgen in der Rationalisierung der Werkzeugmaschinen sind die Amerikaner offenbar dazu übergegangen, auch die Liebe zu rationalisieren Aber hier ergeben 6ich Schwierigkeiten, weil auf diesem Gebiet irrationale Mächte ihre Hände im Spiel haben, die schwer zu berechnen sind. Es kommt dann öfters anders, als man es sich gedacht. Schon die Griechen sind ja damit nicht fertig geworden und haben die Liebe kurzerhand unterm Kapitel Krankheiten ein geordnet. Anders die praktischen Amerikaner. Liebe Ist eine Sache des Wochenends und sie soll, psychologisch und physiologisch, eine angenehme Sache sein. Und da ist nichts störender als gefühlvolle Wallungen und Verwicklungen. Hütet man sich nur davor, geht die Rechnung auf. Jedenfalls meinen das-zwei kleine Schauspielerinnen, die Sally und die Olive. Sie leben in New York, im Krieg, wo dje Bindungen stark gelockert sind. Olive kommt mit dieser Philosophie zurecht. Gewinn und Verlust sind zu buchen, aber ein mehr oder weniger vergnügtes Wochenend schaut dabei immer heraus. Anders ists bei der kleinen Sally. Eine schmerzliche Enttäuschung wurde ihr schon zuteil und nie. nie möchte sie wieder so etwas erleben. Um keinen Preis! Aber da kommt ein Sergeant, eigentlich zu ihrer Freundin Olive, die aber schon mit einem Kapitän in Anspruch genommen ist. Weil nun Bill, der Sergeant, grad wie Sally nichts andres anzufangen weiß, gehen sie miteinander aus, kommen spät zurück und Bill muß im Wohnzimmer Sallys übernachten weil er kein Hotelzimmer fand. Alles ist durchaus naiv. Am folgenden Abend geht man wieder aus, kommt noch später zurück, es kommt der Reißverschluß und — nun, wie das eben so ist. Zwar ist über Bill auch schou ein Rauhreif gekommen und er möchte, wie die Sally, um keinen Preis noch einmal schmerzhafte Komplikationen. Aber es zeigen sich, wie das bei Männern der Fall, doch atavistische Neigungen in Angelegenheiten der Liebe, er kann sich mit dem Wochenend-Rationalismus nicht ab- finden und schließlich schmelzen auch ihre philosophischen Grundsätze dahin wie Schnee an der Frühlingssonne, eie birgt ihr Köpfchen weinend an seiner braven Soldatenschulter und die Ordnung der Natur ist wieder hergestellt. Wie man sieht: eine delikate Sache. Aber Diskretion und Naivität sind entwaffnend. Letztere ist amerikanisch, die Diskretion aber ist Sache von Kunst und Geschmack. Man folgt mit Vergnügen dem Spiel, obwohl es in der Exposition etwas ermüdet, und im Aufbau der straffen dramatischen Konzeption ermangelt. Die Inszenierung von Stefan Dahlen war vorzüglich; sie verweilte nicht bei den Pikanterien, sondern ließ das moralische Problem wirksam in den Vordergrund treten. Vor allem aber hielt sie das Spiel im Rahmen eines feinen Geschmacks. Ungemein liebenswürdig wurde die Figur der Sally von Elisabeth Scherer gezeichnet. Das Beste ist damit gesagt, daß sie keine Rolle, sondern einen Menschen spielte. Ebenso glücklich war die Rolle des Sergeanten auf Urlaub, dieses verhinderten Zynikers, von Dieter Weiner besetzt. Die ungelenke, undifferenzierte Naivität mutete wirklich ame- I rikanisch an. Ursula Sträuli spielte die kalte Kokette Olive zu dämonisch und wurde dadurch unnatürlich. Das Bühnenbild von Lilo Hagen ließ Liebe und* Sorgfalt erkennen, wirkte in der Fülle aber zerstreuend. Der Intendant Wolfgang Engels ließ durch diese Aufführung erkennen, daß wir wieder feinere und durchdachte Schauspielkunst zu erwarten haben, vor allem auch das, was die Hauptsache i6t: Kunst geschmackvoller Inszenierung. Er. Munding KULTUR UND WELT Der Bodenseegeschichts verein, der in diesen Tagen seine Satzungen beriet und einen Vorstand wählte, in dem nach altem Herkommen Schweizer, Oesterreicher und Deutsche sitzen, hat wieder eine Brücke zur internationalen wissenschaftlichen Arbeit geschlagen. Der Boden, see im weiteren Sinne war von altersher ein kultureller Kreis, dessen Gemeinsames durch nationalistischen Ueberscbwang zeitweilig verloren gegangen war. Umso erfreulicher ist es, daß man sich wieder zusammengefunden hat, um aus dem Gemeinsamen der Vergangenheit zu Nutz und Frommen Aller das Gemeinsame der Gegenwart und der Zukunft zu erkennen und zu pflegen. Man nimmt davon, mit Genugtuung Notiz und wünscht den Bemühungen vollen Erfolg Moralische Aufrüstung In Caux, wo die „Weltkonferenz für moralische Aufrüstung” stattfand, erhob sich am Gedenktag der Bartholomäusnacht Monsignore Chevrot von der Franz- Xaver-Kirche in Paris: „Im Namen aller Katholiken möchte ich meine protestantischen Freunde um Verzeihung bitten und meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, daß Mer iu Caux Protestanten und Katholiken gemeinsam am Aufbau einer neuen Welt arbeiten." Nachdem auf Antrag eines protestantischen Delegierten die Versammlung dem katholischen Priester gelobt hatte, „daß wir gemeinsam mit ihm für die Einigkeit der Christenheit kämpfen wollen", fuhr Monsignore Chevrot fort: Als junge Menschen faßten wir den Vorsatz, die Wälle des Hasses, welche die Menschen trennen, niederzureißen. Doch die Welt behandelte ms als gefährliche Idealisten und die schrecklichen Folgen des Krieges und der sozialen Konflikte erdrückten uns. Heute sehe ich in Caux Menschen verschiedener Völker vor mir. Männer aUer Kontinente, Russen und Bekenntnisse, vor kurzem noch Todfeinde, heute alle durch das gleiche Ideal geeint. Es ist also doch wahr, daß Liebe stärker ist als Haß. Französischer Film in Baden-Baden. Der neue Film von Rene ClaiT „Schweigen ist Gold" hat bei seiner ersten Vorführung in Baden-Baden einen nachhaltigen Eindruck gemacht. Die Schlichtheit deT Fabel und die Virtuosität der Inszenierung und der Darstellung werden einhellig gerühmt. Schluß gemacht. In Bayern wird gegenwärtig manchmal nach Fflserechen Rezepten Kulturpolitik gemacht, was den Professor der physikalischen Chemie. Dr Clusius. derartig ver, droß, daß er seinen Lehrstuhl zur Verfügung stellte und nach der Schweiz reiste. Bayerischer Kommentar: Er leidet ah Nervenüberreizung. Was in Bayern tatsächlich öfters beobachtet wird. Ermunternde Zuversicht Der Professor der amerikanischen Harvard-Undversität W. Grocpius, der einige Wochen Deutschland bereiste, erklärte: „Ich verlasse Berlin mit der Uefoer- zeugung, daß die Initiative und Tatkraft des geistigen Deutschlands, die ich zu meiner Freude bei so vielen Deutschen gefunden habe, zum Wiederaufbau aus der schweren Katastrophe führen wird." Er habe stets darauf hingewiesen, daß er an die Verjüngnngsfäbigkeit des deutschen Menschen glaube, da dieser sie historisch bewiesen habe. Er habe der Jugend geraten, sich durch materielle Sorgen nicht zur Gedankenarmut herabdrücken zu lassen, da er glaube, daß Deutschland zukunftweisende Ideen brauche, um sich in der Welt erneut behaupten zu können. Niemals jedoch habe er festgesteUt, daß die Deutschen die Tendenz aufwiesen, „im Sumpfe der Verzweiflung tatenlos unterzugehen". Austausch im Rundfunk. Der Leiter der amerikanischen Nadirkhteirkontrofle, Oberst Textor, gab bekannt, daß zwischen der amerikanischen Militärregierung und dem Schweizer Rundfunk ein Abkommen über den Austausch der Rundfunkprogramme der Sender im amerikanischen Besatzungsgebiet und denen der Schweiz getroffen worden sei. Physikertagung in Göttingen. Zur Tagung der Deutschen physikalischen Gesellschaft kamen ln Göttingen 400 Physiker zusammen, denen in 58 Facöberichten der netteste Stand der physikalischen Forschung mitgeteilt wird. Es nehmen Gelehrte aus allen Zonen teS. Internationale Lehrerkonferenz. In Brüssel fand eine internationale Lehrerkonferenz statt, die sich n. a. mit der Erziehung der deutschen Jugend befaßte. Deutsche Lehrer nahmen allerdings nicht daran teil. Ein Answeg. Unter den Alliierten konnte über die Form des Geschichtsunterrichts an den Berliner Schulen keine Einigung erzielt werden. Infolgedessen findet im nächsten Schuljahr an diesen Schulen überhaupt kein Geschichtsunterricht statt. Indische Filme, ln den Filmwochen m Venedig wurden die indischen Filme „Sakuntala" und „Die Reise des Doktor Kootnir" vorgeführt. Der erste spielt in einem Milieu von 1001 Nacht und schildert die 1000jährigen indischen Lebensgewohnheiten, während der zweite die Odysse eines jungen indischen Arztes schildert. der den Kriegsopfern in China Hilfe leistet. DiJ beiden indischen Filme sollen durch ihre fremdartige Darstellungsweise aufgefallen sein. NEUE BÜCHER Konstantin Simonow „Die russische Frage" (Verlag Henschel, Berlin). Dieses Schauspiel, das viel Beifall und noch mehr Aer- gerrris verursachte, ist eine politische Streitschrift, von einem begabten Dichter verfaßt. Die amerikanische Presse ist darin als ein Sumpf der Korruption dargestellt. Alles ist käuflich, Verleger, Journalisten, Flauen, für ein paar Dollar oder für Whisky. Nur einer unter allen ist edel. Die Einseitigkeit wirkt peinlth und man bedauert, daß Simonow. dran man seine Ideale und seinen Standpunkt zubilligt, mit seinem großen Talent nicht ein Nive -au hielt, das den besonderen Verpflichtungen aller Kunst entspricht Sie ist da, um im Geiste zu vereinen und nicht um zu trennen. Lesskow „Der Tolpatsch” (Verlag Karl Alber, München). Die Erzählung ist eines der letzten Werke Lesskows, eines der großen russischen Erzähler (1831—1895) geschrieben in russischer Breite, aber voll psychologischer Tiefe. Ein primitiver und naiver Mensch, voll Eifer, sich in der Welt zuredrteufinden und auszuzeichnen, wird darüber verzückt und findet seinen Frieden erst im Irrenhaus, wo er durch Stricken von Strümpfen endlich auch den Beifall und Dank der Mitmenschen erntet Die Atmosphäre dumpfer und grübelnder Resignation ist mit der Meisterschaft russischer Erzählerkunst sinnfällig gemacht. Die Uebertragung und Kommentierung von Müller-Kamp bringt uns Dichter und Werk nahe. Mdg. I ßaöifche Lanöcechronth Frühherbftliches oom ßoöcnfcc Man wundere sich nicht, jetzt uchon vom Herbst zu hören. Die Natur ist müde geworden nach all den Wochen der Hitze und Trockenheit. Schon lagern am Morgen über dem See die Nebel, wenn auch ihr Gewand noch dünn und leicht von der Sonne zerrissen werden kann. Hier und dort rötet sich bereits das Weinlaub und ein Blick vom Boot oder Dampfer auf die Wälder, die den See umsäumen, zeigt schon grün-bräunlich-geibe Flecken. Der größte Schatz des Bodemsees, seine Aepfel, schmoren in der brütenden Hitze und fallen vor lauter Trockenheit zur Erde nieder. So wird die Apfelernte dieses Jahr weit geringer Ausfallen als zunächst angenommen. Auf der Reichenau, der Garteninsel im See, scheinen die sonst so voller Farben kraftstrotzenden Gemüsegärten in diesem Jahre fahl und blutlos. Trotz der fleißigen Bemühungen der Bewohner, die in langen Rohren Wasser vom Boden see .in ihre Gärten leiten; ein Tropfen nur auf den heißen Stein. In den durch die Hitze bräunlich versengten Wiesen lugt schon die Herbstzeitlose hervor, viele Wochen früher als sonst. Die Hollunderbeerb äume tragen bereits seit langem ihre dunkle Beerenlast, an der 6ich mit lautem Geplauder die Stare gütlich tun. Der Zwetschgen-Expreß Unter dieser Ueberschrift finden wir in der „Frankfurter Presse” eine amüsante Schilderung über den Zug Köln-Lin - d a u, die auch unsere Leser interessieren dürfte. Es heißt da : „Ueber den Schienenstrang zwischen den Rebenhängen und dem Ufer des Stromes hämmert der neue D-Zug, der von Köln über Mainz, Baden- Baden nach Lindau fährt. Die Bewohner des Landes nennen ihn den Zwetschgen- Expreß. Er bringt die Menschen au6 dem Ruhrrevier und aus den großen Städten des Nordens in die Obstgebiete Südba-* dens und des Bodensees. Obwohl er zulassungspflichtig ist, 6ind die Abteile stets überfüllt. Die Zugkontrolleure, die für die fehlende Zulassung den doppelten Fahrpreis einkassieren, scheffeln das Geld. Ihre Brieftaschen sind prall gefüllt mit Fünfzigmarkscheinen. Doch in steigendem Maße fallen bittere und spöttische Bemerkungen über den „Wucher” der Reichsbahn. Und die Arbeit der Beamten wird immer schwerer. Vor drei Monaten noch bezahlte fast jeder den geforderten Preis ohne Einwendungen. Aber das Geld wird knapp, jedenfalls bei denen, die hungrig sind. Die Wagen des Zuges erfüllt ein süßer Duft von Aepfeln und reifen Pflaumen. Die Gepäcknetze über den Sitzen sind vollgepfropft mit Säcken, Koffern und Körben voller Obst. Und die, die auf den Pfuffern hocken, haben ihre Rucksäcke sorgfältig ! an der Wagenwand festgezurrt und spuk- ken die Pflaumenkeme weit über den Bahndamm hinab. Früher fuhr auf dieser Strecke einmal der Rheingoldr Expreß.” Von der Universität Freiburg Freiburg. Der Direktor des Pathologischen Instituts an der Universität Freiburg i. Br., Prof. Dr. Franz Büchner, hat den an ihn ergangenen ehrenvollen Ruf an die Universität Ankara abgelehnt. Abschied von zwei Quäkerfreunden Freiburg. In feierlicher Weise nahm die Stadtverwaltung von den Quäkerfreunden, Herrn und Frau Dr. Pfund, Abschied. Die Feierlichkeit, die vom Doppelquartett des Freiburger Männergesangvereins musikalisch ausgestaltet wurde, wird den amerikanischen Freunden, deren Familienur- sprungsland Baden und Sachsen ist, in bester Erinnerung bleiben. Oberbürgermeister Dr. Hoffmann dankte den Quäkern für ihre opferbereite Tätigkeit und über- Ee raufchte iq Öen Schachtelhalmen. ♦ ♦ Die Ausgr'ibungsarbeiten der Geologen von der Freiburger Universität in der „Bohlinger Schlucht“ pu . Schienerberg sind beendet. An zwei Stellen in der mehr als 20 Meter hohen Steüwand wurden Tag f" Tag vom Boden die Platten losgepocht, abgemeißelt und gehoben; manche Platte, übersät mit den zartesten Gebilden tropischer Pflanzenweh, manche aber auch leer. Es gibt eben ergiebige und „sterile“ Schichten. Der Schutt poltert hinab in den Abgrund. Was gefunden wurde, lohnt die Arbeit. Es ist ein gewaltiges Herbarium in Stein, von der Natur in einer wunderbaren Reinheit und Zartheit erhalten, die den Laien immer wieder in Erstaunen setzt — das Zeugnis einer Epoche der Erdgeschichte, die vor vielen hunderttausend Jahren unsere Heimat gestaltete. Zwar sind die Pflanzen nun verkohlt und daher schwarz, aber sie haben sich so fein dem Stein angeschmiegt, daß wir auch ; feinste Faser, Rippe oder Randzacke erkennen können. Wie photographiert! Manche Gebilde sind auch bereits oxydiert; dann sehen sie braun aus wie etwa unsere Baumblätter im Herbst, und beim ersten Anblick könnte man solch ein Blat aus fernster Vergangenheit nicht unterscheiden - vom heutigen Herbstlaub. Die braune Farbe der Pflanzen veran- laßte uns, die Geologen zu fragen, ob nicht in der Höri oder im Hegau mit Funden von Eraunkohle gerechnet werden könne, die doch die gleiche Entstehungsgeschichte habe. Sie äußern sich zurückhaltend. Die Wissenschaft urteilt nur über Tatsachen, aber soviel kann gesagt. werden, daß auch in dieser I Richtung geforscht werden | wird. Freilich, der Schienerberg kommt j dafür nicht in Frage. Er bleibt der Mär- i chenberg, der in seinem Innern immer 1 noch den Traum einer südlichen Welt ! träumt: Vom Amber-Baum und Zimt- I Baum, von Platanen und Hainbuchen. Es muß einmal sehr heiß gewesen sein hier und zugleich sehr regenfeucht, denn die gefundenen Blätter, auch die jener Sorten, die wir jetzt noch hier haben, wie etwa des Ahorns oder verschiedener Pap- . pelarten weisen außerordentlich lange j Träufelspitzen aut ! Nun sind die Geologen dabei, die gefun- j denen Platten zu präparieren, d. h. mit Zapponlack zu überpinseln, denn sobald der Mensch der Natur einen Schatz entrissen hat, muß er den Fund auch schon vor Vergänglichkeit und Zerfall schützen. Außer Pflanzen hat man auch Nester von Süßwassermuscheln gefunden, Käferflügel, Mücken. . Sensationen sind ausgeblieben. Aber der Schienerberg ist trotzdem noch ein verschlossenes Buch. Unter der hjer- gelschlcht ragen balkonartige Gebilde hervor. Das sind noch ältere Erdschichten, die 1er Geologe „Steinbalmensande“ nennt. Hier wurden Reste von Knochen gefunden, die von Krokodilen und Schildkröten herrühren, Zähne von Säugetieren, wie sie etwa Jos. V. v. Scheffel in seinen Saurier-Liedern sah. Ob ihn der Schienerberg inspiriert hat ? Kaum, denn wer hierher kommt, wird zunächst nur einen Berg, wie alle and r°n Berge, Sand und Kies, sehen Nur wer den Sdilüssel der Wissenschaft besitzt, darf in das Wunderreich eintre- ten. Dr. Franz Lorenz brachte Ihnen (Me Symphathle der Bevölkerung. Als Nachfolger der Verabschiedeten begrüßt die Stadt Freiburg den neuen Leiter der Quäkerhilfe, Charles Read. Ein Beethoven-Zyklus in Lahr Lahr. Anläßlich des 120. Todestages von Beethoven werden im Rahmen der kulturellen Veranstaltungen der Stadtverwaltung sechs Kaxnmermusikabende mit sämtlichen Beethoven-Quartetten in Abständen von je 8 Tagen in den Monaten Oktober und November durch namhafte auswärtige Musiker (Nauber - Quartett. Freiburg; Freund-Quartett, München; Köckert-Quar- tett, Bamberg, und Lenzewski, Frankfurt) auf geführt. Neue Betonbrücke über die Schütter Lahr. Der Neubau der über die Schütter führenden historischen „Zollbrücke” in Lahr-Dinglingen, welche beim Einmarsch d©r VOn ’Tr’zrwv'ri sprengt wurde, ist beschlossen worden Die Bauarbeiten werden bei der nächsten öffentlichen Stadtratssitzung vergeben. Die Notbrücke aus Holz wird durch eine feste Betonbrüche ersetzt. Neues „Miitelbadisches Theater“ Offenbarg. Das von Frau Ilse Becker neu,geschaffene „Mittelbadische Theater”, dem namhafte Künstler vom ehemaligen „Ortenauer Landestheater” angehören, er- öffnete unter der Oberspielleitung von Dr. Artur Schmiedhammer mit Grillparzers „Des Meeres und der Liebe Wellen”. Arbeitsverhältnisse in Baden-Baden Baden-Baden. Obwohl Baden-Baden seine eigentliche wirtschaftliche Bedeutung fFremdenindustrie) verloren hat, hat die Stadt großen Bedarf für Arbeitskräfte. Als Zonenzentrale muß hier neben den Anforderungen der Militärregierung auch der Bedarf vieler deutscher Dienststellen und Unternehmungen befriedigt werden. Die Hälfte der Bevölkerung steht Im Arbeiteverhältnis; die Hälfte hiervon wiederum sind Frauen. 2000 Hausgehilfinnen sind bei der Besatzung und 400 in deutschen Haushalten beschäftigt. Tro+zdem sind noch Hunderte häuslicher Arbeitskräfte gesucht. An zweiter Stelle stehen Kraftfahrer und Mechaniker mit 1400. Vor allem an Handwerkern mangelt es: auf 600 Einwohner kommt z. B. ein Schuhmacher. Bekannter Fabrikant gestorben Konstanz. Im Alter von 72 Jahren ist der Fabrikant Alfred Straehl gestorben. Die Familie Straehl, die aus der Schweiz stammt, siedelte in den 90er Jahren nach Konstanz über und gründete die Kleider- fabrik Friedrich Straehl, nachdem sie in Zizenhausen bei Stockach bereits 20 Jahre vorher eine Weberei errichtet hatte. Alfred Straehl hatte außerdem im Jahre 1910 zusammen mit seinem Bruder in Kreuzungen (Schweiz! ais selbständiges Unternehmen eine Kleiderfabrik gegründet Seit dem Tode seines Bruders war der nun Verstorbene der Seniorchef aller Betriebe gewesen. — Die Konstanzer Polizei entdeckte in der Wohnung eines Korbmachers 21 Ballen Stoft 100 Liter Benzin und sechs Kisten Glas und Porzellan, die von einem Angestellten im Auftrag eines Kaufmanns dorthin „verlagert“ worden waren. Die Ware wurde durch die Polizei sichergestellt, die beide „Verlagerer” festgenommen. Früher Frost im Schwarzwald Titisee. In der Nacht zum 2 September sank in einigen Tälern des Hochschwarzwaldes die Quecksilbersäule auf Minus ein Grad Celsius. Dies ist jahreszeitlich der früheste Frost seit dem Jahr 1902. dein Beginn einer wissenschaftlichen Wetterbeobachtung im hohen Schwarzwald. In der Baar sanken die Temperaturen in der Nacht zum 1. September bis auf Minus 2,5 Grad Celsius. Schmelzer Umoerfltät&rooche in Speyer Die Akademie für Verwaltungswissenschaften in Speyer, die jüngste deutsche Hochschule, hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine allgemeine Wissenschaft von der Verwaltung zu entwickeln und zu diesem Zweck auch die vergleichende Verwaltungswissenschaft zu pflegen. Deshalb hat sie die erste wissenschaftliche Schweizer Universitätswoche veranstaltet, in der eine Anzahl namhafter Schweizer Professoren der Rechts- und Staatswissenschaften gesprochen haben. Prof. Salin, Beisel, sprach in einer eigenartig fesselnden, zu selbständigem Denken anregenden Art und Weise über „Kapitalismus und Sozialismus”. Kapitalismus (USA), Demokratischer Sozialismus (England), Autoritärer Sozialismus (Rußland) sind die drei Wirtschaftsformen, die zur Zeit miteinander ringen. Prof. L e w a 1 d, Basel, sprach über „Ziel und Grenzen internationaler Ge- setzesharmonie”, in der er einen Aufriß der verschiedensten Versuche, die gleiche Rechtsordnung für einen Fall, vor welchen Richter er auch kommen mag, zur Erfüllung zu bringen. Die drei Vorträge von Prof. Wagner, Basel, über „Geld- und Währungsfragen" beanspruchten naturgemäß infolge ihrer Aktualität besonderes Interesse, zumal er nicht nur die engeren Probleme der europäischen Finanzwirtschaft, sondern ihre Verflechtung mit der Gesamtweltwirtschaft behandelte. Den Schluß der Woche bildeten zwei Vorträge von Dr. v. Schenk, dem Herausgeber der Schweizer Annalen, von denen der erste die Fragen des Föderalismus unter besonderer Betrachtung der Schweizer Verhältnisse, der zweite „Analogien zwischen Schweiz und Europa" behandelte. Dr. von Schenk hat sich um die Beziehungen zwischen der Jugend der Völker besonders verdient gemacht und an den letzten Jugendtagungen in München und Frankfurt teilgenommen. Der Akademie muS das Verdienst zugesprochen werden, mit tatkräftiger Intuition and aufgeschlossenem Sinn hier sofort nach ihrem Eintreten in die Wirklichkeit die Wege angebahnt zu haben, die nicht nur den Zielen der Akademie selbst, sondern weit darüber hinaus der Zukunft Europas und seinem Frieden mit der Welt dienen. Oetigheim - ein Dorf fpielt Theater Bei Baden-Baden liegt das kleine Dorf Oetigheim, das sich durch seine Freilichtspiele einen Namen weit über die badischen Grenzen hinaus geschaffen hat. Das Dorfbild unterscheidet sich in nichts von dem anderer Dörfer. Am Werktag begegnet man dort* genau wie auch anderswo den hochbeladenen Mistwagen und gackernden Hühnern. Sonntags scheint das ganze Dorf wie verwandelt. In bunten Kostümen wandert alt und Jung, zum Teil mit schneeweißen Zicklein und blökenden Lämmern an der Hand, „in’s Theater". Unter freiem Himmel ist es mitten in die Natur hineingebaut und umfaßt 4000 Sitz- nlatze, die während der Sommerspielzeit Sonntag für Sonntag ausverkauft sind. Der Gründer und Inspirator dieser Snielgemeinschaft von Handwerkern, Bauern und Arbeitern ist der Pfarrer des OW.es, Geistlicher Rat Josef S a i e r. Er führte die Laienspiele von den bescheidenen Anfängen im Jahre 1907 zu einer un- •geabnten Höhe und Reife. Wie der erste Weltkrieg, so zwang auch der zweite die Freilichtaufführungen zu einer langjährigen Unterbrechung. Sie wurden 1946 von ihrem alten und unermüdlichen Leiter wiederbelebt. Er verfaßte und inszenierte nach Calderons Vorbild das „Große Welttheater” in dem die Oetigheimer Spielgemeinschaft mit 300 Mitwirkenden in großartigen Massenauftritten, anmutigen Tänzen und Reigen, gut abgestimmten Chören und einem eigenen Orchester von neuem ihren altbewährten Ruf befestigte. Einige Szenen, wie z. B. der Auftritt des Bettelmannes, der von einer singenden Kinderschar mit. Ziegen und Lämmern begleitet wird, nehmen sich besonders reizvoll in dem naturgegebenen Rahmen aus. Die einzelnen schauspielerischen Leistungen sind beachtlich und zeigen Talent sowie ernste Erarbeitung. Die Aufführungen des „Großen Welttheaters”, die trotz der vielfachen Schwierigkeiten der Gegenwart jedesmal zu großen Erfolgen wurden, zeugen von dem ungebrochenen Lebenswillen sowie der Spielleidenschaft der Oetigheimer Dorfbevölkerung und berechtigen zu den besten Hoffnungen für die Zukunft. N. T. SüÖtDeftöeutfche Umfchau Lindau. Von der Industrie- und Handelskammer Lindau werden zu der vom 13. bas 28 September stattfindenden „Lindauer Heitostwodte 47" an Interessenten in deT englischen und amerikanischen Zone Einladungskarten versandt, mit einem Befürwortungsvermerk der französischen Mi- ldtärregierung für Passierscheine aus der Bizone nach Lindau Lindau. Nachdem der D-Zug Lindau—Köln seit längerer Zelt nur mit Zutessungskarten auf besonderen DringlichkeitsvermeTk benutzt werden konnte, ist ab sofort eine weitere Einschränkung eingetreten. Numunetor könnn, nur noch solche Reisende befördert werden, deren Zielbahnhof in der nordfranzösisdieu Zone und weiter nördlich liegt. Tübingen. In der Zeit vom 10.—12. September findet an der Universitäts-Nervenkltnik unter Leitung von Prof. Dr. h. c .Emst Kretschmer eine psydüatrisdi-neuirotlogische Tagung statt. Vertreter zahlreicher Umversitätsklindiken und Heilanstalten sowie Nervenärzte alter Zonen haben ihr Erscheinen zugesagt Stuttgart. Stuttgart verfügt heute über 1073 Betten in Hotels, Gasthäusern und Privatpensionen und 1089 Nachtlager in Massenunterkünften, das sind fast 50 Prozent der 1938 dem Fremdenverkehr zur Verfügung stehenden Bettenzahl. Karlsruhe. Eine Absdüachtung des Viehbestandes in Nordbaden teilweise bis zu 40 Prozent ist durch den Mangel an notwendigen Futtermitteln für den Winter notwendig geworden, wie der bedlsdie Viehwirtscbaftsverband meldet. Ludwigshafen. Mit einer Kunstausstellung pfälzischer Maler und Plastiker eiöffnete die Gewerkschaft für Kulturschaffende die Ludwigshafener Kunstwoche. Wiesbaden Infolge der Trockenheit dieses Sommers ist der Wasserstand des Rheines nach einer Mitteilung der Wasserstraßendi rektion der US-Zone so niedrig, daß die Schiffe (fen nur noch mit deT Hälfte des normalen Tiefganges befahren können. Da mit einem weiteren Abfall des Wasserstandes gerechnet wird, befürchtet man, daß in diesem Jahr der seit frzrchfübrung von offiziellen Messungen niedrigste Pegelstand des Rheines vom Dezember 192t wieder erreicht wird. Auf Main und Neckar leidet die Schiffahrt, wie die Wasserstandsdirektion weiter bekannt gibt, weniger unter dem geringen Niederschlag der letzten Wochen, da den beiden Rüssen Wasserreser- ven aus Stauwerken zugeführt werden. Koblenz. 90 Vertreter deT katholischen Jugend Frankreichs, Belgiens und Deutschlands fanden sich auf Anregung des ehemaligen deportierten Arbeaterpriesters Henri Petrin (Parts) im August zu einem GemeinschaftslageT in Maria Laach zusammen. Die deutsche Jugend war aus a lten Zonen vertreten. Die Mosel - Der Mosel / Kleine, zeitgemäße Weinreise Es ist nicht mehr die auf Goldgrund gemalte Landschaft. Zwar ist der Fluß noch ruhig, milde und gelassen, aber vom Trara einstiger Moselpoesie ist nicht viel mehr geblieben als das Geranke der Rebstöcke. Das literarische Geranke ist panisch zerstoben. Jabos, Artillerie und Pionierkommandos haben sämtliche 22 Brücken von Kohlend bis Trier zerbombt, zerschossen und gesprengt. Und der nämliche Jammer, die nämliche Zerstörung und Verwüstung, wie sie Vater Rhein getroffen haben, haben auch Mosella, seine liebliche Tochter, getroffen. Das Moseltal, das einst Andächtige mancherlei Art anzog, bleibt peinlich unverbunden. War das Tal einst nicht mehr als ein Panorama von Farben und Lichtern, Weinhängen, Dörfern und Burgruinen? War es nur Bild, nur Eindruck und äußeres Gesicht? Ich sitze im Zuge und fahre moselaufwärts, Sommer 1947!... * In Winningen wird eine protestierende Ziege ins Reisendenabteil geschoben, wodurch das Wiedersehen mit der Mosel viel an Feierlichkeit verliert. Aber der Mosel ist ohnehin, wie wir schon sahen, das Pathetische und die Poesie genommen. An den offenen Abteilfenstern, denen übrigens beiderseits die Scheiben immer noch fehlen, sehe ich die hundert und aberhundert Szenen: Die Burg Thu- randt ist zerschossen. Ein deutscher Artilleriebeobachter hat dort gesessen. Weihnachten 1946 ist durch ein Schadenfeuer auch noch der Rittersaal abgebrannt. In Kobern stehen ausgebrannte Hausskelette. Das Bahnhofsviertel von Kochern ist zer- * stört. An einem, Kirchendach hat sich das Schicksal entladen. Langsamen Schrittes, das schwarze Büchlein lesend, stakt ein Pfarrer in langer Soutane an «hier Friedhofsmauer entlang. Einem Weinkommissionär ist das Hausdach abgedeckt. Merkwürdig, ein neues ist schon drauf. Ein Küfer repariert ein paar Maischebottiche. An der Moseluferstraße bastelt ein Mann an seinem Holzgasgenerator, und man meint, ihn fluchen zu hören. Eine Trikolore weht über einem Gebäude, das vielleicht das Bürgermeisteramt ist. Am Zug vorbei wandern die Legionen der Rebstöcke, hangauf, hang- ab, traurig und verspielt, Terrasse über Terrasse. Ich lese schnell, vorüberhu- schend, die Namen der Lagen: Mülhei- mer Sonnenlay, Koberner Ulener, Klotte- ner Rosenberg, Kochemer Schloßberg... Christophorus steht sinnierend an einer Kapelle, in die die Rebstöcke, von franziskanischem Wohlwollen empfangen, buchstäblich hineinmarschieren. Sofort weiß man es, und man braucht die Kirchtürme gar nicht zu zählen: Das Trierer Domkapitel herrscht hier seit vielen Jahrhunderten. Es ist die Hochburg des Katholizismus. Das Moseltal ist nicht nur ein Weinberg des Rieslings, es ist auch ein Weinberg des Herrn. Seit einiger Zeit kann die Eisenbahn nach Trier wieder die Brücken bei Eller und Bullay passieren. In Neef kann man sich aber auch der Moseltalbahn, dem einst weltberühmten Saufbähnchen, anvertrauen, einer Miniatureisenbahn, die auf die Reisenden in Richtung Zell, Traben-Trarbach, Bernkastel wartet, ein buckliges, kümmerliches, hoffnungsloses und verwahrlostes Kind Merkurs, die dem Reisenden mit ihrer Flugasche rücksichtslos ein Loch in die Jacke brennt, ein symbolisches Wesen für die träge Mosel, des 20. Jahrhunderts obstinat spottend. * Nun, da die Ziege verschwunden ist, wird eine neuartige Burleske im Abteil gespielt, überzogen freilich vom Schimmer heiteren Glanzes: Im Abteil stinkt es penetrant. Eine Frau, eine Kölnerin, ein erbarmungswürdiges, ausgehungertes Wesen, bekennt sich zu diesem Gestank. Sie hat sechzehn Heringe bei sich, genau sechzehn. Für vier Heringe geben sie an der Mosel eine Flasche Wein. Kompensation, sagt die Frau. Von dieser Kompensation lebt sie. Und damit steht auch dieses Problem schon überlebensgroß vor uns. Man kann es auch an der Mosel nicht wegdiskutieren. Der Wein ist blok- kiert. Aber der Schwarze Markt, der Tausch, oder, wie die Kölnerin sagt, die Kompensation, blüht auch hier, und er ist selbst bei diesem frommen Völkchen längst keine Frage der Moral mehr (wo wäre er dast), es ist eine Frage des Kommerziellen, des Sozialen, des Kriminellen und des Hungers gleichermaßen. So ist der Wein aus den Bereichen des Dionysischen in niedere Gefilde gestiegen. Wie in anderen Zonen die Zigarette, so ist an der Mosel die Flasche Wein zum bestimmenden Währungsfaktor geworden. In Bernkastel steigen wir aus, im Kreisstädtchen, das wie Berlin den Bär im Wappen führt. 5000 Einwohner sind nicht viel, aber genug, wenn man eines Tages vor die Aufgabe gestellt wird, plötzlich 100 Familien der Besatzungstruppen aufnehmen zu müssen. Da die Bernkastler den Bombenteppich vom 2. März 1945 nicht so schnell verschmerzen können, der sie 66 Tote und manches Haus kostete, hatten sie natürlich ihre Not mit der Unterbringung, obwohl es an der Mosel keine Ostflüchtlinge gibt. * Weinkellerbesichtigungen würden nicht nur weithergereiste Zeitungsschreiber reizen. Proben der verschiedensten Lagen ließen einigen Optimismus zu. Und optimistisch sind die Moselaner auch schon, was den 47er betrifft, der noch an den Stöcken hängt. Sollte es, sagen sie. ein 1911er werden? Der Rebenstand ist mehr als gut. Erstaunlich jedenfalls, daß hintereinander bereits sechs gute oder doch mittlere Jahrgänge geerntet wurden. Aber bis zur Lese, die in diesem Jahre wegen der günstigen Sommerwochen früher als sonst erwartet werden kann, ist es noch gute Weile. Nun wohl, zu viert wurde im Keller ein Stehkonvent aufgemacht: der Winzer, der Stadtinspektor, der Stadtbaumeister und der Zeitungsschreiber. Das Männerkollegium genehmigte sich einige Jahrgänge, 44er, 45er, 46er, abwechselnd. Eine Diskussion über Farbe, Geruch und Geschmack löste eine Generaldebatte aus über Heringe und Weinblockade, und es erging dem Zeitungsschreiber, von der Seltenheit der Jahrgänge betört, leider nicht so wie dem von der Vogelweide, der gerne trank, „wo man recht mit Maße schenket und wo an Unmaß keiner je gedenket”. Es stellte sich alsbald heraus, daß Leute aus Gegenden, wo kein Wein wächst, leider, leider nichts mehr vertragen können. Nur die Einheimischen erwiesen sich als Männer ganz großen Formats. Allerdings erwies es sich auch, was für ein schwacher Gebrauchsartikel unser Wort ist, wenn man den Moselwein zu beschreiben hat und ihn loben möchte. Als sich der Schreiber um die späte Geisterstunde auf seine nächtliche Lagerstatt, die stadtinspektorliche Coach, zurückzog, freundlich deklinierend: die Mosel, der Mosel, der Mosel, die Mosel, da kam der Gedanke, ob diese Landschaft nicht doch noch auf Goldgrund zu malen sei. Und als am nächsten Tage die Natur ihre Mittel in Bewegung gesetzt und die Sonne’alles, Berg, Baum, Rebstock, Fluß, Städtchen und Himmel mit den wundervollsten bengalischen Effekten versehen hatte, als das Licht unablässig Formen trieb und Farben projizierte, da war es klar: Es muß sie doch noch geben, die Moselpoesie! i Die hochmögenden Herren vom Trierer Domkapitel, die Herren mit Mitra und Krummstab, haben allezeit nicht nur einem Herrn gedient. Auch Bacchus, der Gott des Weines, war manchem ein heimlicher Kumpan. Anno dazumal lag piner der Trierer Bischöfe mit Namen Beomund auf den Tod darnieder. Aerztliche Kunst und alle Medizin versagte. Da kam ein benachbarter Winzer mit einem Fäß- chen edlen Weines. Der bischöfliche Kurfürst trank und genas auf der Stelle Der Wein war sein Doktor geworden, also: Bernkastler Doktor. Der „Bernkastler Doktor” ist einer der berühmtesten auf diesem Planeten, natürlich auch einer der teuersten. Unmöglich war es, sein Verhältnis zum Schwarzen Markt zu ermitteln. Aber wir konnten ihn probieren, den „Doktor”, heimlich, wie es sich gebührt, ein Schweigegelöbnis mußten wjr tun... ^ * Zwei Flaschen Bernkastler hatten wir in unserer Aktentasche, als wir auf dem Bahnhof standen, zu dessen Füßen die Moselponte von Kues anlegt (die mächtige Brücke liegt im Fluß). Ein neues Seil für die Moselponte haben wir aus der britischen Zone bekommen, hintenherum, sagte uns einer, der es wissen mußte, für, 1000 Mark und — das ist klar — 50 Flaschen Wein. Beim Bürgermeister erscheinen ständig Leute aus der britischen Zone. Einer sagt: Braucht Ihre Stadt elektrische Kochplatten? Ich liefere Ihnen 1000 Stück, frei Haus Bernkastel. Einer sagt: Braucht Ihre Stadt Zement? Sackweise geht es leider nicht. Ich liefere Ihnen zwei bis drei Waggons, frei Bernkastel. Um den Transport brauchen Sie sich nicht zu kümmern, das lassen Sie meine Sache sein. Was denkt der geneigte Leser, was die Leute dafür haben wollen, für Kochplatten und Zement? Ob sie Geld dafür haben wollen... Waltef Henkels. ■rJSa Seite 4 / Nr. 70 SODKU1IE1 B Dienstag, 9. September 1947 Energieproblem und Geschichte Experiment, der technische Fortechritt und die physikalisch wissenschaftliche Erkenntnis eineetzen — in den Anfängen schon im Helenismus, aber erst weit später, nach der Renaissance zur modernen Vollendung entwickelt. Die Kräfte der Natur, die Jahrtausende Mythos, ein mythischer Spiegel Gottes waren, werden jetzt erkannt als Mechanismen der Energie. Daß in einer technikgeschichtlichen-Darstellung dem Werden der menschlichen Kultur das Energieproblem rein physikalisch eine wichtige Rolle spielt, ist selbstverständlich. Aber, so scheint uns, ebenso wie man über die reine Technik hinaus zu einer höheren Erscheinungsform des Technischen kommen muß, 6ofern man Technik veresteht als eine allseitg geformte Prägung des schöpferischen Triebes im Menschen, so muß man auch von der reinen Energie aus zu einer höheren Wertung des Energetischen in der zivilisatorischen Entwicklung des Menschengeschlechts gelangen, sofern man nur einmal beide Erscheinungen, Technik und Energie, als Motoren des Werdens begreift; dessen, was man gemeinhin Geschichte nennt, Geschichte zu verstehen als Energie-Umwandlung: das ist eine zwar nicht völlig neue Perspektive historischer Schau, aber | immerhin neu und für manche überraschend genug — zudem heute unerhört aktuell geworden durch das weltbewegende Problem der Atomenergie. Jedenfalls: wenn Technik umgestaltete und umgestaltende Energie äst, dann gilt das Gesetz von der Erhaltung det Energie für das ' Gesamtgebiet des Lebens. Denn auch die Biotechnik, die Technik des Lebens, ist nichts wesenhaft anderes als die vom Menschen erfundene Technik. Die menschliche Gesellschaft, ßoweit sie uns technikgeschichtlich interessiert, weist nun verschiedene Formen der technischen Energie auf: wir nennen sie nur mit einem anderen Namen, wir nennen sie die historischen Kulturen der Menschheit. Der kosmisch-energetische Zusammenhang wird durch drei Faktoren bestimmt: durch die Geotechnik bestimmter Räume und durch die technische Begabung der verschiedenen Menschenrassen; dazu kommt als drittens die Zeit — die historische Bedingtheit der technischen Entwicklungshöhe. Die Energie der menschlichen Gesell- s ch a f t — anders gesagt: ihr Lebenswille, ihr Kampf um das Dasein, ihr schöpferischer Trieb — formt deshalb verschiedene technische Strukturen, verschieden nach Raum und Zeit und Art. Rolf Gustav Haebler fi i Der Pädagoge und die Technik Eigenverantwortung der deutschen Wirtschaft Hs ist höchste Zeit, daß nach der neuen Festsetzung des deutschen Industrie Volumens die deutsche Wirtschaft sich nun auch ohne vorherige Prüfungsverfahren _unter eigener Verantwortung verwalten könne, beißt es in einem Kommunique, das der Außentoandesbeirat der britischen und der amerikanischen Zone Deutschlands nach einer zweitägigen Konferenz in Frankfurt a. M der Presse übergab ln dem Kommunique wird weiter die Hoffnung ausgedrückt, daß bald an die Stelle der zuständigen Spitzenorgame der Besatzungsmächte, die vorläufig die Kontrolle über die deutsche Wirtschaft ausüben, Organe einer europäischen Wirtschaftsgemeinschaft treten, an der auch Deutschland gleichberechtigt beteiligt sei. Weiterhin for. dert das Kommunique die Einstellung der Demontage von Werken, die auf die Exportproduktion umgestellt werden können, Vereinbarungen über gegenseitigen Warenaustausch mit allen europäischen Ländern unter aktiver Beteiligung deutscher Unterhändler und die Beseitigung der Beschränkung von Geschäftsreisen ausländischer Kauf!eote nach Deutschland sowie Deutscher ins Ansland. Papierkleingeld in der Blzone vorgesehen Neues Kleingeld in Papierform wird demnächst von der amerikanischen Militärregierung herausgebracht werden. Der hessische Finanz- ninister Dr. Hilpert hat bereits vor einiger Zeit rei der MHitcgregaerung beantragt, Fünf- und Zehnpfennigscheine zu genehmigen. Vermutlich wird das Kleingeld auf bizoraaler Grundlage hecausgegeiben werden. Einigung in der Rnhrkohlenfrage Nach einmonatigen Verhandlungen soll zwischen den amerikanischen und britischen Vertretern ein Uebereinkommen über die Erhöhung der Ruhrkohlenförderung und die Ablösung des deutschen Kohlenrats durch eine englisch-amerikanische Direktion Zustande gekommen sein, wie der Korrespondent der „New York Times" in Washington meldet Ein offizielles Kommunique sollte der Presse übergeben werden, aber in letzter Minute haben die britischen Delegier, ten beschlossen, mehrere heikle Punkte erst ihrer Regierung zu unterbreiten. Exportabschlüsse der Leipziger Herbstmesse Der Auftragseingang am 4. Tag der Leipziger Herbstmesse erreichte 4 011141 Dollar Unter den Abnehmerländern führt Holland mit Aufträgen über 1 741 344 Dollar, gefolgt von Großbritannien mit 504 583 Dollar, Jugoslawien mit 386 400 Dollar und den USA mit 307 285 Dollar. Größere Bestellungen erteilten auch Schweden. Dänemark, Italien. Finnland und die Schweiz Auf der Leipziger Herbstmesse sind Exportgeschäfte in amerikanischen Dollars, englischen Pfund Sterlings, Schweizer Franken und holländischen Gulden zugelassen Die Umrechnungskurse sind wie folgt festgelegt: 1 Dollar gleich 2,65 holländischen Gulden oder gleich 4,30 Schweizer Franken 1 Pfund gleich 4.03 Dollar. Die Folgen der Dürre in Bayern Infolge der langanhaltenden regenlosen Zeit in Bayern ist nunmehr das Einzeldreschen auf den Bauernhöfen verboten worden und das genossenschaftliche Dreschen nunmehr nachmittags gestattet Falls die Schönwetterperiode weiter anhal- ten sollte ist in Kürze mit einem völligen Zur sammenbruch der Stromversorgung zu rechnen. Bayern wird ab der 106 ZuteiSungsperiode nur noch in der Lage sein, ein Drittel der bisher ausgeführten Fettmengen und 50 Prozent der bisher anisgeführten Käsemengen in au Serbe ye- rische Länder zu gewährleisten Von der 107 Zuteilungsperiode ab wird Bayern an Fett und Käse keinerlei Lieferungen an außerbayerische Länder mehr tätigen können Bayern rechnet mit einem Viehabbau von zirka 25 Prozent Landesdurchschnitt Das vrehrelche Südbayem ist von der Trockenkatastrophe und Dürre weniger betroffen als Nordbayern In Nord- bayern müssen in vielen Betrieben sogar die Ochsen abgeschlachtet werden, sodaß die fränkische Landwirtschaft im nächsten Jahr sich mit Kühen als Zugtiere abfinden muß. « „Wir haben ein historisches Recht darauf, Deutschland als Partner zu haben" schreibt die holländische Zeitung „Dagblad van Nord- limburg" in einem Artikel über den holländischen Gemüseüberschuß unter der Ueberschrift: „Zehn Millionen kg Gemüse auf dem Misthaufen" • Wie von offizieller Seite bekannt wird, soll die Sowjetunion in Ausführung eines vor einigen Tagen in Moskau Unterzeichneten Abkommens ab sofort bis Ende des Jahres 300 000 Tonnen Getreide an Polen liefern « Zu der Nachricht aus ausländischer Quelle, wonach die Schweizer Nationalhank ihre Goldverkäufe vollständig eingestellt hat, wird mitgeteilt, daß die Schweizer Bank hierzu keinerlei amtliche Erklärung abgegeben hat Gut unterrichteten Bankkreisen zufolge soll jedoch eine ähnliche Maßnahme für diese Woche erwartet werden. friadkoß ausvarkuuft Seit jeher war es bekannt, daß Famüten mit ausgeprägtem Sippensinn oder absonderliche Einzelgänger ihr Grab zu Lebzeiten schon bestellten. Die meisten teilen jedoch den Standpunkt, daß es genügt, aä s Lebender einen sicheren Schlafplatz zu haben und die Platzanweisung für den etwas längeren Schlaf im Jenseits ruhig den anderen zu überlassen. Mit der zunehmenden Geldentwertung heben aber auch die Meinungen über diesen Punkt sich geändert. Es gehört jetzt zum guten Ton ein gekauftes Grab zu besitzen. Wer gleich mehrere Meter davon kauft, sichert sich in der Zeit der verschobenen gesellschaftlichen Werte die Legitimation des Reichen. Und wer früher seine Besucher um eine patastähnläche VBSa führt, zeigt heute ein Dutoend-Meter Grab. Fortan wird man in Teestündchen nicht mehr vom -Wetter oder vom neugekauften Landhaus plaudern, sondern man wind freundlich lächelnd die Frage stellen: „Wieviel Meter Grab b esitzen Sie eigentlich?" Geschäftstüchtige Makler and schon daran, Prospekte im Land herum zu schicken und zu Kurspreisen Gräber aller Varianten anzubieten. Wie man einst mit dem Architekten über die Lage eines zu bauenden Hauses sprach, so wird heute mit dem Totengräber über die letzte Ruhestatt gestritten. Dem einem wird diese Becke zu schattig, die andere zu feucht und die dritte zu unruhig sein. Jener will mit den Beinen nach Osten liegen, vielleicht weil die Schwiegermutter mit der dünnen Erbschaft in dieser Richtung wohnte. Einer will stehend ms Grab und er muß das Grab nach Sondertarif in die Tiefe bezahlen. Die Möglichkeiten eines neuen Gewerbes sind nicht arbznseben und ohne kaufmännische Bildung werden die Totengräber der Zukunft kaum mehr ihr Metier bewältigen. In der Gemeindekasse sind schonRM 73 000 zngeflos- sen und vielte Anträge auf Kaufgräber liegen noch vor. Die Friedhofsverwafaung seufzt schon mit dem Wohnungsamt um die Wette: ,,Alles will rein und keiner raus!", wobei die Friedhofs- Verwaltung bedeutend schlechter daran ist, denn war bei ihr mal dura ist — bleibt es auch . . . W, — K. Eine Schau des Werdens menschlicher Kultur, die von der Technik ausgeht, iet an sich zunächst nur eine m ö g 1 i ch e Art, Geschichte zu verstehen, aber mindestens ebenso wie Kunst-Geschichte oder eine Religion«-Geschichte oder eine Gschichte der Philosophie. Allerdings: in einem solchen Sinne muß Technikgeschichte dann mehr sein als nur eine bloße Darstellung der Entwicklung von Erfindungen, mehr als nur eine Geschichte von Werkzeug und Maschine. Denn Technik ist als historische Erscheinung: eine Urmacht, die weiter und tiefer eingreift als manche andere Ur-Phänomene des menschlichen Geistes. Erst wenn man von einem bloß äußerlichen, in doppeltem Sinne mechanischen Begreifens technischen Werdens vor- stößt in jenen Bereich der Kultur, den wir Technik an sich nennen könnten, erst dann ergibt sich die geradezu unendliche Verbundenheit des Technischen mit .allen Formungen einer Kultur. Deshalb ist Technikgeschichte in unserem Sinne nicht nur angewandte Naturwissenschaft, sondern auch angewandte Geisteswissenschaft. Und von hier aus ist es nicht n-ur möglich, sondern notwendig, das Technik- geschichtliche im engeren Sinne harmonisch zu verbinden mit allen wesentlichen Gebieten der geistigen Formungen im Dasein und So-Sein der Menschheit. Geschichte ist nichts Totes, sondern Vollendung eines lebendig Gewordenen, und eine der bewegenden Kräfte ist die Technik, von Anfang bis heute Die Technik ist eine der wirksamsten Kulturmächte; denn nur durch sie wird die menschliche Arbeitskraft fortschreitend vergeistigt; der höhere Geist erkämpft sich mit seiner immer mehr technisch vervoll- kommneten Arbeits-Energie — und dies in doppeltem Sinne — persönliche und politische Freiheit und der befreite Mensch vertieft und veredelt die Kultur: das ist der Werdegang jeder technischen Kultur, von den frühesten Zeiten über da« Altertum und das — technikgeschichtlich rückläufige — Mittelalter bis heute. Aus dieser weitgreifenden Grund-Erkenntnis komm°r> wir in der Technikgeschichte zu dem Prinzip einer Art technogenetischer Schau. Durch die Freimachung der menschlichen Arbeitskraft auf Grund der Entdeckung neuer Euereieaueilen für körperlich leichtere und durchgeistigte Tätigkeit kann an die Stelle der Muske’kra #+ immer mehr Denkkraft treten; das geistise Höherstreben der Menschheit, ’n.s-, besondere innerhalb der technisch arbeitenden Menschen — das Aufheben vom Handwerker zum Techn’ker und Ingenieur, schon in der Frühgeschichte nachwe : =har — ist der Ausdruck dieses enc-rgetiw'hen Gestaltwandels in der menschlichen Kultur. Technik war und ist immer eine Formung von Energie. Aber es ist ein weiter Weg von den praktischen Anfängen bis zu dieser Erkenntnis. Und doch war das Bewußtsein, besser vielleicht gesagt: das Gefühl hiervon schon früh im technischen Denken der Menschen lebend 5 g. Zuerst war gewiß nur reine Beobachtung und das probierende Erfahrunesexoeriment: so arbeitete, fand, erfand, formte der Urmensch. Dann aber trat hinzu die Natur- erkenntnis und aus ihr entwickelte sich, da sie religiös bestimmt war. der technische Mythos: ein Begriff der Technik- geschichte, der namgg+hch für die Frühzeit wesentliche neue Erkenntnisse zu erbringen in der Lage ist. In historischer Zeit tritt in steigendem Umfang rechnender Verstand hinzu: aus der rationalen Kos- nwtenie formt der praktisch-natur'iriesen- schaftlich“ Geist physikalisches Verstehen. zunächst noch weitgehend bestimmt, etwa m Hellas. b’‘s schließlich, nun im vollen Licht der Geschichte das Bern. Die Uebemahmepreise des Bundes für inländisches Brotgetreide der Ernte 1947 wurden je 100 kg um 8—8.50 Franken erhöht auf 60—65 Franken. Die Verfütte- rung von Brotgetreide ist untersagt. Die Produzentenpreise für 100 leg Speisekartoffeln franko Abgangsstation kosten 21—26 Franken, das sind zwei Franken mehr als im Vorjahr. Zur Verbilligung der Konsumentenpreise leistet die Alkoholverwaltung Frachtbeiträge für Kartoffelsendungen in ganzen Wagenladungen. Bern. Angesichts der bevorstehenden Aufhebung der Fleischrationierung wurde die Frage aufgeworfen, ch trotz der hohen Fleischpreise der Konsum sofort rasch an- «teigen werde oder ob die gleiche Menge wie vor dem Kriege, monatlich rund 14 000 Tonnen, konsumiert werden würde. Die „Schweizerische Metzgereizeitung“ vertritt die Auffassung, daß ein gesteigerter Fleischbedarf während mehrerer Monate gedeckt w-rden könne, wenn auch vielleicht nicht überall mit der gewünschten Fleischsorte. Ab Frühjahr 1948 sei jedoch mit einem stark rückläufigen Auftrieb von Großvieh zu rechnen, der aber bis Juli wieder normal werden könnte. In der schwierigen Zeit vom März bis Juli stünden monatlich 7500 Tonnen F r i s ch fleisch zur Verfügung, falls etwa doppelt so viel Fremdvieh eingeführt werden kann wie im Frühjahr. Bern. Gemeinsam mit dem schweizerischen Obstverband und dem privaten und genossenschaftlichen Handel führt die eidgenössische Alkoholverwaltung im Herbst die Abgabe von verbilligtem Obst an die minderbemittelte Bevölkerung durch. Sie trägt den wesentlichen Teil der Transportkosten, 100 kg kosten 25 Franken. Bern. Mit verschiedenen Ländern wurde über Kartoffellieferungen verhandelt Holland wird franko holländischer Grenze zu 11,70 bis 13,70 holländischer Gulden je 100 Kilo liefern, was etwa 19—20 Schweizer Als James Watt seine Dampfmaschine baute, hatte er sehr unvollkommene, ja sogar falsche Vorstellungen vom Wesen des Dampfes. Der schöpferische Mensch kann auch gelegentlich ohne zutreffende Voraussetzungen Treffliches schaffen. Das Bild, das uns Paul Oestreich, der unbedingte Schulreformer, in seinem „Die Technik als Luzifer der Pädagogik” von der Technik entwirft, ist in einem Maß verzeichnet, daß wir geneigt sind, es als Donquichoterie zu bezeichnen; aber die Konsequenzen, seine pädagogischen Theorien, 6ind nicht minder umstürzend und • nicht minder trefflich, als James Watt's Dampfmaschine. Der Greifenverlag zu Rudolstadt hat dieses im Dritten Reich verbotene Büchlein neu herausgebracht. Zwei Drittel des Umfanges nimmt die vernichtende Kritik der „Technik” ein, ohne daß der Begriff „Technik” einigermaßen erschöpfend definiert wird. Das Feldgeschrei, die böse .Technik sei an allem Schuld, will seit Jahrzehnten nicht verstummen. Was aber ist denn Technik? Es bedurfte nicht erst der Erfindung des Bombenflugzeugs, um Zehntausende auf einen Schlag zu morden. Der Dschinghis Khan hat das bereits sehr gut gekonnt und binnen kurzem das einst blühende Kleinasien in ein karges Land verwandelt, das heute durch die Mittel der modernen Technik allmählich wieder fruchtbar wird. „Die Antworten, welche man auf die Frage „Was ist die Technik?” gegeben hat, sind von einer bestürzenden Oberflächlichkeit”, sagte Ortega y Gasset in einer Vortragsreihe über dieses Thema, wie kürzlich „Die Tat” berichtete. „Wenn wir ernstlich einer Antwort näherkommen wollen, müssen wir uns entschließen, in gewisse unumgängliche Tiefen zu steigen. Und dann stoßen wir darauf, daß in der Welt folgendes geschieht: ein Seiendes, der Mensch, sieht sich gezwungen, wenn er existieren will, in einem anderen Seienden, in der Welt oder Natur zu sein.” j Wäre der Mensch nun ein ebenso natürlich Seiendes, wie Baum oder Stein, dann hätte er keine Bedürfnisse, wäre aber wohl auch kein Mensch, jedenfalls habe er dann die Technik nicht nötig. War Diogenes in seiner Bedürfnislosig- Franken entspricht. Die Verhandlungen mit Dänemark und der Tschechoslowakei sind noch nicht abgeschlossen. Bern. Durch die infolge Umsatzausweitung eingetretene Kostensenkung wurde der Zementpreis um 25 Franken je 10 Tonnen herabgesetzt. Die Preisverbilligung muß dem Verbraucher oder Bauherren weitergegeben werden. Bern. Die vom eidgenössischen Militärdepartement angemeldete Mehrforderung für die Landesverteidigung von 100 Millionen Franken kann nach einer Eingabe der Konservativen Volkspartei teilweise durch Verzicht der Kantone auf Anteile an Bundeseinnahmen und durch der Geldentwertung angepaßte Gebühren und andere Einnahmeposten realisiert werden. Basel. Au' dem ordentlichen Parteitag der Sozialdemokratischen Partei fand gemäß dem Beschluß des Parteivorstandes keine Debatte über die Außenpolitik statt. Ein außerordentlicher Parteitag wird sich nach einer vorhergegangenen Diskussion in der Partei mit der Außenpolitik befassen. Bern. Auf Anregung des Verbandes schweizerischer Studentenschaften kommen demnächst 300 deutsche Studenten aus Berlin und der britischen Zone für einen Monat in die Schweiz. Wien- General Bethouart, der französische Hochkommissar für Oesterreich überreichte dem Wiener Bürgermeister einen Scheck über 100 000 Schilling für arme Kinder, die Einnahme aus dem Wiener Internationalen Reitturnier. Wien. Nach dem Amtsblatt der französischen Republik werden in Oesterreich 1815 Stellen von Administmteuren, Attaches, Hilfsangestellten usw. aufgelöst. Wien. Das Bundesmintsterium für Handel und Wiederaufbau teilt mit, daß die Verpflegung der m Ausländerhotels und Ausländerrestaurants untergebrachten ausländischen Gäste ausschließlich durch die Einfuhr von Lebensmitteln gedeckt wird. keit und seinem Faß kein Mensch ? Aber gäbe es Fässer ohne Technik ? (Die primitivsten Menschen, die ich sah, waren Feuerländer, in der Magalhaes-Straße kamen sie bei unserem Schiff längsseit, um zu betteln. Sie waren splitterfasernackt, obwohl kalter Regen rieselte. Aber sie hatten ein Boot — auch das war schon Technik.) „Für den Menschen heißt existieren: unablässig kämpfen mit den Schwierigkeiten” — sagt Ortega y Gasset weiter und: „in diesem Sinne ist der Mensch nicht ein Ding, sondern ein Anspruch, der Anspruch, dies oder jenes zu sein. Existieren heißt im Nu bereit sein, Mensch sein, heißt einen Anspruch erfüllen. Und die Technik ist das Mittel zur Ueberwindung des Widerspruches zwischen diesem Anspruch und der Natur, das Mitttel, Mensch zu sein. Ist das Mittel schuld? Beherrscht und treibt uns das Mittel, sind Wir ihm untertan geworden? Wir sind nur untertan unseren Begierden, nicht der Technik. Nicht nur das. Utopische Heilserwartungen erfüllen die Seele des technischen Menschen, meint Prof. Donald Brinkmann, Zürich, in seinem Buch „Mensch und Technik”, aus dem die Hamburger Akademische Rundschau im achten Heft einen Auszug bringt. „Die wichtigste Aufgabe einer Philosophie der Technik sehen wir darin, hinter allen Erfindungen das technische Menschtum aufzudecken und die verhängnisvolle Sehnsucht nach Selbsterlösung zu durchschauen. Aus dem Eingeständnis der Notlage heraus kann dann in aller Bescheidenheit der Boden für ein echt menschliches Handeln und Erkennen vorbereitet werden, das sich nicht mehr vom utopischen Größenwahn des „homo facti- vus” verführen läßt.” Und hier treffen wir uns wieder mit dem Pädagogen Oestreich, im Problem der Erziehung zu einem „totalen Menschen, der seine Struktur sozial herausgestaltet und der keinen Augenblick seine Mitverantwortung am dauernden Gedeihen der ganzen Menschheit aus den Augen läßt.” Denn: „Der Wertcharakter • der Technik hängt von der Wertungsfähigkeit des Menschen ab. Der Mensch ist zu retten, damit ihn die Technik segne.” H. C. G. /)' Wien. Der Physiker Professor Dr. Erwin • Schrödinger, Nobelpreisträger für Physik, der Nachfolger Max Plancks in Berlin, der als Emigrant gegenwärtig in Dublin lehrt, versprach, nach Beendigung seiner laufenden Arbeiten an die Universität Wien zurückzukehren. Wien. Sechs Wochen lang waren im Rahmen des Internationalen Zivildienstes Schweizer, Engländer, Dänen und Oester- reicher gemeinsam bei Schuttaufräumungsarbeiten in dem Preyerschen Kinderspital tätig. * Wien. Die österreichische Wochenschau, die als erste Filmfirma ihre Arbeit nach dem Kriege wieder aufgenommen, später aber infolge der ausländischen Konkurrenz eingeschränkt und später ganz eingestellt hatte, wird nunmehr wieder über innerösterreichische Ereignisse berichten, nachdem durch Verträge mit ausländischen Unternehmungen der österreichischen Wochenschau ein internationaler Rahmen gegeben wurde. Sie soll unabhängig und überparteilich geführt werden. Wien- Zum erstenmal sind in der österreichischen Justiz in Wien und Linz zwei weibliche Richterinnen eingestellt worden. Wien. Nach einem Plan der Gewerkschaft der Lebens- und Genußmittelarbeiter soll die österreichische Bevölkerung 3 Millionen Kilogramm Traubenzucker aus der heurigen Traubenemte erhalten können. Die Traubenernte in Wien und Niederösterreich soll 150 000 Tonnen betragen. Von 120 000 t soll Wein erzeugt, 15 000 t für Süßmostzubereitung und 12 000 t zur Erzeugung von Traubenzucker und Marmelade verwendet werden. Bregenz. Im Hinblick auf die in der letzten Zeit erfolgte Zunahme der Kinderlähmungsfälle ist österreichischerseits der Grenzübertritt in die Schweiz und nach Liechtenstein für Kinder bis >zum vollendeten 14. Lebensjahr und für Gesellschaftsreisen bis auf weiteres gesperrt. Mit und ohne Kommentar New York. Die Sduetoergewerkschalt de« Staates Washington verzichtete auf eine Lohn- exhöhwng, die ihren Mitgliedern angesichts dar gestiegenen Lebenshaltungskosten aut Grund da« Kollektiv-Arbeitsveirtrages ohne weiteres bewilligt worden wäre. Der Verzicht wunde damit begründet, daß eine Verteuerung der Schreiner, arbeiten das Publikum von Aufträgen abhalten würde, was sich trotz höherer Stundemlöhne zum I Nachteil der Handwerker ans wirken müßte 60 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder sprachen sich gegen die Erhöhung des Stumdenflohnes von 1,88 auf 2 Dollar aus. New York. Der republikanische Präsident, scha ftsk andidat Harold Stassen erklärte auf dem Kongreß der amerikanischen Legion: ,3s gibt nur zwei Wege für uns: entweder wir unterstützen den Marshallpla.n oder wir tun es nicht. Wir können den Frieden nicht kaufen; der Dollar allein genügt nicht, um den Kommundsmus ednzudämmen. Br ist jedoch eines der Mittel, mit dem ein Umsichgreifen dieser Bewegung verlangsamt werden kann." Auf der Tagung wurde das Verbot der kommunistischen Partei durch den Kongreß gefordert New York „Die vom Präsidenten Truman gewünschte Prüfung der zwei Millionen Bunides- beamten (für die der Kongreß seinerzeit 11 MB- Morten bewilligt hat) haben begonnen. Sie fangen mit Fingerabdrücken und Beantwortung vom Fragebogen an und enden im FalSe eines Verdachtes mit einer gründlichen Untersuchung durch das Federal Bureau of Investigation (FBI). Gegen Mißbräuche der Untersuchung haben etwaige entlassene oder suspendierte Beamte das Recht der Berufung an eine Kommission, deren 25 Mitglieder aus hervorragenden Männern aus allen Tellen des Landes vom Präsidenten selbst in diesen Tagen bestimmt werden . " Eine liberale Wochenschrift wie die „Nation" weist dar. atÄ hin, daß gegen die Loyalitätsprüfung, soweit sie Kommunisten angitnge, am allerwenigsten von den Anhängern Steffins etwas eingewandt werden könne, abeT sie ist beunruhigt über die Tatsache, daß zum Beispiel das Außenministerium vor wenigen Wochen eine größere Anzahl von Beamten aus ,,Sicherheitsgründen" entlassen habe, ohne diese Gründe irgendwie zu spezifizieren. Durch die Berufungsinstanz ist allerdings jetzt ein gewisses Sicherheitsventil in das Verfahren eingebaut. . . Der neue Leiter der National Labor Relations Board, Robert N. Denham, hat jetzt auf Grund der kürzlich angenommenen Taft-Hartley BMI von dien Beamten der Gewerkschaften die Ausfüllung eines Fragebogens verlangt, die in der b e - schworenen Verfolgung einer Mitgliedschaft zur kommunistischen Partei usw. kulminiert. Eine Gewerkschaft, die auch nur einen einzigen kommunistischen Beamten behält, geht ihres Rechtes der Veriiamdliung in allen Kontrakts- und sonstigen Angelegenheiten verlustig. Wie sich diese Prozedur auswirfcen wild, bei der nicht'nur die Mitgliedschaft zur kommunistischen Partei, sondern auch mit dieser Partei „irgendwie verbundene Gruppen” ein Aussdhluß- giund ist, läßt sich nicht übersehen. (Manfred George in „National-Zeitimg", Basel) Dürre in der Schweiz Von unserem Schweizer Korrespondenten Die in den Sommermonaten herrschende Hitzeperiode wirkte sich auch beidseits der Alpen in einer verhängnisvollen Trockenheit aus. Zwar schmelzen die Gletscher in den Höhenlagen über 3000 Meter, und die als Energiespeicher für die Wintermonate bestimmten Staubecken sind voM- gefiillt. Inzwischen aber sind die Wiesen und Felder im Mittelland unter sengender Sonne und dem völligen Ausfall von Regen ausgedörrt, und namentlich im Jura findet das Vieh auf den gefbvetbnamnten Weiden nicht einen grünen Grashalm mehr. Unter der Bauernschaft der Nordschwedz herrscht Katastrophenstiiinmung: Entweder müßte man jetzt schon die knappen Heureserven verfüttern oder wenigstens einen Teil der Milchkühe in die Schlachthöfe treiben. Zwar haben die Wirtschaftsbehörden «Me vorzeitige Verfütterurag von Hackfrüchten und Fut- tergetreide fredgegeben, aber die Vorräte, namentlich an Importware, lassen zu wünschen übrig, infolgedessen wird jetzt schon aus einigen Lamdestei'len eine MasseneiaMefenumg von Vieh in die Schlachthäuser berichtet. Selbst wenn, was erhofft wird, sehr bald kräftige .Niederschläge einsetzen, wird eine Kürzung der Milchrationen unvermeidlich sein. Fürs erste wird sie in einer Herabsetzung von elf auf zehn Liter im Monat bestehen, die Bevölkerung wird jedoch schon auf eine weitere Verknappung vorbereitet. Viel bedeutsamer aber /fet die von den landwirtschaftlichen' Organisationen prompt verkündete Forderung nach einer neuen und alle früheren Zuschläge übersteigenden Erhöhung des Milehpredses. Seit Anfang der Dreißiger Jahre ist der Einzelhandel sprei s für Milch, der in der Schweiz den Schlüssel für alle inländischen Nahrungsmittel bildet, von 30 bis auf 45 Rappen gestiegen, und nun soll der Bundesrat «ine weitere Erhöhung um 6 Rappen je Liter genehmigen. Automatisch würde das auch eine Erhöhung des Butterpreises um 1,50 auf 10,50 Franken je Kilo und des Käses um 0,80 auf 5,40 Franken bedeuten. Die Forderung hat erklärlicherweise heftige Diskussionen unter der Verbraucherschaft und in der ganzen Wirtschaft ausgelöst Seit Monaten beschwören Regierung und Parteien die Produzenten und die Gewerkschaften, nicht weiter an der Preisschraube zu drehen, und nach einer Revision der Bauasbeiterlöhne schien denn auch der drohende Kaufkraftschwund des Frankens aaifgehalteu worden zu sein. Wenn aber deT Bundesrat, vielleicht auch mit Rücksicht auf «Ha bevorstehenden Neuwahlen, den landwirtschaftlichen Verbänden die beanspruchte Preiskonzession zu den vorangegangenen Stützungs- maßraahimen macht, ‘wird eine Lohnbewegung bei den Gewerkschaften vm vermeid! ich sein, und ehe Industrie wird schließlich die entstehenden Mehrkosten auf die Verbraucher abwälzen. Diese Spiralwirkung wird, worauf die verantwortlichen Stellen hin weisen, auch nacht dadurch verhindert, daß der Milchpreiszuschteg aus den Bundeskassen gezahlt würde, denn diese Kassen würden sieb wieder an den Steuerzahlern schadlos haften. Da jede der beteiligten Erwerb sgruppen durch ihre Wortführer bestreiten läßt, die Konjunkturrisiken aus den realisierten Konjunkturgewinnen tragen zu können, sehöl sich die politischen Behörden schwierigen Entscheidungen gegenüber. Nachdem eine Staarts- hilfe zur Verbilligung der Futtermittelimporte schon zugesagt ist. drehen sich die Verhandlungen des Bundesrates mir noch um die Preasfor- derungen Dabei soffl verhindert weiden, daß