PBKBTfcMDVWgK SUDKURIER 3. JAHRGANG • Erscheint Dienstag and Freitag Adresse: Konstanz, Roagartenstrafte 12 Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr. 924. 925. 1130, 1510, 1511 ÜBERPARTEILICHE I N F O R M AT I O N S Z E I T U N G FÜR DAS LAND BADEN KONSTANZ DIENSTAG 14. OKTOBER 1947 NUMMER 80 Einzelpreis 30 Pfg. Abonnement bat der Post 1.74 M., durch Triger 1.60 M. ^zeigeoanaahme durch alle Geschäftsstellen und Agenturen de« SQdkerier Kurz notiert ln Anwesenheit von Kardinal Frings fand in K&ln die Fünfzigjahrfeier des deutschen Cnrttas- verbaodes statt. In Berlin wurden am 1. September 80 000 TBC. FSlle festgestellt, von denen bis Monatsende 2481 tddlich verliefen. In Unterägypten breitet sich die Cholera weiter ans. Bisher wurden 312 neue Fälle, davon 69 tödlich gemeldet. Die letzten 649 deutschen Kriegsgefangenen in Italien werden am 17. Oktober entlassen. Der ehemalige Gauleiter von Main-Franken, Dr, Otto Hellmuth wurde durch ein amerikanisches Militärgericht in Dachau zum Tod« durch den Strang verurteilt. 16 albanische Politiker, die in anglo-amerika- nischen Diensten gestanden haben sollen, wurden von einem Gerichtshof in Tirana zum Tode verurteilt. Für den ehemaligen Generaloberst Stumpf, der sich wegen Krlegsverbrecben vor einem britischen Militärgericht zu verantworte» hat, wurde vom Verteidiger Freispruch beantragt. Der ehemalige Staatssekretär im Propaganda- mimsterium. Gutterer, wurde als Bauernknecht bei Würzbiirg verhaftet und in das Internierungslager Ammeiburg eingeliefert. Ungarn ersuchte die Militärregierungen der amerikanischen Besatzungszonen Deutschlands und Oesterreichs um die Auslieferung von 468 Kriegsverbrechern. Etwa 20 Schwarzhändler griffen am Potsdamer Platz einen Staatsanwalt tätlich an, als er mit einem Polizeibeamten zwei von ihnen festnehmen wollte. Ein vorübergehender PoUzeibeamter leimte es ab, dem Staatsanwalt Hilfe zu leisten mit der Begründung, daß er zur Zeit nicht im Dienst sei Trotz Aufhebung der lagerwachen und Ansgabe vorläufiger Aasweise zum freien Aulenthalt hi der britischen Zone haben bis jetzt nur wenige .Excodus" - Flüchtlinge das Lager Pop. pendort verlassen. Beim Verlassen eines bei Hannover gelegenen Verschlepptenlagers von Ukrainern wurden fünf sowjetische Journalisten von den Insassen mit Steinen beworfen. Am 28. Oktober werden die Wahlen für den dänischen Reichstag statttlnden. Mit über 90 Prozent stimmte die Bevölkerung der ehemaligen italienischen Grenzstädte Tenda und Briga für den Anschluß Ihres Gebietes an Frankreich. Neue Sechzehner-Konferenz? Washington. Wie in der amerikanischen Hauptstadt bekannt wird, soll augenblicklich davon die Rede sein, die Staaten, die an der Pariser Konferenz für wirtschaftliche Zusammenarbeit teilgenommen haben, zu einer neuen Sitzung einzuberufen, damit an ihren Berichten einige Abänderungen vorgenommen werden können, die die USA-Regie- rung für deren Vorlage beim Kongreß für wesentlich hält. Die amtlichen Kreise Washingtons sind, nachdem die Sachverständigen mit der Ueberprüfung des Berichtes der Pariser Konferenz begonnen haben, der Ansicht, daß diesem in seiner gegenwärtigen Form von dem Kongreß wohl kaum zugestimmt werden wird. Die an diesem Bericht geübte Kritik bezieht sich vor allem auf drei Punkte: 1. Auf die Tatsache, daß in den interessierten Ländern keine Maßnahme vorgesehen ist, die eine Produktion und Konsumierung von wirtschaftlicheren Nahrungsmitteln anstrebt; eine Maßnahme, die unbeliebt zu sein scheint. 2. Auf die Unterschätzung der örtlichen Produktion, vor allem angesichts der vorgesehenen intensiveren Verwendung von. Kunstdünger. 3. Aul die Tatsache, daß der Bericht die in der ganzen Welt herrschende Knappheit gewisser Produkte nicht berücksichtigt. Araber wollen Palästina verteidigen Schwere Unruhen nach Räumung des Landes durch England? London. Die britische Regierung bestätigte erneut ihre Absicht, die britischen Streitkräfte trotz der gemeldeten arabischen Truppenzusammenziehungen an den Grenzen Palästinas, zurückzuziehen.. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums wies darauf hin. daß die Berichte über arabische Truppenzusammenziehungen noch nicht offiziell bestätigt seien. Nach Ansicht Großbritanniens liege es an den Juden und Arabern, zu einer Verständigung zu kommen. Sollte in dieser Frage keine Einigung erzielt werden, so hoffe die britische Regierung, daß die UN eine durchführbare Lösung finden könnten. Die Jewish Agency veröffentlichte in London eine Erklärung, wonach sich die Juden selbst verteidigen würden, falls die Araber zu den Waffen griffen, um Palästina *u besetzen. Beschlüsse der arabischen Liga Beirut. König Abdullah von Transjor- danien ratifizierte Beschlüsse der arabischen Liga, in denen den arabischen Völkern in Anbetracht der britischen Absicht, Palästina zu verlassen, empfohlen wird, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Bei seiner Rückkehr aus der transjordanischen Hauptstadt Ammam versicherte der irakische Ministerpräsident Saleh Jabre, König Abdullah sei seinen eigenen Erklärungen zufolge entschlossen, für Palästina jedes Opfer zu bringen. Der Generalsekretär der arabischen Liga gab bekannt, die ägyptische Armee 6tünde in Alarmbereitschaft, habe sich jedoch noch nicht in Bewegung gesetzt. Auch die Armee Saudi-Arabiens verharre in ihren Stellungen. Schließlich meldet die „Beiruter Zeitung", daß bereits vor der Beschußfassung der arabischen Liga libanesische und syrische Streitkräfte in Richtung auf die palästinische Grenze in Marsch gesetzt worden seien. Das Kabinett habe befürchtet, daß die britischen Streitkräfte unvermittelt aus Palästina abziehen würden, bevor die arabischen Delegierten noch in der Lage gewesen seien, ihre Entschlüsse zu fassen. Das libanesische und syrische Oberkommando hätten ihre Befehle so geheim ausgeführt, fügt die Zeitung hinzu, „daß selbst der größere Teil der Minister und die Grenzbevölkerung nichts davon bemerkt hätten." USA zum Palästinaproblem New York. Der amerikanische Delegierte in der mit der Prüfung des Berichtes des Palästina-Untersuchungsausschusses beauftragten Kommission, Herbert Johnson, sprach sich für die Teilung des Landes in zwei unabhängige Staaten und die Freigabe der Häfen für die jüdische Einwanderung aus. Johnson legte den amerikanischen Standpunkt dar und erklärte, daß die Regierung der Vereinigten Staaten den Grundprinzipien zustimme, die in der von der Untersuchungsgruppe einstimmig angenommene Empfehlung enthalten sind. Die USA-Regie- iung billige ebenfalls eine baldige Aufhe- J bung des britischen Mandates. Johnson schlug jedoch vor, einige Aenderungen in dem Teilungsplan vorzunehmen und beantragte vor allem, daß der Hafen Jaffa dem neuen arabischen Staat zugesprochen werde. Nachdem er so die amerikanische Ansicht dargelegt hatte, forderte Johnson die Versammlung auf, einen Plan auszuarbeiten, wonach alle Bewohner Palästinas in den Genuß der Wasserkrafterzeugung des Landes kommen und freien Zugang zu den Häfen haben sollen. „Die Vereinigten Staaten", fügete der amerikanische Delegierte hinzu, „sind bereit, sich an der Durchführung des von den Vereinten Nationen aufgestellten Programms zu beteiligen, um auf diese Weise den interessierten Parteien bei der praktischen Lösung der Frage zu helfen." Bruch zwischen Chile und Jugoslawien Belgrad. Das jugoslawische Außenministerium veröffentlicht folgendes Kommunique: „Unter Verletzung der elementarsten in den internationalen Beziehungen üblichen Prinzipien hat die chilenische Regierung am 8. Oktober den Beamten der jugoslawischen Gesandtschaft in Santiago, Andre Cimja, und den Gesandtscfaaftssekretär in Buenos Aires, Dalibor Jacas, ausgewiesen. Um die Ausweisung zu erklären, hat die chilenische Regierung Gründe angeführt, die jeder Unterlage entbehren. Sie hat in diesem Zusammenhang die phantastischsten Verleumdungen gegen die jugoslawische Regierung geäußert. — ln dem Kommunique heißt es weiter, diese Aktion von seiten Chiles sei ein Teil eines wohlüberlegten Feldzuges, der zugunsten der expansionistischen Tendenzen gewisser Mächte geführt werde, die in immer größerem Ausmaße die Außen- und Innenpolitik Chile« beherrschen," Das Kommunique schließt wie folgt: „Die jugoslawische Regierung hat deshalb beschlossen, die diplomatischen Beziehungen zu Chile abzubrechen, da es nach ihrer Ansicht überflüssig ist, weiterhin diplomatische Beziehungen zu einer Regierung zu unterhalten, die nicht mehr selbständig über ihre Beziehungen zu anderen Ländern entscheidet." Santiago-Chile. „Chile, dessen Bevölkerung zu allen Zeiten dem Völkerrecht und der Demokratie große Achtung zollte, lehnt die unbegründeten Beschuldigungen einer Regierung ab, die, wie die augenblicklich am Ruder befindliche, zunächst die Freiheiten des einzelnen aufgehoben hat und die von zivilisierten Nationen den Diplomaten gewährten Privilegien und ihre Unverletzbarkeit zu einer unterirdischen, dem großmütigen Gastland feindlichen Tätigkeit ausnützte", heißt es in einer offiziellen Verlautbarung. In Erwiderung der jugoslawischen Vorwürfe, daß die Außenpolitik Chiles von ausländischen Einflüssen bestimmt werde, fügt das offizielle Kommunique hinzu: „Die Unantastbarkeit der chilenischen Außenpolitik könnte der t augenblicklichen jugoslawischen Regierung als Beispiel die- neen, die seit ihrer Machtergreifung nur ein Vasall einer fremden Macht ist und niemals auch nur den Versuch einer Revolte oder den Ausdruck eines eigenen Willens bekannt hat." „Frankreich muß sich nach der Decke strecken“ Ministerpräsident Ramadier über die wirtschaftliche und finanzielle Lage Frankreichs Paris. Mmisterporäident Ramadier stellte am Donnerstag in einer Radiorede fest, daß die französische Produktion knapp ihren Vorkriegsstand erreicht habe. Die Regierung habe Unordnung und Unruhen zu bekämpfen und von den Waffen, die ihr das Planwirtschaftssystem in die Hand gegeben habe, Gebrauch zu machen. Frankreich müsse zunächst das Niveau seiner nationalen Hilfsquellen heben und einen Produktionsstand erreichen, der über der Varkriegshöhe liege. Eine Zusammenarbeit mit allen Ländern, ,von der Sowjetunion» bis Argentinien”, sei dringend notwendig; besonders eng müsse diese Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten sein. Aus diesem Grund sei die französische Regierung so sehr am Marshall- Plan interessiert. Berliner Presse zum Sokolowski-Befehl Telegramm unseres Berlin. Seit einigen Tagen steht der Befall des Marschalls Sokolowski zur „Steigerung der Arbeitsproduktivität" im Mittelpunkt der politischen Erörterungen über die Situation der Ostzone. (Ueber den Inhalt dieses Befehls vergL unsere Meldung S. 4). Nicht uninteressant ist es, daß eine Erklärung der CDU-Zeitung „Neue Zeitung" zum Sokolowski-Befehl eine versteckte Kritik erkennen läßt. Das Ziel müsse bleiben, so 6agt das Blatt, die Versorgungslage der Gesamt- bevölkerung, nicht nur der Arbeiterschaft, zu verbessern. Der sozialdemokratische, britisch lizenzierte „Telegraf" greift naturgemäß die Grundlagen des Befehls an. Das Blatt will aus der Tatsache des Befehls den Schluß ziehen, daß die demokratischen Kräfte in der Ostzone eben nicht ausreichen, die Produktivität der Arbeit zu steigern, und es führt die sinkende Arbeitsmoral vor allem auf die Wirkung der Demontageaktionen zurück. Tatsächlich wird das Thema der Demontage in der letzten Zeit sehr lebhaft erörtert. 91 Bahnstrecken «ind bis jetzt in der Ostzone völlig demontiert worden. Der Abbau neuer Strecken hat sich gegenwärtig vorzögert, wie der französisch lizenzierte „Kurier" meldet, weil — zum Teil sogar mit Unterstützung ihrer sowjetischen Kommandanten — eine Anzahl von Landkreisen schärfsten Protest dagegen eingelegt haben, daß ihre Eisenbahn und damit ihr einziger Anschluß an das Gesamtverkehrsnetz be- Mjftgt werde. Qwadb w eg e n de« Erfahrungen, die »an A. G.-Korrespondenten mit den Demontagen in der Ostzone gemacht hat, ist man in Berlin und anderen Großstädten des Ostens überzeugt davon, daß die neuen Demontagepläne in der amerikanischen upd britischen Zone auch dort große psychologische Schwierigkeiten unter der Arbeiterschaft hervorgerufen werde. Die „Neue Zeit" weist darauf hin, daß auch die Westmächte bei der Durchführung der Demontagen keine glückliche Hand hätten, schon deshalb, weil die Meinungen durchaus geteilt seien, was eigentlich Rüstungsindustrie sei. Die „Neue Zeit" wirft deshalb die Frage auf, ob bei den Demontagen in der Bizone nicht auch Wünsche und Bestrebungen mitsprächen, die deutsche Konkurrenzfähigkeit für die Zukunft nicht über ein gewisses Maß anwachsen zu lassen. US-Truppen bleiben in Berlin Berlin. Nicht eine einzige amerikanische Truppeneinheit wird aus Berlin abgezogen, erklärte der Oberkommandierende der amerikanischen Besatzungtruppen, General Clarence R. Huebner. General Huebner gab diese Erklärung auf Grund von Meldungen aus Berlin ab, in denen es hieß, daß „gut unterrichtete militärische Kreise” derartige Maßnahmen ins Auge gefaßt hätten. General Huebner fügte hinzu: „Es ist ebenfalls kein Grund für die Annahme vorhanden, daß nur eine „Handvoll” Administratoren und Verbindungsoffiziere nach der Londoner Konferenz in Berlin zur&ckbbebeo. „Wir sind durchaus in der Lage, mit der Inflation Schluß zu machen”, sagte Ramadier, „und wir bereiten uns auf die baldige Stabilisierung unserer Währung und unserer Wirtschaft vor.” Zur Erreichung dieses Zieles müsse das Land allerdings auf die im letzten Budget aufgeführten außerordentlichen Aufwendungen für öffentliche Arbeiten und militärische Zwecke verzichten.' Gewisse öffentliche Arbeiten, einschließlich der Ausbau von Flugzeugträgern, seien vorläufig einzustellen. Im Interesse von Ersparnissen auf militärischem Gebiet werde man das erste Kontingent der Jahresklasse 1948 nicht vor November und das zweite erst im Januar einberufen, sobald das neue Armeereform- gesetz angenommen seL Ein Aufschub der geplanten Teilemeuerung der Eisenbahnen lasse sich nicht vermeiden. Eine Revision des Systems der Elektrizitätsversorgung werde erfolgen. Ferner sei eine Einschränkung der Neubauten erforderlich. Entscheidungen dieser Art seien in den Sitzungen des Finanz- und des Wirtschaftskomitees gefallen. Ramadier schloß: „Frankreich muß sich nach der Decke strecken. Was ich gesagt habe, war nicht das Ergebnis des Nachdenkens eines Tages, sondern vieler Wochen, und die Regierung führt damit nur das Werk weiter, das am Tage der Befreiung begonnen wurde. Frankeich will nicht sterben; es will bis zum bitteren Ende durchhalten, und unser Volk wird verstehen, daß wir allen irrsinnigen Theorien und ungesunden Wirtschaftsideen zu entsagen haben, wenn wir unserem Vaterlande wieder eine gedeihliche Entwicklung ermöglichen wollen.” Sparmaßnahmen bekanntgegeben Paris. Im Rahmen der von Ramadier verkündeten neuen Finanzpolitik der Regierung wurden am Freitag im „Journal Offiziel” eine Reihe von Sparmaßnahmen für die öffentlichen Dienste bekannt gegeben. 600 Millionen Ersparnisse werden aus der Einschränkung des Autoverkehrs der öffentlichen Dienste erwartet. Von nun an werden jedem Minister nur ein und den Mitgliedern jedes Kabinetts zwei Wagen zuerfcannt. Auf militärischem Gebiet erwartet man 800 Mi Manen Einsparungen durch ähnliche Einschränkungen. 4961 als entbehrlich betrachtete Wagen werden verkauft. Alle Zivilgaragen werden zurückgegeben. Man rechnet damit, daß der Verkauf einen Betrag von 1 Milliarde ergeben wird. Im Ministerium für ehemalige Kriegsteilnehmer werden 1305 Angestellte entlassen, was 350 Millionen Ersparnisse einbringt. Ferner nimmt man an, daß die Auflösung von 8 Militärgerichten eine Ersparnis von 20,50 Millionen Franken ergeben wird. Das Echo der Ramadier-Rede Die Rede Ramadiers findet in der französischen Oeffentüchkeit eine starke Resonanz. Die Zeitungen unterstreichen vielfach, mit welchem Mut der Ministerpräsident am Vorabend der Gemeindewahlen die Oeffentüchkeit über die Finanzlage unterrichtet und eine Reihe unpopulärer Maßnahmen angekündigt hat Der „Figaro” bedauert, daß die Regierung offenbar dem Druck der äußersten Linken nachgegeben und die Heeres- und Marinebudgets gekürzt habe, ohne hierüber zuvor das Parlament befragt zu haben. Im unabhängigen „Combat” wird die Rede Ramadiers als ernst und maßvoll bezeichnet. Frankreich müsse in Interesse seiner Existenz sich selbst zusammenschließen. Dies sei nicht nur zur Erlangung auswärtiger Hilfe erforderlich, sondern sei auch die natürliche Bedingung für jeden Wiederaufstieg. Armstrong über Demontagen Frankfurt a. M. ln einem Brief an General Clay schreibt der amerikanische Schriftsteller D. K. Armstrong über die Demontagen: „Angesichts der Tatsache, daß Deutschlands Produktion unbedingt wieder in Gang gebracht werden muß, erscheint es unsinnig, die Fabrikanlagen zu demontieren.” Armstrong empfiehlt, jeden einzelnen Auftrag zur Demontage genau zu prüfen, es gäbe weder im amerikanischen noch im international«! Recht ein Gesetz, das die Demontage rechtfertige. „Das Volk der Vereinigten Staaten hat”, so fährt Armstrong fort, „in der Haager Konvention unterschrieben, daß nach der Beendigung der Feindseligkeiten keine der kriegführenden Mächte das Recht hat, Eigentum der anderen Macht zu zerstören oder zu demontieren. Reparationen müssen dagegen in einem Friedensvertrag genau festgelegt werden.” Mister Armstrong fordert ferner die Ablösung der amerikanischen Militärregierung und die Einsetzung einer Zivilkommission für Deutschland. Sein Brief schließt: „Wir sollten uns wieder auf die Grundlage der Atlantik-Charta besinnen, nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt." OLMA — PRESSE Von Hermann Dörflinger Nein, Olma ist kein moderner Mädchenname, es liegt auch kein Schreibfehler vor, der auf die Oma raten ließe. Und doch handelt es sich um eine sehr beachtliche junge, hübsche SIE. Diese „Olma” ist eine Einrichtung, die über den Rahmen des Altherkömmlichen weit hinausragt, und auch mit der Presse in engem Kontakte steht. Heute bei uns noch unbekannt, wird sie auch im Bo- denseegebiet in absehbarer Zukunft, wenn einmal die Grenz- und Währungsverhältnisse eine Klärung gefunden haben, stärkere Beachtung finden. „Olma” ist der Name für: Schweizer Messe für Land- und Milchwirtschaft, mit dem Standort St.' Gallen. Sie ist die jüngste — jetzt fünf Jahre bestehend — unter den vier anerkannten schweizerischen Landesausstellungen. Mit nördlicher Blickrichtung auf den Nieder-Rhein ist die Basler-Mustermesse wohl die älteste und größte Schweizerische Schau. Die Lausanner-Messe, das „Comptoire Suisse” ist eine Manifestation des hochentwickelten kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Westschweiz in Verbindung zum südlichen Frankreich. Die Messe zu ^.ugano, die „Fiera-svizzera di Lugano” pflegt die Verbindungen zum südlichen Nachbarland Italien. Die „Olma” zu St. Gallen aufgebaut auf der wirtschaftlichen Struktur der Kantone St. Gallen, Appenzell, Glarus, Thurgau und Schaff hausen zeigt ausgeprägten landwirtschaftlichen Charakter und soll auf die Nachbargebiete des Bodensees, der Donau und Vorarlberg ausstrahlen. Nur ein ganz kurzer Rückblick veranschaulicht uns die gewaltige wirtschaftliche Strukturänderung in unserem engeren und weiteren Wirtschaftsraume. Zwei Weltkriege haben die ehemalige Bedeutung der alten Messestadt Konstanz nach der Schweiz und über den Bodensee so gut wie ausgelöscht. Doch die Verkaufsmessen der vergangenen Zeit haben such heute ihre Existenzberechtigung verloren. Sie können sich aftenfalh* in der Zukunft noch bescheiden als Jahrmärkte halten. Moderne Messen und Ausstellungen sind Bildungsfaktoren. Sie geben Anregung und zeigen Leistungen auf, deren praktische Verwertung der Förderung der Berufsstände dient.. In diesem Sinne hat die „Olma” ihre Aufgabe bestens erfüllt. Es ist nur zu bedauern, daß gerade unsere Landwirte die dort gezeigten modernen und praktischen Maschinen und technischen Einrichtungen für landwirtschaftliche Klein- Mittel- und Großbetriebe in ihrer vorzüglichen Qualitätsausführung noch nicht besichtigen können. Manch wertvolle Anregung könnten sie dort mitnehmen. Am Haupteingang der Ausstellung strömen dem Besucher die köstlichen aromatischen Düfte der gepflegten schorffreien Obstsorten entgegen. Das Auge ist gefangen; doch ein Blick auf eine an der Wand hängende Staistik führt wieder zur nüchternen Wirklichkeit zurück. Der Erzeugerpreis für 100 kg Aepfel ist mit 38 Franken errechnet, der Konsumentenpreis steht mit 62 Franken zu Buch, das sind 24 Franken Handelsspanne! Wenn auch jlie Olma infolge der noch bestehenden Grenz- und Währungsverhältnisse nahezu unerreichbar ist, so zeigen sich doch schon Ansätze zu einer überkantonalen Bedeutung. Ueber St. Margarethen kamen die Vorarlberger in beachtlicher Zahl und auch Fachleute aus München und dem württembergischen und badischen Gebiete hatten vereinzelt Gelegenheit, die Leistungen der CMma zu bewundern. Die Messeleitung und der Ostschweizerische Presseverband haben die Pressevertreter aus dem benachbarten Vorarlberg und dem Bodenseegebiet eingeladen. Es war dies die erste offizielle Fühlungnahme zwischen den Presseverbänden der Schweiz, Vorarlbergs und der südfranzösischen Zone. In gemeinsamer Aussprache wurden Berufs- sorgen, wirtschaftliche und politische Tagesfragen erörtert und eine Plattform gefunden, die es ermöglicht, die geistige Isolierung, von den Nationalsozialisten bewußt herbeigeführl und durch die politische und wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit fortgesetzt, zu durchbrechen. Der Austausch von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern soll stark gefördert und der persönliche Meinungsaustausch fortgesetzt werden. Der Kontrollrat hat durch' die letzten Verordnungen entscheidende Voraussetzungen für den Austausch geschaffen. Noch stehen auch hier devisentechnische Hemmnisse entgegen. Zusammen mit dem, in Zürich gegründeten „Hilfswerk für das geistige Deutschland*, dem namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst, Presse und Industrie angehören, werden Mittel und Wege gesucht, den geistigen Meinungsaustausch praktisch zu fördern. De» - Ostschweizer-Prcsse- verband hat die Initiative ergriffen, und die persönlichen Beziehungen aufgenom- men, um den „tiefen Graben des Miß- 4 : m i Seite 2 / Nr. 80 SÜDKURIER Dienstag, 14. Oktober 1947 trauens mit dem guten Willen zu gemeinsamer Arbeit und durch gegenseitiges Vertrauen wieder aufzufüllen”, wie der Präsident des Ostschweizerischen Presseverbandes, Dr. Amann aus Rapperswil, so treffend betonte. Der Pressereferent Hueb- mer von der Vorarlberger Landesregierung zu Bregenz stellte den aufrichtigen Willen zu positiver Zusammenarbeit in den Vordergrund, richtete einen herzlichen Grufl an die württemberg-badischen Nachbar-Kollegen und dankte dem Ostschweizerischen Presseverband, der Stadt St. Gallen, der ,,01ma” und dem Kanton St. Gallen, die das Treffen der Journalisten rund um den Bodensee ermöglicht haben. Der Schreiber dieser Zeilen konnte als zweiter Präsident des Badischen Presseverbandes die Grüße des deutschen Presseverbandes der französischen Zone übermitteln und der Hoffnung Ausdruck ge- Sozialdemokratischer ben, daß diesem ersten Pressetreffen bald weitere folgen mögen, um die Zusammenarbeit zu vertiefen und weiter auszubauen. So haben Männer der Feder über die Ländergrenzen hinweg sich gefunden, um an dem gemeinsamen Ziele der Völkerverständigung zu arbeiten; an der Sicherung des Friedens und an der F.rhaltiing der Freiheit der Menschen. Als die Jour- alisten im leider tief vernebelten Heiden, wohin sie sich von St. Gallen zur Beratung zurückgezogen hatten, sich die Hand zum Abschied reichten, waren alte Freundschaften auf gefrischt und reue geschlossen. Diese erste Pressefahrt in dem alten Kulturgebiet von Bodensee und Rhein, von Schweiz uitf Vorarlberg. Südbaden und SüdwürtteiAerg darf als verheißungsvoller Auftakt bewertet werden, die geistige Isolierung zu sprengen. Parteitag in Offenbarg könne noch nicht gesagt werden, wo diese Werke erscheinen. Ueber die Unterredung Plieviers mit Jef Last erfährt das „Hamburger Echo” noch, daß Plievier «eh geweigert habe, nähere Einzelheiten über seine Erlebnisse in der Sowjetunion zu erzählen. „Ich will nicht den Eindruck erwecken”, fügte Plievier hinzu, „meine Sicherheit von den Amerikanern durch Erzählungen eines Abtrünnigen zu erkaufen. Was ich zu sagen habe, werde ich in meinen Büchern sagen.” US-Jagd Verlust e Frankfurt. Die Wildbestände haben sich infolge der Einschränkungen für deutsche und ausländische Jäger in letzter Zeit stark vermehrt. Nach einer Mitteilung des US-Hauptquartiers müßten allein in Württemberg-Baden 20 000 Rehe, 1500 Wildschweine, 120 000 Hasen und 20 000 Füchse getötet werden, um die Zahl des normalen Wildbestandes wieder zu erreichen. Sonder bericht des Südkurier Offenburg. Am Samstagvormittag wurde in Offenburg der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei, Land Baden, durch den Landesvorsitzenden Abg. Jäckle, Singen, eröffnet. Neben Vertretern der Bruderparteien in den Ländern der französischen Zone und von Nordbaden-Württemberg, war als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Kanton und Stadt Base] Naiionalrat Schneidererschienen, der als ehemaliger Vorsitzender der Oberrheinisichen sozialistischen Vereinigung Grüße und Glückwünsche der Schweizer Genossen überbrachte. Das politische Referat hielt Minister Carlo Schmid, Tübingen, der die Grüße des Parteivorstandes der SPD in Hannover übermittelte. In seinen über dreistündigen fesselnden Ausführungen gab er eine weitgespannte weltpolitische Analyse. Zwischen zwei Giganten der Macht, so führte Minister Schmid aus, stehe Europa und mit ihm Deutschland, das Vorfeld, auf dem sich beide begegnen und das sie auseinander halte. Die Frage, die uns heute gestellt sei, werde oft so formuliert: Für welche von beiden solle sich Deutschland nun entscheiden? Für Ost odlr West? „Es gibt aber", sagte Minister Carlo Schmid, „noch eine dritte Antwort. Sie heißt: Weder — noch!" Es gelte, ein Zwischenreich zu schaffen und eine Politik der europäischen Solidarität zu führen. Dies Zwischenredch könne dann zu den Vereinten Staaten von Europa als dem dritten großen Partner in der Sphäre der Weltpoütik werden. Die Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie aber sei es, einem Sozialismus ohne Nationalismus und ohne Imperialismus den Weg zu bereiten, einem Sozialismus, in welchem der Mensch mehr bedeute als der bloße Sklave einer Mehrheit, und in welchem der Andersdenkende nicht durch eine Kollektivierung des Lebens liquidiert werde. Der zweite Tag wurde mit einem Referat von Erwin Hohlwegler, Singen, über die Boden- und Agrarreform edngeleitet. Zumal im Interesse des kleinen Landwirtes müsse mit den Reformen die Einrichtung einer neuen VeredlungsWirtschaft (Obst-, Wein- und Tabakbau) durch neue Produktionsformen auf genossenschaftlicher Grundlage verbunden werden, wobei der Privatbesitz unangetastet bleibe. Die bäuerliche Bewirtschaftungsform der Zukunft sei der bereits erprobe Ge- meinschaftsbetrieb („Müntzingersdies Dorf"). Der durch die neuen Statuten grundsätzlich umgestaltete Landesvorstand setzt sich nunmehr zusammen aus dem einstimmig wiedergewählten ersten Vorsitzenden Richard Jäckle, Singen, dem zweiten Vorsitzenden Fritz Maier, Gengenbach, den wiederge- wählten vier besoldeten Mitgliedern und acht Beisitzern aus dem ganzen Land, — Nachdem der Fraktionsvorsdtzende Maier, Wirtschaftsminister Leibbrandt und Justiz- minister Dr. Nordmann über die Tätigkeit der Fraktion und der sozialdemokratischen Regierungsmitglieder referiert hatten, erhob sich eine lebhafte Diskussion um die Frage der Koalition mit der CDU. Mehrere Redner forderten dringend das Wiedererstehen eines Arbeitsministeriums, um welches die Sozialdemokratie vor 1918 jahrzehntelang gekämpft habe. Mit Rücksicht auf den in der Presse bereits veröffentlichten Wirtschaftsplan von Dr. Leibbrandt sei allerdings, wie einige Redner betonten, die Frage der Regierungsumgestaltung nach den ursprünglichen Absichten der Sozialdemokratie, eine Vierparteien-Regierung zu schaffen, zur Zeit wohl nicht spruchreif. Die CDU müsse eich aber endlich einmal entscheiden, ob sie wirklich eine soziale Partei sei oder nicht. Der Parteitag drückte der bisherigen Tätigkeit der Fraktion dadurch ihr volles Vertrauen aus, daß sie ihr mit überwiegender Mehrheit auch die weitere Entscheidung überließ. Der Landesvorsitzende Richard Jäckle schloß die Versammlung mit einem ganz besonderen Dank an Gouverneur Roberts von Offenburg, der durch seine Anwesenheit bis zum letzten Moment seip großes Interesse für die Sorgen der Arbeiterschaft gezeigt habe. Plievier in Hamborg München. Wie der Desch - Verlag München dem Korrespondenten des „Süd- fcurier” mitteilte, hat Plievier seinen Wohnsitz aus der russischen in die anglo- amerikanische Zone verlegt und befindet sich zur Zeit in Hamburg. Er arbeitet gegenwärtig an zwei Romanen, die Themen unserer Zeit behandeln. Da Plievier seinen Vertrag mit dem russisch lizenzierten Aufbau-Verlag noch nicht gelöst habe, Da jedoch im letzten Jahr 11 Amerikaner in deutschen Wäldern durch Jagdunfälle ums Leben gekommen sind, sollen die Vorsichtsmaßregeln, die dasUS-Haupt- quartier erlassen hat, auch in Zukunft bestehen bleiben. Der einzelne Jäger muß kn Besitz eines Jagdscheines sein und, soweit es sich um Amerikaner handelt, unter der Anleitung eines deutschen Jagdaufsehers oder der Forstpolizei stehen. Zwischenfall in Kärnten Belgrad. An der österreichisch-ju- goslawischen Grenze ereignete sich zwischen österreichischer; Gendarmen, britischen Soldaten und den Angehörigen einer Delegation junger Slowenen, die von einem Kongreß in Jugoslawien zurückkamen, ein ernster Zwischenfall. Beim Ueber- gang über die Grenze wurden die jungen Slowenen vom Grenzposten angehalten. Die österreichischen Gendarmen nahmen ihnen die Papiere ab und versuchten auch, ihnen ihre Fahnen wegzunehmen. Bei der Quartiersuche wurden eie von britischen Soldaten und österreichischen Gendarmen umstellt und mißhandelt. Eine Arbeiterpartei in Rumänien? Bukarest. Auf dem Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Rumäniens wurde am Sdilußtag eine Resolution angenommen, die dem sozialdemokratischen Zentralkomitee alle Vollmachten gibt, gemeinsam mit dem kommunistischen Zentralkomitee „die Einheit der Arbeiter in einer einzigen Arbeiter partei so schnell wie möglich zu verwirk liehen". ' Balkankommission ohne UdSSR Lake Success. Im Verlaufe ihrer Samstagsitzung vermied es die politische und Sicherheitskommission der Vereinten Nationen, Albanien, Bulgarien und Jugoslawien direkt zu beschuldigen, für die derzeitigen Wirren in Nordgriechenland verantwortlich zu sein. — Die Vereinigten Staaten zeigten 6ich zu einer versöhnenden Geste bereit, und erklärten sich einverstanden, dem ursprünglichen Wortlaut ihres Resolutionsantrages einen von Frankreich und Großbritannien vorgescfalagenen Abänderungsantrag hinzuzufügen, der sich bemüht, zur Kenntnis zu nehmen, daß „die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen auf dem Balkan laut Mehrheitsbeschluß die Feststellung getroffen hat, daß Albanien, Bulgarien und Jugoslawien den Franktireurs, die gegen die griechische Regierung kämpfen, Hilfe und Unterstützung zuteil werden ließen." Daraufhin wurde der Gesamttext der amerikanischen Resolution mit 36 gegen 6 bei 10 Stimmenthaltungen, angenommen. Gleich zu Beginn hatte der stellvertr. Außenminister Wyschinski wiederholt das Wort ergriffen und Frankreich und Großbritannien „Kuhhandel" und „Demagogie" vorgeworfen. In einer lebhaften Intervention erwiderte darauf der französische Staateminister Ivan Delbos, mit derartigen Anschuldigungen könnte die Wahrheit nicht verborgen werden. Wyschinski setzte seine Rede fort. In seinen Ausführungen versicherte er, die UdSSR werde sich niemals mehr an einer neuen Balkankommission beteiligen. Die Weigerung der slawischen Staaten, auf diesem Gebiet noch einmal mit den anderen Ländern zusammenzuarbeiten, als der jugoslawische Delegierte versicherte, „Jugoslawien wird sich in der Zukunft genau 60 verhalten, wie es sich bisher verhalten hat." Japanische Unschuld Tokio. Die gesamte japanische Presse gibt ein dem Korrespondenten einer amerikanischen Zeitung gewährtes Interview des Generalstaatsanwaltes Keenan wieder, der als Hauptankläger des Gerichtshofes von Tokio erklärte, „der Mikado und die Großindustriellen und Direktoren der Trusts, die die Mandschurei ausbeuteten, hätten keine Kriegsverbrechen begangen.” In der Umgebung des Tokioers Gerichtshofes ist man der Ansicht, daß das Verfahren sich künftig gegen die Generalstäbler der Mandschurei-Armee und. die bedeutendsten Minister des Kabinetts Tojo richten wird. Zonenmeister Süd am Tabellenende Zoeealiga Groppe Süd (5. Runde): Laupheim- Reutiingen 1:0: Offenbung — Schwenningen. 3:1: VfL Konstanz — Fortuna Freiburg 0:2: Trossin- gen — Singen l:0j Friedricbshafen — Biberach 5:1; VfL Freiburg — Rastatt 3:3. — Die fünfte Runde war gekennzeichnet durch einige Ueber- raschlingen. Zu Urnen gehören die Siege der Neulinge Laupheim (gegen Reutlingen 1:0), Trossingen (gegen Singen 1:0) und vor allem die Tatsache, daß sich der Zonenmeister Süd VfL Konstanz durch eine 2:0 Niederlage auf eigenem Platz gegen dien Neuling Fortuna Freiburg ans Tabellen ende verdrängen ließ. Die Konstanzer zeigten bei ihrem ersten Auftreten auf eigenem Platz absolut keine meisterhafte Form und konnten sich an der Kondition, an der Mannschaftsarbeit und an deT technischen Fertigkeit der Freiburger ein Beispiel nehmen. Sie lagen schon bei der Pause 2:0 im Rückstand, als sie infolge Verletzung eines Spielers die Partie nur mit 10 Manm zu Ende führen mußten. Die Tatsache, daß der VfL Konstanz mit zwei Spielen im Rückstand ist, bedeutet kaum eine Entlastung für den schlechten Tabelien- stand, denn andere Vereine mit der gleichen SpielzaM stellen sich besser. Die Spitze behauptet nach wie vor der Offenburger SV, dessen Sturm in Hochform gegen die schlagsichere Schwenndnger Verteidigung drei Tore schoß und erst beim 3:0-Stand einen Gegentreffer hinnehmen mußte. (Gesamttorveihältnis 13:3). Der einzige ungeschlagene Verein ist die Spg. Friedrichshafen, die nach einem überzeugenden 5:1-Sieg gegen Biberach (GesamttorveT- hältnis 11:5) mit ihrem zweiten Platz bei nur vier Spielen relativ am günstigsten steht. Trossingen und Laupheim zeigten sich als Neulinge mH Energieleistangen gegen die technisch etwas besseren Gegner Reutlingen bzw. Singen von der besten Seite. Ihr jeweiliges 1:0 brachte ihnen die ersten beiden Gewinnpunkte. Hartnäckig umstritten war die Freiburger Begegnung zwischen VfL Freiburg und Rastatt, die beide mit aufgefrischtem SpfelermateTiafl an- traten. Die Freiburger holten eine 2:0-Fühmung ihres Gegners auf und schafften nach dem Rastatter 3:2 noch einmal den Ausgleich. Tabel- lenstand: Offenburg 5 Spiele 8 Punkte: Fried- richshafen 4/7; Fortuna Freiburg 4/5; Singen 5/5: Rastatt 5/5: Schwenningen 4/4: Biberach 4/4; Reutlingen 4/3: VfL Freiburg 3/2; Laup- heim 3/2; Trossingen 4/2: VfL Konstanz 3/1. Kaiserslautern in bester Spiellaune Zonenliga Gruppe Nord: (3. Runde): Gonsenheim — FC Kaiserslautern 0:13 (I); Pirmasens- Mainz 05 0:2; Phönix Ludwigshafen — FC Saarbrücken 0:2; SV Saarbrücken — Neuiendorf 2:2; Trier — Wormatia Wurms 4:7; Neustadt — Neunkirchen 3:4; Andernach — Völklingen 1:0. — Schon nach den ersten beiden Spielen hatte es den Anschein, daß die Stärke des Gesamtzonenmeisters weiter angewachsen ist. Der mit Leichtigkeit erspielte Sieg war selbst in dieser Höhe verdient. Ge- sautttorverhältnig 24:1! Tabelle: FC Kaiserslautern 3 Spiele 6 Punkte; Wormatia Worms 3/6 (Tore 18/6. Die beiden einzigen ungeschlagenen Vereine. Nur noch Bayern München ungeschlagen Südd. Oberliga US-Zone (6. Runde): VfB Stuttgart — FSV Frankfurt 4:2; Rotweiß Frankfurt — Ulm 3:1; VfR Mannheim — Mühlburg 1:0; FC Nürnberg — 1860 München 1:1; Schweinfurt — Spvgg. Fürth 3:0; Schwaben Augsburg — Offenfoacher Kickers 2:1; Bayern München — Neckarau 3:1; Stuttgarter Kickers- Spfr. Stuttgart 5:2; Aschaffenburg — Wacker München 4:2; Eintracht Frankfurt — SV Waldhof 0:0, — Ueberraschend das magere 1:1 des süddeutschen Meisters FC Nürnberg, der vom fünften auf den sechsten Platz abgenutscht ist. Einziger ungeschlagener Verein bleibt mit zwei unentschiedenen Spielen Bayem-Müchen, das vom vierten anstelle von Waldhof auf den zweiten Platz vorrückte. Tabelle: Stuttgarter Kickers 6 Spiele, 10 Punkte; Bayern-München 6/10, Waldhof 6/9; Schwaben Augsburg 6/9; VfR Mannheim 6/9, FC Nürnberg 6/8; VfB Stuttgart 6/8; 1860 München 6/7; FSV Frankfurt 6/6; Rotweiß Frankfurt 6/6; Schweinfurt 6/6; Aschaffenburg 6/6. Villingen — Weingarten — Ebingen Badische Landeeliga: Baden-Baden — Schopf- heim 3:2; Emmendingen — Lahr 1:0; Stock ach —- Rheinfelden 2:0; Engen — Ottenau 2:3; Fahrnau — Villingen 0:4; Gutach — Donaueschingen ausgefallen (Donaueschingen nicht angetreten.) — Al a einziger ungeschlagener Verein behauptete sich weiterhin Villingen weiterhin an der Spitze; sein Sieg in Fahimau war überzeugend. Bemerkenswert die Siege von Stockach und Emmendingen über Rheinfelden bzw. Lata- (erste Niederlage) Tabelle: Villingen 4 Spiele 22:5 Tore(!) 8 Punkte; Emmendingen 4:7; Stockach 4:6; Lahr 4:6; Ottenau 4:6; Rheinfelden 4:5; Baden- Baden 4:3; Gutach 3:2; Donauesehimgen 3:2; Schopfheim 4:1; Engen 4:0; Fahrnau 4:0. — Hinsichtlich des ausgefallenen Spiels in Gutach wegen Nichantretens von Do- nauesdiingen muß die Entscheidung der Spielleitung abgewartet werden. Württembexgische Landesliga, Gruppe Süd: Weingarten — Mengen 6:2; Laudenberg — Wangen 0:0; Ehingen — RtedMngen 0:2; Buchau — Ravensburg 2:2; Baienfurt — Lindau 2:1. — Der fünfte Spieltag brachte keine großen Ueber- rasdiungen. Außer Ehingen, das vom dritten auf den sechsten Platz rückte, behält die Tabelle ihr bisheriges Bild: Weingarten 5 Spiele 10 Punkte; Wangen 4:7; Baienfurt 4:6; Riedlingen 5:6; Buchau 5:5; Ehingen 5:5; Lindenberg 5:4; Mengen 5:2; Ravensburg 4:1; Lindau 4:0. — Gruppe Nord: Metzingen — Hethmgen 6:3; Tail- lingen 0:4; Messingen 6:3; Spatehingen — Tuttlingen 0:4; Gosheim — Schramberg 2:0; Tübingen — Ebingen 0:2; Pfullingen — Rottenbuig 4:1. — Große Aenderungen in der Tabelle ergeben die Resultate vom Sonntag in der Grupoe Nord, in der Ebingen unangefochten die Tabelle anführt vor Gosheim, Tuttlingen und Tai'fingen Tabelle: Ebingen 5 Spiele 10 Punkte: Gosheim 5:8; Tuttlingen 5:6; Taifingen 3:5; M-»*—-oen 3:4; Pfullingen 4:4; Hechingen 5:4; Tübingen 5:4; Schramberg 4:3; Spaichihgen 4:2; Mössin- gen 4:0; Rottenburg 5:0. Handball-Landesliga Baden: Hofweier — VfL Freiburg 6:7; Brombach — Zähringen 5:5; Singen — Tettingen 3:5. — Württemberg: Tübingen — Tettnang 15:8; Rietheim — Urach 8:6; Ravensburg — Freudenstadt ausgefallen. Württembergtecher Kunstturnersieg In Schorndorf fand am Samstag 1 ""'* ' kampf der Kunsttumer von Württemberg, Bayern, Hessen und Baden (jeweils US d.) statt, den die Württembeiger mit 229 Punkten vor Bayern, Hessen und Baden gewannen. Württemberg stellte mit Theo Wied (39,45 Punkte) und Eugen Göggel (39,15 P) auch die besten Emzeltumer. Der Münchner Ino Stangl kam mit 39,05 Punkten auf den dritten Platz vor Kiefer (Hessen) 38,90, Friedrich (Bayern) 38,70 und Erich Wied (Württemberg) 38,20 Punkte Deutsche NStl-Erfolge im Ausland Auf der 3,3 km laugen Höhenstrecke Innsbruck — Hungerburg wurde am Sonntag ein Internationales Motorradrennen dumchgeführt, zu dem erfreulicherweise auch deutsche Rennfahrer eingeladen waren. Die Marke NSU erzielte dabei gegen die österreichische Konkurrenz hervorragende Erfolge. Der deutsche Mei- sterfaferer Heiner Fleischmann gewann in der 500 ccm- und 750 ccm Klasse jeweils vor Rühr- schneck, Ziehm und Bodmer (alle NSU). Der Karlsruher Nietschky holte sich ebenfalls auf NSU den Sieg in deT 250 ccm-Klasse. In der Seitenwagen-Klasse gewannen Böhm/Fuchs (Nürnberg). während der Reutäinger „Puch"- Fahrer HamrneT in der 250 ccm Ausweisklasse erfolgreich blieb. — Am Sonntag zuvor belegte HetneT Fleischroann beim Bengrennen in Vaduz (Lichtenstein) in der Klasse bis 350 ccm und über 350 ccm jeweils den ersten Platz. In der Beiwagenklasse siegten Böhm/Fuchs (Nürnberg). Schiffers bleibt FHegengewichtsmeister Durch einen k o.-Sieg in der vierten Runde verteidigte der deutsche Boxmedster im Fliegengewicht Hans Schiffers (München-Gladbach) in München seinen Titel gegen den Herausforderer Paul Schubert (Hannover) Schubert leistete erheblichen Widerstand und konnte den Kampfverlauf größtenteils offen gestalten. Die Entscheidung in der vierten Runde kam überraschend, als Schubert auf einen rechten Hacken hin zu Boden mußte, sich ohne vo'äes Bewußtsein bei „neun" erhob, um in der Ringecke endgültig ausgezählt zu werden. Kurz notiert Den großen Preis von Turin für Automobile gewann der Franzose Sommer mit setner Perrari- Neukonstruktion mit einem Stundenmittel von 108,825 km vor Chaboud auf Delahaye. Ungarn gewann in Budapest einen Fußbail- Länderkampf gegen Rumänien 3:0 und sicherte sich damit den Balkan-Pokal 1947. Gottfried von Gramm erhielt vom argentinischen Tennisverband eine Einladung, im November in Buenos-Aires zu starten. Die österreichische Hockeynatianatmenmschaft siegte in Wien gegen die Tschechoslowakei 3:0. Die Stuttgarter Schertle-BüWer gewannen in Stuttgart einen Meist «rechaftsrevanche-Kampf im 50 km Mannschaftsfahren gegen das deutsche Meisterpaar Hasenpforther-Stubbe. Die Schweizer Handballna üonalmannschaf t «chlug in Zürich die österreichische Vertretung 8:5. '• Spielbeginn in Berlin Carl Zuckmayers „Hauptmapn von Köpenick" war der Auftakt im Deutschen Theater. Ebendort war vor 16 Jahren die Uraufführung. Und der „historische Fall" Hegt rund 40 Jahre zurück. Ein „deutsches Märdien", das sich so fortspdnmt. Müßte es nicht allmählich seine warnende Bedeutung verlieren? Oder müßte uns nicht zumindest das Lachen vergangen sein über diese Eulenspiegelei um den Kadavergehorsam, der eine Welt ins Chaos stürzte? Es ist uns nicht vergangen, — well der Anlaß im Menschlichen, im Dichterischen aufgeht. So vielerlei Menschentum, in lebenskräftigein Strichen entworfen, sammelt sich hier zum Gleichnis! Man ist gespannt und angerührt, man wundert sich, obwohl doch ein jeder die Geschieht* zur Genüge kennt. Und man kann seine Freude an der kunstvollen Verflechtung des Ganzen haben. Freilich darin, in der Sichtbarmachung dieses Vorzugs, waT die Aufführung unter Emst Legais Leitung nicht ganz zureichend. Es gab zu harte Einschnitte zwischen den 15 Bildern. Im einzelnen jedoch Leistungen, die kaum denen der Uraufführung nach stehen. Werner Krauß hatte damals den Schuster Voigt etwas zu sehr mystifiziert. Paul Bildt gibt ihn schlichter, einfältiger. Doch müßte ein bißchen mehr vom Spaßvogel in ihm stecken. M5t vorbildlichem Verzicht auf karikaturistische Wirkung und darum besonders komisch gibt Werner Hinz den geprellten Bürgermeister. Eine Hauptman n-Urauffüfarung! AbeT nicht mehr erscheint sein edles Dichterhaupt. Es Ist auch sonst nicht so wie früher. Man nimmt das letzte Dramenwerk Gerhard Hauptmahns mit kühler Achtung hin. Seine Alterssprache kann nicht zünden. Und doch dürfte noch nicht dag »atzte Wort darüber gesprochen sein. Die beiden Mittelteile der Atriden-Tetralogie, „Agnmemnons Tod" und .Elektra", können nicht für sich allein behandelt werden, sind Gebilde, die nur in der Betrachtung des Gesamt- * »ta« zur Wirkung kommen können. In archaischen Formen wird ein echt Hauptmanneches MM* e b ge wead e M , das der Sdxcksatsgebimden- heit, in der Tat und Leiden zur Einheit werden. „Der heiße bfat’ge Quell quillt weiter", sagt Klytämnestra, nachdem sie ihren Gatten, den sie den Mörder ihres Kindes Iphigenie nennt, gefällt bat. Sia steht, wie alle, unter dem Zwange ihres Seins, handelt in dem halbwachen Bewußtsein dessen, was ihr Bluterbe ist Erst durch den Freitod Iphigeniens („Iphigenie in Delphi") wird das Atridengeschiecht von diesem Getriebensein, aus der unseligen Verstrickung von Schuld und Sühne erlöst. Diese Entwicklung leitet Hauptmann aus den. Urtiefen dies Menschlichen heT — wohl unter dem Eindruck des apokalyptischen Geschehens der letzten Kriegsjahre. Sein Mitleid scheint in Grauen erstarrt, es strömt nicht wie sonst wann in sein Werk über, blüht nur m wenigen Sätzen poetischer Ergriffenheit auf. Doch handelt es sich um eine sehr persönliche und großzügige Fassung der alten Geschichte. Das vielfach absprechende Urteil über die beiden Mitteldramen beruht wohl mehr auf eineT Verwechslung des dichterischen Vorwurfs mit der Unzulänglichkeit der Darstellung . Lfttens Regie in den Kammerspie- len blieb dem Drama so gut wie alles schuldig, was das Theater ihm zu geben verpflichtet war. Die Bühne blieb vom Anfang bis zum Ende in lähmendes Dunkel gehüllt. Mangelnde Sprechkunst machte den Text nur halb verständlich. Nut Gerda Müller und Eduard von Winterstein kamen den Absichten des Dichters nahe. Ein schwarzes Blatt in der Geschichte einer Bühne, deren Name einmal höchsten Stand deutscher Theaterkunst bezeichnet«. Verwandelte Antike, dialektische Analyse, um nicht zu sagen Atomzertiümmerung ehrwürdigen UTStoffes: so weit treibt e* A n o u i 1 h in seinem „Eurydike"-Drema, das nun nach vielen Aufführungen im „Reich" jetzt auch im Hebbel-Theater zu sehen ist Was tauscht. er für des Schaden ein? Ein Gleichnis, das nm näherstünde? Die Geschichte einer hoffnungslos im Banalen endigende n Liebe in symbolischer Verbrämung. Kein Mensch würde an die Orpheus-Sage denken, wenn nicht die Namen daran erinnerten. Auch eine respektable Aufführung mit Bettina Moissi und Pool Edwin Roth in den Hauptrollen konnte uns nicht über die Unfruchtbarkeit des modischen Experiments täuschen. Wie viel näher steht uns die originale Komödie vom „Reisenden ohne Gepäck", die Anouilh als Dichter legitimiert I Wir lernten sie nun auch in der Ursprache kennen, gelegentlich eine« französischen Gastspiels unter Pitoeffs Leitung im Hebbel-Theater. Die Aufführung, flüssiger, spielerischer, klungender, doch kaum wesensreicher als die deutsche, gab zu interessanten Vergleichen Anlaß. Die Tribüne Viktor de Kowas, die so lange nichts als schalen Unterhaltungsanfguß brachte, läßt nun endlich höheren Ehrgeiz erkennen. Er knüpft sich an einen verpflichtenden Namen, Jean Cocteau, dessen Schauspiel „Dies« Eltern!" freilich kaum die viele gute Mühe lohnte. Cocteau hatte es auf die „Verworfenheit des dekadenten Bürgertums" abgesehen. Wir sind vielleicht über Wedekind hinaus, gewiß aber über ein Epigonentum, das ihm nach- effert. Was gehen uns heute noch die erotischen Perversitäten, die Vertracktheiten einer in Unordnung geratenen „guten“ Familie an? Unsere Probleme liegen auf ganz anderer Ebene Das Stück hat immerhin die Meriten wirkungssicheren Theaterhandwefks. Und hat dankbare Rollen. Roma Bahn gibt ein klinisches Meisterstück mit der Darstellung einer in ihren Sohn krankhaft verliebten Mutter. Auch Alexander Engel, Günther Güssefeldt, Gisela Trowe nnd Karin Evans (die einzige von keinem Komplex behaftete Figur des Stückes) sind mit ihrer gepflegten Schauspielkunst ein Trost für den unerquicklichen Abend In der Problemstellung zeitgemäßer, aber weitaus unbedeutender in der Psychologie und in der Faktur, die der eines Filmreißers gteichkommt, ist ein Stück von Armand Salacron, „Vertauschte Welten". Es ergibt sich darin die groteske Situation, daß zwei junge Menschen, die beide das gleiche Mädchen lieben, ihre sozialen Stellungen vertauschen müssen, denn es stellt sich heraus, daß sie einst in der Entbindungsanstalt verwechselt wurden ,.. Die Aufführung im Sdsffbouerdamm- Theeter Stand auf der Höbe des Stückes. Florian Kienzl Schriftsteller-Kongreß in Berlin Zahlreiche deutsche und ausländische Schriftsteller kamen in Berlin zu einem Kongreß zusammen, auf dem es manchmal heiß herging. Zuletzt kam eine bemerkenswerte Entschließung zu werden, bedarf es der äußersten Anstrengung zu werden bedarf es der äußersten Anstrengung der heiligsten Verpflichtung gegenüber dem Worte, deT unerbittlichen Suche nach Wahrheit, des ständigen Bewußtseins unserer Verantwortung und der erzieherischen Aufgabe, die alles Geschriebene in sich birgt. Es seien schon wieder Kräfte am Werk, die den B egriff „Deutschland" aus Geographie und Geschichte auslöschen wollen." — Nicht allein ein politisches und wirf, schafthehes Auseinanderrücken der Besatzungs- Zonen sei festzustellen, sondern auch auf den Gebieten des Denkens und der Weltbetrachtung sei es, als triebe eine Sprengkraft die Menschen dieser Zonen auseinander. Es ist unser Wunsch, unseren Beitrag zu einer Aussöhnung zwischen Ost und West zu leisten. Wenn wir uns zu Deutschland als unserer unvergänglichen Heimat bekennen, so sprechen wir nicht im Sinne eines erneuertem engen Nationalismus. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Kultur und Menschenwürde sich nur unter einem demokratischen Regime, das die Freiheit der Persönlichkeit garantiert, entfalten können und darum geloben wir, daß Deutschland unser Gewissen sein soll Wir werden tun, was uns irgend möglich ist, um das Bewußtsein dieses ewigen Bestandes zu stärken und zu erhalten, wir werden in unseren Werken und in unserem Wirken dafür eintreten " — Brailsford (England) bezeichtrete es als eine Verpflichtung der englischen Schriftsteller, den StacheldTaht, der das deutsche Volk umgibt, aus der Welt zu schaffen. Die britische Intelligenz weiß, sagte der greise Redner, „daß kein Frieden sein kann ohne ein freies, demokratisches, geehrtes Deutschland" Der amerikanische Schriftsteller Campet Fester bezeichnete den Kongreß als hervorragendes Beispiel freier Meinungsäußerung. In längeren Ausführungen bekannte sich der sowjetische Schriftsteller Gorbatow zur Interna- tionaütät aller Kultur und alles geistigen Schaffens. Die Sache der deutschen Literatur wollte er als alleinige Angelegenheit der deutschen Schriftsteller angesehen wissen. Di« Freie Volksbühne, die jetzt allein für die drei westlichen Zonen Berlins gegründet wurdet hat die amerikanische, die britische und die französische Lizenz erhalten. KULTUR UND LEBEN Aufgabe der Volkshochschule. Prof. Adolf Grimme, der Unterrichtsminister Niedersachsens, äußerte sich bei der Gründungsfeier des Landesverbandes der Volkshochschulen NiedeTsachsens über die Aufgabe der Volkshochschule. Er sagte: Erwachsenenbildung sei eine Angelegenheit der öffentlichen Hand. Programm und Ziel sei die demokratische Ordnung. Eine bloß formale Demokratie biete keinen Schutz vor der Wiederkehr eines Hitler Es gehe um den Menschen und um die Form seines gesellschaftlichen Lebens. Die Erwachsenenbildung und damit die Volkshochschule sei kein Wohlfahrtsuntemehmen und kein Steckenpferd für Lehrer, sondern aus den Volkshochschulen müsse die Wiedergeburt des Humanismus in der Gegenwart erfolgen. Die Arbeit an den Volkshochschulen erfordere echte Lehrer und Pädagogen Er glaube, so schloß deT Minister, an die Fähigkeit des deutschen Volkes zur geistigen Wiedergeburt Verleger- Treffen. Zweihundert deutsche Verleger aus der britischen Zone trafen sich in Hannover mit Vertreten} englischer Verlagshäuser, um die Wiederbelebung des deutschen Buchhandels und die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen dem englischen und deutschen Buchhandel zu besprechen. Anno 1848 im Film. Die Revolution von 1848 ist der Stoff eines Manuskripts für einen Film, an dem gegenwärtig Zuckmayer und Käut- ner arbeiten Dieser Film soll „Anno 1846" benannt werden Vom Basler Konservatorium. Zum neuen Direktor des Basler Konservatoriums wurde der bekannte Schweizer Musikpädagoge Walter Müller von Kulm ernannt Marlene Dietrich - Sauerkraut Marien» Dietrich erhielt folgenden Brief: „Ich bin ein heißer Bewunderer Ihrer Kunst Um diesem Gefühl Ausdruck zu geben, möchte ich meine Sauerkraut-Fabrik mit Ihrem Namen benennen. Ich bin überzeugt, das Publikum wird „Marlene Dietrich-Sauerkraut" mit Heißhunger verschlingen. Wenn ich innerhalb von zehn Tagen keine Antwort erhalte, so nehme ich an, daß Sia meinen Vorschlag billigen". — Marterte Dietrich lehnte ab, als Sauerkrautreklama zu dienen. Es muß in Amerika gewesen sein, denn hierzulande läßt jnan sich Sauerkraut auch ohna Mariane schmecken. »tatetafc 14. Oktober 1947 HEIMAT KURIER Nr. 80 / Seite 3 BaOifche UnOeechronih Liebesgaben auo öeutfchen Guthaben Der Versand von Liebesgaben nach Deutschland ist durch eine Regelung, wonach die in der Schweiz befindlichen Guthaben von Deutschen für diesen Zweck in Anspruch genommen werden können, bedeutend erleichtert worden. Die Schweizerische Verrechnungsstelle in Zürich, Talstraße 62, kann von den im Zusammenhang mit der Devisenbewirtschaftung gesperrten Konten auf Antrag hin für Deutsche in Deutschland 150 schweizerische Franken und für gebürtige Schweizerinnen 250 Franken pro Vierteljahr für Liebesgabensendungen freigeben. In dem Antrag an die Verrechnungsstelle ist die Bank anzugeben, bei der das Guthaben geführt wird. Neues Kleingeld wird ausgegeben a. Wie bereits mitgeteilt, ist vom Kontrollrat die Prägung von Fünf- und Zehnpfennigstücken angeordnet worden, um der derzeitigen Knappheit an Hartgeld zu begegnen. Da diese Maßnahme erst in absehbarer Zeit ausgeführt werden kann, sind die Länder der französischen Zone bevollmächtigt worden, Fünf- und ■ Zehn-Pfennigstücke herauszugeben. Möglicherweise werden außerdem noch 25- und 50-Pfennigscheine herausgegeben. Dieses provisorische Geld, das von Anfang November an in den Umlauf kommen wird, hat amtliche Zahlkraft in der gesamten französischen Zone, mit Ausnahme des Saarlandes; es steht den alten Scheidemünzen des Reiches an Wert gleich. Gleichzeitig mit der Ausgabe dieses Kleingeldes wird eine dem Wert entsprechende Summe von Banknoten blockiert oder vernichtet werden. Meisterwerkstätten auf Schloß Meersburg Zu unserer Veröffentlichung über die Freiburger Ausstellung des Verbandes südwestdeutscher Kunsthandwerker ersuchen uns die „Meisterwerkstätten auf Schloß Meers- burg" um einen Hinweis, daß die Meisterwerkstätten bei der Freiburger Ausstellung nicht vertreten sind, da sie dem genannten Verband nicht angehören Die Meisterwerk- stätten auf Schloß Meersburg werden demnächst mit einer eigenen Ausstellung ihrer Erzeugnisse vor die Oeffentlichkeit treten. Toni Rothmund 70 Jahre alt Obgleich sie in Schleswig-Holstein geboren wurde, ist Toni Rothmund, die in Karlsruhe neulich ihr 70. Lebensjahr vollendete, eine badische Dichterin. Seit ihrem neunten Lebensjahr wurde iht das Badner- land zur Heimat. Schwarzwald und Baar, Basel, der Hochrhein und der Bodensee sind die Schauplätze der meisten ihrer Erzählungen und Romane, von denen besonders genannt seien „Die Totbeterin”, „Das Haus zum kleinen Sündefall”. „Der verlorene Kranz" „Der unsichtbare Dom”, sowie der Mesmerroman .Genie oder Charlatan?” Erster südwestdeutscher Intemlstenkongreß Am 24. und 25. Oktober findet in Karlsruhe der erste südwestdeut- sche Intemistenkongreß statt, zu dem etwa 600 Teilnehmer erwartet werden. Den Vorsitz führt Professor Franz Volhard-Frank- furt a. M. Im Mittelpunkt der Tagung stehen Vorträge über Herzkrankheiten und Tnerapie innerer Krankheiten. Französische Bilderkunst in Baden-Baden Die Direction de lTnformation der französischen Militärregierung zeigt in der ersten Oktoberhälfte in Baden-Baden eine Ausstellung unter dem Titel „Französische Bilderkunst”, die mit deutschem Kunstgewerbe Acht Quadratmeter für feche Menfchen Wir haben einmal zusammen mit der Kreisdelegierten des Badischen Hilfsweikes, Frau Diehr, die Flüchtlingsunterkünfte in zehn Gemeinden des Kreises Stockach besucht. Was wir an diesem Tage sahen, war nicht sehr erfreulich. Die Unterbringung der allermeisten Dänemark-Heimkehrer ist mehr als mangelhaft Abgesehen von einigen vorbildlichen Gemeinden, deren Bürgermeister sich für- eorgend um die völlig mittellosen Neubürger annahmen, war größtenteils überhaupt nichts vorbereitet, obwohl die Flüchtlinge schon monatelang vorher angemeldet waren. In der ersten Ortschaft lag ein Teil der vor acht Tagen Angekommenen immer noch auf dem Fußboden eines leerstehenden Raumes im Rathaus, obwohl in den Bauernhöfen ringsum genügend Platz wäre. Ueber- haupt machten wir die Feststellung, daß die Flüchtlinge meistens in die kleinsten, ärmsten Häuschen gepfropft wurden. Da fehlt dann aber auch alles Kein Schrank, nur wacklige Stühle und baufällige Tische, kein Licht, kein Herd. Die sechsköpfige Familie kann eich in dem 7—8 Quadratmeter großen Zimmerchen kaum rühren. Die meisten leben „aus dem Koffer", da sie nicht einmal ihre wenigen Habseligkeiten ordentlich unterbringen können. An Geschirr fehlt es überall. „Wenn wir einen Kochtopf wollen, müssen wir erst in die 40 km entfernte Kreisstadt fahren, dort einen Antrag holen, diesen vom einheimischen Bürgermeister befürworten lassen, ilm dann zum zweitenmal die Reise nach Stockach anzutreten." In verschiedenen „Wohnungen" sind die Fensterscheiben durch Pappkartons ersetzt, an den Türen fehlen die Schlösser, Wind und Regen haben „freien Zutritt". Am schlimmsten aber steht e6 um die Betten. Hier wäre es an den einzelnen Gemeindeverwaltungen, dafür zu Sorgen, daß wenigstens Bettgestelle | herbeigeschafft oder angefertigt werden. In einer einzigen Gemeinde sind die Flüchtlinge im Besitz von Federdecken, allgemein sind nicht einmal genügend Wolldecken vorhanden. Wenn hier vor Eintritt des Winters nicht abgeholfen werden kann, sind schwerste gesundheitliche Schäden unausbleiblich. Auch das Verhältnis zwischen Einheimischen und Flüchtlingen läßt viel zu wünschen übrig. Ein alter Heubexgbauer weigerte sich, in seinem stattlichen Hof, den er mit seiner Schwester allein bewohnt. Leute aufzunehmen. An einem andern Ort suchte sich eine Frau durch die freche Lüge, das Zimmer sei von der Besatzungsmacht beschlagnahmt (I) die ihr unerwünschten Flüchtlinge femzuhalten Die Menschen vom Ostseestrand, die ohne Schuld ihr ganzes Hab und Gut verloren haben nud über zwei Jahre hinter Stacheldraht leben mußten, sind arg enttäuscht von der Aufnahme in unserer Heimat, jjie doch auch ihre Heimat ist Die Stimmung unter den -Vertriebenen läßt sich kurz zusammenfassen in der stillen Anklage einer weinenden Flüchtlingsfrau, die wir in ihrer kleinen dunklen Behausung aufsuchten: „So sonnenlos wie dieses Zimmer, so sonnenlos ist auch unsere Zukunft". Zi. Jugendliche Ausreißer Karlsruhe. Auf dem Karlsruher Hauptbahnhof wurden zwei 12(jähri.ge Jungen aus Berlin und Leipzig aufgegriffen, die aus Kinderheimen entwichen waren und sich bettelnd durch Deutschland schlugen. Sie waren, als sie verhaftet wurden, gerade im Begriff, nach München weiterzufahren. Als Fahrkarten benutzten sie Bahnsteigkarten; die Nächte verbrachten sie auf Bahnhöfen oder bei Bauern. zu vergleichen ist. Diese Bewegung erstrebt eine Durchdringung des Alltags mit künstlerischem Schönheitssinn. So bringt die Ausstellung, die in ähnlicher Form schon in Saarbrücken und Trier zu sehen war, äußerst geschmackvollen dekorativen Wohnungs- Schmuck und form- und farb6äter des Deutschen Reiches brachten schließlich eine einheitliche Gewerbegesetzgebung auf liberaler Basis. Es ist nur natürlich, daß die Einführung der neuen Ordnung in ihrem Anfangsstadium übers Ziel hinausschoß. Ein kapitalkräftiger Industrieller konnte sich völlig ungehindert durch Anlage neuer Werke, Beschaffung neuer Maschinen und Ankauf mehrerer Unternehmen eine Monopolstellung schaffen. Das „freie Spiel der Kräfte“ mußte zunächst zu einer Ausschaltung der kapitalarmen Arbeiter und Handwerker führen. Hier war es denn das Verdienst der politischen Parteien und der Gewerkschaften, das Interesse deä kleinen Mannes vertreten zu haben, so daß die anfänglichen Auswüchse bald nachließen. S. v. W. ShanOinamfche Geroerhfchaftler ln Helöelbcrg Im Anschluß an den Kongreß des würt- tembergisch-badischen Gewerkschaftsbundes in Stuttgart-Kornwestheim war eine Delegation von skandinavischen Gewerkschaftsführern, Dänen und Schweden, nach Heidelberg gekommen. Bürgermeister Bauer, selbst ein alter Vorkämpfer des Gewerkschaftsbundes, begrüßte die ausländischen Gäste und gab dem Wunsch Ausdruck, daß der skandinavischen Gruppe viele andere Kollegen aus den Reihen der ausländischen Gewerkschaften folgen möchten, um die Verbindung mit den deutschen Gewerkschaften zu festigen Gewerkschaftsführer Adolf Engelhardt wies hierauf auf die schweren Sorgen der Arbeiterschaft in Heidelberg hin, die infolge der Stromeinsparungen nur an zwei bis drei Tagen in der Woche arbeiten könne. Er betonte, daß die Arbeiterschaft Heidelbergs wie die aller anderen deutschen Städte dankbar sei für die Hilfe ihrer ausländischen Bruderorganisationen, und appellierte'an alle Gewerkschaftsführer im Ausland, Freunde des deutschen Arbeiters zu bleiben, damit dieser die Hoffnung haben dürfe, daß es wieder aufwärts gehe. Namens der ausländischen Gäste dankte der dänische Gewerkschaftsdelegierte und Vorsitzende des dänischen Tabakverbandes, Dirk Nak, für die Einladung nach Heidelberg. Weiter bemerkte er, es komme jetzt darauf an, ein neues einiges und gesundes Deutschland zu schaffen, denn ohne ein gesundes Deutschland könne es kein gesundes Europa geben. Die Wirtschaft der nordischen Länder sei abhängig von Deutschland, und es sei notwendig, daß Arbeit und Arbeiterschaft in Deutschland wieder hochkämen, damit der politische Einfluß der Gewerkschaften gesichert bleibe. In seinem Schlußwort bat Bürgermeister Bauer die Gäste nochmals, als Fürsprecher für den deutschen Arbeiter in der Welt zu wirken. —nn— SüOroeftOeutfchc Umfchau Tübingen. Auf der Buirg Hohenzofflern wurde das neue Freizeit- und Rust zeitheim für die Jugend, für Flüchtlinge und Einheimisdie des Hilfswerks der Evangelischen Landeskirche in Württemberg eingeweiht. Zu der Feier waren Lan- desbischof Wurm, Staatspräsident Bode, die .Minister Wildenmuth und Wirsdung und Oberst Courtods, der Kreisgouverneur vom Bedungen, erschienen. Oberkirchenrat Pressei begrüßte im Namen des Evangelischen Hilfswerks die Gäste und sprach über die Bedeutung dieses Heimes, in dem den Menschen liebe und neuer Lebenswille geschenkt werden soll, die durch dien Krieg in Not und Elend geraten sind. Dem Hause Bo- henzoUem wie auch dem Fürsten von Sigmaiin- gen, die die Burg für die Zwecke des Evangelischen Hilfswerks zur Verfügung gestellt haben, sagte der Oberkirchenrat Dank. Seinen Dank sprach auch Landiesbischof Wurm aus. Tübingen. Das Innenministerium von Siidwürt- temberg, Abteilung Gesundheitswesen, beginnt letzt angesichts der immer weiter um sich greifenden Tuberkuloseerkrankungen mit Röntgenreihenuntersuchungen der gesamten Bevölkerung des Landes. Diese Aktion wind ermöglicht durch die Verfügungstel'lung eines Röntgenschinnbild- geräts von seiten des Schweizer Roten Kreuzes. Die Durchleuchtungen beginnen in Tübingen und wenden anschließend in Calw, Freudenstadt, Münstogen usw. fortgeführt. Friedrichshaien. Dr. Josef Eberle, der in der Reinachmühle im benachbarten Ailingen vor 63 Jahren geboren wurde, ist in Salzburg gestorben. Als Herausgeber der Zeitschrift „Schönere Zukunft" und als Leiter der Wochenschrift „Das neue Reich" hat er sich besonders als religiöser Publizist in Wien einen Namen gemacht Im Dritten Reich war seine Kirchen- und Kulturpolitik stark angefeindet, sodäß er u. a. eine fast einjährige Gefängnisstrafe verbüßen mußte. Tübingen. Ab 13. Oktober wird der Staats- kommissar für die politische Säuberung, Traber, in den einzelnen Kreisen des Landes Württem- berg/Hohenzoltem die Untersuchungsausschüsse zusammenstellen, die die vorbereitenden Arbeiten für die Spruchkannnerverfahren durchzufüh- ren haben Technische Schwierigkeiten sind die Ursache, weshalb die Spruchkammern Ihre Tätigkeit noch nicht aufnehmen konnten. Mitte oder Ende Oktober finden die ersten Verhandlungen statt. Koblenz. In Maria Laach trafen sich junge Leute aller Berufe aus Frankreich, Belgien und Deutschland auf Veranlassung des Kulturkreises „Junges Europa". Es wurde über das Band einer großen gemeinsamen Kultur, das Erbe der Amüke und des Christentums diskutiert. Ferner wurde sich über Wege und Ziele einer gemeinsamen Jugendarbeit ausgesprochen Bad Kreuznach. Die im Bau befindliche Wilhelms-Brücke, ein wichtiges Verbindungsglied des Fernverkehrs zwischen Mainz und Saaibrük- ken, sieht ihrer Vollendung entgegen. — Am Petersberg bei Odemheim wurden kürzlich Ausgrabungen durch Studenten der Mainzer Universität vorgenommen, deren Ergebnisse ein neues Licht auf den Wormser Kunst- und Kulturkreis werfen. Späte Mittelrheinreife Wer sich ein wenig Phantasie bewahrt hat, kann, sich in die herbstliche Rheinlandschaft einige Bilder hineinkomponieren: von Winzerfesten mit Festzügen, Gott Bacchus, der alte Saufaus mit lockigem Haupthaar auf einem Fuderfaß thronend, von Rheinterrassen mit fröhlichen Zechern. Der Rahmen für diese Bilder ist geblieben. Die Bilder aber fehlen. Diskret ist zwar hier und in den größeren Weinorten im Lokalteil der Zeitungen ein Winzerfest angezeigt, aber nur für den Hausgebrauch. Man möchte (und muß) unter sich bleiben. Nur für die Einheimischen ist — gegen Abstempelung der Lebensmittelkarte — eine Flasche freigegeben. Fremde, um die man früher warb und denen man mehr oder weniger attraktive Weinbrunnen auf den Marktplätzen baute, sind unerwünscht. Jene Tropfen „des blonden Gottes im gläsernen Tabernakel” sind nicht mehr opportun. Es sind stichhaltige Gründe, die die Flasche Wein zum bestimmenden Währungsfaktor gemacht haben, denn auch das Winzervölkchen Ist zum vorkapitalistischen Zeitalter, zum Tausch, zurückgekehrt. Wie es anderwärts heißt: der Bauer hat alles, so heißt es hier: der Winzer hat alles. Sie werden im kommenden Winter nicht hungern und frieren; nein, auch nicht frieren. Abends gehen die Rheinschlepper hier vor Anker! Sie haben das in ihren Bäuchen, was ein großer Staatsmann jüngst den Kulminationspunkt Europas genannt hat, nämlich Ruhrkohle. Das verstohlene Hin- und Herschleppen von Säcken durch die Gassen der Rheindörfchen im Abenddämmerscheine könnte man Heinzelmännchens Kohlenparade nennen. Diesmal weiß es auch die Loreley, was es bedeutet. Es wird ein schlimmer Winter werden, denn die Hungerfelsen in der Nähe der Loreley sind jetat, im späten Oktober, immer noch zu sehen, so tief liegt nämlich der Wasserspiegel. Der Pegelstand des Rheines ist noch immer beängstigend, nicht nur für die schweren Radkästen, auf denen „Hugo Stinnes”, „Raab u. Karcher”, „Ha- niel" und so ähnlich klassische Namen stehen, und an deren Bug säuberlich der Union Jack auf gemalt ist. Bis zum späten Vormittag füllt das diesige Graii des Morgennebels das Forum des Rheintales. Die Höhen des Wester- Waldes, der Eifel, des Hunsrücks und des Taunus sind von herbstlichem Braun paspeliert. Und nur das Laub der Weinberge, in denen sie mit der Weinlese begonnen haben, ist noch überraschend grün. Daß sie 80 bis 85, ja in manchen Lagen bereits 90*und gar 100 Grad Oechsle (Zuckergehalt der Trauben) gemessen haben, erfüllt sie mit heimlicher Freude, trotz der Tatsache der Weinblockade. Ueber dem Rheingau thront das Nie- -derwalddenkmal, Erinnerung an die re- präsentations- und demonstrationsbedürftige Kaiserzeit. Vom Gerücht, das Denkmal werde gesprengt, verlautet nichts mehr. So kann sich denn Mutter Germania beim Anblick der Trümmer von Bingen und Bingerbrück weiterhin Gedanken über den Lauf der Welt machen und überdenken, wie alles gekommen ist und welche Schlüsse sie ziehen könnte... Wer keine Schlüsse mehr ziehen kann, -das ist der alte Kaiser Wilhelm, der genau ein halbes Jahrhundert am Deutschen Eck in Koblenz auf seinem Gaul geritten war. Vor einem Jahr hat man ihn, den amerikanische Artillerie von seinem Granitsockel herunterschoß, abmontiert, nachdem er lange Zeit kopfüber von seinem Podest herunterhing. Und es war wohl etwas mehr als das Faktum des toten Kaisers, das da kopfüber lange Zeit nach unten hing. Damals wurde er abgeschweißt und an einen JRtmaterialien- händler verkauft, der ihn nun in diesen Wochen, wie man mit einem wehmütigen Herbftllches Welnlanö Von Max Bittridi Verhüllte Uhren hallen; Du weißt nicht, wo sie sind. Verborgene Wogen fallen, Weißt nicht, wo eine rinnt. Doch auf schnaubenden Rossen Sprengt als kecker Fant Höhenlichtumflossen Sonnenherbst ins Land. Alle Schleier reißt er Von den Gipfeln mit, Deinem Dasein weist er Wieder leichtern Schritt. Schwellende Reben taucht er In den warmen Schein, Und ihr Leben haucht er Tiefen Kellern ein. Aber morgen klopfen Sie ans dunkle Tor, Jeder goldne Tropfen Drängt zum Licht empor. Nach der bänglichen Stunde Scheuchen sie grauen Dunst — Eine uns ihrem Bunde, Alte Gottesgunst! Unterton erfuhr, in nördliche Breiten kompensierte. Das Pietätsgefühl, sagte man, sei etwas ramponiert. Aber der alte Mann hätte es jetzt gut. Wer von Mainz einen Abstecher nach Wiesbaden machen will, muß einen Passierschein in der Tasche haben. Mainz ist eine Stadt, durch die die Zonengrenze mitten hindurch geht. Die rechtsrheinischen Vororte Kastei, Kostheim, Gustavsburg (mit den MAN-Werken), Amöneburg (Portland-Zement und Kali) und Bischofsheim (großer Umschlagbahnhof) gehören zum Leidwesen der Mainzer zur amerikanischen Zone. Sie werden von der Mainz gegenüberliegenden Stadt Wiesbaden als erfreuliche Beigabe betrachtet, zumal der Steuern wegen. Wer von Wiesbaden spricht, Hessens Landeshauptstadt, muß von der berühmten Wilhelmstraße sprechen. Sie bietet ein wildbuntes Bild mit einer Nuance Klein-Washington und einer Nuance von abgestorbener großer Welt. Die Zahl der blitzenden, lackierten Achtzylinder ist groß. Und die letzten Vertreter des mehr oder weniger enterbten Großbürgertums, der Aristokratie und der Großindustrie, die hier auf ihren Pensionen, Renten und Vermögen sitzen, wirken gespenstisch, erschütternd und lächerlich zugleich. Weit mehr als 100 Millionäre waren einst der Grundstock für die städtischen Finanzen Wiesbadens. Die Erinnerung an die ruhmreiche Vergangenheit w r ahrt heute nur noch der Name der Stadt und ein paar durch die Kurparks schleichende uralte chevalereske Herren, groteske Schatten ihrer selbst, die nur noch ad hoc, für den Tod nämlich, leben. Es muß gesagt werden, daß sich der Kurbetrieb, wie die Kur- und Bäderverwaltung resigniert mitteilt, „zunächst noch in kleinem Rahmen vollzieht, da die infolge Bombeneinwirkung pp. nicht beschädigten Hotels und Pensionen z. Zt. beschlagnahmt sind”. So ist es denn mit Wiesbadens „uralter Heilkraft und ewig«- • junger Schönheit” schon so eine Sache. Die Trümmer pp. sind nicht zu übersehen. Und die Natur, die momentan Herbsttermin in den Kuranlagen hält, tut ein übriges, alles mit einem leichten melancholi-' sehen Schleier zu überziehen. Da hilft auch nicht die Betriebsamkeit einer Landeshauptstadt. Einen Seitensnrung nach Eltville, Hattenheim, Geisenheim, Büdesheim und Aßmannshausen, nach Schloß Johannisberg, Hallgarten, Kloster Eberbach und Rauenthal wollen wir niemanden zumuten, da er gewissermaßen zwecklos ist. Aber der Hinweis auf die Zonengrenzstationen Lorch und Kaub wäre vielleicht noch angebracht, wo eine inquisitorische Visitation durch die Polizei für etwas Abwechslung sorgt. Natürlich durch deutsche Polizei, wie denn auch! Gäbe es auf diesem Erdenrund eine zuverlässigere Polizei als die deutsche? WalterHenkels Aus dem HodudraUeben Die Universität Freiburg hat für da* Wintersemester 1947/48 noch mehr Studenten als im vorigen Sommersemester zugelassen. JJm sie alle unterbringen zu können, werden alle Freiburger Studentenbuden doppelt, ja sogar drei- und vierfach belegt, wo Schlafgelegenheiten beschafft und aufgestellt werden können. Zum ordentlichen Professor für Kirchen- recht in der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg wurde der planmäßige a.o. Prof. Dr. Theodor Gottlob ernannt Seit Januar 1940 wirkt er in Freiburg zur .Vertretung des Lehrstuhls für PCirchenredit. Professor Gottlobs wissenschaftliche Arbeiten erstrecken sich sowohl auf die systematischen wie historischen Gebieten seines Faches, u. a. hat er Forschungen zur Geschichte des abendländischen Chorepiskopates und über das Staatskirchentum veröffentlicht. Der Leiter des selbständigen Fraunhofer- Instituts für Sonnenphysik in Freiburg mit seinen beiden Observatorien auf dem Schauinsland bei Freiburg und dem Wendelstein in den Allgäuer Alpen, Dr. K. O. Kiepenheuer, wurde von der Universität Ghikago eingeladen, für ein Jahr eine Gastprofessur zu übernehmen. Dr. Kiepenheuer wird dieser Einladung demnächst Folge leisten und während seiner Abwesenheit von Dr. Krüger vom Astrophysikaliechen Institut Potsdam vertreten. Der Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Mainz, I*rof. Dr. August Reatz, wurde von Papst Pdus XII. zum päpstlichen Haueprälaten ernannt Seite 4 I Nr. 80 SÜDKURIER Dienstag. 14. Oktober 1947 Export und Produktion in Südwürttemberg Wiitscbaftsminister Wildermuth gab auf einer Pressekonferenz ein Bild der wirtschaftlichen Lage Württemberg/Hohenzollems. Nachdem im Sommer 1946 ein Höchststand im der Produktion von 30 Prozent der möglichem Kapazität erreicht wurde, kam im vergangenen Winter ein Rückschlag. Im März, April und Mai dieses Jahres hat die Produktion wieder angezogen und seitdem schwankt sie um die bisher erreichte Höchstgrenze. Das Gesamtbild ist eher schlechter als besser geworden. Die Vorräte sind vollends verbraucht. Der Grund für diese Lage ist der Mangel an Kohle. Man muß froh sein, 30 000 t hereinzubekommen. Auch Stahl und Eisen sind nur unregelmäßig greifbar. Dazu kommt das stete Absinken der Arbeitsleistung, die unrationelle Betriebstechnik, geringer Ar- bedtsamreiz infolge der ungelösten Währungsfrage und der dauernde Schwund der Produktion durch Strommangel, Rohstoffmangel usw. Auch die Schwierigkeiten im Transportwesen tragen ihr Teil dazu bei. Große Sorgen bereitet auch der Export, der sich im wesentlichen, der deutschen Kontrolle entzieht. 75 Prozent davon gehen nach Frankreich, 25 */• in andere Länder. Bereits heute findet nicht mehr jede Ware auf dem Weltmarkt ihren Käufer. Noch vot Monaten waren die Kunden weniger wählerisch. Die an sich schlechte Versorgung mit Ver- brauchsgütem ist in diesem Jahre besser geworden. 400 000 Paar Schuhe, darunter allerdings etwa die Hälfte Behelfsscbuhwerk, konnte an die Zivilbevölkerung, ausschließlich an Landwirte und Arbeiter ausgegeben werden. Auch die Textilbelieferung stieg im ersten Halbjahr 1947 pro Kopf und Monet auf 15 gr. Im weiten Halbjahr 1947 sollen zwischen 15 und 30 Gramm verteilt werden. Zur Frage der Maschinenentnahme sagte der Minister, daß die neuerliche Ablieferung von 2500 Maschinen so gehandhabt worden ist, daß deT Produktionsvorgang nicht gestört wurde. Die Unsicherheit über die Demontage verschiedener Werke — sogenannter A-Betriebe — lastet allerdings noch schwer auf der württembergdschen Wirtschaft. Demontagen weiter im Blickfeld Die Ministerpräsidenten der britischen Zone richteten auf einer Konferenz in Düsseldorf einen „letzten Notruf" zur Demontagefrage an die Siegerstaaten, die aufgefoidert werden, dem deutschen Volk ein ausreichendes Industriepotential mit Sicherung der entsprechenden Exportmöglichkeiten zu lassen. In einem Brief an die Konferenz der Ministerpräsidenten fordert die Belegschaft der Kruppwerke die Verweigerung jeder Mithilfe an der Demontage von Friedenswerkstätten. Die Belegschaft lehne es ab, so heißt es in dem Brief, wirtschaftliche Selbstmörder zu sein und man erwarte diese Ablehnung auch von den Ministerpräsidenten — Inzwischen hat sich die Belegschaft der Holmagwerke zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit erklärt, da die Verhandlungen zwischen deT Militärregierung und deutschen Stellen zu dem Ergebnis kamen, daß die Demontage in einem neu vereinbarten Maßstab durchgeführt werden soll, der die Erhaltung der Werkzeuge, Fertigprodukte und der Rohstoffe vorsieht und die Schaffung eines neuen Unternehmens ermöglicht In Heesen werden nach Mitteilung der Militär, regle rung 50—55 Unternehmen unter die Demontagebestimmungen fallen. Vorausssichtlich werden nun auch chemische Fabriken, Maschinen- und Metallwerke abgebaut werden Der Wert der bisherigen Demontagen wird in Hessen auf 13,4 Millionen Reichsmark geschätzt — Das „Leitrefe- xenitamt Maschinenbau“ des Wirtschaftsmindste- riums von Nordrheie-Westfalen empfiehlt den' von Reparationen betroffenen Betrieben Unterlagen über Typ, Anschaffungswert und gegenwärtigen Wert -demontier ter Maschinen zu beschaffen, um zu gegebener Zeit Schadenersatzansprüche begründen zu können Furcht vor britischer Exportoffensive Wirtschaftsfachleute der amerikanischen Militärregierung in Deutschland befürchten, daß die geplante britische Exportoffensive durch Ueber- schwemmung der Weltmärkte mit britischen Gütern den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft erheblich verzögern wird Andere europäische Staaten könnten die bisherigen Exportmächte von Deutschland versorgen und gleichzeitig Einfuhrbeschränkungen erlassen, die sich als Hindernis für die deutsche Industrie zeigen würden. Amerikanische Geschäftsleute, die Tocbteirgeselilschaf. ten in Deutschland besitzen, befürchten, daß diese nur für den deutschen Markt ohne bevisenge- wirme arbeiten könnten. Sie werden daher vox altem auf den Ausbau ibreT Unternehmen in Großbritannien Wert legen. Luftverkehr Berlin—Amsterdam Die holländische Luftverkehrsgesellschaft KLM eröffnet» am 12. 10. 1947 eine Planflugstrecke nach Berlin. Es ist dies die erste Luftvericehrs- strecke über Deutschland nach Berlin, die nicht von einer Besatzumgsmacht betrieben wird. Frankreichs Weinerzeugung sänkt Frankreich hat mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 55,6 Mill. bl gegen nur 38,1 Mill. hl in Italien und nur 19,5 Mill. hl in Spanien unter den weinproduzierenden Ländern immer den ersten Platz eingenommen. Doch ist der französische Weinexport seit der Jahrhundertwende stark zurückgegangen. Da der einheimische Verbrauch nahezu die gesamte Erzeugung aufnahm, war Frankreich nicht auf ausländische Abnehmer angewiesen. Wie die „Neue Züricher Zeitung“ berichtet, legt ^paufcredch, heute, um sich die so rar gewordenen Devisen zu beschaffen, großen Wert darauf, seinen Weinexport neu zu entwickeln. Die Wiedereroberung der vernachlässigten Exportmärkte erweist sich jedoch als Techt sdiwierig. Der Wein gilt heute in vielen Ländern als Luxusartikel, andere wieder, wie die USA, haben inzwischen eine eigene Produktion entwickelt. Außerdem kam es bereits wiederholt zu Klagen über cjje Qualität der neu ausgeführten französischen Weine. Auf deT anderen Seite darf nicht vergessen werden, daß die Leistungsfähigkeit des französischen Weinbaues stark zurückgegangen ist, wenn man auch kürzlich wegen der diesjährigen günstigen Ernte die Weinrationierung aufheben konnte. Nicht nur die mit Reben bebaute. Fläche wurde um 7 Prozent eingeschränkt, auch die Hektarerträge haben seit dem Durchschnitt von 46 hl im Jahre 1936 um das Doppelte nachgelassen, Andere Gründe für den Rückgang der Weinerzeugung sind Mangel an Arbeitskräften sowie unzureichende Belieferung mit Kunstdüngern und Mitteln zur Schädlingsbekämpfung. Auch der Ertrag des algerischen Weinbaus, über den Frankreich zum größten Teil mitverfügte, ist wesentlich bescheidener geworden. Man will nun die Anbaufläche wieder vergrößern und eine allgemeine Verjüngung des Pflanzenbestandes durchführen, wofür hauptsächlich die widerstandsfähigeren amerikanischen Stöcke in Frage kommen. Obgleich die französischen Winzer in letzter Zeit gut verdient haben und sich an den hoben Preisen für die Produktionsausfälle schadlos halten konnten, ist es aber doch reichlich fraglich, ob ihre Finanzkraft ausreichen wird, die hohen Ausgaben für Neubep fl anzun g «ad Produktioeserwmteming Mfaabzinga^ Europa hat Als wir vor einiger Zeit die Wirtschaft Osteuropas einer Untersuchung unterzogen, glaubten wir als das entscheidende Merkmal die Pläne bezeichnen zu müssen, nach denen die wirtschaftlichen Vorgänge im Laufe der Nachkriegsentwicklung dort eingerichtet wurden. Jedoch ist es augenscheinlich, daß auch Westeuropa immer mehr in den Bereich des Planens gerät und zwar umso stärker, je kritischer seine wirtschaftliche Lage wird. Der Monnet-Plan ist für Frankreich schon seit einem Jahr Gegenstand der Diskussionen und Hoffnungen. In England, dessen kritische Lage durch die Aufhebung der freien Einlösbarkeit des Pfundes und das Zusammenschmelzen der Amerikaanleihe auf einen geringen Rest gekennzeichnet wird, soll der Cripps-Plan die Ausfuhr bis Ende 1948 um 60 °/o gegenüber 1938 steigern. Einschneidende Sparund Korrekturmaßnahmen zum Ausgleich des verhängnisvollen Defizits der Zahlungsund Handelsbilanz wurden bereits ergriffen, und man scheute ‘nicht vor der aus der Kriegszeit noch in unliebsamer Erinnerung stehenden Arbeiterrekrutierung zurück. Für Deutschland wurde ein revidierter Industrieplan ausgearbeitet. Der Plan einer europäischen Zollunion tauchte, wenn auch nur schemenhaft, auf und in Paris arbeiteten Vertreter von 16 Nationen an der Feststellung gemeinsam möglicher Anstrengungen und Bedürfnisse. Der westeuropäische Hang zur Planmäßigkeit läßt sich jedoch nicht ohne weiteres mit dem straff organisierten Wirtschaftsblock Osteuropas vergleichen. Der Pariser Korrespondent der in Konstanz erscheinenden „Wirtschafts-Revue" überschreibt seinen Leitartikel mit „Zwei Stunden Verspätung?" und meint damit nicht allein ein Nachhinken Westeuropas in der Uhrzeit, sondern auch ein langsameres Erfassen der politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten. In dieser französischen Stimme kommt die Tatsache zweier von Westeuropa vergeudeter Nachkriegsjahre klar zum Ausdruck. Die mit wenig Hemmungen eingesetzte Autorität Rußlands gab der osteuropäischen Wirtschaft während der letzten zwei Jahre das Gepräge; dort bedeuten Pläne nicht nur Möglichkeiten, sondern zum Teil bereits Tatsachen. Wie weit jedoch durch diese, allein vom Staate gestalteten Wirtschaftsformen, bei denen nur zu oft politische Ideologien vor ökonomischen Zweckmäßigkeiten rangieren, ein Maximum an Erfolg erreicht werden kann, bleibt dahingestellt. Allerdings: positive Ergebnisse, die durch Anwendung des entgegengesetzten Extrems, nämlich durch fortgesetztes Improvisieren, in Westeuropa erreicht werden sollten, können nicht verzeichnet werden. Die französische Zeitung „Le Monde" vergleicht in diesem Zusammenhang den Monnet-Plan mit dem Plan der Sechzehn und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß der französische Wirtschaftsplan an der Vielfalt der Zuständigkeiten und den zu geringen und wenig wirksamen Lenkungsbefugnissen des Staates scheiterte. An der gleichen Klippe, nämlich an einer mangelnden Befehlsgewalt in der europäischen Wirtschaft, dürfte nach dieser französischen Stimme auch der Plan der Sechzehn nicht vorbeikommen. Ais weiteres gemeinsames Merkmal stellt die erwähnte Zeitung fest, daß beide Pläne in erster Linie amerikanische Kreise auf die Notwendigkeit einer Hilfe aufmerksam machen sollten. Wie sehr Westeuropa die verhängnisvolle Rolle des Almosenempfängers als selbstverständlich hinnimmt, beweisen die kläglichen Erfolge der Versuche, die zu Lasten der Kompetenzen einzelner Staaten die Gesamtkraft Europas stärken wollten. Die ersten Gespräche über eine westeuropäische Zollunion sind ein Beispiel hierfür, und auch die Behandlung des deutschen Problems (Demoiitagen, Produktionseinschrän- Wien. Auf den Einspruch der Bundesregierung hat der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte in Oesterreich, General Keyes, die Urteile gegen die vier Hauptbeteiligten an den Bad-Ischler-Demon- strationen revidiert. Die Strafen wurden von 15 Jahren auf 1 Jahr, von 10 Jahren auf 8 Monate und von 2 Jahren auf 6 Monate Gefängnis herabgesetzt, dem vierten wurde der Rest der Strafe erlassen. Wien. Zwei Fünftel der 140 000 Wiener Schulkinder wurden bei einer schulärztlichen Untersuchung als schwer unterernährt, in ihrer Entwicklung zurückgeblieben und tubericuloeegefährdet befunden. Nur ein Fünftel ist vollkommen gesund. In einer Knabenschule zeigte ein gutes Drittel positive Reaktion bei der Tuberkulin-Probe. Wien. Der südafrikanische Ministerpräsident Smuts erklärte, seine Regierung habe einen Einwanderungsplan für landwirtschaftliche Facharbeiter aus Oesterreich und Norditalien aufgestellt. Die Einwandererfamilien sollen während der ersten fünf Jahre monatlich 16 Pfund Sterling erhalten. Die Transportkosten sollen von den südafrikanischen Farmern vorgeschossen und innerhalb von fünf Jahren von den Einwanderern zurückgezahlt werden. "Wien. „Der beste Dienst, den die Alliierten Oesterreich leisten könnten", erklärte — nach AFP — Außenminister Dr. Gruber auf einer öffentlichen Kundgebung, „wäre, wenn sie ihre Koffer packten und heimgingen." Diejenige Macht, die es mit der Souveränität Oesterreichs ernst nehme, müsse dem Land vor allem die Hoheit über seine Bodenschätze und die vollständige Kontrolle über seine Produktion zugestehen. Wien. 20 Mitglieder der Wiener Sängerknaben werden während der Konzertsaison 1948/49 eine Tournee durch die Vereinigten Staaten unternehmen. Bregenz. Auf einer Großkundgebung det OeVP «klärte Außenminister Dr. Karl Verspätung kungen) zeigt, daß immer noch vorwiegend privat- oder nationaiwirtschaftlich, aber nicht kontinental- oder weltwirtschaftlich gedacht wird. Die Zunahme einsichtiger Beurteilungen dieser Probleme im Ausland ist wahrscheinlich auf eine wachsende IUusionslosigkeit zurückzuführen, mit der man die Amerikaanleihe zu betrachten beginnt. Eine primitive Regel der Kreditpolitik sagt, daß Geld nur dem Kreditwürdigen zur Verfügung gestellt wird. Eine weitere Kreditwürdigkeit hat Europa aber nach den bisher empfangenen 20 Millrd. Dollar erst zu beweisen. In der „New York Herald Tribüne” erklärt Walter Lippmann, daß nur ein „Europa- plan", d. h. nur die von Europa selbst unternommenen Anstrengungen wirksame Hilfe bringen könnten una daß das Marshall- Angehot nur eine mögliche Hilfsstellung andeuten wollte. In deutlichem Gegensatz hierzu stellt er die von der sogenannten Truman-Doktrin in Griechenland und der Türkei diktierten Hilfsmaßnahmen, die er als „Amerikaplan", d. h. durch amerikanische Initiative ergriffene Aktionen, bezeichnet. Derartige Handlungen seien aber in Zu- Seit die dem Machiavellismus abgelauschte Staatsmaxime, Verträge seien nicht mehr wert als ein Fetzen Papier, sich selbst ad absurdum geführt hat, ist beides recht rar geworden. Selten treten Ursache und Wirkung so frappant zutage wie hier: Eine Zivilisation, die der Allmacht des Papiers huldigte, opferte sich der Geringschätzung des Papiers. Das in den Geschehnissen enthaltene Parodoxon steigert das Ergötzen an den nachdenklichen Betrachtungen, mit denen frühere Zeiten ihre Papiemöte zu erklären versuchten. Auch nach dem Siebenjährigen Kriege war die Papiemot allenthalben groß, d. h. es herrschte empfindlicher Mangel an Lumpen und Leinenresten, welche damals die einzigen Ausgangsrohstoffe für die Papierherstellung waren. Also schrieb der Papierer Kefenstedn zu Gröllwitz bei Halle, Besitzer einer der größten damals im Preußischen betriebenen Papiermühlen, in sein Memorial: „Dieser Krieg hat, wenn man den Geschichtsschreibern glauben darf, Millionen von Menschen hinweggerafft; was hätten diese nicht für Kleider zerrissen, wenn sie länger gelebt hätten.” Keferstein galt zu seiner Zeit als ein Ausbund beruflicher Tüchtigkeit, allein hier irrte sein beruflicher Scharfblick. Schon 150 Jahre vorher reichten alle abgelegten Hemden nicht aus, um genügend Papier zu erzeugen. Es gibt ganze Gesetzessammlungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in denen die Landesherren dem stetigen Mangel beiaukommen versuchten. Wie heutzutage spielte die „Erfassung” eine große Rolle, in der allein die Papiermühlen das Recht hatten, Lumpen aufzukaufen. Die Folge war ein ausgedehnter Schleichhandel über die Landesgrenzen hinweg, wozu eigentlich das den Papiermühlen eingeräumte Monopol der Erfassung die Veranlassung gab. Kraft ihres Monopols drückten die Papiermühlen die Preise für die im eigenen Lande erfaßten Lumpen, um mit den ersparten Geldern die horrenden Ueberpreise zu bezahlen, die ihnen für Schwarzware aus den benachbarten Gebieten abverlangt wurden. Und umgekehrt auch im eigenen Land war die Verlockung für den kleinen Mann zu groß, für die abgelegten Unterhosen im fremden Land einige Groschen mehr zu erhalten. Landdragoner und „Auereuther” wurden aufgeboten, um das Paechertum Gruber, die Frage des deutschen Eigentums sei wirtschaftlich und politisch nicht so kompliziert. Wenn der Verständigungswille vorhanden wäre, dann brauchte man für die Lösung dieser Frage keine fünf Minuten. Es werde aber die Zeit kommen, wo die Gegenwart von fremden Trupp.en auf dem Territorium eines freien Staates gegen den erklärten Willen seiner freigewählten Regierung als eine Verletzung internationaler Verpflichtungen erachtet werde, berichtet das „Vorarlberger Volksblatt". Bregenz. In einem Leitartikel über die österreichische Jugend schreibt das „Vorarlberger Volksblatt", ein Blatt der OeVP: Die besten Oesterreicher seien immer noch jene gewesen, die nie davon redeten, deren Leben aber ein leuchtendes Zeugnis starken Gottvertrauens, rastloser Pflichterfüllung und selbstloser Hingabe gewesen sei. Gott sei Dank! Sonst wäre sie ja gar nicht österreichisch! Aber etwas anderes wolle diese beste Jugend erst werden: Heranwachsen und Heranreifen zum mündigen Christen. Bern. Am 1. Oktober wurden als letzte Sektionen des Kriegs-, Industrie- und Arbeitsamtes die Abteilungen für Schuhe, Leder und Kautschuk, für Elektrizität und Altstoffwirtschaft aufgelöst. Die noch verbleibenden Aufgaben der Kohlen-, Seifen- und Knochenbewirtschaftung werden von der noch im Amt bleibenden Leitung dieser Dienststelle durchgeführt. Bern. Wie die „Neue Zürcher Zeitung” berichtet, verfolgt man in Kreisen der schweizerischen Uhren Industrie mit gespannter Aufmerksamkeit die Bemühungen der amerikanischen Uhrenindustrie, dem Import schweizerischer Uhren Schwierigkeiten zu machen. Gegenwärtig geht mehr als die Hälfte des schweizerischen Uhrenexports nach Nordamerika. Bern. Im Verlauf der ersten sechs Monate d. J. wurden nach Schweden Erzeugnisse der Uhreninduetrie im Werte von monatädi 2,8 Millionen Franken ansgeführt kunft nicht mehr beabsichtigt Man rückt also anscheinend von der als Trumandok- trin bekannten Interventionsfreudigkeit ab. Gleichzeitig macht man aber Europa darauf aufmerksam, daß seine vom Osten und vom Westen wirtschaftlich zueinander drängenden Kräfte stärker sein sollten als die durch Idecdogien gezogenen Grenzen und die im Augenblick noch auf seinem Boden sich gegenüberstehenden Armeen. Deutlicher kann man Europa seine Aufgabe nicht zuweisen. Hätte es diese bereits nach dem ersten Weltkrieg, als die ersten Krisenzeichen eine verhängnisvolle Entwicklung andeuteten, erkannt, und hätte man sich unter Verzicht auf nationalistische Ressentiments und augenblickliche Vorteile für eine kontinentale Wirtschaftspolitik entschieden, die Katastrophe von heute wäre vielleicht vermieden worden. Umso bedenklicher ist es, wenn sich auch jetzt die Zeichen einer Sinnesänderung nur spärlich bemerkbar machen. Europa hat Verspätung — keine zwei Stunden, sondern 25 Jahre. Wird es sich in letzter Minute auf das Mittel zu seiner Gesundung, auf den Zusammenschluß seines unteilbaren Wirtschaftsraumes besinnen und wird ihm dabei die Unterstützung aller auf ihn einwirkenden Kräftepole zuteil werden? Wohlstand und Frieden unserer Welt hängen davon ab. G. V. einzudämmen. Auch damals verschmähte man die heutzutage so beliebten „Kompensationen” nicht. Freilich waren sie damals „harmloser”. Es waren Süßigkeiten, Backwerk, gedörrte Zwetschgen und Birnen, die die Händler mit auf die Dörfer nahmen, um den Fraiuen und Mädchen den ersten Fehltritt in Richtung auf den Schwarzen Markt zu erleichtern. Die Rohstoffnot war überall gleich groß. Der Göttinger Ordinariu. und Begründer der technologischen Wissenschaft, Professor Johannes Beckmann, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte, berichtet, daß in Bremen die „Freyheydt Lumpen zu sammeln”, die 1720 noch für einen Dukaten verpachtet wurde, 1773 bereits 230 Taler kostete. In England war es zur selben Zeit — nach einem anderen Bericht Beckmanns — verboten, die Toten in Leinen zu kleiden. Ja, man erwog Strafmaßnahmen gegen Leute, die Lumpen achtlos beiseite warten, und kam auf die absonderliche Idee, die Misthaufen nach Leinenresten zu durchwühlen. Damals trug der leidvoll resignierende Keferstein in sein Memorial ein: „Wir werden aber wohl beym Alten bleiben, und bloß aus Lumpen Papier verfertigen; denn so lange Menschen auf dem deutschen Boden sind, so gebrauchen dieselben Kleider; wenn man rechnet, daß jeder Mensch alljährlich zwey Hemden zerreißet; nachgerade kommen dieselben doch in die Papiermühle . . ich lasse eoviele Arten Papier daraus machen, als verlangt wird; ich richte mich nach meinen Kaufleuten und nach meinen einkommenden Vorräten und vertraue übrigens der Vorsehung Gottes.” Diese ließ nicht lange auf sich warten. Zwar war sie nicht bei den Papfermachern, die ihre Lehrlinge nach alter Sitte vorm Eintritt in die Mühle beim Festbraten schwören ließ, nichts Neues auf- und nicht Altes abkommen zu lassen. Sie bediente sich eines ihrer berufenen Diener, eines aufgeweckten Superintendenten, des D. Jacob Christian Schäf- fer zu Regensburg, der nicht minder eifrig als das Wort die Wunder Gottes in der Natur studierte. So brachte ihn die Beobachtung der Wespen und ihrer papierarti- gen Nester auf den Gedanken, Papier aus Holz zu machen. Damit war der neue Rohstoff gefunden und es dauerte nicht lange und die Hemden-Theorie war tot. R.K. In den nächsten 18 Monaten soll nach dem neuen schwedischen Wirtschaftsplan der Import auf 2,5 Millionen Franken beschränkt werden, das sind 7 Prozent der Importsumme der letzten 18 Monate Bern. Die Schweiz hat dem bizonalen Ernährungsausschuß erneut Fleischkonserven und hochwertige Fette im bargeldlosen Tausch gegen Magervieh angeboten. Viehbestände, die in Deutschland wegen der Dürre abgeschlachtet werden müssen, ohne daß ausreichende Möglichkeiten zur Fleiech- konservierung vorhanden 6ind, könnten so in der Schweiz wieder aufgefüttert werden. Bern. Durch eine Kreditoperation zwischen privaten schweizerischen Banken und der dänischen Regierung über 7 Millionen Dollars wurden zusätzliche Butter-, Rindfleisch- und Schlachtschweine-Lieferungen ermöglicht, wodurch die Versorgung erheblich verbessert werden kann. Bern. In den letzten Tagen wurden im Schweizerischen Seruminstitut täglich bis zu 200 Liter Cholera-Impfstoff herge6tellt und sofort auf dem Luftwege nach Aegypten gebracht; eine Menge, die für die Schutzimpfung von rund 135 000 Personen genügt Frauenfeid. Ein Artikel der „Thur- gauer Volkszeitung" weist auf die hauptsächlich durch übermäßigen Ankauf von Luxusgütern verursachte wirtschaftliche Notlage Schwedens hin und erklärt, es sei heute unmöglich, einen Standard beizubehalten, der turmhoch über den anderen Ländern, Siegern und Besiegten, stehe. Das schwedische Beispiel sei ein Menetekel, das auch die Schweiz vor einem Sturz aus dem Himmel des Wohlstandes warnen könne. Basel. Eine Vereinbarung über den Austausch von schweizerischen und deutschen Publikationen sieht die Gründung eines Komitees au« Vertretern des Buchhandels, der Bibliotheken, wissenschaftlicher Institute und freier kultureller Vereinigungen vor, das für die Auswahl und richtige Verteilung dar angeboten» Putohketioaen eocgen soll. Mit and ohne Kommentar T a c o m a. Der republikanische Senator Taft machte in einer Rede die AußenpoMtik der De* mokratischen Partei in den. letzten drei Jahren fÜT die gegenwärtige Weltkrise verantwortlich. Die UNO müsse mit oder ohne die UdSSR eine Friedensoffensive starten. Schon seit Teheran hätten sich die USA von den Idealen der Atlantic-Charta entfernt. Die USA hätten zwar den Krieg gewonnen, aber den Frieden verloren. Er forderte ferner Fortsetzung der Rüstungspolitik und Bekämpfung des Kommunismus, und zwar zuerst im Inland. , Washington. Gegenüber Bestrebungen, die eine Entfernung der Elemente des linken Flügels der demokratischen Partei forderten, die unter dem Einfluß von Henry Wallace und Claude Pepper stehen, traten Präsident Truman und der Parteivorstand für einen stärker liberalen und demokratischen Kurs «in, um sich die Unterstützung der 15 Million'«! in den beiden ' grüßten Gewerkschaften. Organisierten zu sichern, die, „selbst wenn sie nicht Anhänger von Wallace und Pepper sind, so doch zumindest auf diese hören." — meldet „Südena." Wien. Auf der Tagung des Zentralkomitees der KPÖ behauptete Nationalrat Koplenig, die Kettung Oesterreichs an die amerikanische Europapolitik, gleichgültig ob sie sich MaxshaH- plan oder Zollunion nenne, bedeute die Senkung des österreichischen Lebensniveaus auf das Niveau von Kolonialsklaven — berichtet „Südena." ! Washington. Sol Bloom, demokratisches Mitglied der Kommission für ausw. Angelegenheiten der Repräsentantenhauses und Berater des Präsidenten Truman in Fragen der Soforthilfe, ist der Ansicht, Europa müsse sofort 800 Millionen Dollar erhalten und der Kongreß müsse „schnellstens handeln, um kommunistische Aufstände in Westeuropa zu vermeiden." Falls es zu derartigen Ereignissen käme, könnten wir Europa und dem Marshfillplan auf Wiedersehen sagen..." London. Der neue britische Handelsminister Harold Wilson erklärte, England zähle nicht auf Hilfe von außen für seinen Wiederaufbau. „Welchen Umfang auch eine derartige Hilfe vom Ausland oder au« dem Empire haben mag, England muß den Weg zu seiner Gesundung durch seine eigenen Mittel finden. New Y o t k. Henry Wallace wird Mitte Oktober in Palästina Besprechungen mit arabischen und jüdischen Kreisen führen Berlin. Der Vorsitzende des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses erklärte nach einer Europa-Rundreise auf einer Presset konferenz, in den Städten, die er besucht habe, habe er keine sichtbaren Zeichen ernstlicher Unterernährung bemerkt. Europa solle möglichst hart arbeiten.} jedenfalls habe Amerika seine» gegenwärtigen hohen Lebensstandard durch harte Arbeit erreicht. Mangelnde Hilfsmaßnahmen von seiten der USA würden Europa nicht in die Hände des Kommunismus treiben: „Warum sollten sie Kommunisten werden, da doch deT Kommunismus für sie nur noch mehr Hunger bedeutet?" Die Ausführungen fanden aus den Kreisen der übrigen Kongreßmitglieder und alliierter Journalisten lebhaften Widerspruch. Mündien, Nach einem von der SPD im bayrischen Landtag eingebrachten verfassungsändem« den Gesetzesvorschlag, deT nunmehr im Verfassungsausschuß angenommen ist, kann, ebenso wie bereits in Baden, niemand zum Militärdienst oder zur Teilnahme am Kriegsdienst ge* zwungen werden. Der Abgeordnete Bauer erklärte dazu, er glaube zwar nicht, daß Bayern in den nächsten Jahren einen Krieg würde führen müssen, daß jedoch immerhin die Möglichkeit bestanden hätte, für jemand anderen ein» gespannt zu werden Separatismus in Bern Von unserem Schweizer Korrespondenten Im zweisprachigen Kanton Bern ist es überraschend zu einem Sprachenkonflikt mit politischem Hintergrund gekommen. Anlaß gab eine Neuwahl in den Regierungsrat, wobei es in der Aemterverteilung zu einer angeblichen Bevorzugung des deutschsprachigen Sozialdemokraten gegenüber seinem Partei- und Fraktionsgenossen welscher Zunge kam Daß hierbei die Pariaments- mehrheit infolge der Unnachgiebigkeit der Bauernpartei den Regienmgsantrag, welcher den Ansprüchen der französisch sprechenden Jura-Bezirke Rechnung tragen wollte, zweimal niederge- stimmt, löste in den lebhaften und in der Exportkonjunktur entsprechend selbstbewußten Uhrenbezirken des Jura Proteststürme aus. Kundgebungen auf offenen Plätzen und in den Wirtshäusern mündeten übereinstimmend in Forderungen auf Loslösung aus dem Kanton und in Verbalinjurien gegen den „Wasserkopf" Bern aus. Di« Automobilbesdtzer demonstrierten auf ihre eigene Weise gegen den Landvogt in Bern; sie überklebten das Kantonszeichen „BE“ mit den Buchstaben „JU" und das Wappenzeichen der Berner Bären durch roten Bischofsstab, um zu bekuaden, daß sie ihre Steuern nicht mehr nach Bern, sondern lieber nach La Chaux-de-Fonds oder Dele- mont zahlen möchten. Ein Aktionsausschuß war. de eingesetzt, der nicht nur die Forderungen de* Jura, sondern auch die staatsrechtlichen Voraussetzungen für eine „Separation" oder „autonomie" prüfen und formulieren soll. Da die Aktion sich nicht gegen die Bundesregierung und gegen die Eidgenossenschaft richtet, sondern gegen die Kantonsregierung, hat dies« die Abwehr der separatistischen Tendenzen übernommen. In ein« offizieUen Erklärung kündigt sie einerseits die Verteidigung der „territorialen Integrität“ des Kantons an, sagt aber gleichzeitig «ine Nachprüfung der politischen, administrativen und finanziellen Ansprüche zu. Das Echo aus dem Jura auf diesen Versuch zum Brückenbau ist nicht günstig — noch nicht günstig, wie man beifügen muß. Erschwerend für eine schnelle Verständigung ist nämlich, daß die ganze Eidgenossenschaft, •Iso auch der Jura mit seiner lebhaften Politisierbereitschaft, in der Vorbereitung der Ende Oktober kommenden Neuwahlen für den Naticmalrat steht. Fürs erste wollen die Jurassier, die im übrigen nicht nur weltberühmte Uhrenmacher, sondern auch recht spekulative PferdezüchteT sind, den Berndeutschen auf den Wahllisten die Zähne zeigen, bevor man geneigt ist, wieder miteinander zu reden. Zu reden gibt es ja auch in «o kleinen Ländern wie den Schweizer Kantonen mancherlei, und der Jura bat vielerlei Forderungen auf administrativem und verkehTspolitischem Gebiete. So bedrohlich die Gewitterstimmung über dem Jura in diesen Herbstwochen auch scheinen mag, so zuversichtlich hoffen die erfahrenen Politiker auf ein schsed-friedHches Gespräch m den kalten Wirrte rwochen, in denen die Kälte die Menschen zwingt, näher zusammenzurücken. Glückliche Schweiz, die keine größeren politischen Sorgen hat als die Befriedung und Befriedigung der welschen Jurassier. p. SÜDKURIER Verantwortlicher Redaktionsausschuß: Hermann Dörflinger (CDU), Ruch Goguei (KP). Herbert Goldscheider (SP), Friedrich Munding (DP), Hermann Fiebing — Verlag: Südkurier-Veriag GmbH — Druck: Druckerei Konstanz Fischmarkt 5 — Für unverlangt edugesandte Manuskripte übesnimnunt die Redaktion kariertst Blick über die Grenzen Papiersorgen in vergangener Zeit