rSfiRDeStDTVSX • • 3. JAHRGANG • ÜBERPARTEILICHE INFORMATIONSZEITUNG FÜR DAS LAND BADEN • NUMMER 89 SUDKUR ER Erscheint Dienstag and Freitag Adresse: Konstanz. Rosgarten straB« 13 lf HNSTAM7 17 R P IT A C ld. N OV P \f D F D lOd.7 Einzelpreis 20 Pfg. Abo nnem ent bet der Post 1,74 ML. durch Träger 1,60 M. Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr. 924, 925, 1130, 1510, 1511 auit O 1 Alt L t IvLl 1 AVj 1“*. I' U V JL iil D Ij II ‘i t Anzeigenannahme durch alle Geschäftsstellen und Agenturen des Südkurte* Kurz notiert Der ehemalige deutsche Reichskanzler, Dr. Heinrich Brüning, beabsichtigt nicht, wie in der „Deutschen Rundschau" erklärt whrd, seine Tätigkeit an der Harvard-Universität amfzogeben, und in das politische Leben Deutschlands zurückzu- kehren. Das Ernährung sministerium von Nordrhein- Westfalen zahlt für abgeliefertes Vieh, das wegen Abmagerung nicht mehr marktfähig ist, nur noch ein „Entgelt lür Kadaververwertuag". In krassen Fällen von schlechter Fütterung soH auf Grund des Tierschutzgesetzes gegen die Tierhalter Anzeige erstattet werden. Der deutsche Großindustrielle Röchling, der sich seit einiger Zeit im Nürnberger Gefängnis befand, ist den französischen Militärbehörden der Saar übergeben worden. US-Truppen haben das Tagebuch von Dr. Joseph Goebbels aus den Jahren 1942 bis 1944 auf- gefunden. Dieses interessante Dokument soll Anlang 1948 veröffentlicht werden. Prinzessin Elisabeth von England erhielt als Hochzeitsgeschenk von einem Besitzer südafrikanischer Diamantengmben einen rosafarbigen Diamanten von 54 Karat. König Michael von Rumänien bat sich im Flugzeug nach London begeben, um an den dortigen Hochzeitsfeiertlchkelten teilzunehmen. Z oltan Pfeiffer, der Letter der ungarischen Un- abhängigkettspartei. Ist mit seiner Familie auf dem Flughafen New-York eingetroffen. Der Sekretär Mikolajczyks, der ebenfalls au« Polen geflohen Ist, traf in Schweden ein. Der tschechoslowakische Staatsgertchtshof ln Preßburg verurteilte den früheren slowakischen Ministerpräsidenten Stefan Tiso, den Bruder des durch den Strang hingerichteten ehemaligen slowakischen Staatschefs Msgr. Tlso, zu 30 Jahren Gefängnis. 28 Belgier, die während des Krieges belgische Staatsbürger an die Deutschen verraten hatten, wurden in Charleroi erschossen. Bei der Eröffnung der neuen Stadtverordnetenversammlung tn Marseille, in der die R.P.F. General de Gaulles über die Mehrheit verfügt, kam es zu schweren kommunistischen Tumulten, in deren Verlauf 10 Personen verletzt worden sein sollen. In Mailand wurde als Protest gegen ein Attentat, das ln einem kommunistischen Parteibüro verübt wurde, der Generalstreik proklamiert. Zum Mitglied des Sicherheitsrates der UN wurde die Ukraine mit 35 gegen 2 Stimmen bei 15 Stimmenthaltungen gewählt, nachdem Indien seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Einmal einig Lake SucceSs. Die UdSSR und die Vereinigten Staaten einigten sich über eine gemeinsame Formel für die Durchführung des palästinensischen Teilungsplanes. Diesem Plan zufolge wird die britische Mandatsherrschaft über Palästina am 1. Mai 1948 ablaufen. Ebenso sollen die britischen Streitkräfte in Palästina bis zu diesem Zeitpunkt abgezogen werden. Ferner sieht der gemeinsame amerikanischsowjetische Plan vor, daß der arabische und der jüdische Staat bis spätestens 1. Juli 1948 gebildet sind. Die Vollversammlung selbst soll Großbritannien auffordern, weiterhin die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung und für die Verwaltung der öffentlichen Dienste in Palästina bis zum Ablauf der Mandatsherrschaft zu übernehmen. Dabei wird eine Kommission die Mandatsmacht bei der Durchführung dieser Aufgabe unterstützen. Die Kommission selbst wird nach den Richtlinien des Sicherheitsrates arbeiten. Das Ringen um die deutsche Staatsform Deutsches Parlament in Frankfurt? — Bemühungen um eine beratende gesamtdeutsche Instanz Fernspruch unseres J. F.-Korrespondenten Frankfurt. Die „Daily Mail" hat eine Meldung ihres Sonderberichterstatters veröffentlicht, nach der die Vereinigten Staaten und Großbritannien nach Besprechungen zwischen dem US-Außenamt, dem britischen Gesandten Lord Inverchapel und dem britischen politischen Berater in Deutschland, Sir William Strang, übereingekotnmea sind, im Falle eines Scheitems der Londoner Konferenz ein deutsches Parlament in Westdeutschland zu errichten. Die acht Ministerpräsidenten sollen ein Kabinett bilden und die acht Ländervertreter für das Parlament ernennen, das sieh mit dem Entwurf einer neuen Verfassung befassen soll. In spätesten« sechs Monaten sollen dann Parlamentswahlen ausgeschrieben werden. Man rechnet in Frankfurt damit, daß sich die französische Zone den beiden Westzonen anschließen wird. Diese hochpolitische Meldung wird zur Zeit jedoch in den Schatten gestellt durch den bereits gemeldeten Ausbruch des „Kartoffelkrieges" zwischen dem Land Bayern und Frankfurt. Der bayerische Land- wirtschaftsminister Dr Baumgartner ist der Frankfurter Diktate bekanntlich überdrüssig geworden und hat einen „Schmähbrief" los- gelassen, in dem er das Verwaltungsamt für Ernährung und Landwirtschaft der nazistischen Durchseuchung beschuldigt und den Ministerialrat Hans Podeyn als grausamen Diktator bezeichnet. Dr. Schlange- Sdiöningen, der in diesen Beschuldigungen einen Angriff gegen sich selbst sieht, hat an den Präsidenten des Wirtschaftsrates, Dr Erich Köhler, einen Brief gerichtet, in dem er eine Untersuchung der Vorwürfe verlangt. Bis zur Durchführung dieses Verfahrens erklärt er sich außerstande, einer Einladung Dr, Hans Ehards nach München zu folgen, um in einer persönlichen Aussprache die verdorbene Stimmung zwischen Bayern und Frankfurt zu bereinigen. Inzwischen hat Dr Schlange-Schöningen eine neue Verordnung herausgegeben, durch die alle Länder, die ihr Kartoffelablieferungssoll nicht erfüllt haben, angewiesen sind, für vier Tonnen nichtabgelieferte Kartoffeln eine Tonne Mehl zur Verfügung zu stellen. Berliner Aspekte Von unserem A.G.-Ko-rresponrienteu Berlin. Die erste Pressekonferenz des Generals de Gaulle fällt zusammen mit den Bestrebungen aller Berliner politischen Kreise, noch im letzten Augenblick einen gewissen Einfluß auf die kommende Londoner Konferenz auszuüben. Nachdem die Vorschläge eines Komitees west- und ostdeutscher Persönlichkeiten an den Kontrollrat bekannt wurden, die dazu bestimmt sind, an die Regierungen weitergeleitet zu werden. Sie versucht, die Regierungen davon zu überzeugen, daß es zweckmäßig de Gaulle gegen deutsche Einheit Paris. Im Hause der Widerstandsbewegung hielt General de Gaulle seine mit Spannung erwartete Pressekonferenz ab. Er wies mit Genugtuung darauf hin, daß von 92 Departements-Hauptstädten 52 einen unter dem Zeichen der RPF gewählten Bürgermeister hätten. Die Sammelbewe- gung des französischen Volkes mache ständig Fortschritte. Die Bewegung entspreche einer elementaren Notwendigkeit. Die Bevölkerung sehe die wachsenden Schwierigkeiten. Sie fühle, daß das gegenwärtige Parteienregime unzureichend sei. Sie habe sich von den Mängeln einer schwachen Regierungsgewaft überzeugt und eingesehen, daß man den Staat in einer anderen Weise organisieren müsse. Anschließend antwortete de Gaulle auf eine ganze Reihe von Fragen, die ihm aus der Mitte der versammelten Journalisten gestellt wurden. Auf die Frage, was er Zutun gedenke, wenn ihm heute die Ueber- nahme der Regierung angetragen würde, sagte de Gaulle, diese Frage sei bei dem heutigen System gegenstandslos. Er hoffe sehr, daß da« Parlament in Kürze die unausweichlichen Konsequenzen ziehen und daß es zu Neuwahlen und einer Verfassungsreform kommen werde. De Gaulle erklärte, er glaube im übrigen nicht, daß es zu irgendwelchen Unruhen oder gar zum Bürgerkrieg kommen würde. Ausführlich kam de Gaulle auf die au- „Europa als Pfeiler der Weltsicherheit Marshall begründet vor den K ongreßausschüssen seinen Plan Washington. Auf einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für auswärtige Angelegenheiten des Senats und des Repräsentantenhauses hat der amerikanische Außenminister Marshall ein Gesuch an den Kongreß bekanntgegeben, in welchem er eine Uebergangshilfe bis zum 31. März 1948 für Italien, Frankreich und Oesterreich in Höhe von 597 MilL Dollar fordert. Frankreich wird insgesamt Güter im Werte von 328 Mül. Dollar, darunter für 116 Mill. Dollar Kohle, und für 110 Mül. Dollar Weizen erhalten. Die Beiträge für Italien werden mit 277 Mill. Dollar, darunter für 128 Mill. Dollar Weizen, und für Oesterreich mit 42 Mill. Dollar angegeben. Außerdem bezifferte Marshall die für ein langfristiges europäisches Aufbauprogramm, das am 1. Aprü beginnen soll, notwendige Summe mit 16—20 Mrd. Dollar. Marshall erklärte weiter, daß er den Kongreß nicht um die Billigung des gesamten europäischen Wiederaufbaupro- grammes für vier Jahre ersuchen woüe, da die Ungewißheit der zur Verfügung stehenden Hilfsquellen und der Preise keine genaue Schätzung zulasse. Er werde seine erste Forderung für den Zeitraum von 15 Monaten mit 7,5 Mrd. Dollar festsetzen. Dabei sollen die Lieferungen von Lebensmitteln, Düngemitteln, Brennstoff, unentbehrlichen Industrieausrüstungen als nicht zurückzuzahlende Unterstützung erfolgen, dagegen diejenigen von Rohmaterialien und anderen industriellen Ausrüstungen durch Anleihen finanziert werden. Marshall schlug vor, daß seine Regierung mit jeder der 16 Nationen zweiseitige Abkommen zur wirksamen Ausnüt- tung der gewährten Hilfe abschließen solle. Marehaü wies die Senatoren und Abgeordneten der beiden Häuser darauf hin, daß die Entscheidungen, die in diesem Zusammenhang von ihnen verlangt würden, für die Zukunft Amerikas nicht weniger bedeutend seien, als die Entschlüsse während des Krieges. Das Lebensinteresse der Vereinigten Staaten ist auf dem Spiel, so fuhr er fort und stellte im Anschluß daran fest, daß „die Nachkriegspolitik der drei großen Alliierten auf einen europäischen Wiederaufbau abgestimmt war. Es ist jetzt klar, daß eine einzige europäische Macht diesen Wunsch aus persönlichen Gründen nicht teüt.“ Der amerikanische Staatssekretär Umriß sodann seine Auffassung von den wesentlichen Grundgedanken der amerikanischen Außenpolitik. Die Vereinigten Staaten haben an zwei Weltkriegen teilgenommen, die auf dem europäischen Kontinent ausbrachen, so erklärte er wörtlich. Die freien Völker Europas haben im Laufe der beiden Kriege gegen die Beherrschung ihrer Länder durch eine Großmacht gekämpft. Eine solche Zwangsherrschaft hätte zweifellos die Stabilität und die Sicherheit der Welt bedroht Wenn wir uns nun heute reicht um die Fähigkeit Europas, sein Erbe zu verteidigen, bekümmern würden, so wären die Bemühungen und die Opfer von zwei amerikanischen Generationen umsonst gewesen. „Wir wünschen“, so fügte der amerikanische Staatssekretär hinzu, „die europäische Gemeinschaft als einen Pfeiler der Weltsicherheit wieder aufgebaut zu sehen. Wir wollen Europa fähig wissen, erneut seinen Beitrag zum Fortschritt der Menschheit und der Weiterentwicklung der auf dem Gesetz und der Achtung des Individuums begründeten Weltocdnung zu sehen.“ ßenpolitischen Probleme und hierbei insbesondere auf die Frage der Friedensregelung mit Deutschland zu sprechen. Es sei hier die Aufgabe Frankreichs, seine eigenen und darüber hinaus die Interessen das europäischen Friedens wahrzunehmen. Frankreich sei Deutschland gegenüber keineswegs von Revanchegeist erfüllt. Es müsse sich jedoch entschieden der Wiedergeburt eines zentralistischen Deutschlands und dem Wiederaufleben eines vereinigten deutschen Reiches widersetzen. Es müsse verhindert werden, daß Deutschland morgen wieder eine Gefahr und eine Bedrohung des Weltfriedens werde Aufgabe Frankreichs sei es, dafür zu sorgen daß die deutsche Wirtschaft in den gesamteuropäischen Wiederaufbau so gut und zweckmäßig wie irgend möglich eingeschaltet und das deutsche Volk allmählich wieder zu den großen Zielen und Aufgaben der Menschheit hingeführt werde. General de Gaulle ist der Ansicht, daß die politische Struktur Deutschlands künftig einen rein föderativen Charakter haben soll. Niemals dürfe ein deutsches Reich wieder auferstehen Sollten die Alliierten in London eine solche Einigung beschließen, so müsse Frankreich sein Veto dagegen einlegen und mit Entschiedenheit dagegen auftreten, und zwar nicht nur im frarizösischen Interesse, sondern im Interesse aller europäischen Länder, denen es um die Herstellung eines •wirklichen Friedens zu tun sei. Was die in letzter Zeit vielfach erörterte Frage das Zonen-Zueammenschlusses anbetreffe so ist de Gaulle der Ansicht, daß diese Frage erst dann geregelt werden könnte, wenn sich die Alliierten über die künftige politische und wirtschaftliche Struktur Deutschlands einig seien. Solange dies nicht der Fall sei, dürfe Frankreich die Unterpfänder, über die es heute verfüge, nicht aus der Hand geben. sein würde, eine beratende gesamtdeutsche Instanz einzusetzen, der vor allem die Vorbereitung von Wahlen, aber auch die Teilnahme an den Friedensverhandlungen in beratender Form Zufällen soll. Ea scheint Berliner politischen Kreisen, daß demgegenüber die Politik des Generals de Gaulle in starkem Maße von der ostwestlichen Teilung Deutschlands ausgeht, die man in hiesigen politischen Kreisen nach wie vor für überaus gefährlich hält, weil sie die kommunistische Propaganda noch durch eine nationalistische Propaganda verstärken könnte. Die russisch lizenzierte Presse der Sozialistischen Einheitspartei ist gerade in diesen Tagen in verstärktem Maße darauf eingerichtet, dem deutschen Volke klarzumachen, daß die Sowjetunion stärker als die Westmächte deutsche Interessen wahrzunehmen sucht. Das Zentralorgan der SED .Neues Deutschland" sucht nachzuweisen daß der Marshallplan von vornherein als eine Hilfe nur für Westdeutschland gedacht sei, während man Ostdeutschland abschreibe. Es wird in dem Blatt der Vorwurf erhoben, daß der sozialdemokratische Parteiführer Dr. Schumacher sich in diesem Sinne völlig der amerikanischen Politik angeschlossen und daß er seit seiner Amerikareise jede Initiative an die Amerikaner abgegeben habe. Auch die „Tägliche Rundschau" tritt in dem gleichen Sinne auf, wenn sie einen ausführlichen Bericht über eine Wy- schinski-Rede veröffentlicht, die in der Gesellschaft für auswärtige Politik in New York gehalten worden Ist und die ebenfalls den Vorwurf enthält, daß die Westmächte eine Teilung Europas anstrebten Die Berliner politische und diplomatische Atmosphäre bringt es mit sich, daß man in dieser Situation die Erklärungen des Generals de Gaulle vor allem deshalb stark beachtet, weil Frankreich, wie de Gaulle selbst unterstrich, neben den beiden Lagern mit eigenen selbständigen Bestrebungen steht. Man stellt insbesondere im sowjetischen und im kommunistischen Lager fest, daß die Erklärungen de Gaulles sehr scharf gefaßt sind, wenn darin der Vorschlag gemacht wird, Europa für die Verteidigung zu organisieren was — wie man sagt — wohl nur als eine Verteidigung gegen den Kommunismus gedacht sein könne. Berliner politische und diplomatische Kreise fragen sich, wie diese Pläne einer defensiven Organisation Europas in Uebereinstimmnng damit gebracht werden könnten, daß General de Gaulle gleichzeitig die Neuzusammenfassung Deutschlands in einem gesamten Staatsgebilde ablehnt, weil eine solche Politik die Gefahr starker nationalistischer Propaganda, vom Osten ausgehend, in ganz Deutschland nach gich ziehen könnte, Atombombenversucb ln Rußland? Paris. Der „Intransigeant“ veröffentlicht den Bericht eine9 Moskauer Korrespondenten, demzufolge die Russen am 15. Juni um 10 Uhr früh ihre erste experimentelle Atombombe unweit Irkutsk in Sibirien abgeworfen haben sollen. Mißglückte Flucht München. Der ehemalige Leihfotogiraf Hitlers, Heinrich Hoffmann, der vor einigen Tagen aus dem Internierungslager Moosburg entflohen war, ist in der Nähe Nürnbergs von amerikanischer Miäitäipoli- zei wieder festgenommen worden. Maniu zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt Bukarest. Der Urteilsspruch gegen den ehemaligen rumänischen Ministerpräsidenten Julius Maniu lautet auf die gesetzlich zulässige Höchststrafe der lebenslänglichen Gefängnisstrafe. Gegen Miha- laoke, der ebenfalls in allen Anklagepunkten als schuldig erklärt wurde, verhängte das Gericht die gleiche Strafe Eine Anzahl weiterer Mitangeklagter wurden zu Gefängnisstrafen von 15 bis 2 Jahren verurteilt. Die Urteile wurden einstimmig gefällt. Auch die im Ausland befindlichen Angeklagten Niculescu-Buzesti, Grigori Gafeneu, Constantin Visoianu, alle drei ehemalige Außenminister, wurden in allen Anklagepunkten für schuldig erklärt. In seinem Schlußwort erklärte der Hauptangeklagte Maniu: „Alles, was in der Anklageschrift gesagt wird, ist völlig falsch und basiert auf keinerlei Beweis. Es ist auch völlig falsch, daß ich jemals die Amerikaner um Unterstützung zwecks Stüramg der Regierung durch Gewalt ersucht haben soll. Man kann sehr leicht einen Menschen anklagen, ohne diese Anklage durch Beweise zu stützen. Es ist nicht meine Sache, einen negativen Beweis zu führen, sondern Sache des Staatsanwalts, seine Anklagen zu beweisen.” Anschließend gab Maniu zu, er habe als Vorsitzender seiner Partei die öffentliche Meinung Rumäniens und des Auslandes darüber unterrichten wollen, daß die Regierung Groca nicht die Verpflichtungen respektiere, die sie auf Grund der Moskauer Konferenz der drei Großmächte eingegangen sei. Im weiteren Verlauf seiner Schlußworte erklärte der Hauptangeklagte Maniu: „Mein ganzes Leben lang habe ich für mein Land gekämpft, um mich jetzt des Komplottes, der Rebellion, des Hochverrats und noch anderer, schwererer Verbrechen angeklagt zu sehen, ohne daß auch nur eine dieser Anklagen bewiesen wäre.” * New York. „Schuldig nach vorgefaßtem Entschluß.” Dies ist die Reaktion der „New York Times” zur Verurteilung Ma- nius. „Der Mann, der mehr als jeder andere Rumäne jahrelang das Symbol der Unabhängigkeit seines Landes war”, so schreibt die Zeitung i&>er ihn und unterstreicht, daß die Sowjets mit der angeordneten Verhaftung und Verurteilung etwas getan haben, wozu die Nazis selbst zu Zeiten ihrer größten Macht das Regime Antonescu nicht zwingen konnten." Die Zeitung sieht darin „eine vorsätzlich vollzogene Aktion der Sowjets, um die Kluft zwischen Ost- und Westeuropa so weit wie möglich und solange wie möglich zu erweitern”. Die Demontageliste Von Dr. Robert Winzer In ujiseTem Leitartikel „Aufbau und Abbau“ (Südkurier' Nr. 86 vom 4. Nov.) wurde das Demontageproblem vom Standpunkt der Wiedergutmachung und der Wirkung auf die deutsche und europäische Wirtschaft betrachtet. Nachstehend soll auf die speziellen badischen und württem- bergischen Verhältnisse eingegangen werden. Die Liste der für Reparationsleistungen ganz oder teilweise verfügbar erklärten Fabriken in der französischen Besatzungszone liegt jetzt vor. Sie umfaßt für Baden 71 und für Württemberg 75 Betriebe. Diese Zahlen sind hoch im Vergleich zu den entsprechenden Zahlen des amerikanisch- britischen Besatzungsgebietes, besonders unter Berücksichtigung des kleineren Umfangs und der geringeren Industrialisierung unserer Länder Die volle wirtschaftliche Tragweite der geplanten Maßnahmen wird jedoch erst erkennbar, wenn man die Verluste in Betracht zieht, die diese Gebiete durch die Entnahme von Maschinen und anderen Produktionsmitteln in den vergangenen 2 yi Jahren bereits erlitten haben und von denen das übrige Deutschland mit Ausnahme der rus- sich-besetzten Zone weitgehend verschont blieb, ln deT Tat trifft die Maßnahme hieT eine industrielle Wirtschaft, deren Leistungsfähigkeit bereits erheblich — in einzelnen Wirtschaftszweigen bis über die Hälfte — durch Beschlagnahme der Anlagen geschwächt ist Bei diesen Voraussetzungen ist es nur eine sachliche und nüchterne Feststellung. daß die uneingeschränkte Durchführung des Hanes zu einer schwersten Bedrohung des wirtschaftlichen Lebens der beiden Länder führen würde Betragen doch m Baden bis zum Juni dieses Jahres die über die zuständigen Fadborgaaisatio- nen erfaßten Verluste durch Beschlagnahmung bereits 8700 Stüde Maschinen und Anlagen mit einem Anschaffungswert von über 32 Millionen Mark. Bei diesen Verlusten handelt es sid» durchweg um die modernsten und leistungsfähigsten Einheiten, die in den jeweiligen Betrieben vorhanden waren. Einzelne Wirtschaftszweige wurden besonders hart betroffen. So verlor hier z. B. die Gruppe Gießereien und Maschinenbau big Juni 3566 Maschinen mit einem Wert von etwa 15 Millionen Mark gegenüber einem zu diesem Zeitpunkt noch verbleibenden Bestand von etwa 2500 Maschinen mit einem AlteT bis zu 10 Jahren und einem Wert von 7 Millionen Mark. Die badische Uhrenindustrie hatte bis dahin wertmäßig über 60 Prozent, die Elektroindustrie über 65 Prozent ihres modernen Masdii- nenbestandes eingebüßt Im französisch besetzten Teil von Württemberg liegen die Verhältnisse ähnlich Dort wurden besonders auch die Textilbetriebe durch den Abzug eines großen Teils der Spinnmaschinen und Websfühle in Mitleidenschaft gezogen Bereits durch diese vergangenen Maßnahmen Ist die Leistungsfähigkeit der einheimischen Industrie für die Versorgung der Bevölkerung und im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen deutschen Ländern, die von der Demontage Weniger betroffen sind, stark herabgesetzt Außer dem Umfang der jetzt beabsichtigten Maßnahmen gibt auch die Auswahl der ganz oder teilweise zu demontierenden Betriebe zu ernster Besorgnis Anlaß. Der Abbau der maschinellen Einrichtung von Werken, die der Rüstung dienten und für sie gebaut waTen, war zu erwarteil und ist in den meisten Fällen wohl bereits duTchgeführt Die Notwendigkeit dieser Maßnahme wurde auch von deutscher Seite stets bejaht. Hier kann man nur eine milde Beurteilung für die Betriebe eihoffen, in denen in den vergangenen 2% Jahren mit neuen Vorrichtungen Fertigungen für notwendigen zivilen Bedarf auf- genommen wurden und eine Wiederherrichtung des Betriebs für die Rüstung unmöglich erscheint. Uebenaschend sind auf der Liste jedoch die Betriebe der reinen Friedenswirtschaft, die für die Versorgung der Länder direkt oder auf dem Um. weg über den Export der erzeugten Güter zum Zwecke der Nahrungsmitteleinfuhr kaum wegzudenken sind. Auch hier können nur einige Beispiele gegeben werden, diesmal vom Sektor der Chemie in Baden: die in Aussicht genomme- nea Seifen- und WaschmitteleTzeoger tragen über die Hälfte der Versorgung des Landes mit die. sen Erzeugnissen. Die Auslieferung der bescheidenen Verbraucherration würde durch die Demontage der Betriebe in Frage gestellt. Di« gleiche Gefahr besteht für das Wiederaufbaupro. gramm hinsichtlich der auf der Demontageliste stehenden Lndcfebrik. deren Ausbau in den letzten Jahren von den zuständigen Stellen sogar gefordert werden, mußte, da die vorhandenen Kapazitäten für den aufgelaufenen Bedarf nicht ausreichten. Besonders auch für Württemberg ist die Demontage der Uhrenindustrie, auf deren Erzeugnissen ein großer Teil des Exportes ruht, von größter Tragweite. Es ist kein Zufall, daß diese Industrie — das Schulbeispiel einer Materialveredlung — im rohstoffarmen Baden und Württemberg zu so hoher Blüte und zu Weltruf entwickelt wurde, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Eine besondere Situation besteht hinsichtlich der Entnahme von Maschinen und Anlagen, die seit der Besetzung aus Neufertigung angeschafft wurden. Eine solche Maßnahme wird von den westlichen Alliierten abgelehnt, da sie _ besonders wenn die Maschinen aus anderen Zonen stammen — als Entnahme aus der laufenden Produktion indirekt eine Reparationsleistung desjenigen Alliierten darstellen würde, der die jeweilige Zone durch Zuschüsse unterstützt. Die Seite 2 / Nr. 89 SUDKURIER Freitag, 14. November 194t Entaahmeabsicht könnte u. E. in diesen Fällen auch nicht mit einer regionalen Erhöhung des Industrieniveaus begründet werden, de dieses in den Potsdamer Beschlüssen für den betreffenden Wirtschaftszweig in ganz Deutschland festgesetzt ist. Die soziale Seite des Demontageproblems kann hier nur angedeutet weiden. Bei der geringen Industrialisierung der Länder und der Verwurzelung der Arbeitnehmer am oder um den Betriebsort ist die Umsetzung erschwert, sodaB mit einer Verarmung der betreffenden Gegenden und verhängnisvollen politischen Folgen zu rechnen Ist. Vom wirtschaftspolitischen Standpunkt aus bedauern alle maßgeblichen politischen Parteien, daß die Liste viele Unternehmen mittleren. Umfangs enthält, die als Familienbetrieb oder Per- sonengeseftschaft geführt werden und geeignet und berufen waren, die Aufgaben der durch Verfügung des Kontrolirats aufgelösten. Konzerne und Monopolbetriebe zu übernehmen. „Demontage der Industrie - Freiburg. In einer sechsstündigen Aussprache behandelte der Badische Landtag in seiner letzten Sitzung am 7. November die großen wirtschaftlichen Probleme unserer engeren Heimat und stellte die Ernährungsfrage und den Abbau der Wirtschaft, die Demontagen, in den Mittelpunkt der Diskussion. Nach der Begründung des Antrages Nummer 22 durch den Abg. Maier (SP), wie wir bereits in unserer letzten Ausgabe wiedergegeben haben, nahm Abg. Schneider-Konstanz (BCSV) au grundsätzlichen Ausführungen da® Wort. „Es muß über die Lage gesprochen werden, so wie sie ist”, erklärte Schneider. „Ee muß nach Möglichkeiten gesucht werden, neue Wege zu gehen und wir müssen unsere Pflicht, die uns für die kommenden Monate obliegt, heraussteilen. Wenn wir altes tun, was menschenmöglich ist, bleibt doch eine Lüche auf dem Gebiet de« Getreides, des Fettes und des Zuckere, Die Ueberbrückung ist nur durch Einfuhren möglich, die wir mit Devisen bezahlen müssen. Um über die Schwierigkeiten hinwegzukommen, müßte der gesamte Devisenerlös zum Einkauf der fehlenden Nahrungsmittelmengen zur Verfügung gestellt werden. Der Landtag muß die rufende und mahnende Stimme des Volkes sein. Die Regierung muß in diesen Wochen und Monaten ihr Schicksal mit dem des Volkes verbinden und alle Möglichkeiten ausschöpfen. Das Volk hat den Willen zum Leben und wenn wir arbeiten können, werden wir auch leben können.” Unsere Devisen Abg. Dr. Schlapper (BCSV) behandelte die Frage der Demontage und forderte von der Regierung, daß sie in aller Freimütigkeit die brennenden Probleme mit der Militärregierung bespreche Es müsse verhütet werden, daß die Demontage der Industrie auf eine Demontage der Demokratie hinauslaufe. Bei allen Verhandlungen müsse das Ziel in einer konstruktiven Politik der Verständigung mit unseren Nachbarn hegen. De Regierung müsse sich be- Demontageliste Rheinland-Pfalz DeT Südkurier veröffentlicht die Desnootage- liste füT das Land Rheinland-Pfalz: Welsen, Bleialfs Visobusoh. Treis: Dynamit A.-G. Pulverfabrik, Hamm: Chariottemhütte, Nie. derschelden: Gebrüder Gitiltoi, Ludwigshafen; Dürener Metaülwerke Giuüind, Ludwigsfaafen; Blei- und S Überhütte, Braubach: I.-G. Farben- industrie, Oppau; Nickel, Heinrich, Betzdorf» Warm - Lufttechnik, Ludwigshafen; Armaturen Stefan, Osthofen; Geiger, Ludwigshalen; Meiste, riu „K“ Strache, Kirchheimbolanden; Rheinböllen Industriewerke, Rheinböllen; Pollux Gm.b.H., Ludwigshafen; Schneider J. und Co., Bad Kreuznach; I.-G. Farben, Ludwigshafen. Ra- sefaig, Ludwigshafen; Achermanm mul Schwind, Oggersheim; Schöpfer, Böhl; Siegelt und Co., Neuwied a. Rh.: Sauerstoffwerke. Mainz; Gewerkschaft Siegtal; Enteneuen RH.; Somynotwerke, BendoTf RH.; Rohm und Haas, Woraus; Che. Fabrik, Weinheim, Ingelheim; Boebringer Chem., Ingelheim; Knoll, Ludwigs- hafen; Degussa, Mainz-Mombach; BÖving, Mainz; Dyckertioff-Portland-Zementwerke A.-G . Neuwied a. Rh. Unter diesen Umständen beben hü dem Bekanntwerden der neuen Deoootageabsichtoo im Frühjahr die zuständigem Stellen der Wixt- schaftslenkimg mit Unterstützung der Gewerkschaften unaufhörlich auf die schwerwiegenden Folgen hingewiesen, falls die Maßnahmen einen bestimmten Umfang übersteigen sollten. Die veröffentlichte Liste bat leider die Befürchtungen übertroffen, und es finden darüber hinaus im Rahmen des Mascbmenentnahmeprogramms weitere Entnahmen auch aus Betrieben statt, die nicht namentlich auf der Demontageliste an„ - führt sind. Die Bevölkerung bat die Haltung ihrer Vertreter in der, letzten Landtagssitzung begrüßt und erwartet, daß sie sich auch weiterhin mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für eine Milderung der Maßnahmen und einen Ausgleich der Härten ein setzen. Nach wie vor sehen wir in der Demontage die „KaTdinalfrage", als die 9ie auch Präsident Wohieb wiederholt charakterisiert hat. Demontage der Demokratie“ wußt sein, daß gerade in der Behandlung der wirtschaftlichen Probleme eine vielleicht niemals wiederkehrende Gelegenheit liege, der deutsch-französischen Verständigung neuen Auftrieb zu geben. Sollte es aber der Regierung nicht möglich sein, eine befriedigende Verständigung zu erzielen, dann solle sie das Format haben, dem Landtag die Vertrauensfrage zu stellen. De Abgg. Stahl (DP) und Klaus (BCSV) behandelten Fragen der Landwirtschaft, wobei Kritik an den Haussuchungen auf dem Lande geübt wurde. Abg. Weiser (DP) nahm zur Frage der Demontagen Stellung und forderte, daß die Exporteure weitgehend von den Fesseln der Zwangswirtschaft freigemacht werden. Landwirtschaftsminister Schill stellte fest, daß ein Drittel der Nahrungsmittel aus dem Auslande bezogen werden müssen. Unsere Devisen seien Holz, Tabak, Wein und unsere Arbeitskraft. Diese müßten restlos eingesetzt werden, um eine Ernährungskatastrophe zu verhüten. Die Kontrollen auf dem Lande seien leider notwendig, er werde aber dafür sorgen, daß sie anständig durchgeführt würden. Das Landwirtschafts- und Emährungemini- sterium werde trotz aller Anfeindungen und Vorwürfe seine Pflicht weiter tun, Maschinenentnahmen Wirtechaftsrmnister Dr. Leibbrandt nahm zur Frage der Demontage Stelhmg. Als die Maschinenentnahmen im Vorjahr begannen, sei das Ministerium vorstellig geworden, um geordnete Formen zu finden. Bei der Reparationsentnahme in diesem Jahre wurde die Zusage gegeben,daß unentbehrliche Maschinen nicht entnommen werden sollen. Dese Zusage wurde auch im großen und ganzen eingehalten. Was die Auswirkung der Demontage auf die Kapazt- tätsminderunig der Industrie anbelangt, könne er noch kein endgültiges Urteil abgeben, müsse aber jetzt schon erklären, daß durch diese Stillegungen und Abtransportierungen ein schwerer Eingriff in Arbeit und Brot der betroffenen Arbeiterschaft erfolge. Der Wirtschaftsplan, der übrigens ein Regierungsplan sei, habe deswegen noch nicht vorgelegt werden können, weil er mit ähnlichen Plänen von Südwürttemberg und Rheinland-Pfalz koordiniert werden solle. Abgeordnete Frl. Dr. Beyerle (BCSV) trat für eine wesentliche bessere Ernährung der werdenden Mütter ein und Frau Seyfried (KP) stellte Zusatzanträge, die sich auf die Organisation im Emährungs- sektor beziehen. Abg. Geiler (SP) forderte die Regierung auf, in aller Schärfe gegen den Nazigeist Front zu machen, es seien wieder Kräfte am Werke, die die Demokratie stürzen wollten. Abg. Jäbkle (SP) bezweifelte, daß die Form der Ausführungen des Abg. Dr. Schlapper die richtige gewesen sei. Nach dieser eingehenden Aussprache nahm Staatspräsident Wohieb zu den verschiedenen aufgeworfenen Fragen Stellung. Er betonte, daß die Regierung keinen größeren Ehrgeiz habe, all den Forderungen und den Anregungen de* Landtages soweit als möglich zu entsprechen. De Regierung verdiente den schweren Vorwurf der Pflüchtvergeesenhedt, wenn sie nicht schon in der Vergangenheit diesem Wunsche entsprochen hätte, wenn ihr die Möglichkeit gegeben gewesen wäre. Aber der Rahmen, der der Regierung gesteckt sei, könne nicht nach ihrem eigenen Ermessen erweitert werden Dem Vorwurf, die Regierung sei Befehlsempfänger, trat der Staatspräsident mit der Bemerkung entgegen, daß das ganze deutsche Volk Befehlsempfänger sei. Das Vertrauensverhältnis zwischen Landesregierung und Militärregierung sei menschlich gesehen, gut und sachlich so, wie es ist, wenn eine Macht ein Land nach einem total verlorenen Kriege besetzt hält. Die großen Aufgaben können nicht mit Demagogie, sondern nur mit allergrößtem Verantwortungsbewußtsein gemeistert werden. England gegen „Informationsfeldzug“ Berlin. Die britisch lizenzierte Presse in den britischen Besatzungsgebieten Deutschlands ist, wie ein Beamter der britischen Kontrollkommission mitteilte, angewiesen worden, sich nicht an dem von der amerikanischen Militärregierung begonnenen antikommunistischen „Informationsfeldzug” zu beteiligen. Dänisches Kabinett gebildet Kopenhagen. Dem Sozialdemokraten Hedtoft ist es nunmehr gelungen, die nach den Wahlen erforderliche Umbildung des dänischen Kabinetts zu vollziehen. Das Kabinett besteht mit Ausnahme des liberalen Außenministers Rasmussen nur aus Sozialdemokraten. • Ministerpräsident ist Hans Hedtoft, Außenminister Gustav Rasmussen, Innenminister Alfing Andersen, Finanzminister H. C. Hansen, Justizminister Busch-Jensen, Handels- und Versorgungsminister Jens Krag, Landwirtschaftsminister Kristian Bording. Verteidigung Rasmus Hansen. • Erfolglose Verhandlungen Gottwalds Prag. Die Bemühungen des tschechoslowakischen Ministerpi äsidenten Gottwald um eine Beilegung der Krise, die durch den Rücktritt von 5 Mitgliedern der Regierung der Slowakei entstand, sind offenbar als gescheitert anzusehen Die Atmosphäre der politischen Auseinandersetzung ist durch den Gegensatz der slowakischen Demokraten einerseits — sie erhielten bei den letzten Wahlen 62 Sitze - und den Bestrebungen der kommunistischen Partei und den auf ihrer Seite stehenden politischen Organisationen andererseits, gekennzeichnet. Diese Bestrebungen zur Erringung der politischen Macht werden in dem Vorschlag Gottwalds erkennbar, die Ernennung der slowakischen Kommissare (Regierung) durch die tschechoslowakische Regierung vornehmen zu lassen. Dieser Vorschlag stieß auf eindeutige Ablehnung. Die baldige Umbildung der Regierung der Slowakei Wird jedoch als eine dringende Notwendigkeit betrachtet, da durch die Agitation linksgerichteter Kreise eine unruhige Lage entstanden ist. In politischen Kreisen wird deshalb Präsident Benasch oder der Präsident dei Nationalversammlung als einzig geeignete Persönlichkeiten angesehen, einen Ausweg aus der augenblicklichen Situation zu finden. Es wird auch damit gerechnet, daß die Sozialdemokratische Partei, unterstützt von den rechtgerichteten Parteien und den Parteien der Mitte, einen Vorschlag zur Lösung der Krise machen wird, um einen Damm gegen die Tätigkeit der Kommunisten aufzurichten. Zerfall der „Uooto Qualunque ' Rom. De .,Jedermann"-Bewegung zerfällt immer mehr. Man meldet nun den Austritt des Vizesekietärs der demokratischen „Uomo Qualunque"-Bewegung für Norditalien und Mitgliedes des Exekutivausschusses, Eduard« Steffi und des Sekretärs des Provinzverbandes Rom. DIE MEINUNG SP SonaUsMH dos Ziel — Demokratie der Weg Auf dem dritten Parteitag der sozialistischen Partei Oesterreichs wurde einstimmig das Aktionsprogramm angenommen, dessen Kern in der So- »ttlisienmg der Wirtschaft, insbesondere der Schlüssetanhmtrie: Der Großbetriebe der Baustoffindustrie, des Lokomotiv- und Waggonbaus, der Autoindustrie, der Zellwolä- und Kunst- seidenerzeugung, der Magnesit- und Aluminium- prodution, des Brückenbaus, der Stickstoff- und Kautschukeizeugung, der Papiererzeugung, der Lebensmittelindustrie und der Privatversiche- rangsanstalten liegt. Die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufstieg und Wohlstand OesteT- rekhs ist, daß alle Arbeitsmittel des Lande® zur freien Verfügung des österreichischen Volkes stehen Damit wurde die außenpolitische Linie angeschnitten, in der sich der Wille der Sozialisten dokumentierte, Oesterreich von jenen Fesseln der Potsdamer Beschlüsse zu befreien, die seine Handlungsfreiheit beeinträchtigen Tn seinem außenpolitischen Referat berührte Dr. Julius Deutsch auch de s Verhältnis zu der Sowjetunion an, mit der es seit dem 25 November 1945 zu schweren Differenzen gekommen sei Die Sozialisten lehnten mit aller Entschiedenheit jede« System des Einparteienstaates ab, und mit der gleichen Energie lehnten sie ebenso den Gedanken ab, an eine kollektive Verantwortung der Völker für jene Verbrechen, die von einer herrschenden Schicht verübt würden Sie wenden sich somit auch gegen die unterschiedslose Aedi- tung des ganzen deutschen Volkes, dessen demokratischen Teile bereits vor Oesterreich ein Opfer des Hitlerterrors geworden wären. Me sozialistische Partei Oesterreichs erstrebt eine enge internationale Verbindung aller sozialistischen Parteien zur Verfolgung einer gemeinsamen. von den Interessen der Großmächte unabhängigen Politik. So wurde auch die Diskussion zu einer Kundgebung internationaler Verbundenheit. Luise Schröder, die deutsche Delegierte und Oberbürgermeistern; von Beriin. die mit großem Beifall begrüßt wurde, sagte: Das Schmerzlichste für uns deutsche Sozialdemokraten war es stets, nicht so sehr, daß wir selbst schwer zu leiden batten, sondern, daß wir völlig außer- stände waren, dem Verbrechen des Nazismus Einhalt zu gebieten. Wir lieben unsere Heimat und das zeigt sich auch in dem brennenden Begehren so vieler Emigranten, aus deT relativen Behaglichkeit des Auslandes in ihr elendes und notleidendes Deutschland zuriiekzukehren Aber darüber hinaus umschließt uns internationale Sozialisten das Band der Wahlverwandschaft, das Band deT Idee, eine neue Welt zu gestalten, eine Welt der Freiheit und der Menschlichkeit Heute ist Deutschland isoliert, in Not und Verkümmerung es hat nirgends Freunde Auch wir Sozialisten Deutschlands müssen in dieser Isolierung und Verlassenheit leben. Begreifen Sie darum wie glücklich es uns macht, wenn sich irgendwo eine Freundeshand uns entgegenstreckt. Dr. K. P. DER PARTEIEN DP , Demokratie und „Demokratie” Wer war nicht verblüfft, als uns Hitler sagte, er habe die Demokratie eingeführt? Aber vnr sind nicht weniger verblüfft, heute zu hören, der Kommunismus sei Demokratie. Hitler argumentierte einfach: Die Partei ist das Volk und der Führer beider bin ich, also bin ich das Volk und meine Herrschaft ist Demokratie. Er hätte mit dem selben Recht sagen können: Wir haben eine Arbeiterregierung denn eT soll sich zeitweilig als Hilfsarbeiter betätigt haben. Ein Spiel mii Worten. Dialektik! Aber unsere ganze Politik ist voll von Worten und verzerrten Begriffen. Die Gefahr ist, daß sie so lang als feststehend behauptet und angewendet werden, auch wenn sie dem elementarsten Ueberlegen widersprechen, daß sie zuletzt ein Eigenleben bekommen nnd Bausteine zu den verwegensten Konstruktionen werden. Hierzulande, bei unserem „statischen ’, beharrenden Menschenschlag ist damit nicht viel auszurichten Wir verstehen untei Demokratie eine Sfaais- form, die grundsätzlich dazu da ist die Interessen ihrer Bürger zu fördern und euszugleichen. Der Staat ist für uns und nicht wir sind für den Staat da, weder für eine Staatsidee oder einen Mann mit aller Macht oder eine Partei Wir sind grundsätzlich gegen iede Machtanhäufung, welch« Art sie auch sei, weil wir aus iah» hunderte langer Erfahrung wissen, daß sl* immer wieder zu Katastrophen geführt hat, gegen die jene Epochen gar nicht zählen, in denen der Inhaber der Macht zugleich nag» wohnliche Staatsweisneit und Staatskunst repräsentierte Das Experiment Hitlers, das letzte in diesem Kapitel hat unser Vertrauen vollends erschüttert: wir wollen keinen Führer und keinen Landesvater mehr. Lieber nehmen wir die Konfusion in Kauf, die damit verbunden ist. daß jeder aus ungenauen Kenntnissen und Ueberle- gungen manchmal zu Schlüssen kommt, die er sich kaum ausreden läßt, schon darum nicht, weil er sie nicht preisgeben will Die Demokratie ist uns demnach ebensosehr Ziel praktischer politischer Erwägung wie des Tdealismus, wenn wir auch nicht verkennen, daß seine Erreichung große sittliche und politische Reife veraussetzt Der Gedanke ist uns unerträglich, daß einer, wenn er sich im Rahmen des Gesetzes hält, um einer Meinung willen unterdrückt oder auch nur schief angesehen werde, genau so, wie es uns unerträglich ist. selber so behandelt zu werden. Weil wfr den Menschen und Bürger als moralisches Geschöpf ansehen. meinen wir weiterzukommen wenn wir den Ausgleich der Interessen im freien Spiel der Kräfte suchen Und das ist für uns das Fundament nicht nur der politischen Demokratie, sondern auch einer wahrhaft humanen, brüderlichen Gesinnung. Und es lohnt sich, dafür unbeirrbar einzutreten. Aber von ..autoritärer”, verord- neter Demokratie ist es grundsätzlich verschieden. mdg Erste deutsche Presseschau nach dem Kriege Sonderberidit unseres W.H.-Redaktionsmitgliedes In Düsseldorf ist die erste große deutsche Presseausstellung nach dem Kriege eröffnet worden. Der britische General Bishop hatte dieser Schall zwar von vornherein vorausgesagt, daß sie eine günstige Wirkung auf die Oeffentlich- keit haben werde, doch schön das Projekt einer solchen Ausstellung, kaum Zwei Jahre- seit Bestehen der neuen deutschen Presse überhaupt, erschien manchen problematisch So fehlte es auch aus den eigenen Reihen der Presseleute nicht an bedenklichen Stimmen; haben doch z. B. 500 vollbeanspruchte Arbeitskräfte u. a. ca. 6000 qm Holz bearbeiten müssen, um der großzügig angelegten Schau eine stabile und dekorative äußere Gestalt zu geben. (Die Ausstellung wird nach Düsseldorf in weiteren zwölf deutschen Städten alleT Zonen, u. a. in München, Berlin, später auch Mainz gezeigt werden.) Was sollte nun erreicht werden? Den Zeitungsleser vertraut zu machen mit dem Wesen der Zeitung, mit der historischen Entwicklung der deutschen Presse (auch während des Dritten Reiches), mit dem technischen Werdegang einer Tageszeitung (vor den Angen der Besucher entsteht hier eine richtige Zeitung, die „Presse", gegenwärtig übrigens die einzige wirkliche deutsche Tages- zeitung ln den Westzonen Vertraut gemacht werden sollte das Publikum ferner mit dem Verlags-, Vertriebs- und Anzeigenwesen, mit allem, was zu einer Zeitung gehört, angefangen von den verschiedensten Arten der Nachrichtenversorgung, von einer großen Rolle Papier (mancher Pressemann hätte sie gerne als willkommene Sonderzuteilung nach Hause gerollt) bis zum letzten Zeitungsjungen Hinzu kommen dann weitere Abteilungen: eine britische Presseschau, mit einer großen Schautafel als Blickfang, auf der die Porträts der zehn britischen Zeitungsgewaltigen und eine Gliederung ihrer Konzerne gezeigt werden; eine Abteilung für Zeitungswissenschaft. eine für die „illegale Presse" sowie für „das Dritte Reich ln der Karikatur" Und der ganze deutsche ..Blätterwald” ist in der bunten Paspelierung von 17 verschiedenen Länderwappen in einem der Ausstellungssäle zu sehen Ein Bild der deutschen Presse in all ihren Variationen — das sollte gezeigt werden und ist auch erreicht worden Interzonale Zusammenarbeit war Voraussetzung für die Vollständigkeit der Schau Die zur Hälfte zerstörte, tu weiteren 25 Prozent schwer beschädigte, doch heute schon wieder ungeheuer vitale westdeutsche Industriestadt Düsseldorf, die zugleich eine traditions- reiche Ausstellungsstadt ist, hat durch die Presseschau eine große zusätzliche Belastung auf sich genommen, aber eben damit einen Optimismus und Lebenswillen dokumentiert, der vielleicht mehr zum produktiven Wiederaufbau beitragen kann, als der materielle Aufwand für die Ausstellung diesen Aufbau verzögern konnte. Werner Finck Nach seinem Koostanzer Abend - Man kann es gut begreifen, daß Werner Finde den Nazis ein Ärgernis war. Goebbels, „unser Doktor", soll mit dem Fuß gestampft haben (wo- zu er einen besonderen hatte), wenn ihm die Gestapo einen dicken Band mit stenographischen Aufzeichnungen über die letzten Kabarettvor- träge Findcs überbrachte. Da war zunächst nur schwer festzustellen, was er eigentlich gesagt hatte, denn er fängt immer zwei oder drei Sätze zu gleicher Zeit an und überläßt es den Zuhörern, sie zu beenden. Entweder hat er selber dann überhaupt nichts gesagt oder aber er hat sich „positiv", durchaus positiv geäußert Was ist dagegen einzuwenden, wenn er z. B, fragte, was der Unterschied zwischen Deutschland und Rußland sei? — ? — Und dann antwortete: In Rußland ist'« kälter. Also eine rein meteorologische Angelegenheit. Und darüber lachte ein ganzes Auditorium. . . Oder wenn er fragte: Warum sprechen Gleichnisse immer in der Mehrzahl? Zum Beispiel: Lügen haben kurze Beine Man könnte doch auch sagen: Me Lüge hat ein kurzes Bein. Und wieder das Gelächter als Antwort. Es war wirklich zum Ansderhautfahren mit diesem Menschen! Nun, sie haben fhn schließlich doch zur Strecke gebracht nicht mit der Stirn, sondern, nach bewährter Methode, mit der Faust. Daß Finch jetzt keine Memoiren über Erlebnisse als Nazi-Opfer schreiben will und dies andern überläßt macht ihn uns besonder® sympathisch Er geht mit deT Zeit steht In der Gegenwert, die ja, dem Vernehmen nach, auch noch einigen Stoff zum Veralbern. birgt. Sein Geheimnis ist, das anzudeuten oder anzusprechen, was eigentlich . jeder unausgesprochen in sich trägt was des Lachens wert ist, eines Lachens, gegen das sich jeder mit einem erstickenden Ernst wehrt, und das wie unter einem Brett vergraben liegt. Gegen dieses Brett kommt man nicht durch rollende Jamben auf, sondern nur durch behutsamen Witz, eben den Witz Fincks, der ihn sähst, nach altem Sprachgebrauch, als albern bezeichnet. Man kann ihn euch naiv oder einfältig nennen Er macht die mit finsteren Emst behandelten und zusehends «dt mehr verwickelnden Probleme einfach, streift Dekorationen ab, an die wir im Grunde doch eicht glauben oder nicht mehr glauben, und bringt che Menschen einander näher. Wer lacht, M niete mehr bös*... Unbedingt „attfbaoend*” Arbeit, um eine der landläufigen und hohl gewordenen Phrasen zu gebrauchen! Zwei Stunden lang sprach und sprudelte Werner Finck im KonstanzeT Stadttheater, und keine Minute wurde es langweilig! Das will etwas heißen, denn er improvisiert frei, und was zusammenhält, ist nur seine ganz persönliche Art der Betrachtung und des Vortrags. Und den Zuhörern wird e® nicht leicht gemacht, denn sie selber müssen herausbekommen, was eT eigentlich meint und was er meistens nicht einmal mit einem vorschriftsmäßig gebauten Satz ausspricht. Interessant waT auch d«s angeregt mitarbeitende Publikum selbst, ein ganz besonderes Publikum. AHe unsre Konstanzer Berliner, eine stattliche Gemeinde, waren zu ihrem Berliner von der „Katakombe” gekommen, obwohl Finck gar kein Berliner, sondern ein Schlesier- ist, wie die meisten Berliner. Es war also auch ein Erinnern an vergangene Zeiten. Schade, daß man am Schluß nicht eine Taxe heranrufen und zu Barz oder zu Henry Bender fahren konnte, um den vergnügten Abend bebaglidi ausklingen zu lassen. Fr M u n d i n g Werner Finck ist nach seinem Konstanzer Abend im Züricher Schauspielhaus aufgetreten und hatte hier einen ebenso großen Erfolg. Er wird übrigens heute abend seinen so beifällig aufgenömmenen Vortrag im Stadttheater Konstanz wiederholen. II. Symphoniekonzert im Konzil Zum 100. Todestag Fells Mendelssohn Bartholdys Nach den einleitenden Worten des Sprechers Dr. Bernhard Möcking, der in eindringlicher Weise ein gültiges Bild vom Leben und Schaffen Mendelssohns entwarf, erklang die von Wagner und Brahms so hochgeschätzte Hebriden-OuveT- türe deren feines landschaftliches Kolorit und köstliches figurstives Gewebe unter den schmiegsamen Händen von GMD Bodsrt in mühelos hingebreiteten dynamischen Nuancierungen und energischer Straffung der dramatischen Motivumbiegungen jenen poetischen Reiz ausstrahlte, der im sagenhaften Charakter dieser Tondichtung beschlossen liegt. In einem charakteristischen Weikdurchselmitt durfte natürlich das herrliche Violinkonzert mit seiner ganzen spielerischen Leichtigkeit edelsten. seelenvollsten Form- findens und seiner geistreichen virtuosen Lineatur nicht fehlen. Solistin des Abends war die Pariser Geigerin Francine G u i g n a r d, eine Caivet-Schüleri«, die, wenngleich ihrem Spiel auch Natur und Kunst Von Auguste Roddn Der am 12. November 1940 in Paris geborene größte französische Plastiker im Zeitalter des Impressionismus, Auguste Rodin, starb vor nun dreißig Jahren, am 17. November 1917. Wenn die Körper natürlich fühlen, bewegen eie sich schön und sind keiner Häßlichkeit fähig. Selbst in den höchsten Ausbrüchen der Wut trennt sich dann der Mensch nicht von der Harmonie der großen Linie. In der Frau, die sich kämmt, kann die Bewegung de6 Gestirns liegen, und wenn sie mit fliegendem Haar vor dem Meer steht, weiß man nicht, ob dieses oder sie schöner ist, denn sie selbst ist das Meer. — Nie soll man ein Modell stellen wollen. Es lehrt uns, was wir tun sollen. Ein schlechter Künstler machte eines Tages eine gute Zeichnung, weil sein Modell eingeschlafen war und er einfach die Natur kopierte. — In der Kunst muß man einen gewissen Punkt überwinden. Man muß den Mut haben, auch Häßliches zu schaffen, denn wer diesen Mut nicht besitzt, bleibt auf dieser Seite der Mauer. Es gibt wenige, die hinübersteigen auf die andere Seite. die letzte Kraft nnd das Dunkelteuer geigerischer Entrücktheit nicht beschieden sind, doch über eine außerordentliche klangliche und technische Kultur verfügt. Besondere Vorzüge sind die vornehme. poetische Empfindsamkeit, glatte, mühelose Lauftechnik, auffallende bogentechnische Virtuosität und Eleganz, kristallene Reinheit der Intonation. Charakteristisch der zwar kleine, abeT herrlich gerundete Ton mit dem intensivierten, fast fieberhaften Vibrato ä la Caävet. Das klangliche Klima des Violinkonzerts »lebte durch die Wiedergabe der Italienischen Symphonie eine folgerichtige Fortsetzung. In der verblüffend ausgewogenen geschmeidigen Ausdeutung des Dirigenten. der bei Beibehaltung eines souverän gebändigten Kraftmaßes über die Hände nnd Zauberfinger Felix Weingartners zu verfügen scheint, konnte unser Konstanzer Orchester die ganze Spiel Seligkeit, den schwelgerischen Süden und die bunt wirbelnde RhythmenvieWait dieser Komposition sichtbar machen, in deren sommerliche Mittelmeerhelle nur zeitweise im Andante die weiche, schwermütige Resignation der zartsinnigen Mendelssohnscfaen Individualität hereinbricht Mochte auch noch nicht alles zur vollen zeichnerischen Bestimmtheit gelangt sein, unter den Händen dieses Dirigenten wird das Orchester seinen Weg machen. Eine nicht gerade erdrückende Besucherzahl spendete den verdienten herzlichen Beifall. Dr. G. Lenzinge r. KULTUR UND LEBEN Nobelpreis für Literatur. Dem französischen Schriftsteller Andrä Gide wurde der Literatur-Nobelpreis für das Jahr 1947 verliehen Andre Gide steht kurz vor der Vollendung seines 79. Lebensjahres. Er wurde am 22. November 1869 in Paris geboren. Keiner übte *n der Zeit von 1910 bis in unsere Tage einen so starken literarischen und moralischen Einfluß auf die verschiedenen Generationen in Frankreich aus wie er. Trotz seiner hohen Achtung vor der französischen Tradition verschloß er sich nie dem geistigen Einfluß fremder Nationen und wuchs so als literarische Persönlichkeit unserer Zeit übeT die Grenzen seine® Vaterlandes hinaus „Des Teufels General" von Zuckmayer wurde im Hamburger Schauspielhaus zum erstenmal in Deutschland aufgeführt und fand starken Beifall Wir brachten nach der Uraufführung in Zürich einen Bericht über da s Stück, das sich, wie erinnerlich, mit dem Schicksal de« Flieger- general® Udet befaßt. Gemeinnütziges Theater tn Tübingen DeT TübingeT Gemeinderat beschloß, das Schauspielhaus in Fonn eines Zweckverban- des, d. h. also als Stadt- und Staatstheater weiterzuführen Die Städte Tübingen und Reutlingen tragen zu gleichen Teilen die Kosten. Ein Zuschuß des Landes Südwürttemherg in Höhe von 80 000—100 000 Mark soll hinzukommen Staat und Städte stellen Vertreter in eine Aufsichtsbehörde In der Aussprache wurde bekannt, daß das Schauspielhaus in deT ersten Spielzeit ein Defizit von 7500, in der zweiten von 20 000 Mark hatte. Von allen Parteien wurde die Forderung an die Stadtverwaltung gestellt, dem UebermeS oft zweifelhafter kultureller Veranstaltungen in der Stadt zu steuern Int e n d a n t «n we ch se 1. Der bisherige Intendant des Stuttgarter Rundfunks Ermath, ist zurüdkgetreten Er sagte, die Personalpolitik am Stuttgarter Sender habe Min* Zustimmung nicht gefunden. Amtsenthoben Ein peinlicher Unfall passierte dem Intendanten des Badischen Staats- theaters in Karlsruhe, Erwin Hahn. Es stellte sich heraus, daß er 1940 Pg war. Er mußte. fetzt sein Amt verlassen. Die Geschäfte führt der Opern- direktOT Metzeradi. Richard Strauß, unser größter zeitgenössischer Musiker, soll jetzt vor der Spruchkammer Garmisch-Partenkirchen behandelt werden Strauß ist heute 83 Jahre alt und soll Oesterreicher geworden sein. Leider machte er als Präsident der Reichs-Musikkammer mehr al® notwendig den Nazirummel mit and spielte auch im Streit Goebbels-Furtwängler eine wenig erfreuliche Rolle, Trotzdem sollte es möglich sein, die Affäre angesichts des Alter® glimpflich zu behandeln Der Verband s ü d w e s t d e u t s ch e r Autoren hielt unter dem Vorsitz von Heinrich Ber] in Lahr seine zweite Tagung ab. Oberbürgermeister Dr. Waeldin teilte mit. daß die Stadt Lahr einen Literarturpreis stifte Staatspräsident Wohleh überbrachte die Grüße der badischen Regierung Eine ganze Reihe interessanter Referate sicherte der Tagung einen anregenden Verlauf Berliner Kulturbund verboten Der amerikanischen Militärbehörde ist jetzt die englische mit dem Verbot des „Kulturbunds für demokratische Erneuerung" in der englischen bzw amerikanischen Zone Berlins gefolgt. Das Verbot wurde damit begründet, daß der Kulturbund nur von der russischen Militärbehörde zu- gelassen sei und für andere Zonen keine Genehmigung nachgesucht habe Professoren verhaftet. Wie die Zentralverwaltung für Volksbildung in deT Sowjetzone bestätigt, wurden die Professoren Dr. Lange Dekan und Leiter des Anatomischen Instituts, auch „Opfer des Faschismus", und der Mediziner Prof. Dr Lange von der Universität Greifswald verhaftet Gründe werden nicht mit- aeteilt Zeitungsbetrieb wird deutsch. Die russische Militärverwaltung gibt die „Tägliche Rundschau" in Berlin heraus und hatte bisher einen großen deutschen Betrieb hierfür mit Beschlag belegt Jetzt soll er in deutsche Hände gelegt werden Die jetzigen Redaktionsgebäude, Rotationsmaschinen und Vertriebseinrichtungen sollen an eine deutsche Firma verkauft werden, die bereits verpflichtet sei, mit Vertretern der russischen Militärregierung beziehungsweise der russischen Regierung einen Pachtvertrag abzü- schBeßen Faeftag, 14. November 1947 ßaötfche Lanöcechrontk Ruf zur Einhehr Die evamgel. Landeskirche ruft für den kommenden Sonntag zum Landesbuß- und -bettag auf Da« Wort Buße wird nicht gerne gehört Man glaubt, mit ihm sich etwas zu vergeben, und kann es eben mit seinem Menschenstolz nicht vereinbaren. Und doch ist der Ruf zur Buße, d. h. der Selbstbesinnung und Einkehr, der gewaltige Ruf unserer Tage. Tut Buße. das predigen uns die Ruinen der Städte, das mahnt uns die Unsicherheit jeglicher Existenz, das fordert auch die brennende Sotge um« tägliche ' Brot All' dies Geschehen will uns eindringlich sagen, daß unsere letzte Abhängigkeit bei dem lebendigen Gott ißt Der Bußtag ruft uns zur Hinwendung zu Gott, der allein Halt und fe6te, bleibende Geborgenheit schenken kann Buße ist nicht müdes Verzichten, sondern mutige Umkehr und Neues, an Gott gebundenes Wirken. Dazu ruft uns auch dieser Bußtag persönlich und als Volk Aus dem Hochsdmlleben Die Universität Mainz hat als Unterabteilung der naturwissenschaftlich«! Fakultät ein Kolleg für Weinbau eingerichtet. Es ist das erste seiner Art in Deutschland und wird von dem Spezialisten Dr. Otto Sartorius geleitet. Ziel des Kollegs ist das wissenschaftliche Studium des Weinst ockes und seiner Bearbeitung, ferner Methoden der Weingewinnung und -behandlung. Die Vorlesungen werden ergänzt durch mehrtägige Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung von Mainz, die mit Bundgängen durch Weinberge, Kelter- und Kellereianlagen verbunden sind. Lebensmittelkarten gefälscht Waldshut. Unter der Anklage, im Frühjahr 1947 in Waldshut laufend dadurch zusätzlich Brot bezogen zu haben, daß er bei den wertlosen Nummermarken 10, 11 und 12 der Lebensmittelkarten mit dem Messer jeweils eine Zahl wegradierte und 60 widerrechtlich auf 1 und 2 Brot bezog, stand der 24jährige Michael Polkler aus Siebenbürgen vor dem Richter. Er hatte zuletzt in Weil a. Rhein gewohnt und eich auf diese Weise rund 30 Kilo Brot verschafft, die er meist verschenkt hatte. Zwei „Freunde" hatten ihn außerdem zut Beteiligung an schweren Diebstählen in Riedern a. S. verleitet. Er erhielt sechs Monate Gefängnis. In der Schweiz gefaßt Lörrach. Zwei ehemalige Angehörige der Waffen-SS, die in der Nähe von Stuttgart zu Hause sind, und die Grenze schwarz überschritten, haben in der Schweiz eine Reihe von Einbrüchen verübt. Sie wurden gefaßt und erhielten jetzt vom Richter in Basel je 6 und 5 Monate Gefängnis Anschließend an die verbüßte Haft werden ■sie an die Grenze gestellt. Kulturmittelpunkt der Sehutterstadt Lahr. Ais ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Stadt darf die Eröffnung des „Lahrer Hauses” beim Storchen- turm in Anwesenheit zahlreicher geladener Gäste gelten. Unter dem Namen „Welt- und Heimatspiegel” wird dieses Gebäude der Mittelpunkt des kultureEen Lebens der Stadt sein. Das Haus wurde von der Stadtverwaltung und mit Unterstützung der Militärregierung geschaffen. In seiner Begrüßungsansprache führte Oberbürgermeister Dr. Waeldin u. a. aus, daß diese Schöpfung ein Symbol des Aufbauwillens in schwerster Zeit sei. Er übergab die Verwaltung des Hauses einem Schmuggler, Diamanten unO Kaffee Dort, wo der Bhein für wenige Kilometer aufhört, Grenzfluß zu sein, wo waldige Hügel, Stromschnellen und verzweifelte Zöllner die Landschaft schmücken, wo Aecker auf hundert Meter mehrmals die territoriale Herrschaft ändern, dort ist das Eldorado der deutsch - schweizerischen Schmuggler. Vergeblich suchen Zöllner dreier Nationen dem Treiben Einhalt zu gebieten — im Schaffhauser Zipfel Wird geschmuggelt; die Grenzbewohner dieser Landschaft pochen auf ein überliefertes Recht Schon der letzte Krieg hat hier Leute durch Abend - Spaziergänge reich gemacht. Viele wertvolle Lebensmittel, die der Deutsche selber gerne essen würde, verschwinden so nächtlicherweile außer Land, aber die Gegenleistungen bleiben nicht aus. Für uns unerhältliche Sachen, wie Sämereien, Werkzeuge und Kleidungsstücke, die das eigene Land nicht mehr zu bieten hat, bilden „Kompensationsware“. Ohne diese Zuschüsse von der anderen Seite hätten die Bauern in der Grenzgegend kaum solche Rekordernten in ehe Scheuem gebracht Davon profitierte unser Land mehr als die paar Eier wert waren, die schwarz über die Grenze gingen. So war es nach dem letzten Krieg, io ist cs heute und so ^ wird es vermutlich bleiben. * Der Mann mit der knallgelben Leder- mappe, der soeben dem Lokalzügle entsteigt, bleibt nicht wie die anderen Reisenden ratlos stehen, sondern schlägt sofort einen Feldweg ein, der zu einem etwas abseits stehenden Gehöft führt. Man erwartet ihn dort. Mit dem ersten Grün kn Frühling und dem letzten Laub im Herbst ist er da. Im Bauernhaus weiß man den Reisenden zu schätzen. Er stellt die wesentlichste Einnahmequelle dar, die zwar (geht ungefährlich, dafür äußerst lukrativ HEIMAT Sfrüjg KURIER Nr. M / Sette 3 Ausschuß. Im Geist der Humanität und Toleranz soll das Werk dem Frieden und der Verständigung der Völker dienen. Professor Merten, Leiter der Volkshochschule, gab einen Ueberblick über das Werden des Hauses und umriß dessen vielseitige Aufgabe Im Erdgeschoß befindet ei di, außer einem Ausstellungsraum der Lahrer Akademie der Schönen Künste, eine Verkaufsstelle für deutsche und französische Büchen im Obergeschoß eine reichhaltige Leihbücherei, eine Lesestube mit deutschen und französischen Zeitungen und Zeitschriften, ferner der Vortragssaal und das Büro der Volkshochschule. Der Gouverneur des Kreises Lahr, Commandant de Rendinger, sagte auch weiterhin seine tatkräftige Unterstützung zu. Mit der Eröffnung des Hauses war eine Ausstellung von Künstlern des Kreises Lahr verbunden. „Die guten Willens sind” Baden-Baden. Am Buß- und Bettag findet im Kleinen Theater eine besonders der Jugend gewidmete künstlerische Veranstaltung unter dem Titel „Die guten Willens sind’’ statt. Es wirken u. a. mit.: Die große Vortragskünstlerin Käte Kühl, früher Ka- - barett „Katakombe" Berlin, Horst Lommer, Berlin, Liee Daniels, Sopran der Radiodiffusion Francaise und der großen Pariser Konzertvereinigungen, Jean Deninx, ehemaliges Mitglied der Comödie Francaise, die Tanzgruppe Jean Weidt, die auf dem diesjährigen Wettbewerb in Kopenhagen den «raten Preis erhielt, der internationale Chor „Mizmor” mit seinen Solisten unter Leitung von Leon Algazi, sowie zahlreiche Künstler des „Südwestfunk” und des Theaters der Stadt Baden-Baden. Den musikalischen Teil hat das Große Orchester des „Südwestfunk" unter Leitung von Gustav Görlich übernommen. Leiter der Veranstaltung ist Guy Walter. Wiederaufbau des Viadukts Pforzheim. Durch die amerikanische Militärregierung und die deutsche Eisenbahnverwaltung ist der Wiederaufbau des Pforzheimer Viadukts genehmigt worden. Es verbindet die französische mit der amerikanischen Zone. Die französische Militärregierung hat für den Brückenbau 160 Festmeter Rundholz freigegeben. Man hofft, daß die Strecke Pforzheim— Calw im kommenden Frühjahr in Betrieb genommen werden kann. „Nachfrage wegen Zimmern zwecklos" Von den Schwierigkeiten Für die Wohnungsfragen der Studenten ist in Tübingen die Akademische Wohnungsstelle zuständig. An der Türe hängt, selbstverständlich, ein Zettel; „Nachfrage wegen Zimmern zwecklos”. Immer mehr Quartiere werden der Verfügung dieser Stelle entzogen. Hier kehrt der Sohn aus der Kriegsgefangenschaft heim — der Student muß den Platz frei machen. Dort heiratet die Wirtin zum zweitenmal, und die Tochter braucht nun ein eigenes Zimmer. Der Student steht auf der Straße. Vielleicht erwischt er ein Unterkommen in Tübingen-Stadt, sonst muß er, wie so viele, sein Heil in den Nachbarorten und -Städten versuchen. Das bedeutet Aufwand an Zeit, Kraft und Geld, was dem Studium nicht eben förderlich ist. Zudem ist er auch, was die Ernährung betrifft, denen gegenüber im Nachteil, die in der Stadt wohnen Denn Tübingen ist „Sonderstadt”. Es gibt nicht wenige, die sogar von Stuttgart aus in Tübingen studieren. Wie sie das wohl machen? Die Gaststättenmahlzeiten reichen wirklich nicht aus, um die zum Lernen und Arbeiten nötigen Kräfte zu verschaffen. Ganz zu schweigen von der Komödie, bis man sein Essen glücklich vor sich stehen hat. Wenigstens wird jetzt dafür gesorgt, daß diejenigen, die bis 13 Uhr Kolleg haben, noch ein Mittagessen bekommen. Dafür muß, wer erst um 19 Uhr fertig ist, sehr oft auf ein warmes Abendessen verzichten. Aber es wird viel getan. Für solche, die stark unterernährt und gesundheitlich gefährdet sind, gibt es Lebensmittelzulagen, ebenso für Examenskandidaten. Die Hilfswerke der Kirchen haben Erholungsheime zur Verfügung gestellt und greifen auch sonst helfend ein. Von USA-Universitäten geht ebenfalls eine Unterstützungsaktion aus. Wenn der Student sich durch diese Hindernisse — zu denen auch die Brennholzversorgung gehört — hindurchgekämpft hat und sich an die Arbeit setzen will, gibt es gleich neue Fragen. Es fehlt an Büchern und Papier. Gewiß, es wird auch hier etwas getan; der Allgemeine Studen- ten-Ausschuß (ASTA) setzt sich dafür ein. Im vergangenen und in diesem Semester wurden jedem Studierenden drei dicke Hefte zugeteilt. Doktoranden können etwas Schreibmaschinenpapier durch das Studentenwerk erhalten. Aber der müßte schon ein Gedächtniskünstler sein, der mit solch geringen Mengen für ein ordnungsgemäßes Studium auskommen wollte! Ein der Tübinger Studenten Student der Philologie und der Geschichte z. B. hat bei seinen drei Fächern in jedem Semester etwa zwei bis drei Referate anzufertigen, deren Länge gewöhnlich wenigstens 20 bis 30 Schreibmaschinenseiten beträgt; es gibt auch solche von 50, ja 100 Seiten Länge! Man kann jetzt allerdings Papierwaren gegen Altpapier kaufen. Wer von den hier Ansässigen sein Eigentum durch den Krieg hindurchgerettet hat, wird leicht alte Bücher und Zeitschriften finden, die er hergeben kann. Wo soll der ortsfremde Student Altpapier heraehmen, zumal wenn er zu den Ausgebombten und Flüchtlingen gehört? Auch die Bücher, die er für sein Studium braucht, kann der Student kaum selbst beschaffen. Er ist auf die Bibliotheken angewiesen. Geht er aber in die Universitätsbibliothek und bestellt 10 Bücher, so kann er von Glück sagen, wenn er nur fünf von seinen Bestellscheinen zurückerhält mit dem Vermerk: „ausgeliehen”; vielleicht kann er nur eben ein Buch mit nach Hause nehmen. Seminarbüchereien dürfen nur an Ort und Stelle benutzt werden. Aber auch da ist die Zahl der Interessenten eo groß, daß man oft an die nötigen Bücher nicht herankann. Vielfach sind die Bestände gelichtet, und es kann kein Ersatz beschafft werden. Aber es wird gearbeitet, trotz allem. Viele sehen sich gezwungen, möglichst schnell auf ein Abschlußexamen hinzustreben. Von sorgloser oder gar leichtsinniger „akademischer Freiheit’.’ .mit verbummelten Semestern ist nichts- zu spüren. Das Studium ist uns eine Pflicht, die wir gewissenhaft erfüllen wollen. Armgart Trendelenburg Und bei den Pariser Studierenden Auch in Paris — früher ein Dorado für Studenten — haben 5000 Kommilitonen Wohnungssorgen. Da die Unterkunftshäuser im Universitätsviertel ebenso überfüllt sind wie die zahlreichen Studentenheime, die mit Stipendien aufrecht erhalten werden, bleiben bei dem allgemeinen Wohnungsmangel nur teure Hotelzimmer. Deshalb will jetzt der Unterrichtsminister die obdachlosen Studenten in Kasernen einquartieren. Eine reizvolle Lösung: Künftig werden in diesen Mauern an Stelle der Schießvorschriften die Philosophen studiert und auf den Kasernenhöfen statt „Geschlossener und geöffneter Marschordnung’’ anregende Steh-Convente geübt —cb— Karleruhe ttnrö toieOer Aueftellungeftaöt Gedenken an Han« Thema — Nachdem Karlsruhe eben erst beim Südwestdeutschen Internistenkongreß viele Hunderte auswärtiger Aerzte in seinen Mauern begrüßen konnte, trafen sich jetzt die Neubürger Nordbadens mit den 14 000 in Karlsruhe untergebrachten Ausgewiesenen aus dem Osten anläßlich der .Karlsruher Kulturtage der Neubürger”. Die beiden Veranstaltungen erinnerten daran, daß Karlsruhe einmal eine gern aufgesuchte Kongreßstadt war und wieder werden wilL Zugleich schaltet sich Karlsruhe auch auf dem Gebiete - der Kirnet wieder in stetiger und fortschreitender Arbeit erfolgreich in das kulturelle Leben Badens und des deutschen Südwestens ein. Die Badische Kunsthalle eröffnet« in den Räum«! des Badischen Kuns tv ere i ns (da die Kunsthalle selbst baulich noch nicht wieder bergestellt ist) nach achtjähriger Pause die erste Ausstellung nach dem Kriege, die sie dem Werk Hans Thomas und seines Kreises widmet. Der Galeriebesitz, der den Krieg in sicheren Ausweichlagem gut überstanden hat und — soweit er in der amerikanischen Zone siefaergestellt war — inzwischen wieder nach Karlsruhe zurückgebracht worden ist, wurde bisher schon durch Leihgaben in Ausstellungen anderer Städte und besonders auch in der ersten deutschen Auslandsausstellung in St. Gallen den Kunstfreunden zugänglich gemacht. Er ist inzwischen weiter vergrößert worden, und so können in der gegenwärtigen Ausstellung zum erstenmale auch eine Anzahl Neuerwerbungen von Gemälden Hans Thomas gezeigt werden. Direktor Martin von der Badischen Kunsthalle berichtete in der Eröffnungsfeier über die schwierigen Arbeiten zur Sicherstellung der Bilder während des Krieges und die baulichen Fortschritte zur Wiederherstellung der Kunsthalle. Sie kann im nächsten Jahre wieder die wichtigsten Bilder auf« Neubfirger aeigen Kaartgewerbe nehmen. Der Direktor der Akademie der Bildenden Künste, Professor Dr. Gehrig, würdigte das Leben und Schaffen Hans Thomas. Im Rahmen der Kulturtage der Neubürger zeigen diese aus ihrer Heimat Ausgesiedelten, was sie auf kunstgewerblichem Gebiet können. Die handgearbeiteten Kleidungs- und Wäschestücke, die kunstvollen Holz- und Stroherbedten, die glitzernden Erzeugnisse aus Glas und Metall der Gablonzer Arbeitsgemeinschaft, Spielzeuge, Puppen und Tiere verbinden sich mit zahlreichen Gemälden, Statistiken und Modellen von Wohnhäusern, die von der Neubürger-Siedlung errichtet werden, zu einem anregenden Vielerlei. Es gibt dieser Ausstellung im überreichen Programm der Kulturtage der Neubürger eine über den Tag hinaus dauernde Bedeutung. ' -sdi- SchrUtstaUer tagten Lahr. Vom 7. bis 9. November fand in Lahr die erste Tagung des Verbandes süd- westdeutscher Autoren 6tatt. Bei der Eröffnungssitzung hielten der Gouverneur des Kreises Lahr, sowie Staatspräsident Wohieb Ansprachen-, ferner sprach Alfred Döblin. Oberbürgermeister Wäkhn, Lahr, gab die Stiftung eines Literaturpreises der Stadt Lahr bekannt, der nach dem Beschluß der Versammlung noch durch die Beteiligung des Verbandes erweitert werden wird. Es folgte ein Referat des Vorsitzenden Heinrich Bert über .Der deutsche Geist zwischen Ost und West", in dem auch über den Berliner Schifftstellerkoogreß ausführlich berichtet wurde. Das Programm der Abendfeier wurde durch das Quartett de« Freiburger Orchesters bestritten. Neben der eingehenden Aussprache über die Themen der Vorträge wurden am zweiten Tag interne Vetbandsfragen behandelt. Die Tagung war aus allen Teilen der Zone gut besucht. SüOrocftöeutfchc Umfchau Konstanz. Der Dekan des Kirchenbezirks Konstanz und Pfarrer an der Lutberkirche konnte den Gedenktag seiner Ordination vor 25 Jahren begehen Seit dem Jahr 1941 ist Dekan Mono an der Lutherkirche in Konstanz tätig und wirkt hier segensreich wie im weitverzweigten Dekanat das von Stetten a t M. im Kieis Stockach bis nach Kadeiburg im Kreit Sädcingen reicht. — Ueberiingen. Der bisherige Landrat von Waldshut. Georg Beck, ist in gleicher Eigenschaft nach Ueberlingen versetzt worden. Bede war von Dezember 1945 bis März 1947 Bürgermeister der Insel Reichenau und anschließend Landrat in Waldshut Markdorf. Die jahrhundertealte Sitte des ,-Mar- tinisingens" ist heuer in Markdorf von den Sängerknaben wieder durehgeföhrt worden. Salem. Die Staad. Webschule im Schloß Salem veranstaltete eine Ausstellung ihrer Erzeugnisse, bei der die Besucher auch einen Einblick in die Arbeit der Schülerinnen an Spinnrad und Webstuhl nehmen konnten Singen. Im Beisein des französischen Armee* Bischofs Mons. Picard de la Vacguerie und des Weihbischofs Burger-Freiburg wurde im Kriegsgefangenenlager die Lager-Kapelle „Sencta Theresia" eingeweiht. Nach Auflösung des Lagers soll die Kapelle als katholische Kirche für das dortige Stadtviertel dienen VBllngen. Im D-Zug Lindau — Köln versuchte zwischen Donaueschingen und Villingen ein 19- jährigei Hilfsarbeiter sich mit einem Taschenmesser die Schlagader zu öffnen. Der Versuch mißlang und er wurde in das Villinger Krankenhaus eingeliefert aus dem ei an gleichen Tage wieder entlassen werden konnte. Abends noch wurde er von der Polizei in der Brigacfa liegend aufgefunden Liebeskummer war auch der Grund zu diesem zweiten Selbstmordversuch den er ohne Verletzungen überstand Tübingen. Es wird darauf bingewiesen, daß hei der Ueberschreitung der Zonengrenzen die Mitnahme von Bargeld auf einen Höchstbetrag von RM 500.— festgesetzt ist. In diesem Betrag dürfen nicht mehr als 10.— RM in Geldscheinen unter RM 5— oder in Kleingeldnrünzen enthalten sein Metzingen. Der 69 Jahre aLandwirt und Metzgermeister Reusch wer von seiner kürzlich I verstorbenen Frau enterbt worden. Er nahm sich das so zu Herzen, daß er beschieß, au« dem Leben zu scheiden. Er schlug alles kurz und klein, ließ Most- und Weinfässer ausiaufen. zündete das Anwesen an und erhängte sich dann Rutfingen. Ale das siebenjährige Söbnchen einer Witwe am Grabe der verstorbenen Schwester spielte, fiel der Grabstein um und begrub das Kind unter sich. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Vater des Kindes kam im Krieg ums Leben Stattgart. Der deutsche Leiter von Radio Stuttgart, Df. Fritz Ermarth, ist zuiüekgetreten. Nach seiner Aussage seien ihm beim personellen Aufbau von Radio Stuttgart nicht die Freiheiten gewährt worden, die er für notwendig gefunden hätte, um ein erstklassiges Rundfunkprogramm gestalten zu können HeMeahefea. Bei Versuchen, den Rohstoffmangel zu überwinden und auf anderer Basis gleichwertige Erzeugnisse auf den Markt zu bringen, gelang es der Zementfabrk E. Schwenk, einen Eisenbetonträger als Ersatz für di« bisher bei Deckenkonstruktionen verwendeten Holz- und Eisenträger zu entwickeln. Bel einer Belastungsprobe erwies sich die große Tragfähigkeit dee neuen Trägers und seine gute Eignung für Industriebauten. Ein Gewicht von 1500 Kilogramm pro gm ergab nur «ine Durchbiegung von 1 cm. Zwischen den Trägern werden Hohlsteine eingefügt und mit einer Betonschicht überzogen. Starnberg. Der Fi'Iraschatmpietec Hans Alber* wurde von der Spruchkammer Starnberg als vom Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus nicht betroffen erklärt. München. Der Direktor . der Militärregierung für Bayern, General Walter J. Midier, bat den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Eherd ersucht, gegen den Verband der Körperbehinderten, wegen nationalsoziallstfsdier und milrteristi- edier Tendenzen eine Untersuchung einzuleiten. ist. Ohne viel Worte wird der mehr als magere Inhalt der Ledertasche geleert. Einige Papiere und ein Leder beuteichen — aus. Es wird mehr geschwiegen als gesprochen. Nach einer halben Stunde verläßt der Mann das Haus. Die Zeit reicht für den letzten Zug, der ihn wieder landeinwärts bringt. Ein Krug Most, Brot und eine Vesperwurst sind die einzigen Habseligkeiten, die der Bauer dem kontrollierenden Zöllner vorzuweisen hat Meistens fragt aber niemand danach, denn die täglichen Begegnungen zwischen Grenzer* und Bauer haben längst ein Freundschaftsverhältnis geschaffen, in das von keiner Seite trübes Wasser gegossen wird. Das mitgeführte Beutelchen ruht wohl verwahrt m einer Hosentasche, und Leibesvisitationen Sind nicht mehr Mode. Mit einem Augenzwinkern und auch ohne werden hier oben Dinge abgetan, die im bürokratischen Verfahren Dutzende von Formularen füllen würden — und selbst dann noch lange nicht in Ordnung kämen... ♦ Der Zürcher Juwelier, der als letztes Glied an der Kette hängt, betrachtet aufmerksam die wertvollen Steine, die er soeben einem Lederbeutel entnommen hat. Sie sind nicht ganz lupenrein, doch fünf Mille kann er wagen. Ein Drittel geht als Kommissionsgebühr verloren, denn zu viel schwarze Hände waschen sich rein dabei; aber das Geschäft verträgt die Spesen, diesseits und jenseits des Rheines. Dia- manntenschmuggel gehört zu den wenigen Geschäften, das für alle Beteiligten interessant bleibt. * Der duftende Mokka, der als gesuchteste Kompensationsware einen Teil des Erlöses beansprucht, kommt legal nach Deutschland. Liebesgabenpakete sind die Pforte, die zwar zu schmal ist, um ganze Säcke durchzuäassen, dafür die Pfunde aber umso sicherer ins Land schleust. Mit Hilfe von Strohmännern gelingt es, beträchtliche Mengen durchzubringen. Rechnen wir einmal; Ein kleiner Diamant bringt 100 Schweizerfranken netto; in Kaffee sind das 40 Pfund — billigste Sorte natürlich! Das ist bereits ein halber Zentner, der in Berlin, aber auch in Frankfurt gute fünfzigtausend Reichsmark bringt. Fürwahr ein gut verkaufter Edelstein. Das ist ein Weg, Diamanten hinaus- und Waren hereinzuschaffen. Nur wenigen ist er offen, denn er benötigt langjährige Beziehungen, zuverlässige Komplizen und — Zeit Außerdem zehren die Spesen stark am Gewinn. Ein einziges Aktivum nur hat er aufzuweisen: Er ist der sicherste Weg — und Sicherheit ist vielen alles. Der andere, derjenige der Abenteurer und Va-banqu^Spieler ist schneller, billiger und garantiert verlustreicher. Nur wenigen ist es bis heute gelungen, einen oder gar mehrere große Coups zu landen. Zweimal muß nämlich die Grenze passiert werden, und wer nicht schon auf der Anfahrt einer Polizeipatrouille in die Hände fällt, den holen mit größter Wahrscheinlichkeit die reichlich ungemütlichen Polizeihunde der Schweizer Grenzer. * Der rothaarige Taugenichts, den ein ärztliches Gutachten über Schwindsucht gegen alle Zugriffe des Arbeitsamtes sichert, ist der Polizei kein Unbekannter mehr. Als Schieber ist er längst verdächtig, doch hat man ihn noch nie ertappt. Keine der bisher durchgeführten Hausdurchsuchungen hat Belastungsmaterial zutage gefördert. Ob der gute Wille dabei durch ein Liebesgaben-Paket zum Erlahmen kam, oder ob wirklich nichts zu finden war, weiß niemand recht. Jedenfalls rückt der Marm noch immer bei Regenwetter zu abendlichen Fahrten aus * Die Eisenbahn brücke bei Waidehut bildet viele Kilometer rheinauf- und -abwärts die einzige Schienenstrang-Verbindung mit der Schweiz. 3ie dient der W- , senbahn allein und ist nicht kombiniert mit der Straße oder mit einem Gehsteig für Passanten. Das erhöht ihren Wert. Denn reges Leben vor und auf der Brücke würde der Mann nicht lieben, der nächtlich auf Gummischuhen über Sire Schwellten huscht. Auf Schweizer Seite wind ein dünner Strick vom Leib gelöst und knapp am Wasser der Boden «reicht. Durch zwei Hintergärten eilt er einem Hause zu, dessen Vorderfront die Hauptstraße berührt. Was hinter zugezogenen Gardinen zwischen einem gut gekleideten Schweizer und einem tropfnassen jungen Mann mk auffällig rotem Haar verhandelt wird, würde zweifellos verschiedene Dienststellen der Zollämter beider Länder interessieren. Ein schwerer Beutel voll geschliffener Edelsteine, Broschen und Ringe ist Gegenstand der leise geführten Unterredung. Zahlen werden genannt, diskutiert und angenommen; doch — ausbezahlt wird nichts, nur gutgeschrieben. * Das ist der andere Weg. Aus der Schweiz ausgewiesene Deutsche erhalten von ihren Angehörigen Liebesgaben-Pa- kete. Diese tauschen sie gegen Edelsteine und Schmuckstücke um, der Erlös fließt wieder den Verwandten zu. Mit reichlichem Gewinn! So brachte ein einziges Speckpaket zu dreißig Schweiz ertranken eine Brillantnadel ein, die einst 12000 Reichsmark kostete und in der Schweiz noch immer 3000 bare Schweizerfranken brachte. „Eins zu hundert“ — bei diesem Einsatz läßt sich spielen, halbwegs sicher ist das Spiel dazu. Die zwei Ausgewiesenen, die sich in die Arbeit teilen, kamen ihre Sache. Während der eine in Konstanz, Freiburg oder Lörrach die Liebesgaben- -Fakete sammelt und mit ihnen nach Deutschlands Ruinenstädten reist, um auf der Basis des berühmten „Butterbrotes“ der hungernden 4iaute-volee" Brostehen, Ringe und Ketten kbzunehraen, sitzt der vom Tod gezeichnete Rothaarige still an der Grenze und wartet. Einmal monatlich trägt er die Beute hinüber zur Gutschrift auf ein Schweizer Bankkonto. „Bis Weihnachten arbeite ich noch“, meinte er neulich, als ich ihn, mit einer ausgezeichneten Schweizer-Zigarette zwischen den Lippen, an der Sonne liegen sah, „dann habe ich genug verdient, um den Rest meines Lebens in Davos zu verbringen“. Und ganz leise, doch ohne Traurigkeit fügt er noch bei: .Denn in 3 Jahren bin ich sowieso ein toter Mann. W. Kl. Wer taute fcte erfte Kacfcudienhr ? Die Schwarzwälder Kuckucksuhr mit ihrem geschnitzten Gehäuse, ihrem einfachen, leicht regulierbaren Pendel und ihrem anheimelnden Stundenachlag „Kuk- Jcuck, Kuckuck“ bat seineraeit von den Höben des Schwerzvcreldes herab ihren Siegeazug durch rite Lander Europas und durch alle Kontinente der Erde artgetreten. Der Ober vogt Joseph von Pfiusnmem, Vorstand des ehemals erzherzoglich-österreichischen Obervogteiamtes Triberg, sagt in einer Urkunde aus dem Jahre 1780, die sich in den Akten dee badischen Gene- rallandesarchivs in Karlsruhe befindet, der Erfinder der Kuckucksuhr sei Franz An- tonj Ketterer, geboren kn Jahre 1671 in Schönwald im Hochschwarzwald. 1730 habe er die erste Kuckucksuhr gefertigt. Damit dürfte das alte Rätsel über Erfindung und Herkunft dieser Uhr gelöst sein. Die erste von Antonj Ketterer in Schönwald gefertigte Kuckucksuhr kam im Laufe der Jahre in die 6. SpiegelfcaKer'sche Sammlung in Lenzkirch kn Sch warz w ald. Dte Kirchenotgel zu Schönwald soll nach allgemein«' Vermutung die Anregung zum Blasbalgmecbanismus der ersten Kuk- kucksuhr gegeben haben. Von Schönwald aus verbreitete sich ihre He rstellung über die Zentren der Schwarzwälder Uhrenin- dustrie. Joost Mayer Seite 4 / Nr. 89 SÜDKURIER F Freitag, 14. November 1947 Ein Stein für die Braut Im November, wenn es Frühling wird ... Und wo sich die Völker trennen, Gegenseitig im Verachten , Keins von beiden wird bekennen, daß sie nach demselben trachten , Goethe. West-östlicher Divan. * „Vor allem würde Ich nicht Leute tadeln, die Forschungen anstellen. die ich selber nicht betreibe. falls ihre Behauptungen wahr oder zumindest wahrscheinlich sind. Neigung und Plänen der Menschen sind verschieden, doch die Wahrheit ist Eine, und alle, die sie suchen, auf welchem Gebiet es sei. helfen einander. Gewöhnlich verachten die Mathematiker die Metaphysik, der Physiker spottet über beide, und ein Handelsherr hat für alle zusammen nur ein mitleidiges Lächeln. Sie wollen sich nicht damit aufhalten, den Grund der Gleichheit der Einfallswinkel oder die physikalische Ursache der Brechungsgesetze zu suchen, tmd Sie haben Recht; denn Sie wissen Ihre Zeit anders besser zu nutzen. Aber vielleicht gibt es Leute, die nur zu solchen fortlaufenden Untersuchungen zu brauchen sind und die man nicht davon abhalten sollte, da sie sonst vielleicht zu nichts taugen. Denn, Sie werden miT, glaube ich, zugeben, daß ihre Arbeit reichlich lohnte wenn sie dabei zum Ziele gelangen.' Leibniz an den französischen Physiker Ma- tiotte, 1776. (Aus: „Leibniz korrespondiert mit Paris", her- ausgegeben von Prof. Gerhard Heß, in der Reihe „Geistiges Europa", BücheT über geistige Beziehungen europäisier Nationen, begründet und herausgegeben von A. E. Brindcmann. Hoff- mann und Campe-Verlag, Hamburg.) Lebendiger Mumienstaub? Im Verlag Benno Schwabe in Basel ist unlängst ein aufregendes Buch erschienen, dessen Autor, Paul Busse-GTawitz, früheT in Zürich lebend, jetzt an der Universität Cordoba in Argentinien lehrt. Denn seine „Experimentellen Grundlagen zu etneT modernen Pathologie" enthalten nicht mehr und nicht weniger als den Versuch, den Satz, daß jede Zelle sich aus einer anderen Zelle entwickelt (omnis cellula e celtala) zum alten Eisen zu werfen, einen Satz, deT in der Wissenschaft schon fast zu einem Dogma geworden war. Er ist eine spezielle Form eines anderen Satzes: Alles Lehen stammt aus dem Ei (Omne vivum ex ovo), der auch vot hundert Jahren zum Beispiel für Bazillen noch nicht anerkannt war, — im Altertum glaubte man etwa, Ungeziefer entstünde von selbst aus Dreck. Ein Satz, an dessen Glaubhaftmachung fast zweieinhalb Jahrhunderte lang gearbeitet wurde, von Harvey bis Pasteur; ein Satz, deT aber auch in unserer Zeit hin und wieder noch von Außenseitern bezweifelt wurde, so von dem Greifs- waider Mediziner Arndt, der leidenschaftlich für die Anschauung des Aristoteles eintrat, immerhin jedoch als Entdecker eines homöopathischen Dosierungsgesetzes sich einen Namen machte. Wissenschaftliche Dogmen sind wandelbar; man braucht nur an die Tatsache zu erinnern, daß lange Zeit das Atom als letzter Elementarbaustein galt, bis die Atomzertrümmerung seit Rutherford uns eines Tages eines Besseren belehrte. So steht es auch mit Mer Zelle, die letzter Baustein altes Lebendigen sein sollte. Nun. wir haben mittlerweile auch hier zugelernt tmd wissen jetzt, daß die Zelte zwar eine Einheit, aber nicht die letzte ist; daß sie selbst als ein komplizierter Organismus angesehen werden muß, in dem z. B. die Chromosomen, die Träger der Vererbung, ein besonderes und viel untersuchtes „Organ" sind, das heute auch schon wieder entthront zu werden im Begriffe steht, seit Alfred Kühn den Nachweis erbrachte, daß es auch eine Hasma-Vererbung gibt, die nicht von diesem kleinen Zellorganen ausgeht, sondern von der sie umgebenden lebendigen Flüssigkeit. Wohl sträubt sich die Wissenschaft eine Zeitlang gegen solche Revolutionen ihres inneren 1 Gefüges, aber schließlich setzt sich doch immeT wieder, allen Widerständen zum Trotz, echte Erkenntnis du-ch. Welches das Schicksal der wirklichen oder vermeintlichen Erkenntnisse von Busse-Graiwitz sein wird, wissen wir im Augenblick noch nicht. Jedenfalls glaubt Busse-Grawitz folgendes beobach. tet zu haben: Pflanzt man Linsengewebe eines Kaninchens in einer Collodiumhülte unter die Haut eines anderen ein, so haben sich schon nach zwei Tagen in diesem Beutel Zellen verschiede, ner Ausbildungsstufen gebildet Die Collodiumhülte sei zwar durchlässig, sagt der Autor, aber nicht für Zellen. Also müssen diese aus dem Linsengewebe, einem zellfreien Körperprodukt, entstanden sein. Aber noch mehr: pflanzte er trockenes Mumiengewebe, Gewebe, das seit Jahrtausenden tot ist, ebenfalls in einer Collodiumhülte, ebenfalls unter Kaninchenhaut, ein, dann bilden sich in ibr, so sagt er, ebenfalls und diesmal schon nach einer Stunde, Vorstufen aus. die sich z» echten Rundzellen entwickeln können. Ist die Annahme von Busse-Grawitz richtig, daß durch die Collodiunrwand keine Zellen von außen aus dem umgebenden Körpergewebe ein- dringen können, so bleibt nur dm- Schluß übrig, daß die eingepflanzten Gewebereste gleichsam als chemische Organisatoren neue Zellen geschaffen haben. Ehre Annahme, die, seitdem wir die Eigenschaften de s Tabak-Mosaik-Virus kennen, deT an der Grenze von Molekül und Lebewesen steht, nicht mehr so ganz absurd erscheint. Solche Gebilde von der Größe eines Riesen-Moteküls, hundertmal kleiner als Bakterien, mit einer Breite von 15 Milliontet-MiHimeter und der 10- fadren Länge, dürften einem Ketten-Molekül nahe verwandt sein, das heute hn Elektronenmikroskop sogar sichtbar gemacht werden kann. Solch ein Virus vermehrt sich nur in lebendigem Gewebe und erzeugt etwa die Maul- tmd Klauen, seuche. das Gelbfieber und andere Infektionskrankheiten. Busse-Gr awitz’s Behauptung ist also heute nicht mehr ganz so verwunderlich, wie sie es noch vor 10 Jahren gewesen wäre. Hätte er recht, dann wüTde das eine Umwälzung im Bilde der Wissenschaft sein, deren Bedeutung noch kaum abzuschätzen ist. Jedenfalls: die Fachleute haben das Wort. Der Streit wird hin und her wogen und — vielleicht — eine Erkenntnis bestätigen. Oder eine teere Behauptung verwerfen. Denn über alle Interessen, Dogmen, nationale Aspirationen und andere menschliche Unzulänglichkeiten hinweg schreitet die echte Wissenschaft von Erkenntnissen über erkannte Irr- tümer stets zu neuen Erkenntnissen fort F. NEUE BÜCHER Wetter Hagemann, „Gnmdzüge der Publizistik''; Vertag Regen*ecng, Münster. Anatoäe France. „Das Hemd eines Glücklichen"; Nikolai Gogol, „Der große Krakeel". Erzählung; Vertag Rütten & Loeraog. Postdam. Heinrich DeiteTS, „Der reale Humanismus"; Anna Seghers, „Die Rettung", Roman; Aufbau-Verlag, Bertm. Ralph Barton Perxy, „Amerikanisches Ideale" (Pirataöbsrnug und Demokratie), 2 Bde.: Vertag Hans Carl, Nürnberg. „Wissenschaft hälft Ackern": Vertag des W» mationsdienstes der Landeete^erctng Brandenburg, Potsdam. Heinrich Weis, „Gestalten der Kindheit". Erzählung: Badischer Vertag, Freiburg/Br. „J u gen d , weißt Du den Weg?", Ein. Wettbewerb des „Mannheimer Mengen"; Vertag Kort VeMee, Heidelberg. ... haben sie wieder hefangefunden vom Meere, wo sie seit Februar geschwommen, getaucht und gejagt hatten. Zu Tausenden, Hunderttausenden, ja Millionen waren sie an Land gekommen, waren gravitätisch vielleicht zwei Kilometer landeinwärts und 200—300 Meter hügelwärts geschritten, und dann hatte eine Anzahl von ihnen mit den Füßen eine Grube gegraben, sich hineingesetzt tmd... gewartet. Weiblein und mitunter auch Männlein machten es So, wie ihre Ahnen es seit jeher gemacht haben seit — Jahrmillionen. Und dann kommt einer, hat einen Stein bei siNationalzeitung“ Basel. Zürich. Die „Tat” kritisiert die Verfügung des Justiz- und Polizeidepartements, nach der Ausländern in Zukunft schon an der Grenze ein Merkblatt ausgehändigt werden soll, das die fremdenpolizeilichen Vorschriften und die Strafen für ihre Uebertretung aufzählt. Wien. Der Vertreter Oesterreichs in Warschau übermittelte der polnischen Regierung eine Note, in der um die baldige Entlassung der restlichen österreichischen Kriegsgefangenen ersucht wird. Soweit bekannt soll es sich um 137 Personen handeln Wien. Die Brüsseler Internationale Kommission für die Verteilung des deutschen Raubgoldes beschloß, Oesterreich 26 Tonnen Gold im Werte von 29 Millionen Pfund zurückzugeben, um dem Schilling eine bessere Deckung zu sichern. Nach dem Anschluß waren von deutschen Stellen bei der Nationalbank 91 Tonnen Gold beschlagnahmt worden. Wien. Die Abschaffung der Zensur durch die drei westlichen Besatzungsmächte wurde für die russische Zone abgelehnt. weil diese Maßnahme noch verfrüht sek suche aus, und füttern gemeinsam ihre nicht nur zwei, sondern hundert, zweihundert oder dreihundert Kinder. Und, wenn sie beutebeladen an anderen Kinderkolo- nien vorbeikommen, dann körnten die fremden Kleinen noch so sehr betteln — sie bekommen nicht ein einziges Krebschen ab... Die» sind einige Beobachtungen an Pinguinen, die seit der Jahrhundertwende in der Antarktis von englischen und amerikanischen Gelehrten wie Wilson, Levick, Murphy und Roberts gemacht wurden, nnd deren für deutsche Leser schwer zugängliche Forschungsergebnisse — nebst zahlreichen Abbildungen aus ihren Veröffentlichungen — Dr. h. c. Rudolf Meti in einem hn Con- dor-Verlag. Berlin-Frohnau, erschienenen Büchlein „Rätselraten um Pinguine" anschaulich zusam- mengesteilt und nach den neuesten Ergebnissen der Tier-Soziologie gedeutet bst. Auch ein anderes Büchlein des gleichen im französischen Sektor Berlins lizensierten Verlages, in dem u, a. auch das bekannte und beliebte Stern-Büchlein von Robert Henseling in seinem neuesten Jahrgang herauskam. „In den Schlupfwinkeln der Riesengorillas“ Hermann Freybeigs, dessen Kulturfilm Okoumä noch in guter Erinnerung ist, enthält aufschlußreiche Beobachtungen eines Tierliebhabers über Waldmenschen und GoriMas. Wir berichten hier über einige Szenen, die dem Leser vielleicht Lust zu eingehender Lektüre machen werden: mit N-gagi jeder Gorillaherde am frühesten Morgen den ersten Schimmer des aufdämmernden Tages empfängt. Die Urwaldneger meinen, dieser Schrei breche das dunkle Schweigen der Tropennacht, und so heißt bei ihnen der große „Urwaldmensch” N-gagi: Künder des Morgens. Im Morgen- dämmem beobachten sie dann eine Gorillafamilie. ..Injuna sucht Wasser“ flüsterte Eno. Eine Gorillamutter und ihr Kind standen an einer kleinen, von der Sonne beschienenen Lichtung. Eine braune schenkeldicke Liane, die aufgespeichertes, reines, süßes Regenwasser enthält, wird heruntergebogen. Die Gorillamutter reißt sie mit den Zehennägeln auf, da kommt der Alte aus den Zweigen heruntergesprungen, stößt die Gefährtin • fort und umfaßt die schwankende Liane. Er setzt seine Lippen an das aufgerissene Loch und schlürft das süße Wasser. Als er seinen Durst gelöscht hatte und loslassen will, packt die Mutter den Stamm und zieht ihn noch weiter herunter — so weit, daß der kleine Gorilla seinen breiten Mund an die Oeffniung pressen kann, und hält ihn so lange fest, bis dieser seinen Durst gestillt hat. Erst dann beginnt sie selber zu trinken. Nun schreitet Eno auf den .Alten“ zu; der unbewaffnete Negerzwerg tritt ihm frei gegenüber und beginnt das Palaver. Mit hoher Stimme schreit er den Gorilla an und der antwortet, aber noch durchdringender. doch ähnlich. Mit tieferer Stimme antwortet Eno. Mit dumpfer Stimme, die wie ein Brummen klingt, antwortet der Alte. So geht das mehrere Minuten lang. Dann-trottet der AJte davon. „Was hat er gesagt?“ fragt Freyberg. „Er sagt, daß Du fortgehen sollst, Master!“ — Wie kann er das gesagt haben? fragt der weiße Mann. „Er sagt, daß Du fortgehen sollst“, antwortet der Negerzwerg ernsthaft. ,,Er sagt, daß Du nicht sein Bruder bist, und Weggehen sollst“. . Ein anderer Stamm, die Pangwe, betrachtet die Gorillas nicht als seine Brüder. Es sind große, kräftige Menschen, ein kriegerisches Bantuvolk. Gorillafleisch gilt ihnen als Delikatesse. Es gibt so-ne und solche... * Einen Löwen kann man nicht mit Gorilla-Maß- stäben messen, einen Pinguin nicht mit einer Ratte vergleichen. Jeder folgt seiner eigenen Moral. Verwandte lassen sich bisweilen zu ganz ähnlichen Reaktionen bewegen, wenn man die Umwelteinflüsse verändert. Es gibt ewige Gesetze, die gleichermaßen für Gorillas wie fÜT Pinguine gelten. Der Unterschied zwischen beiden ist größer al» der zwischen Mensch und Mensch . . Wien. Im kommenden Jahre soll sine Kleiderkarte mit 40 bis 50 Punkten eingeführt werden, auf die jeder ein Hemd oder Unterwäsche beziehen kann, doch wird der Verkauf von Anzügen nnd Mänteln weiterhin bezugscheinpflichtig sein. Wien. Zehn österreichische Aerzte erklärten sich bereit, den durch Cholera verseuchten Gebieten Aegyptens Hilfe zu bringen. 500 Liter Impfstoff wurden nach Kairo geschickt Wien. Seit Beginn der Kmdertähmungs- epidemie im Juni wurden in ganz Oesterreich 2605 Erkrankungen festgestellt darunter 199 mit tödlichem Ansgang, in Wien allein 65 Todesfälle bei 397 Erkrankungen. Wien. Ein Vertreter der Christian-Film- Exchange aus New York weilte vor kurzem in Wien, tun österreichische Filme zu kaufen, die in den USA mit synchronisiertem englischen Text gezeigt werden sollen. Wien. Nach Entkräftung der gegen sie erhobenen politischen Anschuldigungen wird Zarah Leander im Frühjahr in zwei Filmen mrtwirken. Sie ist in der letzten Zeit auch wieder in Schweden und der Schweiz aufgetreten. Wien. In St Stephan bei Leoben (Steiermark) wurde che einzige Bauemhochschule Oesterredebs eröffnet Bregens. „Vorarlbergs Wirtschaft“, berichtet von der Schaffung einer Freihandelszone in Innsbruck, in der Waren im mittelbaren Transithandel nicht nur gelagert, sondern auch Industrien verarbeitet werden können, ohne vorher verzollt werden zu müssen. Der Plan findet in Italien tmd Frankreich besonderes Interesse, während die Schweiz vorerst noch eine Verstärkung der Konkurrenz zwischen Gotthard-Bahn und Brenner-Bahn befürchtet Mit und ohne Kommentar Berlin. Nach einer Meldung von „United Pieß" wird der amerikanische Standpunkt gegen- über dem Kommunismus besonders ln der Münchener „Neuen Zeitung" und in den drei amerikanischen Zeitschriften des gleichen Verlages zum Ausdruck kommen; die Sender der US-Zone, Berlin. Bremen, Stuttgart, München würden die Arbeit unterstützen. Durch Kurzwellen-Richt- strahier würde auch die Sowjetzone versorgt werden. Auf die lizensierte deutsche Presse würde kein Drude ausgeübt weiden. Man werde jedoch auf Anfragen diese Zeitungen beraten, wieweit sie unter Berücksichtigung det KontioHrats- direktive Nr 40 gehen könnten, die Angriffe auf irgendeine der Besatzungsmächte verbiete. Diese Direktive verbiete jedoch nicht Angriffe auf den Kommunismus oder auf kommunistische Praktiken. General Clay erklärte anschließend, auch in Zukunft werde es keine verleumderischen oder verletzenden Aeußerungen gegen Personen oder Länder geben Die geltenden Bestimmungen verböten Kritik an Regierungen, jedoch nicht an Regierungsformen oder Regierungssystemen. Bisher habe man sich darauf beschränkt auf die Vorzüge der Demokratie hin- zuweisen. Hannover. Es sei die historische Aufgabe der westeuropäischen Sozialisten, schreibt kommentierend die „Hannoversche Presse", das Organ Dr. Schumachers, sich in dem ideologischen Ringen der beiden Weltmächte zu behaupten, „Das unschätzbare Verdienst ihrer Standhaftigkeit wird man enst später ganz ermessen können, wenn sich die politische Expansion im Osten und die westlichen Konservierungsversuche an allem, was rechts steht, als Fehlschläge erwiesen haben werden. Der Abscheu vot einem entarteten Regime und die Anziehungskraft des Dollars sind Faktoren, die zwar vorübergehend die Massen zu täuschen vermögen für die letzten weltanschaulichen Entscheidungen sind sie jedoch ohne Belang . . ." „Einer Werbung unter deutschen Journalisten und Rundfunkleuten bedürfte es übrigens kaum, da das der Ostzone a u f g e - zwungene System bislang schon kritisiert worden ist. Eine solche Kritik soll und darf jedoch nicht den Eindruck erwecken, als wollten jene westlichen Demokraten, die sich gegen Kommunismus und Stalin ismus wenden, dem kapitalistischen Amerika die ideologischen Kastanien aus dem Feuer holen." Hamburg. Die „Hamburger Allgemeine", die für die .christlich-demokratische Erneuerung" kämpft, schreibt; Sie habe schon früher al® General Clay die Notwendigkeit eines Ab- wehrkampfes gegen den Angriff des Kommunismus erkannt und ihr trotz vieler Hemmungen Rechnung getragen Deutschland brauche keine theoretische Hilfe im Kampf gegen die kommunistische Weltanschauung, sondern praktische Hilfe. Dazu gehöre: Gleich unerschütterliches Recht für alte, gleiches Maß persönlicher Sicherheit, keine auch nur scheinbare Willkür seitens untergeordneter Organe. Ausgleich der Unterschiede zwischen den Maßnahmen der Besatzungsmächte westlicher und östlicher Demokratien nicht nur auf dem Papier; dazu gehöre, daß die Freiheit des Handelns das Leben wieder lebenswert macht und daß auch beim ängstlichsten Deutschen die Furcht vor einem östlichen Ansturm gebannt ist. Diesen praktischen Feldzug könnten jedoch nur die Besatzungsmächte selbst führen „So gut gemeint der ideologische Feldzug des Generals Oay sein mag, er entspricht dennoch nicht dem, was uns Deutschen im Kampf zur Ueberwindung des Kommunismus not tut" • Wie immer man zur Sache selbst auch stehen mag, der „kalte Krieg" — um ein Wort Lipp- manns zu gebrauchen — ist seit langem im Gange. Warm eT begann, mag hier dahingestellt Meibeit; manche datieren seinen Anfang schon ins Jahr 1919 zurück. Im Deutschland der Nachkriegszeit allerdings hat er lange Zeit nur unterirdisch geschwelt, oder hat sich doch in maßvolleren Formen abgespielt Das ist der Direktive Nr. 40 des KontroÜrats zu verdanken. Denn man hatte klar erkannt, daß es bei den gegenseitigen Beschuldigungen allzu leicht nur lachende Dritte geben könnte So wurde denn noch im Oktober vorigen Jahres u. a. die Verbreitung von Gerüchten (bruits. rumors) verboten, die zum Ziele hätten, die Einheit der Alliierten zu untengraben (rompre. disrupt), oder die beim deutschen Volke Mißtrauen oder Feindschaft ge, gen eine der Besatzungsmächte hervorrufem Nur dort wurde dieser Kampf stärker spürbar, wo von einem nach det Aufhebung des Hitler- schen Abhörverbotes von fremden Sendern bestehenden Rechte Gebrauch gemacht wurde, das jede nur denkbare Grenze zu durchbrechen gestattet Nach der Oeffnung der Zonengrenzen für Zeitungen mußte das Problem irgendwann einmal akut werden. Daß die Bestimmungen der Direktive Nr 40 auch weiterhin bestehen bleiben sollen, steht nach den neuerlichen Erklärungen des amerikanischen General® Clay, sowie nach den etwas früheren Maßnahmen des britischen Generals Hinde, und nach der Bestrafung der „Berliner Zeitung" durch den russischen General Koti- kow fest Ob die subtile Distinktion zwischen konkreten Regierungen und Regierungafonnen die unerwünschten Folgen abzuwenden vermag, darüber steht uns ein Urteil freilich nicht zu. Schmerzlich bleibt für uns besonders eine Tatsache nnd sie erschwert, das muß offen gesagt werden, die Aufgabe einer demokratischen Erneuerung: daß Menschen gleichen Blutes in verschiedenen Machtbereichen zu leben gezwungen sind, in denen verschiedene Auffassungen von Recht und Unrecht „offizielle' Meinung sind Solange eine demokratische Diskussion noch möglich ist — und das soH nach der Aeußerung von Herrn Clay der Fall sein — wäre eine Klärung, wären Verständigung und Ausgleich immer noch möglich. Es könnte un s jedoch nicht gleichgültig sein, wenn jemals irgenwann einmal sich aus dem ge. gemwärtigen Zustand Verhältmese ergeben sollten. unter denen der alte Satz in abgewandelter Form wieder aufteben würde: .Cujus regio, ejus religio". Drei Millionen Ratten Drei Millionen Ratten fressen in Berlin täglich mindestens 90 000 LebensmittelTationen, errechnet« kürzlich eine Untersuchungskomimission. Diesem Resultat liegt ein durchschnittliche® menschliches Tagesquantum von etwa einem Kilo, und ein Tagesverzehr einer Ratte von 30 Gramm zugrunde, wenn sie ebenso kurz gehalten wird wie die Menschen. Sie kann abeT bis zu 250 Gramm fressen, heißt es weiter. Vielleicht leben die Ratten übrigens gamicht einmal von den Rationen, sondern versorgen sich schwarz mit 250 Gramm? Unter den Trümmern sind sicherlich noch viele Reste zu verwerten ... Was mag eine Ratte wohl über uns Menschen denken? „Fahrt nur so fort; ich lebe gut dabeil" SUDKURIER Verantwortlicher Redaktionsausschuß: Hermann Dörftinger (CDU); Rudi Goguel (KP); Herbert Goldscheider (SP); Friedrich Munding (DP); Hermann Fidbing — Verlag: Südkurier-Verlag GmbH — Druck: Druckerei Kohstanz Fischmarkt 5 — Für unverlangt tingesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion kereecM Haftung Blick über die Grenzen