T B R. H Ue St D V WSK 3. JAHRGANG • ÜBERPARTEILICHE INFORMATIONSZEITUNG FÜR DAS LAND BADEN • NUMMER 91 Erscheint Dienstag und Freitag. Adresse: Konstanz, RosgartenatraBe 12 lTf'k1VQ , T > A'tf7 F ß 1?IT A P ni \ A V l* WB 17 R i nie Einoelpiei* 20 Plg. Abonnement bea der Post 1,74 M, durch Träger 1,60 M Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr. 924, 925, HM, 1510, 1511 Au il O I A i'l i r Itlol I Atr 41 , Ii U V Hi lu J5 Hi ri 1 ( Aaaesgenaanahme durch alle Geschäftsstellen und Agenturen des Südkurier SUDKUR ER Kabinettsumbildung in Frankreich Ramadier zurückgetreten — Der Sozialist Blum mit der Regierungsumbildung beauftragt Ministerpräsident bestätigen lassen -wird. Erst wenn diese Bestätigung erfolgt ist, kann er die eigentlichen Sondierungen vornehmen, aus denen sich die endgültige Zusammensetzung des Kabinetts ergibt Oie Streiklage in Frankreich Paris. Je länger die Streiks dauern und je mehr sie um sich greifen, desto mehr gewinnt die Oeffentlichkeit den Eindruck, daß es sich dieses Mal um eine Kraftprobe handelt, die sowohl die Regierung als auch die Kommunisten noch in diesem Frühjahr vermeiden wollten. „Die Würfel sind gefallen", sagt der „Figaro", „in Frankreich und Italien habe der Angriff der Kommunisten gegen die Staatsgewalt begonnen. Die französische Wirtschaft solle nach Ansicht der Kommunisten nach Möglichkeit lahmgelegt werden. Die Streiks in Marseille, im Bergwerksgebiet Nordfrankreichs und in der Pariser Metallindustrie kosteten die französische Wirtschaft täglich. Milliarden von Franken, Auch die Zeitung „Parteien libere" betont, daß es sich um Streiks mit Die Hochzeitsfeierlichkeiten in London London. Am Donnerstag wunde in London Prinzessin Elisabeth von England mit Prinz Philipp Mbuntbatten getraut. Seit den frühen Abendstunden des Mittwoch säumten mehrere hunderttausend Menschen trotz schlechten Wetters die Straßen um den Buckingham-Palast. Als der neblige Margen über London heraufkam, war die Zahl der Zuschauer auf über zwei Millionen angewachisen. Tausende von Polizisten waren auf dem Wege verteilt, durch den der Hochzeitszug seinen Weg nehmen sollte. Am Mittwochabend veranstaltete das Königspaar im St. James-Palast einen Empfang, bei dem 2500 Gäste geladen waren. Am Donnerstag wurden im Buckingham-Palast die letzten Vorbereitungen zu dem großen Tage getroffen. Am frühen Morgen erschienen nochmals der Schneider Hartneil,. von dem der Entwurf zum Hochzeitskleid der Prinzessin stammt, um mit seinen französischen Mitarbeiterinnen die letzte Anprobe des Hochzeitskleides vorzunehmen. Das Kleid besteht aus elfenbeinfarbenem Satin mit Rosen, Kornähren, Sternen und Perlen bestickt und geht auf das berühmte Bild von Botticelli „Die von den Engeln gekrönte Jungfrau” zurück. Gegen 11 Uhr hatten im Schiff und auf den Emporen der Westminsterkathedrale die Mitglieder des Parlaments, der Regie- Wohlstand Europas entscheidet Amerikas Zukunft Truman begründet vor dem Kongreß die politische Notwendigkeit des Marshall-Planes politischen Parolen handle. Wenn es bei den Streiks nur darum ginge, bessere Arbeitsbedingungen herauszuholen, so könnte man auf eine baldige Besserung der Lage rechnen, sagt diese Zeitung, aber den Kommunisten sei es um anderes zu tun. Die Streikbewegung dehnt sich auf die wichtigsten Betriebe der Wirtschaft aus. In den Departements Norden und Pas-de-Ca- lais streiken von 134 000 Arbeitern 60 Prozent, und es ist nicht ausgeschlossen, daß auch die bisher Arbeitswilligen diesem Beispiel folgen könnten. In der Gegend von Paris stellten 200 000 metallurgische Arbeiter die Arbeit ein, insbesondere in fast sämtlichen Automotoilfabriken. Der Streik der Lehrer wird am 21. November beginnen. * Im Rahmen der vom französischen Ministerrat getroffenen Sicherheitsmaßnahmen hat das Verteidigungsministerium die Hälfte der Jahresklasse 47 unter die Fahnen ge- 1 rufen. rung und das Diplomatische Korps Platz genommen. Um 11 Uhr erschienen die fürstlichen Gäste, angeführt durch die Königin Mary. Im langen Zug betraten dann die Hochzeitsgäste, unter ihnen die Könige von Rumänien, Norwegen, Dänemark, sowie Prinzessin Juliana, die Kirche. Eine Viertelstunde später betrat Leutnant Herzog Philipp in der Uniform eines Marineoffiziers die Kathedrale Pünktlich um 11 Uhr verließ die Staats- karosise, in der König Georg und die Prinzessin Elisabeth Platz genommen hatten, den Palast von Buckingham, umbraust von dem Jubel der Menge. Unter Fanfarengeschmetter hielt die Braut am Arme ihres Vaters ihren Einzug in die historische Kirche. Ke Trauung wurde vom Erzbischof von Canterbury vorgenommen, anschließend folgte eine kurze Predigt des Erzbischofs von York. Während die Orgel den Hochzeitsmarsch von Mendelssohn anstimmte und die Glok- ken ihr feierliches Geläut ertönen ließen, bewegte sich der Hochzeitszug hinaus vor die Westminsterabtei. empfangen von nichtendenwollenden Jubelrufen der Menschenmenge. Prinzessin Elisabeth und der Prinzgemahl nahmen in der gläsernen Staatskarosse Platz und fuhren durch die Straßen Londons zum Buckingham-Palast zurück. Kurz notiert Bis zum 1. September 1948 soll die Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen, die sich im vereinigten englischen Königreich befinden, durchgeführt Sein. Man glaubt, die Rückführung der Kriegsgefangenen im Mittleren Orient bis 31. Dezember 1948 abgeschlossen zu haben. Der Leiter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Dr. Schumacher, hat einer Einladung nach Schweden Folge geleistet. Dis deutsche Presse der britischen Zone ist durch Je einen Journalisten der vier zugelassenen Parteizeitungen bei den Londoner Verhandlungen vertreten. Wie im „Journal oiücleT 'bekanntgegebeo wird. Ist das Saargebiet hi den innerfranzösischen Post verkehr einbezogen worden. Die Spruchkammer Ludwigsburg reihte Lucie Kammer, ehemalige Privatsekretärin von Dr. Goebbels und Trägerin des goldenen Parteiabzeichens, ln die Gruppe der Hauptschuldigen ein und verwies sie für drei Monate in ein Arbeitslager. Am Vorabend der Londoner HochzeitsfeterUch- k eiten waren die Angestellten größerer Londoner Hotels in den Streik getreten. Wie verlautet, wurden die anwesenden hohen Gäste jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen. König Georg wird die Unterhaltskosten für Prinzessin Elizabeth und Leutnant Philipp Mountbatten für die Dauer von zwei Jahren aus den Ersparnissen bestreiten, die er sich während des Krieges von den Zuwendungen der Regierung gemacht hat. Ein Sprecher der japanischen Regierung erklärte, daß alle Maßnahmen des alliierten Oberbefehlshabers in Japan durch eine weitverbreitete Untergrundbewegung bedroht sind. Ehemalige Offiziere der Armee und Marine hätten eine „geheime Regierung" gebildet, die alle alliierten Maßnahmen nach dem Krieg sabotieren will. Außenmnister Marshall hat Washington verlassen. um sich nach London zu begeben. Der Oberbefehlshaber der US-Luftstreitkräfte, Spaatz, bestätigte die Möglichkeit, daß sich die Sowjetunion mit dem Bau von „Superfestungen" beschäftige. Bet einem Warenhausgroßbrand in Aucklamd (Neuseeland) kamen 49 Personen ums Leben. Der Sachschaden wird bei diesem größten Brand in der Geschichte des Landes auf 500 000 Pfund Sterling geschätzt. Durch ein Flugzeugunglück ln der Nähe von Salerno (Italien) wurden 20 Schweden getötet und 10 schwer verletzt. Paris. Der Präsident der Republik hat am Mittwochabend den Ministerpräsidenten Ramadier empfangen, der ihm sein Rücktrittsgesuch überreichte, um eine Regierungsbildung zu ermöglichen, die die Autorität aller republikanischen Parteien in sich vereinigt. Der Präsident der Republik brachte sein Bedauern über die Entschließung Paul Ramadiers zum Ausdruck, sowie den Dank des Landes für den Mut und die Opferbereitschaft, mit der der Ministfeipräsident seine schwere Aufgabe durchgeführt hat. Schon am Mittwochnachmittag hatte der Generalsekretär der sozialistischen Partei, Guy Mollet, eine Erklärung abgegeben, in der es u. a. heißt: „Die Ereignisse verschlimmern sich, die Krise muß rasch gelöst werden. Eine neue Tatsache ist zu verzeichnen: Leon Blum hat sich der sozialistischen Partei zur Verfügung gestellt." Am Donnerstagabend um 18 Uhr empfing dann Staatspräsident Vincent Auriol Leon Blum und beauftragte ihn, die neue Regierung zu bilden. Doch ist die Frage noch nicht gelöst, welche Parteien in seinem Kabinett vertreten sein werden. Eines 6teht feist: Leon Blum wird unter keinen Umständen ein nur aus Sozialisten bestehendes Kabinett bilden. Er will eine Regierung schaffen, die sich auf ein© starke-Mehrheit der Nationalversammlung stützen kann. Der ehemalige Ministerpräsident Paul Reynaud soll im Kabinett ein wichtiges Amt übernehmen. Es liegen ferner Stimmen vor, wonach Blum auch das Außenministerium selbst übernehmen wird. Er würde dann Frankreich bei der bevorstehenden Konferenz in London repräsentieren. Der Präsident der französischen Republik, Vincent Auriol, empfing im Laufe des Donnerstag politische Persönlichkeiten des Landes. Es wird erwartet, daß Blum sich im Laufe des Freitag vom Parlament als Washington. Präsident Truman hielt vor dem amerikanischen Kongreß, der, wie schon gemeldet, zu einer Sondersitzung einberufen worden war, eine ausführliche Rede, in deren Verlauf er sich mit den wirtschaftlichen und politischen Notwendigkeiten des Marshall-Planes auseinandersetzte. Er erklärte u. a.: „Wir könnten Gefahr laufen, für alle Zeiten die Aussicht auf die Schaffung einer Welt, in der freie Menschen in dauerndem Frieden leben, zu verlieren, wenn wir nicht die Ueberbrückungshilie füir Europa so schnell wie möglich in Angriff nehmen”. Die Bedeutung der amerikanischen Hilfe für das leidende Europa wurde von Truman besonders unterstrichen. Es müsse unbedingt gelingen, die Kluft zwischen den zur Verfügung stehenden Mitteln und dem eigenen Bedarf der europäischen Staaten zu überbrücken, da sonst die europäischen Länder in diesem Winter zusammenbrechen könnten. Nur durch die Gesundung Europas könnten auch die USA auf eine wirtschaftliche Wiedergesundung hoffen. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen nicht, so erklärte Truman weiter, ihre Methoden oder Ansichten anderen Ländern aufzuzwingen. Sie könnten jedoch auf keinen Fall zulassen, daß die anhaltenden Meinungsverschiedenheiten mit einigen Nationen ihre Bemühungen, mit den freiheitsliebenden Ländern zusammenzuarbeiten, zunichte machen würden. „Nur wenn wir unsere eigene Freiheit hochhal- ten,” so rief Truman aus, „können wir den Frieden und die Stabilität der Welt fördern.” Truman ging dann auf die wirtschaftliche Situation der Vereinigten Staaten ein und machte den Vorschlag, die aufgehobene Preiskontrolle wieder einzuführen, um der wachsenden Inflation zu begegnen. Ferner unterbreitete er dem Kongreß ein Zehnpunbte-Programm, das scharfe wirtschaftliche Maßnahmen auf verschiedenen Sektoren vorsieht Das bezeichnende Merkmal dieser Vorschläge ist, daß damit die in den letzten zwei Jahren abgeschafften Kriegskantrollen wieder eingeführt würden. „Unser Volk weiß”, so führte Truman weiter aus, „daß unser Einfluß in der Welt eine in der Geschichte einzigartige Möglichkeit bietet, in einer Weise zu handeln, daß die Männer und Frauen der ganzen Welt ihren Weg aus dem Schatten der Furcht vor einem Krieg in das Licht der Freiheit und des Friedens finden können. Wir müssen diese Gelegenheit voll aus- nutzen, denn wir haben durch die bitteren Lehren des Krieges gelernt, daß das Geschehen jenseits unserer Küsten über unser eigenes Leben entscheidet.” Ein Echo Washington. Einer der bedeutendsten Vertreter der republikanischen Mehrheit im Parlament, Senator Robert Taft, antwortete in einer Rundfunkanspradie auf die Botschaft Präsident Trumans an den Kongreß. Taft versicherte, Truman versuche mit seinen Vorschlägen über die Wiedereinführung einer Preiskontrolle und eine erneute Rationierung „das Leben in Amerika zu reglementieren” und rief aus: „Dieser Vorschlag ist ein großer Schritt auf dem Wege zu einem wirklich totalitären Regime" Weiter erklärte der Senator, er sei mit den Sofort-Hilfsmaßnahmen der Regierung für Europa einverstanden. Dieses Programm ist von vordringlicher Bedeutung, da es sich darum handelt, der kommunistischen Welle einen Damm entgegenzubauen, aber solange man in Deutschland alle Industrieanlagen zerstört, die allein wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landes garantieren, sind alle Bemühungen, mit Hilfe des Dollar Europa wirtschaftlich wieder aufzubauen, sinnlos. US-Generalstab für Griechenland Athen. Der griechische Außenminister Tsaldaris erklärte, der „gemeinsame Generalstab" zur Kriegführung gegen die Aufständischen in Griechenland — dessen Bildung bekanntgegeben wurde — werde sich ausschließlich au« Amerikanern zusammensetzen, und zwar werde er aus amerikanischen Heeres-, Marine- und Luftwaffen- offizieren bestehen. Den griechischen Kampftruppen würden amerikanische Offiziere als Berater beigegeben werden. Der christliche Staat Von Hermann Dörflinger In zwei Artikeln wurden an dieser Stelle der liberale Staat und der sozialistische Staat behandelt. Heute sollen einige Grundgedanken über den christlichen Staat dargelegt werden und dabei kann auch ohne Bedenken der kommunistische Staat, über den noch ein weiterer Artikel folgen wird, mit in den Betrachtungskreis einbezogen werden. Der liberale, sozialistische und kommunistische Staat wird von den Wirtschaft®- und Sozialtheorien des Liberalismus und des Sozialismus bzw, des Marxismus abgeleitet. Diesen modernen, zeitgebundenen Lehren der „Ismus-Theorien" steht das Christentum als Lehre und Religion gegenüber. Da aber das Christentum nicht auf zeitbedingt wirtschaftliche Verhältnisse begründet ist, sondern auf die Beziehungen des Menschen zu Gott, kennt die christliche Lehre auch keine staatspolitischen Nonnen. Das Christentum ist an keinen Staat und noch weniger an eine Staatsform gebunden. Es ist eine Lehre für „alle Welt und alle Völker", die als primäre Forderung den Einsatz und Dienst des Menschen für Gott verlangt und seine Beziehung zu Gott regelt .„Gebe Gott, was Gottes ist" — und dann erst in zweiter Linie heißt es „Gebe dem Kaiser, was des Kaisers (bzw. dem Staate, was des Staates) ist" Es gibt eine christliche Morallehre und eine vom christlichen Geist erfüllte sozial-ethische Lehre, aber keine Lehrsätze über den christlichen Staat. Die Funktionen des Staates und des Christentums liegen auf zwei ganz verschiedenen Ebenen. Daß sich dennoch Wechselbeziehungen ergeben, ist selbstverständlich: so hat das Christentum über ein Jahrtausend Staaten und Staatsformen des abendländischen Kulturkreises in vieler Hinsicht seinen Stempel aufgedrückt. Diese Einflußnahme beruhte aber nicht in einer konkret umrissenen Lehre über den christlichen Staat, sondern vielmehr in der Einflußnahme mehr oder weniger vom Christentum durchdrungener Persönlichkeiten oder der Kirche selbst auf den Staat. In welcher Form sie sich auswirkt, bängt wiederum nicht von einer Staatslehre des Christentums ab, denn es gibt wohl eine christliche Lehre, eine christliche Kirche, aber keinen christlichen Staat Die modernen Staatslehren, das erleben wir heute deutlich, führen sowohl auf der kapitalistischen wie auf der kommunistischen Linie letzten Endes zu einer Entmachtung der von Gott den Menschen gegebenen persönlichen Freiheit und zur Knechtung des freien Willens des Individuums. In den Grundsätzen der christlichen Lehre und insbesondere auch in den zehn Geboten G.ottes ist überall der freie Wille des Menschen vorausgesetzt. Heißt es doch in diesen Geboten „Du sollst" oder „Du sollst nicht..Mit der wachsenden Entfremdung der Menschen von diesen göttlichen Geboten waren sie genötigt, 6ich eigene Gesetze zu geben, die vielfach den freien Willen des Menschen in wesentlichen Dingen einschränkten. Vergebens sucht man in der christlichen Lehre nach einer ausgesprochenen Staatslehre. Gewiß haben große Kirchenlehrer, wie Augustinus, schon im 5. Jahrhundert und Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert in ihren Werken über Staat und Gesellschaft das Verhältnis des Staates zum Christentum und zur Kirche eingebend behandelt. Augustinus hat in seinem geschichts- philosophischen Werk „De Civitate Dei" den Gottesstaat von der „civitas terrena" dem irdischen Staat, scharf geschieden. Von einem christlichen Staate ist nicht die Rede, wohl aber davon, daß die Gebote Gottes und die Lehre des Christentums auch vom Staate ge- und beachtet werden sollen. Erläßt der Staat Gesetze, die den Geboten Gottes widerstreiten, dann lehrt das Christentum, daß Gott, in dessen Namen alle Gewalt geübt wird, mehr zu gehorchen ist als dem Staat. Aehnlich verhält es sich auch mit der christlichen Soziailehre. Wenn in der „Summa Theologiae" Thomas von Aquin schreibt: „Die Dinge, die jemand im Ueberfluß besitzt, gehören kraft natürlichen Rechtes dem Unterhalt der Mittellosen, weil der Mensch, was die Nutznießung anlangt, gehalten ist, die Sachgüter nicht als eigene, sondern als gemeinsame anzusehen", so heißt das, daß er andere, die in Not sind, bereitwillig daran teilnehmen lassen muß. Versagt die opferbereite Hilfe der vielen Einzelpersonen und führt der Grundsatz der Freiwilligkeit nicht zum Qiel, dann hat der Staat im Interesse des Gemeinwohles das Recht und die Pflicht, die Abgabe des Ueberflusses zu regeln und zu erzwingen. Der Ueberfluß aber ist abhängig von der herrschenden Not und dem Lebensstandard der Zeit. Die Tatsache, daß die Menschen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts 6i