F B V D W S H Ue St K SUDKUR ER ».JAHRGANG • Adresse: Konstanz, Rosgartenstr. 12. Telefon-Anschlüsse: Redaktion u. Verlag Nummer 924, 925, 1130, 1510 n. 1511 ÜBERPARTEILICHE IN FORMATION SZEiTV'NC FÜR DAS LAND BADEN KONSTANZ MITTWOCH 19. MAI 1948 • NUMMER 38 Erscheint Dienstag u. Freitag. Pro Monat: Post M. 1.74, Träger M. 1.60 mit Zustellgebühr. — Einzelpreis 20 Pfg. Kurz notiert Der CDU-Landesverband Niedersachsen teilt mit, daB Frau Maria Maver-Sevenich aus der CDU und damit aus der Landtagsfraktion ansgetreten ist. Der als Kommentator des Nürnberger Prozes- • ses bekanntgewordene Journalist Dr. Gaston Oulman hat in Saarbrücken einen Selbstmord- versuch unternommen, nachdem er von französischen Behörden verhaftet worden war. Prinz August Wilhelm von PreuSen, ein Sohn des letzten deutschen Kaisen, wurde als hoher Nazi Würdenträger in die Groppe der Hauptschuldigen eingereiht. Die deutschsprachige New Yorker Zeitung „Der Deutschamerikaner“ wird nicht mehr nach Deutschland eingeführt, da sie „bösartige An- gritie auf eine Besatzungsmadrt" geführt habe. Dem Antrag der KPD aui Aenderung ihres Namens in SVD wird in der US-Zone nicht entsprochen, teilte die amerikanische Militärregierung mit. Durch einen PrüfungsausschuB der Militärregierung werden die Vorgänge bei der Oberbürgarmeisterwahl von Sdrwäbisch-Gmünd am 18. April untersucht. Bei den bisherigen Zeugenvernehmungen kam es teilweise erneut zu Demonstrationen des Publikums. Aus den Räumen des Kriminalgerichtes Berlin- Moabit wurden im Laufe von drei Monaten ein Teppich, zwei Schreibmaschinen, ein Linoleumbelag, die komplette Telefonleiturag u. a. gestohlen. Wegen unzureichender Ernährung wurde ein Berliner Fahrdienstleiter, der sich wegen eines S-Bahnungiückes, bei dem 28 Personen verletzt wurden, vor Gericht zu verantworten hatte, freigesprochen. Die Festsetzung der Besatzungskosten für Oesterreich auf 149 Millionen sh für das Trimester, rief „Unwillen und Erstaunen“ der öster- eichisehen Regierung hervor, die gegen diesen Beschluß Protest erheben wiTd. Prinzessin Elisabeth von England und der Herzog von Edinbourgh sind von ihrem Pariser Aufenthalt nach England zurückgekehrt. Aus Den Haag wird gemeldel daB lm holländischen Königspalast ein Brand ausgebrochen Lst, der, durch den starken Wind angefacht, bereits die beiden Seitenflügel des Gebäudes erfaßt hat. Der belgische Ministerpräsident Spaak zog den Rücktritt siner Regierung, den er am vergangenen Mittwoch dem Prinzregemten Charles angebo- ten hatte, zurück. Bei einem Flugzeugunglück auf der Strecke Leopoldville (Kongo) — Brüssel landen 31 Insas. sen einer-Sabena-Maschine den Tod. Ein einziger Passagier kam mit dem Leben davon. Eine kürzlich abgehaltene Konferenz der drei skandinavischen Ministerpräsidenten hat nicht zu einem regionalen Block oder einer Milltärallianz der drei Läöder geführt. Die Sowjetregierung hält es in einer Note an Griechenland für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der griechischen Regierung auf die Entrüstung des Sowjetvolkes über die Massenhinrichtungen griechischer Demokraten zu lenken. Der Sowjetdelegierte Gromyko, der seit zwei Jahren die UdSSR bei den UN vertreten hatte, wurde durch den neuen sowjetischen Delegierten Malik ersetzt. Präsident Truman fordert vom Repräsentantenhaus die Bewilligung eines Kredites von 2,434 Mül. Dollar für die amerikanische Luftwaffe. Arabische Truppen in Palästina einmarschiert Jüdischer Staat Israel von USA und Rußland anerkannt Jerusalem. Unmittelbar nach dem Erlöschen der britischen Mandatsherrschaft über Palästina am 15. Mai wurde in Tel Aviv der neue jüdische Staat „Israel“ ausgerufen. Damit hat sich die Lage im Heiligen Lande militärisch und politisch, wie erwartet, äußerst zugespitzt. Die jüdische Unabhängigikeitsproäriamation wurde von dem neuen Ministerpräsidenten David Ben Gurion in der Halle des Museums zu Tel Aviv verlesen, während die weiße, blauumränderte jüdische Nationalflagge gehißt wurde. Im Wortlaut der Proklamation heißt es u. a.: „Die Proklamation des jüdischen Staates geschieht kraft der natürlichen und historischen Rechte des jüdischen Volkes und der Entschließung der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 29. November 1947.“ Die Proklamation erklärt sodann den Nationalrat als provisorische Versammlung des Staates, der die Verwaltung der Nation bis zu den Wahlen verfassungsmäßiger Justifika- tionen, die noch vor Oktober 1948 statt- fimden werden, wahrnehmen wird. Das Regime wird auf den von den jüdischen Propheten gelehrten Grundsätzen der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens basieren. Die Bürger sollen ohne Unterschied der Rasse, Herkunft oder des Geschlechtes alle Rechte genießen. Ferner wird 'die UN aufgefordert, dem Staat Israel zu helfen und ihn in die Familie der Nationen aufzunehmen. Abschließend weist die Proklamation darauf hin, daß sechs Millionen Juden von den Nazis umgebracht wurden und fordert für die Ueberlebenden das Recht, sich in dem Lande niederzulassen, dem sie nach mehreren tausend Jahren Exil treugeblieben sind. Nach der Verlesung der Proklamation gab Ben Gurion die Außerkraftsetzung des britischen Weißbuches und der anderen Gesetze der Mandatsregierung über die jüdische Einwanderung und die Landabgaben bekannt. ■ Einmarsch arabischer Truppen König Abdullah von Transjordanien erließ zur Proklamation des jüdischen Staates einen Gegenaufruf. Darin erklärt er, daß das Ende des britischen Mandates gleichbedeutend mit der Annullierung aller den Juden in der Balfour-Deklaration gemachten Versprechungen sei. Die Juden hätten kein Recht mehr in Palästina und da sie auf seine früheren Angebote nicht geantwortet hätten, werde ihnen von nun an auch das Privileg einer lokalen Autonomie nicht mehr gewährt. Schließlich wiederholte er sein Versprechen, daß die Bevölkerung von Palästina frei über ihr Schicksal entscheiden wird. Drei neue amerikanische Atomwaffen Washington. Präsident Truman gab in einer kurzen Botschaft bekannt, daß die auf dem Atoll Eniwetok im Pazifischen Ozean durchgeführten Versuche vor allem der Erprobung dreier neuentwickelter Atomwaffen galten, die das Resultat der auf diesem Gebiet von den USA gemachten Fortschritte sind. Die Ergebnisse der Versuche waren nach den Ausführungen des Präsidenten äußerst befriedigend. Da sie jedoch unmittelbar die Sicherheit der USA betreffen, könne über ihre näheren Umstände „zur Zeit noch keine präzise Angabe gemacht werden.” Aus der Botschaft Trumans geht weiterhin hervor, daß das Atoll auch nach der Abreise des an den Versuchen beteiligten Sachverständigenstabs Sperrgebiet bleibt. Die Erklärung des Präsidenten erfolgte unmittelbar nach der Kenntnisnahme eines Berichtes über die Arbeiten der Zivilkom- mission für Atomkraft, die ihm am Montag durch den Präsidenten der Kommission, David Lilienthal, überreicht worden war. Lilienthal betonte in diesem Zusammenhang, daß die Versuche von Eniwetok einen Markstein in der Entwicklung von Atomwaffen durch die USA darstellen. An den Versuchen nahmen 10 000 Personen teil. Atomkraft-Kommission der UN stellt Arbeiten ein Lake Success. Die Atomkraft-Kommission der UN beschloß mit neun, gegen zwei Stimmen, ihre Arbeiten angesichts der Unmöglichkeit, mit der UdSSR zu einem Uefoereinkommen in der Frage der Atomkraft-Kontrolle zu gelangen, einstweilen einzustellen. Der Abstimmung lag eine französischenglisch-amerikanische Resolution zugrunde, die vorsieht, das Problem der Atomkraftkontrolle an den Sicherheitsrat zu verweisen und seine Bearbeitung bis zur nächsten Generalversammlung der Vereinten Nationen im kommenden September zurückzustellen. * Bei den Debatten, deren Ergebnis der Entschluß der UN-Atomkraftkommission zur Einstellung ihrer Arbeiten war, wandte sich der sowjetische Delegierte Gromyko gegen die Arbeitseinstellung und klagte die Vereinigten Staaten an, eine wahrhafte internationale Atomkraftkontrolle seit jeher unmöglich gemacht zu haben, da sie beharrlich die Grundlage der UN selbst nicht anerkennen, wollten, nämlich die Souveränität. Briefwechsel Wallace - Stalin Moskau. Generalissimus Stalin hat dem ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Henry Wallace auf einen offenen Brief geantwortet, den Wallace anläßlich des sowjetisch-amerikanischen Notenwechsels zur Regelung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Ländern an Stalin, gerichtet hatte. Wallace hatte in seinem Brief konkrete Vorschläge für einen Ausgleich der sowjetisch-amerikanischen Politik gemacht. Die Art, in der Stalins Antwort an Wallace, der in diesem Jahr für die Präsidentschaft der USA kandidiert. abgefaßt ist, läßt darauf schließen, daß es sich hierbei um eine Unterstützung von Wallace’ Kandidatur handeln soll. In Stalins Brief heißt es, die Sowjetregierung halte das Programm von Wallace für eine fruchtbare Grundlage zur Verständigung. Somit könnte die gegenwärtige Weltkrise also gelöst werden, falls Wallace Präsident der USA würde. Wallace’ offener Brief wird von Stalin weiter als wichtigstes Dokument unserer Tage flir eine internationale Zusammenarbeit bezeichnet. Nach Meinung der Sowjetregierung sei trotz der gegensätzlichen Wirtschaftssysteme und Ideologien eine friedliche Regelung der Meinungsverschiedenheiten und ein Nebeneinander der verschiedenen Auffassungen möglich und im Interesse des allgemeinen Friedens unentbehrlich. Zu dieser Antwort Stalins erklärte Wallace, er sei „demütig und dankbar”, ein Werkzeug in der Krise sein zu dürfen und der Mittelsmann gewesen zu sein, der die Diskussion und Klärung der Meinungsverschiedenheiten angeregt habe. * Reuter meldet aus Washington: Die amerikanische Regierung hat am Dienstag den Vorschlag Stalins auf zweiseitige Besprechungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten auf der Grundlage des von Wallace an Stalin, gerichteten offenen Briefes formell abgelehnt. Von arabischer Seite wurde ferner bekanntgegeben, daß die regulären Truppen von Libanon, Syrien, Aegypten und Transjordanien die palästinensischen Grenzen überschritten haben. In Tel Aviv ist zur Zeit die Bildung der neuen jüdischen Regierung im Gange. Zum Präsidenten des Nationalrates wurde einstimmig der bekannte Zionistenführer Prof. Chaim Waiz- man gewählt. Man nimmt an. daß Waiz- man auch jüdischer Staatspräsident werden wird. Die provisorische Regierung hat inzwischen begonnen, ihre Ministerien und Dienststellen einzurichten. Offiziell gab sie bekannt, daß sie bereit sei, den Arabern auf Wunsch Sitze im neuen Kabinett und auch in der Nationalversammlung einzu- räumen. Die offizielle Sprache des neuen Staates ist das Hebräische. Der jüdische Außenminister Mosche Shertok, der sich gegenwärtig als UN-Delegierter noch in den USA aufhält, hat die 48 Mitgliedstaaten der UN sowie die Nichtmitgliederstaaten um die Anerkennung des neuen Staates gebeten. Ferner wurde eine offizielle Beschwerde gegen Aegypten, Libanon, Syrien und Transjordanien an den Sicherheitsrat gerichtet. Shertok gab weiterhin bekannt, daß ägyptische Flugzeuge Tel Aviv und andere Orte bombardiert hätten. In diesem Zusammenhang erwähnte er, daß die jüdische Kriegführung durch eine unzureichende Bewaffnung noch behindert sei. Präsident Truman hat in einer Erklärung bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten die provisorische Regierung in Tel Aviv als Staatsbehörde des neuen Staates Israel de facto anerkenne. Nach einer Mitteilung des Moskauer Rundfunks bat die Sowjet- regderung ebenfalls Israel offiziell anerkannt. Das Weiße Haus kündigte ferner die Aufhebung des Waffenausfuhrverbotes für die jüdischen Streitkräfte in Palästina an. Durch diese Maßnahmen hofft man in Washington, einen Krieg „bis zum letzten“ zwischen Arabern und Juden zu verhindern. Aus London wird gemeldet, daß die britische Regierung allem Anschein nach nicht die Absicht hat, die amerikanische Haltung Israel gegenüber zu teilen, während französische diplomatische Kreise darauf hinweisen, daß die Anerkennung eines neuen Staates Sache des Ministerrates ist. Die türkische Regierung gab bekannt, daß sie den arabischen Ländern gegenüber eine wohlwollende Neutralität einhalten wird. Die militärische Lage Von den Kämpfen in Palästina liegen zur Zeit noch keine endgültigen Berichte vor. Nach Ansicht jüdischer Kreise ist es noch verfrüht, wenige Tage nach der Invasion durch vier reguläre arabische Armeen über die Lage zu urteilen. Man nimmt jedoch an, daß das Endziel des arabischen Vormarsches Jerusalem sein wird. Nach arabischen Meldungen sind bereits am Montagnachmittag arabische Streitkräfte in das jüdische Viertel von Jerusalem eingebrochen. Die ägyptische Regierung hat den übrigen Mächten offiziell mitgeteilt, daß die palästinensischen Gewässer als für ausländische Schiffe gefährdet anzusehen seien. Der britische Delegierte bei den Vereinten Nationen verlas ein Telegramm des britischen Kriegsministeriums, in dem erklärt wird, daß sämtliche Einheiten der arabischen Legion bis auf zwei Kompanien Palästina verlassen haben und nach Transjordanien abmarschiert seien. Letzten ' Meldungen zufolge haben jüdische Flugzeuge einen ägyptischen Flugplatz in Kairo bombardiert. Zwei der angreifenden Maschinen wurden abgeschossen. * Ueber die Lage in Palästina wird aus Kairo ergänzend gemeldet, daß arabische Truppen, die — ohne auf Widerstand zu stoßen — Mittelpalästina besetzt haben, nunmehr bis auf Sichtweite an Tel Aviv herangekommen sind und in dem umliegenden Hügelgebdet Artilleriestellungen bezogen haben. Im Küstengebiet von Tel Aviv sollen etwa 50 000 Mann gut ausgerüstete jüdische Truppen stehen, die auch über Artillerie und Tanks verfügen. Berliner Aspekte Fernspruch unsere Berlin. Neben Berliner und Ostzonen- ereitgnissen haben die Vorgänge der internationalen Diplomatie das Interesse maßgebender politischer Kreise Berlins auf sich gezogen: Die Abberufung Gromykos und die Situation, aus der heraus der amerikanisch-russische Notenwechsel entstand. Der Nachfolger des bisherigen sowjetischen UN-Deiegierten Gromyko, Jakob Malik, wurde im Jahre 1946 zum Stellvertretenden Außenminister ernannt, und zwar als Nachfolger für den damals zurücktretenden Maxim Litwinow. Malik wird in hiesigen diplomatischen Kreisen als ein besonders guter Kenner fernöstlicher Dinge angesehen. Man nimmt hier allgemein am, daß Malik bei der UN vor allem die fernöstlichen Fragen verfolgen wird, weil bei den Problemen des japanischen Friedensvertrages und der künftigen koreanischen Regelung eine Dringlichkeitsstufe erreicht ist, die keinen sehr langen Aufschub ermöglicht. Was den A. G. - Korrc sponnenten Zu dem gleichen Tage, an dem in Frankfurt a. M. die Erinnerungsfeier an die Paulskirche stattfindet, hat der Volksrat seine zweite Sitzung nach Berlin einberufen. Er wird u. a. auch eine Erklärung über das Volksbegehren abgeben. Je näher der Beginn des Volksbegehrens rückt, um so stärker wird die Propaganda in der gesamten sowjetisch lizenzierten Presse Berlins und der Ostzone: „Deutschland darf nicht von Imperialisten, Reaktionären und Kriegsgewinnlern zu einem Kolondal- land gemacht werden. Wir wollen, daß Glück und Wohlstand, Frieden und Demokratie endlich auch in Deutschland ihren Einzug halten.“ „Dein Vaterland wartet auf Deine Stimme“ — so heißt es in einem Aufruf des Landesausschusses Sachsen. Aehnliche Aufrufe liegen aus den übrigen vier Ostzonenländem vor. In den Länderregierungen der sowjetischen Besatzungszone sind in der nächsten Zeit Veränderungen zu erwarten. Die LDP der Ostzone will in Verhandlungen mit amerikanisch-mssischen Notenwechsel an- der SMA xarshorst erreichen, daß sie in langt, so besteht der Eindruck, daß dieser aus dem amerikanischen Gefühl heraus entstand, die Sowjetunion sei über die westlichen Pläne zu wenig unterrichtet. Bedell Smith habe versucht, durch klare Darlegungen Rußland gegenüber zu zeigen, welches der amerikanische Kurs sei. den fünf Ländern wenigstens ein Innen- und ein Volksbiidungsministerium erhält. Diese Forderungen sollen vom jetzigen geschäftsführenden Vorsitzenden der Ost- zonen-LDP, Arthur Lieutenant, ausgehen, der für den Posten des Finanzministers im Lande Brandenburg vorgeschlagen wurde. Beginn der Festwoche um die Paulskirche Fernspruch unseres J. F.-Korrespondenten Frankfurt. Frankfurt stand am Sonntag und Montag im Zeichen der Empfangsfeierlichkeiten für die zur Paulskirchenweihe aus aller Welf zusammengekommenen Gäste. Die Stadt ist mit Fahnen und Grün festlich geschmückt, und die vom Bauzaun befreite Paulskirche präsentiert sich in nahezu baulicher Vollendung. Der erste Sonntagsgast in der Feststadt war der frühere Reichstagspräsident Paul Loebe, kurz darauf traf die Berliner Oberbürgermeisterin Frau Luise Schröder auf dem Rhein-Main-Flughafen ein, begleitet von zahlreichen Persönlichkeiten des Berliner öffentlichen' Lebens. Am Nachmittag konnte der Frankfurter Oberbürgermeister Walter Kolb auf dem Frankfurter Hauptbahnhof den aus den USA herübergekommenen Dichter Fritz von Unruh und seine Gattin begrüßen. Im Laufe des Montags traf aus Schweden Prof. Dr. Bergendal als Vertreter der Universität Lund, aus der Schweiz die Professoren Dr. Lewald und Dr. Jrläf als Vertreter der Universitäten Basel und Bern sowie aus Amerika der Kanzler der Universität Chikago, Prof. Dr. Robert M. Hutchine, ein. Am Montagmorgen wurden auf dem Hauptfriedhof an den Gräbern der Gefallenen von 1848 Kränze niedergelegt. Schon am Pfingstsonntag war die Festwoche mit der Eröffnung einer Gedächtnisausstellung 1848 im Frankfurter Kunst verein und eine Ausstellung europäischer Malerei im Stä- del eingeleitet worden. Bei einer Kundgebung der Akademie der Arbeit bezeich- nete Ministerpräsident Karl Arnold (Nordrhein-Westfalen) das Paulskirchenparlament als eine entscheidende Etappe in der Entwicklung der Arbeiterbewegung. Prof. Dr. Eric Nölting führte aus, daß die Männer der Paulskirche auf den Idealismus vertraut hätten, während wir heute durch die Erfahrungen der letzten Jahre zürn Realismus gezwungen würden. Bei einem Treffen der führenden Angehörigen des ehemaligen Deutschen Republikanischen Studentenbundes hielten Reichsminister a. D. Carl Severing, Minister Dr. Spiecker, Paul Loebe und Curt Bley (Hamburg) Ansprachen. Bei einer Jugendfeierstunde auf dem Römerberg, bei i der das Freilichtspiel „Meier Helmbrecht” von Hermann Mostar uraufgeführt wurde, forderte der Sprecher der Jugend, daß „der Krieg und alles, was damit zusammenhängt, in der Welt geächtet wird.” Die Delegierten der deutschen Freimaurerlogen legten in einer Kundgebung ein Bekenntnis zu dem Gedanken der Humanität ab. Israel als Bewährungsprobe HCG. Unter dem Motto ./Befreiung” sind vier arabische Armeen in den jungen Staat Israel ein- marsdiiert. Unter dem Motto Befreiung ist «eit Hitlers Ueberfall auf Oesterreich, schon «ehT viel Unheil angerichtet worden, nicht nur durch Hitler. Die arabischen Staaten haben Sitz und Stimme in der Generalversammlung der Vereinten Nationen, der Neuauflage des an der Politik von München zerschellten Völkerbundes, der zu seiner Zeit weder den Krieg Japans gegen China, noch den Italiens gegen Abessinien, noch die Intervention Stalins und Hitlers im spanischen Bürgerkrieg zu verhindern vermochte. Wird die UN nun die Araber und Aegypter zähmen können? Die Araber Palästinas selbst haben niemanden gebeten, sie zu befreien. Der Beschluß der UN, Palästina aufzuteilen, ist auf parlamentarisch - demokratischem Weg zustande gekommen. Parlamentarische Institutionen, können nur funktionieren, wenn die bei einer Abstimmung Unterlegenen bereit sind, sich dem Mehrheitsbeschluß zu fügen, und wenn die Mehrheit bereit ist, ihren Beschluß auch durchzusetzen. Zunächst haben nur die USA und Sowjetrußland den neuen Staat anerkannt: es ist anzunehmen, daß mindestens die USA, wenn nicht auch Rußland, nunmehr schleunigst Waffen nach Israel liefern werden, nachdem sich bisher nur die souveränen arabischen Staaten — aus England — mit Waffen versorgen konnten. Der hier abgebrochene Konflikt geht offensichtlich nicht auf das berühmte Konto: Spannung zwischen Ost und West. Er ist ein Konflikt — deT erste offene — zwischen den USA und Großbritannien, ein Konflikt zwischen Englands Oelinteressen und der Idee der UN, welche Amerika um Englands willen nicht zu opfern bereit ist. Die USA haben außer Waffenlieferungen an die Juden, eine zweite Waffe: Den Marshallplan, den sie nicht zur Finanzierung politischer Intrigen und Waffenlieferungen mißbraucht sehen wollen. Der Versuch, über den Kopf Westeuropas hinweg mit Stalin in Verhandlungen einzutreten, die Anerkennung Israels auch durch die Sowjetunion kurz nach Churchills Europakon.'erenz ist ein deutlicher Fingerzeig an Europa, es möge die tatsächlichen Macfatverhältnisse in der Welt nicht allzu leichtsinnig übersehen, es möge nicht allzu blind seinen kleinen Nationalinteressen folgen und so tun, als ob man noch in den Zeiten von 1814 lebte, als es politische Mächte außerhalb Europas kaum gaj. Der Palästinakrieg ist ein Testfall, für die UN und für die Stärke der USA, dafür, ob es der Welt bei ihrer gegen Hitler benutzten Parole, es ginge um die Menschjenrechte, Ernst war oder nicht. Die Juden waren die Opfer der Politik von München. Werden sie wieder Opfer sein? Sie werden diesmal Waffen haben, eine Armee und eine Heimat, um die sie kämpfen können. Sie werden kämpfen, denn sie wissen, warum sie kämpfen und daß ihnen gar nichts anderes übrig bleibt. Der Welt aber bleibt etwas anderes übrig: sich auf die Menschenrechte zu besinnen. Hier stehen Oelredite gegen Menschenrechte. Wie sich die Welt entscheidet, wird für die Zukunft der Welt entscheidend sein — und für uns, die wir vorläufig nirgends Sitz noch Stimme haben, zum mindesten sehr interessant. Vorläufig keine Einigung in London Paris. Der französische Botschafter in London, Massigli, war während des Aufenthaltes der Prinzessin Elisabeth und ihres Gemahls in Paris. Aus diesem Grunde wurden die Londoner Deutsdilandbespre- chungen bis zum 18. Mai vertaigt. Alle Nachrichten, über die Ruhrkontrolle sei eine Einigung erfolgt, eilen den Tatsachen voraus. Frankreich verharrt auf seinem Standpunkt und schließt sich den amerikanischen Vorschlägen nicht an, weil diese na* Ansicht Pariser politischer Kreise darauf hinauslaufen, General Clay das Amt des Schiedsrichters bei der Verteilung der Ruhrkohlenausfuhr zu sichern. Damit könne Frankreich sich nicht abfinden. Keine Änderung in der SMA Berlin. Das sowjetische Pressebüro dementiert die von gewiesen ausländischen Zeitungen über eine Reform der sowjetischen Militäradministration in Deutschland veröffentlichten Meldungen. Da s Büro dementiert zwar nicht die Anwesenheit des General Schjarnof, erklärt jedoch, daß weder General Lukjatchenko, der Generalstabschef Marschall Sokolowskis, noch der politische Ratgeber des Oberbefehlshabers Semenow nach Moskau zurückberufen worden seien. Streik in Niedersachsen beendet Hannover. Sämtliche Betriebe Hannover® der Industriegewerkschaften Metall, Chemie, Papier und Keramik haben gestern morgen die Arbeit wiederaufgenommen. Damit haben die letzten rund 43 000 Arbeiter, die sich noch im Ausstand befanden, ihren Streik beendet. Bei den in der letzten Woche durchgeführten Urabstimmungen hatten sich die Angehörigen der IG-Metall mit 59% und die der IG-Chemie mit 81,6% für eine Weiterführung des Streiks nach Pfingsten ausgesprochen. Delegiertenkonferenzen der beiden Industrie-Gewerkschaften hatten am letzten Wochenende beschlossen, die Arbeit am Dienstag wieder aufzunehmen. Diesem Beschluß haben sich mm alle Angehörigen der beiden Industrie-Gewerkschaften gefügt. Zweiter Landeskongreß der FDJ Singen. Die Feiertage vereinten 119 Delegierte der Freien Demokratischen Jugend Südbadens mit Gästen au® den politischen Parteien und sonstigen Körperschaften zum zweiten Landes-Kongreß der FDJ. Den Mittelpunkt der Tagung bildete ein Referat von Heinz Musolf, der Einigung und einen gerechten Frieden forderte und in diesem Zusammenhang gegen die Bildung eines westdeutschen Saates und gegen die von ihm befürchteten Auswirkungen des Marshall-Plans Stellung nahm. Eine dem Sinn des Referats entsprechende Entschließung wurde einstimmig angenommen. Als Landesvorsitzender wurde Heinz Musolf- Freiburg, als dessen Stellvertreter Ludwig Denz-Offenburg und Ruth Weiler-Singen gewählt. Mit einer Abschiedsfeier auf dem Hohentwiel schloß der Landeskongreß. Seite 2 ' Nr. 38 SÜDKURIER Mittwoch, 19. Mai 1948 h Hanöfchriften, Inkunabeln, Bücher Der Wiederaufbau der Universitätsbibliothek Freiburs Die Bibliothek ist das Herz einer Universitätsstadt. Wird sie geschädigt oder gar vernichtet, dann ist die wissenschaftliche Arbeit aufs schwerste gehemmt, ja fast unmöglich gemacht. Die im Jahre 1460 gegründete Freiburger Universität hat. infolge der systematischen Bergung und auf Grund dessen, daß Freiburg erst ab Herbst 1944 unter größeren Fliegerangriffen zu leiden hatte, das große Glück, ihren 1500 Handschriften, 4500 Wiegendrucke und 800 000 Bände umfassenden Bestand fast völlig unversehrt über die Kriegsjahre hinweggebracht zu haben, ein Glück, wie es nur ganz wenigen deutschen Universitätsbibliotheken zuteil ward (z. B. Tübingen, Heidelberg). Gelitten hat nur die Gebäulichkeit, deren einer Fllügel zerstört wurde, dessen Wiederinstandsetzung aber im Gange ist. Man hofft, diese baulichen Arbeiten noch vor dem Winter zum Abschluß zu bringen, vorausgesetzt den guten Willen der Bauarbeiter. Kaum war der Kriegslärm verstummt, da begann man mit Hilfe der Studierenden die an verschiedene Orte verlagerten Bücher zurückzuführen und wiederaufzustellen. Bald kam der Bibliotheksbetrieb, der übrigens bis zum Herbst 1944 aufrecht erhalten worden war, wieder ingang. Die Anforderungen an die Bibiiiothek sind gegenüber der Vorkriegszeit enorm gewachsen, einmal wegen des allgemeinen Mangels an Büchern, zum andern wegen der Zerstörung zahlreicher Bibliotheken. 1947 wurden 83 000 Bestellungen auf gegeben, von denen 53 000 erledigt werden konnten, ein Zeichen, wie häufig ein und dasselbe Buch verlangt wurde. Auch der Leihverkehr wurde wieder aufgenommen, ebenso ein beschränkter Leihverkehr mit den Universitätsbibliotheken Basel, Straßburg und Tübingen. Von besonderer Bedeutung ist die Wiederanknüpfung der Beziehungen mit dem Ausland. Hier stehen an erster Stelle die Schweiz und Frankreich. Freiburg hielt nicht wie andere Universitäten nur bis 1937, sondern bis Schluß des Krieges die Beziehungen zur Schweiz aufrecht. So kam bereits wieder im Frühjahr 1946 ein Tauschverkehr mit der Schweiz auf Verrechnungsbasis 1:1 mit Genehmigung der französischen Militärregierung zustande. Vor allem hat die • Basler Schwester-Bibliothek die Vermittlerrolle übernommen. Aeußerst wertvolle Schenkungen erhielt die Bibliothek durch die Schweizer Bü- cherhilfe .und von seiten Schweizer Verleger. Die Erwerbung französischer Literatur wurde parallel der schweizerischen stets nachdrücklich verfolgt. Bis 1944 konnte Freiburg alle französischen Neuerscheinungen erwerben. Bald nach Kriegsende setzte 1 der Tauschverkehr ein, und zwar für juristische und sozialwissenschaftliche Werke mit der Bibliothek der Pariser Handelskammer, für das geistesgeschichtliche Gebiet mit der theologischen Fakultät zu Lyon. Auch gelang durch das Entgegenkommen der Besatzungscmacht der weitere Ankauf französischer Literatur bis zum Jahre 1946, dessen Umfang man daraus ersieht, daß 20 000 RM. dafür ausgeworfen wurden. Die Bibliothek hofft, den Ankauf weiterer französischer Literatur fortsetzen zu können, da die Nachfrage darnach sehr groß ist. Im übrigen sind für die nächste Zukunft Ausstellungen französischer und schweizerischer Bücher geplant. Von USA aus nahm die Germanistic Society die Beziehungen mit Freiburg wieder auf und vermittelte die unentgeltliche Lieferung von 200 wissenschaftlichen Zeitschriften und 70 der besten in den Jahren 1937—1945 erschienenen medizinischen Werke. Dabei wurde von seiten der Genmanistic Society festgestellt, daß Freiburg eine derart große Sammlung amerikanischer wissenschaftlicher Zeitschriften besitze wie kaum eine Universität in USA. Auch mit Belgien, Ungarn, Schweden und Italien sind oder werden in Kürze die Beziehungen wieder aufgenommen. Daß auch das Ausland, wie z. B. England, genau so unter der Schwierigkeit leidet, Bücher zu erhalten, beweisen die an die Universitätsbibliothek Freiburg gerichteten Briefe um Bereitstellung von Literatur und der Besuch zweier führender britischer Bibliothekare. So ist das Verhältnis zum Ausland nicht nur ein nehmendes, sondern auch ein gebendes. Das deutsche wissenschaftliche Buch ist wieder im Ausland gefragt. Aus alldem wird deutlich, welche Bedeutung das Buch seit der Wiederaufnahme freundschaftlicher Beziehungen mit dem Ausland hat. Die Wissenschaft nahm als erste selbst vor der Wirtschaft die Fäden wieder auf, die der Krieg zerschnitten hatte. Daß dabei gerade Freiburg eine so bedeutende Rolle spielen darf, ist für uns von besonderer Genugtuung. Dr. D. H. Stolz. Südbaden auf dem Europa-Kongreß Der Europa-Kongreß in Den Haag ist am 11. Mai mit großem Erfolg beendet worden. Die Europa-Union für das Land Baden war durch den stellv. Vorsitzenden Karl H. Hummel, Freistatt, und den Reg.- Med.-Direktor Dr. Pitsch, Freiburg, vertreten. Von seiten der „Union Euro- peenne des Federalistes“, Genf, war Direktor Bergatzki als Gast geladen. Ferner nahmen aus Südbaden als Gäste teil Oberbürgermeister Dr. Hoffonann, Oberbürgermeister Dr. Schlapper, Ministerialdirektor Dr. Leibbrand, Prof, von Dietze und Professor Greve von der Universität Freiburg. Badische Lehrer in Basel Gegen hundert Lehrer und Lehrerinnen aus Lörrach und Umgebung sind unter Führung zweier Beamten de« badischen Kultus- und Erziehzmgsministeriums am Donnerstag zum Besuch und Studium von Schulanstalten und schulfürsorglichen Einrichtungen in Basel «Inge troffen. Badisches Staatswappen und badisches Staatsaiegel Das badische Gesetz und Verordnungsblatt der Landesregierung enthält eine Bekanntmachung über das badische Staatswappen nach dem Entwurf von Bruno Sichley, Freiburg, sowie über das kleine und das große Staatssiegel nach den Entwürfen von Alfred Riedel, Freiburg. Das Staatswappen wird von den Lamdesbehör- den geführt. Die Führung durch andere Dienststellen als die Landesbehörden bedarf der Genehmigung der Regierung. Wiederaufbau des Mannheimer Hafens Der Finanzausschuß des württomber- gisch-badischen Landtag^ gab auf seiner letzten Sitzung im voraus die Genehmigung für einen Zuschuß in Höhe von 1,4 Millionen RM. für den Wiederaufbau des Mannheimer Hafens. Bekanntlich sind schon im Staatshaushalt 10 Millionen RM. zu diesem Zweck vorgesehen. Von den nunmehr zusätzlich bewilligten 1.4 Millionen RM. sind 600 000 RM. für den Wiederaufbau der staatlichen Hafengebäude und 800 000 RM. für die Erneuerung und den Ausbau der Hafenanlagen vorgesehen. Konstanz als Tagungsort Am 20. Mai findet in Konstanz eine Arbeitstagung des Verbandes des Hotel- und Gaststättengewerbes von Südbaden statt. Zu dieser Tagung werden rund 200 Kreis- und Ortsdeläqierte erwartet. Auf der Tagesordnung stehen Fragen des Fremdenverkehrs, der Existenz des Hotel- und Gaststättengewerbes und der Berufserziehung. Am 19. und 20. Juni findet in Konstanz die zweite Internat. Sonderschau für Deutsche Schäferhunde statt. Aus allen vier Besatzungszonen sowie aus Frankreich, der Schweiz und Oesterreich werden über 600 Aussteller mit ihren Hunden erwartet. Schmierigkeiten mit HölöerUn Von unserem A. -T, - Korrespondenten Wer einen Band Goethescher Gedichte, oder irgend eines anderen Dichtwerks, in die Hand nimmt, denkt kaum daran, weldie Arbeit in solch einer Ausgabe steckt. Selbst bei Goethe, der persönlich den Drude seiner „Gesammelten Werke" überwachte, bleiben viele Fragen offen — wieviel mehr gilt dies für Friedlich Hölderlin, dessen Dichtungen nur in Handschriften und vereinzelten Drucken auf uns gekommen sind! Immer wieder werden Dokumente auf gefunden, die ein neues Licht auf Leben und Schaffen dieses Großen aus dem schwäbischen Stamm werfen, und eine Neuausgabe seiner Werke, die die jüngsten Ergebnisse der Hölderlin-Forschung verwertet, wurde dringend erforderlich. Ihr widmete sich Prof. Friedrich Beißner von der Universität Tübingen, der heute als der beste Fachmann auf diesem Gebiet gelten kann. Wiir haben uns nun einmal etwas von seiner Arbeit erzählen lassen. Welche Schwierigkeiten sich ihm entgegenstellen, bis er aus dem überlieferten Material einen gültigen Text gewinnen kaifti, vermag der Uneingeweihte kaum zu ermessen — ganz zu schweigen von den zeitbedingten Widerständen, die es z-u überwinden gilt, ehe ein Band endlich fertig gedruckt und eingebunden vor uns liegt! Bödderlin hat immer wieder an den Entwürfen seiner Dichtungen geändert, ohne das zuvor Niedergeschriebene auszustreichen. Oft steht, von den verschiedenen Fassungen des „Hyperion'' und den Entwürfen zum „Empedokles" ganz abgesehen, gerade bei den Gedichten ein so verwirrendes Durcheinander von Ausdrücken :n der Handschrift, * daß sich nur mühsam erschließen läßt, welchen Wortlaut der Dichter als endgültig anerkannte. — Dieser eigentliche Text ist es, der das lesende Publikum gemeinhin interessiert, und ihn bietet die „Kleine Ausgabe" des begonnenen Werkes, die gleichzeitig neben der großen Ausgabe hergestellt wird. Wer sich jedoch eingehender mit Hölderlins Persönlichkeit beschäftigen will, der muß auch nach den Vorstufen seines Werkes fragen, die uns nicht nur seine Arbeitsweise, sondern darüber hinaus wesentliche Stufen seiner Entwicklung aufzeigea. Diesen Fragen wird die Große Stuttgarter Hölderlin-Ausgabe mit ihrem „Lesarten-Apparat" gerecht. Der 1. Band der achtbändig geplanten Ausgabe war bereits 1943 erschienen, wurde aber in 1. und 2. Auflage in Stuttgart durch Fliegerangriff vernichtet, der Neudruck sogar mit dem Schriftsatz, sodaß mit der Arbeit ganz von vorne begonnen werden mußte. Nun steht der 1. Band wieder vor der Fertigstellung, und auch der 2. Band — beide enthalten Hölderlins Gedichte ist im Druck. Der 3. Band den Dr. Killy (Bebenhausen) bearbeitete, soll den „Hyperion" bringen, der 4. den „Empedolkles" und die Abhandlungen? für den 5. Band sind Hölderlins Uebersetzungen geplant, während für die letzten Bände, von denen die Bearbeitung des 7. und 8. in den Händen von Dr. Beck (Tübingen) liegt, Briefe und Lebensdokümetfte enthalten sollen. Hoffen wir, daß es möglich wrid, in nicht aillzu- femer Zeit dies Werk in einer weniger beschränkten Auflage auch enem breiteren Publikum zugänglich zu machen, um noch stärker für das mehr und mehr anwachsende Verständnis für diesen großen Dichter wirken zu können. Baöifcher Kulturfpiegel Das „Bebeknahli" fand wie alljährlich in Hausen statt, wo Johann Peter Hebel aufgewachsen ist. Den Hebelpreis erhielt der Schweizer Dialektdichter Traugott Meyer, der 1895 in Wenslin- gen (Kanton Basel) geboren wurde. Die Reihe der Gastvorlesungen auswärtiger Professoren an der Universität Freiburg wurde ■durch Vorträge von Emile Vornäxt über das Thema „Die französische Arbeiterbewegung und die Revolution von 1848" und Prof. Stadekaman, Tübingen, über „Deutschland und die westeuropäischen Revolutionen" erweitert. „Die Nachtschwal'be", ein dramatisches Nok- tumo" von Friedrich Wolf, Musik von Boris Blacher, fand bei seiner Aufführung in Freiburg eine geteilte Aufnahme und mit Pfeifentönen durchsetzten Beifall, der wohl mehr der Darstellung und dem Dirigenten galt als der surrealistischen Musik sowie der primitiven Fabel. Regie führte Reinhardt Lehman. Süömeftöeutfche Umfdiau Freiburg. Bm schwerer RauMfberfall wurde in Freiburg auf einen der Inhaber des Juwelierge- echäfts Schäfer verübt. Zwei maskierte Männer forderten zwischen 22 und 23 Uhr Einlaß. Als die beiden Brüder Sdiäfer öffneten, sahen sie sich mit einem Revolver bedroht. Einer der Brüder wollte eine Eisenstange ergreifen und wurde dabei niedergesdiossen. Er ist seinen Verwundungen erlegen. Die Täter entkamen. Freiburg. Am 16. April 1948 verstarb im 58. Lebensjahr der Regderungsdirektor im Bad. Ministerium des Innern Adolf Münch. Als langjähriger Referent für Gemeinde- und Sparkassenfragen hat er seine ganze Kraft dieser Aufgabe gewidmet und dem Land wertvolle Dienste getestet. Lahr. Landrat Freiherr von Gleidienstein m Emmendingen wurde vom Ministerium mit der Führung der Geschäfte des Lahrer Landraisam- tes betraut. — Im 63. Lebensiahr starb unerwartet rasch Regierungsrat a. D. Emil Rupfender, der viele Jahre im Dienst des Landratsamtes stand. Ottenburg. Im Alter von 67 Jahren starb hier der weit über die Grenzen der Heimat bekannte Großkaufmann Gustav Spinner. — Die Wi'twe des 1932 verstorbenen Budidmckereibesitzers und früheren Verlegers der „Ortenauer Zeitung" Hugo Zuschneid, Frau Franziska Zuschneid, beging ihren 80. Geburtstag. — Rektor Emil Schenkel, der seit 51 Jahren Im Schuldienst steht, vollendete sein 70. Lebensjahr. Der verdienstvolle Erzieher ist seit 45 Jahren an der hiesigen Volksschule tätig, Karlsruhe. Die Neubürger der Gemeinde Bu- senbach, Kreis Karlsruhe, haben mit dem Bau einer eigenen Siedlung begonnen, die aus 20 Häusern bestehen soll. Die Baubescheide für die nach Lefamfoauweise vorgesehenen Häuser wurden jetzt beschleunigt erteilt. Die Siedlungsaktion, die sich „Neue Heimat“ nennt, sieht unter dem Protektorat der Erzdiözese Freiburg. Auch in Flehingen bei Karlsruhe wurde den Neuburgern Siedlungsland zur Verfügung gestellt. Karlsruhe. An dem von der Stadt Karlsruhe ausgeschriebenen Wettbewerb zum Ausbau der Kaiserstraße haben sich einundneunzig Architekten aus Nord- und Südbaden mit Entwürfen beteiligt. Ende Mai wird das Preisgericht, dem namhafte Vertreter des Städtebaus angehören, zusammen treten. Karlsruhe. Bei emem Müller in Oestringen (Kreis Karlsruhe) wurde ein Fehlbestand von 60 722 kg Mehl festgestellt. Außerdem hatte er für 3100 Kunden Schwarzmahlungen vorgenonir men, wobei 130 717 kg Weizen, Roggen und Gerste gemahlen baw. umgelauscht wurden, ohne daß die Auftraggeber in Besitz von Mahlkarten waren. Theater in ßaöensßaöen Maria Tudor Handfestes Theater und blutige Romantik. * Haupt- und Staatsaktion mit Liebe, Intrige, blitzendem Dolch und gefüllten Börsen; mit Kerker und Altar, Boudoir und Thronsaal, Glocken und Böllerschüssen, aufrührerischem Volk und würdigen Priestern, Fackeln, Kerzen, Theater, Theater . . . Ein Vergnügen für einen so tüchtigen Bühnenkünstler wie Heinz Küpferle und für einen filmisch könnerischen Regisseur wie Helmut Weiß. Aber warum hat man eigentlich dies Spectaculum ausgegraben? Weil es von Victor Hugo ist? Weil die urauifgeführte Uebersetzung von Georg Büchner stammt? Weil handfeste Theatralik (jenseits aller surrealistischen . Mode) dem Publikum von heute vorzusetzen einen Theatermann von heute ingrimmig spaßhaft reizen konnte? Wäre es so, wie das Programmheft (Büchner zitieren läßt: „Der dramatische Dichter ist ein Geschichtsschreiber, der statt Charakteristiken Charaktere und statt Beschreibungen Gestalten gibt”, wäre es in diesem Stück des jungen Victor Hugo nur so — „Gut!", würde man sagen. Aber leider ist es nicht (nur) so. Bleibt das theatralische Experiment. Als solche« ist es dramatisch geglückte Moritat, nicht ohne (nach der französischen J.uliTevolution) politische Moral, am Ende: „Ich habe England und die Königin gerettet!", sagt der Mann, der alle Fäden in der Hand hielt. Cläre R u e g g : eine Königin, die Weib; eine Frau, die Königin ist — beides zuweilen und jenadidem in Haßliebe erglühend, ausbrechend, lauernd, versteinert. Liselotte Be 11ert als Jane: die einzig menschliche Gestalt unter Figuren — des Dichters, nicht der Spieler. Heinz Menzel als Gilbert.- Fehlbesetzung. Den Fabiani spielte B e di m a n n geschmeidig, wie gewünscht, und Amo E b e r t war der überlegene Staatsmann, der er sein muß. Denn alle Figuren (mit Gesamtlob) sind kontuiierte, gekonnte Schablone (immerhin eines einst Dreißigjährigen). Aber mehr als Handwerk ist der dramatische Ausbau, Umbau, Aufbau: hier können unsere heutigen jungen Vereinfacher abstrakter Anti- dramatifc lernen, wie man Theater macht. RGH. QSA3 - Zwanzigtausend Meilen unter unseren Füßen, jenseits des antarktischen Polarkreises, im 68. Grade südlicher Breite, 67 Grad westlicher Länge, lebt eine Handvoll Menschen. Ihre Radiostation in der Mar- guerite Bay ist zur Zeit der am weitesten südlich stationierte drahtlose Posten der Erde. Wir suchen sie im Zwanzigmeterband . . , Zwischen uns und den 10 Engländern „drüben” dehnen sich Meere, Urwälder, Wüsten. Schiffe kreuzen, Negerstämme kämpfen, die Brasilianer trinken ihren Morgenkaffee . . . Ein kurzer Ausruf: Ich habe sie! . . . Sekunden verstreichen. Beide Männer neben mir bleiben äußerlich ruhig, die Kopfhörer fest angepreßt; ihre Augen glänzen: „Q S A 3” (das heißt in der Berufssprache: Ich höre euch ziemlich gut). Sie antworten! Und mit dünnen Morselauten entwickelt sich unser Antipoden-Gespräch: „Euer Name? Welche Station?” — „Mar- guerite Bay . . .” Die Südpolexpedition, kein Zweifel. Wir fragen weiter: „Temperatur? Wind?” „20 Grad F”, antwortet Butler. „Wind: Nord-Nordost 8”. Ein langer Bericht von etwa 30 Worten folgt. Wir erfahren daraus, daß in Trepassey House zwei Barak- ken im rechten Winkel aufgerichtet sind, daß vor einiger Zeit ein Lebensmittel-Lager gebrannt hat, daß jedoch die Männer bis zur Ankunft des Versprgungsschiffes aushalten könnten. „Herzliche Grüße von den Mädchen Frankreichs!” senden wir an Commandant Butler vom Polarforschungsinstitut Scott und an seine paar Männer, die, fern im Eis verloren, unsere Stimme hören. Auf unseren Bericht: „Hier Bäume in Blüte; Regen . . .” kommt lakonisch zurück: „Keine Bäume. Keine Blumen. Schöner Schnee. Meer vereist . . . Gute Nacht!” „73”. Das ist unser letztes Wort. Es bedeutet „Freundschaft” und macht die Run- ^ mm drei Viertel der Erde, von der kleinen Baracke in Bagneux bei Paris bis zur vereisten Bucht von Trepassey House, am Ende der Welt. * Zwischen Marienbom und Helmstedt, zwischen Ost und West, ist kein Meer, kein Packeis, kein Himalaja, sondern nur ein eiserner Vorhang. Der, besieht man ihn genauer, ein Aequator ist: eine eingebildete Linie in den Köpfen weniger Leute, die sich . . . durch ein Haar im Fernrohr täuschen lassen. Denn diesseits wie jenseits wohnen Menschen — Menschen wie Du und ich. Am Sinai grub man Türkise Die wissenschaftliche Expedition, die von der Universität Kalifornien nach Afrika entsandt wurde, um nach Spuren des vorgeschichtlichen Menschen zu suchen, hat in der Nähe des Sinai auf dem schwer zugänglichen Berg Serabit El Khadem in et-wa 700 m Höhe ein Bergwerk entdeckt, in dem für die ägyptischen Pharaonen nach Türkisen gegraben worden war. Darin wurden Inschriften auf rotem Sandstein gefunden, deren Alphabet aus 28 Konsonatenzeichen besteht, aber keine Vokaizeichen enthält. Der Expeditionsleiter Prof. Wendel! Philipps erklärt, die Entstehungszeit der Schriftzeichen sei auf das XV. Jahrhundert vor Christus anzusetzen. Es handelt sich um die Sprache der Ka- ! naaniter, der Ureinwohner Palästinas. Von diesen urtümlichen Scfcriftzeichen stamme das hebräische, arabische, griechische und lateinische Alphabet ab. Die Inschriften auf dem Berg Serabit sind zum Teil Erinnerungsmale für die dort verstorbenen Bergleute. * * In einer Höh'.e am Nordufer des Toten Meeres fanden Beduinen eine Anzahl Tontöpfe. Sie enthielten in Leinen gewickelte Lederrollen, die mit schwarzem Wachs überzogen waren. Sachverständige behaupten, es handle sich um biblische und apokryphe Texte aus der Zeit vor der Zerstörung Jerusalems. Sollten sich diese Angaben bewahrheiten, so wären die Texte um 100—200 Jahre älteT als die ältesten Papyrus- Reste des Neuen Testamentes oder über 800 Jahre älter als das älteste bekannte hebräische Bibelmanuskript. Kasernen — aber keine Tempel Kalkutta In den Hügeln bei der kleinen Stadt Harrappa in Südwest-Punjab und in Mo- henjo-dare in Sind sind seit längerer Zeit Ausgrabungen im Gange, die immer mehr Einzelheiten über die Vergangenheit des Indus-Systems ans Licht bringen. Ausgedehnte Städte sind freigelegt, mit Backsteingebäuden, schnurgeraden Straßen und einem ausgezeichneten Kanalisationssystem. Es bestehen starke Aehnlichkeiten zu Ausgrabungen in Mesopotamien; sie lassen darauf schließen, daß diese Stadtkulturen bereits um 2500 v. Chr. bestanden haben. Die Städte müssen mehrere Jahrhunderte alt geworden sein; man kann deutlich zehn Bauperioden unterscheiden. Die Ziegel tragen reiche Inschriften, die jedoch noch nicht entziffert sind. Auffallend ist das Fehlen von Tempelgebäuden. Die neuesten Funde bei Harrappa haben bewiesen, daß jene indischen Städte stark befestigt waren, was bislang ungewiß war. Wie in den Städten am Euphrat und Tigris fand man Befestigungen, deren Mauern bis zu 18 m hoch und 13 m dick sind. Das Verteidigungssystem ist so raffiniert und kompliziert, daß es heute noch die Bewunderung jedes Militärs hervorruft. Man entdeckte Kasernen und, anscheinend rituellen Zwek- ken dienende, Badehäuser. Die Errichtung derartiger Kolossalbauten deutet auf die organisierte Arbeit von Sklaven oder Hörigen hin. Auf einem freigeiegten Friedhot fand man in den Gräbern nicht nur die Toten, ausgestreckt, den Kopf nach Norden, liegen, sondern auch Geschirr und Töpferwaren. Auffallend ist bei einem Toten ein Kleid aus Schilfrohr und ein hölzerner Sarg. Es ist das einzige Grab dieser Art, das bi^er in Indien entdeckt wurde. In beiden Städten findet man Spuren von blutigen Gemetzeln, denen Scharen von Männern, Frauen und Kindern zum Opfer [ fielen, wahrscheinlich in jener Zeit, als, I aus dem Norden kommend, kriegerische Bauernvölker, Arier, im Beginn des zweiten Jahrtausends, die hohe Zivilisation des Indus-Tales zerstörten. KULTUR UND LEBEN Wertvolle Funde au s dem 2. Jahrtausend vor Chr. wurden beim Bau des großen Elektrizitätswerkes am Kura-Fluß bei Baku gemacht; mehr als 8000 Gegenstände des häuslichen und religiösen Bedarfes, ferner Waffen und eine große Steinplatte mit zwei Pfauen und einer Inschrift in unbekannter Sprache. Eduard Künnedcewarnurnominel- ler P g und wurde aus der Partei ausgeschlossen, als sich herausstellte, daß er mit einer Halbjüdin verheiratet war; er hat vielen Juden geholfen und der Librettist seiner 1943 aufgeführten Operette „Glückliche Reise" war ebenfalls Jiude. Künnecke wurde daher von der Berliner Entnazifizierungskommission für Kunstschaffende entlastet. 5,4 Millionen Tonnen Ackererde verschwinden jährlich in den USA durch Wind und Wasser, durch einen Raubbau veranlaßt, dem u. a. durch weitgehende Aufforstung ; begegnet werden soll, erklärte Professor Wahlen in einem Vortrag der Thurgauiechen Naturforschenden Gesellschaft. Der 81jährige Arturo Toscanini wird nach der Rückkehr von Italien in New York die Leitung des Großen Symphonie-Orchesters der „National Broadcasting Company" übernehmen. Ein neues Buch von Henry Wallace „Toward world peace" ist soeben in New York erschienen. Beim Besuch des englischenThron- folgerpaares in Paris erhielt Prinzessin Elisabeth aus der Hand des Präsidenten der Republik das Großkreuz der Ehrenlegion. Hierbei ist sonst eine „accolade" des Ordensempfängers — eine Umarmung— vorgesehen. Da es sich jedoch hier um eine Dame, noch dazu in Begleitung ihres Gemahls, um eine Prinzessin und um eine in England nicht bestehende Usance handelte, erklärte Präsident Auriol in seiner Ansprache: „Das Protokoll schreibt mir vor, daß ich Ihnen eine „accolade" gebe. Ich dediziere jedoch meine diesbezüglichen Vollmachten Ihrem fürstlichen Gemahl . . ." Mk and ohne Kommentar Paris. Leon Blum schreibt im „Populaire", man dürfe in der Frage des Föderalismus und Zentralismus keinen allzu dogmatischen, mehr oder weniger theoretischen Standpunkt einneh- men. Beide Prinzipien ließen 6ich durchaus vereinbaren, so wie es in der Verfassung der USA und der Schweiz der Fall sei. Es komme lediglich darauf an, die einzelnen deutschen Länder so selbständig zu machen, daß die Bildung eines überzentralieierten, autoritären Staates ein für allemal unmöglich gemacht werde. Eine Zerstückelung Deutschlands wäre dagegen ein Anachronismus, zumal in einem Augenblick, wo die Alliierten die größten Anstrengungen machen, eine kollektive europäische Wirtschaftsordnung aufzurixhfen und wo die öffentliche Meinung immer mehr auch auf eine politische Union Europas hindränge. Paris. In der Wochenzeitung „Carrefour" schreibt Winston Churchill: „In einem geeinigten Europa werden die deutsche Industrie und der deutsche Geist konkrete und friedliche Absatzgebiete finden. Viele deutsche, nach dem Muster der alten germanischen Staaten gebildete neue Staaten sollten eingeladen werden, im europäischen Rat zu sitzen. Die Weit verdankt der Kultur dieser alten deutschen Staaten sehr viel." London. Der „Economist” schreibt, der Marshallplan könne nur ein dürftiger Ersatz für die wirtschaftliche Einheit Deutschlands sein; man könne es viel eher auf die eigenen Beine stellen, wenn besonders seine Nahrungsmitteleinfuhren aus Südosteuropa wiederhexgeste.lt würden. New York. „New York Herald Tribüne" meint, die USA seien in vieler Beziehung so stark, daß sie den Konsequenzen einer unfähigen Diplomatie entgehen könnten. Keine Regierung aber könne sich auf die Dauer diesen Auswirkungen entziehen. Es sei ernsthaft zu hoffen, daß man damit begänne, sich einer fachmännischen Diplomatie zu bedienen. Douglas (Man). Feldmarsdiall Montgomery erklärte, der Schlüssel für Frieden ebenso wie für Krieg läge in der Stärke, und Großbritannien müsse für alles bereit sein. Moskau. In sowjetischen Kreisen vertritt man laut AFP die Meinung, die Erklärung Stalins, wonach „der Kapitalismus und der Kommunismus in der Welt friedlich nebeneinander bestehen können“ habe die Hauptrolle gespielt, als die Amerikaner die Sondierung über mögliche Besprechungen zwischen USA und UdSSR unternahmen. Berlin. Laut „Südena" erklärte Major Loch owitz im Haus der Sowjetkultur, die sowjetische Außenpolitik gehe von dem Standpunkt aus, daß zwei weltanschaulich entgegengesetzte Regime „ziemlich lange" nebeneinander existieren könnten. Berlin. Die sowjetischen Behörden erwägen die Einrichtung von Interzonenzügen von Köln und München nach Berlin (SchJes.-Bhf.), die von der Verkehrsverwaltung der Ostzone betrieben werden sollen. Für Alliierte sollen besondere Wagen angehängt und der Fahrpreis in Dollar« erhoben werden. Paris. Wie „Kosmos“ erfährt, wird in unterrichteten Kreisen die Auffassung vertreten, die Antwort auf die amerikanische Note durch den Moskauer Rundfunk sei nicht als offizielle Antwort aufzufassen und eine solche Antwort müsse erst abgewartet werden Die Pressekonferenz-Erklärung Marshalls sei ebenfalls keine Antwort im diplomatischen Sinne. Nach Eintreffen der offiziellen Antwort aus Moskau, werde Washington offiziell antworten. In Paris halte man es für ausgeschlossen, daß die großen Hoffnungen, die nach dem Bekanntwerden des amerikanischen Vorschlages überall erwacht waren, eine Enttäuschung erfahren könnten. Blick über die Grenzen Uster. Ein Zwanzigjähriger versuchte von einem gutsituierten Bürger 1000 Franken zu erpressen, indem er ihm mit kompromittierenden Veröffentlichungen drohte. Bei seiner Festnahme erklärte er, er habe sich „das nötige Sackgeld für die Rekrutenschule” verschaffen wollen. Bern. Im März wurden für 3,5 Millionen Franken Butter exportiert. Es seien, so schreibt das ,,Aargauer Tagblatt”, verbilligte Futtermittel in solchem Ausmaß abgegeben worden, daß billige Importbutter, die eine billigere Versorgung des Verbrauchers gestatten würde, wieder außer Landes geschickt werden mußte. Das ganze sei eine recht kostspielige Blüte staatlicher Wirtschaftelenkung. Bern. Am Eidgenössischen Sängerfest werden Ende Juni die Vereine in zwei gleich starken Gruppen von je 6000 Mann anrücken, wobei jede wiederum in zwei „Sängerregimenter” geteilt ist. Bern. Der Geburtenüberschuß ist 1947 gegenüber dem Vorjahr von 8,7 auf 8,1 je 1000 Einwohner zurückgegangen. Er ist also zwar niedriger als 1945, aber beträchtlich höher als in den Vorkriegsjahren. Aarau. Wie die „Metzgerzeitung” berichtet, wird das Gefrierfleisch in weiten Kreisen abgedehnt, denn es ist ebenso teuer wie frisches Fleisch. An sich ist es billiger, es werden jedoch für Preisstützungsaktionen Abgaben darauf erhoben. Da fette Schweine ebenso teuer sind wie magere, wird das Schweinefett zu teuer und kann nicht verkauft werden. Außerdem habe eich ein neuer Schwarzmarkt entwickelt, weil das Fleisch so lukrativer abgesetzt werden kann. Bregenz. Der schwerste europäische Eisenbahnwaggon wurde soeben in der Sim- meringer Waggonfabrik in Graz für die Vorarlberger 111-Werke fertiggesteilt, der achtzehnachsige Waggon ist für den Transport schwerster Wander-Transformatoren bestimmt. Salzburg. Nachdem bereits seit einiger Zeit Salat überall frei abgegeben wurde, haben sich die Bundesministerien veranlaßt gesehen, die Bewirtschaftung von Salat und Spinat spätestens am 31. 8. 48 aufzuheben. Wien. Ein vom Verkehrsministerium aufgestelltes 10-Jahre-Programm sieht den Bau von 6 000 gedeckten und 9950 offenen Güterwagen und von 990 vierachsigen Personenwagen für dritte und 435 vierachsigen der Polsterklasse vor. Wien. Fünf Wochen lang sind Havannazigarren zum Preise von 2-4,50 Schilling frei verkäuflich; sie stammen aus der „Amerika-Hilfe.” SUDKURIER Verantwortlich ei Redektionsaoeecfauß: Hermann Dörflmgei. l V. Josef Hilngrainer (CDU)i Rudi Goguel (KP), Herbert Goldscheid ei (SP); Friedrich Muading (DP); Hermann Fiebmg — Verlagi Südkurier-Verlag G. m b. H — Drude; Drodcerei Konstanz. Fi6ch markt 5 — Für nnverrerlangt eingesandte Manuskripte übernimmt di« Redaktion keine Gewähr