rwn TT.st VSHHK f 5. JAHRGANG • ÜBERPARTEILICHE INFORMATIONSZEITUNG FÜR DAS LAND BADEN * NUMMEK 1 ^rsfheint Dienstag, Donnerstag, Samstag. Adresse: Konstanz, Rosgartenstr. 12 ITOlVSTA HTFIVST A f d. T AIVTT A R 1 QdQ Bezug raonatüdi dur* die Post DM 2.03. dazu 27 Dpt Postzustellgebühr, Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr. 924, 925, 1130, 1510, 1511 IVA/iaO I Ali tj Dlijlt o 1 Avj ft. JAll U All Yyyiy durch Träger DM 2.10 einschließlich 25 Dpi. Trägerlolm. — Einzelpreis 20 Dpf Kurz notiert r' j fr Die amerikanische Militärregierung für Württemberg-Baden hat das vom Landtag verabschiedete Gesetz über die Aufhebung von Gewerbe- beschränkungen abgelehnt, weil es den von der Militärregierung erhobenen Forderungen nicht entspricht. Der ehemalige Blockälteste im KZ Landsberg, der 28jährige Wiener Hugo Epslein, wurde von einem ehemaligen Häftling auf dem Musette- Ball in Paris erkannt und der Polizei übergeben Ein österreichischer Gerichtshof verurteilte den Schwager Görings, Dr. Franz Huber, zu 18 Jahren Zuchthaus. Huber wurde des Hochverrats und der Illegalen Mitgliedschaft in der Nazipartei für schuldig befunden. Der österreichische Innenminister veröffentlicht ein Kommunique, in dem erinnert wird, daß es Österreichischen Staatsbürgern verboten ist, ihren Adelstitel zu tragen. Belgrader Zeitungen melden, daß die Tschechoslowakei den Vertrieb jugoslawischer Zeitungen in der CSR verboten hat. Der polnische Ministerrat nahm in Warschau einen Gesetzentwurf an, mit dem die separate Verwaltung der deutschen Gebiete östlich der Oder-Neisse-Linie aufgehoben wird. Der aus Moskau scheidende amerikanische Botschafter Bedel*. Smith bezeichnete Statin als „charmante Persönlichkeit, aber auch außerordentlich brutal, wenn er will'*. Um die überhandnehmende Wolfs plage in der Sowjetunion zu bekämpfen, sollen jetzt Flugzeuge eingesetzt werden, um die Wolfsrudel im Tiefflug zu beschießen. Sämtliche Autobus- und Straßenbahnlinien Londons stellten am Samstagnachmittag den Verkehr ein. Die Angestellten dieseT Verkehrsbetriebe forderten eine sofortige Regelung für einen freien Samstagnadimittag. Mehr als 112 000 Bräute amerikanischer Soldaten sind seit Dezember 1945 in die Vereinigten Staaten eingewandert. Das französische Verteidigungsministerium dementierte die von der sowjetisch lizenzierten Nachrichtenagentur ADN veröffentlichte Erklärung, derzufolge noch 450 000 Kriegsgefangene sich in Frankreich befinden sollen. Vom Vatikan wurde bekanntgegeben, daß alle Personen exkommuniziert werden, welche die Verhaftung des Primas von Ungarn, Kardinal Mindszenky, durchgeführt haben. Die griechischen Behörden haben die Verhaftung von 3000 griechischen Zivilisten auf dem ri-Inponn angeordnet, da diese Personen verdächtigt werden, General Markos Zu unterstützen. Ungarn will mit Vatikan verhandeln Vatikanstadt. Wie offiziell verlautet, hat die ungarische Regierung den Heiligen Stuhl davon unterrichtet, daß sie unabhängig vom Fall Kardinal Mindszen- tys jederzeit zu Verhandlungen über ein Konkordat mit der Kirche bereit sei. Der Heilige Stuhl antwortete darauf, er sähe keinen Weg, ein solches Angebot mit der einem BnzbTschof, Primas und Kardinal zugefügten Behandlung, die einer direkten Beleidigung des Heiligen Stuhles gleichkcmme, in Einklang zu bringen. Arnold fordert erweitertes Ruhrstatut Völkerrechtlicher Zweck verband auf genossenschaftlicher Grundlage Von unserem P. L.-Korrespondenten Düsseldorf. Das Stichwort mit dem die führenden Persönlichkeiten im Ruhr- gebiet sich um eine Korrektur des Ruhrstatuts bemühen werden, hat am Neujahns- morigen Ministerpräsident Arnold in einer Riundfu nkansp rache an die Bevölkerung Westdeutschlands durch einen Ergänzunigs- vorschlag zum Ruhrstatut vorausgegeben. Dieser Vorschlag stellt den Versuch dar, die Belastung des deutschen Willens zu einer europäischen Gemeinschaft durch das Ruhrstatut bei den Kritikern der Zusammenarbeit mit den Besatzumgsmächten zu neutralisieren. Arnold hat in seiner Ansprache den Vorschlag zur Diskussion gestellt: „An Stelle einer einseitigen und daher notwendigerweise vorübergehenden Kontrolle des Ruhrgebiets einen völkerrechtlichen Zweckverband auf genossenschaftlicher Grundlage zu errichten." Deutschland soll in diesem Zweckverband die Ruhr, Frankreich die Erzvorkommen Lothringens, beide Länder die Saar und Belgien und Luxemburg ihre Schwerindustrie elnbringen. Dem genossenschaftlichen Aufbau des Verbandes gemäß will Arnold jeden Partner mit dem Werte seiner Einlage beteiligen. Der aus dem alten Siedlungsrecht her- vorgegangene Begriff des Obereigentums, der zu einer neuen Rechtskonstruktion zeitgemäß fortig,«bildet werden soll, schafft dem Ministerpräsidenten die Möglichkeit, die beteiligten Genossen in ihrer Gesamtheit zu Obereigentümem mit dem Recht auf Kontrolle, Produktion, Verteilung und der gesamten Geschäftsführung zu machen. Bei konsequenter Fortentwicklung dieses Ge- dankengarges hält er es für möglich, ferner zu garantieren, daß mit der Gründung eines solchen Zwedtverbandes das schwerindustrielle Potential der Ruhr niemals wieder zu Zwecken mißbraucht werde, die der gesamten europäischen Konzession zuwiderlaufe. Arnold appelliert anschließend an den Geist des europäischen Patriotismus und vertritt die Auffassung, wer Europa bejahe, der müsse eine einseitige Internationalisierung verneinen und wer eine einseitige Kontrolle der Ruhr bejahe, der verneine Europa. Als Beweis für den westdeutschen Willen, konstruktiv an der Erweiterung des Ruhrstatufs mitzuarbeiten, muß das Bekenntnis des Ministerpräsidenten gelten, in der zeitlich befristeten deutschen Vorleistung bei der Abtretung der deutschen Hoheitsrechte an der Ruhr einzuwilligen, sofern sie mit echten Garantien für die Einleitung zu einem allgemeinen Uebereinkommen auf paritätischer Grundlage verbunden ist. Beitrag für das zukünftige Statut Deutschlands und gibt seiner Ansicht Ausdruck, es sei falsch, zu vergessen, daß wichtige Fragen weiterhin ungeklärt blieben. Das Schicksal des Abkommens hänge von unvorhergesehenen Umständen und von der Art und Weise ab, in der die Alliierten künftige Schwierigkeiten lösen. Im übrigen wird das Ruhrabkommen von der gesamten französischen Presse begrüßt und mit einem Gefühl der Erleichterung Zwischen Zustimmung und Ablehnung Washington. In der amerikanischen Hauptstadt ist die Reaktion auf die Londoner Entscheidungen in der Ruhrfrage durchaus positiv. So erklärte ein Sprecher der Regierung, man habe in den USA nicht erwartet, daß das deutsche Volk diese Beschlüsse vorbehaltlos annehmen werde. Er fügte jedoch hinzu, dieses Abkommen gebe aber den „für zwei fürchterliche Kriege in weniger als einem Meoschenalter verantwortlichen Deutschen" dennoch die Möglichkeit, ihre Lebenshaltung zu verbessern und mit ihren Nachbarn zu einer friedlichen Zusammenarbeit zu gelangen. „Was die Deutschland auferlegte Ruhrkontrolle anbe- langt, so ist sie scharf, aber ihre Stienge ist gerechtfertigt", erklärte der Sprecher des Staatsdepartements am Schluß seiner Ausführungen. London. Die englische Presse beurteilt die erzielte Uebereinstimmung über die Ruhr sehr zurückhaltend. „New Statesman and Nation" ist der Ansicht, daß die für das Ruhrgebiet zu schaffende Behörde unter Klarheit über Buggingen Die Militärregierung des Landes Bader, übergab der Presse folgendes Kommunique: „In seiner Sitzung vom 18. Dezember 1948 hat der Landtag in einer Entschließung gegen das angebliche Verbot der Militärregierung protestiert, über eine schriftliche Anfrage zu tung der Werke teilnehmen können. Mit Beginn des Jahres 1948 jedoch hat sich die Militärregierung bemüht, Baden zu beteiligen. An Stelle einer rein französischen Zwangsverwaltung hat sie eine Gesellschaft eingesetzt, die zu 45% badische Interessen vergünstigen Bedingungen arbeiten könne, wenn die Deutschen ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigen würden. Der ausgearbeitete Kontrollplan bilde weder eine Sicherheitsgarantie noch einen Faktor zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit, wenn die Kontrollbehörde von Feindseligkeit und Widerstandsgeist umgeben sei, wie das nach den ersten Reaktionen von deutscher Seite anscheinend amzunehmen ist. Paris. „Das Abkommen über die Ruhr scheint für den Augenblick einen Stein de® Anstoßes zwischen den Alliierten aus der Welt zu schaffen", schreibt die der Regierung nahestehende Zeitung „Le Monde". Das Blatt sieht in dem Abkommen einen MÜNSTER MM ER! CH a BOCHOIT ^ KLEVE ■'-GELDERN, ~ o MH t Ci5£7\ BOCHU 'ouSSElDpy' M.zOLADB. Q JÜLICH KÖLN DCiftTrO. •SOEST ARNSBENO LÜDENSCHEID OASKOVTBOUÜfB. OE« INTE«NATI0NM. CUHfiSEHÖRDE aufgenommen. Man sieht in ihm nicht nur einen Erfolg der französischen Diplomatie, sondern auch eine wichtige Etappe auf dem Wege eines mit den notwendigen Sicherheitsgarantien umgebenen Friedens und der Herstellung besserer und engerer Wirtschaftsbeziehungen zwischen den europäischen Ländern. Berlin. Zum ersten Male seit Kriegsende ist sich die gesamte Presse aller vier Sektoren in der Ablehnung des Ruhrabkommens einig. Nur der „Tagesspiegel" bezeichnet das Ruhrstatut als „einen Wegweiser nicht allein für die Zukunft Deutschlands, sondern für die ganz Europas". Das Abstimmungssystem, so schreibt die Zeitung weiter, schließe jede Möglichkeit einer Sabotage der Arbeit durch eine Minderheit aus. Die vorgesehene Kontrollbehörde weise einen „wohltuenden Unterschied" im Vergleich zum ehemaligen Kontrollrat auf. Rationenangleichung Bizone - französische Zone debattieren, welche die Kaliwerke Buggingen | trat. Ein rem französischer Aufsichtsrat wurde durch eine gemiscnte, aus drei badischen und £- 5t- i- betrafen. Die Militärregierung stellt fest, daß der Landtag diesen Protest bekannt gab nach einer Debatte über eine Angelegenheit, zu der sie nicht Stellung nehmen konnte, da sie, ihrer Ansicht nach, _ nicht auf der Tagesordnung stand. Tatsächlich hat sich seit Juli, als die Militärregierung jede Diskussion über diese Angelegenheit wegen der zwischen Mlitärregie- rung und Badischer Regierung im Gange befindlichen Besprechungen untersagt hatte, die Lage der Werke Buggingen sichtlich entwickelt. Getreu ihrer Einstellung, dem Badischen Landtag die größtmögliche Redefreiheit zu lassen, hätte die Militärregierung wahrscheinlich keinerlei Einwände erhoben, wenn man ihr mitgeteilt hätte, daßdiese Angelgen- heit am 18. 12. zur Diskussion gestellt weide. Es ist angebracht, daran zu erinnern, daß die Kaliwerke Buggingen einer Gesellschaft gehören, an der der Badische Staat mit 43% und Preußen mit 57% beteiligt sind. Der Besitz des Badischen Staates einerseits untersteht, wie der aller Länder, noch immer dem Gesetz Nr. 52 des Obersten Befehlshabers der Aliierten Streitkräfte, der preußische Staat vier französischen Mitgliedern bestehenden ersetzt. Somit hat die Militärregierung nicht allein das Land Baden an der vorläufigen Verwaltung beteiligt, sondern hat den Einfluß dieses Staates im Verhältnis zu seinem Eigentumsanteil noch vergrößert. Es ist offensichtlich, daß die Militärregierung keine weiteren Zugeständnisse machen konnte — insbesondere konnte der Hauptanteil nicht dem Lande Baden überlassen werden —, ohne sich den Verpflichtungen zu entziehen, die, ihr als Zwangsverwalter obliegen. Die so gegründete Gesellschaft hat die Werke für eine auf fünf Jahre begrenzte Dauer in Pacht übernommen. Der Pachtvertrag wurde durch den vom französischen Oberbefehlshaber in Deutschland bezeichne- ten Zwangsverwalter regelrecht unterzeichnet. Dieser Zwangsverwalter hat im Rahmen seiner Befugnisse gehandelt, die u. a. die Möglichkeit solcher Vertragsabschlüsse im Namen des Eigentümers vorsehen. Zur Zeit wird der Pachtertrag auf sin blockiertes Konto überwiesen. Es bleibt daher sowohl die Frage des Eigen- Baden-Baden. Wie die Ernährungsministerien der Länder der französischen Zone mitteilen, werden ab 1. Januar die gleichen Rationssätze wie in der Bizone für Normalverbraucher über sechs Jahre ausgegeben. Verhandlungen über die Einführung gleicher Lebensmittelkarten in den drei Westzonen, über die Angleichung der Kinderrationen bis zu sechs Jahren und die Regelung für die Zulageempfänger finden in Kürze statt. Bis zur Klärung dieser Fragen erfolgt die Ausgabe der Rationen auf die für die Länder der französischen Zone gültigen Lebensmittelkarten. Für den Normalverbraucher der französischen Zone, also für die überwiegende Zahl der Kartenempfänger, bedeutet diese Regelung eine nicht unwesentliche Verbesserung. Vor allem kann er in Zukunft mit regelmäßigen Fischzuteilungen (800 Gramm pro Monat) und im Januar oder Februar mit einer Zuteilung von Zitrus- und Trok- kenfrüchten rechnen. Nach Abschluß der Vorabeiten kommen ferner etwa 65% der schulpflichtigen Kinder und Studenten der Hochschulen in der französischen Zone in den Genuß der zusätzlichen Speisungen aus dem Hoover-Programm, das die Ausgabe in Höhe von 350 Kalorien an sechs Tagen der Woche vorsieht. Für die Voll- und Teilselbstversorger über sechs Jahre ist ebenfalls die Angleichung beabsichtigt. Südbaden und „Notopfer Berlin“ F r e i b u r g. Auf die Frage, ob sich das Land Baden dem Notopfer für Berlin in Form des 2-Pfg.-Zuschlages auf verschiedene Postgebühren arazuschließen gedenkt, wird von zuständiger Seite erklärt, daß sich Baden selbstverständlich dieser Aktion nicht femhalten wird. Im Augenblick sind jedoch die Verhandlungen über das Notopf eir noch nicht abgeschlossen. Sobald dies der Fall ist, wird dem Landtag eine entsprechende Regierungsvor age unterbreitet werden. Seine Zustimmung steht außer Frage. Informationen, wonach Baden beabsichtige, die Frage des Notopfers für Berlin mit dem Problem der Berliner Tabak- schulden an Baden au verquicken, sind nicht zutreffend Es wird hierzu von zuständiger Stelle in Freiburg erklärt, daß beide Fragen nichts miteinander zu tun hätten. Tschiangkaischek zu Verhau dl uu gen bereit andererseits wurde aufgelöst auf Grund des t J ums „ re * tes i aIs aucb die S P at f re Zu * e ™ Kontrollratsgesetzes und sein Vermögen eingezogen. Auf Grund dieser beiden Gesetze mußten die Werke Buggingen unter Zwangsverwaltung gestellt und ihr Vermögen eingezogen werden. Eine derartige Maßnahme, die zwar die Rechte des Eigentümers vorläufig lahmlegt, greift in keiner Weise einer späteren Entscheidung hinsichtlich des gesamten oder teilweisen Eigentumsrechtes vor. Dieser Zustand muß erhalten bleiben, bis alliierte Bestimmungen über den Besitz der Länder im allgemeinen und den des preußischen Staates im besonderen entscheiden. Da diese Bestimmungen noch fehlen, sind im Augenblick alle Sozialisierungs- oder Abtretungsmöglichkeiten vollständiger oder teilweiser Eigentumsrechte ausgeschlossen. Aus diesem Grunde hat der Badische Staat in der Zeit von 1945 bis 1948 nicht an der Verwal- des Pachtertrages im wesentlichen unberührt. Es ist also keinerlei badisches Interesse verletzt. Die neue badisch-französische Gesellschaft arbeitet im übrigen zu vollster Zufriedenheit. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben nicht auf sich warten lassen. Dank der technischen französischen Unterstützung ist die Tagesproduktion von 570 Tonnen im Juni 1945 auf 750 Tonnen im Dezember 1948 gestiegen und soll nach dem von der neuen Gesellschaft aufgestellten Plan in den kommenden Monaten weiterhin ansteigen. Diese Ergebnisse find ein bedeutender Fortschritt auf dem Gebiet der badischen Kali-Industrie und ein wesentlicher Beitrag für die badische Landwirtschaft. In einer Zeit, in der die Versorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen uns vor schwierige Probleme stellen, muß einer solchen Bemühung ihr voller Wert beigemessen werden.“ Nanking. In seiner Neujahrsbotschaft erklärte Marschall Tsdriangkaischek: „Wir werden das Gebiet um Schanghai und Nanking um jeden Preis verteidigen. Wenn die Kommunisten aber wirklich Frieden wünschen, würden wir Verhandlungen mit ihnen auf nehmen." Peking. Eine der ersten Reaktionen auf die Neujahrsbotschaft Tschiangkai- scheks war ein gewaltiger Preissturz. Der amerikanische Dollar fiel durchschnittlich von 150 auf ungefähr 100 Gold-Yoan. Mehrere Zeitungen Pekings forderten in ihren Sonntagmorgen-Ausgaben den beschleunigten Abschluß eines Friedensvertrages. Nanking. In politischen Kreisen Nankings wurde die Npujahrsbotschaft Tschiangkaischeks mR Enttäuschung auf- genomrmen. Man hatte eine eindeutige Stefllungnahme des Staatschefs erwartet und mit der Bekanntgabe seines Rücktritts oder aber der Proklamation eines Kampfes bis zur letzten Konsequenz gerechnet. Tschiangkaischeks Friedensangebot wird in diesen Kreisen als bedeutungslos bezeichnet, da die Kommunisten sich offensichtlich nicht zu Verhandlungen mit Tschiangkadschek bereitfinden werden. * Schanghai. Die Rede von Marschall Tschiangktaischek ist in politischen wie auch in Finanz- und Wirtschaftskreisen und von dem Mann auf der Straße mit Bestürzung zur Kenntnis genommen worden. Am Silvesterabend glaubte ganz Schanghai mit Sicherheit, der Staatschef werde seinen Rücktritt verkünden, um damit Friedensverharadlungen zu ermöglichen. Nach Ansicht politischer Kreise nimmt diese Rede des Marschalis jede Hoffnung auf baldigen Frieden. Es ist ganz offenbar, daß Tsdriangkaischek entschlossen ist, den Kampf gegen die Kommunisten um jeden Preis weiterzuführen und sich gegebenenfalls auf Formosa und die Südostprovinzen zurückzuziehen. * Nanking In einer zum Jahreswechsel über den kommunistischen Rundfunk verbreiteten Proklamation wird erklärt, die kommunistische Partei Chinas sei entschlossen, den Befreiungskampf bis zum Ende durchziu kämpfen und ai’.e politischen Manöver der Kuomintang zunichte zu machen. Geduld haben Interview mit General Koenig Uiwer Dr. Br.-Sonderkorrespo-ncieiiit hatte Gelegenheit, General K&enkj die Frage vorzulegen, welche Ereignisse für die deutsch-französischen Beziehungen im abgelaufenen Jahr am wesentlichsten waren und welches die Voraussetzung dieser Beziehungen seien. General Koeilig antwortete: „Im Laufe des Jahres 1948 haben gewisse Vorkommnisse in der deutschen öffentlichen Meinung Mißfallen erregt. Das ist mir keineswegs entgangen, und ich denke ganz besonders an die Demontagen, an die Besatzungskosten und an die Ruhrfrage. Was die Demontagen anbelangt, so ist man deutscherseits geneigt gewesen, Frankreich für einen in Potsdam gefaßten Vierer- Beschluß verantwortlich zu machen. In dieser Angelegenheit mußten wir — um uns den treffenden Ausdruck unseres Außenministers Robert Schiuman zu eigen zu machen — die „undankbare Rolle eines Gerichtsvollziehers” übernehmen. In der Tat wurden die in der französischen Zone demontierten Werke der Brüsseler Repara- tionskommission zwecks Verteilung zur Verfügung gestellt. Diese Demontagen sind nie zum ausschließlichen Nutzen Frankreichs vojngenommen worden, sondern für Wiedergutmachungszwecke, d. h. als Vergütung für die in den besetzten Ländern von Deutschland vorgenommenen Zerstörungen und Entnahmen. Die Demontagen stellen also weder willkürliche und ungerechte Handlungen noch aufenlegte Tribute, wie oft angenommen wurde, sondern — ich wiederhole es noch, einmal — eine gerechte Wiedergutmachung dar. Id» hatte schon an anderer Stelle Gelegenheit, über die Besatzungskosten zu sprechen. Man hat sich oft darüber beschwert, daß sie in der französischen. Zone sehr hoch wären. Soll damit gesagt werden, daß die Franzosen auf diesem Gebiete anspruchsvoller als die anderen Alliierten sind? Gewiß nicht, aber da die französische Zone kleiner als die anderen ist, und da Frankreich annähernd ebenso viele Beamte wie seine Alliierten dort unterhalten muß, ist es klar, daß die französische Zone eine schwerere Last ziu tragen hat Nach der Konstituierung Westdeutschlands und, Durchführung eines gerechten Lastenaus>- gleidis wird sich eine rationellere Lösung finden. Die Reaktion des französischen Volkes auf das Ruhrproblem und die Stellungnahme der französischen Regierung zu diesen Frage scheinen die deutsche öffentliche Meinung beunruhigt zu haben. Fr an kreich will eich nicht dem Wünsche nach dem Wiederaufbau Deutschlands widersetzen; es wäre aber unerträglich, wenn die Kapazität im Kohlenrevier zu friedenswidrigen Zwecken benutzt würde. Im Gegenteil soll sich dies« Kapazität in die Bemühungen eingliedern, die die Westmächte gemeinsam unternommen haben, um am Wiederaufbau Europas mitzuwirken. Auf diesen Standpunkt stellen sich die Vereinigten Staaten und Großbritannien. Die neuerdings in London angesdüossenen Vereinbarungen beweisen es, und sie müßten von allen vernünftigen Deutschen angenommen werden, die ebenso viel Interesse wie wir daran haben, daß der eventuelle Gebrauch und die Produktion der Ruhrbergwerke und Stahlwerke überwacht werden. Wenn die Fragen, die ich eben aufgeworfen habe, die deutsche öffentliche Meinung verstimmen könnten, so haben im Gegenteil zahlreiche andere Tatsachen die deutsch-französischen Beziehungen nur begünstigen können: die vollständige Befreiung der Kriegsgefangenen und die Aufhebung der Lebensmittel-Entnahmen wurden ganz besonders begrüßt. All dies ist ohne Zweifel von geringer Bedeutung im Vergleich zu dem Hauptergebnis: der Eingliederung Westdeutschlands in den Marshall-Plan. In 4er Tat wird Ihr Land nunmehr als Bestandteil betrachtet, der an den unermeßlichen Bemühungen um den Wiederaufbau Europas teünimmt. Die Londoner Abmachungen sind eine direkte Ursache dieses Beschlusses. Sie bezwecken, Deutschland viele wesentliche Freiheiten zurückzugeben, wie zum Beispiel die, sich eine Regierung und neue Institutionen zu geben. Jedoch wird Deutschland nicht ohne Zwischenstadium von einer totalen militärischen Besetzung zu einem Zustand der totalen Freiheit übergehen. Die Alliierten sind völlig willens, die Besatzungskräfte herabzusetzen, um Deutschland zu einem freiheitlichen Regime zu führen. Wie schnell sich die Entwicklung vollziehen wird, hängt vor allem von der Wtedsheit, der Mäßigung und dem guten Willen ab, den die Deutschen beweisen werden. Um uns besser zu verstehen, müssen wir nach meiner Meinung immer mehr nach persönlichem Kontakt trachten und die Gelegenheit zu vermehren, offen und vertrauensvoll unsere Meinung auszutauschen- Würaschenswert sind Reisen nach Frankreich von deutschen Politikern, Journalisten und Akademikern. Die Einrichtung eines Gedankenaustausches bietet die besten Aussichten, wann man einen kühnen Blick in die Zukunft rieh- Seite 2 / Nr. I SÜDKURIER BWü Dienstag, 4. Januar 1949 und ich glaube, daß auf dem Gebiete europäisdien Föderalismus Franzosen ufjd Deutsche den besten Boden finden •werden, um ihre Bemühungen zu vereinigen. Die Errichtung eines Deutschland, das selbst föderalistisch ist, ist die unbedingt notwen- cfige Einleitung dazu. Wir müssen eine schon vor dem Kriege begonnene fruchtbare Arbeit wieder aufnehmen. Franzosen und Deutsche müssen auf ■wirtschaftlichem Gebiet die Interessengemeinschaft erneuern und entwickeln, die damals zur beiderseitigen Zufriedenheit funktioniert hat. Einem Deutschen werde ich nie vorwerfen, daß er ein guter Patriot ist und daß er sein Vaterland liebt, aber ich wünsche, daß dieser Patriotismus gegenüber dem Patriotismus anderer nicht wieder feindselige Formen annimmt. Der beste deutsche Patriot wird derjenige sein, der versteht, daß das Interesse Deutschilands darin liegt, daß es seinen Platz inmitten der liberalen und friedliebenden Länder einnimmt. Mögen die "Deutschen nicht zu eilig sein, mögen si# nicht von den Menschen verlangen, wasi allein die Zeit geben kann. Die Eile* ist stets eine schlechte Ratgeberin gewesen. Ich weiß, daß die Geduld eine schwierige Tugend ist' aber sie allein und der gute Wille werden sie zum Guten führen. Südwestdeutsche Neujahrsansprachen Sonderbericht unseres W. S. - Korrespondenten F r e i b u r g. Sowohl Staatspräsident Dr. Gebhard Müller von Südwürttemberg- Holhenzollern, als auch Staatspräsident Wohleb sprachen am Neujahr zur Bevölkerung ihrer Länder. Nach' einem allgemeinen politischen Rückblick behandelten beide dag Problem des Lände rzusammenschiusses, das Dr. Müller als die vordringlichste Aufgabe für das kommende Jahr im südwest- deutschen Raum ansieht. Er sagte, daß er die Gegemgründe seines Kollegen in Freiburg wohl anerkenne, aber nicht billigen könne. Staatspräsident Wohieb sagte, daß man nicht an eine Vereinigung Württembergs mit Baden gedacht hätte, wenn die willkürliche Aufteilung der beiden Länder in ihre Nord- und Südhälfte nach 1945 nicht geschehen wäre. Der Deutsche Bund, das dringendste und nächste Ziel, werde dadurch nicht lebensfähiger, daß die Länder vereinigt würden, so wenig er gesünder und lebensfähiger würde, wenn Hamburg und Bremen ihre Eigenstaatlichkeit aufgeben würden. Uebere die gute badische Freundschaft werde sich Württemberg nicht zu beklagen haben. Staatspräsident Wo-hleb sprach auch über das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich. Er sagte, Europa werde nicht sein, wenn nicht, frei von allen verständlichen Empfindlichkeiten, Frankreich und Deutschland, die der gegenseitigen Ergänzung bedürften, ein neues Blatt der europäischen Geschichte aufschlagen würden. Leider sei die Gefahr, hinter dem Ganzen der Weltgeschichte zurückzubleiben und eine Chance zu versäumen, bei 'beiden Nationen immer noch nicht gebahnt. Keine Regierangskoalition in Südbaden Freiburg. Der Landesausschuß der SPD Baden trat am Sonntag in Freiburg zusammen, um die Frage einer Regierungskoalition mit der CDU und evtl, der DP zu prüfen. In längeren Debatten wurde zum Ausdruck gebracht, daß die CDU immer noch die absolute Mehrheit der Stimmen im Lande besitze und daß es demnach den demokratischen Spielregeln entspreche, wenn sie auch allein die Regierung bilde. Außerdem hatte man nicht das zur Bildung einer Koalitionsregierung nötige Vertrauen zur CDU. Die Vertreter der SPD werden in diesem Sinne bei den nächsten Verhandlungen mit den Vertretern der CDU ihren Standpunkt vertreten. SK. Die von der SPD gemachte Feststellung muß bedauert werden, wenn auch angenommen werden muß, daß sie unter sorgfältiger Prüfung der Sachlage gefällt worden ist. Die Schwierigkeiten einer Koalitionsregierung sind grundsätzlich vorhanden, wenn eine der beiden Parteien die stärkere ist und sie können überwunden werden, wenn die Regierung aus Persönlichkeiten zusammengesetzt ist, welche gewillt sind, die demokratischen Spielregeln nicht auszunutzen, sondern zu benutzen. Es müßte auch in Südbaden möglich sein, unter diesen Umständen eine Koalition zu bilden, denn die Entscheidung des Volkes bei den Gemeindewahlen ist eindeutig genug. Landesparteitag der Berliner SPD Berlin. Auf dem fünften Landespar- teikongfeß der Berliner SPD, auf dessen Tagesordnung die Beratung der künftigen Aufgaben des Berliner Magistrats und die Beschlußfassung über die Zusammenarbeit im Berliner Stadtparlament steht WETTERVORHERSAGE Auf der Südseite eines mächtigen atlantischen Hochdruckgebietes strömt kühle Meeresluft auf das Festland ein. Einen wesentlichen Temperaturrückgang wird sie jedoch nicht bewirken. Aussichten bj« Wochenmitte: Allgemein wolkig, zeitweise noch bedeckt mit leichten Niederschlägen, in höheren Lagen Schnee. Mäßig kühl, zunächst kein, später wieder leichter Nachtfrost. und der am Sonntagvormittag durch den ersten Vorsitzenden Franz Neumann eröffnet wurde, erklärte der Berliner Oberbürgermeister Profi Reuter: Die SPD scheue sich vor keiner Verantwortung, aber sie wolle auch nicht den Verdacht eines totalitären Machtstrebens auf sich nehmen. Die Berliner Bevölkerung habe der SPD bei den Wahlen am 5. Dezember einen außerordentlich großen Vertrauensbeweis gegeben. Die Bevölkerung hege die Erwartung, daß die Partei niemals im engen Sinne des Wortes als Vertreterin bestimmter Funktionäre auf- treten, sondern stets die Interessen der Bevölkerung vertreten werden. Berlin sei zum Begriff der moralischen Wiedergeburt des deutschen Volkes geworden. Es habe der Weit gezeigt, daß hier ein wahrer Hort der Demokratie sei. Das Wahlergebnis vom 5, Dezember sei ein historisches Ereignis von größter Bedeutung für die zukünftige Gestaltung Deutschlands. Einen kulturellen Kampf lehne die SPD ab, erklärte Reuter weiter, sie setze sich für religiöse Toleranz ein. Er erhob ferner die Förderung der stimmberechtigten Teilnahme Berlins an den Organen der Bundesrepublik. „Antideutsche Stimmung” als Hindernis Hannover. Der 1. Vorsitzende der SPD, Dr. Schumacher, erklärte laut Dena in einem Interview mit einem Vertreter des Zentral-Organs der SPD, „Neuer Vorwärts”, die wachsende antideutsche Stimmung sei fast überall in der Welt das stärkste Hindernis beim deutschen Wiederaufbau. Diese Stimmung sei zu einem guten Teil durch die großen Klassenspannungen in Deutschland, die zu einem Tiefstand der nationalen Moral geführt hätten, verursacht werden. Moskau räumt Noid-Koiea Moskau. Wie Radio Moskau meldet, verbreitete die Agentur Tags ein Kommunique ülber die am 25. Dezember vollzogene Räumung Nordkoreas durch die sowjetischen Truppen. * Washington. Der Sprecher des Staatsdepartements erklärte, der Abzug der sowjetischen Truppen aus Korea sei eine einseitige Handlung der Sowjetunion. Er wies darauf hin, daß die USA die Frage der Räumung Koreas durch die Besatzungstruppen als wesentlich für die Unabhängigkeit und Integrität Koreas betrachten und daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit vollem Einverständnis der Vereinigten Staaten am 6. Dezember 1948 eine entsprechende Resolution angenommen habe. So habe das Armeeministerium den Abzug eines Drittels der amerikanischen Besatzungstruppen in Korea bekannt geben können. Den Zeitpunkt der endgültigen Räumung Koreas durch- die amerikanischen Be- satzun-gstruppen könne man noch nicht vorausseihen, da die verbliebenen Einheiten auch zur Ausbildung der koreanischen Polizeiformationen beitragen müßten, die nachdem Abzug aufgestellt würden. Deutschlands größte Presse für Tschechoslowakei Die „Information» tehecoslavaque” teilen mit: „Eine riesige Presse ist auf Re- parationsfconto aus Deutschland in der Tschechoslowakei eingetroffen. Es ist mit einem Gewicht von 750 t die größte und schwerste Presse ganz Europas. Um einen Begriff von ihren Ausmaßen, zu erhalten, sei erwähnt, daß der Werktisch 5 -m breit und 2 m lang ist und ein Druck von 360 kg auf den qcm erreicht wird. Verschärfung im Konflikt Israel - Aegypten Aman. Die Kämpfe in Palästina und hauptsächlich im Negeb-Gebiet erfuhren in den letzten Tagen durch den Zu-iaanm- stoß von ägyptischen Streitkräften und Truppen des Staates Israel eine bedeutende Verschärfung. So sind Streitkräfte Israels -auf ägyptisches Gebiet vorgedrun- gen, wobei es z-u schweren Kämpfen zwischen Luttvtreitkräften und Artillerie der ägyptischen Armee und israelischen Truppen kam. Wie das ä-gptische Kriegs- min-isteriuim meldet, soll es in der Nähe von Tel Aviv zu einem Feuergefecht zwischen zwei ägyptischen Korvetten und drei israelischen Slchiffen gekommen sein. Die letzten Meldungen über die Zusammenstöße zwischen Streitkräften beider Staaten sind widerspruchsvoll und es läßt sich noch nicht erkennen, ob die beobachteten Bewegungen israelitischer Streitkräfte e-uf ägyptisches Gebiet -geplante Operationen oder nur zufällige Bewegungen sind. Inzwischen hat Außenminister Bevin dem US-Staatsdepartement eine Botschaft zugehen lassen, worin er seiner Besorgnis über die letzte Entwicklung in Palästina Ausdruck gibt. Bevin erklärte in dieser Botschaft: „Es besteht eine wirkliche Kriegsgefahr zwisehli n Großbritannien und Israel, wenn die er Staat die Waffenruhe in Palästina weiterhin verletzt und nach Aegypten einfällt”. Die britische Regierung gibt in diesner Erklärung, d'ie dem interimis_tischen US-Staatssekre- tär Love-tt übermittelt wurde, weiter bekannt. sie werde unter Umständen gezwungen sein-, das Verbot der Lieferung von "Waffen an die kriegführenden arabischen Staaten aufzu'heben. Ein Sprecher d-es israelischen Außenministeriums kommentierte die letzten Erklärungen des Foreign Office und beschuldigte Großbritannien, einer immer stärker werdenden Parteilichkeit im Pa- lästinakonflikt. Der Sprecher meinte weiter: „Je mehr Großbritannien für Aegypten Partei ergreife, desto' stärker beweist es dadurch, daß die Aegypter unfähig sind, ihre eigene Verteidigung zu gewährleisten”. Zusammenschluß der westdeutschen Gewerkschaften Frankfurt. „4,5 bis 5 Mill. Gewerkschaftsmitglieder werden sich noch in der ersten Hälfte des neuen Jahres zu einem westdeutschen Gewerkschaftsbund zusammenschließen”, erklärte der Sekretär des bizonalen Gewerkschaftsrates, Fritz Tar- j now, in einer Rundfunkrede am 1. Januar. I In der Ostzone sind nach der Erklärung ! Tarnows unter dem Druck der Besatzungsmacht Gewerkschaften nach den in allen ! totalitären Staaten üblichen Mustern ent- ! standen, die der Befehlsgewalt der monopolisierten Staatskartei unterliegen. Dagegen seien die freien und unabhängigen westdeutschen Gewerkschaften eiiersüuiLig darauf bedacht, sich ihre Unabhängigkeit j zu bewahren und als stärkste Massenor- i ganisation zur Entwicklung eines demo- j kratischen neuen Deutschlands beizutra- i gen. Wenn sich die Gewerkschaften in ! allen drei Westzonen nunmehr zusammen- schließen wollten, so folgten sie einer | durch die bevorstehenhe Schaffung einer, i Verfassung, eines gesetzgebenden Paria- ' ments und einer Regierung für den Raum ! der drei Westzonen herangereiften Ent- j Wicklung. j Im weiteren Verlauf seiner Rundfunk- | ansprache wies Fritz Tarnow darauf hin. i daß sowohl der gewerkschaftliche Lohn- i kampf wie auch die staatliche Sozialpolitik i sich bisher nur im Verteilungssektor der j Volkswirtschaft bewegten. Aber es komme - nicht allein darauf an, daß der Kuchen des I Sozialproduktes gerecht verteilt werde, sondern es sei „viel wichtiger, den Kuchen zu vergrößern, um mehr verteilen zu können”. Die Gewerkschaften treten daher für eine Wirtschaftsordnung mit größter Sicherheit, für die Erreichung einer optimalen volkswirtschaftlichen Leistung ein, die aber nichts anderes als eine geplante und gelenkte Wirtschaft sein könne. Allerdings habe die Formulierung „freie oder Planwirtschaft” in letzter Zeit zu verhängnisvollen Mißverständnissen geführt, ln beiden Lagern gäbe es keinen ernst zu nehmenden Menschen, der an die Möglichkeit eines Wiedererstehens der freien Wirtschaft, wie sie früher einmal bestand, glaube. Ein solcher Wiederholungsversuch müßte geradewegs in eine soziale Katastrophe führen. Auf der anderen Seite sei es ein ebenso großes Mißverständnis, zu behaupten, daß die Vertreter der Planwirtschaft das Zwangssystem des Dritten Reiches wieder einführen möchten. Die Gewerkschaften sähen in der Entscheidung über die Frage, wer Planung und Lenkung bestimmen soll, die Voraussetzung für die zukünftige soziale, politische, und demokratische Entwicklung Deutschlands. Die Gewerkschaften würden sich zum Grundsatz der wirtschaftlichen Selbstverwaltung bekennen, wenn der Faktor „Arbeit” nicht mehr hinter dem Faktor „Kapital” zurückgesetzt werden und dies in allen Organen der wirtschaftlichen Selbstverwaltung zum Ausdruck kommt. Indonesischer Den Haag. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, hat der Ofoerkomman- dierende der niederländisch,en Streitkräfte in Indonesien den Feuereinstellungsbefehl an seine Truppen auf Java verfügt, da die militärishen Ziele erreicht seien. Es ist noch nicht bekannt, ob" gleichlautende Be- fiehle auch für die holländischen Truppen auf Sumatra erteilt worden sind. Der Vertreter Hollands hatte dem Weltsicherheits- rat noch am Mittwoch des vergangenen Jahres versprochen, die Kampfhandlungen auf Java bis 31. Dezember 24 Uhr örtlicher Zeit zu beenden. Es wäre jedoch gut möglich, so hatte der niederländische Vertreter erklärt, daß bis zur Durdiiführunig des Feuereinstellumsbefehis noch einige Tage verstreichen könnten. Gleichzeitig mit dieser militärischen Maßnahme haben die niederländischen Behörden, wie weiter aus der holländischen Hauptstadt bekannt wird, mit sofortiger Krieg beendet Wirkung die verhängten Zensurmaßnahmen über die politische und militäris±e Berichterstattung gelockert. Zu diesen holländischen Maßnahmen kündigt der republikanische Rundfunk „irgendwo auf Sumatra” an, der Kampf gegen Holland werde, sofern nötig, noch einige Jahre bis zur endgültigen Vertreibung der Holländer fortgeführt Eine militärische Persönlichkeit erklärte über den gleichen Sender, die Republikaner würden einen langandauernden Guerilla- Krieg führen und Holland durch Sabotage an der Ausbeutung der indonesischen Wirtschaft hindern. Wie der niederländische Delegierte im Wleltsicherheitsrat, van Royen, bekanntgab, haben die holländischen Behörden beschlossen, alle verhafteten indonesischen Persönlichkeiten auf freien Fuß zu setzen. Diese Freilassung hat zur Voraussetzung, daß sie sich jeder Betätigung enthalten, die die öffentliche Sicherheit gefährden könnte. Eine Friedensoffensive Trumans? Washington. Eine Rede Trumans in | Cansas City gelegentlich eines Essens zu j Ehren des ehemaligen Teilhabers des Präsi- j denten Eddie Jacobsonhat in Amerika starke I Beachtung gefunden und wird lebhaft- kommentiert. Truman unterschied zwischen den Machthabern in Rußland, von denen einige sehr wohl zu einem Abkommen mit Amerika bereit wären, während es andere strikt ablehnen. Er, Truman. werde in den nächsten vier Jahren versuchen, eine Einigung herbeizuführen, die den Weltfrieden gewährleiste. Man fragt sich in den politischen Kreisen Washingtons, ob die Worte Trumans mehr sind als eine unverbindliche Plauderei, wie man sie schon oftmals aus seinem Mund gehört habe, oder ob sie den Beginn einer Friedensoffensive ankündigen. Angeblich soll der amerikanische Geheimdienst Nachrichten über eine mögliche Spaltung zwischen der Kriegs- und Friedenspartei im Moskauer Polit-Büro erhalten haben. Auch heißt es, daß Moskau auf diplomatischem Wege Fühler nach Washington ausgestreckt habe. Man müsse gegebenenfalls mit einer neuen Friedensmission Trumans rechnen. Sie sei jetzt um so eher möglich, als Marshall, der seinerzeit die Entsendung Vinsons nach Moskau verhindert habe, wegen seines Gesundheitszustandes voraussichtlich' zurüdetreten werde. Die fast gleichzeitig erfolgte Abreise des USA- Botsdäafters Bedell Smith aus Moskau wird im gleichen Zusammenhang als „bemerkenswert" bezeichnet. Im Außenministerium ist man von der Rede in Cansas City überrascht und erklärt, von Truman vorher nicht unter richtet worden zu sein. Man verweist auf die letzte Nummer der einflußreichen Zeitschrift „Foreign Aftfairs", wo unter einem Pseudonym erklärt wird, daß auf lange Sicht eine kriegerische Auseinandersetzung mit Rußland gar* nicht zu veimeiden sei. Als Verfasser gilt der amerikanische Presseattache in Moskau. 'SÜDKURIER Verantwortliche Redaktion Außenpolitik und Wirtschaft: Herbert GoCdecheideri Innenpolitik: Hermann Dörflinger (abwesend), 1 V : Konrad Gunsti Feuilleton! Friedrich Mundingi Heimatteil: Alois Beck: Sport: Alfred Strobel: Verlag: Siidkurier Verlag G. m. b. H. — Druck: Druckerei Konstanz, Fisdimarkt 5 Segen des Alters Es ist eine oft erörterte Frage: Wann ist dei Mensch am leistungsfähigsten? Die einen Gagen: In der Jugend. Die andern: Im reiferen AAer. Vielleicht rührt das daher, daß man außer acht läßt: Leistungsfähig — zu welchen Leistungen? Eine allgemeine Regel wird es wohl auch nicht geben. Der eine ist mit fünfzig Jahren alt und zu gespannten Leistungen nicht mehr fähig. Der andere spürt mit siebzig Jahren noch wenig von Beengungen -des Alters. Je nach seiner Konstitution und Charakteraniage wird der eine als jungei Mensch 6eine beste Leistung zeigen, der andere erst nach seiner Abklärung. Wenn der Most im Faß tüchtig braust, pflegte ein guter Wein zu weiden. Wo es lange braucht, ist eben viel abzuklären, ins Reine zu bringen, mit sic* 1 und dei Welt auszumachen. Und das will seine Wedle haben. Das Geheimnis der guten Leistung auch im Alter scheint auch darin zu liegen, daß der Betagte sich nicht an Dinge machen soll, die ihm nicht mehr liegen, in denen er aber in vorangegangenen Tagen Erkleckliches geleistet haben mag. Die Erfahrung der Jahre muß die Erkennt' nis als Ertrag gebracht haben, das uewicht der Dinge und 6eine eigne Kraft ins rechte Verhältnis zu bringen. Soweit die Künste jn Frage kommen, namentlich Dichtkunst und Musik, scheint das Erlebnis der jungen Jahre das Material für die spätere besinnliche Betrachtung zu sein, zu dem mit fortschreitendem Alter wenig mehr hinaukommt. Was hinzukommt, ist mehr die Durchdringung, die Verarbeitung, die Fähigkeit der klaren Spiegelung und die gewonnene Kenntnis der Darstel- hmgsmittel. Aus diesen Elementen aber besteht das groß« Kunstwerk, da6 dem Zeitenwande. standhält. Nachfolgend seien einige Beispiele dafür aufgezählt, daß auf geistigem Gebiet, allerdings durch außerordentMche Menschen, auch im reifen Alter Bedeutendes geleistet wurde. Goethe hat die „Wah : Verwandtschaften” mit 60 JahTen geschrieben, „Dichtung und Wahrheit” im siebenten Jahrzehnt vollendet; „Wilhelm Meisteri' und der «weite Teil des „Faust” sind Altereweike. Der größere Teil der schönsten Lyrik Goethes gehört seinem späteren Leben an. Stifter, 1805 geboren, schrieb den „Nachsommer” ais Fünfziger; der „Witiko” war 1867 vollendet. Die „Missa Solemnis” des 1770 geborenen Beethoven gehört der Zeit um 1820 an, die „Neunte Symphonie” den Jahren 1823 und 1824; die späten Streichquartette zählen zu den höchsten Zeichen der Fruchtbarkeit dieses Geistes. Wagners „Tristan” trägt die Jahreszahl 1859; er ist das Werk seiner vierziger Jahre; die. „Meistersinger” entstehen etwas später. Verdi, wie Wagner 1813 geboren, hat den „Maskenbai.” 1858 vollendet, „Die Macht des Schicksals” 1862, „Aida” 1870, den „Othello” 1887, den „Falstaff* 1893. Die Feterskuppel krönt das Alter des Michelangelo; der Zweiundsiebzigjährige übernahm (1547) die Leibung der Bauarbedten an der Peterskirche. Die „Dornenkrönung” ist eins der letzten Worte des fa6t hundertjährigen Tizian. Von der Kunst in die Politik und in die Strategie: Bismarck, 1815 geboren, war 1866 51 Jahre, 1870 55 Jahre alt* Moltke, der Leiter der Feldzüge von 1866 und 1870/71, war 1800 zur Welt gekommen. Von der Politik zur Weltweisheit: Theodizee und Monadologie sind Spät werke des Leibniz? & verfaßte diese Arbeiten in seinem 65. und 69. Lebensjahr. Kant, 1724 geboren, schrieb die drei „Kritiken”, seine grundlegenden Bücher, ais Fünfziger und Sechziger: sie erschienen 1781. 1788 und 1793. Mdg. Künstler des Grenzlandes In dem Pariser Museum der Dekorativen Kunst findet zur Zeit eine Sondarausstellung statt, die eine Reihe der schönsten Werke der Kunst und des Kunstgewerbes vereint, die im Elsaß und in Lothringen entstanden oder von dort beheimateten Meistern geschaffen worden sind. Das Grenzland Elsaß-Lothringen, das so oft von Krieg und Verwüstung heimgesuebt wurde, hat nicht nur die Nachteile seiner geopolitischen Lage, es hat auch die Vorteile kennen gelernt; französische, oberdeutsche und niederdeutsche Kunst stieß hier zusammen, und ihr befruchtender Einfluß wird in der Ausstellung deutlich spürbar. Im 14. und 15. Jahrhundert sind es vor allem die Städte Straßburg, Basel (das bis 1501 zum Elsaß gehörte), Kolmar und Freiburg, in denen das Kunstschaffen seine Blüte erreicht. Aus der Werkstatt des Meisters des Straßburger Münsters zeigt die Ausstellung einige der schönsten Beispiele gotischer Bildhauerkunst: eine „klugs Jungfrau” lächelt süß und rätselhaft, eine „Tugend” zertritt das Laster unter ihrem Fuß, ein „Versucher” reicht mit lockender Gebärde den Apfel. Die Meister des rheinischen Kunstkreises, die wir gewohnt sind, als Deutsche zu betrachten, «t&mmen zu einem großen Teile aus dem Elsaß oder haben hier gewirkt. Der Schwabe Konrad Witz (geb. vor 1400) schafft in Basel; der unter dem Monogramm de9 Meisters E. S. bekannte Goldschmied und Stecher ßtammt aus dem oberen Rheintal und hat im Elsaß Spuren seines Wirkens hinterlassen. Sein Schüler war der 1445 in Kolmar geborene Stecher und Maler Martin Sdiongauer? zu ihm walliahrtete der junge Albrecht Dürer, um in seiner Werkstatt als Schüler aufgenommen zu werden. Als er ankam, war Sdiongauer gerade am Vortage gestorben? Dürer arbeitete jedoch noch längere Zeit in seinem Atelier, wo die Schüler die Tradition ihres Meisters fortsetzten. Ein anderer berühmter Schüler des Meisters E. S. und Martin Schongauers war Mathias Grünewald (geb. 1455 in Würzburg), der Meister des Isenheimfr Altars? während mehrerer Jahre hat er in Straßburg, Kolmar und Basel gewirkt. Der bei Straßburg geborene Hans Baldung-Grien war ein Schüler Albrecht Dürers. All diese großen Meister der Frührenaissance, von diesseits und jenseits des Rheins, schufen vor allem auf elsässiscbem Boden,- trafen sich hier zu fruchtbarer Zusammenarbeit, zum Lehren und Lernen, un chinesischen Trios über Adolf „den Einmaligen . Nicht zu vergessen die „Reise durch die Zonen”, durch Elisabeth! Vehlbehr erfrischend wahr glossiert oder Ambessers „Deutsche Exportschau”, diesem Widerspiegel deutschen Wesens unserer Tage. Die Kathedergeiehrten wurden, vielleicht anläßlich des 200. Todestages unsere» größten Dichtere, in einer Schulmeisterszene glänzend glossiert und dieser Schuß gegen die „Vergoe- thung” ging ins Schwarze. Ursula König wußte, was sie tanzend darzustellen hatte und gefiel durch ihre Lebendigkeit de« Ausdrucks. Jons An- dersson zauberte «ich u. a. durch seine vitale Darstellung in „100 Jahre Liebe” in dia Herzen der Zuschauer. Unnötig, noch weitere Namen zu nennen. Das Ensemble des Deutschen Theaters schenkte un^ ein friedensmäßiges Silvester an dem nichts, auch die silvestermäßige St’mmung beim Tanz nicht fehlte. -Wa- KULTUR UND LEBEN Donaueschinger Musikleben. Mit der Aufführung des Chor- und Orchesterwerkes von Josef Haas „Die Christnach'i” war es nach jahrelanger Pause wieder möglich geworden, die musikalisch interessierten Kreise Donaueschingens züsam-menzufassen und eine Aufführung zustande zu bringen, die sich lediglich einheimischer Kräfte (insgesamt waren es 230 Mitwirkende) bediente und die an die Zeit höchster musikalischer Blüte der Donaustadit erinnerte. Unter der Stabführung von Kurt Freund und unter Mitwirkung des Chores der „Liedertafel”, eines Schülerchores de« Gymnasiums und des Liebhaberorchesters der „Gesellschaft der Musikfreunde” erstand das liebenswürdige Werk des Münchner Komponisten zu einer glanzvollen Leistung Die ganz hervorragende Sopranistin Maria Rösch-Hitschier und dip kultivierte Altistin Frau Fischer-Leucht bestritten die Solopartien. Frau Liesel Haager am Flügel gestaltete den Klavierpart mit eicherer Hand. Das ausverkaufte Haus, da» in weihnachtlichem Licht erstrahlte, war von jubelndem Beifall erfüllt. Der Abend darf als Markstein im Musikleben der Stadt angesprochen werden und i c t zugleich Auftakt für ein weitgestecktes Kulturprogramm, Der enorme Erfolg läßt den Wunsch gerechtfert : gt erschrinen, ds? Werk für auswärtige Besucher in Bälde zu wiederholen. Max R i e p1e fptensfcag, 4. Januar 1949 SÜDKURIER Internationale Skiflüge 16000 Zuschauer in Gartnisch feiern Sepp Weiler — Bradl kam leider zu spät Sepp Weiler unbestrittener Bester in Garmisch Das traditionelle Neujahrsspringen auf der jro- ■n Olympiasmanze in Garmisch-Parten- i r ch e n fand vor 10 000 Zuschauern statt. Es #ar da« erste offizielle Zusammentreffen^ der deutschen und österreichischen Springerelite, bei dem es keine heimische und Gästeklasse, sondern nur noch eine allgemeine Springerklasse gab. Der österreichische Meister Sepp Bradl neben dem Deutschen Sepp Weiler der Favorit des Tages, konnte wegen einer Zugv.erspätung nicht starten. Damit war die Konkurrenz von vornherein eine sichere Sache für den Oberstdorfer Weiler, der nrlt zwei 77-Meter-Sprüngen in einwandfreier Haftung einen unangefochtenen ersten Platz belegte und 235,5 von 240 Punkten erreichte. Um den zweiten Platz kam es zu einem harten Kampf zwischen Rudi Gehring und Erich Win- disch (Garmisch-Partenkirchen), obgleich Windisch mit 73 und 76 m die größeren Weiten sprang, konnte Gehring mit zwei Sprüngen von 76 und TS m durch bessere Haltung 223,4 Punkte erzielen vor Windisch mit 222,6 Punkten. Vierter Klopfer (Oberstdorf) mit 222 Punkten. Der beste österreichische Springer war der Innsbrucker Walter Steinegger mit zwei Sprüngen von 71 m Md 219,9 Punkten. Eine gute Leistung zeigte Alfons Krüner (Partenkirchen), der mit Sprüngen ■von 68 und 69 m und 206 Punkten den 14. Platz erreichte. Krüner ist erst vor 14 Tagen aus fünfjähriger russischer Gefangenschaft heimgekeiirt sehr weich. Es war daher verständlich, daß eine ganze Rieihe von Springern ,,zu Boden" mußte. Gleich im ersten Durchgang sprang Beck-Neustadt 39 m, während Fischer-Neustadt und Sdnwörer-fiinteizarten es auf 38 m brachten. Im zweiten Durchgang, der als erster Wertungs- durchgang galt, konnten erhebliche Weiten erzielt werden. Der St. Märgenei Hättich sprang auf die 43 m-Marke, Günther Wlerner aus St. Blasien und der mehrfache Schwaizwaldmeister Schwörer-Hinterzarten kamen auf 41 m, Beck- Neustadt und Fischer-Neustadt auf 40 m. Der als Kombinationsläufer bekannte Springer Richard Mora :h aus Freiburg, der 36 m und im zweiten Durchgang 42 m erzielte und der junge Hirt (Saig), der ebenfalls die Weite von 36 m erreichte, dürften für diesen Winter eine namhafte Rolle spielen. Der weitere Kombinierte Korber- Karlsruhe kam infolge Sturz um seine Siegesaussichten. Im dritten Durchgang schließlich, der gleichzeitig den Höhepunkt dieser skisportiichen Veranstaltung bedeutete, landete Fischer-Neustadt mit ausgezeichneter Haltung auf 45 m. Die Springer Beck, Günther Werner und Schwörer-Hinterzarten und Schwer-Schönwald brachten es auf 44 Met«, Hättich-St. Märgen auf 43 m. Dies« erste skisportliche Veranstaltung hat bewiesen, daß im Sdiwarawald eine Reihe junger Nachwuchsläufer vorhanden ist, die bei ernsthaftem Training das Erbe ihrer älteren Kameraden an- tieten können. Die Ergebnisse: Jungmannen: 1. Kiefermann Kurt (Saig) 34'34 m, Note 177; Altersklasse: 1. Hättich Josef (St. Märgen) 42/43 m, Note 213, 2. Morath Richard (Freiburg) 39/42 m, gestürzt, Note 162,25; Allgemeine Klasse: 1. Fischer Karl (Neustadt) 40/45 m, Note 219 (Tages- bester), 2. Beck Karl (Neustadtl 40/44 m, Note 218, 3. Günther Werner (St. Blasien) 41/44 m, Note 217. 4. Sdiwörer Ernst (Hinterzärten) 41/44 m, Note 215,50, 5. Göppert Hans (Schönwald) 35/36 m, Note 190,50. Riesentorlauf in Oberaudorf Aus Anlaß der Eröffnung de» neuen Schwebe- Skilifts in Oberaudorf fand am dortigen Kesselhang ein Riesentorlauf statt. Die 400 m Höhenunterschied aufweisende und 950 m lange Strecke wurde mit 20 Toren versehen, die teilweise sehr schwierig ausgeeteckt waren. Selbst der Favorit Christi Stauffer (Rosenheim) kam durch Sturz um seine Siegesaussichten, wenn ihm auch mit 87,3 Sekunden der Sieg in der Altersklasse gelang. Tagesbestzeit fuhr Sepp Folger (Roeenheim) mit 75,7 Sekunden. Völkerverbindende Mission Förderung internationaler Beziehungen durch den Sport. — Ein internationaler Plan Meister Rastatt schafft Führungstrio MM der (Begegnung SV Rastatt — VfL Kon- Sepp Weiler unternahm nach den offiziellen i s t anz wurde die Vorrunde der Zonen liga Spruisgwettbewerben einen Versuch, den im Vorjahr mit 86 m aufgestellten Schanzenrekord zu brechen. Unter Ausnutzung der vollen Anlauflange ging «r wieder in hervorragender Körperhaltung und einwandfreier Kreisbewegung der Arme über den Schanzentisch und setzte bei der 87-Meter-Marke auf. Da er jedoch das Gleichgewicht nicht hielt und stürzte, konnte der Sprung nicht afts neuer Schanzenrekord anerkannt werde.n Eisgrubers Klasse setzt sich durch Das am Sonntag auf der Mittenwalder Karwen- delschanze mit internationaler Besetzung durch- geführte erste Grenzlandspringen stand im Zeichen milder Witterung. Trotz des warmen Föhns, der einen Temperaturanstieg von — 8 Grad Celsius brachte, war die Schanze in tadelloser Verfassung, so daß von sämtlichen Springern ein auffallend guter Gesa mt d urchschnitt geboten wurde. Besondere« Pech hatte Sepp Weiler, dem beim Aufsprung ein Ski davonlief. Unglücklicherweise zersplitterte dieser an dem einzigen in der Gegend stehenden Auito. Weiler, der den Sprung auf einem Beim ohne Sturz vollendete, nahm jedoch am weiteren Verlauf der Konkurenz nicht mehr teil. Somit konnte durch diesen Ausfall der Ganmsdne-r Altmeister Toni Eisg-ruber mit Sprüngen von 62 und 66 m und der Note 224,5 vor Heini Klopfer, Schäfer und Ewald Roscher den 1. Platz belegen. Toni Eisgruber stand mit einem Sprung von 66 m die größte Weite des Tages. Als bester Oesterrekher konnte sich wie am Vortage auf der Großen Olympiaschanze Walter Steinegger mit 59 und 63 m-Sprüngen und der Note 212,7 in der Gesamtwertung auf den 6. Platz klassifizieren. Sepp Bradl in Berchtesgaden Auf der Kälbexsstein-Schanze in Berchtesgaden 6iegte in der Gästeklasse der ehemalige Weltmeister Sepp Bradl aus Mühlbach (im Salz- kammergut) mit Sprüngen von zweimat 52 Metern und der Note 229,5. In der Altersklasse war der ehemalige deutsche Meister Alfred StoU, Berchtesgaden, mit Sprüngen von 46 und 42 Metern und der Note 203 erfolgreich. Tn Fischen im Allgäu gewann Heini K öpfer (Oberstdorf) das Silvester-Springen mit der Nota 150,5 und. Sprüngen von 48 und 50 Metern. In Oberammergau war am selben Tage der Tiroler Hubert Hammerschmidt aus Schamitz bester Springer in der Gästeklasse. In der Altersklasse siegte Paul Schrreidenbach (1860 München) und in der allgemeinen Klasse Simon Berger aus Oberstdorf, der mit Sprüngen von 63 und 64 Metern auf dser Tage le Hände t erfinde- igung in die Jäger fd gehen der Länge a „Müm- irumenten „Ruhestö- I sie sich md dann rau einer apierkorb checkheft, nd unterfand. Der inen Fin- fland) be- der mit 1 anstellt wenn das ler Präsi- s System von New iche For- lllen. Für Australien rlichl >lle dort rten Sie ging ins > geben, uar also ht wor- f Roger . Zufäl- undbüro als de’ n etwas ■ ist uns .nstalten i“, sagte kte, daß m außer jenützen genehme luf ganz ger zuk- und zu- . M s ch t r in fro- kend in , . schöne mensein ; ir, hatte • ien jun- ' l in der er allen inen nur ! ; übrige kaum trum ist em Wa- ier hatte liebendem auch n Roger l er mit i beiden er nicht «fanden folgt) Dienstag, 4 . Januar 1949 SÜDDEUTSCHER HEIMATKURIER , Nr. 1 / Seite 5 Reise an die Ruhr Eindrücke auf einer Fahrt von Mit gleichförmigem Geratter rast der Schnellzug München—Dortmund durch die Nacht. Dichter huschen am Fenster vorbei. Der Zug hält nur selten. Es ist stockdunkel draußen und neblig obendrein. Fröstelnd zieht man den Mantel enger. Gott sei Dank dringt der Dampf in den Heizrohren endlich auch in die letzten Wagen durch. Man konstatiert, angenehm berührt, daß das Reisen seit der Währungsreform doch angenehmer geworden ist. Die lästigen Holzverschalungen der Fenster sind endlich, dem Glas gewichen. Die Coupes sind durchweg gut beleuchtet. Sogar der Mitropakellner erscheint ab und zu und bietet Erfrischungen an.. Die Mitreisenden zeigen sich nicht sonderlich gesprächig. Das "unbequeme Sitzsn auf den Ho-izbänken ermüdet auf die Dauer sehr. Nur iab und zu wird die schläfrige Stille durch das Knistern eines Butts r- brotpapieres unterbrochen. Ein gut angezogener älterer Herr auf dem Fensterplatz zündet eine Zigarette nach der andern an. Nenvös bläst er den Rauch in langem Stahl von sich. Er war Textilfabrikant in Thüringen. Enteignst, wie er mir gesprächsweise freimütig erzählt. Mit seiner fünfköpfig&n. Familie floh er vor wenigen Wochen unter Zurücklassung seiner gesamten Habe nach dem Westen. Nun sucht er alte; Geschäftsfreunde auf, um sich eine neue Existenzgrundlage zu schaffen. E ; ner jener erfreulichen Typen, die vom, Leben hart gekennzeichnet, sich mit ungebrochenem Mut durch die Widerstände des harten Alltags hindurchbeißen. Allmählich gibt man die erfolglo en Einschlafversuche auf. Ein stockende® Gespräch kommt in Gang. Man, fragt nach Ziel und Zweck der Reise, beklagt rieh über die steigenden Preise und über den langsamen. Ge- schäft'gang. Die meisten Leute sind immer noch schlecht gekleidet, besonders die jüngeren unter ihnen. Viele junge Männer tagen noch die alten Militärklamotten. Die häßliche, breitschirmiga' Mütze ilst Trumpf. Einer geht von Abteil zu Abteil und sucht einen Juden, der ihm eventuell seine Schweizerfranken in D-Mark umsetzen könnte. Enttäuscht kehrt er nach einiger Zeit zurück und bietet ein zerknutschtss, halbes Pfund Butter zu einem enormen Pre ss an. Heidelberg! Die Bi emsen kreischen. Der Zug hält ruckartig. Auf dem Bahnsteig quirlendes Leben. Viele Leute steigen zu. Im Gang des Wagens herrscht aufgeregtes Gedränge, man schimpft, Kinder weinen. Schon fährt der Zug wieder an. die Lichter der Neckanstadt entschwinden schnell in der nebligen Dezember- nacht. Eine junge, schwarzhaarige, sehr modern gekleidete Dame unterhält sich tat ihrem Gegenüber, einem jüngeren Herrn über Nylonstrümpfe und ihre Vorzüge. Der junge Man scheint Schwabe zu Süddeutschland ins Ruhrgebiet läßt der Zug die alte Römer-tadt. Ich bin allein im Coupe mit einem grauhaarigen, gutgekleideten Herrn, der in Köln zustieg. Wir kommen bald ins Gespräch. Sein Akzent und eine großzügig angebotene Chesterfiel dpa ckung verraten den Ausländer. Er Hst Belgier, verhandelte eben in Frankfurt mit deutschen und amerikanischen Außenhandelsstellen. „Belgien braucht den deutschen Markt”, meint er offenherzig. „Wir stecken voller Waren und werden sie nicht los, un-ere Wirtschaft geht zugrunde!” Er beklagt sich bitter über die Manöver der amerikanisch dirigierten „JEJA”, die jede Initiative unterbinde. Jedoch glaubt er zuversichtlich an eine baldige Besserung der Lage. D ü s s e 1 d o r f! Die Gegend wird topf- eben Ruinen und große Fabrikanlagen kündigen das Industriegebiet an. Duisburg! Reges Leben herrscht auf dem riesigen Bahnhof, der einmal zu den modernsten und größten Bahnhöfen Deutschlands zählte. Ich bin am Ziel. Ueberraschend für mich die Vielzahl der gutgekleideten Leute. Sehr elegante Frauen beherrschen das Straßenbild. Es i-~t viel zerstört hier, aber der Wiederaufbau macht sichtbare Fortschritte. TÜerige Kaufhäuser mit blendenden Auslagen sind in wenigen Monaten geradezu aus dem Boden geschossen. UeberaU herrscht vorweihnachtliche Kauflust. — Fast alle Leute tragen Packen und Päckchen. Geld scheint hier nicht so rar zu sein. Ein fabelhaft eingerichtetes Cafe ist trotz des Werktages ziemlich voll. Mit Mühe nur ist ein Platz zu finden. Eine Kapelle spielt zum Tanz, gutbefrackte Kellner bedienen sehr aufmerksam und höflich. Die Preise sind mäßig. Man spürt trotz der vergangenen furchtbaren Zeit hier den Atem des Industriegebietes. Allen Widerständen zum Trotz beginnt diese komplizierte Maschinerie wieder langsam anzulaufen, und zu versuchen, auf die alte Tourenzahl zu kommen. Die Währungsreform hat die Verhältnisse sehr gebessert. Die Schaufenster sind voll. Vor allem sind sehr schöne und preiswerte Textilien zu sehen. Mit Schuhen ist es schlecht bestellt. Die Je- riermannware ist nicht sehr geschmackvoll gearbeitet und anscheinend nicht sonderlich gefragt. Abends leuchten die Feuer der Hochöfen iam Horizont. Sie arbeiten wieder! Ein erfreuliches Zeichen deutschen Auf- bauwillens an der Ruhr, allen Konferenzen, Streiks und internationalen Neidkonzerten zum Trotz. Werner Gunst Längs der badischen Grenze Südbadens äußerster Zipfel — Blick ins Württembergiscfae Die Höllhof-Arbeitsgemeinschaft Ein ermutigendes Experiment in der französischen Zone Zeichnung: Dietrich Im mittleren Schwarzwald, in der Nähe von Offenburg, liegt das Reichenbach tal, ein Seitental der Kinzig. Von Gengenbach aus führt der Weg mählich aber stetig bergan. Hinter dem Ort Reichenbach wird das Tal enger, und nur vereinzelt liegen noch Gehöfte am Weg. Im hintersten Winkel des Tals, eineinhalb Fußstunden von Gengenbach entfernt, stößt der Wanderer auf ein schmuckes Haus im Schwarzwaldstil, davor ein Brunnen mit der Inschrift „Höllhof, Heim der Jugend”. Der Höllhof ist. ein Fachwerkbau, der erst vor zehn Jahren als Jagdhaus einer gräflichen Familie errichtet wurde, heute aber dem badischen Staat gehört. Seit Februar 1948 finden in diesem Haus Lehrgänge statt, an denen auf Einladung des französischen Gouverneurs von Offenburg ehemalige Nationalsozialisten, hauptsächlich einstige Lehrer und HJ-Führer, teilnehmen. Der Zweck der Lehrgänge ist keine „Umschulung”. Dieses unschöne, an „Schulungsburgen” und Gesinnungsfabriken erinnernde Wort ist auf dem Höllhof streng verpönt. Den ehemaligen Nationalsozialisten auf dem Höllhof wird Gelegenheit geboten, sämtliche Meinungsströmun- gen unserer Zeit kenenzulernen und kritisch zu prüfen. Niemand wird gezwungen, eine Meinung anzunehmen. Tagtäglich kommen während der Lehrgänge Redner und Referenten aller politischen Parteien, aller Konfessionen, der Gewerkschaften, der demokratischen Jugendverbände, der Wissenschaft und des kulturellen Lebens auf den Höllhof und sprechen zu den Lehrgangsteilnehmern. Das Hauptgewicht wird aber nicht auf das Anhören von Reden gelegt, sondern auf die grundsätzlich jedem Vortrag folgende Diskussion, die bei völliger Freiheit des Wortes und mit rückhaltloser Offenheit geführt wird. Jede vorgetragene Ansicht wird angehört, darf angenommen oder abgelehnt werden. Aber Annahme oder Ablehnung müssen mit Gründen belegt werden. Verpönt wie das Wort und der Begriff der „Umschulung” sind auf dem Höllhof auch Voreingenommenheit und Totalitätsai,Sprüche. Niemand soll hier Ansichten verbreiten vor einem stummen und zum bloßen Zuhören verurteilten Publikum, niemand soll Meinungen vertreten, die er nicht selbst überprüft, sondern nur vorurteilslos übernommen hat. In drei Lehrgängen hat der Höllhof bisher rund 80 Personen beherbergt. In verschiedenen Kreisstädten Südbadens wurden Arbeitsgemeinschaften des Höllhof- Kreises gebildet, in denen die Lehrgangsteilnehmer und ihre Freunde regelmäßig mit den örtlichen Vertretern der Parteien, der Jugendverbände und der Besatzungsmacht Zusammenkommen und den Meinungsaustausch in derselben Weise fortsetzen, wie er auf dem Höllhof angeknüpft wurde. Die Höllhof-Gemeinschaft gibt auch eine eigene Zeitschrift heraus, deren Redaktion völlig in den Händen der Lehrgangsteilnehmer ruht. Sie erschien bisher unter dem Titel „Besinnung und Aufbruch” und wird ab Januar 1949 mit dem neuen Titel „Der Höllhof” in Lörrach herausgegeben. Vom 17. bis 19. Dezember fand in Offenburg der erste Höllhof-Kongreß statt, zu dem zahlreiche Gaste aus Frankreich und aus der Schweiz erschienen waren. Der Höll- hof und seine Bestrebungen wurden dadurch zum erstenmal einer breiteren Oeffcntlich- keit bekannt gemacht. Der Kongreß war ausgezeichnet durch die Gegenwart hoher Freunde und Förderer des Höllhofkreises. Die Ergebnisse des ersten Jahres sind ermutigend und geben den Männern recht, die vor einem Jahr die Initiative ergriffen Die Arbeit des Höllhofes wird im neuen Jahr fortgesetzt. Ab Februar 1949 sollen wieder Lehrgänge stattfinden und weitere Kreise bisher abseits stehender Menschen guten Willens der Höllhof-Arbeitsgemeinschaft gewonnen werden. Leitgedanke dabei wird auch im neuen Jahr das Wort sein, das in großen Lettern über dem Eingang des Höllhofs leuchtet:: Nicht Zwang Freiheit! Nicht Haß — Verständigung!” H. K. Es ist nicht ganz einfach, in Südbadens äußerstem Zipfel den Verlauf der „Grenze” zu bestimmen. Der Wanderer im oberen Donautal, der Postkartengrüße in die Ferne schickt, tut gut, sich an Hand einer Karte über die jeweilige „Nationalität“ des Ortes, in dem er sich gerade befindet, zu orientieren. Baden hat andere Freimarken als Württemberg; Lebensmittelkarten, Textilkarten und früher auch die Reisemarken sind streng unterschieden. Im oberen Donautal aber macht die Grenzlinie oft bedenkliche Zickzackkurse und Kreise, die bekannten Luftkurorte Beuron und Tiergarten gehören zu Hohen- zollern und damit zu Württemberg, während Hausen oder Gutenstein, zwei der schönsten Flecken in diesem romantischen Felsental, badisch sind. Wir wollen bei unserer Wanderung längs der badischen Grenze eine alte Karte des ehemaligen Großherzogtums Baden zur Hand nehmen, „bearbeitet in sechs Blättern von der topographischen Abteilung des Großherzoglichen Generalstabes“. Unser Weg führt uns aus dem Dorf Gutenstein mit dem alten Schloß des Grafen Douglas auf einem einsamen Weg durch hübsche Felspartien hinauf ins badische Oberland, eine Hochebene, in die sich damals vor vielen Jahrmillionen der Wasserlauf der Donau sein Bett fraß, das zerklüftete Donautal. Es geht durch dichte Tannenwälder, langsam führt der Weg bergan. Wenn wir den Blick bei unserem Anstieg zurücklenken, breitet sich vor uns das Felsenpanorama des Tales aus, aus Höhe und Ferne wahrhaft ein erhabener Anblick. Aber schon bald nimmt uns der Wald die Sicht und wir vertrauen uns den Wegweisern an, den kleinen Schildern und Zeichen, Insignien der Wanderlustigen. Auf der Höhe im Wald finden wir Grenzsteine. Zu Zeiten des Großherzoglichen Generalstabes patrouillierten hier wahrscheinlich die Leibjäger und Zöllner. Heute spürt niemand etwas von der „Grenze“, der Wald hüllt sich hüben wie drüben in sein schönes Wintergewand, nur die Wege geben hier und da Aufschluß von den Vorgängen in der Historie — auch heute noch: der Baurat von der Straßen- und Wasserbauabteilung des Württembergischen Ministeriums in Tübingen würde hier seinem Fahrer Anweisung geben, schneller zu fahren, ihn interessiert nur der Zustand der Straßen in Württemberg. Nun, wir sind jetzt auf württembergischem Boden, zwar nur für zehn Minuten, denn drüben wechselt der Waldweg schon wieder ins Badische hinüber. Unser Ziel ist das kleine badische Dörfchen Engelswies, eine der letzten menschlichen Ansiedlungen im badischen Zipfel. Hier treffen wir also echte Badenser an. Das Kirchlein des Dorfes mit seinem Zwiebelturm grüßt weit über die Hochebene. Nicht ganz siebenhundert Meter hoch befinden wir uns. Der klare Winterhimmel öffnet einen Fernblick von seltener Anmut. Da liegt das badische Oberland vor uns, sanft schwellen die Hügel, und drüben, über dem Horizont, leuchten die Schneeberge der Schweizer Alpen. Still ist es im Dorf, Waldarbeiter gehen nach der Mittagspause wieder zurück in den Tann, der rings herum die Hochflächen bedeckt. Beim Verlassen des Dorfes fällt der Blick auf das ferne Meß- kirch, ein Schild weist auch in das nahe Kreenheinstetten, dem Geburtsort Abraham a Santa Claras, des mittelalterlichen Predigermönches. Wir durchqueren den Wald in Richtung auf Göggingen, gleichfalls badisches Grenzdorf, denn das unweit davon gelegene Krauchenwies mit dem fürstlich hohenzollerischen Park und dem Waldschloß ist wiederum württem- bergisches Territorium. Aber die Menschen sind die gleichen, Schwaben und Alemannen, Württemberger und Badenser — wer will hier streng unterscheiden, wo selbst der Dialekt einheitlich gefärbt zu sein scheint? Auch das Bild der Landschaft offenbart nichts von Grenzen im politischen Sinne, es ist schön in einer Weise, die allen Zank um Besitz und Macht auszuschließen scheint. Dr. W. S. Hochhäuser am Heidelberger Neckarufer? Diskussion um die Gestaltung eines Brückenkopfes In der letzten öffentlichen Sitzung des Heidelberger Stadtrates entwickelte sich eine temperamentvolle Debatte über die Gestaltung des nördlichen Brückenkopfes der z. Zt. im Wiederaufbau befindlichen Heidelberger Friedrichsbrücke. Bekanntlich war die Friedrichsbrücke mit den drei übrigen Heidelberger Neckar- briyrken den Sprengungen im Jahre 1945 zum v Opfer gefallen. Oberbaudirektor Hus- song, der Leiter der Technischen Direktion, nach dessen Entwurf die Brücke z. Zt. ausgeführt wird, hatte die für die eigentliche Brücke von ihm vorgesehene Baikenform am ersten nördlichen Landpfeiler enden lassen wollen, um von dort aus. Wie das schon bei. der zerstörten Brücke der Fall war. eine architektonisch notwendige, kraftvolle Basis für die Gebäude unmittelbar am Rande des Hochufers zu erhalten. Z. Zt. stehen dort noch niedrige Häuser. Oberbaudirektor Hussong schlug vor, an ihrer Stelle Hochhäuser zu errichten. Unmittelbar veranlaßt war diese Idee dadurch, daß eine industrielle Gruppe an die Heidelberger Stadtverwaltung herangetreten ist mit dem Wunsch um Ueber- lissung eines für ein Bürohochhaus geeigneten Bauplatzes. Nach dem Vorschlag Alte Konstanzer Kalender ■sein, seiner Mundart nach zu schließen. Ab und zu verbucht er krampfhaft, einen Hamburger Dialekt zu sprechen, was Anlaß zu allgemeiner Heiterkeit gibt. Er bemerkt es gar nicht, so sehr scheint ihn aein Gegenüber zu faszinieren. Die 'schwarzhaarige Schöne flirtet nach allen Regeln der Kunst. Die bereitwillig diarge- botene Zigarettenschachtel ihres Verehrers belohnt ihre Mühe reichlich. Mannheim! Der Zug hält nur kurz! Hastiges Hin- und Hergelaufe, schon, geht es weiter über Mainz—Kastell dem Rheine zu- Ich gehe in den Gang hinaus, um mir die Beine etwas zu vertreten. Die Luft im Abteil ist fürchterlich. Ich öffne das Fenster ein wenig und lasse mir die kühle Luft um die Stirne streichen. Wie gut das tut. Draußen kann man den Rhein erkennen. Kähne liegen im Strom vertäut. Ab und zu huscht ein trübe erleuchtetes Kajütenfenstercfcen vorbei. Das Gebirge reicht bis dicht an den Strom heran. Die netten verschlafenen Städt- ®hen sind weit auaeirnandergezogen. Ir- ■Sjendwo schlägt eine Turmuhr. Wiesbaden und Koblenz tauchen öuf und verschwinden rasch wieder in *1 2 59«.- Snnenausfüftrunfl Sopeli-TOnfogom furniert uni mattiert, Säumt nieriürig, 210 cm breit, Boopelbeitftelle 2X>*>/200 cm, Kadjitiiift« mit Opalgkspialten, gtijietfommelie mit gipjjem Ärtffallipiegel aßorn mit Kiiftern, Girant 200 cm breit, MR 1760.— Eid*. Ml, Girant 180 cm beeil, ©SR 1 064.- „Keiotm“-Äüien, elfenbein, 200 anb 210 cm breit, Äuieabfifetts in nerü. äustiiftrungen. 120, 140 unb 100 cm breit. GinjelmSbet aßet Sri lei!jab'-ungsoereinbarang ntöglitft Möbelfaddiaus Schösset Stocfeach Scrntuf 3M SÜD WERKE 5 to - Lastkraftwagen Diesel Benzin Gengas Motorhydraulische Dreiseitenkipper, Omnibusse, Kommunalfahrzeuge aller Art. Kurzfristig lieferbar. Südwertte 6.m.b.H„ Lastkraftwagenfabrik Kuiabach Verkauf für Südbaden; ORAG Oberrheinische Automobil - Ges. Freiburg i.Br. Im Grün II — Telefon 2648 Muslermacher oder Feinmechaniker für selbständigen Posten zum sofortigen Eintritt gesucht Blessing-WerkeK.-G. 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Kairlmurf unb tanftige 3 cIIc berufe tdj laufend jeden Starten *n bödtften Tagespreifen Emil »• Haas ffefle. unb $efye-©ro&biibtn. 46 3a$te alt, ;eb. in Ä : utno Oftalen); ftac Soief, tafte, 17 3a^re oft, aeb. nt Rutno (Stalen); Äac Stals. $ufte, 50 3aJ}te oft. gcti. in Äwfc» (fßoftn); Äabti 3anmp geb. 3aiäeÜ, 3>uftin, geb. 1904 i. ftalen; Äafter Jacob. 3ufte. geb. 1928 lebt* in ?>o4en; Äamter Starm, 3«bin. geb. 1884 m Äicmönien; Äanetet Staul. 3*utee, geb. 1886 in Rumänien; Äeiei SßlcftftÄaiD, $ol*. gefr. 21. 11. 21 in 'JKarföra, lebte 3ta4>ridj# ftonnni aus Retfturf ©twe, Ufnainer, geb. 1924 in Subamte, legte Äa