FD VWSUeStRHK 9 m 5. JAHRGANG • UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR DAS LAND BADEN • NUMMER 61 Erscheint Dienstag, Donnerstag, Samstag. Adresse: Konstanz, Marktstätte 4 K" fl INI CT A IV 7 DIlTIVITir 04 MAT 1 Q/IQ Bezug monatlich durch dde Poet DM 2.03. dazu 27 Dpf. Postzustellgebühr, Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr. 924, 925, 1130, 1510, 1511 IVUiA 3 I AlX Lt D1 1 Air Z4. IVlAi durch Träger DM 2.10 einschließlich 25 Dpf. Trägerlohn. — Einzelpreis 20 Dpf DKUR ER Kurz notiert Einer Mitteilung aus gut unterrichteten Kreisen zufolge werden die alliierten Kommissare für Deutschland ihr Amt am 1. Juli 1949 antreten. An der für 25. Juni nach Genf einberufenen Internationalen Gewerkschaftskonferenz werden zum erstenmal auch Delegierte der deutschen Gewerkschaften als gleichberechtigt teilnehmen. 150 Angehörige einer amerikanischen Truppeneinheit in Frankfurt mußten in ein Armee-Lazarett eingeliefert werden, da sie sich beim Abendessen Vergiftungen zugezogen hatten. In Heidelberg wurde eine 37jährige Ehefrau zusammen mit ihren vier Kindern in der Küche ihrer Wohnung durch Leuchtgas getötet aufgefunden. Es konnte noch nicht festge- stellt werden, ob es sich um einen Unfall oder um Selbstmord handelt. Die seit dem 2. Mal in Bern geführten dcu sch-schweizerischen Wirtschaftsverhandlungen zur Neuregelung des Handels- und Zahlungsverkehrs haben zu einer grundsätzlichen Einigung geführt. Der frühere Kreisleiter von Tübingen, Hans Rauschnabei, wurde wegen Brandstiftung an Synagogen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Zum Generalsekretär der internationalen Ruhrbehörde wurde der belgische Wirtshafts, sachverständige, Gesandter Georg Kaeken- beeck, ernannt. Die französische Nationalversammlung nahm mit 351 gegen 209 Stimmen die Gesetzesvorlage zur Änderung des Status für Cochinchina an. Die Gesetzesvorlage bedeutet für Frank- . reich die Aufgabe eines von 4 Millionen Menschen bewohnten Gebietes, das es feierlich un'er seinen Schutz gestellt hatte. Unter Beteiligung von 16 Ländern mit insgesamt 9500 Ausstellern wurde am 21. Mai die Pariser Messe eröffnet. Moskau bemüht sich jetzt, durch eine Ausstellung von Dokumenten und Geräten zu beweisen, daß der russische Wissenschaftler Prof. Rozin bereits 1S07 ein Fernsehgerät gebaut und 1911 einen Fernsehsender entwik- kelt habe. In verschiedenen Zeitungen des britischen Commonwealth ist eine Meldung erschienen, wonach die englische Thronfolgerin Prinzessin Elisabeth bis Ende dieses Jahres erneut Mutterfreuden entgegensehen wird. Pariser Außenministerkonferenz eröffnet Paris. Die Außenminister-Konferenz der vier Großmächte wurde am Montagnachmittag eröffnet. Die vier Außenminister haben sieh in ihrer ersten Sitzung auf folgende Tagesordnung geeinigt: 1. Einheit Deutschlands in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht, einschließlich des Kontrollproblems. 2. Berliner Problem, einschließlich der Währungsfrage. 3. Vorbereitung des deutschen Friedensvertrages. 4. Prüfung des österreichischen Staatsvertrages. Die sowjetische Delegation hatte verschiedene Vorschläge zur Tagesordnung eingebracht, die sie jedoch nicht aufrecht erhielt. Dagegen hat sie nachdrücklich darauf bestanden, daß nach der jetzigen Viererkonferenz unverzüglich der Friedensvertrag mit Japan erörtert werde. Tumulte und Schüsse in Berlin Streik der Westeisenbahner — Ostpolizei versuchte Westbahnhöfe zu besetzen Berlin. (A.-G.-Eigenbericht.) Seit der Nacht vom Freitag zum Samstag steht ganz Berlin im Zeichen des westberliner Eisenbahnerstreiks, der bisweilen die Möglichkeit eines Generalstreiks in allen vier Sektoren Berlins erkennen läßt. Durch den Einsatz Tausender von Ostzonen- und Bahnpclizisten, die in das Gebiet der Westsektoren hineingeschleust wurden, ist aus dem Streik eine politische Auseinandersetzung geworden. „Ostpolizei provoziert Bürgerkrieg“, „Hinaus mit den ortsfremden Elementen“, „‘SED schießt auf die Bevölkerung“ — das sind einige Schlagzeilen der heutigen Westberliner Morgenpresse. Die bedrohliche Entwicklung des Streiks, bei dem es zu regelrechten blutigen Kämpfen um die Inbesitznahme der einzelnen Bahnhöfe kam, veranlaßte den stellvertretenden Berliner Oberbürgermeister, Frau Luise Schroeder, Dr. Friedensburg und den Polizeipräsidenten Dr. Stumm in den späten Abendstunden des Sonntages den amerikanischen Stadtkommandanten in Berlin, General Howley, aufzusuchen. Bei dieser Unterredung wurde man sich klar darüber, daß Maßnahmen zum Schutze der Berliner Bevölkerung getroffen werden mußten. Teilweise haben die westlichen Besatzungsmächte in den Streik edmigegriffen. Die britischen Besatzungsbehörden erteilten am Sonntag den Befehl, Westberliner Polizei solle den Bahnhof Charlottenburg besetzen. Der Bahnhof Gesundbrunnen, ein bedeutender Berliner Umsteigebahnhof, wurde von französischer Militärpolizei besetzt. .Das Vorgehen der Bahnpolizei einschließlich der Elemente, die aus der Ostzone herbeigeholt und in Uniformen gesteckt wurden, um den berechtigten Streik der Westberliner Eisenbahner zu brechen, kann in Westberlin nicht länger geduldet werden“, erklärte General Howley. 17 Schwerverletzte 17 Personen wurden bisher durch Schüsse der Ostzonen- und Bahnpolizei schwer verletzit. Unter ihnen befinden sich nicht nur streikende Eisenbahner, sondern auch Passanten, da die Ostzonenpolizisten teilweise wahllos von den Bahnsteigen aus in die anliegenden Straßen schossen. Die Zahl der Leichtverletzten, die sich in ärztliche Behandlung begeben mußten, Ist bisher noch nicht zu übersehen. Rund hundert ostzonale Bahnpolizisten stellten sich bisher unter den Schutz der Westberliner Polizei, da sie den Streik ihrer Westberliner Kollegen nicht behindern wollten. Zahlreiche der als Streikbrecher eingesetzten ostzonalen Eisenbahner wurden in der Nacht zum Sonntag aus ihren Dienststellen und Wohnungen herausgeholt. Sie wurden in Züge verladen und teilweise ohne ausreichende Verpflegung nach Berlin gebracht. Den streikenden Westberliner Eisenbahnern standen zur Verteidigung gegen die ständig an stürmenden kommunistischen Gruppen nur Holzknüppel und Steine zur Verfügung. Sowjetische Offiziere, die zur Besichtigung des Bahngeländes an verschiedenen Stellen der Westsektoren eintrafen, wurden mit einem Steinhagel empfangen. Im Gebäude des kommunistischen Berliner Rundfunks im britischen Sektor hatten sich zahlreiche Angehörige der kommunistischen Freien Deutschen Jugend zusammengefunden, die fast alle mit russischen Ausweisen versehen waren. Sie versuchten vor allem die Schaltwerke in ihre Hand zu bekommen. S-Bahnverkehr lahmgelegt Die Situation auf den Westberliner Bahnhöfen hatte sich in den Morgenstunden des Montag etwas beruhigt. Ein großer Teil der S-Bshnhöfe befindet sich in Händen der Westberliner Eisenbahner oder der Westberliner Polizei. Der Bahnverkehr ist jedoch nach wie vor lahmgelegt. Nur einzelne S-Bahnstrecken des sowjetischen Sektors befinden sich in Betrieb. Auf kommunistischer Seite wird darauf hingewiesen, daß der bewaffnete Einsatz von SED- Funktionären, auch der kommunistischen Freien (Deutschen Jugend, seit langem vorbereitet wurde. Die gegenwärtigen Berliner Ereignisse würden von seiten der sowjetischen Besatzungsbehörden mit Aufmerksamkeit verfolgt. Sie wolle wissen, ob der russische Außenminister Wyschinski in Paris den Vorschlag, Deutschland von Besatzungstruppen zu räumen, machen könne, was allerdings nur möglich wäre, wenn sich die sowjetische Besatzungsmacht voll und ganz auf die Volkspolizei und die SED verlassen kann. Grundgesetz in Bonn feierlich verkündet Alle Abgeordneten mit Ausnahme Bonn. (P. L.-Eigenbericht.) Im Rahmen eines großen repräsentativen Staatsaktes wurde am Montagnacbznittag im Parlamentarischen Rat in Bonn das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verkündet. Der Schlußfeier wohnten sämtliche Ministerpräsidenten und Landtagspräsidenten Westdeutschlands, die stellvertretenden Militärgouverneure der drei Westzonen sowie zahlreiche Ehrengäste aus dem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben Deutschlands, darunter die Direktoren der Frankfurter Wirtschaftsverwaltung und die Abgesandten der Kirche bei. Unter dem Klang der Orgel bekundeten d e Mitglieder des Parlamentarischen Rates, die Ministerpräsidenten und Landtagspräsidenten durch ihre Unterschrift im Scheinwerferlicht der Photographen und Wochenschauen die Annahme des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat und in den Landtagen der westdeutschen Länder. Das Grundgesetz tritt nach ausdrücklicher Feststellung durch den Ratspräsidenten Kogon Präsident der Europa-Union in Deutschland Bekenntnis zur parteipolitischen und weltanschaulichen Neutralisierung Hamburg. Der in Hamburg zusammengetretene Kongreß der Europa-Union wählte den Schriftsteller Dr. Eugen Kogon zum ersten Präsidenten der Europa- Un on in Deutschland. Erster Vize-Prä- s.dent wurde Professor Carlo Schmid, zweiter Vizepräsident der nordhrheinisch- westfälische Minister Karl Spiecker. Der b sherige Generalsekretär der Europa- Union in Deutschland, Erich Rossmann, wurde zum Ehrenpräsidenten gewählt. In seiner Rede würdigte der neue Präsident besonders die Verdienste des englischen Kriegspremier Winston Churchill, der schon auf der Konferenz von Jalta wußte, daß keine Ost-West-Verständi- gung zustande komme und daher schon damals die Vereinigung Europas propagiert habe. Wenn Churchill sich heute bereit erklären würde, das Präsidium der Europa-Union zu übernehmen, dann wäre das sehr zu begrüßen. Nach der Ansicht Kogons ist die vordringlichste Aufgabe aller vernünftig denkenden Menschen, die deutsche öffentliche Meinung für den Gedanken der Europa- Union zu gewinnen. Im Verlauf des Hamburger Kongreßes wurde eine Reihe von Entschließungen angenommen. Die Europa-Union bekennt sich zur parteipolitischen und weltanschaulichen Neutralisierung. Sie arbeitet für das Zustandekommen eines geeinten Deutschland im geeinten Europa. Sie erstrebt in Uebereinstimmung mit der europäischen Bewegung die baldige und uneingeschränkte Teilnahme Deutschlands am Europarat in Straßburg. Der Hamburger Europa-Union-Kongreß stellte weiterhin Forderungen auf wirtschaftlichem Gebiet. Besonders die Grenzschwierigkeiten und Handelsschranken müßten beseitigt und eine Zoll-Union mit gemeinsamer Währung und einem „europäischen Paß“ angestrebt werden. Darüber hinaus wurde die Revision der gegenwärtigen Demontagepolitik, der Restitutionen, der Industrieverbote und die Schaffung eines europäischen Paitentge- setzes, unter gleichzetiger Anrechnung der beschlagnahmten Patente für Deutschland, gefordert. * SK. Das Wirken Eugen Kogons im Sinne einer gesamteuropäischen Verständigung datiert nicht erst vcn gestern. Schon als Mitarbeiter der einst sehr angesehenen und weitverbreiteten katholischen Zeitschrift „Schönere Zukunft“, die bald nach der Besetzung Oesterreichs von den Nazis verboten wurde, vertrat er den Gedanken der Kultureinheit des Abendlandes. Er wurde im Jahre 1903 in München geboren, studierte Nationalökonomie und Soziologie an den Universitäten München, Florenz und Wien und lebte bis 1934 als Schriftsteller und Redakteur in Wien. Die Aufgabe dieser Tätigkeit hängt eng mit seiner politischen Einstellung und Ueberzeugung zusammen. Seine Arbeit in der privaten Wirtschaft in den felgenden Jahren führte ihn in fast alle europäischen Länder. Bald fiel er den Machthabern des „Dritten Reiches“ durch sein antinationalsozialistisches Wirken auf. Im Jahre 1937 wurde er zweimal vorübergehend in Haft genommen, bis er dann 1939 endgültig in die Hände der Gestapo fiel und bis April 1945 iä Buchenwald festgesetzt wurde. Wie er in diesen Leidensjahren wiederholt der gegen ihn schon ausgesprochenen Todesstrafe entging, schildert er selbst in seinem bekannten Buch ,-Der SS-St3at“, das übrigens wohl die objektivste und gründlichste Darstellung der Regierungsmethoden des „Dritten Reiches“ ist. Nach dem Zusammenbruch gibt er zusammen mit Walter Dirks und Clemens Münster die „Frankfurter Hefte“ heraus, eine Monatsschrift, die wegweisend für die deutsche Nachkriegspolitik wurde. Als Präsident der Europa-Union in Deutschland wird er noch mehr eis bisher im Einne einer gesamteuropäischen Lösung wichtiger politischer und wirtschaftlicher Fragen wirken können. der Kommunisten Unterzeichneten die Verfassung Dr. Adenauer mit seiner Verkündung in Nr. 1 des Bundesgesetzblattes in Kraft und ist rechtsgültig, obwohl die Bundesorgane erst später gebildet werden. In seiner Ansprache fixierte Dr. Adenauer den 23. Mai, an dem die Bundesrepublik Deutschland in die Geschtichte ein- tritt, als einen Wendepunkt „in der wechselvollen Geschichte unseres Volkes“. Er gedachte bei dieser Gelegenheit der Unvollkommenheit des Banner Verfassungswerkes mit den Worten „Durch Kräfte, die stärker sind als der Wille des deutschen Volkes, ist es auch heute unmöglich, daß ganz Deutschland zu einem Staate wird“. Dr. Adenauer sprach auch die Forderung aus, den Inhalt des Grundgesetzes als heiligen Besitz zu pflegen, zu wahren und auszubauen. Durch ihre Unterschrift sollten die Ländervertreter nach seiner Ansicht „ihre Liebe und Treue zum Bunde“ bekunden, der auch „ihr Dasein schütze und verbürge“. In seinen Schlußbemerkungen rief er zu einem vornehmen und sachlichen Wahlkampf auf, ausgehend von der Tatsache, daß bei den Beratungen in Bonn jeder „Achtung vor der ehrlichen Meinung des Andersdenkenden“ gewonnen habe. Mit dem Wunsch, daß das ganze Volk bald wieder unter der schwarz-rot- goldenen Fahne vereint sein möge, klang seine Ansprache aus. Die Orgel stimmte das alte Lied an „Ich hab’ mich ergeben“. Es wurde von der ganzen Versammlung stehend mitgesungen. Lediglich die beiden kommunistischen Abgeordneten verließen während des Schlußchorals ostentativ den Saal. Die Unterschriftsleistung bei der Schlußfeier war teilweise von Beifallsklatschen und Zustimmungsrufen begleitet. Insbesondere kam es zu bewegten Kundgebun- Bonn im Festgewand gen, als Dr. Adenauer die Abgeordneten Großberlins zur Unterschrift aufrief und Oberbürgermeister Reuter, der mit dem Kraftwagen durch die sowjetische Zone von Berlin nach Westdeutschland gefahren war, sich einzeichnete. Auch die Delegierten aus Bayern, die dem Grundgesetz ihre Zustimmung versagt hatten, beteiligten sich an den protokollarischen Unterschriften. Eine Ausnahme machten lediglich däe beiden (Kommunisten Reimann und Renner. Renner begab sich nach dem Aufruf zum Schreibtisch und teilte dort als einen persönlichen Höflichkeitsakt gegenüber Dr. Adenauer dem Publikum mit, daß er nicht unterzeichne. Reimann blieb bei seinem Aufruf unbeweglich auf seinem Platz sitzen. Die Straßen der Stadt Bonn und der Parlamentarische Rat selbst hatten sich für die Feier in ein festliches Gewand gehüllt. Aus zahlreichen Fenstern und auf vielen Häusern grüßten die Fahnen der neuen Bundesrepublik Deutschland. Vor der Front des Parlamentarischen Rates hingen auf hohen Masten die Fahnen der elf westdeutschen Länder und Berlins. Den Eingang säumten Blumenbuketts und Lorbeerbäume. Der Plenarsaal war desgleichen tin Frühlingsfarben getaucht. Hinter dem mit Bundesfarben geschmückten Vorhang spielte die Orgel. Vom Gelände rund um das Parlamentarische Gebäude aber drangen zu den Gästen und Abgeordneten die mahlenden Geräusche der Kranen, Spitzhacken und Hämmer herauf, in einer Lautstärke wie nie zuvor, als wollte die Stadt Bonn unter Beweis stellen, mit welcher Energie sie an der Ausgestaltung des provisorischen Regierungssitzes gegangen ist. Schumacher gegen halbe Lösungen im Osten Sozialdemokratische Journalisten-Konferenz in Hannover Hannover. Vor sozialdemokratischen Verlegern, Lizenzträgern und Chefredakteuren aus den drei Westzonen und Berlin erläuterte der SPD-Vorsitzende Dr. Schumacher am Sonntag in Hannover den Standpunkt der SPD zur deutschen Situation. Wie DPD meldet, erklärte Dr. Schumacher, die SPD habe während des Ablaufs der Verhandlungen in Bonn die Notwendigkeit erkannt, den in Bonn zustan- degekommenen Kompromiß auf Gederh und Verderb zu verteidigen, wobei die Auseinandersetzung mit der fortgesetzten Interventionspolitik der Westmächte nicht zu umgehen gewesen sei. Zu der Politik der Kirchen äußerte Dr. Schumacher, die Sozialdemokratie wolle keinen Kulturkampf, sondern s'e wolle mit der Kirche in Frieden leben. Als nächsten Schritt bezeichnet« Dr. Schumacher den Kampf um die deutsche Einheit, der in Paris in eine neue Phase trete und nur auf der Grundlage der Freiheit möglich sei. Der Versuch, eine wirtschaftliche und nationale Dachorganisation über der westlichen Demokratie und dem östlichen Totalitarismus zu schaffen, müsse scheitern. Dieser Versuch würde zu machtpolitischen Konkurrenzkämpfen in der deutschen Regierungsspitze führen. Wer sich auf solche Versuche einlasse, erkenne außerdem die heutige politische und menschliche Situation in der Sowjetzone an. Zu den Unterschieden im Stärkeverhältnis der Polizeikräfte in der Sowjetzone und in den Westzonen sagte Dr. Schumacher, die Sozialdemokratie wünsche für den Fall einer Räumung Deutschlands durch die Besatzungsmächte keine politische Aufrüstung des Westens, rie wolle aber auch nicht, daß eine „Prager Situation“ vorbereitet werde. Im Grunde wünsche sie, daß niemand über Gewehre verfüge. Ueber eine deutsche Vertretung für Paris äußerte Dr. Schumacher, eine solche müsse zu einem Teil aus Ministerpräsidenten und zum anderen Teil aus Vertretern der politischen Parteien bestehen. D ; ese Kommission dürfe nur eine „Kontaktmission“ zwischen Paris und Deutschland sein und dürfe nicht der Gefahr verfallen, zu einer Willensbildung mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu kommen. Eine Politik, nach der diese Kommission eine deutsche repräsentative Delegation für Paris sein solle, sei sachlich falsch und politisch gefährlich. Kirche und Presse Von Konrad Gunst Das 19. Jahrhundert hat eine weitgehende Verweltlichung des öffentlichen Lebens und eine Verselbständigung der einzelnen Le- bensigiebiete mit sich gebraht. Ausdruck dieses Vorgangs war das Wort von der „Eigengesetzlihkeit“ etwa der Wirtschaft und der Politik oder der Wissenshaft. Eifersüchtig war man darauf bedaht, „fremde Einflüsse“ von seinem Sachgebiet femzuhalten. So glaubte die Welt, auch ohne Kirche und Religion und ohne die Be- sinnunig auf das Göttliche und Uebematür- lihe auskoemmen zu können. Das Christentum war nebensächlich geworden, soweit man es niht ganz ablehnte. Nietzsche hat damals aus seiner antichristlichen Einstellung heraus und im Bann der modernen Vergottung alles Diesseitigen das diffamierende Wort geprägt: „Es ist unanständig, heute Christ zu sein!“ Und wenn breite Kreise auch niht so weit gegangen sind, es wörtlich zu nehmen, so glaubten sie doh, ihre Stellung zur Kirche einer Revision unterziehen zu müssen. Religion war ihnen wirklich zur Privatsahe geworden, ohne praktische Schlußfolgerung für das öffentliche Leben. So war es schon lange, bevor die Diktatoren sie auf den ecngien Raum der Sakristei beschränken, ganz ausrotten oder sie in den Dienst des omnipotenten Staates zwingen wollten. Selbstverständlich hat sih auch die Presse, soweit sie niht rein kirchlich oder konfessionell eingestellt war, entsprechend verhalten.' Sie war nur politisch orientiert und 'rein diesseitig eingestellt und sie hat zu einem großen Teil Schritt gehalten mit der immer weiter greifenden Verweltlichung,’ war vielfach, deren Träger und Schrittmacher. Inzwischen wurde die Periode der „Aufklärung“ im Zuge der Ereignisse der letz-’ ten Jahrzehnte wenigstens wissenschaftlich überwunden. Philosophie und Naturwissenschaften haben den Durchbruch zur Metaphysik vollzogen. Die Welt selbst ist müde und unsicher geworden und sie beginnt zu erkennen, daß ihr Wille, auf sih selbst und ihr eigenes Injgenium gestellt zu sein, alleingelassen zu werden beginnt. Sie beginnt wieder zu fragen und auf Stimmen zu hören, die niht aus ihrem Bereich kommen. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, daß der Weg, der einst so selbstsicher und hoffnungsfreudig betreten wurde, im Nihilismus endet. Daraus aber ergibt sih eine neue geistige Situation, die auch von der Kirche niht unbeachtet bleiben darf. Das waren die Fragen, die kürzlich aiuf einer von der „Evangelischen Akademie der badischen Landeskirche“ in Herrenalb veranstalteten Tagung für die Presse behandelt wurden. Teilgenommen an dieser Tagung haben leitende Geistliche der Evangelischen Landeskirche, Religionswissen- shaftler, führende Politiker und Männer und Frauen der weltlichen und kirchlichen Presse. Wobei vorweg gesagt werden muß, daß hier vier Tage lang niht nur um Form und Art der Verwirklichung des Publizi- tätsanspruhs der Kirche gerungen, sondern daß versucht wurde, in einer lebhaften, aiulf einem hohen Niveau stehenden Aussprache in die tiefsten Gründe glaubensmäßiger Ueberzeugung vorzustoßen und sih die geistige Situation der Zeit klar zu mähen. Selbstverständlich verlangt die Kirhe nicht, daß sich die Tagespresse mit rein religiösen Fragen befasse. Die Kirhe regt nur an — und das Reht dazu wird man ihr näht bestreiten können —, daß sie als bewegender und befruchtender Faktor des öffentlichen Lebens wieder anerkannt und daß der Wahrheit und Wirklichkeit im künchäichen Geschehen der Zeit auch in der Presse wieder Raum gegeben werde. Eine gewissenhafte Zeitkritik wird ohnehin niht am Wort und an der Einstellung der Kirhe zu bestimmten Fragen Vorbeigehen können. Die weltliche Tageszeitung, der neben der Wertung und Beurteilung des Zeitgeschehens auch die objektive Berichterstattung über die Tagesereignisse obliegt, wird zum mindesten von den Ereignissen Notiz peh- men müssen, die über die innerkirhliche Geltung hinaus auch eine breitere Qef- fentlichkeit — selbst wenn sie niht unmittelbar am kirchlichen Leben beteiligt ist — interessieren, handle es sih nun um he Tatsache der wiedergewonnenen FüMung zwischen der Theologie und den andern Wissenschaften, um die Stellungnahme der Kirchen zu den sozialen Fragen der Zeit, um die Gestaltung unseres kulturellen Lebens oder um die großen Anliegen der Ethik und des menschlichen Zusammenlebens innerhalb des eigenen Volkes und der Länder und Völker untereinander. Auch hierin müßte die Presse von der „Taktik des Vershweigens“, die in der liberalen Epoche des vergangenen Jahrhunderts bis in unsere Tage hinein so meisterhaft ge- handEhabt wurde, endlich Abstand nahmen. Wir glauben, daß es angesichts der veränderten geistigen Situation heute eine Pflicht zur Objektivität wenigstens in der Berichterstattung gibt, schon angesichts der Dienstag, 24. Mai 1949 SÜDKURIER B Nr. 61 / Seite 2 Tatsache, daß Staat und Welt du den 'letzten hundert Jahren Wege gegangen sind, die zum Zusammenbruch und in den Abgrund geführt haben. So hat die Tagung, den Bilde für die Rangordnung der Werte geweitet, Mißverständnisse geklärt, Vorurteile beseitigt und Bearühnrngspunkte geschaffen, die sich in der täjgiHdien Pressearbeit irgendwie auswirken werden. Man braucht diese Begegnung zwischen Kirche und Presse nicht politisch zu werten. Die Kirche erhebt keinen politischen Machtansprach und der Begriff „christliche Politik“ ist umstritten und I nur insofern richtig, als es Politiker gibt, die bestrebt sind, aus christlicher Verantwortung heraus politisch zu handeln. In der Kirche, und zwar sowohl in der katholischen wie in der evangelischen, ist man sich heute der Notwendigkeit dieser Unterscheidung wohl bewußt. . Diese Tatsache 1 aber erleichtert der Presse — zumal der unabhängigen — ihre Haltung und die Erfüllung ihrer publizistischen Pflicht auch der Kirche gegenüber. Keine Volksbefragung; über Grundgesetz in Bayern Die Mült&rgouverneure verneinen Notwendigkeit München. (W.W.-Eigenbericht) In einer Erklärung teilte der amerikanische Mi'titärgouverneur für Bayern, Murray D. van Wagoner mit, daß die Militärregierung das Ersuch«! des Bayerischen Landtages um eine Volksbefragung über das Bonner Grundgesetz abgelehnt habe. Nach Ansicht der Militärregierung gebe es keine rechtliche Notwendigkeit für einen Volksentscheid, wenn zwei Drittel der deutschen Länder das Grundgesetz angenommen hätten. Mit dieser Entscheidung der Militärregierung ist die Hoffnung, vor allem der Rechtskreise der CSU und der Bayernpartei, zunichte geworden, durch eine Volksbefragung ihre Position zu stärken, während andererseits die Sozialdemokraten und die Freien Demokraten nun keine Gelegenheit mehr haben, eine Korrektur des Beschlusses des Bayerischen Landtages durch eine möglicherweise erfolgende Zustimmung der bayerischen Bevölkerung zum Bonner Grundgesetz zu erreichen. Damit stehen auch staatsrechtlich der Gültigkeit des Bonner Grundgesetzes keine Hindernisse mehr entgegen. Die unmittelbar bevorstehende Landesversammlung der CSU in Straubing am 28. 5. wirft ihre Schatten voraus. Zwar hat sich Ministerpräsident Dr. Ehard bereit erklärt, wenn es gewünscht werde, als Landesvorsitzender der CSU zu kan- ditieren. Jedoch will er sich auf keinen Fall als eventueller Gegenkandidat Dr. Josef Müllers zu einer Kampfabstimmung verstehen. Andererseits ist jedoch kaum zu erwarten, daß Dr. Josef Müller ohne weiteres auf den Landesvorsitz der CSU verzichten und sich kampflos zurückziehen wird. Aus diesen Gründen ist für den Bezirksverband Oberbayern der CSU der Beschluß gefaßt worden, als Gegenkandidat gegen Dr. Josef Müller den CSU- Wirtschaftsminister Dr. Hanns ■ Seidel namhaft zu machen, der sich in Franken, einem der politisch schwierigsten Gebiete der CSU, eines großen Ansehens erfreut. Zweidrittelmehrheit im Tübinger Landtag erreicht Tübingen. (Hc-Eigenbericht) Als letztes der westdeutschen Länderparlamente nahm der Landtag von Württem- berg-Hohenzollem am Samstag das Grundgesetz an. Die Abstimmung ergab 34 Ja, 16 Nen-Stimmen, eine Stimmenthaltung und acht Stimmverweigerungen. Es ist damit genau eine Zweidrittelmehrheit erzielt worden. Bemerkenswert bleibt die wesentlich höhere Anzahl der Neinsager im Vergleich zu den meisten übrigen westdeutschen Ländern. Schweizervolk lehnt Tuberkulose-Gesetz ab Bern. Mit starker Mehrheit hat die schweizerische Bevölkerung in einem Volksentscheid am Sonntag das eidgenössische Tuiberkul,osegesetz atogelehnt. Das Gesetz sah eine periodische, obligatorische Untersuchung der gesamten Bevölkerung dlurch Schinmibildaufnahme vor. Bei der propagandistischen Vorbereitunigi der Abstimmung spielten rein medizinische Ueber- legungen nur eine bescheidene Rolle. Die Gegner der obligatorischen Tuberkulose- untersuchung betrachteten die Abstimmung als einen grundsätzlich politischen Entscheid | unter der Devise: für persönliche Freiheit und gegen staatlichen Zwang. Die Vorstellung, daß die Bevölkerung unter Strafandrohung: zur Röntgen-Durchleuchtung befohlen werden könnte, war für weite Kreise unannehmbar. Vor einer Regelung der Indonesischen Frage Wieder selbständige Regierungsfunktion der Nationalisten mit immer neuen Unterhändlern, bis es schließlich den Gesandten Dr. van Royen nach Indonesien schickte, der die Sache der Niederlande sowohl in Pari® wie in Lake Succees auf den Tagungen der UN mit unstreitigem Geschick vertreten hatte. Diesem ist es nunmehr gelungen, zwischen den Parteien eine Verständigungsbasis zu legen, die zumindest das Aufhören des Guerillakriegs in Aussicht stellt. Zwischen den Parteien ist in Batavia ein vorläufiges Abkommen dahingehend geschlossen worden, daß Holland den Amtsträgern- der Republik die Rückkehr nach Djokja sowie die Wiederaufnahme ihrer Regierungsbefugnisse gestattet. Roosevelts Marineminister beging Selbstmord Washington. Der frühere amerikanische Verteidigungsminister, James Forre- Wk meinen: Die Fleischversorgung in Südbaden Eines der größten Sorgenkinder ist gegenwärtig bei den Landratsämtern, bei den Erfassunigsämtem und beim Ministerium in Freiburg die Fieisdiversopgiung. Auf Grund einer viel beachteten ministeriellen Aeußerung glaubten die Bauern an eine baldige Erhöhung des Verkaufspreises für Fleishi Infolgedessen hielten sie ihr Vieh zurück. Die Metzger vertreten den Standpunkt, daß genügend Vieh vorhanden ist, um die Bewirtschaftung aiufzuiheben. Aber weder die Preiserhöhung, nodii die Herausnahme des 'Fleisches aus der Bewirtschaftung sind gekommen. Im Gegenteil: Die Regierung hat in der letzten Woche unmißverständlich zu erkennen gegeben, daß sie , , , , - - , uinnachsichtlich mit Strafen einschreiten stal, hat, wie das US-Staatssekretariat I w ind wenn in Zukunft noch, Fleisch verkauft A a® AMI*- A UnlanHwiAAti — f—I — . i. — — ' wird, das die Metzger auf irgendeine Weise beschafft 'haben. E® wurden Kontrollen für die Marine bekanntgab, am Sonntag Selbstmord begangen. Aus dem Bericht tUf tUn $ deS ; ^ ri ±T! talS ^ j ^r Straßen”'der SchlacMhäuter, ‘ der“ GasG thesda, in dem sich Forrestal zur Behänd- 1 lung eines Nervenleidens aufhielt, geht hervor, daß er sich aus dem Fenster eines j im zehnten Stockwerk gelegenen Kran- : klpnzimmers stürzte. Die Leiche Forre- ! stals wurde auf der Terrasse des dritten ! Stockwerkes des Marinekrankenhauses von einer Nachtschwester, die den Aufschlag des Körpers gehört hatte, aufgefunden. James Forrestal wurde am 15. Februar 1890 ln Beacon, Staat New York, geboren. Während des ersten Weltkrieges war er Angehöriger der US-Marine-Luftwaffe und wandte sich nach Kriegsende Finanzgeschäften zu. Durch sein besonderes organisatorische« Talent wurde Präsident Roosevelt auf ihn aufmerksam und berief ihn im Jahre 1940 als Unterstaatssekretär ins Marine-Ministerium. Forrestal setzte sich während seiner Amtsperiode besonders für den Schiffsbau ein und baute die amerikanische Flotte zur stärksten der Welt aus. Im Jahre 1944 wurde er US- Marineminister. Präsident Truman ernannte Forrestal im Jahre 1947 zum Verteidigungsminister und übertrug ihm den Oberbefehl über die gesamten US-Streit- kräfte. Am 31. März 1948 trat Forrestal von seinem Amt zurück i i statten und der Metzgereien angedroht j Man sprach sogar von gewissen „Vertrauenspersonen", die dieses Amt ausüben und nachher Meldung erstatten sollten. Damit ist es natürli'ach auch nicht getan und die : Regierung in Frcibugg wind sich wenig ; Freunde erwerben, wenn sie ausgerechnet | jetzt, wo man gerade in unserer Gegend ! ,besondere Hoffnungen auf den Fremdenverkehr setzt, zu derartigen Methoden Zuflucht nehmen will. Die zuständigen Stellen sind zur Zeit eifrig bemüht, einen Ausweg zu 'finden. Es ist in den meisten Fällen die Gewähr gegeben, daß das Fleisch nicht mehr schwarz geschlachtet wird, sondern daß es in die Schlachthäuser zum Fleischibeschauer kommt und den Metzgern vorsdiriftmäß'iig iaiuf ihr Kontingent anigierechmet wird. Die Metzger haben ferner die Absicht, wieder selbst aufs Land zu gehen und mit den Bauern ihre Käufe abzuschließen. Nur soll dieses Fleisch dann ebenfalls dem Abiieferungs- kontingent der betr. Gemeinde zu geschlagen werden. Wie in so vielen Fällen kommt es auch hier auf den guten Willen auf beiden Seiten an. Mit Recht wehren sich die Metzger allerdings dagegen, daß in Saidbaden Unterschiede gemacht werden. Sie Amsterdam. (H.-Eigenbericht). In Holland bestand die Absicht, zur Regelung der indonesischen Frage eine Konferenz nach Den Haag einzufoemfen. Diese Konferenz, an der die Amtsträger der indonesischen Föderativstaaten als Gleichberechtigte mit den niederländischen Regierungsbeauftragten teilnehmen sollten, war für den Februar angesetzt, konnte jedoch nicht slattfinden, weil sich die Amtsträger der gegen Holland im Aufstand begriffenen Republik Djoka weigerten, nach Den Haag zu kommen. Djoka stellte die Bedingung, wieder in seine vormalige selbstständige WETTERVORHERSAGE Das Tiefdrucksystem mit Kernen über Ostdeutschland und Norditalien, das maßgebend für das schlechte Wetter der letzten Zeit war, verliert allmählich seinen Einfluß auf unser Gebiet. Vom Atlantik hereinkommende Störungen halten eine gewisse Unbeständigkeit noch aufrecht. Aussichten bis Dienstagabend: Wechselnde Bewölkung, jedoch freundlicheres Wetter als bisher zeitweise noch etwas Regen. wärmer. n t> DM in Zürich: 23. 5. 58/60 sfr; 21. 5. 56/60 sfr. Regierungsfunktion einzutreten, eine Bedingung, auf welche sich die Holländer nicht einlassen wollten. Die Oberhäupter der Republik, Präsident Sukamo und Vizepräsident Hatta, waten anfänglich interniert, später auf der Insel Banka isoliert worden, eine Sachlage, gegen die u. a. auch von Amerika Einspruch erhoben wurde. Denn abgesehen von den wirtschaftlichen Interessen, die Amerika in Indonesien hat, sind es großpolitische Erwägungen, die es den Amerikanern erwünscht’erscheinen lassen, dem indonesischen Nationalismus freiere Bahn zu geben, als dies der Wunsch Hollands ist. So zäh wie die indonesischen Verhandlungspartner, so zäh verhielten sich auch die Holländer. Seit Kriegsende wurde unablässig hinundher verhandelt, bis den Holländern schließlich der Geduldsfaden riß und sie zu jener militärischen Aktion übergingen, welche die Einnahme Djokjas zur Folge hatte. Seither wird zwischen den Parteien ein Guerillakrieg geführt, der namentlich auf Sumatra, wo die Anhänger Djokjas eine Notregierung gebildet haben, auf beiden Seiten Verluste an Menschenleben gekostet hat. Holland versuchte es Russische Vorschläge zum Griechenland-Konflikt Erste Gespräche zwischen Gromyko und dem Amerikaner Mac Neil Washing ton. Das Staatsdepartement iah in einem Kommunique bekannt, daß offizielle Besprechungen über eine Regelung der griechischem Frage zwischen der amerikanischen und der sowjetischen UN- Delegiaitian stattgefunden haben. Die amerikanische Regierung habe sich bereit erklärt, im Rahmen der Vereinten Nationen und unter Teilnahme der griechischem Regierung über die Frage dies griechischen. Bür- prüfamg unterzogen werden sollten. Der diplomatische Mitarbeiter de.s Blattes unterstreicht, daß die Sowjetunion jetzt eine Dreierkontrolle bei den griechischen Wahlen billigt, während sie diesem Gedanken 1946 abgelehmt hatte. Tito kritisiert seine Nachbarn Belgrad. In der Schlußsitzung der Konferenz kommunistischer Gardefunk- gerkriegs zu verhandeln . Das Staatsdepar- t tionäre hielt Marschall Tito eine . Rede, in flvcL 1 ä r*+ /4 qA dtA mfifiTLncovi ! J _ _n j: 1 n __ temernt erklärt ferner, daß die offiziösen Besprechungen während eines Diners am 26. April zwischen dem sowjetischen Delegierten Gromyko und den amerikanischen Delegierten Rusk und Mac Neil begannen hätten, woraufhin die Russen am 14. Mai im weiteren Verlauf der offiziösen Bespre- (huntgen präzise Vorschläge machten. Gromyko hat danach; folgernde Bedingungen für die Regelung des Problems gestellt: 1. Teilnahme der Großmächte einschließlich der Sowjetunion bei der Überwachung der Neuwahlen in Griechenland. 2. Beteiligung der Sowjetunion an einer internationalen Kontrollkommission für die griechischen Nordgreneen. 3. Beendigung jeglicher materiellen oder personellen militärischein Hilfe und Zurückziehung des im Rahmen der bisherigen Hilfe in Griechenland eingesetzten Personals. Die Londoner Presse beschäftigt sich mit dieser Fühlungnahme. Die „Times" findet, daß die im Vorschlag Gromykos enthaltenen Hinweise einer sorgfältigen Ueber- der er vor allem die Beziehungen Jugoslawiens zu den Volksdemokratien behandelte. Im Rahmen dieser Ausführungen stellte Tito fest, für die derzeitige Lage sei in erster Linie die Sowjetunion verantwortlich. Die UdSSR müsse sich darüber klar werden, daß sie einen Fehler begangen habe und müsse diesen wieder gutmachen. Ueber die Beziehungen Jugoslawiens zu Albanien sagte Tito, alles, was die albanische Armee besitze, sei ihr von Jugoslawien geliefert worden. Bei der Behandlung der Beziehungen zu Bulgarien betonte Marschall Tito, daß Jugoslawien auf die Reparationen verzichtet habe, die Bulgarien rechtmäßig leisten müsse. Dem ungarischen Nachbarn habe Jugoslawien die Hand zur Versöhnung 'gereicht, und dies trotz aller Verbrechen, die von den Ungarn während des Krieges in Jugoslawien verübt worden seien. Rumänien, das heute Jugoslawien verleumde, sei von seinem Lande unterstützt worden. erinnern vor allem daran, daß dias Fleisch im Kreis Säckingen ohne Marken verkauft wird. Dabei ist die Feststellung interessant, daß Fleischmarken laus dem . Sädcinger Gebiet bereits am Kreis Konstanz aufgetaucht sind, d. h. also daß mit diesen Marken nochmals Fleisch bezogen wird. Außerdem sind Metzgernedster aus dem Kreis Säckingen schön wiederholt im Kreis Konstanz erschienen, besonders im R'andengebiet, und halben dort Vieh aiuf- gekauft. Alle diese Umstände tragen nicht dazu bei, das Problem der Fleischversorgiung zu- erleichtern. So lange aber der übergebiet- liche Ausgleich' in der Fleisch Versorgung fehlt und noch keine klare Entscheidung' bezüglich der Preisgestaltung gefallen ist, werden immer wieder Schwierigkeiten auftauchen. Wenn aber die Leute aus der Praxis eine Lösung gefunden haben, die die Garantie bietet, daß die Bevölkerung zu einem einigermaßen tragbaren Preis zu ihrem Fleisch kommt, dann sollte diese Art der Versorgung nicht plötzlich' mit rigorosen Maßnahmen unterbunden werden. Man erhöhe die Fleischration auf 1000—1200 Gramm monatlich und die gangen Schwarzkäufe und Schwarzschiacb- tungien hören mit einem Schlag auf! Die Nachrichten aus der Landwirtschaft hinsichtlich der Futtermittelversorgung und des Viehauftriebs lauten günstig: in ein paar Wochen dürfte manches von den heutigen Problemen gegenstandslos geworden sein. -ck Stellungnahme der Gewerkschaften F r e i b u r g. Die badischen Gewerkschaften befaßten sich am 19. Mai im Freiburger Gewerkschaftshaus nochmals mit der Lage der Fleischversorgung in Südbaden. Nach einem Referat des Bundesvorsitzenden Reibel, in welchem die bisherigen Verhandlungen und unternommenen Schritte in dieser Frage eingehend geschildert wurde, fand eine ausgedehnte Aussprache statt. Einhellig kam dabei die Meinung zum Ausdruck, daß die maßgebenden Stellen an der jetzigen verfahrenen Situation die Hauptschuld tragen. Die gesamte werktägige Bevölkerung sei aber nicht gewillt, die Folgen dieser verfehlten Politik in Gestalt von untragbaren Fleischpreisen auf sich zu nehmen. Einstimmig wurde folgender Beschluß gefaßt: Die am 19. 5. 1949 im Gewerkschaftshaus in Freiburg stattgefundene Konferenz des Bundesvorstandes mit den Landesvorständen und den Vertretern der Ortsausschüsse verlangt weiterhin die strikte Aufrechterhaltung der Fleischbewirtschaftung solange für notwendig, bis der Nachweis erbracht ist, daß eine ausreichende Versorgung der Gesamtbevölkerung mit Fleisch gesichert ist. Eine Erhöhung der Fleischpreise wird im Hinblick auf die ’auch heute noch schlechten Einkommehsverhältnisse der Gehalts- und Lohnempfänger, der Rentner, Fürsorgeempfänger und Arbeitslosen entschieden abgelehnt. Auch die Vertreter der Ortsausschüsse, die in der Fleischversorgung bisher keinerlei Schwierigkeiten hatten, erklärten sich mit dem Beschluß einverstanden. Verlag SÜDKURIER Südkurier G. m. b. H. Konstanz. Redaktion: Verantwortlich Herbert C. Goldscheider Politik Hermann Dörflinger (kranx), Herbert C Goldscheider, Konrad Gunst. Wirtschaft Dr. Gustav Adolf Groß. Kultur Friedrich M unding, Ludwig Emänuel Reindl- Heimat Alois Bede, Herbert Steinert Sport Alfred Strobel. Verlag und Redaktion Konstanz. Marktstätte 4. D r u ck : Druckerei Konstanz Fischmarkt 5. Beiträge die Verfassernamen tragen, stellen nicht unbedingt die Meinung des SUDKURIER dar. Für unverlangte Manuskripte wird Gewähr auch dann nicht übernommen wenn Rüdcporto beiliegt. Der Geist der Droste — was hat er dem Menschen der Gegenwart zu bedeuten? Es ist ein Geist der Redlichkeit gegen das eigene Herz, aus der allein auch die Redlichkeit gegenüber dem Leben und seinen Problemen erwachsen kann; es ist ein Geist der Pflicht im Werk wie im lehre. Soweit betrifft 6eine Bewährung jelehre. Soweit betrifft seine Bewährung joden Menschen zu jeder und besonders zu unserer Zeit. Es ist ein Geist der Demut und der Selbstaufopferung auch im Künstlerischen, der tiefgreifenden Erforschung des eigenen Wesens, der Selbst- orüfung von Stunde zu Stunde, von Jahr zu Jahr, ein Geist hoher, aus Einsicht in das eigene Innerste und in die ewigen Gesetze des Weltganzen errungenen Entsagungskraft. Ihn in einem so kraftvoll gelebten Beispiel gerade dem deutschen Menschen der Gegenwart bewußt und wirkend zu erhalten, ist eine Aufgabe der Droste-Gesellschaft, die nicht nur durch Organisation Gleichgesinnter und durch die pflegerische Arbeit an ihrem Werk und dessen historisch-kritische Herausgabe erfüllt wird. Dazu gehört auch der Appell an breiteste Kreise, die wieder zu diesem Werk geführt werden sollen. Veranstaltungen wie die Meersburger Feierstunden der Bodenseevereinigung der Drostegesellschaft sind ein bewährtes Mittel zu diesem Zweck, besonders wenn sie, wie es in diesem Jahr mit der Ausstellung „Kunsthandwerk am Bodensee” geschah, auch den Anschluß an Kräfte und Strömungen unseres eigenen Lebens vollziehen. Aus den Briefen der Droste, die jetzt in zwei starken Bänden erschienen sind, las Dr. Carl Weichardt im Vestibül bei einer Matinee bezeichnende Proben. Die Meersburg Liebeakraft der großen Dichterin sprach aus ihnen, ihr ungekünstelt warmes, oft heftiges Herz, ihr schöner, würziger Humor. Annette von Droste - Hülshoff war eine Frau von starken Sinnen, wie Goethe ein Augenmensch, mit dem Durst umfassenden Künstertums nach den Schönheiten und Geheimnissen der Welt. Ihr pulsendes Temperament spricht aus jeder Briefzeile, und a-us der Lebensschau kn Ganzen, die ihre Briefe bieten, mag der Leser mit Erschütterung erkennen, was für ein Weg der Schmerzen, trotz allem verklärenden Lächeln, dies Leben zur Entsagung hin für eine solche Frau gewesen sein muß. Sie war ganz „gehorsame Tochter”, nicht nur ihrer Mutter gegenüber, die sie mit dem Schluß jedes ihrer Briefe, des ersten wie des letzten, als solche begrüßt, sondern dem Leben gegenüber, dessen Prüfungen sie im Geiste Christi hinnahm und ertrug. Als solche steht sie auch mit einsam machender Kraft und Größe in ihrer Dichtung. Die gewaltige Spannungsmöglichkeit ihrer Sprache wurde jedem Hörer in aller Zartheit und Wucht offenbar, als Heinz Hilpert am Nachmittag aus ihrem Werke lyrische und balladeske Dichtungen las. Aus dem großen Zyklus der Gesänge zu den christlichen Jahrestagen „Das geistliche Jahr” die tiefen Himmelfahrts- und Ptingstgedanken. Der Tageszeitenring mit Morgen, Abend und Nacht. Die Balladen und Sinngedichte, von denen besonders „Der Knabe im Moor”, „Die beschränkte Frau” und „Die Unbesungenen” mit eindringlich«: Empfindung aufgenommen werden konnten. Die Naturlyrik mit ihrem Hinstreben zu Vergeistigung und Bewältigung des übermächtigen Andrangs von Gefühl, von Freuden und Qual, von Lust und Schmerz. Am Anfang der Lesung stand l das große, hymnische „Gethsemane”- i Gedicht, an ihrem Ende, gleich hymnischen Tons, reine Gedankenlyrik, die 1 „Durchwachte Nacht”, deren Schlußstrophe, wie Orgelbrausen, lichtströmend über die Zuhörer hinging. Sie saßen auf bequemen und unbequemen Stühlen, kauerten auf Treppenstufen und am Boden, wo noch ein freies Plätzchen geblieben war, sie waren unter dem Eindruck de6 dichterischen Worts eine stumme, ergriffene Gemeinde. In den lyrischen Klängen Schubert’scher Klaviermusik, für die Hilde TT n> g 1 a ub ihre noch junge, noch unentfaltete, aber schon innigen Ausdrucks fähige Begabung ein- : setzte, hatte die Feierstunde, die den 1 Charakter einer Kundgebung erreichte, , ihre geistentsprechende Umrahmung. Im Bibliothekssaal des alten Schlosses, in dem der empfindsame Gast den Geist der Poesie, die hier einmal aufblühte, noch körperlich zu spüren meint, empfangen den Besucher andere Klänge. Das Licht flutet frei und leicty durch den herrlichen, hell getünchten Raum. Es bricht und spiegelt sich in wundervollen Dingen. ,Kunsthandwerk am Bodensee” heißt die Ausstellung von Meisterleistungen aus den Werkstätten der Kunsthandwerker, die von Lindau bis Ueberlingen am Gestade des Sees bereits eine Tradition von bedeutendem Ruf geschaffen und, besonders in den letzten Jahren, immer neue Kräfte angezogen haben. Die Dominante empfängt diese Ausstellung von den schon berühmten Messing- und Kupferarbeiten aus der Meersburger Zinnschmiede” Karl Reichles, aus den herrlichen Damasten- und Teppichwebereien der Handweberei Bissier, Hagnau, den schönen, materialgerechten Schöpfungen der „Meersburger Keramik” und der Fayence-Manufaktur Rampi aus Kandem im Schwarzwald. Im Ganzen haben Werkproben von zwedundzwanzig Ausstellern Platz gefunden, aus deren i Fülle die Holzarbeiten aus der Kunst- ' werkstätte Thalemann, Emstsreute, die geschmackvollen Arbeiten der Silberschmiedin Frau Wolters-Thiersch und der Goldschmiedin Ebbe Weiß (beide Ueberlingen), die Feinlederarbeiten von Martin, Ueberlingen, die Schriftteppiche von Frau Heffter, Emmendingen, die Bucheinbände von Frau Urbach, Meersburg, und die Mosaiken von Müller-Oerling- haus. Kreßbronn, sich dem Besucher schon beim ersten Rundgang durch Bestimmtheit der Formgebung, sinnvollen Materialeinsatz und Handgerechtheit als besonders wertvoll einprägen. Ein Raum für sich, das Turmzimmer, das wie eine Kapelle wirkt, nahm die Holzplastiken des Meersburger Bildhauers Josef Ehin- ger auf, die in einigen Stücken Beispiele sauber gearbeiteter sakraler Kunst von volkstümlichem Charakter bieten. Eine noch strengere Jury würde vielleicht die Störung des imponierenden Gesamteindrucks durch das, was man wohlwollend Schönheitsfehler nennt, vermieden haben. Indes sind es wirklich nur Schönheitsfehler, und wenn die Ausstellung, was im Interesse der Werbekraft des ganzen Bodenseegebietes sehr zu begrüßen und mit aller Kraft zu fördern wäre, wirklich zu einer Dauereinrichtung mit Museumscharakter würde, sollte es leicht sein, diese kleinen Störungen des Gesamtbildes zu korigieren. Daß dde Ausstellung überhaupt innerhalb weniger Tage geplant und 1 verwirklicht werden konnte, ist ein Ruhmestitel für die Initiative der Veranstalter wie für die Leistungskraft der Beteiligten. Wer zu ihr mit dem Gefühl gesteigerter Aufnahmefähigkeit aus dem Erlebnis der Drostefeiem kam, konnte : cht enttäuscht werden. Wenn das ein ..großes Wort” ist, so sei es gelassen aus- ' gesprochen. L.E.Reindl i Hans Pfitzner f Der große deutsche Komponist Hans Pfitzner ist am Sonntag in Salzburg im Alter von 80 Jahren einer Lungenentzündung erlegen. Werk und Leben des eigenwilligen Musikers, der am 5. Mai die Vollendung seines 80. Geburtstages feiern konnte, stehen heute im Zwielicht einer Problematik, deren viele unaüfgelöste Fragen die ganze Eigenart und Zwiespältigkeit dieser ohne Zweifel großen Künstler-Persönlichkeit widerspiegeln. Ein arbeitsreiches, vielgestaltiges und kämpferisches Leben, dessen Wesenszüge sich in der Gestalt seines größten Werkes, der Oper „Palestrina“ zu bekenntnishafter Genialität verdichten, äst damit zu Ende gegangen. Nur einer gerecht und weise wägenden Beurteilung wird es in Zukunft Vorbehalten bleiben, die endgültige Rangordnung und diejenige Stelle zu bestimmen, die der Tote in der deutschen Geistes- und insbesondere in der deutschen Musikgeschichte einzunehmen hat. Pfitzner folgte in seinen letzten Lebens tagen einer Einladung der Wiener Philharmoniker und dankte ihnen, mehr als eine bloße Geste, durch die Ueberreichung der Orighalparti- tur seines „Palestrina“. Klaus Mann t Der Schriftsteller Klaus Mann, der älteste Sohn Thomas Manns, ist am Sonntag in Cannes im Alter von 42 Jahren plötzlich einem Herzleiden erlegen. Thomas Mann, der sich zur Zeit mit seiner Gattin in Stockholm aufhält, wurde telegrafisch vom Tod seines Sohnes benachrichtigt. Klaus Mann wurde am 18. 11. 1906 in München geboren. Er begann seine schriftstellerische Tätigkeit mit Kurzgeschichten und Beiträgen für Berliner Zeitungen. 1933 emigrierte er in die Schweiz. Von seinen Romanen wurden bekannt „Flucht in den Norden”, „Symphonie Pathetique”, ein Tschaikciwsky-Rom;n, „Vergitterte« Fenster” und „Der Vulkan“. Im Geist der Droste Feierstunden und Ausstellung in Dienste^ 14. Mal 1040 SÜD KUR! ER Nr. 61 I Seite 3 Nürburgring erweckte neue Motorsporthoffnungen (E. R.-Eigenbericht.) Nach zehnjähriger Pause erwies es sich erneut: es gübt bei uns keine schönere Rennstrecke als den Nürburgrmg. Es gibt kein besseres Prüfungsfeld für Mann und Maschine. Es gibt nirgends eine ähnliche Atmosphäre, die auch von der Landschaft her beglückt und von der Konzentration des Geschehens beeindruckt. Und der Ring ist nun einmal die Strecke, «die uns auch sagt, wo die Grenz- BjöglicWkeiten unseres Motorsports liegen. — Die Tage tvom Nürtmrgring, die Nacht vor dem Rennen »und das Rennen selbst standen im Zeichen unserer Jugend. Zeltstädte erwuchsen in den Abendstunden und zahlreiche Lagerfeuer flammten auf, Radfahrer in kilometerlangen Kolonnen zogen zum Ring -mit einer Hingabe, die allein dem Sport und dem Motor galt. Und dieser Sport war überragend gut, viel besser als er erwartet wurde. Begeistert waran gerade die Menschen, die vor 22 Jahren schon dabei waren. Es war auch wirklich ein begeisternd sportlich-technisches Geschehen, als z. B. die Klasse, die bis vor (dem Kriege noch nie m Erscheinung trat, die 125er Solo»n»sdiinien an den Start gingen, meist mit Fahrern besetzt, die auch zum ersten Male den Ring befuhren. Und nun stellte sich heraus, daß diese kleinen ..Mühlen” den Ring mit fantastischem Tempo beherrschten. Der Sieger, Vorjahrsmeister Döring, erzielte mit der Kompressor-DKW einen Durchschnitt von nicht weniger als 86,8 km/h; man kann sich vorstellen, wie diese leichten Maschinen durch die zahllosen Kurven flitzten. Ganz andere Ueberraschungen brachte die 2S0er Klasse. H. P. Müller (•Bielefeld), der in düesem Jahre zum ersten Ma'l-e am Start erschien, hatte seiner DKW-Maschine noch ein paar PS mehr eingepumpt, doch das geschah nicht umsonst. Es kostete unheimlich viel — Alkohol — denn er fuhr seine Maschine wirklich mit fast reinem Alkohol. Während der sechs Runden hielt er zweimal zum Tanken urtd beim drittenmal überlegte er es sich. Das kostete einte Minute Zeit, die er allerdings schon in den ersten zwei Runden he-rausgewirtschaftet hatte und so war sein Sieg mit 107,7 km/h nie gefährdet, obgleich der Zweite im Beide, Daiker (Stuttgart) auf OKW- Kompressor mit 107 km/h dichtauf folgte. Lottes schied leider infolge Sturzes aus. Kohfink (Bietigheim) auf DKW wurde 3. mit 100,3 km/h, und die kompressorlose Bücker unter Schön war mit 99,4 kaum langsamer. In der 350-ccm-Klasse kam Herz-Trumpf, der erwartete Siegesstich, leider nicht zum Ausspiel, denn infolge einer Filterschädigung wurde die überlegen schnelle NSU-Kompressormaschine aus dfsm FeBde gezogen. Der Sieg war nun für Wag- ner-Braunschweig auf OKW-Kompressor frei. Sein Durchschnitt von 108,4 km/h war überzeugend. Sieg des deutschen Meisters Sepp Müller (München) in (der 1200-com-Klasse auf B«M!W ohne Kompressor mit 99,0 km/h. * Die Rennen der Wa gen waren keineswegs so enttäuschend, wie man zuerst befürchtete, da die Fahrer klug und weise handelten und weniger auf die Spitze als auf das Zurückha.ten gingen. Sowohl in dfer 2-Liter- als auch in der 1,5-Liter-Klasse triumphierte Veritas übenegen. Kling (Stuttgart) gewann das Rennen der 2-Liter- Wagen mit 113,6 km/h vor Roesel und Bossong und in der 1500er Klasse kam Veritas ebenfalls durch Glöckler vor Graeske mit 102,1 km/h für den Sieger zum Doppelerfolge. In der 1100 -ccm- K’lasse schälte sich Müller, der (deutsche Meister, auf VW nach •einem schweren Kampf, dem Vor- ster und Vollmer mit defekten Masdrnen zum Opfer fielen, heraus und siegte mit 98.3 kmh bei gut klingendem Motor, der am nächsten Montag in Berlin starten soll. Ein großer Erfcwg Di e erste kompressorlose Maschine — eine Velo- i wur( j e schließlich von dem Hersteller der rette — steuterte der Godesberger Professoren- | Scampolowagen in (der 750-ccm-Klasse errungen, sohn Thorn-Prikker zum Ziel. Wie es aber Georg j a ] s Komossa (Recklinghausen) einer der besten Meier wieder machte, aus seiner Kompressor- j Kleinwagenfahrer unserer Zielt, mit 92,9 km'h BMW noch ntehr PS zu zaubern, das bleibt sein | überlegen siegte und Rentrop mit 82,3 km/h Geheimnis. Mit 124,4 km/h und gutem Vorsprung i hinter ihm herfuhr. Beide Fahrer haben vorher gewann er in neuer Nürburgring-Rekordzeit die Ha-lbliterklasse vor seinem Landsmann unld Markenkamerad Kraus mit 117,9 km/h. Fleischmann als Dritter im Bunde der Kompressoren auf NSU kam auf 111,8 km/h, er war nicht schnell geraug für einen Sieg, aber die neue Maschine bewies ihr Stehviermögen, während sie in der Geschwindigkeit erst im Anfang ihrer Ent-wickHmg steht; da* ist absolut verständlich. Christ auf NSU errang in der kompressorlosen Klasse das Grup- penrennen mit 101,3 km/h, für einen Mann, der zum ersten Male auf dem Ring startete, eine Glanzleistung. So war es auch in der Seitenwagenklasse der 600 ocm mit Kompr-ssor bei Klankenmeier/Wols a»uf BMW. Zwar sah es lange nach einem Siege des NSU-Gespanns unter Böhm aus, aber ein Kettenriß warf di? Maschine aus dem Rennten. Klankermeier (München) gewann mit 99,1 km/h. Unbestritten war der FCK als Zonenmeister in die Endspiele Fortuna Freiburg—1. FC Kaiserslautern 3:6 (U. W.-Eigenbiericht.) Schön seit Tagen kannte die Schwarzwald-Hauptstadt kein anderes Sport- Gesprächsthema mehr als das Meisterschafts- Rückspiel der einheimischen Fortuna gegen die vielgepriesene Elf d£s 1. FC Kaiserslautern. Vorweg soll den Freiburger Rothemden volle Anerkennung gezollt werden, die mit restlosem Einsatz gegen die eigentlich schon feststehende Niederlage ankäimpften. Selbst als die ganz in Blau spielenden Lauterer auf 5:1 davonzogen, verloren sie dien Mut nicht und waren aufopfernd bemüht, ein annehmbares Resultat zu erzielen. Und hätte man in der Mitte der ersten Halbzeit den quecksilbrigen Othmar Walter konsequenter gedeckt, wäre man zumindest mit einem 0:1 in die Kabinen gekommen. So gab man dem Lauterer Mittelstürmer sträflich große Bewegungsfreiheit, die dieser dgnn auch prompt zum Sicherheit gebenden 2:0 ausnutzte (26. und 32. Minute). Ansonsten bot die erste Hälfte, abgesehen von einigen eleganten StöckHn-Paraden, wenig erregende Momente; Als dann Liechty zu Beginn der zweiten Halbzeit durch prachtvollen Kopfstoß nach Eckball zum 2:1 verkürzte, hatte das Spiel seinen Höhepunkt erreicht. Nun mußte die Walter-Elf, die schon im Vorgiefühl des sicheren Sieges einen Gang zurückgeschaltet hatte, voll auifdrehen. Fritz Walter, der wiederholt Beifall auf offener Szene für seine virtuosen Balltricks erhielt, war es dann, der nach Alleingang besonnen zum 3:1 einschob. Obwohl (das Spiel weiterhin verteilt blieb, vergrößerten die Pfälzer durch zwei wuchtige Basler-Tore den Abstand auf 5:1 (62. und 69. Minute). In den folgenden Minuten brachten klug eingefädelte Fortuna-Angriffe die Hintermannschaft des Nordzpnenrrtedsters arg ins Schwimmen. Unreine Abwehr unld imkonzentrier- tes A'bspiel wiesen deutlich die derzeitige Schwäche der Walter-Elf auf. Liechty, der Motor des Freiburger Angriffsqniintetts, verkürzte durch Freistoß von der Strafraumgrenze unhaltbar für Adam auf 5:2, bis dann Kaiserslauterns schwächster Mann, Linksaußen Doll, an dem verkehrt stehenden Stöcklin vorbei den alten Abstand wieder hersteilte. Unter dem Jubel nach Lieditys 35-m-Freistoß-Tor pfiff der unauffällig amtierend»» Schiedsrichter Wunder a»us Viernheim das in allen Phasen fair verlaufene Spiel ab. Bei den Fortunen gefielen neben dem bereits erwähnten Stöcklin vor allem der schlagslchere Mittelläufer Scherer und die einsatzfreudigen Verteidiger Röslmaier und Dehner. Im Sturm muß neben Liechty besonders der quirlige Halbrechte Flöhl erwähnt werden, der m?hr als einmal seinem Bewacher Klee davonlicf. Mittelstürmer Zeltner wurde durch Kaiserslauterns nüchternen Stopper Lfebrich klar abg^me’det und war ein glatter Ausfall. Die Außenstürmer Kopp und Bantle taten, was in ihren Kräften stand, und besonders der erster« brachte Huppert mehrmals in arge Bedrängnis. Bei den Lauterem war es eigentlich nur das bekannte Innentrio Fritz Walter - Othmar Walter - Basler, das zu gefallen wußte. Alles in allem zeigte die Walter- Elf »ur einen schwachen Abglanz ihrer Vorjah- restform und wenn die Leistung bis zum Beginn der Endspiele um die Deutsche Meisterschaft nicht wesentlich gesteigert werden kann, glauben wir kaum, daß die Mannschaft über die Vorrunde hinauskommt. Wormatia Worms—SV Tübingen 5:0 In Worms erlebten 5000 Besucher den erwarteten Sieg von Wormatia Worms geigen den Südzonenzweiten Tübingen, der mit 5:0 das Stärkeverhältnis richtig wiedergab. Wormatia Worms spielte in der gleichen Besetzung wie am Vorsonntag in Tübingen. Trotz des zahlenmäßig hohen Sieges waren die Freunde der Wormatia mit dem Spiel nicht zufrieden. Insbesondere die Fünferreihe der Rheinhessen tändelte zuviel und verstand es nicht, Raum zu gewinnen und den Ball in die Gasse zu spielen. Man wollte ins Tor hinein kombinieren und Torschüsse waren so gut wie überhaupt nicht zu sehen. Zudem spielten die Gäste mit dem WHnd im Rücken und hatten ln ihrem Halbrechten Lamxmann einen sehr gefährlichen Stürmer, der den Wormser Torhüter Fischer mehr als einmal auf die Probe stellte. Die Wormser Zuschauer wollten verzweifeln, bis endlich in der 40. Minute der Rechtsaußen Vogt I den Tübinger Torwart mit einem langezogenen Schuß zum ersten Male zu schlagen vermochte. Niach dem Wechsel spielte nur noch eine Elf: Worms. Die Stürmer schienen wie verwandelt und schossen aus allen Lagen. Bei Tübingen überragten Lauxmann und der Torwart, während die Elf insgesamt das Durchschnittsniveau der Zonenliga- Nord nicht erreichte. niemals den Nürburgring hn Rennen befahren. Das also sind Ergebnisse, die uns zu großen Hoffnungen für die Zukunft berechtigen und wir glauben, daß der Motorsport mit dem heutigen Nürburgrennen tatsächlich in seine entscheidende Phase der Nachkriegszeit schreitet. Schwenningen bleibt bedroht (O. M.-Eigenberi9-31 Schwaben Augsburg 29 11 6 12 42:50 28-30 1. FC Nürnberg 30 11 5 14 49:55 27-33 FSV Frankfurt 30 11 5 14 40:53 27-33 Eintracht Frankfurt 30 9 8 13 28:41 26-34 TSG Ulm 46 30 9 4 17 43:53 22-38 BC Augsburg 30 9 4 17 46:66 22-38 1. FC Rödelheim 30 7 3 20 30:73 17-43 Deutsch französische Sportfreundschaft Internationaler Sporttag in Konstanz A. St. Konstanz. Als Gouverneur Noel, Konstanz, im Rahmen eines internationalen Sport- lages in Konstanz bei der Begrüßung der deutschen ((VfL Konstanz) und der französischen Fußballmannschaft (AS Economat Baden-iBaden) im Bodenseestadion von einem Symbol sprach, war das schönste Wort gesagt, von dem man annehmen darf, daß seine Bedeutung in der Sportvölkerfamilie immer tiefer Wurzel faßt. Der von der „Nouvelles de France” veranstaltete Sporttag führte erstmals nach dem Kriege wieder offiziell und mit FIFA-Genehmigung deutsdie und französische Sportfreunde im Fußball zusammen, während das deutsch-französische Tennisturnier der schlechten Witterung zum Opfer fiel. Ein Fechtturnier vereinigte erstklassige internationale Vertreter dieses edlen Sports. Es kam dem Charakter der Veranstaltung entsprechend vor allem auch für den deutschen Aktiven und Zuschauer weniger darauf an, wem schließlich der Siegeslorbeej- gewidmet wurde und ob sich im Sportforum eine erstklassige athletische Demonstration vollziehe. Diese Einsicht hätte man sich auch einem Teil der Zuschauer gewünscht, der mitunter taktlos um belanglose Schiedsrichterentsdieidungen feilschte. Nun. das konnte die Freundschaft auf dem grünen Rasen nicht stören. Und darum ging es auch; Der VfL Konstanz traf sich in einer interessanten und spannend verlaufenen Partie mit der französischen Mannschaft des AS Economat Baden-Baden, die über ein recht beachtliches Können verfügt. Was sie an Technik und Taktik allerdings der Konstan- zer Elf nachstand, ersetzte sie mit Elan und Temperament. So kam es auch, daß die mit schönen Spielzügen und z. T. brillanten Toren (Lehrrieder) erzielte 4:l-Halbzeitfühiunt:j der Einheimischen nach der Pause mit zwei Gästetoren wenn nicht gerade bedroht, so doch entscheidend verringert wurde; nicht zuletzt auch deshalb, weil die Konstanzer angesichts der kommenden Begegnung mit (Bibera-ch gewissermaßen auf ..halbe Kraft” schalteten. In einem weiteren Spiel trafen sich- um den Pokal der ,,Nouvelles de France” die französischen Mannschaften von Trier und Bühl. Es war weniger die Technik und die Taktik, als vielmehr die Rasanz und die bemerkenswerte Kondition beider Mannschaften, die bei einem 1:1 nach regulärer Spielzeit noch eine Verlängerung mit dem gleichen Schwung durchstanden. Die Trierer Mannschaft gewann schließlich verdient 3:1. In diesem Treffen imponierte die brillante Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichter und Linienrichtern. (Ueber das Fechtturnier berichten wir in der n ä ch st en Ausg ab e.) Leichtathletikstart im Bodenseekreis (W. M.). Die vom Landesverband für Leichtathletik im Kreis Konstanz in Radolfzell ausgeschriebene Bahneröffnung war weder von guter Witterung no«di von annehmbaren Bahnverhältnissen begünstigt. Dennoch zeigten die Leichtathleten zum Teil beachtliche Leistungen, die auf eine gute Winterarbeit schließen lassen und zu der Hoffnung berechtigten, daß die Resultate im Laufe der Saison noch manche Steigerung erfahren dürften. Die in Kreisen der Leichtathletik immer wieder genannte Stadt Singeh erschien mit ihrem üblichen Großaufgebot von 37 Teilnehmern, Schwenningen mit 13, Villingen mit 6, Radolfzell mit 5 und die Leichathletik-Hochburg Lörraich mit 2 ihrer besten Vertreter am Start. So überraschend groß die Zahl der Teilnehmer war, so klein war die Zahl der Zuschauer und es bleibt nur die Hoffnung, daß die etwas zahlreicher vertretene Jugend den Weg zur Leichtathletik findet. Obwohl die Radolfzeller Aschenbahn in bezug auf Pflege sehr viel zu wünschen übrig ließ, gilt sie immer noch als schnell. Den Beweis hierfür erbrachten der hoffnungsvolle Lehmann. VfL Konstanz (über 800 Meter in 2,0t,3). von dem wir sicher noch mehr hören werden und Läufer, Schwenningen, der ebenfalls sehr gute Zeiten lief. Spannend waren die Endkämpfe über 100 Meter, wobei sich die beiden Nordracher Spitzmüller 11,5 und Jäckle 11,6 ein ausgezeichnetes Rennen lieferten. Auch die vorjährige badische Meisterin über 100 m, Rosa Josef, Radolfzell, erreichte mit 13,3 eine verhältnismäßig gute Zeit, dctfch stand ihr die Jugendliche Carmen Schweizer, • aus Singen, mit 13,3 im Vorlauf und 13,5 im Endlauf kaum nach. Die Jugendliche Stadler aus Konstanz lief über 800 Meter in 2.13 im Alleingang und über 400 Meter tadellose Zeiten. Neben dem Hammerwerfer Wolf, Singen, 38,92 Meter und dem Diskuswurf von Lay, Singen, wäre der Weit- sprunq von Jäckle .Nordrach. mit 6.62 Meter und Carmen Schweizer, Singen, mit 5,15 Meter noch besonders hervorziuheben. Der Ablauf der Kämpfe unter der Leitung des bewährten uni unermüdlichen Factowartes Fritz Depping, Singen, war wie immer reibungslos. Resultate: Männer: 100 m Spitzmüller (Nordrach) 11,5 Sek., Jäckle (Nordrach) 11,6, Bieler Walter (Singen) 11,9 Sek. — 400 m: Läufer (Schwenningen) 54,1, Lieb (Singen) 5ö,9, Barth (Singen) 58,3 Sek. — 800 m: Lehmann (VfL Konstanz) 2:01,3, Gassenschmid (Schwenningen) 2:14,1, Gabi (Singen) 2:15,8 Min. — 1500 m: Läufer (Schwenningen) 4:17,7, Klock (Singen) 4:23,4, Müller (Konstanz) 4:30,7 Min. — 5000 m: Gesell (Singen) 16:25, Ketterer-Villingen 16:53,7, Rißland (Konstanz) 17:25,5 Min. — 3X100 m: Schwenningen 8,50, Singen 8,54,8, Schwenningen- Jgd. 9:18,4 Min.; Weitsprung: Jäckle (Nordrachl 6,62 m, Spitzmüller (Nordrach) 6,23 m, Bieler (Singen) 6,10 m.; Diskus: Lay A. (Singen)3 7,0? m. Herbst W. (Singen) 30,95. Wolf M. (Singen) 28,95 m? Hammerwerfen: Wolf M. (Singen) 38,92, Sauter E. (Singen) 33,76 m. Lay A. (Singen) 29.60 m; Speerwerfen: Gruber H., Singen 40,92, Herbst W. (Singen) 40,30, Pauli W. (Singen) 32.60 m; Kugelstoßen: Herbst W. (Singen) 1-1,26, Maier W. (Radolfzell) 10,78. Lay Anton (Singen) 10,45 m. — Frauen: 100 m: Josef Rosa (Radolfzell) 13,3, Schneider (Singen) 14,5, Butz (Singen) 14,9 Sek.; Kugelstoßen: Hackenjos (Viflin- gen) 8,55, Butz Toni (Singen) 8,52, Köhler Rosel (Schiwenningen) 8,33 m; Weitsprung: Schneider M. (Singen) 4,95, Bu.tz Toni (Singen) 4,45, Josef Rosa (Radolfzell) 4,32 m; Hochsprung. Butz Toni (Sirgen) 1,40 m. — Diskuswerfen: Hackenjos (Viliingen) 32,37 m. Oser Ilse (Singen) 27,50 m; Speerwerfen: Föhrenbach (Radolfzell) 27,10 m, Oser (Singen) 23,30 m, Köhler (Schwenningen) 22.60 m. — Die Resultate der Jugend siehe Lokalseiten. Bodenseemeisterschaften der starken Männer Aufstiegsspiele zur Oberliga Süd: Gruppe I: Jahn Regensburg — Hessen Kassel 2:0; VfL Neckarau — SG Untertürkheim 7:2. — Gruppe II: SC Kassel 03 — Spvgg. Fürth 1:0; FV Zuffenhausen — 1. FC Pforzheim 2:3. Schopfhedm 21 Sp./24 P. ( Rbpinfelden 22/23,"Ottenau 20/21, Emmendingen 22/20, St. Georgen 22/19, Blau-Weiß Freiburg und Gutach 21/17. Stockadi 22/14, Engen 22/4. Meister schließt mit Niederlage SÜdwürtt. Landesliga Süd: Weingarten — Wangen 0:1 (1); Baienfurt—B-uchau 3:2; Ehingen— Saulgau 2:1; Lindenberg—Laupiheim verlegt. — Der Minister der Gruppe Süd beschloß-die Ver- bandsmrnde mit einer Niederlage auf eigenem Platz gegen den Abstiegskandidaten (!) Wangen. I Interessanterweise scheint diese Tatsache jedoch | nicht überall als Uebterrascbung zu gelten. (?!) Im zweiten ,.Abstiegskampf” sicherte sidi Baienfurt durch den Sieg über Buchau endgültig den Verbleib in der Landesliga. In Ehingen gaben Q*ie absteigenden Platzherren noch eine erfolgreiche Abschiedsvorstellung. Weingarten 20 12 4 4 57:23 28-12 Laupheim 19 10 4 5 45:30 24-14 Riedlingen und Buchau je 20/22; Ravensburg 20/21; Baienfurt 19/18; Lindenberg 19/18; Saulgau 20/18; Wangen 19/16; Langenargen 20/16; Eihingen 20/13. Aufstiegsspiel zur Landesliga: Schwendi—Sigmaringen 3:2. Der Bielefelder Holthöfer gewann vor Pankoke- Bielefeld, Ziege-Berlin. Bautz-Dortmund Weimer- Stuttgart, Hans Hörmann-München, Heinz Müller- Schwenningen den ersten Meisterschaftslauf der deutschen Berufsstraßenfahrer um den ,.Großen Preis der Wetestraße” in Landau. Als bester Steher bei einer Berliner Berufs- radveransU.tung erwies sich der Berliner „Wüste” Hoffmann. (H.O.) Große Kampfstimmung lag den ganzen Sonntag über der Lindau er Sängerhalle, trügen doch die Boxer und Gewichtheber rund um den Bodensee ihre Meisterschaften aus. Neben den führenden deutschen Vereinen aus Fried- ri'chshafen, Konstanz, Lindenberg. Scheidegg, Sinigen, Wangen und dem Gastgeber Lindau ! holten sidi auch die Vorarlberger aus -Bregenz, Lustenau und Götzis Siegeslorbeeren. Die Schweizer konnten wegen Paßschwierigkeiten nicht kommen. Das Gewichtheben, bei dem der olympische Dreikampf (Reißen, Stoßen und Drücken) gewertet wurde, war in seiner Gesamtleistung sehr beachtlich und wäre für einen süddeutschen Meisterschaftskampf durchaus diskutabel gewesen. Die interessantesten Kämpfe waren im Hevbschiwer- und Leichtgewicht zu sehen, wo erst beim Stoßen die Entscheidungen fielen. Die Leistungen der Boxer waren ebenso erfreulich. Man sah zum Teil dramatische Kämpfe mit technisch guten Leistungen. Resultate: Boxen: Fliegengewicht Mario Defranceschii (Bregenz) Punktsieger gegen Horst Peters (Lindau). Ludwig Maier (Lindau) K.-o.-Sieger gegen Oberhofer (Bregenz), Federgewicht; Franz Schlüter (Friedrichshafen) Punktsieger) gegen Rödelsteiner (Lustenau), Leicht- oewicht: Roland Baumgarten (Bregenz) Punktsieger gegen Guillon (Lindau), Weltergewicht: Willi Fore (Lustenau) K.o.-Sieger gegen Röhl (Wangen), Mittelgewicht: Josef Lindebacher (Wangen) technischer K.o.-Sieger gegen Störkle (Friedrichshafen), Halbschwregewicht: Erich Hill (Friedrichshafen) Punktsieger gegen ßeran (Bre- qenz). — Gewichtheben: Altersklasse: 1. Ullrich Weidmann (Lirdau) 445 Pfund (1941 zweiter deutscher Meister), -Leichtgewicht: 1. Rudolf Seitz (Konstanz) 475 Pfund, 2. Lorenz Schlegel (Lindau) ^OO Pfund. Mittelgewicht: Hans Keßler (Scheidegg) 475 Pfd. Aktive: Bantamgewicht: 1. Franz Zodel (Lindenberg) 430 Pfd., 2. Norbert Haller (Lindau) 400 Pfd.. 3. Erwin Brugger (Lindau) 300 Pfd.. Federgewidilt: Hubert. Epp (Singen) 420 Pfd., 2. Richard Gardum (Lindau) 400 Pfd., 3. Albert Reimer (Singen) 395 Pfd.; Leiditigewicht: 1. Sepp Lingenhöhl (Lindenberg) 540 Pfd., 2. Erich Kuchenbecker (Lindau) 525 Pfd.. 3. Stephan Hirschrer (Lindau) 495 Pfd.; Mittelgewicht: 1. Kurt Paul (Singen) 525 Pfd.. 2. Konrad Reisch (Linden* herg) 490 Pfd.. 3. Karl Banzinger (Lindau) 480 Pfd.; Halbschwergewicht: 1. Alois Greusin (Lindau) 595 Pfd.), 2. Fritr. Kißling Gingen) 565 Pfd.. 3. Erkh Pfänner (Götzis) 580 Pfd.; Schwergewicht: 1. Hubert Nußba^mer (Götzis) 545 Pfd., 2. Willi Salomon 515 Pfd. Handball in Württemberg und Baden Tag der Fußball Länderspiele BOA und Ulm um die Abstiegsentscheidung Oberliga Süd: Stuttgarter Kickers—Schwaben Augsburg 1:3; Uhn 46—Bayern München 4:1; Eintracht Frankfurt—FC Nürnberg 0:0; BC Augsburg—VfB Stuttgart 4:2; FC Schweinfurt—Waldhof 4:0. — Am letzten Spieltag wurde als Tabeilendritter aer FC Bayern München ermittelt. Er hat die Chance, über ein Entscheidungsspiel (gsgen Rotweiß Essen oder St. Pauli) in die End- rundenkämpfe zur Deutschen Meisterschaft zu kommen. Die Münchner Bayern behaupteten ihre Position nur dadurch, daß oer SV Waldhof beim FC Schweinfurt klar 0:4 verlor. Bayern selbst wurde bei Ulm 46 mit 4:1 (2:1) empfindlich geschlagen. In d=m hartnäckigen Ringen — für Ulm bedeutete es die eventuelle Verhinderung des Abstiegs, für Bayern ate Behauptung des dritten Tabellenplatzes — verloren die Bayern Resch und Metz dr-rch Platzverweis und außerdem wurde Seibo-ld verletzt. Ueberraschend wenig Siegeswillen brachte der SV Waldhof b-im FC Schweinfurt auf. Der BC Augsburg rang vor 10 000 Zuschauern dem VfB Stuttgart einen 4:2-Sieg ab, so daß der Punktgleichstand mit Ulm gewahrt bleibt und durch ete Entscheidungsspiel erst noch geklärt werden muß. wer von beiden Vereinen (mit Rödelheim) absteigt Frankreich — England 1:3 (1:2). (Si.-Eigenbericht.) Zum 21. Länderspiel Frankreich — England erschienen im Stadion von Coionrbes 60 000 Zuschauer. England stellte eine stark umgekrempelte Elf ins Feld. Der holländische Schiedsrichter Van der Meer pfiff schon nach 35 Sekunden das erste Tor der Partie, das Moreel nach einem rapiden Vorstoß für Frankreich erzielte. Die Briten fanden sich aber rasch zu Gegenangriffen und stellten in der 8. Minute durch satten Schuß von Morris den Gleichstand wieder her. In der Folge beherrschten sie das Spiel vollständig, und nachdem der rechte Läufer Wright in der 26. Minute einen schweren Dek- kungsfehler der französischen Verteidigung aus- qenützt hatte und England die Führung verschaffte, mußte Vignal bis zur Halbzeit fünf sehr gefährliche Bälle meistern, um das Skore nicht anschwellen zu lassen. Die Franzosen entwickelten nach Wiederbeginn einen riesigen Spieleifer und waren während einer vollen halben Stunde dermaßen überlegen, daß $i"h ihnen Chance um Chance bot. Die Gaste rafften sich eigentlich erst in den letzten fünf Minuten wieder auf. In der 42. Minute wurde die weit vorgeschobene Verteidigung Frankreichs blitzartig überspielt und Morris erzielte einen dritten Treffer. Beim Spielschluß gab das Puhbkum durch ein Pfeifkonzert seiner Verstimmung wegen des •cbwadien Stürmerspiels der Franzosen Ausdruck. Italien — Oesterreich 3:1 (3:0). (Si -Eigenbericht.) Im Stadion von Florerz wohnten Staatspräsident Einaudi und 80 000 Zuschauer dem Ländertreffen Italien — Oesterreich bei, dessen Ausgang mit besonderer Spannung erwartet wurde, weil Italiens Fußballverband nach dem schweren Unglück von Turin eine vollständig neu formierte Nationalelf in den Kampf «nicken mußte. Die italienische Mannschaft lief namentlich in der ersten Halbzeit zu einer schönen Leistung auf. Capello. eröffnete in der 25. Minute das Skore nach schönem Kombinationsangriff and präzisem Zuspiel von Carapellese. Zwischen der 41. und 43. Minute fielen nodi zwei Treffer durch Amadei auf Hanke von Boniperti und durch Boniperti, der einen schwach abgewehrten Ball aufnahm und einsandte. Die Azzuris setzten sich auch nach der Pause sofort wieder in der gegnerischen Platzhälfte fest. Huber konnte in der 24. Minute ein Tor für Oesterreidu euf- holen. Der verdiente Erfolg der Italiener wurde bis zum Schluß nicht ernstlich gefährdet. Weitere Länderspielresultate : in Lüttich: Belgien — Wales 3:1; in Athen: MitteSmeer-Cup. Italien B — Aegypten 3:2; in Dublin: Irland — Portugal 1:0 (1:0); in Bukarest: Rumänien B — Tschechoslowakei B 2:1 (2:01; in Grenoble: Frankreich (Amateure) — ErgJand (Amateure) 1:2. Prag: Tschechoslowakei — Rumänien 3:2 (2:2); Luxemburg: Luxemburg — Frankreich B 1:4 (0:1). Schwenningen und Friedrichshafen Handbail-Zonenklasse Süd Württemberg: Freudenstadt — Urach' 13:5, Schwenningen -r Friedrichshafen 8:5. — Freudenstadt schob sidi durch den Erfolg über Urach auf den 4. Tabellenplatz vor. Friedrichshafen steigt zusammen mit Schwenningen ab. Stand: Rietheim 18 25, Reutlingen 17/23, Tübingen 17/21, Freudenstadt 16 20, TeU- nang 17/20. Ravensburg 1^20, Weilstetten 18/15, Urach 17-T3 Friedrichshafen 16/7, Schiwenningen 16/6. Schiltachs Handball ist Staffelmeister Landesliga Staffel Ost: Schiltach — Donau- eschingen 12:2, Homberg — Gottmadingen 5:11. Ueberlingen — Konstanz 6:i<2. — Mit dem Sieg über Donaueschdngen hat sich Schiltach endgültig die Meisterschaft und hiermit die Berechtigung, an den Aufstiegspielen zur Zonenliga teilzunehmen, erkämpft. In einem tempogeladenen Spiel wirbelten die Kombinationen und zeugten von prächtigem Handballspiel. Beide Mannschaften lieferten sich einen harten Kampf, der teilweise etwas fairer hätte sein dürfen. Homberg mußte sidi ebenfalls den Gästen vom Hegau beugen, die sich in einer vorzüglichen Schußlaune befanden. Durch die Niederlage von Homberg hält Donaueschingen die zweite Stelle. Konstanz feierte in Ueberlingen ein Schützenfest. Es war ein fairer Kampf, wobei Konstanz die Oberhand behielt, da Ueberlingen technisch nicht gepachsen war. Verbandsrunde beendet Haodball-Landeskiasse Oberschwaben: Sairlgau — Ehingen 11:1. Mit dem Spiel Saiulgau geigen Ehingen hat die Landesklasse Oberschwaben ihre Runde abgeschlossen. — Lindau 15'29, Wangen 15/26, Saulgau 15/17, Leutkifch 15/16, Biberach 15/15, Laupheim 1512, Ehingen 15/6. Isny 15 4. Handball-Aufstiegsspiel zur Zooenkiasse: Lindau — Tuttlingen 9:4. Sfickiigen hat sieb verabschiedet Bad. Handball-Landes!iga Süd; Säckingen — Weil 6:9 (3:5). — Zum Ausklang der Saison hatte die einzige Begegnung des Sonntags die Ueberrasduung ausgelassen, denn durch die erneute Säckinger Niederlage ist nun auch der zweite Absteigende ermittelt worden. Es war wiederum ein wenig verheißungsvoller Gang der ebenfalls aus dem Tritt geratenen Weiler, die nur mit etwas Glück beide Punkte aus Säckingen entführen konnten. Köndringen 13 11 — 2 86:54 22:4 Steinen 14 9 1 4 84:61 19:9 Oberhausen 13 8 1 4 111:90 17:9 Emmendingen 14 7 2 5 88:70 16:12 Grenzach 13/12, Weil 13/18, Säckingen 14/8, Blauweiß Freiburg 14/3. Hftndballmeisterscbaft französische Zone SV Schutterwald — SV Rietheim 7:5. SG Haßloch 6 6 — —■ 77:36 12:0 SV Schutterwald 6 3 0 3 41:41 6:6 SV Rietheim 6 3 0 3 41:49 6:6 Mülheimer SV 6 — — 6 21:44 0:12 Süddeutsche Handbaillmeisterschaft (Männer): VfL Neckarau — 1. FC Nürnberg 4:5, SV 98Darm- stadt — Frischauf Göppingen 5:7. Westdeutscher Tumersieg gegen Bayern Westdeutschland kam im Kunstturnsn-Länder- kampf gegen Bayern in der Bochumer Radrennbahn vor zehntausend Zuschauern zu einem Sieg von 378.95:372,25 Punkten. Die Süddeutschen traten mit Ersatz für Olympiasieger Stangl, München, an. Trotzdem lieferten als den Westdeutschen lange einen durchaus offenen Kampf. Vor treffliche Leistungen boten beide Riegen am Reck, wo der Dortmunder Dickhut mit 7,7 Punkten die Höchstwertung erhielt. Dickhut bÜeb auch erfolgreichster Einzeiturner mit 48,25 Punkten. Zweiter wurde Overwien (Essen) mit 48.15 Punkten vor Olympiasieger Steffens (Lüdenscheid) 47,85 Punkten. 1. Frankreich — England 2. Italien — Oesterreich 3. Eintr. Frankfurt — 1. FC Nürnberg 4. Ulm 46 — Bayern München 5. Stuttg. Kickers — Schwab. Augsburg 6. BC Augsburg — VfB Stuttgart 7. Schweinfurt 05 — Waldhof Mannheim 8. Jahn Regensburg — H^sen Kassel 9. VfL Neckarau — SG Unte^ürkhe'm 10. Kassel 03 — SpVgg. Fürt'h 11. Zuffenhausen 1. FC Pforzheim 12. VfL Benrath — Duisburg 08 - il£ lOlO 1:3 (2) s ul 3:1 fl) 1 .5 0:0 ( x 1 Mi 4:1 fll 1:3 (2) 4:2 (1) 4:0 (1) 2:0 fll 7:2 dl 1 1:6 (2) 2:3 (2) 4:1 (1) ..d Dienstag, 24. Mai 1949 SÜDKURIER Nr. 61 ' Seite 1 Befriedigende Perspektiven Südwürttembergs Ernährungsminister über Pariser Besprechungen und heimische Landwirtschaft Tübingen (He.-Eigenbericht). Nach der Rückkehr von ausführlichen Besprechungen mit dem französischen Landwirtschaftsminister Pflimling in Paris äußerte sich der würt- temberg-hohenzollerische Minister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Weiß, ausführlich vor der Presse. In starker Abweichung zu den kürzlich bekanntgegebenen wesentlichen negativen Eindrücken Schlange-Schöningens brachte Minister Weiß bezüglich der deutsch-französischen Zusammenarbeit und der Austauschmöglichkeiten auf dem landwirtschaftlichen- und Ernährungssektor erhebliche Hoffnungen mit nach Hause. Die Besprechungen mit dem französischen Landwirtschaftsminister ergaben, daß Frankreich auf lange Sicht gesehen, Brotgetreide, Gemüse, Frühkartoffeln, Obst, Wein und Südfrüchte liefern könne, Produktionen, für die Württemberg-Hohenzollern aufnahmefähig ist. Die Minister kamen überein, den begonnenen Austausch von Tier- und Pflanzenzüchtungen auszubauen. Zur Zeit wird in Frankreich der in Deutschland gezüchtete Hauter- Weizen bereits zur Vermehrung angebaut und wird sich wahrscheinlich auch dort in allen guten Lagen durchsetzen. Bei gleicher Problemstellung in der Landwirtschaft beider Länder soll schließlich ein reger Austausch in Zukunft dazu dienen, die vorhandenen Reserven des Bodens der Ernährung zu erschließen. Uber den Stand der französischen Landwirtschaft, wie aus Besichtigungen von Versuchsanstalten und Schulen hervorgeht, äußerte sich der Landwirtschaftsminister positiv. In der Ernährung sind nur noch Zuk- ker, öl und Kaffee rationiert. Das Preisbild entspricht im allgemeinen dem in Deutschland. Bei Erörterung von Fragen der Ernährungswirtschaft sprach sich Minister Weiß entgegen der Entschließung des Wirtschaftsrates in Frankfurt, die noch der Bestätigung der Militärregierung bedarf, gegen eine Freigabe des Schweinefleisches aus. Nach seiner Auffassung können Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Fett und Brot, solange sie nicht ausreichen, den Markt zu sättigen, nicht freigegeben werden, da die Waren sonst zu einem Projekt für Spekulationen würden. Landwirtschaftsminister Weiß ist sich jedoch darüber im klaren, daß es bei dem jetzigen Zusammenbruch der Fleischbewirtschaftung rings um Württemberg-Hohenzollern nur mit Hilfe von Kontrollen der Ausfallstraßen und schärfster Überwachung des Handels möglich sein wird, eine geordnete Versorgung der Bevölkerung weiterhin zu ermöglichen. der Ernährung besteht zur Zeit nur in der Zuckerversorgung durch Verzögerung der Importe ein Engpaß. Ein Mangel sei, daß die deutschen Stellen an diesen Verhandlungen nicht genügend beteiligt würden. Im Zusammenhang mit den teilweise sehr auseinandergehenden Auffassungen von Frankfurt und der hiesigen Verwaltung gab Minister Weiß seiner Besorgnis vor zukünftigen zentralen Regelungen Ausdruck. Er bemängelte besonders die mangelnde Verhandlungsbereitschaft der Frankfurter Zentralstellen, die den Ländern ihre Arbeit sehr erschweren. Nach der Lage in Württemberg-Hohenzollern beurteilt der Minister die Entwicklung der Ernährungsverhältnisse als günstig, besonders im Hinblick auf die gute Versorgung mit Düngemitteln und die Wetterlage, die eine gute Ernte erhoffen ließe. Eine erhebliche Verbesserung der Versorgung aus eigenen Mitteln strebt der Minister durch Verbesserung der Grünlandschaft an, die dazu führen soll, daß monatlich 500 g Butter und täglich ein halber Liter Vollmilch pro Kopf der Bevölkerung aus eigener Erzeugung ausgegeben werden könne. Die Eröffnung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Grünlandwirtschaft und Futterbau am 24. Mai in Aulendorf wird der Auftakt zu dieser neuen Aktion im Rahmen des produktiven Agrarprogramms des Landwirtschaftsministers Tübingen sein. Ackerpachtzinsen 1948 Die vielfach umstrittene Frage, ob die auf Martini 1946 fällig gewesenen Acker- pachtzinsen in voller Höhe in DM oder nach Ansicht verschiedener Regierungsstellen nur zur Hälfte im Hinblick auf die Abwertung für die Zeit vor den} 1. Juni 1946 zu entrichten sind, hat jetzt durch richterliche Entscheidungen eine Klärung erfahren. Das badische Amtsgericht Lahr und der 2. Zivilsenat des Oberlandesgerichts in Köln haben in Rechtsstreiten zwischen Verpächtern und Pächtern entschieden, daß dis Jahrespachtzinsen für landwirtschaftliche Grundstücke für 1948 voll in DM zu leisten sind. Bereits vor diesen richterlichen Entscheidungen hat das Innenministerium für Nordrhein-Westfalen Weisung erlassen, daß die öffentlichen Kassen in Nordrhein-Westfalen (SKai3t und Gemeinden) die Ackerpachtzinsen 1948 voll in D-Mark erheben müssen. Oesterreichs Bodenseehafenplan Bedingungen des Gaisauprojektes — Beteiligung Schweizer Interessenten In dem guten Einvernehmen der Ernährungsverwaltung mit der Bauernschaft sieht der MHic er in seinen Bemühungen den ent- 6cheicic;._cn Aktivposten. Auf dem Gebiet Die Absicht einer Schiffbarmachung des Rheinlaufes von Basel bis zum Bodensee hat auch in Vorarlberg zu Vorbereitungen für einen österreichischen Bodenseehafen geführt, die nunmehr in ein aktuelles Stadium ein- getrelen sind. Der „Österreichische Rhein- schiffahrtsyerband“ hat auf seiner Hauptversammlung am 30. April 1949 in Dornbirn beschlossen, das nGaisauprojekt“ auszuwählen, das allen Bedingungen am besten zu entsprechen scheint. Als Grundlage diente ein Plan vom Jahre 1942, die alte Rheinmündung zu einem Hafenbecken auszubauen. Mit Rücksicht auf die Verschlammungsgefahr entschied sich die Hafenkommission des Verbandes, unmittelbar neben dieser Mündungsbucht eine neue Hafeneinfahrt anzulegen und den in den See weit hinausragenden alten Rheindamm als natürlichen Wellenbrecher gegen die gefährlichen Nord weststürme zu benützen. Dadurch würden sich die Dammkosten auf ein Minimum verringern, weil nur ein kleiner Wellenbrecher in seichtem Wasser zusätzlich errichtet werden muß. Im Plan weist der Hafen 2 Becken von je 600 m Länge und 70 m Breite, einen Hafenbahnhof mit 10 Geleisen und 650 m Nutzlänge und Gleisanschluß nach Bahnhof Fussach auf. Die Devisen aus dem Fremdenverkehr Auslandsgäste erweitern Einfuhrmöglichkeiten Z ü r i ch, 17. Mai. (P.- Eigenbericht.) Jetzt, wo Westdeutschland zum ersten Male seit einem Jahrzehnt mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg sich um ausländische Gäste im Reiseverkehr bemüht, mag es interessieren, welche Bedeutung selbst ln einem so reichen Lande wie der Schweiz dem Fremdenverkehr als Devisenbringer beigemessen wird. In allen Handelsvertragsverhandlungen, welche die Schweiz auch nach dem Kriege wieder mit dem Auslande führt, spielt die Förderung des Fremdenverkehrs eine große Rolle. Mehrfach hat sich die Schweiz sogar bereitgefunden, zusätzlich Importe aufzunehmen oder Kredite zu eröffnen, damit die ausländischen Gäste von ihren Regierungen mit den nötigen Reisedevisen ausgestattet werden können. Der für diese Verhandlungen zuständige Berner Minister Dr. Hotz hat den Sinn dieser Bemühungen kürzlich auch mit neuen Zahlen belegt. Ohne den Aktivsaldo des schweizerischen Fremdenverkehrs von rund 520 Mill. Franken wäre es der Schweiz nicht möglich gewesen, das Defizit der Handelsbilanz von 1947 im Betrage von 1,5 Mill. Franken ohne die Abgabe von Gold auszugleichen. Mit seiner Funktion als Devisenbringer stelle sich der internationale Fremdenverkehr ebenbürtig neben den Warenexport und werde in der Zahlungsbilanz deshalb auch als unsichtbarer Export betrachtet. Deshalb rechtfertige es sich, daß der Fremdenverkehr in die Wirtschaftsverhandlungen mit dem Ausland einbezogen und daß sein Interesse neben denjenigen des Warenexports, der Finanz und des Versicherungswesens geltend gemacht würde. Zwar kann sich das kriegszerstörte und verarmte Deutschland auf lange Zeit hinaus in Fragen des Fremdenverkehrs noch nicht mit einem so hoch entwickelten Reiseland wie der Schweiz vergleichen. Aber im Prinzip bedeutet auch für Deutschland jeder Gast aus dem Auslande ein kleines Plus an Devisen, die für die Versorgung des Landes mit Einfuhrgütern verwertet werden können. Deshalb rechtfertigen sich auch Investitionen, welche die Schäden und Rückstände im deutschen Hotelwesen, in den Einrichtungen der Eisenbahn, des Schiffs- und Autoverkehrs sowie der kulturellen Einrichtungen beseitigen, durchaus mit der Erwartung steigender Einnahmen aus dem Fremdenverkehr. Dabei muß man sich in Deutschland allerdings auch in Fragen des individuellen Hotel- und Reisekomforts und des Kundendienstes wieder auf die Gewohnheiten und Bedürfnisse des Auslandes einzustellen bemühen. Daß im Rahmen der Marshallhilfe auch der Fremdenverkehr, wenn auch zunächst in bescheidenem Umfange, Aufbau- Unterstützung erhalten soll, erscheint nur logisch. Und es ist charakteristisch, daß, wie Minister Hotz andeutete, durch diese Verwendung von Marshallgeldern die Konkurrenz-Bedingungen der begünstigten Länder gegenüber dem Fremdenverkehr der Schweiz wieder verschärft werden. Es Hegen Anzeichen dafür vor, daß der amerikanische Tourismus sich in wachsendem Umfange dem europäischen Kontin ent zuwenden wird. Nach den bisherigen Erfahrungen der Schweiz erscheint es aber nicht zweckmäßig, sich allzu einseitig auf das amerikanische Fremdengeschäft einzustellen, das, auf lange Sicht gesehen, kaum so stabil sein könne wie der intereuropäische Fremdenverkehr. günstigsten Abmaße der Frachtkähne für den Oberrhein wurden mit 80 m Länge, 10 m Breite, 2,30 m Tiefgang und 1200 t Nutzlast (für Selbstfahrer 900 t) errechnet. Der angenommene maximale Hafenumschlag beträgt 200 000 t jährlich, von denen 80% auf Bergfahrt (davon 55% Kohle, sonst Getreide, Futtermittel, Kunstdünger, Fette, öle, Baumwolle usw.) entfallen. Für Talfahrt wird mit Holz- und Kiesladung gerechnet. Grundsätzlich wird die Notwendigkeit, eine Hafenindustrie und einen Freihafen zu bauen, anerkannt. Als natürliches Hinterland betrachtet Bregenz den österreichischen Raum bis zum Lande Salzburg für Kohle- und Getreideversorgung auf dem Wasserwege des Rheines. Auf der Hauptversammlung des „österreichischen Rheinschiffahrtsverbandes“ traten Schweizer Interessenten aus St. Margarethen und Rheineck für eine Beteiligung an diesem Hafenprojekt ein, was der Entwurf schon berücksichtigt hat, indem er eine Verlängerung der Hafenbecken gestattet. Der Rheinhafen Bregenz—Gaissau würde 10,8 Millionen Goldschillinge kosten, nur um einen kleinen Betrag mehr als das ursprünglich erwogene Projekt, den Hafen unmittelbar vor der Stadt Bregenz zu errichten, was aber wegen der industriellen Schäden für den Fremdenverkehr (Rauchentwicklung) abgelehnt worden war. In diesen Fragen besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem nordostschweizerischen Rheinschiffahrtsverband St. Gallen. Freilich handelt es sich bei der österreichischen Initiative vorläufig nur um den Vorschlag eines privaten Vereines, der aber die endgültige Entscheidung der österreichischen Regierung und der Länder sehr maßgeblich beeinflussen kann. —nn Kurzmeldungen Unter dem Titel Made in Germany wird demnächst in der amerikanischen Zone ein Dokumentarfilm über den wirtschaftlichen Wiederaufbau Westdeutschlands zu laufen beginnen. Gr. Pünder kündigte im Institut für Handelsforschung in Köln einen Kredit von 8,5 Milliarden für die westdeutsche Wirtschaft an; Gewerbe, Verkehr, Wohnungsbau, Energiewirtschaft, Kohlenbergbau und Landwirtschaft würden in erster Linie berücksichtigt. Die Bank deutji+et Lande hat kürzlich eine Lockerung der Kreditrichtlinien beschlossen, die sich vor allem auf die erweiterte Lombardfäbigkeit der Bankakzepte erstreckt. Die Zweizonenverwaltung für Finanzen hat einen Gesetzentwurf zur Bereinigung des Wertpapierwesens ausgearbeitet, von der 17 Milliarden DM Aktien und rund 1 Milliarde umgestellte Schuldverschreibungen erfaßt werden und die etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Entsprechend der bisherigen Entwicklung seit der Währungsreform nimmt das revidierte Marshallplanprogramm an, daß die industrielle Produktion der Bizone im Durchschnitt des Jahres 1949/50 etwa 95% von 1936 erreichen wird, während in den seinerzeitigen Ansätzen nur 85% zugrunde gelegt waren. aUa dZac k wA HC f ROMAN VON FRED ANDREAS 13) Copyright by Münchner Roman-Verlag München-Pasing Sdsi besuchte das Lyzeum, Theodor blieb bei seiner alten häßlichen Firma und studierte im übrigen Chemie bei Westphaiten. Er saß, als Hospitant, stets auf der letzten Bank des Auditoriums. Um ihn her war viel Platz. Man mied den „Zuchthäusler", niemand redete je ein Wort mit ihm, Freunde hatte er nicht. Im Laboratorium Westphalens arbeitete er allein, oft belobt, nie angefeuert. Er war ein Muster- Cthemiker und nun so weit, daß er leicht seinen Doktor hätte machen können. Sein Ordinarius verwandte sich Leidenschaftlich dafür, optimistisch, aber vergeblich. Die Sache war die, daß das Ministerium, durch eine schlechte Erfahrung, der letzten Zeit mißtrauisch gemacht, es ablehnte, die hospitierten Semester Wühnens als vollgültige anzuerkennen. Im Grunde lag es natürlich an der Vorstrafe. Wuhnen war am Zusammen*) rechten. „Nur nicht aufregen!" rasselte Westpha- Ien mit seinen Raucherbrondiden, „wir werden ein anderes Ding drehen". Das Ding, das er dann drehte, lief sich in einer großen chemischen Fabrik tot. Die Herren, ursprünglich gern geneigt, den so warm empfohlenen Schüler Westphalens zu engagieren — sie waren nicht kleinlich, Sie klammerten sich nicht an das fehlende Diplom —, bedauerten später unendlich; sie könnten es leider ihren anderen Chemikern ni'hlt zumuten, mit einem, wenn auch noch so schätzenswerten Mann vom Vorleben des Herrn Wühnen zusammen zu arbeiten. Sonst gern zu Diensten. „Nur nicht klein beigeben, mein Junge", krähte der Ordinarius, „jetzt bleibt uns noch die selbstständige Forschunlg k Sie sind der Mann dazu. Wir werden Sie eines Tages zum Doktor honoris causa von Frankfurt oder Heidelberg machen. Das sind moderne Universitäten. Legen Sie sich 1 auf irgend etwas, auf was Neues! Verbesserung! Errungenschaft! Nahrungsmittel- Chemie!“ „Aber w>as, Herr Geheimrat?" fragte Wülhnen, kalkweiß vor Gram. Bredar seinem Schicksal zu überlassen, a)i Dank gleichsam für das unerwartete Glück, das er, der verachtete Wühnen, nun genoß. Er begann jetzt, Wert auf sein Aeußereg zu legen, hatte Bügelfalten in der Hose und manikürte Fingernägel — das Jod freilich hinterließ immer einige Spuren —, er war nie unrasiert und zeigte sogar zuzeiten gute Laune und ein aus gesprochen freundliches Gesicht. Das Ende kam als Wühnen seiner Braut von dem Furchtbaren erzählte, das seit Jahren auf ihm lastete. Sie wußte davon nichts bisher, äußerte sich aber wohlwollend dahin, daß sie an seine Unschuld glaube und daß die Strafe, die er verbüßt hatte, sie nicht bewegen könne, von ihm zu lassen. Sie habe das Gefühl, daß sie zu ihm gehöre. Am andern Tage sandte sie ihm den Absagebrief. Nach reiflicher Ueberlegung. Theodor Wühnen war dem Selbstmord nahe. Was immer er unternahm, was immer er versuchte — stets stand ihm die Vorstrafe im Weg, die er Bredar verdankte. Der ordentliche Chemikerberuf verpfuscht, der Doktortitei verpfuscht, ein bescheidenes Liebesglück zertrümmert .... er würde immer „Wühnen, der Dieb" sein. Und er war es doch nicht! Er war es nicht! Das Leben, die ganze Zukunft hinfällig und aussichtlos wegen eines Bredar! War es ein Wunder, daß die Rachepläne nicht verstummten, sobald ehe Selbs tmorcte timimmg überwunden war? „Hören Sie zu, Wühnen. Die Dutzendmänner, die sich Forscher nennen, sind allesamt mit der Synthese befaßt. Synthese Nahrungsstoff. Sehr hübsche Spielerei, aber auf die Dauer dürfte es ein Quatsch sein. „Wieland in Bonn hat Erfolge mit seinem Zeug . . ." „Na ja. Heute noch. Uebermorgen kräht kenn Hahn nach Wieland und seinesgleichen. Die Sache läuft sich tot. Ich prophezeie: che Herren werden sich demnächst die Hgnde waschen und anderes anfangen. Kommen Sie ihnen zuvor. Verbessern Sie den Ur- stoff, da, wo er wächst." „Jod", sagte Wühnen leise. „Natürlich, Junge, Jod". So kam es, daß Theodor Wühnen die nächsten Jahre den Jodverbindungen widmete. Er düngte Landstreifen, impfte Kühe und Legehühner. Was er zunächst erzielte, wür, mit Belustigung erwartet, das nahezu schalenlose Ei. Es war größer, aber keinesfalls transportabel. Andererseits führte er mehr Kalk, so förderte der Jodierungsprozeß — er gab jetzt neue Jociprä,parate ins Futter — eine bösartige Darm-Krankhedt bei seinem Federvieh zutage. Dies schien aussichtlos. Daß sie überwunden wurde, war Sisis Verdienst. Sie war zu dieser Zeit fünfzehn Jahre alt. Sie lenkte Theodor dem Dasein wieder zu, und da sein Leben um jenen Bredar kreiste, lenkte sie ihn also auf Bredar hin. Wie! Jetzt wolle er aufgeben, jetzt gerade, cka der Feind ihm, wenn aiudi nur indirekt, diese tiefe und gefährliche Wunde geschlagen hatte? Theodor wollte sterben, und Bredar sollte das Lehen genießen? Das half. Sisis Bemühungen erfolgten wider besseres Wissen. Sie spielte zum erstenmal unehrlich), da das Leben es verlangte. Ihr war es nämlich so ergangen; Als Kind in einem enghüllenden Mantel von Breckar- Haß aufgewachsen, mit Vergeltungsplänen genährt, die sie bis in den tiefsten Traum verfolgten, hatte sie zum ersten Male eine Entspannung gespürt, als sie sich töricht und backfischhaft in einen ihrer Lehrer verliebte. Von diesem Zeitpunkt an erkannte sie, daß es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gab als die, die sich um jenen Zollbeamten drehten. Bredar wurde ihr ziemlich gleichgültig. Dennoch und wider besseres Wissen also flößte sie dem Bruder mit der Behutsamkeit, die man gefährlichen Medikamenten widmet, das Wort Bredar ein, als sie ihn am Rande endgültiger Verzweiflung fand. Erfolg hatte sie damit, ge wißt Theodor beschloß nun ein für allemal, hart zu werden, sein altes Ziel zu verfolgen und Bredar auszulöschen. Wie er sich das dachte, sagte er nie, wußte es auch vorderhand nicht. Er wußte nur, daß ein kleines Konto von Monat zu Monat anwuchs, und daß es unter gewissen Umständen kein schlechter Fonds sein würde, um die Kampagne gegen den Verfluchten zu eröffnen. Aber noch stand jener nicht hoch genug. Er soll erst avanciert und vornehm verheiratet sein.Was danach kam, darum silehl zu bekümmern hatte er, Theodor Wühnen, nicht nötig. Irgendetwas Furchtbares vermutlich, das, wenn es eintrat, bereits belanglos war. Bei seinem Düngemitteln hatte er mehr Glück. Es fehlte ihm nur an Raum für seine Kontrollversuche. Immerhin war da etwas im Werden. In ehrgeizigen Taiciträumen sah Wühnen sich als großen Chemiker, Ehrendoktor der Universität Frankfurt, und somit leicht in der Lage, den windigen Zollassistenten Bredar bei passender Gelegenheit zu verniditep. Dennach hätte er um ein Haar seinen sturen und verbissenen Racheplan gegen Bredar aufgegeben und wäre in den geringen Grenzen, die ihm gesetzt waren, ein normaler und leidlich glücklicher Mensch geworden. Er verliebte sich nämlich in die hübsche Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns, der im Zentrum der Stadt ein gutgehendes Ladengeschäft betrieb. Wider alles Erwarten teilte das Mädchen seine Gefühle. Es kam nach anfänglichem Widerstand der Eltern zur Verlobung, und Wühnen war drauf und dran, Sdsi versuchte es auch mit Andeutungen in der Richtung, daß es vielleicht günstiger für den Bruder und seine Stimmung wäre, wenn er die Stadt verließe, irgendwo im Inland oder besser noch im Ausland eine neue Stelle annähme. Aber Theodor war durch diesen Einfall wochenlang gekränkt W|e konnte Sisi etwas so Feiges Vorschlägen! Da war also nichts zu woUen. Sie wuchsen einander noch enger zu, in Haß vereint und in Liebe vereint. Um diese Zeit wurde auch der braune Hund Tyras angeschafft Sisi schenkte ihn Theodor von dem Gelde, das er ihr geschenkt hatte. So war sein Leben: Sisi, Bredar und Chemie, wo er ging und stand. Frühmorgens, wenn er unausgeschlafen im raiuichge- scbrwängerten Nebel über die Gleise des Güterbatohofs torkelte, am klebrigen Stehpult, *m Laboratorium WdsfphaHesne» auf den kümmerlichen Versuchsfeldern. (Fortsetzung folgt) 65 Kovon beweist, daß eine gute Zahnpasta auch. preiswert sein kann! Mercedes 170 T, Pritschenwagen, fabrikneu, zum Listenpreis zu verk. Veritas Meßkirch. w«reinigte wenimnirenfabnRen t Irrens i. fe-ftecto K.I4Ut) Bttziagee l. Stotfort| Gute, unbeschädigte» loch- und flickfreie, weiße amerikanische Mehlsäcke aus strapazierfähigem Leinen- Baumwollgewebe zur Herstellg. von Handtüchern, Kinder- und Arbeitskleidung, Schürze. 1 , Kindertüchern usw. noch vorrätig. Der Sack ergibt offengetrennt knapp 1 qm. Stück 1,7t DM zuzüglich Porto (Nachnahme). Mindestversand 10 Stück, die Beschriftung der Säcke ist abwaschbar. Klostermühle Bruno Pohl» Hamm (Westfalen) (21b) SchtCuArtCdotA l ! 111M ^em putzt poiUM, macht Xünl KOSTENLOS erhalten Sie sofort eine ostrologischt Probedeutung über Liebe, Ehe, Glück, Beruf, Geschäft, Krankheiten usw. Geburtsdatum und Betrag für Rückporto erforderlich. Erwin Zanke, (22a) Kaarst Über Neuß/Rhein Tempo-Kugelschreiber handlidi, zuverlässig, m. 19 mm langer Patrone, schreibt sauber u. sofort trocken. DM 4.20 franko. Vorkasse od. zuzgl. Nachn.-Kosten Für Geschäfte u. Händler ab 3 St. Rabatte. Ersatzpatronen lieferbar. F» J. Schelens (17b) Lörrach-Sk. HOHNER- Akkordeons- Mundharmonikas und allemeueste Modelle, auch auf Raten, lieferbar. Gebrauchte Harmonikas ebenfalls Vorhand. Harmonlka-Gengler. Reutlingen * Metzgerstraße 79 'mmerfproffen ™O m AeOmtKtMOMOQKMtN ■*» u weo o« »«iXH< rm« numnhnm a um> Wollen Sie sich auch beteiligen ? Kapitalsanlagen von DM 750.— aufwärts geboten. Kurzfristig — diskret — sehr hoher Gewinn — mehrfache Sicherheit — bietet 1930 gegründetes, im Neuaufbau befindliches Unternehmen. Näheres und Referenzenliste durch Zuchtdirektor Curt Pritsche Altglashütten (Schwarzwald). Steden-Gesuche Kraftfahrer, 29 Jahre, sucht stelle. Sicher bei Tag- und Nachtfahrt. Viel Liebe zum Fahrzeug. Walter • Mittelbach. Blchtllneen/Meßkirch. Hausgehilfin tüchtig, für Arzthaushalt ges. Kochkenntnisse erwünscht. Arbeitskleidung wird gestellt. Beste Entlohnung. Zuschr. unter 84 092 Südkurier Meßkirch. Bedeutendes Unternehmen der MineralBlbranche sucht f. verschiedene Bez. Seegebiet, Hochschwarzwald (bad. u. wttg. Teil) Vertreter auf Prov.-Basis. Elngef. Fachkräfte werden bevorz. Bewerb, unt. 18 342 Südkur. Konstanz. | Sich rühren, heißt inserieren! Hdupen.^ Obstbäumen?- Tungiftig!) f in 0reg«ri«n und bftim Fnehhandst Dd€i s< CElfl- Ing elheim/ Rhein N. stan han hist nati »chn du« lieh! WiH Kon den Schi dhär sehe Kon näh« burj sich men ihre gün nich stan der Eür stig« zu st daß ohne E-mp D' wes« nahi unt" und fahr tech Da tera Aus Bucl Vorl M Jan der auf! pun Fric sion verl wen and« hap« Frei steh eine die Hot« Al lieh« lern Schi nur stro; von hän; nich aud men Der Kur dag« Ruh zäK ten übe dod frei nigs sein Stal wuc Uep was im Kas mit' der It im dan den „bei Hot sehe berj eige keh als frül son rnei ta$l« dür ded nid: dur Der und gan leer das bed Seite | ssen, alt te GÖÄici^ n genoß. \eu ß-ere» lose und l freilich , er war zuzeiten freumd- Wühnen erzäWMs, ie wußte ch aber sine Un- , die er könne, Gefühl, rn Tage adi reif. Ibstmord was im- ihm die sar ver- kerberuf seht, ein ert . . . . ab“ sein, es nicht! /lüg und Wa r es rint ver- imnwnig ar Sisis it fünf- lor dem beji um ihn also er auf- nd ihm, efe und s? Theo, llte das ler bes- ■stenmai ;gite. Ihr Kind in Breckar- isplänen i Traum n Male sich tö- 'er Leh- mlkt an iwischen sich um • wurde sen also hiu'tsam- imenten sie ihn lg fand. [Theodor zu wer- nd Bre- dadite, ierhand s Konto daß es hlechter gae tgie- Aber Er soll heiratet um sich Wüh- htbares bereits lturngien instiger g wäre, iwo im id eine or war »kränkt, »rschla- wiuch- ß ver- s Zeit ange- >n dem d Che. srgeras, uichge- ;e des sbrigen hallen^ m. olgt) i v \ X E I • in Dienstag, 24. Mai 1949 SÜDDEUTSCHER HEIMATKURIER Schwimmende Brücken im Bodensee Fährschiffe verbinden im Pendelverkehr die Ufer Zwischen dem nordöstlich von Konstanz gelegenen kleinen Uferort Staad und dem altehrwürdigen, malerischen Meersburg, von wo aus sich der mächtige Wasserarm des Ueberlinger Sees zwischen Bodanrück und Linegau schiebt, fahren zwei große Fährschiffe den ganzen Tag über in regelmäßigem Pendelverkehr. Man empfindet heutzutage ihr Dasein als selbstverständlich, und die fast ausnahmslos eiligen Autofahrer bedenken kaum mehr, was für einen langen Anfahrtsweg sie noch vor 21 Jahren hätten zurücklegen müssen, um von Konstanz nach Meersburg zu gelangen; denn das Umfahren des Ueberlinger Sees bedeutet einen fühlbaren Zeitverlust. Und Zeit ist Geld. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Konstanz, dessen Lage so sinnfällig nach Maihand weist, von dem es von altersher eine historische Straße verband, von seinem natürlichen Schweizer Hinterland abgeschnürt. Die Bodensee-Metropole war dadurch ®u einer „geographischen Unmöglichkeit geworden, wie sich der Dichter Wilhelm Schäfer einmal ausdrückte. Die Konstanzer Geschäftswelt, welche ehedem den größten Teil ihres Umsatzes mit dej Schweiz getätigt hatte, geriet in eine bedrängte Lage; denn das natürliche deutsche Hinterland, der Linzgaü, ging dem Konstanzer Handel immer mehr an die näher gelegene Konkurrenz von Ravensburg und Friedrichshafen verloren, so daß sich zu guterletzt etliche Großhandelsfirmen ernstlich mit dem Gedanken trugen, ihre Unternehmen an verfcehrstechnisch günstigere Punkte zu verlegen. Das durfte nicht geschehen. So entschloß sich die Konstanzer Stadtverwaltung — an ihrer Spitze der wagemutig Pionierarbeit leistende Bürgermeister Fritz Arnold — eine günstige Verbindung auf dem Wasserweg herzustellen, die derart beschaffen sein mußte, daß Lastkraftwagen jeder Größenordnung, ohne umzuladen, vom Lieferanten zum Empfänger gebracht werden konnten. Die bis dahin in Europa vorhanden gewesenen Kraftwagenfähren waren ausnahmslos als Flußfähren in Betrieb, die unter besonderen Bedingungen arbeiteten und zur Inbetriebsetzung eines Bodenseefährschiffes keine Vergleichsmöglichkeiten technischer und wirtschaftlicher Art boten. Da entdeckte man in einer Fährschiff-Literatur amerikanische Vorbilder großen Ausmaßes, die auf dem, Hudson und in der Bucht Vön Sscramenlo'verkehrten. Diese Vorbilder auf die Bodensee-Verhältnisse abzuwandeln, bedeutete für die Techniker kein alzu schwieriges Problem. So konnte denn im Jahre 1929 das erste Fährschiff in Dienst gestellt werden. Zwei Jahre später kam schon ein zweites Schiff hinzu, damit der andrängende Verkehr überhaupt bewältigt werden konnte. Inzwischen hat die „Bodan“, das neueste, im Jahre 1989 in Dienst gestellte Fährschiff, die Hafeneinfahrt passiert und gleitet zwischen dem Leitwerk aus massiven, verstrebten Pfahlbündeln langsam der Ladebrücke zu. Das Schiff legt an, das Fallreep „dumpft“ herunter, die Verbindung ist hergestelilt. Die Ausfahrt der Wagen beginnt. Auto um Auto verläßt das Schiff. Sogar eiin schwerbeladenes Langholzfahrzeug schiebt sich vorsichtig über die Brük- ke. Ein Strom von Fußgängern schließt sich an. Das Schiff ist leer. Und schon wird das Zeichen zur Einfahrt gegeben. Der erste Wagen setzt sich in Bewegung, von einem „Lotsen“ durch Zeichensprache eingewiesen. Alles ■ geht ruhig und ohne Stimmaufwand vor sich. 26 bis 82 Auto haben je nach Größe auf dem breiten Fahrdeck Platz. 600 Passagiere kann das Schiff aufnehmen. Auch wir befinden uns schon auf der „schwimmenden Brücke“. Uns hält es nicht in der Enge des Wagens. Eine bequeme Treppe führt auf das Oberdeck, auf welchem rundherum promeniert werden kann. Breite Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Mittschiffs lockt ein moderner Salon mit eingebautem Büfett zu einem lukrativen Aufenthalt. Die durchschnittliche Fahrzeit für die annähernd 5 Kilometer lange Strecke beträgt etwa 23 Minuten. Eine weitaus höhere S'iundengeschwindigkeit wäre leicht zu erzielen, aber das Schiff läuft nicht mit voller Kraft, um Brennstoff zu sparen. Die Fähre verfügt über je zwei Schrauben vorne und hinten, wenn man so- sagen darf; denn die Längsseiten gleichen sich völlig, sodaß die jeweilige Fahrtrichtung die Bezeichnung von Bug und Heck bestimmt. Das macht ein umständliches und zeitraubendes Wenden unnötig. Unten auf dem Fahrdeck geben sich Luxuswagen aus aller Herren Länder ein kurzfristiges Stelldichein: gleißende Amerikaner-Wagen, bestgepflegte Autos aus der benachbarten Schweiz, Fahrzeuge aus Nord und Süd und West. Auch ein Jeep steht da; er fährt heute zwei amerikanische Soldaten auf friedliche Urlaubsreise. Etwas abseits in einer Ecke hockt eine verhutzelte Alte auf ihrem Leiterwägelchen, das mit zerhacktem Astwerk gefüllt ist. Welche Gegensätze! Viele Sprachen hört man reden. Viele unterschiedliche Gesichter kann man betrachten. Hoch und niedrig, arm und reich trifft hier zusammen. Vom Diplomaten bis zum Wanderburschen, vom Industriellen bis zum Taglöhner. W. Th. Freiburg investiert 4 Millionen für Wohnungen Diese Summe reicht für 50 Neubauten aus Die Wiederaufbauarbeiten im Freiburger Stadtgebiet machen sichtbare Fortschritte. Bis zur Währungsreform war in dieser j Hinsicht in Freiburg nicht allzu viel geschehen; seitdem haben Enttrümmerung, Bautätigkeit und Instandsetzungsarbeiten s.n beschädigten Gebäuden ein Ausmaß angenommen, das den Vorbildern der Bi- zone nicht mehr sehr viel nachstehen dürfte. Im April wurden im ganzen 15 Straßen, Gassen und Plätze geräumt und zehn Bombentrichter aufgefüllt. Eine Reihe von öffentlichen Gebäuden, vor allem Schulen, sind wieder hergestellt worden. Ferner wurden im April 26 Wohnungen und 5 Einzelzimmer fertiggesteiit, in denen 139 Personen Platz fanden; dazu konnten 36 Holzhäuser bezogen werden. Auch das Mannschaftsgebäude 1 der ehemaligen Artilleriekaserne ist bezussfertig. An weiteren 14 Häusern ließ die Städtische SiedVungsgeselischaft FUeizerschäden beseitigen. Der Städtische Haushaltsplan sah Badenweiler hält auf Tradition Hundert Hotels, Pensionen und Mit der Freigabe des Kurhauses am 20. Januar 1949 ist Badenweiler offiziell wieder in den Kranz der deutschen Kurbäder aufgenommen worden. Seit diesem Zeitpunkt haben sich wieder wie vordem, zu Friedenszeiten, an die hundert Hotels, Pensionen und Sanatorien für den Fremdenverkehr etabliert, eine respektable Zahl, wenn man bedenkt, wie sehr es noch _ in anderen Badeorten mit dem Kurbetrieb hapert. Heute, wenige Monate nach der Freigabe durch die französische Besatzung, stehen wieder 1200 Betten zur Verfügung, eine runde Summe, die auch nicht durch die noch ganz wenigen beschlagnahmten Hotels geschmälert werden dürfte. Also gehört Badenweiler zu den Glücklichen, die den Kurbetrieb wieder in vollem Umfange aufnehmen können. An der Schwelle zur Hochsaison hofft man hier nur noch auf den einsetzenden Fremden- strom, der aber gerade in diesem Jahr von der bisherigen Schlechtwetterlage abhängig zu sein scheint. Dennoch klagt man nicht, denn noch ist es nicht Sommer und auch für dein Herbst garantieren die Thermen ihre ungeschmälerte Anziehungskraft. Der Eindruck auf der Straße und in den Kuranäagen spricht vorläufig allerdings dagegen. Es ist alles von einer feierlichen Ruhe und Mensch^stJJlg, und die ge- zäKmte' Natur In den wunderbar gepflegten Anlagen ist in der Uebermacht gegenüber den wenigen Menschen, denen sie doch dienen soll. Das Zugerichtete und freundlich Zivilisierte, scheint (vorerst wenigstens, um seiner selbst willen da zu sein; es macht den .Menschen gleichsam zur Staffage und verfällt zwar nicht in Wild- wuchs, aber doch in eine gewisse träge Ueppigkeit falscher Paradiese. Dennoch, was könnte es Schöneres geben als dieses im Aufruhr seiner vielen frischbekerzten Kastanienbäume hingeschlängelte Tal inmitten weingrüner Höhen. Der gelbe Sand der Parkwege führt an Zierbeeten mit Flüchtlinge in Kurorten In den Kurorten Südbadens, besonders im Schwarzwald, wird neuerdings eifrig darüber diskutiert, wieweit auch sie von den zu erwartenden Flüchtlingsströmen „betroffen“ werden könnten. Die reinen Hotel- und Pensionsbetriebe, die vielfach schon Evakuierte und Vertriebene beherbergen, wollen in Zukunft nur noch ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Fremdenverkehr, dienen. Auf der anderen Seite wird als richtig erachtet, daß Häuser, in sdenep früher nur zeitweise.,— während der Saison — und sozusagen nebenberuflich Zim- raer vermietet wurden, mit Flüchtlingen belegt werden. Der Ausfall dürfte «Tann dhrch die ständigen Mieleinnahme., gedeckt sein. Ob es möglich sein wird, diesen nicht unvernünftigen Grundgedanken durchzuführen, laßt sich noch nicht sagen. Denn die Tatsache bleibt, daß die Hotels und Pensionen etwa die Hälfte des Jahres Sanatorien stehen wieder zur Verfügung einem Ueberschwang von Vergißmeinnicht und gelb- und blaugeflammten Stiefmütterchen vorüber. Und es gibt kein „Betreten verboten“, höchstens nur ein „Kurkarte vorzeigen“. Das Ganze schenkt einem das besänftigende Gefühl, daß Kurorte von dem Range eines Badenweiler so auszusehen pflegen, bevor der Zustrom beginnt. Was weiter erfreulich wirkt ist der Eindruck, daß selbst die Vorliebe der Heeresleitungen und Verwaltungsinstanzen, sich in Badeorten einzunisten, grob besehen ohne sichtbare Folgen blieb. Dieses Idyll von Badenweiler ist gar kefhe Stadt. Alles atmet das saturierte Odium eines weltberühmten Bades. Die wenigen Geschäfte zwängen sich schm-lbrü- stig zwischen die seltsam versüdlichten Hotelburgen. Tradition und die gute alte Zeit vom ancien re’ime ist auf Schritt und Tritt au verspüren, und die Fremdenlisten berichten von devisen- und DM-starken Gästen. In diese, zwar noch etwas verhaltene Pracht mengt sich auf der Kurpromenade das New-look und das Zirpen der Geigern ... wh für das 1949 vorgesehene Wohnbaupro- gramm 3 Millionen Mark vor. Nun ist es möglich geworden, eine weitere Million zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Betrag können 50 Neubauwohnungen errichtet werden. Damit sind gegenwärtig vier Millionen D-Mark im Freiburger Wohnungsbau investiert, die zugleich den örtlichen Bauunternehmern ermöglicht, ihre volle Kapazität auszunützen und von Entlassungen Abstand zu nehmen. Hinzuzufügen ist, daß die Wiederaufb-uarbeiten am Stadttheater, mit deren Beendigung man noch im Laufe dieses Jahres rechnet und für die ungefähr 1,5 Millionen Mark aufgewendet werden, jum Teil aus freiwilligen Spenden, zum Teil aus dem Erlös vom Sonderbrietearken gewonnen worden sind. , Die Stadt Konstanz hat bekanntlich als einzige Stadt in Südwestdeutschland eine neue Art der Finanzierung des Wohnungsbauprogramms angewandt. Sie erhebt jeden Mon t von den Mietern einen 3pro- zentigen Beitrag in Höhe des Mietzinses. Wer sich mit diesem Verfahren nicht einverstanden erklärte, konnte es ablehnen. Im ersten Monat gingen jedoch auf diese Weise bei der Stadtverwaltung bereits 15 000 DM ein. Geduld mit Kehl Der Kehler Ausschuß tagte in Renchen zusammen mit über hundert in ganz Baden und Württemberg verstreuten Kehler evakuierten Geschäftsleuten, um wichtige Fragen hinsichtlich der bevorstehenden Wiederbesiedlung der Stadt Kehl zu besprechen, U. a. schlug Landrat Mayer vor, die für den ersten Zeitabschnitt zur Wiederbesiedlung zuzulassende Bevölkerung auf das ganze Stadtgebiet zu verteilen, die Stadt restlos unter deutsche Verwaltung zu nehmen und die Zoll- und Paßkontrollen an den Rhein zurückzuverlegen. Er betonte weiter, daß ihm von französischer Seite eine baldige Rückführung zugesagt sei. Landrat Mayer gab seiner Ueberzeu- gung Ausdruck, daß nach der Rückkehr des Staatspräsidenten aus Paris die Rechtslage hinsichtlich der Stadt Kehl endgültig geklärt sei. ganz oder doch zu einem erheblichen Teil leer stehen, und es fragt sich, ob man sich —,}i e - s i,h' f as t‘ immer in unmittelbarer Nähe des das angesichts des ungeheuren Wohnraum- bedarfs leisten kann. Der Träumer und der Rationalist Paul Klee und Fernand Legier in Freiburg Der Freiburger Kunstverein eröffnete seinen neugesebaffenen freundlich-hellen Ausstellungsraum in der Talstraße mit einem bemerkenswerten Ereignis: Spätwerke Paul Klees und Gemälde Fernand Legers in gemeinsamer Ausstellung. Das künstlerische Zentrum der beiden Maler, die sich höchstens in ihrer Bedeutung als Exponenten abstrakter Kunst begegnen mögen, ist in so weit «useinarylerliegenden Bezirken des Menschlichen zu vermuten, daß es eine fast unmögliche Anforderung an den Betrachter bedeutet, einen Uebergang in sich selber zu finden. Man hat versucht, durch die Anordnung der Werke die Härte des Kontrasts abzuschirmen; der Ausstellungsraum wurde sinnvoll in einen äußeren und einen inneren Bezirk geteilt. Dabei blieb der äußere den großflächigen, plakathaften Gemälden des französischen Kubisten Vorbehalten, .während der innere die in ihren Formen und Parbön so klangvollen, feinen Werke des deutsch- schweizerischen Musikersohnes barg. Klee schrieb einmal, es sei nicht leicht, sich in einem Ganzen aurechtzufinden, das sich aus Gliedern zusamraensetzt, welche verschiedenen Dimensionen angehören. Und solch ein Ganzes sei sowohl die Natur, als. auch ihr umgeformtes Abbild, die Kunst. Vielleicht könnte man hinzufügen. der Umformurgsprozeß bestehe darin, daß die verschiedenen Dimensionen auf eine ganz bestimmte Richtung zurückgefü-hrt werden, in die der Künstler das Ganze der Natur verlegt. Legers künstlerische Dimension wäre dann die rational zugängliche der Technik. Rationalisierung der Natur im Hinblick auf die Technik durchzieht mit erschreckender Kälte die 23 Gemälde, die hier von ihm zu sehen sind, und die einen umfassenden Abriß seines Werkes vom Beginn des ersten Weltkrieges bis etwa aum Ende des zweiten geben. Vielleicht ist in ihnen äin für den modernen Menschen entsprechender Ausdruck gefunden, als dies bei Klee der Fall ist. aber sie lassen auch nicht die kleinste Spur der Hoffnung auf einen Ausweg. Wenn man die künstlerische Dimension Leger» ak Vergeistigung bezeichnen will, so darf man diejenige Klees vielleicht Durchseelung nennen. Eine klingende, durchseelte, traumhafte Wärme, Humors hält, findet sich gerade in diesem Spätwerk des 1940 Verstorbenen visionär gestaltet. (Die Werke Klees wurden als Leihgabe von der Paul-Klee-Gesellschaft Bern zur Verfügung gestellt.) —fter. Badisches Staatstheater nach Paris eingeladen Dem Badischen Staatstheater wurde durch den bekannten französischen Musiker Dr. Louis Sol- tecz, der am 22. Mai in Karlsruhe eine Aida- Aufführung dirigierte, die Einladung übermittelt, im Juli oder August dieses Jahres im Theatre des Chnmps Elysees zu Paris gastieren. Die Karlsruher Künstler planen in Paris entweder „Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß oder Beethovens „Fidelio“ aufauführen. Generalmusikdirektor Otto Matzerath wird während der zur gleichen Zeit in der französischen Hauptstadt stattfindenden musikalischen Festspielwochen die 5. und 9. Symphonie von Beethoven mit vier deutschen Solisten dirigieren. Akademisches Bürgertum und Leben Immatrikulation der Freiburger Studenten Die zum Sommersemester neuimmatrikulierten Studenten der Universität Freiburg wurden an- fang dieser Woche vom Rektor der Universität, Prof. Dr. Tellenbach, vor dem akademischen Senat, dem französischen Curateur der Universität, M. Lacant, einem Vertreter o.es Badischen Kultusministeriums und Vertretern der Studentenschaft feierlich als akademische Bürger verpflichtet. Prof. Dr. Tellenbach sprach anläßlich dieses symbolischen Aktes zu den jungen Studenten über das Wesen des akademischen Bürgertums und seiner Stellung zum Leben. Da diesem Thema über den Rahmen des internen Festaktes hinaus wohl Interesse zukommen dürfte, geben wir hier die wesentlichen Züge dieser Rede wieder. Student werden bedeutet heutzutage einen harten und gefährlichen Weg wählen. Denn einmal fordert die Verpflichtung der Universität gegenüber der größeren Gemeinschaft von jedem Studierenden ein besonders ernsthaftes und intensives Studium und zum anderen läßt die Gegenwart nur sehr schlechte Aussichten auf die Zukunft zu: die wenigsten werden in akademischen Berufen später Wirkumgsmöglicbkeiten und eine gesicherte Lebensstellung finden. Wer sich BLICK ÜBER DIE GRENZEN Basel. Im Geschäftsbericht des Schweizer Hote- iiervereins wird mit Sorge auf die rückläufigen Fremdenverkehrsziffern hingewiesen, auch die wachsende Konkurrenz der übrigen Fremdenver- kehrsländer mache sich deutlich fühlbar. Der Bericht betont mit Nachdruck: „Nur wenn es gelingt, in Zukunft dem schweizer Gastgewerbe ausreichende Frequenzen bei angemessenen Preisen zu sichern, wird ihm ein Zurücksinken in ausgesprochen krisenhafte Zustände erspart bleiben.“ Basel. Die nach dem Waffenstillstand gegründete Basler Kommission für Deutschlandhiife, die sich das Ziel setzte, den badischen Nachbargemeinden bei ihrem schweren Aufbauwerk beizustehen, hat jetzt beschlossen, ihre Arbeit einzustellen. Sie hat aus allen Bevölkerungskreisen Basels Spenden im Betrage von rund 117 000 Franken entgegenehmen können und davon u. a. die Hälfte für die tägliche Schülerspeisung aller Kinder des Wiesentals sowie 15 000 Franken für den Ankauf von Büchern und Schulmaterial verwendet. St. Gallen, In einem Hause an der Harfenfoerg- straße ereignete sich eine erschütternde Familientragödie. Als ein Hilfsarbeiter, der wenige Stunden vorher noch mit seiner Familie in bestem Einvernehmen das Nachtessen eingenommen hatte und dann in die Stadt gegangen war, gegen 10 Uhr auTÜckkehrte, fand er seine 31- jährige Frau, die unter Schwermutsanfällen gelitten haben soll, sowie seine drei Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren tot in der Küche, j wo die Gashähnen geöffnet waren. Wiederbelebungsversuche blieben .erfolglos. Bern. Im Hinblick auf die Verschlechterung der finanziellen Lage der Schweizer 'Bundesbahnen wird gegenwärtig die Erhöhung der Personen- und Gütertarife erwogen. Bereits im vergangenen Februar war eine zehnprozentige Erhöhung der Fahrpreise in Kraft getreten. Bern. Ein Erlaß des Schweizer Bundesrates sieht die Möglichkeit des Widerrufs der Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Arbeiter vor. Diese Maßnahme wurde für den Fall eines Konjunkturrückgangs und einer Zunahme der Arbeitslosigkeit in der Schweiz getroffen. Die erste Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Arbeiter darf allerdings nicht vor Ablauf von sechs Monaten widerrufen werden. Bei wiederholten Aufenthaltsgenehmigungen kann der Widerruf jedoch zwei Wochen vor dem Ablauf jedes dritten Monats erfolgen. Bern. WUe der Zentralverband Schweizerischer Brief tauibenstationen matteilt, finden am Hi mm ei- fahrtstage in 14 Ländern Eürop-as Massen-Brief- taubenflüge statt. Vom Norden zum Süden Europas soll bei diesem Anlaß der Friedenswunsch durch die Brieftaube symbolisiert werden. In der Schweiz werden die geflügelten Friedensboten vormittags 11 Uhr (deutsche Zeit 12 Uhr) auf dem Bundesplatz in Bern nach allen Himmels- richtungen starten. Bern. Im ersten Quartal ds. Js. bezifferte «ich die Holzeinfuhr in die Schweiz auf rund 94 000 Tonnen gegenüber 143 000 Tonnen im 4. Qua*- tal 1948. Sowohl die Einfuhr als auch die Ausfuhr von Brennholz, Rundholz und Schnittholz war im verflossenen Vierteljahr bedeutend geringer als in den Monaten Oktober bis Dezember 1948. Auch der Import von Papierholz ging zurück. Genf. Auf der diplomatischen Konferenz von Genf debattierte man des längeren über das Schutzzeichen des Roten Kreuzes. Der Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz glaubte betonen au sollen, daß das Rote-Kreuz- Zeichen keinerlei religiöse iBedeu’ung habe; seit undenklichen Zeiten verwende die Menschheit das Zeichen des Kreuzes. Die Delegierten der Türkei und Aegyptens versicherten, daß ihre Länder unerschütterlich mit dem Roten Halbmond verbunden seien, der für sie, was das Kreuz für die Christen, die Nächstenliebe symbolisiere. Der Delegierte Abghanistans meinte, vom historischen Standpunkt aus könne man den christlichen Ursprung und die christliche Bedeutung des Schweizer Kreuzes, von dem sich das Rote Kreuz herleite, nicht in Zweifel ziehen. Der Schweizer Delegierte widersprach jeder Ersetzung des Roten Kreuzes durch ein Phantasiezeichen, mit der Begründung: schon fast ein Jahrhundert lang im Gebrauch, habe das Rote Kreuz eine mystische Bedeutung angenommen und stelle ein moralisches Kapital dar, das nicht verschleudert werden dürfe. Der Antrag des Delegierten Israels, auch das Zeichen des Davidsterns in der Genfer Konvention anzuerkennen, wurde mit 21 gegen 10 Stimmen bei 27 Enthaltungen abgelehnt. Dornbirn. Ein großer Exportauftrag aus Australien beschäftigt jetzt die einzige Uhrenfabrik Oesterreichs, die Firma Plangig & Pflüger in Biudenz, fast ausschließlich. Das Werk liefert zur Zeit monatlich 15 000 Uhren an seinen australischen Kundenkreis und hat damit seinen während des Krieges verlorenen Auslandsmarkt wiedergewonnen. Bei der scharfen internationalen Konkurrenz waren Rationalisierungsmaßnahmen zur Kostensenkung nötig? die 44 Bestandteile der Exportuihr werden heute z. T. mit automatischen Maschinen gefräst, gestanzt und gebohrt. Feldkirch. Vorarlberg ergriff energische Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Maul- und Klauenseuche, die dem Lande, besonders a»us der Gegend von Kempten im Allgäu, droht. Um eine Einschleppung durch die auf die bayerischen Alpen gehenden und im Herbst nach Vorarlberg zurückkehrenden Rinder zu verhindern, werden all diese Sömmerungstiere der Schutzimpfung unterzogen und mit Ohrmarken gekennzeichnet. Bei einem Seuchenausbriuch im Lande selbst oder in den grenznahen Alpen wird eine Ringimpfung um den Seuchenherd durchgeführt. Auch der Auftrieb tuberkulös kranker Tiere auf Alpen und Weiden soll verhindert werden. Südwestdeutsche Umschau Konstanz. Die Gewerkschaft der Angestellten konnten wegen mangelhafter Beteiligung nicht zu der beabsichtigten Abstimmung über einen evtl. Streik schreiten und faßten deshalb eine Entschließung, in der alle Gewerkschaftsmitglieder aufgefordert werden, sich geschlossen hinter die Gewerkschaftsfunktionäre zu stellen. Die Wahl- zettel wurden an die einzelnen Dienststellen verteilt, wo sie von den Angestellten mit ja oder nein versehen werden sollen. Ueberiingen. Die Gendarmerie des Kreises Ueberlingen nahm einen 27jährigen Mann fest, der 1946 aus einem Gefängnis in der Pfalz ausgerissen war und sich seither unter falschem Namen herumgetrieben hatte. Freiburg. Beim Wirtschaftsamt der Stadt Freiburg hat man der Mehrzahl der Angestellten fürsorglich gekündigt. Auch beim Ernährungsamt stehen Kündigungen an etwa ein Drittel des Personals bevor. Man will aber bei den Entlassungen darauf' bedacht sein, soziale Härten nach Möglichkeit zu vermeiden. Baden-Baden. Das hiesige Büro des „Weltbürgerkomitees Deutschland“ teilt mit, daß der Beauftragte Harry Davis’ für Deutschland, Mr. Clappier, zusammen mit dem Beauftragten der französischen Zone, Joachim Mü-lier, in Baden- Baden, Vorbereitungen treffen für eine Vorwahl zu einer föderativen Weltregierung, die anläßlich der deutschen Bundeswahl vortgenommen werden soll. Baden-Baden. In den vom Borkenkäfer befallenen Schwarzwalddistrikten ist ein Lehrfilm gedreht worden, der die Entwicklung und die ungeheueren Schäden des Borkenkäfers sowie die verschiedenen Bekampfungsmethoden und dissex Situation bewußt ist und dennoch sein Studium änifnimmt, wT?d deshalb mH besonderer Achtung auf der Universität begrüßt und als akademischer Bürger aufgenommen. Akademisches Bürgertum bedeutet Liebe zur Wahrheit und Glauben an die Würde der Vernunft besitzen. Es liegt nicht im Wesen des Akademikerstandes, in dünkelhafter Abgeschlossenheit zu leben. Er ist vielmehr mit jedem Menschen verbunden, der unter Anwendung der selbständigen Vernunftkräfte der Sache gerecht wird, die er unter den Händen hat Sein Abscheu aber richtet sich gegen jegliche Unklarheit und Verschwommenheit. Die menschenbildende Kraft der Wissenschaft liegt darin, den Menschen immer wieder auf sich selbst zu weisen und ihn dennoch zu zwingen, mit der Weit Gemeinschaft zu pflegen. Wissenschaft verpflichtet zur Kritik und sucht die Diskussion, wenn diese sich auf einer gleichen Höhe abspielen kann. Ein solcher Weg vermag zum vernünftigen Ausgleich unterschiedlicher Interessen zu führen. ♦ An der Universität Heidelberg wurden zu Beginn des Sommersemesters rund 700 Studenten neu eingeschrieben. Gegenwärtig zählt man an der Universität etwa 4500 Studenten. Ausstellung Hans Münch in Lahr Das Lahrer Haus, das sich „Welt- und Hei- matspiegel" nennt, zeigte bisher in erster Linie Werke Lahrer und badischer Künstler. Nachdem durch eine Matisse-Ausstellung erstmals des Tor zur Welt aufgestoßea wurde, Temen wir nun durch die Sonderausstellung „Aquarelle und Graphik von Hans Münch” einen typisch modernen deutschen Künstler kennen. Farbige Feste sind die Aquarelle dieses Künstlers. Bilder wie „Donau im Regen“ oder „Mohn und Rittersporn im Berggarten” geben auchr-jenen etwas, di« moderner Kunst skeptisch gegenüberstehen. Leichter ist dem Laien der Zugang zu den graphischen Arbeiten. Beseelt, vergeistigt, technisch gemeistert sind die sechs FuiWtegfler-Stodiem Temperamentvoll hingeschrieben die Löwen und Paviane, die Frauen- und Kinderbilder, in denen man den Geist von Barlach von Käthe Koliwitz spürt; von hohem malerischen Reitz die „Zirkus- mädchen mit Raubtier", der „Vorstadtwinter” u. a. Neue SchwarzrwaldbiHer von Mölhokq WitkerUheimer werden im' . Schaufenster,.,/des Lahrer Hauses gezeigt. Die "Munch-Ausstellung bleibt bis 12 .Juni geöffnet. —r. deren Wirkungen veranschaulicht. Dieser Lehrfilm, der den Titel „Europas Fichtenwälder in Gefahr!“ trägt, wird jetzt in Sonderveranstaltungen für Waldinteressenten und Schüler in den Schwarzwa-ldgebieten Südbadens, Südwürttembergs und Hohenzolierns vorgeführt. Später wird er in allen Gebieten Deutschlands mit Nadelwäldern zu sehen sein. Bevor dieser Lehrfilm Im Kurhaus zu Baden-Baden gezeigt worden ist, teilte Oberforstmeister Mahler in einem Einführungsvortrag mit. daß allein in Südbaden während des Jahres 1948, dessen Trockenperiode die Vermehrung des Borkenkäfers außergewöhnlich begünstigt hat, mehr als drei Millionen Festmeter gesunden Nadelholzes dem Fraß des Borkenkäfers zum Opfer gefallen sind. Gaggenau. Seit Kriegsende war ein ^jähriger Soldat aus der Murgtalgemeinde Loffenau als vermißt gemeldet. Jetzt stellte sich heraus, daß der Junge in den letzten Tagen des Krieges in der Gegend bei Bamberg gefallen ist. Er wurde auf einem Getreidefeld von Bauersleuten beerdigt,, die seine Papiere und die Erkennungsmarke auf dem Bürgermeisteramt Markt Bibart ablieferten. Der dortige Bürgermeister legte die Hinterlassenschaften zu den Akten und vergaß sie. Erst i'-nter -seinem Nachfolger kamen die Papiere wieder zium Vorschein. Die Eltern des Gefallenen wurden benachrichtigt, die ihren Sohn nach Hause überführen ließen. Karlsruhe. Die Karlsruher Polizei konnte im Spätjahr zwei Kraftwaigeridiebe festnehmen, als sie zwei in Baden-Baden gestohlene Autos hier abgestellt hatten. Die weiteren Ermittlungen führten auf die Spur einer neunköpfigen Auto- diebesban.de, die bis zum Jahresende nicht weniger als 38 Kraftwagen gestohlen hatte. Rädelsführer ist ein Ingenieur aus d^m Rheinland, der a-llein 22 Personen- und 3 Lastkraftwagen in Bayern, der Pfalz, sowie in Baden-Baden und Karlsruhe entwendet bat. 35 gestohlene Autos konnten den Eigentümern zurückgeigeben werden. fm. Mainz. In Rheinland-Pfalz wurden seit 1945 etwa 17 000 t ©ofnben und Munition vernichtet. In der Stadt Worms wurden 500 Blindgänger gesprengt. Es wird angenommen, daß sich in den schwerbeschädigten Städten des Landes unter den Trümmern noch eine größere Anzahl nkhtexplo dierter Bomben befindet. Mainz. Vom 27. August bis 5. September findet in Mainz in Verbindung mit dem traditionellen Weinmarkt eine deutsche Weinfachaus- Stellung statt. Rothenburg o. d. T. Dem Finanzamt Rothenburg wurde jetzt ein Plan vorgelegt, Verleumdungen, Lügen und Denunziationen künftig zu. versteuern. Für lede Lüge sollen zwei und für jede Verleumdung drei D-Pfennige erhoben werden. Rothenburg, o. d. T. Rothenburg o. d. T. ist nicht zuletzt durch die intensive und wirksame Werbetätigkeit des Rothenburger Verkehrsamtes zur „Hauptstadt” der Kongresse der Bizone geworden. In diesem Sommer worden hier nicht weniger als 30 Industrieverbände ihre Tagungen abbaiten. NördUngen. Durch den Wegzug eines Stadtrates aus Feuchtwargen wurde ein Sitz im Stadtrat freL Es war nicht möglich, dies Mandat einem anderen Parteimitglied zu übergeben, da aHe nominierten Kandidaten die Uebern3hme ablehßten... München. Die weltbekannte Pariser Modefirma Jeanne Lanvin, führte im . Bayerischen Hof io München im Rahmen eines Presse-Tees die erste Pariser Modenschau nach dem Kriege in-Südd*utschland vor. Die-neuen Säisonmodelle «eigen, daß die Haute Couture sich weitgehend vom „New kx>k” abgewandt hat. Man trägt den Rode wieder kürzer,. weit und fächerförmig, die Jacken «|it-'breit ausladenden Krönen, enci in der TaUle und bevorzugt diskrete Farben. Berdsteegaden. Der Landwirt Joh. Mosinger aus Triebenbach fing eine Fledermaus, die am Flügel einen Metallring mit der Inschrift „Museum Paris C 84” trug. Das Tierchen hatte sich aus Krankreich bis in den bayerischen Salzachgau verirrt. Verantwortlich: i. V. Willy Häusler \ Uftaastag, 24. Mai 1949 SÜDKURIER P Nr. 61 / Seite 6 Märdieninsel Cypern Durchgangsstation zum Mittleren Orient / Von Robert Martin Die friedliche und gefällige Atmosphäre, die einst die Insel Zypern zu einem der meistbesuchtesten Ferienorte des Mittel- njeeres gemacht hat, verschwindet mehr und mehr, unaufhaltsam verdrängt von dem ständig zunehmenden Flugbetrieb und den Erfordernissen eines mehr als turbulenten Mittleren Ostens. Immer noch klettern die Sommerfrischler an den Hängen des Troodosgebinges ' hinauf oder tummeln sich an dem sonnigen Strand, doch in Nicosia, der Hauptstadt, und in den Hafenstädten Fuma- gusta und Limassol entdeckt man zahlreiche landfremde Gesichter. Man sieht sie einen Tag lang, und am nächsten Morgen sind sie wieder verschwunden. Zypern ist die Mäarchenineel, wo auf der Höhe von Paphes Aphrodite, die Göttin der Liebe, in der Gischt der Wellen zum Leben erstand, wo Richard Löwen- herz die Prinzessin Berengar von Navarra freite und Othello Desdemona ums Leben brachte. Heute ist Zypern eine Art Wegkreuzung nach dem Mittleren Orient geworden. Da der Verkehr nach Israel über keinen der durch arabisches Gebiet führenden Wege geleitet werden kann, ist Zypern zum offenen Tor für den neuen jüdischen Staat geworden. Man stößt hier auf zweifelhafte Gestalten: Waffen- und Muni- tionshändler und Abenteuer suchende Soldaten, wie sie jeder nahe Kriegsschauplatz immer wieder anlockt. Petroleumspezialisten, Diplomaten und eine Fülle von merkwürdigen Personen mit noch merkwürdigeren Beschäftigungen machen hier halt, bevor sie ihre Reise fortsetzen. In unregelmäßigen Abständen landen Passagierflugzeuge auf dem Gelände von Nicosia. Die Maschinen kommen aus Südafrika, England oder dem europäischen Festland. Ihre Piloten sind nicht gesprächig. Nur ab und zu hört man die Namen Haifa und Amman. Vor einigen Monaten haben die Vereinigten Staaten ein Konsulat in Nicosia eröffnet, doch nicht etwa, weil die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Zypern an Umfang zugenommen hätten, sondern einfach deshalb, weil Zypern ein ausgezeichneter Horchposten ist. Dazu kommt, da die Insel dem von den Russen beeinflußten Osteuropa verhältnismäßig nahe liegt. So sind die USA nun im Begriff, eine mächtige Radiostation auf Zypern zu bauen, mit deren Hilfe es den Spezialisten nicht allzu schwer fallen wird, die kommunistischen Rundfunksendungen genau zu verfolgen. Wenn man die Docks und den Flughafen betrachtet, erkennt man, welche Bedeutung Zypern für den Mittleren Osten gewonnen hat. Die Lager des Flugplatzes sind voll von Paketen für Haifa; darin findet man Blutplasma, Medikamente und Lebensmittel. Israel leidet unverkennbar unter einer gewissen Lebensmittelknapp- heit und ist durch den Krieg auch wirtschaftlich geschwächt. Ferner fehlen ihm noch die so billigen arabischen Arbeitskräfte, so daß verschiedene Gewerbe und Industrien sich nicht voll entfalten können. Palästina exportierte beispielsweise jährlich 12 000 Kisten Zitronen. In diesem Jahr wird sich die Ausfuhr voraussichtlich auf nicht mehr als 5 000 Kisten belaufen, obwohl die Israels annähernd 70 Prozent der Zitronenahbaufläche in ihrem Besitz haben. Dieser Rückgang rührt offenbar vom Mangel an Arbeitskräften und einem gesteigerten Verbrauch der Lebensenergien dieses Landes her. Die Nahrungsmittelknappheit und das fast vollständige Fehlen devisenbringender Ausfuhren sind mit ein Grund, weshalb flie Juden so zögern, dem Problem der Rückkehr von etwa 400000 geflüchteten Arabern zu Leibe zu rücken, da sie nämlich diese Flüchtlinge unterhalten müßten, wo doch ihre eigene Ernährungslage schon Anlaß zur Beunruhigung gibt. Seit 15. Mai des vergangenen Jahres wunden rund 15 000 Tonnen Verbrauchsgüter von Zypern nach Palästina befördert. Der größte Teil dieser Waren war auf der Insel aufgestapelt worden, weil die ausländischen Schiffe sich aus Furcht vor arabischen Bombenangriffen weigerten, einen israelitischen Hafen anzulaufen. Die Schiffeladungen wurden dann durch jüdische Frachter an ihren Bestimmungsort gebracht. So wird Zypern immer mehr zu einer Durchgangsstation für den Verkehr nach Israel! Die Blockade, die die arabischen Staaten verhängten, indem sie jedem Schiff, das Haifa anlief oder anlaufen wollte, verweigerten, in einem arabischen Hafen vor Anker zu gehen, hat bewirkt, daß alle unter neutraler Flagge fahrenden Schiffe ihre für Israel bestimmte Ladung in Zypern absetzten, von wo sie dann durch die Juden ybernommen wurde. Diese Umstände haben auf der Insel eine merkliche Steigerung der Bautätigkeit zur Folge gehabt. In Nicosia entsteht gerade ein luxuriöses Hotel und eine Fülle anderer weniger anspruchsvoller Behausungen wachsen in den Küstenstädten wie Pilze aus dem Boden. Bars und Nachtlokale haben einen Zulauf, wie man ihn auf der Insel bisher noch nicht gekannt hat. Trotz dieses geräuschvollen Lebens, das viele der Inselbewohner mit scheelen Blicken betrachten, weil es ihre ruhige und geordnete Existenz zerstört, hat Zypern seinen Ruf als märchenhafte Insel noch nicht eingebüßt. Eine Gruppe englischer Offiziere der britischen Militärmission in Saudi-Arabien kam im vergangenen Monat nach Zypern, um dort ihren Jahresurlaub zu verbringen. Einer von ihrien verliebte sich schon zwei Tage nach seiner Ankunft Knall und Fall in eine junge Jüdin aus Palästina. Nun diskutiert man in den Bars von Nicosia eifrig über folgendes Problem; Wird sich dieser junge Offizier mit der schönen Jüdin verheiraten, oder wird er nach Saudi-Arabien zurückkehren, um dort Araber in die Geheimnisse der modernen Kriegskunst einzuweihen, damit diese später vielleicht einmal einen Kampf mit den Juden auf- nehmen können? Banater Schwaben ziehen nach Frankreich Frankreich wirbt um Arbeitskräfte. Mit der Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen war in unserem westlichen Nachbarland eon beträchtliches Vakuum an Arbeitskraft, vor allem in der Landwirtschaft und im Bergbau, entstanden. Es ist verständlich, daß sich die französische Regierung nach hochwertigen Menschen umsieht, denen sie eine neue Heimat zu gelben bereit ist. Da gibt es eine ganze deutsche, besser gesagt deutschsprechende Volksgruppe, dce von jeher in dem Ruf stand, besonders lebenstüchtig zu sein: die Banater Schwaben. Die Vorfahren dieser an die 100 000 Menschen, die jetzt als Flüchtlinge in Oesterreich und Bayern leben, stammen aus dem Elsaß, aus lothringer, sowie aus der Rheinpfalz und waren von Maria Theresia im Mündungsgebiet der Theiß und Maros angesiedelt worden. Ihre kolonisatorischen Fähigkeiten wurden nicht nur auf dem Balkan sprichwörtlich. In Ungarn, Rumänien und Jugoslawien haben ! sich die Banater Schwaben als äußerst : tüchtige Landwirte erwiesen. Obwohl sie I nur etwa 5 v. H. der Gesamteinwohner • dieser Länder ausmachten und nur etwa 10 v. H. des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens bewirtschafteten, betrug ihre Erzeugung bis zu 60 v. H. der landwirtschaftlichen Gesamtausfuhr dieser Staaten. Ihr Zusammenhalt war vorbildlich und fand seinen sinnfälligen Ausdruck in ehern landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen, das in Europa kaum seinesgleichen findet. Diese Nachkommen elsässischer, Lothringer und Pfälzer Bauern und Handwerker haben im Jahr 1948 durch das „Banater Komitee“ die Zustimmung der französischen Regierung erwirkt, sich in Frankreich niederlassen zu dürfen. Es wurde vereinbart, daß noch im Jahr 1948 rund 6000 und im Jahr 1949 rund 40 000 Banater Schwaben in Mittelund Südfrankreich Arbeitsstellen übernehmen sollen. Allein in den drei österreichischen Westzonen hatten sich 65 000 Banater Schwaben für die Einwanderung nach Frankreich registrieren lassen. Der begreifliche Wunsch der Banater, nach Möglichkeit im Elsaß und in Lothringen angesiedelt zu werden, wurde allerdings von der Pariser Regierung nicht erfüllt, obwohl sich elsässische Kammerdeputierte sehr nachdrücklich für die Niederlassung einer beträchtlichen Anzahl von Banatem in der Heimat ihrer Väter ausgesprochen hatten. Infolge der häufigen Regierungswechsel in Paris kennte die Umsiedlung nicht programmgemäß in Gang gebracht werden. Nun aber scheint es so weit zu sein. Die ersten 200 Banater Schwaiben, die Ende Februar nach Süd- bzw. Mittelfrankreich kamen, schreiben ihren Landsleuten begeisterte Briefe. Sie fanden gute Arbeitsstellen, auskömmliche Löhne und ausreichenden Wohnraum. Sozialrechtlich sind sie den französischen Arbeitern gleichgestellt. In Straßburg ist bereits eine Durchgangsschleuse eingerichtet, durch die der zu erwartende Strom von Banater Schwaben nach dem Westen wahrscheinlich schon bald stark fließen wird. bb. Die Schiffe fahren meist unter der Flagge Großbritanniens, Monacos, Columbiens oder Panamas. Sohiffspapiere sind stets vorhanden; die Fälschungen kommen aus den Büros von Bianco oder Balzarotti in Mailand. Für die Lieferung der Waren hat man verschiedene Verfahren in Anwendung. Bei Nacht fahren die Schiffe bis ans Land heran; so werden z. B. die Zigaretten geliefert. Dann geschieht es, daß man wie bei Tabak-, Gold- oder Opiumladungen bis an die Hoheitsgewässer heranfährt und die Ladung von kleinen Booten übernehmen läßt. Zuweilen fährt ein solches Schiff auch am hellen Tage in den Hafen ein und täuscht Maschinenschaden vor. Es bleibt zwei oder drei Tage, bis die zahlreichen Komplizen des umliegenden Gebietes alle verständigt sind. So war es der Fall bei der „Dockside”, die in Villafranca geschnappt wurde. Eine Anzahl dieser Schiffe sind durch Funk mit der Küste verbunden. Die Interpol hat bis jetzt den Code noch nicht herausbringen können. Frauen an Bord Es kommt manchmal auch vor, daß das Piratenschiff in Marseille, Sete oder Genua eine Anzahl Frauen mitnimmt, die nach den Bordells der nordafrikanischen Garnisonen" oder im Transitverkehr bis nach Tanger gebracht werden, von wo aus sie dann nach Südamerika weiterverfrachtet werden sollen. Die kürzlich verhafteten Führer der „bände des Francais” könnten uns darüber interessante Einzelheiten zu wissen geben. Dosi, der Leiter der Interpol für Italien, wäre gewiß sehr erfreut, wenn er von der „Radsahah” etwas erfahren könnte, jenem gefährlichen aber schönsten Schiff der Piratentflotte, die nun schon zwei Jahre lang das Mittelmeer unsicher macht. Le Corbusiers Zukunftshaus 1600 Personen will Le Corbusier in des 334 Wohnungen seiner 56 m hohen, 135 nt langen und 25 m breiten Kiste aus Eisenbeton in Marseille unterbringen. Dazu noch Kaufläden, Friseursalons, Wäschereien, Lesehallen, Kinderschulen, Sportklubs und andere gemeinnützige Einrichtungen. Es handelt sich um ein Experiment. Ursprünglich waren die Kosten auf 350 Millionen Franken veranschlagt. Nach den neuesten Berechnungen wird aber mindestens 1 Milliarde aufgebracht werden müssen, wenn man den Bau zu Ende führen will. Schon jetzt kalkulieren die Bauherren, daß die Miete für eine mi „allem Komfort der Neuzeit“ eingerichtete Wohnung in dem Gebäude auf 10 000. bis 12 0000 Franken pro Monat zu stehen kommen wird. Ein Arbeiter mit 20 000 Franken Monatseinkommen kann es sich nicht leisten, sich in dieses Glashaus der Zukunft zu setzen. Werden aber die begüterten Leute große Lust verspürendes zu beziehen? Jede Wohnung hat einen Gemeinschaftsraum — Eßzimmer und Wohnzimmer in einem — von einer Höhe von 4,80 m. Die übrigen Räume — Küche, Schlafzimmer, Baderaum und Abort — liegen in zwei Stockwerken übereinander. Ihre Deckenhöhe beträgt nur zwischen 2 m und 2,25 Meter. Nachdem jetzt die ersten Musterwohnungen zur Ansicht fertiggestellt sind, ziehen sich die meisten Interessenten dankend zurück. Zwei Meter hohe Schlafräume, das schien ihnen in Anbetracht der hohen Miete doch etwas zu „ärmlich“. Auf den Plänen und am Pappmodell sah das Ganze recht hübsch und einladend aus. Jetzt hat man aber,festgestellt, daß die Küchen — aus aestheti- schen Gründen — nicht nach der Straße zu, sondern nach dem mitten durch das Gebäude laufenden 130 m langen Verbindungsgang, der „Innenstraße“, führen. Ohne natürliche Beleuchtung und ohne natürlichen Luftabzug. Elektrizität und Ventilatoren sollen die Natur ersetzen. Und im Falle einer Panne? Da kann die arme Hausfrau in Dampf und Rauch ersticken. Das städtische Bauamt und das städtischen Gesundheitsamt in Marseille weigern sich, den Bau unter diesen Bedingungen für Wohnzwecke freizugeben. In der Presse hat in der Sache schon eine Kampagne eingesetzt Es hat sich heraus, gestellt, daß die Baugenehmigung trotz Einspruchs der zuständigen Behörden auf Anordnung des kommunistischen Wiederaufbauministers Billoux seinerzeit erteilt wurde. Die Einweihung sollte zu einem großen Parteifest werden. Die Probleme der Türkei Die „Basler Nachrichten” schreiben: „Die | amerikanische Hilfe an die Türkei erfolgt grundsätzlich unter anderen Vorzeichen als jene an Griechenland. Die Türkei ist nicht ein vom Bürgerkrieg überzogenes Land, sondern ein fester Fels Inmitten des aufgewühlten Meeres, der in das Gebiet hineinragt, welches die Erdölquellen von Baku und jene von Mossul voneinander trennt Die Unterstützung der Türkei bedeutet daher für die USA eine sichere Investition, von welcher sie in ihrem Kampf gegen Kommunismus und russischen Imperialismus auf längere Sicht einen positiven Beitrag erwarten dürfen. In diesem Sinne würde der Abschluß eines Mittelmeerpaktes, in welchem der östliche Eckpfeiler kein anderer Staat als die Türkei sein könnte, für die Vereinigten Staaten gewissermaßen die Krönung ihrer bisherigen Investitionen ä fonds perdu bedeuten. Die Schwierigkeiten, die einem solchen Verteidigungswerk entgegenstehen, sind jedoch außerordentlich groß, — vor allem wegen der Uneinigkeit unter den arabischen Staaten und des zu erwartenden Abseitsstehens Israels —, so daß noch einige Zeit verstreichen dürfte, bis die Paktpläne konkretere Formen annehmen werden.” Piratenflotte im Mittelmeer 60 Schiffe durchfurchen die Weltmeere, um die Stellen des Planeten, an denen der Krieg tobt, mit Waffen zu versorgen. Meistens fahren sie unter süd- oder mittelamerikanischer Flagge. ,Fritz Mandl. Basil Zaharoff und Juan Marsh haben würdige Nachfolger gefunden ... Fredkins und seine Frau kaufen Waffen für die arabischen Staaten, Irael und die griechischen Partisanen. William Person versorgt China, Indonesien, Afghanistan und Indien. Andere wiederum beliefern Spanien, die lateinamerikanischen Staaten und einzelne Widerstandsgruppen in Europa. Das Mittelmeer ist der Kreuzungspunkt für den Welthandel mit Waffen, Rauschgiften, Gold, Frauen, Nylonstrümpfen und Zigaretten. Eine Piratenflotte, doch nicht jene oben erwähnten 60 Schiffe, sucht seit nahezu zwei Jahren das Mittelmeer heim. Zwei Drittel dieser hundert Piratenschiffe bestehen aus ehemaligen U-Boot- jägern, die man umgebaut und umgetauft hat, 60 daß sie jetzt für den Personenoder Warentransport geeignet sind. Das letzte Drittel der Flotte besteht aus harmlos aussehenden Jachten und Fischerbooten. Waffen, Gold, Lucky’s und Uran Das Ende des Palästinakrieges hat den Waffenschmuggel nicht zum Stillstand gebracht. Immer noch verlassen Kisten mit Kartuschen, Granaten, Maschinengewehren Marseille, Bari, Brindisi oder Genua. Die in England oder Amerika „schwarz” gekauften Flugzeuge; Spitfires, Skyma- sters und sogar Raketenbomber überqueren das Mittelmeer in Einzelteilen. Wenn sie nicht auf dem Balkan oder im Mittleren Osten hängen bleiben, passieren sie den Kanal von Suez in Richtung Burma, Pakistan, Indonesien oder China. Von Sete oder Port de Bouc an der französischen Küste aus schaffen die Fischer- Von Roselyne May boote die In Toulouse aufgestapelten Waffen und Munition aus Polen, der Tschechoslowakei oder gar aus den alliierten Lagern in Deutschland bis hinüber nach Barcelona. Dieselben Schiffe fahren auch Gold. Die Verteilungszentren des gelben Metalls befinden sich an den beiden entgegengesetzten Enden des Mittelmeeres, in'Beirut und Tanger. Tanger bezieht sein Gold aus Belgisch- Kongo, England und Amerika. Mit seinen Piratenschiffen versorgt es Nord-Afrika, Spanien und Italien. Beirut beliefert den Mittleren Orient, Aegypten und den Balkan. Sein Gold kommt aus Kanada, Südafrika, Mexiko und England. Die Goldunee, die in den USA den offiziellen Wert von 35 Dollar hat, gilt in Tanger und Beirut 55 und in Athen 75 Dollar. Also im Durchschnitt ein Gewinn von 40 Prozent. Dann sind es auch Kisten mit Nylonstrümpfen oder amerikanischen Zigaretten, um die sich die Piraten bemühen. Ein ehemaliger U-Boot jäger befördert ca. 300 000 Schachteln Lucky Strike pro Fahrt. Für eine Ladung nach Frankreich verdienen sie dabei 6 000 000 Francs, also über eine Million D-Mark. Fs ist sogar schon vorgekommen, daß die Piraten Uran aus Belgisch-Kongo nach der Türkei, Spanien und Jugoslawien verfrachteten. Die Technik des Unternehmens . Etwa zehn internationale Schmuggler sind die unbekannten Chefs dieser Flotte. Die „Generalstäbe” befinden sich irgendwo in Tanger, Genua oder Beirut. Werber heuern die Mannschaften in den Hafenstädten Südeuropas; ein Kapitän, ein Koch und 6 bis 8 Mann pro Schiff. Der Kaoitän erhält 125 000 Francs (rund 2 500 D-Mark) im Monat zuzüglich 5 Prozent vom Reingewinn für die Ladung. Geschäfts-Empfehlung Der verehrten Einwohnerschaft von Görwihl und Hotzenwald gebe ich zur Kenntnis, daß ab 20. Mai 1949 meine Werkstatt neu eröffnet fst. Durch einen erfahrenen Sattler und Polstermeister bin ich jederzeit in der Lage, Sie in allen vorkommenden Arbeiten aufs beste zu bedienen und zu beraten. Wilhelm Seiler Wwe., Telefon 08 Sattler-, Tapezier- y. Pohtergeuhiit. Korb-, Koffer- und Lederwaren Görwihl (Kreis Säckingen) Preise stark zurückgesetzt! solange Vorrat reichti bish. jetzt Karotten in Streiten geschnitten Junge Kohlrabi in Scheiben Rote-Beete-Salat Junger Spinat, dick eingekocht Erbsen mit Karotten Gemüse-Erbsen Apfelmark Sellerie ln Stücken Meerrettichsalat m. holl. Bote Beete V,-Doee M* US Vj-Doee Vi-Dose 1. Vi-Dose Vt-Dose Vi-Doee Vi-Doee l! Vi-Dose II Dazu noch Sptpmirkenl Qaissmäier jj &ässtgf Stellen-Angebote Vertretungen Kraftfahrzeuge Schreiner, jüngerer, für Bau und Möbel kann sofort eintreten. Kost und Wohnung im Hause. Ofter- dinger, Schreinermeister. Riedern a/S. Arbeiter, landwirtschaftlicher oder Pferdeknecht gesucht. Reimnitz, Flachshof Jestetten (Bez. Waldshut). Schneiderin, tücht., 14-tägl. für 1— 2 Tage aufs Land gesucht. Zuschr. u. 84606 Südkurier Tiengen. Hausgehilfin, ehrlich und fleißig, die selbständig kochen kann, in Geschäftshaushalt gesucht, rhoto- haus Handel, Waldshut, Kaiser- Straße 46. Frau oder Mädchen aufs Land gesucht zur Besorgung des Haushaltes (Schweizergrenze). Guter Lohn u. Familienanschluß. Zuschr. unt. 29359 Südkurier Waldshut. Mädchen, ehrliches, tüchtiges, in Geschäftshaushalt zu 3 Kinderft sofort gesucht. Gute Behandlung ist zugesichert, Lohn nach Ueber- einkunft. Zuschr. u. 34 221 Süd- kurier Säckingen. _Stcffen-Gesucho_ Rundfunkmechanikermeister, 36 J., led.» Elektro- u. Femmeidetech- niker, Führerscheine I, II, III, Steno, in ungekündigter Stellung, gute Erscheinung u. Garderobe, sicheres Auftreten, verhandlungsgewandt, verantwortungsbewußt u. arbeitsfreudig, sucht neuen, ausbaufähig. Wirkungskreis gleich welcher Art. Kaution vorhanden, evtl. Einheirat bei Zuneigung nicht ausgeschlossen. Ausf. Zuschr. u. 90732 Südkurier Konstanz. ( BEILADUNG N im feschlMSfiei Aite-Mibttwagei nach und von Karlsruhe und Freiburg Eeäe Mai / Aafang Jaul übernimmt Spedition Grüner Konstanz Bldlntnti 72 Telefon 4t J Bezirksvertreter, gewandter, zur Inseratenwerbung im Kreis Offenburg für Exportzeitschrift ges. Generalvertretung Müller, Furt- wangen, Schulstraße. Bezirksvertretungen für gut ein- gefühtte Artikel des täglichen Bedarfs — Papierbranche — iR Baden und Württemberg zu vergeben. Nur bestempfohlene Herren, die die einschlägige Kundschaft, Apotheken, Drogerien, Schreib- u. Weißwarengeschäfte, bereits laufend besuchen, werden berücksichtigt. Zuschr. u. 11335 Südkurier Konstanz. Verkäufe Tafelklavier, erstkl., Marke Pfeifer, fast neu preiswert abzugeben. Eilzuschr. u. 78106 Südkurier Säckingen. Kinderkorbwagen, guterh., zu verkaufen. Zuschr. u. 78 286 Südkurier Waldshut. Doppelschlafzimmer, schönes, Stehpult, großer Aktenschrank, 2 Sekretäre, alles gut erhalten, zu verkaufen. Zu besichtigen Mittwoch- und Donnerstagmittag. Waldshut, Bahnhofstr. 9, 2. St. Gummiwagen, 120 Ztr. Tragkr., in gutem Zustand, für Bulldog und Pferdegespann, zu verkaufen. Evtl. Tausch gegen Vord ?rwalder- Zugochse oder Pferd. Zuschr. u. 86 124 Südkurier Konstanz. „Rolli“-Handwagen, fabrikneu, ca. 2 Ztr. Tragkr., gelb gebeizt, umständehalber billig zu verkaufen. A. Wießmer, Beugen, Nollinger- straße 5. Reiseschreibmaschine, „Rheinmetall", neuwertig, zu verkaufen. Zuschr. u. 76 102 Südk. Säckingen. Etsmarditnen II 1 Inhalt, Hand- od. elektr. Betrieb, 250 DM, ab Stuttgart sof. lieferbar. Knrt F. Weyhing, techn. Verkaufsbüro Stuttgart- Obertürkheim u. Filiale lieber- j lingen/Bodeniee. Motorrad, 500 ccm, in gutem Zustand mit Wehrmachtsseitenwagen. gut bereift, zu verkaufen. Anzusehen bei Fritz Stoll, Kraftfahrzeuge Dogem. Kleinkraftrad, 98 ccm, Bauj. 37, zu verkaufen oder gegen schwereres bis 350 ccm zu tauschen. Adolf Morath, Mauchen bei Stühlingen. Motorrad-Seitenwagen,’ mit oder ohne Bereifung, auch etwas rep.- bedürftig, gesucht. A. Wießmer, Beugen, Nollinger Straße 5. PKW, Adler, 2 Ltr., Baujahr 1940, in einwandfreiem Zustand, fahrbereit und zugelassen, zu verk., evtl, zu tauschen gegen Kleinwagen. Zuschr. u. 34 231 Südkurier Säckingen. PKW-Anhänger zu verkaufen. Telefon Murg 267. Moidilnen/Werkieugo Kreissäge mit Blatt, fabrikneu, Eisengestell; Handharmonika „Hohner“, Verdi IIB, neuw., m. Koffer, sowie div. Noten; 1 Paar Marschstiefel, Gr. 44, guterh., Burschenanzug für 17—ISjähr., Stell., sehr guterh. verk. Zuschr. u. 84 099 Südkurier Meßkirch. _Geschäftliches_ Elektro-Motoren wickelt und repariert bei Verwendung von nur gutem Material Helmut Völkle, Murg/Rhein, Telefon 316. Einmaliges Angebot. Biete Rasierklingen, beste Solinger Qualität, das Stüdt nur S Dpi, bei Abnahme von 1 006 Stüde nur 4 Dpi. Zuschr. u. 78 2*9 Südk. Waldshut. Gesucht für sofort ein llädehen für Küche und Haushalt mit Kochkenntntssen, sowie ein Mädchen für Zimmer und Service in klein. Pensions- u. Gasthausbetrieb. Frau A. Kern, SchÖnenberg/ Schönau (Schwarzw.) Gasthaus Pens. Sternen Lichtpausen -Photokopien Groß- und Kleinaufträge erstklassig, schnell, billig Karl Faufz Elektr. Lichtpausanstalt (17b) SXCKINGEN/RH. Steinbrückstraße 2 DEUTSCHES THEATER Ksnstan r. 1 eliimo Helnr Hll,er Viv 5 ' Stella Mi. 25.5. St. V Stella Do. 26.5. anft. Ab. Barbara Blaadierg Fr. 27. 5. aul. Ah. Barbara Bleut berg 1 SÜDKURIER-Kleinanzeigen werden von Hunderttausenden von Menschen in ganz Südwestdeutschland mit Interesse gelesen. Sa. 28. 5. St. VI Stella So. 29.5, H Uhr. 15 Uhr aut. Ah. 20 Uhr adl. Ali Morgenfeier COfcTlc in JlciMke FmAs‘ Marken Meaberg Drei Naaa aaf Hra Pferd Gesucht fleißige, ehrliche freundliche Tochter für Küche und Haushalt ln Restaurant eines Schweiz. Grenzortes. Kenntnisse im Kochen erforderlich; im Servieren erwünscht. Näheres durch Familie E. Meier, Dentist, Hohen- tengen über Waldshut. Telefon Grleßen 017. Mo, 23 .5. | Stella ßeg. jew.JOUhr. Telef- Kartenbeit. 1085 Sich rühren heißt Inserieren! Stenotypistin und junge Hilfskraft für Registratur und Botengänge sofort gesucht. Firma Albart Stoll K. G. Waldshut Das d&uek das UJodta füx dia 7tau: Kades, H.i San Salvator« Haar, G.: Di« Königin und d«r Landamann • Harsanyi, v. Z.: Mit den Augen einer Frau Leihbücherei imd Antiquariat H. Langenberger, Stefansplatz 14 Neuetngänae in großer Auswahl