FD VWSUeStRHK ÜDKURIER 5 JAHRGANG Erscheint Dienstag, Donnerstag, Samstag. Adresse: Konstanz, Marktstätte 4 Telefon-Anschlüsse: Redaktion und Verlag Nr. 924, 925, 1130, 1510, 1511 UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR DAS LAND KONSTANZ SAMSTAG/SONNTAG, 28./29. MAI 1949 ■BADEN NUMMER 66 Bezug monatlich durch die Post DM 2.03 dazu 27 Dpt Postzustellgebühr, durch Träger DM 2.10 einschließlich 25 Dpt. fragerlohn. - Einzelpreis 20 Dpf Kurz notiert Ein Transport mit 1225 ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion ist im Heimkehrerlager Gronenfeide eingetroffen. In Westberlin wurden in der Zeit vom 1. Januar bis Ende April 1949 rund 10 900 Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone registriert. Die französische Militärregierung hat das vom sfidwürttembergischen Landtag verabschiedete .Leistungsgesetz für Körperbeschädigte gebilligt. Das britische Oberhaus nahm das Gesetz über die Verstaa'lichung der englischen Stahlindustrie ohne Abstimmung an. Der vor kurzem auf Ersuchen der USA in einem englischen Hafen verhaftete deutsche Kommunist Gerhard Eisler ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Großbritannien hat den amerikanischen Auslieferungsantrag abgeiehnt. Der ehemalige Kommandant des KZ- Lager s Hammers'ein bei Schneidemühl, Eberhard Furbach, wurde vom Schwurgericht Flensburg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Kriegsverbrechergericht in Rastatt hat die ehemalige Wä-bterin des KZ-Lagers Ravensbrück, Klara Pförtsch wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der frühere Generalfeldmars hall von Rund- stedt wurde von der britischen Militärregierung endgültig aus der Hat* entlassen. Das Pariser Militärgcrieht hat den ehemaligen Feldkommandanten von Mclun, von Kaminski, der wrgen der Exekution von 13 Geiseln angeklag* worden .»ar freigesnro- cben, da die Auflage lediglich auf der Aussage eines zweifelhaften Zeugen beruhe. Mit 284 gegen IR Stimmen beschieß der Kongreß des norwegischen Gewerkschaftshundes. aus dem Weltgewerkschaftsbund auszutreten. Der ehemalige japanische Kommandeur des südlichen Philinpinen-Abschnittes wurde wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteil*. In Wien kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen sozialistischen und katholischen Studenten. Der „König von Ostpreußen" Hambu i«g. Wie die Hamburger Polizei mitteilt, konnte der ehemalige Gauleiter von Ostpreußen, Erich Koch, am Freitag von Organen der Militärregierung in Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei festgenommen werden. Zur Verhaftung Kochs wird bekannt, daß er sich bis zu, seiner Festnahme als Landarbeiter in Ha-senmoor in der Nähe von Hamburg aufgehalten hat. Der ehemalige Gauleiter hatte sich 1945 mit gefälschten Militärpapieren als Major a. D. entlassen lassen. Nach seiner Festnahme bat Koch darum, nicht an die Russen ausgeliefert zu werden, da er Reichskommissar in der Ukraine gewesen sei. Koch, der durch sein herrisches und selbstgefälliges Auftreten sogar unter der Naziprominenz besonders hervorstach, wurde vom Volksmund allgemein als der „König von Ostpreußen" bezeichnet. Berliner Streik im Abklingen? Sowjets benutzten Westberliner Eisenbahnerstreik zur Stillegung der Streike Helmstedt—Berlin Berlin. (A. G.-Eigenbericht). Der Eisenbahnerstreik hat für Berlin ein neues Kennzeichen bekommen. Er wird von den sowjetischen Behörden zum Ausgangspunkt einer neuen Teilbloddade Berlins genommen. Die Hauptlast des Transportwesens zwischen Berlin und dem Westen liegt naturgemäß auf dem Eisenbahnverkehr, wenn auch die igroße Rolle der Lastwagentransporte über die Autobahn nicht zu verkennen ist. Jetzt ist dieser Güter-Eisenbahn- verkehr zum völligen Stillstand gekommen. Die Strecke Helmstedt — Berlin ist seit dem Ausbruch des Eisenbahner Streiks in Westberlin verstopft mit Zügen, die nicht durdiikommen. Das müßte keine unmittelbare Folge des Streiks sein, denn die Strei- | kenden haben sich bereit erklärt, Personal für diese Notstandsarbeit bereitzustellen. Aber damit würde die ganze Last der Verkehrsschädigung auf die Russen und auf die Ostzone fallen, während Westberlin nur die Unbequemlichkeit des mangelnden Personerababiwenkehrs innerhalb der Sftadt- grenzen zu spüren bekäme. Ohnehin scheinen die Belastungen, die sich für die Sowjets ergeben, sehr groß zu sein. Ihre Reparationsgüter aus der Ostzone mußten bei den bestehenden Streckenverhältnissen zu einem großen Teil über Berlin geleitet werden und glaubhafte Angaben besagen, daß seit Streikausbruch nur noch 30°/o der sonstigen Reparationstransporte befördert werden können. So haben die Russen versucht, den Streik dadurch’ zu bekämpfen, daß sie jedes Verhandeln über Notstandsarbeiten der Streikenden ablehnen, j*a darüber hinaus technische Gründe für den Ausfall .des Güterfernverkehrs anjg'aben Man darf nicht vergessen, daß die Blockade Berlins mit der sowjetischen Ankündigung angeblicher Gleisschäden auf der Strecke Helmstedt—Berlin begannen. Aehmlicb wird jetzt erklärt, das Umschlagszentrum Magdeburg sei nicht .mehr in der Lage, Lokomotiven nach Helmstedt zu schicken und die Stellwerksarbeiter in der Ostzone weigerten sich, für den Zugverkehr nach Beriin zu arbeiten. Der Berliner Streik wird damit wie alle Ereignisse auf diesem Boden in verstärktem Umfange zu einem Problem der internationalen Politik. Die Bilder der durch Steinwürfe verletzten deutschen Ost-Polizisten, die zeitweilig nach Westberlin eingedrungen wiaren, veröffentlichte die kommunistische Presse mit der großen Schlagzeile: „Die Blutopfer der Howley-Provokationen", womit offenbar dem USA-Stadtkommandanten Berlins die Schuld an diesen Ereignissen zugeschoben wird. Die Stadtkommandanten der Westalliierten stehen vor dem schwierigen ProDer Papst verkündet das Heilige Jahr Für Frieden und soziale Gerechtigkeit — Aufruf an die Gläubigen der ganzen Welt Vatikanstadt. Die päpstliche Bulle, die das Heilige Jahr proklamiert und die am Donmerstagmorgen in St. Peter verlesen wurde, beginnt mit folgenden Worten: „Das große Jubiläum, das wir im nächsten Jahre in dieser alten Stadt Rom feiern werden, ruft alle Christen nicht nur zur Buße, sondern auch zu Tugend und heiligem Lebenswandel auf.“ Der Papst weist in seiner Bulle darauf hin, daß die großen materiellen und moralischen Probleme, die die Gesellschaft beunruhigen, nur mit dem Beistand der göttlichen Gnade gelöst werden können. Er macht es daher allen Gläubigen zur Pflicht, ihren Beitrag zum Heiligen Jahr, das er verkündet habe, zu leisten und zeigt ihnen den Weg, wie sie die Gnaden des Jubeljahres verdienen können. D?s Heilige Jahr soll nach den Worten der päpstlichen Bulle durch Gebet und Buße zur Umkehr und Erlangung ChrisJicher Tugenden führen und ein glückhafter Wegbereiter für eine allgemeine Rückkehr zu Jesus Christus sein. Außerdem sollen die Gläubigen Gott um die Aufrechterhaltung der Gefolgschaftstreue zum Erlöser und seiner Kirche und um die Wahrung der Rechte der Kirche und ihren Schutz vor Verfolgung bitten. Sie sollen darum beten, daß alle, die noch nicht von dem Licht der katholischen Wahrheit erleuchtet wurden und in Haß und Gottesverleugnung auf dunklen Wegen irren, zum Evangelium geführt werden, daß überall, vor allem aber im Heiligen Land, wieder Ruhe und Friede einkehrt, daß sich alle Klassen der Gesellschaft in brüderlicher Gerechtigkeit und Eintracht finden und daß die Bedürftigen aus dem Ertrag ihrer Arbeit ehrenhaft leben und von den vom Schicksal Begünstigten die nötige Hilfe erhalten. Weiter macht der Heilige Vater den Gläubigen zur Pflicht, Gott aus Anlaß des Heiligen Jahres zu bitten, der Friede möge endlich in allen Menschenherzen, in allen Heimstätten, bei allen Nationen und in der gesamten Gemeinschaft der Völker wieder Einkehr halten. Die göttliche Gnade möge den Menschen, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, Kraft verleihen, in der Erinnerung daran, daß die Ursprünge der Kirche selbst durch das Blut ihrer Märtyrer geweiht sind. Die Menschen, die als Flüchtlinge und als Gefangene ihren Familien entrissen wurden, mögen bald in ihre Heimat zurückkehren. Papst Pius XII. brachte ferner in der päpstlichen Bulle den Wunsch zum Ausdruck, die christlichen Tugenden sollten sich vor allen Dingen bei der Jugend wieder verstärken. Er forderte die Gläubigen der Welt auf. in großen Scharen die Fahrt nach Rom anzutreten, das für sie ein zweites Vaterland sei, weil hier der geweihte Platz ist, wo der Apostelfürst nach seinem Märtyrertod die ewige Ruhestätte fand, wo sich die sterblichen Ueberreste der Märtyrer des Glaubens, die ehrwürdigen Kirchen und die Monumente des Glaubens und der Frömmigkeit der Vorväter befinden und wo der Heilige Vater mit offenen Armen die Pilger des Heiligen Jahres erwartet. blem, ob sie in den Streik eing reifem sollen, womit diese Frage noch stärkeren internationalen Charakter bekommt. Man zweifelt hier nicht daran, daß die Versteifung der sowjetischen Haltung gegenüber den ihren Westmark-Lohn verlangenden Eisenüahnarbeitern euch im Zusammenhang mit den Pariser Ereignissen steht. Inzwischen zeigen einzelne Zwischenfälle immer von neuem, wie sehr die Russen selbst unter den Streiksdiwierigkedten leiden Es werden Versuche gemacht, mit ostzonalen Personal unter russischer Bewachung Kohlenzüge abzufahren, die in den Westsektoren stehen. Aber eine andere Erscheinung macht sich’ gerade bei solchen Anlässen immer peinlicher für die Sowjets bemerkbar: die starke Anstedcungsfähitgr keit der herangeführten ostzonalen Arbeiter und Polizisten, von denen viele zum erstenmal die verlockenden Einflüsse der freien Berliner Presse und des freien Geschäftsbetriebes mit eigenen Augen sehen, vielfach mit der Wirkung, daß sie sich den Streikenden anschließen oder unter Verzicht auf ihre ostzonale Beamtenposition in Berlin zu bleiben suchen Sowjets geben nach B e r 1 n. Der Generaldirektor der ost- sonalen Eisenbahn, Kreikmeyer, ließ am Freitagabend durch einen Sprecher des Berliner Rundfunks erklären, daß ab ersten Juni 1949 alle Dienstleistungen der Eisenbahner in den Westsektoren Berlins in Westgeld bezahlt werden müssen. Alle Eisenbahner der Berliner Westsektoren sollen mit Wirkung vom gleichen Datum 60 v. H. ihres Nettogehaltes in Westmark im Verhältnis zu eins umgetauscht bekommen. Diese .Regelung wird als vorübergehende Maßnahme bis zur endgültigen Klärung der Berliner Währungsfrage betrachtet. Politisches Uebereinkommea in Paris zweifelhaft Deutsche wirtschaftliche Fragen im Vordergrund der Viererbesprechungen Paris. Auf der zweiten Sitzung der Pariser Viererkonferenz wurden, wie bereits gemeldet, Vorschläge Wyschinskis auf Wiederherstellung des Kontrollrats und der Schaffung eines gesamtdeutschen Rates aus Vertretern der ost- und westdeutschen Wirtschaftsorganismen von den drei westlichen Ministern abgeiehnt. In einer dreieinhalbstündigen Mittwochsitzung beschränkten sich die Minister im wesentlichen darauf, ihre Ansichten über die grundsätzliche Frage der deutschen Einheit darzulegen und Kritik an der gegenseitigen Auffassung zu üben, soctaß kein wesentlicher Fortschritt erzielt werden konnte. Acheson nannte als Bedingungen für die von Wyschinski geforderte Wirtschaftseinheit die Einstellung aller Reparationszahlungen in der Sowjetzone und ein Uebereinkommen über , die sowjetischen Vermögenswerte in der Ostzone. Bevin wies darauf hin. daß ganz klar zwischen den Begriffen der „alliierten Einheit" und der „deutschen Einheit", die nur von den Deutschen selbst errichtet werden könne, unterschieden werden müsse. Er stellte dann die Frage, ob Wyschinski bereit sei, sich den letzten Washingtoner Beschlüssen der Westmächte anzuschließen. Schiuman betonte, daß die politische Einheit Deutschlands allein durch eine Anjgleidmng der politischen Institutionen aller vier Zonen erreicht werden könne und fragte Wy- schinski, ob er einer solchen Reform zustimmen würde. Die vierte Sitzung am Donnerstag wurde durch einen außerordentlich heftigen Angriff Wyschinskis gegen den von Bevin am Mittwoch gemachten Vorschlag gekennzeichnet, wonach sich Rußland den in Washington erzielten Uebereidkommeo über Deutschland anschließen möge. Der russische Außenminister hat die Möglichkeit einer solchen Beteiligung entschieden abgelehnt. Wyschinski widmete seine Ausführungen hauptsächlich denjenigen Teilen der Abkommen von Washington, die sich auf die Handhabung der Abstimmungen richten. Er bestand auf der Notwendigkeit einer Anerkennung des Grundsatzes der Einstimmigkeit und lehnte Mehrheitsbeschlüsse ab. Da Mehrheitsbeschlüsse gleichbedeutend damit seien, die Amerikaner als die Herren Deutschlands anzusehen, so sei es für Rußland unmöglich, einem solchen System beizutreten. Als im Verlauf der mitunter sehr lebhaften Auseinandersetzungen der sowjetische Außenminister sich lobend über den Lebensstandard in der Ostzone Deutschlands äußerte, gab Bevin zur Antwort, Wyschinski möge diese lobenden lm gefallenen Schanghai Wieder normales Leben — Kommunisten respektieren ausländisches Eigentum Schanghai. Nach schweren Kämpfen haben die nationalchinesischen Verteidigungstruppen Schanghai kampflos aufgegeben und den Rüdezug angetreten. Bei ihrem Einmarsch in die Stadt versuchten die kommunistischen Führer, Beschädigungen an ausländischen Besitzungen möglichst zu vermeiden. Diese von Die nachstoßenden Einheiten des kommu- ! Kommunisten ungewohnte Respektierung nistischen Oberbefehlshabers Mao Tse Tung setzten sofort nach der Einnahme der Stadt zur Offensive gegen die Brük- ken über den Meeresarm von Sutschau an und versuchen, den nationalchinesischen Kampfformationen den letzten Rückzugsweg abzuschneiden. Die Besetzung Schanghais durch die Kommunisten vollzog sich ruhig. Bei Säuberungsaktionen der kommunistischen Truppen im Stadtinnern leisteten einzelne nationalchinesische Kampfnester noch schwachen Widerstand. Schon wenige Stunden nach dem kommunistischen Einmarsch war die Ordnung soweit wieder hergestellt, daß die Geschäfte geöffnet und die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Betrieb wieder aufnehmen konnten. fremden Besitzes ist ein Beweis dafür, daß Mao Tse Tung bemüht ist, das Ausland im Hinblick auf eine eventuelle spätere Zusammenarbeit nicht zu verstimmen. Nach dem Fall Schanghais wird es immer deutlicher, daß der Zeitpunkt für Verhandlungen der westlichen Großmächte mit den chinesischen Kommunisten näherrückt. Diese Annahme wird besonders durch eine Note des US-Außen- ministeriums an die französische Regierung bestärkt, In der eine Konferenz mit einer Anzahl von Atlantik-Pakt- und Pazifik-Staaten vorgeschlagen wird, um über die gemeinsame Haltung gegenüber einer zukünftigen kommunistischen Regierung Chinas zu verhandeln. Feststellungen an die zahlreichen Deutschen richten, die aus der Sowjetzone flüchten, um in den westlichen Zonen ein Unterkommen suchen. Nach dem Ende der Sitzung herrschte der Eindruck vor, es könne von einem allgemeinen Uebereinkommen über das deutsche Problem in seiner Gesamtheit nicht mehr die Rede sein und man werde höchstens versuchen, so gut als möglich eine Uebergangslösumg herbeizuführen, die sich hauptsächlich auf wirtschaftlichem Gebiet bewegen soll. Beratungsaussdiuß für Deutsdilandfragen Bonn. (P.L.-Eigenbericht.) Nach tagelangen, ergebnislosen Debatten zwischen Mitgliedern des Parlamentarischen Rates und der Godesberger Ministerpräsidentenkonferenz um die parteipolitische Zusammensetzung des Konsultativrates wurde der FDP der Beitritt zum Konsultativrat zugebiiligt und der Rat von acht auf elf Mitglieder erweitert. Damit ist dieses für eventuelle Rückfragen der Pariser Außenministerkonferenz geschaffene deutsche Organ von der ursprünglich vorgesehenen Stärke von sechs Mitgliedern durch Ansprüche der FDP verdoppelt worden Vom Parlamentarischen Rat gehören nun für die SPD Prof. Carlo Schmid. Erich Ollen- hauer und Prof. Reuter, für die CDU-CSU Dr. Adenauer, Dr. Pfeiffer und Jakob Kaiser sowie für die FDP Prof Theodor Heuß dem Konsultativrat an, während die Ministerpräsidentenkonferenz die Ministerpräsidenten Arnold (CDU). Altmeier (CDU), Kopf (SPD) und den Hamburger Oberbürgermeister Brauer (SPD) namhaft machte. Soforthilfe Gesetz vom Wirtscbaftsrat verabschiedet Frankfurt. (J. Fr.-Eigenbericht) Unten den 33 Tagesordnungspunkten, durch die sich der Wirtschaftsrat in dreitägiger Sitzung durcharbeiten mußile, kann das Soforthilfe-Gesetz den vordersten Rang beanspruchen. Bei dieser Vorlage, die als „Gesetz zur Milderung dringender sozialer „Notstände” bezeichnet ist, handelt es sich um nichts anderes, als um das umbenannte Lastenausgleichsgesetz, das bereits im Dezember das Frankfurter Plenum passiert hatte, dann aber von der Militäregierung bis zum 20. April aufs Eis gelegt wurde. Die alliierten Dienststellen nahmen Anstoß an der Bezeichnung „Lastenausgleich”, die sie als einen Vorgriff auf die kommende Bundeskompetenz ansahen. Sie anerkannten freilich die Notwendigkeit einer solchen gesetzlichen Regelung zur Milderung dringender sozialer Notstände und erklärten sich schließlich mit der Aenderung des ,Lastenausgleichs‘ in „Soforthilfe” einverstanden. Dieses also jetzt beschlossene Soforthilfegesetz enthält auf steuerlichem Gebiet und sachlich keine große Abweichungen von der ursprünglichen Lastenaus- gleichsfasung. Im neuen Text ist entsprechend dem alliierten Wunsche nicht mehr von Vorauszahlungen die Rede, sondern von einer Soforthilfeabgabe, was natürlich auf dasselbe hinausläuft. Der Wirtschaftsrat hat sich auch dem Wunsche gefügt, im Gesetzestext keine Beziehung auf eine. spätere Lastenausgleichsregelung zu nehmen, aber er hat in einer Resolution festgestellt, daß trotzdem dieses Ziel für ihn bindend bleibt. In der strittig gewesenen Frage der Befreiung von Ausländern stellt das Gesetz klar fest, daß diese mit Stichtag 8. 5. 1945 nur das Vermögen von UNO-Ausländern betrifft, während schweizerisches und schwedisches, also neutrales Vermögen steuerpflichtig ist. Auch materiell bringt die neue jetzt genehmigte Vorlage nur wenig Aenderun- gen. Als Geschädigte im Sinne des Gesetzes gelten: Flüchtlinge, Sachgeschä- digte, Währungsgeschädigte und politisch Verfolgte. Als Flüchtling gilt der deutsche Staatsangehörige und deutsche Volkszugehörige, der am 1. 9. 1939 außerhalb des Bereiches der vier Besatzungszonen wohnte und dorthin nicht zurückkehren kann. An Soforthilfen werden gewährt: Unterhaltshilfe, Aufbauhilfe. Hausrafs- hilfe, Ausbildungshilfe und Gemeinschaftshilfe. Im Paragraph 49 sind die Behörden bestimmt, die mit der organisatorischen Durchführung des Gesetzes beauftragt sind. Den Kopf bildet das Hauptausgleichsamt, das übrigens die einzige selbständige neue Behörde sein wird (mit einem auf etwa 60 Köpfe veranschlagten Personalaufwand), während alle übrigen organisatorischen Stellen von bereits bestehenden Behörden wahrgenommen werden sollen. Unterste Behörden sind die Gemeinden (Bürgermeisterämter), bei denen Anträge eingereicht werden können, sobald nach Verkündigung des Gesetzes Formblätter ausgegeben sind. Die Pariser Reise des badischen Staatspräsidenten Herabsetzung der Besatzungskosten und Kehl freundschaftlich besprochen Die Badische Staatekanzlei teilt mit: F reib urig. Auf Eima-aun*» aer .. reinlich, nicht von rennen!) das ist — i man möchte fast sagen: eine Orthogra- j viecherei. I In der Sprachlehre des Duden vermißt j man die Konsequenz an allen Ecken und ; Enden auch in der neuen Ausgabe, wie | z. B. bei der Großschreibung von Wör- ! tem. So schreibt er das Verbum in den j Beispielen „ich komme nicht zum Ar- - beiten” und „zum Verwechseln ähnlich” groß, dagegen die ebenso substantivisch gebrauchen Adjektiiva „im wesentlichen”, . „um ein beträchtliches”, „auf dem laufen- : den bleiben” mit kleinen Anfangrtjuch- . staben. Warum? I Treffen drei Selbstlaute zusammen, so j kuppelt man nach Duden mit einem ' I Bindestrich, z. B. Tee-Ernte, Katffee-Er- j satz. Gut. „Entstehen dabei”, sagt er, : „Zwielaute, so unterbleibt die Kupplung, denn (!) die bei ihrer Zusammensetzungsfuge stehenden Selbstlaute würden sonst als Zwielaute gelesen und keinen Sinn ergeben. Man schreibt also: Gardeulan, Galauniform, Donauauen”. Diese Vorschrift und noch mehr ihre Begründung wird wohl ewig ein psychologisches Rätsel bleiben, denn daß man bei Kupplung dieser Worte, also bei der Schreibweise „Garde-Ulan”, „Gala-Uniform”, leichter Zwielaute herauslesen soll, als wenn man sie zusamimenschreibt, ist nur durch die Hitze von 1911 erklärlich. Beim neuen Duden sind diese Beispiele vermieden, der Geist aber ist erhalten geblieben: „Beim Entstehen scheinbarer Doppellaute wird nicht gekoppelt (dqs, ach so anrüchige ,Jcuppeln” der früheren Auflagen war offenbar nicht mehr „tragbar”), also: Sundainseln, Seeigel, Gemeindeumlage usw”. Gerade dort also, wo immerhin die Möglichkeit einer falschen Zwielautbildung besteht (z. B. für den Ausländer) darf nicht gekuppelt, Verzeihung: gekoppelt werden! Fehlentwicklungen und Unklarheiten in der Rechtschreibung einer Sprache, die selbst im maßgeblichen Nachschlagewerk offenbleiben, wirken sich auch auf die Umgangssprache verhängnisvoll aus. In den Kriegs- und Vorkriegsjahren hat sich eine solche Fülle von sprachlichem Kitsch über Deutschland ergossen, daß es hohe Zeit ist, d : es°n Dmgor me'T Augenmerk zuzuwenden. Schon ist es soweit gekommen, daß selbst namhafte Autoren gedankenlos sprachlichen Fehlleistungen unterliegen, wie „atemberaubend” an Stelle von „atemraubend” beweist, und die mit Riesenschritten um sich greifende Seuche der Verwechslung von „brauchen” mit „gebrauchen”. Wir wollen indessen dem leichtbeschwingten Geist dieser Zeilen nicht untreu und zum Schlüsse gar nicht noch bitter werden, zumal bekanntlich auch das schlimmste Uebel meist noch irgendwo sein Gutes hat, wie etwa durch die zuletzt erwähnte Sprachunsitte so hübsch abgründige Entgleisungen enstehen, daß in feinem kürzlich erschienenen Roman der Herr Chef zu seiner Sekretärin sagt: „Sie können gehen, Fräulein Kümmerlich, ich werde Sie heute nicht mehr gebrauchen”. Hoffen wir, daß die nächste Orthographische Tagung von günstigeren Temperaturverhältnissen Gebrauch machen wird als die von 1911. Sie kann sie brauchen. F. L. Grauvogl KULTUR NACHRICHTEN THEATER Jürgen Fehling trat nach langer Pause in München mit einer Neuinszenierung von Hebbels „Maria Magdalena“ wieder hervor. Mit Joana Maria Gorvin, Anne Kersten und Otto Wennicke errang er einen überzeugenden Erfolg. Der Schauspieler Albert Bassermann kommt zum erstenmal seit «einer Emigration wieder nach Deutschland und beginnt am 4. August ein Gastspiel im Hamburger „Theater am Besenbinderhof“. Eine Thea t er g r upp e der Universität Lund beginnt in Kiel mit einer Aufführung von Strindberge „Scheiterhaufen” eine Tournee, in deren Verlauf die schwedischen Studenten u. a. auch in Hamburg spielen werden. Die neue Bühn? Zürich wird als Denk für die gastfreundliche Aufnahme während ihres Gastspiels in Karlsruhe den Reinerlös einer ihrer nächsten Vorstellungen für Karlsruher Kinder zur Verfügung stellen. 35600 M!ark Zuschuß bewilligte der Reutlinger Stadtrat für das Städte- theater Tübingen-Reutlingen. Zusammen mit Zuschüssen des T en^es und der Stadt Tübingen erhält das Theater damit für das Spieljahr 1949/50 eine finanzielle Beihilfe von 170 000 Mark. MUSIK Der Pariser Dirigent Dr. Louis Soltecz dirigiert am Sonntag eine Aida- Aufführung im Badischen Staatstheater Karlsruhe. Im Rahmen dieses Künstleraustausches wird Generaldirektor Otto Matzerath während der Pariser Musikalischen Festwochen im Juli und August Beethovens 5. und 9. Symphonie mit Gesangssolisten des badischen Staatstheaters dirigieren. An den Festwochen nehmen außerdem Karl Boehm, Georg Ludwig Jc- chum, Walter Gieseking und Edwin Fischer als Dirigenten und Solisten teil. Arthur Honegger ist in Baden- Baden eingetroffen, wo er in einem Symphoniekonzert des Südwestfunks am 29. Mai eigene Werke dirigieren wird. Richard Strauß ist aus der Schweiz kommend in seinem alten Wohnsitz zu Garmisch eingetroffen, wo er sich ein Vierteljahr aufhalten will. LITERATUR Erich Maria Remarque, der Autor des Buches „Im Westen nichts Neues”, der nach den USA emigriert war, befindet sich auf dem Wege nach Europa. Er will sich endgültig in der Schweiz niederlassen. Prof. Dr. Anton Kippenberg der Leiter des inseive: • :s und Präsiden der Goethe-Gesellschaft, wurde zu seinem 75. Geburtstag für seine Verdienste um die Geltung Goethes und der deutschen Dichtung zum Ehrensenator der Universität Marburg ernannt. Professor Otto Haupt von de. Technischen Hochschule in Karlsruhe ist als Nachfolger des seinerzeit tödlich verunglückten Prof. Dr. Gehrig zum Direktor der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste ernannt worden. Samstag/Sonntag, 28-/29. Mai 1949 BDDKVKIES Nr. 63 7 Seite 3 DAS AQUARIUM ERZÄHLUNG VON HANS HELMUT HAURI DAS WANDERN VON JOSEF GUGGENMOS Bonnin war Reisender. Seit 35 Jahren verkaufte er eingedidcte Fleischbrühe für jfiinard & Co. Es war eine stumpfsinnige SöKhe. immer Fleischbrühe zu verkaufen, jahraus, jahrein, ob es regnete oder die Sonne schien. Und es war auch, nicht sehr einträglich Man lebte schlecht und recht dabei — mehr schlecht als recht! Noch . einmal vor die Wahl gestellt, würde er einen anderen Beruf ergriffen haben. Vielleicht wäre er zur See gefahren, denn er liebte das Meer. Vielleicht wäre er auch zum Zirkus gegangen. Es gibt ja mancherlei Möglichkeit für einen, der Schwung hat. Aber da war die dumme Liebe dazwischen gekommen; sie hieß Fräulein Briolet, und als es an Heiraten ging, riet sie ihm zu Renards Fleischbrühe, nicht zur christlichen Seefahrt. Jetzt aber war’s längst zu spät, noch etwas zu ändern. Er hatte sich damit abgefunden. Eines Tages starb sein Onkel Hannibal, der in Martinvilie als Pensionär gelebt hatte. Bonnin beerbte ihn. Der Nachlaß des alten Hannibal war so gering, daß er überhaupt nicht der Erwähnung wert gewesen wäre, wenn es da nicht ein Gestell gegeben hätte, dessen Wände aus Glas bestanden: Ein Aquarium. Dieses also bilderte das Haupt- und Kernstück der Erbschaft, wenn man von den alten, wackeligen Möbeln und den zweihundert leeren Weinflaschen absah; es war mit Goldbronze angestrichen, hatte Scheiben aus Spiegelglas und stand auf Beinen, die der Kunstschmied phantasievoll geformt batte. Die Bonnins beschlossen, das Ding auf den Speicher zu stellen. Jedoch nach einiger Zeit sagte Bonndn: „Wir sollten das Aquarium in die Wohnung nehmen; auf dem Speicher verkommt es.*' „Und was sollen wir damit in der Wohnung?“ erkundigte sich Madame Bcn- nin. „Wir könnten ja ein paar Fische hinein- setzen", antwortete er, dem alles, was Wasser war oder damit zusammenhing, die bittere und zugleich doch auch süße Erinnerung an die Träume seiner Jünglingsjahre wachrief. „Das fehlte gerade noch“, lachte sie gereizt. „Fische!“ Als aber Madame Bonnin für einige Tage verreiste, holte ihr Mann das Aquarium vom Boden., gab ihm einen Platz im Wohnzimmer nahe beim Fensrter, nahm heimlich aus dem Teich im Stadtpark ein paar Pflanzen, die er sorgsam in den mit Erde und Sand gefüllten Boden des Behälters bettete, und erstand in einer zoologischen Handlung zwei Dutzend Fische, kleine Geschöpfe von bizarrer Gestalt und leuchtender Farbe. Als es dunkelte, stellte er die Lampe neben das Becken, und siehe, in dem gedämpften künstlichen Licht erstand vor seinen Augen eine neue zauberhafte Welt, in der sich die wundersamen Fischwesen in all ihrer Pracht zu spielerischem, urwüchsigem Leben entfalteten. In einer Leuchtkraft, die keine menschliche Kunst jemals nachzuahmen vermag, erstrahlten ihre Leiber vom tiefsten Schwarz bis zum sprühendsten Rot, vorn seidigen Nachtblau bis zum magischen Grün des Phosphors; andere wieder schienen aus durchsichtigem Glas zu sein, das die innersten Vorgänge ihres animalischen Lebens enthüllte, das Kreisen der Säfte, das Schlagen der kleinen Herzen. Auch in dieser ihm so neuen, andersartigen Welt gab es, wie er sah, den Hunger und die Liebe, das emsige Bemühen um Nahrung und Paarung. Aber wie die Farben der Fischkörper spielerisch hingetupft, ihre Bewegungen voll Anmut und schwerelos, ihre vielfältigen Formen und Gestalten dem Auge angenehm waren, so schien auch über den triebhaften Aeußerungen ihres Lebens ein Gesetz zu walten, aus dem alles Häßliche und Schwere verbannt war, jenes liebenswürdige Gesetz, von | Albert Schweitzer, — dieser Name hat für- viele Menschen einen starken Klang, aber fast für jeden unter diesen einen verschiedenen Sinn. Unzählige liehen und verehren ihn, die meisten aber von völlig verschiedenen Gesichtsfeldern her; denn dieser Mann ist eine einzige und einmalige, eine uniwiederholbar gebundene Vielfalt. Manche wissen von ihm nur, daß er vor einigen Jahren den Goethe-Preis erhielt, die Geistlichkeit bewundert in ihm einen hervorragenden Theologen, den Verfasser der „Mystik des Apostels Paulus“, die Musiker respektieren in ihm den Schöpfer des größten und gründlichsten Werkes über Johann Sebastian Bach, die Orgelbauer rühmen ihn als den Mann, der wie keiner sämtliche Orgeln Europas kennt und über ihre Technik das Tiefste und Aufschlußreichste geschrieben hat, die Musikalischen ehren ihn als den (mit Günther Ramin) vielleicht größten Orgelvirtuosen der gegenwärtigen Welt Aber um seiner Tat willen, um jenes Spitals, das er aus rein menschlicher Aufopferung, einzig um eine europäische Schuld zu sühnen, im Urwald von Afrika ganz allein, ohne irgendeine staatliche Hilfe, gegründet und geschaffen, um dieser einzigartigen und beispielgebenden Selbstpreisgabe willen liebt und bewundert ihn jeder, der um das Menschliche weiß, alle jene, denen Idealismus nur dann groß erscheint, wenn er über das geredete und geschriebene Wort hinausgeht und durch Selbstaufopferung zur Tat wird. Diesen tief bescheidenen Mann ehren die Besten der Erde heute als ein moralisches Vorbild, und eine immer wachsende Gemeinde schart sich still (und ohne jedes Programm) um •eine Gestalt. Dieses Leben nun ist in der Tat wahrhaftig würdig, einmal Gegenstand einer heroischen Biographie zu werden; heroisch freilich nicht im alten Sinn des Militäri- dem er einmal irgendwo gelesen hatte, daß es hieße: „Erlaubt ist, was gefällt!“ Abend für Abend saß Bonnin nun vor dem gläsernen Kasten, der mit seinem Wasser, seinen künstlichen Felsen und dem Dickicht der Pflanzen zu einem Szenarium wurde, auf dem das Leben in immer neuer Fülle abrollte, mit allen seinen Traurigkeiten und seiner Lust, wo es Hochzeiten gab und Geburten und Sterbefälle, fröhliche Hochzeiten mit tändelndem Spiel, und den einsamen, lautlosen Tod. Ja, wenn’s ans Sterben ging, waren sie alle allein, auch die Fische. Aber wie selbstverständlich und ohne falsches Pathos vollzog sich das alllies! Die Fische brachten Junge zur Welt. Der Behälter reichte nicht mehr aus, sie alle zu fassen, und Bonnin kaufte einen zweiten, dem bald ein dritter folgte. Er kaufte auch neue Fische — es gab ja so viele Arten, und alle hatten sie ihre Besonderheiten, die ergründet werden wellten. In den Stunden, die er damit zubrachte, kostete er ein Glück von so tiefer und reiner Art, daß er sich für die Trostlosigkeit seines Alltagslebens fast entschädigt dünkte. Madame Bonnin war außer sich, „Du wirfst das Geld zum Fenster hinaus“, keifte sie. „Du vernachlässigst deine Geschäfte! Du bringst uns ins Armenhaus!“ Ihre Vorwürfe riefen seinen Trotz wach. Er gab noch mehr Geld aus, wunde noch nachlässiger im Hereinholen der Aufträge^ für Renard & Co. „Man wird dir kündigen, wenn du so weiter machst“, sagte Madame Bonnin. „Wenn schon“, erwiderte er gleichgültig. „Ich habe ohnedies nicht die Absicht, bis an mein Ende Renards eingedickte Fleischbrühe zu verkaufen.“ „An allem ist nur dein Onkel schuld“, sagte sie. .Hätte er dir nicht dieses alberne Gestell vererbt, würden wir beide zufrieden und ruhig leben, wie früher.“ — „Was weißt du schon darüber, ob ich zufrieden war!“ — „Leopold, ich beschwöre dich, sei vernünftig!“ — „Hör mir auf mit der Vernunft! Was kommt dabei heraus auf der Welt? Man sieht’s ja. Sind etwa diese Fische hier vernünftig? Ganz gewiß nicht. Und doch sind sie glücklich. Oder willst du bestreiten, daß sie glücklich sind? Schau sie dir doch an! Sie machen sich keine Sorgen, leben in den Tag, genießen, was Gott ihnen gegeben hat, und vor allem tun sie nur das, was ihnen angemessen ist. Niemand kann ihnen Befehle erteilen, niemandem wird es gelingen, sie zu etwas zu zwingen, das ihrer Natur widerstrebt. Als freie Wesen sind sie geschaffen, und die Freiheit ist ihr Lebenselement.“ „Ja, und deshalb hast du sie in diese Kästen gesperrt, die freien Wesen ...“ „Sie würden lieber sterben als sich einsperren lassen, wenn es ihnen bei mir nicht behagte.“ Einmal klagte Madame Bonnin der Tür- schüießerin ihr Leid. Die alte Prudent wußte Rat. „Das ist einfach“, sagte sie, „Fische können sterben, nicht wahr? Es kann ja etwas an sie kommen, verstehen Sie? Aber Sie müssen klug sein. Machen Sie es nach und nach, damit er keinen Verdacht schöpft.“ Nun, sie war klug. Erst starben die Fische in dem einen Kasten. „Die armen Tierchen“, sagte sie, als Bomnin stumm und finster vor dem Becken saß. Acht Tage später waren die Bewohner des zweiten Kastens tot. „Ob das Futter schlecht ist, das du neulich mitgebracht hast?“ fragte sie teilnehmend. Er schwieg. In seinen Augen war ein feuchter Schimmer. Mit verbissenem Eifer pflegte er das, was ihm noch geblieben war. Aber trotz all seiner Sorgfalt hauchten eines schönen Sonntagnachmittags auch die letzten Fische ihr Leben aus. „Es wird die Fischpest sein“, sagte Madame Bonnin. sehen, sondern in dem neuen, den wir als einzig gültigen anerkennen, nämlich des moralischen Heldentums, der völligen und dabei undogmatischen Aufopferung der Person an die Idee, jenes Heldentums das in Menschen wie Ghandi und Romain Rolland ebenso wie in Albert Schweitzer die ruhmreichsten Formen unseres Zeitalters angenommen hat. Zwischen zwei Ländern geboren, zwischen Deutschland und Frankreich, beiden so sehr verbunden, daß ein Teil seiner Werke französisch, der andere deutsch geschrieben ist, erhält Albert Schweitzer 1899 ein Predigeramt in St. Nikolai in Straßburg, habilitiert sich zwei Jahre später mit einer Vorlesung über die „Logoslehre im Johannes-Evangelium“ a$ der theologischen Fakultät der Universität Straßburg. Aber gleichzeitig studiert er in den Ferienmonaten bei dem greisen Meister Wi- dor, der noch Wagner, Cesar Frank und Bizet freundschaftlich gekannt. Schweitzers unermüdliche Arbeit teilt sich fortab zwischen Musik und Theologie, beiderseits schöpferische Frucht tragend, hier in einer ^Geschichte der Jesus-Forschung“, dort in jener monumentalen Biographie Johann Sebastian Bachs, die bis heute noch unübertroffen geblieben ist. Meister der Orgel, reist er von Stadt zu Stadt, um alle nur erreichbaren Orgeln auszuproben und das halb verschollene Geheimnis der alten Orgelbaumeister neu zu entdecken. Auch auf diesem Gebiet werden seine Werke Autorität. Doppelgleisig und klar könnte dieses Leben weiter verlaufen, aber in seinem dreißigsten Jahr faßt Albert Schweitzer persönlich jenen unvermuteten Entschluß, der in der tiefreligiösen Natur seines Wesens voll begründet ist: Europa zu verlassen, wo er sich nicht genug nutzbringend fühlt, und in Äquatorialafrika ein Sjoital für die Ärmsten der Armeen, für die Verlassensten der Verlassenen, für die Am nächsten Morgen füllte er Wasser aus dem Becken in eine Hasche und verließ die Wohnung, Nach einer Stunde kam er zurück. „Es ist nicht van der Fisch- pesrt“, sagte ar ; , „es ist von der Salzsäure ... Ich habe das Wasser untersuchen lassen.“ Etwas gänzlich Neues lag in seinem Ton, das sie aufhorchen machte. Sie hatte eine große Szene erwartet, mit Vorwürfen, Beschimpfungen und schließ- licher Versöhnung So war es bis jetzt wenigstens immer gewesen. Diesmal aber benahm er sich so seltsam. Er holte seinen Koffer vom Boden und packte wahllos hinein, was ihm von seinen Sachen gerade im die Hände fiel. Alls er fertig war, sagte er zu ihr: „Das hättest du nicht tun sollen, Eugenie, denn nun hast du nicht nur meine Fische getötet, sondern auch das andere... Na ja — Leb wchil, Euge- nie!“ Er ging und das war für immer. Von da an alterte er schneQl. In Marseille, wohin er sich begeben hatte, lebte er ohne rechte Beschäftigung vcm gelegentlicher Arbeit im Hafen. In der Kneipe „Zum schwänzen Walfisch“, in der er verkehrte, wurde er bald wegen seiner merkwürdigen Reden bekannt, die er in angetrunkenem Zustand hielt und in denen seine Braut eine große Rolle spielte. Mit der Braut aber meinte er die See, und das wirkte um so ulkiger, als er wie er selber gestand, noch nie in seinem Leben auch nur einen Fluß vom Festland abgesetzt hatte. „Alter Mann mit Tick“, sagten die Leute kopfschüttelnd und lächelten teils mitleidig, teils verächtlich. Einmal befand ich mich bei meinem Kameraden in unserem Garten, der uns besonders zur Zeit der ersten Johannis- und Stachelbeeren, der saftigen Kirschen und Weichsein immer wieder zwischen seine Mauern lockte und uns nach den Schätzen dieser Erde auegreifen ließ. Kein Wunder, daß jeder die Finger streckte, soviel er konnte; aber dabei geschah es, obgleich jeder seinen Mund genügend hätte füllen können, daß wir in einen Streit gerieten, wem diese und jene Frucht gehöre. Schließlich hatten wir uns so verfeindet, daß mein Kamerad, ein jährzorniger Junge, sich plötzlich niederbeugte, dort, wo eben gegossen worden war, die Hand in das nasse Beet wühlte, Erde heraushob, soviel er mit beiden Händen fassen konnte, diese Erde zu einem Ballen zusammendrückte und sie gegen mich warf. Glücklicherweise flog der harte Ball an mir vorbei auf einen jener Graswege, die die einzelnen Vierecke des Gartens voneinander schieden. Die alte Gärtnerin, eine Witwe, die jahrzehntelang im Dienst meiner Eltern stand und dies gesehen hatte, war herbeigelaufen, wohl, um mir ihren Schutz Die Helfer Von Friedrich Rasche Siehe, der Helfer sind viel: Sonne und Blume und Wind, Sternbiick u”d Schmettevlingsspiel, Wiege und göttliches Kind. Weinlaub, ums Fenster geschmiegt, Berge, erhoben ins Blau, Insel, vom Meere gewiegt, Hand der geliebtesten Frau. Heilig bewahrendes Buch, strenges, erhabenes Wort. Stimme, abwehrend den Fluch, dröhnend im Orgelakkord. Siehe, es spendet sich dir vieles zu heilsamem Trost. Hände von dort und von hier, greif sie und lebe getrost! (Aus: Fr. Rasche „Gedichte", Süctverlag Konstanz) unter der Schlafkrankheit und anderen Tropengebresten zu Tausenden hinsiechenden Neger zu begründen. „Wahnsinn“, sagen seine Freunde, sagen seine Verwandten. Warum in Afrika? Ist nicht in Europa Elend genug, dem abzuhelfen wäre? Aber die innerliche Antwort Albert Schweitzers ist: weil die Arbeit in Afrika die schwierigste ist. Weil sich dort hinab niemand wagt, außer den Geldverdienern, Abenteurern und Karrieremachern, weil gerade dort im Urwald in der alltäglichen Lebensgefahr der aus reinen, ethischen Motiven wirkende Mensch nötiger ist, als irgendwo. Und dann — mystischer Gedanke — dieser eine Mensch will für seine Person jenes ungeheure, unsagbare Unrecht sühnen, das wir Europäer, wir, die angeblich so kulturelle weiße Rasse, an dem schwarzen Erdteil seit hunderten Jahren begangen haben. Einen winzigen Teil dieser ungeheuren Schuld will nun dieser eine religiöse Mensch mit dem Einsatz seiner Person bezahlen durch die Gründung eines Spitals im Urwald — endlich einer, der nicht in die Tropen geht, um des Gewinnes willen, sondern aus reinem humanem Hilfsdienst an diesem Unglücklichsten der Unglücklichen. Aber, wie kann er ein Spital gründen, er, der von Medizin nichts weiß? Eine solche Kleinigkeit kann eine eherne Energie wie jene Albert Schweitzers nicht erschrecken. Mit dreißig Jahren Professor, Rektor der Theologie und der Philosophie, einer der meisterlichsten Orgelspieler Europas, hochgeehrt als Musikologe, setzt er sich ruhig zu den Achtzehnjährigen in Paris noch einmal auf die Schulbank, in den Seziersaal, und beginnt trotz schweren Geldsorgen Medizin zu studieren. 1911, sechsunddreißigjährig, besteht er das medizinische Staatsexamen. Im Sommer 1913 langt «r in Lambarene am Obovefluß an und beginnt, sein Spital zu bauen. Zwei Jahre beabsichtigt er zunächst dort zu bleiben, aber zwangsweise werden es viereinhalb, denn dazwischen fällt für die ganze europäische MenschDas ist nicht mit einem Tag gelernt, das lange Unbehaustseun und die nie abreißende Geduld des Immerweitierziehens. Es ist da nicht alles schön. Aber es wäre auch zu billig, nur das Schöne zu verlangen, das ist etwas für die Sonntagsjäger des Wandems, die Ausflugmacher. Man wird selber ein Stück Landschaft, so weiit und gleichmütig. Schließlich vermag man sich den Tod nicht mehr vorzustellen, so sehr ist man ausgebreiitet. Viele Sonnen sieht man aufgehen, viele versinken, und immer ist gleich viel gewonnen und verloren. Wenn es regnen will, und auf die Schläfe fällt der erste schwere Tropfen, dann ist das etwas. So gibt es viel zu erfahren, was die schwarze Tanne am Hügel auch weiß, eine Wissenschaft, die weise macht, die vor dem ersten Lerchenatdeg beginnt und die mit dem letzten Zurerdefallen der Lerche nicht endet. Gelassen steht man am Strom der Sterne, der breit durch die Nächte zieht. Und unverrückbar steht der Bogen der Sonne über dem Scheitel des Tages wie der Bügel der Kaiserkrone. Ein Bauer geht hinter dem Pflug. Und so überall. Es ist immer derselbe Bauer auf demselben kleinen Feld. Mein Feld ist die Erde, dessen Furchen die Täler zwischen den Strängen der Hügel sind. angedeihen zu lassen. Als sie den Erdbällen, wenn auch zerfallen, auf dem Weg liegen sah, wandte sie sich erzürnt gegen meinen Kameraden, wies auf den Ballen und sagte: „Was ist denn das? Wie kannst du damit zuwerfen? Wenn du den anderen ins Auge triffst, kann er blind werden.” . „Was wird das schon sein”, erwiderte der Junge und stellte sich, als wollte er sich auch gegen die alte Gärtnerin wehren, kampfbereit auf. „Dreck ist das. Sonst nichts, daß du es weißt.” Die alte Gärtnerin maß den übermütigen Jungen von oben bis unten mit einem Blick, den ich wohl nie in meinem Leben vergessen werde. „So”, sagte sie, „Dreck ist das? In deinen Augen sieht das wohl so aus, du...” Sie wollte schon ein Schimpfwort von der Zunge springen lassen, behielt es aber bei sich. Dabei neigte sie sich zu Boden, hob die Erde auf und wollte sie schon wieder in das Gartenbeet zurüoklegen. Plötzlich schien ihr ein Gedanke gekommen zu sein, der sie daran hinderte. Sie sah den Jungen immer wieder an, mit einem Blick, der unter den Brauen hervorkam, dann ging sie langsam gegen das Sommerhaus, wo drinnen auf dem Tisch allerlei Töpfe, kleine und große, herumstanden, und sah immer wieder nach uns zurück. Wollte sie sehen, ob wir nun wieder Frieden schließen würden, oder blickte sie deshalb zurück, ob wir ihr vielleicht gar in das Sommerhaus nachfolgten? Da winkte sie uns beiden plötzlich, und da mein Kamerad aus dieser Geste schloß, daß nun der Kampf vorüber sei, gingen wir beide, wenn auch voneinander getrennt, gegen das Gartenhaus. Die Alte hatte einen kleinen Topf in der Hand und legte die Erde, die sie vom Weg aufgeklaubt hatte, hinein. Dann hielt sie uns den gefüllten Topf vor die Augen, besonders meinem Kameraden, und sagte zu diesem: „Wart, dir will ich einmal zeigen, was das ist. Eine Handvoll Erde ist das, merk es dir, damit dir kein so unflätiges Wort mehr von der Zunge springt”. Der Knabe lächelte zwar noch immer überlegen, als wenn er es doch besser heit der Krieg. Schweitzer wird aus dem afrikanischen Missionsgebiet, wo er auf wunderbarste Weise tätig ist, mitten aus dem Urwald nach Europa gebracht und für ein ganzes Jahr in den Pyrenäen untätig hinter Stacheldraht gesetzt. Als gr heimkehrt, findet er die väterliche Landschaft von Günsbach verheert und zerstört, die Berge entwaldet und das menschliche Elend, dessen Bekämpfung er sein Leben eingesetzt hat, vertausendfacht. Sein ganzes Werk scheint also vergebens getan. An einen Wiederaufbau des afrikanischen Spitals ist zunächst nicht zu denken, noch sind Schulden zu bezahlen, noch ist die Welt versperrt, und diese Jahre nützt Schweitzer zu seinen Werken „Verfall und Wiederaufbau der Kultur“ und ,Kultur und Ethik“ sowie zur Vollendung seiner Bach-Ausgabe. Die Entschlossenheit dieses Mannes ist unzerstörbar. Er gibt Konzert auf Konzert, schließlich hat er nach fünf Jahren wieder Geld beisammen. 1924 reist er abermals nach Lambarene, wo er alles, was er aufgebaut hat, verfallen vorfindet. Der Dschungel hat die Gebäude gefressen, alles muß neu und in größeren Dimensionen an anderer Stelle errichtet werden. Aber diesmal kommt ihm schon Ruhm und Ruf dieses Werkes zustatten. Denn jede starke ethische Energie sendet Emanationen afls, und wie der Magnet totes Eisen magnetisch macht, so wohnt aufopfernden Naturen die Kraft inne, andere sonst gleichgültige Menschen zur Aufopferung zu erziehen. Immer sind in der Menschheit Unzählige bereit, einer Idee zu dienen, ein ungeheurer Idealismus wartet unausgelöst in jeder Jugend (und wird vielfach leider von der Politik mißbraucht). Manchmal, in seltenen Glücksfällen, strömt er frei und reich einer humanen Idee za In diesem Falle: eine ganze große Schar Helfer bietet sich Schweitzer an, und bald steht sein herrlicher Bau gefestigter denn je, auch in seinem materiellen Bestand gesichert. Und so teilt sich Schweitzers Leben zwischen der einen und der anderen Welt, und Das ist auch nicht viel mehr, aber es fsf doch etwas. Man sieht viele Menschen und bekommt ein eigenes Verhältnis zu diesem Geschlecht, das in Häusern wohnt. Mancherlei kann man besitzen und auf fast alles verzichten. Man gelangt durch Städite, da bewegt sich viel. Eines Tages nach irgendwelcher Zeit trifft man wieder in dieselbe Stadt, dann sieht man. daß man gar nicht gefehlt hat, daß das ganze Uhrwerk aus Lachen und Tränen, Arbeit und Oede auch ohne einen gerade so weit abgelaufen ist, als es ablaufen sollte. Durch Dörfer kommt man und in den Gärten blühen Flieder und Tränendes Herz. Dann liegt man an einem Waldrand und sieht ein vorjähriges rotes Buchenblatt, dessen eherne Schönheit für Jahrtausende gemacht scheint, und das der Wind bewegt. Ein Hase nähert sich auf ein paar Schritte und schaut her und sieht einen doch nicht, mit Augen, groß und dunkel vor Angat und ich denke mir, ich bin einer wie du. Manchmal, nicht nur wenn es regnet, mag man in eine Kirche treten. Da ist in der Vorhalle ein Oelberg und Christus kniet und redet, Aug in Aug, mit seinem Vater. Man wandert, wie die Zeit selber wandert, inmitten der Ewigkeit. : wissen wollte, was da in dem Topf sei, aber schon nach Tagen, als wir, wieder versöhnt, von neuem in den Garten kamen, begann für uns beide etwas Wunderbares. Wir hatten dies wohl schon oft und oft gesehen, aber es hatte doch nie einen solchen Eindruck auf uns gemacht wie diesmal, da es aus demselben Stück Erde entsprang, die kurze Zeit vorher wie eine feindliche Kugel zwischen uns aufgeflogen war. Wir bemerkten zuerst, wie ein kleines Gräslein aus der Erde hervorkam, ein ganz unscheinbares, grünes Ding, sahen mit den Wochen, wie dieses Pflänzchen immer größer wurde und wie um dieses Pflänzchen herum im Topf immer neue Pflänzchen wuchsen. Bald war die dunkle Erde grün verdeckt, so daß man kaum mehr etwas sah von ihr, und da die Zeit verging, wuchsen die Pflanzen immer höher. Eines Tages bemerkten wir zwischen all dem Blattwerk auch die ersten Knospen, und siehe da, nach einiger Zeit ging es auf: rot, blau, weiß, gelb, violett, wie wenn sich ein bunter Farbentopf entfalten würde. Tatsächlich wurde dieses Farbenspiel immer kräftiger und größer, und wir erkannten, daß die alte Gärtnerin von allen möglichen Blumen Samen in den Topf getan hatte. Bald sah der Topf aus wie ein großes Füllhorn und verschwendete sich derart, daß man es kaum für möglich hielt, wie all diese Blüten aus dieser Erde herauskommen konnten. War es doch nur eine Handvoll Erde, wie die Alte selbst gesagt hatte, nur eine Handvoll Erde und doch eine Handvoll des schönsten Wunders. Staunend stand Konrad davor mit ordentlich großen Augen; er hatte wohl das Wort, das er einst ausgesprochen hatte, ganz vergessen. Nein, das hätte er nicht vermutet, daß aus demselben Erdeballen, den er mir naohgeworfen hatte, eine solche Pracht erstehen sollte. Ich hätte mir das auch nicht träumen lassen, obgleich alles ganz natürlich vor sich ging, und so sahen wir einander an, als wären uns die Augen durch dieses Erlebnis erst richtig aufgegangen. zwischen der einen und der anderen Lebensaufgabe, als Philosoph und Theologe, als Literat und Künstler, als Urwalddoktar. Eine starke Hoffnung auch für die ganze europäische Menschheit ist von Albert Schiweitzer ausgegangen Wenn man dann aber wieder seiner schönen el- sässischen Heimat gedenkt, im Brennpunkte zweier Völker liegend, dort in den Vogesen, wio zahllose Soldatengrälber stumme Zeugen menschlicher Leiden sind, — so verzagt man wieder und versteht nicht, wie eben dieselbe Menschheit, welche die unfaßbarsten und unbegreiflichsten Meisterwerke im Geistigen hervorbringt, seit Tausenden und Abertau- semeten von Jahren nicht das einfachste Geheimnis zu meistern gelernt hat. Zwischen Menschen, und Menschen, welche so unvergängliche Güter gemeinsam haben, den Geist der Verständigung und der Menschenliebe lebendig zu bewahren, wie Albert Schweitzer unserer Generation ihn vorgelebt hat. Dieser Aufsatz stammt aus dem Nachlaß des Dichters Stefan Zweig, der 1942 in Brasilien aus dem Leben schied. Sein Bekenntnis 7.a A'lbert Schweitzer könnte heute noch durch neue Tatsachen und Daten ergänzt, aber nicht mehr in seinem Wesen vertieft werden. Es enthält den ganzen Menschen und Menschenfreund m seiner Größe und Demut und seinem beispielhaften Dienst am Leben. Worte Albert Schweitzers Anfang alles wertvollen geistigen Lebens ist der unerschrockene Glaube an die Wahrheit und das offene Bekenntnis zu ihr. Materielle und geistige Freiheit gehören innerlich zusammen. Die Kultur setzt Freie voraus. Nur von diesen kann sie gedacht und verwirklicht werden. Eine unermeßlich tiefe Wahrheit liegt in dem phantastischen Worte Jesu: „Selig sind die Sanftmütigen, denn .sie werden das Erdreich besitzen.” Orgelspieler, Philosoph und Urwalddoktor Ein Bekenntnis zu Albert Sch weitzer von Stefan Zweig + EINE HANDVOLL ERDE ERINNERUNG AUS DER KINDHEIT VON GOTTFRIED KÖLWEL •a*nstag*Sonntag, 28./29. Mai 1949 SÜDKURfER Nr. 83 / Seite 4 VfL Konstanz bleibt in der Zonenliga Meisterhaftes Spiel der Seehasen schafft in Biberach 3:1-Sieg {SK) Biberach. Der 3:1-Sieg des VflL Konstanz am Himmelfahrtstag beim SV iBabaradi entschiea überraschenderweise noch vor Abschluß der Meisterschaftssaison mit einem Schlag über da» Zonanligaschidtsal von fünf Vereinen. Die Würfel sind gefallen: der VfL Konstanz rettete sich aus eigener Kraft aus der Abstiegsg-efahr, überließ damit das bittere Abstiegslos dem SV Biberach und befreite dazu noch Schwenningen, Friedrichshafen und VfL Freiburg vom „Landes* liga-Druck". SV Tübingen ASV Villingen Eintracht Singen SV Rastatt SSV Reutlingen VfL Konstanz VflL Freiburg SV Biberach SV Offenburg 22 13 5 4 48:27 31:13 22 12 7 3 48:25 31:13 22 10 6 6 37:28 26:18 22 10 4 8 34:23 24:26 22 10 3 9 53:54 23:21 22 7 8 7 34:26 22:22 22 7 6 9 40:37 20:24 21 8 3 10 30:38 19:23 21 8 3 10 39:50 19:23 21 6 7 8 28:38 19:23 21 5 6 10 29:49 16:26 22 2 e 14 26:43 10:34 l Vom 1:0 zum 1:3! A. 9t. Biberach. Es war die Stimmung' eines Meisterschaftsspiels. Es war noch mehr, noch dramatischer, denn, die Abstiegsfrage, von der beide Teil« tangiert waren, ist mitunter noch einschneidender als ein Titelgewinn. So trug die Partie lange Zeit automatisch solch schwerwiegende Entscheidungs-Symptome. Etwas Nervosität, andererseits von der ersten Minute an das System der Zweckmäßigkeit und des Spieles »wischen zwei Hintermannschaften, die rasch un>a wnkhfig klärten und zu klären versuchten (manchmal ging einiges daneben). So hatten die Tor» hüter mit direkten Schüssen zunächst verhältnismäßig wenig zu tun. Kirst vor allem sowie Klöfc- ier II und Trautner im Konstanzer Tor hatten aur der einen Seite mit besonderem Erfolg viel zu tun, wenn das Biberacher Flugballspiel meist über die schnellen Flügel zum Zug kam und die Gästevertei'diger wiederholt überlaufen wurden. Bei den Einheimischen stand vor allem Köhler wie ein Turm in der Schlacht, wenn der Konstanzer Flachpaß anbrauste. Es kamen noch keine Schüsse. Zweimal war es aber fast soweit, als Lehrrieder und Horlamus mit langen Schritten anstürmten und sich ein unfaires Bein : 1 .Brinkmann (Kiel) 9:08,4; 2. Person ftBJSC). Ueber 800 m gewann der deutsche 400-m-Meister Gerhard Au- dorf in 1:56,8 vor Ljungkvist (Malmoe) in 1:57,4 Minuten. Südbadische Leichtathleten aktiv $N.W.-Eigenbericht) Etwa 120 Teilnehmer aus dem südbadischen Raum hatten- sich am Himmei- fahrtstag in Gernsbach au einem Leichtathletifc- treffen versammelt. Leider hinderte ein_ ständig niedergehender Regen die Aktiven an der Entfaltung ihres ganzen Könnens. Mit großer Spannung erwartete man das Auf- einandertreffen der beiden derzeit besten süd- badischen Sprinter Weiler (Ottenau) und Spitz- müiler (Nordrach). Durch einen prachtvollen Laut beantwortete der kraftvolle Ottenauer die Frage nach dem Besseren zu seinen Gunsten und stellte gleichzeitig mit 14,2 Sek. eine südbadische Jati- resbestleistung auf. Der schmächtige Nordracher folgte dichtauf in 11,3 Sek. vor Merz (Ottenau), der 11,4 Sek. benötigte. Spitzmüller entschädigte sich dafür durch seinen klaren Weitsprungsteg mit 6,42 m vor Waßmer (Ottenau) mit 6,13 m. Eine weitere südibadische Jahresbestleistung gab es durch Bieser (Nordrach), der die 400 m in 52,6 Sek. durchlief. Sieger in der 4X 100-m-Stat- fel wurde Ottenau in 46,0 Sek. vor den ersatz- geschwächten Nordrachem in 46,7 Sek. Bei den Frauen ragte die 100-m-Zeit von Hauß (Freiburg; mit 14.0 Sek. heraus. Weitere Resultate: Männer: 900 nt: Ibach (Ottenau) 2:04,1 Min. — 1500 m : Scharer (Ottenau) 4:21,4 Min. — Diskus: Waß- mer (Ottenau) 34,0 m. Silber streifen am Tennis-Horizont Anschließend an das Wiesbadener Turnier läuft «in Trainingstehrgang unserer Damen-Blite unter Leitung von Pohruann (Rheydt), zeitlich und örtlich gut angesetzt, zumal die frühe Saison alle Mängel viefl krasser offenbart und die ersten Ergebnisse eiben dieses Turniers mit alten ihren Widersprüchen praktisch noch ohne Belang sind. Was ünserem DaanentennU fehlt, ist nicht Sicherheit und Routine. Es sind die gleichen Elemente, die das Doppelspiel! ,.machen", nämflich Tempo, plazierter Aufschlag, Mut zur Offensive im Schmettern und i>m FlugschtLag. Hier liegt auch Pohunnns Aufgabe. Sah man im Nerotal auch einig?» hübsche Begegnungen im Mixed und Damendoppel — die Lichtpunkte lagen dennoch beim starken Geschlecht. Nicht, daß wir geneigt wären, den Sieg Dr. Günthers über Gulcs sofort zu überschätzen. Aber Stil und Spielanfrage des 25jährigen Wiesbadener Doktors sind doch imponierend. Seine stärkste Waffe ist ein unheimlich schneller Vorhand, dem er iim letzten Schwung des Durchzugs einen Vorwärtsdrall mitgibt. dessen Wirkung beim Gegner ein Uebermaß an Konzentration und Startbereitschaft erzwingt, Aus günstigen Winkeln ist dieser stilistisch perfekte Schlag tödlich, wenn der Rückschläger ihn nicht vowwahnL Auch das übrige Repertoire ist solide; vorzüglich der Kanonenaufschflag, der a-mge- | sicht« einer Größe von etwa 1,72 erstaunlich off gelingt. Zwei weitere „Youngster" sind erwäh- j nenswert; der junge Gieren aus Frankfurt und { Schomftj^irgk jun. aus Kronberg, letzter hoffnungs- | voller Sprößfring von Heini Schomtourgk, der von j Leipzig aus ins H&ssenfland übergesiedeit ist. I Beide sind den Bezirken der MitteÖclasse schon j deutlich entwachsen. Denkt man an Parallelen » km Süden, im Rheinland umd in Hamburg, dann ! sieht man doch langsam den Süberstreifen am j Horizont des deutschen Tennis. Es war ja Im i Prinzip nach 1918 nicht anders, nur daß sich da- j raals (unter wirtschaftlich bedeutend besseren * Verhältnissen!) vom ailten, größeren „Kapital" leichter zehren ließ als heute. Das wird gern und leicht übersehen. Nächstes Jahr wieder Eggberg-Rennen Verschiedene Anfragen aus dem Leserkreis veranlaßten uns Informationen über den Stand der Verhandlungen tut Durchführung des bgg- berg-Rennens einzuholen. Wie wir erfuhren, wird in diesem Jahr das Rennen nicht durchgeführt. Es soll jedoch im nächsten Jahr wieder statt- hnden und als Meisterscbaftslauf gewertet werden. Reisacher ihre KoxrtrodLe immer konsequenter ausübten, stoppte die einheimischen Angriffe, während der Konstanzer Angriff wiederholt in flüssiger Kombination und mit Querpässen immer öfter den Ball oft mustergültig an allen Biberacher Abwehrmaßmahmen vorbeilaufen ließ. Klökler H schaltete sich unwidersteh 1 ich als sechster Stürmer in den Angriff ein. Lehrrieder, Horlamus, Reichte und Schulze brilliierten mit zentimetergenauen Dreiecfcpässen und ungebrochenem Elan. Aus solchen Kombinationszügen entstanden binnen dreier Minuten (13. und 15.) Bilderbuchtore von Schulze und Lehrrieder. Und als 10 Minuten später Reichle ebenso mustergültig eine halbsteile Vorlage von Klökler II zum 3:1 verwertete, war die Frage gelöst, die viele Wochen viele beschäftigte. Die Einheimischen versuchten noch mit großem Kampfgeist eine Schicksa'lswendung einzuleiten. Sie hatten mit einigen Schüssen, die auch zu ungenau waren, kein Glück mehr. Die Angriffe der vorzüglichen Hubrich, Semp und Teufel hatten nicht mehr den vorher gezeigten Schwung, zumal die gesamte Konstanzer Abwehr jetzt unwiderstehlich schien. Die Konstanzer Schlachtenbummler trugen besonders hervorragende Akteure der verdienten Siegerelf wie in einem Triumphzug vom Platz. PufßbaJl-Freundschaftsspiele TuS Neuendorf — SV Waldhof 2:3; Mainz 06 — Göttingen 06 1:1; FC Nürnberg — Offerobacher Kidcers 2:2 (35 000 Zuschauer); 1860 München — VfL Osnabrück 2:0; SC Schweinfurt — Vf© Coburg 1:1; FSV Frankfurt — Phönix Ludwigshafen 2:2; SV Troßsingen — Stuttgarter Kickers 4:4; RiedlUngen — Bedingen 2:4. Städtespied; Essen — Stuttgart 0:0; Kölner Sporthochschule — FC Kaiserslautern 1:3; Meidericher SV — Fortuna Düsseldorf 0:2. 1953.— DM In Bayern Im Wettbewerb des bayerischen Fußball-Toto* wurden folgende Quoten erzielt: 1. Rang: (zwöit richtige Voraussagen) je 1963.— DM für 109 Gewinner. 2. Rang: (elf richtige Voraussagen) je 101.— DM für 2108 Gewinner. 3. Rang: (zehn richtige Voraussagen) je 14.— DM für 9355 Gewinner. Haßlocher Handball ausgeschieden Der Handballmeister der französischen Zone, die SG Haßloch, unterlag im Ausscheidungsspiel zur Deutschen Handbal'lmeisterschaft in Neustadt (Pfalz) dem westdeutschen Vertreter Tus Rheinhausen vor 3000 Zuschauern überraschend hoen mit 3:8 Toren. Bereits bei Halbzeit lagen die Pfälzer mit 2:4 Toren im Rückstand. Meisterboxer und Meisterringer in Konstanz Die Konstanzer Schwerathleten, die in diesem Jahr auf eine 50jährige Tätigkeit in ihrer Sportart ziurücfcblicken können, planen für Pfingsten ein großes dreitägiges Turnier im Boxen, Ringen. Gewichtheben und Rasenkraftsport sämtlicher aktiven Klassen. Bereits heute liegen Meldungen von weit über. 150 Athleten vor, wobet besonders im Ringen deutsche Spitzenklasse vertreten ist. Zahlreiche Meldungen aus Oesterreich, der Schweiz umd Frankreich, die damit ein Interesse am Sportverkehr mit Deutschland andeuten, konnten infolge Zeitknapoheit (Einreise- formalitäten) nicht erfüllt werden. (Dieses hervorragende sportliche Ereignis, das Konstanz m diesen Tagen in den Mittelpunkt der starken Männer stellt, wird seine Anziehungskraft nicht verfehlen. Kölner Turnfest mit festlichem Rahmen 2000 Aktive werden in Fachkreisen zu den Deutschen Turn- und Spielmeisterschaften am 27./ 26. August in Köln erwartet. Schauplatz dieses Höhepunktes des Wettkampfjahres der deutschen Turner ist das Köln-Müngersdorf er Stadion mit der 14 Hektar großen Jafonwiese. Auf den gleichen Kampfstätten stand sich die deutsche Turn- BLite bereits 1928 bei m 14. Deutschen Turnfest gegenüber. Im einzelnen werden bei den Kölner Titeükämpfen, die man getrost als kleines Turnfest bezeichnen kann, folgende dt deutsche Meisterschaften vergeben: für Turner: Deutscher Zwölfkampf, Leichtathletischer Sechskampf, Leichtathletischer Dreikampf; für Turnerinnen: Deutscher Neunkamipf, Leichtathletischer Vier- kaenpf; in den Sonwnerspielen: Faustball für Turner und Turnerinnen, KoibbaHl für Turnerinnen, Schlagball für Turner, Ringtennis; Deutsche Turnvereins-Meisterschaft (DTVM). Außer diesen Meisterschaften werden in Köln zwölf große Rahmenwettbewerbe ausgetragen. Es besteht in Turnkreisen die Absicht, den Kölner Titölkämpfen eine sportlichere, jugendlichere Note zu geben. So soliden die Kämpfe am Sonntagnadimittag so durchgefübrt werden, daß den Außenstehenden nicht mehr die Vielzahl der gleichzeitig ausgetragenen Wettkämpfe verwirrt. Jeweils wird — in pausenloser FoIg e — eine Disziplin im Mittelpunkt stehen. Durch kurze Sondervorführungen, durch Tänze und Lieder von mehreren hundert Sdiüfleninnea der Kölner höheren Schulen will man zum Abschluß der Kämpf© eine neuartige Siegerehrung umrahmen. Damit soll das kleine Kölner Turnfest einen besonders festlichen Ausklang erhallten. Willi Stadel in großer Form Anläßlich des 100jährigen Bestehens der Sportvereinigung (Turnabteilung) Biberach/Riß fand in der von 2000 Zuschauern überfüllten Turnhalle ein großes Schauturnen statt. Der Glanzpunkt der Veranstaltung war die Mitwirkung der Meisterturner Stadel, Gebr. Wied, Göggel, Kammerbauer, Voigtmann und Haug. Besonders zu erwähnen sind auch- die von den bekannten Gebrüdern Wied gezeigten schwierigen Uebungen, die aber an Eleganz und Sauberkeit nicht an die ganz hervorragende Arbeit des Konstanzer Olympiasiegers Willi Stadel heranreichten. Kreuz und quer durch die Sportwelt Die Staffelmannschaft Pasquali-Frazier-Stocks- Mel Patton von der Universität Südkalifornien, die vor einer Woche in Fresno mit 1:24,4 einen neuen Weltrekord über 4 mal 220 Yards lief, erzielte in Los Angeles mit 1:24 nochmals eine neue Weltbestleistung .— Beim gleichen Meeting gewann die Holländerin Fanny Blankers-Koen einen 100-m-Lauf in 12 Sek. und gewann über 80 m Hürden in 11,8 Sek. In Glasgow verteidigte der Engländer Billy Thomnson seine Titel als Europa- und britischer Meister im Leichtgewicht gegen den Schotten Harry Hughes, der in der 5. Runde vom Ringrichter in die Ecke geschickt w : urde, um ihn vor weiteren Niederschlägen zu bewahren. Der traditionelle Match der Amateurmann- s-cbaften von Amerika und Europa fand in Chicago vor 18 000 Zuschauern statt und endigte mit einem 10:6-Sieg der Yankees. Der aus Berlin stammende vielfache deutsche Kraulmedster Werner Plath, der auch haute noch, die deutschen Rekorde über 200 m (2;12,6 Min.), 300 m (3:32,9), 400 m (4:47,6), 900 m (10:21,7) und 1000 m Kraul (13:06,2) hält, wird nach sechsjähriger Pause für seinen neuen Verein MTV Braunschweig starten. Die Schweizer Ruderer-Mannschaften, die sidh zu den internationalen Regatten nach Paris begaben, schnitten ausgezeichnet ab. Schon in den Vorläufen zeigten sie sich ihren Gegnern überlegen und in den Endkämpfen vom Sonntag wurden beide Vierer durch den Seeclub Zürich und den Ruderclub Zürich gewonnen. Den großen Automobilpreis von Brüssel gewann der Italiener Villoresi auf Ferrari. Er lagt« die 308 km lange Strecke in 2:77:17,9 Stunden zurück. Stundendurchschnitt 137,28, Zweiter wurde Orely (USA) auf Meteor vor Cornet (Belgien) auf Veritas. Mit einerm Beteiligung von 104 Fahrern, die auf 15 Fabrikmannschaften aufgeteilt sind, begann in Palermo die Italien-Rundfahrt. Die großen Favoriten sind Fausto Coppi und Gino Bar- tali. Die deutsche Arbeitsgemeinschaft Handball erklärte Frischauf Göppingen auf Grund des besseren Torverhältnisses zum süddeutschen Handballmeister. Göppingen und der 1. FC Nürnberg beendeten die Meisterschaftsrunde punktgleich'. Der 1. FC Nürnberg erwartet zu Pfingsten die Grasshoppers aus Zürich, die dieses Spiel mit dem Ex^Nürnberger Hans Pöschl bestreiten. Mit Vienna Wien haben der VIR Mannheim (6. Juni) und Bayern München (25. Juni) eine der bekanntesten österreichischen Fußball-Mannschaften verpflichtet. Wochenend - Sportkalender Zonenliga Süd: SG Friedrkhshafen — VfL Freiburg. Um den 2. Zonenligaplatz in Rastatt: Fortuna Freiburg — Wormatia Worms (der Sieger nimmt an den Endspielen um die Deutsche Meiserschait teil). Um den 3. Platz der Oberligen West-Nord m Braunschweig: Rotweiß Essen — FC St. Pauli (der Sieger trifft am 5. Juni auf Bayern München, um den 8. Teilnehmer an den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft zu ermitteln). Entscheidungsspiel gegen den Abstieg der Oberliga Süd in Frankfurt: BC Augsburg — Ulm 46. Aufstiegsspiele zur Oberliga Süd: Gruppe lt Hessen Kassel — Untertürkheim; Jahn Regens- bürg — VfL Neckarau. Gruppe II: Zuffenhausen — Kassel 03; FC Pforzheim — Spvgg Fürth. In Schwenningen Auswahlspiel Südwürttemberg Nord — Südwürttemberg Süd. Südwürtt. Landesliga Süd: Wangen — Baien- furt; Lindenberg —- Laupheim. Südbad. Landeeliga: Ottenau — Blauweiß Freiburg. Vorschlußrunde Südbad. HandbaTlpokal: Rotweiß Lörrach — Schutterwald; VfL Freiburg — Zähringen. Handball Zonenklasse Südwürttemberg: Tett- nang — Freudenstadt. Aufstiegsspiel zur Zonenklasse: Tuttlingen — Balingen. Daanenhandballpokal Baden. Vorschlußspiel Meersburg — Allensbach (15.15 Uhr). Europas Währungen unter der Lupe Vorschläge zur Angleichung - Widerstand Englands — Beurteilung der D-Mark in Frankreich Das Problem der europäischen Währungen beschäftigt nicht allein Europa selbst, sondern auch die internationalen Bankinstitute und die amerikanischen Finanzkreise. Von allen Seiten wird darauf hingewiesen, daß eine endgültige Verbesserung der wirtschaftlichen Lage Europas nicht erreicht werden kann, solange die einzelnen Währungen nicht aufeinander abgestimmt sind, frei umgewechselt und von Land zu Land zirkulieren können. Das Haupthindernis zu einer solchen Maßnahme stellt nach wie vor die Haltung der Engländer dar, die sich entgegen allen Erwartungen sträuben, das Pfund Sterling abzuwerten und so den übrigen europäischen Währungen anzugleichen. Aber auch die amerikanischen Finanzkreise sind hinsichtlich dieser Frage sehr geteilt. Wie der Korrespondent in Washington der französischen Wirtschaftszeitung „Journal du Commerce“ schreibt, geht die Meinung der Amerikaner dahin, daß die Engländer sehr gut wissen, daß sie schließlich und endlich zu einer Abwertung des Sterling schreiten müssen, daß sie es aber nicht zugeben und warten wollen, bis sie es unter dem Vorwand des Drucks der Vereinigten Staaten tun können. So könnten sie die Verantwortlichkeit für die Folgen leichter von sich abwälzen. Weiterhin meint er, daß die amerikanische Regierung durch Vermittlung des Beratenden Wirtschaftskomitees den Internationalen Währungsfonds dazu veranlassen möchte, daß dieser eine Neufestsetzung der Währungen der europäischen Länder nach Maßgab* ihrer wirtschaftlichen Lage vornimmt. Dazu sei auch yorgeschlagen worden, das Experiment zu wagen, die europäischen Währungen während einer Dauer von sechs Monaten frei zirkulieren zu lassen, damit sie das ihnen angemessene Niveau selbst finden könnten. Aber sowohl die Marshallplan-Verwaltung wie der Internationale Währungsfonds halten diesen Versuch bei der augenblicklichen Wirtschaftslage in Europa für zu gefährlich. * Auf dem freien Devisenmarkt in Paris werden zur Zeit nur der USA-Dollar und der portugiesische Escudo notiert; die Notierung des Schweizer Franken ist infolge des kalten Wirtschaftskrieges zwischen Frankreich und der,Schweiz einstweilen eingestellt. Solange der gesamte Außenhandel Westdeutschlands von der JEIA durchgeführt , wird, die. Abrechnung des Warenverkehrs in USA-Dol- lars erfolgt und die D-Mark somit eine reine Binnenwährung bleibt, ist mit der Aufnahme der Notierung der D-Mark in Paris kaum zu rechnen. D-Mark-Banknoten werden derzeit in Paris weder gesucht noch angeboten. Auch die eher günstige Beurteilung der weiteren Aussichten der D-Mark auf gewissen ausländischen Plätzen, sowie ihre steigende Tendenz auf freien Devisenmärkten, z. B. in der Schweiz, können die völlige Interesselosigkeit, die sich gegenüber der D-Mark in Paris offenbart, nicht umstimmen. Die französische Beurteilung des inneren Wertes der D-Mark fußt auf folgenden Überlegungen: Die D-Mark ist weder durch Gold noch durch Devisen gedeckt; es besteht keine amerikanische Erklärung, die ihre Kaufkraft oder ihren sonstigen Wert sichern würde; der einzige Schutz für ihren Wert ist die Vorschrift, daß der Banknotenumlauf 10 Milliarden nidit überschreiten darf. Ein finanz- technischer Unsicherheitsfaktor liegt darin, daß die D-Mark-Währung einzig und allein durch den Arbeitswillen und die Arbeitsergebnisse der Bevölkerung garantiert ist. Eine wirkliche Beurteilung des inneren Wertes der D-Mark ist nach französischer Ansicht nur im Zusammenhang mit der Staatshaushaltslage Westdeutschlands, d. h. der Länder sowie der Zentralregierung und der Handelsbilanz möglich. Kurzmeldungen Der Zentralbankrat der Bank Deutscher Länder hat in seiner Sitzung vom 24, Mai beschlossen, die Diskontsätze mit Wirkung vom 27. Mai um Wi% herabzusetzen. Zweidrittel der Gesamtausfuhr der Bizone wurde im ersten Jahresviertel 1949 von Nordrhein-Westfalen bestritten. In den Leuna-Werken, in denen z. Zt. rund 26 000 Arbeitskräfte beschäftigt sind, hat die Stickstofferzeugung bereits wieder 70% des Produktionsstandes von 1938 39 erreicht. Westöstlicher Warenaustausch Umsätze zwischen USA und UdSSR — Schwierigkeiten weiterer Handelsbelebung Aus den soeben vom amerikanischen Handelsministerium veröffentlichten Ziffern geht hervor, daß der Warenaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im März zwar gestiegen ist, daß aber die russischen Chrom- und Manganerzlieferungen eine weitere Senkung erfahren haben. Die Gesamtausfuhr Rußlands nach den USA erreichte im Monat März 4 300 000 Dollar, wobei im Vergleich mit dem Vormonat eine Erhöhung um 1 Million Dollar verzeichnet wird. Diese ist hauptsächlich auf größere Pelzlieferungen zurückzuführen, während die Chrom- und Manganerzlieferungen von 1 300 000 Dollar im Februar auf 600 000 Dol- j lar im März, also um ungefähr 50% sanken. | Die Gesamtlieferungen der ersten drei Mo- | nate dieses Jahres werden auf 3 100 000 Dol- • lar geschätzt, gegenüber 6 600 000 Dollar in der gleichen Periode des Vorjahres. Die amerikanische Ausfuhr nach Sowjetrußland (Rohbaumwolle) ist von 200 000 Dollar im Februar auf 1 900 000 im März gestiegen. Die Exporte der Vereinigten Staaten nach den osteuropäischen Staaten fielen demgegen- 11 über von 11200 000 Dollar im Februar auf 8 400 000 im März und lagen damit unter dem Monatsdurchschnitt der letzten sechs Monate 1948. Die Einfuhr aus diesen Ländern nach Amerika stieg von 7 500 000 Dollar im Februar auf 9 400 000 Dollar im März. Bei dieser Gelegenheit gibt das Handelsministerium bekannt, daß die amerikanische Ausfuhr nach den 16 Marshallplanländern in Westeuropa im März die Gesamtsumme von 417 700 000 Dollar erreichten, gegenüber 367 200 000 Dol- • lar im Februar, während die Einfuhr aus | diesen Ländern von 98 600 000 auf 90 200 000 , Dollar fiel. In Genf tagt die Europäische Wirtschaftskommission, die bekanntlich die einzige Stelle ist, wo internationale Wirtschaftsfragen zwischen den Vertretern von Ost und West besprochen werden. Bereits seit Monaten ist •in Unterausschuß tätig, um die Möglichkeiten zur Belebung des Ost-West-Handels zu prüfen. Die Weststaaten, vor allem England, bestanden darauf, daß nur die engeren Handels-Probleme zur Diskussion ständen, die Oststaaten hingegen verlangen, daß laufend auch Fragen des Ausbaues der landwirtschaftlichen und der industriellen Erzeugung der Oststaaten untersucht werden. Sie berufen sich dabei auf den Umstand, daß die vom Westen verlangten größeren Lieferungen nur dann erfolgen könnten, wenn die Erzeugung in den Oststaaten anwachsen würde. Dies ist eine geschickte Tarnung des Wunsches, der Westen möge den Oststaaten Kredite gewähren, um ihre Landwirtschaft und ihren Bergbau, aber auch ihre Industrie, in die Höhe zu bringen. Von westlicher Seite wurde nun energisch darauf hingewiesen, daß die Oststaaten mehr Austauschwaren zur Verfügung haben würden, wenn Rußland ihnen nicht Handelsverträge aufgezwungen hätte, die große Lieferpflichten zu ungünstigen Bedingungen enthielten und in den gemischten staatlichen Gesellschaften wie den russisch-ungarischen Gesellschaften oder den russisch-rumänischen Gesellschaften — dasselbe wird ebenfalls von den Unternehmungen der deutschen Ostzone vermutet — nicht feste „Gewinnanteile“ beziehen würde, selbst wenn keine Erträge erzielt werden, womit Rußland sich auf Umwegen zusätzliche Reparationszahlungen verschaffe. Neben diesen Behauptungen verblaßten die Klagen der Oststaaten, nach denen Amerika und England die Handelscharta von Havanna verletzten, indem sie bei der Ausfuhr Unterschiede je nach dem Bestimmungslande machten und Maschinenlieferungen an die Oststaaten unterbinden. Von seiten der amerikanischen Delegation wurde diese Tatsache nicht in Abrede gestellt, jedoch mit militärischen Notwendigkeiten begründet; die Politik Rußlands zwinge die Weststaaten, einem etwaigen Angriff vorzubeugen und dazu gehöre auch, daß keine kriegswichtigen Artikel nach dem Osten geliefert würden. amstag/Sonntag, 28./29. Mai 1949 SÜDDEUTSCHER HEIMATKURIER Nr. 63 f Seite 7 i s §■ 3 4M st « s f » ► Reiterprozession in Weingarten Gegen hunderttausend Menschen besuchten den Wallfahrtsort Oberschwabens r ' Mit großer Anteilahme . folgte das ka- ; tholisehe Oberschwaben auch in diesem. ;; Jahre wieder dem Ruf der Hooanna- ■ Glocke zu den uralten .Wallfahrtsfestlagen ■ in Weingarten, Sollte doch der Blutfreitag 1949 das : Jubiläumsgeschenk des oberschwäbischen Volkes für das goldene Priesterjubiläum des Papstes sein. Schon am Mittwoch trafen viele Festbeaucher von auswärts ein. In der Stadl begegnete man überall letzten eifrigen Vorbereitungen für den Schmuck und das Illuminieren der Häuser. Käiufbuden begannen die Straßen zu säumen, vom Vergnügungspark klangen Drehorgeln. Man erlebte das vielfarbige und vielstimmige Vorspieleines religiösen Volksfestes, zu dem vcn altersher am Rande a.uch weltliches Ergötzen und Jahrmarktstreiben gehörte. Das launische Wetter des Himmelfahrts- tages machte den Weingartnern wie den' Pilgern große Sorgen. Stunde um Stunde wuchs an diesem Tage die Bewegung in den Straßen. Mit der Bahn, mit Omnibussen, Lastwagen und Personenwagen, mit Fahrrädern und zu Fuß strömten' Tausende und Abertausende in' die Stad'. Die Gottesdienste am Vormittag des j Himmelfahrtstages waren schon von zahl- j reichen Pilgern besucht. Zar traditionel- ' len Orgelvorführung durch Chorleiter H. Feifed am Nachmittag war das weite Münster von Zuhörern aus nah und fern angefüllt. Bei der abendlichen Festpredigt, die durch Lautsprecher ins. Freie übertragen wurde, füllten die Zuhörer nicht nur den großen Kirchenraum, den Kirchplatz und den Klosterhof; auch auf der Kirch- treppe und dem Kirchberg standen sie bis zum Münsterplatz herab dicht gedrängt. \ Der Weihbischof Karl Leip'recht sprach I über die Geheimnisse des HI. Blutes. Bi- , schof Dr. Alois Münch, der apostolische Visitator für Deutschland, hob in seiner Ansprache hervor, wie bedeutsam die Wallfahrt einer • so großen Anzahl von Menschen gerade in dieser Zeit sei, in welcher man sich um den Frieden in der Welt bemühe. Die Wallfahrt zum hl. Blut sei ein Bekenntnis zum Blut der Versöhnung und der Liebe und also ein Bekenntnis zum Frieden. Dieser könne jedoch nicht durch Konferenzen und. Organisationen allein geschaffen werden, er müsse im Herzen der einzelnen Menschen beginnen durch die Aussöhnung mit Gott. Nach den Predigten zog die Lichterpro- zession mit Miusik, Gebeten und Liedern durch die prächtig illuminierten Straßen der Stadt. Weithin strahlte das große Lichterkreuz vom Kreuzberg, von dem bis tief in die Nacht hinein die frommen Gesänge zu hören waren. Wie alle Jahre brachte eine große Anzahl von Pilgern die Nacht im Münster zu. Der Blutfreitagmorgen war klar und sonnig. Ueberall vernahm man die Hufschläge der von allen Seiten in die Stadt ziehenden Pferde, die ihre Reiter zum Miartinsberg empor trugen. Um 7 Uhr wurde das hl. Blut am Kirchenportal dem Blutritter. Pater Martin Nagel übergeben. Unter dem Geläute der Glocken und den Klängen -der etwa 60 Musikkapellen zog die Reiterprözession bald von strahlender Sonne beschienen durch die Straßen der Stadt, in denen sich eine nach vielen tausenden zählende Zuschauermenge (im ganzen 90 000—100 000 Menschen) aufgestellt hatte. Bei dem Herannahen des hl. Blutes sank die Menge in die Kniee und empfing den Segen. Zum erstenmal in diesem Jahr trug der Blutritter einen roten mit Gold bestickten Mantel. Große Aufmerksamkeit erregte auch die Sauigaiuer Blutreitergruppe mit ihren prächtigen Uniformen. Im ganzen zählte man ungefähr 2000 Reiter. Unter den Gasten der Stadt, die vom Rathaus aus die Reiterprozession besichtigten, sah man von den Vertretern der Militärregierung General Koenig, General Wid- mer und General Noiret, mehrere französische Offiziere und Vertreter der französischen Geistlichkeit. Von deutschen Gästen Staatspräsident Dr. Müller, Bischof Dr. Alois Münch und Weihbischof Karl Lei- precht, Pater Paffrath, Generalvisitator, Rom-Aachen Pater Weekenbeng O. F.M., : Guardian von Gorheim. Gegen 11 Uhr kehrte der Reiterzug nach einem Weg durch die Straßen und Fluren in den Klosterhof zurück. Dort fand die Rückgabe der hl. Blufreliquie statt. Danach beschloß die Ansprache und das Pontifikalamt von S. Ex. Bischof Muench mit päpstlichem Segen und Te deum die religiösen Feierlichkeiten des Vormittags. Südwestdeutsche Umschau Künstliche Augen aus Glas geblasen Werner Buckel ist der einzige „Augenmacher im Südwesten Am Hause Alter Wall Nr. 1 in Konstanz steht zu lesen: Werner Buckel — Atelier für Herstellung künstlicher Menschenaugen. Hier steht also ein Mann im Dienst der Augenverletzten. Er schenkt seine Fähigkeiten und seine Schaffenskraft täglich den Aermsten unter den Anmen, den Augenvenletziten. Freilich kann auch er ihnen nicht den verlorenen Blick zur Sonne öffnen. Aber er vermag den vom Schicksal so hart Betroffenen anstelle des verletzten oder erloschenen Auges ein künstliches zu geben, das diesen Menschen wieder ein gesundes Aussehen verleiht, und .ihnen wieder einen kleinen Teil der verlorenen Lebensfreude ersetzt. Als wir das schmucke -Atelier betraten* war Werner Buckel gerade damit beschäftigt, einem sechsiä'hrigen. Mädchen, das im Alter von. vier Monaten sein rechtes Auge durch Augendiphtherie verloren hatte, ein künstliches Auge einzupass<=n. Ein schwieriger Fall: denn nicht nur die genaue Farbe und Zeichnung des künstlichen Auges spielen eine Rolle; es muß dazu streng darauf geachtet werden, daß die Wölbung der Augenorothese der des noch vorhandenen gesunden Auges entspricht.. Die Prothese darf auch weder vorstehen noch tiefer liegen als das gesunde Auge. Das sind Faktoran, die dem Hersteller drr künstlichen Menschenau- gen großes Kopfzerbrechen bereiten. Wehrend men .beim Augenorotiker gewöhnlich nur pin° Auswahl von künstlichen Augen vorfindet. werden in diesem Atelier von fachkundiger -Hand Smez’al- aueen erschaffen, die sowohl in der Beschaffenheit und Farbe als auch im Sitz der Natur sev, r n ahe kommen, ja sie in den meisten Fällen durchaus erreichen. Nachdem die kleine Patientin behandelt ist. können wir uns in Ruhe mit Werner Buckd -unterhalten. Er zeigt uns in groben Zügen den Herstellungsgang eines künstlichen Auges von dem Augenblick an, da er von einer einen M Q t=r langen und etwa einen Zentimeter dicken Sne- zial.alasröhre ein su-ürkchen abtrennt und unter ständigem Erhitzen mit dem Mund zu einer kleinen, dem natürlichen Auge entsprechenden Kugel bläst. Er verfährt hierbei nicht anders als ein gewöhnlicher Glasbläser: Die Schwierigkeiten beginnen erst mit dem zweiten Schritt, der darin besteht, auf diese kleine Glaskugel den farbigen (blauen, braunen’ grauen, grünen) Grund der Regenbogenhaut „auf- zuscbmelzen”. Es sieht verblüffend einfach aus, wie Werner Buckel im weiteren Verlauf seiner Arbeit die Zeichnung der Iris genau nach dem natürlichen Vorbild seines jeweiligen Patienten ausführt Die „Zeichenstifte” sind dünne farbige Glasstäbe, deren Farbe er sich ebenfalls unter ständiger Hitze selbst zusammengeschmolzen hat. Kleinste Teile dieser far- Musizierendes Trossingen Das erste neue Haus im großen Sied- lungsprogramm der Stadt Trossingen trägt sein buntbebändertes Bäumchen auf dem Balkenfirst, und, ist erst' einmal ein Teil der anderen ihm nachgeeilt, sodaß es das Feiern' lohnt, dann g.ibt’s - ein Richtfest mit allem Drum und Dran, wie Brauch und Sitte sie vorschreiben. — Die Musikhochschule sah aufregende Tage, die schließlich dreizehn Kandidaten Glück und Erleichterung nach allen Prüfungsnöten brachten. Neun nunmehr .staatlich geprüfte Musiik- lehrerinnen, ein junger' Komponist mit .der verbrieften . Bestätigung seiner künstlerischen Reife, drei Anwärter für das künstlerische Lehramt an Höheren Schulen freuen sich neuer Würde, während etwa die entsprechende Anzahl hoffnungsvoller Anhänger mit dem Sommersemester das. Musikstudium begonnen hat. Intern wurde also, wie sich denken läßt, viel musiziert, nicht viel weniger daneben in der Oeffent- lichlkeit, sei es durch den Sängerbund mit seinem auf pompöse Wirkung angelegten Oratorium, die Stuttgarter Knabenkurrende „Hymnus" mit der unschuldigen Innigkeit ihrer engelhaften Stimmen, den großartigen Pianisten Prof. Karl Weiß, das ausge- »eSchnete Ensemble des Neuen Theaters Villingen, das seinem'Ruf als Musikbühne mit dem ,,Zigeunerbaron' aufs neue Ehre machte, das Collegium musicum der Musikhochschule unter dem Motto „Künstlerischer Nachwuchs stellt sich vor", inzwischen von hoffnungsvollen Aspiranten zum unbestrittenen Deutschen Akkordeonmeister 1 949 aufgestiegenen Fritz Dobler in einem ernsthaften Bach-Abend und — letztes und bedeutsamstes Ereignis klingender Natur im neueröffneten Löwen-Saal, eine beglückende Begegnung mit der „großen Musik", voll emphatischer Begeisterung und überlegenem Können interpretiert durch die Speyerer Symphoniker und Prof. Weiß. Was die Trossinger aber besonders stolz machte, war der Meister schlaf tssiaj Doblers beim Konstanzer Harmonika-Tag. dem sich unsere Margot Eisenmann mit nur 10 Werbungspunkten Unterschied als zweite Preisträgerin unmittelbar an die Fersen heftete. Der Sieg war — über die persönliche Leistung hinaus — ein Sieg der Trossinger Schule, der Wiege aller entscheidenden Erkenntnisse auf dem noch junger., zukunftverheißenden Gebiet des Handharmo- j nikaspiels. — Daneben bemühten von offenbar nidat ganz gleichgerichteten Idealen be- ! stimmte Geister sich weiter um jenes be- | reits im ungelegten Zustand überaus heftig j diskutierte Ei des Kreises, das Heimat- und i Kulturwerk. In einer etwas nonchalant an- | mutenden Gründuijcsversammiungvon mehr ; oder weniger zufälliger Zusammensetzung ; ; erblickte es dann ganz schnell, beinahe bei- ; läufig, im Tuttlinger Evgl. Vereinshaus das | Licht der Kreishauptstadt und erkor sich j deren Stadtoberhaupt mit 41 Stimmen zum ersten, den stellv. Direktor der Trossin- { ger Musikhochschule mit den 12 gültigen von 14 restlichen Stimmen zum zweiten Vorstand, Landrat Erler zum humorvoll und salomonisch waltenden Protektor. Unabhängig aber von dieser jungen Sonne, | die dem kulturellen Streben zwischen ; oberer Donau und Heuberg neues Leben ! verheißt, entfaltet sich im Garten Trossin- ' ger Musen pflege weiter Blüte um Blüte. Die letzte unter ihnen macht die ideell gesinnten Freunde der Miundharfe frohlocken (man sagt, es soll auch materiell gesinnte gegeben haben — vor der Reform der Geld- und sonstigen Währung), denn der einstens vierhundert Mitglieder umfassende „Trossinger Mundharmonika-Verein Hohnerklang" ist, durch das Zauberwort „Neulizensierung" erweckt, von den Scheintoten auferstanden, zunächst in Gestalt eines kleinen Orchesters das, aus bewährten Könnern und bekannten Solisten zusammengesetzt, im besten Sinne volkstümlich zu musizieren versteht und es sich — gemeinsam mit Vorstandschaft und Fachaus- bigen Glasstäbe genügen, um im Schmelz- prozeß unter der Gefbläseflamme die gewünschte Färbung und Zeichnung zu erzielen. Sodann greift der Augenmacher zu ei- . nem dunkelbraunen „Zeichenstift” und beginnt die Pupille aufzuschmelzen. Gerade hier zeigt sich die große Geschicklichkeit des Spezialisten. Sofort gelingt es ihm, die dunkle Pupille genau in die Mitte der Iris zu „zeichnen”! Dabei stehen ihm außer seinem gesunden Augenmaß keinerlei technische Hilfsmittel zur Ver- ! fügung. Alle Zeichnungen müssen unter j fortwährendem Drehen der Glaskugel und von freier Hand ausgeführt werden. Selbstverständlich muß das Glas ständig in seinem Schmelzpunkt gehalten werden, denn sonst verbinden sich Glaskugel und Glaszeichenstift nicht. Nachdem das künstliche Auge so schon eine weitgehende Aehnlichkeit mit dem natürlichen aufweist, werden die letzten Feinheiten in Angriff genommen, nämlich das Aufschmelzen der besonderen Merkmale wie Flecken und Punkte und der Hornhaut. So wird schließlich jener Zustand erreicht, den sich „Arzt” und Patient ersehnen. Das alles geschieht ln völliger Ruhe an erlern fast bescheiden zu nennenden Arbeitsplatz. Ein einfacher Trethla* balg verhilft zu dem Luiftgebläse, das .die Gasflamme des Bunsenbrenners auf die zum Schmelzen des Spezialglases erforderliche Fitze bringt. Damit sind die äußeren Hilfsmittel des Augenmachers auch schon erschöpft Wesentlich am Gelingen des kleinen Wunderwerkes sind sein Können, seine geschickten Hände, seine Beobachtungsgabe und sein Einfühlungsvermögen. Einer großen Zahl Augenverletzter hat der Flüchtlins aus dem Thüringer Wald schon helfen können. Täglich kommen Kriegsversehrte und Unfallverletzte aus nah und fern, die von der Orthopädischen Versorgungsstelle in Freiburg, dem Hauptversorgungsamt Siidwürttemfoerg-Hofhen- zollern und den verschiedenen Orfskran- kenikassen geschickt werden. Werner Buckel ist, wie er sagte, der einzige innerhalb der französischen Zone, der diesen seltenen Beruf ausübt. Das kleine Städtchen Lauscha im nördlichsten Zipfel des Thürinssr Waldes ist die Wiege der künstlichen Menschenaugen. Es ist auch seine Heimat. Wäre der Krieg nicht gewesen, dann zählte auch Werner Buckel noch zu den 93 Augenmacherfamilien, die in stiller Heimarbeit in Lauscha Vorzügliches schaffen. Nun hat er mit seiner jungen Frau seinen Sitz am Bodensee aufge- sohlagen und ist täglich dabei, den Ruhm seiner Heimatstadt, der vor dem Kriege bis zu den USA. Japan und Australien reichte, im Südwesten Deutschlands zu verkünden. W. O. schuß — zum Grundsatz gemacht hat, diese Linie unbeirrbar einzuhalten. Damit ist auch unserer Jugend wieder ein freundlicher Dienst erwiesen worden, wie sie überhaupt immer neu spüren darf, daß ihre Heimatstadt ihr besonders wohl will. Beweis dafür bietet u. a. nicht zuletzt der Stadtväterbeschluß, die vom Kultministerium abgelehnte Einrichtung einer sechsten Obers et tu Belasse auf eigenes Risiko der Gemeinde zu übernehmen, dazu die Stadt. Turnhalle gründlich herrschten zu lassen und für eine ordentliche Eis- und Tennissportanlage Sorge zu tragen. — Zum Schluß den „kühlen Maien" zu preisen, kann man von uns, die wir den Elementen hier oben auf unserem hohen luftigen Tablett unentrinnbar ausgesetzt sind, nicht unbedingt erwarten. Wird das Stichwort, das den Mäienregen „Dukatenregen'' nennt, aber wahr, dann wollen wir uns versöhnt auf einen strahlenden Pfingstmarkt freuen. .Was, der ganze HaufeV" „Ihre Pässe, bitte!“ Zollkontrolle in der Rieseneingangshalle des Echterdinger Flugplatzes. Die zum ersten offiziellen Besuch in Paris eingeladenen Herren der Regierung von Württemberg - Hohenzollern (Staatspräsident Dr. G. Müller, Staatsrat Prof. Karl Schmid, Innenminister Renner, Oberregiemngsrat Donndorf) werden als erste auf versteckte Kraslgegenstände hin untersucht, dann ihre Damen. Die drei deutschen Kontrolleure nahmen es sehr genau. Die Pässe seien nicht in Ordnung, ein Formfehler. Aber es sind doch Diplomatenpässe! „Was, der ganze Haufe Diplo- mate?” wird ungläubig-unhöflich zurückgefragt. Die uniformierten Herren ziehen ab, um die Angelegenheit, zu klären. Nach 20 Minuten Rückkehr. Karl Schmid fragt nach der Art des Formfehlers. Oh, der sei streng geheim (es fehlte ein Stempel!), ganz ganz ausnahmsweise ließe man sie aber trotzdem über die Grenze. Das Spielkasino in Konstanz vergeben Konstanz. Die vom Stadtrat bevollmächtigte Kommission zur Ueberprüfung der zahlreichen Bewerbergruppen für das Spielkasino hat die Lizenz an die sogenannte Ueberlinger Gruppe übertragen. Die Gruppe mußte einen ansehnlichen Betrag auf Sperrkonto überweisen, der von der Stadt in Anspruch genommen werden kann, wenn der für die Stadt vorgesehene Gewinn innerhalb eines Vierteljahres unter dieser Summe bleibt. Im Spielkasino Konstanz werden ein Spiral-Roulette mit zwölf Feldern, mit zwei Tableaux und außerdem ein Ecarte-Tisch aufgestellt werden. Kinderlähmung im Kreis Sigmaringen Tuttlingen. In der zum Kreis Sigmaringen gehörenden hohenzollerischen Enklave Bärenthal im Kreis Tuttlingen sind in den letzten Tagen sechs Fälle von Kinderlähmung aufgetreten. Ein neunjähriges Kind ist zwei Tage nach seiner Einlieferung im Sigmaringer Krankenhaus gestorben. Die Schulen wurden auf die Dauer von drei Wochen geschlossen. Rückkehr in die alte Heimat Ponaueschingen. In der letzten Zeit sind im Flüchtlingslager Donaueschingen 112 Personen aus Jugoslawien eingetroffen. Es handelt sich um Donauschwaben, deren Vorfahren vor etwa 200 Jahren ausgewandert waren. Bis heute haben sich bei diesen Leuten die deutschen Sitten erhalten, auch sprechen sie alle noch den schwäbischen Dialekt. Es wird zu wenig Schnaps getrunken Freiburg. Wie der Präsident der Kleinbrenner Südbadens in einer Versammlung der Kleinbrenner mitteilte, hat die Geldknappheit in der Schnapsabgabe eine vorübergehende Krise gebracht, von der jedoch die hochwertigen Qualitätserzeugnisse nicht betroffen wurden. Mit 25 000 Mitgliedern ist der Südbadische Kleinbrennerverband heute der stärkste Verband Westdeutschlands auf diesem Gebiet. Sonderzug Basel—Freiburg Freiburg. Zum erstenmal nach dem Kriege, und zwar am Pfingstsamstag, fährt ein Sonderzug von Basel nach Freiburg. Dadurch haben alle interessierten Schweizer die Möglichkeit, Pfingsten in Südbaden zu verbringen. Der Zug trifft am Pfingstsamstag 17.35 Uhr in Freiburg ein und verläßt die Stadt : am Pfingstmontag 19.30 Uhr. „Aufforstungsdienst“ im Schwarzwald Tübingen. Unter Mitwirkung der Forstdirektion, des Flüchtlingskommissars, dem evang. Hiifswerk und dem Internationalen Bund soll für Württemberg-Hohenzollern ein „Aufforstungsdienst", vor allem für den Sdiwarzwald, eingerichtet werden. Viele Jugendliche werden .dabei Gelegenheit bekommen, einen neuen Beruf zu ergreifen. Leichte Ruhrfälle in Südwürttemberg Tübingen. Nach einer Mitteilung des süd- württembergischen Innenministeriums sind in Weingarten, Ravensburg und Umgebung eine Reihe von Ruhrerkrankungen leichterer Art aufgetreten. Die Behörden haben Schutzmaßnahmen ergriffen, um die Uebertragung zu verhindern. Der Verkauf von Speiseeis, Obst und sonstigen Lebensmitteln außerhalb der Geschäfte und bei Veranstaltungen ist verboten. Frostschäden an Frühzwetschgen Bühl. Die Eisheiligen haben an den Obstkulturen einen größeren Schaden angerichtet, als ursprünglich angenommen Wurde. Insbesondere die in Blüte stehenden Erdbeeren wurden stark betroffen. In gewissen Lagen haben auch die sonst widerstandsfähigen Frühzwetschgen sehr stark gelitten. Frauen wegen Kriegsverbrechen angeklagt Rastatt. Die Staatsanwaltschaft des Gerichtshofes zur Aburteilung von Kriegsverbrechen hat gegen 13 Frauen und Mädchen, die während des Krieges als SS-Aufseherinnen oder -Wärterinnen im Frauen-Konzentra- tionslager Ravensbrück tätig waren, Anklage wegen Kriegsverbrechens erhoben. Dies ist der erste größere Prozeß, der geschlossen gegen weibliche Angeklagte durchgeführt wird. Von den Komplicen ermordet Bretten. Auf der Autobahn wurde kürzlich der 18jährige Günther Joch aus Bretten erschossen aufgefunden. Der Junge verbrachte mehrere Jahre seines Lebens im Erziehungsheim, riß bald nach Kriegsende von zu Hause aus und wurde seitdem von der Polizei wegen Eigentumsdelikten gesucht. Es ist anzunehmen, daß Joch von seinen Komplizen, die sich mit ihm in einem gestohlenen Wagen auf einer Raubfahrt befanden, durch drei Pistolenschüsse niedergestreckt wurde. Unwetterschäden Mannheim. Die Schlechtwetterlage verursachte in der Pfalz, an der Bergstraße, in Niederhessen, im Odenwald und im Bauland durch Hagelschläge schwere Flurschäden. Vor allem Obstbäume, Roggen, Frühkartoffeln und Gemüse wurden schwer mitgenommen In Mannheim und Ludwigshafen setzte andauernder Schauerregen zahlreiche Wohnungen und Läden unter Wasser, da die Wasser mengen allmählich durch die undichte Dächer und Wände eindringen konnten. Sechs' Tote durch Gasvergiftungen Heidelberg. Sechs Personen wurden in Heidelberg durch Leuchtgas getötet. Die 37jährige Ehefrau eines Angestellten hatte in der Nacht mit vier Kindern im Alter von 21 Monaten bis 6 Jahren in der Küche übernachtet. Der Ehemann, der mit dem fünften, 12jährigen Kind in einem anderen Raum schlief, fand seine Frau und die vier Kinder tot vor. Alle Hähne des Gasherdes waren geöffnet. Ob Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht ermittelt werden. Die Familie soll sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden haben. In der gleichen Nacht wurde eine 73jährige Frau durch Leuchtgas getötet. 2 DM für ein Pfund Kirschen Heidelberg. Verschiedene Ortschaften der ! Bergstraße lieferten die ersten Kirschen an. j Der Preis für das Pfund schwankte auf dem ! Mannheimer Wochenmarkt zwischen 1,30 bis . 2.— DM. | Photographiertes Wohnungselend I Untertürkheim. Auf der Landeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt in Untertürkheim , wurde angekündigt, daß die Arbeiterwohlfahrt in Bälde umfangreiches Bildmaterial über das Wohnungselend in süddeutschen | Großstädten publizieren und der Oeffentlich- keit, besonders aber führenden Persönlich- | keiten unterbreiten werde. Wie weiter bekanntgegeben wurde, sind Bestrebungen im Gange, die Wohlfahrtsorganisationen von der Umsatzsteuerpflicht zu befreien und sie von der Rückzahlung der vom Staat gewährten Darlehen zu entbinden. In einer Entschließung kommt der Wunsch der Konferenz zum Ausdruck, sich mit dem südwürttembergischen und südbadischen Verband bei gegebener Zeit zu einer einheitlichen Organisation zu vereinen. i Schwere Bluttat einer Wahnsinnigen j Germersheim. Die 58 Jahre alte Elisabeth | Wolff war aus der Heil- und Pflegeanstalt ! Klingenmünster ausgebrochen und hatte sich i zu ihrer Schwester nach Zeiskam begeben, j Zwei Tage darauf entfernte sie sich in den j Wald, um dort Holzarbeifen zu verrichten. I Dabei' half ihr ein neunjähriger Junge, den ! sie sich zwecks Hilfeleistung von Nachbarsleuten erbeten hatte. Später stellte sie sich der Polizei und bezichtigte sich einer, furchtbaren Bluttat, die sich dann auch als Tatsache herausstellte. Sie hatte den neunjährigen Buben mit rund einem Dutzend Beilhieben auf den Kopf getötet. Als Begründung gab sie an, daß sie die Verhältnisse in der Irrenanstalt Klingenmünster nicht mehr länger habe ertragen können und durch ( die furchtbare Tat das Todesurteil eines Ge- I rlchtshofes erwirken wolle, um so selbst zu j sterben. ! Ein tapferer Lokomotivführer | Trier. Der französische Gouverneur von Trier i überi*kichte dem 54jährigen Oberlokomotivführei ' August Voditel aus Trier eine Medaille, die für ' diesen Zweck eigens in der Pariser Münze her- gestellt worden war. Anlaß zu dieser außergewöhnlichen Ehrung war die tapfere Tat des j Beamten, der am 22. November 1948 unter Einsatz seines Lebens einen mit rund 700 Personen besetzten Schnellzug vor der sicheren Katastrophe bewahrt hatte. Auf der Strecke Trier—Koblenz ereignete sich im Führerhaus der Lokomotive mitten im Kochemer Tunnel eine heftige Explosion, durch die das Lokouvotivpersonal schwere Verbrennungen erlitt und augenblicklich das Führerhaus verlassen mußte. Mit rasender Geschwindigkeit näherte sich der Zug der Station ■ Kochern. Beim Versuch, durch das Seitenfenster ! des Füherhauses das Bremsventil zu erreichen, ! verbrannte sich Voditel den linken Arm bis au* 1 die Knochen. Ungeachtet der Schmerzen arbeitete sich der tapfere Lokomotivführer auf dem schmalen Laufsteg der Maschine nach vorne. Es gelang ihm, den Lufthahn der Bremsleitung zu öfi- nen und damit den Zug vor einer Katastrophe zu bewahren. Die Reichsbahn ehrte August Voch- - tel durch Beförderung zum Oberlokomotivführer ' sowie durch eine hohe Geldprämie. BLICK ÜBER DIE GRENZEN Romanshorn. Nach scharfem Wahlkampf wurde hier der bürgerliche Kandidat Adolf Schatz, den die Freisinnige Partei, die katholische Volkspar- tei und die christlich-soziale Partei unterstützten mit 845 Stimmen zum Gemeindeammann gewählt. Sein Gegenkandidat, der sozialistische Nationalrat Sdiirmperli, erhielt 789 Stimmen. Allerdings hat Rocnanshorn nach wie vor einen Gemednde- rat mit sozialistischer Mehrheit, fünf Sozialdemokraten und vier Freisinnige. Der Wahlkampf wurde im ganzen sachlich geführt. Basei. Die Internationale Schlafwag-üigeSeilschaft zeigte hier Vertretern der Behörde und der Presse ihren neuen Schlafwaigentyp, der tm Skandinavien—Schweiz—Italien-Expreß verkehrt ■und Schlafgelegenheiten erster, zweiter und ir } t- ter Klasse für 26 Personen bietet. Von Stockholm erreicht man mit diesem Expreß Rom üi drei Tagen. Zürich. In der Schweiz gibt es einen Natlo- ! nalen Verband gegen den Schnaps, der mit der « Schweizerischen Vereinigung für gärungs.ose I Obst- und Traufrznverwertung in Zürich seine I alljährliche Tagung abhielt. Es wurde ein neuex ] propagandistischer Farbfilm „Blütenzauber und ♦ Erntesegen" vorgeführt. Berichterstatter ajs al- j len Teilen des Landes gaben ein Bild vm ge- : genwärtigen Stand der gärungslosen Fnichtever- wertung. Bregrenz. Als neue Grenzerleichterung zwi- ! sehen Bayern und Oesterreich wurde das Grenz- überschreitungsverbot auf der Zugspitze zwischen dem cfsterreidnschej' und bayerischen B°rghotei aufg^oben. Die österreichischen Bergsteiger können gegen Hinterlegung ihres Passes oder Pde:* titätsaiusweises beim dort stationierten Zollbeamten das bayerische Gebiet betreten. Auch die deutschen Gäste können das österreichische Gebiet besuchen und dort eine Nacht verbringen. Graz. Die jetzt geschlossene erste Graze: Frühjahrsmesse zählte rund 140 000 Besucher. Dei geschäftliche Erfolg wird als zufriedenstellend bezeichnet. Einzelne Artikel, die sich durch Qualität und normalen Preis, auszeichneten, erreichten sogar Umsätze, die die Rekordergebnisse d?r letzten Herbstmesse übertrafen. Wien. Am 31. Mai wird das erste Flugzeug der regelmäßigen Luftlinie Paris—Wien—Pars in Schwechat landen und am 1. Juni den Rüdeflug nach Paris antreten. Die auf dieser Streeks eingesetzte Maschine, die jeden Mittwoch und Sonntag von Wien abfliegt, faßt 21 Personen und wird bei einer Zwischenlandung in Basel die Strecke in fünf Stunden zurüdriegen. Wien. Eigenartigerweise wird hier das Wiener Wohnungsamt demnächst obdachlos. Dem Amt samt dem Büro des Stadtrates für Wohnungswesen gekündigt, weil da« Haus, in d=m es untergebracht ist, einer nicht in Wien wohnhaft ?n Ungarin zurückerstattet werden muß. l'ebrigens haben die Russen in Wien 1531, die Amerikanei 745, die Franzosen 710 und die Eng-änder 369 Wohnungen beschlagnahmt. Manchmal wohnt ein einziger Besatzungsangehöriger in einem ganzen Hause, — wie es heißt, mit der Begrömung daß der Betreffende nicht mit den Oesterivichera unter einem Dach zu leben wünsche ... Simstag/Scnntag, 28-/29. Mai 1949 SUDKUBIER T Nr. 63 / Seite 8 Die letzten Kaiser Es gibt nur noch drei Kaiserreiche: Abessinien, Japan und Iran Englands Position am Suez-Kanal Unromantischer Dienst im Orient — Bericht eines Heimkehrers aus Aegypten Im Zusammenhang mit dem Ko-nfiikt in Palästina ist die britische Mittelost-Armee in letzter Zeit öfter genannt worden. Ein vor kurzem aus Aegypten nach' Sigmaringen heimgekehrter Kriegsgefangener, der jahrelang in den Camps dieser Armee geweilt hat, gibt hier eine interessante Schilderung über die britische Position am Suez-Kanal. Auf der Straße zwischen Kabrit und Suez hat ein Auto schlapp gemacht, ein Wagen der englischen Mittelostarmee. Der Fahrer in Khakishorts und Hemdärmeln klappt die Motorhaube hoch und schaut nach. Dann taucht er wieder auf, stoppt den nächsten Motorradfahrer, der auch von der Armee ist und bittet ihn, um einen \bs chleppwagen zu sehen. Es vergeht :eine Viertelstunde und der Wagen ist in ine der vielen Werkstätten der Armee iingeholt. Dieses 'Beispiel zeigt, wie intakt die Vereidigung des Suezkanals ist. Dabei werten Schleppdienst und Werkstätten bei lag und Nacht beansprucht, denn der ’/erkehr von Armeefahrzeugen auf der .'trecke von Port Said nach Suez und zwi- ehen den Stützpunkten in der Wüste ist ehr umfangreich. Man hat den Eindruck, als sei die ganze Armee täglich auf dem larsch. Hier in der Nordostecke Aegyptens hat England in den letzten Jahren in aller Stille vielseitige Vorkehrungen zum Schutz der wichtigsten Wasserstraße der Welt getroffen. In einer der heißesten Gegenden der Erde, wo Temperaturen bis iünfundvierzig und sogar fünfzig Grad Celsius im Sommer keine Seltenheit sind, ist heute die englische Mittelostarmee mit dieser wichtigen Aufgabe betraut. Dieses Land hier ist fast alles Wüste. Die große arabische Wüste reicht über das Rote Meer und über den Kanal herüber nach Westen bis zum Niltal. Vom Nil zweigt in der Nähe von Kairo ein Süßwasserkanal ab, der durch den Wadi Tiu- milat nach Osten geht bis zur Stadt Ismai- lia. Durch diesen Kanal ist die Wasserversorgung der Armee gesichert. Dieses Wasser befruchtet außerdem einen Streifen Land in wechselnder Breite von dreihundert bis tausend Meter, der sich wie ein grüner Strich durch die gelbe Wüste zieht. Hier liegen langgestreckte Fellachendörfer. Oestlich und vor allem westlich dieses Grünlandes hat die Armee weit in die Wüste hinein ihre zahllosen Truppenlager, Werkstätten, Garagen, Transport- Monrovia (Liberia), Mai 1949 Ueber die Kapitalinvestitionen der Amerikaner im schwarzen Erdteil, das Entstehen großer Industrie, neuer Eisenbahnlinien und den Ausbau strategischer Transversalen, die zur Anlage von Flugplätzen führen, wird von der Weltpresse von Zeit zu Zeit immer wieder und oft in größter Aufmachung berichtet. „Ein Erdteil ändert sein Gesicht“: es ist schon fast zu einem Schlagwort geworden. Der Europäer denkt aber meist nur an seine eigenen Leistungen und wünscht den Tag herbei, wo ihm der schwarze Erdteil zum Quell eines neuen Reichtums werden soll. Me Eingeborenen stellt man sich als die anspruchslosen Schwarzem vor, die mit etwas Hirsebrei und europäischen Talmi- schmuck vollauf zufrieden sind und weiter gar keine Ansprüche stellen. Daß aber durch den schwarzen Erdteil die Welle eines Erwachens geht und der schwarze Mann heute nicht mehr gewillt ist, der Kuli anderer Erdteile zu’sein, wird meist nicht in Rechnung gestellt. Völlig veränderte Lebensgewohnheiten Wenn man davon absieht, auf die tiefgreifenden geistigen Bewegungen einzugehen, die heute den afrikanischen Kontinent in Unruhe versetzen, worüber sehr viel und für die Europäer auch sehr viel Ueberraschendes zu sagen wäre, beweist schon ein Himyeis auf die veränderten Lebensgewohnheiten in vielen Eingebore- nengebieten, daß das Afrika von morgen ganz andere Probleme stellen wird, als man sie heute zu sehen bereit ist. Die Kolonialvölker haben für Fortentwicklung der Eingeborenen im Verlauf ihrer Herrschaft sehr viel getan. Es gibt Schulen und Fortbildungsmöglichkeiten aller Art. Genau so wichtig ist aber, daß der weiße Geschäftsmann Geld ins Land gebracht hat. Heute befindet sich besonders in Britisch-Westafrika, von der Negerrepublik Liberia ganz zu schweigen, eine Reibe von Betrieben schon in Händen schwarzer Besitzer und der Lebensstil eines eingeborenen Kakao-Plantagenbesitzers unterscheidet sich kaum von dem seines weißen Nachbarn. Für ihn gehören Auto, Radio und Grammophon und auch dis Hausbar zur Selbstverständlichkeit, und meist unterscheidet er sich von den Weißen nur darin, daß er gegen Banken ein tiefes Mißtrauen hat und sein Geld lieber im Garten vergräbt, als es einer Sparkasse zur Aufbewahrung zu geben. Talmi zieht nicht mehr Es haben sich ansehnliche Städte entwickelt, und eine kürzliche Statistik ergab. daß man auf 70 000 schwarze Einwohner EßO Autotaxem rechnen kann. Die Geschalte, in denen der Eingeborene seine Einkäufe tätigt, unterscheiden sich im ihrer äußeren Aufmachung zwar oft von europäischen oder amerikanischen Warenhäusern, kaum aber die Qualität der Waren. Der Schwarze weiß heute nur zu genau, wc’chs Fahrradmarke die beste ist, welche Nähmaschine die modernsten Neuerungen aufweist, und die Zeiten, wo ein paar billige Glasscherben schwarze Schöne in Ekstase, versetzten, sind längst vorbei: mit Kcr-nerblick prüft sie das Geschenk ihres Verehrers und weiß zwischen Schund und Gr' l md Edelsteinen sehr wohl zu unter- s-bü-ien. Auch in dem, was der Schwarze raucht, ist er wählerisch geworden, und staffeln, Flugplätze, Benzinlager und Fa- miliensiedlungen. Ein Stück England, in Lebensart und Gewohnheiten, hat sich hier angesiedelt. Die Männer, die am Suezkanal Dienst tun, sind Freiwillige, meistens junge Leute. Sie hatten sich den Dienst im Orient allerdings etwas anders vorgestellt, hatten an Tausendundeinenacht gedacht umd an glukäugiige Arabermädchen. Was sie indes hier unter der eingeborenen Bevölkerung sehen, ist sozusagen inkommensurabel. Dafür aber gibt es einige Dutzend „homes“ der Welfare-Organisation, der englischen Truppenbetreuung, in denen sie ihre Zeit verbringen können, es gibt Kinos mit den neuesten Filmen aus Hollywood, es gibt die beiden Bitterseen, in denen man baden und segeln kann, es gibt hin und wieder Konzerte und Varietes. Der Dienst ist dem Klima angepaßt. Infanteristische Uebun- gen sind selten zu sehen, aber Panzer fahren oft in den sandigen Wüstenbergen herum und auf den Schießplätzen ist immer ein reger Betrieb. Im übrigen hat man den Eindruck, daß diese Armee mehr aus Schreibern besteht als aus Soldaten, es scheint, daß auf einen „infantryman“ mindestens drei Leute kommen, die den einen kartothekisieren und irgendwie verwalten. Die militärische Disziplin allerdings ist hier ebenso streng wie anderswo. Die Pacht- und Leihhilfe, die die USA während des Krieges an England geleistet haben, bestimmt jetzt noch das Bild der englischen Mittelostarmee. Nicht nur die Jeeps und die vielverwendbaren Fordwagen, nicht nur Panzer und Krafträder, auch Schuhwerk und Bekleidung, Maschinenpistolen und Glühbirnen, Gummireifen und Funkgeräte sind meistens amerikanischer Herkunft. Um nun der Pflicht zu entgehen, diese geliehenen Waffen und Ausrüstungen zu bezahlen, weil sie im Kriege nicht verbraucht wurden, werden sie vernichtet. Zehntausend® Paar Schuhe, fabrikneu, ungetraigen, wurden in große Gruben geworfen, mit Benzin übergossen und verbrannt. Das geschah in den ersten Jahren nach dem Krieg. Ebenso wurde Militärbekleidung verbrannt. Flugmotoren, noch unausgepackt in den Cellophanhüllen, wurden im Mittelmeer versenkt, Autoreifen zu tausenden verschnitten, Funkgeräte mit der Pike zertrümmert. Die deutschen Kriegsgefangenen, die diese eine „Camel“, „Lucky Strike“ oder englische „Goldflake“ weiß er sehr wohl zu schätzen. Damit soll nicht gesagt sein, daß es den Kaffernkral nicht mehr gibt und nicht die Wilden unserer Bilderbücher, denn die geschilderte Schicht der gehobenen Eingeborenen beschränkt sich noch auf gewisse Distrikte.. Aber — und das ist das Entscheidende — Zivilisation und Lebensku.lt breiten sich schnell aus, und zwar um so schneller, je mehr Geld aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen von den Kolonialvölkern und besonders von Amerika in das Land hineingepumpt wird. Der Schwarze ist auf dem Weg, ein vollendeter Gentleman zu werden. Europa tut gut, wenn es vor dieser Entwicklung nicht die Augen verschließt *— am allerwenigsten vor dem tiefen und ehrlichen Bildungshunger der jungen Eingeborenengeneration. In den Cafes des bekannten Petit Sacco in Tager waren in der vergangenen Woche nur noch wenige internationale Spione und Abenteurer zu finden. Die buntgedeckten Tische auf dem Kieselpflaster des kleinen Platzes waren voll besetzt und man unterhielt sich mit gedämpfter Stimme bei Pernod, Scotch-Whisky oder Campari-Aperitif. Aber wenn auch die Zeiten Phillip Oppenheims vorüber sind, so rollt doch in Tanger das Geld mehr denn je. Die Nachricht, daß die Vereinigten Staaten in Kürze eine Million Dollar für den Ankauf eines Platzes zur Errichtung einer Sendestation für Osteuropa anlegen werden, bedeutet eine weitere Zunahme des Geschäftes. Es ist bezeichnend für unsere Zeiten, daß die amerikanische Propagandamaschine auf Grund nationaler Ueber- empfindlichkeit von Italien nach Algier und von dort für einige Zeit nach Paris verschlagen wurde, um schließlich in Tanger Zuflucht zu nehmen. Eine wahrhaft „offene“ Stadt, die jeden willkommen heißt. Ihre Bevölkerung ist seit 1939 von 50 000 auf mehr als 150 000 angewachsen. Die Geschäftsleute Tangers gehen heute frühzeitig zu Bett. Der Nachtklub El Min- zah — einst der beliebteste Treffpunkt für sie und ihre europäischen Freundinnen — wird jetzt nur wenig besucht. Viele der alten Gäste sind abgereist, meistens nach Südamerika. Auf anderen Gebieten ist das Geschäft um so lebhafter. Man befaßt sich vornehmlich mit internationalen Währungsspekulationen. Viertausend Ge- schäftsuntemehmen wurden seift Ende des Krieges eingetragen. Bei den meisten handelt es sich nur um Scheinbüros in Tanger, die Leitung sitzt in London, Paris oder New York. Spanien, das keine Devisen für Luxusartikel übrig hat, läßt seine Bestellungen in den USA nach Tanger gehen, bezahlt sie in Pesetas und führt sie dann nach Cadiz oder Barcelona aus, ohne einen einzigen Dollar auszugeben. Eine der größten Firmen in Tanger hat 40 Zweiggesellschafiten und verkauft Grundstücke im Zentrum der Stadt mit 400 Pfund pro Meter Straßenfront — für die besten Gegenden in Paris wird weni- Arbeit machen mußten, haben ihrem Mißmut über diese Zerstörung «Et genug Luft gemacht und mehr als einer hat mir versichert, er wolle lieber in der Sonnenhitze Ziegel streichen als diese miederdrückende Vemichtunigsarbeit leisten. Die Engländer gießen auch einfach Oel in den Sand, wenn sie einen Parkplatz oder eine Zufahrtsstraße brauchen und keine Zeit haben, den Grund zu betonieren oder zu asphaltieren. Jedoch haben die Engländer den Vorzug, daß man sich mit ihnen über all das, über Gutes und Mißliches bestens unterhalten kann, ohne daß man fürchten müßte, irgend jemanden zu verletzen. Hier am Suezkanal arbeiten auch viele Frauen in der Armee. Sie gehören zur ATS, der Army Technical Organisation, dem technischen Dienst der Armee. Diese Armeehelferinnen sind derselben Disziplin unterworfen wie die Männer, was manchmal einen grotesken Eindruck macht. So sitzt, wenn die Mädchen am Bittersee baden, unter einem Sonnendach ein weiblicher Polizist und führt die Aufsicht. Dieselben Polizistinnen mit den bekannten roten Polizeimützen auf den Lockenköpfen, den Riemen unterm Kinn, fahren auch Patrouille auf den Straßen und überprüfen die Papiere der Fahrerinnen! Diese Mädchen, die in der Armee als Bürokräfte vor allem beschäftigt sind, haben alle einen Dienstgrad. Die Dienstgrade erstrecken sich vom einfachen „Private“ — das ist der englische Soldat — bis zur Majorin. Eine solche Majorin hat natürlich einen Wagen und einen weiblichen Fahrer, der vor ihr zittert. Ich habe erlebt, wie ein solches Mädchen vor einer etwa vierzigjährigen Matrone mit der Krone auf den Schulturstücken einen Anpfiff erntete, der seiner männlichen Parallele würdig war. Ihrem ATS zu Ehren haben die Engländer einen Film gedreht, „The gentle sex“ zu deutsch „das freundliche Geschlecht“, ein schauderhafter- Schmarren, in dem man fast nur exerzierende Mädchen auf dem Kasernenhof sieht! Das Bild der englischen Mittelostarmee wäre unvollständig ohne eine Erwähnung der „Family oamps“, der Familienwohn- plätze. Viele Offiziere und Sergeanten haben Frau und Kinder bei sich. Diese Familien wohnen in Barackensiedlungen in der Nähe der Truppenlager. Zum Teil liegen die Siedlungen in Gärten unter Palmen, vor allem diejenigen, die der Royal Air Force gehören. Die englische Luftwaffe fühlt sich als vornehme Institution, die allerdings der Marine den Rang dach nicht ablaufen kann. Die Kinder werden im „Education Centre“ unterrichtet. Das ist ein solider Steinfoau aus dem gelben Bruchstein, den die Wüstenberge liefern und mit dem sehr viel gebaut wird. Am Rande der Familiensiedhmgen gibt es das „Shopping Centre“, ein paar Gassen, in denen von geschäftstüchtigen Juden und Arabern Läden aufgemacht wurden. Trotz aller Bequemlichkeiten ist das Leben der Engländer doch eintönig, vor allem seit sie nicht mehr über Sonntag nach Kairo fahren können oder wenigstens nur mit Schwierigkeiten. Seit der Räumung Kairos beschränkt sich die Armee auf die Kanalzone. In Aegypten ist man der Meinung, daß der britische Rückzug auf die Kanalzone aus praktischen Gründen erfolgt ist und die in der Weltpresse verbreitete Auffassung, dieser Rückzug sei ein 'Schwächezeichen, auf einem Irrtum beruhe. ger gezahlt. Seit Ende des Krieges wurden 39 neue Banken und Bankfilialen in Tanger eröffnet. Sie betreiben ein gewinnreiches Geschäft durch Umtausch der Pfundguthaben in Escudos, der Franken in Dollar oder umgekehrt, je nach der augenblicklichen Bewegung des „freien“ Marktes. Ein Mann erzielte kürzlich 5 000 Pfund in Sterling durch den Verkauf eines Teiles seiner Escudos im richtigen Augenblick. Die kleinen Geldwechsler sollen mit ihren Wechselstuben in der schattigen Rue des Siaghinnes angeblich 3 000 bis 4 000 Pfund im Jahr verdienen. Die sieben Mandatarstaaten von Tanger (Frankreich, Spanien, USA, Großbritannien, Belgien, Holland und Portugal) halten es für viel gewinnbringender, den Wechselmarkt in der Stadt weiterhin zu dulden. Die Form der Regierung in Tanger ist einzig in ihrer Art Ein holländischer Diplomat, Jonkheer Henri Van Vredenburch, ist Gouverneur der „Freizone“ und inoffiziell „Ministerpräsident“. Die Offiziere der 500 Mann starken Polizeitruppe sind Belgier, die Mannschaften Spanier und Mohren. Als kürzlich ein Nazi-Flüchtling wegen Ermordung einer der markantesten Persönlichkeiten Tangers, der Gräfin Marga d’Andurain, angeklagt wurde, war der Untersuchungsrichter ein Belgier namens Wauters; ihm standen zur Seite zwei weitere Richter, ein Franzose und ein Italiener. Der Verteidiger war ein Pole und der Gerichtsschreiber ein Italiener. (Das gemischte Tribunal ist für alle Europäer zuständig. Von den Vereinigten Staaten wird es jedoch nicht anerkannt; amerikanische Staatsbürger können nur von Konsularbeamten vernommen werden. Die USA Unterzeichneten nicht den algerischen Vertrag von 1905, der erstmalig die Internationale Zone schuf.) Eine recht schwere Aufgabe hait der „Finanzminister“, ein belgischer Finanzfachmann namens Frangois Gracco. Er weiß nicht wohin mit dein Geld. Seine Schatzkammer ist überfüllt mit Einnahmen. Die Gesamteinnahmen im letzten Jahre beliefen sich auf rund 8,5 Millionen Pfund — obwohl die Einwohner von Tanger keine Steuern zahlen. Die Einfuhren n;ch Tanger sind zollfrei. Die Geschäftsleute müssen jedoch eine Fünf Kaiserreiche gab es noch vor dem letzten Weltkrieg. Aber nur zwei Kaiserkronen sind in seiner Glut zerschmolzen, still und ohne Dramatik. Exkaiser Bao Dai von Annam ist zwar jetzt nach Indochina zurückgekehrt. Die bei der Kapitulation abgelegte Krone von Annam wird er nicht wieder tragen. Inzwischen hat auch das Kaiserreich Indien auf gehört zu bestehen. Heute regieren nur noch drei Kaiser: Abessiniens Negus Haile Selassie, Japans Tenno Hirohito und Persiens Schahinschah Mohammed Risa Schah Peh- lewi. Sie alle haben stürmische Zeiten erlebt. Mohammed Risa war erst sechs Jahre alt, als sein Vater, vom Kosakenoffizier in Persiens Steppen zum Marschall und Premier aufgestiegen, nach dem Sturz seines Vorgängers 1925 die erbliche Würde eines Königs der Könige zugesprochen erhielt. Er war gerade mündig, als er an Stelle seines durch lebhaften deutschen Flugzeugverkehr kompromittierten und durch britisch-sowjetisches Eingreifen abgesetz- 'ten alten Herrn 1941 auf den Thron kam. Der flugbegeisterte, lebenslustige junge Kaiser, der im letzten Sommer Gast im Buckingham-Palast war, den Papst und den Badestrand des Lido besuchte, hat noch keinen Thronerben. Seine vor einem halben Jahr nach mehrjähriger Trennung von ihm geschiedene Gemahlin, die ägyptische Königsschwester, hat ihm nur die jetzt achtjährige Prinzessin Schahnaz im Palast von Teheran zurückgelassen. Kürzlich trafen ihn zwei Pistolenkugeln, eine am Nak- ken, eine durch beide Wangen. Risa ist Realist: Sein Thron steht fest auf — „den emerikanisch-sowjetischen Gegensätzen“. Er selbst hat es unverblümt so gesagt. Diese machtpolitischen Spannungen der Großmächte, im Zeitalter des Flugzeugs jeden Erdenwinkel durchdringend, bewahrten auch den mehrtausendjährigen Kaiserthron Japans vor dem Einsturz und Abessinien vor der Kolonialisierung. Wie Mohammed Risa hat Haile Selassie, Negus Negesti oder „König der Könige“ von seinem Vater Zähigkeit, Energie und Klugheit geerbt. Die Krone nahm der Neffe der Kaiserin Zauditu, der legendäre Nachkomme König Salomos, der Sohn des Siegers der furchtbaren Schlacht von Adua gegen die Italiener sich dann selbst. Persönlich vertrat er 1936 als Emigrant seine kaiserlichen Rechte von der Rednertribüne des Völkerbundes in Genf. An der Spitze seiner Truppen zog er im Mai 1941 in die zurückeroberte Hauptstadt Addis Abbeba ein, wo gerade in diesen Tagen die Entwürfe für seinen neuen Paiast eintreffen. Auch deutsche Architekten sind an diesem Preisausschreiben beteiligt. Ein ehemaliger deutscher Flieger berät den Negus in .Wirtschafts- und Landwirtschaftsfragen. Der Kreis seiner europäischen Berater ist aus Engländern, Schweden und Angehörigen anderer Völker von ihm selbst klug gemischt. Sogar italienische Fachleute wünscht er sich zurück, kennt keinen Groll, denkt mit seinen 58 Jahren weniger an die Vergangenheit als an die Zukunft, in der Kronprinz Asfa Wassan, trotz seiner 33 Jahre schon einmal geschieden und wiederverheiratet, Kaiser von Aethiopien sein wird. Japans Kaiser Hirohito hat es leichter gehabt, auf den Thron zu kommen. Der Erdenweg des kaiserlichen Himmelssohnes — nur europäische Operetten sprechen vom Mikado — schien für immer geebnet, als er mit der Thronbesteigung 1928 mit 27 Jahren aus dem Kreis der Menschen in den der Götter aufstieg. Der verlorene Krieg schien zunächst eine' Katastrophe auch für Japans Kaiserhaus zu bedeuten. Auf sowjetischen Antrag prüfte der Militärgerichtshof in Tokio die Anklage gegen Hirohito als Kriegsverbrecher. Sämtliche Zeitungen Japans brachten dann vor zwei Jahren die zwar inoffizielle, aber bed°u- same Erklärung des amerikanischen Anklägers, daß ein Kriegsverbrecherprozeß gegen den Kaiser nicht zu erwarten sei. Inzwischen war der Tenno buchstäblich unter sein Volk herabgestiegen. Der kleine bebrillte Mann wirkt im europäischen Zivil betont bürgerlich, für Europäer beinahe komisch, besonders, wenn er sich neben dem Gala-uniformierten Aristokratentyp des „Vizekaisers“ von Japan, General MacArthur, photographieren lassen muß. Aber den Japanern erscheint der entgöt- terte Herrscher in seiner schwierigen Doppelrolle durchaus nicht lächerlich. Seine Neujahrsgedichte — „Seid wie die Fichte...“ — wurden in allen Zeitungen auf der ersten Seite abgedruckt. Sein Buch über Meereskunde, an dem er jetzt schreibt, wird nicht nur von Wissenschaftlern gelesen werden. 70 000 Menschen drängten sich vor einigen Wochen am 48. Geburtstag des Kaisers vor seinem Palast, in dem er mit der Kaiserin, dem 15jährigen Kronprinzen und dessen sechs Geschwistern sein eigenes Leben lebt. Die amerikanischen Militärposten stehen nicht mehr davor. Trotz allem, was geschah: der Tenno ist Kaiser geblieben. Marsdiall Tito baut eine neue Stadt Die Jugend Jugoslawiens arbeitet an einem „Neu-Belgrad“ Auch in Belgrad sind Wohnungen knapp. Um diese Notlage zu überwinden., greift die Regierung nicht zu den üblichen Mitteln, baut zerstörte Häuser wieder auf oder schafft einzelne neue Wohnstätten — sie geht andere, kühnere Wege: sie piant, eine neue Stadt zu bauen. Regierungsverordnungen sprechen von einem „Neu-Beigrad“, als einer Stadt aus der „Epoche“ Marschail Titos“. Das Baugelände der neuen 9tadit erstredet sich über eine Fläche von Sumpf 1 and jenseits der Donacu, gegenüber dem heutigen Belgrad. Eine fieberhafte Tätigkeit herrscht dort. Die meisten Bauarbeiter sind Jungen und Mädchen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, die sich freiwillig zu dieser Arbeit gemeldet haben. Sie scriei- Tanger international - „Freizone" für Abenteurer Drei Gefängnisse: eins für Mohren, eins für Europäer un,d eins für Amerikaner IWiedarausfuhrsteuer von 12,5 Prozent entrichten. Sie empfinden das als durchaus tragbar, denn die Einfuhrzölle in Frankreich, Großbritannien, Italien und anderen westeuropäischen Staaten übersteigen um Vieles diesen Prozentsatz. Annähernd zwei Drittel seiner Einnahmen bezieht Gracco aus dieser Quelle, den Rest aus bestimmten kleinen Monopolen und einigen indirekten Steuern. Francois Gracco kann nicht einmal zur Förderung dies Schulwesens beisteuern; denn die Mandatarstaaten überbieten sich aus Prestigegründen in der Errichtung freier Schulen in Tanger. Krankenhäuser werden meistens von ausländischen Instituten verwaltet. So verwendet Tanger seine Einnahmen für die Neugestaltung der Stadt, zur Begleichung seiner Verpflichtungen im Ausland und für eine gute Besoldung seiner Beamten. Obwohl die Einwohner Tangers keine Steuern zahlen, kritisieren sie doch oft ihre Behörden. Gegenwärtig richtet sich ihre Unzufriedenheit gegien einen Beschluß der den Bau eines Kasinos verbietet; nach ihrer Meinung würde eine solche Einrichtung der Stadt nur Geld bringen. Die Societe des Bains de Mer de Monaco, die das Kasino in Monte Carlo verwaltet, war bereit das Unternehmen zu finanzieren. Die Behörden sind aber an das Veto gebunden, mit dem irgend ein Mitglied des Rates der sieben Nationen einen Vorschlag grundsätzlich ablehnen kann. Als der Gedanke mit dem Kasino aufkam, erklärte der Vertreter Spaniens, Franco würde nicht zulassen, daß aus Tanger eine Spielhölle werde. Fast jeden Tag findet man in dieser Stadt neue Wege des Geldverdienens, neue „Schliche“ und neue Umgehungsmöglichkeiten des internationalen Marktes. Gesegnet mit guter Ernährung, viel Sonne und drei kleinen Gefängnissen (eins für Mohren, eins für Europäer und eins für Amerikaner) haben die Einwohner lediglich eine Sorge: Eines Tages könnte ein strenger Vertreter Sowjetrußlands im Siebener-Rat einen Platz beanspruchen (wozu er theoretisch berechtigt sein würde) und ihnen ihr Spielchen verderben. Copyright by News Reviev. nen mit Begeisterung bei der Sache zu sein., denn — wie der Berichterstatter der . amerikanischen Zeitschrift „US-News“ bemerkt -— „bewegen sie sich im Trab, selbst wenn sie schwer beladene Schubkarren rollen.“ Zunächst werden aber keine Wohnungen, sondern ein Luxushotel und ein repräsentatives Rariamentsgebäude errichtet. Die Ingenieure haben entdeckt, daß sie aluf harte Felsen stoßen, wenn sie durch die sumpfige Schicht 15—20 Meter hinabbdhren. Mächtige Pfähle aius Eisenbeton und Stahl werden auf diese feste Grundlage hinuntergetrieben und darauf soll dann das Re- gderungsgebäude erstellt werden. Die Pläne für diese neue Stadt schließen alle modernen Errungenschaften ein: eine elektrische Postanlage soll z. B. die Briefe von einer Dienststelle zur anderen befördern und riesige Heizanlagen werden Ströme heißen Wassers durch unterirdisch» Röhren treiben und dadurch jedes Haus der Stadt erwärmen. Man hofft Neu-Belgrad in 15 Jahren erbauen zu können; die Regie- rungsgebäude. einige Fabriken und einzelne Wohnhäuser sollen bereits bis 1951 fertig sein. Etwa 3000 bezahlte Arbeiter, 25 Ingenieure und ein Dutzend Architekten sind mit der Verwirklichung des Projektes beschäftigt; die schwere und mühselige Handarbeit leisten aber 88 Jugendbrigaden, ungefähr 14 000 Jungen und Mädchen aus allen Teilen des Landes. Diese jungen Menschen arbeiten auf dem Baugelände täglich sechs Stunden, die Nachmittage sind mit Spielen und politischer Unterweisung ausgefüllt. Die Regierung 'betrachtet diese Brigaden als „gute Schulen für den Kommunismus'’. Jeder junge Arbeiter dient zwei Monate und kehrt dann in seine Heimat zurück. Seit der Grundsteinlegung vor einem Jahr halben 40 000 Jugendliche auf dem Gelände von Neu-Beljgjrad gearbeitet. Es sind sehr billige Arbeitskräfte, denn sie bekommen keinen Lohn, sondern nur Verpflegung und Wohnung. Fernausgabe Der innenpolitische Diktator Tito Die nationalrussische Wochenschrift „Possew“ Limburg a. d. Lahn) beschäftigt sich mit den in der Weltpresse immer wieder angestellten Vermutungen über den künftigen Kurs der Tito-Regierung und kommentiert ein Interview, das ein Sonderkorrespondent der „Gazette de Lausanne“ mit einer nichtgenannten, hochgestellten Persönlichkeit in Belgrad hatte. Die Zeitschrift faßt das Ergebnis dieser Unterredung folgendermaß«! zusammen: Das Interview definiert mit größter Deutlichkeit die außenpolitische Position Marschall Titos und macht dem Rätselraten optimistischer Pressebeobachter über diese Position ein Ende. Uebrigens hätte es auch gar nicht anders sein können. Denn die Existenz Titos wird nicht von der Außen-, sondern von der Innenpolitik her diktiert. Seine Diktatur über d\e Massen ist ja überhaupt nur möglich durch den herrschenden Polizeiterror Moskauer Observanz. Eine Annäherung an den Westblock würde eine völlige Aenderung dieser Struktur erfordern. Der Sdiwarze von Morgen - ein Gentleman Wandlungen in Afrika, die nur zu oft übersehen werden SÜDKURIER Nr. 63 / Seite Seite 8 treffen, diesem maliger gus in fragen, ater ist gehöri- ! t klug chleute i Groll, an die in der ner 33 d wie- hiopien leichter n. Der ssohnes an vom let, als mit 27 hen in rlorene Strophe leuten. r Mili- ‘ gegen mtlicne ir zwei bed°n- n An. Prozeß sei. In- ch unkleine len Zi- r bei- ich ne- rraten- leneral muß. rntgöt- l Dop- /Sonntag, 28. 29. Mai 1949 ia ulta dZadutUMiQ ROMAN VON FRED ANDREAS 0 ) Copyright by Münchner Roman-Verlag München-Pasing „Jeder Mann steht so aus, als ob er um pien Preis vor Weihnachten heiraten göBfe“, erklärte Rieger tiefsinnig. Beide ^diten. „Aber da Sie es sagen“, fuhr Rie- ger fort, „natürlich. eine Studentin, das ist ja wohl eher was fürs Herz ails auf Dauer. Sehr nett sah sie aius.“ „Ja, sie ist recht hübsch. Sie fühlt sich Ön bißchen einsam da in Ahrensburg hat astiirlich keinen Menschen.“ „Außer Ihnen.“ „Von mir hat sie nicht viel, Rieger. Na- Ltariich bin ich in sie verliebt, das leugne 'ich nicht. Aber das wird eher der Grund sein, daß man sie nicht oft mit mir Spazierengehen sieht.“ „Sie ziehen demnach den Aufenthalt’ im 'ffcnm-er vor? Oder muß ich es so verstehen, 'daß spröde ist?“ ; . „Foppen Sie mich nicht, Rieger. Die Sache ifet harmios. Ihre Gattin dachte natürlich gleich an Verlobung. Nee, abgesehen von rftem andern, das könnte ich doch schon -wegen der Familie Siebert rächt tun, wenigstens nicht so schnell.“ „Naniu. Das verstehe ich nun nicht, Bredar. 'Schließlich waren Sie es doch nicht, der die Verlobung] gelöst hat.“ „Nein, ich war es ja nicht Aber immer- ; bin.“ .Inspektor Herbauer trat ins Zimmer, und Bredar erfuhr, daß er abends naidh. Gjedser .fahren, müsse, weil am nächsten Tage eine ' Reisegesellschaft aus Kopenhagen angesagt ; war, angesichts deren es angezeigt war, die Revision auf dem Trajekt vorzunehmen, das außerdem wieder verspätet eintreffen würde, wenn der Wind anhielt. „Manche Studentinnen haben ein fiurcht- bares Pech“, witzelte Rieger und erreichte wenigstens, daß Inspektor Herhauer für den Augenblick verdutzt war. • Carola Merck fühlte «ich hedmistch in dem kleinen Gartenzimxner in der Hamburger Straße, das sie bei Frau Kirchenrat Sffcoewer in Untermiete hatte. Klein war es freilich, oder allerhöchster* mittelgroß, aber es stand ein Schreibtisch darin, an dem sich arbeiten ließ, zwei Korbsessel, die gespenstisch knisterten, noch viele Stunden hindurch, wenn man daringesessen batte, helle Möbel sonst und ein verblüffen weißes Metaläbett, das sich als wolkenrweich erwies. Es war auszuhalten in diesem Zimmer, manche hatten es schlechter getroffen. Carola beschäftigte sich viei mit Reinhard Bredar. Noch nie war es ihr mit irgendeinem andern Menschen so ergangen wie mit ihm. Seit sie in seiner Wohnung hei ihm gewesen war, hatte sie unentwegt das Gefühl, er stehe jetzt mitten in ihrem Zimmer hinter ihr, er war ihr aufdringlich nahe, immer und zu jeder Zeit. Es grenzte an Halluzinationen. Fluidum, wenn es so was gab .... aber eine Erklärung war es eigentlich nicht. Denn seine eingebildete Nähe war ihr durchaus nicht angenehm. Immerhin war er und blieb er Bredar, der Mann, der Theodor ins Unglück gestürzt hatte, aus purem, skrupellosem Hcrhmut. Diese seine Rolle war unter allen Umständen vorherrschend. Danach erst war in Betracht zu ziehen, daß er auf seine Weise ein interessanter Mensch war, von sozusagen ansehnlichen, überlegenen Umgangsfonnen, mochten die freilich auch nur ein Ergebnis seiner wirtschaftlich sicheren Lebensumstände sein. Aber diese Umgangsformen wirkten wohltuend. Den Gedanken, in Bredar verliebt zu sein, hätte Carola mit Entrüstung zurückgewiesen. Er gefiel ihr, als Mann, er sah gut aus. Aber ehe sie sich in ihn verliebte — vorausgesetzt, daß das überhaupt denkbar war —, mußte die Angelegenheit Theodor erst von Bredar berednigt werden. Und es I sah nicht so aus, als ob er das tun könne, I selbst der gute Wille schien fraglich. Und : es war zwischen ihm und Theodor (oder 1 ihr selbst natürlich) keine Verständigung möglich, solange Bredar nicht das Falsche und Unrechte seiner Gesinnung einsah. Die Verständigung aber mußte erst versucht werden, und zwar bald. Denn Theodors fanatischer Racheplan, den sie ehe- . dem gebilligt hatte, war doch im Grunde . kindisch, wenn man ihn leidenschaftslos und fern von dem Unglücklichen betrachtete. Dies alles mußte gründlich durchgedakht und durchgesprochen werden. Es war gut, daß Theodor seinen Besuch angesagt hatte. * Sie hoäte ihn an einem nebligen, kalten ! Abend vom Bahnhof ab. Fast hätte sie S ihn nicht erkannt. Ein gutgekleideter Herr mit Hornbrille legte ihr plötzlich den Arm um die Hüfte, so daß sie versucht war, um I Hilfe zu rufen. Beide lachten, aber Theodors Wübnens Lachen war tonlos, weh und zerrissen, wie immer. Er sah nun wie ein Gentleman aus. Erst jetzt bemerkte Carola, wie ihn die schäbige Krankenkassen-Brille entstellt hate. Die neuen, kreisrundem, horngefaßten Gläser gaben seinem bleichem, hohlwangigem Gesicht ein gelehrtes und zugleich gesittetes Aussehen. Der Mantel stand ihm gut und sogar Handschuhe hatte er angezogen. Nach der Begrüßung und gegenseitigen Fragen über das Wohlbefinden brachte Carola den Bruder in sein Hotel. Er hatte vorgesorgt, hatte sogar seiner Wirtin die Adresse „Ahrenburger Hof“ hiniterlassen für den Fall, daß Briefe nachzusenden seien. „Wie lamige willst du denn bleiben?“ fragte Carola. „Drei Tage . . . bis Dienstag.“ Sie aßen gemeinsam im Restaurant des Hotels. Von Bredar wurde nicht gesprochen. Wuhnen war seltsam aufgeregt] er sprach hastiger als sonst, verhaspelte sich in seinen Sätzen bis zur Unverständlichkeit Auch waren seine Finger in ständiger Bewegung, und häufig zuckte es um seinen blutleeren, verbitterten Mund. Man muß gut zu ibm sein, dachte sie in einem plötzlichem warm aufwallenden Zusammengehörigkeitsgefühl, lieb und gut und trostreich, man muß seine Heftigkeit dämpfen . . . Am andern Morgen besuchte er sie an der Hamburger Straße. Er brachte gleich das Gespräch auf Bredar, Carola sei ja nun bei ihm gewesen und werde ja nun wohl einem deutlicherem Eindruck gewonnen haben. „Jia“, sagte sie gezwungen, „ich kenne ihn jetzt ungefähr, Theo. Ungefähr. Er gibt sich natürlich von der besten Seite, das wirst du begreifen, er... „Wie wohnt er denn? Wie ist er eingerichtet?“ „Oh .... sehr gut....“ Carola war ein wenig verdutzt, so ins einzelne gehende Fragen hatte sie nicht erwartet. „Zwei Zimmer“, berichtete sie folgsam, „ich kenne das Wohnzimmer, sehr elegant, gemütlich, er hat da einen so neuartigen kanadischen Lehnsessel sehr schöne Bücher, eine moderne Leselampe, du kannst dir ja denken .“ „Kann ich mir denken. Er ist reich, der Vater soll Gerichtspräsident in Köln sein. Die Mutter ist tot. Von der hat er das Geld. Ja, das weiß ich. Also er wohnt so reif.behaglich, wie? Individuell und behaglich?“ „Genau so, ja. Uebrigen« war er in Zivil... .“ „Soso, in Zivil. Natürlich, er kann sowohl Zivil wie Uniform.... das ist ja einleuchtend. Und sonst? Ich meine: sein Wesen, seine Art zu sprechen, sich zu geben . Carola schlug die Beine übereinander und faltete die Hände um das obere Knie. „Mit zwei Worten läßt es sich niiht sagen, Theo. Ganz allgemein: eher sympathisch. Höflich, wohlerzogen, gesprächig, aber nicht geschwätzig... nein, zurückhaltend vielmehr. Im Grunde sicherlich ein ernster Mensch.“ „O ja, den Emst hab' ich zu spüren bekommen. Er erzählte dir dann meine Geschichte und nannte mich Theodor, wie du schriebst? Sonderbar. Du glaubst, daß er meinen Namen wirklich vergessen hatte?“ „Nein, neinm, das war natürlich nur Verstellung j er hat dir ja bis zuletzt noch das Geld überwiesen, nicht wahr?“ „Noch diesen Monat, über Westphalen, wie immer, anonym und gnadenreich.“ „Rr wollte übrigens auch Messerschmidt nicht kennen, er nannte ihn hartnäckig Zimmermann, Juan Zimmermann.“ „Und dann, zum Schluß, rückte er doch noch mit meinem werten Namen heraus?’’ „Ja“, lächelte Carola — sie freute sich, daß Theodor mit seinem .werten' Namen zu scherzen vermochte —. „Er machte es sehr geschickt und drollig mit einem Versprechen. Er wollte .wühlen’ sagen, und es wurde .wühnen’ daraus. Natürlich absichtlich.” „Sehr drollig. Ein humoriger Herr. Und sonst? Du begreifst, Carola, es geht mir vor allem darum, daß er . . . ob er . . . ich meine, hast du etwa Anzeichen bemerkt; die darauf deuten, daß er etwas eingesehen oder bereut hat?” „Nein, Theo. Ich schrieb dir ja, er ist Im großen und ganzen der alte. Aber ich glaube, es wäre nicht unmöglich, ihn dahin zu bringen . . „Was heißt das?” „Ich glaube — und das wird auch für dich das beste sein, wenn es gelingt —, ich glaube, daß es nicht unmöglich ist, ihn so weit zu bringen, daß er . . ." „Carola!” Theodor Wühnen sprang so heftig von seinem Korbsessel auf, daß die Ruten knisternd sich voneinander lösten und ein geisterhaftes Aechzen in die Stille fuhr, die nun entstand. (Fortsetzung folgtl wie die tungen i Buch hreibt, > gele- ;n sich ag des er mit rinzen eige- Mili- Trotz Kaiser he zu er der r be- seflbst tarren ingen, senta- ie Ie- harte l sump- olhren. Stabil linun- is Re- Pläne i mo- ektr’i- i von »rdern tröme Röh- s der :ad in legie- lzettne fertig Inige- sind s be- land- , Uli- IS ad- Men- iglicih : mit aus- : Bri- unis- i Mo. t zu- inem i Ge- sind kom- gung > hrift iftigt imer über rung ein de och- atte. ieser nent •ßter ition tsel- äber lätte nen. von litifc fas- irch mer est- eset U Verstopfung. 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