F/fc D V W Ü STRHSK 5 . JAHRGANG UNABHÄNGIGE H E I M A T Z E I T U N G FÜR DAS LAND BADEN SÜKONSTANZ samstag/sonntag 30./31. juli 1949 • NUMMER 89 Bezog monatlich durch die Post DM 2.30 einschl. 27 Dpi Postzusteälgebühr, durch Träger DM 2.10 einschließlich 25 Dpf Trägerlohn — Einzelpreis 20 Dpf Räumung Kehls beginnt Freibmrg. (W.S.-Eigenbericht.) Em erster Teil der Stadt Kehl ist am Freitag- Wittag 12 Uhr der badischen Landesverwal- tung zurückgegeben ■worden. Dies wurde dem badischem Staatspräsidenten Wohieb in einem Schreiben von Gouverneur Pene gegen 11 Uhr bekanntgegeben. Kurz nach 12 Uhr hat die französische Militärregierung bereits eine Meldung über die Ueber- gabe durch den Kreisdelegierten von Reichen vorliegen. Der freigewordene Stadtteil umfaßt die Gebiete, die vom Zoll, Sdrutteri^nal, Neue Mühlenstraße, Friedhof, Hahnengasse und zurück zum Scbutter- kanal eingerahmt werden. Die französische Bevölkerung hatte dieses Gebiet bereits seit drei Tagen geräumt. Sonntagskarten bis Montag gflltig Konstanz. Vom 1. August an ist die Gültigkeit der Sonmtags-Rückf ahrkarten, die bisher nur bis sonntags 24 Uhr gelten, allgemein bis zum Montagmittag 12 Uhr verlängert worden. Zu diesem Zeitpunkt spätestens muß die Rüdereise angetreten sein. Der Fall Loritz München. Der bayerische Ministerpräsident hat den amtierenden Direkter der amerikanischen Militärregierung Bayerns, Clarenee M. Bolds um eine Unterredung gebeten, an welcher auch der Landtagspräsident Horlacher und Justiz- minister Müller teilnehmen wollen. Die Militärregierung hat geäußert, sie könne die Reaktion des Landtages verstehen, diesem hätten aber nicht alle Unterlagen zur Beurteilung des Falles Vorgelegen. Rundstedt möchte sich vei antworten Hannover. Der ehemalige Generalfeldmarschall von Rundstedt hat an Gouverneur Lingham den Antrag gestellt, eich vor einem Gericht unter der Anklage von Kriegsverbrechen verantworten zu dürfen. Er wünscht, daß das Verfahren gegen ihn zur gleichen Zeit stattflndet wie das gegen Manstein. Rundstedt, der sich im vorigen Jahr vor einem britischen Kriegsgericht in Hamburg unter dieser Anklage verantworten sollte, war von britischer Seite auf Grund seines Alfers und einer Krankheit von dem Verfahren befreit worden. Sndetendeutsche fordern Sühne M ü n , so daß man in die Diele hinuntersehen konnte. Auf dem Dach des Hauses war eine Alarm- Sirene angebracht, die ich durch einen elektrischen Skhalter neben meinem Bett im Schlafzimmer in Tätigkeit setzen konnte. Eine Klingelleitung ging zum Mädchenzimmer über dem Eltems chlafzimmer, ich hatte das Telefon am Bett, und auf meinem Nachttischchen lag jeden Abend mein Revolver. Diese Vorsichtsmaßnahmen waren erforderlich 1 , da wir sehr einsam wohnten und mein Mann viel verreist war. Furcht kannte ich nicht. Wir schafften uns gleich mach Pfingsten einen äußerst wachsamen drahthaarigen Terrier an. Manche Nacht bellte raun das Tier derart, daß ich aufstand und das Licht in der oberen Diele anknipste. Da sah ich, wie unser „Stropp" an der Treppe stand und wütend, mit vor Aufregung gesträubten Haaren, in die Diele himunterbellte. Wenn ich ihn anrief, sah er blitzschnell zu mir herüber, war aber sofort wieder ganz Aufmerksamkeit für die untere Diele. Da ich nichts sah, beruhigte ich das Tier und befahl ihm, sich wieder in sein Körbchen, das neben der Badezimmertür stand, zu legen. Der Krieg brach aus. Mein Mann war einberufen, mein ältester Sohn besuchte das Leopoldinum in Detmold und kam nur über Wochenende heim. Da die ältere der beiden Hausangestellten bei ihrer Mutter in der Stadt schlief, war ich nachts mit unsrer Eise und meinem achtjährigen Jungen allein im Haus. Ich bat deshalb einen Onkel von mir, den Bruder meiner Mutter, auf einige Zeit unser Gest zu sein. Es war Ende September, als ich 1 Uhr nachts davon wach wurde, daß unser Stropp ganz fürchterlich bellte und sich gar nicht beruhigen wollte. Md zog meinen Morgenrock über und ging auf die Diele. Aus dem gegenüberliegenden Logierzimmer sah mein Onkel heraus: „Was hat das Tier nur, es kann sich ja garmicht beruhigen?“ „Ja“, sagte ich, „irgendetiwas stimmt nlidit ich werde jetzt mal hinuntergehen und alles durchsuchen! — Wenn ich einen Kerl finde, schreie ich, dann kannst Eta ja nachkooramen,“ sagte ich spöttisch, denn dieser Mann war Kavalier genug, mich allein hinuntergehen zu lassen. Ich nahm also meinen Revolver und den Hund und ging hinunter. Ich gestehe, daß mir das Herz doch etwas klopfte! Ich durchsuchte alle Räume, dann ging ich in den Keller und durchstöberte auch hier alles, der Hund immer aufgeregt voran. Nichts war zu sehen. Vor dem Kellerausgang zum Garten, im Heizraum, blieb er vor der Tür stehen, bellte und gab zu erkennen, daß er in den Garten wollte. Ich ließ ihn hinaus. Nach einiger Zeit, als ich nichts hörte, pfiff ich dem Tier und ging wieder nach oben. Irgend etwas stimmte nicht, aber, was war es? Auf den Gedanken, daß wir es liier mit etwas „Uebersinnlicbem“, mit einem sogenannten „Gespenst“ au tun hatten, kam ich erst viel später! l?r friifamp Ijausgmiffp Weihnachten rückte heran, am „Silbernen Sonntag“ war die Lebensmittelkartenausgabe und ich mußte deshalb zur Stadct gehen. Meine beiden Fräuleins hatten Ausgang, mein Onkel war schon längst wieder abgereist und meine beiden Jungen waren allein im Haus. Ich kam gegen 14 Uhr heim. Da kamen die Jungen freudestrahlend aus dem Wohnzimmer heruntergelaufen: „Mutte!, warst Du um 12 Uhr schon mal hier?“ Ich sagte: „Nein!“ „Aber wir haben dokh gehört, wie Du kamst, die Dielentür quietschte und wir hörten Dich gehen. Wir sind dann hinuntergegangen, weil wir Dich aber nicht fanden, dachten wir, Du wärest über die Terrasse noch einmal zu Haus- Schopenhauer über das Geistersehen Bi seiner Schrift .Versuch über Geistersehen und wes damit Zusammenhangt‘' nimmt der Philosoph Arthur Schopenhauer positiv zu den Erscheinungen Stellung, die von. vielen Zeugen übersinnlicher Vorgänge berichtet werden. Es heißt in dieser Schrift u. a.: Heutzutage, wo Dinge dieser Art mit viel mehr Unbefangenheit als jemals ange- sehn, folglich auch dreister mitgeteilt und besprochen werden, dürfen wir wohl hoffen, über diesen Gegenstand entscheidende Erfahrungsaufschlüsse zu erhalten. Manche Geistergeöehichten sind allerdings so beschaffen, daß jede anderartige Auslegung große Schwierigkeit hat; sobald man säe nicht für gänzlich erlogen hält. Gegen dies Letztere aber spricht in vielen Fällen teils der Charakter des ursprünglichen Erzählers, teils das Gepräge der Redlichkeit und Aufrichtigkeit, welches seine Darstellung trägt, mehr als alles jedoch die vollkommene Aehnlichkeit in dem ganz eigentümlichen Hergang und Beschaffenheit der angeblichen Erscheinungen, soweit auseinander auch die Zeiten and Länder liegen mögen, aus denen die Berichte stammen. Der Charakter und Typus der Geistererscheinungen i9t ein so fest bestimmter und eigentümlicher, daß der Geübte beim Lesen einer solchen Geschichte beurteilen kann, ob sie eine erfundene, oder auch auf optischer Täuschung beruhende, oder aber eine wirkliche Vision gewesen sei. Es Ist wünschenswert und steht zu hoffen, daß wir bald eine Sammlung chinesischer Gespenstergeschichten erhalten mögen, um zu sehen, ob sie nicht auch im wesentlichen, ganz denselben Typus und Charakter wie die unsrigen, tragen und sogar in den Nebenumständen und Einzelheiten eine große Uetoereinstimmung zeigen; welches atsdano, bei so durchgängiger Grundverschiedenheit der Sitten und Glaubenslehren, eine starke Beglaubigung des in Rede stehenden Phänomens überhaupt abgeben würde. * Ebenfalls mache ich in dieser Hinsicht darauf aufmerksam, daß die meisten der die Charakteristik des Geisterspuks ausmachenden Phänomene, wie sie in den oben angeführten Schriften von Hennings, Wenzel, Teller usw., sodann später von Just. Kerner, Horst und vielen andern beschrieben werden, sich schon ganz eben so finden in sehr alten Büchern, z. B. in dreien, mir eben vorliegenden, aus dem 16. Jahrhundert.. dergleichen Phänomene sind z. B. das Klopfen, das scheinbare Versuchen verschlossene Türen zu forciren, auch solche, die garnicht verschlossen sind, der Knall eines sehr schweren, im Hause herabfallenden Gewichtes, das lärmende Umherwerfen alles Gerätes in der Küche, oder des Holzes auf dem Boden, welches nachher sich in völliger Ruhe und Ordnung vorfindet, das Zuschlägen von Weinfässern, das deutliche Vernageln eines Sarges, wann ein Hausgenosse sterben wird, die schlürfenden, oder tappenden Tritte im finstern Zimmer, das Zupfen an der Bettdecke, der Modergeruch, das Verlangen erscheinender Geister nach Gebet, u. dgl. m., während nicht zu vermuten steht, daß die, meistens sehr illiteraten Urheber der modernen Aussagen jene alten, seltenen, lateinischen Schriften gelesen hätten. Unter den Argumenten für die Wirklichkeit der Geistererscheinungen verdient auch der Ton des Unglaubens, in welchem die gelehrten Erzähler aus zweiter Hand sie vortragen, erwähnt zu werden; weil &r, in der Regel, das Gepräge des Zwanges, der Affektation und Heuchelei so deutlich trägt, daß der dahinter steckende heimliche Glaube durchschimmert. meiers (den Bauersleuten nebenan) gegangen.“ Jetzt stutzte ich! Was war das? „Um wieviel Uhr“, sagte ich, „war das“, — „Um 12 Uhr.“ Ith sah meinen ältesten Sohn an: „Sollten wir ein Ledermärandien...?“ „Ja Mutter, ich habe auch schon gedacht, ob wir...“, ich legte den Finger auf den Mund und bedeutete ihm zu schweigen wegen des kleineren Bruders. „Irgend etwas scheint mir nicht zu stimmen“, sagte ich’. — „Ledermännchen“ hatte der Hausgeist in einem Schloß geheißen, das später ein Landschulheim wurde und welches mein ältester Sohn einige Jahre besucht hatte. Idi dachte nun über viel seltsame Dinge nach 1 und ging am nächsten Tag zu meinen Nachbarn. Ich fragte die Frau nach den Leuten, die das Haus erbaut hatten. Der frühere Besitzer sei gestorben, sagte sie mär.“ „An was starb er denn?“ „Er war zuckerkrank.“ .Nein — ich meine — war da sonst noch irgend etwas?“ — Da sah mich die Frau ganz eigen an und flüsterte: „Er kommt wohl?“ Ich sagte: „Ja!“ und hörte nun zu meinem Erstaunen, daß er schon lange „käme“. Die Witwe hätte es nicht mehr ausgehalten in dem Haus und sei mit ihren Söhnen fortgegangen. Der Mann hätte viel Schuld auf sich geladen gehabt. Er sei ein reicher Bauer gewesen, hätte dann aber das Glashütteriwerk gekauft und sich die Villa erbaut. Er habe aber ein so liederliches Leben geführt, daß er schließlich von der Fürsorge habe beerdigt werden müssen. Er habe viele Schulden hinteriassen. Seine Arbeiter habe er um die Löhne betrogen. Nun könne seine Seele keine Ruhe finden. &?baßfan iß gut und fdjltmm Ich ging heim und dachte nun darüber nach, was ich unternehmen sollte, denn irgendetwas mußte geschehen, da ich Weih- naichlten meine Eltern und Schwester erwartete urad meiner lieben Mutter, die etwas ängstlich ist, unmöglich ein so mysteriöses Türengehen und knarrende Treppenstufen in den Nächten zumuten konnte. Als alle abends zu Bett lagen, mein Aelte- ster war schon in Weihnachtsferien daheim, setzte ich mich unten ins Herrenzimmer. Ich hatte die vier Lichter am Adventskranz angezüradet und wollte auf den „alten Sebastian“, wie wir das Gespenst nun nannten, warten. Wenn ich' ihn dann hörte, wollte ich ihn anrufen; man sagte mir nämlich, daß ich ihn daran auch „sehen" könnte. Bisher hatte ich ja nur das Rumoren im Hause gehört. Es schlug Mitternacht und mein Herz schlug doch etwas schneller, aber in der Nacht blieb alles still. — Meine Else hatte wohl geplaudert. Es war wir ein Lauffeuer bei unseren Arbeitern herum: „Frau Direktor hat gewacht, um ihn zu sprechen.“ Die eine Frau, die oft bei der Witwe gewacht hatte, weil es ihr zu unheimlich war allein, kam zu mir und sagte: „Wenn er Ihnen gebeichtet bat, müssen Sie aber seine Schuld auf sich nehmen.“ Das war mir nun doch zu riskant, und so beschloß ich, den Pfarrer zu fragen. Die einen hatten mir geraten, ein Kruzifix auf die Haustürschwelle zu legen, andere wieder rieten zu einem Drudenfuß, dann könne der Geist nicht über die Schwelle kommen. Ich lehnte alles ab, ich sagte mir, ist es wirklich eine unerlöste Seele, so muß ich, die ich im Hause wohne und darum weiß, dafür Sorge tragen, daß sie zur Ruhe kommt. Ich betete jeden Abend zu Gott, er möge doch dieser Seele Frieden geben. Ich besprach mich mit meinem ältesten Sohn, der in Detmold konfirmiert war, und bat ihn, den „Fall“ mit seinem alten Pfarrer zu besprechen. Dieser sagte: „In meiner ganzen Praxis ist mir derartiges noch nicht vorgekommen, aber wenn Deine Mutter das sagt, weiß ich, daß es Wahrheit ist. Ich werde sie anrufen.“ Am Sonntag darauf rief er mich aus Detmold an. Er meinte, da man von „diesem Geist" wisse, daß er zu Lebzeiten katholisch gewesen sei, sollte ich mich erst an einen katholischen Priester wenden; wenn das nicht helfe, würde er aus Detmold herüberkommen und das Haus aussegnen. Ich dankte. Ich rief das Franziskanerkloster in Paderborn an. Ich bat, den Guardian sprechen zu dürfen. Ich sagte ihm: „Pater Guardian, bei uns im Haus gehen nachts immer Türen und man hört Schritte.“ Er sagte: „Ach bitte, kommen Sie doch morgen zu mir. Das wollen wir lieber nicht am. Telefon verhandeln.“ — Ich ging, nicht, ich hatte eine Scheu davor, in ein Männerkloster und noch dazu eines so strengen Ordens, zu gehen. Weihnachten kam und ich war unpäßlich. Ich schlief deshalb im Wohnzimmer isoliert, da ich nicht wußte, was ich „ausbrütete“. Die Tür zum Balkon stand ein wenig geöffnet. Da erwachte ich durch recht eigenartige schlürfende Geräusche auf dem Balkon. Ich sagte mir, ach, es wird welkes Laub sein und der Wind treibt es von einer Seite zur andern! — Am nächsten Morgen sah ich nach. Der Balkon war tadellos sauber — aber ich wurde ernstlicher krank und mußte länger das (Bett hüten. Ich habe später dann beobachtet, daß unser „Hausgeist“ jede Krankheit „meldete“! Ebenso wie jeder Bombenangriff, den der Luftkrieg brachte Er war uns „gut gesinnt!“ — Es war bitterkalt in jenem erste Kriegsjanuar 1940. In unserer Bauernstub heizten wir noch einen Ofen, da die Zer tralheizung nicht ausreichte. Wir hatt: die gemütliche Ecke verlegt, den Tisc und die Eckbank vor den Ofen gestellt Ich hatte die „Feuerzangenbowl«“ gelesen, ein lustiges Buch, und dachte nicht im geringsten an Gespenster! Ich gehe über die Diele, es schlägt grad Mitternacht, komme in die Küche und will in der Speisekammer nachsehen, ob meine Else alles schön ordentlich aufgeräumt hat. Da stoße ich plötzlich vor der Speisekammer an einen großen Männerschuh, ich fühle es deutlich, sehe ruhig nach der Richtung und sage halblaut: „Ach, Du bist es, oller Sebastian.“ Viel später sagte mir der Guardian der Franziskaner: es sei das einzig Richtige gewesen, daß ich das „Gespenst“ mit dieser Selbstverständlichkeit als „Hausgenossen“ behandelt Stätte. — Ich sah in der Speisekammer nach dem Rechten, goß meine Pflanzen im Wintergarten und wollte noch die in der Bauernstube gießen. Ich ging durch das Eßzimmer und da ich im Herrenzimmer meine „Feuerzangenbowle“ auf den Schreibtisch gelegt halte, schlage ich im Vorbeigehen die letzten Seiten nochmals auf und lese den lustigen Schluß. Da kracht ein Gewehrschuß aus der Bauernstube! Mit einem Satz bin. ich unter der Tür: „Was war das, Carl-Hermann, wo — da!“ Gleichzeitig sagen wir „da“ und zeigen mit ausgestreck- ter Hand nach der Ecke, wo sonst Bank und Tisch stehen!„Der hat es heute ja mal wieder gut vor“, sage ich. Wir gehen schlafen. — Tags darauf j gehe ich auf den Bauernhof, erzähle das jüngste Ereignis der Frau. Sie sagte: „Frau Schramm, das Zimmer war früher das Jagdzimmer und wo jetzt Ihre Eckbank steht, stand ,sein’ Gewehrschrankü —“ Rätsel über Rätsel! Das Frühjahr kommt Die Alarme mehren sich. Wir stellen unsere Weckeruhr 5 Minuten vor 24 Uhr, da immer um diese Zeit die Sirenen losheulen! Ich schelle mein Fräulein oben wach und ziehe meinen achtjährigen schlaftrunkenen Buben an. Im Trainingsanzug liegen wir noch auf den wollenen Decken, bis die Sirene heult, dann geht's eilends hinunter Nur immer Durchflug. Die Sache war mir zu dumm. Ich frage meine Else — sie will auch lieber schlafen. Wir schlafen also! — Einige Nächte darauf rumort „er“ ganz unverschämt auf der oberen Diele herum, ich höre „ihn“ auf und ab, auf und ab gehen, ich denke: auf gut flämisch (ich habe meine Kindheit und Jugend in Belgien verlebt) „keusch me bot- te“, dreh mich um und will schlafen! Da geht ein Schlag durch die Wand, meinem Bett gegenüber zwischen Frisiertoilette und Fenster, daß ich mir sage: da muß jemand unten vor das Haus geschla- Zeichnunq: H. Sauerbruch / gen haben. Ich laufe durch das Wohnzimmer auf den Balkon, beuge mich sehr über, da ich dann den Ausgang vom Keller und diese Gartenseite sehen kann. Kein Mensch weit und breit. Also doch — „Sebastian”. Ich sehe auf: Richtung Lippstadt blitzt es von Bombenabwürfen, der Himmel rot! Höchste Zeit! Ich läute Sturm nach oben, für Else. Ich ziehe meinen kleinen Buben an. Alarm!! Wir laufen in den Keller! Es fallen Bomben in Paderborn! Unser massives Haus bebt wie ein Kartenhaus! — Guter alter Sebastian! Er hat uns warnen wollen! Aber er war nicht immer „gut“. Ich erwachte von der Empfindung, daß ein Körper auf mir liegt und ein Arm sich unter meine linke Schulter schieben will. Ich bin sofort hellwach und weiß, was „es“ ist. Neben mir im Bett stöhnt mein kleiner Bub im Schlaf, er fühlt wohl dies Unheimliche. Ich sage ruhig und laut „Jesus Christus“ und mache das Zeichen des Kreuzes. „Es“ war sofort verschwunden. Am Tag dachte ich viel über dies Erlebnis nach und ob ich doch lieber zum Franziskaner gehen sollte, aber ich unterließ es. — Es vergingen Wochen, in denen alles ruhiv blieb. „Sin ifprbf! b»rö«t Im Herbst 1941 aber geschehen drei Nächte hintereinander sehr merkwürdige Dinge! In der ersten Nacht träumen meine Else und ich den gleichen Traum! Wir sehen beide, wie die Villa abbrennt! Else erzählt mir ihren Traum, als wir beide vormittags in der Küche stehen — ehe ich etwas von meinem Traum sage! — Da mir eine Frau, die „ihn“ zu Lebzeiten gekannt hatte, sagte: „Sie müssen für ihn eine Messe lesen lassen, denn wenn die Seele nach neun Jahren nicht erlöst ist, brennt das Haus ab“, gibt mir die Sache zu denken! Ich frage die Frau unseres Chauffeurs, die darum wußte, wann der alte Sebastian gestorben sei. Sie zählt nach: „Diesen Herbst werden es neun Jahre!“ In der Nacht nach diesem Traum werde ich plötzlich wach und sehe an der Wand — meinem Bett - gerade gegenüber — zwischen Fenster und Frisiertoilette .. einen Totenkopf! Riesengroß, ca. 90 Zentimeter und wie von innen heraus illuminiert. Er leuchtete matt an der Wand! Ich bin etwas erschrocken. Ich setze mich aufrecht irf mein Bett, reibe mir die Augen, die Erscheinung an der Wand bleibt. Ich kneife mir den Arm, ich bin wach, hellwach: Ich träume nicht! Da — Entsetzen! Der Totenkopf klappt die Kiefer auf und zu, als wolle er sagen: „Nun habe ich genug“. Ich sage laut: „Jesus Christus“ und mache das Zeichen des Kreuzes gegen dieses furchtbare Bild. Es ist sofort erloschen. — Ich liege lange wach und grübele. Er hat etwas sagen wollen — ich muß mit dem Franziskaner sprechen. Ich gelobe mir — noch ganz erfüllt von dem eben Erlebten, morgen früh gehe ich. Der Tag kommt, und ich sage mir: „Ach was!“ — In der folgenden Nacht um 1 Uhr bellt mein Stropp wie toll. So hat er ach lange nicht aufgeregt. Was ist nur wieder los? Der Hund bellt und bellt Kein Zurufen beruhigt ihn. Ich entschließe mich, aufzustehen. Ich gehe durch das Badezimmer, öffne die Tür zur oberen Diele und knipse das Licht an. Stropp steht vor mir, den Kopf zwischen das Geländer gesteckt und bellt aufgeregt in die Diele hinüber. Ich beuge mich über das Geländer und schaue hinüber. Die Diele ist hell beleuchtet — nichts zu sehen. Aber da.. ein wütendes Fauchen, wie von einer Panterkatze kommt aus der Diele herauf!! Entsetzt fahre ich zu rüde, packe den Hund, knipse das Licht aus, schlage die Badezimmertür zu und schließe ab. Ich stehe zitternd an Zimmer, sehe mein schneeweißes Gesicht im Spiegel. Der Hund auf meinem Arm zittert auch. Ich presse ihn an mich und beruhige ihn. Ich bette ihn auf den Teppich vor meinem Bett und habe nicht den Mut, die Tür noch einmal zu öffnen und das Tier in sein Körbchen zu packen. Ich wasche mir mein Gesicht kalt ab und lege ra ttmtt äafyre —“ mich wieder zu Bett. Ich lasse meine Nachttischlampe brennen, ich fürchte mich vor dem Dunkel Dies war auch für meine starken Nerven zuviel. Ich bekreuzige mein Kind und mich urad bete lange. Idi gelobe, am Morgen sofort zum Franziskanerkloster zu gehen. Der Tag kommt, ich erzähle alles meiner Else. Ich rufe den Guardian an und darf sofort kommen. Ich radle zur Stadt und gehe etwas beklommenen Herzens in das Kloster. Dann kommt der Guardian: ein freundlicher, älterer Mann in der braunen Kutte. Wir begrüßen uns und sprechen gleich über die eigenartigen Wahrnehmungen. Erst will er die Sache ins Lächerliche ziehen und sagt: „So, so, da hören Sie also Schritte und Türen gehen, bilden Sie sich's vielleicht nur ein?“ Ich erzähle ihm nun so allerhand, und als er hört, daß auch die Kinder, wie sie allein im Hause waren, es wahrnehmen, da sagt er: „Auch die Kinder, ja, Frau Schramm, dann wird es wohl stimmen.“ Wir haben dann sehr ernst und lange die Sache durchgesprochen. Er sagte, ich solle zu meinen Eltern reisen. Falls wir wieder im Hause wohnen würden, wenn mein Mann in Urlaub käme und wir würden noch weiter belästigt, dann wolle er kommen und das Haus aussegnen. Er erzählte mir dann noch einige sehr merkwürdige Dinge, die er selbst erlebt hatte. Zum Schluß gab er mir beide Hände und sagte: „Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute für Ihr ferneres Leben.“ Ich fuhr beglückt und beruhigt heim. Der Guardian hatte mir versprochen, daß der Orden für die arme Seele beten würde. Ob nun das Gebet der Franziskaner half oder auch mein Gebet? Der Sebastian wurde nicht wieder gehört. Ich reiste damals ab nach Thüringen zu meinen Eltern, damit mein Junge einen geregelteren Schulunterricht haben konnte, da es in Paderborn infolge der Fliegeralarme nicht mehr möglich war Im Frühjahr 1942 wurde mein Mann, der aus dem Lazarett entlassen war, nach Berlin berufen und wir räumten das Haus. Später wurde es Verwaltungsgebäude, da der furchtbare Luftangriff, der fast ganz Paderborn zerstörte, auch die großen Hallen und die Verwaltungsgebäude unseres Betriebes vernichtet hatte. — Man hörte „ihn“ nicht mehr. Die Leute in Paderborn, die um die Sache wissen, sagen: „Die Ehefrau des Verstorbenen hat wieder geheiratet und seitdem .kommt' er nicht mehr.” Ob es so ist, oder ob ein anderer Grund ihm zu .wigem Frieden und Ruhe verhalt? Wer kann dies wissen? Käthe Schramm-Marschali Samstag Sonntag, 30./31. Juli 1946 SÜDKURIER Nr. 89 / Seite 4 Glückliches, arbeitsames Vorarlberg! Vorblldlidie Export* und Musterschau ln Dornbirn als landerverbindende Messe zwischen Wien und Basel Sportdienst des Südkurier Kugel auf Weltrekordmarke 17,79 m Hervorragende Leistungen beim Leichtathletik kämpf Nordeuropa — Dornbirn. (Gr.-Eigenbericht) Es wird viel von. europäischer Zusammenarbeit gesprochen. Die politischen Hindernisse sind aber überall noch beträchtlich. Das hochindustrialisierte Vorarlberger Wirtschaftsgebiet drängt nach Austausch und Zusammenarbeit mit den angrenzenden Ländern und mit der Welt. Es ist den Veranstaltern der Dornbimer Export- und Musterschau vortrefflich gelungen, diesem Anspruch durch eine glänzende Ausstellung zum ersten Male nach dem unglückseligen Kriege und zum ersten Male in der Geschichte dieser Stadt überhaupt Nachdruck zu verschaffen. Als besonderes Verdienst muß es den Veranstaltern angerechnet werden, daß es ihnen gelang, die einheimische Wirtschaft durch Aussteller aus der Schweiz, Frankreich und den USA, vor allem aber aus dem benachbarten Baden, Bayern und Württemberg zu ergänzen. Am Eröffnungstage hatte sich 'die ganze interessierte Geschäftswelt von Wien bis Basel eingefunden. Seither reißt der Strom der Besucher, der am ersten Tag bereits die Zahl von 50 000 erreichte, nicht mehr ab. Die Schwierigkeiten und Widerstände, die zu überwinden waren, sind vergessen. Das ganze Vorarlberg nimmt an diesem Ereignis teil. In glückhafter Mischung scheinen sich hier wirklich die besten Elemente großer europäischer Messen mit volkstümlicher 'Fröhlichkeit, mit Wiener Praterstimmung zu verbinden. Das anheimelnde, schmucke Städtchen, die strahlende Sonne und die freundliche Aufnahme, die man überall findet, machen den Besuch der Dornbimer Export- und Musterschau für jeden Gast zu einem Fest. Dabei wollen wir nicht vergessen, daß wir uns in einem Lande befinden, das seine Wirtschaft ohne Beeinträchtigung durch Demontagen und sonstige Kriegsschädenfolgen in den letzten Jahren verhältnismäßig frei entfalten konnte. Im Mittelpunkt der Dombirner Messe steht naturgemäß die Textilschau, ist doch seit Jahrhunderten die Textilindustrie der führende Gewerbezweig des Landes. Was auf diesem Gebiet von den einzelnen Firmen, den Wollspinnereien und • Wollwebereien, den Herstellungsund Verarbeitungsbetrieben für Baumwolle, Zellwolle, Seiden- und Kunstsei- den'fasem und -stoffen, den Stickereien, Klöppelfabriken und Stickereien, gezeigt wird, übertrifft alle Erwartungen. Man sieht sich in ein Märchenreich versetzt. Mit neuzeitlichen Ausstellungsmethoden — Ausschluß des Tageslichtes. Dekorationen, wie wir eie vom Theater gewohnt ThemaNr.li Wirtschaftsverständigung Die Besprechungen, die kürzlich in Bad Neuenahr zwischen den führenden Persönlichkeiten der bereits bestehenden deutschen Organisationen für den Handel mit Frankreich und der französischen Vereinigung für Handelsbeziehungen mit Deutschland (AFREA) abgehalten worden sind, haben zu wichtigen organisatorischen Beschlüssen geführt. Auf deutscher Seite ist die Zusammenlegung der bisher getrennt bestehenden Organisationen in Düsseldorf und Frankfurt und die Bildung neuer Zweigstellen in München und Hamburg in einen Dachverband geplant, der am 13. August offiziell ins Leben gerufen werden soll. Die Frage, wie die Verbindung zwischen dem neuen deutschen und dem französischen Dachverband (AFREA) enger gestaltet werden kann, ist ebenfalls angeschnitten worden. Diese Verbindung könnte entweder durch die Bildung eines gemischten deutsch-französischen Komitees, das aus den Vertretern der beiden Dachverbände zusammengesetzt wird, oder durch die Bildung von Berufsgruppen innerhalb der in den beiden Organisationen vertretenen Wirtschaftszweige hergestellt werden, t sind, raffinierte künstliche Beleuchtung — wird die ganze Fülle dessen ausgebreitet, was eine hochqualifizierte Industrie zu leisten vermag. Da finden wir in leuchtenden Farben Buntdrucke und Seidenstoffe, in kunstvollen Mustern Strickereien, Klöppelspitzen und Stickereien, in einer Vielfalt ohnegleichen Kleiderstoffe und Wäsche, Teppiche und Gardinen, Bettzeuge und Krawatten. . . . Es ist kein Ende alpzusehen. Rechtzeitig zur Austeilungseröffnung ist eine ausgezeichnete Monographie erschienen: Das Textilland Vorarlberg von Dr. Hans Nägele-Bregenz. Wir blättern in dem Buche und stellen fest, daß e in der geschichtlichen Betrachtung die gleichen ■ Namen verzeichnet sind, die noch heute die führenden Firmennamen zieren: die Herburger und Rhomberg, die Ganahl und Hämimerle, die Fußenegger -und Benger, die Bösch und Hofer und viele andere. Ueber der Textilschau dürfen aber auch die mächtig herandrängenden Ergänzungsindustrien des Vorarlberger Gebietes nicht vergessen werden. In besonderen Zelten, dem Maschinenzeit, dem Elektrozelt usw. zeigen große und kleine Firmen der verschiedensten Zweige der Eisen- und Metallverarbeitung, der Elektroindustrie, der chemischen Produktion u. a. ihre Erzeugnisse. Unmöglich, mehr als nur einen ganz flüchtigen Hinweis zu geben. Der Ausstellungskatalog umfaßt 25 Branchen und enthält 500 Firmennamen! Im ganzen genommen ist diese Musterschau eine großartige Selbstbestätigung des kräftigsten Wirtschaftsgebietes unseres Nachbarlandes Oesterreich und der gesamtösterreichischen Wirtschaft überhaupt. Man glaubt, bei den zahlreichen einheimischen Besuchern selbst etwas von einem freudigen Erstaunen zu verspüren. Und wie steht es mit den Ausfuhrmöglichkeiten? Denn in erster Linie als Exportschau ist doch die Dombirner Messe Der Starke ist am Schweiz will keine Dollars Z ü r i ch. (p-Eigenbericht.) Als 1948 in Paris das Abkommen über die wirtschaftliche Zusammenarbeit Westeuropas im Rahmen des Marshallplans abgeschlossen wurde, war es der Schweiz gelungen, sich ihre politische Handlungsfreiheit weitgehend zu bewahren. Indem sie sich auf den Standpunkt stellte, daß sie in keinem Falle Unterstützungszahlungen aus dem großen Dollartopf zu empfangen wünsche, konnte sie gewisse amerikanische Zumutungen zurückweisen. Die wichtigste dieser Zumutungen bestand darin, daß die Amerikaner verlangten, die Schweiz solle sich wie alle übrigen Marshallplan-Staaten einer dauernden Finanz-Kontrolle unterwerfen. Länder wie Großbritannien, Frankreich, Holland und Italien, deren Sanierung nicht ohne große Dollarzuschüsse denkbar war, mußten sich gern oder ungern dieser Gläubigerkon- trolle unterwerfen. Wenn die Schweiz das für ihren Teil ablehnte, so geschah es aus triftigen Rücksichten auf ihre Neutralität. Die Schweiz glaubte, es sich nicht leisten zu können, von der in Osteuropa aufmarschierten Mächtegruppe der einseitigen Parteinahme zugunsten Amerikas bezichtigt zu werden. Sie hatte außerdem einen triftigen wirtschaftlichen Grund, nämlich den Wunsch, Im- und Export-Geschäfte auch mit den Ländern des Ostblocks zu machen. Amerika hat damals nach langem Zögern den schweizerischen Standpunkt anerkannt, und im ersten Marshallplan-Halbjahr verlief die Sonderregelung denn auch im Sinne der Schweiz. Seitdem aber vor kurzem die englische Dollarkrise eine Revision des Pariser Finanzplanes notwendig gemacht hat, droht der Schweiz von neuem der Verlust ihrer politisch-wirtschaftlichen Ellenbogenfreiheit. Der neue Pariser Plan sieht nämlich vor, daß zugunsten der britischen Finanzsanierung neue gedacht. Nun auch hier ist die Meinung, daß überhaupt erst einmal der erste Schritt getan werden muß. Auch Oesterreichs Export unterliegt noch der Kontrolle der Alliierten. Was an Devisen eingenommen wird, geht zum großen Teil weg für die so notwendige Kohle. Eine weitere schwierige Frage ist der Umrechnungskurs. Dem freien Austausch von Land zu Land stehen noch viele Hindernisse entgegen. Das gilt zumal für die deutschen Aussteller (Maschinenfabriken, Werkzeugfabriken, Fabriken für Textil- und Radiobedarf, eine Holzfabrik, eine Spezialfirma für Ofentüren u. a.), von denen man hört, daß ihre Artikel großem Interesse begegnen und auch preislich günstig liegen. Dornbirn hat als erster Brückenschlag zu gelten. Es ist eine Freude, den verschiedenen Herren zu begegnen, denen ln erster Linie der Erfolg der Ausstellung zu verdanken ist. insbesondere dem führenden Textilindustriellen Vorarlbergs Hermann Rhomberg. Es wird solide, echte Arbeit gezeigt, die einen anspricht, und es tritt ein tätiger Lebensfrohsinn zutage, der einen mitreißt. Es war eine überaus glückliche Idee, in dieser Textilstadt von der üblichen Praxis der Regional- und Soeziai- ausstellungen abzugehen. Unter Teilnahme der gesamten österreichischen Wirtschaft (der Vorarlberg ist nur mit 47 "Ai der Aussteller beteiligt) und jener der Nachbarstaaten hat man eine Schau geschaffen, die wirklich die Bezeichnung einer ..M°sse zwischen Wien und Basel“ verdient. Technisch wäre sie nicht durchzuführen gewesen, wenn nicht die bekannte Konsfanzer Firma L. Stromeyer u. Co, ihre großen Zelte zur Verfügung gestellt hätte. Es ist nicht zu zweifeln, daß in Dornbirn eine ganz wesen+üche Etaooe auf dem Wege zum freieren Wirt- .scheftsaustauseh rund um den Bodensee und mit der Welt erreicht wurde. mächtigsten allein aus Interesse -an Osteuropa Dollarzuwendungen im Rahmen des europäischen Clearing-Verkehrs erfolgen sollen. Praktisch würde diese amerikanische Hilfsaktion darauf hinauslaufen, einen Teil des durch Nichtverwertbarkeit von „wfeichen” Währungen (besonders von englischen Pfunden) entstandenen Fehlbetrages in Dollars umzuwandeln. Ungewollt würde die Schweiz, weil sie Lieferungsüberschüsse gegenüber den „weichen” Schuldnerländern hat, indirekt Nutznießer dieser neuen Hilfsaktion werden. Sie soll zwar nur die Hälfte ihrer Forderungen in Dollars erhalten, aber die andere Hälfte des Fehlbetrages der Schuldnerländer soll die Schweiz selbst durch neue Warenkredite finanzieren. In Bern hat man nun mit großem Unbehagen vernommen, daß die Vereinigten Staaten wiederum den Anlaß benutzen wollen, die Schweiz zum Schuldnerland zu stempeln und ihr eine Kontrollverpflichtung aufzuerlegen. Der Bundesrat hat in diesen Tagen darüber beraten. Er hat zwar noch keine formelle Absage beschlossen, aber doch durch- blicken lassen, daß er auch jetzt nicht an eine derartige Unterwerfung denke, vielmehr den Neutralitätsgedanken verteidigen wolle. Auch wünsche er nicht, über die schon nach dem Kriege geleisteten Kredite hinaus neue Vorschüsse an Großbritannien, Frankreich und andere Marshall-Länder zu leisten. Vermutlich wird ein formeller Beschluß erst gefaßt werden, wenn der Ausgang der britisch-amerikanischen Meinungsverschiedenheiten über die Währungsfrage feststeht. Die Andeutungen, die Bevin vor einigen Tagen im Unterhaus gemacht hat, werden in der Schweiz vielfach so ausgelegt, als ob die für September bevorstehende Währungskonferenz die gesamte wirtschaftliche Situation zwischen dem Dollar- und dem Pfund-Sterling-Gebiet entscheidend ändern werde. (Si-Eigenberidit) Unmittelbar nach den Olympischen Spielen von London wUTde ein. Vorstoß unternommen, um einen Leichtathletik-Wettkampf Nordamerika—Südamerika—Europa zustande zu bringen. Eine entsprechende Vereinbarung (Nord- europa—Nordamerika) ist schließlich getroffen worden. In der norwegischem Hauptstadt Oslo trafen 52 amerikanische Wettkämpfer ein. Es isi dies die größte Expedition, die Amerika außerhalb den Olympischen Spielen bisher ausrüsteta Der erste Tag verlief für die Amerikaner nicht so erfolgreich, wie sie angenommen hatten. Die Nordländer buchten sechs Siege in den neun Konkurrenzen und gingen mit 104 Ki zu 78'/* Punkten in Führung. Resultate: 400 m Hürden: 1. Richard Ault (USA) 51,8 Sek.; 2. Ronald Fraser (USAl 52 Sek. Dreisprung: 1. Arne Ahman (Schweden) 15,33 m; 2. Lennart Moberg (Schweden) 15,10 m. 3000-m- Hindernislauf: 1. Kurt Soederberg (Schweden) 9:07,6; 2. Curtis Stone (USA) 9:11. Speerwerfen: 1. T. Rautavaara (Finnland) 72,55 m; 2. Hyy- tianen (Finnlandl 69,89 m. Hochsprimg: 1. Arne Ahman (Schweden) 1,98 m, 2, Richard Phillips (USA) 1,95 m. 100 m- 1. Andrew Stanfield (USA) 10,3; 2. Charles Peters IUSA) 10,4. 1600 m : 1. Lennart Strand (Schweden) 3:49; 2. Henry Rriks- son (Schweden! 3:49,2. Marathonlauf: 1. Lean- dersson (Schweden) 2:37,25 ; 2. Oestlmg (Schweden) 2:42,34. 4X400 m: 1. Amerika 3:11,4; 2. Skandinavien 3:19,4. Die 20 000 Zuschauer, die am zweiten Tag in6 Bi6let-Stadion n Oslo geeilt waren, sahen dne amerikanischen Kugelstoß-Spezialisten James Fuchs in Hochform. Der Yankee zeigte phantastische Würfe und mit einer Weite von 17,79 m blieb er um M cm über dem von Charles Fon- ville (USA) im Jahre 1948 aufgestellten Weltrekord vop 17,68 m. Eine Ueberraschunq brachte 'der Zehnkampf, indem 6ich nach fünf Uebungen der Isländer O. Clausen mit 3977 Punkten an die Spitze setzte, gefolgt von Irvin Mondschein (USA) mit 3974 Punkten und dem Olympiasieger Bob Mathias (USA) mit 3855 Punkten. — Der zweite Tag ergab ein Total von 80:60 Punkten für die Amerikaner, doch führt Skandinavien in der Gesamtwertung aller bisherigen Wettkämpfe immer noch mit 164!=:158K Punkten. Resultate; 110 m Hürden: 1. Crai a Dicon (USA) 14.2 Sek.: 2. Richard Attlesey fUSA) 14,8. Hammerwerfen: 1. (Bob Ericsson (Schweden) 52,48 m; 2. L. Tamminen (Finnland) 51,47 m. 800 m: 1. Meelvin Whiffield (USA) 1:51,8; 2. Ingvar Bengtsson (Schweden) 1:52,2. 5000 m: 1. V. Kos- kela (Finnland) 14:35,6: 2. Fred Wilt (USA) 14:38,2. Weitsprung: 1. Herbert Douglas (USA) 7,47 m; 2. G. Bryan (USA) 7,45 m. Kugelstoßen; 1. James Fuchs (USA) 17,79 m (neuer Weltrekord); 2. Wilburn Thompson (USA) 16,44 m. 4X100 m: 1. Amerika 41,2 Sek.: 2. Skandinavien 42.3 Sek. Fußball stolpert über Paragraphen (SK) Mehrer Sportvereine, die sich für die neue Fußballsaison vorbereiten, beklagen sich über (L. S.-Eigenbericht) Die Rennstrecke auf den Schapinsland bei Freiburg ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Seit den frühen Morgenstunden des Donnerstag donnern auf der kurvenreichen Strecke, die bis hinauf zum Gipfel führt, die Motore. Schon der erste Trainingstag brachte in allen Klassen hervorragende Ergebnisse und mehrere Streckenrekorde, die für das Rennen am Sonntag schöne Perspektiven eröffnen. Nach Abschluß desi Trainings ergaben sich in den einzelnen Klassen folgende für die Startfolge am Sonntag wichtigen Zeiten: Solomaschinen: bis 125 com: Rolf Hammer auf Pudi 11 Min. 8,5 Sek.: bis 250 cbm: Kläger, Freibürg, NSU 9 Min., 10,lSek.; Daiker, Stuttgart auf DKW- Kompressor 9 Min. 23,4 Sek.: bis 350 ecim: Wünsche, Braunschweig, DKW-Kompressor, 8 Min. 58 Sek.; Laichmann, NSU, 8 Min. 21,7 Sek. = 86 stkm.; bis 500 ccm- Georg Meier BMW 8 Min. 16,3 Sek. - 87 stkim HC Müller DKIW 8 Min. 05,8 Sek. “ 88,9 stkm; Kraus, München, BMW-Kompressor 8 Min. 48,6 Sek.; Fleischmann, Amerbach, NSU 9 Min. 05,4 Sek.; Nitsdiky, Karlsruhe, NSU 9 Min. 49 Sek. Seitenwagen - maschinen: bis 600 ccm: Li-pp, Lübeck, BMW 10 Min. 27,6 Sek.: Braun, Karlsruhe, DKW 9 Min. 11,2 Sek. = 78,4 stkm.-, Vaesen, Düsseldorf, Norton LI Min. 0,07 Sek.; bis 1200 ccm: Klanker- maier, München, BMW-Kompressor 9 Min. 32,7 Sek. Faistenhammer „Douglas" 9 Min. 40,7 Sek. ” 78 stkm. Sportwagen: bis 1100 ccm: Raith, Wehr, BMW 10 Min. 37,1 Sek.; Neumaier BMW 9 Min. 54,4 Sek. = 72,7 stkm. bis 1500 ccm: Hummel, Freiburg, „Veritas” 9 Min. 59,7 Sek.: USA Schwierigkeiten, die ihnen von „höchster Stelle" in den Weg gelegt werden. Es handelt sich um jenen Paragraphen in der Spielordnung, der zu- gewanderte Spieler mit einer SDerre von drei Monaten für 1. Mannschaften belegt. Nun, Ordnung muß sein! Dafür sind wir auch. Vor allem wenn es um Punkte geht. Mit Paragraphen kann man aber auch über das Ziel hinausschießen; sie vernebeln mitunter den Horizont des gesunden Menschenverstandes und stellen dem Fußball dort das Bein 1 , wo eine Art „Vorteilsregel" am Platze wäre. Es gibt aber auch eine Zeit, in der Meisterschaft und Abstieg keime Rolle mehr spielen. Es ist die Zeit dei Freundschaftsspiele nach der abgelaufenen und vor Beginn der neuen Saison. Hier könnte sich die Möglichkeit bieten, neue Kräfte zu erproben und sie in das Mannschaftsgefüge einspielen zu lassen. In seltenen Ausnahme!allen erfolgt au: Antrag Genehmigung, meist aber pfeift das Signal des Verbandes „foul”. Warum, leuchtet ga: nicht ein, wo es doch um gar nichts anderes geht, als darum, wohigerüstet in den Meisterschaftskampf zu steigen. So aber sieht sich manche: Vierein vor die schwierige Lage gestellt, mitten in der Saison zu experimentieren, denn die schnellere Freigabe heuer Spieler für untere Mannschaften ist nicht ohne weiteres die Voraussetzung für einen Qualitätsmaßstab der er? Garnitur. Wir können uns nicht vorstellen, daß die Verbandsbehörde bei der Einhaltung dei Vorschriften bösartige Motive leiten. Es hand ' sich nur darum, beweglich zu sein und den Vereinen zu helfen wo es angebracht ist. Es wird uns versichert, daß man anderswo in solchen Dingen nicht so engherzig ist. Europarekord im 200 m Freistilschwimmen Im Verlauf eines SchwimmwettkamDfes zwischen Franzosen und Amerikanern in Casablanca legte der Franzose George Vallerv die 200 m Freistil in der europäischen Rekordzeit von 2':22.7 Minuten zurück. Schweiz bemüht sich um Deutschlands Turner Wähnend dar Generalsekretär des Intesnatio- na-len Turnerbundes (ITB) hinter die Möglichkeit eines baldigen Eintritts Deutschlands in den ITB noch ein großes Fragezeichen setzt, sind die Schweizer Kunstturner nach wie vor bemüht, den Eintritt Deutschlands zu unterstützen und vorzubeneifen. Die Einladung zweier deutscher Spitzentumer zum eidgenössischen Kunstturnei- tag in Aarau war ein erstes Beispiel dafür, das Bemühen deT Bierner um ein mit Deutschland besetztes internationales Turnier im September «in zweites. Nun hat der technische Präsident des eidgenössischen Kuastturnerverbandes an di« Deutsche Arbeitsgemeinschaft der Kunstturner die Ausschreibungen für die Weltmeisterschaften in der offiziellen Fassung geschickt und dies mit der Hoffnung begründet, „daß 1950 in Basel auch Deutschland sich wieder unter den konkur- rienden Nationen befinden wird". Kathrein, Lorsbach, „Veritas" 10 Min. 44 .Sek.s bis 2000 ccm: Retülsch, Velbert. BMIW-Eigenbau 9 Min. 50,9 Sek.; Illmann, Schweidnitz, BMW 9 Min. 02,9 Sek. = 79,7 stkm; Braun, Engen, BMW 10 Min. 06.6 Sek.; Ulmen, Düsseldorf, „Veritas" 10 Min. 21,6 Sek. Rennwagen: bis 750 com; Herbster, Lörrach, auf MH 2 9 Mm. 43 Sek.: Streckenrekord: Bäümer, Bünde, „Austin" 8 Min. 34,2 Sek. = 84 stkm. Rennwagen-Formel 2: Polensky, Karlsruhe, „Monopol" 9 Min. 18 Sek.: von Falkenhausen, Leoniberg, AF1M 9 Min. 27,7 Sek. Rennwagen formelfrei: Studc „Maserati" 9 Min. 03,5 Sek.; ©rutsch, Stuttgart „Bugatti” 9 Min. 05,9 Sek. In wenigen Zeilen Bei dn internationalen Tennis-Einladungs- Kämpfen des Krefelder THC gelang dem Australier Jade Harper nach zwei Niederlagen de.i erste Sieg (6:4, 6:2) über den argentinischen Meister Heraldo Weiß. Im Herrendoppel hatte die Köln-Krefelder Kombination Kod/Bedc gegen HarperiWeiß, die 6:3. 6:3. 6:1 siegten, keine Chancen. Im gemischten Doppel blieb Frau Weiß (Argentinien) mit dem Krefelder mit U:9, 9:7 über Frau Pohmann/Schmidt (Rheydt/Krefeld) erfolgreich. Der Olympiasieger über 10000 m, der Tsche- ehoslowake Emil Zatopek, gewann in Moskau einen 10 000-m-Lauf in 30 :11,8 Minuten, vom Start bis ins Ziel führend. Für die diesjährigen Leichtathletik-Meisterschaften in Bremen am 6. und 7. August sind rund 850 Teilnehmer gemeldet worden, darunter 250 Frauen. Schauinsland meldet Trainingsrekorde Das Geheimnis « der Fliegen Kriminal-Roman von Karl Bachlar „Mr. Walter Barry schläft da oben, nicht wahr?” fragte Storfer mit einem Blick zur Zimmerdecke. Mrs. O’Cormick nickte. „Ja, gerade über diesem Zimmer.” „Und Sie selber, verehrte Mrs. O’Cormick, verzeihen Sie die taktlose Frage, wo schlafen Sie?”, fragte Campbell. „Mein Zimmer liegt hier gerade gegenüber. Nur über den Flur hinweg.” „Gingen Sie auch bald zu Bett?” Mrs. O’Cormick nickte. „Aber ich habe noch bis vier Uhr wachgelegen .Ich leide letzthin sehr unter Rheumatismus.” „O, wie ich Sie bedaure”, meinte Campbell verbindlich. „Und haben Sie während dieser Zeit, ich meine, während Sie wach lagen, nichts Verdächtiges gehört? Ich meine Schritte oder Türenfclappen?” „Eg war totenstill im Hause. Ich hätte so etwas bestimmt hören müssen. Ich besitze ein sehr gutes Gehör. Und, nicht wahr, wenn man krank ist und lange wach liegt, sind die Nerven besonders empfindlich.” „Das leuchtet mir ein, Mrs. O’Cormick. Obwohl ich ehrlich sagen muß, es wäre mir lieber, Sie hätten etwas gehört. Wolle» Sie jetzt bitte so liebenswürdig sein und Mr. Walter Barry zu mir bitten?” Als Mrs. O’Cormick die Tür hinter 6ich geschlossen hatte .fragte Inspektor Campbell bedächtig: „Nun, Storfer?” Storfer wiegte den Kopf. „Ich meine, da fönkt etwas Chef.“ Campbell zuckte die Achseln. „Das Alibi des Mr. Barry junior scheint in Ordnung.“ Storfer aber meinte: „Ich weiß nicht, ich habe so was im Gefühl...* Campbell schüttelte den Kopf. „Ich rate Ihnen, Storfer, unterdrücken Sie als Kriminalist sorgfältig ihre unbestimmten Gefühle! Nichts ist für unsereinen gefährlicher als Sympathien, Antipathien und vorgefaßte Meinungen. Man geht allemal damit in die Irre.” * Walter Barry war ein eleganter Typ, sportlich, .geschmeidig, etwas zu gepflegt, wollte es dem Inspektor erscheinen. Sein schmales Gesicht war bdaß, und diese Blässe wurde noch betont durch des schmale schwarze Bärtchen über der Oberlippe. Man kannte ihn in den Nachtklubs der großen lebensfreudigen Stadt Philadelphia, in den offiziellen, aber auch in den weniger offiziellen. Meistens erschien er in Begleitung ein und derselben jungen Dame; in dieser Hinsicht schien er Prinzipien zu haben. Miß Isabells überlebhaftes Temperament stand in einem anziehenden Gegensatz zu seiner gemessenen Art. Das Paar machte Eindruck, wohin es kam. „Ich möchte gern einige Fragen an Sie richten, Mr. Barry”, begann Inspektor Cambell die Unterhaltung, „die im Zusammenhang mit dem plötzlichen Tode Ihres Herrn Onkels stehen. Bitte, nehmen Sie Platz!” ' Der junge Mann verbeugte sich gemessen und kurz und setzte sich in einen der tiefen Sessel. Dem Inspektor schien es, als ob in seiner ganzen Haltung bei aller äußerlichen Sicherheit eine gewisse Gespanntheit zu bemerken sei. „Wenn ich Ihrer Untersuchung von Nutzen sein kann, Inspektor, bitte!” „Sie können es, Mr. Barry. Ganz gewiß können Sie es. Wann erfuhren Sie eigentlich den Tod Ihres Onkels?” „Das Zetern von Mrs. O’Cormick weckte mich in der Frühe. Ihren wirren Reden entnehme ich das Wesentlichste.” Inspektor Campbell schien unangenehm I berührt. „Es scheint mir doch, Mr. Barry, daß Sie den Tod eines so nahen Verwandten etwa* sehr kühl, um nicht zu sagen geschäftsmäßig behandeln. Vor allem aber frage ich mich, warum Sie nicht sofort zu Ihrem Onkel hineingingen, als Sie von seinem Tode erfuhren.” Walter Barry lächelte ein wenig gezwungen. „Sie mögen mir’s glauben oder nicht, Inspektor, ich habe einen unüberwindlichen . Abscheu vor allen häßlichen und gräßlichen Dingen, vor Katastrophen und allem, was mit Krankheit und Tod zusammenhängt.” „Eigentlich machen Sie gar keinen so schwachnervigen Eindruck, Mr. Barry!”, wandte Campbell ein, aber Barry zuckte nur die Achseln. „Vielleicht hätten Sie noch helfen können”, fuhr der Inspektor fort. „Mrs. O’Cormick konnte sich in ihrer Aufregung geirrt haben. Warum überließen Sie alles der schwachen Frau?” Barry lachte kurz auf, und es schien dem Inspektor, als ob ein Unterton von Verachtung oder Gehässigkeit in seinem Lachen mitschwinge. „Sie unterschätzen Mrs. O’Cormicks Tatkraft, Inspektor.- Sie ist eine überaus resolute Frau. Sie weiß was sie will, und sie hat nicht bloß einmal gezeigt, daß sie auch kann, was sie will.” Der Inspektor betrachtete Mr. Barry aus den Augenwinkeln und lächelte. „Mag sein. Wenn ich Sie recht verstehe, zielen Ihre Andeutungen auf ein besonderes Verhältnis Mrs. O’Cormicks zu Ihrem Onkel hin. Nun, wenn es so wäre — es ist nichts Ungewöhnliches dabei scheint mir. Mrs. O’Cormick hat im übrigen ausgesagt, Sie seien mehrere Male die Treppe herabgekommen, um in das Zimmer des Toten zu gehen?” „Das stimmt”, nickte Walter Barry, „als ich mich etwas gesammelt hatte, sah ich doch ein, daß es wohl meine Pflicht war, nach dem Rechten zu sehen. Aber jedesmal vertrieb mich die Erscheinung der über alle Maßen aufgeregten Mrs. O’Cormick, die das Schlafzimmer meines Onkels wie ein Cerberus bewachte. Weniger als sonst konnte ich ihre Gegenwart jetzt ertragen. Sie müssen wissen, sie hat mich nie leiden mögen.” „Da kehrten Sie also jedesmal um?”, nickte der Inspektor. „Hm. Uebrigens, Mr. Barry”, seine Stimme wurde scharf und zupackend, „verstehen Sie etwa® von Chemie?” Auch Walter Barry schien über diese Frage keineswegs erstaunt zu sein. Keinesfalls schien er eine Falle dahinter zu wittern, denn er antwortete ganz unbefangen: „Ein wenig — ja.” Storfer, der bisher stumm im Hintergründe des Zimmers dem Gespräch zugehört hatte, griff jetzt in die Unterhaltung ein, die zuletzt schon die scharfe Form eines Verhörs angenommen hatte. „Können Sie sich vorstellen”, fragte er, „auf welche Weise das Giftgas in das Schlafzimmer Ihres Onkels gekommen ist?” Barry wandte dem Frager sein Gesicht voll zu. „Nein.” Storfer deutete mit der Hand nach der Zimmerdecke. „Vielleicht von da oben her?” „Da oben schlafe ich”, erwiderte Barry. „Eben”, sagte Storfer trocken und zog sich wieder aus dem Gespräch zurück. Campbell aber packte zu: „Woher wissen Sie überhaupt, daß Ihr Onkel an Giftgas gestorben ist, Mr. Barry? Sie waren' doch Immer auf Ihrem Zimmer, meine ich?” Barry lächelte ironisch. „Mrs. O’Cormick erzählte es mir, als sie mich eben herunterbat.” Storfer ließ einen unterdrückten Fluch hören, und Campbell lachte. „Mrs. O’Cormick ist eine zu tüchtige Dame!” Nagh einer kleinen Pause fragte Inspektor Campbell: „Versteht eigentlich Mr. Freeman auch etwas von Chemie, Mr. Barry?” Barry wurde lebhafter, als ob ein willkommenes Stichwort gefallen sei. „Sehr viel sogar. Er hat meines Wissens einige Semester Chemie studiert.” „Es war Ihnen doch selbstverständlich bekannt, daß Mr. Freeman und Sie ein beträchtliches Vermögen von Ihrem Onkel erben würden? Hat auch Mr. Freeman davon gewußt?” Und abermals kam rasch und lebhaft die Antwort aus Mr. Walter Barrys Munde: „Selbstverständlich hat er es gewußt?” Der Inspektor lächelte, aber in seinem Lächeln verbarg sich eine lauernde Befriedigung. „Wissen Sie, ob Mr. Freeman Schulden hatte? Kostspielige Passionen und so? Sie verstehen?” Barry antwortete bedächtig: „Mr. Freeman war von Haus aus arm. Ich denke, sehr arm sogar. Er lieh zuweilen Geld von mir.” Campbell sah den jungen Mann voll an. „Ist Mr. Freeman nicht Ihr Freund?” In Barrys Gesicht zuckte es unruhig. „Freund-”, meinte er dann, „je nun, gewiß, was man so nennt. Wir vertrugen uns immer ganz gut, dienstlich, möchte ich sagen ...” „Ah so”, sagte Campbell gedehnt und beugte sich vor, „im Vertrauen: würden Sie Mr. Freeman einer Tat für fähig halten, die ihn mit einem Schlage in den Besitz eines großen Vermögens bringen könnte?” Barry überlegte kurz, dann aber sagte er lächelnd und obenhin: „Ich muß mich natürlich da jeder bestimmteren AeuSe- rung enthalten, Mr. Campbell.” Campbell sah ihn an. Aber sein Gesicht war undurchdringlich. „Gut“, sagte er dann, „lassen wir das! Etwas anderes: Sie kamen erst vergangene Nacht aus Washington nach Philadelphia zurück, nicht wahr?” Walter Barry nickte. Die Frage schien ihm unbehaglich zu sein, denn er schlug die Augen nicht auf. (Fortsetzung folgt! ganwtag/Sonntag, 30./3&. Juli 1940 SÜDDEUTSCHER HEIMATKURIER Nr. 90 ! Seite 7 „Wovon sollen wir leben?" Angestellte suchen einen neuen Wirkungskreis — Auf dem Arbeitsamt Steht man an der Sonnenseite des Lebens, ist man mit seinem Dasein unzufrieden. „Was können wir uns schon leisten mit dem knappen (immerhin festen) Verdienst?“ tönt es wie im Chor aus dem' Munde vieler Berufstätiger. „Die Lebenshaltungskosten sind so hoch, daß man nicht weiß, wo das Geld, das man Montags noch hatte Samstags geblieben ist“, meinen jene, die dann und wann auf den Einkauf mit Marken verzichten. Dazu träumt die Gnädigste noch von einem neuen Sommerkleid und -Hut und „er“ glaubt, es wäre nun endlich an der Zeit, einen echten Kammgarnanzug zu kaufen. Mit Sparen wird mancher Wunsch auch Wirklichkeit. Von Zeit zu Zeit ein Viertele weckt die Lebensgeister und stärkt die Hoffnung, daß es doch aufwärts geht. Aber leider gibt es auch Menschen (und im Arbeitsamtsbezirk Konstanz z .Z. ist die Zahl 1000 erreicht) auf der Schattenseite des Lebens, die ihre Ederkarten verkaufen, um das Brot für die nächsten Tage erstehen zu können; denen ein Viertele wie eine Fata Morgana erscheint. Denn sie sind arbeitslos, nur auf Unterstützung angewiesen. Diese Menschen treffen wir auf dem Arbeitsamt, wenn sie Woche für Woche mit ihrer Meldekarte dort erscheinen. Es ist nicht viel, was ihnen der Staat, gestuft nach dem früheren Einkommen, gewährt. Sitzt man dann als stiller Beobachter in einem der Zimmer den „Beichtvätern der Not“, wie man die Abteilungsleiter der Arbeitslosenunterstützung oder Arbeitsvermittlung bezeichnen kann, einen Vormittag gegenüber und hört, die Hoffnung und Verzweiflung aus den Worten der Besucher, so glaubt man in einem lebendigen Roman zu blättern. Menschen aus allen Zonen Deutschlands, während des Krieges oder in der Nachkriegszeit an den Bodensee gekommen, schildern ihre Lage. Die einen etwas zögernd und beschämt, andere arrogant und „überzeugend”, je nach Tem- parament, Alter oder Herkunft Aber die Not, in die diese Menschen geraten sind, spricht aus jedem ihrer Worte, durch den Verlust ihrer Heimat, ihrer Existenz oder ihrer Ersparnisse. Nirgendwo könnte man einen besseren Einblick in die Situation der heimischen Wirtschaft bekommen als auf dem Arbeitsamt Konstanz, das gleichzeitig auch Nebenstellen in Ueberlingen, Pfullendorf, Meßkirch, Stockach, Singen und Radolfzell hat. Eines ist erfreulich: die Pessimisten, die eine Krise orakelten, haben nicht recht behalten. Was sich in den letzten Monaten in diesem Bezirk vollzogen hat. ist in der Hauptsache eine Folge der Sparmaßnahmen des Staates: der aufgeblähte Behördenapparat muß sich zurückentwickaln. (Bis jetzt sind im Bezirk Konstanz 300 Angestellte arbeitslos geworden). Und es ist keineswegs verkehrt wenn einer, der vor dem Krieg Schreiner gelernt hat. nunmehr den Bleistift wieder mit dem Hobel vertauschen und die Amtsstube verlassen muß. Rationalisierung nicht nur in der Wirtschaft, wo der Buchhalter drei Tage in der • Woche als Einkäufer unterwegs ist, sondern auch beim Staat, bei dem viele ohne abgeschlossene Berufsausbildung gerne Karriere gemacht hätten. Die Behörden sind schließlich kein Asyl, sondern Institutionen, die erfahrene Verwaltungsbeamte beschäftigen sollen. ^ Zahlreiche Betriebe, die während der Reichemarkzedt wenig nützliche, für die damalige Zeit aber notwendige Artikel fa- Schwäbisdie Sparsamkeit Jeder Landstrich hat seine besonderen Eigenschaften. So lernt man schon in der Kinderschule, daß „Tiroler“ lustig sind und später entnimmt man den vielen Schottenwitzen, daß dieser Stamm es im besonderen mit der Sparsamkeit hat. Wie sparsam aber die Schwaben sind, weiß man erst so recht, wenn man bei einer schwäbischen Wirtin einquartiert ist. In meinem auf Hochglanz polierten Stübchen lag vor der Waschkommode ein imitiertes Perserchen, armlang und hauchdünn, Typ Warenheaus, Ausverkauf, 99 Pfennige. Es diente sozusagen als Tropfenfänger, um den Spiegelblanken, den Stolz jeder Schwäbin, zu schonen. Eine böse Zunge riet mir, den „Perser” mit Reißnägeln zu befestigen, weil das dünne Ding sich immer aufrollte. Eines Tages war er weg, verschwunden. Vielleicht war es ein Zauberteppich, der sich auf große Fahrt begeben hatte! Dabei hatte ich mich so an ihn gewöhnt. Er täuschte auf rührende Weise Wohlstand vor. Die Wirtin, nach dem Verbleib des kostbaren Stückes befragt, brummte gekränkt: „Ja, wisset Se, i han’s wegnehme müsse, des Deppichle, Sie sen nemlich immer mit de Füß drauf g9chtande. Ond so was gibts bei ons nette.” Und das erinnert mich an die andere Geschichte mit der Fußmatte der Frau brizierten, deckten ihren Arbeitskräftemangel mit auswärtigen Bewerbern, da es sehr schwer war, solche am eigenen Platz zu finden. Unwillkürlich stieg die Zahl der Zugezogenen, heute aber, nachdem der Käufer wieder auf Qualität schaut und um dessen Gunst geworben wird, sind diese Konjunkturartikel nicht mehr gefragt. Die Folge: Kurzarbeit, Entlassung von Arbeitskräften oder Schließung des Betriebes. Das ist kein Vorzeichen einer Wirtschaftskrise, sondern mehr oder weniger ein Schrumpfungs- bzw. Reinigungsprozeß. Es gilt wieder „umzusatteln". Vom Generalstabsoffizier zum Vertreter. Ausläufer oder Hilfsarbeiter, wenn er nicht in der Reihe der Stempelnden stehen will. Nur wenig Ingenieure stehen in einem Konstruktionsbüro, viele sind ohne Erwerbsmöglichkeiten oder arbeiten als Hilfs- und Facharbeiter an einer Werkbank. Auch Mediziner finden nur selten eine Stellung. Die Zahl derjenigen, die die Arbeitslosigkeit als Deckmantel für andere Geschäfte benutzen und ihren Aufenthalt am Bodensee als Ferien (mit Zuzugsgenehmigung) betrachten, ist gering. Andere kamen unter einem Scheinarbeitsverhältnis nach Konstanz. Für sie alle, sofern die notwendige Anwartschaft zur Arbeitslosenversicherung erfüllt ist, hat der Staat zu zahlen. Neubürger, Heimkehrer ohne Heimat, Männer und Frauen, teilweise über 50 und 60 Jahre, klammern sich an jede Möglichkeit durch eine Gelegenheitsarbeit zusätzlich etwas zu verdienen. Sie wollen wenigstens einmal, wenn auch nur mit einem Fuß und für kurze Zeit an der Sonnenseite des Lebens stehen. Viele, die noch nie in ihrem Leben auf der Schattenseite mit 10 oder 20 DM in der Woche standen, könnten dazu beitragen, diesen Menschen zu einigen sonnigen Alltagsstunden zu verhelfen. Durch Preisermäßigungen, Freibillets oder kleinen Aufmerksamkeiten. So, wie es einzelne Angestellten des Arbeitsamtes und einheimische Geschäftsleute bisher schon ohne große Geste, als Selbstverständlichkeit getan haben. -hl- Tuttlinger Wochenschau Größere Heimkehrer-Transporte aus Rußland erwartet Es ist nur gut, daß beim Kreismusikfest am kommenden Sonntag in Stetten a. d. Donau wohl alle Pauken und Trompeten beisammen sein werden, denn zarteren Instrumenten dürfte es wohl kaum gelingen, den Lärm zu übertönen, der um die Schieberzentrale Wirtschaftsbund entstanden ist und der mächtig im Blätterwalde widerhallt. Wenden wir uns darum, bis die Dinge ihre endgültige Klärung erfahren haben, Tatsachen zu, die uns heiter und froh stimmen können. Da erfüllt es wohl alle Leser mit besonderer Freude, daß nach mehreren Wochen, in denen nur wenige und kleine Transporte ehemaliger deutscher Kriegsgefangener im Heimkehrerlager Tuttlingen eingetroffen sind, nun wieder reges Kommen und Gehen in den Barak- ken des ehemaligen Lagers Mühlau herrscht. Aus Lagern aus der Krim und an der Wolga und auch aus Rußlands Norden, aus Lagern bei Gorki und Murmansk, kamen 190 Heimkehrer hier an, schon an diesem Wochenende werden ihnen weitere größere Transporte folgen. Willkommen daheim! rufen wir ihnen zu, die nun endlich, endlich wieder die Heimat schauen und in ihr leben dürfen. Bei diesem Wunsch läßt uns das Wort „Heimat“ darüber nachdenken, wie viel doch die Heimat jedem bedeutet. Da hören wir gern, daß jetzt der Plan für den kommenden Tuttlinger Heimattag erneut beraten wurde. In das Gewand eines „Tuttlinger Feierabends“ gekleidet werden wir an einem Samstagabend im Herbst Ausschnitte aus dem Leben der Väter und Großväter sehen, die mit „Hochzeit“, „Lichtstube“, „Tanz unter der Linde“ und ,.Dämmerschoppen“ dem sensationsgeplag- ten Enkel jene Zeit wirklich als die „gute, alte“ erscheinen lassen. Der darauffolgende Sonntag wird unserer Stadtkapelle mit der „Tagwache“ und einem großen Platzkonzert reichlich Gelegenheit geben, ihr Können zu zeigen. Das gleiche gilt auch für die in Tuttlingen schaffenden Künstler, die im Festsaal der Oberschule eine Ausstellung ihrer neuen Werke eröffnen werden. Ueberhaupt kommt im fleißigen Tuttlingen das Schaffen beim Heimattag nicht zu kurz: Handwerk und Industrie zeigen beim Festzug am Nachmittag auf Wagen montiert einen Querschnitt aus ihrer Arbeitsweit. Die Jugend wird das Programm der Veranstaltung auf dem Festplatz in ihre Regie nehmen. Da wir hier gerade von Vorbereitungen berichten, so wollen wir zum Abschluß — weil wir uns doch vorgenommen haben, uns nur mit erfreulichen Dingen zu beschäftigen — noch erwähnen, daß ein „Kistle-Rennen“ auch in Tuttlingen geplant ist. Verfahren gegen einen Rußlandheimkehrer TübJ n gß n. NachMitteilungdessüdwürt- tembergischen Justizministeriums hat die Staatsanwaltschaft in Ravensburg gegen den 34 Jahre alten Rußlandheimkehrer Arthur Kiefer eine Voruntersuchung beantragt. Kiefer soll in den Jahren 1947 in dem russischen Straflager 31/1 Kasakstan in Mittelasien zunächst als sogenannter Brigadeur und Zugführer, später als Poli- zeichef des gesamten Lagers deutsche Kriegsgefangene aus Sadismus und wegen persönlicher Vorteile forgesetzt gequält und geschlagen haben, eo daß zahlreiche Gefangene den Tod gefunden hätten. Inwieweit diese Beschuldigungen zutreffen, muß das eingeleitete Verfahren ergeben. Ehemalige Angehörige des genannten Lagers können sich an den Untersuchungsrichter beim Landgericht Ravensburg wenden. Der Verhaftete Kiefer bestreitet, sieb schuldig gemacht zu haben. Viergeteilte Interessen in Sigmaringen Dfe Ereignisse bleiben mehr an der Peripherie Das Sigmaringer Zeitgeschehen um die Tage des Sommerferien-Beginns hat eich zum mindesten zwei-, wenn nicht gar viergeteilt. Während einerseits die Vorbereitungen für die Bundestagswahl nun allmählich nicht mehr nur bürokratischamtlichen Charaktere 6ind, gedeiht das mehr Volketümliche selbst noch im Schatten dieser kommenden Ereignisse. Mehr von der Peripherie her machen sich gegenwärtig die Bestrebungen bemerkbar, heimatlicher Bodenständigkeit einen Ausdrude von breitester Wirkung zu verleihen. Volksmusik und Laienspiel sind die Hauptthemen, um die die Gedanken der Menschen aus Stadt und Land in diesen Tagen vorwiegend kreisten und noch immer Anziehung und Anregung erfahren. Sigmaringens donauaufwärts gelegener Vorort Laiz, der aus seiner Zwangs-Eingemeindung zur angrenzenden Stadt, die das autoritäre Zeitalter nicht überdauerte, längst wieder gelöst ist und sich mit eigenem Bürgermeister wieder selbst verwaltet, war Treffpunkt von 30 Musikkapellen, die hier im Rahmen des ersten nach dem Kriege wieder abgehaltenen Musikfestes des Bezirks III des Volksmusikverbandes Württemberg - Hohenzol- lern ein Wertungsspiel vor immerhin 4000 Zuhörern abgehalten haben. Das gleichzeitig gefeierte 25jährige Bestehen de« dortigen Musikvereins bekam dadurch eine Ausstattung, die für die Laizer zugleich eine besondere Ehrung war. Auf der anderen Seite, in dem jetzt wieder an das durchgehende Eisenbahnnetz angeschlossene Sigmaringendorf, das kürzlich sogar in der großen Presse als sensationsbeflügelter Ausgangspunkt einer Floßfahrt zweier unternehmungslustiger Kunstdünger von der Isar und Hefele. Mit einem Aufhänger versehen wie ein Ueberzieher, hing das gute Stück I worden ist, zieht die fein säuberlich am funkelnden Messing- ‘ "" TT knöpf der Glastüre und ein Schildchen daneben erklärte uneingeweihten Fremdlingen: „Bitte, Füße abputzen und wieder aufhängen.“ Umständlich? Gewiß. Aber vielleicht braucht Frau Hefele auf diese Weise nur eine Fußmatte fürs ganze Leben. „Wenn man sei Sach zammehält, bringt man’s zu was”, ist das Motto der Hefeles, Pfleiderers und wie die braven Schwaben immer heißen mögen. Und deshalb nahm die Studentenwirtin in Tübingen ihrem „Herre” die Wasserflasche vom Waschtisch weg, „weil die Flasch voll sein muß oder leer, Sie aber lasse morgens immer noch Wasser drin und des tfbi denn ab wüschte Ihrig", Waldbühne des Theater-Vereins wiederum alle jene Besucher vor allem auch aus der nahen Kreishauptstadt an, die sich noch vor kurzem aus ähnlichem Anlaß durch das romantische ..Bitteischießer Täle” zur Ruine von Hornstein gepilgert waren. Während dort jetzt Kleist’« ..Käth- chen von Heilbronn” na’Jh acht Vorstellungen vor 3000 Zuschauern abgespielt ist. rückt Schillers „Wilhelm Teil” von Sig- marirgendorf aus nun ganz in den Mittelpunkt. Das sind mm allerdings keine zufälligen Erscheinungen etwa im Zuge der allerorts förmlich aus dem Boden schießenden Leidenschaften laienhafter Theaterspieler. Es ist, zum mindesten in Sig- maringendorf, eine sehr bodenständige Traditon, und im Falle Hornstein bei Bingen ein sehr vielversprechender Anfang, eine solche zu weiden. Die Laienspieler von Sigmaringendorf haben ihre eigene Geschichte sehr genau untersucht und dabei festgestellt. daß das Jahr 1847 als dag Geburtsjahr ihrer künstlerischen Ambitionen zu gelten hat. Ein noch heute im Original vorliegender Theaterzettel au« jener Zeit vermag das klar und imponierend zu beweisen. Diesmal war es nach langer unfreiwilliger Pause die 12. Spielzeit auf der Freilichtbühne, die man als eine der schönsten in Südwestdeutschland bezeichnet, und der „Teil” schien geradezu wie geschaffen für ihre natürliche Kulisse. Inzwischen legen jene Leute, die hier von Berufs wegen Theater spielen, schon wieder ihre Stirn in Falten. Zwar kündigt das Landestheater schon jetzt für den 28. September die Eröffnung seiner 5. Winterspielzeit in Sigmaringen mit Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung” an. aber sein Intendant blickt vorerst noch erwartungs- und hoffnungsvoll auf Ladtag und Kultminister und auf die Hilfe, die ihm „von oben” kommen soll. Nun, das Publikum der Stadt teilt zudem seine Interessen gegenwärtig nach allen vier Himmelsrichtungen auf, an deren Wegweisern Schlagworte wie Sommer- Schlußverkauf. Goethe-Gedenkjahr, Fußball-Landesliga und schließlich Bundestags-Wahlen stehen. Vor einladend gefüllten Schaufenstern maß es freilich feststellen, daß die „radikal herabgesetzten Preise” jetzt ungefähr dem entsprechen. was man zu früheren, normalen Zeiten normalerweise für ein Hemd oder ein Kleid bezahlen mußte. Seiner kulturellen Verantwortung nachkommend, besuchte es einen Vortragsabend der Kultur-Gesellschaft, den diese mit Hertha Genzmer vom Staatstheater Wiesbaden zur Eröffnung der nun langsam fällig werdenden Goethe-Gedenk-Veranstaltun- gen hielt. Es feierte seine Fußball-Elf, die den Sieg in der Beziikslklasse errang und in die Landesliga aufgestiegen ist, als die Helden des Tages. Es diskutiert vereinzelt auch schcrn die Aussichten der Parteien und ihrer Kandidaten für die bevorstehenden Bundestagswahlen ' Aber noch kann man kaum davon sprechen, daß die kommenden Wahlen etwa die Gemüter noch mehr zu erhitzen vermöchten, al« die 39 oder mehr Grad, die die Sonne gegenwärtig erzeugt. Zum mindesten in Sigmaringen wild auch nicht am erw a rt en sem. Südwestdeutsche Umschau Ziegelei abgebrannt Pfullendorf. Die Ziegelei Mors in Pfullendorf brannte einschließlich des dazu gehörigen Wohn- und Oekonomiege- bäudes bis auf die Grundmauern nieder. Im April 1938 war das Werk schon einmal abgebrannt und dann nach modernen Gesichtspunkten besonders massiv wieder aufgebaut worden. Von der Werkanlage blieben nur die Antriebsmaschinen, ein Rohölmotor und eine Turbine unbeschädigt, während aus dem Oekonomie- und Wohngebäude nur 2 Kühe, ein Pferd und einiges Mobiliar geborgen werden konnten Der Schaden beläuft sich auf rund 80 000 DM. Vom Blitz erschlagen Singen. In Zimmerholz schlug der Blitz in den Kirchturm und zerstörte das Uhrwerk der Turmuhr. Außerdem nahmen Dachgebälk und Mauerwerk des Turmes großem Schaden. Die umliegenden Häuser wurden beschädigt. — In Emmingen ab Egg' schlug ein Blitz durch den Kamin eines landwirtschaftlichen Anwesens, beschädigte das Dach und zertrümmerte den Schüttstein in der Küche, wobei der Bauer Verbrennungen im Gesicht und auf der Brust erlitt. — In Schönwald ist das fünfjährige Töchterchen eines Landwirts auf dem freien Feld vom Blitz erschlagen worden. Vorbildliche Betriebe Villingen. Die Kreisabgeordneten unternahmen eine Besichtigungsfahrt zu einigen vorbildlichen landwirtschaftlichen Betrieben bei Villingen. Dazu gehören die Jungviehweide, der Obstbaulehrgarten und die Schweinezuchtanstalt. Die Jungviehweide ist um jährlich 3000 DM gepachtet und erfordert einen ungedeckten Aufwand von 10 000 DM. In diesem Sommer weiden dort 130 Tiere. Der Obstbaulehrgarten ist bereit 1938 auf 20 Jahre gepachtet worden und ist 110 ar groß Die Scbwennezuchtanstalt ist mit einem Kostenaufwand von 50 000 DM nach modernsten Gesichtspunkten neu gebaut worden. Der-Schweinebestand soll dort auf 200 Stück gebracht werden. Keine ungekochte Milch trinken! Wolf ach. In einer Bürgermeisterversammlung des Kreises Wolfach stand die immer häufiger auftretende Rindertuberkulose und die damit verbundene Gefahr im Genuß ungekochter Milch zur Debatte. Danach sind etwa 60*/o des Tiier- bestandes im Kreisgebiet von der Tuberkulose befallen. Sendestudio geplant Schopfheim. Wie verlautet, beabsichtigt der Südwestfunk in der Gegend von Schopfheim ein Sendestudio einziu- richten, sobald die in Kopenhagen beschlossenen Wellenfoeschränkungen für Deutschland in Kraft treten. Von hier aus soll das Markgräflerland, das Wiiesen- tal, der südliche Schwarzwald und das Hochrheingebiet bedient werden. Schulungskurs für Forstbeamte Gernsbach. Unter der Leitung von Landforstmeister Leonhardt finden hier auf Anordnung der badischen Forstverwaltung Schulungskurse für höhere Forstbeamte statt. Die Teilnehmer besuchten bei den bisherigen Kursen die Waldungen im hinteren Murgtal, den Stadtwald Baden- Baden- und den bekannten Kaltenbronner Forst. Aehn liehe Schulungskurse sollen auch für Revierförster und für Holzhauer stattfinden Bei ekler Wildschweinfamilie zu Gast Freudenstadt. Eine ergötzliche Geschichte erlebte kürzlich ein Mann, der mit Sammeln von Brennholz ein einem Walde beschäftigt war. Als er sich auf einen Reisighaufen setzte, bekam dieser plötzlich Leben und unter dem Reisig kam eine Wildsau hervor, die beschleunigt das Welte suchte. Eine weitere Bewegung des Reisigs ließ vermuten, daß unter dem Haufen noch mehr versteckt war und bei näherem Zusehen kamen fünf junge Ferkel zutage, die der Muttersau nicht schnell genug folgen konnten. 20 000 Sänger in Ludwigsburg Ludwigsburg. Das ajn 23. und 24* Juli in Ludwigäburg veranstaltete erste Bundesliederfest des Württembergisdien Sängerbundes wurde für die Veranstalter zu einem großen Erfolg. Etwa 20 000 Sänger und Sängerinnen und 80 000 Festgäste hatten sinh eingefunden. Das Wertuogssin- gien wurde von 1250 Vereinen bestritten. Außerdem fanden zehn Sonderkonzerte statt. Staatspräsident Müller, Tübingen, der am Freitag in einem Begrüßungsabend au den Sängern in der neuen Stadthalle von Ludwigsburg sprach, unterstrich die Zusammengehörigkeit von Nordwürttemberg und Südwürttemberg - Hohenzollem. Er überbrachte der Veranstaltung die Grüße seines Landes und zugleich auch die des Münister- präsdenten Maier. Höhepunkt des Liederfestes waren ein Festakt am Sonntagvormittag, in dessen Rahmen Kultusminister Bäuerle sprach, eine großartige Schloß- beleuchtung mit Feuerwerk und ein Festzug von 20 000 Sängern. Verschärfung der Strafe Karlsruhe. Der ehemalige Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront in Baden und spätere Oberregderungsrat bei der Landesversicherungsanstalt Baden, Fritz Plattner, war von der Spruchkammer in erster Instanz mit einer Sühne von vier Jahren Arbeitslager in die Gruppe der Be- | lasteten eingereiht worden. Gegen diesen ! Spruch batten sowohl der Oeffentliche Klä- I ger wie der Betroffene Berufung eingelegt. | Die Zentralberufungskammer Baden rollte den Fall erneut auf und kam dabei zu einer Verschärfung des Spruches. Es reihte Plattner nunmehr in die Gruppe der Hauptschuldigen ein. Die Unterbringung in einem Arbeitslager wurde auf sechs Jahre erhöht. Plattner war seit 1923 Parteimitglied gewesen. Er galt als einer der aktivsten Nationalsozialisten in Baden und war bei der Besetzung der sozialdemokratischen Volkshäuser und Gewerkschaften maßgebend beteiligt. Spruchkammerverhandlung Scholtz - Klink Tübingen. Die Sp ruchkammerver- handlung gegen die ehemalige Reichsfrauenschaftsführerin Gertrud Scholtz - Klink findet voraussichtlich in der zweiten Augusthälfte in Tübingen statt. Diese Spruchkammerverhandlung dürfte der Schlußpunkt der Entnazifizierung in W ürttemberg-Hohenzollern sein. Frau Scholtz-Klink verbüßt augenblicklich eine Gefängnisstrafe wesen Führens eines falschen Namens. 90 000 DM stehen auf dem Spiel Ravensburg. Vor mehreren Wochen hatte der in Ravensburg wohnhafte hei- matvertriebene Schwerkriegsbeschädigte L. Blistyar zum 38. Bayerischen Fußballtoto sechs Tipreihen nach Augsburg an die Hauptannahmestelle eingesandt; dabei befand sich / ein Hauptgewinn mit 12 richtigen Ergebnissen, ferner zwei Elferund eine Zehnerreihe. Insgesamt wären darauf etwa 90 000 DM entfallen. Der rechtzeitig und ordnungsgemäß beim Postamt Ravensburg 2 aufgegebene Einschreibebrief hat jedoch nach Auskunft der Totostelle seinen Bestimmungsort niemals erreicht, so daß die Zahlung abgelehnt wurde. Die Nachforschungen bei der Post ergaben, daß der Brief unterwegs verloren gegangen war. Es dürfte nicht unbillig sein, von den verantwortlichen Stellen eine strenge Prüfung des Falles zu verlangen. BLICK ÜBER DIE GRENZEN St. Gagen. Wie in der Generalversammlung der Vereinigung heimgekehrter Auslandsschwei- zer der Ostschweiz mitgeteilt wurde, sind im Berichtsjahre 4152 neue Rüdewanderer registriert worden, und zwar kehrten aus Deutschland 2674, aus Frankreich 648 und aus den Oststaaten 450 Schweizer Bürger dauernd in ihre Heimat zurück. Man rechnet damit, daß aus der sowjetischen Zone Deutschlands, aus Poien, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei noch beträchtliche Kontingente nach der Schweiz zurück- kehren werden. Allein aus der Ostzone Deutschlands wurden im Berichtsjahre mit besonderen Zügen 540 Rüdewanderer mit großen Mengen Umzugsgut in die Schweiz geschafft. Zürich. Bei einer Polizeistation des Bezirkes Dielsdorf meldete sich ein zweimal vorbestrafter Handlanger mit dem immerhin ungewöhnlichen Wunsche, ein umfassendes Geständnis ülber die von ihm verübten Untaten abzulegen, die Strafe dafür zu verbüßen und nachher ein neues Leben zu beginnen. Der Mann gestand fünf Fahrraddiebstähle, 10 Einbruchsdiebstähle sowie den Diebstahl von zwei Kassierautomaten im Werte von 2300 Franken, außerdem verschiedene Butter- und Milchdiebstähle. Wunschgemäß wurde der reuige Einbrecher dem Untersuchungsrichter zugeführt. Kandersteg. Zwei Alpinisten waren am Ostgrat des Morgenhornes im Aufstieg begriffen, als der eine der Bergsteiger, ein Bahnangestell- ter aus Uttwil, plötzlich ins Seil fiel. Der Seil- gefährte konnte standhalten, doch riß das Seil, und der Mann stürzte über 100 Meter in die Tiefe, wobei er den Tod fand. Mittribeeg. Ein« wissenschaftliche Expedition zur Durchforschung des HöH-Loches im Mahdtal, der Sdinedcenhöhle im westlichen Ifengebiet und des Altmutterloches ln der Ifensüdwand im Kleinen Walsertal bereitet die Deutsche Gesellschaft für Karst-Erforschung vor. Zermatt. Drei englische Touristen wurden bei einer Besteigung des Schwarztor-Gletschers beim Pollux von einer Lawine erfaßt und in die Tiefe gerissen. Als die Rettungskolonne von der Monte-Rosa-mtte an der UnfaHsteUe eintraf, konnte sie nur noch den einen der drei Bergsteiger lebend berge«, doeh etaeb euch dieser Im Laufe des Abends. Bern. Die eidgenössische Alkoholverwaltung wird im Herbst gemeinsam mit dem schweizerischen Obstverband und dem privaten und genossenschaftlichen Handel wieder verbilligtes Obst an die unbemittelte Bevölkerung abgeben. Die Verwaltung trägt dabei die Kosten für den Transport des Obstes sowie die Rücksendung der leeren Behälter. Bern. Das Bundesgericht bat einen Skifahrer, der in Arosa auf einem schmalen, sehr steilen, hartgefrorenen und von hohen Schneeweilen eingefaßten Sträßchen gegen das Dorf hinunter fuhr und vor der Einmündung in eine breitere Straße eine Frau, die der. gleichen Weg zu Fuß bergab ging, schwer verletzte, in Uebereinstim- mung mit der Vorinstanz für haftpflichtig in vollem Umfang erklärt und ihn zu einem Schadenersatz von rund 8000 Franken verurteilt. Genf. Nach längerem Kampf um das Rote- kreuzzeichen hat die diplomatische Rotekreuz- Konferenz jetzt mit 30 gegen 1 Stimme bei 7 Enthaltungen folgenden Artikel angenommen: „Zu Hiren der Schweiz wird das durch Umstellung der eidgenössischen Farben gebildete Wappenzeichen des Roten Kreuzes auf weißem Grunde als Emblem und Erkennungszeichen des Heeressanitätsdienstes beibehalten. Für die Länder jedoch, welche an Stelle des Roten Kreuzes bereits den roten Halbmond oder den roten Löwen und die rote Sonne auf weißem Grunde als Erkennungszeichen anwenden, werden diese Embleme im Sinn der vorliegenden Konvention zu- gelassen." Die von der israelischen Delegation verlangte Anerkennung des Davidschildes als RotekreuroeKhen wurde in geheimer Abstimmung mit 22 gegen 21 Stimmen bei 7 Enthalten» qen abgelehnt. Wien. Das österreichische Innenministerium hat bekanntgegeben, daß der ehemalige weiß- russische Oberst Peter Maid ätsche weiev aus seiner Wohnung im amerikanischen Viertel von russischen Agenten verschleppt worden «ei. Maiüa- tschewsky konnte krankheitshalber «einer Familie, die vor wenigen Wochen nach Neuseeland auswanderte. noch nicht folgen. Gleichzeitig gab das Innenministerium das Verschwinden des Taxi-Chauffeur« Franz Schiwiegelhofer wnA de« Benediktiner-Predigers Peter MayesfaoJar bekannt; beide wunde in der russischen Zoos fast- gehalten. ‘ in ßanratag/Sonnteg, 30./31. Juli 1949 SÜDKURIER T Kr. 89 7 flefte I ...es hat sich schon herumgesprochen... ft 9 Es gibt wieder UNUCHT SEIFE das mmm stück ' v *•^50 k r* Ford Taunus der geräumige imdwirt- sdtaftiiche Gebraudis-. waaen jetzt billiger Standard a.W. DM 6500 iparial a. W DM 6760 Kastenwagen, grundiert a. W. D 6 6500 Verlangen Sie bitte an* verbindliches Angebot u. Probefahrt. Gebr. 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