SÜDKURIER UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET Erscheint Dienstag, Donnerstag, Samstag. Adresse: Konstanz, Marktstätte 4 — Telefon-Anschlüsse: Redaktion u. Verlag Nr. 924, 925, 1130, 1510, 1SI Höhere Prämien für Kraftfahrzeuge BONN. Der Preisrat der Bundesregierung beschloß am Freitag, die Versicherungsprämien für Vollkaskoversicherung von Kraftfahrzeugen um 75'/, und für die gesetzliche Haftpflichtversicherung um 46*/o zu erhöhen. Die Unfallversicherungsprä- mien bleiben unverändert. Die Prämien für die Teilkaskoversicherung gegen Feuer und Diebstahl werden dagegen wieder auf den alten Stand vor 1949 zurttckgeführt. Das bedeutet, daß die 1949 eingeführte 20- prozentige Erhöhung dieser Prämien in Zukunft wegfallen wird. Eine entsprechende Anordnung des Bundeswirtschafts- ministers wird in den nächsten Tagen unterzeichnet. Die Prämienerhö.hung wird mit Wirkung vom 1. 8 1950 in Kraft treten. 6 JAHRGANG SAMSTAG 22. JULI 1950 NUMMER 87 Korea hat die Welt wadigerüttelt Breitestes Edio zur Kongreßbotschaft Präsident Trumans WASHINGTON. Die Botschaft Präsident Trumans an den Kongreß und seine Rundfunkansprache an das amerikanische Volk werden von der gesamten amerikanischen Presse als Beweis für die unumstößliche Entschlossenheit der Vereinigten Staaten gewertet, sich jeder Aggression au« denn kommunistischen Lager mit Gewalt *u widersetzen. Die Pariser Presse stellt fest, daß di« Sowjets nunmehr eindeutig gewarnt seien. Die Vereinigten Staaten würden die Sowjets von nun an auch für die Angriffs- handlungen ihrer Satelliten verantwortlich machen. Die Botschaft des Präsidenten stelle eine wirtschaftliche Mobilisierung und eine sofortige Erhöhung des Kriegspotentials der Vereinigten Staaten dar. „Stalin mobilisiert Amerika“, überschreibt die links sozialistische „Franc Ti- reur“ seine Stellungnahme ziu den vom Truman verkündeten Maßnahmen. „Man weiß noch immer nicht, und man wird es wahrscheinlich niemals wissen“, fährt das Blatt fort, „was Stalin erhoffte, als er in _ , . . .. _ jo, Korea kaltblütig den Krieg entfesselte. KSÄrSÄ' aV"SÄ” « “m Wir ™.» - Id „ ».Iß !.« «d. Jede politische Tätigkeit verboten. Das Gericht sah die Anklage wegen neofaschistischer Umtriebe als erwiesen an. In der Schloßkapelle in Nymphenburg wurde Prinz Ludwig von Bayern mit Prinzessin Irmengard, einer Tochter des Kron- Kurz notiert Die Tschechoslowakei will in den nächsten Wochen 500 Geisteskranke deutscher Abstammung nach Furt im Walde überführen. Vier Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und ein 19jähriger wurden in Duisburg-Hamborn durch eine explodierende Granate getötet. Die Kinder hatten die Granate beim Spielen gefunden. Der Gründer der Vaterländischen Union was er erreicht hat: Die materielle und moralische Mobilisierung Amerika«.“ Trumans Botschaft wird von allen britischen Blättern begrüßt Die „Times“ schreibt: Trumans Botschaft wird einen Prinzen Ruprecht getraut. Die Prinzessin und i würdigen Platz in der Geschichte finden. der Prinz sind Enkel des letzten bayrischen Königs Ludwig III. Der Deutsche Jagdschutz-Verband lehnt den Entwurf des Bundesjagdgesetzes ab, weil der Entwurf die Bestimmungen des alten Reichsjagdgesetzes unberücksichtigt läßt. Das frühere Reichsjagdgesetz bezeichnet der Verband als eines der vorbildlichsten Jagdgesetze der Welt. Die kasernierten Bereitschaften der Sowjet- Zonen-Volkspolizei erhalten demnächst eine neue Dienstbekleidung, die im Farbton den erdbraunen Uniformen der sowjetischen Armee angepaßt ist. In Württemberg-Baden sind in diesem Jahr 30 Fälle von spinaler Kinderlähmung aufgetreten, davon allein 23 in Stuttgart. Zwei FäHe sind tödlich verlaufen. Das Gebäude der ehemaligen Deutschen Botschaft in Paris wurde Sitz des neuge- whaffenen Indochina-Ministeriums. 82 000 Österreicher sind seit Kriegsende aus Deutschland nach Österreich zurückgekehrt. Aus Belgrad wird mitgeteilt, daß Bulgarien seine Grenzen nach Jugoslawien geschlossen hat. Der wegen Atomspionage verhaftete Amerikaner Harry Gold hat eingestanden, zulammen mit dem Verurteilten Dr. Fuchs Informationen und Dokumente an eine fremde Macht weitergeleitet zu haben. Sie ist keine Kriegserklärung, sondern ein Bekenntnis zur aktiven Verteidigung des Weltfriedens“, Der „Daily Herald“ (La- bour): „Trumans Botschaft bedeutet, daß Amerika seine ganze Stärke darauf verwenden will, die Herrschaft des Gesetzes in den internationalen Beziehungen a«t- reehtziuerhalten“. „Daily Mail“ (konservativ): „Die Regierung hi Washington hat die Männer im Kreml deutlich darauf hingewiesen, daß sie jetzt weit genug gegangen sind. Das britische Volk unterstützt diese Haltung zur Verteidigung der Freiheit von ganzen He r zen.“ Rascheste« Handeln I WASHINGTON. Präsident Trumans Botschaft ar, den Kongreß und seine Rundfunkrede, sind in den Vereinigten Staaten als ein Aufruf zu raschem Handeln aufgenommen worden. Der amerikanische Industriellenverband hat dem Präsidenten mitgeteilt, daß die gesamte Produktionskraft der amerikanischen Industrie zur Verfügung stehe. Der Automobilindustrielle Henry Ford, hat für den Bedarfsfall seine Fabriken angeboten. Der Vorsitzende des AFL-Gewerkschaftsbundes William Green, sagte im Namen der organisierten Arbeiterschaft zu, die Bewilligung der von Präsident Truman verlangten Milliarden zu unterstützen. Die Regierung hat Vorbereitungen getroffen, wenn nötig das in Privatbesitz befindliche Transportwesen in die Hand zu nehmen. Ausrüstungen für die Oelförderung und -Raffinerierung dürfen nicht mehr ohne weiteres exportiert werden. Die Moskauer Besprechungen LONDON. Premierminister Clement Att- lee betonte im britisch» Unterhaus, daß die Wiederherstellung des Friedens in Korea nicht von der Lösung anderer Fragen — wie der Vertretung Chinas in der UN — Truman: Langer und harter Kampf zu erwarten Der Präsident fordert die Amerikaner zur Besonnenheit auf WASHINGTON. Präsident Truman forderte das amerikanische Volk in einer Rundfunkbotschaft zur Besonnenheit auf. Die Amerikaner müßten auf „erhebliche Steuererhöhungen“ und andere Opfer gefaßt sein, die zur Erlangung des Sieges in Korea notwendig würden. Truman mahnte die freien Völker der Welt, vor überraschenden Angriffen der Kommunisten auf der Hut zu sein. Der amerikanische Präsident gab in seiner Ansprache einen Ueberblick über die Entwicklung in Korea und erklärte, ein langer und harter Kampf sei zu erwarten, er sei aber zuversichtlich, daß die freie Welt letzten Endes den Sieg davontragen werde. Truman zitierte einen Bericht Mc- Arthurs, in dem es heißt, daß die Nordkoreaner nicht in der Lage gewesen wären, ihre Chance auszunutzen. Jetzt sei es zu spät, denn die UN-Streitkxäfte würden immer stärk«: werden, während die der Nordkoreaner relativ schwächer würden. Präsident Truman wandte sich gegen Angstkäufe und gegen das Horten von lebenswichtigen Gütern. „Wir haben nur solche Mangelerscheinungen zu erwarten, die wir selbst künstlich schaffen.“ Ob Preiskontrollen und Rationierungen eingeführt werden müssen, hänge vom amerikanischen Volk selbst ab. Wenn diese« in selbstsüchtiger Weise horten sollte, dann würden Kontrollen erforderlich werden. Bewahrten die USA-Bürger jedoch einen kühlen Kopf und hielten sie sich an ihre bisherigen Einkaufsgewohnheiten, dann würden solche Schritte nicht erforderlich werden. abhängig gemacht werden kann. Die Voraussetzung für eine Friedensregelung in Korea sei der Rüdezug der nordkoreanischen Truppen hinter den 38. Breitengrad. Attlee hat mit dieser Erklärung die gleiche Haltung. eingenommen, die in der amerikanischen Antwort auf die Vermittlungsbemühungen Pandit Nehrus zum Ausdruck kam. Attlee berichtete vor dem Unterhaus über die Moskauer Besprechungen zwischen dem stellvertretenden sowjetischen Außenminister Gromyko und dem britischen Botschafter Kelly. Ziel dieser Besprechungen sei es gewesen, Moskau zur Mitwirkung an einer friedlichen Lösung des Konflikts zu gewinnen. Die britische Regierung wollte, daß Moskau seinen Einfluß in Nordkorea geltend macht, um dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Gromykos Antwort auf die britischen Bemühungen sei die Erklärung gewesen, es sei Sache des Sicherheitsrats die Korea- Frage zu lösen. Bezug monatlich durch die Poet 2.30 Mark, etnschl JT Pf. Postzustellgebühr, durch Träger 2.18 Mark, einschl. 26 Pf. Trägerlohn — Einzelpreis 2» Pf Nur Konsumbrot nicht teurer BONN. (W.-Eigenbericht.) Di« Bundesregierung hat da« Problem der Brotpreise fürs erste gelöst. Die Vertreter des Backgewerbe« haben sich, wie Vizekanzler Blücher vor dem Bundestag bekanntgab, nach langen Verhandlungen jetzt bereit erklärt, ein ortsübliches Konsuiribrot zu dem alten Preis zu backen. Die Bundesregierung will durch geschickte Verteilung der Vorräte dafür sorgen, daß die gesamte Bevölkerung versorgt wird. Blücher wiederholte noch einmal, daß die Versorgung auf lange Zeit gesichert sei. Der Vizekanzler kündigte an, die Regierung werden den Unterschied zwischen dem Einkaufspreis auf dem Weltmarkt und den im Inland festgesetzten Getreidepreisen durch Subventionen ausgleichen; sie müsse aber zu diesem Zweck die Hilfe der Länder in Anspruch nehmen. Auf der anderen Seite bedürfe die Landwirtschaft einer günstigeren Preisgestaltung, und daher wolle die Regierung an den Preisen von 280 DM je Tonne Roggen und 320 DM je Tonne Weizen festhalten. (Weitere Meldungen im Innern des BlattesJ Die Zukunft ist noch zu gewinnen Von Konrad Gunst „Wenn die Menschen, die das Schicksal der Welt in Händen halt», sich über das Mögliche täusch», ist es ein Verhängnis .. . Nach einiger Zeit, lang genug für die Opfer, kurz für das Maß der Geschichte, bleiben von ihr» Unternehmungen nur die Verbrechen, die sie begangen, und die Leid», die sie verursacht.“ Das Wort stammt von Benjamin Constant, einem der Begründer des modernen Liberalismus, einem Zeitgenossen der Gewaltherrschaften Roberspierres und Napoleons. Es sagt nichts Neues, es wird nur wieder durch die Erfahrungen und Erkenntnisse unserer Zeit bestätigt. Daß es oft lange dauert, bis diese Erkenntnisse Gemeingut aller für den Fried» Verantwortlichen werden, zeigt sich am Beispiel Koreas, durch das der bunte Schleier der Ideolo- gi» und Illusion», der nach dem zweiten Weltkrieg über die Welt gebreitet wurde, mit einem Schlag zerrissen wurde. Hier taucht plötzlich j»e Wirklichkeit auf, die in Teheran, in Yalta und Potsdam geschaffen wurde. Hier gründet die bange Frage, die in diesen Tag» Millionen von Menschen bewegt: werden sich die Leid» des zweiten Weltkriegs in einer dritten Katastrophe, noch furchtbarer und in ihrer Auswirkung gar nicht ab- schätzbar, wiederhol»? Grenzerleichterungen für zwei Millionen Deutsche und Schweizer Die von d» deutschen Vertretern mit Unterstützung der französischen Behörden vorgeschlagene Erweiterung der Grenzzonen tritt bereits am 1. August 1950 in Kraft. Die Grenzzone auf deutscher Seite umfaßt von diesem Zeitpunkt ab die Kreise Freiburg-Stadt, Freiburg-Land, Müllheim, Lörrach, Neustadt, Sädringen, Waldshut, Donaueschingen, Konstanz, Stockach, Ueberlingen, Ravensburg, Tett- nang, Wangen und Lindau. In die schweizerische Grenzzone sind einbegriffen die Kantone Basel-Stadt, Basel- Land, Kanton Solothurn (mit Ausnahme der Bezirke Solothurn, Leberberg, Buchegg und Kriegsstetten), Kanton Aargau (mit Ausnahme des Bezirks Muri), von Kanton Zürich nur die Bezirke Dielsdorf, Bülach, Andelfing» und Winterthur, Kanton Schaffhausen, Kanton Thurgau und aus dem Kanton St. Gallen die Bezirke Wil, Untertoggenburg, Gossau, St. Gallen, Rorschach sowie Unterrheintal. Durch die Erweiterung der Grenzzonen wird ab 1. August eine erfreuliche Erleichterung im gegenseitigen Besuch der deutschen und der schweizerischen Grenzbevölkerung geschaffen, die vor allem den wirtschaftlich» und kulturell» Interess» beidseits der Grenze zugute kommen wird; über zwei Millionen Menschen auf beiden Seiten der Grenze nehmen an der neuen Vergünstigung teil. — Unsere Karte zeigt die zur Zeit genehmigte 10-km-Zone und darüber hinaus die vom 1. August ab neu einbezogenen Gebiete- i)« V Die Frage beschäftigt nicht nur uns in Deutschland, die wir sehr wahrscheinlich das erste Opfer eines neu» Weltbrandes sein würden. Tatsache ist, daß alle Völker der Erde sie bangen Herzens stellen und daß die große Angst vor der Zukunft das Tun und Lassen der Menschen beherrscht. Es geht hier nicht nur um das Schicksal Europas. Ein komm»der Weltbrand würde wahrscheinlich alle Länder und Völker in Mitleidenschaft ziehen in einem Ausmaß, das unvorstellbar ist. Das liegt schon in der Natur der zur Verwendung kommenden Waffen. Wir dürfen wohl annehmen, daß in einem Krieg aller geg» alle, in dem es letzten Endes um die nackte Existenz des einzelnen und der Völker ginge, auch das letzte Mittel eingesetzt würde, das gewissenlose Wissenschaftler den Machthabern unserer Zeit zur Verfügung gestellt haben: die Atombombe. Es mag immerhin ein Trost sein, daß die Verantwortlichen aller Volk» sich noch vor der Anwendung dies» Waffen hüten und daß die Tendenz zur Zurückhaltung allgemein ist. Liddell Hart, der bekannte englische Militärschriftsteller, meint sogar, ein „total» Krieg“, wie wir ihn bisher kenn» gelernt haben, sei unvereinbar mit dem Atomzeitalter, d»n „in der chaotischen und v»derblich» Nachernte des zweiten Weltkrieges beginnen selbst die Siegemationen zu begreifen, was für ein Unheil aus dem Mangel von Beschränkungen in der Kriegführung entstanden ist und wie dadurch ihr Sieg ins Sinnlose verkehrt wurde. Ein unbeschränkter Krieg durch Atombomb» würde etwas Schlimmeres als Unsinn ergeben — es wäre ein wechselseitiger Selbstmord.“ Götterdämmerung Aber gelt» diese Erwägungen auch für die Sowjetregierung? Daß sich die West- m ächte diese Frage ernsthaft stell» müssen, ist ihre eigene Schuld. Ein» d» bekanntesten amerikanischen Journalist», Robert Ingrim, schrieb kürzlich (in der neuen deutschen Zeitschrift für internationale Fragen „Außenpolitik“), daß es jetzt, fünf Jahre nach der deutschen Waffenstreckung, keinen Frieden gebe, weil es weder ein Ueb»gewicht noch-ein Gleichgewicht unter d» Mächten gebe. Das Gleichgewicht zerstört zu hab», sei die Schuld Hitlers. Es nicht wieder hergestellt zu hab», sei die Schuld Roosevelts und Churchills... „Ihre Forderung nach bedingungsloser Unterwerfung, ihre Weigerung, mit dem .anderen Deutschland 1 und dem .ander» Japan“ zu paktier», brachte es dahin, daß es keine Waffenruhe geben konnte vor d» vollständigen Vernichtung des Gegners. Von Kriegswut v»blendet, vergaßen sie des groß» Clausewitz’ Mahnung, daß der Krieg ein Instrument der Politik sein müsse und daß d» militärische Gesichtspunkt dem politischen unterzuordnen sei. Nicht durch das V»lang» nach bedingungsloser Uebergabe, sondern auch durch ihre verfehlte und menschlich fragwürdige Art d» Luftkriegführung erzeugten sie die machtpolitisch» Hohlräume, die jetzt, mitten in Europa und im F»nen Osten, die Wiederherstellung des Kräftegleichgewichts zu ein» fast unlösbaren Aufgabe machen.“ Daran, so sagt Ingrim, krank» wir alle, die Besiegten und die siegreichen Westmächte. Und darum sei es auch sonnenklar, daß es kein» Frieden geb» könne, ehe jene machtpolitisch» Hohlräume ausgefüilt seien. Ohne Kräftegleichgewicht gebe es kein» Frieden. Man darf annehmen, daß diese Erkenntnis heute bei den Westmächten Allgemeingut geworden ist. Darausleitet sich ja auch die Verpflichtung Amerikas ab, für ! «sä# 'IB; lila vr L : ÜB .IJV.... sin temstag, 22. Juli 1860 SÜDKURIER Nr. 87 / Seite 2 die Sicherheit Deutschland« und des europäischen Westens zu sorgen. Wie aber stellt sich Rußland zu dieser Entwicklung? Ingrim glaubt, daß sich die militärische Lage Rußlands durch den Einbruch in das Atctnbombengeheifnnis zwar verbessert, aber nicht wesentlich geändert habe. Das gelte auch im Hinblick auf Westeuropa. Zwar könnte Rußland mit Hilfe der Atombombe das Weinige, was es an europäischem und amerikanischem Widerstand in der Alten Welt gebe, noch schneller brechen als mit Panzern und durch die Luft beförderten Truppen, aber dieser kleine Zeitgewinn würde sich kaum lohnen. „Diktatoren haben“, so sagt Ingrim, „vor der Anarchie noch mehr Angst als Demokraten, und eine verbrannte Wüste i«t nicht das, was dte Sowjets in Westeuropa suchen. Was sie lockt, sind Stahlwerke, Werften, Kraftwagenfabriken, chemische Industrien, Wasserkräfte, dazu Arbeitssklaven jeglichen Ranges. Die Besetzung Europas wäre doch dazu bestimmt, ihnen endlich das ersehnte Uebergewicht zu verschaffen.“ Auch der amerikanische Schriftsteller kommt wie der Engländer Liddell Hart zu dem Schluß, daß der Besitz der Atombombe durch die Sowjets die Gefahr für Europa nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar vergrößert habe. Stalin aber, so meinen sie, stehe stärker als Hitler im Jahr 1939 unter dem Einfluß der 6implen Wahrheit, daß es keinen Sinn habe, Schlachten zu gewinnen und den Krieg zu verlieren. HJnd Europas Soldaten? Es ist heute leider so, daß man nicht vom Sinn oder Unsinn eines neuen Krieges sprechen kann, ohne die Frage nach der militärischen Sicherheit zu steilen. Dieser Untersuchung gelten Sowohl die bereits angedeuteten Aeußerungen des 'Engländers Liddell Hart als auch die des Amerikaners Robert Ingrim, Und beide kommeji zu dem Schluß, daß es gilt dem militärischen Schutz Westeuropas schlecht bestellt' sei und daß es niir mit Hilfe Amerikas gelingen könne, ihn zu schaffen, denn „nur Weltmächte sind imstande, sich die modernsten und wirksamsten Waffen zuzulegem“. Daß man unter diesen Umständen auch wieder den Ruf nach einer deutschen Mitwirkung erhebt, ist angesichts der Weltlage verständlich. Ingrim meint, er möchte sich nicht mit denjenigen auseiiDandersetzen, die Deutschland raten, sich zu benehmen wie der Jüngling, der sich umbringt, um das treulose Mädchen zu strafen, und er habe großes Verständnis für die Neigung, den Antimilitarismus zu übertreiben, um das Märchen zu entwurzeln, daß „der Militarismus eine ausschließlich deutsche Pflanze“ sei. Kurz und gut, Ingrim fordert im Interesse der Durchführung der Gleichgewkhtspoiitik die militärische Beteiligung Deutschlands. Selbstverständlich aber könnten Europas Soldaten Beschlüsse des SED,- Parteitages BERLIN. (A G.-Eigenbericht.) Der erste Teil des SED-Parteitages, der fast drei Jahre lang nicht zusammengetreten war, brachte das, was in kommunistischer Sprache Selbstkritik heißt, was sich aber | bei dem Umfang und der Härte der Beschwerden zu einer manchmal recht sensationellen Selbstenhüllung entwickelte. Die innere Schwäche der kommunistischen Bewegung in ganz Deutschland trat besonders stark bei den Mitteilungen über den Mitgliederbestand und über den Streit der verschiedenen Richtungen in Erschei- WETTERVORHERSAGE de« Amtliches Laodeswetterdlenstee Von Westen vordringende kühlere Luft oewirkt ein Aufleben der Gewittertätigkeit. Aussichten bis Sonntagabend: Heiter bis wolkig, zunächst ohne stärkere Bewölkung. Ab Montag wieder kurzdauernde Wetterbeunruhigung, auffrischende Wände. 100 DM hl Zürich: 2«. 7.: 79 «fr.; 20. 7.: 79 sfr. Welteisschränke gegen Hitze Man hat einmal, um die wirkliche Wärmestrahlung der Sonne festzustelien, folgendes Experiment gemacht: man nahm eine gutgepolsterte Kiste, bedeckte sie oben mit Glas und ließ die Sonne hineinschemen. Es war ein heißer Tag, das Thermometer zeigte in der freien Luft über 30 Grad an. Und in der Kiste? Duer ZdKA (Armee-Elf) mit 30:8 Punkten vor Zenith Leningrad (26:14), Dynamo Tbilissi (26:16). v. Cramm und Saß gewannen bei den Internationalen Schwedischen Meisterschaften, in Bastad gegen das britische Paar Hotkitts/Stratton. 6:1 6:1 6:1 und im Einzel besiegte v. Gramm den Norweger Haanes 6:0 6:4 6:0. Saß unterlag gegen Sturges 1:6 2:6 4:6. Bundespr äs ident Dr. Heuß hat die Schirmherrschaft über den „Großen Preis von Deutschland" am 20. August auf dem Nürburgring übernommen. Die Haupttribüne ist bereits ausverkauft. Rund 200 000 Pfund Sterlin (2,35 Millionen DM) sind als Ueberschuß bei den Fußball-Weltmeisterschaften festgestellt worden. Der St. Moritzer Gemeinderat bewarb *lch um die Olympischen Winterspiele 1960. Zur Deutschlandfahrt hat-die Schweiz AeschU- maim, Max Meier, Schütz und Sommer gemeldet. Blick über die Grenzen Mannschaftsspiel muß schneller werden ... sagt Bundestrainer Herberger Bei allen Vorbereitungen zur Aufstellung einer künftigen Nationalmannschaft müsse jetzt ein Länderspielmaßstab angelegt werden, erklärte Bunöestrainer Sepp Herberger anläßlich de« zur Zeit in Duisburg.-Wedau laufenden Nach- wuehslehrganges de« Deutschen Fußball-Bundes. Nach Ansicht dieses alten Fußballpraktikers müsse ein sehr schnelles Mannschaftsspiel entwickelt werden, für das unter Voraussetzung der selbstverständlichen technischen und spielerischen Fähigkeiten ausgezeichnete Kondition und gutes Einfühlungsvermögen die besten Grundlagen darstellen. Nach den Aeußerungen des Bundestrainers dürfte es noch einige Jahre dauern, bis eine Stammnationalmannschaft steht, nie den früheren Leistungsstand erreicht. Der Nachwuchs muß für diese internationale Aufgabe erst heranreifen. Nach seinen bisherigen Wahrnehmungen könnte aus dem im Augenblick zur Verfügung stehenden Material ein Sturm in folgender Besetzung aufgestellt werden: Klodt (Schalke), F. und O. Walter (Kaiserslautern). Islacker (Rheydt), Blessing (VfB Stuttgart) oder Schäfer (Köln). Um den südbadischen Fußballpokal Die III. Hauptrunde um den südbadischen Fußballpokal findet am 5./6. August statt. Es spielen: Spiel-Nr. 87 Kuppenheim — SC Freiburg (5. 8.): 88 ASV Freiburg — FC Freiburg (5. 8.), 89 Vil- lingen — Rheinfelden (6. 8.); 90 Lahr — Schopfheim (6. 8.): 91 VfL Konstanz — Rastatt (6. 8.). Die fV. Hauptrunde findet am 13. August statt: Spiel N.r. 92 Sieger von Spiel 88 — Sieger von 87: 93 Sieger von Spiel 90 — Sieger von 91: 94 Sieger von Spiel 89 hat Freilos. Vorschlußrunde am 20. August: Spiel Nr. 95 Sieger von Spiel 94 — Sieger von Spiel 93: 96 Sieger von Spiel 92 hat Freilos. Endspiel am 27. August: Sieger von Spiel 96 — Sieger von 95. Gartenarchitekt Fritz Klauser t Rorschach. Der hervorragende Gartenarchitekt Fritz Klauser ist hier im 65. Lebensjahr gestorben. Als gärtnerischer Gestalter und Berater hatte er einen Ruf weit über seine Heimat hinaus: besonders Kirchenbehörden beider Konfessionen haben seine Dienste bei Neu- und Erweiterimgsatdagen von Friedhöten in Anspruch genommen. Alt-St. Gallen verschwindet St. Gallen. Während im vergangenen Jahr die Bautätigkeit noch flau war, hat nun plötzlich die Baulust in ungewöhnlichem Ausmaß eingesetzt. Am Union- und Marktplatz geht der Abbruch des großen Gebäudekomplexes seinem Ende entgegen, und gegenüber dem Hauptbahnhof wird das alte Hotel Bahnhof im Eiltempo ni-edergerissen. Am Blumen bergplatz sind im April verschiedene alte Gebäulichkeiten am Fuße des Rosenbergs abgebrochen worden, um einem großen Geschäfts- und Wohnbau mit Garagen und einem Großkino Platz zu machen. Eine ganze Anzahl von anderen alten Gebäuden cm übrigen Stadtzentrum sind dem Untergang geweiht und sollen durch Neubauten ersetzt werden. Ein besonders markantes Stück Alt-St. Gallen wird am Gallusplatz verschwinden. Wenn auch der dort geplante Neubau weitgehend auf den Charakter seiner Umgebung Rücksicht nehmen soll, so wird man doch die Romantik der bisherigen Altstadthäuser künftig vermissen. Doch nicht nur im Stadtzentrum, auch in den Außenquartieren verschwindet das alte St. Gallen immer mehr. So ist im Kron- tal das besonders schöne und markante alte Haus zur Krone trotz lebhaften Protestes des Heimatschutzes einem Neubau zur Erweiterung der Postfiliale zum Opfer gefallen. Jedes zweite Jahr ein Jahr Urlaub Zürich. Die gemeldete Wahl von Prof. Paul Hindemith, durch die dieser einen Lehrauftrag für Musiktheorie, Komposition und Musikpädagoge en der Züricher Hochschule erhielt, erfolgte für die Zeit vom 16. Oktober 1951 ab auf die übliche Amtsdater von sechs Jahren. Jedes zweite Jahr, also erstmals vom 16. Oktober 1952 bis 15. Oktober 1953, wird Hindemith beurlaubt, um sein bisheriges Lehramt an der Universität Yale (Connecticut, USA) ausüben zu können. Man erwartet von dieser Doppeldozentur eine ersprießliche Förderung der Beziehungen und einen regen persönlichen Austausch zwischen amerikanischen und schweizerischen Musikwis- senschaftem und Musikern. Ingenieur Dr. h. c. O. Boßhardt t Basel. Im Alter von 77 Jahren starb hier der über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannte Ingenieur Oskar Boßhardt, der sich durch seine Arbeiten für Kraftwerke und Haienanlagen einen bedeutenden Name» gemacht hat. Von ihm stammen auch die ersten Projekte für das Kraftwerk Birsfelden, die er bereits 1914 in Angriff nahm. Jüngst durfte er es noch erleben, daß der Basler Große Rat und das Baselbieter Volk sich einmütig für den Bau dieses Werkes aussprachen. J03Vs Jahre alt geworden Basel. Hier starb im Alter von 103*/i Jahren die im Januar 1847 geberrene Frau Maria Kling- ier-Reiale. Sie erfreute sich: bis vor drei Wochen noch bester Gesundheit. Mit ihr ist die älteste Baslerin heimgegangen. Noch nie hat bisher ein Basler Bürger dieses hohe Alter erreicht. Wegmarkierung im Pilatus-Gebiet Luzern. Durch die Gesellschaft „Pro Pilatus" ist als weiteres großes Gemeinschaftswerk mit Erfolg die 'Wegmarkierung des schwierigen Pilatus-Gebietes durebgeführt worden. Unentgeltlich haben die städtische Gewerbeschule Luzern und verschiedene Malermeister rings um den Pilatus die Bemalung und Beschriftung besorgt: desgleichen wurden die 90 Wegweiser und ein Dutzend Naturschutztafein durch örtliche Berg- und Skiklubs, Turnvereine und Pfadfinder unter fachkundiger Leitung und Mitarbeit von Baumeistern und Handwerkern umsonst angebracht. Schwierige Erstbesteigung Meiringen (Berner Oberland). Die Südostwand des Kleinen Weiähorns am Rosenlaui-Glet- scher ist von zwei Alpinisten aus Meiringen und Interlaken in neunstündiger, sehr schwerer Kletterei zum erstenmal durchstiegen worden. Gemälde- und Schmudcdleb testgenonunen Bern. Der Polizei ist es gelungen, den Urheber des vor wenigen Wochen in Bern verübten Gemäldediebstahls zu ermitteln und festzuneh- men. Die Bilder im Gesamtwert von über 100 000 Franken konnten alle, wenn auch zum Teil beschädigt, wieder sichergestellt werden. Die Ermittlung des Täters ergab sich aus der Untersuchung eines Ende Juni in Bern begangenen Schmudcdiebstahls, der nur durch die Mitwirkung einer Hausangestellten der bestohlenen Familie gelungen «ein konnte. Unter ähnlichen Umständen wurde eitle frühere Dienstherrschaft der Hausangestellten durch den gleichen Täter bestohlen, und sein Vorgehen ließ den Verdacht aufkommen, er könnte auch der Urheber des Gemäldediebstahls sein, was die Untersuchung bestätigte. Der Dieb wurde bereits 1946 wegen schwerer Vifleneinbrüche zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und hat seine neuen Verbrechen eing.es tandeti. Rundfunk Südwestfunk (SWF); Stuttgart (St) Beromünster (Be); Vorarlberg (V) SAMSTAG, 22. Juli: SWF: 13.00 Deutsche Arbeiter in Frankreich: 15.00 Rechtsspiegel; 15.45 Briefmarkenecke; 17.00 Büdiersdiau: 19.00 Innenpolitik. Kommentar; 19.40 Tribüne der Zeit; 20.00 Hörerwünsche werden erfüllt: 22.30 Tanz. St.: 8.00 Die Frau im öffentlichen Leben: 10.00 Suchdienst für Heimkehrer: 11.45 Gewinnung von hochwertigem Kartoffel- Pflanzgut: 16.00 Unterhaltungskonzert Pfalz- orchester Ludwigshafen: 16.45 Filmprismp; 17.00 Rias-Tanzorchester: 18.00 Mens* und Arbeit; 18.35 Klaviermusik und Lieder von Edvard Grieg; 19.00 Amerikanische Volkslieder: 20.00 Von Lanner bis Robert Stolz: 20.45 Amerikanischer Humor; 23.00 Tanz. Be.: 11.00 Bizet, Sinfonie Nr. 1; 13.50 Fragmente aus „Elektra" v. Ri*. Strauß: 15.00 Aus dem Leben von Spitzbuben und Vagabunden; 15.20 Jodlerklub Rheinfelden; 17.30 Freund- s*aft mit Pflanzen, Plauderei; 19.10 Kurt Hessenberg, Sonate für Flöte und Klavier; 20.00 „Die Frau ist verreist", heitere Feri'en- sendung. V.: 13.45 Die katholis*e Jugend: 14.45 Mär*entante erzählt: 16.30 Dr. Pohl, „Die Einheit der Natur", (Universitätsstunde); 19.30 Antwort auf Hörerbriefe: 20.15 Volks- konzert: 21.00 Heitere Kleinkunst; 23.00 Tanz. SONNTAG, 23. Juli: SWF.: 8.30 Na*ri*ten aus der *ristli*en Welt; 8.45 Evgi. Morgenfeier; 10.00 Kath. Morgenfeier; 10.30 Zum 200. Todestag von Joh. Seb. Ba*, (Prof. Blume,Kiel); 11.45 Der Wein als Kulturs*öp- fer; 16.30 Burg Li*tenstein, einst und jetzt; 18.00 Reinhold S*n«ider, PoUtd«*e Betra*- tungen; 13.15 Sportreportage: 19.20 Deut- 6*e Volkslieder, gesungen vom Chor Stella silvae, St. Blasien; 19.40 Weltpolitische Wo- *ens*au; 20.00 Aus Mailand: Te Deum und Requiem von Verdi, Dirigent: Toscanini; 22.15 Sport und Musik; 23.00 Ernst Jünger «pri*t. St.: 8.00 Bestellung der Winteröl- frü*te; 9.45 Norwegen, vom Di*ter gesehen: 11.30 Uebertragung vom Württembergis*en Ba*fest; 17.00 „Flüchtlinge", Hörspiel; 17.45 Toscanini dirigiert Donizetti, Busoni nud Ri*ard Strauß; 19.30 Sport am Sonntag: 20.45 „'Der arme Jonathan", Operette von Millöcker: 22.00 J. Haydn, „Ler*enquartett"; 22.20 Tanz. Be.: 9.00 Protestantis*e, 9.45 katholis*fc Predigt; 10.15 E. Ansermet dirigiert Ts*aikowsky, , Sinfonie Pathötique; 11.05 Hörfolge Indien; 18.10 Die Waage. Sendung für Na*denk,ende; 18.55 Ba*kan- tate; 19.30 Von den Lekhtathietlk-Meister- s*aften in Bern: 20.05 Alfred Cortot spielt Chopin; 20.20 Aus Weber-Opern: 22.05 S*ubert-Strei*quartett. V.: 8.50 J. Haydn, Symphonie Nr, 6; 9.15 Anspra*e von P. Dr. H. S. Braun: 9-40 Eröffnung der Bregenzer Festspiele: 11.15 P. Götz, Liebe und Ehei 17.00 Tanztees 20.15 Liebe, Glüdc und Son- nens*ein, zwei bunte Stunden; 23.00 Tanz. MONTAG, 24. Juli: SWF.: 9.00 Für die Hausfrau; 11.30 Aus Freiburg: Landfunk: 17.00 Literatur der Landschaft: Gottfried Keller; 17.20 Lieder von Brahms und S*ubert| 18.00 Aus Freiburg: AIemannis*e Chronik: 20.00 Musik fÜT Di*!: 21.00 Aus klassis*ea Operetten; 22.20 Wirts*aftsfunk; 22.45 „Alle Mens*en sind sterbli*", Na*tgesprä* über Bauvoir und Sartre: 23.15 Moderne Unterhaltungsmusik aus Hamburg. St.: 13.00 E*o aus Baden: 14.00 Bei den Hadcbauern der Südsee: i5.45 Aus der Wirts*aft; 16.00 Unterhaltungskonzert der Stuttgarter Philharmoniker, Solistin Lola Reindl, Sopran: 16.45 Neue Bü*tT; 19.30 Quer dur* den Sport: 21.15 Puszta - Klänge; 22.00 Zeitgenössis*» Musik: Foikerts, Strawinsky, Fritz Werner. B.: 13.50 Tsche*is*e Phiihamoniker: 17.30 Kleine Wetterkunde; 18.00 posthume Sonate von S*ubert: 18.30 Neuer Jazz: 20.05 Cedric Dumont spielt: 20.45 Basler Wuns*konzert. V.: 18.00 Für den Bü*erfreund: 21.10 Der frohe Montag; Sang und Klang; 22.20 Sinniges und Unsinniges. Was geschah im h Bankhaus Lindström? Kriminalroman vonHANS hyan Doktor Splittericht, der nach Ueberein- kunft mit dem Hausherrn heute hier die Rolle des Lohndieners spielte, sah den Oberregierungsrat mit großen Augen an. Sie verstanden sich. Dann eilte der Pseudo-Lohndiener nach dem Tanzparkett hinüber und reichte dort Erfrischungen herum. Jemanden, der zu beobachten verstand, wäre es nicht verborgen geblieben, daß der Detektiv sich immer in der Nähe der Tochter des Hauses aufhielt. Die Tanzmusik hörte nun auf zu spielen, und mit einem mächtigen Akkord einsetzend, intonierte die Tafelkapelle den Hochzeitsmarsch aus „Lohengrin“. Alle Gäste wußten, wem zu Ehren man heute hier feierte, und von allen Seiten liefen sie nun zusammen, reckten die Hälse und warteten auf den Hausherrn, der vor den Lorbeerbüschen auf eine kleine Estrade trat und die Verlobung seiner Tochter mit dem Komponisten Stefan von Wieland bekanntgab. Wieland, als Musiker bekannt und geschätzt, war vor kurzem zur musikalischen Leitung der Staatsoper berufen worden. Er hatte eine große Anzahl von Verehrern und Freunden, und wohl keiner war in der Gesellschaft, der ihm das Glück mißgönnte, als Schwiegersohn des reichen Bankiers eines der schönsten Mädchen der Hauptstadt heimzuführen. Der Konsul sprach nicht viel, aber jedes seiner Worte kam aus dem Herzen. Dann trat Wieland mit seiner Braut hinzu, der Vater räumte ihnen den erhöhten Platz. Alles drängte herbei, den Verlobten zu gratulieren. Auch Henderson mit seiner Dame war unter den Glückwünschenden. Aber da geschah schon etwas Störendes: Ein korrekt, aber gar nicht festlich gekleideter Mann trat rasch an Henderson heran und sagte leise einige Worte zu ihm. Darauf wandte sich der Oberregierungsrat und verschwand mit einer hastigen Entschuldigung. Die Musik schwieg nun nicht einen Augenblick. Es wurden Ueberraschungen hereingebracht, und die Stimmung stieg zu großer Lustigkeit und lautem Gelächter an. Noch vor wenigen Minuten hatte Marion Lindström im Arm ihres Bräutiqams getanzt. Dann hatte er sie zu ihrem Sessel gebracht, war auf einen Augenblick von einem Freunde fortgezogen worden und hatte nach einem, wie er meinte, sehr kurzen Gespräch, Marion nicht wieder gefunden, als er sie suchte. Sie war weg. Eine Freundin Marions, die eben mit ihrem Kavalier vorübertanzte, gab Wieland Bescheid: vor ein paar Minuten sei Marions Zofe an sie herangetreten und habe ihr etwas gegeben. Was, konnte sie nicht genau sehen, aber wahrscheinlich sei es ein Brief gewesen. Beunruhigt eilte der Musiker durch die Reihen der Herumstehenden und Tanzenden, und suchte Marion. Er fand sie nicht. Aber die Zofe sah er am Ausgang der Halle eben hinter den Lorbeerbäumen verschwinden. Wieland verdoppelte seine Schritte und holte das Mädchen an der Saaltür ein. Er war fast atemlos: „Wo ist meine Braut. Annette?“ Die Zofe war sichtlich bestürzt und unruhig: „Ich weiß es nicht, Herr . . . Herr von Wieland." Es klang scharf und heftig, als er erwiderte: „Sie müssen es wissen, Annette, Sie haben ihr ja eben erst den Brief gebracht!“ Das Mädchen erschrak so. daß ihr das Blut wie eine rote Welle bis unter das dunkle Stirnhaar flog. „Ja, ja“, sagte sie weinerlich, ..ja, aber . . „Von wem war der Brief?“ „Ich weiß es nicht ... ich hab’ keine Ahnung.“ „Sie wissen es wohl! Reden Sie, antworten Sie mir augenblicklich!“ Er griff sie hart am Handgelenk und schüttelte sie. Und sie, schon schluchzend: „Ich weiß es nicht, wirklich nicht, Herr von Wieland!“ „Kommen Sie mit!“ Er zog sie aus der Tür der Halle in den Gang, der in die Zimmerflucht hinüberführte. Die erste Tür links war geschlossen, die zweite stand halb offen, das Zimmer war erhellt. Er blieb einen Augenblick zweifelnd stehen und sah zu dem Mädchen hin, dessen Arm er nicht losgelassen hatte. Sie verstand seine stumme Frage: „Ja ... ja, hier ist das Schlafzimmer des gnädigen Fräuleins . . Und sie weinte wieder. „Heulen Sie nicht!“ herrschte er sie an. „Sagen Sie mir die Wahrheit, das ist alles, was ich von Ihnen verlange!“ Er zog sie in das Zimmer hinein. „Wie oft haben Sie Fräulein Marion schon solche Briefe überbracht? Sagen Sie, was Sie wissen! . . .“ Am Ende dieser peinvollen Unterredung wußte der Komponist, daß seine Braut schon seit zwei Jahren solche mit der Schreibmaschine geschriebenen Briefe erhielt, die Marion gleich nach der Lektüre vernichtet hatte. Von wem diese Briefe stammten, konnte Annette dem Musiker nicht sagen. Er redete, drängte und drohte immer mehr! Er schien wirklich willens, sie sofort auf die Polizei zu schleppen. Er tat es nicht. Aber wenn er es getan hätte, hätte er auch nicht mehr von Annette erfahren. Denn wer der Schreiber dieser Briefe war, wußte sie in der Tat selber nicht. Sie hatte eines Tages einen an ihre Adresse gerichteten Brief erhalten. Wenige Zeilen nur, ohne Unterschrift. Der Absender bat die Zofe, den inliegenden versiegelten Brief heimlich der jungen Herrin zu geben. Den beigeschlossenen Zwanzigmarkschein sollte sie als Trinkgeld behalten. Annette gab den Brief ab. Zwanzig Mark kann man immer brauchen, und nebenbei macht es ja Spaß, so eine kleine Heimlichkeit mit seiner Herrschaft zu haben! Dann kam wieder ein Brief und noch einer. Zuletzt fast jede Woche einer. Einmal hatte sie einen solchen Brief, der nicht fest verschlossen war, neugierig geöffnet. Er enthielt zwei Hundertmarkscheine, die sie, vor Angst zitternd, verbarg. Den Brief, der keine Unterschrift zeigte, hatte sie verbrannt. Nie hatte Marion nach diesem Brief gefragt. Aber ein paar Tage später kam ein anderer Brief an die Zofe selbst. In ihm teilte der Briefschreiber Annette kurz mit: er habe Kenntnis davon, daß sie den letzten Brief an das gnädige Fräulein nicht abgegeben und die inliegenden zweihundert Mark unterschlagen habe. Ob er sie deswegen bei der Polizei anzeigen und zur Bestrafung bringen sollte, das müsse er sich noch überlegen. Seitdem lebte Annette in ewiger Angst. Ihre Herrin war freundlich und gut zu ihr wie stets. So wäre sie gewiß nicht gewesen, wenn ihr dieser unheimliche Mensch etwas von den zweihundert Mark gesagt hätte. Aber nun konnte es Annette nicht wagen, so oft sie schon daran gedacht hatte, seine Briefe nicht mehr zu bestellen. Sie war ein willenloses Werkzeug in seinen Händen geworden. Und wenn sie auch viel zu heiter von Natur und zu lebenslustig war, um dauernd den Kopf hängen zu lassen, so gab doch ihr schwacher und leichtherziger Charakter ihr auch keine Möglichkeit, diese Sklavenkette abzuwerfen. Das war’s, was alle Bemühungen des Komponisten nutzlos machte. Annette hätte so gern gesprochen! Sie hätte diesen Mann, der immer freundlich zu ihr gewesen war, schon längst aufgeklärt in der Hoffnung, damit ihre arme Herrin, deren seelische Leiden ihr nicht verborgen blieben, von ihrem Peiniger zu befreien Aber die Angst um ihr eigenes Leben, um ihre Sicherheit war größer und ließ sie schweigen. Der Musiker, vor Aufregung seiner Sinne kaum mächtig, stieß das Mädchen ven sich und ging. Er verließ das Haus. 8 In jenem Augenblick, da Marion Lindström den ihr von der Zofe verstohlen dargereichten Brief empfing, stand Doktor Splittericht, der „Lohndiener“, in ihrer nächsten Nähe. Er ließ sie nicht aus dem Auge. Er sah den Schrecken und die Angst auf ihrem Gesicht, als sie den Umschlag aus blauem Ueberseepapier empfing. Und er begriff sofort, daß Unheil dem Mädchen drohte. Da dankte er dem Schicksal, daß er hier war und daß sein Beruf und seine Tätigkeit ihm erlaubten, ihr beizustehen. Mit großer Behutsamkeit folgte er ihr. Sie eilte durch den Ausgang hinter den Lorbeerbüschen ins Haus hinüber. Die Halle war ein mächtiger Anbau, der von den Wohnräumen getrennt war. Er entschloß sich kurz, blieb zurück und verließ das Haus durch die diesseitige Hallenpforte. Es war ihm im Nu klar geworden, daß Marion Lindström durch den eben empfangenen Brief irgendwohin gerufen wurde. Und er war sogleich entschlossen, das Ziel ihres Ausganges festzustellen. Hier bot sich wahrscheinlich die nicht so leicht wiederkehrende Gelegenheit, das Geheimnis dieses gequälten Frauenherzes zu ergründen. Er ging hinten herum durch die Anlagen des Gartens, kletterte über das Eisengitter und befand sich auf der Straße. Die Leuchtziffer auf seiner Armbanduhr zeigte Mitternacht. Den kleinen, schnellen Wagen, den er selbst fuhr, hatte er auf der gegenüberliegenden Seite unweit der Villa zwischen den Autos geparkt, die dort in langer Reihe auf den Schluß des Festes und die heimkehrenen Gäste warteten. (Fortsetzung folgt). feüfcifeiifeiiif SÜDKURIER Nr. 87 / Seite « Hs- tl El Vor sacks Jahran Dds Schicksal badisch*württembergischer Regimenter Am nächsten Tage kam aus dem Führer-Hauptquartier der Anruf, ob auf einem, dem Gefechtsstand der Heeresgruppe nahe liegenden Flugplatz eine Condor-Maschine landen könne? Frieß- ner war überzeugt, daß*dgmit der Nachfolger komme — aber ein zweiter Anruf befahl Frießner mit dieser Condor-Maschine zu Hitler. Als sich Frießner bei Schmundt meldete, war dieser äußerst bedenklich gestimmt. Hitler wäre über die Denkschrift Frieß- ners sehr erbittert, vor allem darüber, weil Frießner sofort in das gleiche Horn gestoßen habe, wie dies vorher schon Lindemann getan hätte. „Der Führer ist sehr erbost und Herr Generaloberst müssen sich mit der Möglichkeit der Ablösung vertraut machen.“ Schmundt brachte es vor, in seiner verbindlichen Liebenswürdigkeit, aus der Frießner entnehmen konnte, daß die Ablösung doch schon sicher sei. „Gut, wenn ich nach Hause geschickt werden soll, bitte. Aber sorgen Sie dafür, daß ich den Führer vor der Lagebesprechung allein sprechen kann.“ Schmundt sagte dies zu und arrangierte es auch. Als Frießner zu Hitler gebracht wird, sich wie befohlen zur Stelle meldet, sprang Hitler den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord gleich an: „Herr Generaloberst, Sie haben mir hier eine Denkschrift eingereicht, die in dem gleichen Stile, wie das Lindemann’sche Memorandum, gehalten ist. Darüber wäre noch zu reden. Jedoch stellen Sie am Schluß ein Ultimatum, das ich in keiner Weise anerkennen kann. Wo soll denn das hinführen, wenn jeder Bataillons-Kommandeur seine Kompaniechefs erst von 1 der Notwendigkeit eines Befehls überzeugen müßte?“ Frießner benutzte eine Bewegung Hitlers, die dieser machte, um eine Karte auf zurollen, um $u antworten: „Mein Führer — die Ebene und der Unterschied zwischen der Funktion eines Bataillons-Kommandeurs und der eines Oberbefehlshabers einer Heeresgruppe, die immerhin 800 000 Menschen umfaßt, dürfte doch beachtlich sein.“ Hitler blickte auf Frießner, böse, wütend und er fuhr den Generaloberst an: „Das zu beurteilen müssen Sie schon mir überlassen“. Mit diesen Worten ließ er Frießner stehen, begab sich zu der Lagebesprechung, an der dann auch Frießner teilnahm. Hitler machte den beiden Heeresgruppen Mitte und Nord Zusagen über Zusagen, die sich auf die Zuführung von Verstärkungen bezogen. Ohne aber dann auf die Frage der noch immer zwingend notwendigen Rücknahme der Heeresgruppe Nord auf die Düna einzugehen, wurde Frießner wieder zu seiner Heeresgruppe entlassen. In d c .r Zwischenzeit aber waren die Russen bereits über Kraslava hinaus vorgestoßen, standen unmittelbar vor Dünaburg. Frießner mußte erneut seinen Vorschlag auf Rücknahme unterbreiten. Es war allerhöchste Zeit geworden — Hitler reagierte auf diese neuerliche Denkschrift, — die dritte in diesem Falle — wie erwartet: Generaloberst Frießner wurde abgelöst, durch den Generalobersten Schörner. so daß nun die beiden NS- Lieblings-Generale Hitlers: Model und Schörner, den Abschnitt zwischen dem oberen Bug und der Ostsee führten. Aber auch diese beiden rücksichtslosen und brutalen General-Feldmarschälle, — Schörner wurde kurz danach ernannt — konnten den Zusammenbruch nicht mehr aufhalten. Die Katastrophe nahm ihren Fortgang, wie sie am 22. Juni 1944 begann: als Hitler nicht glauben wollte, daß die Heeresgruppe Mitte angegriffen würde. Gespräch an der Bruche Model fuhr mit dem Kommandierenden General in die Stellungen, in denen die müden und erschöpften Soldaten lagen, die nun nach einem wochenlangen Kampf kurz zu einer Atempause gelangten: die Russen schlossen auf, brachten ihre Nachschuborganisationen in Ordnung und der deutsche OKW-Bericht schilderte dies als einen Verdienst der deutschen Verbände. Model ließ sich berichten, auf der Karte zeigen, Wünsche vortragen und er hielt knappe, schneidige Reden, als wisse er, daß er, klein von Statur, durch die kesse Forschheit seines Auftretens “Wirke. „Ich möchte nicht in seiner Haut stek- ken.“ Der Oberst sagte es halblaut, als glaube er, Model höre es noch. Dann sagte er weiter: ■ „Er soll retten, was kaum noch gerettet werden kann. Ich möchte nur wissen, ob der Mann dies selbst denkt, was er uns erzählt?' Von Panzerdivisionen, von Geheimwaffen, von 10 000 Flugzeugen und vom Siegeswillen des Führers. Ungebrochen, wie einst. Aber hier? Weder Panzer, noch Geheimwaffen, noch Flugzeuge, knapp 100 Kilometer von der ostpreußisehen Grenze. Man wäre ja dumm, wenn man das nicht begreifen würde — der Lahme mit dem Krückstock und so. Ich möchte nach Hause gehen und Kaninchen züchten. Vielleicht kommt dabei noch etwas heraus. Aber hier? Danke . . . “ Der Kraftfahrer, der neben dem Generalslabsobersten stand und mit ihm wartete, grinste nicht, wie er es sonst immer tat. Als verstehe er die Ausweglosigkeit der Lage. Denn die Heeresgruppe Mitte bestand nicht mehr. Was sich Heeresgruppe Mitte nannte und unter Models Oberbefehl stand, war ein Torso von Trossen, die von einer kleinen Gruppe noch widerstandswilliger, aber todmüder Divisionen gehalten wurde. „Die 6. Panzerdivision kommt — —“ sagte Model und das Einglas blitzte. Teile der 6. Panzerdivision kamen auch: es kam eine Panzerabteilung, allerdings neue Panther, dazu zwei Panzergrenadier- bataillone, kamen einige Fallschirmjäger, es kam .eine Tiger-Abteilung und es kam ein Bataillon SS-Fall schirm jäger. Aber wirklich geschlossene Verbände mit starker Feuerkraft und mit gut ausgebildetem Ersatz — die kamen nicht. „Model verspricht wie immer: Der Führer hat es mir selbst zugesagt — versprochen schon, aber das heißt ja nicht, daß das Zeug kommt.“ Der Oberst schwieg. Es war alles so sinnlos geworden. Auf dem Brückengeländer saß der Oberst und wartete auf die Rückkehr von Model. Er ließ auf sich warten und der Oberst besah sich seine Karte mit den Einzeichnungen. „Uns kann keiner mehr helfen — uns nicht hier, denen nicht, die noch drüben sind und denen nicht, die in der Heimat nicht mehr weiter wissen.“ Der Kraftfahrer murmelte: „Jawohl, Herr Oberst —“ „Mensch, sag doch auch mal „Neifi —“— „Das kann ich nicht, Herr Oberst.“ „Das ist es ja: keiner hat bei uns das NEIN-Sagen gelernt“ Nach einer Stunde kam Model. Er fragte den Oberst noch nach den Wünschen: „Herr Feldmarschall, — ich bitte nichts mehr, als daß unsere Lage hier, zwischen Wilna und Dünaburg, ohne Illusionen betrachtet wird. Es wäre gut, wenn wir in den örtlichen Fragen freie Hand behielten und dann brauchen wir schwere Waffen: aber die bekommen wir ja nicht —“ „Sehr zuversichtlich sind Sie nicht? „Es ist mir vergangen, Herr Feldmarschall.“ „Dann lernen Sie es mal wieder. Sie werden es noch brauchen.“ Der Oberst antwortete nicht. Model fuhr ihn an: „Stellen Sie sich einmal gefälligst darauf ein, daß wir den Krieg gewinnen müssen. Oder wollen Sie ihn nicht gewinnen?“ „Jeder Soldat will den Krieg gewinnen, den er mitmachen muß. Denn dafür wird er ja schließlich geführt. Aber ein Krieg sollte dann aufhören, wenn er sinnlos wird.“ „Wollen Sie damit sagen, daß der Krieg, wie wir ihn führen, sinnlos sei?“ „Ich finde ihn ohne Sinn, wenn wir nun dort stehen, wo wir angefangen haben-: an unseren Grenzen.“ „Dann wäre es doch besser, man finge Kriege gar nicht erst an?“ „Jawohl, Herr Feldmarschall.“ „Sehr interessant. Haben Sie das immer gesagt?“ „Vermutlich. Es ist mir nicht bewußt, wann es mir zum ersten Male deutlich wurde. Aber ich bin der Meinung, man sollte tatsächlich doch nur die Kriege führen, die man gewinnt.“ „Für einen Berufssoldaten entwickeln Sie ganz interessante persönliche Meinungen.“ „Herr Feldmarschall: es wird nicht mehr lange dauern und wir werden auf deutschem Boden Krieg führen. Aus diesem. Grunde sage ich es. Vielleicht wird es, weitergegeben und ich werde abgelöst. Aber ich kann doch hier nicht immer Befehle unterschreiben oder dem Kommandierenden General vorlegen, die nur Menschen, die mir lebend anvertraut sind, zum Sterben bringen, ohne daß die, für die sie glauben zu sterben, etwas davon haben?“ „Sie denken zu viel, mein Lieber! Machen Sie es wie ich: sehen Sie sich an, was notwendig ist und verzichten Sie auf das Nachdenken. Ein denkender Berufssoldat ist gefährlich . . . Wiedersehen.“ Model ging über die Brücke zurück, sprang geschickt über einen Graben*und ging auf den Fieseler-Storch zu, der ihn zurückbringen sollte. Model lächelte mokant. Aber er unternahm nichts — wie er es sonst zu tun pflegte: alle die abzulösen, die ihm Schwierigkeiten bereiteten. Vielleicht lag es daran, daß Model selbst einsah, daß er nicht viel mehr retten könne. Der „Storch“ flog ab. Der Oberst schaute ihm nach. Wieviel Flugzeugen mit abschwirrenden Befehlshabern müßte man noch nachschauen? Die doch nichts anderes konnten, als die Ratlosigkeit zurückzulassen. Als derKommandierende General an die Brücke zurückkam, lächelte er ein wenig. „Sie sollten nicht immer so böse sein. Irgendwann wird es Ihnen einmal übel genommen.“ Der Oberst schwieg. Was hätte er sagen sollen? Die Aussichtslosigkeit war staatlich konzessioniert und mit Führerbefehl festgelegt. Darum begaqn er von der Munitionslage zu sprechen. Leutnant Wild bricht aus VIII. Der Oberstleutnant Scherhorn war nicht zu bewegen, wenigstens einer kleinen Gruppe, die nach Westen durchbrechen wollte, den Weg frei zu geben. Es gab unerfreuliche Debatten, aus denen Wild ableitete, daß es nicht immer gut sei, wenn man sich widerspruchslos den Diensträngen unterordne. Wild schwieg, wartete ab und bereitete den Ausbruch vor, den er allein durch- führeg wollte. Bis er sich schließlich doch entschloß, die Wenigen mitzunehmen, von denen er glaubte, es lohne sich mit ihnen auch — darunter Fred und Gustav. In der Nacht zum 19. August setzte sich Leutnant Wild ab: mit zehn Mann, darunter einem russischen Polizisten. Es war wie eine Wohltat, nun allein, mit geringem! Anhang, der kaum als Ballast erschien, nach Westen vorzustoßen. Wild schaffte mit seiner Gruppe in der ersten Nacht nach der Karte 19 Kilometer: was sie sehr stolz und glücklich machte. Sie kamen gut voran, mußten nun schon der alten russisch-polnischen Grenze nahe sein, als sie in der Nacht zum 24. August in eine russische Partisanengruppe liefen; die sofort das Feuer eröffnete. Leutnant Wild zog seine Gruppe im Feuergefecht zurück, wich in eine Mulde, erreichte ein Waldstück und hetzte seine Leute sofort weiter: genau nach Norden, um so schnell wie nur möglich aus dem Bereich der Partisanen zu kommen. „Wenn es hell wird, kommen sie und suchen uns. — Mit keuchenden Lungen eilten sie, kaum auf den Weg achtend, nach Norden. Die Sonne kam schneller als sie es wünschten und plötzlich standen sie vor einer lang gestreckten Höhenrippe, die leer und öde, vor ihnen lag. Ueber sie wollte Wild hinweg. Aber er mußte mit seiner Gruppe, es war gegen sieben Uhr morgens —, auf die freie Fläche. „Wir müssen sehen, daß wir hinüber kommen. —“ Sie rannten los. Schweißüberströmt, heftig atmend eilten die Deutschen — der russische Polizist als Letzter — den Höhenzug hinauf, einen schmalen Pfad entlang. Jedoch auf halhem Wege, vierhundert Meter von einem Waldsaum entfernt, begann ein russisches Maschinengewehr zu feuern. Die Geschosse spritzten auf. Die Erde lebte. Leutnant Wild schrie. Alles warf sich zu Boden I— dann versuchten sie einzeln zu entkommen. Nach drei Stunden pausenloser Hetze blieben Leutnant Wild und Fred in einem Gebüsch liegen. Die Schläfen schlugen. Das Denken war erloschen. Es ging nicht mehr. Das Maschinengewehr war verstummt. Eine gute Orient Jur 10 ?J m fl Mir der 7«ämam weiß, mit sSwerduse Mf- «Z zu lösen ist Vaß sic ■)«< dtlost werden Lm, wem sich Mis&hmsl und ujabak- 'Verstände bei der Ode, stettun} veremen. »fl die »EMIR* beaäsa. SIE HOFFEN AUF GLÜCKLICHEN DURCHBRUCH Gegen Mittag endlich hatten sie wieder Kraft genug, zu lauschen und nach den Anderen Ausschau zu halten. Aber'sie waren allein. Die Beiden blickten sich an. Wortlos. Mit schmutzverkrusteten Gesichtern. „Wir machen, daß wir fort kommen.“ Leutnant Wild verkroch sich mit Fred in dichtes Gebüsch, aus dem die Mücken aufsummten und sofort über die Beiden herfielen, die kaum, daß sie lagen, einschliefen. Leutnant Wild und Fred blieben allein. Sie fanden nichts mehr von, den Versprengten und sie marschierten nun immer‘weiter, Nacht um Nacht, sechs Tage nun schon. Am Morgen des 30. August — seit zwei Tagen hatten sie nichts mehr gegessen, erklärte Leutnant Wild, er liefe jetzt in das nächste Dorf, gleichgültig, was geschehe und wurde* selten, daß er etwas zu essen finde. Sie legten sich an einen Buschsaum und beobachteten das kleine Dorf in der Mulde. Als sich kein Mann blicken ließ, liefen sie Beide, von hohen Büschen gedeckt, an das letzte Haus und riefen eine alte Frau, zittrig, weißhaarig, die in einem kleinen Garten Beete hackte. Die Alte schlug das Kreuz, aber dann lief sie in das Haus und winkte den Beiden von der Tür aus — unter dem kleinen Vordach gab sie Leutnant Wild und Fred jedem ein Ei, etwas Brot, eine irdene Schale Milch. Sie weinte, als sie die beiden Männer vor sich sah, ihj^ Lippen zitterten, sie bewegte den Mund und als Leutnant Wild nach dem Namen des Dorfes fragte, flüsterte sie, als stünde hinter der Hausecke der nächste Polizist: „Schasdhurki“. Die beiden Deutschen nickten, strichen ihr über die Hand, und eilten nun wieder zurück. Die Alte aber schlug das Kreuz hinter ihnen. Sie war ohne Haß. Fred sagte es, als sie im Walde lagen und auf der Karte nach „Schaschurki“ suchten. Sie fanden es. Betrachteten sich die Abstände, blickten sich an: „Noch allerhand.“ Dabei vernahmen siec-in der vergangenen Nacht leisen Geschützdonner: sie glaubten, es wäre nicht mehr so weit.' Aber ein paar .hundert Kilometer waren es immer noch. Leutnant Wild faltete die Karte zusammen. Dann legten sie sich zum schlafen. Von maßloser Hitze nahezu erstickt, mit .verschwollenem Gesicht, erwachten sie zur gleichen Zeit durch einen lärmenden Vogel. Die Mücken haben Wild und Fred verstechen. Die Gesichter sind gedunsen. Die Beiden fluchen. Qie Hitze ist kapm noch erträglich. Der Schweiß fließt in Bächen. Der Wald steht reglos. Die Hitze -ist wie ein Turm. Wild, von Fred" gefolgt, drängt an den Waldrand: der Leutnant kann nicht mehr. Fred spürt es. Aber er sagt nichts. Als sie endlich an den Waldsaum kommen, atmen sie auf. Vor sich sehen sie eine ackerdurchzogene Höhe und langsam trotten sie der Höhe zu. Ein leichter Wind streicht über die Beiden, die sorgsam- in der Talmulde ein Dorf betrachten, von dem sie vermuten, daß es das Schaschurki benachbarte Aladino sei. Das Dorf liegt still. Die Häuser schlafen. Ein paar Enten sind zu sehen. Nach einiger Zeit gehen sie langsam auf das Dorf zu. In dem Augenblick setzt Feuer ein. Die beiden Männer rennen, was sie nur können. Zwei Minuten. Nicht länger. Dann aber plötzlich stürzt Fred, der Leutnant fällt über ihn. Die Partisanen eilen herbei. Ihre Mienen sind wohlwollend. In einer Mischung zwischen Stolz und Rührung. Auch ein Maß Achtung vor den beiden Deutschen wird offenbar. Dann werden sie abtransportiert. Wo liegt die Schuld ! A In einem Briefe, der“ am 12? Jtdi 1944 geschrieben worden ist, versuchte einer der führenden Generalstabsoffiziere, aus dem Bereich der Heeresgruppe Mitte, herauszufinden, worin die Schuld liegen könne. In diesem Briefe, der zunächst die Details über den technischen Ablauf des Zusammenbruchs gibt, heißt es dann wörtlich: „Lange habe ich mit dem Oberbefehlshaber gerungen, von sich aus, selbständig den Befehl zum Ausweichen zu geben. Aber der Generaloberst sagte mir: ,Ich habe den klaren Befehl und ich habe einen Fernsprecher, durch den ich jederzeit meinen Vorgesetzten erreichen kann.“ Ich hielt ihm vor, daß es eine Verantwortung vor dem Gewissen gibt, die durch keinen Befehl abgenommen werden kann. Beide Auffassungen, die des Generalobersten und meine eigene, haben ihr Recht. Voraussetzung ist aber, daß über uns eine Führung steht, die nach wirklich fundierten militärischen Grundsätzen führt. Die aber haben wir nicht mehr. Daß man sich täuschen kann, muß immer 'einkalkuliprt werden: nehmen wir also an, daß Hitler tatsächlich fest davon überzeugt gewesen ist, daß die Russen nicht 'vor der Mitte angreifen, so hätte er aber am zweiten Tage der starken russischen Offensive alles tun müssen, um diesen Zusammenbruch unserer Heeresgruppe zu verhindern. Es mußten uns alle verfügbaren Kräfte zugefügt werden. Die einzige Front, die uns hätte etwas abgeben können, war die Heeresgruppe Nord- Trotz aller Vorschläge hat Hitler den Anträgen des Generalobersten Lindemann nicht statt- gegeben. Im Gegenteil: zu der Heeres-, gruppe Mitte wurde nun auch noch die Heeresgruppe Nord geopfert und weitere 800 000 Mann werden auf den Tcdes-Etat gesetzt: Herr Schörner darf jetzt seinen privaten Sonderkrieg führen. Wo liegt mm hier die Schuld? (Fortsetzung folgt). Gegründet 1873 s hjahnuui macht ‘ mS bessere Cigaretten SÜDKURIER Nr. 87 / S-rte Nur Konsumbrot nidit teurer Auf rechterhaltung der Suhvent Ionen — Keine Margarine* AnsgMAmbgabe (Fortsetzung von Seite 1) BONN. (W.-Eigenbericht.) Während kn Bundestag über den Brotpreis debattiert •wuide, wiee in der Bundespressekonle- W nz ein Sprecher der Bundesregierung darauf hin, daß in der Bevölkerung im allgemeinen zu große Hoffnung auf die Tätigkeit der Regierung gesetzt werde. Der Sprecher gab zu verstehen, daß die Regierung nidit in der Lage sei, sich dem Strom entgegenzustemmen, wenn die Weltmarktpreise infolge der internationalen Entwicklung weiter bedeutend anstiegen. Im Bundestag fand deshalb die Lösung des Problems (vgl. Meldung auf Seite 1) die Billigung der Mehrheit. Die Anträge der sozialdemokratischen Opposition, die darauf hinausliefen, die alten Verhältnisse völlig wiederherzustellen, wurden von der Mehrheit der Regierungsparteien nach einer lebhaften Aussprache abgelehnt. Die zur Zeit bestehende Differenz zwischen dem Inlands- und dem Einfuhrpreis für das Getreide, das zur Herstellung des preisstabilen Konsumbrote» verwandt wird, will die Regierung durch beschränkte Aufrechterhältung der Subventionen ausgleichen. Da die Mittel der Bundeskasse erschöpft sind, sollen die Länder herangezogen werden. Auf die geplante Margarineausgleichsabgabe hat die Bundesregierung verzichtet. Vizekanzler Blücher begründete , diesen Verzicht damit, daß die Weltmarktpreise für Fettrohstoffe nach anfänglichem Absinken auf Grund der jüngsten politischen Entwicklung stark angezogen hätten. Regelung in Baden FEEIBURG. Mit Wirkung vom 30. Juli hat der badische Bäcker i n nu n gs - Verba nd den Preis für Weizenmischbrot Von 45 auf 50 Pfennig, für Halbweißbrot von 53 • auf 57 Pfennig und für Weißbrot von 60 auf 65 Pfennig j« Kilo erhöht. Der Preis für reines Roggenbrot von 42 Pfennig und von Roggenmischbrot von 45 Pfennig pro Kilo bleibt bestehen. Diese Maßnahme, die die Zustimmung des Land Wirt schaftemtnisteri'umß gefunden hat, wird mit der Erhöhung der Mehlpreise erklärt. An den amtlich genehmigten Backlohnspannen tritt keine Aende.- rung ein. Die Erhöhung der Mehlpreise sei seit Anfang Juli ,im Gang und beträgt 4.50 bis 9 EXM pro Doppelzentner. Anfang Juli sei den (Mühlen und dem Mehlhandel der erhöhte neue Mehlpreis genehmigt worden. Zunächst habe das Backgewerbe zu den alten Preisen Weiterverkäufen können auf Grund der alten Bestände an Mehl. Diese Bestände seien nun aufgebraucht. Das Backgewerbe sehe sich deshalb gezwungen,, abgesehen vom Konsumbrot, den Preis für das Brot entsprechend der Mehlpreiserüöhung heraufzusetzen. Stellungnahme der Gewerkschaften KONSTANZ,. Die Kreisgeschäftesteile Konstanz des Deutschen Gewerkschaftsbundes gibt folgendes bekannt.: Der Landwirt sdnaftsminister hat der Bäckerinnung die' Genehmigung gegeben, das Mischungsverhältnis des Brotes zu ändern und bei den besseren Sorten eine Preiserhöhung vorzunehmen Der Deutsche GeWefk schaftsbund, Bezirksstelle Baden hat sofort gegen diese Maßnahmen des Landwirtschaftsministers beim Staatspräsidenten Einspruch erhoben. ‘ Der -Staatspräsident hat. daraufhin für Freitagvormittag eine Sitzung einberufen, in welcher nicht nur zum Brotpreis, sondern auch zu allen anderen Preissteigerungen Stellung genommen werden soll. Inzwischen hat das Badische Ministerium der Wirtschaft und Arbeit die Preisfoehördeh und die PreisvoHzugspolizei angewiesen, bei ungerechtfertigten Preiserhöhungen mit allen Mitteln einzuschreiten. In dieser Anweisung wird darauf hingewiesen, daß infolge des Beschlusses de» Bundestages betreffend die Fortführung der Subventionen die Voraussetzungen für eine berechtigte Erhöhung des Mehlpreises, und damit auch des Brotpreises, entfallen, und daß Mehllieferungen, die etwa bereits zu erhöhten Preisen erfolgt sind, im Wege der Rückvergütung verrechnet werden. Unter diesen Umständen ersucht der Kreisausschuß Konstanz des Deutschen Gewerkschaftsbundes die Betriebsräte, von den geplanten Maßnahmen vorläufig Abstand zu nehmen. Die angekündigten Betriebsstillegungen kommen nur in Frage, wenn die Preise der beiden unteren Sorten — 42 und 45 Pf. — erhöht werden. Auch in diesen Fällen wird empfohlen, zunächst mit der Kreisgeschäftsstelle des D.G.B. in Verbindung zu treten. Europäischer Bundespakt? BONN. (W.-Eigenbericht). Die Fraktionen des Bundestages mit Ausnahme der Kommunisten, wollen in einer Entschließung für einen „europäischen Bundespakt“ eintreten. Ein entsprechender Beschluß dürfte in der kommenden Woche gefaßt werden, wenn der Bundestag die Mitglieder der deutschen Delegation für den Straßburger Europarat benennt. Der Bundespakt soll eine übernationale Bundesgewalt schaffen, die sich auf allgemeine, unmittelbare und freie Wahlen gründet und über gesetzgebende, ausübende und richterliche Kompetenzen verfügt. Die übernationale Bundesgewalt soll mit allen erforderlichen Befugnissen ausgestattet werden, um die wirtschaftliche Einheit Europas auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit herbeizuführen. Der Entwurf der Entschließung ist von den Vorsitzenden der sechs größten Fraktionen unterzeichnet. Internationale Gesetze für Kriegsverbrecher Forderungen de* internationalen LONDON. Juristen aus 38 Staaten haben auf dem internationalen Rechtswis- senschaftler-Kongreß in London die Anwendung von Wahrheitsdrogen und die Benutzung des sogenannten „Lügendetektors“ einmütig verdammt und die Narco- analyse, die vor allem in den USA entwickelt wurde, als eine degradierende Methode bezeichnet. Besonders der britische Vertreter betonte, daß mit derartigen Mitteln erlangte Geständnisse vom Rechtsstandpunkt aus absolut wertlos seien. In einer Resolution werden alle Staaten aufgefordert, diesen Gesichtspunkt zu respektieren. Auch Probleme, die mit dem Recht zur Abhaltung von Kriegsverbrechen-Prozessen Zusammenhängen, wurden angeschnitten. Vor allem fordert der Bericht, daß ein internationaler Kodex ausgearbeitet wird, der den Begriff Kriegsverbrechen definiert und sich zunächst darauf beschränkt, Vergehen als Kriegsverbrechen zu bezeichnen, die nach internationalem Standard als solche anerkannt, aber bisher weder durch Verträge noch durch andere Gesetze kodifiziert sind- Bei der Diskussion des Berichtes kam zum Ausdruck, daß internationale Kriegsverbrechengerichte neutral sein müßten und daß ihnen keinesfalls Vertreter der Siegermacht an- Asylrecht im Bundesgebiet BONN. Die alliierte Hohe Kommission hat die deutsche Bundesregierung gebeten, für die in das Bundesgebiet kommenden ausländischen Flüchtlinge zu sorgen,, die aus konfessionellen oder politischen Gründen verfolgt werden. Diese Flüchtlinge sollen dabei ebenso behandelt werden wie deutsche Staatsbürger „in ähnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen“. Die Bundesregierung wird ersucht, da- Jurlstenko’ngresses in London für zu sorgen, daß allen ausländischen Flüchtlingen, die als Asylsuchende in dio Bundesrepublik kommen, Aufenthalt gewährt wird. Schließlich wird die Bundesregierung aufgefordert, alles zu tun, um für diese Flüchtlinge ln der deutschen Wirtschaft Arbeit zu beschaffen. Flüchtlinge — fünfter Stand? MARBURG. Bundesflüchtlingsminister Dr. Hans Lukaschek warnte in Marburg vor der Bildung eines fünften Standes der Heimatvertriebenen. Die neun Millionen Flüchtlinge in den westdeutschen Ländern seien erst nach der Währungsreform in den Zustand der Resignation verfallen, weil sie erst jetzt Zeit zur Besinnung und zum Vergleich gefunden hätten uni ihre Deklassierung nunmehr sehr zutage trete. Lukaschek forderte Aufbaugelder von den überbesiedelten Gebieten abzuzweigen und sie den künftigen Aufnahmeländern für den Wohnungsbau in Industrienähe zu verwenden. Wenn die Heimatvertriebenen nicht beim Aufbau der Bundesrepublik helfen könnten, werde die Möglichkeit einer Rückkehr in die frühere Heimat noch unwahrscheinlicher. Die gegenwärtige politische Lage lasse es möglich erscheinen, sagte der Bundesminister, daß auch die 180 000 Deutschen in der Tschechoslowakei und die 250 000 bis 400 000 Deutschen in Polen in die Bundesrepubliu umgesiedelt würden. Zum Fall Nesper Durch ein technisches Versehen wurde in unserem Bericht über den „Fall Nesper" in der letzten Ausgabe des „Südkurier" der Strafantrag des Oberstaatsanwalts Güde mit fünf Monaten angegeben. Es mußte selbstverständlich heißen: fünf Jahre Gefängnis. Außerdem war der Zeitpunkt der Tat nicht Anfang Januar 194S sondern Anfang Juni 1944. 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Angebote sind in fest verschlossenen Umschlägen mit der deutlich erkennbaren Aufschrift: „Angebot für Gipserarbelten im Konvent-Gebäude Weingarten“ bis 1. 8. 50 einzureichen. Eröffmings- terroin der Angebote um 14 Uhr. Die Erteilung des Zuschlags bleibt Vorbehalten. BecirkäbaHMt Bavensburg Vergebung von Banarbeiten An der Bundesstraße 27 Schaffhausen — Donaueschingen Ist nahe der Schweizer Grenze das Erdlos 1 einer Neubaustrecke auszuführen: etwa 24 000 cbm Erdaushub 24 000 cbm Dammverdicbtung 11000 cbm Rasen- n. Mutterboden-Arbeiten i 000 cbm Gesteins- und Kieslieferungen Länge der Baustrecke etwa 1270 m. Angebotsunterlagen zum Preis von DM 5.— beim Unterzeichneten Amt ab 27. 7. 1950. Führung am 1. 8. 1950 um 1# Uhr ab Zollhaus Neuhaus. Angebotseröffnung am 10. 8. 1958 um 10 Uhr. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Bad. Straßen- und Wasserbanamt Konstanz, SchiUerstr. 9. L Stuf!—-Angebot» Bargeld! Sdilaoer zom PrlntTerkauf Thalhelmer. Aaosbarj Große Werbe Organisation stellt noch 2 Herren ein. 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Zweiter Herr läuft eilig in Richtung Polizeiwache. Hört Schritte von Richtung Döbele, kehrt um. Wartet auf Ankunft von Passanten. Erklärt Lage. „Dame“ habe zuerst geschlagen. Dann Gegenschlag des männlichen Partners. Zuschläger begründet außerdem sein Verhalten noch damit: „Dame sei total betrunken, alles von seinem Geld“. „Dame“ liegt immer noch regungslos langgestreckt. Offenbar Kinnhacken denke ich. Jetzt Passant in Schwizerdütsch An- gtandslehre: „Auch wenn Dame zuerst zuhaue, verlange Takt, daß ein Herr nicht nach schlage.“ Plötzlich steht „Dame“ auf, geht schnell auf Zuschläger zu und haut schallende Ohrfeige. Sofort Gegenangriff. Schweizer stellt sich dazwischen und trennt beide- Dame verläßt sodann allein und stramm ohne Schwanken Tatort tn Richtung Döbele. Kurze Lagebesprechung der Zurückgebliebenen. Dann Schweizer ab in Richtung Schweiz, Zuschläger Richtung Pfauengasse und Dritter in Richtung Rhein. Aus ... und alles „von seinem Geld!“ W. Mit flüssigem Pech verbrannt Am Donnerstagnachmittag war ein über 70 Jahre alter Arbeiter bei den Bauten in der Ellenriederstraße damit beschäftigt, in einem Graben Leitungen mit flüssigem Pech zu verstreichen. Aus noch nicht geklärter Ursache kam der Mann dabei mit dem Gefäß in Berührung, in dem sich das flüssige Pech befand. Das Gefäß stürzte um und das Pech ergoß sich über den Nacken des Mannes. Dieser erlitt erhebliche Verletzungen und mußte sich ins Krankenhaus begeben. In die Mähmaschine geraten Beim Getreidemähen lief der l’/sjährige Reinhard Bossert vom Hof Mühlhalden bei Dettingen am Mittwoch anscheinend unbemerkt seiner Mutter nach und geriet in den Messerbalken der Mähmaschine. Das Kind erlitt erhebliche Verletzungen an beiden Füßen. Es wurde sofort ins Konstanzer Krankenhaus überführt, ist dort aber — wohl infolge des starken Blutverlustes — bald gestorben. Eltern, hütet eure Kinder! Am Freitagnachmittag lief an der Ecke Beethoven-Mainaustraße ein fünfjähriges Mädchen unachtsam über die Fahrbahn, als gerade der Strom der mit der Fähre angekommenen Autos vorüberflutete. Der Chauffeur eines kleinen Lieferwagens versuchte, dem Kind auszuweichen, konnte aber nicht verhindern, daß es überfahren wurde. Das Kind wurde sofort ins Krankenhaus eingeliefert, wo man einen linken Oberschenkelbruch und Schürfungen am ganzen Körper feststellte. Dieser Unfall, der sich täglich in den Städten wiederholt, sollte allen Eltern erneut eine eindringliche Warnung sein, ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt auf die Stra- Peterehaufen benötigt ein neues Schulhaue Wettbewerb für ein Projekt soll ausgeschrieben werden Die Raumnot in den Konstanzer Schulen ist bekannt. Abhilfe ist hier dringend notwendig. Zehn weitere Lehrkräfte, die vom Ministerium bewilligt wurden, können in Konstanz nicht unterrichten, weil keine Räume vorhanden sind. Dabei hat das Ministerium festgesetzt, daß ein Lehrer höchstens 50 Schüler in einer Klasse haben darf. In Konstanz kommen aber 64 Schüler auf einen Lehrer. Daß sich unter diesen Umständen die Lehrer ihren Schülern nicht so widmen können, wie es eigentlich sein sollte, liegt auf der Hand. Alle diese Dinge kamen in der letzten Stadtratessitzung am Donnerstag zur Sprache. Oberbürgermeister Knapp hatte von einer Anregung gesprochen, die von Seiten der Schule gegeben worden war. Und zwar wurde vorgeschlagen, die Stadt solle im Fürstenberggebiet, etwa in der Nähe des Heidelmoos, ein Schulgebäude für die Volksschüler errichten. Benötigt werden 12 bis 16 Klassenzimmer, Handarbeitssäle, Physiksaal, Schulküche u. Turnhalle. Die angestellten Berechnungen haben ergeben, daß 544 Schüler und Schülerinnen, die jetzt in andere Schulen gehen müssen, aber um das Gebiet der neuen Schule wohnen, für diese in Frage kämen. Die Respizientin für Schulfragen, Frl. Stadtrat Mayer (CDU), die als Hauptschullehrerin die Verhältnisse zur Genüge aus eigener Anschauung kennt, war eine warmherzige Fürsprecherin für das neue Projekt. 1300 Schüler in Petershausen hätten, so erklärte sie, durch den Ausfall der Petershauser Schule während und nach des Krieges schon seit Jahren ihre Schule verloren und mußten seitdem auf die anderen Schulen aufgeteilt werden. Heute noch sei die Knabenschule Petershausen in drei anderen Schulen untergebracht. Die Errichtung der Gebhardschule habe zwar eine Erleichterung gebracht, aber jetzt sei auch diese Schule (im alten Wöchnerinnenheim) schon wieder zu klein. Man könnte, so meinte Fr1. Mayer, mit dem Neubau vielleicht den Bau eines Kindergartens verbinden, der in Petershausen ebenso dringend sei und auch daran denken, in der Schule ein Bad für die Allgemeinheit einzubauen. Stadtrat Löhle (SP) ersuchte, sich noch nicht für einen bestimmten Platz zu entschließen. Er sprach sich ganz allgemein für einen Neubau zwischen Rheingarten und dem eigentlichen Fürstenberggebiet aus. Stadtrat Diesbach (SP) war der Ansicht, das Schulhaus sollt eine Art Gemeinschaftshaus werden, für Versammlungen, Vorträge usw. Der Stadtrat faßte dann folgenden Beschluß: Der Bau eines Schulgebäudes und zwar eines Zweckbaues auf einem noch näher zu bestimmenden Platz in Petershausen ist notwendig. Das Hochbauamt wird beauftragt, das notwendige Material zu sammeln (Pläne und Erfahrungen aus anderen Städten) und einen Kostenvoranschlag vorzulegen. Außerdem soll ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen usw. ausgeschrieben werden. Unfer StaOtgarten - unfer Kleinoö Liebevolle Pflege dur cfa die Stadtgärtnerei Der Stadtgarten erfreut sich in diesem Jahr einer ganz besonderen Pflege. Fleißige Hände sind hier unter Leitung von Obergärtner Brendle von der Stadtgärtnerei tagaus, tagein am Werke, um den Rasen zu pflegen, die bunte Farbenpracht der Blumen und Blüten immer wieder zu erneuern und zu ergänzen und die Wege stets in Ordnung zu halten. Die Aufmerksamkeit, Liebe und Sorgfalt der Stadtgärtnerei gilt vor allem dem großen Beet inmitten des Stadtgartens. Hier standen jahrzehntelang als besonderes Charakteristikum die vier mächtigen Pappeln. Eine von ihnen fiel dem Sturm vor zwei Jahren zum Opfer; die anderen drei wurden in diesem Winter entfernt, die ganze Anlage wesentlich vergrößert und umgestaltet. Sie stellt in ihrer jetzigen Form mit der Fülle fremdländischer Blumen, Blüten und Blattpflanzen ein besonderes Schmuckstück dar, das in seiner Farbenpracht unwillkürlich an südliche Gefilde mahnt und auf das die Stadtgärtnerei mit Recht stolz sein kann. Ras ist uns aufgefallen: Merhroöröige Nächftcnliebe Am Donnerstagnachmittag stürzte ein Mann in der Kreuzlinger Straße — unweit seiner Wohnung — über den Randstein. Dabei erlitt er Verletzungen, so daß unverzüglich ein Arzt oder die Rettungswache verständigt werden sollten. Der Besitzer eines in der Nähe befindlichen Restaurants weigerte sich jedoch, von seinem Telefonapparat aus die Rettungswache zu verständigen. Er tat die Bitte des Passanten mit dem Hinweis ab, daß der Mann in der Straße bekannt sei und n»an ihn nach Hause bringen solle. In einem Geschäft war man hilfsbereiter und so konnte der Verletzte kurze Zeit später >n das Krankenhaus überführt werden, wo man Kopfverletzungen feststellte. Aber auch die übrigen Beete längs der Wege erfreuen sich der gleichen liebevollen Pflege. Mit viel Geschick, Geschmack und Sinn für Schönheit reiht sich Blüte an Blüte, dazwischen in glücklicher Auswahl wiederum Blattpflanzen der verschiedensten Arten, eine wahre Symphonie der Farben. Immer wieder ruht das Auge der Einheimischen wie der Fremden. die täglich in großer Zahl den Stadtgarten durchwandern oder sich auf einer der zahlreichen Bänke zu einem beschaulichen Ruhestundchen niederlassen, auf dieser Vielzahl buntfarbiger Blumen. Bald ist es das Weiß der Hortensien, bald das Rot der Fuchsien- Dort glühen Zinnien, hier Geranien, um nur einige wenige aus der großen Zahl der Blüten und Blumen herauszugreifen. Und wie köstlich duften sie alle, zumal nach einem linden Regen! So ist unser Stadtgarten — und dafür sei der Stadtgärtnerei die besondere Anerkennung ausgesprochen — wenn auch bescheiden an Fläche und Umfang, doch ein kleines Paradies, geschaffen zur Freude und Erholung für uns alle. -e- Gepflegte Gehwege für Lorettowald Eine städtische Kommission unter Oberbürgermeister Knapp beging am Freitagnachmittag gemeinsam mit Oberforstmeister Gihr den Lorettowald, um sich über Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der in Verbindung mit dem Wald aufgetauchten Projekte an Ort und Stelle zu orientieren. Man war der Auffassung, daß im wesentlichen der Wald in seiner vollen Ursprünglichkeit erhalten und nur durch gepflegte Gehwege erschlossen werden soll. Der Plan, die Verlängerung der Beethovenstraße für den Autoverkehr herzurichten, wurde verworfen. Dafür wurde an Hand der vom Tiefbauamt vorgelegten Pläne eine Verbreiterung und Begradigung der Eichhornstraße befürwortet. Die Kahlstelle hinter der Friedrichebank soll aufgeforstet werden. Schweinefleisch hat auf geschlagen Die Konstanzer Hausfrauen werden heute eine imangenehme Uebernaschung erleben, wenn sie etwa die Absicht haben sollten, in den Metzgereien Schweinefleisch einzukaufen. Der Preis für das Pfund Schweinefleisch ist nämlich in den letzten Tagen um 20 Pfennig gestiegen. Infolge dieser Preiserhöhung werden auch die meisten Wurstsorten um 20 Pfennig pro Pfund aufschlagen. Diese Erhöhung wird von der Bevölkerung nicht verstanden werden, zumal man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß gewisse Kreise jetzt die Gelegenheit benützen wollen, um die Preise künstlich in die Höhe zu treiben. ße zu lassen. Spielende Kinder auf der Fahrbahn gefährden sich nicht nur selbst, sondern bilden auch eine erhebliche Gefahr für den Verkehr. Zu viele junge, blühende Menschenleben sind bereits der Straße zum Opfer gefallen (auch in Konstanz!), als daß diese Mahnung von den Eltern und Erziehern überhört werden darf. Strandbad Jakob zurückgegebea In der letzten Stadtratssitzung konnte Oberbürgermeister Knapp die erfreuliche Mitteilung machen, daß der Teil des Strandbades Jakob, der bisher von französischer Seite beschlagnahmt worden war, endgültig freigegeben worden ist. Der seiner Zeit erwähnte Stacheldraht ist bereits vor einigen Wochen gefallen. Jedermann, ob Franzose oder Deutscher, fühlt eich wohl in diesem Bad; die Badehose ist international .... Stadt kauft keine Möbel Ein Konstanzer, dessen Wohnung noch beschlagnahmt ist, der inzwischen aber nach Freiburg übersiedelte und dort ein neues Haus gebaut hat, machte der Stadt den Vorschlag, sie möge ihm die in Konstanz verbliebenen Möbel abkaufen und als Entgelt über die Wohnung verfügen. Der Stadtrat, dem das Ersuchen in seiner ietzten Sitzung vorlag, sah hier einen Präzedenzfall, dem er mit Rücksicht auf die Folgen nicht zustimmen zu können glaubte. Warnung vor einem Betrüger In Stuttgart ist in letzter Zeit ein Betrüger aufgetreten, der sich hauptsächlich an Wirte und junge Witwen heranmacht unter dem Vorwand, daß er Gelegenheit habe, ein günstiges Geschäft abzuschließen. Er suchte ihr Vertrauen zu gewinnen, äußerte dann aber, daß er zum Abschluß des Geschäftes ein Darlehen brauche. Die Kaufabschlüsse, die er tätigen will, lauten auf Zucker und Spirituosen. Vor dem Betrüger, der auch in der Bo- denseegegend auftreten kann, wird gewarnt. PilzOeche am Wafferhochbehälter Die Arbeiten am Wasserhochbehälter auf der Friedrichshöhe schreiten programmgemäß voran. Dieser Tage wurde die Decke der östlichen Behälterkammer fertiggestellt. Es handelt sich hier um eine sogenannte Pilzdecke. Diese Konstruktionsart ist bisher in Konstanz noch nie angewendet worden. Die Baustelle erfreute sich daher in den letzten Tagen des be- kreuzweise verschweißten Stäben verlegt. Die ganze Verlegearbeit dauerte dadurch nur knapp lVi Tage- Diese Matten wurden in der Fabrik speziell für die Behälterdecke angefertigt. Sie bieten nicht nur den Vorteil der kurzen Verlegezeit, sie erhöhen auch die Tragfähigkeit der Decke ganz beträchtlich gegenüber der alten Bauweise mit Einzelstäben. Drei Wochen muß jetzt die Decke in der Schalung *te- sonderen Interesses aller Fachleute. Aber auch für den Laien gab es viel Neues zu schauen. Bei dieser Pilzdecke wurden die Stahlstäbe der Betonarmierung nicht wie bisher einzeln gebogen und dann in mühsamer Arbeit mit Draht zusammengeheftet, sondern es wurden fertige Matten aus Aufnahme: Schneider-Ressel hen bleiben bis der Beton die endgültige Festigkeit erreicht hat. Dann erst darf ausgeschalt und die Innenflächen des Behälters wasserdicht geputzt werden- Inzwischen haben die Schalarbeiten an der westlichen Kammer und an der Schiebervorkammer begonnen. Krankenhaus braucht einen Zufchuß non über 200 000 DM Stadfcrat beschäftigte sich mit den Verpflegungssätzen Die wirtschaftliche Gestaltung eines Krankenhauses ist schwierig. Fast jede Stadt muß für ihr Krankenhaus einen beträchtlichen Zuschuß aufbringen. Wie Bürgermeister Schneider in der Stadtratssit- zung am Donnerstag mitteilte, sind im neuen Voranschlag über 200 000 DM für das Konstanter Krankenhaus eingesetzt. Konstanz gehörte früher zu den wenigen glücklichen Städten, das auf Grund seiner Spitalstiftung überhaupt keinen Zuschuß für sein Krankenhaus beisteuern mußte. Aber das ist schon lange her! Kann man es da der Stadt verargen, wenn sie Nüttel und Wege sucht, diesen Zuschuß Tej-ttlgeroerhfchaften gegen Teuerung Beschlüsse zur Urlaubs regelung und Preisfrage Die Gewerkschaft Textil-Bekleidung hielt in Konstanz eine Betriebsrätekonferenz ab, auf der Kollege Eiche über die Lage in der Textil- und Bekleidungsindustrie sprach. In der Diskussion wurden der — durch die Haltung der Arbeitgeber verursachte —. immer noch nicht abgeschlossene Manteltarif, die Urlaubsfrage und die verschiedensten Vorkommnisse in den einzelnen Betrieben des Seefcreises besprochen. Eine Regelung des zusätzlichen Urlaubs, die, nach den Wünschen der Unternehmer, auf Kosten der Feiertage erfolgen soll, lehnten die Betriebsräte strikte ab und beschlossen eine entsprechende Resolution an den Wirtschaftsminister. Nachdem auch im Seekreis die Preise für die verschiedenen notwendigsten Lebensmittel gestiegen sind, nahm die Konferenz auch hierzu Stellung und beschloß einstimmig nachfolgende Resolution: „Die in Konstanz stattgefundene Betriebsrätekonferenz der Gewerkschaft Textil-Bekleidung stellt mit Bedauern fest, daß die Teuerungswelle trotz der anders lautenden Berichte von Regierungsseite immer noch andauert. Wir fordern von den maßgebenden Stellen der Regierung, daß sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln im Interesse der arbeitenden Bevölkerung solchen traurigen, jedem gesunden Menschenverstand hohnsprechenden Preistreibereien ein energisches Halt gebietet. Wir sind zu dieser Forderung gezwungen, weil bereits von seiten der Arbeitgeber eine Lohnherabsetzung in Betracht gezogen wird, die der bisherigen Preisentwicklung direkt ins Gesicht schlägt. Im Interesse des Arbeitsfriedens und des Vertrauens zur Regierung hoffen wir, daß sie sich um die Normalisierung der Preise mit dem nötigen Nachdruck bemüht.“ Wer hat Sonntagsdienst? Aerztlichen Sonntagsdienst versieht Dr. Steinkopff, Luisenstraße 12, Tel. 1483; die Tiergarten-Apotheke hat Sonntags- und in der kommenden Woche Nachtdienst. — Bereitschaftsdienst der Garagen: Harter & Hagele, Leinerstraße 14, TeL 1099. Infektionen e>IuÖe bleibt Dem Krankenbaue oorbehalten William Graf, New York, stiftete 2500 Dollar für Kleinkinderkrankenhaus Kaum ist mit dem Bau des Infektionsgebäudes hinter dem Städtischen Krankenhaus begonnen worden und schon sind auch die ersten Differenzen entstanden. Das neue Gebäude, so wurde seiner Zeit erklärt und auch im Stadtrat beschlossen, soll nur für Patienten des Städtischen Krankenhauses bestimmt sein. Jetat macht — wie in der letzten Stadtratssitzung mit_ geteilt wurde — der Leiter des Klein-Kinderkrankenhauses, Dr. Händel, geltend, daß er eine von den vier beabsichtigten Abteilungen für Kinder benötige. Dieser Einwand kam erst in letzter Zeit. Inzwischen hatte sich nämlich herausgestellt, daß eine von. Dr. Händel eingeleitete private Sammlung für ein besonderes Infektionsgebäude des Klein-Kinderkrankenhauses nicht den erwarteten Erfolg gehabt hatte. Dieser Neubau kann also vorerst nicht ausgeführt werden. Demgegenüber erklärt der Direktor des Krankenhauses, Dr. Hermann, es könne auf keine der vier Abteilungen verzichtet werden, sonst wäre man gezwungen, Infektionskranke verschiedenster Art zusammenzuleqen. Damit sei gegenüber dem bisherigen Zustand nichts Besseres erreicht. Es stehe aber nichts im Wege, wenn der Kinderarzt die im Infektionsgebäude untergebrachten Kinder mitbehandle. Der Stadtrat, der nun eine Entscheidung fällen sollte, hatte es nicht leicht. In der lebhaften Aussprache wurde mehrfach der Meinung Ausdruck gegeben, es wäre Sache der Aerzte gewesen, sich zu einigen und dem Stadtrat einen entsprechenden Beschluß vorzuschlagen und nicht umgekehrt. Stadtrat Hengartner (CDU) setzte sich sehr für die Interessen des Klein-Kinderkrankenhauses ein: Die In- fektionsbehancilung der Kinder sollte dem Kinderarzt überlassen werden, weil die Betreuung von Kindern von denen der Erwachsenen ganz verschieden sei. Außerdem stellen Kinder den Hauptteil an Infektionskranken. Schließlich machte Stadtrat Fischer (iD(P) einen Vermittlungs- Vorschlag, die durch den Bau des Infektionsgebäudes frei gewordene Infektionsbaracke dem Kinderkrankenhaus zur Verfügung zu stellen. Der Beschluß des Stadtrats lautete: Grundsätzlich bleibt das neue Infektionsgebäude dem Krankenhaus Vorbehalten. Die Ansprüche und Bedenken des Klein-Kinderkrankenhauses werden anerkannt. Bis zur endgültigen Lösung soll die bisherige Infektionsbaracke dem Kinderkrankenhaus zugesprochen werden. Der unvoreingenommene Zuhörer hatte den Eindruck, daß mit dieser Entscheidung der Streit wohl noch nicht beendet sein wird. Wahrscheinlich dürfte hier eine gewisse Rivalität der Aerzte mitspielen. Das ist schön und gut, aber sie darf nicht auf Kosten unserer Kinder gehen. * Wie der Oberbürgermeister im Laufe der Aussprache über diese Angelegenheit mitteilte, hat der Konstanzer William Graf, New York, der schon viel Gutes getan hat für Konstanzer Kinder, für ein neues Infektionsgebäude des Kinderkrankenhauses 2500 Dollar gestiftet. so niedrig als möglich zu halten? Zumal die Modernisierung des Krankenhauses sowie des Klein-Kinderkrankenhauses in Zukunft außerdem noch besondere finanzielle Aufwendungen beanspruchen werden. Welches sind nun die Einnahmequellen, eines Krankenhauses? 1. Verpflegungssätze (Selbstzähler und Kassenmitglieder); 2. Nebenled- stungen (Operation, Röntgenaufnahmen, Medikamente usw.); 3. Ärzte-Liquidationen (Vergütungen an das Krankenhaus für die Privatpatienten der Aerzte). Das Krankenhaus ist, wie Bürgermeister Schneider weiter sagte, dm allgemeinen an der oberen Grenze seiner Sätze anqelaagt, Weitere Erhöhungen dürften kaum in Frage kommen, wenn das Haus gegenüber anderen Anstalten konkurrenzfähig bleiben will. Vor allem wehren sich die Krankenkassen, und hier wieder in erster Linie die Allgemeine Ortskranikenkasse, gegen jede weitere Erhöhung der Verpflegungssätze. Der gegenwärtige Pauschalsatz der AOK von 5,30 DM für einen Kranken entspricht aber in keiner Weise mehr den Aufwendungen des Krankenhauses (Aerztliche Versorgung, kleine Rönfqenbilder, Medikamente und Verpflegung). Die AOK soll deswegen, genau wie die Ersatzkassen, die Nebenkosten besonders bezahlen. Eigene Apotheke? Die Verwaltung des Krankenhauses wird sich außerdem überlegen, ob sie dien Arzneimittel-Einkauf, der bisher über die Apotheken ging, nicht selbst übernehmen oder eine eigene Apotheke einrichten will. Dadurch ergeben sich wesentliche Einsparungen. Der Aerzte-Liquidation soll in Zukunft in Konstanz ebenfalls besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hier geht die Grundtendenz dahin, daß der Arzt einen Teil seines Einkommens, das er mit durch die Einrichtungen des Krankenhauses erhält, au einem gewissen Prozentsatz wieder an das Krankenhaus zurück gibt. Weitere Ueberlequngen für Einsparungen sind: Gemeinsame Verwaltung und gemeinsame Küche für alle Konstanzer Krankenanstalten. Bedenken im Stadtrat Bürgermeister Schneider unterbreitete schließlich dem Stadtrat folgende Vorschläge: Festsetzung der Verpflegungssätze nach den Richtlinien des Badischen Krankenhausverbandes unter Trennung der Nebenkosten. Für die Mitglieder der AOK gilt der Betrag von 5,30 DM als echter Verpflegungssatz, die kleinen Nebenkosten werden mit 0,50 DM, die großen Nebenkosten besonders berechnet. Auch für die Frauenklinik und das Klein-Kinderkrankenhaus erfolgt eine entsprechende Festsetzung. Gegen diese Vorschläge wurden aus der Mitte des Stadtrats verschiedene Bedenken laut. Frau Stadtrat Hemm (KP) erklärte, sie könne ihre Zustimmung nur dann geben, wenn die AOK ihre Beiträge nicht erhöhe. Stadtrat Fritz (CDU) meinte, die letzte Erhöhung der Verpflegungssätze sei vom Arbeitnehmer bezahlt worden. Es müßte zuvor mit der AOK verhandelt werden, um einen Ausweg zu finden. Die Unterschiede zwischen AOK und Ersatzkassen sollten endlich aufgehoben werden. Stadtrat Diesbach (SP) vertrat die Ansicht, ob es nicht möglich wäre, vom Landkreis und vom. Land Baden einen Zuschuß zu erhalten, nachdem feststehe, daß auch Auswärtige das Konstanzer Krankenhaus aufsuchen. Man einigte sich dann darauf, daß Bürgermeister Schneider zunächst mit der AOK wegen der Erhöhung der Verpflegungssätze bzw. Sonderzahlung der Nebenkosten verhandeln und dem Stadtrat wieder berieb» ten soll. Samstag, 22. Juli 1050 SUDKURIER K Nr. 87 / Seit« lß Kurföröerungeabgabe - ein letzter Aufruf 13 Diebftähle in fünfzehn Tagen Ueber die Bedeutung des Fremdenverkehrs in Konstanz ist es nicht nötig, ein Wort zu verlieren. Unserer Stadt bleibt praktisch gar nichts übrig, als die unvergleichlich schöne Lage am Fuß der Alpen und am „meist begünstigten See Mitteleuropas“ zu nützen. Man schätzt die Sum- de, die in einem guten Jahre von den Fremden in Konstanz ausgegeben wird, auf etwa acht Millionen Mark. Die Förderung des Fremdenverkehrs ist also «ine Existenzfrage für ‘unsere Stadt. Es wäre aber ein Irrtum, anzunehmen, daß die Reize der Landschaft und die Denkmale alter Kultur allein genügen, um einen orei- ten Strom von Fremden alljährlich nach Konstanz zu lenken. Die Vorzüge unserer Stadt und Landschaft müssen durch intensive und planmäßige Werbung im In- und Ausland dem reisenden Publikum immer wieder in Wort und Bild vor Augen geführt werden. Dies aber erfordert neben all den anderen Aufgaben des städtischen Verkehrsamtes erhebliche Mittel. Die Stadt allein ist nicht in der Lage, die für die Verkehrswerbung erforderlichen Summen in voller Höhe aus den normalen Einnahmen zu bestreiten. So tauchte der Plan auf, eine Kurförderungsabgabe einzuführen, wie sie in vielen anderen Orten des ■Bodenseebeckens, z. T. sogar neben einer Kurtaxe, erhoben wird. Die Absicht stieß, wie wir schon berichteten, auf den Widerstand der von einer solchen Steuer betroffenen Kreise. Man wies die Stadtverwaltung auf den Weg einer freiwilligen Abgabe aller Fremden- verkehrsinteressenten, d. h. auf die Beiträge des Verkehrsvereins. Diese stellen in ihrer jetzigen Höhe aber nur einen kleinen Bruchteil der benötigten Mittel dar, teils wegen der geringen Höhe der Beiträge sehr vieler Mitglieder, hauptsächlich aber, well ein Großteil der am Fremdenverkehr unmittelbar oder mittelbar interessierten Kreise der Organisation noch fernsteht. Der Beirat des Verkehrsvereins beschäftigte sich deshalb in seiner letzten Sitzung eingehend mit dieser Frage und beschloß, die noch vorhandenen Reserven Frau Berta Oschwald, Tumierstraße 25, feierte gestern ihren 75. Geburtstag. Bei der Eröffnungsveranstaltung des Freiburger Fauler-Bades siegte Wachtel- Konstanz über 100 m Kraul mit 1:06,4 Minuten und gewann hiermit einen von Minist«: Pene gestifteten Ehrenpreis. Die 100 m Rücken wurden von Wachtel in 1:19,0 geschwommen. Beim ersten badischen Seeqau-Verbands- musikfest in Pfullendorf errang der Musikverein Immenstaad unter seinem Dirigenten Musikdirektor Leypoldt, Konstanz, beim Wertuogssipief das P-ädikat „sehr gut“. In der ,*Weltschau“, Rheinsteig 4, wird heute um 11 Uhr, eine Ausstellung über „Die Entwicklung der künstlerischen Bucheinbände der letzten fünf Jahre in Frankreich“ eröffnet. Die, Kurbadeabteilung des Hallenbades (römisch-irisches Bad, Unterwassermassa- Nochmals Fasnachtsumzug 1950 Trotz der Hundstagshitze sind die Narrengemüter noch nicht zur Ruhe gekommen. Auch der Stadtrat mußte sich am Donnerstag nochmals mit der Verteilung des fasnächtlichen Zuschusses an die Nar- rengesellsdiaften beschäftigen, weil die Narrengesellschaften in einem Schreiben an den Stadtrat mit dem von der Elefanten AG. angewandten Verteilungsschlüssel nicht einverstanden waren. (Ueber die Angelegenheit ist kürzlich im „Südkurier“ eingehend berichtet worden.) Der Oberbürgermeister erhielt nun den Auftrag, nochmals mit den Vertretern der Narrengesellschaften zu verhandeln und sie wieder „unter einen Hut“ zu bringen. für den Fremdenverkehr auf der Basis der Freiwilligkeit möglichst rasch zu verwenden. So ergeht erneut der Appell an Einsicht, Verantwortungsgefühl und Bürge rann der Konstanzen Viele haben es zweifellos bisher nur aus einer gewissen Sorglosigkeit und Gedankenlosigkeit unterlassen, dem Verkehrsverein beizutreten oder ihre Beiträge zu erhöhen. Die Situation ist aber viel zu ernst, als daß man sich heute noch dieser moralischen Pflicht entziehen könnte. Es ist auch nicht gerade sehr vornehm, und auf die Dauer untragbar, das Zanlen und Opferbringen immer nur einem kleinen Kreis zu überlassen, selbst aber bedenkenlos aus dem Fremdenverkehr Nutzen zu ziehen. Der Fremdenverkehr ist ein typisches Schlüsselgewerbe, das die ganze Wirtschaft befruchtet. Der Kreis der Nutznießer des Fremdenverkehrs kann also sehr weit gezogen werden. Es fallen nicht zuletzt auch alle diejenigen darunter, die an den Fremdenverkehrsbetrieben, Hotels usw. durch Warenlieferung oder Arbeitsleistung verdienen. Die Mittel, die auf diese Weise aufgebracht werden, sind selbstverständlich zweckgebunden. Die Kontrolle über ihre Verwendung steht dem Verkehrsver- ein zu; so daß jedes Mitglied des Vereins erfährt, was mit seinen Beiträgen geschieht. Zunächst sollen anhand der Mitgliederlisten des Verkehrsvereins über die Fachorganisationen die noch Außenstehenden erfaßt, zum Beitritt aufgefordert und zu einer angemessenen Selbsteinschätzung angehalten werden. Es müssen unter allen Umständen die Mittel aufgebracht werden. Ob freiwillig oder anders, das liegt nunmehr in der Hand der Bürger. Die Aktion, die jetzt in die Wege geleitet wird, bedeutet nichts weniger als einen Prüfstein für Gemeinsinn und Einsicht. So wäre es ein Zeugnis politischer Reife und Aufgeschlossenheit, wenn durch eine freiwillige Besteuerung die gesetzliche vermieden werden könnte. gen, medizinische Bäder und Wannenbäder) muß wegen der Instandsetzungsarbeiten für weitere acht Tage (bis 29. 7.) geschlossen bleiben. Der im Jahre 1891 gegründete Stenografenverein Konstanz hält am Montagabend in ,3t. Johann“ seine diesjährige Hauptversammlung ab. Außer dem Jahresbericht wird ein Vortrag über Stenografie gehalten. Die Laienspielschar am Johanneum zu Lübeck spielt heute abend im Ellenrieder- Gymnasium „Malvolio“ nach Shakespeares „Was Ihr wollt“. Die StädtkapeUe gibt morgen vormittag im Stadtgarter. ein Freikonzert: abends spielt das Städtische Orchester. Badegebühren werden nicht erhöht Vor kaum drei Wochen hatte der Stadtrat beschlossen, die Badegebühren im Rheinstrandbad zu ermäßigen. Dagegen hatte das Rechnungsamt Einspruch erhoben mit der Begründung, es entstehe dann ein Defizit in diesem Jahr von über 3000 DM. In der letzten Stadtratssitzung wurde infolgedessen nochmals über diese Frage gesprochen Stadtrat Fischer (DP), war der Meinung und der größte Teil des Stadtrats schloß sich ihm an, daß mit den städtischen Bädern keine Geschäfte gemacht werden sollten. Sie seien zur Erholung für die Einheimischen und Fremden da. Der Stadtrat zeigte denn auch keine Geneigtheit seinen vor kurzem gefaßten Beschluß wieder umzustoßen und es bleibt daher bei den bisherigen ermäßigten Gebühren. Zum Gedenken an einen Flugpionier Es geschah am 20. Juli 1939. Ein zweimotoriges schweizerisches Passagierflugzeug bog über dem Bismarckturm mit einem offenbar schwer angeschlagenen Motor auf den Konstanzer Flugplatz ein. Im weiten Bogen zog die Maschine am Rollfeld vorbei und — stürzte kaum 300 m vom Platz entfernt über der Wiese, zwischen Straße und Rhein ab. Passagiere und Besatzung waren tot. Niemals ist der Schleier über dieser Katastrophe ganz gelichtet worden. Für einen Augenblick hatte die fliegende Welt damals kurz vor dem Krieg den Atem angehalten. — Flugkapitän Walter Ackermann, der fast eineinhalb Millionen Flugkilometer hinter sich gebracht hatte, war nicht mehr. Er, der die Jugend mit seinem Buch „Flieg mit“ begeisterte, hatte sein Leben der Luftfahrt geopfert, der er verschrieben war. Es war vorgestern am 20. Juli 1950 — 11 Jahre nach jener Katastrophe — als sich einige ehemalige Flieger, die sich am 5. Juli zur Interessengemeinschaft der Segelflieger zusammengeschlassen hatten, mit ihrem ehemaligen Fluglehrer Wollner, in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle zu einer schlichtem Gedenkfeier versammelten. Ein einfaches Birkenkreuz, einige Meter abseits der Reichenauer Straße, trägt eine Erinnerungstafel an Walter Ackermann. Diese bleibende Gedenkstätte und einen Kranz widmeten ihm seine deutschen Kameraden. Mit den Worten „Laßt uns wenigstens Segelfliegen“ faßte Fluglehrer Wollner den brennendsten Wunsch aller ehemaligen deutschen Flieger zusammmen. Vielleicht wäre es dennoch angebracht gewesen, wenn man zur Gedächtnisfeier für einen schweizerischen Flieger, dessen Landsleute eingeladen hätte. Neue Türmuhr an der Susokirche Seit kurzer Zeit besitzt die Susokirche eine Turmuhr. Sie wurde von der Firma Hörz in Ulm geliefert und eingebaut. Ein langgehegter Wunsch der Pfarrei und der Bewohner des Stadtteils Ergatshausen ging damit in Erfüllung. Auch die Besucher des Friedhofes haben diese Uhr dankbar begrüßt. Mit einem dreifachen Glockenschlag verkündet sie jede Viertelstunde, die volle Stunde wird mit einfachem Glockenschlag angezeigt. Der dunkle Ziffernkranz mit dem großen Zeiger hebt sich von dem hellen Mauerwerk des Turmes gut ab, so daß die Zeit auch aus weiterer Entfernung noch gut abzulesen ist. Moffen-Pulver H —- gm „lt Liter öl — ZS Pfund Zucker — und haben Sie vielleicht auch ein Pfund Feuersteinef“ „Hier oben hätte ich noch Dosen, Frau XI“ Zeichnung: Klaus Meßmer Wie aus dem Bericht der Kriminalpolizei Konstanz vom 1. bis 15. Juli hervorgeht, kamen in dieser Zeit ein erschwerter und 12 einfache Diebstähle zur Anzeige. Der erschwerte und sieben einfache Diebstähle konnten aufgeklärt und sieben Personen als Täter überführt werden. Bei den fünf noch nicht aufgeklärten Diebstählen fehlen folgende Sachen: 1 Aktentasche, 1 Trachtenhose, 1 Ober- und Unterhemd, und Geldbeträge in Höhe von 15 bis 122 DM Festgenommen wurden je eine Person wegen Sittlichkeitsverbrechen, Unzucht und Erregung öffentlichen Aergernisses, Betteln und Landstreicherei, acht Personen wegen Betrugs und sechs Personen, die zur Verhaftung ausgeschrieben waren. Zur weiteren Strafverfolgung wurden angezeigt: zwei Personen wegen Erregung öffentlichen Aergernisses, je eine Person wegen Unzucht, Abtreibung und Verletzung der Aufsichtspflicht und drei Personen wegen Betrug. Ferner konnte der Aufenthalt von sieben steckbrieflich gesuchten Personen und eines vermißten Jugendlichen ermittelt werden. Außerdem wurden vier entwichene Jugendliche aufgegriffen und den zuständigen Aemtern übergeben. Das Geschäft hängt am Zucker Wenn ... so hing es gestern groß und unsichtbar über der Laube. Wenn wir Zucker hätten, würden wir mehr Obst kaufen, meinten die Hausfrauen. Die Händler sagten gar nichts und nahmen den Rest ihrer Ware wieder mit,. Immerhin gaben sie zu, daß praktisch, trotz allem, nur nach Obst gefragt wurde, Gemüse wollte niemand. Die Pflaumen waren dementsprechend mit 45 Dpf. etwas billiger geworden. Unreife Aeipfel gab es schon ab 20 Dpf. aber auch für 35 Dpf. waren sie noch ziemlich grün. Wesentlich appetitlicher sahen Birnen für 45 Dpf. aus. Trotz großer Mengen bezahlte man für Heidelbeeren noch immer 45 Dipf., während Himbeeren aus dem Wald 70 Dpf. Soziusfahrerin stürzte zu Tode Radolfzell. Ein Motorradfahrer aus Waldshut, der mit einer 22jährigen Friseuse aus Mannheim am Bodensee weilte, und von Konstanz aus wieder seine Rückreise antrat, stieß mit einem Konstanzer Motorradfahrer zusammen. Während die beiden Fahrer mit dem Schrecken davonkamen, stürzte das Mädchen auf die Straße und blieb blutend liegen- Eine Stunde nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus ist die Friseuse an den Folgen der schweren Verletzungen gestorben. Züchtigungsrecht überschritten Radolfzell. Eine Frau wurde wegen groben Unfugs angezeigt. Sie hatte dasZüch- tigungsrecht überschritten, als. sie einen: neunjährigen Jungen anderer Eltern solange mit der Hand ins Gesicht schlug, bis dessen Augen blutunterlaufen waren und das Gesicht Schwellungen zeigte. Nach ihrer Anzeige wurde festgestellt, daß die Frau niemals zu solchem Tun berechtigt war, auch wenn der Junge zuvor irgendwelchen Unfug getrieben oder die Frau geärgert hat Förderung des Fußballsports Singen. In nichtöffentlicher Sitzung war sich der Singener Stadtrat darüber einig, daß der Erfolg des Fußballclub Singen 04 zu stützen sei. Der Oberbürgermeister beabsichtigt, in nächster Zeit einen Kreis von Interessierten zusammenzurufen, um dem FC 04 einen nachhaltigen Rückhalt zu verschaffen. Mehr Kraftfahrzeuge als 1938 S t o ck a ch. Im Kreis Stockach hat die Anzahl der Kraftfahrzeuge gegenüber dem Jahre 1938 um rund 750 zugencmmen. Am und aus dem Garten 80 Dpt kosteten. Die Bühler Frühzwetschgen führten sich mit 40 Dpf. ein. Pfirsich zu 80 und Aprikosen zu 75 Dpf. machten sich auch gestern nicht beliebter als in der vorhergehenden Woche. Am Ende blieben nur noch Johannisbeeren zu 30 und 35 Dpf., deren Zuckerkonsum offenbar niemand zu decken gewillt war. 650 Turner kommen znm Gauturnfest 1959 Die Stadt Radolfzell und das herrliche Mettnaustadion werden heute und morgen die große Tumerfamilie vom Hegau und Bodensee zum Gautumfest 1950 aufnehmen. Aus den Städteh wie auch aus den einzelnen Landgemeinden, werden zusammen 600 Turnerinnen und Turner erwartet. Der Turnverein Radolfzell, feiert zugleich das 75jährige Bestehen mit einem heute abend im „Scheffelhof“ stattfindenden Festabend. Der größte Teil der Teilnehmer wird am Sonntagmorgen mit den Frühzügen in Radolfzell eintreffen und nach dem Festgottesdienst zum Mettnaustadion ziehen, wo die Wettkämpfe stattfinden. * Insel Reichenau. Die Schulentlassungs- feier der 22 Knaben und 20 Mädchen findet morgen um 15 Uhr im Festsaal des Schulgebäudes statt. — 22 Kinder werden zum neuen Schuljahr in die Volksschule aufgenommen. — Die Wanderlichtspiele Radolfzell zeigen morgen nachmittag und abends im „Mohren”-Saal „Das Lied der Bernadette”, nach dem bekannten Rom,in von Franz Werfel. — Der Sonderzug zur Gartenschau morgen Sonntag nach Stuttgart hält auch am Bahnhof Reichenau; Abfahrt 5.23 Uhr. Dettingen. Der Schwerkriegsbeschädigte Hugo Waldraff von hier und die seit drei Jahren hier wohnhafte Margaretha Mollenhauer, aus Diwitten, Kreis Allen- skein stammend, schließen heute den Bund fürs Leben. auffallendsten ist die Zunahme der Zugmaschinen von 61 auf 443 Stück, was die zunehmende Motorisierung der Landwirtschaft deutlich charakterisiert. Ein Fußgänger war das Opfer Meersburg. An einer Kreuzung in der Oberstadt stieß ein Motorradfahrer aus Überlingen mit einem Personenkraftwagen, der aus entgegengesetzter Richtung kam, zusammen. Im gleichen Augenblick wurde ein die Kreuzung überquerender Handelsvertreter von den beiden kollidierenden Fahrzeugen erfaßt und auf die Straße geschleudert. Motorradfahrer und Fußgänger mußten mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert werden. Spurlos verschwunden Friedrichshafen. Ein Fischer aus Friedrichshafen entdeckte in den frühen Abendstunden ein auf dem See treibendes Ruderboot ohne Insassen. Es handelte sich um ein Leihboot, das etwa eine Stunde zuvor von einer Frau gemietet worden war. Von dieser Frau fehlt jede Spur. Sie dürfte • vermutlich über Bord gefallen und ertrunken sein. Elfjähriger Schützenkönig Ravensburg. Das Rutenfest in Ravensburg erreichte mit dem Adlerschießen auf der Kuppelnau seinen Höhepunkt Durch die mit Menschen dicht gesäumten Straßen marschierten 785 Altschützen der Jahrgänge 1860 bis 1930, über 400 Jungschützen und 27 Schützenkönige. Der elfjährige Schüler Dieter Rauch wurde Schützenkönig. Beilsgenhinweis: Einem Teil unserer heutigen Ausgabe ist eine Drucksache der Firma E, Schindler, Konstanz, beigefügt, die wir der Beachtung unserer Leser empfehlen. ftur$e Stabtnadjrtdjten Chronik vom Bodensee Mufik Öre Barock unö Rokoko Drittes Serenadenkonzert auf der Mainau Das 3. Serenadenkonzert des Städt. Orchesters im Schloßhof der Insel Mainau erwartete die zahlreichen Besucher von Konstanz, Meersburg und Uberlingen dieses Mal mit einem Programm, das unter dem Motto „Musik des Barock und Rokoko“ eine Reihe historisch wertvoller Serenadenmusiken za Gehör brachte. Wenn je Musik und Szenerie zu einem einheitlichen künstlerischen Eindruck verschmelzen konnten, so waren an diesem Abend die Voraussetzungen dazu besonders günstig. Die Baugesetze des Schlosses erfuhren in der Stufung der Vortragsfolge gleichsam eine verfeinerte, nuancenreichere Spiegelung. Das mächtige, breit und majestätisdh angelegte Concerto grosso d-moll von Händel stellte das Fundament dar, dem in der Wiedergabe eine dementsprechend kraftvolle und raumgreifende Profilierung hätte verliehen werden müssen. Dieser Händel aber war zu romantisch und zu weich, im Air (Lento) geradezu verzärtelt, und mit geheimnisvoll tuenden Klangschattierungen und Lichtbrechungen ausstaffiert, die mit der „Sonnenseite des Barode“ — wir bleiben im Bilde — nichts zu tun haben. Hier wäre eine große Bogen bauende, die thematischen Gruppierungen zusammenfassende ..Terrassendyna- mik“ anstatt der gezeigten Gefühlsdynamik stilistisch besser am Platze gewesen. Man kann Händel nicht wie Mendelssohn spielen, und Dr. Treiber war trotz richtiger Tempodirektiven durch die Art einer kleinräumig abschattierten und parfümiert wirkenden Gestik für das „weiche“ Klangresultat mitverantwortlich. Lediglich der letzte Satz „con fuoco“ gelang zügiger, markiger, und besaß mehr Substanz. Die Soloinstrumente (2 Violinen und Cello) zeigten technisch wie klanglich ein sehr befriedigendes Format. Woher kam es wohl, daß auch Carl Philipp Emanuel Bachs prächtige erste Sinfonie in D-dur in ihrer ausdruckhaften Klassizität trotz des an und für sich gerundeten Gesamtklangs nicht so recht zur Wirkung gelangte? Die vom Notenbild noch nicht genügend gelöste Interpretation machte einen spröden und glanzlosen Eindruck, der die mangelnden Impulse einzelner (etüdenhaft abspielender) Klanggruppen getreu wider- spicgcl'.e. Eine merkliche Belebung brachte der zweite Programmteil mit Mozarts in naiver Grazie hinfließenden sechs ländlerischen Tänzen für 3stimmiges Streichorchester (ohne Bässe) und der mit großer Spannung erwarteten Erstaufführung der Sinfonie Nr. 4 in C-dur des Freiherrn Max von Droste- Hülshoff. Dieses letztere Werk war erfreulicherweise weit davon entfernt, die Mannheimer Schule (wie wohl viele befürchteten) um ein verstaubtes Kuriosum zu bereichern. Haydn hat die ihm gewidmete Sinfonie nicht etwa nur aus gesellschaftlichen und berühmten „musikdiplomatischen“ Rücksichten 1801 in Wien ur- aufgeführt. Mit einer zwischen Haydn und Mozart schwebenden Ausdruckshaltung spricht das Werk in seinem anmutigen Rokoko- Gewand und seinem gepflegten, höfischen Formempfinden die Sprache eines vornehmen und sensiblen Geistes, dessen zart und tief aufmerksam schweifender Weitblick die nahe Verwandtschaft mit der Droste nicht verleugnen kann. Wieviel Mozartsche Empfindsamkeit und Ornamentik liegt allein schon im ersten Satz. Das duftige Andante mit seinen vorüberziehenden elegischen Mollschleiern und dem köstlichen Solobläserdialog ist sehr fein und persönlich empfunden, während das Menuett thematisch lebhaft an dasjenige aus Haydns „Quintenquartett“ erinnert. Die Aufführung durch das Städt. Orchester war klanglich bemerkenswert gut (auch die Bläser!), vom Dirigenten sehr einfühlend gestaltet und besonders im leicht fließenden, reich figurierten Finale dynamisch und strichartlich sehr locker und zart hinskizziert. Der reiche Beifall der Besucher dürfte denn auch ganz besonders diesem Werke und seiner Gestaltung gegolten haben. Dr. G. Lenzinger Das zweite Meersburger Schloßkonzert ee. Eine willkommene Abwechslung in den Meersbwger Schloßkonzerten dieses Jahres bildete für Einheimische und Kurgäste das Bekanct- werden mit dem Konstanzer Kammercbor. Unter Leitung von Hermann Müller bot der Chor eine erlesene Auswahl Motetten und Gesänge aus älterer und neuer Zeit Die ideale Singgemeinschaft, die vor kurzem mit ihren Darbietungen im Konstanzer Rathaushof gleich großen Erfolg erzielte wie jetzt in Meersburg, sollte in immer weiteren Kreisen die gebührende Anerkennung finden. Es wäre wünschenswert, den vortrefflichen Chor öfters, etwa auch mit Bach und Bruckner, zu hören. — Die ausgefeilte und musikalisch feinsinnig deutende Wiedergabe des ganzen Programms hrnterließ starke Eindrücke. Die solistische Mitwirkung der hervorragenden Pianistin Hilde Un- giaub, die wir schon öfters in Meersburg im Vestibül des Neuen Schlosses hören durften, gab der Veranstaltung eine besondere Note. K. Serenade im Rathaushof Die Serenaden bei Kerzenbeleuchtung lm historischen Rathaushof sind in Konstanz zu einem feststehenden Begriff geworden. Auf dem Programm des nächsten Konzertes, das am kommenden Montag stattflndet, stehen Adagio und Fuge, d-moll, sowie Adagio und Fuge F-dur von Mozart-Bach, zehn slawische Volkslieder von Felix Petyrek. sowie das 3. Streichtrio d-moll op. 29 von Volkmar Andrea e. Ausführende sind das Schmitt-Bohn- Trio, sowie Ursula Buckel (Sopran). Drei Singabende mit Ulli Ulmer Das Jugendbildungswerk möchte diesen Sommer nicht vorübergehen lassen, ohne die Konstanzer Jugend aufzurufen, an drei Abenden der kommenden Woche mit Ulli Ulner Sommerlieder zu singen. Zum ersten Singabend treffen sich die Teilnehmer am Dienstag, den 25. Juli 1950, 20 Uhr. in der Turnhalle des Ellenrieder-Gymnasiums. Wie ln den letzten beiden Jahren soll auch dieses Jahr wieder ein Offenes Singen im Rathaushof abgehalten werden, welches am Mittwoch, den 26. Juli, 20 Uhr stattfindet. Als letzte dieser drei Veranstaltungen ist am Donnerstag, den 27. Juli 1950 um 20.30 Uhr eine Abendfahrt mit dem Motorschiff ..Mainau“ auf dem Bodensee geplant, wofür zum Preis von DM 1.20 die Fahrkarten ab sofort bei der Geschäftsstelle des Jugendbildungswerkes zu haben sind. Zu allen drei Abendveranstaltungen ist die gesamte singfreudige Jugend unserer Stadt eingeladen, auch Erwachsene sind am Singabend im Rathaushof am Mittwoch willkommen. Konstanter Hafenpegel: Dienstag, -16.: 368; Mittwoch, 19.: 364; Donnerstag. 20.: 362; Freitag, 21. Juli 1950: 360 Zentimeter. Friedrichshafener Pegel: Mittwoch, 19.: 360. Donnerstag, 20.: 357; Freitag, 21. Juli 355 Zentimeter. Wasserwärme: Freibad Horn: 23 Grad; Rheinstrandbad: 24 Grad. „Spiel mit dem Tode“ (im Gloria) Der Titel ist irreführend. Hier wird durchaus nicht mit dem Tode gespielt, sondern, wie in allen Kriminalfilmen, ein Mörder gesucht. „Mörder im Zeitungshaus“ könnte man drüberschreiben, denn überwiegend spielt dieser Paramount-Film in einem mächtigen New Yorker Verlagshaus — und schon darum ist er interessant. „The Big Clock“ heißt der Originaltitel, eine Riesenuhr ist das Kennzeichen des Zeitungsturmes, und das ganze Räderwerk eines gewaltigen Druckbetriebes mit Millionenauflagen rollt und rattert, leuchtet und läutet durch den Bild- und Tonstreifen. Die Schriftleiter haben es drüben fast noch schwerer als ihre Kollegen im alten Europa. „Du bist nur mit deiner Zeitung verheiratet“, klagt auch dort eine jur.ge Chefredakteursfrau (reizend und rührend Maureen O’Sullivan), die immer noch, obwohl das Paar längst einen Jungen hat, auf ihre Hochzeitsreise nach Westvirginia warten muß. Nun endlich gibt es Ferien, da dekretiert der Verleger, daß sein Chefredakteur zuvor fürs „Kriminalmagazin“ einen ganz frischen Mordfall noch aufzuklären hat. Und weil Charles Laughton den Verleger verkörpert (in des Wortes vollstem Sinne), kann man sich vorstellen, welchen Nachdruck der Mann seinen Worten zu geben vermag, ein aufgeschwemmter, aufgedonnerter Napoleon der Zeitung, der dabei immer „dynamisch“, äußerst präzis spricht, d. h. befiehlt, der mit Sekunden, nicht mit Minuten rechnet. In einer Minute vierzig Sekunden muß jeder der Redakteure ihm erklären, was zur Hebung der Auflage des Magazins zu tun ist. Das Schicksal will es, daß dieser Earl Janoth in eifersüchtiger Aufwallung selber zum Mörder an einer Geliebten wird und trotzdem, um die Fäden in der Hand zu behalten, seinem Redakteur die Aufklärung des Falles überläßt Dieser, zwar unschuldig, aber mit der gleichen gefährlichen Frau (Rita Johnson) flüchtig in Berührung gekommen, gerät nun in die Gefahr, »ein« eigenen Detektive auf sich selbst zu hetzen. Das ist die wirklich spannende Verwicklung des Geschehens, das mit der Absperrung und Durchsuchung des Wolkenkratzers den Höhepunkt erreicht Ray Milland mit Eleganz der so geschmeidige wie gescheite Redakteur. John Farrows Regie vereint Stil mit Realismus und erinnert damit ein wenig an den „Dritten Mann“. C. W. „Rosen der Liebe“ (Hoheit darf nicht küssen) (im Capitol) Ein Film aus der neuen österreichischen Produktion, Regie Max Neufeld. Die Fabel vom kleinen Mädchen, das ein berühmter Revuestar und dann auch eines jungen Königs große Liebe wird, ist nicht neu, wird aber» immer einmal wieder Wirklichkeit Hier wird sie so graziös und trotz des leichtfertigen Untertitels, den man dem Film glaubte beilegen zu müssen, nur andeutungsweise operettenhaft erzählt, daß man sie sich gern Vorspielen läßt. Besonders des weiblichen Stars, der jungen Nadine Gray wegen, die durch eine herbe Note im Spiel und in der Stimme auffällt und zudem bemerkenswert hübsch und apart ist, So daß sie es uns leicht macht, ihr den glückhaften Aufstieg im Film zu glauben. Auch ihre Partner sind gut: der ältere, vielfach bewährte Siegfried Breuer, der jüngere, angenehm stille O. W. Fischer. — Im Vorprogramm wird das Forellenquintett von Franz Schubert in einem hübschen historischen Rahmen gespielt. Dr. EH Sonderfahrten nach Luzern und Einsiedel* Auch in diesem Jahr werden wieder von der INKONA Sonderfahrten zu den internationalen Musikfestwochen in Luzern und zu den Calderonspielen in Einsiedeln durchgeführt. Im. Gegensatz zum vergangenen Jahr kann jetzt jedermann an diesen Fahrten teilnehmen. Die Fahrten werden so organisiert, daß am Vormittag in Luzern die Generalprobe der jeweiligen Symphoniekonzerte und am Abend „Das große Welttheater“ von Cal- deron in Einsiedeln besucht werden kann. Gefahren wird zu den Symphoniekonzerten am 9„ 12., M. und 23. August (Dirigenten Wilhelm Furtwängler, Solist William Prim- rose; Ernest Ansermet, Solist Wilhalem Backhaus, Klavier; Rafael Kubelik, Solist Pierre Foumier, Cello; Herbert von Karajan, Solist Dinu Lipatti, Klavier.) Ferner wird am 21. August eine Fahrt zum Trio-Abend Edwin Fischer, Wolfgang Schneiderhan und Enrico Mainardi durchgeführt Die letzte Fahrt findet am Freitag, 25. August, zur Generalprobe von ,,Fausts Verdammung“ mit Wilhelm Furtwängler, Elisabeth Schwarzkopf (Sopranh Frans Vroons (Tenor) und Hans Hotter (Ba» statt. Anmeldeschluß für die Fahrten Ist Je* weils 14 Tage vor Antritt der Fahrt w Samstag, 22. Juli 1950 SODKURIER Nr. 87 / Seite Seite ten. Die sich mit prikoeen rn nicht i Woche, isbeerer. •konsum lt war. Fest 1959 lerr liehe morgen ;au und aufneh- aus den zusam- ' erwar- liert zu- t einem tfinden- ler Teil- mit den Een und tettnau- £e statt- aseungs- hen fin- saal des werden kaschule chtspiele dag und jied der i Roman rzug zur h Stutt- lau; Ab- idiädigte die seit rgaretha 5 Allenute den ler Zug- was die andwirt- Fep izung in adfahrer enkraft- Richtung tgenblick uerender kollidie- auf die irer und Verlet- igellefert her aus i frühen •eibendes eite sich unde zu- den war. ie dürfte • i ertrun- fei Ra- •s hießen hepunkt säumten tzen der 10 Jung- Der elfwurde irer heuer Firma die wir ilen. t küssen) Walöburgcr Schlöffer in Oberfchroaben Goethe, die Schlösser und die Erbtruchsessen von Waldburg Goethe stellte vor rund 150 Jahren fest: „Amerika, du hast es besser, als unser Kontinent, der alte: Hast nicht Basalte und keine Fürstenschlösser!“ Damals hatte er zweifellos recht. Heute denken selbst die Amerikaner anders darüber; und wir Europäer sind mit unseren Schlössern inzwischen so großzügig umgegangen, oder haben sie so leichtsinnig aufs Spiel gesetzt, daß eine Bestandsaufnahme dringend an der Zeit wäre. Schlösser sind ein Stück europäische Geschichte. Manche and nur noch Denkmäler: aber solche Schlösser, die heute noch von den Familien bewohnt werden, deren Ahnen sie einst gebaut haben, sind lebendige Geschichte, mehr als ein Museum, denn hier leben die Dinge und die Bauten, weil man in ihnen und mit ihnen lebt. Es ist eine alte Erfahrung, daß private Sammlungen von Kunstwerken und Erzeugnissen eines edlen Handwerks selten eine Generation überdauern. Mit dem Tode des Sammlers werden sie fast immer aufgelöst. Was Generationen und Jahrhunderte in solch ein altes Schloß hineingepfropft haben, ist nur selten als „Sammlung“ zustandege- kommen. Und noch in den Sammlungen ehrte die Familie die — vielleicht belächelte — Marotte eines Ahnherrn. Wenn in Notzeiten auch wohl dies und jenes unersetzliche Stück abbröckelte — mit zu viel Dingen war persönliches Schicksal der Sippe verbunden. Sie waren nicht nur Erbe, sondern auch Verantwortung, in dem Sinne, wie der beste Jäger ein Heger und Pfleger ist. Waldsee: Auftrag und Verpflichtung Oberschwaben hat besonderes Glück gehabt; denn es beherbergt noch heute auf den alten Schlössern ein altes Geschlecht, das sich seiner Aufgabe bewußt gewesen ist. Geht man mit einem Mitglied der Familie der Erbgrafen durch das Sdjloß von Waldsee, so hört man bei jedem Stück, wer es angeschafft hat. Ein Großvater hat sich der schönen Ulmer Schränke angenommen, wie sie zu seiner Zeit die Bauern abzuschaffen begannen, weil sie „nicht mehr zeitgemäß“ waren — und hat damit eine Sammlung geschaffen, an der jeder, der sie sieht, im Handumdrehen ein Stück Die Kuppel der Schlcßkapelle hat Eustachius Gabriel 1745 ausgemalt, aber weder von dem Bild der „schwarzen“ Madonna in der Kapelle noch von dem eindrucksvollen gegeißelten Christus weiß man, wer sie geschaffen hat. Es gibt schöne alte Schreibmöbel mit Einlagen aus Elfenbein, 18. hinein, die das ruhmreiche Geschlecht in der alten, jetzt unbewohnten Burg zurückgelassen hat. Mit den Bildern scheint sich die Kunstgeschichte noch nicht stark befaßt zu haben. Da ist die Ahnengalerie, die einer der Truchsessen im 17. Jahrhundert hat malen lassen: viele Einzelstücke sind interessant genug. In einem, mit schönen Gobelins gezierten Zimmer hängen Porträts der englischen Rivalen-Königin- nen Elisabeth und Maria Stuart. Da sind die viele Meter langen Zeichnungen von Von der Waldburg schaut man weit ins Land Schloß Wolfegg beherrscht zwei Täler Geschichte des Tischlerhandwerks lernt. Eg ist ganz selbstverständlich, daß das Schloß 1745 von dem Erbtruchsessen Max Maria so umgebaut wurde, als ob man von einem Umbau vor 20 Jahren spräche. Und ebenso selbstverständlich ist, daß die alte JUappa“ erhalten ist, die das Schloß in dem Zustand von 1708 zeigt — mit den einstöckigen Bauten rund herum, ein Wasserschloß, mit nasenartig vorspringenden Eckbauten. Auch zwei Türme gab es damals noch, die heute verschwunden sind. gußeiserne Oefen mit Oberteilen aus gra- phitiertem Ton. Kommödchen in Rötgenarbeit mit Messingauflagen und einen köstlichen Empireflügel mit einem Tamburinschlag und einem besonderen Tremolopedal. Wie in den Schichtungen der Erde hat hier die Zeit Zeugnisse ihrer Abschnitte hinterlassen — und sie gehören dazu, dürfen dabei sein und leben immer noch mit. Darum sprechen sie zu dem, der sie ansieht — nicht, wie sie oft in den Museen, in denen die schönsten Dinge wie ihre eigenen Mumien oder Skelette dastehen und nicht mehr wissen, was sie sollen. Scha^kästlein Waldburg Von den zwei Marchenschlössern, die Oberschwaben sein eigen nennt, ist der Lichtenstein in die Literatur und die Schulbücher vieler deutscher Stämme eingegangen; aber selbst viele Schwaben kennen die Waldhurg nicht. Versteckt und seitab liegt sie auf ihrer steilen Bergspitze, obgleich man sie auf Dutzende von Kilometern im Land sehen kann. Sie ist auch kein Ausflugsort, wie so viele andere Schlösser und Burgen, zu denen man bequem mit dem Auto bis in den Hof fahren kann — wie alle guten Dinge, will sie verdient seiin, und man muß den steilen Steg emporklettern, um sie zu besuchen. Aber die Mühe lohnt sich.. Es gibt keinen schöneren-Blick auf die Alpen vom Berner Oberland bis zifm Zu-efspitzmassiv ate von ihrem „Belvedere“ auf dem Dach; und und selbst wenn man einen Sturmtag erwischt, oder wenn es kalt ist, im Winter, sieht man aus den Fenstern der einstigen Wohnung des Schloßkaplans immer noch genug, und ein herrliches Stück oberschwäbischen Landes obendrein. Wald genug ist um sie herum geblieben, daß sie auch heute noch ihrem Namen Ehre macht. Dn'e weitverzweigte Familie der Waldburger war mit den Schenken von Tanne und von Winterstetten eines Geschlechts. Mit Abt Kuno von Weingarten (1108-1132) tritt sie urkundlich erstmals auf. Von Friedrich II. wurde sie mit dem erblichen Truchsessenamt belehnt. Seitdem waren sie treue Diener der Kaiser des Alten Römischen Reiches Deutscher Nation, und oben in der Burg hängen die Bilder aus der Familiengeschichte, die das schildern. Bunt ist die Erbschaft an Möbeln und Bildern aus allen Jahrhunderten bis ins Fotos: Bantle alten Seeschlachten in der Kaplanswohnung, da sind die beiden seltsamen Bilder mit der Katze und mit dem Papagei, die einer der neuesten Franzosen — Bracque vielleicht — gemalt haben könnte. Da sznd Jagdtailder und — im Vorraum — die vielen Bilder herrlicher Pferde, sie tragen meist italienische Namen, aber auch Pferdekuriositäten (im zweiten Stock). Selbst in der Schloßkapelle findet sich ein Kuriosum: Ein seltsamer Weihwasserbehälter, die hl. Veronika mit dem Tuch darstellend — aber aus dem Tuch wächst das Haupt mit der Dornenkrone plastisch heraus und bildet das Weih Wasserbecken. Auch bei dem überlebensgroßen Christus von 1515, links vom Altar, ist die Art der Darstellung, mit der seltsamen Weltkugel in der Hand, nicht alltäglich. Die Waldburg ist ein herrlicher Platz, um auf allerlei Entdeckungen verschiedenster Art auszugehen, und wem Kunst- Kultur- und politische Geschichte leid ist, kann sogar einen Ausflug in die Naturgeschichte machen, denn im Erdgeschoß findet sich eine reichhaltige Schau: einheimischer oder einheimisch gewesener Vögel. Wenn man den Berg hinunterklettert — und man hat dann noch immer nicht genug gesehen — kann man noch die hl. Ro- mula im Kirchlein besuchen, zu deren Fest in jedem Jahr Pilger aus ganz Oberschwaben herkommen. Dabei sei verraten, daß die lecker gebackenen .Hühner, die eine Spe?fSlität der Waldbufger Wirte sind, auch manchen aus weltlichen ‘Gründen anlocken! Der Wolfegger Willibald Im Schloß Wolfegg hängt ein altes Bild — unter den vielen alten Bildern, die die Waldburger im Laufe der Zeit dort zusammengetragen haben. Da kniet der Erbtruchseß Max Willibald, Feldmarschall des römischen Kaisers im Dreißigjährigen Krieg, vor der Madonna. Dahinter spannt sich eine Karte des Landes um den Bodensee, in den beiden oberen Ecken sind die Ansichten von Lindau und Konstanz eingefügt, und ein Engel entrollt ein Bild, auf dem das Schloß Wolf egg in hellen Flammen steht. Man braucht gar keine Erklärung dazu: Max Willibald hatte — 1647 — die Schweden von Konstanz und Lindau abgeschlagen, und aus Rache steckten sie ihm Wolfegg in Brand. An Waldsee, so geht die Sage, seien sie damals vorbei'gezogen, weil ihnen der Widerschein insleüel» eder von ?n inter- cern und n durch- ■nen Jahr rten teil* ganisiert, Generab :erte und von Cal- »n kann. :onzerten irigenten m Prim* im Badest Pierr* in, Solist 1 am 9L d Edwin d Enrico ahrt to- »ralprobe ;lm Furt* (SopraiA ter (Bw n ist AUS DER CHRISTLICHEN WELT Zuerst das Reich Gottes! Zum 74. Deutschen Katholikentag in Passau vom 1. bis 3. September Der 74. Deutsche Katholikentag hat sich für die letzten August- und ersten Sep- tönbertage Aitötting und Passau als Ta- oangsorte ausersehen. Katholikentage ha- ten programmgemäß immer eine zweifache Schau und Wirkungsweise verfolgt: sie Sollen auf religiöser Vertiefung neue Kraft für Jiasa! I Vielst Konstanz - Petershausen, Reichenaustr. 14b —_ f mlJL DflCKGlvI LOfllC erweitert den Betrieb mit einem gastlichen 18111111611 ”1316 erweitert den Betrieb mit einem gastlichen Es haben maßgeblich mitgewirkt: Cafe Löhle KONSTÄNZ-PETERSHÄUSEN, REICHENäUSTRASSE 14b — aröföttai — Erstklassige Gebäck«, Torten, Kuchen — Prima Eis Rogg & (o. ZENTRALHEIZUNGEN Konstanz, Schottenstraße 16, Telefon 568 1 1 CoilflAF Sanitäre Installation« vvlljjwl Konstanz, Reichenaustra en - Gas - Wasser ße 14a - Telefon 939 Innendekorationen — Vorhänge — Teppiche Otto Spiegelhalder KONSTANZ, Wilhelmstraße-Ecke Gebhardsplatz - Telefon 1035 W. DITTUS Bauunternehmung Konstanz Telefon 394 Franz Fischer Architekt BDA. 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Juli 1950 von 8-12 Uhr und 15-18 Uhr aal den Direktionen der einzelnen Anstalten statt. SÜur Anmeldung sind mitzubringen: Das letzte Schulaeugnis, Geburtsschein und Impfschein. Die Aufnahmeprüfung findet statt am 25. Juli 1990. Dk Direktionen des Ellenrieder-Gymnazium* Humboldt-Gymnasiums Suso-Gymnasiums MÖBEL Werkstätten für Holzverarbeitung Dr. Alfred Schmid Stodcadi-Rißtorf, Rosenbergweg la sollten Sie sich ansehen. bevor Sie kaufen, sie verdienen die lezeidmnng Qualität! Denken Sie jetzt schon an Ihre Strickarbeiten für kühle Tage) Größte Auswahl in allen Preislagen nur hn Fachgeschäft für Wolle und Handarbeiten Kon ita n z jluiU Uläc& Obermarkt 8 Hotel Barbarossa Kunst- u. Auktionshaus Bodan Galerie Bodan Ständiger An- u. Verkauf von Gemälden erster Meister Stilmöbel, Plastiken, Zinn, Porzellane, Teppiche usw. Jul. Malisch, Auktionator u. 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