serer Heimat dorthin fuhren zum Passionsspiel. Die Verbindung bestand und besteht auch heute darin, daß de Komponist der Passionsmusik, Karl Schaufoer, seit Jahren in Donaueschingen seine Wahlheimat gefunden hat und mit weiten Kreisen der Bevölkerung bekannt geworden ist. Ihm verdankte man es auch, daß "bei einem Konzert im Frühjahr 1948 das Speyerer Sinfonie-Orchester wesentliche Teile seiner Passionsmusik in der Donaueschin- ger Festhalle hören ließ. Um so verständlicher, daß unter all diesen Umständen der vor kurzem in Baden-Baden uraufgeführte Passionsspielfilm sehr schnell auch nach Donaueschingen gekommen ist, wo er in den letzten Tagen neben den allgemeinen Vorstellungen vor den Schülern der Stadt und der Nachbarorte aufgeführt wurde. Es ist das Oetigheimer Passionsspiel, filmisch behandelt. Zusammengefaßt mit bedachtsamer Textformung, die bei aller Zeit- losigkeit des Passionswortes so außerordentlich gegenwartsnah und bedeutsam mahnend klingt. Das Spielgeschehen im Film ist das gleiche wie auf der Bühne in Oetigheim. Es wurde ja auch dort aufgenommen. Aber Sepp Allgaier, der die Kamera führte, hat mit der Rcutine des vielerfahrenen Operateurs zu der Bühnenhandlung eine Komposition des bildlichen Ausdrucks geschaffen, und vor allem mit Lichteffekten dem Fluß der Handlung gute Akzente gegeben. Dazu Karl Schaubers Musik. Sde ist verwachsen mit dem innersten Wesen des Oetigheimer Volksschauepiels auf Grund der jahrelangen Zusammenarbeit des früher dort ansässigen Komponisten mit dem Ort und seinen Laienspielern. Die Musik steigert sich in dramatischer Entwicklung zu Ausdrücken geballten Schmerzes und findet den losenden Weg in edle Klage. Im Auferstehungsthema erreicht sie einen abschließenden Höhepunkt von linearer Klarheit. Es finden sich in ihr die eigenwilligen Akzente einer musikalischen Aussage, die sich selbst ihren Weg sucht, und es gibt dabei so manchen glücklichen Einfall, den der Komponist in seiner persönlichen Art zu verwerten weiß, wie die moderne Verarbeitung des eoce lignum-Themas aus dem gregorianischen Choral und den jüdischen Ritualgesang im Tempel. L N o 11 Alles roUl fte mit Soeben beleben Auf der erwachenden Flur duldet die Sonne kein Weißes, „keinen Schnee mehr“. Spärliches Gras sproßt, zartes Grün überzieht die Hügel, Hänge und Flächen. Am Waldrand recken sich die Knospen, und die Bächlein fließen munterer. Dies ist die österliche Vorfrühlingszeit, der Auferstehungstag der christlichen Ueberlieferung. Bunte Ostereier sollen die noch fehlenden Blumen ersetzen. Blaue, gelbe und rote. Bändchen bindet die Bauersfrau u:m die weißen Eder und kocht sie in der Zwiebelschalenbrühe braun. Hält doch das äußerlich leblos erscheinende Ei in sich verborgen ein Lebewesen, einen Lebenskeim, eine besondere Lebenskraft, diie auf den übergeht, der das Ei ißt. Also schenkt man sich Eier und ißt sie, um damit Segen für das ganze Jahr zu haben. Dieses Eierlesen ist nun mit manchem Brauch verbunden. In bestimmter Zahl werden die Eier auf einer abgegrenzten Fläche im Gras und unter Büschen versteckt Burschen oder Mädchen sollen sie dann suchen und Zusammentragen, während ein Bursche oder ein Mädchen nach einem benachbarten Ort laufen muß. Bringt der Läufer, oder bringt die Läuferin von dort als Beweis die Fahne oder einen Zweig mit zurück, bevor alle Eier zusam- mengetragen srincl so hat der Läufer bzw. die Läuferin, gewonnen; sind aber die Eierleser zuerst fertig, so sind sie Sieger, worauf man die Eier gemeinsam im Wirtshaus verzehrt. ow Oftergefang in ITIeßbirdi In der anekdotenreichen Zinwnern’schen Chronik, einer Fundgrube für Studien über das kulturelle Leben im 18. Jahrhundert, wird erzählt, es habe in Meßkirch ein eigenwilliger und streitsüchtiger Mann, Paul Hebenstreit, gelebt, der „ob seiner seltsamen Weise ganz berühmt“ gewesen sei. „Einmal in der Fasnacht“, so liest man in dem unterhaltsamen Buche, „ist der Paul Hebenstreit mit etlichen Gesellen, Paul Bader, Peter Schneider und anderen in das Haus des alten Jakob Renninsfels gekommen. Weil aber jeder wußte, daß Paul Hebenstreit ein besonders böses und ungezähmtes Weib hatte, warfen sie beim Zechen die Frage auf, wer das gehorsamste und folgsamste Weib hätte. Das war alles auf den Hebenstreit gemünzt. Der hat sich bei dieser Frage sehr der Gutwilligkeit seiner Hausfrau gerühmt. Darauf wettete die ganze Gesellschaft, wer verliere, müsse die Zeche bezahlen. Also schickte der Hebenstreit einen Knaben zu seinem Weibe und begehrte, sie solle ihm einen Zipfel von ihrem Bett schicken. Das Weib willfahrte zwar ungern. Jedoch nahm sie den Schaden in Kauf, schnitt ihrem Hauswirt einen Zipfel vom Bett ab und sandte ihm den. So hatte der Hebenstreit, entgegen der Hoffnung seiner Gesellen, die Wette redlich gewonnen. Das blieb so bis zum nächsten Osterfest. Nun war aber in Meßkirch der Brauch, daß der Pfarrer am Ostertag nach der Predigt einen guten, lächerlichen Schwank erzählte. Da hat nun Herr Adrian Dornfogel nach der Predigt die Geschichte von Paul Hebenstreit und seiner Frau vorgenommen und gesagt, wie gehorsam und folgsam sie ihm sei. Weshalb er mit Recht vor andern als Meister in seinem Haus sollte gerühmt werden, was zu Meßkirch selten und ungewöhnlich sei, und darum solle er den christlichen, herrlichen Lobgesang .Christ ist erstanden ...‘ vor den andern zu singen anfangen. Das hat den eigenwilligen Mann so sehr verdrossen, daß er in der Kirche laut zu fluchen anfing, er wünsche, daß der Pfarrer alle Plagen hätte; ihm zu Gefallen zu singen, fiele ihm gar nicht ein. Damit ist er aus der Kirche gegangen, und jedei'mann hat gelacht. Unter den Männern wollte niemand das Lied anstimmen. Hierauf sagte Herr Adrian, der Pfarrer: ,Ist das nicht zum Erbarmen? Ich habe den Männern als dem edleren und würdigeren Geschöpf am heutigen Tag mit Recht die Ehre zuerkennen wollen, daß sie Meister im Haus seien, und keiner, auch der nicht, der sich dessen in Wahrheit rühmen könnte, hat das Lob annehmen wollen. Aber einer muß die Meisterschaft im Haus haben; wenn es nun einer unter den ehrbaren Frauen dünkt, sie sei Meister im Haus, so möge sie den herrlichen Lobgesang mit Freuden anstimmen.“ Der Pfarrer konnte das Wort nit ausreden, keine unter den Weibern wollte die Letzte sein mit Singen, über die hundert fingen zu singen an. Hernach entstand wegen dieses Singens ein solches Gespött unter der Bürgerschaft, daß man viel Böseres befürchten mußte, darum verbot Herr Gottfried Werner (Graf von Zimmern) ernstlich, solche Schwänke auf der Kanzel zu treiben, was auch bis auf unsere Zeit gehalten wird.“ Das ist die Geschichte vom Ostergesang in Meßkirch, der ein Hauch anhaftet, von der volkstümlichen Atmosphäre, die in den früheren Jahrhunderten und besonders im sechzehnten das bürgerliche Leben der Städte beherrschte. B. M. Das fiasiagen Wenn vom Hasjagen die Rede ist, so denkt man daran, daß Kindern, kleinen und größeren und ganz großen, gefärbte Eier, Zuk- kerhasen .oder solche aus Schokolade, oder was immer sonst an österlichen Spenden kn Garten zum Suchen versteckt werden. Im vorderen Kinzigtal und vor allem in Bermersbach, unweit des ehemaligen Reichsstädtleins Gengenbach hat das Hasjagen aber seine besondere Bedeutung. Es beginnt erst am Ostermontag. Da wird auf einem Hof die gesamte Verwandtschaft im Umkreis von ziwei bis drei Stunden, alt und jung, zum „Hasjagen“ eingeladen. Gejagt wird auf dampfende Schüsseln und einen guten Trunk. Man tischt auf wie an einer Hochzeit oder bei einer Kindstaufe. Nudelsuppe, Ochsenfleisch mit Beilagen und auch ein saftiger Schinken dürfen nicht fehlen. Der berühmte Bermersbacher Weißherbst sorgt dafür, daß niemand Durst zu leiden braucht. Ist die Tafel aufgehoben, so werden die Kinder mit Brezeln und mit gefärbten Eiern beschenkt. Meist wird es frühe Nacht, bis die Gäste sich auf den Heimweg machen. Damit ist aber nur sozusagen der erste Akt des Hasjagens vor sich gegangen. Am nächsten Sonntag trifft sich die Verwandtschaft auf einem andern Hof. Und wieder werden alle Register freundlicher und reichhaltiger Bewirtung gezogen. Ist es ein weiter Kreis der einander verwandtschaftlich Verbundenen, so kann es Vorkommen, daß das Hasjagen sich bis Pfingsten hinzieht... Wenigstens war das so und ist wohl auch noch, wennschon nicht im gleichen Ausmaß wie früher, ein beliebter Brauch, einer der nahrhaftesten und genußreichsten aller Volksbrauche unter ale- ■tannischen Sternen. L. R. . Das 3ütdier $cauenmün|tec eine karolingifdie Anlage? Die Urkunden bezeugen, daß Ludwig d. D. 853 in Zürich für seine Töchter Hildegard und Bertha ein Monasterium gestiftet und sein Sohn Karl III. 874 für dieses Kloster eine große Kirche errichtet hat. Seit dem 16. Jahrhundert suchte die Zürcher Lokalgeschichte dieses karolingische Kloster auf dem linken Limmatufer am Standort des heutigen Fraumünsters. Und so hat auch die bau- geschichtliche Forschung, nachdem hier 1901 und 1911/12 bei Grabungen altes Mauerwerk aufgedeckt wurde, diese Reste ohne Zögern mit der karolingischen Kirchenanlage identifiziert. Die von Prof. Zemp vorgelegte Rekonstruktion galt daher bis heute als das Musterbeispiel einer in den Fundamenten noch heute nachweisbaren großen Kreuzbasilika der Karolingerzeit. Nun hat aber Dr. Ing. K. Hecht, Dozent für Baugeschichte an der T.H. Stuttgart, in seiner Antrittsvorlesung den überraschenden Nachweis erbracht, daß diese angebliche Kirche Ludwigs d. D. bzw. Karls III. in Wirklichkeit von der mit den Staufern verwandten Abtissin Mechthild von Tirol um die Mitte des 12. Jahrhundert errichtet wurde, daß also das karolingische Frauenkloster ursprünglich auf dem rechtsufrigen Großmünsterhügel gestanden und erst damals an den heutigen Standort verlegt worden ist. Hecht erläuterte seine an Ort und Stelle durchgeführten Untersuchungen, wobei er die speziellen Probleme — dafür war ihm das zahlreiche Publikum besonders dankbar — aus dem Gesichtswinkel der allgemeinen Bauentwicklung einer überzeugenden Lösung zuführte. Hechts Ergebnisse, stützen und ergänzen die neuerdings von dem Historiker Dr. Egloff-Zürich auf dem Weg einer kritischen Untersuchung der ältesten Zürcher Geschichtsquellen gewonnenen Erkenntnisse, die vor allem in den wissenschaftlichen Kreisen Zürichs großes Aufsehen gemacht haben. Dr. R. Plcmannengcöbcc in Itorfingen entbedtt Im Fabrikgelände der Harmonikafabrik Matth. Hohner AG., Trossingen, wurden bei Grabarbeiten am 16. März zwei Alemannengräber aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. Wie Konservator Dr. Strobel feststellte, handelt es sich dabei um die Ruhestätte eines Mannes und eines ungefähr 12jährigen Mädchens. Knochenreste waren nicht in den Gräbern, dagegen ein noch gut erhaltener Holzsarg und ein Totenbrett. Ferner fand man eine Pinzette, ein Feuerzeug und eine Gürtelschnalle, die dem Manne beigegeben waren, sowie eine Halskette aus Glasperlen, als Schmuckstück des Mädchens. Oberländer Chronik Redaktion: Dr. Walter Manggold neuen »ister- sturn« ppen- en in in S 3 5 2 (o *7 e 2 *=■• 2 O ■ ? g «r? B w § CL |