SÜDKURIER UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag. Verlag und Redaktion Konstanz, Marktstätte 4 Tel.: 924, 925, 1130, 1510, 1511. Femsdtreiber: 00628. Drei Tote bei Autounglück DONAUESCHINGEN. Bei einem Auto- ■unfall in Zindelstein im Kreis Donau- eschingen im Schwarzwald gab es am Montagnachmittag drei Tote und einen Schwerverletzten. Ein französischer Militärkraftwagen stieß in einer gefährlichen Kurve mit einem deutschen Personenkraftwagen zusammen. Der Fahrer des deutschen Wagens, Gefängnispfarrer Joseph Gänsler aus Freiburg, wurde sofort getötet, seine Mutter und zwei andere Verwandte wurden schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Die beiden Verwandten, ein Obersekretär aus Hüflngen und seine Frau, erlagen wenig später ihren Verletzungen. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Lehrermangel in Baden FREIBURG. (WS.-Eigenbericht). Ministerialdirektor Fleig im badischen Innenministerium teilte mit, daß Baden in absehbarer Zeit einen beträchtlichen Lehrermangel haben werde und sich darum bereits seit Monaten mit dem Projekt der Einrichtung einer dritten Lehrerakademie beschäftigen müsse. Der Lehrermangel, der im Augenblick durch die bis jetzt mögliche Auffüllung mit Flüchtlingslehrem noch nicht spürbar sei, stelle eine große Gefahr für das Volksschulwesen dar. Selbst die beiden Flüchtlingsabgabeländer Schleswig- Holstein und Niedersachsen hätten sich bereits nach Lehrern umsehen müssen. Aus diesem Grunde werde die Wiedereinführung der konfessionellen Lehrerbildung auch keine finanzielle Mehrbelastung mit sich bringen, weil auf jeden Fall zusätzliche Lehreranwärter ausgebildet werden müßten. 7. JAHRGANG MITTWOCH 18. JULI 1951 NUMMER 110 Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark zu- zügl. 30 Pfg. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark, zuzügl. 36 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 20 Pfg. Korea der Waffenruhe näher Freundlichere Atmosphäre bei den Vorverhandlungen in Kaesong — van Fleet Unterhändler der UN? Schweizer Rheinschiffahrt gesperrt BASEL. Der Wasserstand des Rheins überstieg in Basel die Gefahrenmarke von 4,30 Meter um sechs Zentimeter. Der Rheinschiffahrtsverkehr in der Schweiz ist daher gesperrt worden. Infolge der anhaltenden Regenfälle führt auch die Aare Hochwasser. Einige Straßen in Bern wurden überschwemmt. Hochwasserschäden bei Landshut (LANiDSHUT. Schwere Regenfälle brachten mehreren Orten in der Umgebung Landshuts schwere Hochwasserschäden, vor allem in der Gegend von Mainburg, Moosburg und Vilsbiburg. Die Ortschaft Mauern bei Moosburg ist seit Sonntagnacht vom Verkehr völlig abgeschnitten. Mehrere Einwohner mußten auf die Dächer flüchten, um sich vor dem Was er zu retten. In.der Ortschaft Wang fand eine Frau in dem Hochwasser den Tod. In Mainburg stand ln den Vormittagsstunden das Wasser in mehreren Teilen der Stadt bis zu 90 Zentimeter hoch. Schmuggler streuten Nägel AACHEN. Im Prozeß gegen die 25 Marn starke Schmugglerbande aus Köln v#d Aachen, die, wie gemeldet, mit einem gepanzerten [Lieferwagen über 60 Zentner Kaffee aus Belgien nach Deutschland gebracht hat, fällte die Aachener Strafkammer die Urteile. Der Bande, die sich aus Träger, „Beobachtern“, „Vorläufern“ und Hehlern zusammensetzte, konnten zwei Schmuggelfahrten nachgewiesen werden. Der Panzerwagen, in den zur Abwehr verfolgender Fahrzeuge ein Nagelstreu-Behälter eingebaut war, hatte mehrfach trotz heftiger Feuergefechte den Polizei- und Zollstreifen entkommen können. Der Hauptangeklagte und Organisator der Bande erhielt wegen gewerbsmäßigen und Bandenschmuggels neun Monate Gefängnis. Elf Angeklagte kamen mit der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis davon. KAESONG. Die zu den Waffenstill- standsverhandlimgen nach Kaesong entsandten UN-Korrespondenten hatten am Dienstag den Eindruck, daß die kalte Förmlichkeit, die bei den Verhandlungen der vergangenen Tage vorherrschte, einer freundlicheren und weniger gezwungenen Atmosphäre Platz gemacht hat — zumindest außerhalb des Konferenzraumes. Während der Mittagspause unterhielten sich Mitglieder der beiden Delegationen ungezwungen im Garten des Konferenzgebäudes, wo ein Picknick aufgebaut war. Die Korrespondenten nutzten die Stunden des Wartens, um sich gegenseitig zu interviewen. Ein Berichterstatter der kommunistischen Pekinger Nachrichtenagentur „Neues China“ teilte seinen UN-Kollegen mit, daß einige Reporter der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS auf dem Wege nach Kaesong seien. In einem Kommunique heißt es, die Verhandlungen hätten ,gewisse Fortschritte“ gemacht. Während des Vormittags wurden die Punkte erörtert, die das UN-Oberkom- mando für die Tagesordnung vorgeschlagen hatte. Darüber hinaus nahmen die Klarstellung der Begriffsbestimmungen und die Uebersetzung geraume Zeit in Anspruch. Nach Darstellung eines hohen Beamten im UN-Hauptqartier ist die gegenwärtige Delegation bisher nur ermächtigt, über Fragen der Tagesordnung zu verhandeln. Es sei damit zu rechnen, daß eine neue Delegation gebildet wird, sobald die eigentlichen Waffenstillstands - Verhandlungen beginnen. An der Spitze dieser Delegation werde möglicherweise der Kommandeur der 8. amerikanischen Armee, Generalleutnant van Fleet, stehen. Bombenangriffe aut Nachschub TOKIO. Die UN-Luftstreitkräfte entfalten eine lebhafte Tätigkeit über Nordkorea. Ir. der Nacht zum Dienstag wurde der größte Nachtangriff des ganzen Feldzuges geflogen, hieß es in einem Kommunique der amerikanischen 5. Luftflotte. Vier kommunistische Flugplätze und zahlreiche Nachechubzentren im Mittelteil Nordkoreas wurden von Jägern, leichten Bombern und Superfestungen angegriffen. Harriman verhandelt TEHERAN. Sonderbotschafter Harriman, der zur Vermittlung im Oelkonflikt nach Teheran entsandte persönliche Beauftragte Präsident Trumans, suchte am Dienstag den persischen Außenminister Kazemi zu einer einstündigen Besprechung auf. Ueber den Inhalt der Unterredung wird von persischer und amerikanischer Seite Schweigen bewahrt. Es soll sich um eine „informative Diskussion“ gehandelt haben, bei der in der Hauptsache die persische Ab- Staatlidie Bespitzelung der Kirchen Neues Material über Agententätigkeit in der Ostzone BERLIN. (G.-Eigenbericht). Einen Aufsehen erregenden Einblick in die politische Spitzeltätigkeit, die innerhalb der Ostzone vor allem auch gegen die Kirchen betrieben wird, gibt Material, das der Berliner Vertretung des Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen in diesen Tagen zugegangen ist. Es handelt sich um amtliches Material der Länderregieruhft?n in der sowjetisch besetzten Zone. Auf Grund von Fragebogen und Vernehmungen, die während der letzten Wochen durchgeführt worden sind, wird darin etwa für das Land Sachsen angegeben, daß von dort tätigen 1458 Pfarrern im kommunistischen Sinne nur 13 als zuverlässig betrachtet werden. 40 Pfarrer werden als „fortschrittlich“, 347 als „schwankend“ 544 als „bewußte Gegner“ bezeichnet Ueber weitere 514 Karrer beider Konfessionen ist man laut Angabe des Materials noch nicht ausreichend unterrichtet. In dem amtlichen Stellen der Bundesrepublik auf Umwegen in die Hände gefallenen Material befinden sich auch Fragebogen, die über jeden einzelnen Geistlichen genaue Angaben verlangen, wie er sich bei der sogenannten Volksabstimmung über die Friedensfrage verhalten habe, in welcher Weise er die Jugend zu beeinflussen suche usw. Es handelt sich, wie sich aus den Briefköpfen und den Köpfen der Fragebogen ergibt, ausdrücklich um amtlich eingeleitete Aktionen, nicht etwa um ein parteipolitisches Unternehmen der SED, so daß sich aus dem Gesamtmaterial ergibt, daß die Landesregierungen der sowjetisch besetzten Zone völlig in den Dienst der SED gestellt sind, obgleich es sich der Form nach um Koalitionsregierungen handelt, in denen auch die anderen von der sowjetischen Besatzungsmacht zugelassenen Parteien vertreten sind. Es ist bemerkenswert, daß dieses Material in zunehmendem Maße freiwillig und selbständig von Personen aus der sowjetisch besetzten Zone den Dienststellen der Bundesrepublik überbracht wird als eines der wenigen Mittel des Protestes, die die Kurz notiert Bnndespräsident HeuB, der zur Zeit ln Bayern seinen Urlaub verbringt, war mit seiner Gattin bei Kronprinz Rupprecht von Bayern auf Schloß Leutstetten zu Gast. In der Bienwaldmühle bei Kandel (Westpfalz) fand das erste internationale Jugend- Rot-Kreuz-Treffen statt. Rund 4M Jugendliche aus fünf verschiedenen Staaten waren anwesend. Die Internationale Flüchtlingsorganisation hat seit 1947 im amerikanischen Besatzungsgebiet rnnd 159 Millionen Dollar für heimatlose Ausländer und Flüchtlinge ansgegeben. Auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn begannen Manöver der norwegischen nnd dänischen Streitkräfte in der Bundesrepublik. Der „Feind“ wird von britischen Streitkräften gestellt. Der Stabschef der USA-Seestreitkräfte, Admiral Sherman, hatte in Madrid eine Unterredung mit dem spanischen Staatschef General Franeo. Der Internnntins in China, Monsignore Biberi, steht in Nanking unter Hausarrest. 49 Nationen, darunter auch die Deutsche Bundesrepublik, haben sich bereit erklärt, die Lieferung kriegswichtiger Waren und Rohstoffe an die chinesische Volksrepublik and Nordkorea za sperren. Der bekannte rumänische Bauernführer nnd frühere Ministerpräsident Julia Maniu soll im Gefängnis von Galats gestorben sein. 5M Gondelbesitzer traten in Venedig in einen Proteststreik gegen die ständig wachsende Motorisierung des Verkehrs auf den Kanälen der Stadt. Das Hochwasser in den überfluteten Mittelund Ostteilen des Staates Kansas in USA geht zurück. Dagegen wächst die Ueber- schwemmungsgefahr im Staate Missouri. Mehrere Dämme des Missouri-Stromes sind gebrochen. Im Staate Indiana (USA) stießen zwei Züge zusammen. Die Lokomotive des einen Znges explodierte. Drei Menschen wurden getötet. Im D-Zug London—Leeds brach auf offener Strecke ein Brand ans. Von den zahlreichen Insassen des Zuges, die sich in panikartiger Flucht einen Weg ins Freie bahnen wollten, wurden zwanzig zum Teil schwer verletzt. Moskau wird von einer Hitzewelle heim- gesucht. Die Temperatur stieg auf 34 Celsius im Schatten. Ein Pelikan im Zoologischen Garten von Dndley (England) unternahm seinen ersten nnd letzten Fing über das Zoogelände. Der Vogel ging im Löwen-Gehege nieder and wurde dort sofort verspeist. Bevölkerung der Sowjetzone hat. Der Berliner Vertretung des Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen liegt jetzt auch genaues Material über Lebensläufe und Paßbilder der im Lande Sachsen eingesetzten kommunistischen Spitzel und Agenten vor. Löwenstein freigelassen SAARBRÜCKEN. Hubertus Prinz zu Löwenstein, der Leiter der „Deutschen Aktion“, der am Sonntag in St. Wendel verhaftet worden war, ist auf freien Fuß gesetzt worden. Zur Haftentlassung mußte eine Sicherheit von 50 000 Francs gestellt werden, weil gegen den Prinzen ein Verfahren wegen Uebertreten® der saarländischen Verordnung über das Versammlungswesen anhängig gemacht wurde. Einem Strafantrag, den Ministerpräsident Johannes Hoffmann gegen Löwenstein gestellt hatte, gab das Gericht nicht statt. Prinz zu Löwenstein erklärte, die Polizei habe ihn in der Haft korrekt behandelt Gewerkschaften für Sdmmanplan FRANKFURT. Da9 Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes Hans vom Hoff versicherte auf dem Europatag der Frankfurter Studenten, die Gewerkschaften bejahten den Sdhumanplan und seien bereit, positiv an seiner Gestaltung mitzuarbeiten. Nicht die Unzulänglichkeiten des Planes, seien entscheidend, sondern der Geist, ein neues Europa zu schaffen. Ein solches Europa sei nur dann möglich, wenn die einzelnen Länder bereit seien, gewisse Souveränitätsrechte aulzugeben. Orden in Sicht . . . BONN. (W.-Eigenbericht). In Regierungskreisen wird über die Stiftung neuer Orden und Verdienstmedaillen gesprochen. Die Besprechungen hierüber befinden sich aber noch im ersten Stadium. Gegen die Wiedereinführung von gewöhnlichen Medaillen und Orden ist nach Ansicht der Regierung nichts einzuwenden, da sie in allen Staaten der Erde üblich seien. Die Stiftung selbst ist Aufgabe des Bundespräsidenten, der bisher aber noch keine bestimmten Pläne hat, sondern offenbar Vorschläge der Regierung an sich herankommen läßt. k'hnung der Entscheidung des Internationalen Gerichtshof Im Haag erörtert wurde. Am Montagabend hatte Harriman eine Unterredung mit dem britischen Botschafter in Teheran, Sir Francis Sheper. Ueber ihren Inhalt wurde bisher lediglich bekannt, daß Shepherd seinen amerikanischen Kollegen ausführlich über den britischen Standpunkt unterrichtete. Im persischen Parlament kam es am Dienstag zu einem Tumult, als mehrere Abgeordnete Innenminister Zahedi vorwarfen, die Unruhen vom vergangenen Sonntag inszeniert zu haben, um die Regierung Mossadeqs zu stürzen. Andere Parlamentsmitglieder unterbrachen die Debatte mit dem Zwischenruf, Mossadeq sei „das Opfer einer kommunistischen Verschwörung“. Eine Reihe von Abgeordneten verließ demonstrativ den Sitzungssaal. Politischer Mord im Libanon DAMASKUS. Der frühere libanesische Ministerpräsident Riad el Solh wurde, wie schon gemeldet, in Amman von Mitgliedern der Syrischen Nationalpartei erschossen, als er sich nach einer Ahschiieds- audienz bei Körnig Abdullah von Jordanien zum Flugplatz begab, um nach Beirut zu- rückzufliegen. Zwei der Attentäter kamen bei der Schießerei ums Leben. Raid el Solh war fast ununterbrochen von 1943 bis zum Oktober 1950 Ministerpräsident des Libanon. Im Jahre 1949 ließ Riad el Solh den Gründer der Syrischen Nationalpartei, Anton Saadeh, festnehmen und wegen Hochverrats hinrichten. Die Syrische Nationalpartei im Libanon, die im Juni 1949 von der libanesischen Regierung aufgelöst wurde, setzte sich für den von König Abdullah geförderten Plan für die Bildung eines Großsyrischen Staates ein, der Jordanien, Syrien, Irak, Libanon und Teile Palästinas umfassen soll. BaudouJn, König der Belgier Kronprinz Baudouin von Belgien leistete am Dienstag im Plenarsaal der belgischen Kammer den Eid auf die belgische Verfassung. Er wurde damit der fünfte König der Belgier. Die Eidesleistung verlas Boudouin zuerst in flämischer, dann in französischer Sprache. In seiner Thronrede bekräftigte Baudouin seinen Willen, die Verfassung zu respektieren. Als Ziel seiner Regierungspolitik nannte er den sozialen Fortschritt und die Festigung der wirtschaftlichen Macht Belgiens. Begleitet von Beifall und Rufen „Es lebe der König“ verließ Baudouin das Parlament und begab sich zum Grabmal des Unbekannten Soldaten. Anschließend fuhr er bei strahlendem Sonnenschein in einem offenen Wagen, begleitet von einer Einheit der königlichen Garde zu Pferde, durch die Straßen der Stadt, stürmisch begrüßt von der Bevölkerung. Neue Phase der Sowjetpolitik Von unserem Rußland-Mitarbeiter Es isit eine durch viele geschichtliche Erfahrungen erhärtete Tatsache, daß autoritäre Regime in Zeiten krisenhafter Spannungen den demokratisch-parlamentarisch regierten Staaten zunächst überlegen erscheinen. Sie sind in ihren Entschlüssen nicht durch die allerlei Rücksichten auf die öffentliche Meinung oder auf parlamentarische Instanzen gehemmt und können darum auch schneller politische Wendungen vollziehen. Aber diese Ueberlegenhedt ist doch nur scheinbar, weil sie nur dort wirksam wird, wo das Ueberra schungsmoment eine Rolle spielt, wie dies beispielsweise im vorigen Jahre in Korea der Fall war. Ist dieses Ueberraschungsmomenit nicht mehr einsetzbar, ist erst eine Situation entstanden, die keine Improvisationen braucht, sondern vorausschauende Planung erfordert, dann sind es die demokratischen Regime, die den autoritären überlegen sind. Dieser Zeitpunkt, d. h. diese Situation, scheint jetzt in der Spannung zwischen Moskau und dem Westen gegeben. Die Blockade Berlins konnte die westliche Weit noch in Bestürzung versetzen, weil diese Maßnahme unerwartet kam und den Westen unvorbereitet traf. Mit Korea war es ebenso. Aber nun ist der Westen nicht mehr unvorbereitet. Jedenfalls ist er psychologisch „jeden Ueberfails gewärtig“, in weitgehendem Maße auch schon materiell, nämlich militärisch und versorgunigsmäßig. Es ist außer Zweifel, daß die Sowjetunion, als sie durch den Mund Maliks im UN-Sender von der Möglichkeit einer friedlichen Regelung in Korea sprach, unter Zwang handelte. Nämlich aus der Notwendigkeit heraus, der wachsenden Mißstimmung in Rotchina wegen der unzureichenden Unterstützung durch Moskau Moskaus Scheu vor Sonderfrieden Herabsetzung der westlichen Friedenspolitik in der Sowjetzone BERLIN. (G-Eigenbericht). Der sowjetdeutsche „Zonenbevollmächtigte“ Orlopp, hat die Aufnahme direkter Verhandlungen zwischen der Ostzone und der Bundesrepublik vorgeschlagen, da die Ostzone dringend sogenannte „harte Waren“ (Eisen, Stahl, Gießereierzeugnisse, Eichenschnittholz) benötigt. Der ostzonale Planungskommissar hat bereits, wie aus vertraulichen Kreisen bekannt wird, den Sowjets in Karlshorst erklärt, daß der gesamte ostdeutsche Fünfjahresplan, von den Lieferungen Westdeutschlands abhängig sei. Trotzdem verweigern die Russen weiter die vom Westen verlangte' Zusicherung eines ungehinderten Warenverkehrs nach Berlin. Gleichzeitig verlangte der ostzonale Außenminister Dertinger, „daß die Alliierten eich über Deutschland nach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens“ verständigen. Er erklärte, daß die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland durch zahlreiche Nationen der freien Welt „keinerlei Rechtskraft und keinerlei internationale Autorität“ besitze. Der Grund für diese Erklärung liegt darin, daß die Ostzonenregierunf durch die Beendigung des Kriegszustandes zwischen Deutschland und den Westmächten in eine schwierige und schiefe Lage gekommen ist. Denn die Sowjetunion hat bisher - trotz aller Propaganda — keinen Schritt zum Friedensabschluß getan. Moskau scheut vor einem Sonderfrieden mit der Ostzone zurück, weil es dann die Möglichkeit verlieren würde, sich auf Grund des Potsdamer Abkommens in künftige Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und den Westmächten einzuschalten. Der sowjetzonale Außenminister Dertinger soll auf Karlshorster Befehl mit seiner Erklärung diese Situation verschleiern. bei der Kriegführung in Korea zu begegnen. Dies aber konnte nur durch eine Unterbrechung des heißen Krieges geschehen. Soweit war die Entwicklung in den letzten Wochen seit geraumer Zeit vorauszusehen, denn in den maßgebenden politischen Kreisen Washingtons wußte man längst um jene Mißstimmung und tim die Zwangslage, in die Moskau seinem Verbündeten gegenüber geraten war. Von einem Überraschungsmoment konnte also nicht mehr die Rede sein. Damit aber beginnt nun — wenn nicht alles trügt — überhaupt ein neuer Abschnitt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen Ost und West. Der Kreml wird jetzt vor ernste Entscheidungen gestellt. Ihm steht nicht mehr ein überraschter, erschreckter Partner gegenüber, der ängstlich darauf wartet, was nun geschehen werde, sondern er hat es jetzt mit einem Gegner zu tun, der nach so vielen bitteren Erfahrungen und Enttäuschungen durch nichts mehr aus der Fassung gebracht werden kann, und der sich außerdem auf eine Verteidigungskraft stützen kann, die auch die ernsteste Auseinandersetzung nicht mehr zu scheuen braucht. Es scheint, als habe Moskau eingesehen, daß es nun doch einmal diesen Tatsachen Rechnung tragen muß. Die Bereitwilligkeit des Kreml, in Berlin in Viererbesprechungen Fragen des deutschen Ost-West-Handels zu erörtern, ist — ganz gleich, was bei diesen Besprechungen herauskommt — ein bemerkenswertes Symptom für eine geänderte Tonart der Sowjetdiplomatie. In Washington fiel es außerdem auf, daß anläßlich des diesjährigen amerikanischen Unabhängigkeitstages überall in den Hauptstädten (und sogar auch in Tokio), die sowjetischen Vertreter den von den amerikanischen Diplomaten veranstalteten Empfängen und Paraden beiwohnten, und zwar, wie man hört, auf ausdrückliche Anweisung von Moskau hin, während im vorigen Jahre am 4. Juli die Sowjetdiplomaten den jeweiligen Empfangen fem- geblieben waren, und zwar ebenfalls auf besondere Anweisung von Moskau hin. Weitere Anzeichen für eine sich vorbereitende Wendung in der sowjetischen Taktik dem Westen gegenüber, glaubt man in Washington in der Absicht des Kreml zu sehen, einige wichtige außenpolitische Schlüsselpositionen neu zu besetzen. So 6oll, wie man hört, Gromyko da® Außenministerium in Moskau übernehmen, da Wyschinskij im Hinblick auf seinen schlechten Gesundheitszustand nicht mehr im stände sei, eine neue Phase (!) der sowjetP sehen Diplomatie zu beginnen oder durch- zuführen. Gleichzeitig spricht man von einer Abberufung Maliks von dem Postern des UNO-Vertreters der Sowjetunion Man gewinnt aus all dem den Eindruck, daß wir in der Tat am Anfang einer neuen Phase der Sowjetdiplomatie stehen, einer 7 * Mittwoch, 18. Juli 1951 SÜDKURIER Nr. 110 / Seite 3 Phase, die wahrscheinlich durch eine scheinbare Konzilianz gekennzeichnet sein dürfte. Die Motive für eine solche Wendung der Moskauer Diplomatie liegen auf der Hand. Der Kreml hat in den letzten Monaten gesehen, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, das japanische und das deutsche Problem, dort die Frage des Friedensschlusses und hier die der Wiederaufrüstung, ohne Rücksicht auf die Moskauer Proteste zu lösen. In dieser Situation bleibt nur noch eine letzte Hoffnung, nämlich durch eine scheinbare Konzilianz den Westen einzuschläfern und auf die Neu- tralitäts- und Bequemlichkeits-Politiker ipi westlichen Lager zu spekulieren. Es wird Sache der politischen Führung des Westens sein, diese Pläne des Kreml zu durchkreuzen. Auf jeden Fall aber zeigt diese jüngste Entwicklung, daß Moskau nicht mehr das Gesetz des Handelns bestimmt, sondern daß es jetzt der Westen ist, der seinerseits den Kreml nötigt, seine Politik der neuen Situation anzupassen. Keine Zurücknahme der Verfassungsklage Von Staatspräsident Leo Wohieb Am 16. September 1951 soll auf dem Wege der Abstimmung über die Frage der Beibehaltung der alten Länder Baden und Württemberg oder der Bildung eines Südweststaates entschieden werden. In der Entscheidung hierüber ist der Einzelne auf sich selbst gestellt und nur seinem Gewissen und seiner Ueberzeugung verantwortlich. Der „Südkunier” wird als unabhängige Zeitung in diesen Wodien vor der Abstimmung beide Richtungen zu Wort kommen lassen; nach demokratischem Prinzip soll dem Leser die Möglichkeit gegeben werden, sich selbst sein Urteil zu bilden. Heute veröffentlichen wir einen Beitrag des Badischen Staatspräsidenten zur Frage der Verfassungsmäßigkeit des vom Bundestag beschlossenen Neuglde- derungsgesetzes. Kürzlich wurde im Stuttgarter Landtag über die Unmöglichkeit der Lage diskutiert, die entstehen könnte, wenn am 16. 9. 1951 nach der jetzt geltenden Fassung des Neugliederungsgesetzes abgestimmt, das Bundesverfassungsgericht aber hinterher auf die badische Klage die Abstimmung nach vier Stimmbezirken und dem Majorisierungsprinzip und damit die Volksabstimmung als verfassungswidrig und nichtig bezeichnen würde. Man hat in der Debatte angeregt, den badischen Staatspräsidenten zu ersuchen, die Klage beim Bundesverfassungsgericht zurückzunehmen, um den 16. September 1951 als Abstimmungstag beibehalten zu kennen. Andernfalls sei eine Verlegung des Abstimmungstermine auf den 6. März 1952 beim Bundesgesetzgeber zu betreiben. Hierzu ist zu sagen, und ich habe es auch auf der Versammlung der Badener in München erklärt, daß die badische Landesregierung irgendwelchen Vorstellungen auf Rücknahme Ihrer Klage nicht zugänglich ist. Die politisch und staatsrechtlich unhaltbare Lage, in die man nach der im Stuttgarter Landtag geäußerten Meinung hineingeraten könnte, ist allein der Un- einsichtigkeit der südweststaatlich gesinnten Mehrheit des Bundestages zuzuschreiben, die aus Nützlichkeitserwägungen der Südweststaatbildung unter Verletzung grundlegender Rechtsprinzipien Vorschub leistete. Nach Meinung namhafter deutscher Staatsrechtslehrer, soweit deren Gutachten bekannt geworden sind, ist die Abstimmungsregelung des § 10 des Gesetzes verfassungswidrig, einmal durch die Anordnung der Auszählung im gesamten vorweggenommenen Südweststaatgebiet, dann auch in der Zulassung der Majorisierung eines Stimmbezirks durch die drei anderen. Die von den Sachverständigen vorgebrachten Gründe für die Auffassung ergeben klar genug, daß bei der gegebenen WETTERVORHERSAGE des Amtlichen Iandeswetterdienstes Die Ausdehnung des großen nordatlantisdien Hochs nach Osten hat weitere Fortschritte gemacht. Der nach Westdeutschland gerichtete Hochausläufer wird immer stärker und drängt die in den letzten Tagen bei uns so stark wetterwirksame Störungszone zwischen Warmluft im Osten und der Kaltluft über Westeuropa weiter nach Osten und Südoeten ab und gewinnt seihst zunehmend an Einfluß auf unser Wetter. Aussichten bis Mittwochabend; 'Weitere Bewölkungszunahme, am Mittwoch trocken und im ganzen heiter. Wieder wärmer. Höchsttemperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Meist schwache Luftbewegung. 100 DM ln Zürich: 17. 7.; 93/95 sfr. alternativen Fragestellung nur und ausschließlich eine Abstimmung und Stimm- aiuszählung nach alten ländern möglich und grundgesetzmäßig ist. Die gegenwärtige Regelung des § 10 verletzt dagegen Art. 3 und 20 des Grundgesetzes. Diese Verletzung ist auch nicht durch Grund- gesetzämderung heilbar. Das Bundesverfassungsgericht ist nach den bisherigen Anträgen ersucht, durch einstweilige Anordnung nach § 32 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes den Vollzug des zweiten Neugliederulngsgesetzes bis zur Endentscheidung auszusetzen. Es kann nach den gutachtlichen Ergebnissen nicht zweifelhaft sein, daß das Bundesverfassungsgericht zu dieser vorläufigen Aussetzung kommen muß. Würde es aus Zeitmangel, Entscheidungsscheue oder aus sachlichen Gründen zu dieser vorläufigen Aussetzung des Gesetzesvollzugs nicht greifen können oder wollen, so ergäbe sich folgende Lage: Würde die Abstimmung am 16. 9. 1951 stattfinden, dann würden mit der Endentscheidung die bereits formell festgestellten und im Bundesanzeiger veröffentlichten Abstimmungsergebnisse ihre Rechts- Wirksamkeit verlieren. Die auf dieser Grundlage weiter unternommenen Schritte müßten wieder aufgehoben werden. Die Folge wäre ein ausgesorochenes Durcheinander, in dem es der Bevölkerung beinahe unmöglich wäre, sich zurecht zu finden. Damit Würde das Vertrauen und der Re- sroekt gegenüber dem Grundgesetz und im Gefolge davon gegenüber der ganzen neuen demokratischen Staats- und Rechtsordnung eine kaum wieder gut zu machende Erschütterung erfahren. Sonach wäre ohne Zweifel ein Zustand eingetreten, dem gegenüber gemäß § 32 Abs. I des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes eine vorläufige Regelung durch einstweilige Anordnung zum gemeinen Wohl dringend geboten ist, um schwere Nachteile abzuwehren. Es ist undenkbar, daß sich das Bundesverfassungsgericht einer solchen Anordnung entziehen kann. Die in | 32 seines Gesetzes enthaltene Kannvorsduift ist nicht nur im Sinn einer Befugnis gemeint, sondern hier muß nach Lage der Sache von einer gesetzlichen Amtspflicht gesprochen werden. Somit liegt die Initiative zur Wahrung des Vertrauens gegenüber dem Grundgesetz und der demokratischen Rechtsordnung einzig beim Bundesgesetzgeber, der Bundesregierung und den für das zweite Neugliederungsgesetz verantwortliken Abgeordneten des Bundestages. Die badische Regierung kann immer nur auf die Folgen einer Verfassungswidrigkeit hinwei- sen. Handeln müssen die dazu Berufenen! Für europäische Kohleverteilung DÜSSELDORF. (W. - Eigenbericht.) Die deutsche Delegation bei der Ruhrbehörde hat einen Vorstoß unternommen, um eine Neuregelung des europäischen Kohlenmarktes zu erreichen. Es wird angestrebt, an Stelle der einseitigen Beanspruchung der deutschen Kohle eine planvolle Belieferung der einzelnen europäischen Länder mit deutscher, amerikanischer und anderer Kohle zu gleichmäßigen Preisen treten zu lassen. Die Bundesregierung läßt diesen Vorschlag ebenfalls der ÖEEC in Paris unterbreiten. Inseln zwischen zwei Kontinenten Malta ist unzufrieden LA VALETTA (Malta). „Wollen Sie nicht unsere Insei kaufen?“ wurde kürzlich ein amerikanischer Politiker gefragt, als er zu Besuch auf Malta weilte. Der Gast aus Washington war etwas verlegen. Denn Malta ist britische Kronkolonie. Allerdings besteht kein Zweifel, daß die ruhmreiche Mittelmeerfestung an Bedeutung verliert. Auf den Werften und Anlagen der britischen Admiralität in Malta wurde vielen einhedmdschien Arbeitern gekündigt Den Maltesern geht es seitdem nicht sonderlich gut. 316 Quadratkilometer steiniges Land können schwerlich 300 000 Menschen ernähren. Auf Malta gibt es keine Bäume, keine Orangenhaine und Bananenfelder. Außer den berühmten Maltakartoffeln und etwas Frühgemüse haben die Landleute dem europäischen Markt nichts zu bieten. Auch die Zucht der seidig schimmernden Malteserhündchen kann einen Inselstaat nicht ernähren. Die Leute auf Malta brauchen die Navy und den Fremdenverkehr. Sie leben zwischen zwei Kontinenten, zwischen Italien im Norden und der afrikanischen Küste im Süden. Ihre Volkssprache ist eine Mischung aus Arabisch und Ita- Cypern Sprungbrett nach Asien Herrisch. Gott heißt ARab — die Religion ist katholisch. Im Laufe von drei Jahrtausenden haben 14 fremde Mächte auf Malta geherrscht. Zwischen den Felsgrotten liegt Hanniibal begraben, hier ging Napoleon an Land, und dier Union Jade weht auf den Trümmern arabischer Festungen. Seit 1947 haben die Malteser eigene Regierungsgewalt, aber in Fragen der Außenpolitik und Verteidigung entscheidet weiterhin die britische Krone. In London wird auch über die Finanzen bestimmt. Der maltesische Premierminister meinte offen: „Wenn sich die Wirtschaftslage nicht ändert, müssen wir uns einen anderen Brotherrn suchen...!“ Der Rücktritt de Gasperis Meinungsverschiedenheiten fiber Wirtschaftspolitik — Stürmische Kabinettssitzung ROM. Der italienische Ministerpräsident Alcide de Gasperi ist (wie wir noch in einem Teil unser gestrigen Ausgabe mit- teilen konnten), am Montagabend zurückgetreten. Er faßte diesen Entschluß, nachdem vorher das gesamte Kabinett zurückgetreten war. Uber die Ursache der italienischen Regierungskrise ist bisher nur wenig zu erfahren gewesen. Anscheinend wurde sie durch den Rücktritt des Wirtschaftsministers Giuseppe Pella hervorgerufen, dessen Wirtschaftspolitik in seiner eigenen (christlich-demokratischen) Partei auf starken Widerstand gestoßen ist. Noch kurz vor der entscheidenden Kabinettsitzung, die sehr stürmisch verlaufen sein soll, hatte de Gasperi versucht, Pella von einem Rüdetritt abzuhalten, der aber nicht nachgab. Darauf traten auch die übrigen Minister zurück. In dem Kommunique, das diesen Entschluß mitteilt, ist nichts über die Gründe gesagt, doch wird darin dem Premierminister de Gasperi das Vertrauen der parlamentarischen Mehrheit ausgesprochen. Die Minister überließen es dem Premier, zwischen einer Umbildung des Kabinetts und einer Regierungskrise zu wählen, worauf de Gasperi dem Präsidenten der Republik den Rücktritt der GesamtregieHausbesit} und Wohnungsmiete Gesetzentwurf in Vorbereitung BONN (W.-Eigenbericht). Im Bundestag wird demnächst über einen von den Koalitions-Parteien unterschriebenen Antrag beraten werden, der auf eine Erhöhung der Mieten für den „Althausbesitz“ abzielt. Während alle anderen Preise stark angestiegen sind, haben sich die Mieterträge des Hausbesitzes seit dem Inkrafttreten des Mietpreistops im Jahre 1936 nur ganz geringfügig, um 2—5 Prozent, erhöht. Eine Untersuchung des Bundeswirtschaftsministeriums, die sich auf rund 5000 Wohnungen aus dem Hausbesitz der Zeit vor 1918 erstreckt, ergibt ein erschreckendes Bild von der Ertragslage des Althausbesitzes. Die Untersuchung stellt die Brutto-Er- träge aus Mieten den Bewirtechaftungs- kosten ohne Abschreibung und Verzinsung des Eigenkapitals gegenüber. Die Bewirtschaftungskosten, die 1936 noch allgemein unter 50 °/o der Miet-Roherträge lagen, sind längst darüber hinausgewachsen, und entsprechend geringer ist der tatsächliche Reinertrag des Hausbesitzes geworden. Im ganzen wird man daher zu dem Schluß kommen müssen, daß die Ertragslage des Althausbesitzes heute nur noch in den seltensten Fällen die notwendigen Reparaturen zuläßt. Der Antrag dar Fraktionen der Regie- nmgskoalition im Bundestag, nun endlich an die Frage der Sanierung der Wohnungswirtschaft heranzugehen, zumindest aber bestimmte Maßnahmen'zur Behebung der Notlage des Althausbesitzes zu treffen, hat die erste Lesung bereits passiert Die zuständigen Ausschüsse werden sich jetzt mit dem Antrag weiter zu beschäftigen haben. Bis zum Wiederzusammentritt des Bundestages soll der Gesetzentwurf fertiggestellt sein. (Über die Stellungnahme der Gewerkschaften siehe Wirtschaftsteil). Jetzt auch noch Post-Tarife ? BONN. (W.-Eigenbericht). Im Bundesministerium sind Erwägungen über eine Erhöhung der Posttarife im Gange. Die Post muß infolge der Gehaltserhöhungen für ihre Beamten mit einer jährlichen Mehrausgabe von etwa 20 Millionen DM rechnen. Gedacht ist an eine Erhöhung des Portos für Briefe und Pakete. Wie es heißt, ist eine etwa 2öprozentige Steigerung in Aussicht genommen. rung mitteilte. Man hält es für wahrscheinlich, daß Präsident Einaudi den Rücktritt de Gasperis nicht annehmen und ihn wieder mit der Bildung eines neuen Kabinetts beauftragen wird. Alcide de Gasperi ist seit 1945 ununterbrochen Ministerpräsident. Seine erste Regierung bildete er am 15. Dezember 1945. Seither hat er sechsmal das Kabinett gewechselt. De Gasperi arbeitete in diesen sechs Jahren unermüdlich für die Rückkehr Italiens in die Völkergemeinschaft und für einen engen Anschluß an den Western Seine Bemühungen wurden durch die Aufnahme Italiens in den Atlantikpakt gekrönt. Kurswechsel in Spanien? MADRID. Wie aus Madrid verlautet, steht eine gründliche Umbesetzung des spanischen Kabinetts bevor. Nur vier von den bisherigen Ministem des Kabinetts, das jetzt sechs Jahre besteht, sollen bleiben. Vor allem bemerkenswert ist das Ausscheiden des Handels- und Industrie-Ministers Juan Suanzes, dessen Ministerium geteilt werden soll. Ferner soll ein neues Presse-Gesetz veröffentlicht werden. Man erwartet, daß General Franco am Donnerstag, dem 15. Jahrestag der Erhebung gegen die Republik, wichtige Erklärungen abgeben und die neue Ministerliste veröffentlichen wird. KRIEGSZUSTAND England weiß, was es Malta verdankt. Alber mittlerweile ist eine andere Insel in das Fadenkreuz der Strategen gerückt: Cypern, heißes Land vor der Küste 'Kleinasiens. Cypern liegt im östlichen Mittelmeer an der Schwelle zuim Nahen Osten. Dort ballen sich Gewitterwolken um Oel- felder zusammen, dort liegen Araiber mit Juden in Fehde, dort wimmelt es von roten Agenten. Dort sind heute die Interessen des Westens bedroht. Auch Cypern ist britische Kronkolonie. Während die Werften in Malta ihre Arbeit einschränken, hämmern auf der Insel im östlichen Müttelmeer unentwegt die Preßluftbohrer. Cypern wird Festung Nr. 1 — „ein riesiger Flugzeugträger“, sagen die Militärfachleute. Von hier aus kann der Suezkanal überwacht werden. Britische Fallschirmjäger, die „Rotkappen“, sind hier für Sondereinsätze stationiert. Bom- bemflieger gelangen im Ernstfall in zwei Stunden bis zu den sowjetischen Bohrtürmen um Baku. Cypern ist das Sprungbrett nach Asien. Die Insel ist dredßigmal größer als Malta, beherbergt jedoch kaum doppelt so viele Menschen. Fruchtbare Ebenen liefern Baumwolle, Früchte und Wein, die Gebirge Kupfer und Eisenkies. In der Hauptstadt Nikosia schieben sich lackfunkelnde Pack- ards und Ruicks an offenen Warenlagern vorbei. 80 Prozent der größtenteils griechischen Bewohner sind Kaufleute, Makler. Von der Gesamtbevölkerung entschieden sich bei einer Abstimmung nur 5 Prozent für die Beibehaltung des Status der britischen Kronkolonie. Alle andern, mit Ausnahme der Mohammedaner, streben seit Jahren den Anschluß an Griechenland an. Aber weder in Athen noch in London hält man den Zeitpunkt für günstig, um über den Besitz der Insel zu streiten. Sowohl Cypern wie Malta sind in erster Linie militärische Stützpunkte und dienen gemeinsamen Interessen — dem Frieden und der Sicherheit im Mittelmeerraum. VERTEIDI6UM6S- BE/TRA6 - k T [START | SK-Zeidirmmg: Aütoja Die virginische Nachtkerze Eine Naturbetrachtun Die Virginische Nachtkerze ist aus Nordamerika zu uns gelangt. Im Jahre 1612 hat man sie im Botanischen Garten zu Padua zum ersten Male aus Samen gezogen, der mit einem Handelsschiff über das Meer gekommen war. Seither gedeiht sie, als ein Unkraut, mit Vorliebe an Flußläufen und Bahndämmen und Kanälen in ganz Europa bis hinauf nach Schweden und bis hinüber in den Kaukasus. Eine Nachbarin hat mir im vergangenen Herbst einen Ableger geschenkt Nun wächst sie auch in meinem Garten. Leider ist es jjeuer nur diese einzige; aber im nächsten Frühling will ich mir selber welche ziehen, ein Dutzend oder mehr, die Plätze habe ich mir schon ausersehen. Denn wenn die Nachtkerze schon ein Unkraut sein soll, so ist es eines von wunderbarer Beschaffenheit. Jeden Abend um Sonnenuntergang sitze ich auf einem Stuhl bei ihr und sehe mit an, wie sie ihre Blüten auftut. Sie ist nun gut anderthalb Meter hoch, und aus dem kantigen Schaft, der dicht mit langen, keilförmigen Blättern besetzt ist, hat sie rundherum lauter Nebenschäfte schräg hervorgetrieben. Alle tragen sie gleich ihm an der Spitze eine Dolde mit noch verhüllten Blüten. Einen halben Finger lang, sind sie wie winzige Regenschirme anzusehen, die zusammengercllt in einem dicht schließenden Ueberzug stecken. Er besteht aus den grünen, silbrig bestop- - pelten Kelchblättern, deren fadendünne Spitzen ihn mit einem Zackenhütlein bekrönen. Erst im Laufe des Tages läßt sich erkennen, wieviele von den Blüten sich heute bei scheidendem Licht auftun werden. Es sind meistens die untersten in der Traube. Ihre Schirmhülle färbt sich dann dort, wo sie von innen heraus schon ins Rostrote zu spielen begann, immer lichter schwefelgelb. Noch weiter gegen den Abend zu haben sich schmale Schlitze in g von Paul Alverdes den Kelchblättern aufgezogen, und sachte ist dann die mondfarbene Sichel des ersten Blütenblattes mit einer sanft geschwungenen Außenbahn aus der Hülle hervorgetreten. Aber all das dauert noch nach der Blumenzeit, die unser Auge nicht gewahren läßt, wie es im einzelnen geschieht. Das ändert sich, wenn der Zeitpunkt des Aufgehens der Blüten gekommen ist. Dann beginnt ein wunderbares und fast bestür- zendes Schauspiel. Jetzt nämlich ist die Blumenzeit aufgehoben, und wir dürfen mit ansehen, was die Natur sonst unseren Blicken verbirgt. Die Blüten öffnen sich nicht alle im gleichen Augenblick. Aber wenn der Schaft reiche Nebenschäfte hervorgetrieben hat, so zeigt sich, daß mehreren von ihnen die gleiche Minute vorgemessen war, und diese schlagen nun miteinander ihre sterngoldenen Angesichter auf. Zuerst ist es, als ob der belaubte Stengel, der sie trägt, leise zu erschauern beginne. Das könnte wohl auch die Abendluft bewirken. Doch sie ist an diesen stillen heißen Abenden völlig unbewegt, und so wird es wohl von der unbegreiflich in ihr verborgenen Federkraft herrühren, die nun übermächtig in der Blüte zu wirken beginnt. Lautlos und urplötzlich macht sie die grünen Kelchblätter in der ganzen Länge der eben noch fest von ihnen umschlossenen und eng zusammengerollten Blüte zurück- schnellen. Dort, wo sich zuerst nur die gelb durchschimmerten Schlitze auftaten, haben sie sich unbemerkt in zwei spitzige Doppelblätter aufgespalten, die in der Form an altmodische Uhrenzeiger erinnern. Das untere von ihnen macht den Anfang. Mit einer tief erbötigen Gebärde fährt es weit herab und gibt das volle Gelb der Blüte frei. Zur gleichen Zeit, während nun auch der obere Zeiger zurückschnellt, ist diese in eine pulsende Bewegung geraten. Ihr erstes Blatt, das mit seiner schmal hervortretenden Außenbahn die volle Reife angezeigt hatte, fällt ruckend herab, wie ein Segel oder eine Flagge, die sich nach unten entrollt. Zugleich hat die Blüte begonnen, sich mit tickenden Wimperschlägen ihrer noch, krausen gelben Blätter leicht zu drehen. Dann hat sich von oben her, wo deren Spitzen sich aus den lichtgrünen Fingerchen des zugleich hervortretenden Griffels zu lösen scheinen, mit drei, vier schnell aufeinanderfolgenden Rucken der sternenhelle Kelch ganz und gar vor uns auseinandergefaltet. Wir sehen nun, wie es aus vier herzförmigen Blättern besteht, die sich leicht überschneiden, wie die Schaufeln einer Schiffsschraube. Vermutlich verstärkt es den drehenden Druck, den sie gegen die Hülle ausüben. Auch die Kelchblätter, weit von der Blüte abgehoben, ruhen jetzt in der läge still, in die ihr erstes zuckendes Atemholen sie versetzt hat. Soweit gut, könnte man denken, sie haben das Ihre redlich getan, sie haben die Blüte in ihrer ganzen Länge mit einem einzigen Zeigerschlag freigegeben, und nun mag alles bleiben, wie es geworden ist. Aber die Blüte, nach dem Geheiß, das an sie ergangen, will es anders. Auch nicht der Schatten eines Hüllenrestes soll ihr makelloses Gelb zeichnen, wenn der Mond kommt. Meistens ist es der obere Zeiger, der noch nicht gänzlich von ihr zurückgewichen ist. Manchmal liegt er der zart durchscheinenden Blütenhaut mit langer spitziger Zunge noch leicht auf. Diese beginnt jetzt mit einer suchenden unschlüssigen Bewegung darüber hinzutasten. Sie ist kaum bemerkbar und währt geraume Zeit. Dann erfolgt urplötzlich abermals ein rasches Zucken, und jetzt schnellt sie sich vollends nach hinten und klappt sich mit einem sperrenden Kniff nach unten um, so daß nun an keine Wiederkehr in der Nähe der schönen gelben Blütenhaut mehr zu denken ist. Jetzt erst ist die Blüte vollends zur Ruhe gekommen, unserem Auge wiederum in die Blumenzeit entrückt, das nicht mehr wahrzunehmen vermag, wie die von der langen Haft noch krausen Blätter sich allmählich gänzlich ausfalten ung glätten. Um Mitternacht sehe ich beim Lichte eines Zündholzes, daß sie nun prall stellen wie Segel, die der Wind bläht. Um Mitternacht: es ist die Zeit ihrer vollkommenen Schöne. Dunkel ist dann auch unter dem klaren Firmament das Grün ihrer Blätter, und auch die Zinnien und die Rose, die ihre Nachbarn sind, zeigen keine Farben mehr. Sie allein leuchtet, ein schwarzer Strauch, den Sterne bestecken, mit vielfachem gelbem Licht. Aber selbst wenn ein mondloser bedeckter Himmel den Garten in Finsternis taucht, vermag ich ihn noch zu gewahren. Schwach glimmende Kugeln, aus einem flimmernden Nebel geballt, scheinen dann in seinen Zweigen zu schweben. Anderntags, wenn die Sonne scheint, ist es spätestens gegen die Mittagszeit mit ihnen vorbei. Sie verfärben sich bräunlich und rollen sich zusammen. Nur das gespreizte Händchen des Griffels streckt sich noch in seinem blassen Arm aus dem rasch welkenden Bündel hervor. Schon aber haben sich über Tage neue Schirme mondgelb gefärbt, zwanzig oft und mehr an dem einen Strauch. Die Blüten darin erwarten gehorsam die Nacht, die einzige zwischen zwei Ewigkeiten des Nichtseins, in der sie auserlesen sind zu erprangen und das Lob der Schöpfung auch in der Finsternis zu verkünden. KULTURNACHRICHTEN Zuckmayer vor Shakespeare, das ist das Ergebnis der vergangenen Spielzeit im Wiener Burgtheater, in der 660 Aufführungen von 43 Stücken geboten wurden. An der Spitze der Autoren steht überraschend Carl Zuckmayer, dessen alter „Hauptmarm von Köpenick“ mit 52 u. dessen neuer „Gesang im Feuerefen“ mit 34 Vorstellungen zahlenmäßig an der Spitze liegen. Shakespeare folgt mit 34 Vorstellungen von „Was ihr wollt“ und Shaw mit 33 von „Cäsar und Cleopatra“. Danach erreichte Goethe mit „Götz von Berlichin- gen“ 31 Aufführungen. Der Maler Willi Mün ch-K h e, der kürzlich von Baden nach Argentinien übersiedelte, fand mit seiner ersten Ausstellung eigener Werke in Buenos Aires großen Erfolg bei Kritik und Publikum. Die Schau enthält Landschaften vom Bodensee, Portraitstudien, Tierbilder und Kopien seiner bekanntesten Keramiken. Der Maler Lyonei Feinin g er. vollendete am 17. Juli in New York das achtzigste Lebensjahr. Nach seinem Studium im Jesuitenkolleg von Lüttich und Paris, den Jahren auf der Akademie in Berlin, wurde der Sohn eines deutschen Musikerehepaars zunächst Mitarbeiter am „Simplizissimus“, wo er durch seine sicher gezeichneten Karikaturen auffiel. Von 1919—1933 war er Lehrer am Bauhaus Dessau. 1906, als er in Deutschland zu den „Entarteten“ gehörte, wanderte Feininger aus und lebt seitdem in New York, wo er geboren ist. Seine Kunst wurde, wie die seines Freundes KandinSky und der anderen Meister vom Bauhaus, lange Zeit mißverstanden und verlacht. Heute haben Feinin- gers Werke Weltgeltung. Gegen spinale Kinderlähmung erproben augenblicklich zwei amerikanische Wissenschaftler eine Operationsmethode, die den Gebrauch einer eisernen Lunge überflüssig machen soll. Die Methode, bei der die gelähmten Nerven durchgetrennt und mit gesunden Nerven verbunden werden, so daß der Zwerchfellmuskel wieder selbständig arbeiten kann, wurde bei 16 Versuchstieren erfolgreich erprobt. Schlechte Handschrift sei ein Zeichen von Intelligenz, behauptet ein Gelehrter der Universität Pittsburg (USA). Der intelligente Mensch denkt freilich wesentlich schneller als er zu schreiben vermag; jedoch denkt er nicht immer richtiger als der langsamer Denkende. .. r i y»«wiww i n»| i ww l' J, ll l l " H > i rp i l‘!lwmi1' H II« i;» l ) i , II I B Mittwoch, 18. Juli 1951 SÜDKURIER Nr. 110 / Seite (tigäljltes Heben eigablenöe Kunft Meister“ im Konstanzer Wessenberghaslellungslä:igkeit des „Roten Reiters“ zunutze machen. Sehr stark sind unter den Einsendern Maler aus Stuttgart und Tübingen vertreten, für die Willi Baumeister und Otto Speidel die Vorauswahl trafen. Man wird in den Ausstellungen Bilder sehen von Baumeister, Ackermann, Ida Kerkovius. H. A. P. Grieshaber, Kurt Weinhold, Waltraute Macke- Brüggemann, einer Enkelin von August Macke, und vielen anderen. qu — Die neuen Filme „Ferien vom Ich“ (Scala) Ein alter Film nach Paul Kellers gleich betiteltem, heiteren Roman, der gerade jetzt zur Ferienzeit richtig wiederkommt. Nicht nur, weil er anspruchslos und vergnüglich ist. Er versorgt uns vor allem auch, genau wie es Paul Keller mit seinem Roman wollte, mit einer ganzen Portion guter, handfester Ratschläge für erholsame „Ferien vom Ich“. Nicht, daß sie in der gleichen ausgefallenen Form vonstatten gehen müssen, wie es sich Paul Keller ausgedacht hat. Man hat ja auch nicht immer wie er gleich einen Millionär bei der Hand — von Speelmans nett und glaubhaft gespielt — der ein Ferienheim für die Ferien vom Ich inmitten eines wunderschönen alten Gutes auf Anhieb zur Verfügung stellt. Aber brauchbar sind die Ratschläge, wie man sehen wird, trotzdem. Vom amüsanten Inhalt abgesehen, ist an dem Film — ein Peter-Ostermayr-Film — allerdings allerlei zu bemängeln, und zwar gerade zu Lasten der Regie. Er hat erstaunlich unnatürliche Szenen, besonders, wenn Gruppen von Menschen im Bilde sind. Der Grundton des Films ist aber so vergnüglich und er enthält andererseits auch so viel heitere und leichte und gekonnte Einzelszenen (der nervöse Justizrat von Paul Henkels gespielt!), daß wir, ferienmäßig gestimmt, ohne weiteres gewillt sind, seine Schwächen freundlich zu übersehen. Dr. EH „Abott und Costello auf Glatteis“ (Capitol) Die beiden Groteskkomiker, von denen der Dicke zugleich meist Dof ist, und den Größeren um Haupteslänge an Komik überrag , zeigen in diesem amerikanischen Film ihre Vielseitigkeit — auch als Eislauf- und als Ski-Artisten. Der Film wird lose durch eine Gangster-Handlung zusammengehalten. Sein Feuerwerk kommt erst langsam in Gang. Er beginnt mit uralten Spässen und führt dann aus der Atelier-Kulissenschaft in die freie, frische Landschaft, was nicht zu seinem Schaden ist. Hier nimmt er bei pannenreichem Wirbel über das Eis und bei rasanten Abfahrten Tempo an und hält es fast bis zum Schluß durch. Einige Jazz- Ensemble-Nummem helfen ihn verlängern und sollen wohl Ruhepausen bedeuten für den, der des vielen Lachens müde ist. Die Kinder freuen sich an der Situationskomik; die Erwachsenen tun es auch, vermissen aber doch wohl bisweilen die Konsequenz: Der dicke Dof ist manchmal ziemlich helle und vermag seine Dofheit nicht ganz durchzuhalten — oder, anders ausgedrückt: Seine lange Leitung hat mitunter Kurzschluß; wobei mitunter Funken sprühen. Aber: es ist nicht immer Sekt, was perlt... —ng „Figaros Hochzeit“ (Roxy) Aus Anlaß der Internationalen Musiktage in Konstanz läuft im Roxy-Filmtheater nochmals „Figaros Hochzeit“, ein Opernfilm nach Wolfgang Amadeus Mozart. In den Gesangspartien wirken mit Erna Berger, Willi Dom- graf-Faßbaender, Tiana Lemnitz. Mathieu Ahlersmeyer, Margarethe Klose, Eugen Fuchs u. a. Darsteller sind Angelika Hauff, Willi Domgraf-Faßbaender, Sabine Peters, Mathieu Ahlersmeyer u. a. Der Film zählt zu den besten Opernfilmen. Alte Bekannte - neue Freunöe Das war also die zweite bunte Unterhaltungskiste aus Mannheim (Absender: Heinz Hoffmeister). Obendrauf stand in großen — unsichtbaren — Lettern: „Wir zaubern frohe Laune“. Die erste Sendung (mit Laie Andersen. Rudi Schuricke, Barnabas von Geczy etc.) ver etwa einem Monat hatte den Konstanzem bekanntlich einen „Triumph der guten Laune“ versprochen und — hundertprozentig gehalten. So gut hatte den Konstanzem diese erste Equipe gefallen, daß sie auch der Bindfadenregen am Mon a? nicht abhalien konnte, gewissermaßen die Fortsetzung jenes gelungenen Unterhaltungsabends mitzuerleben. Im Konzilsaal war fast kein Stuhl mehr frei. Wieder stellten sich Künstler vor, deren Namen durch Film, Rundfunksendungen und Schallplatten populär geworden sind. Diesmal war aber noch ein besonderer Reiz bei der Sache: Besucher des ersten Gastspiels konnten beispielsweise Vergleiche ziehen zwischen dem jungen, genialen Jazz-Geiger Helmut Zacharias und dem Violin-Virtuosen von Geczy, sie konnten die Conference Robert Grünings und Werner Veidts (vom ersten Gastspiel her bekannt) gegeneinander abwägen, oder sie konnten etwa versuchen, Parallelen zwischen Magda Schneider und Laie Andersen zu entdecken. Sicher, das ist eine reizvolle Spielerei, aber wer will einem begeisterten Zacharias-Anhänger zu Geczy bekehren und wer einem Verehrer Magda Schneiders einreden, daß Laie Andersen berühmter sei? Ueber eines waren sich aber wohl alle im Konzil einig (Achtung, jetzt wird's sportlich): Die zweite „Mannschaft“ Heinz Hoffmeisters ist kein Ersatz, sondern ein Team erstklassiger Profis, das zur Spitzengruppe der ersten Liga für Humor und Unterhaltung gehört. „Wir zaubern frohe Laune“, hieß das Motto des Abends, und wie man das macht, zeigten ganz besonders der vielbelachte Rund- funkparodist Ludwig “Manfred Lommel, assistiert von Will Aenders, und der geistreich plaudernde Robert Grüning, seines Zeichens Conferencier. Magda Schneider (sie hat noch nichts von ihrem jugendlichen Charme eingebüßt) erzählte von ihren .Erlebnissen beim Film, der im Rundfunk vielgehörte Vico Torriani sang mit südländischem Temperament von Liebe, und nicht weniger temperamentvoll wirbelten die Geschwister Hopfner über die — staubigen und knarrenden — Bretter. Drei Mann halfen Helmut Zacharias, das Ganze musikalisch auszuschmücken — eine Delikatesse für Jazz-Freunde. Chopin (Klaviersolo Cornelius op ten Zieken) hätte man allerdings aus diesem Bahmen besser fortlassen sollen. Daß die zu zaubernde frohe Laune sich tatsächlich einstellte. war am besten an dem begeisterten Beifall zu hören. We. preise haben damit einen, seit Wiedereinführung der Märkte, noch nidit erreichten Tiefstand erreicht. Vorbereitungen zur Stadtbeleuditung Meersburg. Bei der Meersburger Schloß- und Stadtbeleuchtung am 12. August wird durch eine „Riesenkunstbombe'' das ganze Stadtbild von oben her in herrlichem Rot erleuchtet werden, während gleichzeitig von unten her die Beleuchtung der Stadtkulisse einsetzt, so daß die Zuschauer einen besonders schönen Eindruck von der Burgenstadt erhalten werden. Beim Baden ertrunken Ueberlingen. Teilnehmer eines Betriebsausfluges aus Kempten benützten ihren Aufenthalt in Ueberlingen zu einem Bad im See. Als längere Zeit nach dem Zeitpunkt für die Abfahrt einer der Badbesucher nicht zurüdegekehrt war, forschte man nach ihm, fand aber lediglich seiue Kleider vor, ohne von dem 19jährigen Jungen eine Spur zu entdecken. Man nimmt an, daß er in dem starken Badebetrieb unauffällig und lautlos ertrunken ist. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Schwere Unfälle am laufenden Band Meßkirch. Auf der Heimfahrt von Meßkirdi, wo er die Zulassung für sein Motorrad geholt hatte, stieß ein Motorradfahrer aus Hartheim in einer unübersichtlichen Kurve in nicht geringem Tempo auf einen Lieferwagen, wurde über den Wagen hinweggeschleudert und erlitt schwere Verletzungen. Ein weiterer schwerer Verkehts- unfall ereignete sich in Heudorf. Hier stießen zwei Motorradfahrer zusammen. Beide Fahrer tragen Schädelbrüche davon, während der Beifahrer eines der Motorradfahrer mit leichteren Verletzungen davonkam. Blitz schlug ln Bauernhaus Villlngen. In Weiler schlug bei einem Gewitter der Blitz in das Wohnhaus eines Zimmennei- sters und zündete. Innerhalb weniger Minuten standen Wohnhaus und Scheuer in hellen Flammen. Es gelang, das Mobiliar sowie das Vieh und die Maschinen zu retten und ein Uebergrei- fen des Brandes zu verhindern. Der Gesamtschaden beträgt etwa 50 000 DM. Noch 65 Wohnungen beschlagnahmt Waldshut. In der Stadt Waldshut sind noch 65 Wohnungen, 13 Häuser, 23 Einzelzimmer und Teüwohnungen sowie 25 Garagen beschlagnahmt, die zum Teil schon drei Monate und mehr leer stehen. Die von der Stadtverwaltung kürzlich gemachte Mitteilung, daß möglicherweise im September mit der Freigabe vieler Wohnstätten gerechnet werden könne, wurde durch die zurückhaltende Behandlung dieses Themas durch Landeskommissar Pene bei der Einführung des neuen Waldshuter Kreisdelegierten ziemlich abgeschwächt. Wie nach einem Fliegerangriff Lörrach. Durch das Unwetter der vergangenen Woche wurde auch die Industrie schwer betroffen. So durchschlugen die Hagelschlossen die Glasdächer der Weberei Sdiöpflin in Brombach, so daß der Regen in die Fabrikräume einströmte und mehrere 1000 m Stoff, Webstühle und andere Maschinen beschädigt wurden. Der Schaden beträgt an die 100 000 DM. Wirtschaftsminister Dr. Lais bemerkte bei einer Besichtigung der Fabrikanlagen, die Betriebsräume hätten das Aussehen wie nach einem Fliegerangriff. Konstanzer Hafenpegel: 17. Juli 472 Zentimeter. — Wasserwärme am 17. Juli. 12 Uhr: Rheinstrandbad 16, Freibad Horn 18 Grad. Mittwoch, 18. Juli 1951 SÜDKURIER Nr. 110 / Seite 8 Gehörlofe Kinöer lernen fprechen Ein aufschlußreicher Besuch bei der Staatlichen Schule für Gehörlose in Stühlingen (Sonderbericht für den „Südkurier“) Aul dem Hohenlupfen, hodi über der kleinen Grenzstadt Stüihlingen im grünen Klettgau, stelht eine Burg, auf der einst die Pappenheimer residierten, und von wo im 16. Jahrhundert die Bauernkriege ihren Ausgang genommen haben. Heute dient der massige Bau mit seinen meterdicken Mauern und wehrhaftem Turm einem sehr friedlichen Zweck: Er beherbergt die staatliche Schule für Gehörlose. Wer da glaubt, in einem solchen Hause bedrückendem Schweigen zu begegnen, der hat sich gründlich getäuscht. Denn schon beim Betreten des Burghofes vernimmt er fröhlichen Lärm, hört Lachen, hört Kin- derstimmen, genau wie in jeder anderen Schule. Und wenn er dann erstaunt zu dem begleitenden Lehrer sagt: „Ich denke, das ist eine Anstalt für Taubstumme“, so wird er erfahren, daß es den Begriff „taub- I ii i » ff- „i ■ m i MOWENLUPFfN stumm“ hier überhaupt nicht gibt, und daß diese Bezeichnung für Menschen die nichts oder nur wenig hören können, falsch ist. Wenn nämlich ein Kind ohne Gehör geboren wird, oder wenn, wie es häufig vor- kammit, durch Hirnhautentzündung, Mittelohrentzündung oder Infektionskrankheiten das Gehör in frühester Jugend in Mitleidenschaft gezogen wurde, so sind deshalb doch das Sprachzentrum des Gehirns und Stimmorgane völlig intakt. Gehörlose Kinder lallen im Anfang genau so wie gesunde. Erst später, wenn andere Kinder das Gehörte in Laute und Worte umformen, bleibt das tauibe Kind „stumm“. Die Eltern, sofern sie nicht über die genügende Beobachtungsgabe verfügen, sind dann oft geneigt solche Kinder für schwachsinnig zu halten. Würden sie allerdings genauer beobachten, so könnten sie feststellen, daß das Kind auf keinerlei Geräusch reagiert und daß es nur stumm bleibt, weil es ja gar nicht weiß, was ein Ton aus dem Munde eines Menschen, was ein Wort, ein Satz oder -ein Lied ist Wohl sieht es einen Baum, ein Haus, einen Hund und könnte dank seines Inteliganzgrades durchaus die Worte „Baum“, „Haus“ und „Hund“ sinngemäß erfassen und nachsprechen, wenn es sie hören würde. Das Kind ist also, wenn nicht außerdem angeborener Schwachsinn oder Geisteskrankheiten vorliegen, bis auf den Gehörschaden völlig normal. Und der Prozentsatz Schwachsinniger ist unter den Gehörlosen nicht größer als unter anderen Menschen. Gehörlose — gleichwertige Menschen Da erklingt nun also fröhlicher Lärm aus den Räumen der Schule auf dem Hohenlupfen. Und dieser Lärm gehört mit zu den bewundernswerten Ergebnissen der Arbeit jener Spezialisten unter den Volks- schiullehrem, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, aus den gehörlosen Kindern berufstüchtige Menschen zu machen, die sich im Existenzkampf durchsetzen können. Dazu gilt es, dem Kind einen Ersatz für das fehlende Gehör zu schaffen. Dieser Ersatz ist das Auge. Deshalb stehen hier in den Klassenräumen die Schulbänke nicht hintereinander, sondern im Halbkreis, damit die Schüler mit ihren Augen all das erfassen können, was sie lernen sollen. Der Lehrer zeigt ihnen ein Bild, darauf ist ein Haus zu sehen. Er spricht, für alle deutlich sichtbar das Wart „Haus“. Dann kommen die Kinder einzeln nach vom, der Lehrer nimmt ihre Hand und legt sie sich, während er spricht, an den Kehlkopf. Die Hand des Kindes spürt die Vibration, die das Sprechen erzeugt. So erfährt es, daß an dieser Steile der Laut entsteht und muß nun versuchen, unter Nachahmung der Mundbewegungen des Lehrers selbst einen Laut zu erzeugen. Dieses „Lautieren“ ist mit die mühsamste Arbeit in den ersten Schuljahren. Aber schon sehr bald lernen die Kinder Worte vorn Mund des Lehrers 'abzuilesen und nachzusprechen. Und lediglich der Tonfall, den sie ja nicht kontrollieren können, ist anders als bei hörenden Menschen, etwas eintönig, ohne Modulationen. Der Gehörlose muß allen, mit denen er umgeht, die Worte vom Munde ablesen. Nach dem Lautieren kommen dann Lesen, Schreiben, Rechnen und weiterhin alle übrigen Schulfächer an die Reihe, bis nach acht Jahren die Schüler mit einer normalen Volksschulbildung entlassen werden. Besonders tüchtige Handwerker, in Ausnahmefällen auch Künstler, sind aus den Schulen für Gehörlose hervorgegangen. Auffallend ist die Aufmerksamkeit der Schüler, die weit größer ist, als an normalen Volksschulen. Ihre Wißbegierde ist kaum zu stillen. Mit wahrer Engelsgeduld befassen sich die Lehrer auch außerhalb des Unterrichts mit ihnen, stehen Rede und Antwort auf jede der vielen Fragen. Das Verhältnis zu den Schülern ist freundschaftlich, fast familiär, als Folge des engen menschlichen Kontaktes und des unbedingten Vertrauens, die zu dieser Arbeit gehören. Hohenlupfen ungeeignet Die Burg auf dem Hohenlupfen ist romantisch und wie geschaffen für die Unterbringung einer Internatsschule — sollte man meinen. Tatsächlich jedoch ist sie, ausgerechnet für eine Gehörlosenschule, denkbar ungeeignet. Und das trotz herrlicher Umgebung. Denn für Gehörlose kommt es darauf an, daß sie viel vom Leben sehen. Das heißt, daß sie in einer Umgebung aufwachsen sollten, die. weitgehend derjenigen entspricht, die sie später zu erwarten haben. Das wird in sehr vielen Fällen die Stadt sein. Da wird starker Straßenverkehr herrschen, da werden Fragen und Aufgaben an sie herantreten, die sie hier oben in der Einsamkeit gar nicht kermenlernen können. Außerdem sind die Räume in der Burg durch die wenigen niedrigen Fenster so schlecht beleuchtet, daß die Grundvoraussetzung für das Sehen, nämlich Licht, alles andere als gegeben ist Dann ist da noch ein Umstand, der geradezu lebensgefährlich ist: Mann stelle sich einmal vor, wie dreißig taube Kinder, die in einem Saal zusammen schlafen, schnell geweckt werden sollen! Sie hören doch nichts. Und nun soll es nur einmal brennen! — Im Au„ (blick der freitragenden Holzdecken und der engen winkligen Gänge und Treppen läuft dem Besucher bei diesem Gedanken der kalte Schauer über den Rücken. Ja und? Soll hier erst ein Unglück geschehen? — Warum baut der Staat hier nicht nach modernen Gesichtspunkten ein Haus in der Nähe einer Großstadt, womöglich in der Nähe einer Universität mit Ohrenklinik? — „Weil er kein Geld hat“ — dürfte die stereotype Antwort sein, oder - „weil er dringendere Aufgaben hat.“ Dem nachdenklichen Berichterstatter, der im Geist schon wieder Kasernen und Bunker erstehen sieht, können derartige billige Ausflüchte nicht gefallen. Es ist in den letzten Notjahren öffentlich und privat schon vieles geschaffen worden, was man zunächst für unmöglich hielt. Auch für unsere taubstummen Kinder müssen sich Mittel finden lassen, damit ihr Leben nicht von Anfang an mehr als imverschuldet belastet ist. Lampe Blick über die Orenzen Vater und Sohn mit dem Motorrad verunglückt Winterthur. Auf der Umleitungsstraße Dettenried—Kollbrunn stieß abends ein von Vater und Sohn besetztes Motorrad mit einem Lastwagen zusammen. Die beiden Fahrer erlitten schwere Verletzungen, denen sie kurz nach ihrer Einlieferung ins Spital erlagen. Ungewöhnlich große Kirachenernte Basel. Im nordwestschweizerischen Kdrschen- gebiet ist eine Kirschenernte zu verzeichnen, wie sie wohl noch nie da war. Sie wird auf 6000 Eisenbahnwagen zu je 10 Tonnen oder 60 Millionen Kilo Kirschen geschätzt. Es gibt rund 1 900 000 Kirschbäume in der Schweiz, und der Emteertrag, der in den Jahren 1936—1940 durchschnittlich 16,5 Mill. Kilo betragen hat, war schon 1950 auf 58 Mill. gestiegen. Die größten Kirschbaumwälder hat Basel-Lands die beiden Dörfer Arisdorf und Füllinsdorf zählen 13 000 bezw. 20 000 Bäume. Die Herstellung und Versendung entsteinter Kirschen, wie sie neuerdings von neun Entsteinungsanlagen in der Schweiz betrieben wird, hat jetzt eine besonders stürmische Nachfrage nach diesen Früchten hervorgerufen. 450 Jahre Kanton Basel Basel. Nachdem Zürich im Frühjahr seine 600jährige Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft gefeiert hat, war jetzt der Kanton Basel, der vor 450 Jahren sich dem Bund der Eidgenossen anschloß, mit einer ähnlichen Feier an der Reihe. Diese fand sogar an zwei Orten statt, denn Basel ist ein sogenannter Doppelkanton, bestehend aus Basel-Stadt und Basel-Land. In Liestal, dem Hauptort von Basel-Land, wickelte sich der erste Tag des Jubiläums ab. Ein Sonderzug mit 1200 Ehrengästen führte dann die Leute von Basel- Land in die Stadt Basel. Uebrigens wird die für den Außenstehenden etwas befremdliche Trennung des Kantons in zwei Teile auch im Lande selbst vielfach bedauert, und es sind eben jetzt wieder Tendenzen hervorgetreten, die beiden Halbkantone zu einem Ganzen zu verschmelzen. Beide sagten einander in der Stadt Basel auch manche freundlichen Worte. Ein riesiger Festzug von rund 13 000 Teilnehmern begann vormittags bei herrlich blauem Himmel und dauerte fast vier Stunden, zumal er, wie heuer so viele andere Feste audi, durch Gewitter und Regengüsse, vermischt mit Hagel, empfindlich unterbrochen wurde. Die Festesfreude konnte allerdings dadurch kaum gedämpft werden. Rheinsdiiffahrt gesperrt Basel. Da der Wasserstand des Rheins in Basel am Miontagabend die Gefahrenmarke von 4,30 Meter bereits um 6 cm überschritten hatte, ist kurz vor 18 Uhr der Rheinschiffahrtsverkehr gesperrt und diese Verfügung den anderen Rhein- uferstaaten bekanntgegeben worden. Auch die Aare führt Hochwasser Bern. Infolge der anhaltenden Regenfälle führt die Aare Hochwasser. Einige Straßen des Mattenquartiers in Bern wurden überschwemmt. Die Feuerwehr und die Polizei griffen ein. Man mußte verschiedenenorts Notstege hersteilen, um den Straßenverkehr aufrechtzueihalten. Zahlreiche Keller stehen unter Wasser. Wasserskifahrer vom Schlage getroffen Zürich. Ein 46 Jahre alter Oesterreicher führte in der Badeanstalt am Uto-Quai Kunststücke auf Wasserskiern vor. Dabei wurde er plötzlich vom Schlage getroffen, versank und konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Greis von führerlosem Lastwagen überfahren Bern. An der Engelhaldenstraße ereignete sich ein betrübender Verkehrsunfall. Ein auf der leicht abfallenden Fahrbahn parkender Lastwagen setzte sich plötzlich aus noch nicht abgeklärten Gründen führerlos in Bewegung und fuhr weiter unten in das in gleicher Richtung parkende Lieferauto eines Landwirtes. Vor diesem Auto stand der 81jährige Vater des Landwirts. Er wurde beim Anprall von dem nach vorn geschobenen Lieferwagen zu Boden geworfen und starb auf dem Transport ins Spital. Ben Rhein entlang 40 v. H. der Arbeitslosen Heimatvertriebene Freiburg. Der Anteil der Vertriebenen an der allgemeinen Arbeitslosenzahl Südbadens beträgt 37 v. H„ wobei zu beachten ist, daß der Bundesdurchschnitt zurzeit 32 v. H. ausmacht. Beschwörung — ein teures „Heilmittel"! Freiburg. Der Glaube an irgendwelchen Hokuspokus hat einer bisher noch unbekannten Frau in Freiburg wieder einmal in fast unglaublicher Weise ihre Diebesarbeit erleichtert. Sie sprach bei zwei älteren Damen vor, erkundigte sich nach einem vermietbaren Zimmer und hörte dabei, daß sich eine der beiden leidend fühle. Sie wisse ein sehr gutes Heilmittel gegen die Krankheit, man müsse ihr jedoch Vertrauen schenken, sagte sie. Daraufhin wurden nach ihrer Anweisung das ganze in der Wohnung vorhandene Bargeld in Höhe von 750 Mark, eine Kassette, ein Briefumschlag und eine Portion Salz vor sie auf einen Tisch gestellt. Mit Beschwörungsformeln und dem Salz brachte sie die Damen soweit, daß diese nicht merkten, daß sie den Umschlag ohne das Geld in die Kassette legte, wünschte gute Besserung und verschwand. Sogar das Salz nahm sie mit, um es angeblich auf die Straße zu 6treuen und die Heilkur dadurch zu beschleunigen. Drei Minner unter einem Traktor Ottenburg. In einem steilabfallenden Seitental im Renchtal ereignete sich beim Heueinfahren dadurch ein schwerer Unfall, daß infolge der schlechten Wegverhältnisse ein Traktor ins Rutschen kam und umstürzte. Dabei kamen die drei Fahrer unter diesen zu liegen und erlitten neben Knochenbrüchen und schweren Quetschungen besonders Verbrennungen durch ausströmendes heißes Oel und Wasser. Erst nach langen Bemühungen konnte der Traktor gehoben und die Verletzten befreit werden. Neue Brücke zwischen Kehl und Straßburg KehL Die zwischen Kebl und Straßburg erbaute neue Straßenbrücke wurde nach einer mehrmonatigen Bauzeit in einer schlichten, aber sehr eindrucksvollen Feier eangeweiht. Diese 150 Meter lange Brücke ist gemeinsam von Franzosen und Deutschen aufgebaut worden. Auf deutscher Seite schnitten der Referent für Keh- lei Fragen, Regierungsdirektor Otto Mayer, der Landeskommissär für Kehl, Schindele, auf französischer Seite der Straßburger Hafendirektor, Graff, und der Straßburger Präfekt gleichzeitig je ein Band durch, nachdem sie von beiden Ufern aus einander entgegengegangen waren. Die jetzt fertiggestellte Brücke soll lediglich ein Provisorium darsteilen, das durch eine neue Brücke ersetzt werden soll, wenn auf beiden Seiten das dafÜT notwendige Geld vorhanden ist. Jeep verursacht Serienunfall Baden-Baden. Eine Kettenreaktion verursachte ein Jeep, der aus bisher noch ungeklärten Gründen mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Lichtmast in Baden-Baden raste. Der Beifahrer wurde aus dem Wagen geschleudert und auf der Stelle getötet. Nach dem Anprall schlidderte das Fabrzeug auf die linke Straßenseite und überfuhr einen 14jährigen Radfahrer und ein kleines Mädchen. Der Jeep, der noch immer eine hohe Geschwindigkeit hatte, geriet dann auf den linken Gehweg, riß zwei Passanten nieder und keilte sich nach etwa 15 Metern zwischen dem Anhänger eines entgegenkommenden O-Busses und einem eisernen Gartenzaun ein. Nur der raschen Reaktionsfähigkeit des O-Bus-Fahrers, der sein Fahrzeug nach links herumriß, ist es zu verdanken, daß nicht noch größerer Schaden angerichtet wurde. Drei der vier Verunglückten trugen schwere Verletzungen davon. Ereignis der Sommersaison Baden-Baden. Das traditionelle Ereignis der Sommersaison, die Große Woche mit den internationalen Iffezheimer Rennen, steht nunmehr in seinem Programm fest. Ueberraschend zahlreich sind die Nennungen von ausländischen Pferden der Weltklasse. Der Stall Dupre schickt zehn Pferdec weitere acht französische Ställe werden vertreten sein. Von den Schweizer Ställen Uetli, Rüsdi, Choquard werden ihre Favoriten am Start erscheinen. Ausgezeichnete Qualitäten kommen aus den ersten deutschen Gestüten. Daneben findet eine Reihe festlicher Veranstaltungen statt, darunter auch ein Ball der Presse im Rahmen eines Sommemachtfestes. Den Abschluß bringt ein Gala-Abend der Spielbank. 50 Jahre Karlsruher Rheinhafen Karlsruhe. In Anwesenheit von Ministerpräsident Dr. Maier, Landesbezirkspräsicfent Dr. Unser, Oberbürgermeister Topper und zahlreichen Vertretern von Industrie und Verwaltung fand im Schauspielhaus der Festakt zum 50jährigen Jubiläum des Karlsruher Rheinhafens statt. Fi- nanzmdndster Frandc würdigte in einem geschichtlichen Rückblick die Bedeutung des Rheinhafens. Er versicherte, daß die württembergisch-badisdie Regierung den Wiederaufbau des Hafens auch in Zukunft nach Kräften unterstützen wolle. Schließlich sprach Minister Frandc die Hoffnung aus, daß mit der «ich anbahnenden europäischen Verständigung der Karlsruher Rheinhafen im internationalen Verkehr die ihm angemessene Bedeutung erhalten möge. Darauf sprach Innenminister Ulrich seine Glückwünsche aus. Der südbadische Finanzminister Dr. Ediert unterstrich die Zusammengehörigkeit Karlsruhes mit dem ganzen badischen Raum. Unter den Gratulanten befanden sich auch Staatssekretär Fischer, Bayern, Ministerialdirigent Kullmann vom Bundesverkehirsmdniste- xium und ein Vertreter der Stadt Amsterdam. Abschließend gab Hafendirektor Jakob Langfritz einen Ueberblick über die Geschichte und die wirtschaftliche Entwicklung des Karlsruher Hafens. Er schilderte seinen schnellen Aufstieg in die erste Reihe der deutschen Binnenhäfen, umriß ober auch die Schwierigkeiten, denen die Hafenverwaltung heute gegenübersteht und die durch di« Kriegsschäden, die staatlichen Veränderungen im südwestdeutschen Raum und schließlich die zunehmende Bedeutung Heilbronns als Kohlen- umschäagplatz für die württembergische Industrie, entstanden sind. An den Festakt schloß sich ein Mittagessen im Stacfthallen-Restaurant und eine Fahrt auf dem Schiff „Beethoven" durch den Hafen. Der Jubiläumstag klang aus in einem Festabend in der Stadthalle. Zweijähriges Kind erlitt den Flammentod Bretten. Eine Frau wollte schnell das Essen auf dem Spirituskocher aufwärmen. Zwischendurch ging sie noch vor dem Hause anderen Beschäftigungen nach. Der alleingelassene zweijährige Bub bemächtigte sich das Kochers, wobei die Flamme seine Kleider entzündete. Das Kind stand bereits nach wenigen Minuten lichterloh brennend da. Es ist an den Verbrennungen gestorben. Kölligstuhl wieder besteigbar Heidelberg. Seit einigen Tagen kann man wieder den seit zwölf Jahren gesperrten Aussichts- turm auf dem Königstuhl besteigen. Die Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG. hat an Stelle des 1910 errichteten und inzwischen schadhaft gewordenen Personenaufzuges einen neuen Aufzug anbringen lassen, der den Besuchern 642 Stufen erspart. Bald wird über dem Dach des 30 m hohen Turmes, der seit 1835 ein beliebtes Ausflugsziel der Heidelberger bildet, auch die neue Antenne des Ultrakurzwellensenders des Süddeutschen Rundfunks in Betrieb genommen werden. Süddeutsche Umschau Selbstmord mit Salzsäure Kottweil. Eine 28jährige Frau, die an Schwermut gelitten haben soll, trank in selbstmörderischer Absicht ein größeres Quantum Salzsäure. Sie starb unter gräßlichen Qualen erst einen Tag später. Jubiläum in Oberndorf Oberndorf. Zum 700jährigen Bestehen der Stadt der ehemaligen Mauserwerke, Oberndorf, deren Jubiläumsfeier neben einer großen Industrie- und Gewerbeausstellung einen Festakt mit dem südwürttembergischen Staatspräsidenten und Bundesmdnister Wildermuth brachte, wurde «in Festspiel „Stadt in Not" aufgeführt. Es zeigte den zähen Kampf der Stadt um ihre Existenz nach der Demontage der Mauserwerke. Wasserdampfexplosion deckt Hüttenwerk ab Freudenstadt. Eine nicht alltägliche Explosion erfolgte in den Hüttenwerken Friedirichstal. Durch plötzlich eindringende Wassermassen während eines Wolkenbraches kam während des Gießvorganges Wasser mit dem Ofen in Berührung. Die Wasserdampfexplosion, die dadurch entstand, hob das Dach und die Türen des Werkraumes ab. Schicksal von 1,4 Millionen Vermißten angeklärt Tübingen. Auf einer Tagung von Landesvor- standsmitgliedera Bayerns, Württemberg-Badens, Badens und Württemberg-Hohenzollerns des Verbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermißten in Tübingen hat ein Vertreter der DRK-Suchdienst-Zentrale mitgeteilt, daß gegenwärtig noch das Schicksal von 1,4 Millionen vermißten ehemaligen Wehrmachtsangehöriger zu klären sei. Grausame Kindesmörderin Tauberbischoishetm. Eine ledige technisch« Zeichnerin aus Laufach brachte in der Dachkammer ihres elterlichen Anwesens ein Kind zur Welt. Sofort nach der Geburt steckte sie es in einen Sack und schlug diesen mehrmals gegen eine Steinwand. Als der Säugling immer noch Lebenszeichen von sich gab, erdrosselte die Mutter das Kind mit einem Strick. Geheimnis um Jan Roman von 3i Gertrud v. Brockdorff Ich gebe es nicht zu, dachte ich, und klopfte leise an. Er kann es mir nicht nachweisen, wenn ich leugne. Herr de Boor saß am Schreibtisch. Er trug seinen braunen Hausmantel und rauchte eine Zigarette. Auf der Platte vor ihm lagen die beiden Teile der Schale. Ein wenig Asche war über die Schreibblätter verstreut. „Sieh da!“ sagte er, während er sich nach mir umwandte und mich mit seinem kleinen spöttischen Lächeln betrachtete. Ich machte mich innerlich hart und sah ihn an. Zweifellos wäre es ein Zeichen von schlechtem Gewissen gewesen, seinem Blidc auszuweichen. „Sehen Sie hier“, sagte er und hob die beiden Teile der Aschenschale in die Höhe. „Ich habe leider Pech gehabt. Sie ist mir zerbrochen.“ Ich öffnete den Mund, als schnappte ich nach Luft, aber ich sagte nichts. „Vielleicht könnte man sie wieder kitten“, fuhr er fort. „Glauben Sie, daß sich das machen läßt?“ Jetzt senkte ich den Blich, besann mich aber sofort und hob den Kopf wieder. „Ich glaube wohl“, antwortete ich mit fremdklingender Stimme. „Würden Sie es für mich übernehmen?“ fragte er. „Ich verstehe mich nicht sonderlich auf solche Dinge...“ „Ja..sagte ich nur und strechte die Hand nach den Scherben aus. Ich lasse midi nicht aufs Glatteis führen, dachte ich dabei. Ich nicht. „Ich nehme an“, fuhr er langsam fort, „Sie haben auch den entsprechenden Kitt zur Hand. Es kommt doch wahrscheinlich öfter vor, daß hier im Hotel etwas zerbricht ...“ Ich sagte, ich glaubte, es wäre noch Kitt vorhanden. Meine Hand hatte sich fest | um die beiden Porzellanstücke geschlossen, die mir die Finger zu verbrennen schienen. „Ist sie sehr kostbar?“ fragte ich plötzlich, ganz gegen meinen Willen. „Kostbar? Ach so ... die Schale! Ob die Schale kostbar ist, wollen Sie wissen ...“ Sein Lächeln hatte sich verändert; es war, als amüsierte er sich heimlich über mich. „Nein“, sagte er. „Sie ist nicht kostbar. Sie können so was in jedem Japangeschäft für ein paar Groschen kaufen.“ Ich atmete tief auf. Es lag mir auf der Zunge, ihn zu fragen, wo es ein solches Japangeschäft gäbe, aber ich unterdrückte es. „Ich werde sie also kitten“, sagte ich. „Ich stelle sie nachher wieder auf den Schreibtisch.“ „Halt!“ sagte er und streckte eine Hand aus; denn ich hatte mich schon zum G^lien gewandt. )r Da ist noch etwas anderes. Es handelt sich . . . hm ... es handelt sich um dies Manuskript hier. Es ist jemand daran gewesen. Haben Sie eine Ahnung, wer es gewesen sein könnte?“ Ich schwieg, aber ich fühlte, daß ich sehr blaß geworden war. Dies kam völlig unerwartet. Hatte ich das Manuskript nicht jedesmal sorgfältig wieder so hingelegt, wie ich es aufgenommen hatte? Und wie konnte er wissen . . . „Geben Sie sich doch keine Mühe, es abzustreiten!“ sagte er leise. „Warum haben Sie es getan? Sind Sie so neugierig?“ „Ich . . . bin nicht neugierig!“ stotterte ich mühsam, und in der Tat wäre es mir nie eingefallen, einen von Paulettes alten Liebesbriefen zu lesen, die sie doch offen in ihrer Schublade liegen ließ. „Warum also?“ fragte er. Vielleicht war es die Tatsache, daß er jetzt nicht mehr lächelte, sondern mich fast mitleidig anblickte, die mir den Mut gab, zu antworten. „Ich . . . habe einmal in München ein Stück von Ihnen gesehen. Es hieß JJie Schlinge“. — Ich habe ... es nie wieder I vergessen können. Da war eine Frau ...“ „Die Anuschka?“ „Ja . . . die! Ich habe . . . mir seitdem nichts anderes mehr gewünscht, als einmal . . . diese Rolle zu spielen . . Ich blickte verstohlen zu ihm auf. Lächelte er jetzt wieder? Ja, er lächelte, aber nicht so, wie ich gefürchtet hatte „Sie wollen also Schauspielerin werden?“ „Ja . . .“ „Haben Sie irgendwelche Vorbildung?“ fragte er sachlich, genau wie Michael. Ich schüttelte den Kopf. Und da er jetzt nicht mehr lächelte, sondern mich nur aufmerksam und interessiert anblickte, verlor ich plötzlich alle Hemmungen und sprach ihm davon, wie ich mir meine Zukunft gedacht hätte, und daß ich hierhergekommen wäre, um mir Geld für die Schauspielschule zu verdienen. „Wie alt sind Sie?“ fragte de Boor. „Gerade einundzwanzig.“ „Ich hätte Sie für viel jünger gehalten.“ Er nahm ein Schreibblatt und hielt es mir hin. „Lesen Sie das hier! Laut bitte!“ Es war eins vop den Papieren, die ich gestern in der Hand gehalten hatte, eine Szene zwischen Mann und Frau, eine fürchterliche Auseinandersetzung, deren letzter Sinn mir unklar geblieben war. „Also!“ sagte de Boor mit einer kleinen ungeduldigen Falte auf der Stirn. Ich riß mich zusammen und begann. War das wirklich meine Stimme? Sie klang hart, trocken und spröde, und ich wußte doch, daß sie ganz anders klingen konnte. „Danke!“ sagte de Boor, als ich geendet hatte. „Sie sind ja viel zu aufgeregt, Kind! Auf diese Weise kann ich mir kein Urteil bilden. Uebrigens bin ich ja auch kein eigentlicher Theaterfachmann, sondern nur ein armer Autor.“ „Sie wollen also sagen, ich habe kein Talent?“ „Aber nein“, widersprach er heftig. „Keineswegs. Es ist da ein besonderer Tonfall, aus dem sich vielleicht etwas machen ließe. — Ich möchte Ihnen nur nichts I in den Kopf setzen . . . keine Hoffnung, die sich vielleicht nicht verwirklicht. Sie sind ja noch so wunderbar jung. Sicher gibt es für Sie noch eine Menge anderer Möglichkeiten.“ „Nein“, sagte ich. „Es gibt für mich keine anderen Möglichkeiten.“ Damif drehte ich mich schnell von ihm fort. Hinterher schien es mir, als hätte er noch etwas sagen wollen, aber ich hatte die Hand schon auf der Klinke; ich stand schon draußen im Gang und würgte an meinen Tränen. Ein paar Gäste gingen an mir vorbei: ein junges Ehepaar in nordisch bunten Sweatern und Kappen, auf denen noch Schnee lag. Draußen war eben der Bus von der Station gekommen; die Halle wimmelte von Menschen in Pelzen und dicken Mänteln; an einem kleinen runden Tischchen saßen Rainer und Frau de Boor und rauchten Zigaretten. Ich sah alles wie durch einen Schleier; nichts war wirklich. Dann aber tauchte Frau Marescots strenges, kantiges Gesicht auf und winkte mir mit den Augen. „Sie müssen jetzt in den zweiten Stock. Nummer 93 ist so schnell wir möglich in Ordnung zu bringen. Kommen Sie gleich mit; ich gebe Ihnen die Wäsche . . .“ Arbeit! Das war gut! Ich stürzte mich hinein wie in ein wogendes Meer. Ich wollte nichts fühlen, nichts wissen, nichts denken. Nie zuvor hatte ich in einem solchen Tempo gearbeitet. Sogar Frau Marescot schien mit mir zufrieden zu sein. An diesem Abend kam ich etwas später als gewöhnlich dazu, die Zimmer auf dem unteren Korridor für die Nacht herzurichten. Als ich Nummer 43 betreten wollte, wurde die innere Tür heftig von innen geöffnet und stieß gegen mich. „Entschuldigung!“ sagte Rainer erschrocken. „Hab’ ich Sie verletzt?“ „Nichts. Es ist nichts“, sagte ich. „Zeigen Sie mal her!’ Er griff behutsam nach meinem Arm und streifte den Aermel über dem Handgelenk in die Höhe. „Sie brauchen nicht so zu zittern, I ich tue Ihnen nichts.“ Er hatte eine merkwürdige Art, einem gerade in die Augen hineinzulächeln und dabei die linke Braue spaßhaft in die Höhe zu ziehen. „Es tut mir leid, daß ich Sie erschreckt habe, kleines Mädchen. Wollen Sie einen Kognak?“ Er stand dicht vor mir und sah mich an, und ich fühlte diese süße quälende Nähe in jeder Pore. „Danke — nein“, murmelte ich kraftlos. Er schien den Aufruhr in mir zu spüren; denn sein Lächeln veränderte sich ein wenig, und ich hatte das Gefühl, als mißfiele ich ihm nicht völlig. Gleich darauf aber ließ er meine Hand los, schloß die Tür hinter sich und begab sich zu Frau de Boor in die Halle. * Vielleicht hätte mich diese Liebe zu Rainer nicht mit solcher Heftigkeit überfallen, wenn mir Heimat und Familie geblieben wären. So aber hatte ich alles verloren; ich befand mich hier in der Fremde ohne einen Menschen, der zu mir gehörte, und hungerte nach Zärtlichkeit. Die Liebe zu Rainer war aus jenem ersten beschützenden Griff, aus Rainers äußerer Erscheinung und seinem Lächeln in mich hineingeströmt; sie durchzitterte und erfaßte mich bis in die letzten Fasern meines Wesens hinein. Zum Glück war Faulette gerade jetzt mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt und fand daher nicht viel Zeit, sich um mich zu kümmern. Auch Paulette hatte sich verliebt, und es schien ihr ernster damit als sonst. Es war ein Geiger der neuen Tanzkapelle, Carlo Gabussi mit Namen, ein auffallend gut aussehender Mensch von südländischem Typ. Schon beim erstenmal, als ich dem Tanz zuschaute, war er mir durch Spiel und Haltung aufgefallen; schon damals hatte mich das gleiche quälende Gefühl beschlichen wie beim ersten Anblick von Frau de Boor, das Gefühl nämlich, als müßte ich ihm iii meinem Leben schon einmal und unter sehr andersgearteten Umständen begegnet 6ein . , . (Fortsetzung folgt) Jlittwoch, 18. Juli 1951 SÜDKURIEE Nr. 110 / Seite 7 Sind Mietpreis-Erhöhungen zu verantworten? Stellungnahme der Arbeiterschaft: Druck auf Löhne und Gehälter wäre unvermeidlich Umständen vermieden wer' Vom Deutschen Gewerkschaftsbund, Kreis- ausschuS Konstanz, wird dem ,,Südkurier’' geschrieben: „Seit längerer Zeit wird in der Oeffent- Sdikeit immer und immer wieder die Frage von Mietpreieerhöhungen diskutiert. Es ist bekannt, daß hinter diesen Forderungen vor allem die Organisatio nen der Haus- und Grundbesitzer stehen. Der Präsident des Zentralverbandes der Haus- und Grundbesitzer hat anläßlich einer Tagung im Rahmen der Constructa' Bauausstellung in Hannover eine 15°/oige Erhöhung der Altbaumieten als ersten Schritt für eine Neugestaltung des deutschen Mietgefüges gefordert. Bei diesen Diskussionen bedienen sich die Haus- und Grundbesitzervereine ganz besonders immer wieder der einseitigen Behauptung, die Regierung sei bei der Ablehnung aller Mietpreiserhöhungen ein' seitig den Forderungen der Gewerkschaften gefolgt. Man versteigt sich sogar dazu, die Dinge so darzustellen, als ob der größte Teil aller betroffenen Haus- und Grundbesitzer arme Arbeiter und kleine Angestellte seien. Wir verkennen keinesfalls, daß auch Gewerkschaftsmitglieder als Hauseigentümer an der Ordnung des Mietgefüges interessiert sind. Wir wissen aber, daß diese das Problem ganz anders sehen, als die Interessenvertreter in den Vereinen der Haus- und Grundbesitzer. Wir müssen darauf hinweisen, daß die Darstellung der Haus- und Grundbesitzervereine hin sichtlich der Politik der Bundesregierung unrichtig ist. In Wirklichkeit ist die Sachlage wie folgt: 1) Nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Arbeitgeberorganisationen haben in ihren Vorschlägen, vor allem in den Vorschlägen des beim Bundeskanzleramt eingerichteten, paritätisch besetzten Ausschusses „Lohn und Preis“ einmütig die Forderung gestellt, daß vorläufig keine Aenderung im Mietpreisgefüge ein- treten darf. Bei der gemeinsamen Besprechung haben die Minister Erhard, Schäffer, Storch und Niklas erklärt, daß im Augenblick die Frage von Mietpreiserhöhungen undiskutabel ist. 2) Die Bundesregierung hat auch ohne diese gemeinsamen Vorschläge der Tarifvertragsparteien von vornherein die Empfehlungen des Niederbreisiger Programms, das eine generelle Erhöhung der Mieten forderte, hinsichtlich der Mietpreisänderungen abgelehnt, da jedem Einsichtigen klar ist, daß ein solch schwerwiegender Eingriff einen Druck auf Löhne und Gehälter, Renten und Unterstützungen ausübt, der in der augenblicklichen Situation Der Slfere Arbeitslose Die Lage der älteren arbeitslosen Angestellten ist zu einem Problem insofern geworden, als auf diesem Sektor eine Arbeitslosigkeit von nicht absehbarer Dauer auftreten muß, wenn sich die Wirtschaft, im weitesten Sinne verstanden, nicht entschließt, in wesentlich größerem Umfange als bisher ältere Arbeitnehmer einzustellen, dem Problem des Doppelverdiener- tums mehr Aufmerksamkeit zu schenken und überhaupt die sozialen Auswirkungen stärker zu berücksichtigen. Gewiß, die Wirtschaftslage und die Steuerlasten zwingen die meisten Betriebe, den Personalsektor in sehr engen Grenzen au halten. Aiuch werden tarifrechtliche Gründe in dem einen oder andern Fall die Einstellung einer jüngeren Kraft nahelegen. Und doch ist es, wie zahlreiche Beispiele beweisen, nicht unmöglich, auch ältere Arbeitsuchende zum Zuge kommen bu lassen. Es werden allerdings immer nur einzelne sein können, die durch Entgegenkommen der Betriebe einen Arbeitsplatz erhalten. Man müßte daher von Staats wegen ein,greifen, wenn die Arbeitslosigkeit der älteren Angestellten wirksam behoben werden soll. Es gäbe hierzu die Möglichkeit, für die Einstellung eines jeden älteren Angestellten entweder Steuernachlässe oder einen direkten Zuschuß aus Mitteln der durch die Einstellung in Wegfall kommenden Unterstützung zu gewähren. Damit wären manche Schwierigkeiten schon überwunden. Ob man gleichzeitig, ähnlich wie für die Schwerbeschädigten, eine Pflichtzahl älterer Angestellten für jeden größeren Betrieb festlegen will, könnte zunächst zurückgestellt bleiben und von dem Erfolg einer freiwilligen Aktion abhängig gemacht werden. Für arbeitslose Angestellte über 60 Jahre besteht jetzt schon die Möglichkeit, nach Ablauf eines Jahres ununterbrochener Arbeitslosigkeit Antrag auf Angestelltenrente zu stellen. Die Frage wäre nur, ob nicht aus Unterstützungsmitteln die Renten zu erhöhen wären, ohne daß diese Personenkreise sich weiterhin den Arbeitsämtern zur Verfügung halten müßte. unter allen den muß. 3) Diese Beurteilung des Gesamtproblems entspricht der überwiegenden Meinung der großen politischen Parteien. Die Zurückstellung der Ordnung des Mietpreisgefüges bedeutet natürlich nicht, daß das Problem zur gegebenen Zeit nicht wieder aufgegriffen wird. Es bedarf keiner besonderen Betonung, daß der DGB das Problem in seiner volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragestellung genau verfolgt und die Interessen seiner Mitglieder aufs energischste vertreten wird.“ Neuer Tarif Im Fahrzeughandel Singen. (Br.-Eigenbericht). In zweitägigen Verhandlungen über die Gehaltsregelung für die kaufmännischen und technischen Angestellten im Kraftfahrzeughandel und-gewerbe, sowie im Kraftfahrzeughandwerk wurden neue Gehaltssätze zwischen der Arbeitgeberorganisation und der DAG vereinbart, die im Durchschnitt eine Erhöhung von 12,3 Prozent bringen. Die neue Gehaltsregelung gilt ab 1. Juli dieses Jahres. Kurzmeldungen Die Ausfuhren der gesamten Welt waren 1950 mengenmäßig 18 Prozent höher als 1948; das gesamte Handelsdefizit der Welt, das 1948 noch über 7,5 Milliarden Dollar betrug, ist 1950 rund 3,6 Milliarden Dollar zurückgegangen. Die Bundesregierung hat jetzt dem Bundesrat den Verordnungsentwurf über die Deckung der durch die Tarif- und Umsatzsteuererhöhung im Bergbau entstandenen Mehrkosten zugeleitet. Die Mehraufwendungen infolge der zwölfprozentigen Lohnaufbesserung vom 1. Mai an werden darin mit 2,45 DM je Tonne verwertbarer Förderung oder mit 23,2 Millionen DM monatlich angegeben. Die Aufbauminister der Bundesländer haben anläßlich der Bauausstellung in Hannover eine Fachkommission mit der Beratung ihres Gesamtplanes für den westdeutschen Wohnungsbau beauftragt. Die bisherige reguläre deutsche Kredit- Quote bei der Europäischen Zahlungsunion (EZU) von 320 Millionen Dollar war Ende Juni nur noch bis zu dem Gesamtbetrag von 272,8 Millionen Dollar ausgenutzt. Den stärksten Uberschuß erzielte Belgien— Luxemburg, während sich Österreich, Griechenland und die Türkei weiter verschuldeten. Handwerk leidet nnter Schwarzarbeit und Materialmangel Finanzierungs-Schwierigkeiten im Baugewerbe wirken sich aus Bonn. (W.-Eigenbericht.) In den letzten Monaten ist die Lage des Handwerks immer schwieriger geworden, wie aus den letzten Berichten der Handwerkskammern hervorgeht. Schlechte Beschäftigung, Materialmangel und vermehrte Schwarzarbeit bereiten dem Handwerk große Sorgen. Die Zahl der Konkurse und Vergleichsverfahren ist im Steigen begriffen. Die Geldver- knappung hat die Aufträge, zum Beispiel im Bauhandwerk, entscheidend zurückgehen lassen. Die öffentlichen Aufträge des sozialen Wohnungsbaus haben die entstandene Auftragslücke nicht schließen können, weil die gestiegenen Baukosten ziur Zurückhaltung zwingen. Im Klempner- und Installateur-Handwerk fehlt es an den verschiedensten Materialien. Stahlrohre, Bleche und Pappe sind knapp. Die hohen Preise haben das Geschäft der Schneider und Putzmacher zurückgehen lassen. Eine verhältnismäßig gute Beschäftigung melden nur die Bäcker, Konditoren und Fleischer. Niederlassung noch begrenzt London. Die von Bonn bekanntgegebene Freigabe der Niederlassung deutscher Firmen im Ausland hat nur begrenzte Bedeutung. Die hohe Kommission hat zwar ihre Befugnisse auf diesem Gebiet der Bundesregierung übertragen. Unabhängig davon müßte aber z. B. die britische Regierung das Niederlassungsrecht für England erst noch gewähren, ehe sich deutsche Firmen in London wieder betätigen können. ’ Preisauftrieb unter Durchschnitt Paris. Aus Zahlen, die die OEEC in Paris dieser Tage veröffentlicht hat, geht hervor, daß die Bundesrepublik zu den Staaten gehört, die seit Ausbruch des Kpreakrieges lim Vergleich zu anderen Ländern nur einen mittelmäßigen, eher unter dem Durchschnitt liegenden Preisauftrieb zu verzeichnen haben. Die Angaben der OEEC beziehen sich auf die Preisentwicklung in 19 Ländern seit Juni 1950. 400 000 Tonnen Kohle aus USA Bonn. Rund 400 000 Tonnen USA- Kohle werden im dritten Quartal 1951 für die Industrie der Bundesrepublik gegen Bezahlung in freien Dollars eingeführt. Die einzelnen Industriegruppen sollen im dritten Vierteljahr 1951 an USA-Kohle durchschnittlich eine Quote von zehn Prozent ihrer Gesamtbezüge an Steinkohlen und Steinkohlenkoks des zweiten Quartals dieses Jahres erhalten. Gesundheits-Ausstellung erfolgreich Köln. Auf der Ausstellung für Gesundheit zeigen über 300 Firmen in einer repräsentativen Wirtschafts schau Erzeugnisse der Industrie zur Erhaltung und Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse. Besondere Beachtung findet unter anderem ein neuartiger Operationsstuhl für Zahnärzte, den die Meersburger Firma Ing. Hans Wälischmiller entwickelt hat. Dornbirn rüstet zur Textifenesse Dornbirn (Dr. A.-Eigenbericht). Die Export- und Mustermesse in Dornbirn wird am Freitag, 27. Juli, eröffnet und dauert bis 5. August. Von 663 ausstellenden Firmen kommen diesmal 125 aus Deutschland und 106 aus 'der Schweiz, Italien, Spanien und anderen Staaten. Die Industrie der deutschen Bundesrepublik bringt vorwiegend Erzeugnisse des Textilmaschinen- und allgemeinen Maschinenbaues, Werkzeuge, Elektro- ibedarf, Fahrzeuge, Filme, Büroartikel, Uhren, Motoren und Textilien zur Vorführung. Steigende Automobil-Erzeugung Frankfurt. 190 986 Kraftfahrzeuge, darunter 135 197 Personenkraftwagen, wurden im ersten Halbjahr 1951 in der Bundesrepublik hergestellt. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 1950 bedeutet dies eine Zunahme um 7,5 Prozent, gegenüber dem ersten Halbjahr 1950 sogar um fast 49 Prozent. Möbel vorerst nicht billiger Köl n. Mit einem Rückgang der Möfoel- preise ist nach Ansicht der Möbelindustrie nicht zu rechnen. Die Fachabteilung Möbel im Hauptverband der deutschen holzverarbeitenden Industrie betont, daß die behördliche Regelung der Holzpreise die steigende Preistendenz auf dem Holzmarkt nicht habe hemmen können. Bausparen behauptet sich Ludwigsburg. Die Bausparkasse „Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot“ stellt in ihrem ersten Nachkriegsbericht fest, daß der bei fast allen Sparinstituten durch die Währungsreform und die Koreakrise erschütterte Spargedanke sich am schnellsten wieder auf dem Gebiet des Bausparens festigen konnte. Die GdF konnte seit der Währungsreform bis Ende 1950 mit 138,2 Millionen DM rund 7300 Gebäude und über 13 000 Wohneinheiten finanzieren. Mehr Rinder, weniger Schafe Bonn. Die Viehzählung im Bundesgebiet vom 4. Juni 1951 hat eine weitere Zunahme des Rinder- und Schweinebestandes und eine erneute Verringerung der Schafhaltung ergeben. Der Bestand an Rindern hat sich in den letzten zwölf Monaten um 145 000 auf 11,4 Millionen Stück erhöht. Vieh- und Schxoeinemarkte Stockach. Der Ferkelmarkt vom 17. 7. war nur mit 44 Ferkeln beschickt, diie bei großer Nachfrage zum Preise von 70—90 Mark pro Paar restlos abgesetzt werden konnten. Haslach. Am 16. Juli wurden dem Markt 300 Ferkel zugeführt, die alle abgesetzt werden konnten. Preise: 20 bis 40 DM, über 10 Wochen alte bis 50 DM pro Stüde. Nächster Schweitie- markt am 23. Juli. Mannheim. Am 16. Juli wurden aufgetrieben: 512 Ochsen, 286 Kälber, 19 Schafe, 1806 Schweine. Die Preise pro Pfund Lebendgewicht betrugen: Ochsen 0,85—1,03; Bullen 0,84—1,02; Kühe 0,60—0,90; Färsen 0,89—1,05; Kälber 1,08 bis 1,40; Schweine 0,98—1,23 DM. Auf dem Ferkelmarkt am 12. 7. wurden 92 Ferkel und 1 Läufer aufgetrieben. Preise pro Stück: bis 6 Wochen DM 18—35, über 6 Wochen DM 40—72; Läufer DM 100. Marktverlauf: Großvieh schleppend. Kälber lebhaft. Schweine mittel. Ferkel langsam. Stuttgart. SchJachtviehmarkt am 17. 7. Großvieh: Auftrieb 857, Tendenz langsam, kleiner Ueberstand; Ochsen: 95, Bullen 185, Rinder 234, Kühe 343, Kälber 1232, Schweine 2578, Schafe 111. — Preise in DM für je 100 kg Lebendgewicht: Großvieh. Ochsen, Klasse A 86—91, B 80—85; Bullen A 94—100, B 85—93, Rinder AA 105—109, A 93—103, B 82—92; Kühe A 76—83, B 68—75, C 58—67, D — 56; Kälber, Sonderklasse über Notiz, Klasse A 118—125, B 106—115, C 95—104, D —90; Schweine A und B 1 112—116, B 2 und C 115—118, D und £ 113—116, G 1 102 bis 108, G 2 100. Sportdieasi des Südkurier Gottfried v. Cramm gewann den letzten Satz Deutschlands Tennis nun Im Finale der Europazone Der endgültige Sieg im deutschen Daviepokai- spiel gegen Italien, den Gottfried von Gramm im letzten Einzelspiel am Montag gegen Rolando del Bello anbahnte, wurde wie erwartet mit dem dritten Gewinnsatz vollendet. Das beim Stand 7:5, 6:4, 4:6 abgebrochene Spiel fand gestern Dienstag mit einem 6:4-Satzsieg des deutschen Spitzenspielers seine Fortsetzung und sein Ende. Deutschland schlug damit Italien mit 3:2 und erreichte die Schlußrunde des Davispokals in der Europazone. Vom 27. bis 29. Juli ist nun in Stockholm Schweden der Gegner der deutschen Mannschaft, da den Schweden im zweiten Vorsdihißrundenspiel ein klarer Sieg über die Philippinen zuzutrauen ist. Auch am 'Dienstag schien der Himmel kein Einsehen mit dem Davispokalkampf zu haben. Punkt 12 Uhr begannen die Wolken München und mit der ganzen Stadt auch die Tennisplätze wieder mit Sprühregen zu überziehen. Um 15.20 Uhr begann der Kampf mit von Cramms Aufschlag. Hatte der italienische Sportjournalist Bellani vor Beginn auf einen 12-Miniuten-Sieg des Deutschen getippt, so zeigte sich, daß er seinen Jungen Landsmann (vielleicht mit Absicht) unterschätzt hatte. Nach dem 1:1 durchbrach von Cramm den Aufschlag del Beilos trotz eines 0:40-Rückstandes und lag dann bei 3:1 und 4:2 vorn. Aber noch batte der deutsche Meister nicht gewonnen. Mit wunderbar plazierten Bällen in beide Ecken batte del Bello die beiden nächsten Spiele und zog damit auf 4:4 gleich. Dann sicherte sich von Cramm den eigenen Aufschlag in kurzer Zeit und kam bei dem Aufschlag seines Gegners bereits beim ersten MatchbaU zum entscheidenden Satzsieg nach insgesamt 20 Minuten. Am 23. September gegen Oesterreich Für die Spielzeit 1951/52 hat der Deutsche Fußball-Bund folgende Länderspiele abgeschlossen: Am 23. September gegen Oesterreich, voraussichtlich in Deutschland, am 17. Oktober in Dublin gegen Irland, am 21. November 'Rückkampf gegen die Türkei in Istanbul, am 31. Januar 1962 gegen Portugal in Lissabon und am 4. Mai das Rückspiel gegen Irland in Deutschland. Bartali - das italienische Tour-Opfer? Er hat schon 13 Verlustminuten — Führungswechsel nach der 12. Etappe Von den 123 Teilnehmern der Tour de France, die am 4. Juli in Metz abfuhren, sind schon über 25 ausgeschieden. Noch ist der Ausgang unklar, denn die „fünf großen Favoriten" haben alle die gleiche Chance, am 29. Juli im Prinzenpark als Sieger einzuziehen. Der Westfranzose Leveque mußte das gelbe Trikot, das ihn als den besten Fahrer der Gesamtwertung qualifizierte, inzwischen an den Holländer Van Est abgeben. Er ist kein guter Kletterer, und sein Zurückfallen kommt nicht unerwartet. Der Schweizer Koblet ist der mobilste Fahrer, er wirkt wie der künftige Sieger. Coppi hat seine Depression, die durch den Tod seines Bruders entstanden war, überwunden. Bar- tali dürfte wahrscheinlich der Fahrer sein, der von der italienischen 'Mannschaft geopfert wird, da er schon 13 Minuten im Rückstand ist. Die 12. Etappe von Agen über 185 Kilometer nach Dax gewann der Holländer Wiim van Est. Das gelbe Trikot, das äußere Zeichen des Führers in der Gesamtwertung wechselte seinen Besitzer. Der holländische Etappensieger van Est eroberte sich das begehrte Trikot vor dem Franzosen Meunier, dem Belgier Demu’.der und dem Franzosen Leveque, der bis zur 12. Etappe noch in der Gesamtwertung führte. Gesamtwertung nach der 12. Etappe: 1. Wim van Est (Holland) 68:30:24 Stunden; 2. Georges Meunier (Frankreich) 66:32:53; 3. Demulder (Belgien) 68:33:37 : 4. Roger Leveque (Frankreich) 68:34:54: 5. Gilbert Baavin (Frankreich) 68:35:30: 6. Hugo Koblet (Schweiz) 68:38:21. Etappenklassement: 1. Van Est (Holland) 5:00:25 Stunden; 2. Caput (Frankreich): 3. Marinelli (Frankreich): 4. Voorting (Holland): 5. Müller (Frankreich); 6. Sommer (Schweiz) (alle gleiche Zeit wie van Est). Der Schweizer Hugo Koblet beendete die 11. Etappe von Brive nach Agen über 177 km siegreich. Die Besten der siidbadischen Schwimmerjugend Bei den Prüifungskämpfen der saidbadischen Schwimmerjugend, über die wir bereits berichteten, gab es folgende {Resultate: Männliche Jugend: 100 m K r a U1 : H. Müller, PC Freiburg, 1:12,6 Min.; M. Vetter, VfL Konstanz, 1:16,6; R. Stoffel, FC Freiburg, 1:17,5. — 100 m Brust: Josef ttasler, SSV Freiburg, 1:217,8 Min.; K. Stadler, VfL Konstanz, 1:28,8; tWblfdieter Albert, 1844 Freiburg, 1:30.4 Min. —- 200 m Kraul: H. Vetter, VfL Konstanz, 3:021 Min.; (Rolf Plötze, SSV Freiburg, 3:034 Min.; Wolfgang Oempirek, FC Freiburg, 3:10,1 Min. — 200 m Brust: K. Stadler, VfL Konstanz, 3:15,5 Min.; Herbert Heini, Rastatter TV, 3:15,8 Mn.; Wolfgang Neininger, SC Villingen, 3:21,4 Min. — 100 m Rücken: Alex Dränle, FC Freiburg, 1:32,6 Mn.; Peter Kray, FC Freiburg, 1:34,5 Min.; Heinz Ganter, VfL Konstanz, 1:41,3 Min. — 4 X 1 00-Kraul : FC Freiiburg 5:23,4 Mn.; VfL Konstanz 5:39,9 Min.; TV Singen 5:47,7 Min. — 4Xl00 m Brust: VfL Konstanz 6:15,7 Min.; 1844 Freiburg 6:31,6 Min.; FC Freiburg 6:32,6 Min.; 5. TV Singen 6:43,2 Min.? 7. ETSV. Weil 6:44,5 Min. — 3XlOO-m-Lag©n« staffel: FC Freibu-rg 4:19,5 Min.; VfL Konstanz 4:31,2 Min.; TV Singen 5:12,4 Min. — Kunstspringen: 1. R. Schillingen FC Freiburg, 35,41 Punkte. Weibliche Jugend: 100 m Kraul: Susanne Füßlin, SSV Freiburg, 1:29,8 Min.; Gerda Traber, VfL Konstanz, 1:31.2 Min.; Inge Bieringer, ASV Freiiburg, 1:40,3. Mn. — 100 m Brust: Ruth Wetzel, SSV Freiburg, 1:39,4 Min.; Sonja Dür- schnabel, TV Singen, 1:40,2 Mn. — Dorle Al- brecht, Sp iWlaldkirch, 1:41,8 Mn. — 100 m Rücken : Susanne Füßlin, SSV Freiburg, 1:51,3 Min.; Christel Herth, VfL Konstanz, 1:52,5 Min.; Hildegard Kiefer, TV Singen, 1:55,7 Min. — 4X100 m Brust: TV Singen 6:57,9 Min.; SSV Freiburg 7:20,3 MÜn.; Sp. Waldkirdi 7:38,2 Min. — 3X100 m Lagen: SSV Freiburg 5:22,8 Min.; TV Singen 5:36,4 Mn.; FC Freiburg 5:52,2 Min. Knaben: 100 m Kraul: Günter Schramm, SSV Freiburg, 1:19,3 Min.; Friedhelm Martin, FC Freiburg 1:22,0 Min.; Alfred Gilbert, TV Singen, 1:26,0. — 100 m Brust: Dieter Möhrle, TV Singen, 1:36,6 Mn.; Wilfried Hildebrand, TV Gaggenau 1:39,2 Min.; Peter SchöpperSe, SSV Freiburg, 1:39,7 Min. — 4X50 m Brust: SSV ■Freiburg 3:00,0 Min.; FC Freiburg 3:14,2 Min.; Rotweiß Lörrach 3:28,7 Min. — 3 X 50 m Lagen: SSV Freiburg 1:57,6 Min.; FC Freiiburg 2:02,6 Min.; Rotweiß Lörrach 2:41,4 Min. Mädchen: 100 m Brust: HKde Stengel, FC Freiburg, 1:47,8 Min.; Hilde Bosch, SSV Freiburg, 1:50,1 Min.; Renate Schweikfert, Sp. Donaueschin- gen, 1 :52,9 Min. — 4X50 m Brust: Rotweiß Lörrach 3:30,2; TB Emmendingen 3:35,3 Min.; Sp. Donaueschiingen 3:39,2 Min. Südbadische Meisterschaft 1500 Meter Kraul: 1. R. Wolf, VfL Konstanz, 24:38,3 Mn., 2. R. Adler, TV Rastatt, 24:40,0 Min.; 3. L. Beihofer, VfL Konstanz, 27:22,2 Mn., 4. G. Schöner, (Rotweiß Lörrach, 28:54,5 Min. Süddeutsche Leichtathleten vor West und Nord Die süddeutschen Leichtathleten schnitten bei ihren Titelkämpfen besser ab, als ihre Kameraden in West- und Norddeutschland. Bei einem Leistungsvergleich steht nämlich der Süden bei den Männern 13mal an der ersten Stelle vor dem Westen (5mail) und dem Norden (4mal), Eine Zusam- menstelhmg der Meister ergibt folgendes Bild: Süd : West: Nord: 2: 100 m Kraus 10,6 Geister 10,7 Golgert 10,9 200 m Zandt 21,5 Geister 21,6 Golgert 21,8 400 m Haas 47,8 Sailen 49,0 Steinhorst 49,9 8C0 m Ulzheimer 1:51,2 Cleve 1:51,3 Bohna • 1:55.8 1500 m Schlegel 3:56,0 Lueg 3:55,8 Kluge 3:59,8 5000 m Müller 15:07,2 Braun 14:52,0 Tnnczycki 15:01,0 10 000 m GrenzLein 33:49,6 Holtkamp 31:18,8 Haun-Krüger 32:58,0 1‘.0 m Hürden Theilmann 15,1 Kohlhoff 15,6 Becker 15,1 200 m Hürden Scharr 25,6 Hup-pertz 254 Schirner 24,7 400 m Hürden Scharr 54,2 Sailen 54,7 Kwoczek 56,5 3 000 m Hindern. Kaindl 9:21,8 Goos 9:43,4 Wöl-ler 10:00 Hochsprung: Koppenwallner 1,83 Massion 1,80 Nacke 1,85 Stabhochsprung: Schneider 4,00 Landschulze 3,80 Fukas 3,40 Weitsprung Bieser 6,93 Klickhammer 6,83 Jonath 6,99 Dt ei Sprung Müller 13,89 Trozowski 14,22 Bodenhagen 13,98 Diskuswerfen Hilbrecht 46,07 Hosendahl 43,56 Horeis 42,15 Hammerwerfen Storch 56,71 Ronge 41,71 Hein 49.04 Speerwerfen Keller 61,93 Hauer 60,43 Stockfisch 54,33 Kugelstoßen Dr. Luh 14,47 Otterpohl 13,72 Dr. Sonneck 13,68 4X100 m Phönix L’hafen 42,1 Pr. Krefeld 42,8 HSV 43,2 4X400 m SV Feuerbach 3:22,6 Krefeld 1910 3:15,8 Werder-Bremen 3:21,2 3X1000 m Fünfkampf: Zehnkampf: SV Feuerbach Sepp Hipp Gördler 7:37,4 3799 5373 Pr. Krefeld Frings Lehmann 7:35,2 3038 5366 Werder-Bremen 7:41,4 Insgesamt wurden in Balingen, Krefeld und Hamburg acht neue Jahresbestleistungen erzielt: 200-m-Hürden: Schirner-Stadthagen 24,7; 400-m-Hürden: Scharr-Feuerbach 54,2; 3000-m-Hindemis; Kaindl-Miinchen 9:21,8; 4X400 m: 1910 Krefeld, 3:15,8; Fünfkampf: Hipp-Balingen 3799 P.jFrauen- hochsprung: Schubert-Nürnberg 1,59 m, Frauen*Fünfkampf: Fauth-Stuttgart 396 P. _ 10 000-m- Lauf der Männer: Holtkampf-Koblenz 31:18,8. GelegeiHteltskSufe! 1 komb. Dickte 600 mm 1 komb. Fräse m. Krelss. u. 8ohrm 1 Bandsäge 450 und 800 0 1 Fußbodenhobelmaschine 1 Hobolmesserschlelfmaschlne 1 Kettenfräse 1 Gonaulqkt.-Dickte-Aldinger 1 Bandschleifmaschine 1 Kehimaacnlne 1 Frässupoort z. Selbstb. v. Fräsen Fordern Sie Katalog Nr. 46 Sachsmaschinen WOnchen 15 - Bavariaring 4 Eine Anzahl Facharbeiter wie Ilechaniker Werkzeugmacher Dreher und Feinmechaniker finden sofort Datierbeschäftigung bei I. 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Ich wanderte weit in der Welt und suchte das Glück. Aber nach all den Enttäuschungen zog es mich dorthin, wo mich die Mutter beten gelehrt, wo das Schwesterlein im Sarge lag, wo man den Vater zur Ruhe getragen hatte. Vieles habe ich erlebt und vieles wieder vergessen; aber dies nicht! Bald nach meiner Rüdekehr ging ich abends durch den Wald zu der kleinen Bank, wo man vor sich den See hat, gegenüber den Säntis, und zur Rechten das Münster. Wie schön, wie wunderschön war jener Abend! Schön wäret auch ihr, ihr flimmernden Nächte des Südens, ihr warmdunklen Tro- pennächte, wenn das Meer, das wir durchpflügten, im Scheine des Mondes in langen, schimmernden Straßen aufleuchtete, schön waren die Tage in Griechenland, wenn die summende Menge bei den Festen uns umwogte und junge Mädchen Rosen und Veilchen uns boten, die duftenden Veilchen Attikas, zu Sträußen gebunden. Das alles hatte mich ergriffen und wieder losgelassen. Aber das hier, das ließ mich nicht los! Da unten glitten die Segel auf dem See, da drüben war noch der Säntis, waren die Schweizerdörfchen, alles wie damals. Nur ich, ich war nicht mehr ich! Ja, diese Bank war es einst gewesen. Aber, was kann das für euch bedeuten? Und doch muß ich davon reden. — Hier, wo ich heute sitze, wartete ich damals auf das lieblichste Geschöpf Gottes. Es war ein Abend wie heute. Sie kam die leichte Anhöhe herauf, dort hinter dem Waldhaus. Anmutig und noch etwas befangen in ihrer großen Jugend, im duftigen rosa Kleid lieblich wie ein Heckenröschen. Zwei blonde Zöpfe hingen ihr über die Brust, und die hellen Augen schauten flackernd und fragend in die Welt. Die kühlen Mädchenlippen wollten noch ein bißchen trotzig erscheinen. Damals kam mir das vorteilhafte Angebot nach Rio. Ich packte meine Koffer und nahm Abschied. Leicht ging ich ins volle Leben hinein und wußte nicht, wie nahe ich meinem Glück gewesen war, und wie ich ein reines Herz in seiner Tiefe verwundet hatte. Ich war auch mir selbst untreu geworden. Das Meer legte sich zwischen die Heimat und mich. Oft glaubte ich dann, glücklich zu sein; ich war es nie! Warum nur konnte ich das Glück nie festhalten? Was wollt ihr, ihr Berge da drüben über dem See? Warum sieht mich der Turm des Münsters heute so ernst an? Warum drängt ihr euch wieder und wieder vor meinen Blick, ihr weißen Segel? Warum führst du, Schicksal, das liebliche Kind im rosa Kleid am Arme des jungen Mannes da unten am Ufer des Sees hin? Schicksal, willst du mich narren? Es ist ja alles so lange schon vorbei! Warum quälst du mich mit diesen Bildern? — Vorbei? — Wie denn? Vorbei? Mußte das sein? Stehen nicht die Berge in majestätischer Ruhe -wie vor Jahren? Steht nicht das Münster herrlich wie ehedem? Gleiten nicht die Boote wie einst in meiner Jugend? Da fällt es mir auf meine Seele, da greift ein wildes Erkennen an mein Herz: hier, hier war dein Glück, und du wußtest es nicht! Hier grüßt dich im alten Münster die Kunst deiner Väter, hier leben die Geister deiner Ahnen, hier ist die Schönheit der Berge und des Sees, die deine Vorfahren ergötzt hat. Hier hättest du gezeugt und geschaffen in dem, was dein eigener Geist und dein eigenes Blut ist. Und hättest du gleiches Leid erlebt wie draußen, es wäre nicht das gleiche gewesen. Hier trösten dich dein Land und die Berge, die dir Ewigkeitsgedanken wecken, die frohen Menschen, die dich verstehen; hier wecken und nähren die ewig wogenden Wellen des Sees deine Gedanken, und das Münster steht feierlich und erzählt von Jahrhunderten deines Volkes. Hier hättest du nie ganz unglücklich werden können. Du hättest vielleicht viel aus dir bilden Aus alten Stadtehroniken: Im Jahre 1672 war der Wasserstand des Bodensees so nieder, daß die Mönche des Predigerklosters auf der Insel ihre gewöhnliche Prozession auf trockenem Boden rund ums Ufer abhalten konnten. In den Julitagen des Jahres 1726 wütete ein solcher Sturmwind, mit Hagel vermischt, daß aus dem Wäldchen beim Tägermoos 77 Bäume aus dem Boden gerissen wurden. Eine eigenartige Fata Morgana ließ sich am 28. Januar 1772, morgens kurz vor acht Uhr, wahrnehmen: aus dem See erhob sich eine hellrot leuchtende Luftsäule, an die 30 Ellen gleich 18 Meter hoch, die sich auf einmal in vier untereinander stehende auflöste. Die oberste leuchtete wie die Sonne, die drei übrigen hatten eine blaßrote Färbung, die unterste schien auf dem Wasser zu schwimmen. Nach fünf Minuten nahm dieses vierfache Sonnenbild wieder die Gestalt einer hellen Säule an, und alles verlor sich. Im Jahre 1307 wurde der französische Kleriker Gerhard, Domherr in Autun, können; aber dann hättest du am See bleiben müssen. Draußen mußte ja alles, was eigen in dir war, verdorren. Du hast fremde Gedanken gedacht und fremde Lieder gesungen und fremde Tränen geweint. Verspielt! Dein Leben verspielt! Zu spät! Hier wäre dein Kaisertum gewesen. Von der Straße hinter dem Walde ertönte aus den Kehlen junger Männer das Lied meiner Jugend: Tief im Herzen tut mir‘s weh, ja weh, Weil ich scheiden muß vom Bodensee. Mich fröstelte. Ich zog den Mantel enger und ging langsam der Stadt zu. Das war das kleine Erlebnis, das ich euch erzählen wollte und das für mich mein Schicksal war. Scoiattoio durch Empfehlung (Provision) des Papstes Klemens V. auf den Bischofsthron von Konstanz erhoben. „Er was ain walch, der Schwaben Sitten nit erkennet“ heißt es in der Chronik, sprach kein Wort Deutsch und konnte in Konstanz nie heimisch werden, verschleuderte dazu noch das bischöfliche Vermögen. Unter den insgesamt 95 Konstan- zer Bischöfen war er der einzige Franzose. In puncto Titel beliebte die Barockzeit sehr streng zu sein. Dem Bürgermeister und dem Stadtvogt stand Anno 1731 der Titel „Euer hoch- (oder wohledel) gebohren, mein hochgeehrtester Herr“ zu, seine Gemahlin war mit „Gnädige Frau“ anzureden, die Anschriften an die Stadtverwaltung mußten „Wohllöblicher Magistrat“ lauten; den Domherren und Prälaten stand aber nur das Prädikat „Hochwürden“, nicht etwa „Gnädig ge- biethender Herr“ zu, wie etwa den Respektspersonen, dem Stadthauptmann von Österreichs Gnaden oder dem Stadtkommandanten. Das Tabakrauchen kam erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts auf. Aber man sprach um diese Zeit nur vom „Tabaktrinken“, in tadelnder Weise sogar vom „Tabaksaufen“. In den Ställen Tabak zu „trinken“, war von der vorderösterreichischen Regierung allgemein verboten worden. Im Jahre 1555 erschien erstmals eine „Zahnbrecherin“ auf der Konstanzer Messe, ob zur Freude der Bevölkerung, kann nicht bestimmt behauptet werden, denn ein Bürger erhielt vom Stadtmagistrat die Aufforderung, sie während der Messe zu beherbergen, wo doch Gasthöfe genug da waren. Das „Kä n11 e“ in der „Sosena u“ stand vordem zu beiden Seiten der die Gemarkungen Konstanz und Allmannsdorf trennenden Grenze. Die Wirtschaft wurde wegen ihrer originellen Wirtin und ausgezeichnetöl Köchin, schlechtweg „Dampfschiffseppe“ genannt, gern auf gesucht; denn man bekam dort in den 1840er Jahren für sage und schreibe 10 Kreuzer, gleich 29 Pfennig 1. einen Felchen nicht unter fünfviertel Pfund schwer, 2. ein Brot „wie ein Roßkopf“ und 3. einen Schoppen Wein. Da die Grenzlinie mitten durch die Wirtsstube ging, war*es schwer, die Polizeistunden genau durchzuführen. Kam der „Polizei“ von Konstanz, dann wechselten die Gäste hinüber zum Ofen auf Allmanns- dorfer, kam der von Allmannsdorf, dann hinüber zum großen Tisch auf Konstanzer Gemarkung. Nur wenn beide Polizisten „Hand in Hand“ arbeiteten, war es möglich, die Übersitzenden heimzujagen. Wie stark die Schüler des Konstanzer Gymnasiums (Lyzeums) vor 110 Jahren vom halb- akademischen Dünkel erfaßt waren, erhellt aus der Tatsache, daß 1840 ein Lyzeist als Kartellträger eines ehemaligen Schülers einen der Professoren zum Duell forderte. Das Duell unterblieb, nachdem der Professor die Forderung angenommen hatte. Es sei nur ein Scherz gewesen, hieß es. Aber 48 Stunden Schulkarzer und dauerndes Wirtshausverbot war die Antwort der Lehrerkonferenz auf solchen „Scherz“. p.p. Kuriofa aue fcem alten Konftanz t ünseren lieben einzigen Sohn Herbert hat der Herrgott nach langem, schwerem Leiden, wohlvorbereitet in seinen Frieden heimgeholt. Allen, die uns bei seinem Heimgang ihre Anteilnahme bekundeten, sagen wir herzlichen Dank. H. H. Stadtpfarrer Zuber für seine trostreichen Worte, dem Jachtklub, den Kriegsversehrten, den Schulkameraden für die Kranzspenden ein herzliches Vergelts Gott. Radolfzell, den 17. JuU 1951 Blücherstraße 7 In Trauer August Lempp und Frau Maria, geb. Baumann nebst Anverwandten f Stcflcn-Angeöoft ] Gesucht Junge, tüchtige und selbständige Berufsleute wie (LAA) Sanitär- und Heizungsmonteure Mechaniker • Dreher Maschinenschlosser nur bestausgewiesene Typen wollen sich melden an W. Knecht Stein a. Rh. (Sdialfhaus.) Schweiz Me DU Tetne lodd . . . Vielleicht schon bald werden Sie am Ziel Ihrer Ferienreise angelangt sein. Das Fremde, Neuartige mit seinen wundersamen Reizen wird Sie in seinen Bann ziehen. Trotzdem möchten Sie mit daheim verbunden bleiben. 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