>K UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET SUDKURIER Erscheint Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, Samstag. Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark zu- Verlag und Redaktion Konstanz, Marktstätte 4 7. JAHRGANG * DONNERSTAG 2. AUGUST 1951 * NUMMER 119 ziigl. 30Pfg. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark, Tel.: 924, 925, 1130, 1510, 1511. Fernschreiber: 00028. zuzügl. 36 Pig. Postzustellgebühr. Einzelpreis 20 Pfg. Sühne für Mord Die Probe aufs Exempel DGB und Bonn für Zusammenarbeit STUTTGART. Das Stuttgarter Schwurgericht verurteilte den 20jährigen Tschecho- slowaken Milan 'Harvan zu lebenslänglich Zuchthaus. Harvan hat in der Fasnacht dieses Jahres auf einem Stuttgarter Ruinengrundstück eine 20jährige Hausangestellte ermordet, weil sie ihm nicht in seine Wohnung folgen wollte. Nach der Tat hatte er sich in Landau zur Fremdenlegion gemeldet, war jedoch von der Polizei gefaßt worden. Familienschmudk kam zurück FRANKFURT / IMiaiin. Die Amerikaner haben dem lamdgmäfl. Haus Hessen am Mittwoch die Teile des nach Kriegsende gestohlenen Famildienschimcucks ziuiriickgege- ben, die sdchergestellt werden kannten. Der Schmuck, dler während des Krieges im Schloß Friiedrtkhshof bei Kironibeng im Taunus eingemauert war, wurde am 6. November 1946 von drei Angehörigen der amerikanischen Besaitzungsmacht — Frau Gaithleen Nash, Oberst Buramt und Major Watson — gestohlen. Die Täter wundlen in mehreren Prozessen, dlie in Frankfurt und in den USA stattfanden, zu mehrjährigen Gefängnisstrafe« verurteilt und aus der amerikanischen Armee ausgestoße«. Unter den 270 Schmuckstücken Sind ein mit 405 Diamanten besetztes Platinairmiband, mit Edelsteinen und Diamanten besetzte andere goldene Armreifen, Rubine, Smaragde, Saphire und eine Reihe hochwertiger Diamanten. Die Diebe konnten die wertvollsten Teile des Famildenschmuckes dem Zugriff der amerikanischen Behörden entziehen. Badische Vorbehalte FREIBURG. (W-S.-Eigenbericht.) In einer von der Badischen Staatskanzlei herausgegebenen Stellungnahme zu Meldungen verschiedener Zeitungen in der Frage des Rechtsgutachtens des Bonner Professors Dr. Ulrich Scheuner wird festgestellt, Baden sei in gleicher Weise wie Württemberg daran interessiert, daß die Abstimmung über den Südweststaat sobald wie möglich stattfinde. Baden habe grundsätzlich gegen den Termin des 16. September nichts einzuwenden, „muß aber im Interesse der Wahrung der Rechtsidee und der Demokratie, die heute in der Bundesrepublik wieder oberste Prinzipien sein sollten, darauf Wert legen, daß eine Klage über die Verfassungswidrigkeit eines Gesetzes zunächst vom Bundesverfassungsgericht behandelt wird, bevor diese Klage praktisch gegenstandslos geworden ist, indem das Gesetz vor dem Urteil vollzogen wird.“ Die Badische Regierung sei der Meinung, daß man es eich nicht leisten könne, eine „Abstimmung ins Blaue hinein“ vorzunehmen. Man würde damit einen Präzedenzfall schaffen, der für einen Rechtsstaat schwerwiegende Folgen nach sich ziehen würde. „Symbol der Menschlichkeit" PARIS. Eine Gruppe französischer Widerstandskämpfer bat zu einer Geldsammlung aufgerufen, um das völlig verkommene Grab des deutschen Pfarrers Stock, der 1948 in Paris starb und hier beigesetzt wurde, herzurichten und würdig auszugestalten. Pfarrer Stock war während des Krieges Anstaltsgeistlicher im großen Gefängnis Fresnes bei Paris, in dem damals zahlreiche Widerstandskämpfer eingeliefert wurden. Für diese wurde Stock, wie es im Aufruf heißt, auf Grand seiner Fürsorge zum Symbol der Menschlichkeit und der Menschenliebe, die über die Ländergrenzen und die Schranken der Rasse oder des Glaubens hinausreicht. Kurz notiert Das niedersächsiscbe Kabinett besuchte die von Großbritannien als Ersatzbombenziel für Helgoland vorgeschlagene Sandbank „Knechtsand“ und kam dabei zu der Überzeugung, daß durch eine Bombardierung dieses Gebietes der Schiffahrt große Schwierigkeiten bereitet würden. Der millionste Besucher der Bundesgarten- schau in Hannover, der Elektriker Fritz Dep- ping aus Hameln, erhielt einen Scheck über 509 DM und einen Stranß Teerosen. Die Zahl der in den städtischen Krankenanstalten Lünen-Brambauer (Westf.) an Paratyphus Erkrankten hat sich von 46 auf 58 erhöht. In keinem Fall besteht Lebensgefahr- Ais Ursache der Epidemie wird Milch angenommen, die nach der Anlieferung im Krankenhaus infiziert worden war. Zwei Kauflente aus Büttgen/Grevenbroich verunglückten tödlich, als ihr Wagen in Büderich in voller Fahrt gegen einen Baum raste. Man vermutet, daß die beiden in an getrunkenem Zustand in überhöhter Geschwindigkeit gefahren sind. Metalldiebe legten in der Nacht znm Dienstag ein Pumpwerk, und damit die Wasserversorgung der Gemeinde Hohensolms (Kreis Wetzlar), durch den Diebstahl von etwa 1299 Meter Kupferkabei still. Drei britische Soldaten wurden getötet, alt uns bisher ungeklärter Ursache ein britischer Lastwagen gegen eine Mauer rannte. Ein vierter Soldat wurde schwer verletzt. Bei Alsfeld, auf der Autobahn Kassel— Frankfurt, Überschlag sich der Wagen eines Homburger Fabrikanten, ais in voller Fahrt der Reifen eines Hinterrades platzte. Der 15- Was dem russischen Volk vorenthalten wird Eine aufsdilußreiche West-Ost-Auseinandersetzung über Freiheit und persönliche Sicherheit LONDON. Zum erstenmal ist es einem Staatsmann der westlichen Welt gelungen, einen Artikel in einem offiziellen sowjetischen Blatt zu veröffentlichen: Der britische Außenminister Morrison schrieb einen 155 Zeilen langen Artikel für die Moskauer „Prawda“ — und die „Prawda“ veröffentlichte ihn. Sie antwortete jedoch in der gleichen Nummer und zwar mit einem 270 Zeilen langen Artikel. „Man sagt Euch, wir seien Kriegshetzer, wir bewaffneten uns bis an die Zähne, um die Sowjetunion anzugreifen. Nichts von alledem ist wahr.“ So beginnt Morrisons Artikel. „Das sowjetische Volk betrachtet die britischen und amerikanischen Politiker als die Anstifter eines neuen Weltkrieges“, so schließt die sehr scharfe Antwort der „Prawda”. Die Verhandlungen über die Veröffentlichung des Morrison- Artikels liefen durch fast zwei Monate, nachdem Morrison in einer Rede an Moskau die Aufforderung gerichtet hatte, ihm eine Gelegenheit zu geben, zu den Sowjet- Büngern zu sprechen. Ob mit seinem Artikel und mit der „Prawda“-Antwort die Diskussion abgeschlossen ist oder weitergehen wird, weiß man nicht. Morrison legt dar, daß dem russischen Volk viele Tatsachen und Ansichten vorenthalten werden. „Es gibt bei Euch nicht jene Freiheit der Rede und jenen freien Zugang zum Wissen wie sie die übrige Welt kennt. Die Unwissenheit schafft BERLIN. (G.-Eigenbericht). In Berlin hat die vom amerikanischen Stadtkommandanten General Mathewson im Aufträge des amerikanischen Hohen Kommissars Mc Cloy erfolgte Anweisung an Bürgermeister Reuter, das Urteil des Berliner Landgerichts im Fall Kemritz zu kassieren (wir berichteten in einem Teil unserer Ausgabe darüber), große Empörung hervorgerufen. In einem Zivilprozeß war Kemritz zur Zahlung eines Schadenersatzes an die Witwe eines der von ihm den Sowjets ausgelieferten Opfer verurteilt worden. Die Erregtheit der Berliner ist deshalb so groß, weil die Bewohner dieser Stadt seit Jahren die Praxis des Menschenraubes im sowjetischen Aufträge kennengelernt haben. Dazu kommt, daß Kemritz seine Verbrechen auf Berliner Boden beging und daß die Opfer größtenteils Berliner waren. In politischen Kreisen und in Sondersitzungen des Senats wird gegenwärtig die durch die amerikanische Anweisung entstandene Situation diskutiert. Dabei wird betont, daß die Gerichte sowohl nach dem Grundgesetz als auch nach der Westberliner Verfassung unabhängig sind. Weder der regierende Bürgermeister Reuter noch der Justizsenator können das Landgericht anweisen, ein ergangenes Urteil zu kassieren. Auf Grund der Vorbehalte, die die westlichen Besatzungsmächte in dem kleinen Besatzungsstatut für Westberlin formuliert haben, besteht zu einem solchen Eingriff in die Gerichtsbarkeit allerdings formaljuristisch ein alliiertes Recht. Wenn der Berliner Senat - die Verfassung nicht verletzen will, müßte dieses Recht von den jährige Sohn des Autobesitzers wurde dabei getötet, sechs andere Insassen maßten mit schweren Verletzungen Ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der ungarische Gerichtshof wies die Berufung des Erzbischofs Josef Grosz, der im vergangenen Monat wegen angeblicher Verstöße gegen den Staat zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, zurück. Auch die Berufungen von weiteren, mit dem Erzbischof zusammen verurteilten fünf Häftlingen wurden abgewiesen. Vor dem Belgrader Bezirksgericht begann ein Prozeß gegen zwölf Personen, die als Emigranten nach Jugoslawien kamen* Sie werden der Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Geheimdienst beschuldigt. Ein Holländer aus Utrecht hat König Bau- douin von Belgien zn seiner Thronbesteigung eine Diamant-Mine in Belgiseh-Kongo znm Geschenk gemacht. Das Diamant-Vorkommen war vor 28 Jahren entdeckt worden, konnte jedoch aus finanziellen Gründen nicht ans- gebentet werden. Ein 51jähriger Afrikaner, der seit 24 Jahren in der Umgebung von Kimberley (Südafrika) Diamanten schürft, fand einen Diamanten von 511 Karat. Der Wert des Steines beträgt einige hunderttausend Mark. Präsident Truman ersuchte den Kongreß nm zusätzliche 273 Millionen Dollar für die Entwicklung von Atomwaffen, unter anderem der Wasserstoffbombe. Der frühere britische Außenminister Eden, jetzt stellvertretender Oppositionsführer, sagte gelegentlich einer Rede in Quebec (Kanada), seiner Ansicht nach sei nichts gegen die Errichtung amerikanischer Flotten- und Flugstützpunkte in Spanien einzuwenden. Furcht und Verdacht.“ Er spricht von der persönlichen Freiheit: „Wenn es in den frühen Morgenstunden an die Tür klopft, fürchtet der britische Bürger nicht, daß es die Polizei sei, er denkt nur an den Milchmann und an die Post. Ich möchte wissen, ob Ihr das gleiche Gefühl der persönlichen Sicherheit habt.“ Schließlich stellt Morrison fest, daß die westliche Welt keine A n ' griffsabsichten hat und daß sie lediglich gezwungen sei, zu ihrer Sicherheit Verteidigungsmaßnahmen zu treffen. „Der einzige Zweck unserer Außenpolitik und unserer Diplomatie ist es, den Frieden zu erhalten.“ Die „Prawda“ erklärt in ihrer Antwort: „Morrison ist im Irrtum. In keinem Land der Welt gibt es soviel Freiheit der Rede, der Presse, persönliche Freiheit und Freiheit der Organisation wie in der Sowjetunion.“ Keine Freiheit gäbe es für Grundbesitzer, Kapitalisten, Diebe, Geheimagenten, Terroristen und Beauftragte ausländischer Geheimdienste. „Gefängnisse und Arbeitslager gibt es nur für sie “ Bemerkenswert ist es, daß die sowjetamtliche Nachrichtenagentur TASS, die die einzige Nachrichtenquelle für die in der Sowjetunion erscheinenden Zeitungen ist, zwar ausführlich die „Prawda“-Antwort verbreitet, aber nicht ein Wort aus dem Morrison-Artikel, von dem nur erwähnt wird, daß er in der „Prawda“ in guter Aufmachung erschienen sei. Es Ist also nahe- Alliierten selbst durch direkte Anweisung an das Landgericht genutzt werden. Politische Kreise verweisen darauf, daß ein derartiger Eingriff der Alliierten in die deutsche Gerichtsbarkeit das Verhältnis sowohl der Berliner Behörden als auch der Bevölkerung zu den Besatzungsmächten trüben müßte. Der Sowjetzonenregierung dagegen würde eine solche Maßnahme für ihre Propaganda sehr willkommen sein, weil sie die Möglichkeit bieten würde, der Ostzonenbevölkerung zu erklären, daß es sich bei dem ganzen Fall Kemritz nur um eine gegen die sowjetische Besatzungsmacht gerichtete Aktion des Westens gehandelt habe. Vor dem Bundeskabinett BONN. Das Bundeskabinett wird sich am Donnerstag mit dem Fall Kemritz beschäftigen. Der amerikanische Hohe Kommissar John Mc Cloy hatte in Frankfurt bekanntgegeben, daß über den Fall Kemritz zwischen Vertretern des amerikanischen Hohen Kommisariats und der Bundesregierung verhandelt werden sollte. Eine britische Stimme LONDON. Der Fall Kemritz, der bisher mit keiner einzigen Zeile in der britischen Presse erwähnt wurde, ist erstmalig vom „Manchester Guardian“ unter der Ueber- schrift „Schutz für Sowjetagenten“ zusammenfassend geschildert worden. Der Bonner Korrespondent des Blattes bemerkt hierzu: „Obwohl es bekannt war, daß McCloy die Zurückziehung aller Beschuldigungen gegen Kemritz als Bedingung für die deutsch-amerikanischen Besprechungen verlangt hatte, so hatte man es doch nicht für möglich gehalten, daß er Professor Reuter befehlen würde, etwas zu tun, was wie eine verfassungswidrige Handlung erscheinen könnte.“ BERLIN. (G.-Eigenbericht). In Ostberlin sind die ersten ausländischen Teilnehmer an den kommunistischen Weltjugendspielen eingetroffen. Die Mehrzahl von ihnen ist über Unterbringung und Verpflegung stark enttäuscht. Beim Organisationskomitee sind bereits zahlreiche Beschwerden eingegangen. Eine ungarische Jugenddelegation drohte mit einer Beschwerde bei den Russen in Karlshorst, weil sie eine Nacht auf dem Güterbahnhof kampieren mußte und erst 24 Stunden nach ihrer Ankunft in Berlin die erste Verpflegung erhielt. Französische Jugendliche beschwerten sich darüber, daß sie in Waschküchen untergebracht sind, während man ihnen vor Antritt der Reise Unterkunft in ersten Hotels versprochen hat. Andere Teilnehmer aus dem Ausland wurden im Zentralviehhof untergebracht. In kommunistischen Kreisen fürchtet man, daß die Unterkunftsmöglichkeiten nicht ausreichen, weil die Bevölkerung 6icfa gegenüber den FDJ-Quartiermachern weiter ablehnend verhält. Verstärkt wurde diese Haltung noch durch Dachstuhlbrände in Häusern, deren Böden mit Stroh als Notquartiere eingerichtet worden sind. Die Brände konnten nur mit Mühe gelöscht wer- liegend, daß lediglich dem Moskauer „Prawda“-Leser der Morrison-Artikel zu Gesicht gekommen ist, eine prompte Probe aufs Exempel! „Prawda-Antwort enttäusdlelld ,, LONDON. Die Antwort der „Prawda“ auf die Artikel Morrisons sei enttäuschend, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Foreign Office. Sie wiederhole bekannte Propagandathemen, mit denen man völlig vertraut seS. Dazu gehöre auch die Entsteinung von Tatsachen. Zu den Angaben des sowjetischen Blattes über die westliche und östliche Rüstungsstärke und über den Stand der Abrüstung nach Kriegsende teilte der Sprecher folgendes mit: im Juni 1945 hatte Großbritannien 5,1 Mill. Männer und Frauen in seinen bewaffneten Streitkräften, 1948 850 000 und 1950 619 000. Die Sowjetunion dagegen habe ihre 10- Millionen-Armee von 1945 bis zum Juni 1950 nur auf etwa 4,6 Millionen Mann verringert Man mag noch so verschieden über die Faktoren denken, die eine Demokratie ausmachen — über eines werden sich alle einig sein: zur Demokratie gehören notwendig die Freiheit der Meinungsäußerung, die Vereinigungsfreiheit die Pressefreiheit und die Freiheit vor willkürlicher Verhaftung. Zur Demokratie gehört weiter, daß die Minderheit den Willen der Mehrheit als Gesamtwillen des Staates respektiert; jedoch kann auch der Mehrheitswillen sie nicht über die fundamentalen Grundlagen des Staatswesens hinwegsetzen und erst recht kann er diese nicht außer Kraft setzen. Wb dies geschähe, hätte man nicht einen Verfassungswandei, sondern eine durch eine Majorität durchgeführte Revolution der staatlichen Grundordnung vor sich. Das Grundrecht der Meinungsfreiheit beinhaltet notwendig das Recht, im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung für eine Aenderung der Staatsverfassung Parteigänger werben zu können, und bisher war in den Strafgesetzbüchern der Demokratien lediglich der Versuch, die verfassungsmäßige Ordnung des Staates mit Gewalt umzustürzen, mit Strafe bedroht. Dieser gesetzliche Schutz der Demokratie reichte auch völlig aus in Zeiten, in denen der Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung sich in der sozusagen klassischen Form des Barrikadenkampfes oder des militärischen Staatsstreiches zu vollziehen pflegte. Er genügt jedoch nicht mehr, seit die totalitären Bewegungen verschiedenster Färbung die Technik der revolutionären Machtergreifung und des Staatsstreiches — in einer noch vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbaren Weise „verfeinert“ haben. Diese moderne Technik ist darauf abgestellt, die Macht auf „legale“ Weise in die Hand zu bekommen, um am Tage nach der Machtergreifung alle jene Freiheitsrechte außer Kraft zu setzen, über deren Mißbrauch man an die Macht gekommen war. Diese Entwicklung hat den Gesetzgeber der Bundesrepublik — wie die Gesetzgeber anderer Staaten, z. B. der Schweiz — gezwungen, mit der Entwicklung Schritt zu halten: der Rechtsbrecher ist immer erfinderischer als der Verteidiger des Rechts, dem ja der Rechtsbrecher „vorgearbeitet“ haben muß, ehe er ihm auf den. Das kommunistische Organisationskomitee will jetzt den Widerspenstigen, die keine Gäste aufnehmen wollen, mit Entzug der Lebensmittelkarten und Wohnungsbeschlagnahme drohen. Auch rein äußerlich steht Ostberlin heute mehr denn je im Zeichen des Zwanges. Die durch sächsische Einsatzbereitschaften verstärkten Volkspolizeiabteilungen patrouillieren auf Plätzen, Hauptstraßen, Bahnanlagen und bewachen die 156 Straßensperren, die an der Sektorengrenze nach Westberlin errichtet wurden, um der Jugend einen Ausflug nach Westberlin zu erschweren. Ab heute dürfen Fahrzeuge nur mit einer Sondergenehmigung der Volkspolizei aus dem Ostsektor nach Westberlin fahren. Sie können die 32 Straßen benutzen, die bisher nicht mit Steinblöcken oder spanischen Reitern blockiert wurden. Adenauer im Rundfunk BONN. Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am kommenden Samstag von 19.40 bis 20 Uhr, anläßlich der kommunistischen Weltjugendfestspiele über den Südwestfunk sprechen. Die FDJ-Festspiele beginnen am Sonntag. DÜSSELDORF. Der DGB-Vorsilzende Christian Fette erklärte in einer Rundfunkansprache, bei den Besprechungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit der Bundesregierung hätten beide Seiten erklärt, „daß man nicht an einer Vertiefung der sozialen Spannungen interessiert sei und somit der Wunsch auf gemeinsame Zusammenarbeit auch für die Zukunft bestehe“. Alle vom Deutschen Gewerkschaf tsibund kritisierten Punkte seien offen und ausführlich behandelt worden. Die Fragen sollen im einzelnen erörtert werden. „Das Ergebnis dieser Besprechungen wird die weitere Haltung des DGB bestimmen und in Aussicht genommene Entscheidungen beeinflussen“, sagte Fette. Der DGB werde sich stets von den realen Tatsachen leiten lassen, vor denen er im Augenblick: der Entscheidung stehe. Sein Ziel sei nicht eine Restaurierung, sondern eine wirkliche Neuordnung der Wirtschaft. Die Gewerkschaften hätten mehrmals bewiesen, daß sde sich für die deutsche Wirtschaft in der Gesamtheit verantwortlich | fühlen. die Schliche kommen kann. So hat denn der Bundestag in seiner Novelle zum Strafgesetzbuch versucht, ein Gesetz zu schaffen, das es vor allem möglich machen soll, Tätigkeiten zu bestrafen, die in äußerlich legalen Formen darauf ausgehen, durch das Zusammenwirken verschiedenartigster Handlungen den Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnungen herbeizuführen. Wohlgemerkt: bestraft werden sollen nur Tätigkeiten, nicht Gesinnungen. Aber manche Tätigkeit wird zu dem, was sie ist, durch die Gesinnung, in der der Täter sie unternimmt, denn die Gesinnung qualifiziert die Absicht. Zu der modernen Technik der Machtergreifung gehört nicht nur die Erschleichung eines „legalen“ Weges zur Machtergreifung, sondern es gehört dazu auch, daß der Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung in eine Unzahl kleiner und kleinster Operationen zerlegt wird, von denen jede einzelne als mehr oder weniger harmlos und bedeutungslos erscheinen mag, die aber insgesamt und zusammenwirkend ein höchstgefährliches Ganzes ausmachen, und die planmäßig darauf angelegt sind, ineinander zu greifen wie das Räderwerk einer Uhr. Durch dieses Zusammenwirken und Ineinander- greifen sollen sie auf der einen Seite den Boden für die eigentliche Stoßaktion vorbereiten, sowie die Widerstandskraft der Staatsorgane und die Widerstandsbereit- schaft des Staatsvolkes zermürben, und auf der anderen Seite sollen durch sie die einzelnen Faktoren der verfassungsmäßigen Ordnung unmerkbar beseitigt werden, so wie einer einen Zaun lattenweise abreißt: um die einzelne Latte lohnt es eich nicht, Lärm zu schlagen: sind aber im Laufe der Zeit ein Dutzend Latten abgerissen, dann hat der Rest des Zaunes seinen Wert verloren. Darum hat die Strafrechtsnovelle eine Reihe von Tätigkeiten mit Strafe bedroht, die — aus dem Zusammenhang gerissen — vielleicht nicht recht als mögliche hochverräterische Verbrechenstatbestände erscheinen mögen, die aber als Glieder eines Gesamtzusammenhangs gerade das ausmachen, was bei Anwendung der modernen Technik des Umsturzes im Gesamtergebnis das ausmacht, was man früher unter Hochverrat verstand. Die Richter werden es schwer haben, dieses Gesetz richtig anzuwenden. Wenn sie es nicht mit aller Schärfe zur Anwendung bringen, wird es seinen Zweck verfehlen: mit Nadelstichen hat man noch keinen Umsturz aufhalten können. Und wenn sie sich nicht sehr bemühen, dieses Gesetz ausschließlich auf die Feinde der Demokratie selbst zur Anwendung zu bringen, wird das Gesetz seinen Zweck erst recht verfehlen. Getroffen werden darf nicht, wer lediglich die Tätigkeit der Regierung kritisiert, oder wer die Regierung veranlassen will, die verfassungsmäßige Grundordnung unseres Staates mehr zu respektieren, als sie es vielleicht tun mag. Getroffen werden darf nicht, wer sich im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung um eine Abänderung der Verfassung bemüht, die es erlauben soll, in unserem öffentlichen Leben die Prinzipien der demokratischen Grundordnung unseres Staates zu besserer Auswirkung zu bringen. Getroffen werden darf nur der, der die verfassungsmäßigen Freiheitsrechte mißbraucht, um eine Macht in die Hand zu bekommen, die ihm erlauben soll, die demokratische Grundordnung selbst umzustoßen. Eine staatliche Ordnung, die ihre Freiheitsrechte denen zur Verfügung stellt, die darauf ausgehen, die Freiheit selber abzuschaffen, ist keine Demokratie, sondern eine besondere Ausdrucksform der Trottelhaftigkeit . . , Neue Erregung über den Fall Kemritz Unverständliche amerikanische Anweisung — Eingriffe in die deutsche Gerichtsbarkeit Unerwünschte Gäste für Ostberlin Unzufriedene Teilnehmer der KP-Weltjugendspiele — Barrikaden in Richtung West Schutz von Staat und Demokratie Von Professor Dr. Carlo Schmid, Vizepräsident des Bundestagen Donnerstag, 2. August 1951 SÜDKURIER Nr. 119 / Seite 3 Lastenausgleich im September vor Bundestag ' Altsparer-Entschädigung noch nicht geregelt BONN. Die Unterausschüsse des Lasten- ausgleichs-Ausschuss es beim Bundestag haben ihre Arbeiten soweit beendet, daß der Gesetzentwurf zum Lastenausgleich im September als Ganzes noch einmal durchgearbeitet werden kann. Der Ausschuß- Vorsitzende Jehannes Kunze (CDU) erklärte, er stehe zwischen den Wünschen nach schneller Bearbeitung einerseits und dem Verlangen nach gründlichem Durcharbeiten andererseits. Die verschiedenen Währungsgewinnabgaben seien in eine einheitliche Abgabe zusammengefaßt worden, von der die Landwirtschaft befreit werde. Unternehmen, die die Allgemeinheit versorgen, sollen ebenfalls grundsätzlich von Abgaben befreit sein. Dies gelte zum Beispiel für Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke mit ihren Lieferungen an Haushalte. Dabei sei es gleichgültig, ob das Werk im öffentlichen oder privaten Besitz ist öffentliche Betriebe, die im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft stehen, sollten genau so belastet werden wie die Privatwirtschaft. Auch die ausländischen Gesellschaften in Deutschland würden wie jeder deutsche Betrieb zu den Abgaben herangezogen. Kunze teilte mit, daß lediglich bei der Altsparerregelung die Arbeiten noch nicht abgeschlossen seien. Die Fraktionen müßten sich anfang September darüber schlüssig werden, ob die Altsparerregelung einem besonderen Gesetz Vorbehalten bleiben soll. Kunze hob besonders hervor, daß die Vertreter der verschiedenen Fraktionen gut zusammengearbeitet hätten und nur in wenigen Punkten keine Einigung erzielt werden konnte. Eine breite Mehrheit im Parlament,' die für das Gelingen des bisher schwierigsten Gesetzes des Bundestages notwendig gehalten wird, er-‘ scheint also nach wie vor möglich. Ostgebiete und Agrarunion KREFELD. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Andreas Hermes, forderte, daß bei einer Beteiligung Deutschlands an einer westeuropäischen Agrarunion auch auf die Sowjetzone und die deutschen Gebiete ostwärts der Oder und Neiße Rüdesicht genommen wird. Die Agrarunion, sagte Hermes, dürfe nicht die Wiedervereinigung Deutschlands und der Einbeziehung der deutschen Ostgebiete entgegenstehen. Dr. Hermes stellte fest, daß ohne den deutschen Osten und ohne Wiedergewinnung der deutschen Einheit eine ausreichende einheimische Emährungsbasis nicht geschaffen werden könne. Für die Millionen Tonnen an Getreide und Kartoffeln, die der Bundesrepublik fehlen, und für die jetzt hohe Devisenbeträge ausgegeben werden müssen, werde auch die Agrarunion keinen ausreichenden Ersatz bieten können. „Wünschelrute" für Uran-Erze Geigergerät half Uranpechblende im Schwarzwald' finden FREIBURG. Der Leiter der geologischen Landesanstalt Südbaden bestätigte, daß Uranerzvorkommen im Schwarzwald festgestellt worden sind. Die Untersuchungen im alten Erzbergbaugebiet von Wittichen (Kreis Wolf ach im mittleren Schwarzwald), die zur Entdeckung von Uranpechblende führten, seien mit einem modernen Geigergerät vorgenommen worden, das selbst unscheinbare Vorkommen von Uranmineralien registriere. Wie Prof. Dr. Kirchhei- mer berichtete, hat schon 1829 der in Karlsruhe tätige Mineraloge und Geologe Walchner das Vorkommen von Uranglimmer in den Kobalt- und Silbererzgängen Von Wittichen mitgeteilt. Später seien solche Uranglimmer wiederholt auch an anderen Stellen des Schwarzwaldes gefunden Worden. 1885 habe der in Würzburg lehrende Prof. Sandberger nach eingehender Untersuchung festgestellt, daß eine bemerkenswerte Uebereinstimmung zwischen den Witticher und den durch das Uranvorkommen ausgezeichneten Erzgängen des Erzgebirges bestehen. Uranpechblende habe Sandberger nicht festgestellt. Im Gegen- YVETTERVORHERSAGE des Amtlichen Landeswetterdiensteg Die westeuropäische Tiefdruck rinne hat sich nunmehr auf Mitteleuropa ausgedehnt und wird weiterhin nur langsam ostwärts vorankommen. In ihr kommt es fortgesetzt zur Ausbildung von Teilstörungen gewitteriger Natur, die den Wettercharakter zunächst unbeständig gestalten werden. Erst gegen Wochenende dürfte sich von Westen her wieder Hochdrudeeinfluß durchsetzen. Aussichten bis Freitagabend: Wechselnde Bewölkung mit nur kurzen Zwisdienaufheiterungen. Zeitweilig stark bewölkt mit weiteren Gewittern und Sdiauerniederechlägen, Dabei weiterhin recht warm und schwül, nur vorübergehend geringe Abkühlung. Winde wechselnder Richtung und Stärke, bei Geiwittern örtlich kräftige Sturmböen. Später Nachlassen der Sdiauertätigkeit und Wetterberuhigung wahrscheinlich. SUDKURIER Verantwortlich für Politik: Konrad Gunst. Nachrichtendienst: Graf Ludwig Douglas- Wirtschaft: Dr. Gustav Adolf Groß Feuilleton: Ludwig Emanuel Reindl. Heimat: Alois Bede (in Urlaub: Vertreter: Willy Häusler), Herbert Stednert. Sport: Alfred Strobel. Chef vom Dienst: Helmut Jacobsen. Verlag: Südkurier GmbH., Konstanz, Marktstätte 4. Drude: Druckerei und Verlags- _anstatt Konstanz GmbH._ 100 DM in Zürich: 1. 8. 91/93 sfr. s-atz zu dem leuchtend grünen Uranglimmer sei die Pechblende selbst jedoch oft äußerst unscheinbar, so daß kleine Mengen übersehen oder mit anderen Mineralien verwechselt werden können und nicht beachtet werden. Ueber die Menge der im Schwarzwald vorkommenden Uranerze konnten noch keine Angaben gemacht werden. Neben reiner Pechblende kommen auch uranhaltige Kobalterze vor, deren Abbauwürdigkeit untersucht werden muß. Gegenwärtig besteht nicht die geringste Veranlassung zum Ausbruch eines „Uranrausches.“ Da das Uran mit allen anderen radioaktiven Mineralien dem Staate Vorbehalten ist, kann auch kein privates Unternehmen mit der Erteilung von Schürfoder Abbaugenehmigungen rechnen. Mit Atomenergie heizen LONDON. Die nächste Generation wird ihre Öfen und Industrieanlagen mit Atomenergie heizen, so heißt es im Jahresbericht des wissenschaftlichen Beirats der britischen Regierung. Der britische Ausschuß für Atomenergie ist zu der Überzeugung gekommen, daß die Atomkraft im großen Stil entwickelt werden kann und letzten Endes nicht teurer ist als Kohle. Lediglich die Kosten für den Aufbau einer Atomkraftanlage würden höher liegen als die Kosten für die bisher gebräuchlichen Heizungs-Installationen. Die Umstellung der Technik auf Atomenergie eröffnet, nach Ansicht des Ausschusses, dem wissenschaftlichen Nachwuchs große Aussichten. Bereits jetzt sind Sachverständige knapp, besonders nachdem die Wiederaufrüstung sehr viele Physiker, Chemiker und Ingenieure in Anspruch genommen hat. 5 Schulen für Bundesgrenzschutz LÜBECK. Der provisorische Ausbil- diungsstab des Bundesgrenzschutzes in St Huibertus bei Lübeck ist zum Scbulstab für 5 neu zu errichtende Schulen des Grenzschutzes ernannt worden. In St. Hubertus bei Lübeck sollen neben dar Kraftfahr- zeugBchiuile, die ihre Arbeit bereits begonnen hat, eine Führer- und eine Unter- fühnershule eingerichtet werden. Bis 1. September sollen dazu noch eine Nachrichtenschule und eine Sportschule kommen, deren Standorte noch nicht festgelegt worden sind. Wer macht das Geschäft? MONTREAL. Kanada hat am Dienstag seinen Partnern im Atlantikpakt mitgeteilt, daß es die Verschiffung größerer Waffenlieferungen nach Europa bis zur Beilegung des britisch-amerikanischen Streits über ein gemeinsames Gewehr für die Atlantikpaktstaaten einstellen wird. Der britisch-amerikanische Streit soll in dieser Woche auf einer Konferenz in Washington beigelegt werden. Die beiden Staaten befürworten unterschiedliche Kaliber. Spanische Maschinenpistolen BONN. Der Bundesgrenzschutz soll, wie aus dem Bundesinnenministerium vertäutet, in nächster Zeit mit Maschinenpistolen ausgerüstet (werden. 1500 Stück mit der nötigen Munition seien bereits aus Spanien in der ‘Bundesrepublik eingetroffen. Der Grenzschutz verfügte bisher lediglich über Karabiner und Maschinengewehre, für die aber bei der Munitionsbeschaffung Schwierigkeiten bestanden. Nach Auffassung zuständiger Beamter sind die neuen Waffen für den Grenzschutz besser geeignet Eisenhower belebt Pariser Baumarkt PARIS. Wenige Tage nach der Einweihung der Gebäude, die das Hauptquartier der atlantischen Streitkräfte in Europa aufgemommen haben — Staatspräsident Auriol übergab sie feierlich General Eisenhower vor Soldaten der zwölf Atlantikpaktstaaten — haben bei St. Germain en Laye neue Bauanbeiten begonnen. Ganz in der Nähe des Hauptquartiers wird eine Siedlung errichtet, die die Offiziere des Hauptquartiers und ihre Familien beherbergen soll. Für die Unteroffiziere und Soldaten werden direkt beim Hauptquartier Unterkünfte gebaut. Schließlich sollen in zwei Monaten die Bauarbeiten im Park von Fontainebleau in Angriff genommen werden, wo General Juki, der Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte der Atlantikpaktmächte im Mittelsektor, sein Hauptquartier aufschla- gen will. Britische 'Familien fordern Raum BONN. Ein großer Teil der bisher von Mitgliedern der britischen Kontrollkommission beschlagnahmten Häuser im britischen Besatzungsgebiet sollen in Kürze von Familien der alliierten Truppen bezogen werden. Viele Deutsche, denen bisher gestattet war, Räume in diesen Häusern zu bewohnen, werden nach einer amtlichen britischen Mitteilung ihre Quartiere voraussichtlich räumen müssen. Bisher sei es möglich gewesen, den Deutschen das Wohnen in diesen Häusern zu gestatten, weil viele der Mitglieder der Kontrollkommission unverheiratet oder ohne Familie waren und lediglich in den beschlagnahmten Häusern wohnten und schliefen, ihre Mahlzeiten jedoch in Messen einnahmen. Wo es möglich ist, soll der bisherige Zustand aufrechterhalten bleiben. Kaesong in der Sackgasse TOKIO. Auf der 16. Sitzung der Waffenruhekonferenz am Mittwoch ist wieder kein Fortschritt in den Verhandlungen über die Schaffung einer Pufferzone zwischen den Kommunisten und den UN- Streitkräften erzielt worden. Die Sitzung dauerte zweieinhalb Stunden. Der Oberbefehlshaber der chinesischen Freiwilligen-Verbände General Peng Teh- Huai drohte in einer über den Sender Peking verbreiteten Erklärung, „wenn die Vereinten Nationen unmögliche Bedingungen stellen, dann wird die Friedenskonferenz mit einem Fehlschlag enden. Der Frieden in Korea kann nur wiederhergestellt werden, wenn beide Parteien der Bildung einer neutralen Zone beiderseits des 38. Breitengrades zustimmen und andere Waffenstillstandsbedingungen wie den Abzug der ausländischen Truppen aus Korea verwirklichen.“ Unter den Apfelbäumen von Kaesong Berichterstatter auf der Lauer — Das koreanische Bier schmeckt gut NEW YORK. (Eigenbericht.) Wie Treib- haiusblumen werden dieUnterhändler der UN iß Korea gehütet. Im Schatten eines Apfelbaum-Haines haben sie ihre Zelte aufgeschlagen, die von zwei Reihen Stacheldraht umgeben sind und streng bewacht werden. Nur ein paar hohe amerikanische Offiziere haben zu den fünf Delegierten Zutritt. Sie stellen die Verbindung zu den Journalisten her, die sich ebenfalls in dem „Friedens- Feldlager“ unweit Kaisong befinden und nur allzu gern in den Apfelgarten ein- dringen möchten, um Informationen aus erster Hand zu erhalten. Unter solchen Umständen fällt es den Berichterstattern nicht leicht, die von ihrer Zeitung gewünschten 100 Zeilen über die Waffenstillstands-Verhandlungen täglich zu liefern. Nicht selten müssen sie in Kombinationen flüchten. So haben sie vermutet, daß General Van Fleet, der Kommandant der 8. US-Armee, die eigentliche Waffenstillstandskommission leiten soll, daß sich ein Gefangenen-Austausch leicht bewerkstelligen ließe und daß gegenseitiges Mißtrauen besonders die Diskussion über die „Sicherheiten“ erschwert. Zahlreiche Eindrücke dieser Art bringen die Journalisten aus Kaisong mit. Sie fahren mit der Jeep-Kolonne der Unterhändler, deren vorderster Wagen eine weiße Fahne trägt. Diese Fahne hat heftige Diskussionen ausgelöst. Denn im Femen Osten gilt sie als Symbol der Uebergabe. Und tatsächlich haben die Kommunisten über ihren Rundfunk erklärt, daß die Alliierten kommen, um „nach der Niederlage der amerikanischen Aggression“ um Frieden zu bitten. Trotz dieser Verdrehung ist General Ridgway bei der weißen Fahne geblieben. Denn jeder Koreaner und jeder Chinese kennt ihre Unantastbarkeit. Und Ridgway will alle Zwischenfälle vermeiden. Die Verhandlungen finden in einer Vorort-Villa statt. Der Konferenzraum ist nüchtern, ohne jeden Schmuck, ohne Stalin-Bilder, ohne Plakate. Die Verhandlungen werden ausschließlich von den Delegationsleitern geführt: Dem 56jährigen amerikanischen Admiral Joy und dem 38- jährigen nordkoreanischen Armeechef Nam III, der als eine .dynamische Persönlichkeit’ bezeichnet wird. Während der ersten Besprechungen kam es wiederholt zu Ueber- setzungs - Mißverständnissen, die jedoch bald überwunden werden konnten. Wobei sich herausstellte, daß zwei von den kommunistischen Unterhändlern englisch verstehen. Die Atmosphäre ist äußerst sachlich und wird weder durch ein Ziga- retten-Angebot noch durch ein paar persönliche Worte aufgelockert. In der Pause lehnten die UN-Delegierten anfangs Wodka und Bier ab und verpflegten sich selbst. Erst in den letzten Tagen ist es zu einem kleinen Picknick im Garten gekommen, bei dem der Ton ein wenig freundlicher und zwangloser war, denn das koreanische Bier, so berichten die lauernden Korrespondenten, munde ausgezeichnet. Ob dieser schwache menschliche Kontakt allerdings als Symptom besseren gegenseitigen Verstehens anzusehen ist, bleibt abzuwarten. Die koreanische Bevölkerung in der Umgebung von Kaisong ist nicht allzu optimistisch. Sie sieht in den unreifen Aepfeln, die in diesem Jahr besonders zahlreich von den Bäumen Koreas fallen, kein gutes Zeichen: „Unser Land wird geteilt bleiben“, sagte ein Bauer traurig. Und die Berichterstatter, die im Zeltlager am Injim River vergeblich nach Informationen jagen, werden langsam von diesem abergläubischen Pessimismus angesteckt. Beute aus Korea für Tito Kuriosum in der Aufrüstung — Militärisches Gewicht auf dem Balkan verschiebt sich NEW YORK (Eigenbericht). Jugoslawische Rüstangasaichverständige und Waffenmeister in den großen Beuitelagem der Amerikaner in Korea sind seit kurzem zu einer gewohnten Erscheinung geworden. Es hat sich nämlich das eigenartige Kuriosum ergeben, daß die Jugoslawen aufs stärkste an der Kriegsbeute in Korea interessiert sind, weil ähre Armee zur (Hauptsache mit russischen Waffen ausgerüstet ist Da die Rotchiinesen und Nordkoreaner ebenfalls aus der Sowjetunion beliefert wurden, äst die Kriegsbeute der UN-Trup- pen zium Arsenal für die Jugoslawen geworden. Die Sowjets erfüllen also heute wilder Willen den an die Westmiächte gerichteten Wunsch Tiitos nach Belieferung miit Rüstungsmaterial und sind auf diesem — politisch und geographisch — nicht gerade all täglichen und kleineren Umwege zu jugoslawischen Riüstungaldeferanten geworden. Beim Bruch zwischen dem Kominform und Tito und der gleichzeitig von Moskau gegen Jugoslawien verhängten Wirtschaftsblockade vor zwei Jahren, hatten die Sowjets zu einem großen Teil ihre Hoffnung darauf gesetzt, daß das jugoslawische Heer das nach 1945 von der Sowjetunion nach dem Muster der Roten Armee aufgebaut und von ihr mit Material ausgerüstet worden war, ön der Isolierung stark an maldtärischem Wert verlieren müßte, weil man ihm die Beschaffung von Ersatzteilen und Ergänzungsstücken, unmöglich machte. Tatsächlich geriet auch in den folgenden Jahren das jugoslawische Verkehrswesen völlig in Unordnung, weil ein LKW nach dem anderen ausfiiel und nickt mehr repariert werden konnte. Tito hat sich behelfsmäßig aus eigener Produktion zu helfen gesucht, aber es war vergangenen Sommer kein Geheimnis mehr, daß die jugoslawische Armee den von den Sowjets mit neuem schweren Material ausgerüsteten SateHitenanxneen nickt mehr gewachsen war, so daß Tilto sich entschließen mußte, seine gesamte strategische Pianung umzu- eteHen und die Aufgabe der Armee auf die Verteidigung der gebirgigen Gegenden des Landes zu beschränken. Die dadurch notgedrungen bewirkte Entblößung der Flanken mußte auf die Verteidigung des Westens, insbesondere der Po-Ebene und Griechisch-Mazedoniens, ernste Rückwirkungen haben. Nicht zuletzt strategische Erwägungen in dieser Richtung dürften die militärische Zusammenarbeit der Weet- mäckte mit Jugoslawien, sehr beschleunigt haben. Jetzt hat eine rückläufige Bewegung im cmidltärischen Kräfteverhältnis im Südosten eingesetzt Korea ist nicht das einzige Arsenal, in dem Jugoslawien seine Rüstung ergänzt. Möldtärsachverständige versichern, daß die Neuausrüstung der jugoslawischen Armee das militärische Gewicht auf dem Balkan wieder stark zu Ungunsten des Ostens verschoben, habe. Das Hinter(dikta)türchen. Herz sprich Die Benediktiner von Weingarten folgen einer alten ruhmreichen Ordenstradition, wenn sie sich zu einer Newman-Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben, um die Predigten dieses vielleicht größten Konvertiten des 19. Jahrhunderte vollständig dem deutschen Volk zugänglich zu machen. Die bisher erschienenen Bände bringen die Pfarr- und Volkspredigten des jungen, noch anglikanischen Geistlichen zwischen 1826 und 31. (John Henry Newman: Predigten 1. und 2. Band, Schwabenverlag Stuttgart) Es ist ungewöhnlich, wenn eine katholische Ordensgemeinde sich die Aufgabe stellt, anglikanische Predigten zu übersetzen. Aber alle bisherigen Uebersetzer Newmans (es gab deren mehrere, doch boten alle mir jeweils eine Auswahl) waren katholisch, und nie wurde ihnen das „Imprimatur“ verweigert. Dies allein zeigt, wie nah Newman schon damals unbfewußt der Mutterkirche stand. Andererseits haben sich viele Nichtkatholiken je und je an den Predigten erbaut, weil sie von der Echtheit, Innigkeit und Tiefe des religiösen, des christlichen Impulses angerührt wurden. Und von einer anderen Eigenschaft dieser Predigten: der eminenten Kenntnis des Menschenherzens. John Henry Newman war als Geistlicher wie als Universitätslehrer eine der anziehendsten Persönlichkeiten seiner Zeit Seine Schüler und Freunde werden nicht müde, den Zauber seines Wesens zu schildern. Das Urerlebnis des 15jährigen, das seine ganze Lebenszeit zu einer Pilgerfahrt zu den ewigen Gefilden machte, hat er selbst mit den Worten umschrieben: „Myself and my Creator!“ —, Ich und mein Schöpfer, wir sind das einzig Wirkliche. Darum steht für ihn die Begegnung mit dem Menschen in organischem Zusammenhang mit dom immer in ihm lebend V?en Gottesver- Hält.nis. : zu Herzen. Newman gilt seinen Landsleuten als einer der größten Meister der englischen Prosa. Die Hörer von einst (auch Andersgläubige!) haben nie aufgehört die Gewalt und Innigkeit seiner Sprache zu preisen. Die Sätze langatmig und an den Alten geschult, werden im Deutschen nie ganz nachgestaltet werden können. Was jedoch vom Zauber des Textes unverlierbar übertragbar ist das ist das Bildhafte, die geradezu dichterische Schau, mit der Newman seine Gedanken vorträgt. Am stärksten wird den heutigen Leser die psychologische Einfühlungsfähigkeit Newmans berühren. Aus der Unmittelbarkeit seines eigenen Erlebens und Ringens um die volle Hingabe an Gott schöpft er seine Kenntnis des menschlichen Herzens. Er weiß um unsere nie aufhörende Geneigtheit uns dem Anruf Gottes zu verschließen oder zu entziehen. Seine Zuhörer werden oft so getroffen, daß sie meinen, jemand hätte dem Prediger „ihren“ Fall berichtet, und er rede gerade sie an. Er besaß psychologische Einsichten, die manche Ergebnisse der modernen Tiefenpsychologie vorwegzunehmen scheinen. Immer von neuem zeigt Newman, wie ausweglos der Mensch in seinem Ich, im rein irdischen Dasein eingesperrt, verstrickt zu Verzweiflung und Lebensangst verurteilt dahinlebt, wenn sich ihm nicht die ewigen Aspekte eröffnen und die großen christlichen Wahrheiten: die Wiedergeburt durch die Taufe, die Erlösung durch den Glauben; und wenn er nicht den ständigen Verkehr mit dem Dreieinigen Gott aufnimmt mit allen Folgerungen, die sich daraus ergeben. Dabei kommt ihm seine echt englische Fähigkeit und Neigung zugute, sich an die' Realität der Dinge zu halten. Newman ist so unerhört wirkungsvoll, we'l ihm die Realität der Dinge, nicht nur der sichtbaren, sondern auch der unsichtbaren Welt, gleich lebendig vor der Seele steht Das Sinnen seines ganzen 90jährigen Lebens kreist um die Frage, wie dem andern die erlebte Ganzheit der Realität einsichtig gemacht werden kann. Doch könnte gegen diese Veröffentlichung noch ein Einwand erhoben werden: wer so konkret wie Newman das Leben mit der Offenbarungswahrheit konfrontiert, hat notwendig ein zeitgebundenes Element in seinen Gedankengärigen. Diese Predigten haben das England in der Zeit seiner höchsten, seit Jahrhunderten unangefochtenen Machtfülle zum Hintergrund, ein Land, das zu größtem Wohlstand aufgestiegen war, und in ihm ist Frommsein, zur Kirche gehen, häufiger Sakramenten- empfang die Haltung, die man vom guten Staatsbürger verlangt, der es zu etwas bringen will. Newman reißt dem verbürgerlichten, der Karriere dienstbar gemachten Christentum seiner Tage die Heuchlermaske vom Gesicht. Immer und immer wieder fragt er seine Hörer, was in ihrem Leben anders wäre, wenn sie nicht glaubten? Aber ist die Gefahr der Veräußerlichung, der Verbürgerlichung, besonders in noch ziemlich unangefochtenen Teilen der Christenheit, nicht immer gleich groß? Zu leicht kommt es da zu einer falschen Sicherheit, die mit der Mahnung des Apostels nicht genug Emst macht: „Wer glaubt zu stehen, der sehe zu, daß er nicht falle!“ „Herz spricht zu Herzen“, das hat sich der Kardinal zi*n Wappenspruch erwählt. Die Zwiesprach, die er meinte, war allzeit von jenem Emst, jener Verantwortung getragen, die den jungen Prediger genau so beseelte wie später den Leiter seiner Ordensgemeinschaft und den Seelsorger eines großen Kreises von Menschen, einfachen wie gebildeten. Das geplante Unternehmen einer Gesamtausgabe von Newmans Predigten ist eine kühn? Tat in unserer Zeit der chronischen Buchkrise. Man spricht wohl den Namen Newmans gern achtungsvoll aus, aber nur ein kleiner Kreis wacher Christen kennt ihn wirklich. Die Herausgeber führen daher den Leser in einer längeren Einleitung in Newmans religiöse Verfassung ein zu der Zeit, da er diese Predigten hielt, und rechtfertigen zugleich ihr Unternehmen, indem sie zeigen, wie groß die Uebereinstimmung der vorgetragenen Gedanken mit der Lehre der Kirche ist. * Auch der Kösel-Verlag gilbt soeben in der Hochäandbücherei ein schmales Bändchen miitNewman-Predigten heraus, die der bekannte Philosoph und Uebersetzer Theodor Haecker unter dem Gesichtspunkt: .Kirche und Welt“ aus den Pfarr- und Universitätspredigten von Newmans anglikanischer Zeit ausgewählt und übertragen hat Das Aktuelle in ihnen ist Newmans Kampf gegen jeglichen faulen Kompromiß mit der „Welt“, die sich in allen Lebensäußerungen als souverän erklärt und die Religion zur rein persönlichen und unwichtigen Angelegenheit des einzelnen herabdrücken will. Demgegenüber wird in dieser Predigtzu- sammenStellung das göttliche Wesen der Kirche herausgestellt, trotz ihrer offenbaren Mängel, die daher stammen, daß Gott seine Kirche Menschen anvertraut hat. • Im Morusverlag, Berlin, erschien in einem kleinen preiswerten Buch (136 Seiten, 2,80 DM), ein kurzes und doch tiefschürfendes Lebensbild Newmans aus der Feder von Elisabeth Kawa (die auch eine größere Biographie von John Moodie, 1945 erschienen, kn selben Verlag durch Uebersetaung dem deutschen Leser zugänglich gemacht hat). Das Werklein verrät liebevolle und genaue Vertrautheit mit Newman und geht wohl jeden an, der sich näher mit ihm befassen will. Geschickt verwendet die Verfasserin eine Fülle von Quellen: bald Newmans berühmte Autobiographie, die Apologia, bald Briefe und zeitgenössische Berichte, aus denen sich ein wesentliches und zutreffendes Bild seines Seins und Werdens zusammenfügt. Wer Newmans Predigten und seine Gebete und Betrachtungen aus seinem Leben und Ringen inniger verstehen will, dem kann keine bessere Einführung in sein Wesen und 6eine Entwicklung empfohlen werden als dieses kleine Buch. Dr. M. Brigitte Hilberling O.P. , KULTURNACHRICHTEN Der Ringzyklus in Bayreuth wurde mit „Rheingold“ am Dienstag eröffnet. Die Inszenierung Wieland Wagners führte auch hier den kühn erneuernden Stil fort, der bereits bei der „Parsi- fal“-Aufführung zu lebhaften Diskussionen Anlaß gab und den Namen des Wagnerenkels mit einem Schlag zu einem, im Bayreuther Sinn, revolutionierenden Begriff machte. Der Dirigent Hans Knap- pertsbusch folgte in seiner Partiturausdeu- tung den Intentionen Wieland Wagners, welche in entschiedener Abkehr von aller illusionistischen Tradition durchaus nur auf Herausarbeitung der geistigen Ideenwelt in den Ringdramen hinarbeiten. Der spanische Philosoph Jose Ortega y Gasset sagte in einem Vortrag, den er in der Münchener Universität hielt, der Nationalismus sei etwas „Künstliches und Gewolltes“. Die europäischen Nationen seien an einem Punkte ange- kommen, wo es ihnen gelingen müsse, sich als Nation, die heute eia Anachronismus sei, zu überwinden Die europäische Gesellschaft, die lange vor den europäischen Nationen bestanden habe, habe zwei Dimensionen: das System des europäischen, ■ das heißt die Zivilisation und die Nation, die sich aus dem Bereiche ihrer Eigenart gebildet habe. Ortega y Gasset wird voraussichtlich noch im August nach Uetoer- lingen kommen und dort im Bodensee- Klub einen Vortrag halten. Donnerstag, 2. August 1951 SÜDKURIER Nr. 119 / Seite 3 Dynamit auf zwei Beinen Der Mufti als Gegenspieler — 1945 war er in Konstanz Von unserem Korres pondenten in. Ankara Als vor einigen Tagen König Abdullah von Jordanien beim Betreten der Aksa- Mbschee in Jerusalem von einem Terroristen ermordet wurde, vermutete man, der Mörder habe im Dienste des früheren Mufti von Jerusalem gestanden, mit dem Abdullah durch eine dauerhafte Feindschaft verbunden war. Die beiden arabischen Politiker hatten ständig scharfe Meinungsverschiedenheiten über die Kriegführung in Palästina und die Verhandlungen mit Israel. Während Abdullah im Interesse seiner Großsyrien-Pläne zu einem formellen Frieden mit Israel bereit war, gilt Hadsch Amdin ei Husseini, der heute in Kairo lebende Mufti von Jerusalem, als Exponent der unversöhnlichen arabischen Kreise, die den so kläglich versickerten „Heiligen Krieg“ so bald wie möglich neu entfachen möchten. Ob Abdullahs Mörder tatsächlich im Dienst des Mufti stand, wird sich wohl nicht mehr einwandfrei klären lassen. Der Mörder selbst kann nicht mehr reden. Er wurde sofort nach dem Attentat von der Leibwache des jordanischen Königs niedergeschossen. Sicher ist, daß mit Abdullah ein stabilisierender Faktor im Nahen Osten ausfällt. Ebenso sicher ist, daß Moskau die entstehende Unsicherheit zu nutzen versuchen wird — wie es sich schon seit geraumer Zeit den islamitischen Nationalismus zunutze macht, um die westliche Position im Vorderen Orient fortlaufend zu untergraben. Als Schrittmacher der Sowjets fungiert dabei kein anderer als Amin el Husseini, der Mufti von Jerusalem. Es ist in der westlichen Welt bisher kaum bekannt geworden, daß er kürzlich in Afghanistan weilte, um dort mit sowjetischen Agenten zusammenzutreffen. Was zwischen den Abgesandten Moskaus und dem Mufti besprochen wurde, ist nicht bekannt. Eins aber ist gewiß: der Mufti entwickelt sich mehr und mehr zum großen Gegenspieler des Westens im Vorderen Orient. Dabei bleibt er, was er sein Leben lang war: ein notorischer Unruhestifter. Bis heute führte der 55jährige Amin el Husseini das Leben eines ewig gehetzten, ewig aufrührerischen und ewig querschießenden politischen Agitators. Churchill nannte diesen geborenen Verschwörer einmal „eine Tonne Dynamät, die auf zwei Beinen herumläuft“. In allen islamitischen Ländern steht der Dynamit-Mann aber in großem Ansehen wegen seiner Abstammung. Amin el Husseini entstammt einer der angesehensten Familien Palästinas, dem vornehmen arabischen Geschlecht der Banu Haschin, das seinen Ursprung auf Haschin, den Urgroßvater Mohammeds, zurückführt. Unter dem Engländer Lawrence wurde ZWEI AUFGEREGTE HERRN: im Dszember 1941 kam der Mufti nach Berlin und sollte die arabischen Pläne Hitlers verwirklichen helfen. der aus türkischen Diensten desertierte junge Artillerieoffizier Amin el Husseini Politiker. Er unterstützte ; 1916 mit allen Kräften die Aufstellung einer pro-britischen arabischen Armee. Schon ein Jahr später agitierte er gegen die britische Mandatsverwaltung in Palästina und war maßgeblich an den judenfeindlichen arabischen Aktionen beteiligt. Amin wurde steckbrieflich gesucht und mußte flüchten. Erst eine Amnestie ermöglichte ihm die Rückkehr in die Heimat. Ende 1921 wurde Amin el Husseini als Nachfolger seines verstorbenen Bruders zum Mufti von Jerusalem gewählt. Das lag in der Familientradition. Schon Amins Vater hatte dieses halb geistliche, halb weltliche Amt bekleidet, das durch seine Hach dem Oel der Kaviar Persien will die sowjetische Fischerei- Konzession nicht verlängern Von unserem Mitarbeiter im Nahen Osten Es scheint, daß das riesige Geschäft, das die Russen mit -'hrem Malosol, dem begehrten feinsten Kaviar, in den westlichen Hauptstädten machen, im nächsten Jahr zu Ende gehen wird. Denn es heißt, daß die Perser die sowjetische Fischerei-Konzession in ihren Küstengewässern des Kaspischen Meeres, die im nächsten Jahr abläuft, nicht verlängern wollen. Nach der Erdölindustrie soll auch die Kaviargewin- nung verstaatlicht werden. Die Sowjets haben ^ius dieser Konzession ungeheure Gewinne gezogen und die Perser entgegen den Vertragsbestimmungen in jeder Weise benachteiligt. Als 1927 der neue Konzessionsvertrag abgeschlossen wurde — die ursprüngliche Konzession lief schon seit der Jahrhundertwende — wurde eine jährliche Pacht von 800 000 Rials (früher ein Rial = 1 Mark) und ein Anteil von 15 Prozent am Reingewinn vereinbart. Obwohl der Rial heute nur noch ein Zehntel des damaligen Wertes hat, haben sich die Sowjets gegen jede Revision verschlossen. Sie haben auch entgegen den Vertragsbestimmungen, die im Wechsel russische und persische Leiter des gemeinsamen Fischerei-Unternehmens und den Verkauf der Fänge an den Meistbietenden vorsehen, sich die alleinige Leitung angemaßt und den Verkauf zugunsten der sowjetischen „Glavribispit“ monopolisiert. Dabei machen sie ein doppeltes Geschäft: die „Glavribispit“ kauft die Fänge zu einem niedrigen Preise auf, da keine anderen Käufer zugelassen werden, und versorgt die Fischereigesellschaft zu überhöhten Preisen mit Fanggeräten und Ausrüstung. Für den besten Malosol erhalten die Sowjets in den westlichen Hauptstädten das Sechsfache des Preises, den sie der Fischereigesellschaft zahlen. Bei einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 200 000 Pfund Kaviar bedeutet das einen Millio- nen-Gewinn auf Kosten der Perser, die mit Summen abgefunden werden, die dem Werte nach etwa der Hälfte der 1927 vereinbarten Pacht entsprechen. Fraglich ist nur, ob die persischen Fischer ihres Lebens auf dem Kaspischen Meer froh werden, wenn sie nach Ablauf der Konzession allein auf persische Rechnung fischen. Denn Kaviar kann auch zu einer politischen Ware werden und sehr schwer im Magen liegen. Die Wnndergeige von Stallno Milchmann findet eine Stradivari — Für 400 Rubel bei einem Altwarenhändler Von unserem römischen Korrespondenten „Sie haben eine herrliche Geige“, 6agte vor einiger Zeit ein römischer Instrumentenhändler zu dem Milchmann Camillo Germi, der zu ihm gekommen war, um sein recht verstaubtes Instrument für ein Familienfest etwas auffrischen zu lassen. „Das ist noch gar nichts“, meinte der brave Musikant, „Sie sollten sie erst einmal hören. Wahre Zauberklänge kann man aus ihr hervorlocken!“ Schon hatte er sich das Instrument unter das Kinn geklemmt und begann eine einfache Weise darauf zu spielen. Obwohl Camillo Germi nur ein mittelmäßig begabter Amateur war, kam der Fachmann nicht aus dem Staunen heraus. Es mußte eine alte Meistergeige sein, sonst war der herrliche Ton nicht zu erklären. Der Händler überredete den Eigentümer, ihm die Geige für einige Zeit zu überlassen, um sie auf eine Herkunftsbezeichnung zu untersuchen. Anfangs schien es, als habe sich der Erbauer nicht eingetragen, bis man schließlich unter einer dicken Staubschicht doch noch das weltberühmte Signum ,Antonius Stradivarius, Cremo- nensis, faciebat 1713“ fand. Kein Zweifel War mehr möglich. Was schon die edle Form des Instruments angedeutet hatte, War durch die Signatur bewiesen: man hatte durch einen wahrhaft blinden Zufall die Stradivari Nr. 544 gefunden. Bisher waren 543 Meistergeigen des gleichen Herstellers bekannt Sie sind sämtlich katalogisiert. Doch immer fehlen noch rund 50*/• der Geigen, die einst der weltberühmte Cremorieser Geigenbauer hergestellt hat. Man rechnet, daß der Meister in seinem 87 Jahre währenden Leben etwa tausend Geigen gefertigt hat. Die nun aufgefundene Geige hat ein Wahrhaft abenteuerliches Schicksal hinter sich. Im letzten Kriege diente Camillo Germi bei den 3. Bersaglieris, die in Rußland an der Ostfront waren. Eines Tages durchstöberte Camillo in Stalino einen kleinen Ramschladen und fand die Geige. Sie sollte 400 Rubel kosten, für einen einfachen Soldaten damals beinahe unerschwinglich. Camillo pumpte verschiedene Kameraden an, endlich war der Betrag beisammen. Natürlich wurde der Geigenbesitzer von seiner Umgebung wacher geneckt. Ein Soldat zieht in den Ostfeldzug mit einer Geige im Gepäck! Doch Camillo hielt das so teuer erstandene Instrument in hohen Ehren. Selbst auf dem monatelangen Rückzug trennte er sich nicht von dem Instrument und brachte es ungefähr als einzige Habe in die Heimat zurück. „Sie wissen nicht, welchen Schatz Sie damals gerettet haben“, offenbarte ihm der Musikalienhändler. „Man zahlt heute für eine echte Stradivari zwei Millionen dreihunderttausend Lire!“ Das sind nach deutschem Gelde etwa 25 000 D-Mark. Doch Experten schätzen den Wert der in Rom gefundenen Geige, deren Echtheit nicht an- gefcchten werden kann, noch höher. Auch der alte Meister von Cremona hat in seinem Schaffen besonders hochwertige und weniger gelungene Geigen gebaut. Die römische Stradivari soll zu den besten gehören, die man heute auf der Welt kennt. Als man Camillo Germi fragte, ob er die Geige verkaufen wolle, antwortete er: „Ich darf sie nicht behalten. Eine soQche Geige gehört nicht in die ungelenken Hände eines Milchmannes. Sie ist für einen echten Künstler gebaut. Schicken Sie mir das Geld, wenn sie verkauft ist. Aber ich möchte sie nicht mehr Wiedersehen. Sie war mein guter Kamerad in schweren Stunden.“ Schlüsselstellung im arabischen Rechtswesen des Landes und durch die Kontrolle der islamitischen Stiftungsgüter seinem Träger eine große Machtposition verschafft. Die Engländer bestätigen die Wahl Amin el Husseinis zum Mufti und zahlten ihm sogar die für dieses Amt von der Mandatsregierung festgesetzte Summe von 600 Pfund Sterling monatlich. Die Briten finanzierten damit teilweise den antibritischen Aufstand, den der Mufti inzwischen in ihrem Rücken vorbereitete. Er ist der Regisseur des Palästina-Aufstandes der Jahre 1936 bis 1939. Diese Unruhen versetzten der nicht nur aufblühenden jüdischen Wirtschaft im Heiligen Land einen schweren Schlag, sondern sie kosteten auch viel englisches, jüdisches und arabisches Blut. Damals gelang es dem Mufti, die ganze mohammedanische Welt auf seine Seite zu bringen. Die Engländer aber erließen gegen das „Dynamit auf zwei Beinen“ einen neuen Steckbrief. Der Verhaftung konnte sich Husseini in letzter Minute durch Zufluchtnahme in der Jerusalemer Omar-Moschee entziehen. Von dort entkam er als Beduine verkleidet in einem Motorboot auf syrisches Gebiet. Damit begannen Husseinis Wanderjahre, die ihn für elf Jahre ins Exil, aber auch hinter die Kulissen der Weltpolitik führten: über Bagdad, wo er 1941 mit deutscher Unterstützung den antibritischen Irak- Aufstand Inszenierte, über Teheran, wo er nach dem anglo-russischen Einmarsch in der japanischen Botschaft Zuflucht fand, über Rom, wo er Anfang Dezember 1941 von Mussolini empfangen wurde, nach Berlin. Beim ersten Zusammentreffen soll Himmler die blauen Augen seines neuen arabischen Freundes bewundert haben. Von Berlin aus beschäftigte sich der Mufti vor allem mit dem Ausbau eines weitverzweigten Spionage- und Sabotagedienstes im Nahen Osten. Nebenbüros in Genf und Istanbul hielten die direkte Verbindung in die arabischen Länder aufrecht. Später wurde dem Mufti die Aufstellung von mohammedanischen Militäreinheiten für die Wehrmacht übertragen. Inzwischen hatte sich Amin el Husseini im Mai 1945 in Konstanz französischen Truppen gestellt. Man wies ihm eine geräumige Villa in Rambouillet bei Paris zu und stellte ihn unter Polizeiaufsicht. Im Mai 1946 bestieg „Monsieur Husseini“ mit falschem Paß in Paris ein amerikanisches Flugzeug unfl flog nach Kairo. Dort sitzt er noch heute als Gast König Faruks. Von Kairo aus, wo er bald die graue Eminenz der „Arabischen Liga“ wurde, zieht er die politischen Fäden. Seltsam und heiter Schwer zu entwirren Im Städtchen Hague in der kanadischen Provinz Saskatchewan hat der sechsunddreißigjährige Cornelius Friesen die zwei- undvierzigjährige Witwe seines Großvaters aus zweiter Ehe, Sarah Friesen, geheiratet. Großvater Friesen war vor einem Jahr im Alter von 85 Jahren gestorben. Der zwölfjährige Sohn der Braut, der bisher Stiefonkel des frischgebackenen Ehemannes war, wurde durch die Heirat zu seinem Stiefsohn. Es ist aber noch nicht geklärt, ob Cornelius nicht auch sein eigener Großvater geworden ist. Spielzeug, ganz modern Auf der 47. amerikanischen Spielzeugmesse waren ein kleines Atom-Laboratorium als Spielzeug vorgeführt. Der Preis ist verhältnismäßig niedrig, 42,5 Dollar, und eine Gefährdung der spielenden Kinder ist ausgeschlossen. Das Spielzeug, das an Aktualität schwerlich übertroffen werden kann, enthält drei radioaktive Verbindungen, einen Geigerzähler (der teuerste Bestandteil) und ein Elektroskop, mit denen radioaktive Strahlen festgestellt werden können, ein Spinthanlskop, das Atomteile auf einem Leuchtschirm sichtbar macht, und schließlich eine Wilson-Nebelkammer, mittels welcher die leuchtende Bahn schneller Alphateilchen gesehen werden kann. Eine Merkwürdigkeit des neuen Spielzeugs ist ferner, daß die Herstellung mit wohlwollender Zustimmung des amtlichen Atomenergie-Ausschusses erfolgt, und zwar deswegen, weil ihm die Verbreitung so vieler Geigerzähler, mit denen sich radioaktive Strahlen jederzeit feststeilen lassen, für alle Fälle gut erscheint. Frisch rasiert Ein Autofahrer wurde kürzlich in Kansas City (USA) mit einer Geldstrafe von fünfzig Dollar belegt, weil er „mit hoher Geschwindigkeit die Hauptverkehrsstraße entlangfuhr und sich dabei mit dem Strom der Autobatterie „rasiert“ hatte. — Der Automobilist sah darin keine Gefährdung der Verkehrssicherheit und verweigerte die Zahlung. Falsche Antwort „Ist Ihr Hund bissig?“ fragte ein Vorübergehender den einsamen Spaziergänger J. A. Penn, der seinen Hund auf der Page- Avenue in St. Louis ausflührte. „Oh, nein, gar nicht“, antwortete der Ahnungslose. .Dann ist's o. kmeinte der Passant, richtete einen Revolver auf Mr. Penn, zog ihm die Brieftasche aus dem Jacket und verschwand. während der Hund erfreut mit dem Schweif wedelte. Kühe mit Schlagseite Kühe mit schwerer Schlagseite, mit irren Augen durch die Gegend taumelnde Schweine und heiser krächzende Krähen, die so betrunken waren, daß sie nicht mehr fliegen konnten, brachten vor einigen Tagen eine Gruppe von Schwarzbrennern in der Gegend von Kalkutta hinter schwedische Gardinen. Die Polizei, auf das seltsame Benehmen der Tiere aufmerksam geworden, folgte den Spuren der „angeheiterten“ Kühe zu einem Bach, der weithin nach Schnaps stank. Man folgte dem Bach bis zur Quelle, wo ein einsames Blockhaus stand, aus dem lustig der Branntwein floß. In Anwesenheit der Schnapsbrenner waren die Behälter übergelaufen und hatten sich in den Bach ergossen. Gespaltenes Indien Von Dr. Helmut Lindemann Die Mobilmachung der Nationalgarde in Pakistan und die Bekanntgabe gewisser Luftschutzmaßnahmen sind das letzte Alarmzeichen aus dem gespaltenen indischen Subkontinent, dessen ungelöste Rassen- und Religionsgegensätze zu den gefährlichsten Krankheitskeimen einer Welt gehören, deren politische Entwicklung unaufhaltsam einer neuen Katastrophe zuzutreiben scheint. Die Maßnahmen der pakistanischen Regierung sind eine Folge der jüngsten indischen Truppenbewegungen, welche wiederum als Antwort auf tatsächliche oder angebliche Handlungen und Reden pakistanischer Politiker hingestellt werden. So zieht sich Schlag und Gegenschlag in dem indischen Drama durch die Jahre zurück, und niemand vermag heute mehr recht zu sagen, wann und wo es angefangen hat. Gerade das aber ist die Aufgabe des neuen Vermittlers der Vereinigten Nationen, Dr. Frank Graham, der vor kurzem in Kaschmir eingetroffen ist, um dieses Hauptproblem des indischen Hausstreits vielleicht doch noch einer erträglichen Lösung zuziufüfaren. Er wird sich beeilen müssen, wenn er verhindern will, daß die erhitzten Leidenschaften der Moslems und der Hindus sich an irgendeinem kleinen Grenzzwischenfall entzünden. Der Kaschmirfall ist, wie die gesamte indische Poüiitiik, so verworren, daß es fast unmöglich ist, ihn einem Durchschnittseuropäer, der keine besonderen Kenntnisse Indiens besitzt, näherzubringen. Grobe Vereinfachungen lassen sich nicht vermeiden. WE1 man nicht zu Adam und Eva zurückgehen, aber trotzdem die historischen Zusammenhänge beleuchten, so findet man sich schließlich am 9. März 1846 in Labore wieder, als die Engländer den ersten Krieg gegen die Sikh-Stämme gewonnen 'hatten und nun im Vertrag von Labore den Staat Kaschmir schufen, wie er im wesentlichen bis heute bestanden hat. Damals wurde die Eürstenwürde Gulab Singh, dem Fürsten von Dschammu, übertragen, der freilich der britisch-indischen Regierung untergeordnet blieb. Gulab Singh war Hindu, die große Mehrheit der Bevölkerung von Kaschmir waren und sind Mohammedaner. Die von den Briten getroffene Regelung entsprach also dem römischen Grundsatz des Teilens und Herrschens. Dieser Grundsatz hat eich auch in Indien bewährt — bis die Engländer das Land verließen. Nachdem im Jahre 1946 Indien in zwei Staatswesen geteilt wurde, deren eines überwiegend von Hindus und denen anderes hauptsächlich von Mohammedanern bewohnt wird, mußte früher oder später das Kaschmir-Problem wieder akut werden. Daß es jetzt mit solcher Heftigkeit aufgebrochen ist, liegt teilweise an den Jahrhunderte alten Gegensätzen zwischen den Religionen, teilweise aber an der weltpolitischen Konstellation. Eine wirklich gerechte Lösung des Falles gibt es wahrscheinlich überhaupt nicht. Kaschmir ist das klassische Beispiel eines nur auf dem Kompromißwege zu lösenden i Streitfalles. Vorläufig mangelt es aber I durchaus an Kompromißwilligkeit der einen Partei, und das politisch und psychologisch Erstaunliche ist nun, daß die Führung dieser unwilligen, ja beinahe intransigenten Partei in den Händen eben jenes Jawaharlal Nehru liegt, der sich dm Korea- Konflikt einen Namen als Friedensmittler zu machen versuchte, der als Schüler des großen Gandhi der Lehre von der Gewaltlosigkeit huldigt und der sich 1947 bei den blutigen Unruhen im Pandschab mit Erfolg um eine praktische Verwirklichung dieser Lehre bemüht hat. Wie immer man geneigt ist, die Ansprüche der streitenden Parteien zu beurteilen, so läßt sich nicht leugnen, daß Indien sich durch die konsequente Ablehnung aller bisherigen Vermittlun gsvor- schläge in eine überaus ungünstige Position manvriert hat, die durch die jüngsten Tmppenverschiebungen in die unmittelbare Nähe der pakistanischen Grenze nahezu hoffnungslos geworden ist. Die Erklärung für Nehrus Haltung? Einmal ist er selbst ein Hindu aus Kaschmir, und selbst dem weisesten Staatsmann gelingt es nicht immer, sich von den Einflüssen seiner Herkunft freizumachen. Zum andern äst Nehru an politischer Reife seinem Volke weit voraus. Wer ihn kennt, wird ihn kaum für einen Nationalisten holten: aber er steht an der Spitze eines Staates, der von nationalistischen Leidenschaften nicht weniger erschüttert wird als andere Länder Asien®. Die eigentliche Erklärung für die Beharrlichkeit, mit der Nehru Kaschmir für Indien fordert, dürfte jedoch geographischer oder weltpolitischer Natur sein. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß Kaschmir mit dem hohen Karakorum-Gebirge Indien gegen die Sowjetunion abriegelt. Nehru fürchtet, daß ein an Pakistan angegliedertes Kaschmir sowjetischen Durchdringungs- Versuchen weniger Widerstand bieten würde, wobei offeribleiben mag, ob diese Befürchtung begründet ist. Daß Indien Pakistan militärisch erheblich überlegen ist — nicht nur quantitativ, sondern auch durch die Qualität seiner Organisation —, wind kaum bezweifelt Dieser Umstand dürfte auch erklären, warum vom amerikanischer Seite bisher auf Indien nicht stärkerer Druck aiuegeübt worden ist Bisher haben sowohl London wie Washington beiden Parteien nur zur „Mäßigung“ geraten. Washington wird sicherlich alles tun, um zu verhindern, daß seine Bemühungen um die Erhaltung des Weltfriedens durch den Ausbruch eines indischen Bruderkrieges vereitelt werden, Nehnu hat dieser Tage den Ministerpräsidenten von Pakistan zu Besprechungen eingeladen. Vielleicht wird die akute Gefahr vorerst durch die kühlende Wirkung des Monsunregens im August gebannt, ln der dadurch gewährten Atempause wird es aber einer fast übermenschlichen Weisheit gepaart mit Stärke und Entschlossenheit, bedürfen, um zum Ziel zu gelangen. Wert und Bedeutung der britischen Herrschaft für Indien sind niemals deutlicher zutage getreten als in diesen ersten Jahren nach ihrer Beendigung. I O O O o o ( V. BATSCHARI c Der ■Derby" bedeutet Auslese der Besten. ■Derby" ist eine neue Batschari-Cigarette, die dem Wort „Auslese” neuen Sinn gibt Die delikate Virginia-Kombination besticht durch milden, mündigen Geschmack. Durch das Derby-Großformat kommt das pikante Aroma zu voller Entfaltung. AUSLESE DER BESTEN Freie Initiative nicht einengen Minimum an Lenkung — Aber genaue Durchführung notwendiger Maßnahmen I'; < 111 fr Bonn. Der Rohstoffberater der Bundesregierung Otto A. Friedrich äußerte sich über die Ziele der gegenwärtigen deutschen Wirtschaftspolitik. Für Deutschland 6ei nach wie vor eine undogmatische Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform, wenn der Bundesregierung zugleich die gesetzlichen Möglichkeiten in die Hand gegeben würden, lenkend in die Produktion einzugreifen, wo es unbedingt erforderlich werde. Die wirtschaftspolitische Entwicklung, die mit dem Erlaß des Wirtschaftssicherungsgesetzes begonnen habe und durch viele Einzelverordnungen inzwischen ergänzt sei, könne nur in einer Gesamtschau gewertet werden. Jede dogmatische Versteifung auf die Standpunkte „Hie Marktwirtschaft — Hie Planwirtschaft“ gehe am Kern der Sache vorbei. Als grundsätzliches Ziel der Rohstoffpolitik der Bundesregierung stellte Friedrich die Notwendigkeit heraus, auf der einen Seite bestimmte unerläßliche Vorzugsrechte zu schaffen und zugleich allen Unternehmen, auch der breiten Schicht de» Mittel- und Kleingewerbes, eine Mindestversorgung zu sichern, wenn die Ver- fügungsroenge nicht durch rasche Ausdehnung der Produktion oder Einfuhr zu decken sei. Friedrich wies auf die Gefahr hin, daß große Werke sich mit ihrem Gewicht als Abnehmer einen übermäßigen Anteil an den Rohstoffen auf Kosten des Mittel- und Kleingewerbes, vor allem auch des Handwerks sichern könnten. Hier müsse die Bundesregierung ausgleichend und lenkend eingreifen. Vorzugsrechte müßten in allererster Linie für den, Export gelten. Daneben sei die vordringliche Versorgung der Produktion für die Unterstützung der westlichen Verteidigung auch als Devisenquelle von besonderer Bedeutung. Als die bedrohlichsten Engpässe stellte Friedrich den Mangel an Kohle und Stahl heraus. Er wies darauf hin, daß ein möglicher Preisanstieg auf dem internationalen Rohstoffmarkt im Herbst die Bundesrepublik erneut in eine angespannte Devisenlage bringen müsse, so daß jeder Kohlenimport zu überhöhten Preisen und gegen den Einsatz 'von Dollars eine schwere Belastung bedeute. Die Versorgungslage im Sektor Eisen und Stahl erfordere keine diktatorischen Eingriffe und auch keinen Stahlkommissar. Aber der Bewirtungsspesen günstiger! In seiner letzten Sitzung vor den Ferien hat sich der Bundesrat mit dem Verordnungsentwurf der Regierung über die Spesenvergütung bei der Bewirtung von Geschäftsfreunden beschäftigt. Hierbei zeigte er sich großzügiger als der Bundestag und nahm verschiedene Aenderungen zugunsten des Steuerpflichtigen vor. So wurde bestimmt, daß neben dem steuerfreien Satz von 10 DM Bewirtungsspesen je Gast und Tag auch Aufwendungen, die der Steuerpflichtige für sich selbst und für Angehörige seines Betriebes macht, bis zur Höhe von 10 DM täglich für jede Einzelbewirtung vom Betriebsgewinn abgesetzt werden können. Die Aufwendungen für die Bewirtung ausländischer Geschäftsfreunde (und hierbei auch die Kasten für den Steuerpflichtigen selbst und für Angehörige seines Betriebes) sind voll abzugsfähig. Die tatsächlich entstandenen Kosten müssen jedoch nachgewiesen werden. Im Buradesfinanzministerium wird betont, daß die neue Spesenverordnung auch nach der Verabschiedung im Bundesrat noch keineswegs in Kraft getreten ist. Vielmehr müsse zunächst das Bundeskabinett zu den Aenderungen Stellung neh- rrien, die der Bundesrat an dem Entwurf vorgenommen hat. Die Entscheidung des Kabinetts ist noch völlig offen. Nach wie vor ist daher Zurückhaltung bei Aufwendungen für Geschäftsfreunde zu empfehlen. Geheimnis um Jan Roman von 12) Gertrud v. Brockdorff Ich glaube, sie war endlich dahintergekommen, daß es ein anderer war als Michael. Nun war sie rasend vor Neugier und vergab es mir nicht, daß ich eie nicht ins Vertrauen gezogen hatte. „Und daß du jetzt solche Geschichten machst! Dir hätte ich das zuletzt zugetraut! Aber so ist das mit den stillen Wassern . . .“ „Wenn du jetzt nicht aufhörst . . .“ „Es muß doch einer aus dem Hotel sein! — Einer von den Gästen? Willst du es mir nicht sagen?“ „Ich kann nicht!“ schrie ich. „Begreif das doch endlich!“ „Ach so . . .‘, sagte sie langsam. „Du kannst es also nicht sagen!“ Wahrscheinlich vermutete sie, es handelte sich um Herrn Sprüngli, um den dicken, rosigen und gutmütigen Herrn Sprüngli, der mir ein paarmal gegen Frau Marescot beigestanden hatte und dessen Frau besonders eifersüchtig war. „Du mußt ja wissen, was du tust“, sagte sie. „Ich habe so eine Ahnung, als würde es eines Tages einen großen Skandal mit dir geben.“ Auch ich hatte die gleiche Ahnung, als ich mir beim Schein des flackernden Kerzenstümpfchens vor unserem kleinen welligen Spiegel das Haar •bürstete und den grauen, sturmdurch- heulten Tag heraufdämmem sah, vordem ich noch nicht wußte, wie ich ihn durch- stehen sollte. Es wurde alles besser, als ich geglaubt hatte. « Frau Marescot kam mir gegenüber nicht wieder auf die Sache zurück, und da« einzige, was mich an das Erlebnis hätte erinnern können, war ein lächelnder, forschender und verständnisvoller Blick von Bundesregierung müsse durch eine Verordnung die gesetzliche Möglichkeit gegeben werden, zu lenken, wo es notwendig sei. Wie weit von solchen Lenkungsbefugnissen tatsächlich Gebrauch gemacht werden müsse, werde von der Entwicklung der Produktion und Versorgung abhängen und zugleich von der Einsicht und dem selbstverantwortlichen Handeln der Wirtschaft bestimmt sein. Die Einflußmöglichkeit auf das Walzprogramm sollen nicht die Grundlage für ein bürokratisches Programm durch den Staat sein, sondern die elastische Zusammenarbeit von Regierung und Wirtschaft sichern. Friedrich forderte schließlich, daß die gesetzlichen Normen der Bundesregierung im Bereich der Wirtschaftspolitik in ihrer ganzen Bedeutung anerkannt würden. „Gerade weil die Bundesregierung mit einem Minimum staatlicher Intervention auszukommen versucht, um die freie Initiative nicht einzuengen, müssen die als notwendig erkannten Maßnahmen um so präziser und korrekter eingehalten werden.“ KinmeldBiiftB Am ersten August wurde im Rüssels- heimer Werkhafen der 250 000. Opel-Exportwagen (ein „Kapitän“) verladen. Bestimmungsort ist Khartum im ägyptischen Sudan. Brasilien stellt sich immer mehr als besonders interessanter Markt für die deutsche Automobilindustrie heraus. Nachdem bereits die ersten 400 Volkswagen in Brasilien montiert worden sind, schaltet sich jetzt auch Daimler-Benz in größerem Maßstab ein. Die Aktien der britischen Siemens-Gesellschaft, die bisher von dem Treuhänder für Feindeigentum verwaltet wurden, sind von der Associated Electrical Industries LTD erwarben worden. Das britische Handelsministerium teilte mit, daß es das Kaufangebot der Gesellschaft angenommen habe. Die Luftverkehrsgesellschaft British European Airways (BEA) beförderte in den vergangenen zwölf Monaten über eine Million Passagiere und hat damit als erste europäische Fluggesellschaft die Millionen- Grenze innerhalb eines Jahre« überschritten. Erhöhung der Bahntarife höchst bedenklich Bonn. Jede Erhöhung der Bundesbahntarife ist im Hinblick auf ihre Breitenwirkung im Preisgefüge aus Wirtschaft«- und sozialpolitischen Erwägungen höchst bedenklich, heißt es in einer Stellungnahme des deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), die dem, wissenschaftlichen Beirat des Bundesverkehrsministeriums und der ständigen Tarifkommission übergeben wurde. Nach Auffassung des DIHT ist eine Erhöhung der Personentarife angesichts der Tendenz einer stetigen Einnahmesteigerung aus dem normalen Reiseverkehr abzulehnen, zumal auch von der Bundesbahn selbst erklärt werde, daß der Schnell- und Eilzugverkehr bereits Ueberschüsse abwerfe. Ein etwaiges Defizit aus dem Berufsverkehr müsse aus allgemeinen staatlichen Mitteln gedeckt werden. Zur Deckung der echten Kostensteigerung von 346,5 Millionen DM wäre nach Berechnungen des DIHT eine maximale Erhöhung der Expreßgut- und Stückguttarife von durchschnittlich 15 Prozent ausreichen. Auf keinen Fall könne der Bundesbahn eine Selbstfinanzierung des Wiederaufbaus, des Nachholbedarfs und der Modernisierung auf dem Wege über eine Tariferhöhung zugestanden werden. Preisüberwachung erfolgreich Bonn. Die Aktionen der Preisüberwachungsbehörden der Länder während der letzten Wochen haben gezeigt, daß auch ohne Preisgesetze die staatliche Verwaltung in der Lage ist, Verteuerungen aufzufangen oder sogar zu verhindern, erklärte ein leitender Beamter des Bundeswirt schaf tsirninisteriums. Ohne diese Tätigkeit der Preisüberwachung wären zweifellos erhebliche ungerechtfertigte Preissteigerungen auf den verschiedensten Gebieten des Konsums und der gewerblichen Wirtschaft zu verzeichnen gewesen. Auf dem Emährungssektor sei, so betonte der Sprecher, eine Rückbildung der Fleischpreise, insbesondere der Marktnotierungen von Schweinen, auf einen befriedigenden Stand gelungen. Gegenwärtig würden Untersuchungen über die Schmalzpreise durchgeführt. Unoleumwerke senkten Preise Bietigheim. Die Hauptversammlung der deutschen Linoleumwerke hat beschlossen, für 1950 6 «/o Dividende zu verteilen. Wie weiter mitgeteilt wurde, war es der Gesellschaft auf Grund der rückläufigen Rohstoffpreise möglich, mit Wirkung vom 1. August 1951 die Preise für Stragula-Fußbodenbelag zu senken. Die im ersten Halbjahr 1951 verzeichnete Umsatzsteigerung machte im Juli einer Herrn Sprüngli. Rainer trat aus dem Frühstückszimmer, als ich eben an der Tür vorbeihastete, und der Ausdruck seiner Augen war für mich die Verheißung unerhörten Glück«. Sofort schlug meine Stimmung um. „Heut abend?“ fragte Rainer im Vorbeigehen. Ich konnte nur nicken; denn die unvermeidliche Frau Marescot war schon wieder in der Nähe. Auch jetzt unterdrückte sie jede Bemerkung, sondern blickte mich nur ein paarmal verstohlen von der Seite an, prüfend und abschätzend, wie mir schien. Der Sturm dauerte noch immer an, und der Zugverkehr war ins Stocken geraten. Noch immer war das Hotel eine verschanzte Burg, die den Angriffen der Elemente Trotz zu bieten hatte; noch immer versammelten sich die Gäste in Kamelhaarmänteln, Schals und Pelzen um die beiden großen Kamine in der Halle, in denen das Feuer flackerte und prasselte. Auch Rainer befand sich unter ihnen. Ich konnte ihn, wenn ich die Halle passierte, mit einem Buch in einem tiefen Ledersessel sitzen sehen. Wenn ich an ihm vorbeikam, hob er den Kopf, als hätte er meine Nähe gespürt. Ohne mich umzusehen wußte ich, daß seine Blicke mir folgten. Ahnte ich damals schon etwas von dem Dunklen und Schweren, dem ich schicksalhaft entgegentrieb? Heute, nachträglich, will es mir so Vorkommen, als wäre es der Fall gewesen, als hätte mich auch auf dem Höhepunkt meines Glücks die Ahnung nie verlassen, es würde nicht von Bestand sein. Auch an Jan dachte ich viel, wenn ich mich auch bemühte, den Gedanken von ihm abzuhalten. Eines Tages, wenn Jan wieder zurückgekehrt war, würde ich mit ihm über alles reden. Jetzt aber wollte ich für Rainer da sein . . . nur für ihn. Später habe ich mich manchmal gefragt, ob nicht vielleicht der Sturm an allem schuld war. Dieser Sturm, der uns von der gewissen Stagnation Platz. Bei Besserung der Kohlenversorgung wird jedoch für den Herbst wieder mit einer Umsatzbelebung gerechnet. Exporterlöse auf Postscheckkonto Frankfurt. Zahlungen, die auf dem Postschecfcwege aus dem Auslande bei den Exporteuren eingehen, können von diesen, wie die Bank deutscher Länder mitteilt als Gegenwert ihrer Exportlieferungen angenommen werden. Der Nachweis, daß die DM-Ueberweäsung des Postscheckamtes an den deutschen Exporteur auf Grund einer Devisenzahlung erfolgt, wird durch den Einzahlungsbeleg des ausländischen Einzahlers erbracht, der zusammen mit der Gutschriftaufgabe des Postscheckamtes dem Zahlungsempfänger zugestellt wird. Beide Belege sind als Unterlage der Außenhandelsbank, welche die Ausfuhreiklärung bewilligt hat, vorzulegen. Gesetz gegen Behördenhandel Bonn (W.-Eigenberidit). Nach einem Gesetzentwurf über ein Verbot des Werksund Behördenhandels, der gegenwärtig im Bundesjustiz - Ministerium ausgearbeitet wird, soll Beamten, Angestellten und Arbeitern von Behörden, öffentlichen Anstalten und privatwirtschaftlichein Unternehmungen während der Dienst- und Arbeitszeit die Ausübung einer privaten Handelstätigkeit untersagt werden. Das Verbot wird damit begründet, daß der Staat durch den Behördenhandel, der nur zum geringsten Teil versteuert wird, jährlich 100 bis 150 Millionen DM an Steuern einbüße. Verboten wird nicht nur der Ein- und Verkauf auf eigene oder fremde Rechnung, sondern auch die Entgegennahme von Sammelbestellungen. Gehaltsregelungen im Handel Freiburg. (Br.-Eigenbericht) Die vor kurzem vom DAG angenommene, für die Zeit vom 1. JuM bis 31. August 1951 geltende Gehaltsregeljung nach dem Spruch des Landesschlichtere für Baden erhöht die dm Tarifvertrag vom 26. Oktober 1950 festgesetzten Gehaltssätze im Groß- und Einzelhandel um 5 Prozent, für den Lebens- mdttelhandei um 3 Prozent. Die übrigen Bestimmungen des Gehaltstarifvertrages finden weiterhin Anwendung. Vieh- und Schweinemärkte Radolfzell. Der gestrige Ferkelroarkt hatte eine Aufruhr von 350 Ferkel zu verzeichnen. Die Tiere waren von mittlerer bis guter Qualität. Die Preise bewegten eich zwischen 25 DM bis 50 DM je Stück. Der Marktverlauf war infolge der Getreideernte sehr ruhig, so daß ein Ueberstand von 145 Stück verblieb. Außenwelt abschloß, unsere Nerven in Aufruhr brachte und alles Geschehen außerhalb von Raum und Zeit setzte. Vielleicht wäre auch alles anders gekommen, wenn das Verhältnis zwischen Rainer und Frau de Boor noch das gleiche gewesen wäre wie früher. So aber hatte sie ihn enttäuscht, und er brauchte einen Menschen, der ihm half, mit dieser Enttäuschung fertig zu werden. Meine widerstandslose Liebe kam ihm gelegen, und ich glaube sogar, daß ich ihm in jenen Tagen, die alles mit einem Schimmer von Romantik umkleideten, recht gut gefiel. Anders wüßte ich es mir nicht zu erklären, daß ich mich immer wieder in den Glauben hineinsteigern konnte, er liebte mich ebenso wie ich ihn liebte. Der Sturm hielt fast vier Tage an, und ich wünschte mir, er möchte eine Ewigkeit dauern. Frau de Boor hatte den größten Teil dieser Zeit im Bett verbracht, aber am Sonntagabend sah ich sie zum erstenmal wieder in der Halle. Sie trug ein unerhörtes schwarzes Kleid mit sehr viel blitzendem Schmuck an Hals und Armen, und ich sah sie mit Gabussi verstohlene Blicke wechseln. Sie saß mit Rainer in der Halle, als er vorbeiging, und ich bemerkte, wie Rainer den Blick auffing und sich auf die Unterlippe biß. Bald darauf zog sie sich zurück, und Rainer ging zu Herrn Sprüngli und unterhielt sich eine Weile mit ihm. Ich hörte, daß von den Zügen die Rede war und daß Rainer sich erkundigte, wann eie wohl fahren würden. Herr Sprüngli meinte, das wäre ganz unbestimmt, aber seiner Berechnung nach würde dies Wetter nicht mehr lange anhalten. Er hatte recht damit. Schon im Laufe des nächsten Nachmittags flaute der Sturm ab, und nach Mitternacht legte er sich ganz. Am anderen Morgen waren überall Arbeiter damit beschäftigt, die entstandenen Schäden auszubessern. Vom Fenster aus sah ich Michael die Schneewälle vor der Garage fortschaufeln. Ich hatte ihn Sportdienst des Südkurier Glühende Sonne, flauer Wind an den Segeltüchem „Halbzeit“ in der Internat. Bodensee-Woche — Favoritensiege und Ueberraschungen (H.M.-Eigenbericht.) Glühende Sonne, flauer Wind, Gewitterhoffnung, Gewitterfurcht und immer wieder eine hochsommerliche Sonne über blauem Wasser und dunstblauen Beigen, das war die Atmosphäre der ersten drei Regatten der Internationalen Bodensee-iWbdie 1951, die seit Sonntag mehr als 100 Segelboote im Obersee vereinigt. Von insgesamt seebs Wettfahrten waren bis Dienstagabend drei abgewickelt, so daß am wohlverdienten Ruhetag, am Mittwoch, in Lindau ein fröhliches ,-Halbzeit’'-Gewimmel der Segler aller Badensee-Sprachen einschließlich MKinchens, Zürichs und Berlins vorherrschte. Die Wettfahrten des Montag, die der Club Nau- tique Francais in Friedrichshafen infolge des sehr leichten Windes klugerweise auf den abgekürzten Bahnen des Vortages auseegeln ließ, verliefen mit Ausnahme der 30er-Schärenkreuzer und der Pirat- Jollen ohne große Ueberraschungen. Wieder holten sich die Fatvoriten wie „Bodan II" bei den 75em, „Esther” hei den Sechsern, „AeCskling” bei den 45ern und die ewige Erste der 22-.m-Joi- len, „Aera 111", den klaren Sieg, während hei den Schärenkreuzem der Favorit „Oh mei, Oh mei" unerwartet von seiner Starnberger Clubgenossin „Mechthild” um den ersten Platz gebracht wurde. Sehr bemerkenswert war wieder einmal die Leistung des Ammersee-Bootes „Namenlos" mit einer jungen bayerischen Mannschaft, die sich hinter Curry wie am Sonntag d’Sn zweiten Platz der 22er- Rennjollen sicherte, und das will etwas heißen. Die Verteilung der Klassen- und zahlreichen Sonderpreise am Montagabend in Friedrichshafen gestaltete sich nicht weniger strapazenreich als die Regatten selbst. Ergebnisse des Montag: Klassenpreise: 75-qm-Breuzer: 1. Bodan II Ueberlingen, 2. Fifty- Fifty Romanshorn. — 6-m-R-Klasse: 1. Esther Konstanz. — 45-gm-Kremzer: 1. Aelskling Bottighofen, 2. Snark Berlin, 3. Tamino Lindau. — 30-qm-Schä- renikreuzer: 1. Mechthild Starnberg, 2. Oh mei, Oh mei Starnberg, 3. Gilberte Zürich. — Starboote: 1. Nev*er mind Rapperswil, 2. Sabdnchen Ueberlingen. — 22-qm-Schärenkreuzer: 1. Pusteback Lindau, 2. Kobold Ueberlingen. — Malteser: 1. Ursula 'Friedrichshafen, 2. Bandi II Friedridis- hafen. — Laoustre: 1. Gilberte Kreuzlingen, 2. Wega Kreuzlingen. — Drachen: 1. Armes Bvdien Friedrichshafen, 2. Ha-Lo-Ing Friedrichshafen, 3. Gertrud Konstanz. 22-qm-Rennjollen (A-KIasse): 1. Aera M Starnberg, 2. Namenlos Ammersee, 3. Kiebitz XV Bottighofen, 4. Bunte Kuh Ueberlingen, 5. Albatros Bottiglhofen. — 22-qm-Rennjolien (B-Klasse): 1. 1. Liebe Bregenz, 15-qm-II-Jollen: 1. Marianne Berlin, 2. Kobold. — Pirat-Jollen: 1. Hau ab II Romanshorn, 2. Ilse IV Ueberlingen, 3. Bambi Romanshorn, 4. Wega Berlin. — Olympia-Jollen: 1. Kehr wieder Friedrichshafen. — Ausgleichsklasse I: 1. Windsbraut Friedrichshafen, 2. Ayesha Konstanz, 3. Clementin'e Friedrichshafen. — Ausgleichsklasse II: 1. Elisabeth Langenargen, 2. Pinguin Staad/Schweiz. — Ausgleichsjollen: 1. Itto Lindau, 2. Inko Langenargen. Sonderpreise: A) Württemb. Yacht-Club Friedrichshafen Kommodore-Preis: Aelskülng Bottighofen. Wieland-Erinnerungspreis: Bodan II Uberlingen. Stadt Friedrichshafen: Aelskling Bottighofen. Fürstenberg-Preis: Oh mei Oh mei Starnberg. M. Weisert-Sonderpreis: Oh mei Oh. mei Starnberg. Graf-Zeppelm-Erinneningspreis: Bandi H Friedrichshafen. , Markgraf-Berthold-Preis: Armes Evchen Fried- ' richshafen. Krose-Erinnerungspreis: Pinguin H Staad (Schweiz). Kienzle-Preis: Aera III Starnberg. Württ. Yadit-Club-Preis: Aera III Starnberg. Heller-Preis: Nuphar Zürich. B) Club Naiutique Francais: Colonel-Steff-Gedächtnispreis: Bodad II Ueberlingen. Michel-Eriiinerungspreis: Aera M Starnberg. Die Ueberfahrts-Regatta von Friedricbsäafen nach Lindau am Dienstag, die sämtliche Teilnehmer über einen Kurs von etwa 12 Seemeilen auf die Reise schickte, begann damit, daß fast sämtliche Favoriten die schlechtesten Starts machten. „Bodan II” ging als fünftes, „Esther" als drittes, „Aelskling” als viertes Boot ihrer Klasse über die Linie, und bei den 22er-Jollen gab es, von Curry raffiniert inszeniert, einen Frühstart und eine tolle Wooling, so daß zwei Boote zu- nückgerufen werden mußten, Currys „Aera UI” startete an dritter Steile. Aber schon bald nach dem Runden der Ausfahrt-Boje SW vom Yachthafen zeigten die Felder schon fast wieder das normale Bild: „Esther" mit Franz Hitzel an der Pinne weit vome, „Aelskling" den Sechsern direkt auf den Fersen, und schon auf der Höhe von Langenargen bemerkte man die alte, prachtvolle „Bayern" des Lindauer Segler-Gubs, die am Dienstag zum erstenmal an der „Wloche" teilnahm, mit weit ausgebreiteten Schwingen vor dem leichten Südwind, und ihrem Wahrzeichen, dem einzigen Topsegel auf dem Dreiländermeer, ziemlich ihrer Ausgleichsklasse voraus vorüberziehen. Ein echtes Piratenstück leisteten’sich zwei 141jährige Lindauer 'JHingmiannen, die sich mit „Delphin" an die Spitze der etwa zehn Pirat- joilen setzten und die alten Regattahasen einfach aibhängten. Das konnte aber auch nur zwei so „leichten Jungen" bei so leichter Brise gelingen. Der immer wiedfer abflauende schwache Südwind ließ jedoch die ganze, inzwischen auf mehrere Seemeilen auseinandergezogene Armada nur wenig Fahrt machen, so daß erst am späten Nachmittag an der schönen Lindauer Yachtmole in trägen Abständen die ersten Ziel-Signale zu hören waren, eine Erlösung für die ausdauernden Mannschaften und geduldigen Zuschauer. Ergebnisse des Dienstag: 75-qm-Kreuzer I. Bodan II, Ueberlingen, 2. Fifty-Fifty, Romanshorn. — 6-m-Yachten 1. Esther, Konstanz, 2. Sigrid, Ueberlingen. — 45-qm-Kreuzer: 1. Aelskling, Bot- tighofen/Schiweiz, 2. Tamino, Lindau, 3. Leu, Starnberg. — 30-qm-Schärenkreuzer: 1. Mechthild, Starnberg, 2. Oh mei, Oh mei, Starnberg, 3. Mar- wa IV, Lindau. — Starboote: 1. Stormy Weather, Rorschach, 2. Dolly II, Ueberlingen. — 22-qm- Schärenkreuzer: 1. Pustebadc, Lindau. 22-qm-Renmjoilen: 1. Aera II, Starnberg, 2. Namenlos, Ammersee, 3. Kiebitz XV, Bottighofen, 4. Tipsy, Friedrichshafen, 5. Albatros, Bottighofen/ Schweiz. — Piratjollen: 1. Delphin, Lindau, 2. Bambi, Romanshorn, 3.-Nuphar, Zürich, 4. Fram, Rorschach. Große Rudererfolge in Wien Fünf deutsche Siege gab es beim Ruderländerkampf gegen Oesterreich und Jugoslawien in Wien. Im Achter gewann Flörsheim^Rüsselsheim knapp vor den Jugoslawen, im Vierer m. St. siegte der Mannheimer RC Amicitia, im Zweier m. St. der RV Gelsenkirchen, im Doppelzweier Flörsheim/Rüsselsheim und im Einer der Frankfurter Lange. Der Ludwigishafener RV konnte im Vierer o. St. hinter Jugoslawien und Oesterreich nur den dritten Platz belegen. Mit 21:14 gewann damit Deutschland seinen ersten Nach- kriegsländerkampf gegen Jugoslawien, während Oesterreich nur zehn Punkte sammeln konnte. In wenigen Zeilen Das 3. internationale Straßenkriterium der Amateur-Rennfahrer „60 Runden durch Aulendorf" endete überraschend mit einem Triumph de« Ravensburger Walter Koch. Bei den Faustballmeisterschaften in Sigmarin- gen im Rahmen der Sommerspielmeisterschaften des Turnerbunds Schwaben siegte der TSV Lindau vor TV Waldrennach und TSG Balingen. Bei den 1. Tennis-Jugendmeisterschaften von Wlürttemberg-Hohenzollern in Balingen siegten Horst Walter, Ravensburg, im Junioren-Einzei, während der Sturmtage nicht zu Gesicht bekommen; wahrscheinlich war er mir geflissentlich ausgewichen. Im Laufe dieses Montags kam endlich die elektrische Leitung wieder in Ordnung, und am Abend brannten zum erstenmal wieder die großen Bogenlampen vor dem Hotel. Leider war mein Verhältnis zu Paillette noch immer ziemlich gespannt; ich hätte ihr sonst gern ein paar Worte über Gabussi gesagt, mit dieser Sache lieber ein Ende zu machen. Es war ihr aber nicht beizukommen, und es war nicht, wie ich zuerst geglaubt hatte, das ewige Oellicht gewesen, was ihr auf die Nerven gegangen war. Jetzt, da das elektrische Licht wieder brannte, war es um nichts besser mit ihr, und am folgenden Tag, einem Dienstag, zeigte sie sich von Anfang an reizbar und unausstehlich. Sie fragte mich nach Michael und erklärte es für meine Schuld, daß er jetzt immer mit finsterem Gesicht an ihr vorbeiginge und sie kaum grüßte. Der Gedanke an Michael hatte mich schon seit Tagen bedrückt, und ich nahm mir vor, ihn am Nachmittag, wenn stille Zeit war, einmal aufzusuchen und mich mit ihm auszusprechen. Nach Tisch wurde es mit Paulette besser. Es war ihr freier Tag; sie wollte eich um halb vier mit Gabussi treffen und bereitete sich ausführlich darauf vor. Sie bürstete ihr Haar, bis es knisterte und glänzte und probierte die neuen hochhackigen Wild- lederschuhe, die ihr eigentlich zu klein waren. Erregt und glücklich zog sie endlich ab. Gegen vier war Frau Marescot außer Sicht, und ich wagte mich ins Freie. Ich hatte erwartet, Michael in einer der Garagen zu finden, aber er war nicht da. Ich sah auch in der kleinen Werkstatt nach, die er sich für das Ausbessem der Skisachen eingerichtet hatte, aber auch hier war alles leer. Als ich im Begriff war, ins Haus zurückzukehren, sah ich Paulette neben den Rhododendren stehen. Ich ging zu ihr und fand sie dem Weinen nah. Sybille Kohlöffel, Reutlingen, im Junioren-Einzei, Horst Walter/Werner Neuner (Ravensburg) im Junforen-Doppel und Hildegard Baur/Brigitte Haas (BLberadi/Lindau) im Junioren-Doppel. Der deutsche Stehenneister Walter Lobmann (Bochum) belegte im Gesamtklassement eines Züricher Steherrennens mit 79,016 km den vierten Platz hinter Verschueren (Belgien) mit 79,736 km, dem Franzosen Lemoine (79,485 km) und dem Schweizer Meier (79,085 km). Die amerikanische Leichtathletik-Expedition konnte bei ihrem StaTt in Wien acht Siege erringen. Geschlagen wurden abermals der amerikanische Langstreckenläufer Curtis Stone und der Hürdenläufer Taylor. Im Kleinen Grenzverkehr startberechtigt Der Bund deutscher Radfahrer (BOR) hat bestimmt, daß Straßenrennen für Amateure nicht länger als 200 km sein dürfen. Im „Kleinen Grenzverkchr” ist die Beteiligung an ausländischen Radrennen und die Teilnahme ausländischer Fahrer an deutschen Veranstaltungen ohne besondere B'DR-Erlaubnis möglich, wenn die Austragungsorte nicht mehr als 50 km von der Landesgrenze entfernt liegen. „Ich warte jetzt nicht länger“, sagte eie. „Ueber eine halbe Stunde bin ich in der Konditorei gesessen und habe midi von dem Herrn zum. besten halten lasseh. Jetzt hab' ich die Geduld verloren, jetzt ist alles aus.“ „Er hat es vielleicht vergessen, Paulette. Oder er hat dich mißverstanden. Erkundige dich doch erst, ob er nicht ton Haus ist.“ „Er ist nicht im Haus; ich hab' doch längst gefragt“, sagte sie schnell und abgerissen. „Wo kann er aber sein? Ich sage dir; wenn er eine andere hat, wenn er mich etwa betrügt, dann ...“ Plötzlich glänzten ihre Augen auf. „Ist er das nicht dahinten? Mein Gott, dann hat er wohl einen Spaziergang gemacht und sich verspätet.. Sie rannte schon mit kleinen Trippelschritten davon, ohne eich um mich zu kümmern. Als es schon dämmerte, versuchte ich nochmals, Michael zu erreichen. Da ich in seinem kleinen Hofzimmer Licht sah, zwang ich etwas in mir nieder und öffnete leise die Tür zu dem winzigen unordentlichen Vorplatz. Dann aber fehlte mir der Mut, mich noch weiter vorzuwagen. Dieser Raum, der nur eine durch einen Vorhang verhüllte Fensterluke hatte, war fast finster. Durch das Schlüsselloch von Michaels Tür drang ein schmaler Lichtstreifen und verdunkelte sich jäh, als sich jemand von innen der Tür näherte und sie öffnete. Es war nicht Michael, wie ich geglaubt hatte, sondern Frau Marescot. Der Lampenschein. der durch die Türöffnung fiel, lag für einen Augenblick voll auf ihrem großen, blassen Gesicht mit dem hart zusammengepreßten Mund. Ich zuckte zurück und machte eine hastige und sinnlose Bewegung zur Tür hin, als wollte ich mich in eine panische Flucht stürzen. (Fortsetzung folgt) SÜDKURIER Sonftonjerlritutüj Nr. 119 / Seite 5 &ottftan$ bcu 2. ftuguft 1951 Sommerliche Eiszeit Eine Portion Himbeereis ist das harmloseste Vergnügen, das man sich denken kann. Das dürfen sich sogar die Jünglinge leisten, denen es obliegt, die Ein- und Ausgänge der Portokassen zu registrieren. Eine Portion Eis verpflichtet zu nichts. Sie ist harmloser als ein aufgenotoenes Taschentuch. Die Kavaliere, die ihren naschhaften Freundinnen ein Eis spendieren, haben noch alle Möglichkeiten in der Hand. Sie dürfen nach dem letzten Schlürfen eiskalt „Auf Wiedersehen“ sagen oder „Komm, jetzt gehen wir ins Kino“. Die Eiskarren, an deren weißladöerten Tischen die Kavaliere noch alle Möglichkeiten in der Hand haben, sind schon längst zur Premiere aufmarschiert, obwohl die Temperatur in diesen» Sommer zuweilen recht verdächtig mit der Innenkühle der Zinnbottiche übereinstimmte. Den Unentwegten machte das nichts aus. Sie schluckten kühl in sich hinein. In diesen heißen Tagen aber schmeckt es auch denjenigen, die sonst ihren Magen in wärmender Obhut halten müssen. Sie stellen befriedigt fest, daß die Eiskarren für die rechte Abkühlung zu sorgen vermögen, denn in dieser Zeit lechzt niemand mehr nach heißer Bouillon. Unsere Mägen sind bis auf weiteres auf Gefrorenes eingestellt. Die Kalendermacher aber werden wohl demnächst die Reihenfolge der Jahreszeiten neu gruppieren müssen und schreiben: Winter, Frühling, Eiszeit ... mit dem erläuternden Kommentar: Eiszeit = eine im Gegensatz zu den natürlichen Jahreszeiten vom Menschen erfundene Form des Sommers, um den Auswirkungen der Sonnenstrahlen mittels aromatischer Kühle entgegenzuwirken. — Wir wollen ihnen dieses Vergnügen gerne lassen und uns derweil am Gefrorenen schadlos halten. Strafpunkte für Verkebrüunfälle Ein Vorschlag, über den zu diskutieren wäre Die steigende Zahl der Verkehrsopfer verlangt schon länger eine Methode, dieser Gefahren so gut wie möglich Herr zu werden. Die Unfallziffern in Deutschland wie überhaupt in ganz Europa sind in den letzten Jahren erschreckend hoch geworden, so daß man wohl schwerlich eine Lösung des drängenden Problems findet, wenn man mit den bisherigen Mitteln weiterarbeitet. In diesem Zusammenhang ist es aufschlußreich, die österreichischen Versuche zu betrachten. Oesterreich führte gegen seine steigenden Verkehrsunfälle ein nachahmenswertes „Punktsystem“ ein, das lediglich aus einer Kartei aller österreichischen Kraftfahrer im Wiener Verkehrsamt besteht und der Ermächtigung jedes Polizisten, jeden Fahrer schon bei „verkehrsgefährdendem“ Verhalten zu stoppen, ohne daß ein Unfall geschehen zu sein braucht. Dem angehaltenen Fahrer gibt der Polizist eine schriftliche Verwarnung, deren Doppel an das Wiener Verkehrsamt geht, wo je nach Art der „Verkehrsgefährdung“ eine bestimmte Strafpunktzahl im Karteiblatt des Sünders notiert wird. Diese Punkte bleiben fünf Jahre stehen; gegen ihre Eintragung kann der Fahrer protestieren. Die Anwendung des neuen Gesetzes sieht man bereits überall im Straßenbild: ein Autolenker wird gestoppt, weil er seine Begleiterin während der Fahrt umarmte. Es passierte nichts, da kein Fahrzeug in der Nähe war. In der dem Fahrer gegebenen Verwarnung heißt es aber, es hätte etwas passieren können, wären andere Fahrzeuge dagewesen. Ergebnis: 1 Strafpunkt! Vorbeirasen an einem durch Warnschild bezeichneten Schulausgang bringt einer Wienerin sofort 2 Punkte. Verwarnungen wegen Mißachtung der Vorfahrt oder zu schnelles Fahrens (häufigste Unfallgründe!) bringen 3 Punkte, eine Gerichtsstrafe für einen Unfall deswegen sogar 8 Punkte! Bei 3 Punkten bekommt der Fahrer eine österreichisch-liebenswürdige Einladung des Verkehrsamts, einen Beamten seiner Polizeibehörde aufzusuchen, um „festgestellte Fahrunsicherheiten zu analysieren und Ratschläge zu empfangen“. Bei fünf Punkten wird er hierzu bereits amtlich aufgefordert mit dem Hinweis, ein weiterer Punkt führe zum Führerscheinentzug. Ein Fahrer mit 6 und mehr Punkten wird als „dauernde Gefahr“ vor die zuständige Verkehrsbehörde zitiert, die die Frage seines Führerscheins prüft. Wer nicht kommt, verliert den Führerschein sofort, der von fünf Tagen bis zu einem Jahr abgenommen werden kann, in schweren Fällen sogar für dauernd. Die segensreiche Wirkung des neuen Gesetzes, das auf amerikanische Vorbilder zurückgeht, macht sieh bereits bemerkbar: fast überall in Oesterreich wird seitdem betont konzentriert und vorsichtig gefahren! Im Bemühen nach einer Lösung, dem Verkehrswirrwarr auf den Straßen beizukommen, müßten unseres Erachtens völlig neue Wege beschritten werden. Die Art, wie Oesterreich diesem Uebel abhilft, scheint uns diskutabel zu sein, wobei allerdings auch überlegt werden müßte, daß es allein nicht die „wilden“ Auto- und Motorradfahrer, sondern auch die Fußgänger und Radfahrer sind, die durch Unachtsamkeit manchen Unfall verursachten. Das gilt für Konstanz, wie anderswo. Ihr Schlchfal führte fie nach Konftanz Drei Existenzen am Rande der menschlichen Gesellschaft Auf der Anklagebank saßen zwei Männer und eine Frau, die das Schicksal in Konstanz zusammengeführt hatte, alle drei Existenzen am Rande der menschlichen Gesellschaft. M., ein 20jähriger junger Mann, war am 3. Mai aus der Ostzone, wo er als Dienstverpflichteter gearbeitet hatte, in das Westgebiet hinübergewechselt. Seine Bemühungen im Ruhrkahlenbergbau unterzukommen, schlugen fehl, da er keine Papiere vorweisen konnte. Er versuchte es darauf mit der Fremdenlegion. Aber auch hier wurde er zurückgewiesen. So bestieg er in Offenburg den Zug nach Konstanz. Hier lernte er den 29 Jahre alten A. kennen, den es ähnlich umtrieb. In Konstanz streifte man die Umgebung ab. Es war am 22. Juni. Da sie seit 48 Stunden nichts Rechtes mehr gegessen hatten, begaben sie sich auf die Suche nach — Altmetall. Auf einem Fußballplatz entdeckten sie einen alten Wasserschlaueh, dessen Messinggewinde sie entfernten und an einen Althändler verkauften. 2.10 DM betrug der Erlös. Augenscheinlich war Konstanz kein geeignetes Pflaster für sie. Und so wollte man am selben Tage noch das Glück wieder der Eisenbahn anvertrauen. Im Wartesaal lernten sie die junge D. kennen. Als Beruf gab sie vor Gericht „Kindermädchen“ an. Sie war von Köln aus „per Anhalter“ nach Konstanz gekommen, allerdings mit Unterbrechungen. Denn zwischendurch arbeitete sie, ehe sie weiterzog. Zwei Tage war sie in Konstanz, als ihr das Geld auszugeben begann. Auch sie wollte Chor-Gffang im StaDtgarten Den zahlreichen Besuchern des Stadtgartenkonzertes stand am letzten Dienstagabend ein besonderes musikalisches Ereignis bevor. Als Gast des MGV „Gemütlichkeit“ Konstanz ließ sich der 120 Mann starke, bekannte MBV „Bayer“ Leverkusen unter der kundigen Leitung von Musikdirektor Willi Schell hören. Schon die Art, wie die in einheitlicher weißer Hemdkleidung erschienenen Gäste sich aufstellten und ihre Aufmerksamkeit auf den Dirigenten richteten, ließ ihre glänzende chorische Disziplin erkennen. In Gesängen und Volksliedchören von Silcher, Werth, Kämpf, Siegl, Schaub. Buck, Othe- graven und Litzmann bewies der bekannte Männerchor einen prachtvollen, dynamisch fein kultivierten Klangraum, der in seiner homogenen Zusammensetzung der Stimmgruppen (hervorragend besonders die ersten Tenöre), in der klaren, ausdrucksbeseelten Intonierung und der rhythmisch gestrafften Linienführung einen außerordentlichen Eindruck hinterließ. Aber auch der MGV „Gemütlichkeit“ unter der liebevollen, ganz vom Ausdruck her gestaltenden Führung Karl Kriegs zeigte in Gesängen von Silcher, Phl- lipp, Meißner, Pracht, Waidle und Keldorfer «in beachtliches chorisches Können, dessen wieder „zurück“, d. h. fort, ins Unbestimmte Statt dessen aber blieben sie nun alle drei in Konstanz. Ihr erstes gemeinsames Unternehmen — inzwischen war es Abend geworden — galt einem Wochenendhaus in Staad, in das M. und A. einbrachen, während die D. Schmiere stand. Aber das Wochenendhaus war leer. So trieben sich die drei dann bis in die Nacht auf der Suche nach einem lohnenden Objekt zwischen Staad und dem Konstanzer Stadtgarten umher. In dem Kiosk am Krankenhaus glaubten sie schließlich das Geeignete gefunden zu haben. M. brach ein, während A. und die D. in der Nähe auf der Bank saßen. Man erbeutete Schokolade, Rauchwaren und 30 DM Wechselgeld, das M. für sich behielt, ohne seinen Komplicen von diesem Fund etwas zu verraten. Den größten Teil der Waren erhielt die D., die sie am andern Morgen im Wartesaal „an den Mann“ bringen sollte. Dabei wurde sie festgenommen. Sie gestand alles. Kurz darauf konnten auch die beiden nach Meersburg mit der Fähre vorausgefahrenen Männer festgenommen werden. Alle drei sind vorbestraft und haben teils schon erhebliche Strafen abgebüßt. Nun hat das Konstanzer Schöffengericht, vor dem der Fall verhandelt wurde, sie erneut für einige Zeit ins Gefängnis gesteckt, M. für zwei Jahre und einen Monat, A. für zwei Jahre und die D. für ein Jahr sechs Monate Gefängnis. Aber eines Tages werden sie wieder frei sein. Und dann? drp. Ausbildung beim Dirigenten in den besten Händen liegt. Die Zuhörer folgten allen Vorträgen, so auch den improvisierten Gesamtchören von Mozart und Silcher. mit großer Anteilnahme und dankten den Leverkusener Gästen wie dem einheimischen Chor durch wiederholten herzlichen Beifall. Lg. Die neuen Filme Das „Gloria“ bringt ab Freitag einen neuen Film Duviviers, des Schöpfers von „Heilige unter Sünderinnen“, den Film „Unter dem Himmel von Paris“ mit Christiane Lenier und Brigitte Auber. — Im „Capitol“ sieht man von Freitag bis Montag nach 15 Jahren den ersten deutschen Film mit Adolf Wohlbrück „König für eine Nacht“ mit Willi Fritsch, Annelies Beinhold und anderen Darstellern — Das „Scala“-Theater zeigt 'fron Freitag bis Montag den Musik- und Revuefilm „Mein Traum bist du“ mit Doris Day und dem bekannten Komiker Szöke Szakali. — An Sonderfilmen führt das „Gloria* am Freitag und Samstag den Schwank „I A in Oberbayern“, das „Capitol“ den Film „Vogelfrei“ auf. — Im „Roxy“ läuft ab Freitag der Film „Professor Nachtfalter“ mit Johannes Heesters in der Titelrolle. Die Außenaufnahmen des Films wurden bekanntlich am Bodensee gedreht Zroifchen Hafenuhr unö GebharOdbrunn Was sich Konstanz erträumte, ist beinahe über Nacht Wirklichkeit geworden Den 15. Juli 1951 sollten wir Konstanzer in unserer Stadtgeschichte not ankreiden. Wenn wir Glück und noch ein langes Leben vor uns haben, werden dereinst mal unsere Kinder vielleicht diesen Tag auf unser aller Pluskonto setzen. Vorerst dürfen alle Konstanzer, Kleinkinder- wie Greisenaugen, bewundern, was innerhalb weniger Wochen zwischen der Hafenuhr und dem Rondell am Ende der Seestraße geschaffen wurde. Nicht nur, daß das Konzil endlich wieder unser ist, und dezente Weisen gewissermaßen wie tanzende Mücken über den Uferrand streichen. „Es ist wieder ganz so wie im Frieden“, sagen diejenigen, denen Konstanz schon vor dem 5. September 1939 die Heimat bedeutete und „Kinder, ist es hier herrlich”, jene Achttausend, die das Schicksal irgendwie an den See verschlagen hat. Am begeistertsten aber sind jene, die ein ganzes Jahr, wenn nicht noch mehr „auf Konstanz” gespart haben und jetzt ihren Dämmerschoppen auf den Konzilterrassen bei mückenfreiem Sonnenbirnen- Licht „made in USA” einnehmen. Ja, wirklich, trotz der dauernden Sonnen- und Regenschocks ist in diesem Sommer in Konstanz manches schöner geworden. Ab der Hafenuhr bis hinaus zu „Gebhardsbrunn“ ist fü den sommerlichen Gast wie für den steuerzahlenden Bürger etwas getan worden. Die Stadtgärtnerei hat sich die Blumenkästen was kosten lassen, schien aber vergessen zu haben, daß sich die Grasfläche vor dem Konzil noch in sehr dürftigem Zustand befindet. Schade, bei diesem Farbenkasten von Garderoben, weißen Schiffen, Fahnen und den scheinbar immer noch unvermeidlichen kohlenfetten Dampfer- und Lokomotivschwaden. Selbst der Nepomuk am Konzileck würde sich ob dieser bunten Bilder freuen, wohl aber auch darüber, daß »ich nun der Autopulk zu seinen Füßen nach dem Hafenschalter verzogen hat, was nun wieder Sache der Bundesbahn wäre, ihn (den Autopulk nämlich) zu vertreiben. Hier auf „bahneigenem Gelände“ hat selbst der Stadtrat nichts mehr zu sagen. Auf diese Kompetenzteilung schimpfen (auch) die Gondelvermieter unter deren Gewinndecke seit einem Jahr ein Konkurrenz-Feuer- chen schwelt. Aber dafür herrscht im Stadtgarten eitel Freude und Sonnenschein, sofern man dort von dem „mehr Kies als Rasen“ und dem empfehlenswerten Postwerbestempel „Konstanz, die Stadt an der Eisenbahn“ absehen will. Doch darüber regen sich nicht einmal mehr die 23 abgezählten Vögel im Schwanenteich auf... Die große Welt aber beginnt seit dem 15. Juli ab der Seestraße. Hier haben beherzte Männer ein bißchen (gütiges) Schicksal gespielt und vom gewohnten ersten auf den ungewohnten dritten Gang geschaltet. Ohne Schmerzen ging es dabei aber nicht ab, aber dafür verfügt Konstanz heute über eine Uferpromenade, die sich sehen lassen kann und mehr wert ist als die nur 7500 Mark, die in die neuen Stein-Barrieren, Blumenkästen und in die Raseinpflege gesteckt wurden. Hinzu kommen noch die 49 Lampen, die termingemäß brannten und der Bimen-Kette das Lebenslicht ausbliesen. (Sie wird nur noch bei den Seenachtfesten brennen.) Wenn sich vielleicht schon kn nächsten Jahr entlang des Ufers eine niedere Steinmauer mit Blumen erhebt, dann besitzen wir zusammen mit dem einzigartigen Park des „Konstanzer Hofes“ eine Promenade, die allein schon eine Ferienreise wert ist. denn das Stadtoberhaupt würde die Erlaubnis dazu erteilen. Als „Entschädigung“ für dieses Verbot, das wohl überall aus der etwas übertriebenen Angst der lokalen Fürsorgeämter entstanden sein dürfte, steht den Konstanzem der Barraum ohne Formalitäten zur Verfügung. Wer Zeit hat, und wer hat sie nicht an diesen Sommerabenden bei solcher Pracht der Landschaft, möge auch die letzten 300 Meter der Seestraße in sich aufnehmen und dabei erkennen, wie sehr Untemeh- mergeist, der für die Zukunft (und damit auch für andere und nicht nur für sich selbst) in die Kasse zu greifen versteht, etwas Bleibendes zu schaffen vermag, an dem noch unsere Kinder ihre Freude haben werden. Angesichts der roten, blauen und gelben Gartenstühle empfindet man auch beim bescheidenen „Hellen“, daß Konstanz wahrhaftig und endlich am Bodensee gelegen ist, daß der See fürderhin wieder jedermann gehört und die Ruhe dem Menschen nun einmal heilig sein sollte. Daran mögen sie 1372 Schritte lang, von der Rheinbrücke bis zu „Gebhardsbrunn“ denken. Sollte Sie sich beim Schrittezählen verhaspeln, halten Sie inne, genießen Sie den freien Blick in die wundersame Bodensee-Welt an der auch der Einheimische nicht achtlos vorübergehen sollte. wh. Ferienglück an der SeestraBe Bild: Finke Nicht zu vergessen wäre die Spielbank, die inzwischen ihren 2000. Besucher begrüßt hat und in deren gepflegten Räumen S. M. der Gast „wie in alten Zeiten“ residiert und Schweizer, Amerikaner, Oester- reicher und Franzosen bisher das Haupt- kontingent an Ausländem stellten. Die Pille übrigens, daß die Konstanzer sich nicht ohne weiteres des Roulettes bedienen dürfen, haben einige mit Unbehagen geschluckt. So schrieb uns ein Leser, daß er gewohnt sei, zu gehen, wohin es ihn gelüste und daß ihm niemand den Besuch der Bank zu verwehren habe. Guter Rat ist hier teuer, zumal nun einmal nach internationalen Regeln Ortsansässige „ihre“ Spielbank nicht besuchen dürfen, es sei Neue Phase im Mittwoch-Ladenschluß? Durch die in der Ausgabe vom Mittwoch des Südkurier veröffentlichte Bekanntmachung über die Durchführung des La- denschlußigesetzes ist erneut in Kreisen der Konstanzer Geschäftswelt, die sich durch diese Bekanntmachung mit Recht benachteiligt fühlten, ein Entrüstungssturm ausgelöst worden. Ausgerechnet während des Sommerschluß-Verkaufes, für den sich mehr oder weniger jeder Geschäftsmann Aushilfskräfte verpflichtet hat, platzte die Verfügung wie eine Bombe in das gut fließende Ausverkaufsgeschäft hinein. Die zur Offenihaltung unter a) der Bekanntmachung erwähnten Geschäfte wollen schließen, während die sich seit langem für den offenen Mittwoch-Nachmittag einsetzenden Geschäfte geschlossen haben müssen. Des weiteren ist das Verkaufspersonal an einer Schließung — und das ist wohl das wesentlichste — nicht interessiert, da es sich nicht auf den freien Mittwoch-Nachmittag beschränken will. Für den Fremden dürfte es bestimmt nicht dienlich sein, wenn er an jedem zweiten Geschäft den Aushang „Mittwoch geschlossen“ vorfinden muß. Starke Stabtmuf)rid)tert Ehren 83. Geburtstag feiert heute Frl. Berta Rief, Mangoldstraße 6. Seinen 75. Geburtstag begeht morgen Friedrich Rappenecker, Sonnentauweg 34. 80 Jahre alt wird am 4. August Installateurmeister August Ritter, Neugasse 21, wohl der älteste Installateurmeister in Konstanz. Gleichzeitig ist der Jubilar jetzt 66 Jahre in seinem Beruf tätig. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch entstand auf dem städtischen Müliplatz beim Ziegelweiher ein kleiner Brand. Wenige Stunden später brannte am Paradie- ser-Zoll ein Gartenhaus. Beide Brände konnten von der Feuerwache der Freiw. Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht werden. Zur Zeit wird der Susosteig entlang des Stadtgartens, der im Zuge der Erweiterung Sängerbefuch aus Solingen Die Reihe der Sängerfahrten an den Bodensee eröffniete dieser Tage der Män- nergesangverein „Bayer“ Leverkusen, der im Konstanzer Stadtgarten ein vielbeachtetes Konzert gab. Für den 4. August erwartet Konstanz nunmehr den Mannergesangverein „Solingen - Wupperhof“ 1812 e. V. mit 220 Sängern. Dieser wird mit einer Autobuskolonne am kommenden Samstag mit rund 450 Fahrtteilnehmem in Konstanz eintreffen und zwischen 11 und 12 Uhr auf dem Stephansplatz offiziell begrüßt werden. Der Verein, der bis zum 8. August in Konstanz bleibt, ist Inhaber des Staatsdiploms für Kunst und Wissenschaft; sein Chor steht unter der Leitung von Musikdirektor Bernhard Bittscheidt (Essen- Steele). Von der hohen Leistungsfähigkeit der überüeferungsreichen Chorvereinigung wird man sich anläßlich des Konzertes überzeugen können, das die Gäste am Samstagabend im Stadtgarten geben werden. Als Solisten wirken dabei mit die Sopranistin Mali Pordaig von der Essener Oper und Kuno Kolb (Bariton) von der Oper Krefeld. Anschließend an das Konzert findet im Oberen Kornzailsaal ein „Rheinischer Abend“ statt. Am Sonntag unternehmen die Solinger Sänger, die Gäste des Bürgervereins „Bodan“ sind, einen Ausflug nach Ueberlingen, in dessen Kurgarten sie vormittags ein Konzert geben werden. Pariser Chor singt am Sonntag Am kommenden Sonntag wird der Gemischte Chor des Pariser „Institut Catho- lique“ „La Faluche“ in Konstanz mehrere Konzerte geben, und zwar um 9.30 Uhr in der St Stephanskirche, anschließend in der französischen Messe um 11.15 im Münster und schließlich um 20 Uhr im Rathaushof (Bei schlechter Witterung im St-Johann- Saal). Der Chor befindet sich zur Zeit auf einer Reise durch Westdeutschland und Oesterreich. Bisher hat der Chor u. a. in Düsseldorf, Essen, Köln, Bonn, München, Wien und Innsbruck mit großem Erfolg gastiert. Das Repertoir des Chores setzt sich aus religiösen und weltlichen Werken zusammen, u. a. von Palestrina, Bach, Händel, Jannequin, Roland de Lassus, Samson und Poulenc. Da den jungen Chormitgliedern die Verbindung mit der deutschen Jugend besonders am Herzen liegt und die französischen Gäste am liebsten in Privatquartieren untergebracht sein möchten, sind Quartieranmeldungen beim „Haus der Jugend“, Mainaustraße 4, sehr erwünscht. Sängerfahrt des MGV „Harmonie Paradies" Am 28. und 29. Juli unternahm der Männergesangverein „Harmonie Paradies“ mit Chorleiter Rektor a. D. Anton Dietrich und 31 aktiven Sängern eine Fahrt nach der durch Kriegsereignisse stark beschädigten Drei-Täler-Stadt Pforzheim, wo die Konstanzer eine herzliche Aufnahme fanden. Bei strahlendem Sonnenschein ging die Fahrt über Sigmaringen, vorbei an Denken Sie daran dag die Ziehung der 5. Klasie der Süddeutschen Klassenlolterie bereits am 8.Aug.1951 beginnt VfDrula Bleichwachs ifs heißt das Mittel, das auch Ihre ** hartnäckige» 1 * und Hautvnrefnigkeifen restlos beseitigt! Hir Mk.2.50 aber nur in Apotheken! die reine Natur! In Apoth. u. Drog Stellen-Angebot« Gesucht nach der Schweiz jüngeren, tüchtigen (LAA) Geflügelzüchter ln mittleren Betrieb. Verlangt wird absolut zuverlässige Arbeit. Jahresstelle. Guter Lohn, Kost und Logis im Hause. Bewerbungen sind erbeten an F. Bubestinger, Geflügelhof, Neugutstraße 75, Dübendorf-Zürich/Schweiz. 1 Kramer-Zugmaschine fabrikneu, 12 PS, mit Mähwerk, umständehalb, im Auftrag preisgünstig zu verk. Aug. Bolle & Co., Singen-Hoh., Tel. 2096. Normag-Schiepper 17 PS, neuwertig, mit Mähwerk, Baujahr 1950, im Auftrag sehr preisgünstig zu verk. Aug. Bölle & Co., Singen-Hoh., Tel. 2096. Vollbeschäftigt. Lastzug, Mercedes 120 PS, mit langem Arbeitsvertrag, krankheitshalber günstig abzugeben. F u. O. 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Donaueschingen. kennbare Zahl 2 in eine 9 verwandelt... — Leser aus Stocäcadi schreiben, es habe 1910 in Stodcach noch keine Automoöilgesellschaft gegeben, und schon gar keine, die in 25 Minuten von Stockach nach Sdionadi habe fahren können. Ein Leser hat auf dem Bilde seine Mutter erkannt, sie gefragt, und sie hat ihm bestätigt, daß die Inschrift „Auto- mobilgesellschaft Schonach" heißen müßte. Auch ohne historiche Kenntnisse und ohne verwandtschaftliche Beziehungen konnte man einen Widerspruch zwischen der Aufschrift oben und der in der Mitte erkennen, und so herausfinden, wo der Fehler lag. Einige Leser meinen, daß der Omnibus einer Straßenbahn ähnele. In der Tat besteht eine gewisse Aeihnlidikeit: Es liegt nämlich eine Leiter auf dem Verdeck (die ähnlich ausieht wie eine Stromzuführung bei der Straßenbahn); mit deren Hilfe wurde auf dem Dach das Gepäck verstaut. — Mehrere Leser erinnern sich schöner Urlaubstage in Schonach und würden es gerne einmal Wiedersehen: Gute Reisei Du, deine Brote schmecken diesmal prima! Ja, meine Frau mmmt jetzt einen feineren Aufstrich! * Die Sanella-Frische gibt den feineren Geschmack! Es ist leicht zu erklären, weshalb gerade Sanella Ihr tägliches Brot noch schmackhafter macht. Sanella — Deutschlands meistverlangte Margarine — wird überall im Nu verkauft und Ist darum bei Ihrem Kaufmann besonders frisch zu haben. Sie wissen ja: Was frisch ist, schmeckt am besten. Und Sanella schmeckt so frisch wie morgens Ihre frischen Brötchen! So 37 T Die feine Sanella gibt es nie^ mals lose, sondern nur in der hygienischen Würfelpackung. 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Baagd. » ml a. ga, |Allaa,bacb «Mas Bai« Hoden see Otto Harder (flod c mec HEFTE MONATSSCHRIFT DER LANDSCHAFT UM DEN BODENSEH INHALT: Reiseplauderei - Heimatkunde • Kultur und Kulturgeschichte • Unterhaltung - Kunst und Kunstgeschichte • Wirtschaftsleben - Landschaft • Bodensee-Chronik • Literatur-Chronik Zs beziehen durch jeda gute Buchhandlung oder im SBEHASEN-VEKLAG • R. W. SCHWARZ KONSTANZ • ROSGARTENSTRASSE 18 Donnerstag, 2. August 1951 SÜDKURIER Kl. Nr. 119 / Seite 8 roxy Wo: 15, 17.30, 20.15 Heute letztmals Wie ein Dieb in der Nacht Ab morgen JOHANNES HEESTERS ln dem von Konstanz mit Spannung erwartetem musikalischen Lustspiel Professor Nachtfalter mit Gisela Schmidting, Jeanette Scbulze, Maria Paudler, Harald Panlsen, Albert Florath u. a. Heesters in einer Paraderolle wie noch nie — umschwirrt von einem Wespenschwarm zwanzig junger, hübscher Film-Backfische auf knatternden Motorrollern!!! 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Preis DM 5000 2. „ DM 4000 3. • . . . , DM 3000 4. „ DM 2000 Ankäufe je DM 500 DM 1000 zusammen DM 15000 Dr. Ing. e. h. Otto Schweizer, O. Prof, für Architektur an der Techn. Hochschule Karlsruhe; Ob.-Reg.- und Baurat Kaufmann, Bad. Min. d. Inn., Abt. Wiederaufbau, Freiburg; Reg.-Baudirektor Horst Linde, Bad. Min. d. Finanzen, Hoch- bau-Abt., Freiburg; Dr. Ing. habil. Karl Friedrich Bozenhardt, ' Hofgut Regentsweiler/Bodensee; Stadtbaudirektor Max Guther, Ulm a. D.; Dipl.-Ing. Giese, Architekt, Freiburg, Vorsitzender des Verbandes bad. Architekten e. V., Freiburg, Kaiser-Josef-Straße 255; Oberbürgermeister Diez, Singen (Hohentwiel); Bürgermeister Muser, Singen (Hohentwiel); Der Leiter der neuen Gewerbeschule Singen (Hohentwiel); Beigeordneter Ludwig Graf, Singen (Hohentwiel); Stadtrat Schüttler, Singen (Hohentwiel). — Ersalzpreisrichter: Dipl.-Ing. Rittweger, Bad. Min. d. Inn., Freiburg; Stadtrat Jäckle, Singen (Hohentwiel); Stadtrat Morlock, Singen (Hohentwiel). — Vorprüfer: Oberbauinspektor Göhringer, Singen (Hohentwiel), Stadtbauamt. Die Wettbewerbsunterlagen können beim Stadtbauamt Singen (Hohentwiel) gegen Bezahlung einer Gebühr von DM 10.— angefordert werden. Die Schutzgebühr wird den Bewerbern, die einen prüfungsfähigen Entwurf eingereicht haben, rückerstattet. Wettbewerbsunterlagen an Auswärtige werden nur gegen Voreinsendung des Betrages auf Konto G 6151 der Bezirkssparkasse Singen (Hohentwiel) abgegeben. Die Entwürfe sind bis spätestens 30. November 1951, 18 Uhr, beim Stadtbauamt Singen (Hohentwiel) einzureichen. Der Wettbewerb entspricht den vom Bund Deutscher Architekten herausgegebenen Wettbewerbsgrundsätzen und hat die Anerkennung des Verbandes der Bad. Architekten Freiburg (Breisgau) gefunden. Singen (Hohentwiel), den 1. August 1951 Oberbürgermeister Diez MUSTERSCHAU „.r »od. 2 ft*. 2. und S. 8. 51, 9 bis 18.30 Uhr) im Gasthaus „Obere Sonne“, Konstanz, Hussenstraße ( Wir zeigen: D.-Kleider ab: DM (.48, Lavable-Kleider ab DM 14.45 FRANKFURT a.Malm