K SUDK.URIEK UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET Erscheint Dienstag, Mittwoch. Donnerstag. Samstag. Verlag und Redaktion Konstanz, Marktstätte 4 7 JAHRGANG ik Tel.: 924, 925, 1130, 1510, 1511. Fernschreiber: 06629. SAMSTAG 11. AUGUST 1951 * NUMMER 124 Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark zu- zügl. 30 Plg. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark, zuziigl. 36 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 20 Pfg. USA: 235 Milliarden DM für Sicherheit Größter Militär-Haushalt der Nachkriegszeit — Truppen iür Europa nicht begrenzt WASHINGTON. Das Repräsentantenhaus hat mit 348 gegen nur 2 Stimmen den größten Militärhaushalt seit Kriegsende bewilligt. Er beläuft sich auf 56 Milliarden Dollar (das sind 235 Milliarden D-Mark). Selbst im zweiten Weltkrieg lag der amerikanische Militärhaushalt nur in einem einzigen Jahr mit 94 Milliarden Dollar höher als die jetzt in Friedenszeiten vorgesehenen Militär-Ausgaben. Die Entscheidung der Zweiten Kammer des Senats steht allerdings noch aus. Die Entscheidung des Repräsentantenhauses ist um so bedeutsamer, als gleichzeitig ein Vorschlag abgelehnt wurde, dem Einsatz amerikanischer Truppen in Europa eine feste Grenze zu setzen. Die republikanische Oppositionspartei batte beantragt, daß nicht mehr als sechs Divisionen nach Europa entsandt werden dürften. Das wurde mit 131 gegen 84 Stimmen abgelehnt, so daß der Präsident je nach den militärischen Notwendigkeiten die Entsendung amerikanischer Truppen nach Europa bestimmen kann. • SK. Der Umfang der amerikanischen Ausgaben für Sicherheitszwecke wird erst richtig klar, wenn man sie in ein Verhältnis zu vergleichbaren deutschen Größen bringt. 150 Millionen Einwohner der USA müssen im kommenden Jahr allein für die Verteidigungsmaßnahmen 235 Milliarden DtM zahlen. In der Bundesrepublik haben 50 Millionen Einwohner für sämtliche Ausgaben des Bundes, der elf Länder und der Tausende von Gemeinden 25 Milliarden DM aufzu'b ringen. Truman antwortet Moskau WASHINGTON. Präsident Truman forderte in seiner Pressekonferenz die Sowjetunion auf, die Erschwerungen dm Verkehr zwischen der Sowjetunion und dem Westen auf zuheben. Der Präsident kündigte an, daß er den Brief beantworten werde, den ihm Nikolai Schwemdk,. der Präsident des Obersten Sowjets, geschrieben hat. Es handelt sich um die Sowjet-Resolution, in der ein Pakt der fünf Großmächte (einschließlich Rot-China) das Verbot der Atomwaffen und eine allgemeine Abrüstung vorgeschlagen wurde. „Ich bin ganz besonders daran interessiert zu erfahren, ob die Sowjet-Regierung wirklich das meint, was sie sagt“, äußerte Truman. „Ich möchte wissen, ob die Sowjet- Regierung jetzt beabsichtigt, ihre Politik zu ändern. Es wäre durchaus nicht unrnög- Schäffers Kampf gegen die Besatzungskosten Senkung wahrscheinlich — Ausschöpfung aller Steuerquellen verlangt BONN. (W.-Eigenbericht.) Die Alliierten verlangten bisher neun Milliarden Mark an Besatzungskosten. Eine Untersuchung des Bonner Instituts „Finanzen und Steuern“ hatte kürzlich ergeben, daß bereits ein Betrag von sechs Milliarden jährlich die Leistungskraft der Bundesrepublik übersteigt. In Verhandlungen mit alliierten Finanzberatern auf dem Petersberg hat jetzt Bundesfinanzminister Schäffer Riß im Regieruagsblock ? BONN. (W.-Eigenbericht) FD(P und DP haben Vereinbarungen über eine gemeinsame politische Linie der Innen- und Außenpolitik getroffen. Die beiden Parteien wollen nicht nur in manchen Punkten eine Aenderung der bisherigen Innenpolitik der Regierung erreichen, sondern sie scheinen auch mit dem außenpolitischen Kurs Dr. Adenauers nicht mehr konform zu gehen. Hauptanlaß dürfte die Aussprache zwischen Dr. Adenauer und dem DGB-Vorsitzenden Christian Fette sein. In einer Erklärung beider Parteien kommt zum Ausdruck, daß sie im Gegensatz zu Dr. Adenauer nicht gewillt sind, einem stärkeren Ausschlagen der Regierungspoli- tik nach „links“ nachzugeben. Gleichzeitig wird eine grundsätzliche Aenderung der Agrarpolitik verlangt, um den mittleren und kleineren Agraribesdtz in die Lage zu versetzen, die an sich berechtigten Lohnforderungen der Landarbeiter zu befriedigen. (Gewerkschaftsverhandlungen S. 2.) ein Uebereinkommen für das laufende Finanzjahr erzielt. Die Besatzungskosten werden aller Wahrscheinlichkeit nach ermäßigt werden, 'stellen aber immer noch eine schwere Belastung dar. Obwohl Einzelheiten bisher nicht bekanntgegeben worden sind, sind die Grundzüge nach zuverlässigen Informationen bereits zu überblicken. Das Ueber- einkommen geht davon aus, daß angesichts der bevorstehenden Entscheidun- Knrz notiert Der ehemalige Truppenübungsplatz Schwarzenborn ist nach einer Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den hessischen Landesbehörden als Ausbildungsstätte für den Bundesgrenzschutz vorgesehen- Der Gesandte des GroBherzogtnms Luxemburg in Bonn überreichte eine Note seiner Regierung, in der die Beendigung des Kriegszustandes zwischen Luxemburg und der Bundesrepublik festgestellt wird. Das Atlantische Hauptquartier bei Paris teilte mit, daß General Eisenhower ab Samstag neun Tage in Deutschland weilen wird. Der General will amerikanische Truppen besichtigen und sich in der Bundesrepublik erholen. Die Mitglieder der europäischen Jugend, die vom 28. Juli bis 6. September ein Lager auf dem Loreley-Plateau aufgeschlagen haben, geben eine Lagerzeitung „Camp“ heraus, die in einer Auflage von 58 888 Stück für den europäischen Gedanken wirbt. Im Alter von 185 Jahren ist die vermutlich älteste Einwohnerin Deutschlands, Frau Mathilde Speller, in Cloppenburg durch Herzschlag gestorben. Drei Zentimeter Neuschnee fielen in der Nacht zum Freitag auf der Zngspitze; die Temperatur betrag minns ein Grad Celsius. Der Streik von 478 Hamburger Industrie- Tischlern wurde nach vierzehntägiger Dauer beendet. Die Löhne der Industrie-Tischler ■ollen nunmehr denen im Handwerk ange- glichen werden. Das Landgericht Weiden (Pfalz) verurteilte zwei junge Männer zu je einem Jahr und acht Monaten Zuchthaus, weil sie aus einer Leitung der Bundespost 25 888 Meter Kupferdraht gestohlen hatten. Der Altwarenhändler, der den Draht abgekanft hatte, erhielt zwei Jahre Berufsverbot- Die französische Luftverkehrsgesellschaft „Air France“ kaufte in den. Vereinigten Staaten zehn neue viermotorige Constellation- Verkehrsflugzeuge. Die neuen Maschinen sollen auf der Atlantik-Route zwischen Frankreich und den USA eingesetzt werden. Die italienische Abgeordnetenkammer folgte dem Beispiel des Senats und sprach der siebenten Regierung de Gasperi das Vertrauen aus. Das umgebildete Kabinett setzt sich mit Ausnahme zweier republikanischer Minister ans Christlichen Demokraten zusammen. Die polnische Regierung hat die sofortige Einstellung jeder amerikanischen kulturellen und propagandaähnlichen Tätigkeit in Polen gefordert. Daraufhin haben die Vereinigten Staaten die Schließung des polnischen Propagandabüros in New York innerhalb 24 Standen angeordnet. Ein 23jähriger Korporal der amerikanischen Luftstreitkräfte in England wurde zu drei Jahren Gefängnis and Entlassung aus dem Dienst verurteilt, weil er sich als Oberst ausgegeben batte und dem -Dienst vier Tage ferngeblieben war. Zwei Italiener fanden in der Nähe von Casale Monferrato eine Metallschachtel und nahmen sie mit nach Hause. Zn ihrem großen Schrecken stellten sie dort fest, daß die Dose vierzehn zum Teil giftige Schlangen erhielt, die ein Zirkus verloren hatte. gen über den deutschen militärischen Sicherheitsbeitrag zunächst eine vorläufige Regelung genüge. Im eigentlichen Haushaltsplan werden 4,6 Milliarden Mark eingestellt, im ordentlichen Nachtragshaushalt weitere 1,2 Milliarden und im außerordentlichen Haushalt ein weiterer Betrag, der zwischen I und 2 Milliarden Mark liegt. Insgesamt müßten also mehr als 7 Milliarden Mark aufgebracht werden, wobei aber die Dek- kung der im außerordentlichen Haushalt eingesetzten Beträge noc völlig offen ist. Jedoch sind damit nicht alle Probleme gelöst. Von alliierter Seite ist Minister Schäffer erneut darauf hingewiesen worden, daß zunächst alle erdenklichen deutschen Finanzquellen ausgeschöpft werden müßten, ehe man in die Uebertragung eines Teiles der Besatzungskosten auf den unsicheren außerordentlichen Haushalt einwilligen könnte, der nur durch Anleihen gedeckt werden kann. Man erwartet in diesem Zusammenhang, daß Minister Schäffer schon Anfang September erneut seinen Aufwandsteuerplan vorlegen wird. Schäffer wird voraussichtlich in der nächsten Woche nach dem Bürgenstock fahren, um mit Bundeskanzler Dr. Adenauer über den deutschen Standpunkt in den künftigen Verhandlungen zu sprechen. Streik in der Milchwirtschaft? STUTTGART. In den Milchversorgungsbetrieben Südbadens, Württemberg-Badens und Südwürttemberg-Hohenzollerns droht Streik. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften und der milchwirtschaftliche Verein haben es abgelehnt, sich dem vom württemberg-badischen Arbeitsminister vorgeschlagenen Schiedsverfahren zu unterwerfen, dessen Spruch die Arbeitnehmer anerkennen wollten. Die Arbeitgeber begründen ihre Haltung damit, daß sie eine etwaige Lohnerhöhung auf che Bauern abwälzen müßten. Das sei aber bei der gegenwärtigen Preisregelung . nicht mehr vertretbar. lieh, einen vollständigen und dauerhaften Weltfrieden zu erreichen, und ich würde es begrüßen, wenn sich die internationale Spannung mildert. Aber im Augenblick sehe ich keine ermutigenden Anzeichen für eine Entspannung.“ Noch 10 Monate Marshall-Hiife WASHINGTON. Der Außenpolitische Ausschuß des Repräsentantenhauses hat jetzt endgültig die Fristen für den Ablauf der Marshallpian-Hilfe und der gesamten Auslandshilfe festgesetzt: Die Arbeit der MarshalLplan-Organisation wird am 30. Juni 1952, die Auslandshilfe am 30. Juni 1954 eingestellt werden. Gleichzeitig hat der Ausschuß das Auslandshilfsprogramm gekürzt, allerdings nicht wie zuerst geplant war, um eine Milliarde, sondern nur um etwas mehr als 651 Millionen. Die Auslandshilfe beläuft sich nun auf 7,8 Milliarden statt auf 8,5 Milliarden. Von diesen 7,8 Milliarden entfallen allein auf Europa rund 6,4 Milliarden, davon etwas mehr als 5 Milliarden auf europäische Militärhilfe und etwas mehr als 1,3 Miiüliarden auf europäische Wirtschaftshilfe. Die anderen Beträge gehen nach dem Nahen Osten und nach Afrika, nach Asien und in die Pazifikgebiete sowie nach Lateinamerika. Wenig Hoffnungen in Kaesong TOKIO. Nach der letzten Sitzung vom Freitag sind die Hoffnungen auf eine Einigung bei den Waffenstilistandsverhand- kmgen in Kaesong stark im Schwinden. Der UN-Delegation nähestehende Kreise erklärten, daß die alliierter* Unterhändler darauf vorbereitet seien, die Verhandlungen abeubrechen, wenn kein Ausweg aus der Sackgasse gefunden werden kann. Die Freitagsitzung sei die bisher unfreundlichste gewesen. Verschiebung der Volksabstimmung? FREIBURG. (W. S.-Eigenbericht). In einer Note der badischen Landesregierung an die Bundesregierung wird eine V Schiebung des Volksabstimmungstermins, der bisher für den 16. September vorgesehen war, verlangt. In dieser Note, die am Freitagabend bekanntgegeben worden ist, wird festgestellt, daß die badische Landesregierung der Auffassung sei, es scheint nicht vetrretbar, die Volksabstimmung abzuhalten, ehe nicht das Bundesverfassungsgericht zu einem Spruch gekommen sei. Heimkehrertreften in Bonn BONN. Der Gesamtverband deutscher Heimkehrer veranstaltet sein erstes Treffen vom 7. bis 9. September in Bonn. Dazu werden 3000 bis 4000 Heimkehrer erwartet, darunter auch solche aus Berlin, dem Saargebiet und Oesterreich. Die Heimkehrerorganisationen Englands, Frankreichs und Italiens wurden zur Teilnahme eingeladen; für den 9. September ist ein Schweigemarsch mit Kranzniederlegung am alten Kriegerdenkmal in der Gronau vorgesehen, wo in einer Feierstunde der noch in ‘ Gefangenschaft befindlichen Kameraden gedacht werden soll. DER GASAUSBRUCH IN WOLFSKEHLEN bringt immer wieder neue Überraschungen. Während in den ersten Tagen eine fast 100 Meter hohe Feuersäule am Himmel stand (linkes Bild), ertosch plötzlich das brennende Gas und ein kleiner Vulkan sprudelte Gesteinsbrocken und Schlamm auf die umliegenden Getreidefelder. Dann war die Fontäne plötzlich verstopft und man pumpte Wasser in das Bohrloch, um einen Ausbruch zu erschweren. Trotzdem brach das Erdgas erneut durch, diesmal ohne sich zu entzünden (rechtes Bild). Am Donnerstag setzte der Druck zum zweitenmal aus und jetzt konnte das Bohrloch durch einen provisorischen Schieber geschlossen werden. Die strittigen Fälle Von Alfred Gerigk Anonyme Briefe rufen stet® ein peinliches Gefühl hervor, weil man sich für den Schreiber geniert, der nicht mit seinem Namen für seine Meinung einsteht. Immerhin — manchmal verdienen auch anonyme Briefe Beachtung, wenn man das Gefühl hat, daß sie nicht nur eine Einzelmeinung ausdrücken. Die anonyme Postkarte (mit dem Stern#;! Ueberlingen), die diese Überlegung verailraßte, begann: „Fall Kemritz! Also Doppelagent, pfui Teufel! Und solche Kerle soll unsere Justiz nicht afaurteilen!“ Ein nicht anonymer Brief des Bundesministers Hellwege an den Bundeskanzler Dr. Adenauer weist darauf hin, daß die britischen Manöver in Norddeutschland vor der Ernte durchgeführt wurden und daß ein britischer Offizier, auf den Schaden solchej Terminfestsetzung aufmerksam gemacht, die Antwort gab: „Sie haben wohl vergessen, daß Deutschland den Krieg verloren hat.“ Uns scheint eher, daß dieser Offizier vergessen hat, daß für sinnlos vernichtetes deutsches Getreide Ersatz eingeführt werden muß (wahrscheinlich dann mit Unkosten für die andere Besatzungsmacht, für die USA). Es ist eine ganze Fülle von Vorgängen, die gegenwärtig die Stimmung zwischen Deutschland und den Alliierten belasten. Da gibt es die letzte Saarnote der Alliierten, die zwar versicherte, daß man auf eine demokratische Entwicklung an der Saar hinsteuere, die aber gar nicht darauf einging, daß trotz dieses demokratischen Ulbrichts Fehlschlag in Warschau Getrübte Freundschaftsfeiem — Deutschland östlich der Oder BERLIN (G.-Eigenbericht). Ein deutsch- polnisches Freundschaftstreffen im Rahmen der Ostberldner Weltjugendspiele wird von den Kommunisten jetzt auffallend in den Mittelpunkt der Ereignisse gerückt. Das hat, wie aus sowjetdeutschen Kreisen verlautet," einen hochpolitischen Hintergrund. Die ostzonale Regierung will damit die weitere Abkühlung im deutsch-polnischen Verhältnis verschleiern. Ulbrichts letzte Reise nach Warschau hat sich nämlich als ein. großer Fehlschlag erwiesen. Er hatte von der polnischen Regierung als Gegenleistung für die kommunistische Oder - Neiße - Garantie eine Anzahl wirtschaftlicher Konzessionen gefordert, darunter Reduzierung der Reparationsleistungen und Schaffung eines sowjetzonalen Freihafens in Stettin. Obwohl sein Verlangen von dem sowjetischen Botschafter in Ostberlin, Puschkin, unterstützt worden war, hatte sich die Warschauer Regierung auf keinerlei Verhandlungen eingelassen. Im Gegenteil, sie soll sogar den neuernannten sowjetzonalen Botschafter Friedrich Wolff — der jetzt offiziell zurückgetreten ist — abgelehnt haben. In sowjetdeutschen Regierungskreisen befürchtet man nun eine Vertiefung der Unstimmigkeiten und eine Verstärkung des polnischen Mißtrauens angesichts der zahlreichen Kundgebungen in Westberlin, auf denen immer wieder gegen die Oder- Neiße-Linie Stellung genommen wird. Besonderen Eindruck soll in diesem Zusammenhang die Kundgebung im Titania- Palast auf östliche Kreise gemacht haben, die unter dem Motto „Freiheit für Osteuropa“ stand. Vor rund tausend FDJlern erklärte der Regierende Bürgermeister, Professor Reuter: „Wir werden niemals anerkennen, wae man ohne uns bestimmt hat. Königsberg, Breslau und Stettin sind deutsche Städte“. Der polnische Exilstudent Talke erwiderte: „Deutsche und Polen müssen ins Gespräch kommen, um ein normales Zusammenleben beider Völker vorbereiten zu können“. Und der Leiter der russischen Flüchtlingsstelle in Berlin, Dr. Truchnowitsch, verkündete: „Nur mit Hilfe des russischen Volkes selbst kann der Bolschewismus gestürzt werden. Wir alle,, Deutsche, Russen, Tschechen, Polen, sind heute im gleichen Kampf verbunden“. „Wir dürfen nicht schweigen“ HAMBURG. „Wir dürfen nicht schweigen“, ist der Titel einer Broschüre ,über die Justiz und die Verhältnisse in den Zuchthäusern der Sowjetzone, die vom Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen der Sowjetzone, dem Bund der Verfolgten des Naziregimes und der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit herausgegeben wurde. In einem „Rundgang durch die Haftanstalten der Sowjetzone“ werden die Verhältnisse nach Augenzeugenberichten geschildert. Das Verfahren und die Hinter- gfünde der sogenannten Waldheimer Geheimprozesse werden nach authentischen Quellen dargestellt. In einem Kapitel „Wenn du verhaftet wirst“, geben die Verfasser Richtlinien zur Verteidigung gegen Rechtswillkür. Die Broschüre schließt mit einem Appell an alle freien Menschen, sich der Verhafteten und Verurteilten in der Sowjetzone zu erinnern und ihr Los durch Spenden zu erleichtern. Bemühens im Saargebiet eine Partei verboten worden ist, nur weil sie die, auf Lostrennung von Deutschland gerichtete Politik der dortigen Regierung nicht mitmachen will. Da gibt es das Hin und Her um die endliche Ablösung des Besatzungsregimes durch Verträge zwischen den gleichberechtigten Partnern Bundesrepublik und Westmächte. Kaum hatte das deutsche Volk erfahren, daß die Entwürfe solcher Verträge in gemeinsamem Einvernehmen ausgearbeitet »eien, da kamen aus den westlichen Hauptstädten Verlautbarungen über eine „Sicherheitsklausel.“ Das soll nicht etwa eine Klausel sein, die Deutschlands Sicherheit garantiert, sondern eine Klausel, die Frankreichs (Befürchtungen vor der Aufstellung einer deutschen Bundesschutztruppe zerstreut. Sonderbare Einzelheiten über den Sinn einer solchen Sicherheitsklausel stehen in der englischen und französischen Presse: Sie müsse eine Garantie dafür darstellen, daß die Alliierten keine gewaltsame Veränderung der deutschen Grenzen im Osten zulassen würden. Gewaltsame Veränderungen der deutschen Grenzen will auch das deutsche Volk keinesfalls. Es will, daß in zäher und geduldiger Arbeit eines geeinten Europa die deutschen Grenzen wieder so festgesetzt werden, das ein Nebeneinander von Uefoerbevölkerung und leerem Raum die gesamteuropäischen Interessen nicht schädigt. Aber würde eine Sicherheitsklausel, die in der erwähnten Weise umschrieben wird, nicht geradezu wie eine indirekte Anerkennung der Oder- Neiße-Linie wirken? Die Auslandspresse erzählt über die Sicherheitsklausel noch mehr. Die angesehene Pariser # Zeitung „Le Monde“ sagt, daß diese Klausel das Recht und die Pflicht der Alliierten einschließen würde, in Deutschland einzugreifen, wenn hier etwa die Gefahr eines nicht demokratischen, eines militärischen Regimes entstünde. Das scheinen eher Kautschukklauseln als Sicherheitsklauseln zu sein. Es trommelt also wirklich ein wenig viel auf die Deutschen ein, die doch wohl immer noch vor der Einladung stehen, ein leistungsfähiges Truppenkontingent für die gemeinsame Verteidigung der westlichen Welt zu stellen. Ein solches Truppenkontingent hätte (nach den Worten des Generals Eisenhower, des Oberkommandierenden aller westlichen Verteidigungskräfte) nur dann einen militärischen Wert, wenn es eine Truppe wäre, die weiß, was sie im Notfall verteidigen soll. Aber wird es irgendwo in der Welt Soldaten geben, die besonderen Elan entwickeln, wenn sie einen Zustand verteidigen sollen, der ihr Land in der Schwebe zwischen Selbständigkeit und Bevormundung hält? Bei alledem ist nicht zu verkennen, daß auch in Deutschland merkwürdige Dinge geschehen, die den Fremden wohl zum Kopfschütteln veranlassen können. Da hat der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Fritz Berg, nach der Rückkehr von seiner Amerikareise den Satz geprägt: „Wenn wir nicht Verteidigungsaufträge in größerem Ausmaß bekommen, sehe ich nicht, wie die Industrie im Herbst die aus dem Baugewerbe und aus der Landwirtschaft entlassenen Arbeitskräfte aufnehmen soll.“ Muß ein solcher Satz nicht den Eindruck erwecken, als sehe die deutsche Industrie schon wieder keinen anderen Rat, als eine für die Volks- Eamsfag, 11. August 1951 SÜDKURIER Nr. 124 / Seite 2 Ultraschall-Kanone vernichtet Eisberge Erfolgreiche holländische Versuche ln der Antarktis Von unserem R. v. B. - Korrespondenten Wirtschaft im Grunde nutzlose Rüstungsproduktion anzukurbeln, während in 'Wahrheit der Aufbau der, Friedenswirtschaft, der WohnungsWirtschaft, eines gesunden und äusgleichenden sozialen Lebens, im Vordergrund steht? Es gibt auch, Uebersteigerungen bei dem Schrei nach veiler Herstellung der deutschen Souveränität. Gewisse Sicherungen für Deutschland ruhen auf den Viermächte- verträgen von 1945. Die Position Berlins als Viermächtestadt ruht auf diesen Verträgen, die die oberste Souveränität über Deutschland in die Hände der vier Besat- zungsmächte gaben. Wenn aber die Position . Berlins als Viermächtestadt verschwinden würde, bekäme auch die kommunistische Parole, daß die alliierten Truppen in Westdeutschland „illegale Interventionstruppen“ seien, plötzlich eine neue Bedeutung, Und wer möchte glauben, daß die jetzt zehntausend Mann Bundesgrenzschutz, auch wenn sie eines Tages die volle Stärke von dreißigtausend Mann erreichen, dann noch der Bundesrepublik ihr jetziges Leben sichern könnten, wenn es hier keine westliche Besatzung mehr gäbe? Gewisse Bedingtheiten des politischen Lebens (wie etwa jene Vierer-Verträge) darf man eben nicht übersehen, wenn man seine eigenen Ansprüche anmeldet. Der anonyme Schreiber, der sich — nicht mit Unrecht — über den Fall des Doppelagenten Kemritz entrüstet, gerät in die Ueber- Kohlen-Ausfuhrquote nicht herabgesetzt — BONN. (W. - Eigenbericht.) Vizekanzler Franz Blücher hat Dr. Adenauer telegraphisch gebeten, ihn von seinem Amt als deutscher Delegierter in der Ruhrbehörde zum 15. September zu entbinden, falls bis ftaihm die alliierte Einstellung kein größeres Entgegenkommen zeige. Der Vizekanzler erklärte dazu, die Ruhrbehörde sei ein Anachronismus, sie passe nicht mehr in die jetzige Situation. Blücher äußerte, es bestehe die Gefahr, daß die deutschen Kohlenexporte auch im letzten Vierteljahr 1951 nicht herabgesetzt würden, der Beschluß sei in der Ruhrbehörde einstimmig, allein gegen die deutschen Stimmen, gefaßt worden. Wie man von unterrichteter Seite hört, ist der deutsche Standpunkt jedoch zu Beginn der lebhaften Auseinandersetzungen von dem amerikanischen Vertreter unterstützt worden. Gleichzeitig erklärte Blücher, daß der Hausbrand und die Versorgung der öffentlichen Versorgungs- und Transportunternehmen im Kohleverteilungsplan der Bundesregierung unverändert den Vorrang vor allem anderen Verbrauchern behalten würden. Kemritz-Urteil: Vollzug ausgesetzt BERLIN. Das Landgericht Berlin hat den Vollzug des Versäumnisurteils gegen Dr. Kemritz ausgesetzt. Dr. Kemritz war zur Zahlung von 11 640 DM und einer monat- WETTERVORHERSAGE des Amtlichen Landeswetterdlenste« Ueber. Südwestdeutsdiland hat sich ein fladies Hoch lausgebildet, das eine Wetterfoenibigung bringt. Ein Tief, das auf England zuzieht, wird über unserem Gebiet durch einen langsam von Südwest vordringenden Ausläufer des Azorenhochs abgeschwächt. Aussichten bis Sonntagabend: Zeitweise bewölkt, vielfach aber aufheiternd. Noch nicht ganz beständig. Einzelne Schauer oder Gewitter sind noch zu erwarten. Temperaturen um 25 Grad. SÜDKURIER Verantwortlich für Politik: Konrad Gunst. Nachrichtendienst: Graf Ludwig Douglas* Wirtschaft: Dr. Gustav Adolf Groß Feuilleton: Ludwig Emanuel Reindl. Heimat: Alois Bede (in Urlaub: Vertreter: Willy Häusler), Herbert Stednert. Sport: Alfred Strobel. Chef vom Dienst: Helmut Jacobsen. Verlag: Südkurier GmbH., Konstanz, Marktstätte 4. Drude: Drudeerei und Verlagsanstalt Konstanz GmbH. 100 DM ln Zürich: 10. 8.: 91/93 sfr.j 9. 8,: 91/93 sfr. Steigerung hinein, wenn er gegen den Schluß seines Schreibens ruft: „Wie wäre das erst, wenn die Herren im Westen mit den Herren im Osten einig wären oder einmal werden?“ Dann wäre es so, wie es „der geniale Politiker und Feldherr“ Adolf Hitler erreicht hatte: Gemeinsamer Kampf ven West und Ost gegen den einen Feind Deutschland — gegen ein Deutschland nämlich, das sich selbst alle zum Feind gemacht hatte, weil es nicht verstand, Freunde zu werben. Aber darum geht es ja dem heutigen neuen Deutschland, dessen politische Führung sich aus Männern zusammensetzt, die im Kampf gegen jenen .genialen Politiker“ Adolf Hitler standen: Eine feste und zuverlässige Freundschaft mit den Staaten und Völkern zu schaffen, die sich zusammengefunden haben, um das abendländische Ideal der menschlichen Freiheit, der Gewissensfreiheit auch für weitere Generationen durchzusetzen — das Ideal der Freiheit von Furcht, Hunger und Zwang. Die künftigen Partner einer solchen Freundschaft, die Alliierten Nationen, müssen diesen deutschen Willen endlich richtig erkennen. Dann werden jene strittigen und ungeklärten Fälle — ob Manöver oder Saar, ob Justizbeeinflussung oder kautschukartige Sicherheitsklauseln — bald verschwinden, die jetzt bei den Deutschen immer wieder das Gefühl enttäuschter Liebe hervorrufen. Amerikanische Unterstützung vergeblich liehen Rente von 300 DM an die Witwe Elli von Hake verurteilt worden. Die neue Entscheidung wurde getroffen, nachdem das Amt des amerikanischen Hohen Kommissars erklärt hat, daß der Fall Kemritz in das Vorbehaltsgebiet der alliierten Besatzungsmächte falle. Der amerikanische Hohe Kommissar J. McCloy, drückte seinevGenugtuung darüber aus, daß das Urteil* niedergeschlagen und das Verfahren einem amerikanischen Gericht übertragen wurde. Die Maßnahme des Berliner Gerichts ermögliche Beratungen zwischen dem Amt des amerikanischen Hohen Kommissars und der Bundesregierung über den Fall Kemritz. Ein Fall Keppelen BONIN. Nach dem „Fall Kemritz“ gibt es jetzt auch einen „Fall Keppelen“, auf den die Bundesregierung die alliierte Hohe Kommission in einer Note aufmerksam machen wird. Der ehemalige Feldwebel Keppelen geriet im März 1945 in amerikanische Gefangenschaft, erhielt die Leitung eines Kriegsgefangenenlagers bei Marseille und hat dort, wie ein Regierungssprecher angab, Mitgefangene mißhandelt. Mehrfache Anträge der Regierung von Württemberg-Baden an die amerikanische Hohe Kommission, Keppelen solle sich vor einem deutschen Gericht verantworten, sind abgelehnt worden. Wolkenbrüdie und Hitzewelle. HAMBURG. In ganz Europa kam eff in den letzten Tagen zu Wolkenbrüchen und Hagelschauern. In Italien kamen bei Ueberschwemmungen 19 Menschen ums Leben. 15 mußten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. In Mittelitalien ereigneten sich sechs leichte Erdstöße. In Tirol und Kärnten verursachten Regen und Gewitter starke Schäden. Am Pasterzegletscher wurde ein Arbeiter getötet. Das Lager des Pfadfinder-Jamborees bei Bad Ischl wurde überschwemmt. Amsterdam verzeichnete in den letzten 24 Stunden 93 Millimeter Regen, Oslo die stärksten Niederschläge seit der Jahrhundertwende. New York meldete am Donnerstag dichten Nebel, der teilweise zur Lahmlegung des Flug- und Schiffahrtsverkehrs führte. Im südlicheren Texas dagegen ist die Hitze so groß, daß in den letzten zwei Wochen 15 Menschen an Hitzschlag starben. Die Baumwollfelder haben ernsten Schaden gelitten und die weiten Weideflächen sind zum großen Teil ausgedörrt. Bis zu 47 Grad Celsius Hitze wurden gemessen. Ein Ende der Hitzewelle ist aber noch nicht abzusehen. 26 Todesopfer in Norditalien ROM. Eine schwere Ueberschwemmungs- katasprophe forderte im Gebiet des oberen Corner Sees nach bisher vorliegenden Meldungen 26 Todesopfer sowie zahlreiche Verletzte und Vermißte. Die schwersten Schäden verursachten die hochgehenden Fluten des Flusses San Vincenzo, die die kleine Stadt Gera überschwemmten, wo ein Haus einstürzte und 16 Personen unter sich begrub. Sieben weitere Häuser wurden zerstört. In Sorico sind die Wasser in die Kirche Saint Etienne eingedrungen. Die Schäden werden auf über 100 Millionen Lire geschätzt. Groß-Sdimuggel aufgedeckt MÜNCHEN. Die Münchner Zollfahndung hat nach monatelangen Ermittlungen einen umfangreichen Schmuggel von Zigaretten und Kaffee aus Ostberldn nach Süddeutschland aufgedeckt. Von einer etwa 35 Mann starken Schmugglerbande wurden neun verhaftet, andere sind noch flüchtig. Die Bande dürfte mindestens 30 Milionen amerikanische Zigaretten und 30 000 Kilo Rohkaffee über den Zonenkontrollpunkt Falkenstein in das Bundesgebiet geschmuggelt haben. Der Wert der geschmuggelten Waren wird mit rund 4 Millionen Mark angegeben. 2 Millionen Zigaretten und 3 Tonnen Rohkaffee wurden neben drei Last- und fünf Personenwagen, die zum Schmuggel benutzt wurden, beschlagnahmt. Millionenbetrüger gesudht GÜTERSLOH. Die Polizeibehörden des Bundesgebietes fahnden nach einem aus der Schweiz stammenden Großbetrüger, der nach den Ermittlungen innerhalb von zwei Jahren über eine Million Mark ergaunern konnte. Bisher wurde lediglich der Fahrer des Betrügers fqstgenommen. Die Kriminalpolizei teilt mit, daß sich der Betrüger als Diplom-Kaufmann und Vertrauensmann einer ausländischen Finanzgruppe ausgibt. BONN. Beide Verhandlungspartner der Bürgenstock-Verhandlungen über Gewerk- schaftsf ragen erklären sich befriedigt. Christian Fette, bei der Rückkehr der Gewerkschaftsdelegation auf dem Rheiir- Madn-Flughafen: „Ich bin befriedigt, die Reise war nicht umsonst.“ Adenauer auf dem Bürgenstock: ,,Ich halbe keine Veranlassung. mit dem Ergebnis unzufrieden zu sein.“ Die Gewerikschaftsdelegation wird nun ihrem Vorstand, der Bundeskanzler dem Kabinett berichten und man wird im Laufe des August in Bonn weiter verhandeln. Die gemeinsam von' allen Teilnehmern der Bürgenstock-Besprechung ausgegebene Mitteilung besagt," daß eine Vielzahl von Fragen erörtert wurde, die die Interessen der Arbeitnehmerschaft berühren. Im Speziellen wurde über Einzelpunkte des Mitbestimmungsrechtes verhandelt, über die Neuordnung der Grundstoffindustrien und über ein gutes Zusammenwirken zwischen Bundesregierung und DGB. In Bonn fällt auf, daß die Erörterung einer Neuordnung der Grundstoffindustrien vielleicht bedeuten könnte, daß den Gewerkschaften Zusagen für eine Tedlscxzialisieruing insbesondere bei der Kohle gemacht worden sein könnten. In der gemeinsamen Mitteilung ist nicht mehr die Rede davon, daß die Gewerkschaften ihre Mitarbeit in den wirtschaftspolitischen Gremien einstellen wollen. Man glaubt, daß vielleicht ein gewisses Entgegenkommen des Bundeskanzlers zu dieser Entwicklung geführt hat. Die Denkschrift des Gewerkschaftsbundes, die auf eine Umgestaltung nicht nur AMSTERDAM. Holland hat den Ultraschall zu einer bedeutenden Neuerung für die Seeschiffahrt entwickelt. Die Anwendung des Ultraschalls' zu medizinischen Zwecken auf den verschiedensten Gebieten ist inzwischen hinlänglich bekannt. Amerikanische und kanadische Wissenschaftler erwähnten sogar, daß der Ultraschall auf dem Gebiet der modernen Waffentechnik eine Bedeutung erlangen könnte, die der der Atombombe und Atomzertrümmerung mindestens ebenbürtig wäre. Solche Überlegungen beherbergen eine gute Portion physikalischer Logik. Der höchste Ultraschall läßt Glas, Metall und andere Stoffe zu feinem Staub zerfallen. Seine Schwingungen sprechen auf die Eigenart der Materie an und bedingen ihre Zerstörung. Selbst Tiere sind bei Experimenten mit Ultraschall getötet worden. Es ist dabei so, daß die Herzmuskeln zerreißen oder ein Gehimschlag ’ einsetzt Der holländische Professor Dr. Adam Byher, eine Kapazität auf dem Gebiete des Ultraschalls, hat nun den Schallbeschuß zu einem für die Seeschiffahrt unentbehrlichen Faktor entwickelt. Der Wissenschaftler ist an Bord des holländischen Kreuzers „Mynher“ in die Antarktis ausgelaufen, um seine Erfindung in der Praxis zu erproben. Die vorgenommenen Experimente sollen gleich zu Anfang erfolgreich gewesen sein. Mehrere Eisberge lösten HONGKONG. Trotz dem Handelsembargo und der Exportkontrollen der Westmächte soll ein ständiger Strom rüstungswichtiger Materialien aus vielen Teilen der Welt auch weiterhin in den rot-chinesischen Seehäfen eintreffen. Wie aus Hongkong berichtet wird, haben die verfügten Handelsbeschränkungen des Handelsverkehrs mit dem kommunistischen China nur dazu geführt, daß die für China bestimmten Waren, die früher größtenteils in Hong- der Wirtschaftsstruktur, sondern auch der verfassungsmäßigen Grundlagen hinzielt, soll nach einer Feststellung des „Deutschland Union Dienstes“ weit über die von dem DGB-Vorsitzenden Christian Fette vorgebrachten Wünsche hinausgehen. Der ,Deutschlarud-Union-Dienst“ meint zu der Gewerkschafts-Forderung nach einem Bun- desWirtschafterat, es sei sehr ernsthaft zu prüfen, ob man im jetzigen Zeitpunkt solche Aenderungen vornehmen könnte. „Auch in der Sowjetzone sind gewisse Gewichtsverlagerungen nach der ständischen Seite hin erfolgt Das dürfte zu denken geben.“ n sich vor den Augen der Schiffsbesatzung in ihre Bestandteile auf. Das heißt nicht etwa, daß sie geschmolzen wären. Sie zerfielen vielmehr in feinen Eisschnee. Schliffe, die in die Bezirke jenseits der Treibeisgrenze vardringen, weiden künftig an Heck ünd Bug eine Schallkanone mit sich führen. Diese ist nicht nur zur Zerstörung von Eisbergen zu gebrauchen, sondern sie kann auch zur Lichtung eines Nebelfeldes Verwendung finden. Die Versuche in dieser Richtung sind allerdings nicht abgeschlossen. Das Ultra schall schuß-Instrument stellt eine wertvolle Ergänzung zum Radargerät dar. Mit Hilfe von Radar gelingt es zwar in der Nacht und bei unsichtigem Wetter Eisberge auszumessen und ihnen unter Umständen auszuweichen. Um jedoch ganz sicher zu gehen, wird der Kapitän künftig einfach onordnen, den Eisberg in seine Bestandteile aufzulösen. Auf diese Weise wird die Schiffahrt kaum jemals eine ähnliche Katastrophe wie die der „Titanic“ Die Schallkanone kann keinem anderen Schiff gefährlich werden. Sie ist nur mit einem starken Sender ausgerüstet, der über den Richtstrahler, eben die ,.Kanone“, jede Frequenz sendet, die eine bestimmte Zusammenballung von Wasser oder Eis verhindert. Damit haben die Holländer den Anfang zu einer sehr bedeutsamen Erfindungsreihe gemacht kong umgeschlagen wurden, jetzt direkt nach chinesischen Häfen verfrachtet werden. In der letzten Zeit haben immer mehr Schiffe den Südhafen Kantons, Whampo, angelaufen — vermutlich, um die Blockade der weiter nördlich gelegenen chinesischen Häfen durch die nationalchinesischen Kriegsschiffe zu umgehen. Zwölf bis fünfzehn Ozeanschiffe sollen jetzt monatlich in Whampo einlaufen, während der Hafen vor einem Jahr überhaupt nicht von Hochsee-Schiffen aufgesucht wurde. Rüstungswichtige Materialien — so wird aus Hongkong berichtet — werden von panamaischen, britischen und skandinavischen Schiffen ebenso wie von sowjetischen und polnischen Frachtern transportiert. Die Häfen von Hamburg, Bremen, Antwerpen und Gdingen sollen in erster Linie als Ausgangspunkte für che Verschiffung von Stahl, Reifen, Maschinenteilen, Chemikalien und anderen Waren nach China genannt werden. Auch der Schmuggel durch das portugiesische Macao soll in letzter Zeit ein beträchtliches Ausmaß erreicht haben. In Hongkong ist man der Ansicht, daß der Chinahandel trotz filier Beschränkungen andauern werde, solange die Kommunisten überhöhte, Preise für Importgüter bezahlen. .Sie liebt midi — sie liebt mich nicht — sie SK-Zelchnung" Blücher will Ruhrbehörde verlassen Umfangreicher Waffenschmuggel in Fernost Kriegswichtiges Material in rotchinesischen Häfen Fette-Adenauer — beide zufrieden Zusagen über Sozialisierung? — Politische Forderungen erwecken Bedenken Ein Spielj ahr „Theater am Bodensee" Das Spieljahr 1950/51 im Konstanzer „Theater am Bodensee“ war das erste, das nach dem Weggang Heinz Hilperts ganz unter der Leitung Dr. A. Schmiedhammers stand. Er hatte damit eine nicht leicht Aufgabe zu lösen. Es galt, die schnell ins Leben gerufenen Ensembles für Oper und Operette auszubauen und zu festigen. Es galt, für das Schauspiel, auf das nach dem Glanz der Hilpert-Zeit kritische Aufmerksamkeit besonders gerichtet war, Vertrauen zu gewinnen. Und es galt, die Positionen in den Gastspielstädten von Säk- kingen bis Lindau zu halten und wenn möglich zu verbessern. Das alles sollte bewältigt werden mit Mitteln, die nach den Erfahrungen selbst eines Hilpert gerade zur Not für einen reinen Schauspielbetrieb ausreichten. Als sich mit Schillers „Räubern“ vor Jahresfrist das neue Schauspielensemble und mit „Rigoletto“ die Opembühne der Oeffentlichkeit stellten, war es für den kritischen Betrachter ausgemacht, daß nun eine Aera des Theaterbetriebs mit völlig veränderten Voraussetzungen in Konstanz begonnen hatte. Nach dem hektischen Erregungszustand der Jahre 45 und 46 unter van Diemen, dem Intermezzo der Direktion Engels-Koch mit seinen vielversprechenden Ansätzen, der reichen Blütezeit unter Hilpert, nach diesen Jahren des reinen Schauspiels, hatte das Begehren jenes Publikums sich durchgesetzt, das hauptsächlich von den üppigeren Reizen des musikalischen Theaters angesprochen wird. Das Theater sah sich dementsprechend einem veränderten Publikum gegenüber, das Publikum einem verwandelten Theater. , Aber auch die Zeit selbst hatte sich ja tiefgreifend gewandelt. Zwei Jahre nach der Währungsumstellung hatte eich der Pendelausschlag in Richtung eines materialistischen Lebensgenusses vollzogen. Die Zeit der Theaterkrisen, des Künstlerelends, des Tiefstands für den Erfolg geistiger und musischer Dinge war damit allenthalben angebrochen. Konstanz machte dabei leider keine Ausnahme. Das künstlerische Element im Theater mußte sich mit seiner ganzen Kraft einsetzen, um Widerstände zu überwinden, Abneigungen zu entkräften, neuen. Boden zu gewinnen. Es zeigten in sehr entschiedenen Aufführungen des Schauspiels hauptsächlich junge Kräfte scharf profilierte Leistungen. Nach den „Räubern“ boten dazu Werke des modernen amerikanischen Theaters erprobende Gelegenheit: „Der Tod des Handlungsreisenden“, „Die Glasmenagerie“ mit ihren veristischen amerikanischen Milieuschilderungen und ihrer zur Verzweiflung auswachsenden Frage nach dem Sinn des Lebens. Auch Cad Zuckmayers dichterisches Bekenntnis zur Menschenversöhnung über die trennenden Grenzen hinweg, „Gesang im Feuerofen“, war ein Prüfstein dieser Art, ein Werk, das bald nach der Göttinger Uraufführung in Konstanz gezeigt wurde und dessen Inszenierung einen Vergleich mit" jener der viel leistungsfähigeren Bühne in Göttingen durchaus nicht zu scheuen brauchte. Im Ganzen bot das Schauspiel mit 17 Werken — von denen der größere Teil Erstaufführungen und zwei Uraufführungen waren — eine befriedigend bunte Palette der Möglichkeiten, die das europäische Theater heute hat. Dabei waren große klassische Werke, die der Weltliteratur angehören, wie Shakespeares „Othello“ und Goethes „Faust“, für das kleine Ensemble bedenkliche Kraftproben, die in aller Schärfe die Grenze erkennen ließen, welche einem Theater mit bescheidenen Mitteln nun einmal gezogen ist. Solange für solche Werke nicht ein grundsätzlich neuer Aufführungsstil entwickelt werden kann, bleiben ihre Aufführungen unter den gegebenen Verhältnissen notwendigerweise mehr oder weniger behelfsmäßig. Da sie aber der Jugend immerhin die Möglichkeit geben, große Dichtung auf der Bühne einmal gestaltet zu sehen, was sonst manchem sein ganzes Leben lang verwehrt bliebe, gibt es über das Ja zu solchen Behelfslösungen wohl keine Diskussion. Mindestens nicht, solange die Würde eines Werkes nicht verletzt wird. Davon konnte im „Theater am Bodensee“ nicht die Rede sein. Im Gegenteil: jede der Klassikeraufführungen hatte, bei einem durchgängig biederen Grundton, doch immer auch noch irgendein Glanzlicht, durch eine besondere spauspielerische Leistung, eine glückliche Wendung der Regie, einen Bühnenbildeinfall. Bei gutem Willen des Zuschauers, auf den es natürlich sehr ankommt, konrtte es an gedeihlicher Wirkung nicht fehlen. Im idealen Theater wird dieser gute Wille freilich jederzeit von der Bühne her erzwungen. Und darin besteht auch der unwiderstehliche, ja dämonische Reiz großer Schauspielkunst Für die insgesamt fünf Opeminszenie- rungen gilt im wesentlichen das gleiche wie für das große klassische Schauspiel. Kein vernünftiger Betrachter wird in einer Stadt wie Konstanz eine in jeder Hinsicht vollkommene Opernaufführung erwarten. Den Willen dazu lassen sich Großstädte Millionen kosten, und wie kläglich sieht im Verhältnis zum Aufwand auch da manchmal noch das Ergebnis aus. Die Oper hat in Konstanz durch den städtischen Musikdirektor Dr. Richard Treiber wirksamen Antrieb erhalten. Ehrgeiz und musikantisches Hochgefühl in der Werkgestaltung vom Dirigentenpult aus zauberten bei Aufführungen wie „Rigoletto“ und besonders „Fideldo“, aber auch „Boheme“ eine Geschlossenheit und Durchschlagskraft der musikalischen Wirkung hin, die alle Zweifel, ob an einem so kleinen Theater die Oper überhaupt möglich sei, durchaus entkräften konnten. Kam dazu d ! e recht durchdachte Regie des Intendanten und ein überdurchschnittliches Darstellungsvermögen der meisten Sänger, so war der Erfolg nicht nur gesichert, sondern auch sehr berechtigt. Die Oper wurde zu einem beträchtlichen Aktivposten des Theaters. In wirtschaftlicher Hinsicht läßt sich das auch von der Operette sagen. Es ist ein alter Streitfall, ob die Operette, mit Ausnahme einiger weniger schon als „klassisch“ anerkannter älterer Werke, überhaupt an einem subventionierten Theater daseinsberechtigt sei. Ob die Steuergelder, welche die Allgemeinheit aufbringt, für das wohlfeile Vergnügen, das die Operette auch nur einem bestimmten Publikumsteil bietet, verantwortbar angewendet wird. Man bejaht heute allgemein diese Frage. Die sozialen Verhältnisse mit ihrer Nervenbelastung für breiteste Kreise lassen die Anerkenntnis eines selbst primitivsten Eritspannungsbedürfnisses sehr berechtigt erscheinen. Mit 15 Werken in insgesamt 170 Aufführungen steht die Operette an erster Stelle im Spdelplan. Ihr gegenüber hat das Schauspiel mit 17 Werken nur 127 Aufführungen, zu denen noch drei Märchen mit 38 Aufführungen kommen. Die Oper bestritt mit 5 Werken 43 Abende. Dabei brachte, wie sich schon aus diesen Zahlen ergibt, die Operette auch das meiste Geld in die Kasse. Es wäre aber nun ein verhängnisvoller Trugschluß, zu glauben, ein reines Operettentheater könne vielleicht zuschußfrei spielen. Denn die Operette ist auch durch Ausstattungszwang, Ballett, Orchester und Gesangskräfte besonders teuer. Aber immerhin: innerhalb des subventionierten Betriebes hatte sie in Konstanz und in diesem Spieljahr die ausgeglichenste Bilanz. Die Werkwahl war dabei recht glücklich. Es gibt kaum einen wirklich zugkräftigen Titel, der nicht auf dem Programm stand, von der „Fledermaus“ bis zur „Czardasfünstin“, vom „Vogelhändler“ bis „Zarewitsch“. Die Inszenierungen Dr. j Schmiedhammers und Nagys erhielten j ihren Beifall ebenso berechtigt wie die I musikalische Einstudierung und Leitung durch Werner Idler. In knapp einem Jahr, in nur 50 Wochen, brachte das Theater am Bodensee insgesamt 40 Werke auf die Bühne, von denen genau die Hälfte dem musikalischen Repertoire angehörte. Das ist eine respektable Leistung, auch im nur physischen Sinne eine Schwerarbeiterleistung, der die Oeffentlichkeit ihre Anerkennung nicht versagen sollte. Sie besteht am besten darin, diese Anerkennung, daß die maßgebenden Repräsentanten der Oeffentlichkeit trotz aller Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art bald einen Weg finden, um dem Theater ein würdiges Weiterbestehen zu ermöglichen. Eine Stadt wie Konstanz wird mit ihrem Theater wohl nie ganz glücklich sein können. Ohne Theater aber wäre sie selbst bedauernswert. Aus einer geringen Möglichkeit aber eine echte Tugend zu machen, das ist die Aufgabe, deren Bewältigung eich immer lohnt. L. E. Reindl KULTURNACHRICHTEN Eine „Lüneburger Bühnengesel 1 s c h a f t“ wurde am Dienstag in Lüneburg, dessen Theater die Schließung drohte, mit einem Stammkapital von 20 000 DM gegründet. Die Gesellschafter, unter ihnen der Verein Lüneburger Kaufleute, die Kreishandwerkerschaft und der Landesverband Niedersachsen des Volksbühnenvereins, wollen „hochwertige Darbietungen einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht zu niedrigen Preisen zugänglich machen.“ „Bürgerbilnisse und Handwerkskunst aus dem alten Frankfurt“ heißt eine Ausstellung, die in der Mainstadt eröffnet wurde. In der Schau werden auch die beiden erhalten gebliebenen Flügel des „Jakob-Heller- j Altars“ gezeigt, dessen Stifterbildnisse — j wie sicher angenommen wird — von I Albrecht Dürer gemalt wurden. / Seite 2 Samstag, 11. August 1951 SÜDKURIER Nr. 124 / Seite 3 erge Besatzung eißt nicht . Sie zer- lee. nseits der len künf- lallkanone t niur zur »brauchen, :ung eines Die Ver- allerdings ent stellt tadargerät ft es zwar :m Wetter len unter doch ganz tän kiinf- g in seine ese Weise eine ähn- „Titanic“ n anderen it nur mit istet, der „Kanone“, bestimmte oder Eis Holländer deutsamen nost tzt direkt verfrachtet mer mehr Whampo, : Blockade linesischen linesischen Swölf bis :zt monat- hrend der iupt nicht ht wurde. - so wird erden von landinavi- i sowjeti- transpor- !, Bremen, in erster die Ver- /Taechinen- en Waren Auch der sehe Macao iche» Aus- ig ist man ndel trotz rn werde, überhöhte. Wem gehört das Warner de» Mil? Sudan will selbständig werden — Von unserem Korre Seit Ägypten seine Ansprache auf den Suezkanal und den Sudan gegenüber England immer heftiger vertritt, ist eine Schilderung des Landes zwischen dem Roten Meer und Fran- zösisch-Afrika von besonderem Interesse. Der Anglo-Aegyptische Sudan, ein Riegenland so groß wie ganz Westeuropa einschließlich Großbritanniens und Italiens, ist für Aegypten zum Gegenstand unge- aügelten nationalen Ehrgeizes geworden.- Aus zwei Gründen vor allem: der Sudan beherrscht die Wasserzufuhr des Nils, dem entscheidenden Faktor für die Wohlfahrt Aegyptens seit den Tagen der Pharaonen. „Der Sudan ist mit Aegypten durch den Nil verbunden“, schrieb vor mehr als 50 Jahren Winston Churchill, „wie ein Taucher mit der Wasseroberfläche durch seinen Luftschlauch; ohne diesen muß er ersticken.“ Heute erfreut sich der Sudan einer Wirtschaftsblüte, wie sie noch vor wenigen Jahren auch von den größten Optimisten nicht geahnt werden konnte. Das Nilproblem ist freilich durch einen Vertrag von 1929 einwandfrei geklärt: ebenso wie spätere Abkommen mit Abessinien, das vorn Tanasee aus den Blauen 3049 6096 Seemeilen Southampton Port Said Bombay Der Suez-Weg" Southampton UdSSR. & oibralur ÄGYPTEN Sudan •Ägyptisches Condominium Kapstadt ! i. Zeichnung' d Leitung 50 Wochen, see insge- von denen sehen Re- le respek- physischen ng, der die ung nicht an besten die maß- ■ Oeffent- ' :iten wirteg finden, is Weiter- Stadt wie «ter wohl n. Ohne Dedauems- hkeit aber das ist die ich immer . Reindl ■ITEN menge- ienstag in Schließung von 20 000 fter, unter Kaufleute, der Lan- Volksbüh- ;e Darbie- Bevölke- ® zugäng- Hand- alten ellung, die le. In der l erhalten :ob-Heller- ildnisse —* [ — von 5947 Southampton Kapstadt Per Kap-Wec Nil beeinflußt, gewährt er Aegypten Einfluß auf die Wasserbewirtschaftung des Weißen Nils und die Errichtung des lange geplanten und notwendigen Staudammes südlich Khartums. Immerhin bleibt es ein wirksames Argument für die ägyptische Propaganda, daß die politische Kontrolle über den Lebensstrom Aegyptens nicht in seinen eigenen, sondern in den Händen einer Regierung ist, deren Exekutive zur Zeit aus sieben Sudanesen und fünf Engländern besteht. Die wirtschaftliche Anziehungskraft des Sudans ergibt sich aus einem unerwartet plötzlichen und riesigen Reichstumszu- wachs infolge großer Baumwollernten im Zeitpunkt der größten bisher bekannten Preissteigerung für diese wichtige Nutzpflanze. John Hyslop, ein scharfer Beobachter, der nach fünfjährigem Aufenthalt em Nil dieser Tage aus dem Sudan zu- rückkam und in England darüber berichtet, fand die rund 25 000 Pächter, die das 400 000 Hektar große Hauptbaumiwollge- biet im Dreieck zwischen den beiden Quellströmen des Nils seit 1904 unter einem sinnreichen Verteilungssystem bewirtschaften, für das abgelaufene Jahr im Besitz eines Einkommens von durchschnittlich je 650 Pfund (7700 DM)— ein ungeahnter Reichtum für Eingeborene, die in Vorkriegsjahren durchschnittlich je etwa 30 Pfund (350 DM) verdienten. Dabei erhalten diese Pächter zusammen nur 40, die Regierung des Sludans, seit sie vor einem Jahr auch den 20prozentigen Anteil der ursprünglichen Unternehmer-Gesellschaften nationalisiert und gegen bar aufgekauft hat, 60°/e des Emtegewinns, zusammen für das letzte Jahr gegen 40 Millionen Pfund. Der Nachteil liegt in der Neigung der Eingeborenen, ihren plötzlichen Geldüberfluß in Luxuswaren und vor allem in einem Genuß von Essen und ..Trinken zu verschwenden, der die weniger ^begünstigten nördlichen Landesteile und ihre Städte — Khartum, Haifa, Atbara usw. mit Nahrungsmangel bedroht. Nur mit Mühe ist es der Regierung, die Sire eigenen Gewinne für die Entwicklung anderer Zweige der Landwirtschaft, die Schaffung von Verarbeitungsbetrieben, Bahnen und anderen Verkehrsmitteln und zur Bekämpfung von Krankheiten bei Mensch und Tier benutzt, gelungen, wenigstens einen Teil der Gelder einem Er- «pamisfond zuzuführen, der den allzu glücklichen einheimischen Pflanzern über etwaige Mißernten in den Folgejahren weghelfen kann. Aber zugleich ist das Selbstgefühl der Bevölkerung, eines bunten Gemischs aus Semiten und Hamiten, Haussa, Fulbe, Arabern hellerer oder dunklerer Hautfarbe, — Folge eimes uralten Durchgangsverkehrs und einer vorwiegend nomadischen Bewirtschaftung des von Wüste, Sumpf und Regengebieten durchsetzten Riesenlandes — so stark gewachsen, daß es nach uneingeschränkter Streit um Baumwolle und Wasser, spondenten in Kairo Selbständigkeit drängt. Das bezwecken auch die beiden hauptsächlichen politischen Gruppen, Umma und Aschigga: die erstere zur Zeit an der Macht ausgesprochen antiägyptisch, die zweite vor allem anti-bri- tiscb, aber mit dem letzten Ziel, nach Erreichung der Selbständigkeit im Rahmen Aegyptens auch dieses wieder los zu werden, von dem sie sich einstweilen finanzieren und politisch unterstützen läßt. Bezeichnenderweise beruft sich die Unabhängigkeits-Propaganda kaum auf die Tatsache, daß der Sudan altes Kulturland ist, das in Töpferei, Bronzeguß, Weberei usw. eine hohe Blüte besaß und in das erst 1874 die Aegypter eindrangen. Als nach der Ermordung des Generaigouvemeurs des Sudans, Sir Lee Stack, im Jahre 1924 das gesamte ägyptische Militär- und Verwaltungspersonal des Landes verwiesen wurde, meldete der bis dahin schlummernde Nationalismus der Sudanesen seine Forderungen an und organisierte eine politische Bewegung, die unter dem Namen Graduales Congreß bekannt wurde. Als Großbritannien 1924 die Forderungen des Kongresses nach stufenweiser Gewährung von Selbstverwaltung zurückwies, vertrat ein Teil der Nationalisten die Auffassung, daß nur dann Hoffnung auf Verwirklichung ihrer nationalen Bestrebungen bestehe, wenn man gemeinsame Sache mit Aegypten, dem Leidensgefährten unter dem Joch des „britischen Imperialismus“, mache. Auf diese Weise entstand die pro-ägyptische Partei der sudanesischen Nationalisten. In kaum zwei Jahren,setzten dann aber die Briten mit konstitutionellen Reformen «in und machten weitreichende Konzessionen in bezug auf die Selbstregierung. Während die sudanesischen Nationalisten 1944 noch keinerlei Mitbestimmungsrecht in der Verwaltung ihres Landes besaßen, hatten sie 1948 später bereits gesetzgebende und ausübende Macht erhalten, die erstere in Form einer gewählten legislativen Versammlung, die fast ausschließlich aus Sudanesen besteht, die letztere durch Ueber- traigung der Hälfte der Ministerportefeuilles des Exekutivrates. Für die sudanesischen Nationalisten ist im Augenblick die Entwicklung sehr günstig. Sie betonen, daß der Sudan mindestens ebenso reif für die volle Selbstverwaltung sei wie Lybien. Aber ist damit dem sudanesischen Volk, das der englischen Verwaltung eine Fülle sozialer und hygienischer Maßnahmen verdankt, gedient? Die Sudanesen sind noch weit davon entfernt, eine gesunde Nation zu sein. Noch ist das Volk in sich bekämpfende Lager gespalten —. die einen anerkennen die ägyptische Forderung nach einer Einheit des Niltals, die anderen nicht. Dollarprinzessin wird Höchst apl er m Das abenteuerliche Leben von Else Boyd-Smith Die Kornkammer Roms Tersandet Tripolis, eine Gespensterstadt Drei Provinzen, drei Rivalen. Von unserem Korrespondenten inRom Von unserem Mitarbeiter in Nordafrika Vor einiger Zeit wurde in Tripolis ein Anschlag auf den zukünftigen König von Libyen verübt. Mohammed Idris el Sp- nussi beugte sich helfend über vier verletzte Araber, ihm seihst war nichts geschehen. „Unsere Aufgabe ist schwer“, sagte er gefaßt, „aber mit Allahs Hilfe werden wir es schaffen!“ Ja, in Libyen sieht es heute nicht gut aus. Von allen Ländern in Nordafrika ist es das ärmste. Nach dem Zusammenbruch der italienischen Herrschaft übernahmen England und Frankreich die Stelle des Vormunds. Dann beratschlagten die Vertreter der Vereinten Nationen über das endgültige Schicksal der ehemaligen Kolonie. Libyen wurde zum unabhängigen Bundesstaat erklärt. Am 1. April diese» Jahres war es soweit. Die Lybier bekamen ihre eigene Regierung. Bis 1952 sollen sie sämtliche Vollmachten übernehmen. In ausländischen Geschäftskreisen zeigt man wenig Interesse für das Wüstenland. Libyen hat der Welt wenig zu bieten, kein Erdöl, keine Industrie, keine Mineralien, nichts von Belang. Fast so umfangreich wie Westeuropa, vermag es kaum eine Million Araber zu ernähren. Die bedeutende Arbeit italienischer Kolonisten wurde durch den Krieg jäh unterbrochen. Die italienischen Kolonisten hatten große Pläne mit Lybien. Sie wollten aus Lybien ein Bauernland machen, die „Kornkammer Roms“. Neben den Zelten der Beduinen wuchsen artesische Brunnen empor. Arbeitsame Bauern aus Apulien und Sizilien rangen der Wüste über 200 000 Hektar Ackerland ab. Die Schönheit der Küstenoasen zog Ausländer an; Tripolis versprach, eine zweite Riviera zu werden. Alles war da: ein Spielkasino im orientalischen Märchenstil, eine Autorennbahn und schneeweiße Luxushotels mit Klimaanlage. • Heute huschen Skorpione und Ratten zwischen Ruinen herum. Ueber 4ie mühsam angelegten Pflanzungen weht der Flugsand. Alle italienischen Landleute wurden während des Krieges evakuiert. Der 62jährige Mohammed Idris el Se- nussi übernimmt ein trauriges Erbe. Ihm fehlen jegliche Mittel, um der Wüste Einhalt zu gebieten, bevor aus Libyen wieder ein unfruchtbares Nomadenland wird. Wenige erfahrene Helfer stehen ihm zur Seite. Alle maßgeblichen Posten sollen heute von Libyern besetzt sein, aber es gibt keine libyschen Fachleute, keine Aerzte, Juristen und Techniker. Es mangelt selbst an geeigneten Verwaltungs- ibeamten. 90 Prozent der Bewohner sind Analphabeten. Als die arabische Bevölkerung im vergangenen Jahr zum erstenmal an die Wahlurne trat, wählte sie durch Daumenabdruck auf besonderen Stimmzetteln. Die innerpolitischen Verhältnisse sind verworren. Libyen besteht aus drei Provinzen — der Cyrenaika, Tripolitanien und dem abgelegenen Oasengebiet Fezzan. Alle drei Wüstenreiche haben so gut wie keine Verbindung miteinander, oft nur Kamel oder Flugzeug. Sie führen ein ausgesprochenes Eigenleben. Drei orientalische Fürsten regieren auf patriarchalische Weise — drei Rivalen. Der konstitutionelle König von Libyen ist zugleich Emir und geistliches Oberhaupt der fanatisch-mohammedanischen Senussi-Sekte in der Cyrenaika. Sein Profil mit der charakteristischen goldgeränderten Brille wird dort von Anhängern mit Kameldung auf alle Hauswände gemalt, aber in Tripolis schossen Gegner auf ihn. Nur in der Abneigung gegen die Fremden stimmen König und Volk überein. Mohammed Idris el Senussi haßte Mussolini und schickte Guerillaverbände gegen Rommel. Wie in allen arabischen Ländern regt sich in Libyen der Nationalismus, aber gleichzeitig mangelt es dem Land an politischer Reife. Seltsam und heiter Weltumspannendes Inserat „Sagen Sie uns, wo Sie sind, und wir befördern Sie sicher und bequem wohin Sie wollen”, inserierte die Autovermietung Hamei & Co. im Lokalblatt von Holyoke in Massachusetts (USA). Wenige Tage später bekam Mr. Hamei einen Brief: „Wir liegen 16 Meilen nördlich des 38. Breitengrades im dritten Graben rechts von der Hauptnachschubstraße in einem mäßig bewässerten Reisfeld. Bitte holen Sie uns so bald wie möglich ab.” Unterschrieben hatten 22 US-Infanteristen in Korea. Linientreues Schönschreiben Die Schrift der bulgarischen Schulkinder soll sowjetisiert werden, berichtet die Sofiaer Zeitung „Isgrew“. Das Erziehungsministerium hat angeordnet, daß im neuen Schuljahr „die senkrechten Buchstaben durch Schrägschrift nach sowjetischem Muster zu ersetzen sind“. Spezialkurse, in denen die Lehrer die neue Schreibschrift lernen, sollen demnächst eingerichtet werden Bestrafte Bürokraten Bei ekiem Sturm wurde in San Petro in Kalifornien ein toter Wal an die Küste geschwemmt, der stark in Verwesung übergegangen war. Die Mitglieder eines Klubs, der sein Gelände am Strand hat, baten den Küstenschutz, den luftverpestenden Kadaver abzutransportieren. Der Küstenschutz verwies sie an dien Bürgermeister, der sich nicht zuständig fühlte, und die Inanspruchnahme des Rettungsdienstes empfahl; der Rettungsdienst hielt die Polizei für zuständig- Die Polizei wiederum erklärte, die Sache ginge nur die „Kommission gegen Luftverseuchung“ an. Die Klubmitglieder wandten sieh noch an die Park- und Kurverwaltung, die den Anrufern riet, den öffentlichen Gesundheitsdienst in Anspruch zu nehmen. Der Gesundheitsdienst wies das Ansinnen empört zurück, da dafür der Küstenschutz zuständig sei. Daraufhin mieteten die Klubleute ein Lastauto, verbanden sich Mund und Nase, luden den Kadaver auf und stellen das Auto für jeweils eine Weile vor den Behörden, die sich als nicht zuständig erklärt hatten, ab. Stadtväter mit Herz j Im Stadtpark von Bristol gibt es eine Allee, die wegen ihrer mangelhaften Beleuchtung gern von jungen Liebespaaren aufgesucht wird. Aus der Bürgerschaft wurde dem Stadtrat von Bristol vor einigen Tagen der Wunsch unterbreitet, aus moralischen Gründen für bessere Beleuchtung zu sorgen. Unter den Stadt- vätem gab es jedoch eine mächtige Opposition, da vier von ihnen dieser dunklen Allee ihr Eheglück verdankten. Der Vorschlag verfiel daraufhin auch der Ab- j lehnung. Frieden bekam Masern Bei einem Festumzug im englischen Städtchen Strou erhielt ein Wagen mit dem Namen „Frieden“ den ersten Preis. Kurz darauf erlitt der Wagen eine Panne und mußte am Schluß des Zuges nachgeschleppt werden. Ein 14jähriges, als Friedensengel verkleidetes Mädchen mußte den Umzug vorzeitig abbrechen, weil es plötzlich die Masern bekam. Else Boyd-Smith, geborene Flach, geschiedene Carqueville, z. Z. kanadische Staatsbürgerin, steht im Mittelpunkt eines Prozesses, der demnächst in Hannover beginnen wird. Ueber die Vorgeschichte schreibt unser Sonderberichterstatter: Es begann in Helen, einem kleinen Weserort. Dort wurde Else Boyd-Smith am 8. Februar 1902 geboren. Viele der alten Einwohner des Ortes erinnern sieh noch an die kleine Else, die Tochter des Gerbermeisters Gustav Flach: Ein auffallend hübsches Kind spielt vor der Kate seiner Eltern. Es scheint ein wenig egozentrisch zu sein, und dann verblüfft noch eines: „Lü- gen-Else“ rufen die Spielgefährten, wenn sie das kleine Mädchen kränken wollen. Zwanzigjährig ging sie als Krankenpflegerin zu einem Mühlenbesitzer nach Köln, wo sich der Sohn des Hauses sofort für das bildschöne Mädchen interessierte. Er erfüllte ihr jeden Wunsch, Else durfte auf seine Kosten sogar Schauspielunterricht nehmen. Sie wurde dort später Schülerin bei Max Reinhardt. Schon hatte sie ihre ersten Rollen, u. a. im Nibelungenfllm, gespielt, da trennte sich der Mühlenbesitzer von Else. Er war es auch, der ihr bald darauf eine Stelle in Amerika vermittelte, die sie aber nie antrat. Kaum hatte sie nämlich amerikanischen Boden unter den Füßen, da beginnt ihr märchenhafter Aufstieg. Vom Fleck weg wurde sie nach Hollywood engagiert, und schon ein Jahr später brachten die Zeitungen lange Berichte und Bilder „of the beautiful Elsa“. 1929 machte sie drüben die Bekanntschaft des Millionärs Carqueville. Die Hochzeit der beiden war selbst für Amerika eine Sensation. „It’s a dream of love“ schrieb die „Daily Chicago“ unter Elses Bild, die eine der elegantesten Frauen in der anspruchsvollen New Yorker Gesellschaft wurde. Außer dem schönsten Schmuck besaß sie einen großen Sechssitzer sowie drei luxuriöse Villen in Chdkago, Los Angeles und Florida. Sogar im Hause von Hoover und Roosevelt verkehrte sie. Hatte Else schon das Deutschtum drüben ideell und materiell unterstützt, so zögerte sie auch nicht, als die Metropditan- Oper in New York vor finanziellen Schwierigkeiten stand. Und als in Deutschland eine Fahrt des „Zeppelin“ wegen Geldmangels zurückgestellt werden sollte, zahlte „El9e” die erforderlichen 50 000 Dollar für den Flug. 1932 eröffnete sie die Weltausstellung in Ghikago und begrüßte als erste, Im Namen Amerikas und aller dort wohnenden Deutschen, Dr. Eckener nach seinem gelungenen Flug. Auf eigene Kosten gab sie ein Festessen für ihn mit großem Ball, zu dem tausend Personen geladen waren. Ganz unerwartet berichtete plötzüich die Presse von ihrer Scheidung mit Carqueville. Die zweite Ehe mit dem Tenor Far- dulli dauerte nur wenige Monate. Dann heiratete Else abermals einen Millionär. Und als der Krieg ausbricht, war sie die Frau des späteren kanadischen Obersten Cyril Boyd-Smith. Im Kriege richtete Else nicht nur in vielen Städten große Heime für die Kinder von internierten Deutschen ein, sie war auch jahrelang in der Betreuung deutscher Kriegsgefangener tätig. Kaum war der Krieg beendet, trafen ihre ersten Milch- und Haferflocken-Sammlungen in Deutschland ein. Nur die wenigsten Leute wußten, daß Else Boyd-Smith es war, die ihre Idee der Schuh- und Kleidersammlungen bei dem ehemaligen Präsidenten Hoover in die Tat umsetzte, die später unter dem Namen „Hoover-Spende“ bekannt wurden. 1947 wurde ihr Mann Abteilungsleiter bei der JEIA in Frankfurt am Main. Else nutzte das, zunächst noch, zum Vorteil für ihre deutschen Bekannten aus. Neben Penicillin-Beschaffungen aus Kanada, die manchem Kranken das Leben retteten, verschenkte sie den größten Teil ihres Lebensmittel-Kontingents an Flüchtlinge. Mancher Heimkehrer wurde von ihr mit Bekleidung und Geld ausgestattet. Dann aber begann der, man könnte fast sagen, tragische Abstieg im Leben dieser seltsamen Frau. Ihr Sekretär war eines Tages mit dem gesamten verfügbaren Vermögen verschwunden, einschließlich des wertvollen Schmuckes. Der Ehemann, gerade nach Amerika zurückgekehrt, 'kümmerte sich nicht mehr um seine Frau. Else, seit mehr als zwanzig Jahren gewohnt, die Dollarprinzessin zu spielen, führte aber trotz veränderter Verhältnisse ihr bisheriges Leben weiter. Schon nach kurzer Zeit wurde sie von der Schweizer Kriminalpolizei gesucht, da sie, vor allem in Zürich und Lugano, über 10 000 DM Schulden gemacht hatte. Mit dem Hinweis auf ihre Beziehungen zur JEIA prellte sie Firmen, vor allem in Hameln, um Tausende von D-iMark. Das Geld für die angeblichen Lieferungen mußte sofort gezahlt werden, aber die Ware traf niemals ein. Mrs. Boyd-Smith trat in verschiedenen Städten als Beauftragte der Firma Mont- gamery-Ward auf und schädigte Geschäftsleute, denen sie ihre Pässe und Dienstsiegel vorwies... In Baden-Baden schädigt sie einen Mann um 2696 Mark, nachdem sie in Bad Pyrmont einen Pelzkaufmann um einen Rechnungsbetrag von rund 1000 Mark betrog... In Homburg und Schweden prellt sie Hotels um namhafte Summen; in Wiesbaden hinterläßt sie eine Schuld von 1600 Mark, und in Hannover unterschlägt sie unter anderem einem Gastwirt Schmuck im Werte von 12 000 D- Mark ... Einer große«' westdeutschen Firma bot sie an, 40 000 Paar Schuhe in den Empire-Kolonien abzusetzen. Sie verlangte eine Provision von 30 000 Mark. Zweimal verhaftet und wieder entlassen flüchtete sie zwischendurch nach Oesterreich. Nach ihrer Rückkehr nannte sie sich plötzlich wieder Carqueville, machte Reisen in gemieteten Kraftwagen über Tausende von Kilometern, die nicht bezahlt wurden. Bis sie eines Tages freiwillig auftauchte, um Einspruch gegen eine Zwangs- hvpothek auf ihre Villa an der Weser zu erheben. Da faßte die Polizei zu und setzte sie hinter Schloß und Riegel. Der Prozeß wird Klarheit in das Leben und Treiben dieser verwegenen Dollarprinzessin bringen. Wird Pieren das 119. Kabinett bilden ? Von der längsten Regierungskrise ton Nachkriegsfrankreich Rene Pleven, soeben mit 77 Stimmen über die nach der Verfassung erforderliche absolute Mehrheit hinaus von der Nationalversammlung als Ministerpräsident investiert, wird möglicherweise nach fünfwöchiger Krise die erste Regierung nach den Juni-Neuwahlen bilden können, nachdem er die erste Abstimmungshürde mit Erfolg hinter sich gebracht hat. Pleven, 50 Jahre alt, in der Bretagne geboren, Sohn eines Lehrers an der berühmten Militärakademie von Saint Cyr, ist Jurist und Wirtschaftler, war vor dem Kriege in England als Industrieller tätig und wurde zu Beginn des Krieges zur Förderung der alliierten Flugzeugproduktion nach den USA geschickt. Dann arbeitete er in der Exilregierung und auch nach dem Kriege eng mit de Gaulle zusammen. 1949 wurde er im Kabinett Bidault Verteidigungsminister und bald darauf Ministerpräsident. In dem darauf folgenden Kabinett Queuille, das auf eine Verfassungsreform zur Vereinfachung der Investitur des Ministerpräsidenten, auf eine Wahlreform und auf Neuwahlen ausging, war er einer der drei stellvertretenden Ministerpräsidenten. Queuille hat aber nur die Wahlreform und Neuwahlen erreicht. So mußte nach den Neuwahlen im Juni das alte Verfahren für die Regierungsbildung angewandt werden: Der Staatspräsident nominiert einen Ministerpräsidenten. Nimmt dieser an, so muß er sich mer Nationalversammlung zur Investitur stellen. Hat er hierbei eine absolute Mehrheit auf sich vereinigen können, so bildet er sein Kabinett, das abermals durch das Parlament bestätigt werden muß. Wie man sieht, ein etwas komplizierter Vorgang. Als Pleven im März 1061 als Ministerpräsident zurücktrat, weil das geplante Wahlreformgesetz, das den erwarteten Machtzuwachs von Kommunisten und Gaullisten zurückdämmen sollte, nicht durchging, dauerte die Regierungskrise nur neun Tage. Erst lehnte Pleven ab; dann gaben auch Bidault und Queuille den Auftrag zurück. Der Sozialist Mollet fand keine Zustimmung des Parlaments für seine Investitur. Schließlich brachte Queuille ein Kabinett zustande. — Nach den Wahlen, von denen man sich eine Vereinfachung der Regierungsbildung erhofft hatte, dauerte die Regierungskrise fünf Wochen. Zunächst hatte der bisherige Ministerpräsident Queuille abgelehnt, dann Finanzminister Petsche, schließlich Außenminister Schuman. Justizminister Rene Mayer stellte sich zur Investitur, doch fehlten ihm 74 Stimmen zur absoluten Mehrheit, vor allem aus den Reihen der christlichen Demokraten, da er den Sozialisten Zugeständnisse in der Frage der — von diesen nicht gewünschten — konfessionellen Schulen gemacht hatte. Dann lehnte der stellvertretende Ministerpräsident Bidault den Auftrag des Präsidenten Auriol ab. Auch Reynaud, der weder mit einer wohlwollenden Duldung der Gaullisten rechnen konnte, jedoch mit dem schärfsten Mißtrauen der Sozialisten rechnen mußte, kam nicht zum Ziel. Noch einmal wurde Petsche betraut, stellte sich zur Investitur, doch fehlten ihm immerhin 33 Stimmen zur absoluten Mehrheit: diesmal vor allem sozialistische Stimmen, da er den christlichen Demokraten in der Schulfrage zu weit entgegengekommen war. Als letzten Trumpf spielte Staatspräsident Auriol dann Rene Pleven aus, dem es tatsächlich gelang, 77 Stimmen über die absolute Mehrheit hinaus in der Nationalversammlung zu erreichen und der nun an die Zusammenstellung seines Kabinetts gehen kann. Für ihn stimmten auch die Sozialisten und die Radikalsozialisten, obwohl beide Parteien sich nicht an der Regierung zu beteiligen gedenken. Das bedeutet, daß Pleven, selbst, wenn sein Kabinett der Mittelparteien vom Parlament bestätigt werden sollte, bei keiner seiner Regierungsmaßnahmen mit einer sicheren parlamentarischen Mehrheit würde rechnen können. / / !I ml M5l rU. • ‘IjS Samstag, 11. August 1951 SÜDKURIER Nr. 124 / Seite 4 Bochrhein-Ansban eine enropaiscbe Aufgabe Rheinschiffahrtsverband zum „Fall Rheinau“ — Kraftwerk für Baden lebenswichtig Vom Rheinschiffahrtsverband Konstanz Wird dem , .Südkurier“ geschrieben: „In der Schweiz will die Diskussion um den Bau de« Kraftwerkes Rheinau nicht verstummen. Obwohl erst vor wenigen Wochen sich alle verantwortlichen Behörden des Bundes und des Kantons Zürich und Schaffhausen gegen die übertriebenen Auffassungen und Forderungen von Natur- und Heimatschutz eindeutig und überzeugend ausgesprochen und die Zusage gemacht haben, können es gewisse Kreise nicht unterlassen, ihre oppositionellen Vorstöße fortzusetzen. Deutschland, insbesondere das Land Baden, verfolgt mit großer Besorgnis diese Vorgänge in der Schweiz. Es ist unverständlich, daß hier um ein Projekt von solch hohem volkswirtschaftlichem Nutzen eine Diskussion entfacht wird, bei der die behaupteten Nachteile in gar keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hinter dieser Aktion schiffahrtsfeindliche Kreise stehen. Auch die badische Staatsregierung hat sich vor kurzem gegenüber der Schweiz ganz eindeutig auf den Standpunkt 'gestellt, der der einzig mögliche für sie ist, daß sie auf den Ausbau der Hochrheinkraftwerke keinesfalls verzichten kann und an der Erschließung des Hochrheins zur Großschiffahrtsstraße ganz besonders interessiert ist. Sie hat die Erwartung ausgesprochen, daß die Schweiz nach wie vor zu ihrem im Staatsvertrag mit Baden im Jahre 1929 gegebenen Versprechen steht und die Bestrebungen um den Hochrheinausbau unterstützt. Einmal ist für das energiearme Baden der Kraftwerksbau von lebenswichtiger Bedeutung und zum anderen braucht die deutsche Wirtschaft am Hochrhein und im Bodenseegebiet den Anschluß an die Rheinwasserstraße, um sich entwickeln zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben. Schließlich halten wir eine Diskussion um das Kraftwerk Rheinau allein deshalb für überflüssig, weil es sich nicht nur um deutsche lebenswichtige Interessen handelt, sondern weil auch die uns benachbarten Länder Oesterreich wie die Schweiz von der Erschließung der SchiffahrtsSlener-Erslallnng für Heimkehrer In der Ausgabe des „Südkurier“ vom 1. August 1951 Nr. 118, berichteten wir darüber, daß alle Heimkehrer aus Kriegsgefangenschaft oder Internierung, ganz unabhängig vom Zeitpunkt der Entlassung, für das Jahr 1948 einen Antrag auf Steuerrückvergütung stellen können. Voraussetzung ist hierbei jedoch, daß das Einkommen im ersten Halbjahr 1948 den Betrag von 1590 Reichsmark nicht überstiegen hat. (Der in unserem Artikel genannte Betrag von 1200 Reichsmark Einkommen erhöht sich noch um die Pauschbeträge für Werbungskosten und Sonderausgaben mit der Summe von 390 Reichsmark.) Für Kriegsversehrte, denen noch ein besonderer steuerfreier Pauschbetrag je nach dem Grad der Versehrtenstufe zusteht, erhöht sich die Einkommensgrenze weiterhin. Für Kriegsversehrte dürfte sich eine vorherige Beratung beim zuständigen Finanzamt empfehlen. Die entsprechenden Formulare zur Antragstellung werden von den Finanzämtern sowohl für die zur Einkommensteuer Veranlagten als auch für lohnsteuerpfldchtige Arbeitnehmer ausgegeben. Die Arbeitnehmer müssen hierbei eine Bescheinigung des Arbeitsgebers über den im ersten Halbjahr 1948 bezogenen Verdienst, sowie über Lohn- oder Gehaltsbezüge und einbehaltene Steuern im zweiten Halbjahr vorlegen. Außerdem sind dem Antrag die Entlassungspapiere aus der Kriegsgefangenschaft usw., beizufügen. straße den gleich hohen volkswirtschaftlichen Nutzen erwarten. Es handelt sich somit um ein internationales Projekt, das nach unserer Meinung von einer Gruppe wirklichkeitsfremder Leute, die in ihrem unverständlichen Eifer glauben, eine Mission erfüllen zu müssen, nicht unterbunden werden darf. Zum Teil muß man geradezu am guten Glauben der Opponenten zweifeln, da in völlig entstellter Weise behauptet wird, der Rheinfall würde durch das Rheinauprojekt in seiner Naturschönheit gefährdet. Rheinau liegt 7 km unterhalb des Rheinfalles. Das im einzelnen mit dem Projekt nicht vertraute Publikum glaubt aus dem Kampfe entnehmen zu müssen, daß die Wasserkraft und Wassermenge des Rheinfalles durch das Projekt gemindert würde. Das ist geradezu eine Irreführung. Der Rheinschiffahrtsverband Konstanz e. V. und mit ihm die Handelskammern Konstanz, Lindau, Ravensburg und Schopfheim, sowie weite Kreise der Wirtschaft im Hochrhein- und Bodenseegebiet haben es sich zum Ziele gesetzt, ihren ganzen Einfluß geltend zu machen, um entgegen allen Widerständen den wahrhaft europäischen Plan der Schiffbarmachung des Hochrheins von Basel bis zum Bodensee zu verwirklichen.“ Unser „von der Sonne geküßtes Land“ sagen 2,5 Millionen Weiße, die die Südafrikanische Union neben 10 Millionen Schwarzen und Farbigen bewohnen. Ja: Südafrika ist Sonne, ist unendliche Weite, ist Raum für schnelles unbehindertes Wachstum. Südafrika ist Gold. Unmittelbar und mittelbar lebt die Hälfte der Bevölkerung immer noch vom Gold, vom Gold Johannesburgs, das aus dem Witwatersrand, einem Streifen von etwa 150 km Länge und wechselnder Breite gefördert wird. Vor 65 Jahren erst wurde die Stadt gegründet, die heute mit ihren imposanten Hochhäusern mehr an Manhattan erinnert, als an London. Gold im Wert von 2 Milliarden Pfund Sterling hat hier die Erde bisher hergegeben. Aber in diesem Land des Goldes, der Sonne und des unendlichen „Veldt“ bilden die Weißen eine Minderheit und wollen doch die Herren im Hause bleiben. Sie wollen keine Beschränkung ihrer Herrenrechte in diesem Land zulassen, das sie sich in schweren Kämpfen untertan gemacht haben. Weiß und Schwarz heißt in Südafrika: Herr und Knecht. Und dabei soll es nach dem Willen der Buren bleiben. Aber die Weißen wissen sehr wohl, daß die Politik der „Apartheid“, der Ahschließung, auf die Dauer nicht ge- Karzinelduigen Die mit Wirkung vom 20. Juli in Kraft getretene Verteuerung für Eisen und Stahl, die im Durchschnitt für alle Walzwerks-Erzeugnisse nicht höher als 50 DM je Tonne sein darf, muß als „Kostenausgleich“ in einem besonderen Anhängeverfahren gesondert in Rechnung gestellt sein. Der Erfolg der Schrottsammelaktion beruhe nach Ansicht der Schrottwirtschaft maßgeblich auf besseren Preisen; ein erhöhtes Schrottaufkommen hänge nicht zuletzt von dem kleinen Sammler auf der Straße ab, „der ein feines Gefühl für das Preisniveau habe“. Bundesverkehrsminister Seebohm hat dem Bundestag mitgeteilt, daß es trotz großer Schwierigkeiten gelungen ist, dem vom Bundestag gefaßten Beschluß über den Ausbau der Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanals annähernd nachzukommen. Das österreichische Sozialmdnisterium bereitet gegenwärtig den Entwurf eines Arbeiteraustaiusch - Vertrages mit der Deutschen Bundesrepublik vor, durch den der Austausch von deutschen und österreichischen Arbeitern zur wechselseitigen Ausbildung in Betrieben der beiden Länder geregelt werden soll. Das europäische Kohlendeflzit wird für das letzte Quartal 1951 auf 11,5 Millionen Tonnen veranschlagt. Das Defizit für das dritte Quartal 1951 beträgt 9 Millionen Tonnen Kohle und 2,5 Millionen Tonnen Koks. nügt, daß es darauf ankommt, mehr Europäer ins Land zu holen. Die Union will ihre Tore in den nächsten Jahren weit öffnen. 25 000 Facharbeiter sollen jetzt allein in Westdeutschland für die Einwanderung nach Südafrika angeworben werden. Für Vertriebene, die in der Bundesrepublik keine richtige Arbeit finden können, ein verlockendes Angebot, für unsere Industrie, die vielfach schon an Facharbeitermangel leidet, eine gewisse Gefahr. Aber nicht nur für die Goldbergwerke und die Diamantenindustrie sollen europäische Facharbeiter gewonnen werden. Die Union will zur Werkstatt Afrikas werden. Die Industrialisierung des Landes hat durch den Krieg eine gewaltige Beschleunigung erfahren. Sie findet in den Rohstoffvorkommen ausgezeichnete Voraussetzungen. Außer Gold und Diamanten sind in der Union große Eisenerz-, Kohle- und Manganerzlager vorhanden. 60 km südlich von Johannesburg, in Vanderbijl Park, entsteht jetzt die modernste Stadt des Landes, und ringsum wachsen Eisenhütten und Stahlwerke in die Höhe. Neben der Metallindustrie wird auch die Nahrungsmittel-, Textil- und chemische Industrie ständig ausgebaut. Südafrika steht im Zeichen industriellen Aufschwunges. Dr. W. P. Neuland des industriellen Aufschwungs Südafrika braucht Facharbeiter — Nicht nur Land des Goldes und der Diamanten ScT© ix^pretona Johannesburg 8TQ w“ Betschuana Land Swafcopmund Walfisch t :UDWJST- Windhuk Lüde refermcG 0 emfontem &Jndufiriegeb. □ -Städte mit über 100000 Einw. ® Gold Q Kohle Q Diamanten © Eisenerz B Basuto-Ld. 5 Swazi-Ld. Durbanast London ~ Pt. Elisabeth Schweizerischer Weinbau auf neuen Wegen Verbraucher erzwingen Umstellung — Arbeitermangel führt zur Mechanisierung Der schweizerische Weinbau ist unter dem Druck der veränderten Ansprüche des Verbrauchers seit etwa zwei Jahrzehnten in einer bemerkenswerten Umstellung begriffen. Sie besteht hauptsächlich in der Zusammenlegung der Rebberge, der Verbesserung der Qualität und dem Uebergang vom Weiß- zum Rotwein. Wo früher der Rebbesitzer acht bis zehn über den ganzen Gemeindebann verstreute Parzellen mühsam bearbeiten mußte, besitzt er heute ein zusammenhängendes Rebgelände, auf dem die Arbeit weitgehend mechanisiert werden kann. Fremde Arbeitskräfte sind fast keine mehr aufzutreiben, und die Söhne und Töchter der Bauern bleiben nur, wenn die schwere Arbeit am Boden verlockender gemacht werden kann als Fabrik- und Büroarbeit. Beispiele für die Mechanisierung sind genossenschaftlich errichtete zentrale Spritzanlagen mit fest verlegten Bodenleitungen und Anzapfstellen im Weinberg. Im Vergleich zur Rückenspritze wird die Arbeit in einem Viertel der Zeit und mit viel geringerer Mühe durchgeführt. Bei der Umlegung der zerstückelten Rebpar- zellen kommt die Traditionsgebundenheit der Weinbauern mit den Erfordernissen rationeller Bewirtschaftung in Konflikt, und es bedarf meist jahrelanger Bemühungen, um diese verständlichen psychologischen Hemmungen zu überwinden. Die Qualitätsverbesserung besteht in der Veredlung der Reben, der Anpflanzung besserer Sortn. Beim Weißwein wird der Elbling durch die beliebtere Sorte Riesling-Sylvaner ersetzt, beim Rotwein findet die beliebte Blaue Burgundertraube immer weitere Verbreitung. Die entscheidenden Fortschritte verdankt man den Preisabstufungen je nach der in Oechslegraden ausgedrückten Weinqualität. Von größter Bedeutung aber ist die Umstellung von Weiß- auf Rotwein, der schon als solcher bedeutend höhere Preise erzielt. Der Schweizer trinkt fünfmal mehr Rot- als Weißwein, bei der ErzeuJ gung aber ist das Verhältnis gerade umgekehrt. Das hat zur Folge, daß enorme Mengen Rotwein aus Italien, Frankreich^ Spanien, Algier usw. eingeführt werden,' während der Absatz des einheimischen Weißweines alljährlich die größten Schwierigkeiten bereitet. Der Uebergang benötigt natürlich geraume Zeit. Immerhin ist beispielsweise in dem dem Lande Baden benachbarten Klettgau das Ver. hältnas zwischen Weiß und Rot, das vor 50 Jahren noch 70:30 betrug, heute bei 15:85 angelangt. Diese Anstrengungen dienen gleichermaßen dem Weintrinker wie der Landwirtschaft seihst. Die Erhaltung auch der kleinen Weinbauernbetriebe ist ein wichtiges soziales und gesellschaftliches Pro- blem. Oft erbringen in Jahren schlechten Ertrags des Obst- und Ackerbaus die Reben eine teilweise ausgledchende überdurchschnittliche Traubenernte. Für viele Arbeiter und Angestellte bildet er als Nebenerwerb eine Erleichterung der Existenz, besonders bei Teilarbeitslosigkeit Allzu oft wird dem Konsumenten, namentlich in den Städten, die Freude am guten Wein freilich durch übersetzte Ausschankpreise vergällt. A. G. Zuviel Lagenamen Neustadt (Weinstraße). Auf dem großen pfälz. Weinbautag forderte der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes Graf Matuschka-Greiffenclau, erneut die Einschränkung der „ungezügelten Weineinfuhr“. Zum Teil lagerten aus der 50er- Ernte noch 40 bis 50 e /o unverkaufte Bestände. Die Erfahrungen beim Export hätten gezeigt, daß eine Vereinfachung der Lagenamen und die Einführung von Großlagenamen erforderlich seien. Gegenwärtig gebe es im Bundesgebiet 310 000 verschiedene Lagenamen. Börsenbarometer anf „Schonwetter 44 Knappes Angebot — Kurssteigerungen trotz Materialknappheit und Absatzsorgen Hamburg. Die Aufwärtsbewegung an den deutschen Aktienmärkten setzte sich auch in der vergangenen Woche fort und hat den Charakter einer anhaltenden Hausse angenommen. Der Ultimo ist beinahe spurlos vorübergegangen, nachdem der von den üblichen Glattstellungen und Gewinnmitnahmen sonst ausgehende Kursdruck durch die unverminderte Nachfrage aufgefangen worden ist. Das Börsenbarometer steht unentwegt auf „Schönwetter“. Noch hat es keine Gewitterstörungen gegeben. Das knappe Angebot und die Tatsache, daß die herauskommende Ware meist in feste Hände kommt, hat dazu beigetragen, das Tempo zu beschleunigen, so daß auch manchem routinierten Börsianer bei den Kurssteigerungen der letzten Zeit; der Atem stockte. Nach wie vor standen Montanwerte im Mittelpunkt der Nachfrage, wenn sie auch nicht mehr allein das Feld beherrschten. Die Bewegung ist wesentlich in die Breite gegangen und erfaßte während der Berichtszeit weitere Marktgebiete. Die Kurssteigerungen am Montanmarkt waren nicht mehr ganz so stürmisch und gleichmäßig, und es gab während der Woche auch Stunden, in denen eine gewisse Abgabeneigung unverkennbar war. €>ie immer wieder auftretenden Kaufaufträge bewirkten jedoch, daß sich die Realisationen nicht in Kursabschwächungen niederschlugen. Mancher Fachmann aus der Industrie oder dem Handel schüttelt den Kopf über die Börsenentwicklung; sie müßte seiner Anschauung nach gerade entgegengesetzt laufen, so sehr bedrücken ihn die Sorgen um Absatz bzw. Kohle- und Materialversorgung. Es werden in der Tat die vorhandenen retardierenden Momente an den Börsen gegenwärtig überhaupt nicht beachtet. Man denke hier nur an das Haushaltbudget, die Aufbringung der erhöhten Steuern und den Lastenausgleich, der sich nicht länger hinausschieben läßt. Yieh- und SdiuimnemSrkt 0 Ueberlingen. Auf dem Ferkelmarkt vom 8. August betrug die Auffuhr 93 Stück. Preise: 60—85 DM das Paar. Bei kleinem Ueberstand war der Handel etwas ruhig. H i 1 z i n g e n. Am 3. August wurden 78 Ferkel aufgetrieben, die alle abgesetzt werden konnten. Preise pro Paar 60—100 DM. Schopfheim. Der Schweinemarkt am 8. August stand wiederum im Zeichen des Preisabschlags. Trotzdem war der Absatz der 82 auf- getriebenen Schweine nur mäßig. Es blieb wieder ein größerer Ueberstand. Die DM-Preise für 5 Wochen alte Schweine 25—30, 6 Wochen alte 35, 7 Wochen alte 40, 8—9 Wochen alte 45, 10 Wochen alte 55, 12 Wochen alte 70—80 je Stück. Stuttgart. Wegen zu geringer Anlieferung fand am 9. August keine Marktpreisnotierung statt. Frei bürg. In der Woche vom 1. 8. bis 7. 8. wurden aufgetrieben 28 Ochsen, 21 Bullen, 69 Kühe, 32 Rinder, 190 Kälber, 54 Schafe, 472 Schweine. Im gleichen Zeitraum wurden abgetrieben 3 Ochsen, 2 Bullen, 13 Kühe, 6 Rinder, 9 Kälber, .7 Schafe, 136 Schweine. Ueberstand von 3 Ochsen, 1 Bullen, 1 Kuh, 6 Rinder, 42 Schweine. Die Preise betrugen in DM je 100 kg Lebendgewicht: 150—196 für Ochsen, 176—200 für Bullen, 130—176 für Kühe, 180—220 für Rinder, 180—270 für Kälber, 160 für Schafe, 254 bis 256 für Schweine. Marktverlauf: flott. CafixSpin schmerzlindernd und anregend BAYER Geheimnis um Jan Roman von 17) Gertrud v. Brockdorff „Mach halben sie auch gefragt.“ „Dich? — Ach so... ja... natürlich. — Alber was hast du denn da unter der Schürze?“ „Nichts. — Das beißt: nur deinen Schal... den Schal mit den grünen Karos.. „Das ist nicht mein Schal...“ „Doch. Als ich dein Zimmer das erstemal zur Nacht richtete, hat er hier über der Stuhllehne gehangen.“ „Trotzdem gehört er mir nicht Ich hatte meinen vergessen, und Frau de Boor hat ihn mir geliehen, bis ich mir am nächsten Tag einen neuen kaufte. Wie bist du denn dazu gekommen?“ „Ich... habe ihn gefunden.“ „Dann mußt du ihn Frau de Boor zurückbringen.“ „Frau de Boor kann den Schal nicht verloren haben“, sagte ich langsam. „Sie war ja die ganze Zeit ihres Fußes wegen nicht aus dem Haius.“ Ich atmete tief. „Ich habe den Schal oben bei der Hütte gefunden.“ Rainer richtete sich auf und sah mich an. „De Boor wird ihn da oben getragen haben“, sagte er endlich. „Jan trug nie einen Schal. — Das ist es Ja gerade.“ Er starrte mich an. „Du hast gemeint ich wäre bei ihm oben gewesen?“ „Ja. — Aber wenn du den Sc h al an Frau de Boor zurückgegeben hast, dann muß es eben ein anderer gewesen sein.“ „Ja...“ sagte er und senkte den Blick. „Man muß Frau de Boor fragen, was es mit diesem Schal auf sich bat Man müßte ihr sagen: ...“ Er hatte sich erregt aulgerichtet und sank gleich wieder zurück. »Nein“, sagte er. Jlch tue es nicht. Es ist nicht meine Aufgabe. Ich will nichts mit dieser Sache zu tun haben.“ „Was soll ich nun mit dem Schal anfangen?“ fragte ich. „Ich habe Herrn Lang- kafler noch nichts davon gesagt, weil ich damals nicht daran dachte. Soll ich auch weiterhin schweigen?“ „Das mußt du halten, wie du es mit deinem Gewissen vereinbaren kannst...“ Seine Augen waren venschattet und kamen mir ganz fremd vor; sie erinnerten mich an die Augen van Frau Marescot, als sie neulich Angst gehabt hatte. „Du mußt so handeln, wie du es für richtig hältst” „Richtig? Wer kann wissen, was in diesem Fall richtig ist! Alles ist ©o unheimlich und rätselhaft. Weißt du übrigens, daß sie schon davon reden, Jan könnte . . . ermordet worden sein?” „Sie reden also schon davon? Nun ja! Ich dachte es mir . . .“ Er war wieder zurückgesunken und hatte die Augen geschlossen. „Eine gräßliche Geschichte!“ sagte er. „Aber für dich sieht die Sache vielleicht anders aus. Du stehst auf einmal im Mittelpunkt einer Sensation, und Sensation ist auf alle Fälle eine gute Reklame. Wenn du wirklich die Absicht hast, zum Theater zu gehen, kann sie dir sicher nützen.“ „Ich will nicht, daß sie mir nützt!“ rief ich; denn der verhaltene Spott in seiner Stimme erbitterte und reizte mich. „Ich will nur, daß die Wahrheit herauskommt!“ „Dann sag es doch um Gottes willen der Polizei! Sicher bekommst du schon in den nächsten Tagen Gelegenheit dazu; denn als Hauptzeugin wird man dich ja wohl noch öfter verhören.“ Obwohl seine Stimme ganz ruhig klang, merkte ich ihm doch an, daß er erregt war und daß er keineswegs wünschte, ich möchte der Polizei gegenüber von dem Schal sprechen. jMrinst du, die Polizei bringt die Wahrheit unter allen Umständen heraus?“ fragte ich Und als hätte er mir verboten, von dem Schal zu reden, fügte ich hinzu: „Ich sage lieber nichts davon. Vielleicht läßt sich alles ganz harmlos erklären. Zum Beispiel kann Jan etwas in den Schal eingewickelt haben.“ „Das ist natürlich möglich.“ Rainer ergriff begierig die Gelegenheit, der Sache diese Wendung au geben. „Wahrscheinlich hast du recht: du würdest nur etwas aufrühren, was viel Lärm machen und doch au nichts führen würde.“ „Gut“, sagte ich. „Dann bleibt es also dabei. Warum glaubst du übrigens, daß man mich noch öfters verhören wird... ? Ich habe Langkofler alles gesagt, was ich wußte...“ „Du sagtest doch selbst, es würde von Mord geredet... Oder denkst du, man würde einfach zu Protokoll nehmen, wenn ein Mann wie Jan de Boor verschwindet?“ Es kam mir sonderbar vor, wie er das sagte, aber vielleicht war es noch sonderbarer, daß wir beide während dieser ganzen. Unterhaltung von Jan wie von einem Toten gesprochen hatten und daß ich ihn mir andererseits nicht so denken konnte. Obwohl ich als erste auf den Gedanken gekommen war, ihm müßte etwas zugestoßen sein, und die ganze Geschichte „aufgerührt hatte“, wie Rainer sagte, war er für mich noch immer lebendig, und alles andere schien unvorstellbar. „Woran denkst du, Karie?“ Aber ich mochte ihm nicht sagen, woran ich gedacht hatte. „Man wird ihn also suchen“, sagte ich. „Und wenn sie ihn nicht finden?“ „Es wird wohl eine bestimmte Zeit verstreichen müssen, ehe Frau de Boor den Antrag stellen kann, ihn für tot erklären zu lassen.“ Dann kam sie also Gabussi auch nicht früher heiraten“, bemerkte ich unbedacht Ich weiß selber nicht was mich dazu gebracht hatte, davon zu sprechen; vielleicht war ich nur durch eine zufällige Gedankenverbindung darauf gekommen, Frau de Boor würde die Verzögerung unangenehm sein. Die Heftigkeit mit der Rainer auf meine Worte reagierte, kam mir ganz unerwartet. „Wae sagst du da?“ Er umklammerte mein Handgelenk, daß es schmerzte. „Heiraten? Gabussd? Wer ist das überhaupt?“ Dun... dieser Geiger von der Tanzkapelle. Er liebt Frau de Boor. Aber du weißt es ja selbst. Du hast es doch damals beobachtet... damals hinter dem Fenstervorhang.“ Nie hatte ich Rainers Augen so gesehen! Er war vor mär zurückgewichen und schien völlig fassungslos. ,Das ist unheimlich!“ sagte er. „Hast du mir etwa nachspioniert?“ „Ich wartete jeden Abend auf dich. Ich war immer unglücklich, wenn ich dich für ein paar Stunden nicht sah...“ Ich fühlte deutlich, wie weit er sich in den letzten Minuten innerlich von mir entfernt hatte, und ich wollte ihn so gern zurückholen. ,Rain er...“ sagte ich leise, .kannst du das mit Jan nicht vergessen? Du bist mir deswegen böse... ich weiß; es ist seitdem zwischen uns nicht mehr so, wie es vorher war...“ Erst mitleidig blickte er mich an. „Weißt du denn so genau, wie es vorher war? Weißt du das wirklich?“ „Ich weiß, daß wir sehr glücklich waren“, sagte ich, aber während ich es aussprach, schien es mir schon nicht mehr sicher, daß wir beide glücklich waren. Konnte es nicht sein, daß ich allein glücklich gewesen war und mir eingebildet hatte...? Aber nein, daran wollte ich nicht denken! „Wir lieben uns doch...“ flüsterte ich angstvoll, „das hatte nichts mit Jan zu tun... nicht das geringste! Wäre Jan am Leben geblieben, dann hätte ich ihm alles gesagt, und er hätte mich verstanden. Du mußt jetzt gut zu mir sein, Rainer!“ Ich schmiegte mich an ihn; ich suchte bei ihm Hält, und er küßte mich. ,Du darfst mir nicht mehr böse sein, Lieber!“ „Nein, nein, ich bin dir nicht mehr böse“, sagte er und nahm mich in seine Arme. Alles war gut. Erst vierundzwanzig Stunden später sollte ich erfahren, daß nichts gut gewesen war. * Am nächsten Morgen traf die Unter- suchungskommdssion aus München ein und am Nachmittag wurde ich zum zweitenmal verhört. Zunächst handelte es sich im wesentlichen um die gleichen Fragen, die mir Herr Langkofler vorgelegt hatte, und ich beantwortete sie auf dieselbe Weise. Wenn mir dies Verhör trotzdem grundlegend anders zu sein schien als das frühere, so lag es wahrscheinlich an der Persönlichkeit des Kriminalkommissar». Er war ein schmaler, grauhaariger Mensch mit einem bleichen, scbarfgeschnittenen Gesicht und einer Nase, die wie der Schnabel eines Adlers aussah. Er sprach ruhig und höflich und schien über meine Beziehungen zu Jan sehr genau im Bilde zu sein. Während er mich aufmerksam betrachtete, bat er mich, ihm von meiner letzten Begegnung mit Jan zu erzählen. Damals wäre die Hütte doch schon in seinem Besitz gewesen, und er hätte bereits begonnen gehabt, sie einzurichten. „Bestand für Herrn de Boor ein besonderer Grund, das Hotel zu verlassen und in die Hütte zu ziehen?“ „Ja. — Er konnte hier im Hotel nicht arbeiten. Und in München auch nicht. Er meinte, es würde dort oben besser gehen.“ Da® läßt sich hören. Und sonst?“ Ich blickte ihn fragend an. Da war doch noch ein anderer Grund, der Ihnen zweifellos bekannt ist“, sagte der Kommissar. „Herr de Boor hatte zwei Betten in die Hütte schaffen lassen, obwohl zunächst nur eins aufgestellt wurde, und alles in größter Eile für einen Zwei- Personen ^Haushalt hergerichtet. Nun?“ Ich atmete tief. „Er wollte da oben mit mir zusammen leben.“ Etwas in seinem Gesicht ließ mich hdnzufügen: „Er wollte mich heiraten.“ (Fortsetzung folgt) Samstag, 11. August 1951 Nr. 124 / Seite 5 Unterhaltung^ ^etlage Dreimal um die Erde in 80 Stunden ... Graf Lobkowitz versteckt sein Schloß Heitere Geschichte von Cosmus Flam Vorgestern anzukommen, wo er gestern abflog, das wird vielleicht bald eine Tragikomödie im Leben des Atomkraftpiloten werden. Schon taucht die Möglichkeit des Flugzeugs mit Atomkraftantrieb im offiziellen Halbjahresbericht der amerikanischen Atomenergiekommission gleichsam als etwas durchaus Selbstverständliches auf. Und der Leser erfährt beiläufig, daß ein solches Flugzeug imstande sein wird, in einem einzigen Nonstopflug die Erde mehrere Male zu umkreisen. Der gute alte Jules Verne, dessen abenteuerlich utopische Romane die Großväter der Knaben von heute begeisterten, hätte sich so etwas nicht träumen lassen. Er starb im Jahre 1905 und erlebte als alter Mann gerade noch die Verdunkelung seiner Phantasien durch das Aufleuchten einer Wirklichkeit, die unserem Jahrhundert den Charakter des technischen Zeitalters gebracht hat. Er wird mit einem resignierten Lächeln eingesehen haben, daß seine einst so aufregende „Reise um die Erde in 80 Tagen“ in Wahrheit ein Berechnungsergebnis aus der absterbenden Postkutschenepoche war. Der Atomkraftpilot wird für den Flug dreimal um die Erde vielleicht nur 80 Stunden brauchen. Wenn er, der Drehung der Erde entgegen, in westlicher Richtung dem Lichte „vorausfliegt", so wird er datumstheoretisch früher ankommen, als er abflog. Er wird tatsächlich in ein Gestern hineinfliegen. Trotzdem wird er dabei natürlich um genau die Zeit älter werden, die er In den letzten Jahren hat eine lebendige Beschäftigung mit Mörike eingesetzt, bedeutsame Werke sind erschienen, die Wesen und Werk des Dichters auf neue Weise auszudeuten versuchen. Es liegt im Sinne unserer Zeit, vor allem vom Geistesgeschichtlichen und Problematischen her tiefer in die Welt des Dichters einzudringen. Das ist richtig, aber doch nur zum Teil. Mörike war in einem besten Sinne Gelegenheitsdichter und weit davon entfernt, sein Schaffen literarisch oder gar als Beruf aufzufassen. Vielfach den Nachtseiten des Lebens ausgeliefert, war Mörike zugleich ein bedeutsamer, sonniger, humoriger Sinn für die klaren, runden Lebenswirklichkeiten eigen. Auge und Hand sind bei ihm gleichzeitig Es hatte begonnen, wie es fast immer beginnt, mit Blichen und Blumen und scheuen Worten, mit Händedrücken und Briefen, und dann kam ein Kuß. Dann kam ein Stelldichein und wieder ein Kuß. Sie sagten, daß sie einander liebten, sie schrieben es auch. Es kamen mehr und andre Küsse und mehr Blumen, das heißt, die Blumen kamen immer von ihm, und sie nahm sie an. Die Küsse kamen zwar auch von ihm, aber die gab sie ab und zu zurück. Es war Wie eine Liebesgeschichte. Sie hatten von Liebesgeschichten gehört und hatten Liebesgeschichten gelesen, und also begannen sie so, wie sie gehört und gelesen hatten und wie es ihnen gefiel und auch natürlich vorkam. Sie sagten immer wieder, daß sie einander liebten. Es war sehr schön. Sie empfanden, daß es sehr schön war; und sie hatten es auch so gelesen. Es war die Liebe, empfanden sie. Sie waren beide sehr jung und glaubten an die Liebe. Sie waren sicher, daß es so bleiben würde. Aber es blieb nicht so. Einmal kam ein Tag, da brachte er keine Blumen mit, da verstand sie nicht, was er in sich fühlte. Es kam ein Tag, an dem sie stumm voreinander standen, und es war, als blicke aus jedem von ihnen ein anderer den andern an, einer, der anders war, als er bisher geschienen hatte, jemand, den man nicht küssen mochte. Der Botanische Garten unserer Stadt ist eine Einrichtung, die nur von wenigen Leuten benützt wird. Es sind meist nur die Studenten und Professoren der Bota- n'k, die ihn aufsuchen, dazu ein paar Gärtner und Gartenburschen und endlich zwei, drei Sonderlinge, zu denen auch ich gehöre. Dabei ist es gar nicht so absonderlich, unter den hohen schattigen Bäumen des Gartens spazieren zu gehen, sich die schönen blühenden Beete anzusehen und dabei euch ein paar lateinische Namen zu lernen, die auf weißen Täfelchen in den Beeten aufgezeichnet sind. ln diesem Jahre, da ich wieder einmal am Nachmittag die lange Lindenallee entlang wandle und mich in dem Spiele des Lichtes und der Schatten erfreue, das auf dem 9 aubergeharkten Sande hin und her flirrt, sehe ich weit vor mir ein Liebespaar, das Hand in Hand dahingeht, öfters stehen bleibt und viel miteinander redet. Der Botanische Garten ist für Liebes- leute in der Tat ein idealer Zufluchtsort Denn wenn zur Liebe Blumen und Einsamkeit gehören, so sind beide hier in Fülle zu finden, und ich habe mich immer darüber gewundert daß sonst noch niemand auf den Gedanken gekommen ist hier ein LiebesidyB zu feiern. Im Sommer an einem schwülen Sonntag- «ftittag fand ich die beiden im Palmengarunterwegs ist. Die Natur läßt sich nicht überlisten. Die moderne Menschheit hat sich daran gewöhnt, daß kaum mehr ein Tag vergeht, an dem nicht eine Nachricht technisch-physikalischer Art Errungenschaften von gestern zum alten Eisen würfe. Es ziemt dem Menschen, der in dieser Zeit lebt, nicht, mit erhobenem Zeigefinger über dies Rasen der Entwicklung zu jammern. Das bleibe Vorrecht von Leuten, die anfangen schwindlig zu werden. Man muß der Jugend „aufs Maul schauen" — ihre unverdrossene Begeisterung über jeden neuen Meilenstein, den die Menschheit auf ihrem Wege in noch ferne Weltalter hinter sich läßt, beweist ihr noch ungebrochenes Vertrauen zur Richtigkeit der Reise in das Kommende. Auch auf dieser Reise aber gibt es trügerisches Vorauseilen, bei dem Übermorgen unversehens zum Vorgestern werden kann. Das sollte auch die Jugend nie vergessen. Sie hat es selbst noch erlebt, wie tausend Jahre nur ein Tag sind. In einer Zeitendämmerung läßt sich ein Elendszug rechtloser Sklaven leicht als festliche Tätigkeit feiernder Gemeinschaß vorgaukeln, wie es dem blinden Faust geschah. Das Jahrhundert der Technik enthält beide Möglichkeiten: Segen und Fluch. Wer sich des Apparats bemächtigt, darauf kommt es an: ob der Mensch, der die Erde wohnlich machen will, oder der Handlanger Luzifers, dessen Ziel unabänderlich die Finsternis ist. L. E. R e i n d 1 tätig. Er begnügt sich nicht mit Schauen und dem denkenden Verarbeiten des Geschauten, er liebt das Handwerkliche, die Dinge, die sichtbaren Spuren des unsichtbaren, unfaßbaren Lebens. Nie konnte Mörikes Hand untätig sein. In Lorch ging er bei dem Töpfermeister Groß „in die Lehre“, und seine an der Drehscheibe geschaffenen Gefäße verschenkte er, von ihm selber bemalt und mit Versen beschrieben, seinen Freunden zu festlichen Anlässen. Seine Töpfe waren ihm ebenso lieb wie seine Dichtungen. Ein Drang nach den ursprünglichsten Beschäftigungen der Menschheit lebte in ihm, in jedem Sinne, in dem Rilke die Tätigkeit eines Töpfers in Ägypten bewundert. So betätigte sich Mörike gern als Lichtgießer Was war das? Wo war sie von gestern, wo war ihr süßes Lächeln, wo war er, jener, der immer so froh mit Blumen gekommen war? Sie liebten einander doch? Es war doch wahr, daß sie einander liebten? — Sie liebten einander, ohne viel voneinander zu wissen, sie liebten am andern das, was sie von ihm flüchtig geträumt, flüchtig gesehen und gefühlt halten, sein hübsches Aussehen, ihre reizende Gestalt, seinen redlichen Blick, ihre zurückhaltende Wärme, seine süßen Liebes- worte, ihr seliges Flüstern. Eine ganze Welt? Eine Welt der Liebesgeschichten. War das Leben anders? Jetzt blickte aus dem andern ein anderer hervor, nicht immer, aber manchmal, wie ging das zu, war alles Lüge? War es Verstellung, wie sie gelächelt hatte, war es Abgefeimtheit, wodurch er so redlich erschienen war? Würde nun aus dem andern dieser andre, dieser fremde, dieser ungeliebte, dieser, dem die Liebe, die man empfand, gar nicht galt, immer mehr und immer weiter herauskommen, bis ein Mensch vor einem stand, von dem man nichts wissen wollte? Was war dagegen zu tun? Die Liebesgeschichten gaben keine Auskunft. In den Liebesgeschichten ging es glatt und gut weiter, und damit hörten sie meistens auf. Es gab zwar Liebesgeschichten, die eine gewisse, sehr unangenehme Auskunft gaben, es waren die, bei denen alles mit der ten wieder, wo eie auf einer Bank saßen und Arm in Arm und eng verschlungen miteinander plauderten. Ich sah sie erst, als ich fast vor ihnen stand, und mehr erschrocken als sie, bog ich schnell einen kleinen Steinweg rechte zum Kakteengehege ab. Nur ein roher Mensch stört Liebende. Dann sah ich lange Zeit nichts von den beiden. Sollte etwa ihre Liebe auseinandergegangen sein? Vor ein paar Tagen sprach mich der Warmhauswärter an: Herr Doktor, sprach er, kommen Sie übermorgen früh, dann wird die große Viktoria regia blühen. Wer wollte ein solches Naturspdel verpassen, wenn sich mitten zwischen den gewaltigen Blättern, die auf dem Wasser schwimmen, die geheimnisvolle Blüte öffnet, um bereits nach wenigen Stunden wieder zu sterben? Da ich in das Warmhaus trat, sah ich, wie zwischen den Lianen und Orchideen zwei Menschen standen und sich küßten. Sie hatten mein Kommen nicht gehört Leise machte ich die Tür des Warmhauses von außen wieder zu und sagte draußen zum Wärter: Wunderbar, wunderbar, die große Viktoria blüht! Und ging lächelnd zum Garten hinaus. C. F. und Wachszieher. Er empfand, daß die ersten und dauernden Dinge, die eich die Menschheit erschuf und schuf — ein Tongefäß, ein Kerzenlicht — tröstlich unveränderlich bleiben durch die Jahrtausende, im Gegensatz zu den schmerzlich ruhelosen, veränderlichen Gedanken. Seine vielfach gefährdete Seelenverfassung suchte in solcher Beschäftigung Ruhe und Festigkeit und die Schönheit, das „Selig in ihm selbst“ des aus Notwendigkeit einfachen Dinges. Er war vielerlei, war Vogelzüchter und Gärtner — Hesse fühlt sich Mörike nicht nur als Dichter verwandt! — und Bastler. Er schnitzte kunstvolle Federhalter, betätigte eich als Steinmetz am Kreuz auf dem verfallenen und vergessenen Grabe der Mutter Schillers, in Engelshofen widmete er sich der Modellstecherei und erfand Musterdessins. Seine feine Feder schreibt die zierlichste Schrift und zeichnet, zeichnet immer wieder. Schreiben geht ihm, wie einem alten Chinesen, oft in Zeichnen über, wie in dem köstlichen Mergentheimer Haushaltungsbuch. So erscheinen auch seine Verse oft wie mit der Hand geformt, aber sie genügen ihm als solche noch nicht, er verwendet die umständlichsten kalligraphischen Künsteleien, die Verse in tagelanger Arbeit fast zum Bilde zu machen, wieder in der Art der Chinesen. Und wie sie malt er seine Verse auf besondere Stoffe, zum Beispiel auf besonders präparierte Rinde. Auch in der Freude am Malen klingt die Verwandtschaft Hesses zu seinem Lands-, mann auf. Die Hauptgestalt von Mörikes einzigem Roman ist ein Maler. An all dem hat der Genius seiner schwäbischen Heimat teil, auch an seiner Ver- spieltheit in einem hohen Sinne. Denn auch Mörike ist ein „Glasperlenspieler“ und ,Morgenlandfahrer“, der noch lächelnd das Grobe und Polternde seiner Menschen, das Siebenschwabentum zur Märchengestalt des Riesen Suckelborst in den antiken Versen vom „Sicheren Mann“ verwandelt. Spiel ist das alles, göttliches Spiel voll kastalischer Heiterkeit, und mehr als Spiel: durch die Hand dem grenzenlosen Leben Kontur zu geben. Er liebte Mozart über alles — der evangelische Pfarrer war dem Katholizismus mehr als zugetan. Um den Gesang eines Stares festzuhalten, erfand er sich eine eigene Notenschrift. Für Tiere (für seinen Igel, seinen Seidenspitz Joli, die Vögel vor allem, auch für den eisernen Turmhahn) hegte er als Hausgenossen oft größere Liebe als für Menschen. So wunderbar unliterarisch war dieser Dichter, der Verse schrieb wie er Töpfe formte, die schönste deutsche Prosa formte, an den Sätzen bastelnd wie er Holz schnitzte, Kerzen goß, Blumen pflegte, den Anakreon übersetzte wie er edle Reiser auf seine Obstbäume pfropfte. Enttäuschung endet. War es also eine Enttäuschung? Würde es so gehen, wie es in diesen häßlichen Enttäuschungsgeschichten ging: Tränen nun auch bei ihr, bei ihm eine schlechte Meinung über die Frauen? Sie hatten beide Angst davor. Sie versuchten die Augen guzumachen, aber es ging nicht. Eines Tages kam der große Krach. Er warf ihr vor: Du bist nicht so, wie du getan hast, und sie warf ihm vor: Dann bist nur du schuld, denn du bist erst recht nicht so. — Ich bin, wie ich bin, schrie er, und er schrie, weil es nicht ganz wahr war; und sie schrie zwar nicht, sondern kleidete es in die Form einer Frage: Darf ich denn nicht sein, wie ich bin? aber sie meinte genau dasselbe, und es war ebenfalls nicht ganz wahr. Dann sagte jedes: Du hast mich nie geliebt! Sie wollte weinen, und er wollte eine schlechte Meinung über die Frauen bekommen, und sie weinte auch, und er bekam auch seine schlechte Meinung, aber beides dauerte nicht .lang. Zufällig oder nicht zufällig liebten sie einander doch. Sie hatten Glück. Sie waren beide nicht dumm. Sie kamen wieder zusammen, kühl beinah bis ans Herz, aber sie kamen zusammen. Dies und das und jenes gefällt mir nicht an ihm, dachte sie, und jenes und das und dies möchte ich an ihr anders haben, dachte er. Und in manchem, dachten beide, hat sie, hat er ja nicht so ganz unrecht. Zuerst war es nicht so schön, wie es anfangs gewesen war. Der Glanz war fort. Sie flogen nicht mehr so hoch in den Wolken, sie berührten, wenn auch nicht ganz, die Erde. War das die Liebe? Sie erfuhren jetzt etwas mehr voneinander, weil sie etwas mehr Zutrauen zueinander faßten. Ihr Verhältnis wurde menschlicher; er gab sich nicht mehr wie ein junger Gott, dem die Welt untertan ist, und sie stieg ein paar Stufen von dem Piedestal herab, auf dem sie geweilt hatte. Jener andre im andern, der beide so erschreckt hatte, sah nicht mehr so furchtbar aus, seit die Maske gefallen war. Sie hatten Glück. Zufällig oder nicht zufällig liebten sie einander, und sie erfuhren es wirklich, als ihnen das Leben ein Bein stellte, wie es allen ein Bein stellt. Jetzt kam auf einmal ein ganz neuer in beiden zum Vorschein, einer, den sie bisher überhaupt noch nicht im andern gesehen hatten, und es war auch nicht viel Zeit zum Anschauen da, aber dieser neue bewirkte, daß sie nur stolperten und nicht fielen. Sie fanden aneinander Halt. War das die Liebe? Jetzt hatte ihr Verhältnis fast gar keine Aehnlichkeit mehr mit einer Liebesgeschichte, wie sie sie gelesen und geträumt hatten, doch jetzt lernten sie allmählich erkennen, was die Liebe war, und manchmal, wenn sie einander sehr nah waren, dachten sie lächelnd und in einer Art Schreck daran, was aus ihnen geworden wäre, wenn es geblieben wäre, wie e» begonnen hatte, wie es in Liebesgeschichten steht. Tief in Böhmen lag um die Mitte des 18. Jahrhunderts das Schloß des Grafen Lobkowitz, das mit seinen hellen, weißgetünchten Wänden und Giebeln aus dem Grün des alten Gutsparkes leuchtend hervortrat und weit im Lande sichtbar war, so daß es in den Kriegen der Kaiserin mit dem König von Preußen für Freund und Feind ein lockendes Ziel und für die Artillerie beider Heere eine prächtige Zielscheibe bot. Lagerte hier Daun oder Laudon, helfe der Fridericus danach, und hielt der große König allda sein Hauptquartier, so richteten sich die kaiserlichen Kanonenrohre auf das weiße Schloß. Nachdem dieses Manöver ein paarmal hin und her gegangen war und die Ruhe des Gutsherrn durch verschiedene Geschoßeinschläge schwer benachteiligt wurde, beschloß der Graf, die Tradition seiner Familie zu brechen und in Anbetracht der turbulöeen Zeitläufte, die kein Ende zu nahmen schienen, die weiße leuchtende Farbe seines Väterschlosses abzuschaffen. Im nächsten Frühjahr also ließ er Gerüste bauen und das ganze Haus von oben bis unten grün anstreichen, so daß man es nun, wie er sich selbst aus der Ferne überzeugte, von dem Grün der Parkbäume kaum noch unterscheiden konnte und ziemlich nahe herangekommen sein mußte, ehe man den Irrtum gewahrte. Graf Lobkowitz rieb sich ob seines guten Einfalls die Hände und gestand sich selbst, daß sein Haus künftig gut getarnt und fast unkenntlich geworden war. Der Sommer kam und ging dahin, und die weise Voraussicht des Grafen belohnte sich in den Heerzügen dieser Jahreszeit, wo sich nur noch selten ein Soldatenhaufen in den grünen Park verlief, in dem kein Mensch aus der Feme ein schönes und stattliches Schloß vermuten konnte. Das Unglück aber wallte es, daß in diesem Jahre ein zeitiger Herbst und Winter kam, so daß bald das ganze Gefilde mit Prüfet lange, und ihr seid lange gerecht! Mit dem Herrscher ist es wie mit dem Feuer: entfernt man sich von ihm, friert man — kommt man ihm nahe, verbrennt man sich. Ein Ei läßt sich nicht mit einem Stein in einen Wettkampf ein. Der Gewissensbiß stößt einen nicht von vorne wie der Ziegenbock, er folgt und begleitet einen wie der Hund. Der Vogel mag die Schlinge des Fallenstellers vergessen, die Schlinge vergißt niemals den Vogel. Der Reichtum ist ein durchreisender Gast: heute kommt er, morgen geht er. Mit dem Kummer geht es wie mit dem Reis im Speicher: mit jedem Tag nimmt er ein bißchen ab. Die Männer sind wie der Reis im Kochtopf: einmal oben, einmal unten. Seid klug und grüßt höflich die euch Begegnenden: ihr könnt nicht wissen, wer eure künftigen Schwiegereltern sind. Wer eine Faulenzerin zur Frau hat, der hat eine Leiche im Hause. Die Liebe ist wie eine junge Reispflanze: versetzt, blüht sie anderswo weiter. Die Liebe nimmt ab, so man ihr niemals etwas hinzuzugeben hat. Macht niemals dem Mädchen, das einen häßlichen Mann liebt, einen Vorwurf: wer geliebt wird, gewinnt an Schönheit. Die Liebe soll sein wie der Staubregen: er fällt fein, kann aber die Flüsse über die Ufer treten lassen. Schnee zugedeckt lag. Noch immer aber gingen die kriegerischen Operationen weiter, und was bisher dem Schlosse des Grafen zum Vorteil gedient, gereicht ihm auf einmal zum Schaden. Denn wenn es früher mit seinen weißen Giebeln von dem Schnee nicht abstach, so sah es nun aus den weißbeschneiten Parkbäumen als ein immergrüner Würfel hervor, der selbst auf weite Entfernungen hin auffiel. Es zog in der großen Ebene alle Blicke auf sich, da man wissen wollte, welch grüner Koloß dort mitten aus dem Schnee aufragte, als wölbe sich ein riesiger Efeuhügel über dem Grabe eines unbekannten Helden. Die Preußen sahen es, zogen hin, nisteten sich ein, und das alte Spiel begann von neuem. Wenn bisher der Graf seine Winterruhe gehabt, so war es jetzt damit vorbei, und er verfluchte den Tag, da er sein Schloß hatte grün anstreichen lassen ... In späteren Jahren, nachdem die böhmischen Kriege längst vorbei waren, ist dann der grüne Putz in großen Stücken von der Mauer gefallen und hat die alte, weiße Tünche wieder vortreten lassen, so daß nun das seltsame Schloß weiß-grün gescheckt dastand, wie ein seltsames Fabeltier aus heißen Ländern. So hat es Napoleon auf seinem Zuge nach Austerlitz gesehen, wo er höchstlich erstaunte, dieses buntgescheckte Schloß zu treffen, das er einen Malkasten nannte. Als er hörte, daß hier schon der große Friedrich quartiert hatte, blieb auch er eine Nacht darin und riet am nächsten Morgen dem damals regierenden Grafen, dem Enkel des alten Lobkowitz, er möge am besten das Schloß seiner Väter mit einer gewaltigen spanischen Wand umstellen, daß es niemand sähe. Es müßte freilich eine sehr große sein, fügte er lächelnd hinzu, aber einen andern Ausweg sehe er nicht, nachdem der weiße Anstrich, der grüne und der gescheckte so wenig geholfen hätten. Gold glänzt immer, auch wenn es in den Staub fällt. Die Milch, die man sich ausleiht, hat immer zu wenig Rahm. Beendet nicht mit Bast eine Arbeit, die mit Seide begonnen wurde! Das Dasein Gottes leugnen, heißt mit geschlossenen Augen springen. Der Tod ist ein Teil der Steuern. Die Toten haben einen Vorsprung an Zeit: alle Menschen nehmen den gleichen Weg. Hört niemals auf, die Menschen' zu lieben: Menschenliebe ist Reichtum an sich. Gesellschaftlicher Verkehr Der steinalte Doktor Habberlein, der leibhaftige Doktor Eisenbart für die Gemeinde Wieszell und Umgebung, ist im gesellschaftlichen Verkehr mit hoch und nieder genau so wie mit den Bauern, die ihn ihrer Gebreste halber aufsuchen, nämlich saugrob. Seine Spezialität aber ist, jedermann, ob ihm bekannt oder nicht, mit „du“ anzureden. Darüber hält sich eines Tages ein Sommergast auf, der im Gasthaus zur „Post“ neben dem alten Bärenbeißer zu sitzen kommt und sofort das traute Du zu kosten bekommt. Der Fremde läßt sich jedoch sofort besänftigen durch des Doktors schmeichelhafte Erklärung: „Rindviech, dumms, wenn i di nöt leiden könnt, nacher saget i schO Sie.“ LK Die lustigen Bildergeschichten von Vater und Sohn Gezeichnet von e. o. plauen Copyright toy Südverlag 95. Geschichte: Rasieren mit Schwips oder die Spiegelfechterei Gärtner, Töpfer, Bastler Betrachtung über Mörikes Liebhabereien von J. Mühlberger Fast wäre es eine alte Liebesgeschichte geworden Eine nachdenkliche Erzählung von Rudolf Schneider-Schelde Die große Viktoria blüht Sommerliches Erlebnis im Botanischen Garten Volksweisheit aus Madagaskar Gesammelt von Friedrich Schnack Samstag, 11. August 1951 SÜDKURIER Nr. 124 / Seite 4 Bäuerliche Wohnkultur uor 100 Jahren Schwere Möbel mit bunter Bemalung waren bevorzugt Wo immer wir heute alte Bauernhäuser betreten, die ihr ehrwürdiges Äußere erhalten haben, im Innern ist leider nur zu oft ein moderner Stil in Einrichtung und Ausstattung vorherrschend. Man will anscheinend nicht einsehen, daß in die großen, aber niederen Räume alter Bauernstuben unsere modernen Möbel nicht passen wollen. Und wandert man durch diese Bauernhäuser, so findet man vielleicht oben in einer Bodenkammer, verstaubt und von Spinnetzen umhängt, das eine oder andere alte Möbel, bunt bemalt oder mit Schnitzornamenten versehen. Da möchte man am liebsten Hand anlegen und diese alten Möbel wieder heruntertragen und dort hinstellen, wo sie früher ihren Platz hatten. Bayern hat wohl von allen süddeutschen Ländern am stärksten seine alte Bauernkultur bewahrt und dort trifft man auch vielerorts noch auf alte Bauernmöbel. Ja, dort ging die Entwicklung den entgegengesetzten Weg, so daß eine Industrie zur Herstellung von Bauernmöbeln bayerischer Art entstanden ist, deren Erzeugnisse in die Häuser und Villen der Städte als sogenannte „Bauernstuben“ Tandem. Daß dies genau so stilwidrig ist wie der Einbruch moderner Stilmöbel in die Bauernhäuser, liegt auf der Hand. Der Schrank spielte im bäuerlichen Haushalt ehemals eine wesentliche Rolle, sei es zur Aufbewahrung von Kleidern, Wäsche oder Geschirr. Von schwerem gediegenem Aussehen war er häufig bemalt. Als Grundfarbe bevorzugte man blau und weiß, worauf man dann Blumen oder Vogelbilder als ornamentalen Schmuck setzte. Oberhalb der beiden Türen wurde häufig auf der Leiste der Name des Ehepaares und die Jahreszahl der Hochzeit, manchmal auch die der Herstellung oder Bemalung des Schrankes geschrieben, der im bäuerlichen Mund oft „Kästen“ genannt wird. Auch das breite zweischläfrige Bett trug Bemalung und Beschriftung, wobei die Initialen des Namens „Jesu“ oft an der Kopfseite angebracht waren. Es war ein buntes, fröhliches Bild, wenn die bäuerliche Braut in das Haus ihres Bräutigams einzog. Auf einem offenen, mit Blumen und Bändern geschmückten Wagen stand ihre Mitgift, Schrank und Betten, Truhen und Kasten, eine kleine Wiege nicht zu vergessen. Denn Nachkommenschaft ist auf einem bäuerlichen Hofe von großer Wichtigkeit. Auch heute noch wird mancherorts die Mitgift offen vom Dorfe der Braut in das des Bräutigams überführt. In der Bauernstube stand um die Eckbank der schwere eichene Tisch. An der Wand hing die alte Uhr, bemalt oder geschnitzt, mit ihren schweren Gewichten, die manchmal auch durch einen Stein ersetzt wurden. Hier traf sich am Abend alles; die Bäuerin und die Mägde spannen, die Männer rauchten und lasen. Wo die Holztäfelung der Stube aufhörte, standen auf Brettern schöne Krüge und Teller aus Zinn. Dem Herrgottswinkel schenkte die Bäuerin ihre besondere Aufmerksamkeit und schmückte ihn stets mit Blumen und frischem Grün; ein Brauch, der auch heute noch geübt wird. Eine besondere Stube wurde den Schränken eingeräumt. Sie enthielten auch das selbstgesponnene Leinen, deren Anzahl Ballen vom dem Wohlstand des Hauses kündet. In der Küche aber trat der Schrank in den Hintergrund. Hier liebte es die Bäuerin, alles griffbereit vor sich auf Regalen oder an der Wand auf gehängt zu haben. Das damalige Gerät, oft plump und vielfach aus Holz, dünkt mancher Hausfrau von heute unhandlich. Aber es erfüllte doch vollauf seinen Zweck, und die Waffeleisen, Backmodel, Nudelmaschinen oder Pfannenböcke lieferten trotzdem so manches schmackhafte Mahl. Uber dem Herd befand sich der Rauchfang, in dem Speck und Rauchfleisch geräuchert wurden. Betrachten wir noch einige Einzelmöbel. Da ist zunächst die Truhe, die infolge ihrer Handlichkeit sehr beliebt war. Sie benutzte man auch zu weiten Reisen. Im Bramdfalle war sie rasch aus dem gefährdeten Gebäude geschafft. Wenn auch den Stühlen durch die Eckbänke nicht die Bedeutung von heute zukam, so wurden sie dennoch keineswegs stiefmütterlich behandelt. Auch sie waren bemalt oder geschnitzt. Für den Bauer stand der große mit Schweinsleder überzogene Polsterstuhl bereit Aber auch an die schwere Stunde der Bäuerin war gedacht. Für sie war in manchen Häusern ein Stuhl gerichtet, dessen Sitz im Rund ausgesägt war. Der Stuhl war zusammenlegbar und manche Hebamme trug ihn mit sich, daher mancherorts ihr Name „Stuhlfrau“. Daß der bäuerliche Haushalt vor allem in der Küche heute moderne Wege gegangen ist, ist verständlich. Weniger einleuchtend ist aber, daß aus den Stuben die alten Möbel verschwunden sind. Ihre Herstellung und Verwendung wieder zu fördern, sei die schönste Aufgabe des Bauernstandes selbst. Zroifchen ImmenOingen unö Tiengen Eine Fahrt auf der Wutachstrecke — Die „strategische Bahn“ BEMALTER SCHRANK AUS DEM SCHWARZWALD Man würde sehr wahrscheinlich manchen Badener in Verlegenheit bringen, wenn man ihn fragte, was es mit der „Strategischen Bahn“ im Bereich der Donau, der Wutach usiw. für ein Bewenden habe, d. h. welche Strecken im oberrheinischen Netz der Schienenstränge diesen Namen führen. Um aber zu keinem Rätselraten Anlaß zu geben, sei verraten, daß u. a. die Verbindung zwischen Immendingen und Waldshut als „strategische Bahn“ nach 1870 gebaut wurde, strategisch deshalb, weil sie die Möglichkeit schaffen sollte, von Osten her im Banne des HochrheTns den Verkehr nach Westen zu leiten, ohne Schweizer Gebiet (Kanton Schaffhausen) zu berühren. In größerem Zug betrachtet, schaltet sich die „Wutachbahn“, wie die Route auch heißt, ein inidde Linie: Ulm—Sigmaringen 1 :—Tuttlingen— Immendingen—Waldshut —Säckingen—Schopf- heim—Lörrach. Zwischen Weizen und Blumberg hat die Trace ungewöhnliche Schwierigkeiten der Bodengestaltung zu bewältigen. Nelben Viadukten waren weitgeschwungene Schleifen, gewundene Tunnels notwendig, um auf sehr kurzer Strecke große Höhenunterschiede zu meistern. Wenn in älteren Reisehandbüchern von diesen Anlagen als von „überaus kühnen und sehenswerten Bauten“ die Rede ist, so trifft dies für die Gegenwart vielleicht nicht mehr in vollem Umfange zu — aber fraglos vermag den technisch Interessierten auch in unseren Tagen die Linienführung dieser Strecke noch lebhaft zu fesseip. Von Immendingen aus hält sich die Linie hinab zum Hochrhein zunächst noch dm Banne der jungen Donau. SchiKge- säiumt, fest möchte man sagen, torkelt sie dahin und hat bs keineswegs eilig. Der Blick gegen Osten erfreut sich an der so charakteristischen Gestalt des Wartenibergs. Die Landschaft der Baar mutet besinnlich an, auch irgendwie gelassen und ausgeglichen. Ueber Hintschin- gen gelangt man nach Kirchen-Hausen. Kurz vorher führt über die Donau eine alte hölzerne Brücke. Auch die Eisenbahn muß sich auf die rechte Seite des gemach dem Schwäbischen zufließenden Stromes begeben. Man gelangt in ein waldgesäum- tes, breit ausladendes Tal, das von der Aitrach durchflossen wird. Wiesen herrschen vor. Aulfingen, 684 m. ü. d. M. hat noch Baar- charakter. Die mächtigen Höfe mit hoch- steigenden Dächern berühren traulich. Bei Leipferdingen schieben sich die Berglehnen etwas näher zusammen. Das Dorf selbst liegt abseits der Eisenbahn, auf deren Bahnhöfe es übrigens bis hinab nach Tiengen keine Bahnsteigsperre gibt Auch Riedöschingen ist abgerückt und blinzelt zur Station hinunter. Von dem Dorf aus gelangt man hinüber nach Tengen und Blumenfeld, also in den Hegau. Kurz vor dem Bahnhof Blumberg-Zollhaus läuft über die Eisenbahn der lange Steg, auf dem die Wagen des Doggererzwerks bis zu dessen Stillegung verkehrten. Die mächtige Anlage ist zum Feiern verurteilt. Dafür aber wuchs in Blumberg ein großes Textilwerk heran, dessen weiße Bauten im Stil der neuzeitlichen Industrie-Architektur den Gast grüßen. Bewacht sozusagen wird Blumberg vom Eichberg im Norden und vom Buchberg im Süden. Es ist der Randenbereich, der sich südwestwärts an die Schwäbische Alb anreiht. Nach Blumberg beschäftigt den Gast der Wutachbahn unablässig der Verlauf der Traoe. Nach einem Tunnel folgt eine mächtige Schleife bei Epfenhofen. Von einem Viadukt aus sieht man das freundliche Dorf drunten im Tal, von einem zweiten Uebergang im Talgrund selbst blickt man ihm dann noch einmal von unten her ins Gesicht. Die Eisenbahnlinie wendet sich jetzt zum Hang des Buchbergs hinüber. Wieder folgt eine Brücke. Eine neue Schleife schließt sich an. Es geht ein Stück weit nordwärts, dann biegt die Bahn wieder südwärts, macht in Fützen kurz Halt, zieht unter dem Worberg vorbei, schlägt oberhalb von Grimmeishofen in einem Tunnel von 1700 Meter Länge einen richtigen Kreis. Sie befindet sich nun im Tal der Wutach — in einem engen romanSCHLAFSTUBE AUS DEM LINZGAU Bilder: Finke tischen Tal — läuft dem Fluß entlang ein Stück weit nordwärts, überwindet in einem 200 Meter langen Tunnel wieder eine Kurve und eilt nun auf der Südseite der Wutach — so daß man die Tracen übereinander sieht, ähnlich wie bei der Schwarzwaldbahn — dem Bahnhof Weizen zu. Zum Greifen nahe verläuft hier die Grenze des Kantons Schaffhausen. Man hat ordentlich zu tun, um die Fülle der Eindrücke nur einigermaßen zu fassen, die auf einen einstürmen. Sehr repräsentafoel nimmt sich Stüh- lingen aus. Der Chronist hatte Glück. Stieg da der Fürstlich-Fürstenbergische Ober- fcrstmeister Z. in das Zugabteil und erwies sich als der profundeste Kenner dieser Landschaft, den man sich nur wünschen kann. Er erzählte von dem Kapu- zineikloster Loretto, das von der Berglehne herabschaut, vom Schloß Hohenlup- fen, in dem sich' heute u. a. eine Gehörlosenschule befindet. Er berichtete von dem erfreulichen Zunehmen des Frauenschuhs, dieser herrlichen Orchidee in der Stühlin- ger Welt. Auch über das schöne Kloster von Of- teringen, das ins Tal hinunterschaut und das zu Einsiedeln enge Beziehungen unterhält, war der zufällig erhaschte Cicerone unterrichtet. Auf Horheim, auf Oberlauch- ringen ward gebührend hingewdesen. Und als man dann in Tiengen, dem schönen Hauptstädtlein des Klettgaus und der ehemaligen Schwarzenbergischen Residenz, ankam, war Grund genug vorhanden, sich zu einem gemeinsamen Trunk nach einer gemütlichen Einkehr umzuschauen. Diese ward denn auch gefunden. Von ungefähr aber gesellte sich zu den beiden Mannsleuten noch eine entzückende Stühlingerin, das Fräulein Lilo, der mit diesen Zeilen der versprochene Gruß geziemlich übermittelt sei. JodocusVydt Alemannifcber Heimattag in Radolfzell An diesem Samstag und Sonntag findet in Radolfzell (Bodensee) der Alemannische Heimattag 1951 statt, der mit einem großen Trachtentreffen verbunden ist Im Mittelpunkt der beiden Tage stehen der Schwarzwälder Heimatabend am heutigen Samstag, die alemannische Feierstunde am Sonntagmorgen und der große Festzug mit rund 40 Trachtengruppen und Musikkapellen. Am großen Umzug nehmen u. a. folgende Trachten teil: Konstanz, Überlingen, Radolfzell, Markdorf, Sipplingen (Bürgermiliz), Oberwinden, Eichstätten, Opfingen, Seefelden, Betzingen, Biederbach, Buchenbach, Esch- bach, Einbach, Villinges, Oberwolfach, Hü- fingen, Freiamt, Mühlenbach, Neustadt im Schwarzwald, Lörrach, Waldshut, Bräunlingen, Wolfenweiler, Bregenz, Oberharmersbach, Prinzbach, Tiengen. Zugleich begeht die Radolfzeller Trachten gruppe am Wochenende ihr 25jähriges Bestehen. Der Alemannische Heimattag pflegt echtes Volks- und Brauchtum. Die beiden Festredner sind Arbeitsminister Lais und Oberbürgermeister Dr. Wiälldin, — Am Samstagabend ist in der Festhalle der Schwarzwäüder Heimatabend, am Sonntagmorgen die alemannische Feier, Sonntag, 14 Uhr, Festzug, anschließend Großkundgebung der Trachten in der Festhalle. Sonntag, um 10 Uhr, werden auf dem Rathaus die Vertreter von Presse, Film und Funk vom stellv. Bürgermeister empfangen und zu einem kleinen Umtrunk eingeladen. Am Sonntag, um 16 Uhir, machen die Schwanzwälder mit der „Schie- nenberg“ eine eineinhalbstündige Rundfahrt auf dem Untersee, während die „Woge“ für kleinere Gruppen schon ab Samstag, 13.30 Uhr, am Hafen bereit steht Das Wirken der cbristhchen Kirchen überschreitet beute mehr denn je die Grenzen des gottesdienstlichen Raumes. Es gibt kaum ein Gebiet menschlicher Zivilisation, das nicht die Kirchen interessieren könnte. Sie erheben Anspruch darauf, von der Welt gehört zu werden und setzen sich mit den Problemen dieser Welt auseinander, auch wenn das Mitspracherecht von Religion und Theologie da lind dort bestritten wird. Das früher viel zitierte Wort „Religion ist Privatsache“ konnte che Kirchen nicht daran hindern, ihrer heilsgeschichtlichen Mission treu zu bleiben und die diesseitigen Dinge auf Gott zu beziehen, die göttliche Ordnung in der Zeitlichkeit zu verwirklichen, nach dem SchöpflungspLan und zur Erreichung des ewigen Endzieles aßen menschlichen Strebens. Ein bemerkenswertes Beispiel kirchlicher Anteilnahme an den politischen Zeitfragen bot die Europäische Laienkonferenz des Oekumenischen Rates in Bad Boll. Die Konferenz richtete eine dringende Empfehlung an die europäischen Kirchen, einen „Rat der Europäischen Kirchen“ zu schaffen, der sich mit der Ueberwindung des wieder aufflabenden Nationalismus befassen soll Die besondere Verantwortung der Christen in den europäischen Ländern bestehe darin, das eigentliche Fundament der europäischen Einheit zu sichern. — Die erste Begegnung katholischer Thealogie- prcfessaren und -Studenten auf deutschem Baden in München), an der Delegierte aus England, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, Oesterreich, der Schweiz und Westdeutschland teünahmen, beschäftigte sich u. a. mit der christlichen Motivierung des Europagedankens. Was hat die Technik mit der Religion zu tun? Der 70. Geburtstag von Umiversdtäts- profeasor Dr. Friedrich Dessauer, Freiburg L Sch, erinnerte an das Lebenswerk eines Miannes, der immer wieder den unlösbaren Zusammenhang der Naturwissenschaft und ihrer Ergebnisse mit der Schöpfungsordnung und dar göttlichen Offenbarung Klar beraussteUte. Ais wegweisend für die Arbeit katholischer Techniker wurden auf dem ersten internationalen Kongreß katholischer Ingenieure in St. Germaiin bei Paris die Forderungen bezeichnet, die Aktion des katholischen Ingenieurs nicht auf den rein technischen Sektor zu beschränken, sondern nach christlichen Lösungen für alle in der AusiÄung seines Berufs auftauchenden Probleme zu suchen, die Erniedrigung des Ingenieurs und Arbeiters zu Sklaven der Technik zu verhindern, die menschliche Basis in den Produktionsstätten zu erhalten und die technische Schulung durch Hinweise auf katholische Prinzipien zu ergänzen. Nur ein paar Hinweise auf Tagungen in der jüngsten Zeit und bevorstehende Konferenzen mögen die Bereitschaft der katholischen Kirche unterstreichen, an der Lösung „weltlicher“ Probleme xndtzuanbeiten: Internationaler katholischer Kongreß in Salzburg über Fragen der Jugendkriminalität, katholischer Kongreß in Rom aumStu- dium des Landlebens (Kapitalismus und ländliche Welt, Landflucht, Bodenreform, soziale Sicherheit der bäuerlichen Bevölkerung u. a. m.), Tagung der landwirtschaftlichen Organisation der Vereinten Nationen dm Rom, auf der päpstliche Beobachter die Errichtung einer internationalen Auswamdemngskomrnissdon durch den Hl. Stuhl aokiinddgte, sowie che Teilnahme eines vatikanischen Delegierten an der bevorstehend«! UN -Konferenz in Genf zur Ausarbeitung einer internationalen Konvention für Flüchtlinge und Staatenlose. spectator Der „Lautsprecher Gottes“? Der italienische Jesuitenpater Riccardo Lombardi kann sich rühmen, als Prediger die größte Zuhörerschaft aller Zeiten zu besitzen. Als er 1938 begann, Vorträge über Religionsphilosophie an den italienischen Universitäten zu halten, zählte er in Rom viertausend Hörer. In Mailand waren es schon vierzehntausend, in Florenz dreißigtausend, in Palermo an die sechzig- ■tausend. Pater Lombardi vertauschte bald die Hörsäle mit den Theatern, die Theater mit den öffentlichen Plätzen, die Plätze mit den Stadien: wahrscheinlich ist er heute der einzige Mensch, der ein Stadion füllen kann, ohne Sportkämpfe zu bieten und ohne Staatsoberhaupt zu sein. Sein Ruhm drang bald über die italienischen Grenzen hinaus, und Pater Lombardi sprach in Wien, in Paris, in Berlin, er bereiste die Schweiz, Holland, Belgien, Westdeutschland, die Vereinigten Staaten und Kanada, und überall wiederholte sich das Phänomen. Die Wirkung seines Pre- von San Franzisko hat angekündigt, daß in Zukunft nur solche Studenten ihr Examina ablegen können, die Vorlesungen über Marxismus besucht haben und mit dessen wichtigsten Grundzügen vertraut sind. Gleichzeitig hat der Vatikan für die Universität in San Francisco eine Verfügung außer Kraft gesetzt, die das Studium marxistisch-leninistischer Literatur verbietet. Vertreter der Universität erklärten, daß ein Studium der kommunistischen Weltanschauung unerläßliche Voraussetzung dafür sei, die Infiltration der Sowjet-Philosophie in die westliche Kulturwelt, insbesondere Amerika abzuschwächen. Die Tatsache, daß der Kommunismus statt der 180 Millionen Menschen vor dem letzten Weltkrieg nunmehr 900 Millionen be- digens war um so erstaunlicher, als er mit sprachlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Millionen Menschen aller Nationalitäten, aller Rassen und politischen Überzeugung, ja auch aller religiösen Überzeugungen haben ihn seitdem gehört, und jetzt erhält er täglich Hunderte und Tausende von Briefen . . . Was Pater Lombardi erlebt hat und erstrebt, das hat er jetzt in einem Buche niedergelegt, das unter dem Titel „Per un mondo nuovo“ („Für eine neue Welt“) in dem römischen Verlage „La Civiltä cattolica“ erschienen ist. An theoretischen Vorschlägen zur Verbesserung dieser armen, gequälten Welt hat es weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart gefehlt. Was aber das Buch des Paters über die Flut der Theorien hinaushebt, ist die ungewöhnliche Erfahrung, die dieser „Lautsprecher Gottes“ mit seinem „Kreuzzug der Güte“ aus der persönlichen Berührung mit unzähligen Menschen gewonnen hat. Pater Lombardi, der also „die außerordentliche Lebenskraft der die sowjetische Ideologie und Taktik nicht ausreichend gekannt hätten und ihr daher keinen entscheidenden Widerstand entgegensetzen konnten. Mit Beginn des Wintersemesters werden vier Professoren ausschließlich politische Vorlesungen halten. Sowohl der Vorle- sungs- als auch der Prüfungsplan sehen unter anderem die Behandlung der marxistischen Philosophie, der Dynamik des Leninismus und Stalinismus sowie der Strategie der amerikanischen Kommunisten vor. Ferner stehen Vergleiche der Politik des Kominform, des sowjetischen Außenministeriums und des Kommunismus in Amerika sowie eine Analyse der Parteiorganisation auf dem Lehrplan. Botschaft“ seines Apostolates erfahren hat, verficht den Gedanken eines „Weitsenates“, der aus „hochqualifizierten Laien aller Nationalitäten gebildet werden und die großen irdischen Fragen der Menschheit beraten soll“. Er schreibt: .Einige grundsätzliche Erklärungen, die diese Versammlung abgäbe (etwa in sozialer Hinsicht oder über das Auswanderungsrecht der übervölkerten Nationen oder über bestimmte wirtschaftliche Beziehungen) würden in der ganzen Welt Widerhall finden“. Dieser Senat sollte auch das „Manifest für eine allgemeine Erneuerung der Menschheit im christlichen Geiste“ ausarbeiten. Unter dem Senat stünden dann die Gruppen der nationalen Führer und unter diesen wiederum die Militanten des neuen Kreuzzuges. A. B. Von den „Niederbronner Schwestern“ Bühl (Baden). Der Bischof von Straßburg hat mitgeteilt, daß der Seligsprechungsprozeß der 1867 verstorbenen Stifterin der „Niederbronner Schwestern“, der Mutter Alphonsa Maria Eppinger aus Nie- derbronn im Elsaß, eingeleitet ist. Das erz- bischöfliche Ordinariat in Freiburg hat die Gläubigen, die um den Ruf der Heiligkeit und des Tugendlebene der Stifterin etwas wissen, aufgefordert, bis zum 15. September Mitteilungen oder noch vorhandene Schriftstücke an die Kirchenbehörde einzw- senden. Die Kongregation der „Nieder- bronner Schwestern“, ehe sich hauptsächlich der Armen- und Krankenpflege widmet, besitzt heute rund 700 Stationen und Niederlassungen mit über 5000 Mitgliedern in Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Luxembufg, der Schweiz, auf Korsika, in Algier, Tunis, französisch Kamerun und Angola. In Deutschland bestehen zwei Ordensprovinzen, eine bayerische mit dem Mutterhaus in NeumarktKüberpfalz und eine badisch-hessische mit dem Mutterhaus in Bühl'Baden. Die badisch-hessische Provinz umfaßt zur Zeit in Baden 126 und in Hessen 37 Stationen. AUS DER CHRISTLICHEN WELT Aus dem Zeitgeschehen: Kirche und Weh i Studium der kommunistischen Weltanschauung Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kommunismus Der Senat der katholischen Universität | herrscht, sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die unterworfenen Völker / Seite 4 Kleines Bauernhaus oder Wohnhaus SÜDKURIER -StB# tag, 11. August iUimtm fijwiu*# mten? Arterienverkalkung und hoher Blutdruck mit ihren quälenden Begleiterscheinungen wie Herzunruhe Schwindelgefühl, Nervosität, Reizbarkeit, Ohrensausen, Zirkulationsstörungen, allgemeiner geistiger und körperlicher Leistungsrückgang werden seit vielen Jahren durdi Antisklorosin-Dragees bekämpft. Antisklbzosin enthält heilkräftige, blutdrucksenkende, herzregulierende Kräuterdrogen und -extnkte, eine seit vierzig Jahren bewährte, ärztlich oft verordnete Blutsalzkomposition sowie Medorutin,das die Adernwände elastisch macht. 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Daher die krankhaft gelblich-fahle Gesichtsfarbe, die pickelige Haut, das allgemeine Upbehagen. Wie man sieh da helfen kann? — Prof. Dr. med. Much bekämpft das Grundübel mit „Dragees Neunzehn“ in vier Richtungen zugleich: Leber-Funktion und Gallenfiuß werden gefördert, die Darmbewegung angeregt, der träge Dickdarm kräftig unterstützt. „Dragees Neunzehn“ wirken also nicht nur einseitig auf den Dickdarm, sondern auf das ganze Verdauungs-System — reizlos und ohne Beschwerden. Beschleunigte Ausscheidung ent- - - ^ lastet den ganzen -- 1 "I Körper — auch von U» —rg übermäßigem Fett- Orogns ansatz. „Dragees Mumdm. Neunzehn“ bekom- “ men Sie in jeder Apotheke. 46 Stück DM 1.45, Klinik^ak- kung (besond preisgünstig) DM' 4.15 £rd- bcGcert eine lohnende Kultur Erst kl., großfr. Sorten, beste Pflanzen, Massentr&ger, Güteklasse A. Deutsda Even, früh. Mad. Moutot, mittelfrüh. Sieger, früh. Obersdile- sien, mittelfrüh b. spät. 50 St. 3.25, 1D0 St. 5.50, 250 St. 13.75. 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Sitguft 1951 Hilfe, ich roeröe befucht Fragt midi jetzt kn Sommer jemand, wie es mir geht, so antworte ich mit einem Seufzer der Erschöpfung: „besuch t!“ Wenn man aus früheren Lebensstationen einen (größeren Bekanntenkreis hat, ist man den Sommer über mit Besuchern, „die nur mal im Varfoeifahren hereinschauen wollen“, und den hinterher nötigen Auf räurnungsarb eiten vollauf beschäftigt. Zu keiner Tageszeit ist man vor plötzlich hereinbrechend eri Gästen »eher. E in Klein wagen fährt vor, und dem Zweisitzer entquellen 7 — in Worten sieben — Personen. Sie füllen den bescheidenen Wohnraum und genießen die Aussicht mit vielen Ah’s! und Ob’s! Bringt man sie dann wieder bis an die Gartenpforte, kann es geschehen, daß man schon die nächsten Gäste sozusagen von der Straße aufliest. Fällt diesen dann noch ein, für ein bis zwei Nächte Quartier in der Hauptsaison haben zu wollen, dann grenzt es an ein Wunder, wenn es unserem Bemühen gelingt, für diese „Anspruchslosen“ noch ein Unterkommen zu finden. „Was machen Sie eigentlich hier dien ganzen Tag?“ fragen die lieben Gäste . . . Soll ich ihnen antworten: „Ich sitze den ganzen Tag geschniegelt in der für Besuchsempfang aufgeräumten Wohnung, indessen bleibt meine Arbeit liegen, auf dem Schreibtisch türmen sich unerledigte Briefe, die zu bügelnde eingesprengte Wäsche bekommt Stockflecken, die Motten fressen in Ruhe die Winterkleider; denn der Balkon und die Zimmer müssen für Besucher in repräsentativem Zustand sein.“ So sitze ich wie zu Besuch bei mir selber, es klingelt, und neue Gäste kommen, die Stühle werden nicht mehr kalt. Ja, bei uns am Bodensee: Im Winter haben wir Nebel und im Sommer Besuch! E. M. Auch ein fozialee Problem Ein weiterer Beitrag zur Aktion „Kampf dem Straßenlärm“ „Auch Ich trinke gern einen guten Tropfen. Aber da® Geschrei und Gejohle betrunkener halbwüchsiger Burschen und älterer Leute auf den Straßen vom Abend bis zum frühen Morgen ist so lästig, wie ich es nirgends sonst erlebte. Die Polizei scheint schlecht geschult zu sein. Denn oft stehen Polizisten in der Nähe und kümmern sich um den Lärm gar nicht, anstatt durch Ordnungsstrafen einzuschreiten.“ (Aus einem Leserbrief an den „Südkurier“ vom 9. 8. 51). • , Die alten und engen Gassen der Innenstadt sind durch die moderne Verkehrssteigerung, insbesondere durch das Ueber- handnehmen der Motorräder, sowieso schon schwer genug mit Lärm belastet, für den sie nicht erbaut wurden. Da müßte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, daß sogar die nächtlichen Bummler Rüdesicht üben. Das ist doch in erster Linie ein soziales Problem. Wer heute schon die Möglichkeit hat, über den Durst zu trinken — muß er diese Tatsache unbedingt durch Gröhlen und Schreien auf offener Straße der Mitwelt in die gequälten Ohren plärren? Auch ein Angeheiterter hat schließlich noch die Möglichkeit, sich zu beherrschen. Jene Menschen aber, die sich in der Trunlöenheit dadurch verraten, daß sie jede Selbstkontrolle und Zurechnungsfähigkeit verlieren, müssen auch so behandelt werden, wie sie es verdienen, nämlich mit empfindlichen Ordnungsstrafen.. Es dürfte aber, wie die Dinge nun einmal liegen, schwierig sein, die Uebeltäter jeweils in flagranti auf der Straße zu stellen. Denn dazu müßte die Polizei ja beinahe allgegenwärtig sein können. Andererseits: so betrunken, daß sie nicht mehr einen Polizisten sehen können, sind gerade die Radaubrüder nicht. Im Gassengewirr sind sie dann schnell in Sicherheit. Die Polizei und das Landratsamt sollten es machen, wie es bei der Insektenbekämpfung gemacht wird. Nämlich die Brutstätten dieser überhand nehmenden Störungen sollte man einmal ein wenig unter die Lupe nehmen. Wenn in Gastwirtschaften Radaubrüdern erlaubt wird, bei offenen Fenstern und Türen schon weit über die Polizeistunde hinaus z. B. das zu üben, was sie für Gesang halten — da® geht vom gemeinsamen Schlagergröhlen bis zum ohrenbetäubenden Stühle- und Tische- rücken — dann ist das nicht nur eine Plage für die nächsten Nachbarn, sondern es versteht sich auch von selbst, daß di.e so Animierten später auf der Straße leise zu sein nur glauben. Wer hätte nicht Verständnis für das oft Komische dieser Situation! Wenn ein biederer Bürger z. B. plötzlich den Drang fühlt, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß er seine Steuern bezahlt habe und darum schreien dürfe, soviel e® ihn gelüste, da würde freilich schon die feste Hand einer tüchtigen Frau genügen, um einen solchen Helden am Ohrläppchen unter den Pantoffel zurückzuführen, dem er wahrscheinlich entwischt ist. Aber er ist ja nur einer von den Dutzenden, die in jeder Nacht und zu jeder Stunde hier ein krankes Kind aus dem Schlafe reißen, dort die wohlverdiente Ruhe eines Arbeiters stören (der sich seinerseits den teuren Rausch des groß angebenden „Steuerzahlers“ nicht leisten kann!) und überall die Schlafenden zwingen, trotz Sommerhitze und Schwüle der Nächte hinter geschlossenen Fenstern zu liegen. Da nun hört es sich auf mit der Komik. Durch, Addition wird auch sie zur Land- bzw. zur Stadtplage. Solange dagegen kein Kraut gewachsen ist, wird sich Konstanz der Erinnerung' des erhol uhgs- suchenden Kurgastes keineswegs als eine Kurstadt einprägen, eher schon als Durchreisestadt mit der Devise: so schnell wie möglich in das Paradies der lärmgeschützten Schweiz... Ein Troft für heiße Tage Land- und Seewind sorgen für Abkühlung Die Tage an der Wende zwischen Juli und August brachten mit 31 Grad im Schatten nicht nur die bisher höchsten Temperaturen des Jahres, sondern bei dem anhaltend schönen Sommerwetter eine andere interessante Erscheinung: Gegen 19.30 Uhr war mit großer Regelmäßigkeit festzustellen, daß plötzlich tief- hängende Wolken über dem Bodanrück entstanden und mit böigem Wind zum See zogen. Besonders im Nordteil von Konstanz waren diese Erscheinungen stark ausgeprägt. ' Andererseits konnte man schon am frühen Nachmittag feststellen, daß die Rauchfahnen der Schiffe in dem Fahrtziel entgegengesetzter Richtung zeigten. Der lefcte Tag Heute geht für die Frauen ein schönes Märchen zu Ende: Der Sommerschlußverkauf hat seinen 12. und letzten Tag erreicht. Die weiße, leichte Mode beginnt Abschied zu nehmen von einem Sommer, der nicht ganz hielt, was er versprochen hatte. Treu geblieben aber ist das Glück den Frauen insofern, als der Schlußverkauf in allem ein friedensmäßiges Angebot zeigte und so letzten Endes vor und j hinter dem Ladentisch für zufriedene Ge- | «ichter sorgte. (Zeichnungen: Erika) Die Ursache dieser Erscheinungen? Es war der bei anhaltendem Hochdruckwetter tagsüber wechselnde Land- und Seewind, der nach langjährigen Aufzeichnungen am Bodensee besonders in den Monaten Juli und August auftritt. Der Landwind weht bei anhaltendem Hochdruckwetter von Sonnenuntergang bis 8 Uhr morgens vom Land zumSee hin, wird jedoch bei Sonnenuntergang durch die einsetzenden Windböen am besten festgestellt; der Seewind weht von etwa 10 Uhr morgens bis 19 Uhr vqm See zum Land, ist in der Konstanzer Bucht jedoch meist schwach. Die Winde wehen dabei beinahe immer senkrecht zum Uferverlauf und erreichen eine Höhe von 200 bis 300 Metern. Der Seewind bringt der Uferzone eine leichte Abkühlung und geringe Zunahme der Luftfeuchtigkeit, was gerade bei der großen Hitze der meist windschwachen Sommertage als sehr angenehm empfunden wird. Diese tagsüber wechselnden Winde verdanken ihre Entstehung der verschiedenen Erwärmung von Land- und Wassermassen während störungsfreiem Hochdruckwetter. Das Land erwärmt sich bei Tag rascher als der See. Die Luft über dem Land nimmt bald eine höhere Temperatur als jene über dem See an. Dadurch steigt die Luft über dem Land rasch in die Höhe, es entsteht am Boden eine Art Unterdrück, dadurch fließt Luft von dem etwas kühleren See nach, der Seewind hat also eingesetzt. Bei Nacht verhält es sich umgekehrt. Das Land und die Luft darüber erkalten rascher als der See und die darüber liegende Seeluft. Es entsteht also bereits um die Zeit des Sonnenuntergang über dem Land durch die größere Luftabkühlung eine Luftdruckerhöhung und damit eine Luftströmung vom Land zum See. Diese Winde sind also rein lokaler Art und nur geländegebunden. Da diese Winde am nördlichen Bodensee bis zu 17 Kilometer in das Landesinnere wehen können, tragen sie auch zu den angenehmen Klimabedingungen um den Bodensee bei. Wer hat ärztlichen Sonntagsdienst Am Sonntag, 12. August, versieht Dr. Sakebielski, Schulstraße 15, Telefon 1991, den • ärztlichen Sonntagsdienst. Bei den Apotheken hat die Malhaus-Apothe^ Sonntagsdienst und in d«r kommenden Woche Nachtdienst. — Bereitschaftsdienst der Garagen: Garage Ramspenger, Gottlieber Straße 34, Telefon 1440. Reinen Ttfch machen! Beschleunigte Untersuchung Im Spielcastno—Spiralo-Roulette zum Glücksspiel erklärt — Und was sonst dabei herauskommt? Es ist in den letzten Tagen viel Staub um die Vorgänge im Spielcasino Konstanz aufgewirfoelt worden, zu viel Staub, um die greifbaren Tatsachen und Umstände noch klar erkennen zu lassen. Wenn der „Südkurier“ sich in diesem Fall zurückhaltend geäußert hat, so lag das nicht etwa an mangelnder Kenntnis, sondern an dem Grundsatz des Berichterstatters, nur mit Tatsachen aufzuwarten und nicht mit Vermutungen und Gerüchten, für die jeder, der sie verbreitet, auch beweispflichtig ist. Oberstaatsanwalt Dr. Gulden erklärt: Durch eine mündliche Erklärung, die Oberstaatsanwalt Dr. Gulden dem Berichterstatter am Freitag abgegeben hat, ist nunmehr der „Fall Spielcasino“ in ean Stadium getreten, das es uns ermöglicht, die Einzelheiten, so, wie sie sich bei einer objektiven Untersuchung heraussteilen, wiederzugeben. Der wesentlichste und für die Zukunft des Casinos entscheidende Teil dieser Erklärung besagt, daß das „Spiralo-Roulette“ ein Glücksspiel ist und daß bei einer eventuellen Wiedereröffnung des Casinos ein Eingreifen der Strafverfolgungsbehörden wegen Vergehens gegen § 284 des Strafgesetzbuchs, der alle nicht behördlich zugelassenen Glücksspiele verbietet, zu erwarten ist. Alle Maßnahmen der Staatsanwaltschaften stützen sich heute auf ein Gutachten des Professor Lob von der Technischen Hochschule Braunschweig, der — wie schon berichtet wurde — das „Spiralo“ nach genauer Überprüfung des Mechanismus und der Spielregeln zum Glücksspiel erklärt hat. Andere Gutachten, so wie das der Technischen Hochschule Karlsruhe, demzufolge das „Spiralo“ als Geschdcklichkeitsspiel angesehen wurde, sind damit hinfällig, denn entscheidend für das ganze Bodenseegebiet in technischen Fragen des Glücksspiels ist allein das Physikalisch-Technische Institut der Hochschule in Braunschweig. Schließung des Spielcasinos vorbeugend? Die freiwillige Schließung des Spiel- casinos am Montag erfolgte nach Aussage des geschäftsführenden Gesellschafters, Krüger, als vorbeugende Maßnahme, nachdem am 31. Juli in Stuttgart ein Casino auf Grund des Braunschweiger Gutachtens wegen unerlaubten Glückspiels verurteilt worden ist. Man wollte einen Parallelfall in Konstanz vermeiden. Die Stadt Konstanz jedoch teilte kurz darauf der Direktion des Casinos mit, daß sie mit der Schließung nicht einverstanden sei und für den entstehenden finanziellen Ausfall Ersatz verlangen würde. Die Stadt Konstanz vertritt den Standpunkt, daß das Braun- schweiger Gutachten für Südbaden keine Gültigkeit habe, weil durch das badische Innenministerium immer noch das Karlsruher Gutachten anerkannt werde. Würde Krüger nun den Forderungen der Stadt entsprechen und das Casino wieder eröffnen, so müßte er damit rechnen, verhaftet und wegen Vergehen® gegen § 284 bestraft zu werden. Das Prinzip des Spiralo Das Prinzip, in dem sich $as „Spiralo* vom normalen Roulette unterscheidet, besteht in einer spir&lig geformten Schiene, auf deir die Kugel langsam abläuft, so daß jeder Spieler sie beobachten kann, bis sie auf die sich drehende Zahlenscheiibe fällt. In dieser Beobachtungsmöglichkeit wurde bisher das Geschicklichkeitsmoment gesehen. Den Regeln entsprechend durfte kein Spieler setzen, bevor der Croupier die Kugel abgelassen hatte. Wer gut beobachtete, kennte bald mit einiger Sicherheit voraussehen, in welches Zahlenifeld der Drehscheibe die Kugel fallen würde. Wer aber, ohne auf die laufende Kugel zu achten, oder schon bevor der Croupier sie abgelassen hatte, seinen Einsatz auf den Tisch legte, der spielte praktisch reines Glücksspiel. Diese — teils freiwilligen, teile unfreiwilligen — Glücksspieler sind aber nach den von Kriminalisten und anderen Beobachtern des „Spiralo“ gemachten Erfahrungen für die Direktion eines Casinos das sogenannte „gute Publikum“. „Schlechtes Publikum“ — es gab darüber kürzlich auf Neue Äktioität im „Theater am Boöenfee Spielplanentwurf für das Jahr 1951/52 // Das Spdeljahr 1950/51 neigt sich, mit der Zwischenlösung einer Sommerspielzeit, jetzt seinem Ende entgegen, (Eine Würdigung der geleisteten Arbeit bringt der „Südkurier” im Feuilleton der heutigen Ausgabe.) Dr. Arthur Schmiedhammer, der zur Zeit mit der Stadtverwaltung wegen der Möglichkeiten des Weiterbestehens seines Theaters verhandelt, legt den Entwurf eines Spielplanes für das kommende Spieljahr 1951/52 vor, der das Theater, soweit das Schauspiel sein Gesicht bestimmt, auf aktuellen Wegen zeigt. An klassischen Werken des Schauspiels sind vorgesehen: Shakespeare „Romeo und Julia”, Schiller „Wilhelm Teil”, Cal- deron „Der Richter von Zalamea”, Kleist „Amphitryon” und Grillparzer „Traum ein Leben”. Dazu kommen als Werke der näheren Vergangenheit, die auch schon den Schimmer einer 'gewissen Klassizität ansetzen: Gerhart Hauptmann mit ;,Rose Bernd”, Franz Werfels .Paulus unter den Juden” sowie Ludwig Thomas drei Einakter: „Die kleinen Verwandten”, „Lott- chens Geburtstag”, „Erster Klasse”. Von zeitgenössischen Autoren erscheinen im Spielplan des Theaters am Bodensee die folgenden Werke: Ferdinand Bruckner ,/Heroische Komödie um Napoleon Anouilh ,„Ball der Diebe”. Casona „Bäume sterben aufrecht”, Christopher Fry „Die Dame ist nicht fürs Feuer”, van den Berghe „Ich bin siebzehn”, Priestley „Seit Adam und Eva”, Axel v. Ambesser „Lebensmut zu hohen Preisen”. Dazu am Platz' des Kindermärchens das Schauspiel für Kinder von Erich Kästner „Emil und die Detektive”. Die gute Idee: An Opern sieht der Spielplan folgende Werke vor: Mozart „Figaros Hochzeit”, Verdi „Ein Maskenball”, Puccini „Tosca”, Smetana „Die verkaufte Braut’*, Hum- perdinck „Hansel und Gretel”. Die Operette bringt die bewährte Mischung aus glanzvoller Tradition und lebendiger Gegenwart: Johann Strauß „Eine Nacht in Venedig”, Offenbach „Orpheus in der Unterwelt”, Lehar „Die lustige Witwe”, Calman „Gräfin Marizza”, Dcstal „Clivia”, Oscar Sriauß „Ein Wal- zertraum”, Fred RsTymOfid „Maske m Blau”. Ueber die endgültige Auswahl einzelner Werke wird das Theater sich zweifellos erst schlüssig werden können, wenn seine Situation endgültig geklärt ist. Dann erst kann die Leitung des Theaters auch alle Möglichkeiten der Besetzung, der Ausstattung usw. übersehen. Interessant ist im Plan des Schauspiels das starke Hervortreten der zeitgenössischen dramatischen Literatur des Auslands: es stehen 3 Werken deutscher Autoren, fünf Werke aus fremden Sprachen gegenüber. Dabei handelt es sich fast durchweg um Stücke, die in den vergangenen Monaten auf anderen deutschen Bühnen beträchtliche und zum Teil sensationelle Erfolge erzielten. Die interessierte Oeffentlichkeit wartet mit beträchtlicher Spannung auf die Entscheidung der Stadt. Die Situation des Theaters verträgt ein noch längeres Hinausziehen dieser Entscheidung nicht mehr. Erfolgversprechende Verhandlungen über Gastspiele in anderen Städten des Bodenseegebietes bedürfen zu ihrem erfolgreichen Ausreifen natürlich auch der Klärung der Situation in Konstanz. Heinzelmännchen auf Der Marktftätte Wer Glück und den richtigen Wagen hat, bekommt ihn umsonst gewaschen Es ist erbaulich und nicht unvorteilhaft, an der Marktstätte zu wohnen: Ein Blick aus dem Fenster, und man ist orientiert. Man weiß, daß die Likörfabrikanten eine Tagung haben, oder daß in Konstanz eine Verständigung zuwege gebracht werden soll. Das sieht man genau an den Fahnen J und Transparenten. Einmal jedoch sah der aus dem Fenster blickende Marktstättenanwohner etwas durchaus ungewöhnliches: Zwei nette blonde junge Männer in dunkelblauen Overalls putzen ein Auto. Mitten auf der Marktstätte. An Tankstellen und in Werkstätten ■ eine Selbstverständlichkeit. Aber hier auf der Marktstätte? „Hat hier“ — so dachte der Anwohner — „vielleicht ein Feriengast so viel Geld, daß er es sich leisten kann, zwei Wagenwäscher extra zu bestellen und für sich arbeiten zu lassen, während er im Hotel frühstückt?“ — Aber nein, denn jetzt gingen die beiden Burschen schon daran, • den zweiten dort parkenden Wagen zu waschen. Dann, eine Reihe auslassend, den dritten und so weiter. Bei näherer Betrachtung war festzustellen, daß sämtliche gewaschenen Wagen von ein und derselben Fabrikmarke, den Volkswagen-Werken nämlich, waren. Also keine „fliegenden Wagenwäscher“, die auf eigene Rechnung und eigenes Risiko arbeiten, sondern Kundendienst einer Autoflrma. Ein diskreter und unauffälliger Kundendienst, denn es wird für die geleistete Arbeit weder Lohn : noch Trinkgeld gefordert oder erwartet, i noch wird der Autobesitzer etwa darauf aufmerksam gemacht. Es geht wie den berühmten Heinzelmännchen, ganz heimlich still und leise, vor sich. Das freut den Menschen heutzutage, der des vielen Lär- mens um wenig oder nichts schon müde ist. Eribra Vom 6. bis 9. August war der „Thur- gauer Hof’ Tagungelokal für eine interne Sitzung von Vertretern verschiedener Direktionen der Bundesbahn. Beraten wurde über eine Reihe von Einzelfragen des Personenbarifs. Verbindliche Beschlüsse wurden nicht gefaßt. einer Arbedtsgerichtsverhandlung einen belustigenden Disput — sind Spieler, die gut spielen, das heißt, die so viel Geschicklichkeit entwickelt haben, daß sie auf die Dauer immer mit kleineren Gewinnen das Casino verlassen. Der vollendete Geschick- lichkeitsspieler bedeutet für ein Casino den Ruin. Also — so sagt sich die Staatsanwaltschaft — muß die Leitung eines Casinos notwendigerweise, wenn auch vielleicht zunächst ohne unlautere Absichten, ein In- J teresse daran haben, daß unerfahrene Spieler kommen. Vom unerfahrenen Spieler zum Gliickspieler ist nur ein Schritt. Vom korrekten Geschicklichkeitsspiel um Unkorrekten ist es auch nur ein Schritt. All- zulekht wird ein Casino geneigt sein, wenn i Verluste drohen, über 'kleine Mängel hinwegzusehen. wie etwa den, daß gesetzt wird, bevor die Kugel rollt. Wenn dann einmal ein Mißstand eingerissen ist, folgt bald der nächste. So hat es ein Prozeß in Stuttgart gegen das dortige Spielcasino gezeigt, wo zum Beispiel festgestellt wurde, daß ein Croupier eine zweite Kugel mit anderem Gewicht in der Tasche hatte, die wenn eie gegen die richtige Kugel ausgewechselt wurde anders laufen und die Berechnungen der Spieler über den Haufen werfen mußte. Ist die Stadt Konstanz geschädigt worden? Waren für das Braunschweiger Gutachten die reinen Glückspielphaeen des „Spiralo“ maßgebend, kommen für den Staatsanwalt die vielfältigen und verlek- kenden Möglichkeiten zu unlauteren Manipulationen hinzu, um ihn zu veranlassen, jedem nur auftauchendfen Verdacht nachzugehen. So werden zur Zeit auch die Behauptungen des ehemaligen Chefcroupiers Blatzheim über das Konstanzer Casino genau untersucht. Kernstück dieser Behauptungen sind die sogenannten „Transporte“ von Spielmarken. Am Abend, vor Beginn des Spiels, werden Spielmarken, „Jetons“ genannt, die für Bargeld gelten, auf den Tisch des Casinos gelegt. Diese ,Auflage“ — eie kann einige tausend Mark betragen — dient zur Auszahlung der Gewinne. Jeder Spieler kauft eich an der Kasse Jetons für den Betrag, den er zu riskieren gedenkt. Nun kann es Vorkommen, daß durch die Gewinnauszahlungen beim Croupier gewisse Sorten von Jetons knapp werden. Es gibt da Jetone, die für eine Mark, zwei .Mark, fünf Mark und so weiter, bis hundert Mark gelten. Angenommen, die Zwei-*Mark-Jetons sind knapp geworden. Der Croupier nimmt jetzt 10 Jetone ä 10 Mark vom Tisch, übergibt sie einem Pagen, der damit zur Kasse geht, um sie gegen 50 Jetons ä 2 Mark einzuwechseln, die er zum Tisch bringt. So ist die Höhe der Auflage die gleiche geblieben wie am Anfang, nur daß andere Sorten von Jetons verwendet werden. Diese Transporte gehlh unter den Augen zweier städtischer Kontrolleure und aller übrigen Anwesenden vor sich. „Nun hat man“ — behauptet Blatzheim — „an der Kasse beim Wechseln zwar die richtige Anzahl von Jetons zum Tisch geschickt, von denen aber, die der Page zur Kasse gebracht bat, ist jeweils ein Teil verschwunden.“ Diese Manipulationen sollen mehrfach abendlich stattgefunden haben, während die städtischen Kontrolleure nicht zugegen waren. Bei der Schlußabrechnung wäre dadurch der Gewinn des Casino® scheinbar bedeutend geringer gewesen, als er es tatsächlich sein mußte. Die Stadt Konstanz, die 50 Prozent der Gewinne zu beanspruchen hat, soll auf diese Weise erheblich geschädigt worden sein. Vorgänge, die nachzuprüfen sind Manipulationen, wie die geschilderten, sind nach Ansicht der Staatsanwaltschaft möglich. Es besteht auch der Verdacht, daß sie im Konstanzer Casino vorgenommen wurden. Ein Verdacht aber ist hoch kein Beweis. Die Behauptungen Blatzheims sind, wenn man ihnen auf den Grund geht, vage. Da tauchen unkc-ntrol- lierbare, phantastisch anmutende Zahlen auf, da wird mit Wahrscheinlichkeiten operiert, da wimmelt es von Anschuldigungen " und auch Beleidigungen, als handle e9 sich hier um eine reichlich private Angelegenheit, die am besten von den Beteiligten unter eich ausgemacht würde. Da nun aber öffentliches, vielleicht sogar strafrechtliches Interesse vorliegt, so muß reiner Tisch gemacht werden im Spielcasino. Es müssen peinliche Fragen beantwortet werden, wie etwa die, ob es stimmt-, daß Herr Shelley, der als Finanzier des Unternehmens auftritt, nicht geeignet sei, eine Konzession zu erhalten und deshalb Strohmänner als Lizenzträger vorschieben mußte? Und: ob die Stadt Konstanz davon Kenntnis eder keine Kenntnis hatte? Die Stadt Konstanz hat dem geschäftsführenden Gesellschafter, Herrn Krüger, schriftlich mitgeteilt, daß sie mit der freiwilligen Schließung keineswegs einverstanden ist und daß sie die Gesellschafter für den daraus entstandenen finanziellen Ausfall haftbar macht. Wenn aber in einem Geschäft, an dem die Stadt beteiligt ist, gewisse Unklarheiten auftreten, sollte doch nun das Bestreben, Klarheit zu schaffen, sichtbar werden! Vielleicht wird die Stadtratssitzung am Montag, auf deren Tagesordnung unter anderem auch das Spielcasino steht, in dieser Richtung wirken. 9 Die am 14, Juli 1961 in der Seestraße 21 eröffnete Spielbank Konstanz KG, unter der Geschäftsführung der Spielbank Baden-Baden GmbH. & Co., erklärt, daß sie mit dem Spieleasino „Wienerhoif“ Konstanz nicht identisch sei. eis 'iEl Samstag, 11. August 1951 SÜDKURIER K Nr. 124 / Seite 10 Smutje Stabtmidjddjten Zroifchenbilanz im FremÖenoerheht: „Anftefgenö" Bisher mehr Uebernachtungen als zur gleichen Zelt Im Vorjahr Die Meisterprüf ungen im Blechnär- und Installateurhandwerk bestand nach Besuch der staatlichen Meisterschule Karlsruhe Karl Thomas jun.. Sohn des Blechnermeisters Karl Thomas, Konradigasse 13, mit Erfolg. Bei der anläßlich des Badischen Schneidertages in Baden-Baden abgehaltenen Modell-Lehrtagung erhielt Schneidermeister Wilhelm Löhri. Dacherstraße 13, für sein Modell in der Gruppe Damenkostüme eine silberne Medaille. Am Mittwochvormittag wurde auf dem Löwenplatz (gegenüber dem Wiener Hof) ein Radfahrer von einem nach rückwärts stoßenden Lastkraftwagen erfaßt Der Radfahrer wurde verletzt das Rad schwer beschädigt * Die Geschäftsstelle des Haus- und Grundbesitzervereins Hofhalde 12, ist vom 13. bis 31. August geschlossen. Morgen Vormittag findet im Stadtgarten ein Freikonzert des Mandolinen-Orche- sters Konstanz unter Leitung von J. Traub statt. Am Sonntagvormittag wird in der Lutherkirche die erneuerte Orgel ihrer Bestimmung übergeben. Am Abend wird Professor Förstemann, der Schöpfer der erneuerten Orgel, in einem Orgelkonzert Werke von J. S. Bach, Buxtehude, Pachel- bel, Reger und ein eigenes Werk spielen. Der „Rollende Weinkeller” kommt am Sonntag wieder mit einem Sonderzug nach Konstanz. Bei einem Vortragsabend des Aero- Clufos Konstanz im „BilgerbräukeUer” wurden zwei Filme über Segelflug gezeigt. Die Schönheiten des Segelflugs kamen. vor allem in den Aufnahmen vom Hornberg und der Rhön gut zur Geltung. Im Gloria gibt es in einer Spätvorstellung am Samstag ein Wiedersehen mit Heinrich George in dem Kriminalfilm „Der Verteidiger. hat das Wort”. Das Capitol bringt am Samstag und Sonntag, jeweils in Spätvorstellungen, den Abenteuerfilm „Die Bestie von Shanghai”. Im Roxy -wird in einer Spätvorstellung am Samstag und in einer Matinee am Sonntag der Film „Entfesselte Leidenschaften” gezeigt. Am Montag Stadtratssitzung Am Montag um 16 Uhr ist im neuen Stadtratssaal im Haus zum „Thurgau“, Für größere Turniere reicht Wie sich beim Bodensee-Tennisturnier am letzten Wochenende wieder gezeigt hat, ist die Platzanlage des Tennis-Clubs Konstanz am „Gütle“ längst zu klein geworden, um derartige Veranstaltungen dem Rahmen entsprechend durchführen zu können. Nur unter Zuhilfenahme des übrigens sehr schön instandgehaltenen Tennisplatzes der Zahnfabrik an der Reichenaustraße, der freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, konnten alle Spiele bis zum Sonntagabend abgewickelt werden, und auch das nur, weil die Turnierleitung durch gewisse Maßnahmen eine zu lange Dauer einzelner Wettkämpfe unterbunden hatte. Genau so nachteilig wirkt sich die Tatsache aus, daß man nicht genügend Zuschauer auf. der jetzigen Anlage unterbringen kann, was natürlich mit finanziellen Einbußen für den veranstaltenden Tennisklub verbunden ist. Neben dem Motorenlärm der Mainaustraße beklagten sich viele Gäste über die Schwärme von Mücken und Schnaken, die in dem diskret hinter Gebüsch verborgenen ehemaligen „Jauchebunker“ des Krankenhauses eine ideale Brutstätte finden und von entsprechenden Düften begleitet über Zuschauer und Spieler herfallen. Klein- logel, Darmstadt, seit 25 Jahren eine bekannte Erscheinung auf den deutschen Turnierplätzen, äußerte, er habe nirgends so ungünstige Verhältnisse angetroffen wie gerade in Konstanz. Wenn man berücksichtigt, daß durch das Bodensee-Turnier eine beachtliche Zahl von Fremden für mindestens drei Tage nach Konstanz gebracht wurden — die 120 Teilnehmer kamen nicht allein —, so dürfte die Schaffung einer großzügigen und modernen Tennisanlage ebenso im Interesse der Fremdenstadt Konstanz wie dem der zahlreichen Tennisfreunde liegen. Wie man hört, ist der erste Schritt dazu kürzlich mit einer Geländebegehung in der Eichhornstraße getan worden. fs Nürnberger Besuch beim Geflügelzuchtverein Am vergangenen Sonntag besuchte der Geflügelzuchtverein Nürnberg-Buchenbühl mit zwei großen Omnibussen und' mehr als 100 Personen den Geflügel- und Taubenzuchtverein Konstanz. Der Vorsitzende des Kcnstanzer Vereins, Gärtnermeister Leirer, und Kreisvorsitzender, Bildhauermeister Küster, hatten die Gäste bereits in Meersburg abgeholt und nach Konstanz geleitet. Nach einer Besichtigung der Stadt und einem Besuch der Insel Mainau war abends in der Gaststätte „Schauinsland“ ein gemütliches Beisammensein mit den Nürnberger Geflügelzüchtern, zu denen eine Sitzung des Stadtrats. Auf der Tagesordnung stehen 21 Punkte, u. a. die Theater- und Spielkasino-Frage, die Unterbringung des Fürsorgeamtes, ferner die Entwicklung bei den Verkehrsbetrieben, das Parkproblem an den Fährelandestellen Staad und Meersburg, sowie ein Bericht über das vierte Fährschiff. Der See um nahezu 30 cm gestiegen Die starken Regenfälle im Engadin und im Gotthardgebiet führten dem Rhein erhebliche Wassermengen zu. So ist der See, der in den letzten Tagen im Tagesdurchschnitt um drei his vier Zentimeter fiel, seit Mittwoch wieder rasch gestiegen. Bereits bas zum Mittwochabend war ein Ansteigen des Sees von 4,31 m auf 4,36 m festzustellen. Am Domnerstagvormittag konnten bereits 4,46 m abgeiesen werden, am Freitag 4,50 m. Der See stieg also innerhalb knapp 46 Stu.nden tim rund 30 Zentimeter, eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, daß jeder Zentimeter mehr eine Zunahme von 5,4 Millionen Kubikmeter Wasser bedeutet. Hochwassergefahr besteht jedoch einstweilen nicht, da die Niederschläge nahezu aufgeihört haben und der See bereits wieder eine fallende Tendenz zeigt. Von seinem diesjährigen Höchststand von 4,96 m ist der See noch um mehr als 36 Zentimeter entfernt. Der mittlere Hochwasserstand liegt um 4,75 m. Viel Obst Der gestrige Wochenmarkt brachte wieder, neben viel Gemüse, Obst in Hülle und Fülle. Die Weintrauben sind um 30 bis 40 Dptf. im Preis gesunken, sie kosteten 1.40—1.50 DM. Reineclauden waren diesmal für 40 Dpf. vorhanden. Mirabellen gab es für 55 Dpf. Pfirsiche kosteten 95 Dpf., 1 DM und 1.10 DM, Aprikosen 1.10 bis 1.20 DM Pflaumen konnten die Hausfrauen fast an jedem Stand zu 20, 25, 30 und 45 Dpf. kaufen. Für Zwetschgen bezahlten sie 45 Dpf. Auch Aepfel waren diesmal in reicher Auswahl vorhanden. Auslese Ia kostete 55 Dpf., andere Sorten 40 und 50 Dpf. Birnen gab es in verschiedenen Preislagen für 25, 40, 45 und 50 Dpf. Die türkischen Kirschen kosteten 32 Dpf. An den Gemüseständen gab es Bohnen für 20, 30 und 35 Dpf., Blumenkohl war zahlreich für 40—60 Dpf. vorhanden. Tomaten sind wieder um 10 Dpf. billiger geworden, sie kosteten 40—45 Dpf. Gurken, in großer das „Gütle“ nicht mehr aus I sich noch Mitglieder der Vereine Singen mit Vorsitzendem Sedelky -und Rielasin- gen mit Vorsitzenden Liebl an der Spitze gesellten. Der Konstanzer Verein erhielt eine für das künftige Tischbanner vorgesehene Schleife, Kreisvorsitzender Küster und der Vorsitzende des Konstanzer Vereins, Leirer, den Nürnberger Trichter. Die verschiedenen Ansprachen wurden durch Darbietungeh der Kapelle Walser und Xy- laphonvorträge (Mangold) umrahmt. Der Konstanzer Gegenbesuch wird vielleicht schon in Kürze erfolgen. Die neuen Filme Neptuns Tochter (Gloria) Ein Film voller Farben, mit unwahrscheinlichem Tempo, höchst drolligen Einfällen und viel Musik, eine sehr elegant verfilmte Revue; Man kann sich herzhaft daran erfreuen. Die Handlung ist ziemlich unwichtig, wie immer bei solchen Filmen. Im Grunde sind es nur aneinandergereihte Szenen, die den Darstellern ausreichend Gelegenheit geben, ihr tänzerisches, sängerisches und schauspielerisches Können wirksam zur Schau zu stellen. Die stärksten Akzente hat hier das Buffo-Paar; Red Skelton als Masseur und Betty Carret als liebes, und heiratssüchtige Modeschau-Regisseurin. Ja, Modeschau gibt es auch. Vom großen Abendkleid bis zum Badeanzug wird eine verwirrende Fülle an modischer Schönheit geboten. Auch ein großes Wasserballett fehlt nicht und zu allem kommt die temperamentvolle und melodiöse Musik, die den etwas dünnen Handlungsfaden tragfähig macht. Alles in allem: eine harmlos spritzige Unterhaltung, die entspannt und erheitert. W. M. Gangster der Prärie (Scala) Würde dieser Film nicht im Amerika des 19. Jahrhunderts, sondern in Deutschland spielen, so müßte sein zeitgemäßer Titel wohl „Zwischen Pflicht und Liebe“ heißen müssen. Ein Offizier, vom Oberkommando zur Aufklärung mehrerer Mordtaten eingesetzt, die sich irgendwo im Wilden Westen bei von Soldaten begleiteten Goldtransporten ereignet haben, verliebt sich in die Besitzerin einer Wild-Westbar, die außer dieser Bar noch mehrere andere Betriebe und handfeste Freunde besitzt. Sie aber fängt für ihn erst Feuer, nachdem er den kräftigsten Burschen nach kunstlosen Regeln in einem Catch as catch can Box-' und Ringkampf erledigt hat Der Held (Dick Powell) bekommt bald heraus, daß die Frau (Jane Greer) — wie sagt man doch? — einiges auf dem Kasten hat Und das eigentliche Spannungsmoment des Films besteht darin, daß man höllisch aufpassen muß, auf welcher Seite der Held nun mitspielt Es ist eindeutig: Er spielt auf der Seite des Rechtes mit. Als er sie zum Schluß verhaften muß, gesteht er ihr seine „Liebe“, sie versucht, ihn zu becircen und vom Wege des Rechts abzubringen. Da erscheint ihr Hauptfreund, um den Helden und Nebenbuhler umzulegen. Schlußeffekt: Sowohl der Heute Meersburger Schloßbeleuchtung Heute Samstag führt die Stadt Meere- bcung ihre traditionelle Schloßbeleuchtung durch. Dieses sommerliche Fest soll 1951 im Gedenken an seinen Begründer Dr. Karl Moll, Meersburgs erfolgreichen Bürgermeister und Journalisten, besonders prächtig ausgestaltet werden. In der Stadt- und Schloßbeleuchtung findet es in Verbindung mit einem Höhenfeuerwerk seinen Höhepunkt. Meersburg hat für alle ähnlichen Seenachtfeste am Bodensee das Vorbild geliefert, und die rote Bengalbeleuchtung seiner reizvollen Naturkulisse wird ebenso wie bei Heidelberg im weiten Kreis der Kurgäste am See stets eine zauberhafte Augen auf im Straßenverkehr l Erinnerung an den Feriensommer bleiben. Die diesjährige Bengalbeleuchtung bringt einen ganz neuen Gedanken: Durch den Effekt einer großen Rakete wird z. B. das ganze Stadtbild ln Rot von oben her erleuchtet werden, während gleichzeitig von unten her die Beleuchtung der Meersburger Schlösserkulisee einsetzt. Die gesamte Bodensee-Flotte fährt — f&tlich illuminiert — in zwei Halbkreisen vor der Stadt auf. Die Beleuchtung beginnt um 22.15 Uhr. Sie wird bei ungünstiger Witterung auf Sonntag, den 12. August (zu gleicher'Zeit), verlegt * Anläßlich der Meersburger Schloßbeleuchtung wird, wie das Eiseribahnrver- kehrsamt Konstanz mitteilt, der letzte nach Singen verkehrende Personenzaig bis 24 Uhr zurückgestellt damit den auswärtigen Teilnehmern der Besuch der Schiffssonderfahrten ermöglicht wird. Menge vertreten, waren für 30—50 Dpf. zu haben. Für Kopfsalat wurde 10—15 Dpf. verlangt. Auch Endivie ist wieder aufgetaucht; er kostete 10—20 Dpf. Paprikaschoten waren mit 60—70 Dpf. ausgezeichnet. Wir notieren weiter: Gelberüben 20 Dpf., Zwiebeln 20 Dpf., Wirsing 20 Dpf., Rotkraut 20 Dpf., Rahne 15 Dpf. ,Bayer“ Leverkusen verließ Konstanz Der fünftägige Besuch des Männergesangvereins Bayer Leverkusen fand mit einem Familienabend im Festsaal v-on „St. Johann“ am Donnerstag seinen Abschluß. In den einzelnen Ansprachen wurde ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Tage geworfen. Der Vorstand des MGV Bayer Leverkusen, Sauer, war voll des Lobes über die herrliche Landschaft am See und die Gastfreundschaft der Konstanzer Sänger. Nach dem Austausch der Erinnerungsgaben kam das deutsche Lied zu seinem Recht. Abschließend dankte der Vorstand des Männergesangvereins „Gemütlichkeit“ den Gästen für den Besuch, während der Vereinsvorstand von Bayer Leverkusen den MGV „Gemütlichkeit“ einlud, am 50jährigen Jubiläum der Leverkusener mit dabei zu sein. Er dankte insbesondere auch der Konstanzer Trachtengruppe. Gestern vormittag verließen die Gäste die Stadt, um in Ihre rheinische Heimat zurückzukehren. Nebenbuhler wie die Gangsterbraut sinken mehr oder weniger tot um. Sie hat gerade noch Zeit, auch ihre tiefe Liebe zu gestehen. Woraufhin der Held, ziemlich kühl, hinwegreitet und ein Song ertönt, daß nun bald auch hier an die Stelle der Gewalt das Recht treten wird. Der Film ist bemerkenswert durch seine Songs und die übrige Musik, durch schlagfertigen Dialog, sowie durch die bemerkenswerte Abwesenheit von Seele bei den beiden Hauptpersonen, die im Stil ganz den Dialogen entspricht. Bemerkenswert aber auch die sparsame Verwendung der sonst in solchen Filmen üblichen handgreiflichen Roheiten. (Oder sollte da nachträglich die Schere mitgeholfen halben? Bisweilen hat man den Eindruck.) Wie bei einem Kriminalfilm — aber eigentlich ohne Kriminalfilmtechnik — wird der Intellekt angesprochen und unterhalten. -ng „Sein Engel mit den zwei Pistolen“ (Capitol) Ein Paramount-Farbfilm, der dem Wildwestmilieu humorvolle Seiten abzugewinnen versucht, oder wenn man so will, eine typische Bob-Hope-Komödie, einmal in anderen Kulissen inszeniert. Held des Streifens ist, wie schon gesagt, der amerikanische Komiker Bob Hope mit Fliege und rundem Hut über dem Mondgesicht. Als Dentist, der es bei vorsintflutlichen Methoden der Zahnbehandlung nicht leicht hat mit seinen rauhen Kunden, vertauscht er die Melone mit dem Cowboyhut und schließlich noch mit der Tiermaske eines Medizinmannes; denn Bob muß vorübergehend sogar an den Marterpfahl. „Sein Engel mit den zwei Pistolen“ ist die schwarzhaarige Jane Rüssel, eine unerschrockene Wildwestamazone, die Bob durch alle Fähmiss» mit Waffenschmugglern und Indianerstammen bringt. Es wird dabei nicht nur nach allen Richtungen geschossen, das Drehbuch versorgt die Kamera nebenbei auch noch mit einer ganzen Reihe malerischer Dynämitexplosionen. Leider hat es zu einer echten Parodie des Indianer- und Cowboyfilmes nicht gereicht. Man sieht, daß sich dieser Filmtyp eigentlich kaum noch ins Unglaubwürdige übertreiben läßt. Das Ganze kommt heraus auf pausenlos abrollende Situationskomik der Kamera aus der Zeit des Kintopps, die oft merkwürdig zur Farbe (Technicolor) im Widerspruch steht. Nichtsdestoweniger, für einfachere Gemüter und ,Das kann ja ein schöner Sommer werden!” — sagten die Leute in Konstanz, als der Mai mit Regen und nochmal Regen, ja mit Schnee und Kälte seinem guten Namen „Wonnemonat” alles andere als Ehre machte. Und die Herren Wetterpropheten taten ein übriges, allen Gastwirten, Hoteliers und Zimmervermieterinnen die Laune zu verderben. Eine kleine Zwischenbilanz, jetzt auf dem Höhepunkt der Saison, ergibt allerdings ein Bild, bei dessen Anblick der Gastronom und jeder, der vom Fremdenverkehr lebt, nur gut gelaunt schmunzeln und sagen kann: „Weiter so! Und es wird eine Rekordsaison.” Die abschreckende Wirkung schlechten Wetters wird oft überschätzt., Wer sich einmal vorgenommen hat, zu verreisen, und sei es auch nur für ein Wochenende, der läßt sich heutzutage, da alles auf rationelle Zeiteinteilung ankommt, nicht so schnell von seinem Vorhaben abbringen. Außerdem steht der Bodensee in dem Ruf, immer besseres Wetter zu haben, als das übrige Deutschland. Und so kamen dann auch trotz Regen die Omnibusse, es kamen die Sonderzüge, und auf der Marktstätte war es schon früh in der Saison schwer, für den Autofahrer einen Parkplatz zu finden. Liegt die Bilanz des Verkehrsamtes schon für das erste Quartal 1951 mit 14135 angekommenen Reisenden und 28 808 Uebernachtungen um etwa 1500 über der des Vorjahres, so zeigen die folgenden Quartale eine noch erheblich günstigere Entwicklung. Hierfür stehen die Zahlen zwar noch nicht fest, jedoch läßt ein Vergleich mit denen des Jahres 1950 schon eine ungefähre Prognose zu. 1951 sind während der beiden Saisonquartals zusammen fast 82 000 angekommene Reisende mit 217104 Uebernachtungen registriert worden. Bei grober Schätzung kann man in Anbetracht der diesjährigen Entwicklung mit rund einer Viertelmillion Uebernachtungen während der beiden Saisonquartale rechnen. Das Verkehrsamt, bei dem 2000 Privatbetten und 1500 Hotelbetten eingetragen sind, ist an manchen Tagen bis auf das letzte Mansardenzimmer ausverkauft“. Wenn dann überraschend, wie es zuweilen geschieht, ein Omnibus mit 30, 40 oder 50 Personen unangemeldet in Konstanz auftaucht, und der Reiseleiter vom Verkehrsamt kategorisch die Unterbringung dieser Leute verlangt, dann ist die Not groß. Dann muß nach Allmannsdorf, nach Egg, nach Wollmatingen telefoniert werden, bis das Wunder geschehen ist und auch der letzte müde Gast ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen hat. Der Ruf nach dem Verkehrsposten „Wäre es nicht möglich, die Polizei davon zu verständigen, wie notwendig während der Badesaison, hauptsächlich an Sonn- und Feiertagen, die Aufstellung eines Verkehrsschutzmannes än der Ecke Eichhornstraße— Mainaustraße wäre. Es scheint wie ein Wunder, daß sich dort bisher keine größe- vor allem für Jugendliche ist der Film so wirksam wie das Lachgas, mit dem der Wildwest-Dentist Bob Hope seine bärtigen Hinterwäldler behandelt. -enz- 3. Serenaden-Konzert auf der Mainau Am kommenden Mittwochabend (Mariä Himmelfahrt) findet auf der Mainau das 3. Serenaden-Konzert des Städt. Orchesters unter Leitung von Musikdirektor Dr. Richard Treiber statt. Auf dem Programm stehen Wiener Meister. An die Ouvertüre zu „Titus“ von Mozart schließen sich die „Elf Wiener Tänze“ von Beethoven an, denen die Zwischenakt- und Ballettmusik aus „Rosamunde“ von Schubert folgt. Den Abschluß bildet eine der amüsantesten Tondichtungen von Jos. Haydn, die Symphonie Nr. 45 in fis-moll. Diese sogenannte „Abschiedssymphonie“ stammt aus dem Jahre 1772 und war für die unter Haydns Leitung stehende Esterhazy’sche Kapelle bestimmt. Das Finale, ein musikalischer Scherz mit durchaus ernstem Ausdruck, sollte dem Fürsten eine Bitte seiner Musiker um Urlaub, den er nicht hatte bewilligen wollen, in drastischer Form nochmals unterbreiten: Einer nach dem andern packt sein Instrument, löscht sein Licht und geht. Schließlich bleiben noch zwei Violinisten, die den anmutig melancholischen Schlußgesang ausklingen lassen. Bisher 2000 Besucher Die Ausstellung von Handzeichnungen des 16.—18. Jahrhunderts im Wessenberghaus wurde bisher von 2000 Personen besucht. Neben italienischen und deutschen Fachgelehrten besichtigten auch solche aus Holland die Zeichnungen und äußerten sich namentlich über die Arbeiten der Niederländer außerordentlich anerkennend. Große holländische Zeitungen veröffentlichten erst in den letzten Tagen größere bebilderte Aufsätze über die Konstanzer Sonderschau. Ausstellung Adolf Greis Die Stadtbücherei im Wessenberghaus zeigt in ihrem Ausleihraum in der Zeit vom 13. August bis einschließlich 8. September eine Ausstellung von Mosaikbildern des Konstanzer Kunstmalers Adolf Greis. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Bücherei (täglich von 10—12.30 und 16—18 Uhr mit Ausnahme von Mittwoch- und Samstagnachmittag und Sonntag) zu besichtigen. Groß sind die Anforderungen, die an das Organisation»- und Improvisationstalent der Damen und Herren vom Verkehrsamt gestellt werden! Die Neigung bei den Konstanzer Einwohnern, Fremdenbetten zur Verfügung zu stellen, hat augenommen. Manch einer nimmt heute gern die Gelegenheit wahr, sich durch Vermietung einige Mark zu- I sätzlich zu verdienen. Sogar Villenbesitzer am See sind darunter zu finden. Feriengäste, die oft zunächst widerstrebend in solche Privatquartiere gezogen sind, äußern sich bei ihrer Abreise meist begeistert über die gute Aufnahme und den menschlichen Kontakt mit ihren Wirtsleuten. Vor allem aber sind bei den Privatquartieren die Preise in ihrer Höhe begrenzt. Das Verkehrsamt vermittelt im allgemeinen nur Zimmer, die nicht über 4.50 DM pro Nacht, einschließlich Frühstück, kosten. Ja, die Preise! Das ist für Koiistanz ein heikles Kapitel. Wie oft muß man es von Reisenden hören: „Konstanz, schön und gut! Schöne Landschaft, guter Wein, nette Menschen, viel los — aber die Preise!“ — Es gibt Gäste, und das sind nicht die schlechtesten, die sich ganz eindeutig darüber äußern, die sich — rund heraus gesagt — geneppt fühlen und deshalb nicht wieder kommen. Und jeder, der in Deutschland herumkommt, sei er nun in München, Frankfurt oder gar Hamburg, das weiß Gott keine billige Stadt ist, gewesen, schüttelt fassungslos den Kopf, wenn er von diesen Preisen — wir wollen sie im einzelnen gar nicht andeuten — hört oder sie am Geldbeutel zu spüren bekommt. Auf die Dauer gesehen, kann sich das sehr ungünstig auswirken. Es ist nämlich in unserem Fremdenverkehr eine starke Tendenz zum sogenannten „Sozial touris- mius" zu spüren. Das heißt, es reisen viele Menschen mit verbilligten Zügen oder Omnibussen, reisen in großen Gruppen, weil es so billiger ist. Die Kleinigkeiten, die sie 6ieh nebenher leisten können, wenn sie den Pauschalbetrag für die Reise bezahlt haben, sind für sie in Konstanz vielfach unerschwinglich. Man sollte sich das doch überlegen und etwas weitsichtiger bei der Preisgestaltung sein! Als großer Prestigeerfolg werden in der laufenden Saison die internationalen Mu- siktage verzeichnet, die für Konstanz viele neue Freunde geworben haben. Die Spielbank ist noch zu jung und zu neu, als daß man van ihr als Faktor im Fremdenverkehr etwas grundsätzliches berichten könnte. Es sind jedoch für die nächste Woche gerade von dieser Seite einige Informationen für die Oeffentliqhkeit zu erwarten. hbr. ren Verkehrsunfälle ereigneten. Sollte unserem Wunsche bald Rechnung getragen werden, wären außer mir noch viele andere Verkehrsteilnehmer dankbar.“ L. Z. Das (böse Kopfsteinpflaster „Wie wäre es, wenn der Bürgersteig am Fischmarkt zwischen Konzil und Engstier bzw. zwischen den beiden Bahnübergängen so hergestellt würde, daß er benutzt werden könnte? Dazu gehört Ausholzung der vom Bahndamm herüberhängenden Büsche und Aenderung des Kopfsteinpflasters. Man kann beobachten, daß Fußgänger, die vom Bahnhof herkommend zum Susosteig wollen, auf der Seite an Engstiers Biergarten entlang gehen und unnütz die Straße kreuzen.“ A. S. In der Mainaustraße zwischen Neuhauser- und Eichhornstraße ist der Asphalt längs der beiderseitigen Rinnen so schlecht, daß Radfahrer nicht die rechte Straßenseite einhal- ten können, wollen sie nicht Gefahr laufen, wegen der Unebenheiten zu Fall zu kommen. Abgesehen von dem' allgemeinen schlechten Zustand der Mainaustraße, die auf Kosten des unnützen Grünstreifens zwischen Bürgersteig und Fahrweg verbreitert werden könnte, ist doch der holprige Zustand des schlecht geglätteten Asphalts unmöglich.“ A. C. Pfützen auf dem Weg Der Gehweg vom Salzberg bis zum Krankenhaus ist bei Regenwetter nicht begehbar. Dieser Weg ist völlig auf geweicht und hat größere Wasserpfützen, so daß ihn die Fußgänger kaum begehen können. Außerdem hängt das Gesträuch bis in die Mitte des Weges hinein. Ein fest ausgebauter Weg wäre hier zu jedermanns Nutzen. Es ist deshalb die Anfrage an die Stadtverwaltung zu richten, warum der Gehweg einer solch starken Verkehrssträße nicht in Ordnung gebracht wird, damit die Passanten letzten Endes nicht noch den Verkehrsfahrzeugen zum Opfer fallen. Ein Fußgänger Fünf Fragen — fünf Antworten Ein Feriengast aus Nürnberg schreibt uns über das Konstanzer Seenachtfest: 1. Was war schön? Das Wetter, der See. das Feuerwerk. 2. Was war schlecht? Organisatorische und künstlerische Leitung. 3. Was war bewundernswert? Die Bärengeduld der Zuschauer. 4. Was war übertrieben? Propaganda und Eintrittspreise. 5. Was wäre wünschenswert? Eine bessere Durchführung im nächsten Jahr. L. F„ Nürnberg Konstanzer Hafenpegel. 9. 8. 449, 10. 8. 459 Zentimeter. — Wasserwärme am 10. August. Rheinstrandbad: 19, Freibad Horn: 20 Grad. (Weitere Heimat-Nachrichten Seite 12) Neue Tennieanlage erforöerltcb Leserbriefe an den „Südkurier“ 3 Auch Sie können einen lieblicherenTeint haben, wenn Sie Palmolive-Seife regelmässig jw verwenden.Fachärzte bestätigen es. ^ . \ • p AlMOLiy SÜDKURIER Nr. 124 / Seite 9 gams tag. 11. August 1951 Sp örldienst des Südkuriee Deutschlands Doppelerfolg über 5000 m wirkte lähmend Vor einem Sieg im Länderkampf gegen Schwede!* Beim Leichtathletik-Länderkampf Deutschland— geweden in Stockholm wohnten dem ersten y/ettkampftag etwa 15 000 Zuschauer bei, ob- w -ohl der Wettkampf durch strömenden Regen beeinträchtigt wurde. Nach Abschluß des ersten Tages mit zehn Wettbewerben führte Deutschland mit 60:46 Punkten. Der Vorsitzende des schwedischen Leichtathletikverbandes, Tage Eric- s on. sowie Rune Larsson für Schweden? Dr. Max panz und Hans Geister für Deutschland, erschienen vor den Tribünen, wo Tage Ericson die deutsche Mannschaft freudig begrüßte, die nach elf Jahren Unterbrechung zum erstenmal wieder gegen Schweden antrat. Resultate, 1. Tag: 110 m Hürden: 1. Lundberg (Schweden) 14,9 Sek., 2. Troßbach (Deutschland) 14 , 9 , 3. Theilmann (D) 15,1, 4. Mattson (S) 15,6. — 100 m: 1. Kraus (D) 10,9. 2. Vrydeh (S) 11,1, 3 , Andersson (S), 4. Fütterer (D). — 400 m: l Geister (D) 47,5, 2. Haas (D) 47,5, 3. Brann- «trom iS) 48,4, 4. Wolfbrandt (D) 48,7. — 800 m: 1 Utaheimer (D) 1:50,5 Min., 2. Cleve (D) 1:50,9, 3 . Sten (S) 1:51,7, 4. Bengtsson (S) 1:53,4. — Diskus: 1. Fransson (S) 46,81 m, 2. Hipp (D) 46,63, 3. Rosendahl (D) 44,81, 4. Arvidsson (S) 44,33. — 5000 m: 1. Schade (D) 14:21,0 Min., 2 . Müller fD) 14:34,0, 3. Albertsson (S) 14:35,6, 4. Lindmark (S) 15:33,0. — Hochsprung: 1. Ljungquist (S) 1,96 m, 2. Svensson (S) 1,96, 3. Baehr (D) 1,90, 4. Naumann (D) 1,86. — Weitsprung: 1. Göbel (D) 6,99 m, 2. Israelsson (S) ö;90, 3. Gleim (D) 6,81, 4. Palm (S) 6,69. — Kugelstoßen: 1. Arvidsson (S) 15,07 m, 2. Hipp (D) 14,95, 3. Theurer (D) 14,84, 4. Edlund (S) 14,26. — 4 x 100-m: 1. Deutschland 41.8 Sek., 2. Schweden 43.1 Sekunden. Die schwedische Presse befaßte sich in großer Aufmachung mit dem ersten Tag des Leichtathletik-Länderkampfes. Für alle Blätter stand ein deutscher Endsieg bereits fest. Dr. Max Danz, der Präsident des deutschen Leichtathletikverbandes, erklärte im „Svenska Dagbladet*: Ich hatte mit einem kleinen Vorsprung gerechnet, | aber die 14 Punkte kamen als völlige Ueber- raschung. „Dagens Nyheter* stellte fest, daß gegen einen deutschen Endsieg nichts auszurichten sei. Die beiden ersten Plätze der Deutschen im 5000-m-Lauf hätten lähmend gewirkt. Herbert Schade stand im Mittelpunkt der Betrachtungen. Edwin Wide, der alte Widersacher Paovo Nur- mis, sagte in der „„Morqon Tidningen*: Die Deutschen kämpften ohne Hemmungen. Für die Schweden kam der Kampf etwas früh in der Saison. Schade war der Mann des Tages. Bei seiner Klasse könnte man wagen, ihn zum Favoriten für Helsinki zu erheben, wenn volle Klarheit über seine Spurtfähigkeiten bestünden. von Cramm mit Bergelin in der Vorschlußrunde Er schlug Garret bei den Internationalen Meisterschaften — Drobny geschlagen Die schlechte Witteruncr macht den Oorgani- satoren der internationalen deutschen Tennismeisterschaften in Hamburg schwer zu schaffen. Nachdem bereits am Mittwoch wegen Regens der gesamte Spielbetrieb geruht hatte, mußte auch am Donnerstagnachmittag das Programm vorzeitig abgebrochen werden. Am Freitag war u nicht viel besser. Obwohl versucht wurde, die aufgeweichten Plätze durch Verbrennen von Benzin aufzutrocknen, machten neue Regenschauer diese Bemühungen zunichte. Immerhin fiel schon eine sensationelle Entscheidung. Der Titelverteidiger Jaroslaw Drobny, Favorit des Turniers, wurde von dem Dänen Kurt Nielsen überraschend geschlagen. Dänemarks Nummer 1 gewann in fünf Sätzen 1:6, 8-6, 6:2, 6:2, 2:6. Drobny spielte teilweise überaus lustlos. Der junge Däne, der den ersten Satz glatt abgeben mußte, kam dann sehr gut in Form, zeigte scharfe Kanonenaufschläge und erwies sich als sehr sicher. Nach dem Kampf sagte Drobny: .Ich bin einfach überspielt, ich brauche Ferien und muß aussetzen.' Der Wahlägypter strich sein Herrendoppel mit seinem Landsmann Cernik als Partner. Europas Spieler Nr. 1, der schwedische Da- vispokalvertreter Lennart Bergelin, erreichte durch einen hartumkämpften Fünfsatzsieg mit 7:9, 5:7, 6:3, 6:0, 6:3 über den Franzosen Bernard Destremau die Vorschlußrunde des Herreneinzels. Der 35rährige Franzose, der seine Nation mehrere Male im Davispokal vertrat und in Wimbledon auch unter die letzten 16 kam, lieferte dem 26jährigen Schweden einen Kampf, der eines Endspiels würdig war. Der Philippine Ampon schaltete den deutschen Davispokalspieler Ernst Buchholz leicht 6:2, 6:1, 6:4 aus. Einen spannenden Kampf lieferten die beiden gleichwertigen Spieler Garrett (USA) und Johannsson (Schweden), den Garrett nach wechselnder Führung im fünften Satz durch einen Doppelfehler seines Gegners siegreich 2:6, 5:2, 6:4, 4:6, 8:6 beenden konnte. Die Damen ermittelten ihre Teilnehmerinnen au der Vorschlußrunde mit der Meisterin von 1949, der Argentinierin Maria Weiß, Frau H. Kozeluh (Deutschland), der Schwedin S. Gustafsson und der Australierin Nancv Bolton. — Ergebnisse: Frau Pohmann (D) — Gustafsson (Schweden) 3:6, 2:6; Weiß (Argentinien) — Kramer (Deutschland) 6:4, 4:6, 6:3: Kozeluh (Deutschland) — Heidtmann (Deutschland) 5:7, 6:2, 6:4; Gustafsson (Schweden) — Boehm/Sutz (Schweiz) 8:6, 6:4; Bolton (Australien), — Schneider (Deutschland) 6:0, 6:1. Herren-Doppel. Viertelfinals: Mitic/Palada (Jogoslawien) — Denker-Saß (Deutschland) w. o. Ampon/Johansson (Philippinen/Schweden) — Huber-Redl (Oesterreich) 6:4, 6:4, 6:3. Garrett- Skonedci (USA / Polen) — Cavalli / Eliaeson (Schweden) 4:6, 6:0, 6:2, 6:4. von Cramm/Göpfert (Deutschland) — Treqonning/Williams (Australien/Südafrika) ohne Kampf für v. Cramm/Göpfert (w. o.l. Gemischtes Doppel, Vorrunde: Dietz/Göpfert (Deutschland) — Schneider/Peters (Deutschland) 6 : 1 , 6 : 2 . Gottfried von Cramm besiegte den jungen Amerikaner W. E. Garrett im Viertelfinale des Herreneinzels vor rund 2500 Zuschauern mit 6:3, 2:6, 6:4, 6:4, und gualifizierte sich damit für die Vorschlußrunde, in der er auf den schwedischen Davispokalspieler Lennart Bergelm trifft. Mit Beginn des vierten Satzes stand von Cramm bereits als Sieger fest. Der junge Amerikaner war völlig ausgepumpt, während von Cramm noch einen verhältnismäßig frischen Eindruck machte. Ausländer wollen den BMW-Siegeszug stoppen In Hodkenhefan sind nach Kraus/Huser weitere Motorradmeister fällig Das Rhein-Pokal-Rennen in Hodtenheim am Sonntag zahlt als 5. Lauf zur Deutschen Motor- la-d-Straßen-Meisterschaift, Sdion aus dieseim Grunde sind alle Anwärter auf die Titel am Star^ Darüber hinaus haben zahlreiche ausländische Fahrer ihre Meldungen abgegeben, so daß 156 Fahrer (darunter 45 Ausländer aus neun Nationen) auf dieser schnellsten Meisters-diaftepiste Europas an den Start gehen. Ein Blick auf den Stand der Meisterschaft macht ersichtlich, daß es in allen Klassen scharfe Auseinandersetzungen geben wird. Bedauerlich ist, daß der Reutlinger Baltisberger nach seinem Sturz am Schauinsland nicht mit von der Partie sein kann. In der Seiten- wagearklasse sind die Münchner !BtM!W-iHa , hreT Kraus/Huser bereits Meister. Die neuen BMIW- Maschinen haben in diesem Jahr, wo sie sich auch zeigten, großartige Triumphe gefeiert. Der Reiz der Rennen lag im Zweikampf Meier contra Zeller, und die Frage nach der Tagesbestzeit machten die Münchner bisher allein unter sich aus. Ihre außerordentliche Schnelligkeit bewies die BIMTW auf der Avus. In Hockenheim sind die Vorbedingungen ähnlich. Madien Ausländer den BMW's den Sieg streitig? Oder kommen die INSU jetzt besser heraus, nachdem man in Nedcarsukn. in den letzten Wodien fleißig gearbeit hat? Gutes Meldeergebnis für Erlen Das internationale Rundstreckenrennen für Automobile und Motorräder vom Wochenende in Erlen weist eine gute Besetzung auf. In der Hauptkonkurrenz für Rennwagen der Formel HI ist die Bcurie Gordini mit den Fahrern Maurice Trinti- gnant, Robert Manzon und Andre Simon gemeldet, ferner starten die Engländer Stirling Moss, Lance Macklm und John Heath mit dem HWM, die Deutschen Toni Ulmen und Paul Pietsch mit dem Veritas, Hans Stuck mit dem AFM und Franco Cortese (Italien) auf Ferrari. Gegen diese starke ausländische Konkurrenz sind die Schweizer Farben durch Rudolf Fischer (Ferrari), W. P. Daet- *yler fHWIMi), Anton Branca (Simca) und Peter Hirt (VeritasnMeteor) vertreten. Um 'die Freistilmeisterschaften Di« Arbeitsgemeinschaft der Badischen Schwerathleten hat sich entschlossen, für den kommenden Sonntag (12. 6. 1951')die gesamtbadiseben Landesmeisterschaften im Freistilringen nach Karlsruhe auszuschreiben. Der Südbadische Schwerathletikverband hat folgende Ringer nominiert: Jehl« (Freibung-Haslach), Gnirs (Gottma- dingen),, Dieringer (Freiburg-St, Georgen) alle Fliegengewicht; Epting (Homberg) und H-ülser rTennenbronn) im Bantamgewicht; Kempf (Hornberg) und Fr. Schüler (Freiburg-St. Georgen) Federgewicht; Heß (Triberg) und Heipel (Germania Freiburg) Leichtgewicht; Fischer (Germania Frei- burg), Vollmer (Vöhrenbach), Hö-Üner (Freiburg- Haslach) Weltergewicht; Keßler (Lahr) und Lauble (Homberg) Mittelcrewidu» Bör*ibarfd)aft Insel Reichenau. Das „Theater am Bodensee“ Konstanz gastiert morgen Sonntagabend, bei ungünstiger Witterung am Mittwoch, 15. August, auf der Liegewiese des Strandhotels Löchnerhaus. Aufgeführt wird die Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller. — Die Ringland-Lichtepiele zeigen am Sonntag- und Montagabend im „Bären“ „Die Frau vom Stromhof.“ Der Film ist für die Jugend verboten. Allensbach, Die Vorstellung des „Theater am Bodensee“ in Konstanz mit „Saison in Salzburg“ findet nicht, wie irrtümlich gemeldet, morgen Sonntag, sondern heute Samstag, statt. — Der Sonderzug der Bundesbahn anläßlich der 450-Jahrfeier in SchafEhaufen hält morgen Sonntag auch um 12.01 Uhr am hiesigen Bahnhof. Dingelsdorf. Die Kolp ingsfamilie zusammen mit Pfarrer Geistl. Rat Seyfried unternimmt morgen Sonntag eine Fahrt in das Säntisgebiet. — Die Ernte ist zum größten Tei'l eingebracht, das Ergebnis ist zufriedenstellend. Markelfingen. Am kommenden Sonntag feiert unsere Pfarrgemeinde das Patrozinium des hl. Laurentius. — Gestern mittag ereignete sich, wie die Radolfzeller Gendarmerie berichtet, hinter Markelfingen (Richtung Allensbach) ein Verkehrsunfall. Ein Volkswagen versuchte einen „Opel“ zu überholen, als der Fahrer des letzteren plötzlich links einbog zum Badestrand. Es kam zwangsläufig zum Zusammenstoß, wobei der „Opel“ umschlug, während der Volkswagen eine Kotflügelbeschädigung davontrug. Die Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon. Möggingen. Die Verbindungsstraße Güttingen—Möggingen, die von der Gemeinde instandgehalten werden muß und schon lange Zeit wegen der sehr starken Inanspruchnahme von großen Kraftfahrzeugen, wie z. B. Milchauto, Kursomnibus, Postauto, in einem überaus schlechten Zustand ist, wurde am Wochenende auf mehrmaliges Ersuchen durch die Gemeindeverwaltung vom Kreisrat besichtigt. Da der Kreis aber für eine Uebernahme und Instandhaltung dieser Straße nur über unzureichende Geldmittel verfügt, wird dieser Weg künftig polizeilich für Kraftfahrzeuge gesperrt. Da Sondergenehmigungen an die täglichen Benutzer dieser Straße erteilt werden sollen, bedeutet dieses Problem, insbesondere für die Landwirte, die den Weg mit einem Kuhgespann nur schwerlich passieren können, keine endgültige Lösung. Güttingen. Zur Teilnahme der Güttinger am Landesturnfest in Offenburg, die unter Führung von Turnwart Berthold Wiggen- hauser stand, wird uns ergänzend zu unserem Kurzbericht noch geschrieben: „Die Vereinsriege erhielt in der 4. Stärkeklasse die Note „vorzüglich“. Von je 30 erreichbaren Punkten schafften unsere Turner am Barren 29 und bei den Freiübungen 28 1 /*. Kurz nach Mitternacht kehrte die Tumer- sebar mit dem Eichenkranz an der Vereinfahne ins Heimatdorf zurück und wurde von Vorstandschaft und ehemaligen Turnern herzlich begrüßt. Es ist zu bedenken, daß jes für einen Landturnverein ein großes Wagnis bedeutet, an einem solchen, entfernt liegenden großen Turnfest teilzunehmen, zumal in einer Zeit, da die Landwirtschaft mitten in der Ernte steht. Güttingen aber darf stolz sein auf seine Turner, die trotz der schweren Tagesarbeit einen 1. Preis beim Landesturnfest errungen haben. Vielleicht trägt dieser schöne Erfolg mit dazu bei, daß die Turner zu gegebener Zeit einmal eine Turnhalle oder eine sonstige geeignete Uebungsstätte erhalten.“_ gewässer fahren darf, daß er eine Hafen- ordnung und Verkehrsregeln beachten muß, um nicht sich und andere Boote in Gefahr zu bringen, daß er sich nicht draußen mit Booten anderer Staatsangehörigkeit treffen darf. Der Schmuggel würde sich ohne diese Vorschriften manchen Weg durch das Zeltlager suchen, i Die Polizeivorschriften und Ordnungsmaßnahmen tun der Romantik am Ufer keinen Abbruch. Am warmen Sommerabend sitzen die Zeitgenossen am Lagerfeuer, lauschen den Klängen einer Mandoline oder eines Schicfiferklaviers und blicken wett hinaus auf den See, von dessen vielfältig echiUemden Schönheiten sie in den dutzenderlei Phasen zwischen Tag und Sonnenuntergang vielleicht mehr erhaschen als mancher ortsansässige Bürger. Und im Herzen manches sportlichjungen Menschenpaares steigen bei den sehnsüchtigen Liedern am Lagerfeuer vor dem Zelt vielleicht Wunschvorstellungen auf von einem größeren und festeren Heim. Kh. . i k .; * * W , klärt ist, wird Kurzschluß von der Werkstatt angegeben. Andere wieder behaupten, das Feuer wäre im Wohnhaus entstanden. Zunächst versuchte die Dettinger Feuerwehr trotz empfindlichen Wassermangels zu retten, was von dem großen Anwesen, das von anderen Häusern umgeben ist, noch zu retten war. Nachbarn halfen Wagnermeister Braunbarth das Vieh aus dem Stall treiben, andere wieder schleppten die Möbel aus dem Wohnhaus; Wäsche und Haushaltsartikel häuften sich in umliegenden Scheunen, doch konnte nur ein Teil des Mobiliars gerettet werden. Da die Dettinger Feuerwehr aus eigener Kraft des Feuers nicht Herr werden konnte, mußte die Freiwillige Feuerwehr aus Konstanz mit ihren Motorspritzen alarmiert werden. Mit zwei Löschzügen erschien die Konstanzer Feuerwehr schon nach einer knappen Viertelstunde auf dem Brandplatz, wo inzwischen das Feuer lichterloh brannte und auf das nur zehn Meter Alte Romantik unt> neue Orönung Lagerfeuer brennen entlang des Bodensees Auf allen Landstraßen im Bodeneee- gefoiet wimmelt es in diesen Hochsommerwochen von jungen Radlern und Motorradfahrern. Braungebrannt, so leicht gekleidet wie möglich, mit einem lustigen Mätzchen auf dem Kopf strampeln die jungen Radfahrer ihre Kilometer herunter. Kunstvolle Gepäckaufbauten mit Decken, Zeltplanen und blanken Kochtöpfen türmen sich über den Gepäckträgern, und in den Kurven kommen die Gepäcktürme bisweilen bedenklich ins Wanken. Ziel und Rastpunkt für alle die großen und kleinen, männlichen, weiblichen und gemischten Gruppen ist ein Stückchen Strand am Bodensee, wo das junge Volk mit bescheidener Reisekasse einen lockenden Aufenthaltsort findet. Alle Zeltplätze sind in diesen Tagen dicht besetzt. Und wohl der Gruppe, die ihr eigenes zusammenfaltbares Dach mitführt! Denn in den schön gelegenen Orten am Bodenseeufer wird der Herbergsraum für die wandernde Jugend im Hochsommer kaum einmal ausreichen. Das städtische Zeltlager in Konstanz- Staad weckt alte Erinnerungen, Erinnerungen an die Tage, wo man als wanderfroher Bub unbeschwert die schöne Welt durchstreifte und seine Pflöcke in den Boden rammte, wo es einem gerade gefiel. Das Fleckchen Erde, wo sich heute das Zeltlager breitet, hätte uns beispielsweise bestimmt zum Verweilen verlockt. Am Rande des freundlichen Fischerdorfchens Staad schmiegt sich ein ausgedehnter Park mit altem Baumbestand, dichten Buschgruppen und breiten Wiesenflächen unmittelbar an den Saum des Sees, über den Meersburg, Hagnau und die waldigen (Bild: Schn ei der-Ressel) stanz zum Wassertransport der Spritzen- und Fäkalienwagen bereit. Den vereinten Kräften der Konstanzer und Dettinger Feuerwehr gelang es schließlich, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Mittlerweile konnten mit einiger Mühe verschiedene Werkzeuge und auch Apparate aus der Wagnerwerkstätte gerettet werden. Dennoch fiel vieles, vor allem die eingebrachte Heu- und Getreideernte, dem Feuer zum Opfer. Der Schaden, der sich auf 25 000—30 000 DM belaufen dürfte, ist durch Versicherung gedeckt. * Dettingen. Der hiesige Schreiner Wilh. Fetscher verunglückte in der vergangenen Woche mit seinem Motorrad bei Täger- wilen (Schweiz) und erlitt einen schweren Schädelbruch. Fetscher wurde ins Kantonsspital Münsterlingen verbracht und war einige Tage ohne Bewußtsein. Dem Verunglückten auf diesem Wege die besten Genesungswüneche und baldige Heimkehr ins Heimatdorf. Höhen des Linzgaus herübergrüßen. Das Paddelboot kann unmittelbar bis unter die Weiden und Heckenrosen des Ufers treiben. Nun, ein wenig zivilisierter — aber dafür auch bequemer — ist die Sache doch schon geworden. Aber die Parkplätze für die Vehikel, die Waschbecken und was sonst noch dazu gehört, gruppieren sich, ohne das Gesamtbild zu stören, um den Rand der vorbildlich sauberen Anlage. Mancher, der nur einen Tag verweilen wollte, vergaß schon die Weiterfahrt. Räder, Motorräder und Autos der billigeren Modelle stehen unter den Bäumen neben den Zelten. Hie und da zeichnet sich auch die Stromlinienform eines Wohnwagens großbürgerlich neben den Leinwandzelten ab. Bei der Musterung der verschiedenartigen Leinwandbehausungen sieht man mit Anerkennung, was doch alles Krieg und Nachkriegszeit ütoerstan- den hat. Das wohlbekannte deutsche Kommißzelt mit den Dreieckbahnen taucht selten auf; es ist entmilitarisiert worden. Aber zivile Konstruktionen, rund, drei- umd viereckig, gibt es in allen Abwandlungen und selten fabrikneu. Eine vielbeneidete Sonderstellung nehmen die Zeltbürger ein, die eigene Faltboote mit an den See gebracht haben. Nach den Abschweifungen der jüngsten Epoche darf der See von allen Anwohnern wieder unbehindert befahren werden. Der Erlaubnisschein der Wasserpolizei, der überall am Ufer noch vorgeschrieben ist, hat nur den Zweck, die zugereisten Wassersportler den Behörden zu einer Belehrung zuzuführen. Der Paddler aus dem Binnenland muß wissen, daß er nicht ohne Zollabfertigung in schweizerische Hobeits- Bodenwee and Schwarzwald Schwere Hegelschäden lm Bezirk Radolfzell Radolfzell. Aus fast allen Gemeinden des Bezirks Radolfzell liegen’ Meldungen über schweren Hagelsdilag am Freitagabend vor. In einigen Gemeinden bat es keinerlei Schäden gegeben, in anderen wiederum sind die Bauern fluchtartig vom Feld gegangen, weil sich unter den Hagelkörnern „Kaliber" bis zu kleiner Hühnerei-Größe befanden. 24 000 Badegäste in einem Monat Radolfzell. Die Radolfzeller Seebacfeanstalten wiesen im Monat Juli einen außerordentlich starken Besuch auf. Das Mettnaustrandbad wurde von 12 270, die städtische Seebadeanstadt von 11400 Personen besucht. Auch die erste Augustwoche zeigte recht gute Besucherzahlen, so daß man, günstiges Wetter vorausgesetzt, bis Ende der Saison ein Ergebnis erwarten darf, das alle Erwartungen übertrifft. Neue Grenzerleichterung lm Transit-Verkehr Singen. Als weitere Grenzerleichterung ist nunmehr auch die Strecke Gailingen—'Konstanz über Dießenhofen—Stein a. Rh. für den Transit-Verkehr freigegeben worden. Singener Naturfreunde bauen ein Hegau-Hans Singen. Die Vorarbeiten für die Errichtung eines Naturfreundehauses für den Hegau sind nahezu abgeschlossen. Es konnte ein günstig gelegener Platz bei Singen gesichert werden. Das neue Naturfreundehaus soll zu einem Stützpunkt für die Wanderfreunde auf der Strecke zwischen dem Bodensee und dem Schwarzwald werden. Schweinepreise ziehen an Engen. Auf dem letzten Schweinemarkt waren trotz erheblichem Ueberangebot steigende Schweinepreise zu beobachten. 151 aufgeführten Ferkeln stand eine weit geringere Nachfrage gegenüber. Es wurden Preise von 80—100 DM pro Paar bezahlt. Ihren Tiefstand hatten die Schweine- preise Mitte Juli mit 70—80 DM erreicht. Unvorsichtigkeit kostete ein Auge Friedrichshaien. Ein löjähriger Radler au6 Schiwenningen, der mit Kameraden auf einer Fahrt an den Bodensee war, fuhr zu dicht hinter einem Lastkraftwagen her und stieß auf dessen hinteren Pritschenteil, als das Fahrzeug plötzlich hielt. Dabei drang dem Radler der spitze Stift eines Sperrhakens in das linke Auge. Es besteht kaum Aussicht, das Auge zu retten. Folgenschwerer Hufschlag Tettnang. Ein junger landwirtschaftlicher Arbeiter, der erst einen Tag auf einem Tettnanger Hof beschäftigt war, fuhr mit einem Pferdegespann zum Futterholen auf eine Wiese. Dabei wurde er von einem Pferd so unglücklich geschlagen, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt und ein Auge einbüßte. Wildschweinjagd mit Taschenmesser Sigmaringen. Einem Oberprimaner gelang es dieser Tage, im Donautal bei Sigmaringen, mit dem Taschenmesser ein Wildschwein zu erlegen. Er traf das Tier hinter dem Schulterblatt tödlich ins Herz. Bei dem ungleichen Kampf erlitt der Junge allerdings Verletzungen, die seine Ueber- führung ins Krankenhaus notwendig machten. Ein herbeigeeilter Arbeiter gab dem Wildschwein den Gnadenstoß. Umsiedleriager aut lauge Zeit belegt Donaueschingea. Das Umsiedleriager Dona«, eschingen ist zur Zeit mit über 80 f’ersonen belegt. Zum Teil handelt es ßich um Grenzgänger, die über die Flüchtlingslager Uelzen und Gi«! ßen zugewiesen wurden, politisch überprüft und als politisch iverfolgte Ostwanderer anerkannt sind. Eine weitere Gruppe von Umsiedlern be. findet eich in einem Lager in Furtwangen. Hier bandelt es sich um Holzarbeiter aus dem Böh- merwald, die auf Anweisung des Landesarbeits. amtes in den Waldgebieten des Bregtals angesie- delt werden sollen. Der verhängnisvolle Brotbeutel Donaueschingea. Ein in Zollhaus-Blumberg b*. schäftigter und in Fützen wohnhafter Heimatver. triebener verunglückte auf seiner ersten Fahrt mit dem Fahrrad zur Arbeitsstätte tödlich. Der am Fahrrad hängende Brotbeutel verwickelte sich in die Speichen, so daß der Radfahrer auf der steil abfallenden Straße die Herrschaft über da« Rad verlor und mit voller Wucht gegen einen Baum fuhr. Er erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Alkoholmißbraudt führte ins Gefängnis VUllngen. Vor dem Amtsgericht stand ein 40jähriger Mann mit einem erheblichen Vorstrafenregister. Ein relativ kleines Darlehen, dessen Rückzahlung er „vergessen" hatte, führte jetzt zu seiner Verurteilung zu vier Monaten Gefäng. nis wegen Rückfallbetrugs. Da der Angeklagte wegen seiner Trunksucht eine Gefahr für Familie und Allgemeinheit darstellt, verfügte das Ge- rieht außerdem seine Einweisung in eine Trinkerheilanstalt. Mokka contra Kuckucksuhren Trtberg. Eine amerikanische Reisegesellschaft bestellte sich in einer Triberger Gaststätte einen Mokka. Ehe er kam, genoß man durch die Fenster die Landschaft. Als das duftende, dunkle Getränk gebracht wurde, fragte eine Miß den Ober, was es hier für eine Spezialität gebe. „Kuckucksuhren", war die Antwort. Fast i m Handumdrehen waren die Tische leer und die Reisegesellschaft stürzte davon, um im nächsten Andenkengeschäft diese „Spezialität" zu erstehen um cfann zu dem etwas kühl gewordenen Mokka zurückzukehren. Richtkrone über einer neuen Werkhalle Säddngen. Die neue etwa 5000-qm-Werkhalle der Mechanischen Buntweberei Brennet ist im Rohbau fertiggestellt. Da das Gelände, auf dem dieser größte Bau des Wlerkes steiht, zum Überschwemmungsgebiet zählt, mußten besondere Vorkehrungen getroffen werden. Geplant war die Erweiterung des Werkes bereits vor mehr als 15 Jahren. Glück tan Unglück Säddngen. Auf der ansteigenden Kurve der Friedrichstraße erlitt ein mit 32 Personen besetz- j ter Omnibus aus Lörrach einen Achsenbruch. Zu- I gleich versagten auch die Bremsen. Glücklicherweise kam der Kraftwagen nach etwa 30 Metern zum Stehen. Die Insassen des Wagens, meist junge Franzosen, 6etzten die Fahrt mit anderen Fahrzeugen fort. Lokale Sportumsdian Brühl St Gallen beim VfL Konstanz Nach dem erfolgreichen Gastspiel in Kreuzungen empfäiigt die Junge Fußballelf des VfL Konstanz morgen Sonntag (16.15 Uhr Waldheimplatz) den FC Brühl St. Gallen. Die Gäste gehören der Schweizer I. Liga an. In ihren Reihen spielt erstmals der vom VfL Konstanz zuqewanderte Stürmer Hanisch. Vor und nach diesem Treffen finden weitere Spiele statt. 2. Amateurltga mit 15 Vereinen Die Verbandsspiele der 2. Amateurliga, Staffel 3, nehmen am 19. August mit folgenden Vereinen ihren Anfang: Radolfzell, Gottmadin- gen, Donaueschingen, Furtwangen, Rielasingen, Engen, Triberg, Blumberg, Konstanz Ib, Neustadt, Ueberlingen, Wollmatingen, Vöhrenbach, Singen Ib und Villingen Ib. Die ersten Paarungen lauten: 19. 8.: Blumberg — Wollmatingen, Donaueschingen — Vöhrenbach, Engen — Villingen Ib, Furtwangen — Ueberliigen, Konstanz Ib — Singen Ib (13 Uhr), Neustadt — Rielasingen; Gott- madingen, Triberg unf Radolfzell spielfrei. 26. 8.: Radolfzell — Rielasingen, Singen Ib — Neustadt, Triberg — Konstanz Ib, Ueberlingen — Gottmadingen, Villngen Ib — Furtwangen, Vöhrenbach — Engen, Wollmatingen — Donaueschingen; Blumberg s|ielfrei. 2. 9.: Blumberg — lonaueschingen, Engen — Wollmatingen, Furtwargen — Vöhrenbach, Konstanz Ib — Ueberlingtn, Neustadt — Triberg; Radolfzell, Singen Ib, lielasingen, Gottmadingen und Villingen Ib spielfei. * Die Vereine der A-Hasse (bisher Bezirksliga) sowie der C-Klassen legau beginnen die Verbandsspiele nicht wie vorgesehen am 26. August, sondern erst am 2. Sepember. VtL Konstanz AI — ..FC Bayreuth AI 1:2 In einem spannencen Freundschaftstreffen schlug am Donnerstagatend auf dem Waldheimsportplatz die AI des IC Barreuth die Al des VIL Konstanz 2:1. Vorder Halbzeit waren die Konstanzer dauernd üferlegen. Unentschlossenheit vor dem Tor und mangelndes Szhußvermö- gen verhinderten jeden Erfolg. Nach der Pause beherrschten die Bayreuther völlig das Spielgeschehen, und nur infolge ausgezeichneter Leistungen des Konstanzer Torhüters konnte eine höhere Niederlage verhütet werden. Die lange Sommerpause und das Fehlen von sechs Stamm- Spielern machte sich bei den Einheimischen stark bemerkbar. Die Bayreuther gefielen vor allem durch ihre Entschlossenheit vor dem Tor und durch ungekünsteltes und zweckmäßiges Kombinationsspiel. Heute Samstag 17.30 Uhr bestreitet die AI auf dem Waldheimsportplatz ein weiteres Spiel j gegen die AI des FC Sdiöningen-Braunschweig. Den Gästen aus Norddeutschland qeht ein guter Ruf voraus, konnten sie doch den Südwestmci- ster AJ 1. FC Kaiserslautern 3:1 schlagen; somit dürfte ein schönes Spiel bevorstehen. Heute abend gegen bayrische Boxer t Wir verweisen nochmals auf die heute abend stattfindende Boxveranstaltunq des Box-Rings ■ gegen den Box-Club Zugspitze. Die Kämpfe En- t den in der Schottenturnhalle statt, nicht wie auf f den Plakaten angekündigt im Sackgarten. Die Rheinstrom-Boxstaffel steigt heute (Sams- :■ tagabend) in Lahr beim dortigen Boxclub in i den Ring. Die gleiche Staffel wird acht Tage später, also am 18. 8., in Konstanz zum Rück- E kampf antreten. ’ t Damenhandball-Turnier in Allensbach i Zu einem interessanten Kräftevergleich dürfte : es beim morgigen Damenhandball-Turnier in t Allensbach kommen. Bekanntlich konnten die Allensbacher Mädel im Mai in Stetten-Lörrach ■ die südbadische Meisterschaft erringen. Die ) Handballerinnen von Lörrach-Stetten, die an t diesem Turnier teilnehmen, werden natürlich t I Revanche für die seinerzeitige 8 : 0 -Niederlage nehmen wollen. Neben Lörrach-Stetten und der ^ Meisterelf von Allensbach nimmt an diesem • Turnier noch Dettingen teil. Die Spiele begin-, nen um 13 Uhr. Statt Karten! Wir haben unsere unvergeßliche Mutter, Frau Ottilie Schenk geb. Kirehmann am 10. August 1951 verloren. Konstanz, Gartenstraße 12, den 10. August 1951 In großem Schmerz Die Kinder Inge Rimpier Marianne Hurth Rudi Schenk mit Angehörigen Beerdigung Montag, 13. August 1951, 14.30 Uhr. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Ihre Vermählung geben bekannt Willy Ramsauer Frieda Ramsauer geb. Degen 10. August 1051 Konstanz-Wollm., Zergleweg 2 Urlaubmfremde Frei von liitigoni Fett können «nah Sie Ihren Urlaub genießen, wenn Sie reoht- eeitig DRII-DRAGEES nehmen. Sie wirken so gnt wie der weltbekennte RICHTERTEE. 40 Dragee« '1,55 DM i. Apoth.«. Drog. trag. Uhmgrin, 0. 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