(9 [v • • i • N t Unfer JCeben gleicht fcem oorbeigehsnöcn Schotten Eine Sammlung von Grabinschriften aus der Ortenau Wer eine Landschaft in ihrem vollen Wesen kennen lernen will, der muß auch über ihre Friedhöfe wandern. Viel Geheimnisvolles spricht ihn dabei an, Viel Ergreifendes, ^riel Besinnliches, aber auch bisweilen von stiller Heiterkeit Umschimmertea • . ■ An der Wand der Kirche von Kork kn Hanauerland liest man auf einem Epitaph, das der „hochbekümmerte“ Herr Christian Friedrich Schaffalizky von Muckodell seiner Gattin weihte, die als „ohnschatzbares Kleyraod“ neunundzwanzigjährig starb: Mein Sippschaftsbaum verblüht mit zwo Elisabeten, Die mein Vergnügen hier vollkommen schön erhöhten. Zwey Kleynod senke ich in ihr IBehältniss ein, Ihr nehmt mein Hertze mit, mein Gott gedenke mein. Auf^lem Friedhof Linx im Hanauerland, das eine Landschaft der Ortenau ist, gilt ein schmuckloser Stein einem Kinde: O Kind, du starbst zu unseren Schmerzen, Du starbst für uns zu früh, Jedoch in deiner Eltern Hertzen Da stirbst du nie. 178«. Auch der Riedort Meißenheim zählt zur Ortenau. Auf dem stillen Friedhof ruht Goethes Jugendfreundin Friederike Brion. Auf dem schlichten Denkmal, das Freunde des Dichters errichten ließen, findet sich der schöne Vers: Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie, So reich, daß er Unsterblichkeit ihr lieh. Daneben schmückt das Grab von Maria Salamea, der Schwester Friederikens, „Olivie“ bei Goethe, die Sentenz: Wer einem Dichter hold begegnet, Oeß Name bleibt Aortan gesegnet. Auf einem Epitaph des Friedhofs im alten ehemaligen Reichs- städtlein Gengenbach kündet auf einem Spruchband die Losung „Unser Leben ist gleich dem vorbeigehenden Schatten“ gemütvoll und ergreifend die Stimmung, von der ein Wanderer in der Welt der Gräber sich bewegt fühlt. Der gleiche Friedhof birgt die sterblichen Reste des zu seiner Zeit berühmten Feldsmarschall* Johann Joachim Freiherm von Bender (1741—1818), von dem es auf seinem Grabmal heißt: Ein Blitz dem Freund Ein Fels dem Feind Nie Todes scheu Der Tugend treu. Ihn, den zu kühnen Mutes Lahne des Lorbeers ewig Grün umkränzt, dem auch die zarte Bürgerkrone mild ln dem Silberhaare glänzt, In dessen kühn und gütgam Herze der Held und Mensch verbrüdert war. Ihm weiht der Sohn mit heißem Schmerze den kalten Stein zum Dank-Altar. Er war! Sein Nähme aber schwebet in manchem Nachtgebet empor, doch, wenn sich einst der Vorhang hebet dann strahlt er rein durchs Dunkel vor. Auf einem Postament, dem die Zeitanläiufte stark zugesetzt haben, fesselt eine seltsame Inschrift: Hier unden in dem Grab Da liegt, was ich gelibet hab Mein Hoffnung, Trost und Leben Wo Gott mir hat zur Hilf gegeben, Ligt jezund in der Erden, Kann meiner auch nicht mehr werden Zum Zeichen meiner Trey Setz ich das Creiz herbei. Und dann folgt: Gott wole die Ruhe ihm geben und auch das ewige Leben Ammen Den 27. Brachmonath ist gottselig entschlafen der ehrsame Johannes Ritter gwester Scharfrichter in Gengenbach. 1767 Nicht nur die Inschriften sind es, die einem auf den Friedhöfen die Grabmäler längst verwichener Zeiten so anziehend erscheinen lassen. Die schlichte, häufig künstlerisch empfundene Ausdruckskraft der Epitaphe und Denkmale bewegt einem um so stärker, als häufig die Grabsteine aus den letzten hundert Jahren kalt anmuten. Es ist erfreulich, zu erfahren, daß die Steinmetzzunft ernstlich daran gehen will, für unsere Friedhöfe wieder Gedenksteine zu schaffen, die sich neben die so liebenswerten Zeugen vergangener Grabmalskunst reihen können. B. M. flle*anöer oon Württemberg Zum 25 0. Geburtstag am 5. November Mehr durch seinen Freundschaftsbund mit den schwäbischen Dichtern, besonders Justinus Kerner, denn durch eigene Werke hat sich Alexander Graf von Württemberg einen Platz in der Literaturgeschichte erobert. Nur noch wenigen sind seine dichterischen Produkte bekannt, obwohl sie durch eine 1880 erschienene Reclam-Ausgabe vor völliger Vergessenheit bewahrt blieben. Sie preisen die Helden, die Natur, die Jagd, die Zigeuner, das Vaterland, die Freunde, sie schwimmen in harmloser Weise „Gegen den Strom“ der damaligen Moderichtungen. Alexander war, seiner Anlage nach, kein komplizierter Charakter, sondern ein natürlicher, lebensfroher Mensch, der „tolle Graf genannt, den erst das Schicksal in andere Bahnen zwang. Geboren wurde er am 5. November 1801 zu Kopenhagen als Sohn des Herzogs Wilhelm von Württemberg, der dort Gouverneur war. Auch er wählte die militärische Laufbahn und wurde schließlich Oberstleutnant in einem Reiterregiment. Doch nahm er schon 1832 den Abschied und lebte dann teils auf Reisen, teils auf seinem Landsitz Serach bei Eßlingen. Vermählt war er mit einer ungarischen Gräfin, fand jedoch kein Glück in dieser Ehe, aus der vier Kinder entsprossen. Ersatz war ihm die Anhänglichkeit seiner Schwester, Gräfin Marie Taubenheim, und die Freundschaft; ein besonderes Talent zu ihr zeichnete ihn aus. Durch seine Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit erwarb er sich überall Sympathien. Auch im Volk war er eine bekannte und beliebte Erscheinung. Ungarische Pferde, sein treuer Hund Nero und ein Neger, dessen Gedächtnis in einem Gedicht festgehalten wird, bildeten sein Geleite. Schon früh klagte er über allerlei Leiden, und am 7. Jiuli 1844 wurde er im Wildbad durch einen Herzschlag erlöst. Damit erfüllte sich eine alte Ahnung: Als er zwanzig Jahre früher imWild- bad einen kostbaren Ring verloren hatte, äußerte er bereits: „Die Nixe bat ihn mir genommen, Ich bin ihr verliefet; sie holt mich nach, ich sterbe da.“ Gabriele v. Koenig-Warthausen (Der eine $remde heiratete, wurde Totengräber Es scheint, daß die Dingelsdorfer nicht gern einem andern das Grab schaufeln wollten, sei es, daß sie diesen letzten Dienst am Nächsten aus Scheu mieden, sei es, daß man für diese Arbeit keinen gebührenden Lohn ausschüttete. Zum Totengräberdienst gehört schließlich auch das Tragen der Totenfahne von der Pfarrkirche oben am Bergabhang hinunter ins Dorf oder hinaus nach Oberdorf ins Sterbehaus und von da zurück nach dem Friedhof. Dafür erhielt der Totengräber einen Jahreslohn von, sage und schreibe, drei Gulden und 20 Kreuzern, dazu noch ein Quart (fünf Viertel) Wein und ein .Vierkreuzerbrot,* womit man natürlich nicht zufrieden sein konnte. Um in dieser leidigen Angelegenheit Remedur zu schaffen, griff die hochlöbliche Gemeindeverwaltung, als da waren der von der Komturei Mainau gesetzte Ammann, die zwei Gemeinde- und die drei Gerichtspfleger, zu einer eigenartigen Maßnahme. Sie hatte dabei nichts zu befürchten, denn der Komtur als Herr des Oberamts Mainau auf dem Bodanrück und der Herrschaft Blumerufeid im Klettgau stand hinter ihr. Und die lautete: Hinfort müsse jeder Untertan, der eine ortsfremde Person heirate, so lang das Totengräberamt versehen, bis er von einem anderen abgelöst werde. Da der junge Johann Ful Anno 1744 sein Ehegespons von auswärts geholt hatte, traf ihn diese hochnotpeinliche Verfügung als ersten. Als Anno 1749 seine Frau gestorben war, konnte er sich mit zehn Gulden wieder auslösen. Wer glauben wollte, die Dingelsdorfer seien mit dieser Lösung Ihrer Totengräberfrage zufrieden gewesen, ist auf dem Holzweg. Item: Damit der Totengräber wirklich ein ehrliches Amt bekleide und nicht eines, das ihm seines Schielens auf eine Ortsfremde wegen strafhalber aufgebrummt wurde, wird gegen Ende des 18. Jahrhunderts angeordnet, daß jeder, der hinfort sich um das Bürgerrecht von Dingelsdorf bewerbe, außer der üblichen Antrittgebühr von zehn Gulden sowie vier Gulden fü$ den obligaten Fe?uerkübel und zweieinhalb Gulden als Ablösung für einen Eimer Wein noch zehn Gulden für das Totengräberamt ins Gemeindesäckel tun solle, um damit einen Fonds für die Besoldung des Totengräbers zu bilden, die durch Mainauisches Dekret vom 1. Januar 1791 festgesetzt wurden. Damit war aber der Gemeindehaushalt nicht ausbalamcdert, und so ordnete das Mainauische Oberamt Anno 1802 an, an der Toten- gräberbesoldung müßten sich alle Dingelsdorfer Bürger beteiligen, ob wohlhabend oder weniger bemittelt, ob mit einer Dingels- dorferin verheiratet oder einer von draußen. Und damit war alles zufrieden. ^ pst Ein Jahrhundert am Boöenfee Ein gehaltvolles Heimatbuch In 2. Auflage erschien bei Merk & Co., Konstanz: Lilly Braumann- Hansell: „Kleine Welt — Große Welt. Frauen erleben ein Jahrhundert am Bodensee“, „ein kulturhistorisches Dokument des 19. Jahrhunderts am Bodensee“, dessen Neuauflage im Jahre 1940, wie die Verfasserin im Vorwort schreibt, verboten worden war. Aus Erinnerungen, Briefen und Tagehuchstücken ersteht ein überaus eindrucksvolles, farbenreiches Konstanzer und Reichenauer Heimatbild der genannten hundert Jahre, das durch Schilderung von Erlebnissen, z. B. in Bodman, Salem und Arenenberg, aber auch in Paris und Berlin und durch Darstellung von Beziehungen zu vielen bedeutenden Persönlichkeiten des In- und Auslandes umfassend erweitert wird. Ein frohes, unterhaltsames, belehrendes und mit viel Wissen und Urteilsvermögen liebenswürdig geschriebenes Buch, das eine Fülle heimatlicher Geschehnisse vermittelt, und das der Verlag fein ausgestattet und bebildert hat. ow. Oberländer Chronik Redaktion: Dr. Walter Manggold SkMnkmmit Nr. St / 31. Oktober 1951 Totentänze am Oberohein t 3 tr Acftnun. Der Tbumberr, DdftAUmyt. cSeyn aller mmfehtn. ttfcSIft mt« «MS® ff! «WW. Totentänze als Versinnbildlichung des memento mori sind im Mittelalter etwa vom 14. Jahrhundert ab bis ins 18. Jahrhundert hinein ein beliebtes Mittel, den Menschen an die Vergänglichkeit alles Irdischen zu erinnern. Dabei machen die Darstellungen, die meist von einem Texte begleitet sind, eine Wandlung in der Auffassung durch, die vom drastischen Humor und von derber Schalkhaftigkeit über ale Nuancen und Variationen bis zur Harmonie der Versöhnung mit der Unerbittlichkeit alles dem Tode Verfallenen reicht. Wenn sich des Totentanzes auch Frankreich (danse macabreX ja sogar England als eines Kunstmittels bedienen, um ihre Menschen *u dem Gedanken an die vanitas vanitatum, an die Eitelkeit und Flüchtigkeit aller irdischen Erscheinungen zu erziehen, so scheint der Stoff doch durch deutsche Maler und unter diesen wieder vor allem durch oberrheinische Meister die mannigfaltigste und erlebnistiefste Behandlung erfahren zu haben. So sind uns Totentänze in Freiburg, in Bleibach im Elztal, in Straßburg, in Basel und in Bern bekannt, von denen die beiden zuletzt genannten ins 15. Jahrhundert fallen. Der Basler (neben dem Fresko gibt es noch den Holbein'schen Totentanz in Holzschnitten) schmückte ursprünglich den Kreuzgang eines Frauen- klwsters, wurde aber später der Verborgenheit entrissen und an der Kirchhofsmauer des' Predigerklosters angebracht und hieß seitdem „Der Tod von Basel“. Berühmter noch ist der Totentanz, den Nikolaus Manuel an die Umfassungsmauer der Dominikaner- kirche zu Barn malte. Aber von beiden Schöpfungen ist nicht mehr allzu viel übrig. Das gleiche Schicksal, nur noch vernichtender, ereilte am 27. November 1944 bei dem Bombenüberfall auf Freiburg den in der DuGrtffm «• Dir Krlmer. HANS HOL/BEIN DER JÜNGERE: Bilder aus DuGrtffmn• Vorhalle der St.-Michaels-Kapelle auf dem Alten Friedhof al fresoo gemalten Totentanz aus dem 18. Jahrhundert, von dem nicht einwandfrei feststeht, ob er von dem Freiburger Baumeister und Maler Wenzinger oder — wie manche vermuten — von dem Freiburger Maler Simon Göser geschaffen wurde. Die restlose Vernichtung ist um so bedauerlicher, als gerade dieser Totentanz eine der wenigen Schöpfungen darstellte, die am Ausgang der Totentanz- Bewegung stehen, und die die Verkörperung jener Harmonie anstrebten, von der wir oben sprachen. Schon A. Poinsignon, ein Freiburger Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, kennzeichnete 1891 in einer bei Herder erschienenen Beschreibung die Stellung des in Frage stehenden Totentanzes als eine außergewöhnliche, vom Uebli