K SUDK.URIER UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET ■'ft Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag. Tel.: 924, 925. 1130, 1510. 1511 Fernschreiber: 07628 Verlag und Redaktion Konstanz. Marktstätte 4 8. JAHRGANG DIENSTAG 6. MAI 1952 NUMMER 71 Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark zu* zügl. 30 Pfg. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark, zuziigl. 36 Pfg. Postzustellgebtthr. Einzelpreis 20 Pfg. Jetzt „Fliegende Zigarre" SYDNEY. Sieben Einwohner von Sydney und der 250 Kilometer davon entfernten Landstadt Parkes wollen eine „Fliegende Zigarre“ beobachtet haben, die „beleuchtet wie ein Passagierdampfer auf hoher See“ geräuschlos in großer Höhe und anscheinend auf einem festen Kurs am Himmel entlangschwirrte. Einer der Beobachter behauptete, diese Abart der „Fliegenden Untertassen“ sei „ein Ding, so lang wie ein Luftschiff oder ein Unterseeboot“ gewesen, das „gerade wie ein Kanonenrohr“ am Himmel entlangzog. Am Heck der „Fliegenden Zigarre“ hätten sich Auspuffrohre befunden, die wie Düsen aussahen. Heuss gegen Managertum HAMBURG. Bundespräsident Prof. Heuss warnte auf der ordentlichen Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) vor der Gefahr, das Menschliche und Familiäre in der Industrie, die „Werkbesessenheit“, zu verlieren oder durch den Typ des Managers zu ersetzen. Er verwies dabei auf die Erfahrungen im industriellen Raum seiner süddeutschen Heimat. Der Hamburger Bürgermeister Max Brauer setzte sich dafür ein, daß die Deutschland noch auferlegten Beschränkungen fallen und damit auch die Hamburger Werft Blohm & Voss wiederaufgebaut werden kann. Spionage zugunsten Polens BONN (W.-Eigenbericht.) Es wird bestätigt, daß die kürzlich verhaftete 45 Jahre alte Frau Knuth, Spionage zugunsten Poleas betrieben hat. Sie stand mit der polnischen Militärmission in Berlin in Verbindung. Die Fäden gingen über eine Buchhandlung im Berliner Westen und über zwei Mitarbeiterinnen in Köln. Frau Knuth unterhielt in Köln eine luxuriöse Wohnung und verstand es, auf gesellschaftlicher Basis zu hohen Stellen Verbindungen an- zuknüpfen. Die Festgenommene und ihre beiden Kölner Freudinnen haben gestanden. Die Verhaftung van Frau Knuth erfolgte bei der Rückkehr von einer Frankreichreise. Kaffee hinter Stahlblech WALDSHUT. (A.G.-Eigenbericht) Am Samstag passierte ein Schweizer Lastkraftwagen die Grenze bei Waldshut. Den Zollbeamten fiel auf, daß die Wagenfedern eine starke Belastung zeigten. Es stellte sich heraus, daß der LKW mit Doppelwänden aus Stahlblech versehen war, die mit Kaffee gefüllt waren. Die Zollbeamten beförderten 50 Zentner Kaffee ans Tageslicht. Der Wagen wurde beschlagnahmt und der Fahrer ins Gefängnis Wald&hut eingeliefert. Im Weinfaß in die Freiheit WIEN. (A.R.-Eigenberi Singen: Beei-Sduffbauen and Sleler-Bannn. — Sieget tan Seitenwagen wurden (la Vordergrund) DOll/Muggentgaler. Fotos: Fauth, Motz größten Sieg, den das kleine Werk in Zuffenhausen bisher zu verzeichnen hatte. Gegen aller- schärfste internationale Konkurrenz und gegen die Überlegenheit der Italiener, die ihre eigenen Straßen viel besser kannten als die jungen deutschen Fahrer, siegten in der 1 lOOer-Klasse Fürst Metternich und Graf von Einsiedel überlegen. In der 1500er-Klasse siegten Graf Berkheim und Conte Lurani. ZweiteT wurde der Italiener Deila Sfavera, Dritter Polensky, alle drei auf Porsche. Damit haben sich die jungen deutschen Fahrer in den Vordergrund der internationalen Sportfahrer geschoben, und Porsche hat einen 17. internationalen Sieg in dieser Rennsaison die Krönung gegeben. _ Deutsche Hockeymeisterschaft (Zwischenrunde): TSV 08 Goslar — Wacker München 3:4, SV Speyer — HC Horn-Bremen 1:0, Eintracht Frankfurt — Blauweiß Berlin 0:3, Heidelberger TV 46 — Clipper Hamburg 0:1. kaum anzunehmen, daß die Nordbadener den Rückkampf in acht Tagen mit dem gleichen Ergebnis beschließen werden, und so hat Triberg berechtigte Aussichten, die badische Landesliga- Meistersctvaft zu gewinnen. Die Punkte für Triberg erkämpften Schnetzer, Schmied er, Heß, Dold, Kornmeier und Maier. Oberliga: Feudenheim 1 1 0 0 5:3 2 Brötzingen 1 1 0 0 5:3 2 Honsberg 1 0 0 1 3:5 0 Freiburg-Haslach 10 0 1 3:5 0 Landesliga: Triberg 1 1 0 0 6:2 2 Germania Karlsruhe 10 0 1 2:6 0 Bachholz von Herman aasgeschaltet, Chance für einen Platz im Davispokal-Team Beim Wiesbadener Internationalen Tennisturnier konnte das deutsche Paar Koch/Buchholz in der Endrunde des Herrendoppels über die jugoslawischen Davispokalspieler Paliada/Petrovlc mit 5:7, 6:1, 8:6, 9:7 triumphieren. Anschließend reisten die Jugoslawen nach Helsinki, wo sie im Daviscup gegen Finnland antreten. Im Herreneinzel kam Horst Hermann (Rheydt) durch Siege über Buchholz (Köln)l mit 4:6, 6:4, 6:4, Petrovic (6:3, 6:3) und den kürzlich emigrierten jugoslawischen Davispokalspieler Branovic (5:7, 6,4, 6:2) in die Schlußrunde, wo er gegen den Amerikaner Straigth Clark 6:4, 4:6, 5:7, 0:6 unterlag, der auch den ebenfalls emigrierten Jugoslawen Mitic'mit 7:5, 6:2 ausgeschaltet hatte. Damit dürfte Hermann erster Anwärter auf einen Einzel-Platz ifi der deutschen Davispokal-Mannschaft neben Gottfried von Cramm sein. Unsere weiteren deutschen Spitzenspieler Engelbert Koch (Köln) und Guicz (Wuppertal) wurden von Mitic mit 6:3, 6:4 bzw. 3:6, 7:5, 4:6 aus dem Rennen geworfen. Bei den Damen kam nuT Totta Zehden (Stuttgart) als einzige Deutsche unter die letzten Vier, wurde aber in der Vorschlußrunde von der Engländerin Joan Curry mit 6:4, 6:2 geschlagen. Die Australierin Thpirna Long hatte keine Mühe, über die Südafrikanerin Wipplinger (6:2, 6:3) in die Schlußrunde zu gelangen. Das Gemischte Doppel gewannen Long/Mitic mit 6:3, 14:12 gegen Zehden/Branovic. In der Voi- schlußrunde hatten die Endsieger mit v. Gerlach' Dr. Günther (6:2, 6:2) keine Mühe, während Curry/Clark auf die Austragung ihrer Begegnung Zehden/Branovic verzichteten. Wir machen unsere Leser auf die Beilage de Württemberg-Badischen Sport-Totos aufmerksam Befindet sich keine Wettannahmestelle des WB Totos in Ihrer Nähe, so senden Sie den Wettscheir mit Wettbetrag in verschlossenem Briefumsdrla.;: bis spätestens Freitag an die Toto-Hauptstelle Q, Konstanz, Rheingutstraße 7. HuhcL^uhU Südwesttunk (SWF); Stuttgart (STG) Beromünster (BER); Vorarlberg (VOR) DIENSTAG, 6. Mai: SWF: 6.10 Marktberichte, 12.00 Landwirtsch-atal. Arbeitskalender f. Mai (Rhein funk); 13.15 Musik nach Tisch; 14.30 Wir jungen Menschen; 15.00 Schulfunk: Im Raubtierhaus; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Unterhaltungsmusik; 17.55 Alte Gaststätten (Frei- buig); 20.00 Unterhaltungsmusik; 20.30 Hörspiel: Sieben Tage; 22.30 Musik von Proko- fieff; 23.30 Jazz. * STG: 5.20 Marktrundschau; 8.00 Das Müttergenesungswerk; 11.45 Das Recht des landwirtschaftl. Inventars; 16.00 Mu- Sik von Pfitzner, u. a. Cellokonzert) 17.40 Heimatpost: Ein schwäbischer Eulenspiegel; 20.05 Zeitgenössische Musik; 22.30 Tanzmusik; 23.15 Im Prater blühn wieder die Bäume. * BER: 6.25 Werke von Bizet; 10.20 Hörfolge: Rigi und Rigihahn; 11.00 Konzert des Radio-Orche- sters; 11.30 Harfenmusik; 13.25 Besinnliche halbe Stunde; 17.30 Vom Geist des Auswan- derns; 18.00 Saxophonmusik; 18.50 Jazz; 20.00 Konzert des Studio-Orchesters; 21.40 Geistliche Musik aus dem 16. Jahrhundert. k VOR: 12.00 Mittagskonzert aus Wien; 16.00 Charles Münch dirigiert Beriioz; 16.45 Bläserquartett: 17.10 Nachmittagskonzert aus Wien; 18.00 Der Schauspieler -und das Unbewußte; 18.45 Lieder aus Operetten; 19.15 Die große Chance; 20.15 Kinderoper: Der Igel als Bräutigam; 21.15 Wunschkonzert; 22.50 Unterhaltung u. Tanz. MITTWÖCH, 7. Mai: SWF: 6.10 Marktberichte; 11.30 Klaviermusik von Richard Strauß (Freiburg); 12.00 Für den Obst- und Gemüsebau (Rheinfunk); 14.15 Neues aus der Marche«: truhe ; 14.30 Schulfunk: In einem Alchimistentaboratorium; 15.15 Unterhaltungsmusik; 16.30 Die Fürstlich Fürstenöergische Bibliothek in Donaueschingen (Freiburg); 17.10 Weltumspannende Kurzwelle; 20.00 Melodienreigen; 21.40 Sang und Klang im Volkston; 22.20 Polonaise von Chopin; 22.30 Gespräch über den Zeitungsroman; 23.00 Tanzmusik, k STG: 5.20 Marktrundschau; 11.45 Kredite in der Landwirtschaft; 12.55 Warnruf des Pflanzenschutz- dienstes; 14.00 Großmutter erzählt; Der Igel Hannrbal und die Wespe Yvette; 14.15 Unterhaltungsmusik; 14.30 Kinderraten; 16.00 Hörfolge: Kleine Welt vor 100 Jahren; 16.15 Unterhaltsame Weisen; 17.00 Gegenwärtige Vergangenheit auf dem Berge Athos; 18.00 Tanzmusik; 20.30 Hörspiel: Der Tramp; 22.20 Walzermelodien; 22.40 Die völkerrechtliche Situation Deutschlands seit der Kapitulation; 23.10 Tanzmusik. k BER: 6.25 Volkstüml. Kunterbunt; 12.40 Konzert des Studio-Orchesters,• 14.30 Schulfunk: Auf einer Schnellzugslokomo- tive; 16.00 Alte Schweizer Kuhreigen; 17.30 Kinderstunde; 19.00 Chansons und Rhythmen; 20.30 Reise zum Tschadsee; 20.50 Maurische Rhapsodie von Humperdindk; 21.30 Mohammed erobert die Welt; 22.30 Musik auf der Berner Münsteroigel. * VOR: 13.00 Mittagskonzert aus Wien; 16.30 Kindergeschlchten aus aller Welt; 17.10, Nachmittagskonzert; 18.00 Brief- markenedce; 20.15 Volkskonzert; 21.15 Literarisches aus der Sturm- und Drangzeit; 22.30 Hörspiel: Mutter Europa. SÜDKURIER Nr. 71 / Seite 5 jumftmtjer Leitung X Äonftanj ben 6. 3Äai 1952 Oer erfte Meflefonntag Ein Messesonntag ohne Reigen gehört zu den Seltenheiten. Fast schien es, als ob dieser erste Sonntag der diesjährigen Mai- meese eine Ausnahme von der Regel machen würde. Denn bis zur zehnten Abendstunde blieb es trotz etlicher dräuender Wolken dank des Föhns trocken. Zeitweise lächelte sogar die Sonne recht freundlich hinter dem Wolken Vorhang hervor und besah sich das bunte Treiben auf den Straßen der Stadt. Als dann der Regen einsetzte, da war der erste Messesonntag schon fast vorbei. So konnte sich das gewohnte Leben auf dem Döbele und in der Laube entfalten. Durch die lange Reihe der Verkaufsstände vom Döbele bis zur Katzgasse drängten und schoben sich die Käufer und die noch zahlreicheren Nichtkäufer, so daß es manchmal nicht leicht war, sich durch das Menschengewoge zu zwängen. Die Auswahl an Waren war groß. Es gab fast alles zu kaufen, vom Bettvorleger bis zum Nylonstrumpf, vom Elektroherd bis zum Kugelschreiber für den, der einen mehr oder weniger prall gefüllten Geldbeutel hatte. Und wer hat den schon vier Tage nach dem Monatsersten? Immerhin trat mancher mit einem Paket beschwert den Heimweg an. Auf dem Döbele herrschte gleichfalls bis in die späten Abendstunden ein lebhaftes Treiben. Zwar wirbelte der Wind in den Nachmittagsstunden einige Staubfahnen über den Platz. Aber das ließ die vielen Besucher der Schaubudenmesse nicht abhalten, leckeres Eis zu lutschen oder das Glück in einer der zahlreichen Wurf- und Schießbuden zu versuchen. Besonderem Interesse begegnete die Liliputanerschau mit den kleinsten Menschen der Erde und der Elektro-Selbstfahrer. Auch sonst war viel Abwechslung geboten. Wer Lust hatte, setzte sich in die Ueberschlag- und Schiffschaukel oder sah sich im „Riesenrad“ das Döbele von oben an. Für unsere Kleinsten gab es ein Karussell. Im übrigen brachte der erste Maisonntag einen lebhaften Ausflugsverkehr in die Stadt. Schiffe und Züge waren gut besetzt. Omnibusse aus nah und fern brachten ebenfalls zahlreiche Gäste in die Stadt Poftbeamte foröern foziale Gerechtigkeit Lichtspiele auf dem Döbele: das Riesenrad (Aufnahme: Kiefer) Arnold Rust t Treffen der Postbediensteten aus den Bodensee-Uferstaaten in Konstanz In Fortsetzung der großen sogenannten Bodensee-Zusammenkünfte der früheren Jahre trafen sich in Konstanz über das Wochenende die Postbeamten aus den Bodensee-TJferstaaten Deutschland, Oesterreich und der Schweiz zu einem Gedankenaustausch in „St. Johann“ in Konstanz. Den Höhepunkt dieses Treffens bildete eine Kundegbung am Sonntag, die eine besondere Bedeutung durch die Teilnahme des Vollzugsausschusses der IPTT (Internationale der Post-, Telegrafen und Telefonbetriebe) erhielt. Im Rahmen dieser Kundgebung sprachen der Präsident der IPTT, Gedes (London), der Generalsekretär der IPTT Fritz Gmür (Bern) und der Vorsitzende der Deutschen Postgewerkschaft, Carl Stenger. Gedes hob die große Bedeutung der Postbeamten und ihrer Arbeit hervor, die über alle Grenzen hinweg in die hintersten Winkel der Welt-reiche und im wahrsten Sinne als international bezeichnet werden müsse. Diese Bedeutung müsse für den Weltfrieden und für die Durchsetzung einer neuen sozialen Ordnung ausgenützt werden. Dazu aber sei es notwendig, daß sich jeder Postangestellte ihrer bewußt werde. Er forderte daher engen Zusammenschluß über alle Grenzen hinweg in der IPTT, damit die Arbeit der IPTT sich zu einer internationalen Kraft des Friedens entwickelt. Carl Stenger sprach von der Gegenseitigkeit der Treue zwischen Staat und Beamten. Auch der Staat habe die Treue zum Beamten zu halten, so wie der Beamte in treuer Pflichterfüllung für den Staat arbeite. Die Treue des Staates müsse sich in der Schaffung einer sozialen Gerechtigkeit ausdrücken. Friede, Freiheit und Demokratie seien die Kampfziele der IPTT.—Der Generalsekretär der IPTT, der Schweizer Fritz Gmür, rief die Anwesenden zur Solidarität der Tat auf. Der Friede müsse erhalten bleiben. Aber es könne nur ein fauler Friede sein, wenn er um die Aufgabe der Freiheit erkauft würde. Die Versammelten nahmen einstimmig eine Resolution an, in der es u. a. heißt: „Die zu einer Kundgebung versammelten Angehörigen der IPTT aus den Bodensee- Üferstaaten Oesterreich, Schweiz und Deutschland fordern die Regierungen und Parlamente ihrer Heimatländer auf, alles zu tun, was den Frieden und die Freiheit in Europa fördern und alles zu unterlassen, was einen Krieg herbeiführen könnte.“ Die Resolution verlangt die Schaffung einer neuen sozialen Ordnung auf dem Boden sozialer Gerechtigkeit. Nur wenn den schaffenden Menschen der gerechte Anteil am Sozialprodukt gegeben werde, wenn Lohn und Gehalt in ein gesundes Verhältnis zu den Preisen gebracht würden, seien Ruhe und Frieden gesichert. Wahre Freiheit, echter Friede und soziale Gerechtigkeit seien hohe, sittliche Güter, die wert seien, mit aller Kraft verteidigt zu werden. Ein Europa, in dem diese soziale Ordnung durchgeführt sei, habe keinen Krieg mehr zu befürchten. Am Samstagabend hatten sich die Postbeamten zu einem geselligen Beisammensein im oberen Konzilsaal eingefunden. Der erste Vorsitzende der Postgewerkschaft Konstanz, Oberpostsekretär Geiser, begrüßte die Vertreter der Oberpostdirektion und die übrigen Gäste von auswärts. und von Konstanz. Im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundeis, Kreisausschuß Konstanz, übermittelte der geschäftsführende Vorsitzende, H. Henseler, Grüße und Wünsche. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Tagung mit dazu beitragen möge, die internationale Einheit in Frieden, Freiheit und Würde weiter zu festigen. Unter der Leitung von Willi Jann wurde ein unterhaltendes Programm geboten, bei dem das tänzerische Element im Vordergrund stand. Vor allem das Marx- Quartett fand mit seinen gesanglichen Darbietungen den Beifall der Besucher. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Kapelle Paul Welsen. Dieser Tage starb in einem Potsdamer Krankenhaus der frühere Obermusikmeister Arnold Rust im 85. Lebensjahr an den Folgen eines Oberschenkelbruchs, den er sich gerade an seinem goldenen Hochzeitstag durch einen unglücklichen Sturz zugezogen hatte.. Arnold Rust gehörte von 1905 bis zum Ende des ersten Weltkrieges dem früheren Konstanzer Regiment 114 an. Als Leiter der Regimentskapelle hat er dem Kulturleben der Bodenseegegend in jenen Jahren wertvolle Dienste geleistet. Viele ältere Musikfreunde der Konstanzer Gegend und der Schweiz werden sich noch gerne der klassischen und volkstümlichen Konzerte erinnern, die Arnold Rust damals veranstaltet hat Auch als Komponist hat sich Arnold Rust erfolgreich betätigt. Eine große Zahl von Märschen, Tänzen,, Gelegenheitsmusiken und Liedern ist aus seiner Feder hervorgegangen. Seine letzten Lebensjahre hat Arnold Rust in Ost-Berlin unter den dort üblichen unguten Verhältnissen zugebracht. Einer seiner Söhne ist der vielgespielte Komponist guter Unterhaltungsmusik Friedrich Wilhelm Rust. * Mit dem vom Volksbund für Dichtung (Scheffelbund) Karlsruhe gestifteten Scheffel-Schulpreis für Abiturienten mit besonders guten Leistungen im Schulfach Deutsch ist in Konstanz Josef Bader (Suso-Gymnasium) ausgezeichnet worden. Nur ein fchlechtes Gerotffen ...? Stadtverwaltung untersagte „Sfidkurier“-Berichterstatter Aufenthalt im Lager Egg Die Redaktion des „Südkurier“ stellte am 24. April an das Kreisumsiedlungsamt Konstanz den Antrag auf Genehmigung feines achttägigen Aufenthaltes im Lager Elgg. Ein Mitglied der Lokalredaktion beabsichtigte, in der Zeit vom 5. bis 11. Mai sich in diesem Flüchtlingslager aufzuhalten, dort zu schlafen und zu essen, überhaupt die Lebensbedingungen von etwa 380 heimatvertriebenen Flüchtlingen durch eigenes Erleben kennenlernen. Eine Schilderung in Tagebuchform sollte die Öffentlichkeit objektiv darüber unterrichten, wie sehr die Not und die Enge des Lagerlebens die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge bedrückt. Es sollte also ein sachlichobjektives Bild vom Lager Egg gezeichnet werden. Als am Montagvormittag unser wh-Re- daktionsmitglied das Lager betreten wollte und von der Lagerverwaltung nach dem Einweisungsschreiben befragt wurde, teilte das Kreisumsiedlungsamt auf Anfrage im Auftrag der Stadtverwaltung mit, daß ein Aufenthalt des „Südkurier“-Redakteürs im Lager Egg abgelehnt sei. Eine Begründung zu dem „Nein“ wurde nicht gegeben. Einige Zeit später hörten wir von anderer Seite von einem von Bürgermeister Schneider Unterzeichneten, an das Kreisumsiedlungsamt gerichteten Schreiben, in dem — hier nur sinngemäß wiedergegeben — die Ablehnung damit begründet wurde, daß bei der Erteilung einer Genehmigung für den „Südkurier“ auch andere Zeitungen dasselbe Ansinnen stellen würden, das dann nicht mehr abgelehnt werden könnte ... Obwohl die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung für sich selbst spricht, so ist dabei doch zu bedenken, daß Versuche, die Presse an ihrer Aufgabe zu hindern, zur Wachsamkeit mahnen. Außerdem zwingt uns das „Nein“ der Stadtverwaltung zu der Auffassung, als habe man ein schlechtes Gewissen. Einige Aufklärung wäre aber doch notwendig, da es Bürgermeister gibt, die das Lager Egg seit Monaten nicht mehr gesehen haben und auch Stadträte — von wenigen Ausnahmen abgesehen — sich noch nie die Mühe gemacht haben, an Ort und Stelle die Verhältnisse des Lagers Egg kennenzulernen. Neue Bebauungspläne in Vorbereitung Vor allem die Randgebiete Im Auftrag der Stadtverwaltung bereitet seit einiger Zeit Dipl.-Ing. Adolf Leibold neue Bebauungspläne vor. In erster Linie sollen dabei die Gebiete am Rand der Stadt berücksichtigt werden. Nachstehend äußert sich Dipl.- Ing. Leibold über diese Pläne. Ein zweiter Artikel, in dem über das Siedlungsgebiet Loreftoberg und über den Hinterhag zwischen Mainaustraße und Bettengasse behandelt wird, folgt in der morgigen Ausgabe. Das Siedlungsbild von Konstanz hat in den vergangenen 25 Jahren eine beträchtliche Erweiterung erfahren. Von der Schweizer Seite aus betrachtet, bietet die vom See ansteigende, lockere und mit Grün durchsetzte Bebauung bis zur Höhe des Allmannsdorfer Wasserturms ein erfreuliches Bild. Dagegen erscheint die Bebauung am Königsbau zu massiert und am Haidelmoos mit dem vorherrschenden kleinen Einzelhaus bei atu geringen Bauabständen zu dicht. In Konstanz herrschen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zwei Wohnungsformen vor: das vielgeschossige Miethaus im geschlossenen Bloch mit den städtebaulich und wohnungstechnisch schlechten Ecklösungen und das freistehende Einzelhaus auch bei kleinstem Baukörper: für den sozialen Wohnungsbau der breiten Masse die nicht zu bevorzugenden Bestleistungen. Diese sind vielmehr für die Mietgeschoßwohnungen der gelockerte und trotzdem wirtschaftliche Zeilenbau und beim Einfamilienhaus, das Doppelhaus und eingebaute Reihenhaus. Ersterer ist vom gesundheitlichen Standpunkt aus zu empfehlen, letzteres wegen der größeren Wirtschaftlichkeit im Bau und in den Aufschließungekosten. Diese Bau formen sind in früheren Jahren im genossenschaftlichen Bauwesen immer bevorzugt worden. Die in den letzten Jahren bemerkbare Abneigung gegen das Doppelhaus und das eingebaute Einfamilienhaus ist nicht berechtigt; sie muß durch Aufklärung überwunden werden. Die wirtschaftlichen Vorteile sind zu offensichtlich und dürfen bei den heutigen hohen Bau- und Aufschließungskosten nicht übersehen werden. Diese Gesichtspunkte sind bei dem neuen Bebauungsplan für Konstanz-Wollmatingen, Gewann Berchem, berücksichtigt worden. Dies führte, so weit es möglich war, zu einer straffen Zusammenfassung sowohl der Baukörper wie der Grün- und Gartenflächen, die bei gleichbleibender Wohndichte und Bodennutzung von etwa 100 Einwohner/ha ein weit aufgelockertes, für Licht, Luft und Grün zugängliches Siedlungsbild ergibt. Ferner muß jedem größeren Siedlungsgebiet durch Gemeinschaftsanlagen (Schule, Kirche, Kinderhort, Turnhalle u. dergl.) ein Mittelpunkt gegeben werden, der zu einem gesuchten Aufenthaltsort der Einwohner wird, und das Interesse zur Verschönerung und Grüngestaltung anregt. Für die Kinder sind in einer gesunden Siedlung Rasen- und Spielplätze eine selbstverständliche Anordnung, die sich bezahlt macht und im Rahmen der allgemeinen Aufschließungskosten finanziert werden kann. Um das Wohnen im Grünen angenehm zu machen, ist im Berchem-Gebiet der nördliche Teil als Mischgebiet mit Zulassung von Handwerks- und Gewerbebetrieben vorgesehen. Der südliche Teil soll reines, ruhiges Wohngebiet bleiben, das durch eine 130 bis 150 m'breite natürliche Wiesenfläche mit Baum- und Buschbestand längs der Wasserläufe vom südlich gelegenen Bahnkörper, getrennt ist und so eine schöne Weitsicht ins Ried und aum Untersee bietet. Der hohe Grundwasserstand in diesem Grüngürtel verbietet außerdem eine Bebauung. Im höher gelegenen Westteil dieses Grüngürtels sind auch gute Bodenflächen für zukünftige Erwerbsgärtnereien vorhanden, die innerhalb eines Bebauungsgebietes immer hemmende Faktoren in der Entwicklung sind. Das Siedlungsgebiet Längerbohl, unmittelbar nördlich vom Gewann Berchem, auf einem West-Ost gerichteten Hö- sollen besiedelt werden henrücken, ist landschaftlich noch schöner gelegen und bisher nur locker bebaut Es besteht aber die Gefahr, daß die schönsten Punkte, insbesondere auf der westlichen Bergnase, wo die evangelische Kirche steht zu dicht bebaut werden. Daher ist auch hier rechtzeitig ein Bebauungsplan notwendig. Durch die Hanglage bedingt, wird hier die Wohndichte nur in dem an did Fürstenbergstraße angrenzenden Teil als Mischgebiet mit 100 'Einwohner/ha erhalten bleiben. Der Höhenrücken — etwas mehr aufgelockert — ist mit 75 Einwohner/ha und der Nordhang am Schwaketenweg als Kleinsiedlungsgebiet mit 50 Einwohner/ha geplant; die entsprechende Grundstücksgröße beträgt im Durchschnitt 400 bis 800 bis 1000 qm und darüber. Die Wegführung in der Ost-West- Richtung ist durch die Hanglage gegeben; auch hier werden Mittelpunkte durch Gemeinschaftsanlagen und Reihenhausgruppen bestimmt. Die Bebauung erfolgt offen mit Bauabständen von 12 bis 15 m vorwiegend in Doppelhäusern; Reihenhäuser nur an den plateauartigen Verflachungen des Bergrückens. Der Schwaketenweg wird nur längs der westlichen Hälfte bebaut, um Abstand und Uebergang zum Wald zu haben. Die Bebauung dieser Siedlungsgebiete in Wollmatingen im Süden und Nordosten muß zunächst durch einen Uebersichtsplan* (Flächennutzungsplan) festgelegt und durch die Aufsichtsbehörde genehmigt werden. Dieselbe Notwendigkeit besteht übrigens für das Gesamtgebiet der Stadt Konstanz, da nur auf Grund dieser Übersichtspläne die Vorteile des Bad. Aufbaugesetzes vom 25.11.40 für die Stadt und ihre städtebauliche Entwicklung nutzbar gemacht werden können. (Schluß folgt) Herrenlose Fahrräder Im Laufe der letzten Wochen .wurden mehrere Herrenfahrräder und ein rotes Kiraderfaihrrad auf der Kriminalpolizei als Fundgut abgegeben. Eigentümer für die Fahrräder konnten bisher nicht ermittelt werden. Personen, die ihr Fahrrgd vermissen und deshalb noch keine. Anzeige erstattet haben, werden gebeten, sich in der Woche vom 6. 5.—10. 5. 1962, jeweils zwischen 8 und 9 Uhr, auf der Kriminalpolizei Konstanz, Lutherplatz Nr. 8, Zimmer 42, zu melden. „Nicht zuhören, meine Damen“ Die letzte Premiere dieser Spielzeit findet im Stadttheater morgen Mittwoch statt. Es kommt Sacha Guitry’s bekannte Komödie „Nicht ziuhören, meine Damen“ zur Aufführung. In den Hauptrollen wirken mit: Hans Erich Kreibig, Renate Kaier, Hildegard Raupach, Hildegard Sieger, Emst-Peter Horn, Willy Kraus und Jochen Kroeber. Für die modische Ausgestaltung sorgen verschiedene Konstanzer Firmen. Glück im Unglück Am Samstagnachmittag überquerte ein Personenwagen unterhalb des Schützenhauses bei Kreuzlingen einen imbewachten Bahnübergang der Mittel-Thurgau- Bahn, als von Tägerwilen sich ein Güterzug näherte. Der Kraftwagen blieb mitten auf den Gleisen stehen. Der Zug, der rechtzeitig Pfeifsignale gab, konnte nicht mehr vor dem Uebergang zum Stillstand gebracht werden, fuhr mit einer Geschwindigkeit von 28 Kilometer in das stillstehende Auto hinein und schob es etwa 30 Meter vor sich her. Das Fahrzeug wurde zertrümmert. Der Schaden beträgt einige tausend Franken. Der Fahrer blieb unverletzt. * Bei einer am Wochenende in der Unteren Laube von 8—10 Uhr vorgenommenen Verkehrskontrolle wurden 41 Pkw., 17 Lkw., eine Zugmaschine und 25 Krafträder einer Prüfung unterzogen. Wegen technischer Mängel wurden beanstandet: 3 Lkw., 4 Pkw. und 5 Krafträder. „Gafparone" im Staöttheater Das Operetten-Ensemble der Städt Bühnen Ulm hat sich anscheinend entschlossen, die Scharten, die ihm das letztemal bei der Aufführung der „Ungarischen Hochzeit“ Dostals unterlaufen waren, möglichst schnell auszuwetzen. Denn Millöckers prächtig turbulenter „Gasparone“ mit dem kecken sizilianischen Räuberhut und dem .ganzen aufgeregten Bienenschwarm von Schmugglern, Gaunern, Edelleuten, Gendarmen und Soldaten, der am letzten Freitagabend die Bretter erschütterte, ließ eine im ganzen merkbar sorgfältigere Rollenbesetzung und eine anmutiger und elastischer wirkende Durchzeichnung der operettenmäßigen Ausdrucksmittel erkennen. Wenn sich das hier gern gesehene Ensemble in Zukunft noch entschließen könnte, aus dem Programm nicht ersichtliche Rollenbesetzungen (die dort oft doppelt angegeben sind) oder plötzliche Aenderungen (wie an diesem Abend in der musikalischen Leitung) jeweils vor der Vorstellung anzusagen, so würde es sich nicht nur noch beliebter machen, sondern auch unliebsamen Verwechslungen Vorbeugen. Trotz Südweststaat hat sich nämlich hier begreiflicherweise eine genaue Personalkenntnis des Ulmer Theaterkalenders noch nicht herumsprechen können. Die lebendige Inszenierung Walter Mauck- ners zeichnete einen schillernden und kapriziös beweglichen Farbenbogen um die in drei Akte zusammengefaßten sechs Bilder der übermütig äufgewirbelten Handlung. Heinz Köttels Bühnenbilder hatten Schwung, Farbe und Kraft. Leider war es der Orchesterführung von Rudolf Mors, der anstelle des plötzlich erkrankten A. K. Heinz einspringen mußte, nicht gegeben, im ersten Akt eine rhythmisch und dynamisch klar gefügte Verbindung zwischen Orchestersatz und Bühnengesang herzustellen. Seine Schlag-Technik und Partiturenkenntnis, die keinesfalls ganz überzeugen konnten, verwischten die von vornherein schon nicht sehr imponierende Wirkungsmöglichkeit der Gesangssolisten (die selbst wiederum keine Rücksicht auf das Orchester nahmen) durch ein viel zu dick aufgetragenes orchestrales Klangbild. Erfreulicherweise brachten die folgenden zwei Akte hier eine ganz erhebliche Verbesserung. Sie erhöhten sich im Zusammenhang mit dem unleugbaren Schwung und Glanz des Spiels und den temperamentvoll und drastisch zugespitzten szenischen Bildwirkungen zu einem geschlossenen Gesamteindruck, zu dem die gutsitzenden Chöre, die geschmackvolle Kostümierung, besonders aber die befeuernden und graziösen Tänze des Ensembles einen wesentlichen Teil beitrugen. In den tragenden Rollen gaben Ilka Behrendt, Gerti Faerber, Hans Tytko, Walter Mauckner, Paul Pokorny, Heinrich Reckler, Bernd Küpper und Walter Voges ihr Bestes. Vor allem war es die filouhafte, keck über-, schäumende, ausdrucksgeladene Manier Wal-' ter Mauckners, der der Rolle de6 Schmugglerwirtes Benozzo die letzte Würze verlieh. Im dritten Akt wären bei der Verhörszene ein paar abgeleierte Redewendungen und billige Witze wirklich durch „in der Luft liegende“ witzige Poinien zu ersetzen gewesen. Wenn dem sängerischen Niveau des Ensembles zu einer letztlich durchschlagenden und leuchtkräftigen Wirkung auch gewisse Grenzen gesetzt sind, so erlaubt ihm doch sein beachtliches darstellerisches und spielerisches Können, bei entsprechender Verstärkung oder Retuschierung der Ausdrucks- linien, den Zugang zu einem verfeinerten Charme, zu spritziger Pikanterie.und zu wirklichem Esprit und Humor zu finden, Eigenschaften, die immer wieder als rare Goldkörner aus dem seichten Operettenteich herauszufischen sind. Die zahlreichen Besucher des Abends spendeten der Aufführung des Werkes — was darin rettungslos antiquiert war. mußte trotz der guten Aufführung immer wieder der heute problematisch gewordenen Gattung der Operette zugerechnet werden — reichen und wiederdholten Beifall. Dr. G. Lenzinger Frühjahrehonzertöer „Gemütlichkeit" Im Festsaal von St. Johann hatte sich am Samstag der in Konstanz schon immer geschätzte Männergesangverein „Gemütlichkeit“ einen verhältnismäßig kleinen Freundeskreis versammelt, der dafür mit desto größerer Begeisterung den Frühlingsweisen der Sänger folgte. Der Verein bewies unter der zügigen Leitung von Hauptlehrer Karl W. Krieg hohe Stimmkultur in reinem, gelockertem, auch rhythmisch beweglichem Chorklang. Die zahlreichen Programmnummem, die mit ständig wachsendem Beifall aufgenommen wurden, zeigten den Dirigenten mit seinem Chor stimmbildnerisch wie gestalterisch auf bestem Wege. Gerade angesichts solch beachtlicher Leistungen dürfen jedoch einige Bedenken gegen die Programmwahl nicht verschwiegen werden. Zwar schütten jene Musiker, die den Klangstil der landläufigen Männerchorliteratur um die Jahrhundertwende ' rundweg ablehnen, wohl das Kind mit dem Bade aus, doch sollte jeder Verein den engen Bereich dieser abgegriffenen Harmonien zu erweitern suchen durch das Studium alter wie neuerer Meister. „Tonmalerisch ausdeutende“ Volksliedbearbeitungen wie die von Othegraven arg zerhackten „Zwei Hasen“ sind heute schwer erträglich, und weshalb Uhlands „Frühlingsglaube“ nach Schuber» genialer Komposition nochmals mit abgenützten Akkordfolgen vertont werden mußte, die so gar nichts vom „frischen Duft und neuen Klang“ der Dichtung haben, ist nicht ganz einzusehen. Silchers volkstümliche Chöre klangen dagegen viel ursprünglicher. Die Konsonanz des dunklen Männerchors mit Ursula Buckels lieblichem, hellen Sopran war bezaubernd, gibt aber dennoch keine Berechtigung dazu, Schuberts Heidenröslein für diese Besetzung umzukomponieren! Ursula Buckel streute außerdem zwischen die Chöre einige gut gewählte Lieder von Schubert und Schumann ein. in denen sich ihre leichtflüssige, kristallklare Stimme erneut trefflich bewährte. Der anwesende Konstanzer Komponist Karl Nägele steuerte mit seiner „Rose“ ein differenziert ausgeformtes, satztechnisch gekonntes Klavierlied bei, und die beiden Weisen Franz Philipps wirkten in der konventionellen Umgebung geradezu neutönerisch. Am Klavier zeigte Ursula Vogt- Fietkau hierbei bemerkenswerte technische Fertigkeiten; bei den anderen Liedern war ihre Begleitung gelegentlich etwas zu starr. Reicher, verdienter Beifall und Blumenspenden dankten den Solisten wie dem Chorleiter. — rtl — Modentee beim Lyceumclub Es ist gar nicht so häufig, daß man von einer Modenschau sagen kann, sie war in jeder Hinsicht geglückt, wie es diesmal vom Modentee des Lyceumclubs im Europahaus übereinstimmend hieß. Denn das ist nicht allein von der Qualität des Dargebotenen abhängig, die im übrigen recht beachtlich war. Die gezeigten Sachen müssen auch den Geschmack des jeweiligen Publikums gerade richtig treffen. Und das war beim Modentee des Lyceumclubs durchaus der Fall. Beschickt war die Modenschau wie in den Vorjahren in erster Linie vom Modehaus Schumann-Ritsche. Ferner waren beteiligt das Spezialgeschäft für Kinderbekleidung Fritz Schnell, die Firma Breisach und Reinhart mit Blusen, das Pelzhaus Martin und der Hutsalon Rock. In das modische Beiwerk teilten sich zwei Firmen. Juwelier J. N. Müller stellte den vor allem für die mehr abendliche Garderobe betont dekorativen Schmuck und Georg Schäfer die eleganten Schirme, Taschen und Handschuhe. Angesichts der sehr reichen Kollektion, die Schumann-Ritsche zeigte, und die im besonderen Mäntel, Regenbekleidung, Kostüme, Jacken (kombiniert mit Kleidern) und Kleider für Garten, Straße und kleine festliche Gelegenheiten enthielt, notierten wir diesmal als besonders interessant: Auch für die Sommerkleider herrscht schweres Material vor. Nicht nur Gartenkleider, sondern auch elegantere Tageskleider waren wiederholt aus Popeline, einem Material, das dem modernen sportlichen Geschmack entgegenkommt Die halblangen, auch,die ausgesprochenen Cocktail-Kleider, waren meist aus Dupion, Seidenrips und ähnlichen schweren Seidenstoffen. Die Kleiderröcke fast alle weit, Glockenröcke, oft Vierbahnen-Röcke. einige Faltenröcke. Die Taille dazu vielfach durch schmale Gürtel und Riemchen betont Die Oberteile oft mit kleinen, angeschnittenen, halben Aermeln. An den eleganteren Kleidern, die durchweg angenehm dezent im Farbton, vorwiegend in uni gehalten waren, amüsante Verzierungen aus Bast. Kordel, Perlchen aus Metall, Holz und Strass. Bei der Regenbekleidung aus Popeline fiel uns das Regenkostüm als praktische Neuheit auf, dessen Rock wir je nach Witterung schnell um- und abknöpfen können. Auf nette und praktische Regenkleidung legt auch die Firma Schnell Gewicht Sie brachte außerdem für kleine Mädchen und Knaben Mäntel, Kleider und Anzüge, für Spiel, Haus und Straße, die durchweg nicht nur geschmackvoll recht waren, sondern auch erfreulich praktisch erschienen. Für die Mütter ein sehr entscheidender Punkt Die erst seit kurzem arbeitende Firma Breisach und Reinhart stellte sich mit einer kleinen Kollektion teils zum Kostüm, teils zu abendlichen Zwecken zu tragender, eleganter sommerlicher Blüschen aus bemerkenswert schönem Material vor. Die ebenfalls kleine Kollektion, die das Pelzhaus Martin als Beweis der Leistungsfähigkeit seiner Werkstatt zeigte, bestand aus Colliers ♦Nerz, Hermelin), Füchsen und einigen auch an Sommerabenden gern getragenen losen Jacken (Asmara mit Silberfuchs. Astrachan mit Hermelin). Die mancherlei Hüte und hutähnlichen Gebilde aus der Werkstatt der Firma Rock zeigten, daß in diesem Sommer wieder der Strohhut Favorit ist. Nicht nur der eigentliche Strohhut, der zu den weiten Kleiderröcken immer noch gern großrandig getragen 'wird, sondern auch Strohhüte, die mehr Kappe als Hut sind. Dr. EH Dienstag, 6. Mai 1952 SÜDKURIER K Nr. 71 / Seite 6 fturae 6tabtnacf>rtd)ten IM pi isa. Seinen 80. Geburtstag feiert Johann Fundinger, Lebensmittelgeschäft, Wollmatingen, Fürstenbergstraße 52. Zum Hauptlehrer ernannt wurde mit Wirkung vom 1. April Lehrer Oskar Neubauer Ein der Wallgutschule. Bei den Landesmeisterschaften der weiblichen Tumerjugend in Zell a. H. waren die Jugendtumerinnen deß Turnvereins Konstanz erfolgreich. Die Konstanzer Mädchen wurden badischer Jugendmeister im Mannschaftskampf; in den Einzelkämpfen gab es für Konstanz folgende Plätze: 2. Ingrid Pfützner, 4. Marga Kaiser, 5. Margarete Ohlenschläger, 7. Gerda Achenbach. Bei der 600-Jahrfeier der Gemeinde Glarus (Schweiz) wird ein Festspiel aufgeführt. Walter Bemhagen wurde mit der Orchestrierung der Festspielmus'k für das Festspiel-Orchester (Stadtmusik Winterthur) beauftragt. In den letzten Tagen wurden mehrere Kraftfahrer angezeigt, weil 6ie innerhalb des Stadtgebietes die Höchstgeschwindigkeit von 40 km überschritten hatten. An der Straßekreuzung Mainaustraße— Alter Wall wollte ein 53 Jahre alter Schweizer Kraftfahrer ein Auto aus Konstanz überholen, als dieser Wagen in den Alten Wall einbog. Als der Schweizer, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, ■ aüs- weichen wollte, fuhr er eine Radfahrerin an. Die Frau stürzte und erlitt eine leichte Gehirnerschütterung sowie • Schürfungen am Kopf. Der Sachschaden am Auto beträgt 200 Franken. Heute abend spricht im Frauenabend der Luthergemeinde im Evangelischen Gemeindehaus Frau Weber über Schlesien und zeigt Lichtbilder aus der schlesischen Heimat. Am Mittwoch, 7. Mai, ist im Gasthaus „Zur Oberen Sonne“ von 8—13 Ihr ein orthopädischer Sprechtag für Kriegs- und Fliegergeischädigte. Auf einer Versammlung der in der „Schutzgemeinschaft verdrängter Staatsdiener“ zusammengefaßten Verbände spricht am Donnerstagabend im „Ale- manne“ Bundestagsabg. Dr. Herwart Miessner über „Aktuelle Staatsdiener- Pr<|bleme“. Ehrung alter Ruderer Das Frühlingsfest des Rudervereins „Neptun“ Konstanz am Samstag im Insel- Hotel, das wie immer in stilvollem Rahmen verlief, war besonders gekennzeichnet durch die Anwesenheit des Ruderver- bands-Präsidenten Dr. Wülfing-Hannover und die Ehrung alter Ruderer, mit der nicht zuletzt die bewährte Tradition der Ruderei unterstrichen wurde. Für über 50jährige Zugehörigkeit zu diesem Sport, bzw. Funktionärtätigkeit in verantwortlicher Stellung während dieser Zeit erhielten drei „Neptun“-Mitglieder, Paul Schneider-Konstanz, Adam Ostermayer (jetzt Darmstadt) und Jean Baumgartner-Kreuz- lingen aus der Hand des Verbandspräsidenten die goldene Ehrennadel des Verbands. Präsident Dr. Wülfing, der am Sonntag vom Bootshaus aus über den Rundfunk das Startzeichen für rund 20 000 deutsche Ruderer zum Ruder-Leistungstag gab, dankte für die überaus herzliche Aufnahme bei den Ruder-Kameraden am Bodensee. Er würdigte die Verdienste des „Neptun“ im internationalen Rudersport und sagte, daß der Konstanzer Ruderverein und vor allem auch dessen beide Vorsitzende, Walter Schwarz und Matthias Schneider, mit zu den rührigsten und erfolgreichsten im Verbandsgebiet zählen. Der 1. Vorsitzende W. Schwarz wußte die Tatsache zu würdigen, daß der Verbandspräsident zu den Konstanzer Ruderern gekommen sei und der Verein mit den Geehrten auf eine stolze Tradition zurückblicken könne. Den unterhaltenden Teil bereicherten Renate Kaiser vom Stadttheater Konstanz, die Frühlingsgedichten den Charme ihrer Vortragskunst und Persönlichkeit verlieh, und Briska Dietrich aus Singen (Stadtthea'er Innsbruck) bei Liedern mit dem Schmelz ihres ausgezeichneten Soprans. Die Kapelle Weber spielte zum Tanz dieses vergnügten Abends auf. 9lu0 bet 9löd)barfd)ftft Gedächtnisgottesdienst in Hegne Am 8. Mai 1952, dem 39. Todestag der Dienerin Gottes. Schwester Ulrika Nisch, Kreuzschwester von Hegne, findet in der Klosterkirche in Hegne um 9 Uhr ein Gedächtnisgottesdienst statt, zu dem die Gläubigen von nah und fern herzlich eingeladen sind. Anschließend an den Gottesdienst soll das neue, hochragende Friedhofskreuz auf dem Klosterfriedhof feierlich eingeweiht Werden. Die neue Grabstätte der Dienerin Gottes, Schwester Ulrika Nisch, hat nun einen würdigen gärtnerischen Schmuck erhalten und bildet die Zierde des Hegner Klosterfriedhofs. Das Grab selbst ist ein Anziehungspunkt geworden für alle, die bei Schwester Ulrika Trost suchen und auf ihre Fürsprache hoffen. Hegne. Der vom Provinzhaüs der Kreuz- echwestem hier errichtete Kindergarten mit seiner vorbildlichen Einrichtung hat in diesen Tagen den Kleinen aus dem Dorfe seine Tore geöffnet. — Mit dem Kindergarten ist auch' die begrüßenswerte Einrichtung eines Schülerhortes verbunden. Allensbach. Bei der Jahreshauptversammlung des Männerchors begrüßte Vorstand Franz Biesinger die zahlreich erschienenen aktiven und passiven Mitglieder im Gasthaus „Adler“. Die Berichte des Kassenwarts und des Schriftführers zeigten, daß der Verein im abgelaufenen Jahre wieder ein großes Arbeitspensum geleistet hat. Besonders der Probenbesuch konnte als gut bezeichnet werden. Die Konzerte und sonstigen Veranstaltungen waren erfolgreich. Nach der Entlastung des Vorstandes dankte der 1. Vorstand Franz Biesingen Bei der Neuwahl des Vorstandes gab es keine Aenderung: 1. Vorstand Franz Biesinger, 2. Vorstand Hartmut Petri, Kassenwart Peter Utz, Schriftführer Albert Karrer. — In einer Versammlung des Verbandes der Körperbeschädigten und Hinterbliebenen sprach am Sonntagnachmittag im Gasthaus „Löwen“ Frau Dr. jur. Mennei über familienrechtliche Fragen. Sie behandelte in ihrem Referat besonders die Eheverträge und das Erbrecht und Vormundschaftsangelegenheiten. Ihre Ausführungen waren klar und verständlich. Es kann als ein Verdienst des Vorstandes des Ortsverbandes angesehen werden, daß er es zur Aufgabe gemacht hat, in gewissen Zeitabständen solche Aufklärungsvorträge durchzuführen. — Die Eheleute Johann Locher und Frau Johanna, geb. Egenhofer, können heute ihr 40jähriges Ehejubiläum feiern. — Wie der Präsident der Sippengemeinschaft „Alienspach“ in der Schweiz der Arbeitsgemeinschaft mitgeteilt hat, werden sich an dem Besuch im „Dorf am See“ am kommenden Sonntag etwa 50 Mitglieder beteiligen. Allensbach. Am Donnerstag, 8. Mai, von 15 bis 16 Uhr ist wieder eine Mütterberatungsstunde. Dettingen. Am Donnerstagvonmittag, 8. Mai, von 9.15 bis 10 Uhr ist im Rathaus wieder eine Mütterberatungsstunde. Dettingen-Wallhausen. Einen gut gelungenen Konzertabend veranstaltete am Mittwoch die Musikkapelle Dettingen- Wallhausen unter Mitwirkung des Musikvereins Wollmatingen und des hiesigen Männergesangvereins. Im Namen der Det- tinger Kepalle begrüßte Franz Keller die zahlreich erschienenen Gäste von hier und auswärts. Besonderer Beifall wurde gezollt, als die Dettinger-Wallhauser Musikanten sich in ihren neuen, selbstgeschafften, schmucken Uniformen der Oeffent- lichkeit vorstellten. Bürgermeister Aßiahl fand besonders anerkennende Worte für die Dettinger Musikkapelle und hob hervor, daß die Kapelle, dank ihres jetzigen Dirigenten Ignaz Schulter, auf einer beachtenswerten Höhe stehe.. Ueberraschen- der Weise war auch die Liggeringer Musikkapelle eingetroffen und zeigte ihr Können. Gruppenvorstand Heberle, Litzelstet- ten, nahm im Auftrag des Hegau-Mueik- verbandes die Ehrung verdienter Mitglieder vor und überbrachte die Glückwünsche des Verbandes. Es wurde geehrt für 40- jährige aktive Mitgliedschaft: Viktor Gieß und Richard Singler, Ratschreiber; für 30 Jahre: Dirigent Ignaz Schulter, Heinrich Späth, Pius Gieß und Johann Fischer. Der Abend verlief unter den Klängen der drei Musikkapellen Dettingen, Wolima tingep und Liggeringen und den präzis vorgetragenen Chören unseres Männergesangvereins unter Leitung von Hauptlehrer Brodmann in harmonischer Weise. Dettingen-Wallhausen. Am Samstag stattete der Kirchenchor Volkertshausen unserer Pfarrgemeinde und besonders unserem Ortsgeistlichen, Pfarrer Zeller, welcher vor seiner hiesigen Tätigkeit 14 Jahre in Volkertshausen als Pfarrer wirkte, einen längeren Besuch ab. Die Gäste erfreuten im Hauptgottesdienst die Kirchenbesucher mit gesanglichen Darbietungen. Das Mittagessen wurde in der „Traube“ eingenommen. Am Nachmittag wurde ein Abste- ; eher nach unserer Filiale Wallhausen gemacht. — Den Bund fürs Leben schließen heute Franz Demmler und Adelheid Römer von hier. Zu viert auf einem Leichtmotorrad Ludwigshafen. In einer der letzten Nächte ereignete sich auf der Bundesstraße 34 ein schwerer Verkehrsunfall. Ein mit vier Personen besetztes Leichtmotorrad wollte nachts einem entgegenkommenden Kraftwagen ausweichen. Der Fahrer des überlasteten Motorrads verlor die Herrschaft über das Fahrzeug und stürzte. Zwei Personen wurden schwer verletzt, die beiden anderen Mitfahrer erlitten leichte Verletzungen. Mit dem Motorrad in den Tod Ueberlingen. Ein von Salem kommender Motorradfahrer fuhr mit zu hoher Geschwindigkeit in eine scharfe Kurve kurz vor dem Ortseingang von Tüfingen, wurde aus der Fahrbahn geschleudert und prallte gegen einen Baum. Der Fahrer erlitt einen schweren Schädelbruch, der wenige Minuten später den Tod zur Folge hatte. Der Beifahrer kam mit leichten Verletzungen davon. Bern kein ernsthafter Gegner für verstärkten „Rheinstrom“ Die Schweizer blieben ohne Sieg — Konstanzer Boxer siegten mühelos 15:3 (We.) Wie der 1921 gegründete Athletic-Box- club 'Bern zwölfmal die schweizerische Clubmeisterschaft erobert und sich nach dreimaligem Sieg hintereinander (1936/49/50) endgültig den Club-Wanderpreis geholt hat, ist uns nach den Ereignissen vom Samstagabend auf dem Stefansturnplatz ein Rätsel. 700 Zuschauer sahen den „Berner Bär" gegen die neue Konstanzer Städtestaffel sang, und klanglos 3:15 untergehen. Die Schweizer waren nicht der Gegner, der dem nach der Fusion mit dem „Boxring* noch särker gewordenen „Rheinstrom* hätte ernstlich gefährlich werden können. Sie kämpften fair, tapfer und technisch sauber, aber an die weit bessere boxerische Gesamtleistung der Konstanzer kamen sie nicht heran. Und der beste Mann der Gäste, Olympiateilnehmer Schneider, hatte großes Pech. Er wurde förmlich in den Nahkampf (der ihm gar nicht liegt) gezwungen, weil er fast bei jedem Distanzsdilag ausrutschte (die Gäste hatten alle Ledersohlen) und" sich oft auf keinen Schlagwechsel mit Freund einlassen konnte. Daß von den neun Kämpfen höchstens drei größeren Ansprüchen genügten, ist kaum die Schuld der Konstanzer. Pollitt, Rey, Paul und Brasseit verdienten sich diesmal die besten Noten. Pollitt schaltete den technisch ausgezeichneten und schnellen Rösser mit einem haargenauen Schlag auf den Kinnwinkel in der zweiten Runde aus, während Rey den abtauchenden Sdiüpbach immer wieder mit präzisen Aufwärtshaken abfing und überlegener Punktsieger wurde. Paul zeigte sich gegenüber früher stark verbessert und lieferte dem talentierten 20jährigen Cöresa, dem „Benjamin" der Berner, einen großen Kampf. Cöresa hatte das Remis nicht zuletzt seinen exakten Konterschlägen zu verdanken. Magdalinski kam fast zwei Runden lang nicht zum Schlagen, weil ihm Siegrist ständig davonlief. Dann entpuppte sich der Schweizer aber doch noch als guter Konterboxer; er erreichte sogar im Endspurt noch ein Unentschieden. Walter erhielt fast mehr Beifall als sein Besieger Weinhold, der sieh in selten schwacher Verfassung vorstellte. Der Berner kämpfte tapfer weiter, als sich in der dritten Runde sein linkes Auge immer mehr schloß, und machte Weinhold schwer zu sejuf- fen. Trotzdem war der Kampfabbruch durch den Ringrichter die einzig richtige Entscheidung. Abbruchsieger wurde auch Busse, aber seine boxerische Leistung war gleich Null. Er sollte für eine Weile die Handschuhe ausziehen und wieder boxen lernen statt zu prügeln. Zum Glück war sein Gegner Fischer nicht viel besser. Brasseit machte kurzen Prozeß: ein Magenschlag — und Hirsiger war. schon in der ersten Runde k. o. Meyer, ebenfalls nicht überzeugend, hatte ein Unentschieden kaum verdient. Burri, der die langen Geraden des Konstanzers geschickt umging, am Mann blieb und fleißig punktete, hatte nach unserer Meinung ein besses Punktekonto. Ringrichter Avrutschenko- Bern (ehemaliger Europameister der Amateurboxer) war der beste Referee, der seit langer Zeit in Konstanz war: gerecht, regelsicher und in seinen Entscheidungen streng und konsequent. Ergebnisse (Konstanz zuerst genannt): Feder: Pollitt K.-o.-Sieger 2. R. über Rösser: Leicht: Rey schlägt Schüpbadi n P.: Halbwelter: Paul — Ceresa unentschieden; Weiter: Magdalinski — Siegrist unentschieden; Halbmittel: Weinhold Abbruchsieger 3. R. über Walther; Mittel: Busse Abbruchsieger 3. Runde über Fischer; Halbschwer; Freund besiegt Schneider n. P.; Halb- schwer: Brasseit K.-o.-Sieger 1. R. über Hirsiger; Schwer; Meyer — Burri unentschieden. — In einem Vorkampf trennten sich Dreher und Jurytko (beide Konstanz) unentschieden. Die letzten entscheidenden Handballspiele Handball-Bezirksklasse: Konstanz — Singen 10:13 (5:7), Mimmenhausen — Gottmadingen 5:9 (4:5), Meßkirch — Ueberlingen 5:8 (2:2). Planmäßig verlief der Ablauf der Bezirks- klassen-Handballspiele, bei denen es bei allen Begegnungen zu Siegen der Gastmannschaften kam. Singen und Konstanz lieferten sich eine ausgeglichene, schöne Partie, bei der Singen die seinem Tabellenplatz entsprechende Ueberlegen- heit nicht immer zeigte. Eine scharfe Auseinandersetzung gab es in Mimmenhausen, wo Gottmadingen um die vorletzten Punkte kämpfte. Nachdem es nicht möglich war, in der ersten Halbzeit zwei 13-Meter-Würfe gegen die Platzmannschaft unterzubringen, war das Spielgeschehen bis sechs Minuten vor Schluß noch völlig offen. Erst dann setzte si chdie leichte Feldüberlegenheit der Gäste dank besserer Kondition und trotz konzentrierter Abwehr der Platzmannschaft durch. Meßkirch wäre in dem letzten Rundenspiel fast noch zu den ersten Pluspunkten gekommen. Bis zum Seitenwechsel sah man dem Ergebnis entsprechend eine gleichwertige Partie, die Ueberlingen erst mit den letzten Spielminuten für sich gewinnen konnte. Gottmadingen 13 11 1 1 172:84 23-3 VfL Konstanz mit halber Kraft SV Weingarten unterlag im Freundschaftsspiel 3:2 (2:0) Solche Spiele vor wichtigen Entscheidungen darf man nicht auf die Goldwaage legen. Dazu forderten die Weingartner den Seehasen längst nicht alles ab, was diese im Enstfalle zu .geben in der Lage wären. Der Ersatz für Schulze, Treutle, Reichert fiel nicht einmal so entscheidend ins Gewicht wie etwa die Rolle Heberleins. Er begann als halblinker Stürmer gar nicht schlecht — wie überhaupt das Spiel in der ersten halben Stunde ein durchaus annehmbares Niveau hatte — schoß auch gut. Dann aber drängte es ihn wieder auf seinen Läuferposten, und hieran krankt eben ein großer Teil des VfL- Spiels: keine Deckung, mangelhaftes Abspiel. Die Württemberger waren in technischen und taktischen Dingen zwar deutlich unterlegen, errangen troer mit wesentlich einfacheren Mitteln und mit viel Glück ein für sie etwas schmeichelhaftes Resultat. Zuerst sehr zügige Angriffe des VfL fanden Torwart Grözinger gut auf dem Posten. Bei einem Elfmeter von Fritz, nach vorangegangenem Foul an Müller, hatte er jedoch keine Abwehrchancen. Der nach langer Zeit wieder einmal aufgestellte Glaßner zeigte viel Gescheites und errang sich Beifall, als er mit dem Ball über den halben Platz stürmte und recht gut schoß; Grözingers beste Leistung brachte ihn um den Erfolg. Einen Paß Heberleins in die Gasse nahm Fritz sehr schön mit und knallte an die obere Lattenkante. Nachdem ein Abseitstor der Gäste annulliert werden mußte, brachte der gesamte Konstanzer Sturm eine überzeugende Kombination zustande, die Glaßner mit einejn technisch gekonnten „Lupfer* über den Torwart zwei Minuten vor der Pause zum 2:0 krönte. Kurz vor und nach dem Wechsel hatten beide Torwarte Gelegenheit, Bombenschüsse frei durchgekommener Stürmer zu bremsen. In die ruhige Ueber- legenheit des VfL platzte eine zu knappe Rückgabe Zettels, die von den eifrigen Gästen zum ersten Gegentor verwendet wurde. Sellmann, gegenüber den letzten Spielen wieder in auf- steigender Form, traf nur die Latte. Glücklicher war Schocker in der 73. Minute, als er den Ball am Torwächter vorbei über die Linie schob. Bei zielbewußterem Eingreifen Trautners hätte der zweite Weingartner Erfolg zehn Minuten vor Schluß verhütet werden können. Schiedsrichter Kecks Pfeife schlug nicht ganz so viel Kapriolen wie der Ball auf dem harten unebenen Gelände. Jagendfaßball: i. 5.: VfL Konstanz AI — FC Singen 04 All 4:2, VfL Konstanz All — FC Singen 04 AI 1:1, VfL Konstanz BI — FC Singen 04 BI 3:1. — 4 . 5.: SV Oberuhldingen Jgd. — VfL Konstanz Gern. Jgd. 4:1, SV Oberuhldingen C-Jgd. — VfL Konstanz CI 0:4. Mühlhofen 13 11 0 2 170:93 22-4 Singen 13 9 1 3 144:93 19-7 Mimmenhausen 14/16, Konstanz 12/10, Steißlingen 12/8, Ueberlingen 12/6, Meßkirch 14/0. Verdienter Singener Handball-Erfolg Handball-Bezirksklasse: TV 1862 Konstanz — STV Singen 10:13 (5:7). Der STV Singen stellte beim letzten Heimspiel der Konstanzer Handballer auf der Jahnwiese mit einem, auf Grund der besseren Gesamtleistung durchaus verdienten 13:10-Erfolg, erneut seine Spielstärke unter Beweis. Beide Mannschaften waren sich im Feldspiel meist ebenbürtig, doch zeigte sich der Gästeangriff im Auswerten der gebotenen Torchancen entschlossener, wobei der Konstanzer Abwehr eine Reihe schwerwiegender Fehler unterliefen, die auf den Spielausgang entscheidend einwirkten. Konnte der TV Konstanz bis zur Halbzeit noch einigermaßen mithalten, so machten sich nach der Pause auch Konditionsmängel bemerkbar, die von den meist mit sieben Mann stürmenden Slngenern zu den entscheidenden Treffern ausgenutzt wurden. Beim Konstanzer Sturm wußte nur der Spielmacher Herwig zu gefallen, der durch persönlichen Einsatz das Ergebnis etwas freundlicher gestaltete. Zwei wertvolle Punkte für die Gäste 2. Amateurliga: Konstanz Ib — Blumberg 0:1 (0:0). Blumberg, das mit Abstiegssorgen zu kämpfen hat, traf auf die Konstanzer Reserve, die die schwächste Partie der Saison lieferte. Vor allem verstand es der Sturm nicht, die herausgearheite- ten Torgelegenheiten auszunützen, während die Hinterm*innschaft die Angriffe der Blumberger ab»» stoppte. Der hereingenammene' NäcbwüchsspieldP* für Glaßner konnte nicht überzeugen, so daß im Sturm der Zusammenhalt fehlte. Auch der Mittelstürmer lieferte eine schwache Partie. Blumberg kämpfte mit äußerstem Einsatz und gestaltete das, Spiel jederzeit offen. Doch gingen die meisten Torschüsse daneben oder wurden eine Beute des Torwarts. Acht Minuten vor Schluß ließ der Konstanzer Torwart einen halt-baren Schuß passieren, der den Gästen Sieg und Punkte brachte und damit zugleich die Revanche für die 4:l-Vorspiel- Niederiage. C-Klasse Konstanz: Markelflngen — Reichenau 2:5. Der Sieg von Reichenau in Markelfingen kam etwas überraschend, nachdem Markelfingen im Vorspiel in Reichenau mit fast gleichem Ergebnis siegte, Reichenau sicherte sich damit den dritten Platz. Spielergebnisse beim ViB Petershausen: VfB I — franz. Auswahl (Flughafen) 2:3; VfB II — SV Dettingen (Dettingen) 1:6; VfB Jugend — SV Allensbach Jugend 2:0. Konstanzer Hafenpegel: 3. 5..- 371; 4 . 5. und 5. 5.; 373 cm. Das Spiel mit dem Tod Ein Frauenroman von Gisi Gruber 38. Fortsetzung und Schluß Eigenhändig öffnete der Direktor das nach Karbol riechende Lumpenbündel, das einst Mike Spons ganzer Besitz gewesen war und entnahm der fettigen, zerleder- ten Brieftasche auf das Geheiß Kostas ein brüchiges Zeitungsblatt. Es war ein Steckbrief gegen den Bandenführer Hash Angram, der wegen mehrfachen Raubes und Mordes von der Chikagoer Polizei kurrendiert wurde. Der Papierbrudi ging nur durch den Text, das Bild war wohl blaß, aber unbeschädigt, und es zeigte das Gesicht des Verlagsdirektors Jefferson Carlo Collins. Hash Ingram und Collins waren eine Person. Kosta mußte sich räuspern, seine Stimme wollte ihm nicht gehorchen. „Kann ich das haben?“ fragte er gepreßt. „Natürlich“, stimmte der tief beein- druckte Beamte zu ... Als Kosta all sein Material vor Kamila ausgebreitet und ihr Lob empfangen batte, wollte er sofort zur Polizei gehen, aber diesmal hatte Kamila die bessere Idee: sie wandte sich direkt an den Justizminister, der privat im Hause ihres Onkels verkehrt hatte, und der alte Herr empfing sie sofort. Wie verzaubert sahen Ka- mila und Kosta dem Spiel der Macht zu. Der Justizminister drückte abwechselnd auf die Knöpfe, die seinen Schreibtisch zierten, und schon flogen die Sekretäre aus und ein und setzten Wünsche und Befehle ihres Chefs in die Wirklichkeit uöf. „Und wann“, fragte Kamila. „wird Herr Peter Sterija frei sein?“ Der alte Herr lächelte. „Ich denke, er wird sich sehr freuen wenn er in einer guten Stunde ein blondes Mädel am Tor de« Landgerichts stehen sieht.“ Schmunzelnd ließ er sich den töchterlicheh Kuß gefallen und sah dem davonwehenden Mädchen gönnerhaft nach. Die Glocken von Agram läuteten den Mittag ein. Die schwere Tür des Gefängnisses öffnete sich und ließ den vom Sonnenlicht geblendeten Peter heraustreten. Ehe er sich noch umsehen konnte, hing Kamila schon weinend und lachend an seinem Halse, und Kosta konnte seine Hand noch so oft hinstrecken, um den Freund zu begrüßen, er fand keinen Gegendruck, denn Peter hielt sein blondes Glück fest umfaßt, als wolle er es nie mehr loslassen. Ganze fünf Minuten lang läuteten die Agramer Kirchenglocken den Mittag ein. In diesen fünf Minuten geschah viel. Peter begann ein neues Leben voller Glück mit Kamila Kosta fühlte sich von Freude und Schmerz zerrissen und wußte, daß sein weiterer Weg ein einsamer sein würde. Kinder wurden geboren in diesen fünf Minuten, und Menschen starben. Und Jefferson Collins wurde vom Arm der Gerechtigkeit erreicht. Als die Kriminalbeamten mit Revolvern in den Händen das Büro des allmächtigen Verlagsdirektors betraten, versuchte er noch einmal zu bluffen und hochmütig aufzufahren, bei der Nennung seines richtigen Namens aber wußte er. daß er verspielt hatte. Er begriff zwar nicht, wieso er in der Falle saß. aber er fühlte sie zuschnappen. Die stählernen Fesseln an den Handgelenken, schritt er blicklos durch die Reihen der gaffenden Angestellten und verließ für immer das Haus des „Megaphon“. In der Voruntersuchung schwieg er und zeigte ein steinernes Gesicht Was die Zeitungen schrieben, erfuhr er nicht, in seine Zelle kam kein gedrucktes Wort. Nur aus den Fragen des Untersuchungsrichters erriet er, daß die halbe Welt sich für seine Verbrechen interessierte. Ein einziges Mal zuckte es über sein Gesicht, als er vorgeführt wurde, und sich dem Garagenbesitzer gegenübersah, von dem er den Wagen gemietet hatte, als er mit Angiolina zu den Plitvicer Seen gefahren war. Der Mann war nur aus Wichtigtuerei erschienen, er hatte das Bild des Angeklagten in den Zeitungen gesehen und wollte die Geschichte mit der verlorenen und bezahlten Decke aufbauschen. Hätte der Untersuchungsrichter nicht das Zucken in dem sonst so unbewegten Gesicht gesehen, er wäre der Sache nicht weiter nachgegangen. Was war schon geschehen? Ein Mann hatte einen Wagen gemietet, eine Decke daraus verloren und sie bezahlt. Daß ihn das Erscheinen des Garagisten aber störte, brachte den eifrigen Richter auf die Beine. In dieser Nacht schreckte der unbewegte Häftling aus dem Schlaf auf. Seine Stirne war von Schweiß überronnen. Er hatte von Angiolina geträumt, von einer Angiolina, die ein kleines blondes Kind in den Armen trug. Er griff nach diesem Kinde, und es wandte sich ab, versteckte das Köpfchen an Angiolinas Hals, über den weich und schwarz das Haar rollte. Und plötzlich wurde das Haar zu Wasser, zu tiefgrünen Wellen, die über Angiolina hinflossen und ihr Gesicht immer verschwommener machten, bis es auslöschte. Kein Mensch ist schlecht bi« in den Grund seiner Seele Jeder hat irgendwo ein kleines Fleckchen von Zartheit und Schönheit verborgen. Manchmal ist es so tief versteckt, so überwuchert von anderen Gefühlen, daß man es gar nicht merkt. Immer aber kommt einmal die Stunde, an der es an die Oberfläche dringt und einen erinnert. Und dann wird es groß und stark und beherrschend und ist da und läßt eich nicht fortwischen. Gepeinigt von den Bildern, die ihn verfolgten, brüllte der Mann in der Zelle auf. Da waren sie. da kamen sie an, die er getötet hatte, die Schatten umringten ihn und sahen ihn klagend an Niemals hatte er an sie gedacht, niemals hatten sie seinen Schlaf gestört, heute aber kamen sie, geführt von Angiolina. und tanzten ihren Reigen um ihn. umschlossen ihn , immer enger. Kreischend vor Angst und l Entsetzen schlug der Mann um sich, | rannte mit dem Kopf gegen die Wand I und kämpfte gegen die Schatten, die ihn zu ersticken drohten. Erst als die Wärter mit der Zwangsjacke kamen und ihn zu einem unbeweglichen Bündel schnürten, erstickte langsam sein Geschrei. Am Morgen war er wieder der schweigende, unbewegte Gefangene. Zwei Monate später gab es in Agram wieder einen Indizienprozeß, denn Ingram- Jefferson leugnete beharrlich Er leugnete den Mord an Joakim Subotic. obwohl die Schrift der Abschiedszeilen, die Bara Stje- pan auf dem hinterlassenen Zettel gefunden hatte, genau mit seiner Handschrift übereinstimmte. Er blieb gänzlich unbewegt, als der junge Priester des Bergdörf- Ieins und der alte Totengräber Janko in der Zeugenbarre standen und bezeugten, daß der Angeklagte vor ihnen die Ehe mit Kamila Lensingei) eingegangen war Er antwortete nicht, als er befragt wurde, wer die Frau war und wo sie hingekommen war, die er unter dem Namen Kami- las geheiratet hatte. Nur als der Staatsanwalt das Richtige erriet und erklärte, daß der Angeklagte wohl noch einen Mord begangen hätte. Als dann der Ankläger während der Plädoyers das Wort fallen ließ, daß jede Untat ihre Strafe nach sich ziehe, da senkte der Mörder den Kopf. Sie konnten ihn hängen, und er freute sich auf diesen Tag, der ihn endlich von den Schrecken befreien würde, die ihn allnächtlich heimsuchten . . . Ganz Agram wohnte diesem Prozeß bei, die halbe Welt las die Berichte darüber, nur zwei Menschen wollten nichts davon hören und sehen: Kamila und Peter Sie feierten ihre Flitterwochen in Rom. Zur Stunde, in der Ingram-Jefferson zum Tode verurteilt wurde, stritten sie gerade darüber, wie ihr erster Junge heißen sollte. Und da Frauen, besonders junge Ehefrauen, immer Recht haben, einigten sie sich auf den Namen Kosta. den eigentlichen Begründer ihres Glückes. Der Roman einer Schauspielerin die auf der Bühne gefeiert ist und deren schwerste Rolle das Leben selbst ihr überträgt, beginnt in der nächsten Nummer des Südkurier Charlotte Lenz, deren Namen in großer Buchstaben an den Anschlagsäulen prangt die bei jedem Auftreten die Menschen ir.’ Scharen ins Theater lockt und durch ihr Spiel in Bann zieht, diese große Künstlerin muß ihre schwerste Rolle nicht auf der Bühne spielen. Das Schicksal hat sie ihr zudiktiert: es geht darum, durch eine fromme Täuschung einem wertvollen Menschen das Leben zu retten. Unter falschem Vorwand wird Charlotte Lenz nach London gelockt und sieht sich dort plötzlich der Aufgabe gegenübergestellt, ihr Selbst, wie auf der Bühne, auch im Leben zu verwandeln. Ihr anfängliches Zögern überwindet *sie, nachdem sie erkannt hat, was von ihrem Entschluß abhängt und vor allem, als sie dem Menschen begegnet, dessen Schicksal in ihre Hand gelegt werden soll. Mutig und tapfer nimmt sie alle Konflikte und seelischen Belastungen auf sich, auch dem schweren Kampf zwischen Pflicht und Neigung weicht sie nicht aus, ja sie scheut sich nicht, um des Helfens und der Liebe willen, von einem anderen Menschen das schwerste Opfer zu verlangen: den Verzicht. In gepflegter Sprache erzählt Roland Marwitz die erregende und bisweilen abenteuerliche Geschichte dieser Schauspielerin in dem Roman „In der Hauptrolle: Charlotte Lenz" Das dramatische Geschehen und die Vielfalt der Schauplätze geben dem Roman eine ungeheure Spannung, die durch die starke Gefühlsbetonthtit der menschlichen Probleme noch verstärkt wird. ► H I HH II ) H ^W U W H 'W Dienstag, 6. Mai 1952 SÜDKURIER K Nr. 71 / Seite 7 Das neue Wirtschaftsabkommen mit der Schweiz Gegenseitige Förderung der Ausfuhr — Die Bestinunungen für den Grenzverkehr Die vor Ostern in Bern begonnenen deutsch-schweizerischen Wirtschaf tsver- handlungen sind am 25. Aprjl 1952 in Bonn zum Abschluß gelangt. Das Vertragswerk ist sehr umfangreich und umfaßt neben einer großen Anzahl von Briefwechseln ein neues Handelsabkommen, ein viertes Protokoll über den Zahlungsverkehr sowie ein Erstes Zusatzabkommen zum deutsch-schweizerischen Zoll- Vertrag vom 20. 12. 51 betreffend die Regelung des gegenseitigen Textilveredelungsverkehrs. Es gilt bis zum 31. 3. 1953 und ist damit erstmalig wieder ein Abkommen für einen längeren Zeitraum. Die Vereinbarungen, die zum T