Erscheint tikglich «tt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch dieLpost bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus »onallich Goldmark 1.20 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. 3n Fällen von höherer Gewalt »«steht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 !lhr SonntagS geschloffen. Eerufprech-Anschlutz Nr. 46» Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 8908 General-Anzeiger für kljenz-und 5ck»warzbacktal Der Lanöbote Imskeimer MM Zeitung räs General-Anzeiger für Llsenz-unö 5cku>arzbaciital Helteft* und verbreitetste Leitung dieser Gegend. k)LUpt-Knzeigen-8lLtt M3«bentlieh« Seilage«, Neu« Illustriert« » 8u, ciern Reick, cker wock« » Ratgeber kstr Is»«»- «nck r»nckvirtlck,»ft Anzeigen-Preise: Anzeigen: Die ZZ mm breir» M:llin:eter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtliche» Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Uh» vorinittags; größere Anzeige» muffen am Tage vorher «uif- gegeben werden. Bank-Konto: Pereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L Jti 49. Montag, den 27. Februar 1928. 89. Jahrgang Mussolini will antworten. Mailand, 25. Febr. Die Südtiroldebatte im österreichischen Nationalrat. die einen Entrüstungssturm in Italien entfacht hat. wird nunmehr ernstere Folgen nach sich ziehen. Anläßlich der Wiedereröffnung der Kammer am Montag nachmittag wird Mussolini am Schluß der Sitzung auf die Anfrage der faschistischen Abgeordneten Pelissart und Sansanelli, der Mitunterzeichner der Interpellation über die Südtirol-Debatte im österreichischen Nationalrat antworten. In dieser Interpellation wird der Regierungschef und Minister des Aeußern angefragt, ob er in den Protesten nicht die unzulässige Einmischung eines fremden Staats in die innere Gesetzgebung Italiens erblicke. Vorher wird sich Mussolini von dem dringend nach Rom gerufenen italienischen Gesandten in Wien, Auritt, über dir Vorgänge und die Stimmung in Oesterreich unterrichten lassen. In politischen und diplomatischen Kreisen ist man sehr gespannt auf die Erklärung Mussolinis. Vorläufig ist noch nicht zu sagen, ob der italienische Gesandte in Men abberufen und ein offener Bruch mit Oesterreich herbeigeführt,' wird, wie es die faschistische Presse fordert. Man nimmt hier jedenfalls an, daß die Rede Mussolinis ziemlich scharf gehalten sein wird. Italien und Oesterreichs Kritik. Mailand, 25. Febr. Der Lorriere schreibt zu den Kundgebungen über Südtirol in der österreichischen Nationalversammlung: Die großmütige Polit k Italiens gegenüber Oesterreich wird vielleicht erst mit der Zeit eine günstige Wirkung erreichen. Um diese optimistische Annahme reifen zu lassen, dürfen aber von österreichischer Seite keine Herausforderungen kommen, die Italien zu einem vollständigen Systemwechfel seiner Politik veranlassen könnten. Man kann dem Schwachen viel gewähren, aber nicht alles. Die Schwäche ist ein Vorrecht, aber sie darf nicht Waffe sein und einen Mißbrauch bilden. Monsignore Seipel ist von diesem Vorfall nicht ausgenommen' er ist ein hruchlerischrr Feind, wie der Abgeordnete Kolb heftig und schroff ist. Die Rede des österreichischen Bundeskanzlers ist ein Muster zweideutiger und salbungsvoller Beredtsamkeit. Alle Oesterreich erwiesene Hilfe, die ihm gewährten Vorschüsse und Finanzgaranticn, der vorläufige Verzicht auf Wiedergutmachungen, die Vermittelung für das Durgenland, die Aufhebung der Militärkontrolle usw. werden von Oesterreich in der Form einfältiger Anschwärzungen und Unterschiebungen belohnt. Es wäre zum Verzweifeln mit dem politischen Sinn der Regierungen und der Vernunft der Völker, doch ist der Fall zum Glück im Rahmen der internationalen Politik nicht ernst. Der italienische Feldzug in Tirol und in Wien bildet kein Hindernis für die italienische Politik, sondern nur eine Schererei; als das muß er ausgenommen und abgewiesen werben. Ganz Oesterreich einig. Wien, 25 . Febr. Aus Innsbruck wird gemeldet: In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats hielt Bürgermeister Eder vor Eingebung in die Tagesordnung eine Ansprache, in der er sagte: „Die ganze Kulturwelt steht heute unter dem Eindruck der machtvollen, einmütigen Anklage, welche die Tiroler Abgeordneten im Nationalrat gegen die Unterdrückung unserer Stammesbrüder in Südtirol erhoben haben und die im Parlament ein mächtiges Echo fanden. Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck spricht den Vertretern Tirols für ihr mannhaftes Eintreten öffentlichen Dank aus. Die Landeshauptstadt wird stets und für alle Zukunft an der Seite jener stehen, die mit offenen und ehrlichen Waffen für die Befreiung unserer Volksgenossen in Deutsch-Südtirol aus der ftemden Knechtschaft eintreten. (Stürmischer Beifall bei allen drei Parteien.) Hierauf wurde eine Gedenkpause von fünf Minuten für Deutsch-Süotirol angeordnet. JeutWands Stonbpnlit v. Simson vor dem Sicherheitsausschutz. 8e«f, 27. Febr. (Funksprnch.) Im Sicherheitsausschutz gab Samstagvormittag bei Eröffnung der Debatte über das Memorandum zur Sicherheitsfrage der deutsche Delegierte, Staatssekretär v. Simson, eine Erklärung ab, in der er zu- sammenfaffend den grundsätzlichen deutschen Standpunkt zu der Sicherheitsfrage darlegte. Staatssekretär v. Simson wies zunächst daraus hin, daß das Memorandum des griechischen Delegierten Politis von dem Gedanken der Sanktionsmatznahmen bei Ausbruch eines Krieges entsprechend dem Artikel 10 des Bölkerbundspaktes ansgehe, während nach dem deutschen Standpunkt vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung eines Kriegsausbruches nach Artikel ll d«s Böl. kerbundspaktes den entscheidenden Grundsatz der Sicher- hcitsfrage bilden muffe. Grundsätzlich erklärte sSdann Staatssekretär v. Simson, kein Staat in Europa noch in der Welt seien an der Erhöhung der Sicherheit so interessiert wie Deutschland. Deutschland befinde sich gegenwärtig völlig entwaffnet zwischen schwer gerüsteten Nachbarstaaten. Dieser Zustand schaffe für Deutschland die Notwendigkeit, sich mit allen Kräften mit der Erhöhung der europäischen Sicherheit zu befassen. Der Gedanke der regionalen Pakte könne keineswegs als das einzige Mittel zur Erhöhung der Sicherheit anfgefatzt werden. Das Hauptziel der Verhandlung müsse »ach deutscher Auffaffung die Schaffung vorbeugender Maßnahmen zur Verhinderung des Kriegsausbruches sein und nicht — wie dies in dem Memorandum des griechischen Delegierten vorgesehen sei, die Bekämpfung des Krieges durch den Krieg. Regionalpakte hätten nach deutscher Auffassung nur dann einen Wert, wenn die Klärung der politischen Atmosphäre zwischen den Vertragspartnern von Grund auf vorhergegangen sei. Regionalpakte zwischen zwei oder mehreren Staaten könnten nur dann eine Erhöhung der Sicherheit bedeuten, wenn sie — wie dies in Locarno geschehen sei — eine lttärung der Beziehungen zwischen den Staaten herbeiführten. Hierbei betonte Staatssekretär von Simson den großen Wert des Locarnopaktes. Sodann wies der Redner darauf hin, daß der Leitgedanke des Völkerbundes der Universität fei. Das Prinzip der regionalen Pakte bedeute aber die Einführung des Regionalismus in den Völkerbund, wodurch das Schwergewicht des Völkerbundes eine Verlegung erfahren würde und ernste Gefahren entstehen könnten. Staatssekretär v. Simson betonte sodann noch einmal, daß nach seiner Ansicht den regionalen Pakten ohne eine Klärung der politischen-Atmosphäre der vertrag- schlietzenden Staaten kein praktischer Wert znerkannt werden könnte. Sie Franzosen machen Schwierigkeiten Genf, 27. Febr. Die Debatte über die Sichcrheitsfrage »ahm zum Schluß der SamStagvormittagsverhandlungen des SicherhettSausschuffes einen äußerst bewegten Verlauf, wobei der grundsätzliche Gegensatz zwischen der deutsche« und der französischen Auffaffung in der Frage der militärische» Garantie der Regionalpakte sowie der Einflußnahme des Völkerbundsrates zur Herbeiführung von regionalen Sicherheitsabkommen offen zntagetrat. Paul Boncour ent- weckelte in einer längeren Rede den Standpunkt der französische« Regierung zur Sicherheitsfrage. Ter Ausschuß habe von der Völkerbundsversammlung die engumschriebene Aufgabe erhalten, Mittel und Wege zur Erhöhung und Stärkung der Sicherheit zu finden. Ta gegenwärtig ein allgemeiner Sicherheitspakt nicht zu erreichen sei, so bleibe als einziger Weg der Abschluß regionaler Sicherheitsabkom- meu. Es genüge aber nicht, Modelle für derartige Verträge aeeszuarbeite». die nachher in den Staatsarchiven liegen in der Werheiissrage. blieben. Ter Ausschuß müsse im Völkerbundsrat einen eindeutig umrissenen Entwurf für die Regionalpakte vorlegen, der dann vom Völkerbundsrat den Staaten zur Annahme empfohlen werden könnte. Wenn dieser Weg sich nicht als gangbar erweisen sollte, so wäre eine Durchführung der Abrüstung in Frage gestellt. Ter deutsche Delegierte von Simson ergriff sodann noch einmal das Wort und stellte ausdrücklich fest, daß die Regionatpakte als das einzige Mittel zur Erhöhung der Sicherheit anzusehen seien. Ferner wandte er sich gegen die Auffaffung des griechischen Delegierten, nach der-der Abschluß von Regionalpakten in weitestgehendem Maße mit dem Geiste desBölkerbunöspak- tes übereinstimme. Sodann lehnte er ausdrücklich jeden Zwang der Einflußnahme des Bölkerbundsrates zur Herbeiführung von Regionalverträgen ab. Die in dem Memorandum des griechischen Delegierten vorgesehene Verpflichtung zu gegenseitigen Hilfsmaßnahmen könnte leicht eine Spitze gegen dritte Staaten erhalten und damit nur das Gegenteil von Sicherheit bedeuten. Das System gegenseitiger Hilfsmaßnahmen sei kein intregierender Teil eines Regionalpaktes, sondern führe nach den bisher gemachten Erfahrungen lediglich zur Entwicklung von Allianzsystemen. Von französischer Seite wird gegenwärtig scheinbar versucht mit großem Nachdruck die Herstellung eines Modells für einen regionalen Sicherheitspakt auszuarbeiten, der die leitenden Grundsätze der französischen Sicherheitspolitik mit Einschluß der Garantie des territorialen Standes enthält und der sodann auf dem Wege über den Völkerbundsrat und die Völkerbunösversammlung den Staaten aufoktroyiert werden soll, um auf diese Weise eine Stabilisierung und Garantie der gegenwärtigen europäischen politischen Verhältnisse zu erreichen. Die Gegensätze im Sicherheits- ausschnß haben zweifellos durch die Samstagverhandlmigen eine Berschärfung erfahren. Ob unter diesen Umständen ein einheitliches Bertragsschema für die Regionalpakte im Sicherheitsausschuß wird hergestellt werden können, muß in Zweifel gezogen werden. DieBerhandlungen des Sicher- heitsausschnffes wurden abgebrochen und ans heute vormittag vertagt. Parade der Moskauer Garnison Kowuo, 20. Februar. (Funkspruch.) Wie aus Moskau gemeldet wird, fand dort anläßlich der Feier des zehnten Jahrestages der Roten Armee auf dem Roten Platz eine Parade der Moskauer Garnison und der Truppen der G.P.U. vor der Negierung statt. Die Truppen waren mit dem neuen, nach französischem Muster hergestellten Stahlhelm versehen. In den Reden der Armee- und Parteiführer bei der Feier im Moskauer Großen Theater kam zum Ausdruck, daß der Roten Armee im Fall eines Krieges nicht nur die Aufgabe zufiele, die Kämpfe an der eigentlichen Front zu führen, sondern daß sie gleichzeitig mit Hilfe der G.P.U. und der Organisationen in Feindesland den Bürgerkrieg herbeizusühren hätte. Kriegskommissar Woroschilow ist zum Ehrenmitglied der Berliner kommunistischen Jugendorganisationen ernannt worden. Sie neue Llnterredung Stresemann-Titulescu Paris, 27. Februar. (Funkspruch.) Wie bereits gemeldet, hatten Reichsanßenminister Dr. Strcsemaun und der rumänische Außenminister Titulescu am Sonntag in einm Hotel in San Remo eine neue Unterredung, an die sich ein gemeinsames Mittagsmahl anschloß. Wie das „Journal" wissen will, soll im Anschluß daran Dr. Strescmann tele- graphisch den Pariser Botschafter Herrn von Hoesch und den römischen Botschafter Herrn von Neurath anfgefordert haben, sich zu ihm nach Kap Martin zu begeben, wo er gestern abend wieder eintraf. Englands neuer Botschafter. Die Ernennung von Sir Horace Rumbold bevorstehend. London, 26. Febr. Die Sonntagsblätter melden, daß bereits im Laufe dieser Woche von amtlicher englischer Seite die Ernennung des bisherigen Botschafters in Madrid, Sir Horace Rumbold, zum Botschafter in Berlin bekanntgegeben wird, nachdem Berliner Indiskretionen über eine oettrauliche Sondierung der englischen Regierung, ob Numbold genehm sei, erfolgt seien. Die englische Regierung warte nur noch die Erteilung des nunmehr für Rumbold nachgesuchten Aggrements ab. Der Observer deutet an, daß Graf Erroll wahrscheinlich keinen Nachfolger als englischer Rhein- landkommiffar erhalten werde, da die Locarno-Berträge seinerzeit mit dem Zweck abgeschlossen worden seien, eine Fortdauer der Besetzung unnötig zu machen. Eo lange die Besetzung noch andauere, werde möglicherweise ein Offizier, Oberst Ryan, mit der kommissarischen Verwaltung des Postens betraut werden. Amerikaflug der franzSfifchen Kriegsmarine Puris, 24. Febr. Die französische Marine bereitet einen Amerika-Flug vor, der die praktische Möglichkeit einer Handelsverbindung zwischen Paris und Newyork beweisen soll. Das Handelsministerium hat im vorigen Jahr zwei große Wasserflugzeuge bestellt, die es den besten Piloten der Kriegsmarine zur Verfügung gestellt hat. Der eine Apparat (Farman) ist mit zwei 600 PS.-Motoren ausgerüstet, der andere, ein Erzeugnis von Latham. soll bei einer Motorenstärke von 100 PS. eine Belastung von neun Tonnen tragen können. Als Route für den vorläufig für Mitte Mai angesetzten Flug ist vorgesehen Brest—Azoren—Bermuda—Newyork, insgesamt 6760 Kilometer. Der Afghanenkönig besichtigt die Reichswehr Die Döberitzer Truppenschau. Berlin, 28. Februar. (Funkspruch.) Zu Ehren des afghanischen Königs fand heute vormittag auf dem Truppenübungsplatz Döberitz eine größere Gefechtsübung mit ««- schließender Parade statt. Kurz nach elf Uhr trafen der König, begleitet vom Reichspräsidenten, sowie die übrige« Ehrengäste in Automobilen auf dem Platz ein und begäbe« sich sofort anf die Tribüne, auf der sich die fremden Mtlitär- attachees und die deutschen Kommandostellen versammelt hatten. An der Gefechtsübung am Hasenhetdenberg nahmen teil: das Berliner Wachtregiment mit drei Kompagnie«, zwei Maichiuengewchrkompagnien und einer Minenwerferkompagnie, ferner das Infanterieregiment 9, das Reiterregiment 4, Teile vom Arnllcrieregiment 3 und von der Nachrichtenabteilung 3. A,-smerksam verfolgte der König, der vom Reichspräsidenten auf besondere Einzelheiten a«f- mcrksam gemacht wurde, das Vorgehen und die Bewegungen der Truppen. Nach der Uebung begaben sich der König uud der Reichspräsident zur Kritik. Kurz darauf folgte unter dem Kommando des Generalleutnants Hasse, der auch die Gefechtsübung leitete, die große Truppenparade, die vom König und vom Reichspräsidenten abgenommcn wurde. Um dreizehn Uhr fand ein Frühstück im Offizierkasino statt, daS reichen Flaggenschmuck in den afghanischen und deutschen Farben trug. Zwischenfälle bei den Uebunge». Berlin, 27. Februar. Wie die Abendblätter melden, ge-'i riet während der großen, vor dem Afghanenkönig in DS- bcritz stattgefnndencn Reichswehrübung durch die Atrappen, die die Granateneinschläge markierten, das trockene Heidegras in Brand. Große Flächen brannten unter starker Rauchentwicklung ab. Trotz des Aufgebotes von Arbeitern, die durch aufgeworfene Gräben den Brand abzudämmen versuchten, gelang es nicht, den Brand zu löschen. Noch nach Schluß der Uebung brannten größere Flächen des Geländes, Zn wenigen Motten Der deutsche Delegierte in Genf, Staatssekretär v. Si«. so«, gab im Sicherheitsausschuß eine Erklärung über den grundsätzlichen deutschen Standpunkt ab. * Der italienische Gesandte in Wien wird heute abend »ach Rom reisen, wo er die Vorgänge im österreichischen Parlament seiner Regierung zur Kenntnis bringen wird. In Prenzlau in der Mark kam es zu wiederholten Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Polizei. Tie Kommunisten versuchten, das Rathaus und die „Prenzlauer Zeitung" zu stürmen. Die Potizeitruppe ist verstärkt worden. * Tonntagvormittag verunglückte ein Panzerkrastwagen der Kasseler Schupo. Drei Schutzpolizeibeamte wurden verletzt, darunter der Führer schwer. * Im Barmatprozeß verkündete Samstagmittag der Oberstaatsanwalt die Strafanträge gegen Julius Barmat. * Auf dem Flug von Bremen nach Hannover mußte das Verkehrsflugzeug 6 756 bei Hilgermissen (Kreis Heyn) eine Notlandung vornehmen. Führer und Passagiere blieben unverletzt. * Der italienische Dampfer „Atcantara" stieß im dichte» Nebel in der Höhe von Tungeneß mit dem russischen Schnl- schiff „Towarisch" zusammen und sank mit der gesamten Besatzung. Auch der russische Tampser wurde schwer beschädigt. Rr. 49. Jahrgang 1928. Der Landbvte * Smsyet»« Zeiwsz. 9Jlonlog t den 27. Februar 1928. -och konnte bas Feuer von der Waldstelle serngeharien «erben. Der König in Potsdam. Berlin, 27. Februar. (Funkspruch.) König Amanullah besuchte gestern mit seinem Gefolge und in Begleitung des Ministers a. D. Rosen Potsdam. Die Gäste besichtigten Schloß Sanffouci, die Orangerie und das neue Palais. Die Führung hatte der Direktor der Verwaltung für die Schlösser und Gärten, Dr. Hübner. Anschließend an den . Runögang durch Sanffouci ist eine Besichtigung des Potsdamer Flughafengelänöes geplant. Kommunistenausschreitiingen in prenzlau Berlin» 27. Februar. Der Märkische Lanöesdienst meldet: In Prenzlau ist es in der letzten Zeit wiederholt zu teilweise blutigen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und der Kommunalpolizei gekommen. Bei einem Versuch der Kommunisten, das Rathaus zu stürmen, ist den geringen Polizeikräften nichts anderes übrig geblieben, als sich im Rathaus zu verbarrikadieren. Ein Sturm auf das Vcrlags- gebäude der „Prenzlauer Zeitung" konnte nur durch ein starkes Lanöjägeraufgebor verhindert werden. Der Bürgermeister hat darauf sämtliche Kundgebungen, Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel verboten. Zur Untere stützung dieser Anordnung ist ein stärkeres Schutzpolizei- kommand» vorläufig nach Prenzlau verlegt worden, das sich jedoch bereits am gestrigen Tage als noch zu schwach erwies und auf telephonische Anforderung um weitere dreißig Mann verstärkt wurde. Auf dem Marktplatz kam es zu heftigen Zusammenstößen. Die Polizei mußte von der Waffe Gebrauch machen. Dreißig Verhaftungen wurden vorge- nommen. Mehrere Personen haben Verletzungen erlitten. Me Strafanträge im Varmatprozeß Berlin, 27. Februar. Im Barmatprozeß verkündete Samstagmittag Oberstaatsanwalt Dr. Trautmann gegen den Angeklagten Julius Barmat die Strafanträge. Nach der Aufzählung der einzelnen Anträge beantragte er gegen Julius Barmat auf folgende Gesamtstrafen zu erkennen: Fünf Jahre Gefängnis und 480 090 Mark Geldstrafe, eventuell sür je tausend Mark einen Tag Gefängnis, ferner Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren, Verfallserklärung gemäß Paragraph 335, endlich Anrechnung der ip der Zeit vom 31. Dezember 1924 i. bis 23. Mai 1925 nnd vom 6. März 1926 bis 17. März 1920 erlittenen Untersuchungshaft mit 155 Tagen auf die zu ernennende Strafe. In der Begründung wies der Staatsanwalt darauf hin, baß der Schaden durch das strafbare Treiben Julius Barmats nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme auf rund 30 Millionen Goldmark bemessen werden müsse. Unter den einzelnen Julius Barmat bewiesenen Straftaten trete der Betrug und die Anstiftung zur Untreue gegenüber der Preußischen Staatsbank als besonders schwerwiegend, hervor. /Moralisch noch verwerflicher sei aber Julius Barmats Verhalten gegenüber Dr. Höfle. Wenn er gleichwohl davon absehe, eine Gefängnisstrafe ?in Antrag zu bringen, die auf den ersten Blick in keinem Verhältnis zu der Schwere der Taten des Julius Barmat stehe, so geschehe es in Berücksichtigung der Tatsache, daß der in seinem Machthunger hemmungslose Barmat erfahren mutzte, daß auf dem Boden, den er betrat, ihm nicht allzu starke Widerstände entgegengesetzt wurden. Gegen Henry Barmat beantragte der Staatsanwalt zwei Jahre sechs Monate Gefängnis, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren und Anrechnung der Untersuchungshaft mit 157 Tagen. Gegen den Angeklagten Klenske den Geschäftsführer der Amexima beantragte er neun Monate Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, ferner Anrechnung der Untersuchungshaft. Bezüglich i des Angeklagten Hellwig erklärt er, daß dieser in unerhörter Weise mit den ihm anvertrauten Geldern eines völlig verarmten Volkes gewirtschastet habe. Bei aller Schwere der Tat billigte er ihm trotzdem mildernde Um- ! stände zu und zwar aus der Charakterisierung seiner Persönlichkeit. Er beantrage wegen fortgesetzter Untreue in Tateinheit mit fortgesetzter passiver schwerer Bestechung eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren, außerdem für fünf Jahre - die Aberkennung der Fähigkeit der Bekleidung öffentlicher Aemter. Auch hier soll die Untersuchungshaft angerechnet werden. Bei dem Reichstagsabgeordneten Lange-Heger- mann komme in Betracht, daß er die hohe und verantwortliche Stelle eines Abgeordneten in schwerster Weise mißbraucht und sich nicht gescheut habe, Gelder des Staates, die : ihm für vaterländische Zwecke zur Verwendung im besetzten Gebiet zur Verfügung gestellt waren, für anderweitige Zwecke zu verivenden, an denen er persönlich interessiert war. Er beantrage gegen ihn wegen Betruges zum Nachteil ! des Reichspvstministeriums und der Preußischen Staatsbank eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und 30000 Mark ! Geldstrafe. _- _ - Werners Werbung. Roman von George Manville Fenn und Carl Johannes. Erstes Kapitel. Isolde. »Für Weh' und Wunden gab ste Balsam Für böse Gifte Gegen-Gift: Für tiefstes Weh', für höchstes Leid Gab ste den ToöeS-Trank. Der Tod nun sag' ihr Dank!" Die geheimnisvollen Schauer, die uns in Wagners .Tristan und Isolde" der Liebe und des Todes Rätsel ahnend näherbringen, bewegen dem einsamen Hörer in der großen Mittelloge des Proszeniums die Seele — da fährt er zornig auf — die Aussicht ungetrübten Genusses ist zerstört — er bleibt doch nicht allein — draußen im Vorraum der Doppelloge Stimme» — entsetzlich, gar Englisch! — die Türen öffnen sich, in die Nebenloge treten «ne ältere und eine junge Dame, in seine Loge eine junge Dame, gefolgt von einem Herrn. Als letzterer ihn erblickt, begrüßt er ihn mit einer süchtigen Verbeugung und flüstert noch seinen Damen -zu: „Ein Freund von mir — Deutscher — spricht aber fertig Englisch — rabiater Wagnerianer — wir müssen jetzt still und andächtig zuhören, sonst verderben wir dem -«rmen Jungen den ganzen Abend." Unwillkürlich muß jener trotz seines Aergers lächeln. Höflich erhebt er sich zur stummen Begrüßung der Neu- Aekommenen und ruckt der jungen Dame den der Bühne Näher befindlichen Seflel zurecht. Bis sie alle zum Sitzen f ekommen und die Ruhe gefunden, ihre volle Aufmerk- rmkeit der Musik zuzuwenden, sind mehrere Minuten -»ergangen. Die Handlung ist unterdesien weiter borge- schritten, und mit Tristans Erscheinen ein ruhigeres Aebergangsstadium eiugetreten. so daß es möglich ist. trotz der erlittenen Störung bis zum nächsten Höhepunkt die rechte Stimmuna wiederrufinden. Der Oberstaatsanwalt beantragte gegen Alfred Staub eine Strafe von neun Monaten Gefängnis und 40000 Mark Geldstrafe, gegen Rabinowitz gleichfalls neun Monate und 40 000 Mark Geldstrafe, gegen Hugo Staub ein Jahr Gefängnis, 40 000 Mark Geldstrafe und Amtsverlust auf drei Jahre. -Gegen den Angeklagten Generaldirektor Walther von der Allgemeinen Garantiebank beantragte er wegen fortgesetzten Betruges zum Nachteil der Rückversicherungs- gesellschasten ein Jahr und zwei Monate Gefängnis und 50000 Mark Geldstrafe, qeqen Direktor Hahle von der Allgemeinen Garantiebank sechs Monate Gefängnis und 25 000 Mark Geldstrafe und schließlich gegen den Oberzollinspektor Stachel wegen fortgesetzter schwerer passiver Bestechung neun Monate Gefängnis und Amtsverlust auf die Dauer von fünf Jahren. Zum, Schluß bat der Oberstaatsanwalt mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe gegen Julius und Henry Barmat und Hellwig die bestehenden Haftbefehle aufrecht zu erhalten und sie unter Freigabe der gestellten Sicherheiten zu vyllstrecken. Nächste Verhandlung am Montag. AltershUfe für Augestellte! Die Denkschrift der Reichsregierung hat die Diskusfion über die furchtbare Not der älteren Angestellten aufs neue entfeffekt. Die Denkschrift nimmt in mehreren Fällen auf die freiwillige Hilfe bezug, die die Verbände ihren alten Mitgle- dern zuteil werden laffen. Es dürfte deshalb von Interesse sein zu hören, was die Angestellten-Berbände ihren Mitgliedern außer der Verb^nös-Stellenlosen-Unterstützung bieten. Der Gewerkschaftsbunö der Angestellten, der auf seinem Hamburger Bundestage im Jahre 1926 eine Altershilfe für seine 65 Jahre alten Mitglieder beschloß, hat auf Grund seines Beschlusses nunmehr mit den Auszahlungen begonnen. Im Januar 1928 erhielte» etwa 320 Mitglieder des G.D.A. eine monatliche Beihilfe, deren Gesamtbetrag sich auf 11000 Reichsmark monatlich beläuft. Das ergibt ohne Berücksichtigung der ständigen Steigerung der Empfängerzahl jetzt schon eine» Jahresaufwanö von rund 132 000 Mark. Den 40—64- jährigen Angestellten ist damit aber noch nicht geholfen, deshalb die Bestrebungen auf Einstellungsverpflichtung und Herabsetzung der Altersgrenze bei der Angestellten-Bersiche- rung auf das 60. Lebensjahr. Außerdem find seit 1924 für V Unterstützungsernrichtungen, die bereits in den Borläufer- verbänüen des G.D.A. bestanden, rund 30 000 Mark Altershilfe zur Auszahlung gekommen. Die Gesamtaufwendungen des G.D.A. für Unterstützungen und Krankenhilfe ergaben nach dessen letzten Veröffefntlichungen seit 1924 die respektable Gesamtsumme von 76 Milionen Reichsmark. Letzte Telegramme in Kürze. Die Arbeiten des Sicherheitsansschnffes. iim Sicherhcitsausschuß in Genf wurde gestern noch die Frage des Abschlusses von Schichtungsoerträgen behandelt. Der deutsche Delegierte wies dabei darauf hin, daß die bei Verträgen oft gemachten Vorbehalte der nationalen Lebcns- intereffen des territorialen Gebietes und der Ehre eines Landes nicht aufgcnomnien werden brauchten, da sie nur die Wirksamkeit der Verträge minderten. Nach längerer Aussprache wurde das Nedaktionskomitee beauftragt, einen allgemeinen Schlichtungspakt auszuarbeiten, der dann von dem Ausschuß in zweiter Lesung geprüft werden soll. Im Redaktionskomitee des Sicherheitsansschnffes wurde in geschlossener Sitzung die Frage der Initiative des Bölker- bundsrars zur Herbeiführung von Sicherheits- und Schieds- gerichtsverträgcn behandelt. Ein Druck des Völkerbundes in dieser Frage wurde abgelehnt. Gegen den früheren Angehörigen der Organisation Roßbach, Schmidt, ist nunmehr Anklage wegen Fememordes erhoben worden. Die Rückgabebill wird voraussichtlich Ende nächster Woche unterzeichnet werden. Estland ist, wie aus einer Rede des Staatsältesten von Estland anläßlich des zehnjährigen Jahrestages hervorgeht, ein Verbündeter Polens. - In der italienischen Kammer wurde gestern eine Anfrage wegen Südrirol eingebracht, auf die wahrscheinlich Musso- lini antworten wird. Im Laufe des Freitags nachmittag stattete Reichspräsident von Hindenburg dem Reichskanzler Marx einen Krankenbesuch ab. Mussolini hat beschlossen, den italienischen Gesandten in Wien abzuberufen. An zuständiger Wiener Stelle findet diese Nachricht bisher keine Bestätigung. Den li'A Jahre alten Webschüler Paul Wolf aus Weißensanö, der am 10. Dezember vorigen Jahres das 7jährige Töchterchen des Gutsinspektors Roßberg mit Und so packt ihn Isoldens Herzensqual mit feelen- bezwingender Gewalt: »Das Schwert — da liest ick's sinken. Nun laß uns Sühne trinken!" Und dann sväter Tristans vollenfesselte, nicht länger verhaltene, hoffnungslose, todesfreudige Leidenschaft: „Den Becher nehm ich nun. Daß ganz ich heut' acuese!" Da, als höchstes Liebesverlangen und unmittelbares Todesbewußtsein in eins zusammenfließen, da fällt zufällig, kaum bewußt, sein Blick auf das Profil der jungen Dame neben ihm. und der süße, holselige Liebreiz ihrer Erscheinunaverschmilzt mit dem Empfinden, welches die Macht der Musik in ihm erweckt hat. Wie eme Offenbarung trifft ihn dieser Antllick, unverwandt haften seine Augen aus ihren Zügen, ein traumhaftes Entzücken erfüllt seine Seele — blitzartig durchzuckt ihn die Gewißheit, daß er die eine für ihn bestimmte und zu ihm gehörige Seele gefunden. Und unter dem Einfluß der Musik steigert sich dieses Empfinden den ganzen Abend hindurch in so wunderbarer Weise, daß er selbst in den beiden Zwischenpausen kaum zu einem klaren Bewußtsein seiner selbst und seiner Umgebung gelangt, daß er wie im Traum kaum weiß, was er selber sagt. Erst als die Oper zu Ende, gewinnt er so viel Ruhe und Fassung, um seinem Freund zuzuflüstern, ob er ihm den Rest des Abends schenken könne, er müsse ihn heute noch dringend, notwendig sprechen. Dieser antwortet bejahend. und nachdem sie beide die Damen zu ihrem Wagen hinuntergeleitet, fragte der junge Datsche: „Was meinst du. Fred, wollen wir zu Ervest? Ich habe dir viÄ zu sagen, und dort bekommt mau wenigstens ein Zimmer, wo man «ngestört rede» kann." Wenige Minuten darauf fitzen sie in einem behaglichen kleinen Zimmer des Restaurants, bestellen eine» Imbiß und eine Flasche Pommery Greno. plaudern eine Zeitkana von gleichgültigen Dingen, und erst, nachdem der Kellner abgeräumt hat, sie die Zigarren angezundet und einem Stock erschlug, verurteilte am Freitag das Planeuer Große Jugendgericht zu acht Jahren Gefängnis. In Mülhausen wurde der Redakteur des Etsässischen Kuriers Stürmet von Mülhausen und der Geometer Schweitzer wegen autonomistischen Bestrebungen verhaftet. In der französischen Kammer wurde ein Antrag des el- sässischen Deputierten Silbermann auf Erhöhung der Zölle der aus Deutschland eingeführten Weine um 26 % abgekehnt. Dann wurde ein Beitrag von 400 000 Franken für die Teilnahme Frankreichs an der Prcffa genehmigt. In Kansas City überfielen zehn schwerbewaffnete Banditen eine Bank und zwangen mit vckrgehaltenen Revolvern die Äugest, ten und Kunden zum Hinlegen worauf sie die Kaffenschräi e völlig ausraubtcn und mit einer großen Beute ung: -indcrt entkäme". Bauern-Kundgebung. * Sinsheim, 27. Febr. Die gestern Nachmittag im Stadtpard- faal stattgehabte Bauern-Bersammlung hatte von nah uno fern einen außerordentlich starken Besuch aufzuweisen. Der 1. Borsitzende des Bezirkslandbund Sinsheim, Herr Friedr. Frank begrüßte die Erschienenen und hieß besonders die Herren Landrat Strack als Vertreter der Regierung, Landesvorsitzender Mayer- Großsachsen, Hermann Gebhard-Eppingen, Ehrenpräsident des Landbundes, Dr. Kaftermann-Karlsruhe willkommen. Di: Tagung soll dazu dienen, die Notlage der Landwirtschaft zu bespreche« und dem Volke die Stellungnahme der Bauernschaft zu derselben kund zu tun. Hieraus ergriff der Landesvorsitzende, Herr Mayer- Großsachsen, das Wort um über die Notlage der Landwirtschaft zu sprechen. Bauern in Not, ist eines der flammenden Zeichen, das über dem deutschen Himmel steht. Eine gewaltige Bewegung geht durch die deutsche Bauernschaft, was in Stuttgart besonders zum Ausdruck kam, wo 50 000 Bauern ihrer Organisation die Treue schwur. Hand in Hand muß gekämpft werden zur Erhaltung des Bauernstandes. Viele wollen es nicht sehen, in welch mißliche Lage die Landwirtschaft geraten ist. Die rasch aufeinander folgenden Steuern, Lohnsteigerung, mangelhafter Absatz haben alle Hoffnungen Schanden gemacht. Dann behandelte der Redner die Kredit und Zinspolitik. Die hohen Zinsen haben die Bauern in das schmachvolle Joch der internationalen Zinswirtschaft gebracht, aus der heraus der Weg nur durch schwere Arbeit führe. Was Not tut, seien Preise für die Erzeugnisse zu erzielen, die dem inneren Wert der Mark entsprechen. Preise die ermöglichen, den notwendigen Lebensunterhalt sicher zu stellen. Wir wollen ein arbeitsfreudiger, sich fortentwickelnder Bauernstand werden. Pflicht gegen Volk und Vaterland gebietet uns zu unserem Vaterland zu halten. Verkehrte Hanoelspolitik und Schutzzölle haben uns in eine mißliche Lage hineinmanöveriert, wieoer auf die Beine zu kommen möge das Vaterland Helsen, damit es ermöglicht wird, die deutsche Wirtschaft wieder auf eine gesunde Volkswirtschaft zu bringen. Herr Ehrenpräsioent Gebhard referierte über die allgemeine Notlage. Wir stehen heute in einer oerzweifeften Lage, es lohnt sich nach der Ursache zu sehen. Eine gesunde Wirtschaftslage bedinge eine gleichmäßige Balancierung der Ein- und Ausfuhr, sowie eine gerechte Verteilung der Lasten. Anhand von Aufzeichnungen wurde gezeigt, wie die Einfuhr von Lebensmitteln von Jahr zu Jahr gestiegen ist. Da die deutsche Landwirtschaft nicht die günstigen Bedingungen habe wie andere Länder muß eine Schutzpolitik gefordert werden, um die Landwirtschaft dem Auslande gegenüber konkurrenzfähig zu machen. Aber nicht nur die notwendigen Lebensmittel wurden eingeführt, sondern «ine ganze Menge Luxusartikel auch heute noch. Angesichts der diesjährigen Zahlung der Reparationslastcn tritt die Frage auf, ob die deutsche Volkswirtschaft sich auftecht erhalten könne. Auch die Industrie habe die gleichen Lasten wie die Landwirtschaft. Sie habe auch Schutzzölle nötig und erhalten, aber die Landwirtschaft nicht. Da werde mit zweierlei Maß gemessen. Unerträglich sei auch die Real- steuer, die für manchen erdrückend sei. Hier müsse eine gerechte Verteilung geschaffen weroen. Während im Osten die Verhältnisse sehr mißlich sind, ist der Süden nicht ganz in dem Maße betroffen, was in Baüen durch die dichte Bevölkerung bedingt ist. Wie kann dem Notstand geholfen werden? Es ist eine Grundlage zu schaffen, die die Landwirtschaft in die Lage versetzt ihre Erzeugnisse im Inland untcrzubringen, Gewährung billigerer Kredite und gerechte Verteilung der Steuerlasten. Der Reichstag, die Regierung, der Parlamentarismus hat uns diese Lage gebracht. Es gelt«, «ine Regierung zu finden, die zum Aufstieg des Polkswohl führt. Wenn nicht die Gewähr^geboten wird, daß diesem Zustand ein Ende gemacht wird, Sann wird man fragen, ob das Wählen noch einen Zweck hat. Herr Dr. Kattermann gab dann eine Kundgebung an die Badische Regierung bekannt, die allgemein gutgeheißen wurde. Sie Maser sriscy gesuu: yavcn. oegumi oer sunge Deutsche mit ernstem Nachdruck: „Nun. Fred, du bist mein liebster Freund, und ich hatte zu meiner Freude auch schon Gelegenheit, dir meine Freundschaft durch die Tat zu beweisen — jetzt ist die Reihe an dir — kann ich auf dich zählen?" „Gewiß, Arnold, unbedingt!" „So höre denn. Heute sah ich das Mädchen, das ich zur Gattiu gewinnen muß. Im ersten Zwischenakt stell- test du mich den Damen vor, aber ich war wie im Traum — ich weiß von nichts mehr — wer sie sind, woher sie kommen, wie lange sie hier bleiben? Ich muß sie näher kennen lernen. Kannst und willst du mir dazu, helfen?" Sein Freund blickte ihn erstaunt, fast erschreckt an und antwortete: „Mein lieber Junge, ich weiß, du wirst es mir nicht falsch deuten, wenn ich . dir offen und ehrlich sage, was ich Sazu meine. Gewiß. Ihr beide, du und meine Kusine Klara, Ihr wäret wie geschaffen für einan- der. — Was in meinen Kräften steht, dir behilflich zu sein, will ich tun. Aber ich habe wenig Hoffnung —" „Was meinst du? Ist sie nicht mehr frei?" „Doch. Aber höre und urtelle selbst. Die ältere Dame, der ich dich vorstellte, ist meine Tante. Lady Gartram, die Lchwester meiner Mutter. Ihr Gemahl ist der Chef einer alten, vornehmen, aber verarmten Familie. Sein jüngerer Bruder. Norman Gartram, wandte sich schon früh Sei Erwerbstätigkeit zu — er legte große Granitbrüche an und ist jetzt — selbst für englische Begriffe — ein enorm reicher Mann. — Er ist Witwer und seine einzige Tochter und Erbin, Klara, ist das junge Mädchen, welches du zu gewinnen wünschest. Die andere junge Dame. Mary Dil- lan, ist eine Kusine von ihr. gewissermaßen ihre Gesell- schafterin. „Wenn sie eine reiche Erbin ist. erschwert mir das vielleicht meine Werbung; aber das ist doch immerhin noch kein Grund." „Höre micy nur zu Enoe. ^yr -vaier ip gewsunz ms zur Unerträglichkeit, wie ein gemeiner Emporkömmling, und dabei stammt er doch aus auter Famllie. Er wird Rr. 49 . Jahrgang 1928. Der Landvolk * Sinshttmer Jeiwag. Montag, den 27. Februar 1928. Nachdem er Kurz die allgemeine Lage streifte richtete er einen Apell an die Fernstehenden, daß jedermann der Organisation Keitrete, um sie zu stützen und stark zu machen für die kommenden Wahlen. Die Gesetze im Parlament werden nur von der Majorität gemacht, deshalb jedermann bei der Wahl an die Urne. Bis zur Parole Gewehr bei Fuß. Dann befürwortete er die Errichtung der Kreiswinterschule in Sinsheim, die ein dringendes Bedürfnis sei da heute unsere Zungbauern mehr dmn je leistungsfähiger sein müssen, auch zu wenig Winterschulen im Kreise vorhanden sind und fordette die Gemeinden auf. dem Schulverband beizutreten. Eine Resolution an den Kreisrat zur Beschleunigung der Errichtung der Winterschule wurde beifällig ausgenommen. Herr Frank-Frankcnhof dankte den Rednern für ihre Ausführungen und schloß die Versammlung nachdem sich niemand mehr zum Wort meldete. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 27. Febr. (Versuchsballone.) Vom 1. bis 31. März ds. 3s. steigen an vielen Orten Europas (auch in Deuisch- land) zu wissenschaftlichen Zwecken Versuchsballone auf. Der Finder eines solchen wird gebeten, ihn samt dem daran befindlichen Selbstschreibegerät sorgfältig zu behanoeln und nach der am Ballon oöer am Gerät befindlichen Anleitung zu verfahren. Es wird betont, daß mit Rücksicht auf die Gegenseitigkeit auch ausländische Ballone geradeso behandelt werden müssen, wie die deutschen. In der Regel zahlt die den Ballon absendende meteorologische Anstalt denr Finder eine angemessene Belohnung. Die Ballone sind mit dem leicht brennbaren Wasserstoff gefüllt, daher ist Vorsicht geboten. In Zweifelfällen wende man sich an die nächste Orts- polizeibehörde oder an die Landeswetterwarte. oc Sinsheim, 27. Febr. (Beleuchtete Hausnummern und Straßenschilder.) Das schnelle Auffinden von Häusern und Straßen ist fast immer mit recht großen Schwierigkeiten verknüpft, da nur in den seltensten Fällen die Straßenbeleuchtung so gut ist, daß man die Straßenschilder und Hausnummem ohne Weiteres erkennen kann. Es ist daher erfreulich, feststellen zu können, daß man jetzt in Deutschland daran denkt, beleuchtete Hausnummer und Straßenschilder einzuführen. In Berlin sind bereits eine ganze Anzahl von Straßenzügen sowie eine Fülle von Einzelhäusern mit derartigen beleuchteten Hausnummern und Straßenschildern versehen worden und dieselben haben beim Publikum und bei den Chauffeuren allgemeinen.Anklang gefunden. Auch in anderen Hroß-Stäüten wie Leipzig, Hamburg, Breslau, Ludibigshafen, Karlsruhe u. a. sind bereits Straßen mit dieser begrüßenswerten Neuerung versehen worden. Die Einführung dieser erleuchteten Schilder ist nicht nur aus verkehrstechnischen Gründen sehr erwünscht. sondern auch im öffentlichen Interesse gelegen. «Der nachts herbeigerufene Arzt, die Feuerwehr, die Polizei usw. wissen, was manchmal einige Minuten bedeuten, die durch das Suchen der Straßenbezeichnung bezw. der Hausnummem verloren gehen. Eine weitere Einführung dieser praktischen Neuemng, auch in kleineren Orten, dürfte allgemein sehr begrüßt werden. 1 t i Sinsheim, 27. Febr. Zufällig las ich heute in einem auswärtigen Blatt eine kleine Karneoalbetrachtung, in welcher der Satz oorkam, „Das Publikum machte sich die poli- zeistundsrcien Nächte sehr zu Nutzen". Bei uns in Sinsheim war leider das Gegenteil zu »verspüren. Die Polizei- und Gendarmerieorgane sind geradezu mit einer unverständlichen Schärfe vorgegangen. Ich beobachtete in einem hiesigen Cafe kurz nach 12 Uhr nachts, daß die hohe Polizei innerhalb 15 Minuten 2mal erschien, weil sage und schreibe noch e i n Gast darin saß, welcher in aller Gemütsmhe seinen Kaffee schlürfte. Eine ganze Reihe Personen, die von irgend einem Ball kamen und noch das Bedürfnis hatten, einen Kaffee zu trinken, wurden von dem Wirt unter Hinweis auf den Ernst der Lage abgewiesen. Ich selbst trete unter allen Umständen für Zucht und Ordnung ein, aber ich behaupte auch, daß der Sinsheimer Bürger schon zu allen Zeiten zucht- und ordnungsliebend war und es auch heute noch ist und daß er in dieser Hinsicht eine erzieherische Behandlung nicht notwendig hat. Der Fall könnte eintretm, daß er diese feine guten Eigenschaften absichtlich vernachlässigt, wenn er fortwährend durch die Polizei und andere Organe überwacht, bevormundet und belästigt wird. Ich schreibe diese Zeilen deshalb, weil ich wahrnahm, daß in letzter Zeit, wegen dieser Vorkommnisse ein allgemeines Murren durch einen großen Teil der Bürgerschaft ging und weil es ratsam erscheint, den Bogen nicht zu überspannen. Allzu schaff macht schartig! t Eteinsfurt, 27. Febr. (85. Geburtstag.) Herr Martin Gilbert feiert heute im Kreise seiner Kinder und Enkel als ältester Bürger unserer Gemeinde seinen 85. Geburtstag. Er ist noch gesund und rüstig. J Reckarbischofsheim, 25. Febr. (Stammholzverkauf) Die Gemeinde hat das Stammholz aus ihren Waldungen an die Firma Harsch-Bretten verkauft. Für Eichen wurden geboten: 92, 75 u. 55 Mk. je nach Klaffen. Für Buchen: 72, 63. 50 und 41. Käufer der Hainbuchen ist Drehermeister Fries hier zum Preise von: 60.20 und 48.20 Mk. ** Mannheim, 26. Februar. (Der Herzogenriebpark.) In den nächsten Tagen wird mit der Ausführung des Her- zogenriedparks, der der Mittelpunkt des jenseits des Neckars aufstrebenden Stadtgebiets sein wird, begonnen werden. Der Gejamtkostenauswand beträgt 1,3 Millionen Mark. ** Flehinge«, 26. Februar. (Auswanderer.) Die Ehefrau des Bäckers Schnaufers mit ihren vier kleinen Kindern verläßt dieser Tage die Heimat, um ihrem Manne, der vor einem Jahr in Amerika sich angesiedelt hatte, zu folgen. Auch eine Tochter der Witwe Geiser begibt sich nach Amerika. ** Nordrach, 27. Febr. Der Küfermcister Xaver Vollmer stürzte hier mit seine Rad und erlitt einen Schädelbruch. Er wurde tot aufgefuuden. ** Böhl, 23. Febr. (Zu den Typhuserkrankungen.) Wie gemeldet, sind fünf Angehörige einer hiesigen- Familie an Typhus erkrankt und in das Luöwtgshafener Krankenhaus eingeliefert worden. Dem Vernehmen nach sollen die Erkrankungen darauf zurückzuführen sein, daß ein hiesiger Einwohner, der seit Jahren als Typhusbazillenträger gi.lt, unbefugterweise Milch an die betreffende Familie verkauft habe. ** St. George« i. Schwarzw., 26. Febr. (Aus dem Zuge gestürzt.) Am Fastnachtsöienstag stürzte unterhalb der Silberfuchsfarm ein 18jähriges Mädchen von hier aus einem Zug, ohne fich ernstlich zu verletzen. ** Gottenheim, 26. Febr. (Schießerei.) Ein hiesiger Bürgersohn veranstaltete in der Dienstagnacht mit einem neugekauften Revolver eine regelrechte Schießerei. Dabei traf er einen Kameraden so unglücklich, daß dieser erheblich verletzt darniederliegt. Ohne fich um den Verletzten zu kümmern, nahm der Täter Reißaus, konnte aber am Tage darauf ermittelt werden. ** Freiburg, 24. Febr. Eine Perlenkette mit 140 echten Perlen, die einen erheblichen Wert darstellen, wurde auf dem Wege zum Bahnhof von einer auswärtigen Dame verloren. Bisher wurde die Kette nicht abgeliesert. ** Freiburg, 25. Febr. (Fälschung von Bestellscheinen.) Der Reisende Jakob Fleischer, der für eine Wäschefabrtk in Karlsruhe Oberbaden bereiste, war wegen Fälschung von Bestellscheine» angeklagt. Er soll der Frau Bürgermeister und einem Vikar in einem Ort des Kaiserstuhls Hemden verkauft und arck dem Bestellschein aus der 1 eine 6 gemacht haben. Der Altgeklagte bestritt, die Zahl aus betrügerischer Absicht abgeändert zu haben, und da ihm das Gegenteil nicht nachgewiesen werden konnte, wurde er freigesprochen. ** Freiburg, 24. Febr. Eine Sitzung des oberbadischen Weinbauvereins, die in Freiburg tagte, beschloß, am 21. April in Endingen am Kaiserstuhl eine Weinprämiierung abzuhalten. ** Freiburg, 25. Febr. (Urkundenfälschung.) Der 29- jährige Kaufmann und Viehhändler Fritz Bergheimer aus Breisach hatte sich wegen Fälschung von Urkunden zu verantworten. Er fälschte insgesamt 22 Wechsel, wodurch er sich 15 000 Mark erschwindelte. Er ließ sich Blankowechsel geben oder Wechsel über geringe Beträge, die er in höhere abänderte. Als Bergheimer sich entdeckt sah, floh er über den Rhein nach Frankreich, wurde aber ausgeliefert. Die Opfer des Betrügers waren alleinstehende Landwirtsfrauen und kleine Landwirte am Kaiserstuhl. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe von VA Jahren verurteilt. ** Rickenvach (Hotzenwald), 25. Febr. (Brand). Am Donnerstag brannte das Anwesen des Landwirts Otto Vogt in Rickenbach-Henuematt in kurzer Zeit vollständig nieder. Der Grand soll infolge Kurzschluß entstanden sein. Wie es heißt hat man den Besitzer und seine Frau unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. ** Heiligenberg, 25. Febr. (Brand.) In dem zu Wintersulgen gehörenden OrtStcil Oberhaslach brannte das Anwesen des Josef Restle vollständig nieder. Unter großer Mühe konnte der Pferdebestand und das übrige Vieh und ein großer Teil des Mobiliars noch in Sicherheit gebracht werden. Der Besitzer hatte bereits vor einigen Tagen eine Kerze zwischen dem Stroh gefunden, die auf geplante Brandstiftung Hinweisen dürfte. Auffallend war nur bei dem Brande, daß der Brandbeobachter zwei örtlich getrennte Brandherde glaubte feststellen zu können, was wkeder Brandstiftung vermuten läßt. Die eingesetzte Untersuchung wird wohl sehr bald nähere Ergebniffe über die Entstehungsursache feststellen können. ** Rottweil, 25. Febr. (Der Lastkraftwagen im Schaufenster). Vorgestern brach an einem Lastapto die Kette, so daß es rückwärts rollte Dem Lenker gelang es zwar den Wagen in eine Seitenstraße zu dirigieren, doch stieß er dort gegen ein Uhrenhaus, durchschlug ein Schaufenster und rich- tete in den Auslagen große Verheerungen an. Auch ein Teil des Mauerwerks und der Holzverschalung wurde weg- geriffen, so daß großer Schaden entstand. Unfall eines Polizeipanzerwageus. Kassel 27 Februar Am Samstagvormittag verunglückte auf der Rückkehr von einer Uebungsfahrt ein Panzerkraftwagen der Kasieler Schutzpolizei. Der Wagen fuhr an der Frankfurter Straße an der Brücke der Mam-—>eser-Bahn gegen das rechte Brückengeländer, das verbogen wurde und in Stücken auf das Geleis Hinabsiel. Der Panzerwagen blieb infolge seines Gewichtes aus der halben Böschung hangen. Drei Schupobeamte wurden verletzt: besonders der Wagenführer trug erhebliche Kopfverletzungen davon. Schlagende Wetter im Schacht. Berlin, 27. Februar. Me die Abendblätter aus Fortsmith melden, wurden bei einer Explosion in einem Bergwerk in Jenny Lindark 13 Arbeiter getötet. Ueber Hundert Europameister «chmeling in der ersten Runde k. £• Frankfurt a. M., 26. Febr. Bei den am Samstag in Frankfurt a. M ansgetragenen Bernfsboxkämpsen brachte der Hanptkampk des Abends die Sensation, daß der deutsche Europameister Max Schmeling im Revanchekampf gegen den englischen Exmeister Gipsy Daniels in der erste« Rnnde k. O. geschlagen wurde. Die Engländer sind im Sudan nach Ueberwindnng größter Schwierigkeiten in das Gebiet der Nuers eingedrungen, zur Strafe für die Ermordung des Kapitäns Fergusson. Vor zehn Jahren mußte wegen eines ähnlichen Anlasses ebenfalls eine solche Strafexpedition unternommen werden, und es wird sicher in absehbarer Zeit abermals eine bewaffnete Unternehmung notwendig sein. Denn die Nuers sind ein unbezähmbarer Volksstamm von ungefähr 400 000 Köpfen. Tie meisten leben in dem oberen Nilbezirk, einige ihrer Teile auch in der Provinz Bahr el Ghazak. Während der Regenzeit, die sich von Anfang Mai bis Ende November hinzieht, ist das Wohngebiet der Nuers mit dichtem, 2—3 Meter hohem Grase bedeckt. Während dieser Monate ist das Land so gut wie unangreifbar, da niemand den dichten Grasgürtel dnrch- dringen kann. Ende Januar ändert sich dann die Lage. Mächtige Prärierefeuer fegen durch das Land und lassen einen kahlen, rissigen Boden zurück. Diese Feuer werden von den Eingeborenen selbst angebrannt. Die Viehherden bedürfen der Bewegungsfreiheit und das junge Gras, das aus dem verbrannten Boden rasch emporschießt, liefert eine vorzügliche Weide. In den folgenden Monaten trocknet das Land fast vollkommen aus. Ist der März vorbei, so ist es schwer, außerhalb der Flußläufe überhaupt noch Wasser zu finden. Nur der Landkundige kennt die verborgenen Quellen und Wasserläufe, die auch in dieser Zeit nicht versiegen. Wegen der Trockenheit ist es auch in dieser Zeit außerordentlich gefährlich, in das Land einzudringen. Infolge dieser günstigen klimatischen Verhältnisse sind die Nuers ein unabhängig gebliebener Stamm, der sich seine kriegerische Tüchtigkeit bewahrt hat. Die Nuers sind mit Spee- ren, Keulen und Schilden bewaffnet. Sie besitzen auch mehrere tausend Gewehre, die von Abessinien her eingeschmuggelt sind. Riesige Viehherden sind ihr Hauptbesitz, der auch für die Lebensgewohnheiten des Stammes ausschlaggebend ist. Während der trockenen Zeit ziehen sie mit ihren Herden als Halbnomaden durch das Land. Sobald der erste Regen niedergeht, kehren sie mit dem Vieh in ihre Dörfer zurück. Ter Stamm der Nuers würde den Engländern wahrscheinlich noch ganz andere Schwierigkeiten bereiten, wenn er unter einheitlicher Leitung stünde. Es gibt aber keinen Stammesführer. Vielmehr zerfällt der Stamm in etwa neun Sippschaften, die jede ihren eigenen Scheich besitzt. Ten größten Einfluß übt aber nicht der Scheich aus, sondern der Kujur, d. h. der sog. Medizinmann oder Zauberer, unter dessen religiöser Gewalt das Volk steht. Die Engländer haben den Versuch gemacht, diesen unbezähmbaren Stamm in ihre Verwaltung einzugliedern. Es sind fünf Distrikskommiffare vorhanden, die die unlösbare Aufgabe haben, je einen Teil des Gebietes unter Kontrolle zu halten. Das Schicksal des Kapitäns Ferguffon zeigt, daß sie dabei ständig in Lebensgefahr schweben. Sie können nur während der trockenen Zeit versuchen, mit der Bevölkerung in Berührung zu kommen. Während dieser Zeit nie zugeben. Latz feine Tochter einen Mann heiratet. Her nicht annähernd so reich ist, wie er selber. Und du? Nach deutschen Begriffen erfreust du dich einer behaglichen Unabhängigkeit, aber in den Augen dieses „Granitkönigs", wie er sich gern nennen läßt, bist du arm." „Wahr. Aber ich vertraue meinem eigenen Empfinden und bin fest überzeugt, datz ich alle Schwierigkeiten besiegen werde. Und du. darf ich auf deine Hilfe rechnen?" „Wem nicht zu raten ist. dem ist nicht zu helfen. Dei- neu Wunsch werde ich erfüllen. Meine Tante bleibt nur kurze Zeit auf der Durchreise in Berlin — sie ist vermutlich nur deswegen mit hierher gekommen, weil ich als Attache bei der Botschaft bin und ihr als Cicerone dienen kann. Du kannst durch meine Einführung die nächsten Tage so viel in ihrer Gesellschaft sein, wie du willst. Dann magst du dir auf ihrer weiteren Reife wieder begegnen, und sie wird gsviß erfreut sein, sich deiner als Cicerone zu bedienen. Sie betrachtet nun einmal uns Herren der Schöpfung lediglich als ihre Diener. Ist die Bekanntschaft gemacht und sind die jungen Mädchen wieder zu Hause — nun. dann wird es nicht weiter auffallen, wenn du auf einige Zeit nach Danmouth gehst und auf Grund dieser Reisebekanntschaft deinen Besuch auf dem Schloß abstattest. Danmouth ist kein Badeort, aber ein höchst anziehener Sommeraufenthalt. Sobald Onkel Norman aber merkt, datz du irgendwie wärmer für Klara empfin- best, ist meines Erachtens, so weit ich den Mann kenne, die Sache für dich hoffnunoKlos zu Ende. Nochmals warne ich dich." „Ich danke dir. Fred. Deine Hilfe nehme ich dankbar an. aber deinem Rat der Entsagung kann ich nicht folgen. Der heutige Abend ist der entscheidende Wendepunkt meines Lebens." Zweites Kapitel. Wieder daheim. „Halloh, Klara! Willst du spazieren gehen?" „Ja, Papa." „Allein?" „Nein, Mary kommt mit." „Weshalb ziehst du dich aber zur Promenade nicht etwas eleganter an? Sieh doch nur einmal in den Spiegel!" Die junge Dame folgte lächelnd dieser Aufforderung und errötete unwillkürlich, während sie ihr Spiegelbild betrachtete, vielleicht vor Freude über ihre Schönheit, welche in dem einfachen, grünen Tuchkleide gerade zur rechten Geltung kam. „Nun. Papa", meinte sie. während sie sich ihren breitrandigen Strohhut etwas zurecht rückte, „was hast du an nieiner Toilette auszusetzen? Man kann doch nicht Seide und Atlas tragen, wenn man auf unseren Bergen herumklettern oder sich gar in die Schluchten wagen will!" „Nun wohl, heute mag es so bleiben. Aber ich wünsche, daß du etwas mehr auf deine Toilette hältst. Wenn du mehr Geld brauchst, kannst du es bekommen. Du mußt hier die erste Stellung in der Gegend einnehmen, und gestern sah ich einige Damen von den Jachten, die dich ganz in den Schatten stellten. — Ja. was ist das?" „Jaac Woodham, der Werkführer aus dem Steinbruch, möchte Sie sprechen", meldete ein Diener. „Zum Henker mit Jsaac Woodham! Er toll herein- kommen." Der Diener zog sich zurück, während sein Herr vor sich murrte: „Der Kerl will gewiß wieder, datz ich mein gutes Geld für irgendwelche verrückten Maschinen wegwerfen soll. Ich hccke mein ganzes Vermögen ohne Maschinen erworben. Klara, und dieses freche Gesindel möchte es mir jetzt mit seinen neumodischen Einfällen vergeuden!" „Aber, lieber Papa, du solltest doch etwas freundlicher zu ihnen sprechen!" „Was! Du kennst sie nicht so, wie ich sie kenne. Sie müflen mit einer Hand von Eisen regiert werden. So, nun mache deinen Spaziergang! Ich sah übrigens heute Herrn Glyddyr." Das junge Mädchen errötete. „Halloh. Kindchen! Was bringt die Farbe tn deine Wangen? — Habe ich recht?" „Nein, Papa! Wirklich! — Ich —" „Ja, ich weiß schon, ein netter, hübscher Junge, nicht wahr, Klara? Etwas zu blaß für einen Seefahrer. Aber was er für eine prächtige Jacht hat! Weißt du, er erbte dreimalhundertfünfzigtausend Pfund." „Wirklich?" meinte das Mädchen gleichgültig. „Ja! Der alte Glyddyr war ein besserer Haushalter als dein verschwenderischer Großvater!" „Papa!" „Als dein verschwenderischer Großvater. Das kannst du nicht bestreiten. — Nun. was soll's?" Me Frage galt einem mürrisch aussehenden Mann in Arbeitertracht, welcher eben in das Zimmer getreten war. sich linkisch vor der jungen Dame verbeugte und auf ihre freundliche Frage nach seiner Frau erwiderte: „Ich danke Ihnen. Fräulein, sie läßt sich Ihnen auch bestens empfehlen." „Das freut mich. Woodham. Grüßt Sarah freundlich von mir und sagt ihr. daß ich sie bald einmal besuchen werde." „Ja, ja!" rief der alte Herr ungeduldig, seiner Tochter nach der Tür folgend, „geh jetzt, Klara! Ich habe Geschäfte mit Woodham. — Du mußt nicht so familiär mit> den Leuten reden", flüsterte er ihr dann noch zu. während er die Türe hinter ihr zumachte. Ohne weiter auf seine Ermahnung $i achten, eilte die junge Dame leichtfüßig die breite, mit reichem Schnihwerk versehene Eichentreppe hinunter und rief fröhlich: „Bist du denn noch nicht fertig. Mary?" „Ja. ich komme schon", sagte ihre kleine Kusine, und kam trotz der durch ihr Körperleiden bedingten Unsicher- heit ihrer Bewegungen ziemlich schnell die Treppe herunter getrippelt. „Oh. beeile dich doch. Mary!" „Ja. ich weiß schon, ich sab ihn vorüberkommen." „Schäme dich. Mary", rief Klara errötend. „Du denkst immer an solche Torheiten, aber es ist nicht wahr!" Nr. 49. Jahrgang 1928. D«r LmlUote 4- Sinshefmer Jettmi^ Montag, den 27. Februar 1928. umerncymen sie mit starken Polizeikräften mühevolle Fahrten, und wenn sie dabei auch Hunderte von Meilen zurücklegen, so gelingt es ihnen dock selten, von den Nuers und ihren Herden etwas zu Gesicht zu bekommen. Die Nuers sind so beweglich und geschickt, daß sie sich jeder Berührung zu entziehen vermögen. Solange das hohe Gras den Boden bedeckt, befindet sich der Distriktskommiffar mit seinen Polizeikräften ständig in der Verteidigung, da er immer auf einen Ueberfall gefaßt sein muß. Ist das Land dann nach dem Abbrennen der Grasdecke wegsam geworden, so entwickeln die Nuers eine außerordentlich große Geschicklichkeit in der Deckung Ihrer rasch beweglichen Viehherden. Sie legen sich in den Hinterhalt, und wenn des Nachts irgend eine kleine Truppe in ihre Hände gerät, so geht es ihr schlecht. Ans ihre Dorfhütten legen sie sehr geringen Wert. Dringt der Distrikskommissar bis zu den Dörfern vor, so findet er die Siedlung verödet und hat das Nachsehen. Manchmal treiben die Nuers ihre Viehherden, während sie verfolgt werden, auf abeffinisches Gebiet, wo sie vollkommen geschützt sind. Tie englischen Polizeitruppen stehen stets unter scharfer Beobachtung, so daß es den Eingeborenen fast immer gelingt, ihre Herden der Verfolgung zu entziehen. Die Engländer haben bei ihrer letzten Strafexpedition von neuem die Erfahrung gemacht, daß mit den Nuers selbst bei Entfaltung starker Kräfte nicht fertig zu werden ist. Die englischen Truppen waren mit drahtlosen Apparaten und mit Scheinwerfern ausgerüstet, ferner mit allen Mitteln der modernen Kriegstechnik. Trotzdem war die Grasdecke, die den Boden bedeckt, undurchdringlich und auch nach dem Freiwerden des Bodens die militärische Aufgabe außerordentlich schwierig. Bei Tag und Nacht waren die Nuers auf dem Posten, und obgleich sie der modernen Kriegsmaschine der Engländer in der Hauptsache nur Keulen und Sperre entgegenzusetzen hatten, haben sie doch auch diesmal ihre Unabhängigkeit zu wahren verstanden. Arbeitslosigkeit in Amerika. Wir denken an Amerika meistens als an das Land des Erfolges und unbegrenzten Möglichkeiten, und wir bezeichnen es in diesem Zusammenhänge als besonders interessant und charakteristisch, daß dort auch der einfachste Mann so gestellt ist, daß er sich ein eigenes Auto leisten kan». Tatsächlich hat selbst der Durchschnittsarbeiter in Amerika ein weit höheres Einkommen als bei uns der beste Facharbeiter, und wenn er allerdings durch die hohen Preise für fast alle Dinge des täglichen Bedarfes auch nicht dazu kommt, nennenswerte Ersparnisse anzusammeln, so kann er doch, solange er Arbeit hat, seiner Familie einen viel behaglicheren Lebenszuschnitt ermöglichen. Aber allerdings nur, solange er Arbeit hat, und das ist die große Sorge im Leben auch des amerikanischen Arbeiters. Kündigungsfristen auch nur von einer Woche, geschweige denn von der Dauer eines Monats sind in Amerika so gut wie unbekannt — niemand ist sicher, daß ihm nicht am Abend eines Arbeitstages gesagt wird, er brauche am nächsten Morgen nicht mehr wieder zu kommen. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch das Alter. Mehr noch als bei uns macht sich in Amerika die Neigung geltend, nur junge und jüngste Kräfte anzu- stcllcn. Für einen Mann mit ergrautem Haar z. B. ist es, wie Kenner der Verhältnisse berichten, nahezu aussichtslos, eine Stellung zu finden,' daher die überraschend große Frequenz der Haarfärbesalons. — Die allgemeine wirtschaftliche Depression, unter der gegenwärtig sogar das reiche Ainerika zu leiden hat, macht sich auch in bezug auf die Zunahme der Arbeitslosigkeit bemerkbar, die große Unruhe in der Bevölkerung verursacht. Es werden Umzüge und Demonstrationen veranstaltet. So bewegte sich kürzlich eine Schar von sechstausend Arbeitslose» durch die Straßen New Aorks, welche Schilder mit der Ausschrift: „Gebt uns Arbeit und Brot!" trugen. Die Wohlfahrtsorganisationen berichten, daß ihre Hilfe in steigendem Maße in Anspruch genommen wird, und aus Chicago kommt die Nachricht, daß sich dort bei der unentgeltlichen Verteilung von Brot und anderen Lebensmitteln an Arbeitslose die gleichen, schier unabsehbaren „Schlangen" bilden, wie wir sie noch aus unseren schlimmsten Zeiten in so trüber Erinnerung haben. Ein modernes Dornröschen. Ein merkwürdiger Fall, wie er bisher noch kaum vorgekommen sein dürfte, beschäftigt seit einiger Zeit die Aerzte- welt in Brüssel. Dort befindet sich in einem Sanatorium ein jetzt 28jähriges Mädchen, das schon seit fünf Jahren im Dauerschlaf liegt. Fräulein Anna Gordon, so ist der Name der Bedauernswerten, war verlobt und verlor ihren Bräutigam infolge eines Unglücksfalles Die Folge der Katastrophe war bei ihr eine schwere Ncrvenkrise, die zu einem tiefen, totcnähnlichen Schlafe führte, aus dem sie dauernd zu erwecken bisher noch keiner ärztlichen Kunst gelungen ist. Bon Zeit zu Zeit kommt sie für die Tauer von etwa einer halben Stunde etwas zu sich, aber sie erlangt das Bewußtsein nicht soweit, daß sie aus Fragen ihrer Umgebung antworten könnte Natürlich kann sie auch keine Mahlzeiten zu sich nehmen und wird künstlich ernährt. Merkwürdigerweise ist, obgleich diese Ernährung mit flüsiigen Stoffen und Präparaten sonst meist einen beträchtlichen Gewichtsverlust der Kranken zur Folge hat, nichts dergleichen bei ihr zu bemerken, und es sind auch sonst keinerlei Krankheitserschei- nnnaen bei ibr festzustellen. Man vermntet, baß die Kranke schon immer stark nervös war und im Anschluß an daS tragische Ende ihres Verlobten Lebensüberdruß und Todesgedanken äußerte, daß es sich hier um hysterische Erscheinungen handelt. Die Muskeln der Kranken sind durch den jahrelangen Richtgebrauch fast ganz verkümmert und ihre Glieder vollkommen kraftlos. — Die Irrfahrten einer Michelangelo-Zeichnung. Die Werke berühmter Meister habe» oft ein sonderbares Schicksal. Jahrhundertelang bleiben sie verschollen, sind unerkannt und unbeachtet in irgend einem Winkel versteckt, bis eines Tages durch irgend einen Zufall ihr Wert und ihre Bedeutung erkannt wird. Tann werden sic, um die sich bis dahin kein Mensch kümmerte, und die ihr Besitzer vielleicht um ein Spottgeld losschlug, weil er nicht wußte, was er mit dem „alten Gerümpel" machen sollte, plötzlich berühmt. Aus allen Weltteilen tuchen Sachverständige und Liebhaber auf, die sich um sie reißen, und in der Kunstwelt bedeutet das Auffinden eines solchen, längst verschollen geglaubten Meisterwerkes immer eine Sensation, die monate- und jahrelang die Gemüter und noch mehr die Federn der Wiffen- schaftler und Kunstkritiker beschäftigt. So konnte kürzlich die Madrider Zeitung „Epoca" von der Auffindung einer Zeichnung Michelangelos berichten. Diese hatte sich auf ihrem Wege durch die Generationen zuletzt in den Kramladen einer Trödlerin verirrt, die sie mit einigen anderen Sachen einem bekannten spanischen Kunstfreunde zum Kauf anbot. Sie sagte, sie habe die Zeichnung bei ihrer Gen.iise- händlerin in einem Stoß Einwickelpapier gesunden, und sie habe sie mitgenommen, weil sie ihr doch immerhin „etwas Befferes" zu sein schien, für das man vielleicht einige Pesetas lösen könne. Der Käufer gab der Händlerin denn auch aus Gutmütigkeit eine kleine Summe für das beschädigte und beschmutzte Blatt. Wer beschreibt nun sein Erstaunen, als er seinen Erwerb daheim näher betrachtete und kaS§ Künstlerzeichen Michelangelos daraus entdeckte! Die Zeichnung erbrachte auf einer bald darauf stattfindenden Auktion nicht weniger als 260 000 Pesetas. — Die Sonne im Dienste der Bewäffernng. Daß die Sonne durch ihre Wärmcstrahlen die Feuchtigkeit aus der Erde zieht und so diese entwässert, ist eine allgemein bekannte Tatsache. Aber die Sonne im Dienste der Bewässerung — das ist eine eigenartige Vorstellung! Sie ist zur Wirklichkeit geworden durch die Energie des Menschen, der in laugen, mühsamen, oft vergeblichen Versuchen die Möglichkeiten entdeckte und ausbaute, um die Kräfte der Sonnenstrahlen für seine Zwecke anszunutzen. Es gibt noch nicht viele solcher „Sonnenmaschinen", aber ,ie mit ihnen erzielten Ergebnisse sind so gut, daß man trotz der großen Kosten darnal) strebt, ihre Zahl zu vervielfachen. — So befindet sich z. B. in der Nähe von Kairo eine solche Anlage, die die Energie der Sonnenstrahlen in Arbeit rm- setzt und sie zur Bewässerung des Landes nutzbar macht. Sie besteht aus fünf halbrunden, muldenförmigen Becken, die je 70 Meter lang sind und einen Durchmesser von 4 bis 5 Metern haben. Auf der Innenseite sind sie mit Spiegeln belegt. Mit Hilfe dieser Mulden wird die Sonnenenergie aufgefangen. Längs der Mulden läuft ein gußeisernes Rohr, durch das Wasser geleitet wird. Dieses Wasser wird durch die von den Spiegeln zurückgeworfene Sonnenwärme in Dampf verwandelt, wobei Temperaturen bis zu dreihundert Grad erreicht werden. Der Dampf wird dazu benutzt, eine Maschine anzutreiben, die dann ein Pumpwerk in Bewegung setzt. Letzteres entnimmt dem Nil in der Minute 27 30v Liter Wasser und es wird mit seiner Hilfe täglich ein Gebiet von 2 Ivü Ovv Quadratkilometer Land bewässert. Welche Bedeutung eine solche Möglichkeit für Gegenden, die arm an Wasserläufen sind, besitzt, ist natürlich ohne weiteres klar, da man auf solche Weise unfruchtbare Landstrecken in blühende Gärten und Felder umwandeln kann. — bkner, lauerte vor der Wirtschaft dem Polizeibeamten, de« er anscheinend die Schuld an seiner Ausweisung beimaß auf. und tötete ihn als er die '"'trat, durch einen Kopfschuß. Reuland hielt sich noch eine Stunde mit schußbereitem Karabiner im Dorfe auf und flüchtete dann in die nahe gelegene» Wälder, wo er von Landjägern und Polizei- beamten aus Trier mit Polizeihunden gesucht wird. Ren- land hatte kie Absicht, den Polizeibeamtcn zu erschießen, feinen Eltern schriftlich mitgeteilt. Der Erschossene hinterläßt sieben Kinder. — In Oberhausen wurde nachts der Polizei- wachtmeister Schaar von dem Arbeiter Heinrich Theißen nach einem vorausgegangenen Wortwechsel mit einem Basaltftei» erschlagen. Anlaß zu diesem Streit war, nach Angabe v»n Theißen, ein? Ansetnandersetzung im Wirtshaus wegen »es Sohnes von Sckaar, den Theißen vor längerer Zeit geschla- gen haben sollte. Turner». Sport und Spiel. Handball. Sinsheim, 27. Febr. Die Ergebnisse vom gestrigen Sonntag aus dem Spielplätze des Turnvereins Sinsheim sind folgende: Sinsheim Jugend — Richen II 2:2 Sinsheim I — Eschelbach l 3:0 Richen I — Ittlingrn I 5:0 Sinsheim II — Eschelbach II 5:1. Nrbeilersportbcwcgung. Sinsheim I — Heilbronn l l: 3 Sinsheim II — Heildronn II 0:4 Am gestrigen Sonntag trafen sich obige Mannschaften zum fälligen Freundschaftsspiel. Bei Beginn des Treffens war ein sehr scharfes Spiel beider Mannschaften zu ersehen, das sich kurz vor Halbzeit in ein unfaires Spiel ausattete, und die Platzverweisung eines Heilbronner Spielers durch den Schiedsrichter mit sich brachte. Halbzeit 2:1 für Heilbronn. Rach dem Wechsel führt Sinsheim ein überlegenes Feldspiel vor, und drängt Heilbronn aus seiner Spielhälfte zurück ohne jedoch zu einem Erfolg zu kommen. Kurz vor Schluß kann Heilbronn jdurch eine Vorlage das Resultat auf 3:1 erhöhen mit diesem Resultat sich die beiden Mannschaften trennten. Der Schiedsrichter war diesem Spiel nicht gewachsen. Fußball-Ergebnisse aus Süddeutschlaub. Um die ssiddenlsche Meisterschaft. In Frankfurt: EintrachtkFrankfurt— Wormatia Worms 4:3 (3:1) In M annheim: Sp.B. Waldhof — Karlsruher F.B. 1:2 (1:0) In München: Bayer München — Stuttgarter Kickers 2:1 (0:0) In Saarbrücken: F.B. Saarbrücken — Sp.Vg. Fürth 1:9 (0:2) Trostrunde Siidoft: In München: Wacker München — B.f.R. Fürth 4:1 (2:0) In Nürnberg: 1. F.C. Nürnberg — Union Böckingen 5:0 (5:0) Trostrunde Nordwest: In Mainz: F.Sp.B. Mainz05 — Saar 05 Saarbrücken 5:1 (0:0) In Neu-Isenburg: B.f.L. Neu-Isenburg — Ludwigshafen63 3:2(3:1) Gesellschaftsspiele. Union Niederrad — Sportfreunde Ffm. 4:2 F.Bg. Fechenheim 03 — Germania 94 Frankfurt 4.4 Sport 60 Hanau — Mannheim 08 2:1 Sp.B. Wiesbaden — Kurhessen Kassel 3:3 Allcmania Worms — Pfalz Ludwigshafen 2:2 Germania Wiesbaden — Griesheim 02 0:5 Würzburg 04 — F.C. Hanau 93 2:3 F.C. Pirmasens — Viktoria Aschaffenburg 4:3 F.C. Konstanz 1900 — Freiburger F.C. 2:4 Ep.B. 05 Saarbrücken — 1. F.C. Idar 1:4 B.f.B. Karlsruhe — F.C. Birkenfeld 1:6 Ulmer F.B. 94 — Schwaben Augsburg 2:5. Neueste amtliche Kurse Bcrkehrsnnsäüc in Amerika. Die Zahl der Unfälle, die der moderne Verkehr besonder- in den Großstädten täglich verursacht, ist auch bei uns leider sehr groß: aber in den Vereinigten Staaten liegen die Verhältnisse noch weit ungünstiger. Dort sind nämlich im letzten Jahre, wie sich aus den amtlichen Statistiken ergibt, nicht weniger als 28000 tödliche Verkehrsunsälle vorgekomme», darunter sind mehr als 10 000 Kinder. Durchschnittlich ereignen sich in den Bereinigten Staaten täglich 68 Todes- fälle aus dem obengenannten Grunde. Verletzt wurden im Berichtsjahre 700 000 Personen, u»d der Sachschaden, der durch Berkehrsunfälle herbeigeführt wurde, wird mit 500 Millionen Dollars angeben. Diese Zahlen sind um so bemerkenswerter, als man andererseits in keinem Lunde der Welt solche Anstrengungen macht, um die Verkehrsunsälle zu vermindern wie in Amerika. — Ein Potizeibeamtcr von einem Raufbold erschossen. Bei einer Tanzmusik am Roscnmontag in Oberkail, Kreis Wittlich (Rheinland), wurde der als Raufbold bekannte Arbeiter Reuland, der mit mehreren jungen Leuten Streit anfing, vom Wirt aus dem Saale gewiesen, ohne daß der in der Wirtschaft anwesende Polizeibcamte Schuster einzuschreiten brauchte. Reuland holte sich von Hause einen Kara- mitgetrllt von der Brreinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim oom 27. Februar 1928. «Btetfteai «blSfungStchold mit NuÄofuugSschetu * Obi» »uSlofungSfchrfu . in »„ 51,80 14,65 tMiakaktie ln •*> i*a*. Bant .... > 7s,50 TortnBäMtc- und Ralionalbanl 226 Stuifmt Bank .... 163,50 D-uvch« vereinSba»! . io*,50 Dresdner Bank . . . >5« Mitteldeutsche LredUbank - . 216 Reichst auk . . . . >»5 Rhett». Lredltbank . . . 1*0 Südd. DiSconto Bef. . . 145 Sementnnrk Heidelberg . . I5J Daimler Rotoren ... 26 Tisch. Bold- an SUberichetd«. r»8 Stektr. Licht und Krott . . »15 Smalll.uud Stanzwerk Nllrtch. I» Farbeninduftrte . . . S56.15 «ritzner Malchin«» Durlach . 133 Karlsruher Maschinen . — Knorr Heilbronn >45 Mainkraftwerk« HSchft , >14 Rectorsulmer Fahrzeugwerl, . 84 Schlickert Slekir. Nürnberg • — Setltnduftrte Wolss ?, Südd. Zucker .in Zellstoff Waldhos Stamawe» . 25» Aktien »entscher vergmerk»- Aktien ln "io Harpeuer Bergbau — kalt Weperegel» . . . 180,50 MarmeSmunuröhrenwerke. 148,76 ManSselder Bergb. u.Hüttenw — Lberschl. «send. Bedarf . . >»5.5» Phönix Bergbau u-HSttenbetrieb S»,50 Kazwerk Heilbeonu . . .135 verleiuigte Königs- Laurahütte — Aktien infcnPc. pnternehmnngen: in "io »llg. «lektr. Stammaktien. . isz Bad. Elektrizität Mannheim . — Bad. Maickitnen Durloch . . >58.50 LrnnnpOrtnnftnlten: tu »<• Hamburg. AmertK. Paketfahr» !5i Heidelberg. Slrabea-u.Bergb.hn 62 Norddeutscher Lloyd . . i52’/i Devisen: «eld «rlei New-Iork 1 Dollar 4 1856 «, 1»!5 London l Pfund ro.idi» 20 , 4 «» t olland 100 Gulden 168 . 6 s ie».V 7 chweiz 100 graues 80 . 6 , 80,88 Wien 100 Schilling 58 «6 o »,08 Paris 106 Franc i-.isz i ,.«,5 Italien tt >0 Lire sr.l? Stmmholz-Versteigerung. Die Gemeinde R e i h e n (Amt Sinsheim) ver- steigett am Freitag, de« 2. März 1928 vormittags 5/2 11 Uhr beginnend in den Grmeinde- waldungen 135 Eichen IV. Kl. und am Dienstag, den 6. März 1928 nachmittags 1 Uhr beginnend 260 Lose Bau- und Hopfenstangen. Zusammenkunft beim Rathaus. Reihen, den 24. Februar 1928. Das Bürgermeisteramt: Ru pp. Erste Slrisch^MhMMM in Mitteldeutschland sacht für den Bezirk Sinsheim tüchtigen, bei der Landknnd- schast gut eingeführten Vertreter für konkurrenzlosen Markenattikel. Offerten unter Rr. 240 an den Landboten erbeten. Für gesunden, kräftigen 15 Jahre alten Jungen (Vollwaise) suche ich eine Lehrstelle als Hetzger. Eintritt kann eoentl. sofort erfolgen. Angebote find an Heinrich Gebhard, Richen b. Eppingen zu Achten. fteue Höhere Handelsschule Calw im württembergischen Schwarzwald Bekannte, 1908 gegr. Privatlehranstalt mit Schülerheim Daalahtoilimn* Sechsklassige Realschule, Vorbereitung für Obersekunda-Reife VlCalcIlficllulllj e Gewissenhafte Erziehung, Aufnahme vom 10. Lebensjahre an. Uonflnleoh+Ailimfv» Halbjahres- und Jahreskorse für alle Altersstufen, [Aka- nallu6ISalJl6llliny, dcraie-Kurs. Praktisches Uebungskontor Oute reichliche Verpflegung. Prospekt durch Direktor ZUgel. Neuaufnahme 18. April Motorrad - Interessenten besichtigen vor Anschaffung unsere bevorzugten QualitHls—Masclilnen: ( ZÜNDAPP j 250 ccm — 5 PS : Die unverwüstliche i Gebrauchs-Maschine • für Jedermann IMPERI Aj 500 ccm - 22 PS-Sport s_ Die Klasse-Maschine • für den Kenner : R U D G E i 500 ccm — 15 PS j Das englische i Qualitäts-Motorrad : Günstige Zahlungsbedingungen! STSSSSSSJESJ Zeies <& Schwärze! Tel. 26345 MANNHEIM angebot durch die Generalvertretung Automobil- und Motorrad-. Handelsgesellschaft H 7, 30 ln 2 Stunden Trauer-Drncksacheo wie; Tranerbriele, Tranerfcaatc^ Danksagnngskartea liefert preiswert G. Beckertcfee SiosbcüarJClMaA I Schttftleilime: H. Becker: vrnck und Verlag: 9 . Be ck e rsch e Buchdruckerei t» Sinsheim.