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Walter führte aus: Wenn man Ricklin und Rosse die vorläufige Freilassung verweigere, so sei das für die elsässische Bevölkerung noch weniger begreiflich als das Urteil von Kolmar. Der gute Ruf von ganz Frankreich fei mit dieser Freilassung verknüpft. Rach weiterer Aussprache wurde der Antrag Walters mit 420 gegen 180 Stimmen abgelehnt. Der Ministerrat hat heute vormittag bezüglich des Antrags Walter den bekannten Standpunkt der Regierung nochmals bestätigt, gemäß diesem Beschluß verlangte Fustizminister Barthou die Vertagung des Antrags. Barthou, der Verteidiger Ricklins und Rosses vor dem Kolmarer Gericht, hielt dem entgegen, daß die Kammer das Recht hätte, über die Freiheit ihrer Mitglieder zu beraten, ohne daß die Regierung dazu Stellung nehmen dürfe. Präsident Bouisson wies aus der Geschäftsordnung nach, daß die Regierung die Vertagung jeder Aussprache beantragen könne. Darauf erhielt der elsässische Abg. Walter das Wort zur Geschäftsordnung. Seine Ausführungen wurden immer wieder von Zurufen unterbrochen. Er wies darauf hin, daß die überwiegende Mehrheit der elsässifchen Bevölkerung die Befreiung seiner beiden Kollegen von der Kammer erwarte. Ein dahin gehender Beschluß der Kammer würde für ganz Frankreich von größter Bedeutung sein, denn es gehr um das Ansehen Frankreichs, das auf dem Spiel stünde. Wenn die Kammer seine Vorschläge zurückweise, so werde sie die elsässische Bevölkerung gegen sich aufbrmgen. Trotz der Feststellung des Präsidenten, Laß die Redezeit abgelaufen sei, setzte Walter seine Rede fort. Der Lärm war so groß, daß nur noch die Worte zu hören waren: „Wem» man uns verhindern will, auf dieser Tribüne zu sprechen, werden wir an anderer Stelle das Wort ergreifen!" Die Unruhe im Haufe dauerte weiter; auch Poincare war bleich und sichtlich erregt; er unterbrach den Redner mehrfach mit Zurufen. Der Sozialist Frotz stellte fest, daß Ricklin und Rosse nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht hätten, in der Kammer zu erscheinen. Der Elsässer und fürhere Minister für die befreiten Gebiete, Reibel, der heute der Rechten des Hauses angehört, erklärte, die Auffassung der Regierung nicht teilen zu können. Es sei unklug, Abgeordnete, die mit einer großen Mehrheit gewählt seien, im Gefängnis zu lassen. Verschlechtert würde die Lage durch die Tatsache, daß Ricklin und Rosse bereits über die Hälfte ihrer Haftzeit abgesessen hätten. — Poincare rief dazwischen: Das stimmt nicht! — Reibel bedauerte weiter die vielfach vertretene Anschauung, daß eine separatistische Bewegung im Elsaß bestehe. Die Regierung müsse die Aussprache in der Kammer zulassen, damit der Beweis erbracht werde, daß das Elsaß französisch sei und bleibe. Walter ließ sich dann noch einmal das Wort geben, um eine persönliche Erklärung abzugeben. Die Lehren der letzten Wahlen im Elsaß müßten die Regierung davon überzeugt haben, daß sie eine falsche Politik betreibe. Hätte man denn die Absicht, die elsässische Bevölkerung in eine systematische Opposition gegen Regierung und Kammer zu treiben? Eine Annahme der Pertrauenserkläning für die Regierung könne die verwerflichsten Folgen haben. Die Elsässer liebten Frankreich man solle ihnen Vertrauen schenken. Walter wandte sich dann an Poincare und rief: „Herr Ministerpräsident! Sie haben Frankreich aus einer schweren finanziellen Lage befreit; retten Eie das Elsaß aus einer entsetzlichen Lage! Geben sie dem Elsaß den Frieden wieder! Ein« Erklärnag Walters. Rach der heutigen Abstimmung über die Vertagung feines Antrags gab der Abg. Michel Walter in den Wandelgängen der Kammer folgende von zehn elsässifchen zind lothringischen Abgeordneten Unterzeichnete Erklärung bekannt: „Die Unterzeichneten elsässifchen und lothringischen Abgeordneten bedauern tief, die Abstimmung, durch die die Kammer Ve sofortige Freilassung der beiden Kollegen Ricklin und Rosse ab- gelehnt hat. Sie machen die Regierung für diese Abstimmung verantwortlich, die anstatt zur Befriedigung beizutragen, dazu angetan ist, die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung der wiedrr- gewonnenen Provinzen gegen die Regierung und die Kammer aufzubringen und den französischen Gedanken in jenen Provinzen schwer zu kompromittieren. Sie lehne jede Verantwortung für die unausbleiblichen Folgen ab." Zorn von »«lach begnadigt. ^fel, 29. Juni. Wie aus Straßburg gemeldet wird, ist Baron Klaus Zorn von Bulach, der im Straßburger Gefängnis seine Ismonatige Strafe abbüht, Donnerstagnach- guadigt worden. Der Baron hat das Gefängnis bereit- verlassen. Wie weiter gemeldet wird, stnd die beiden wegen Spionageverdachts verurteilten Autonomisten Baumann und ^er ins Kolmarer Gefängnis überführt worden. Die Berufungsoerhaudlung wird am 8. Juli stattfinoen. Das neue Gesuch des Abg. Roffe um vorläufige Haftentlassung ist von der Kolmarer Anklaaekammer abgelehnt worden. Die Vernehmung remvourns Dänische Ablenkungsmanöver. Kopenhagen, 29. Juni. In Zusammenhang mit der Verhaftung -es dänischen KapftänS Lembourn, hat der Chef der Tonöern-Garnison, Oberstleutnant Obel, der „Berlingske- Ttdende" gegenüber erklärt, daß Lembourn außer seinen dienstlichen Interessen sehr starke nationale Interessen entwickelt habe. Bor etwa einem Monat habe er : m eine» 14täaiaen Urlaub nackaesnckt. den er angeblich mit seinem Vater, einem Kopenhagener Grotzkaufmann in -»mm verleben wollte. Der Ministerialdirektor im dänischen :riegs- ministerium, Wilkenschildt. und ebenso der Sekretär des dänischen Grenzkorps. Leutnant Gerlöv. haben rklärt, daß das sogenannte Grenzkorps nur als ein Ausbildungskorps zu betrachten sei. das keinerlei nachrichtendienstliche Aufgaben hätte. Die Angelegenheit des Kapitäns Lembourn könne in keinerlei Zusammenhang mit dem Grenzkorps stehen. ^ Diese Aeutzerung ist zweifellos ein Versuch Kapitän L m- bourn als nicht zu einer militärischen Organisation gehörig hinzustellen, sondern seine Taten gewissermaßen als in Privatunternehmen hinznstellen. Ob dieser Versuch igen wird, muß die heute in Berlin stattfindende Bernehnr.mg ergeben. .. An maßgebender Berliner Stelle liegt über e'n Geständnis Lembourns, wovon ein Berliner Blatt zu l-richten mutzte, noch nichts vor. Rad, Berlin überführt. Berlin, 2g. Juni. Der unter Spionageverdacht an der deutsch-dänischen Grenze verhaftete dänische nsanicrie- hauptmann Lembourn ist Donnerstag ?rüh ln as Unter- iuchungsgefängnis Moabit eingeliefert worden, 'hin auch inzwischen feine in Berlin verhafteten Helfersh«''ier traus- rortiert worden sind. Das Kabinett endlich gebildet Die Ministerliste Berlin, 29. Juni. Das von Müller-Franken aufgrund des Kornpromisses zwischen Zentrum und Sozialdemokratie nunmehr zu bildende Kabinett wird sich folgendermaßen zu- sammensetzen- Reichskanzler: Hermann Müller-Franken (Soz). Besetzte Gebiete und Verkehr: v. Guerard (Ztr.). Aeußeres: Dr. Stresemann (D. Bp.). ■ Inneres: Severing lSoz.). Arbeit: Wiffell (Soz.l. Wirtschaft: Curtius lD. Vp). Finanzen: Hilferding (Soz.). Justiz: Koch-Weser lTem.). Reichswehr: Groener. Ernährung: Dietrich-Baden (Dem). Post: Schätzl. der Neubildung der Reichsregieru«g beauftragte» Abgeordnete« Herma»« Müller zum Reichskanzler sowie a»f sei««, Vorschlag die gemeldete« Persömlichkeite« z« Reichsministern eruannt. Das Kabinett Müller ist mit dieser amtliche, Erne«n«»g endgültig zustandegekomme«. Wilhelm Karl Severing, »er im fetzt gebildeten Kabinett Müller »as Innenministerium übernommen hat Ernennungsdekret des Kabinetts Müller Berlin, 29. Juni. Amtlich wird mitgeteilt: Der Her: Reichspräsident hat den Reichskanzler a. D. Reichsministe: a. D. und Abgeordneten Hermann Müller-Franken zun Reichskanzler ernannt. Auf Vorschlag des neu ernanntei Reichskanzlers hat der Herr Reichspräsident die bisherige» Reichsminister Tr. Stresemann (Auswärtiges), Dr. Cur tius (Wirtschaft), Groener (Reichswehr), Schätzet (Reichs post) in ihren Aemtern bestätigt und ferner den preußisch« Staatsminister a. D. Abg. Severing zum Reichsminister de. Inner»», oen meicysminlirer a. '£>. Dr. Hilferding zum Reichsftnanzmtnister und Reichsminister a. D. Abg. Wissell zum Reichsarbeitsminifter, den badischen Minister a. D. Dite- rich-Baden zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, den Reichsminister a. D. Koch-Weser zum Reichs- just'zmtntster und den Geheimen Oberregierungsrat Abg. von Guerard zum Reichsverkehrsminister ernannt. ReichS- minister v. Guerard ist gleichzeitig mit der Wahrnehmung Die S.p.D. Mi das Kabinett Berlin, 29. Juni. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hielt am Donnerstagnachmittag eine etwa einstün- dige Sitzung ab. Nach einem Bericht des Abgeordneten Müller-Franken über die Neubildung der Reichsregterung, nahm man folgenden Antrag des Abgeordneten Dr. Breit- schetd an: »Die Fraktion ist mit dem Eintritt ihrer Mitglieder in das Kabinett Hermann Müller einverstanden." Die Demokraten mit Koch-Wesers Eintritt in die Regierung einverstanden Berlin. 29. Juni. Die demokratische Reichstagsfraktion beschäftigte sich in ihrer gestrigen Nochmittagssitzung mit dem Ersuchen des Abgeordneten Müller-Franken, das Reichsjustizministerium mit dem Abgeordneten Koch-Weser zu besetzen. Die Fraktion richtete nach kurzer Anssprache einstimmig die Bitte an dev Abgeordneten, das Ministerium zu übernehmen. Koch-Weser hta sich darauf bereit erklärt und von Müller-Franken die Zusage erhalten, daß er auch an der Lösung der Frage der Reichsreform beteiligt wird. Eine Neuwahl des Fraktionsvcrsitzenden hat die Demokratische Fraktion nicht vorgenommen, vielmehr wird der Abgeordnete Haas in Vertretung die Leitung der Fraktion übernehmen. Zustimmung der Zentrumssraklion zu dem Kompromiß Berlin, 29. Juni. Die Zentrumsfraktio» des Reichstage- hat sich am Donnerstagmorgen eingehend mit der Lage beschäftigt und schließlich dem Kompromiß zugestimmt, das der Vorstand mit Hermann Müller abgeschlossen hat. Danach wird der Abg. von Guerard als einziger Vertreter des Zentrums in die Regierung eintreten und die Ministerien des Verkehrs und der besetzten Gebiete zu übernehmen. — Das Zentrum vertritt die Auffassung, daß es durch diese lose Verbindung nicht an das Kabinett gebunden ist und diesem gegenüber völlig freie Hand hat. * Die letzte Sitzung des Kabinetts Marx. Berlin, 29. Juni. Das Kabinett Marx trat am Don- oertagnachmiitag zu seiner letzten formalen Sitzung zusammen. ck Der Reichstag auf den 3.3nli embemfen Berlin, 29. Juni. Der Aeltesteurat des Reichstage- hielt am Donnerstagvormittag eine Sitzung ab, i« der «e- schloffen wurde, die nächste Reichstagsfitznng auf kommende« Dienstag, den 3. Juli, 15 Uhr, einzubernfen. Ans der Tagesordunng steht die Entgegennahme einer Regiernngserklärnng. Nach der vom Reichskanzler »arge- tragenne Regiernngserklärnng wird die Sitzung a«f Mitt, woch vertagt. Amnestievorlage noch vor den Sommerferien? Berlin. 29. Juni. Der Reickstaa wird versuchen, die ~ 3» wenigen Worten Die neuerlichen Verhandlungen über die RegierungS- biloung. zu denen der Abg. Hermann Müller am Donnerstag vormuiag vom Reichspräsidenten ermächtigt wurde, haken zu einer Einigung zwischen Zentrum und Sozialdemokraten auf der Grundlage eines provisorischen Kabinetts bis zum Herbst geführt. In dem Kabinett wird das Zentrum nur durch den Abg. Guerard vertreten sein, während bie Demokrate" zu dem Ernährungs- noch das Justizminr- sterium erhauen. Ter Aeltesteurat des Reichstages hat beschlossen. bie nächste Reichstagssitzung für den dritten Juli tur Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung einzubernfen. * * Das Kabinett Marx tritt am Donnerstag nachmittag zu seiner letzten formalen Sitzung zusammen. Der Reichstag wird versuchen, die Amnestieanträg« »och vor den großen Ferren zu erledigen. * Die Arbeitsgemeinschaft für de» Ersatz von Kriegs- und Bedrängungsschäden fordert in einer Eingabe an die Rerchs- tagsabgeordneten den sofortigen Zusammentritt eines Kriegsschäbenausschufles zur Erörterung der durch das Kriegsschädenschlußgesetz aufgcworfenen Fragen. • In Berlin begann am Donnerstag der Prozeß wegrn der Befreiung des Kommunisten Otto Braun aus dem Gebäude des Krimrnalgerichts in Berlin-Moabit. • Der Parteikongrcß der amerikanischen Demokraten hat beschlossen, Smith als Präsidentschaftskandidaten vorzu- schlagen. ^ Die Eisenbahnkatastrophe bei Darlington hat 22 Todesopfer gefordert. ^ Nachdem das Wetter auf Spitzbergen sich gebessert hat, werben die Rettungsarbetten für die »Jtalia"mannschaft «»ieder ausgenommen werde»». Nr. 150. Jahrgang 1928. Amnestieanträge noch vor den großen Ferien zu erledigen. Zn diesem Zweck soll der Rechtsausschuß baldigst die Be- arbeitung der vorliegenden Anträge übernehmen. Nach der Aussprache über die Regierungserklärung, die etwa drei Tage in Anspruch nehmen dürfte, wird das Plenum eine kurze Pause eintreten lasten, um dann die Amnestievorlage zu beraten. Sie Vorsitzenden der Reichstagsausschüffe Berlin, 29. Juni. Die Vorsitzenden der großen Ausschüße des Reichstages sind jetzt von den zuständigen Fraktionen bestimmt worden. Danach wird Vorsitzender des Auswärtigen Ausschußes der Abgeordnete Tr. Breitscheid tSoz.s, Vorsitzender des Hauptausschuffes Abg. Heymann Hand und wandte sich der Straße zu, während sie der Vili zuschritt. „Der Herr Kommerzienrat haben sich bereits geängstigt. sagte Behrens, der ihr den Mantel abnahm. „Schelten Sie mich nicht, Behrens!" lachte sie. „Wenn Sie schon abserviert haben, nehme ich gerne mit einer Tasse Te» verlieb." Mit raschen Sprügen eilte sie die breite Treppe hinauf nach dem Speisezimmer. „Kind, wo bleibst du so lange?" empfing sie Petersen. „Ich habe mich gesorgt!" „Warum mußt du dich auch sorgen, Väterchen? In Wylten kann man sich nicht verlaufen," beruhigte sie und küßte ihn auf beide Wangen. _ „Aber ertrinken kann man!" warf Petersen ein. „Wo denn. Vater?" Der Kommerzienrat lachte wider Willen. „Kleining, wenn du so albern frägst, muß ich dir die Antwort schuldig bleiben. — Ich möchte dich nur bitten, nachts niemals den Steg über die Wehr zu benützen. Es ist zu gefährlich. Ich dachte schon öfter daran, ihn wegreißen zu lasten, aber Arbeiter wegen, die drüber wollen, will ich s nicht gerne tun." Lona biß mit gesundem Appetit in eines der belegten Brote, die auf dem Tische standen. Ihre Augen lachten den Vater an: „Wenn ich einmal Selbstmordgedanken bekomme, brauche ich in einer mondlosen Nacht nur über den Steg zu gehen und einen Fehltritt zu tun," sagte sie scherzend. „Kein Mensch weiß, ob es Absicht oder Zufall war und ein ehrliches Begräbnis ist mir zweifelsohne sicher!" Rk. 150. Jahrgang 1928. _ # 7<®1 in Betracht, ob darin verschiedene Auffassungen im Unterricht auftreten könnten oder nicht. Die Tinge seien wohl geordnet im Sinne der Gesetzgebung und der ausgeprägte persönliche Standpunkt der Lehrer in Heidelberg und Freiburg bürge dafür, daß fie bei Behandlung der verschiedenen Probleme diesen ihren Standpunkt nicht verleugnen werden. Zur Erledigung kam der gesamte Unterrichtsetat mit Ausnahme der Titel Kultus, Wissenschaft und Künste, die ln der kommenden Reihe zur Beratung stehen werden. Mit erledigt wurden eine Reihe von Anträgen und Gesuchen. Zur Annuhme gelangte eine Entschließung, in der die bad. Regierung ersucht wird, die Aufmerksamkeit der Reichsregierung auf die Ungleichheiten in der Verteilung der Hochschullaste« durch Rcichszuschnffe und ans dem Wege des Finanzausgleichs auszngleiche». Weiter wurde ein Haushaltsausschutzantrag angenommen, wonach neue Anträge der Gemeinden wegen Ausbaues höherer Lehranstalten, auch wenn die Gemeinden sich zur Uebernahme der durch den Ausbau entstehenden Mehrkosten bereiterklärten, nur im Falle eines dringenden Bedürfnisses stattgegeben und in eine Nachprüfung der bestehenden Anstalten eingetreten werden soll. Das Gesuch der Freiburger Universität wegen Schaffung einer Sportplatzanlage wurde durch Annahme eines Antrags für erledigt erklärt, wonach die Regierung die hierfür notwendigen Mittel, soweit sie nicht aus dem Grenzlanddfonds entnommen werden können, lm Wege der Kapitalausnahme bereitzustellen. Ein Zen- lrumsantrag auf Errichtung von Fachschulen für die Textilindustrie fand ebenfalls die Genehmigung des Hauses. Außerdem wurde noch eine Mitteilung des Unterrichtsministers über die Asfistentenordnung zur Kenntnis genommen. Am nächsten Mittwoch, den 4. Juli, wird die Beratung der zurückgestellten Titel Kultus, Wissenschaft und Künste ausgenommen. Aus Rah und Fern. □ Sinsheim, 29. Juni. (Natur und Liebe.) Vom Urtier zum Menschen führt ein weiter Weg. Die Entstehung und Entwicklung des Menschen wird überall Interesse erregen, zumal, wenn sie in prächtigen Naturaufnahmen und Mikroaufnahmen von seltenem Reiz gezeigt wird. Wie Hunger und Liebe alles Lebende regieren, welche Auswüchse der Natur existieren, kurzum einen umfassenden Ueberblick über die Schöpfungswerkstatt der allgewaltigen Natur zeigt uns der neue Ufa-Kultur-Film „Natur und Liebe", der Samstag und Sonntag im Palast-Lichtspiel läuft. * Sinshenn, 29. Juni. (Peter und Paul.) Der 29. Juni, der zu den sogenannten bürgerlichen Feiertagen zählt, ist dem Andenken der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus gewidmet, die nach der kirchlichen Ueberlieferung an ein und demselben Tage, am 29. Juni 64, den Märtyrertod erlitten haben. Petrus gilt besonders als der Schutzpatron der Fischer. In Deutschland erinnern nur noch wenige Polksbräuche an diesen Tag. Weil um Peter und Paul die Kirschen gepflückt werden, führt der Tag im Volksmund die Bezeichnung „Kirfchenpeier". Nach dem Stand der Getreidefelder beurteilt der Landmann an Peter und Paul den Beginn der Ernte. Auch als Wetterpropheten spielen Peter und Paul eine Rolle. So heißt es: Schön zu Paul, füllt Taschen und Maul, dagegen: Regen an Peter und Paul, wird die Weinernte faul. * Sinshenn, 29. Juni. (Nach dem Genuß von Obst kein Wasser trinken!) Das Obst fetzt sich zusammen aus pflanzlichen Stoffen, Salzen, Fruchtsäuren, Fruchtzucker und hauptsächlich Wasser. Wenn wir also frisches Obst genießen, so nehmen wir in der Hauptsache Wasser zu uns. Wir können auch ohne Schaden für di« Gesundheit ausgepreßte Fruchtsäste mit Wasser vermischt trinken. Aber immer wieder warnt man davor, nach reichlichem Genuß von Obst Wasser zu trinken. In allen Ländern der Welt, selbst bei den unkultivierten Eingeborenen fremder Erdteile, vermeidet man ängstlich das Wassertrinken nach dem Genuß saftiger Früchte. In jedem Jahr wiederholen sich die Tatsachen, daß besonders bei Kindern auf diese Weise Erkrankungsund Todesfälle entstehen .Nach reichlichem Obstgenuß stellt sich leicht ein Durstgefühl ein, das wohl besonders von Kindern lästig empfunden wird. Wenn nun nach reichlichem Obstgenuß Wasser getrunken wird, so ist ein starkes Aufquellen der genossenen Früchte im Magen die Folge. Dieses Aufquellcn kann z. B. bei Kirschen und Stachelbeeren bis zu 100 Prozent des Volumens stark sein. Dadurch wird der Magen überfüllt, die Magenmuskeln können sich nicht zusammenziehen und erschlaffen, durch dieses Ausbleiben der Magenbewegungen kann keine Entleerung stattfinden. Tritt Erbrechen ein, so ist jede Gefahr beseitigt, im andern Falle treten Gärungen ein, die schzwere Verdauungsstörungen und Darmlähmungen verursachen. Es kann aber auch der reichliche Genuß des Wassers nach dem Obstessen eine Verdünnung der Verdauungssäste zur Folge haben, so daß Fäulniserreger überhandnehmen, die besonders leicht dem Darmapparat des empfindlichen kindlichen Körpers verhängnisvoll werden können. Es ist daher vor dem Wafsertrinken nach dem Obstessen zu warnen. * Michelfeld, £8. Juni. (Der „Sängerbund" Michelseld) veranstaltet am Sonntag, den 1. Juli, auf dem herrlich gelegenen Sportplatz in Mühlwald ein Waldfest. Verschiedene auswärtige Vereine haben ihre Teilnahme bereits zugefagt. Auf dem Festplatz findet Blumenverlosung, turnerische Aufführungen des Turnvereins Michelfeld, Kinderbelustigungen und Liedervorträge der Vereine statt. Ferner wird der hiefige Musikverein mittags und abends seine Weisen ertönen lassen, so daß auch das Tanzbein zu feinem Rechte kommt. * Grombach, 28. Juni. (Versuchtes Sittlichkeitsverbrechen.) Ein bekannter Mädchenfreund von hier hat dieser Tage seine Freundschaft mit Gewalt anzubieten versucht. Mit Feldarbeit in Waldnäh« beschäftigt, erblickte er in einiger Entfernung ein Mädchen im Alter von 16 Jahren, das auch auf dem Feld zu tun hatte. Der Geselle näherte sich dem Mädchen und lud es zum Beerenpflücken ein. Dieses erkannte die Absicht des Wüstlings und flüchtete, nachdem er es mit Gewalt ins Dickicht schleppen wollte. Möge dieses Beispiel für die weibliche Jugend eine dringende Warnung sein, solchen Freunden aus dem Wege zu gehen. J Iagdstfeld, 27. Juni. (Die Badezeit fordert ihre Opfer.) Slück hatte eine hiesige junge Dame, die am Samstag nachmittag °a der Iagftmündung badete. 6m letzten Augenblick wurde sie °° n Herrn Studienrar Schwörer-Wimpfen vom stcheren Tode des Ettriutzeus gerettet. * Schwetzingen, 27. Juni. (Die Ozeanflieger grüßen Schwetzingen!) Es gibt wohl nur wenige deutsche Städte, von denen die L^zeanflieger Köhl und HLnefcld nicht eingeladen worden wären,- auch Schwetzingen hatte eine Einladung ergehen lassen, auf die gestern das folgende Telegramm einging: „Herzlichen Dank für freundliche Einladung. Besuch Schloßgarten Schwetzingen wegen Da Laadkote * Sinsheim» Zeit«»-. Freitag, den 29. Juni 1928. j Zeitmangel leider nicht möglich Beste Grüße namens Bremenflieger Hüncfeld". x Mannheim, 27. Juni. (Der „Eiserne Gustav kommt über Mannheim.) Der „Eiserne Gustav", dem auf seiner Heimreise von Paris nach Berlin von einem Saarbrücker Juwelier ein silberner Pokal mit Widmung geschenkt wurde, fährt Sonntag von Saarbrücken ab und wird üb«: Homburg, Kaiserslautern, Neustadt a. d. H., Ludwigshafen, Mannheim, Worms Frankfurt am Main weiter nach Köln fahren, wo er am 25. Juli rintreffen will. x Mannheim, 27. Juni. (Ein eigenartiger Berkehrsunfall.) Auf der Straße von Feudenheim nach Käfertal wollte gestern abend kurz nach 11 Uhr ein 20 Jahre alter Motorradfahrer einem entgegenkommenden Radfahrer ausweichen. Er blieb dabei an einem unbeleuchteten am Straßenrand flehenden 'mit Gerüststangen beladenen Fuhrwerk hängen und wurde vom Motorrad gerissen. Das Motorrad fuhr führerlos weiter und warf auch einen Radfahrer zu Boden. Beim Unfall brach der Motorradfahrer den rechten Unterarm, während der Radfahrer eine Prellung der linken Körperseite und Hautabschürfungen am linken Fuß erlitt. Beide Perletzte wurden mittels Sanitätswagen in das Allg. Krankenhaus verbrach. ** Mannheim, 29. Juni. (Vater und Kind ertrunken.) Auf dem Rhein zwischen Bingen und Mainz fiel vom Tchraubcndampfer „Braunkohle 12", der mit einem Kahn »ergwärrs fuhr, das 4jährige Söhnchen des Kapitäns Kis- !el von Gernsheim in den Rhein. Kissel sprang dem Kinde ösort nach. Er schwamm ungefähr 200 Meter, versank aber dann, kaum noch 20 Meter vom Ufer entfernt, vor den Augen der Mannschaft. Das Kind konnte auch nicht mehr zerettet werden. ** Mannheim, 29. Juni. (Ein Opfer des Rheins). Wie aoch erinnerlich, waren drei junge Leute, die sich auf der Arbeitssuche befanden, unterhalb Kehl mit einem Nachen nachts auf den Rhein gefahren. Bei dieser Fahrt stieß der Nachen gegen die Rheinbrücke bei Greffern. Zwei der jungen Leute stürzten in den Rhein und ertranken. Die Leiche des einen, des 20jährigen Schlossers Ludwig Koch, ist jetzt an der Rheinhauser Führ bei Speyer gelandet worden. — Koch stammt aus Weingarte» bei Durlach, wohin seine Leiche überführt worden ist. ** Ludwigshafe« a. Rh., 29, Juni. (Drei Pferde verbrannt). In Friesenheim brach im Anwesen des Landwirts Karch ein Brand aus, dem die Scheune und ein angebauter Schi'vpen zum Opfer fielen. Außer mehreren landwirt- sch ichen Maschinen und Geräten verbrannten drei in dem Schuppen untergebrachte Pferde. ** Ludwigshafe», 29. Juni. (Ein Kind entführt.) Am Dienstagvormittag wurde im südlichen Stadtteil in Richtung Oggersheim ein 6jähriges Mädchen von einem unbekannten Manne entführt. Er soll das Kind angelockt, aus sein Rad gesetzt und die Flucht ergriffen haben Polizei und Gendarmerie von hier und auswärts unternahmen sofort Streifen, doch ist es ihnen bis jetzt noch nicht gelungen, des Täters habhaft zu werden. ** Heidelberg, 29. Juni. (Sven Hedin Ehrendoktor). Die naturwissenschaftlich-mathematische Fakultät der Universität Heidelberg hat dem berühmten Forscher Sven Hedin die Würde eines Doktors der Naturwissenschaften ehrenhalber verliehen. (Sven Hedin ist auch Ehrendoktor der Technischen Hochschule in Karlsruhe, die ihn anläßlich ihres 100- jährigen Jubiläums mit dieser Würde auszeichnete). ** Höpsinge« tbei Buchen), 29. Juni. (Das Pfeifchen als Zugsignal.) Als dieser Tage der 6-Uhr-Abendzug von Walldürn einlief, entstieg eine Familie mit einem 6jährigen Kind. Das Kind hatte auf der Wallfahrtsmeffe in Walldürn ein kleines Pfeifchen erhalten. Es pfiff lustig hinein, was der Lokomotivführer für ein Signal des Schaffners hielt, so daß sich der Zug wieder in Bewegung setzte, als noch die Leute beim Ausstetgen waren. Nur dadurch, daß der Schaffner entschlossen in den nächsten Wagen sprang und die Notbremse zog. konnte ein großes Unglück verhütet werden. ** Philippsburg, 29. Juni. (Zugentgleisung). Im Bahnhof Rheinsheim entgleisten gestern mittag zwei beladene Wagen beim Rangieren des Güterzuges, wodurch beide Hauptgleise etwa zwei Stunden gesperrt waren. Der Verkehr wurde durch Umsteigen geregelt. Tie D-Züge 83 und 62 von und nach München erhielten eine Stunde, aa- dere Personenzüge bis zwei Stunden Verspätung. Der Sachschaden ist unerheblich. ** Karlsruhe, 29. Juni. (Schwurgericht). Die 4. diesjährige Tagung des Schwurgerichts beginnt am Mittwoch, den 4. Juli, vormittags 9 Uhr, mit der Anklage gegen den Schuhmacher Franz Zipperle aus Untergrombach und den Schuhmacher Jak. Schönberger aus Bruchsal wegen Brandstiftung. Nachmittags folgt die Meineidsverhandlung gegen den Metzger Otto Schneider aus Pfaffenrot. Am Donnerstag ist Verhandlung gegen den Dreher Otto Melcher aus Gaggenau wegen Mordversuchs angesetzt. Am Freitag, den 6. Juli, wird gegen den Händler Simon Levy aus Epfig und den Postinspcktor Heinrich Billiger ans Konstanz wegen Meineids resp. Anstiftung dazu verhandelt. Erhöhung der Privatdiskontuotiz. Berlin, 29. Juni. An der gestrigen Berliner Börse wurde die Privatdiskontnotiz für beide Sichten um je ein achtel Prozent auf 6'/« Prozent erhöht. Die Moabiter Kommnuistenbesreiung vor Gericht. Berlin, 29. Juni. Die Verhandlungen gegen den Schläch. ter Philipp und den Gelegenheitsarbeiter Arthur Seifert wegen Befreiung des Kommunisten Otto Braun aus dem Vernchmungszimmer des Untersuchungsrichters beim Reichsgericht in Moabit haben am Donnerstag begonnen. Der Besuch des „Eisernen Gustav" wird aus Paris erwidert. Paris, 29. Juni. Als Antwort auf die Droschkenfahrt beS „Eisernen Gustav" von Berlin nach Paris hat gestern mittag der erste Kraftwagen der Automobilwerke Peugeot, der im Jahre 1885 erbaut wurde, mit zwei Journalisten im Aufträge der „Volontee" die Fahrt nach Berlin angetreten. Kammerpräsident Bvuisson hat in Begleitung des Vizepräsidenten das Signal zur Abreise des „Locarno" getauften Wagens gegeben. Ein moderner Blaubart i» Frankreich. Paris, 29. Juni. Die Spalten der französischen Presse sind von Berichten über die Verbrechen des neuen Blaubarts von Ehampigny angesüllt. Es scheint fcstznstehen. daß er mindestens sechs Frauen ums Leben brachte, die auf seine Heiratsanzeigen hin mit ihm in Verbindung traten. Eine der Frauen, die mit ihm in Briefwechsel stand, ist nur durch den Zufall und nur durch ihren Aberglauben vor dem schrecklichen Ende der anderen bewahrt geblieben. Es handelt sich hier um eine Pariserin, die mit dem angeblichen Gaillard in einem Pariser Restaurant eine Zusammenkunft hatte. Der „Heiratslustige" legte ihr nahe. 20 000 Franken flüssig zu machen, damit sie eine kleine Villa und ein Auto kaufen könnte und versprach ihr, Tunis mit ihr zu besuchen, wo er Geschäfte habe. Auf seinen Vorschlag eingehend befragte sie eine Kartenschlägerin, die ihr aus dem Kaffeesatz von einer Reise über das Meer abriet, da sonst ein Unglück e* Hrete. Ein französischer «nnstfNeger vervrannr. Basel, 29. Juni. Der französische Kunstflieger Fronval ist auf dem Flugplatz Villams Coublay bei Paris durch einen eigenartigen Unfall getötet worden. Fronval rollte mit seinem Flugzeug über das Feld, als ein anderes Flugzeug bei der Landung abstttrzte und auf Fronvals Apparat siel und in Flammen anfging. Fronval ist bei lebendigem Leibe verbrannt. Courtney ans dem Fluge nach Hort». London, 29. Juni. Nach in Horta aufgefangenen Funksprüchen des Kapitän Courtney vollzieht sich der Flug in guter Ordnung. Cortney hofft um 18 Uhr in Horta zu sein. Nach Aufnahme neuen Brennstoffes will er sofort nach Lalikar auf Neuschottland weiterfliegen. Lleberschwemmungskatastrophe in Wefijapan London, 29. Juni. Nach Meldungen aus Bokio ist der westliche Teil Japans und die Insel Kyushyu von einer Ueberschwemmungskatastrophe und ausgedehnten Erdrutsche heimgesucht worden. Soweit bisher bekannt ist, sind dreißig. Personen ums Leben gekommen und insgesamt 7000 Häuser überflutet. Tie Zahl der Obdachlosen wird auf 110000 geschätzt und man befürchtet, daß die Zahl der ums Leben gekommenen Personen sich auf viele hundert erhöhen wird. 26 Personen, die versuchten, eine durch Erdrutsche verschüttete Familie zu retten, wurden durch einen neuen Erdrutsch lebendig begraben. Schweres Ejsendahmmglüü in England Zweinndzwantzig Tote bei der engl. Eisenbahnkatastrophe. j London. 29. Juni. I« der Nähe der Station Darling- 'ton ereignete sich vorgestern nacht ein Eisenbahnunglück, bei dem sechs Personen getötet und dreißig verletzt wurden. — Das Unglück geschah, als ein Zug, der mit Ausflügler» besetzt war, von Scarborough kommend sich dem Südbahnhof von Darlinaton näherte und mit einem Güterzug zu- sammenstietz. Die Lokomotive des einen Zuges kam dabei zum Entgleisen. London. 29. Juni. Die Zahl der Todesopfer bei der Eisenbahnkatastrophe bei Darlington hat sich auf 22 erhöht. Mit einer weiteren Erhöhung dieser Zahl ist nicht -'-ehr zu rechnen, da der Zustand der in den Krankenhäusern liegenden Verletzten nicht lebensgefährlich ist. London, 29. Juni. Von den bei dem Eisenbahnunglück bei Darlington verletzten 47 Reisenden konnten 20 aus dem Krankenhaus bereits wieder entlassen werden. Die Zahl der Toten, insgesamt 22, hat sich bisher nicht weiter erhöht. Allerdings wird befürchtet, daß noch vier Personen unter den Trümmern begraben liegen. Der Heizer gibt an. daß der Lokomotivführer alles getan habe, um das Unglück zu verhindern. Ter Zusammenstoß habe sich jedoch nicht mehr vermeiden lassen, da die entgegenkommende Lokomotive nicht rechtzeitig bemerkt werden konnte. Bühl, 29, Juni. Die Erbbeerernte geht ihrem Ende entgegen, der Erdbeerversand kann mit Ende dieser Woche als beendet angesehen werden. Wie der „Acher- und Bühler- Bote" von zuverlässiger Seite erfährt, sind ab Bahnhof Bühl im Verlaufe der Erdbeerernte insgesamt in Richtung Mittel- und Norüdeutschland, Rheinland. Württemberg und Sachsen ungefähr 465 Wagen mit etwa 24000 Zentnern Erdbeeren abgerollt. Das ist für die Bühler Gegend immerhin ein recht erfreuliches Ergebnis, zumal die Zwetschenernte in diesem Jahre sehr viel zu wünschen übrig lassen wird. ** Bühl. 29. Juni. Zu dem dahier in den Tagen des 30. Juni, 1. und 2. Juli d. I. stattfindenden bad. Pioniertag ist bei der Reichsbahndirektion Karlsruhe ein Sonderzug ab Bühl 23 Uhr in der Richtung Karlsruhe—Heidelberg beantragt. Dieser Sonüerzug soll den Teilnehmer» am Pionier- feste Gelegenheit geben, die Beleuchtung der Burg Windeck bei Bühl, die durch die bekannte Heidelberger Firma Beisel, welche bereits das Heidelberger Schloß und verschiedene Burgen am Rhein mit großem Erfolg beleuchtet hat, ausgeführt wird, noch zu sehen. ** Offenbnrg. 29. Juni. (Schöffengericht). Der schon vielfach vorbestrafte Franz Wunsch aus Forbach wurde von Schöffengericht wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. — Weiter stand der Taglöhner Johann Georg Finkbeiner aul Achern vor Gericht, der längere Zeit ausschließlich von Einbruchdiebstählen und Bettel lebte. Wegen früherer Eigentumsvergehen hat er schon mehrere Jahre im Zuchthaus zugebracht. Jetzt wurde er zu Jahren Gefängnis verurteilt. Radio - Prograllw» für Samstag, den 30. Juni 1928. uigU a ,n :-hN 0L 08 ‘(om) mjmchrchnmsSiuoU ‘(88t) «»ir»E 22.30 Uhr: Profit. Breslau (322), 20.30 Uhr: Bunter Abend. 22.30 Uhr: Ue. v. Berlin. Frankfurt (428), 13.00 Uhr: Schallplattenkonzert. 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Alte Operetten. 17.47 Uhr: Die Lefeftunde. 18.30 Uhr: Der Briefkasten. 19.30 Uhr: Ue. a. d. Opernhaus: „Der Protagonist" und „Der Zar läßt sich photographieren", zwei Opern o. Kurt Weill. Darauf: Ue. v. Berlin. Hamburg (394), 20.00 Uhr: Walzcrabend. Darauf: Kabarett. Köln-Laagenberg (468), 20.15 Uhr: Ue. v. Vergnügungspark und aus dem Musikpavillon: Mit Willi Ostermann auf der Press«. Darauf: Nachtmusik und Tanz. Königsberg (393), 20.10 Uhr: Heiteres Wochenende. Anschl. Abendkonzert. Lefitz, g (365), 20.15 Uhr: Musikalischer Wunschabend. 22.15 Uhr: Funkbrettl. München (535), 20.00 Uhr: Ernst Arnold Abend. Daraus: Tanzmusik Dolly Tombico Band. Stuttgart (379), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 13.00 Uhr: Ue. a. Schwenningen a. N. „Einweihung des neuen Rathauses". 14.30 Uhr: Jugendstunde. 15.30 Uhr: Unterhaltungs- Konzert. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: „Die Jagd noch Der Landbote * Emsheimer Jeitunj.' Rr. 130. Jahrgang 1928. »em Glück". Anschl. Schwäbische Stunde. Darauf: Tanzmusik. Daventry-Experimrntal (491). 20.00 Uhr: Symphoniekonzert. 22.20 Bunter Abend. Doventrq-London (361), 13.00 Uhr: Oktettkonzert. 1750 Uhr: Kinderstunde. 19.15 Uhr: Grundlagen der Musik. 20.00 Uhr: Bunte Stunde. 21.35 Uhr: Leichte englische Orchestermusik. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Paris (1750), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 15.45 Uhr: Konzert. 20.30 Uhr: Bunter Abend. Wien (517), 19.05 Uhr: Kammermusik. 20.15 Uhr: „Das Fürstenkind" v. Franz Lehar. Anschl. Tanzkonzert. Zürich s588), 20.15 Uhr: Populärer Abend. 22.10 Uhr: Schall- plattenianzmusik. Prag (348), 19.05 Uhr: Ue. a. d. Nationaltheater: Mozart: „Figaros Hochzeit". 22.20 Uhr: Konzert. E. Schick. Nadio-Bertrieb, Sinsheim a. E. Zubehör — Einzelteile — Reparaturen — Beratnng — Ladestatton Ratio-Literatur, Programm-Zeitschristen bei 3. Doll, Buchhdlg., Sinsheim Marktberichte. Mannheimer Probnktenbörse. Auf billigere Angebote vom Ausland und Zurückhaltung des Konsums verkehrte die Börse in ruhiger Haltung. Die Preise sind teilweise etwas ermäßigt. Man nannte gegen 12.30 Uhr im nichtoffiziellen Verkehr: Weizen inländischen mit 27,50—28 Mark, ausländischen mit 28,50—30.50 Mark. Roggen inländischen mit 29, ausl. ohne Angebot. Hafer inländischen mit 27,75—28,50. ausländischen mit 27,50—28,75 Mark. Braugerste ausländische mit 31—35 Mark. Futtergerste mit 24—25 Mark. Mais mit Sack 24,50—24,75 Mark. Süddeutsches Weizenmehl Spez. 0 mit 36,25—37, süddeutsches Roggenmehl mit 38—40 Mark. Weizenkleie mit 14,25, und Biertreber mit" Sack mit 17,75 bis 18.50 Mark, alles per 100 Kilo, waggonsrei Mannheim. Mannheimer Kleinoiehmarkt. Dem Kleinoiehmarkt am Donnerstag waren zugeführt: 115 Kälber 3 Schafe, 134 Schweine. 658 Ferkel und Läufer. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in R.-M.: Kälber — . 72—75, 66-70,56-60: Schafe 46—50: Schweine — , — . 64-66, 69 bis 70, 70-71,66-68: Ferkel und Läufer 12—32 R.-M. pro Stück Marktoerlauf: mit Kälbern ruhig, Uederstand; mit Schweinen ruhig, Ueberstand: mit Ferkeln und Läufern ruhig. Turnen, Sport und Spiel. Arbettersportbewegung. Am kommenden Sonntag 1. Fuli empfängt die freie Sporlabteilung des Arbeitergesangvereins Bolkschor die 1. und 2. Fußballmannschaft der freien Turnerschaft Heidelberg zum Freundschaftsspiel. Spielbeginn der 2. Mannschaft 1 Uhr, der 1. Mannschaft halb 3 Uhr auf dem städtischen Sportplätze. Wir haben es mit einer 1. Klasse-Mannschaft zu tun, die über gutes Material verfügt, die zur Zeit auf der Höhe und ein starker Gegner für die Sinsheimer Mannschaft ist. Unsere Elf wird alles daransetzen müssen, um gegen diese Mannschaft gut abzuschneiden. Es ist also am Sonntag wieder reger Fußballbetrieb, dessen Ergebnis und Verlauf man mit anfehen muß Stimmen aus dem Leserkreis. Für die unter dieser Abteilung erscheinenden Artikel übernimmt die Schristleitung lediglich die prcßgesetzliche Verantwortung. Staubplage und Autoliirm. Einshetm, 28. Funi. Es wurde f. Zt. die Anschaffung eines Sprengwagens seitens der Gemeinde sehr begrüßt, da man annahm, daß durch dessen Benützung die große Staubplage beseitigt würde. Aber leider ist dies nicht der Fall, denn gerade in den letzten heißen Tagen macht sich wieder durch die vielen Autos und Fuhrwerke eine derartige Staubplage bemerkbar, daß man sich derselben kaum erwehren kann. Durch das Teeren der Straßen wurde der Staub nicht gebunden, da die aufgestreuten Steinchen schnell wieder zusammengefahren und dann gerade wieder so viel Staub entstanden ist, als vorher. Die Einwohnerschaft, hauptsächlich die Ladeninhaber richten an den wohllöbl. Gemeinderat die dringende Freitag, den, 29. Funi 1928. Bitte, den Sprengwagen bei trockenem Wetter mindestens zweimal des Tages fahren zu lassen,, denn nur zum Aufbewahren ohne zu benützen, ist doch wohl der Wagen nicht angeschafft worden. Dann muß noch auf das schnelle fahren der Autos und Motor- fahrcr aufmerksam gemacht werden und wäre, es am Platze, daß diesem Unfug seitens der Polizei mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde. Auch dem unsinnigen und meistens noch unnötigen Tuten und Lärmmachen durch den Motor sollte entgegengewirkt werden. Fn der Stadt erlauben sich diese Fahrer doch auch nicht solches Lärmmachen. Aber die Polizei muß sich eben auch mehr dienstlich auf der Straße aufhalten und einmal durch energisches Einschreiten diesem Unfug a bzuhelfen suchen. Briefkasten. Rach Sirgrlsbach. Anonyme Zuschriften können nicht berücksichtigt werden. D. Schriftl. Geschäftliche Mitteilungen. Die Zelt vor dem Kriege wird in uns lebendig, wenn wir das Stern'sche Inserat in der heutigen Nummer erblicken.. Was da alles während der Hosen-Woche (vom 30. Juni bis 7. Juli) geboten wird, klingt wirklich erstaunlich. Schon für. 5 Mark kann man, angetan mit einer modernen Knickerbocker, als eleganter Herr durch die Straßen unserer Stadt spazieren, zum Preis von 10 Mark kann man schon eine prächtige Flanellhose erstehen. Solche Kaufgelegenheiten sind im Fnteresse weiter Kreise aus das Wärmste zu begrüßen. Wetterbertch t. Karlsruhe, 28. Juni. Die Rückseite des inzwischen nach dem bottnischen Meerbusen abgezogenen Sturmwirbels hat uns gestern starke Abkühlung bei böigen Westwinden gebracht: die Tagesmittel der Temperaturen lagen 5—7 Grad unter den Werten des Vortages. Ueber dem westlichen Festland liegt hoher Druck, unter desien Einfluß bei uns wieder Aufheiterung eingetreten ist u. zunächst noch anhalten wird. Mit zunehmender Erwärmung stehen neue Gewitterbildun- gen in Aussicht. ©©©©©©©©©©©©©©©©©©©©©©© © © © © S © © © © © © © © G Cafe Schmidt Bad Rappenau Das vornehme und gemütliche Familien-Caf£,eigene Konditorei Wein, Konzert, Billard Treffpunkt der Touristen vom Neckar- und Mühlbachtal. © s © © © © © © G © © © 0 © G G Inh. Herrn. Schmidt © Tel. 13 Konditormeister Tel. 13 © © © ®©GQQ ©G©QGG©Q©©©G©OOGGQ Brauchen Sie einen neuen Schirm? dass denken Sie an meine grofia Auswahl in Damen- n. Herrenschirme. Nur der Fachmann gibt Ihnen die Gewähr, wirklich Qualität»-Schirme, sowie Spazierstöcke zu billigen Preisen anzubieten. Mflozianager, Heidelberg PlOdc 11 Oerttndet IM Bitte beachten Sie die Preise im Fenster. 2S Geräumiger, Heller KlIMlMlll zu vermieten. Zu erfragen unter Nr. 976 beim Landboten. Kaim- Cantator mit seiner für den Klavierbau hochbedeutsamen Erfindung. Klangwirkungen von bisher unerreichter Schönheit! Das wahrhaft singende Piano! Das Ergebnis einer 109jähr. 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Unsere Hosen-Woche beginnt Samstag, den 30. Juni endet Samstag, den 7. Juli, 7 Uhr abends Lange Posen Jreeches Knickers Serie I 5. H Serie I Serie I Serie II 10a M Serie II 10.^> Serie II Serie III 15.— Serie III 15. HH Serie III 15* IM Serie IV 20.— 1 Serie IV 20.*™ Serie IV 20.""" Serie V 25 Serie V . — Serie V Diese Leistung: ist so groß und so viel umfassend, daß uns eine Beschreibung über die Zusammensetzung der einzelnen Serien unmöglich ist, sehen Sie sieh darum unsere Ausstellung an, sie wird auch auf Sie ihren Eindruck nicht verfehlen. Stern & Comp. Hauptstraße 90. HEIDELBERG Hauptstraße 90 Größtes Spezialhaus für Herren- und Knabenkleidung. i Schriftleitung: H Becker: Druck und Verlag: $. Pechersche Buchdruckerei in Sinsheim. l