Erscheint tilglich mH Ausnahme der Feiertag«. Bezugs-Preis: Dflrch diePost bezogen und durch de« Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus Monatlich Goldmark 1.80 cher Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. & Fällen von höherer Gewalt eht kein Anspruch auf Liefer- ang der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 biS 5 Ahr Sonntags geschloffen. Gernsprech-Anfchlutz Nr. 48« Postscheck-Konto Karlsruhe Rr. 8808 Deaeral-Hitzeigee für Hfctij*unö 5cku>arzbaclrtal Sinshcimer Heltttt* und vervrettrtfts Leilmig dieser Gegend. y»up1-Hn)eigen-LlLtt NlLckxntlich« Dni Illustriert» • Hfl* d*m Reick» cker fßod» • Ratgeber ffir Qm*-- and Landwirtschaft Anzeigeu-Prrtse: Anzeigen: Die 33 mm drei» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen.- Die 92 mm breit» Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest«» Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdai^m oder bei gerichtlich»» Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 3 Ahr vormittags; größere Anzeige» müssen am Tag« vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Veretnsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 171. Dienstag» den 24. Juli 1928. 89. Jahrgang Das Reichsbahngericht entscheidet. Schiedsrichterliche Erledigung der Frage der Tariferhöhung. Beschluß des Kabinetts Merlin, 23. Juli. Das Reichskabinett hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, die Frage der Eisenbahntarife schiedsgerichtlich klären zu lassen. Dadurch wird zum ersten Male seit dem Jahre 1924 das im Reichsbahngesetzt vorgesehene schirSsgerichsl- liche Verfahren in Tariffragen angewrndet werden. Insofern kommt dieser Beschluß des Reichskabinetts also weitgehende grundsätzliche Bedeutung zu, denn bisher war es stets möglich. Meinungsverschiedenheiten über Tariffragen auf dem Verhandlungswege auszugleichen. Es ist zu beachten, daß die Anrufung des Reichsbahngerichtes in diesem ersten praktischen Falle erfolgt auf Grund eines Uebereinkommens zwischen Reichsregierung und Reichsbahngesellschaft und daß die Reichsregierung ausdrücklich der Anrufung des Schiedsgerichts zugestimmt hat, während nach dem Reichsbahngcsetz die Reichsbahn auch berechtigt gewesen wäre, oas Schiedsgeircht in einem offenen Konfliktsfall, also auch gegen den Willen der Reichsregierung, mit der Entscheidung zu beauftragen. Borsitzender des Reichsbahngerichts ist für die fünf Fahre von 1924—1929 der irnatspräsident Meyer. Ihm find für jeden einzelnen Streitfall zwei deutsche Richter beizugeben, die vom Reichsgerichtspräsidenten aus Vorschlag der Parteien ernannt werden. Das Reichsbahngericht ist also nicht zu verwechseln mit dem neutralen Schiedsrichter, der bei Streitfällen zwischen Reparationsgläubigern unü der Reichsregierung ange- rusen wiro, der aber auch als oberste Instanz gilt, wenn mit der Entscheiüung des jetzt angerufenen Gerichts eine der Parteien sich nicht zufrieoen gibt. Die Entscheidung des Reichsbahngerichts über Tariffragen soll nach dem Gesetz binnen drei Monaten getroffen werden. Die sachlichen Gründe für den Beschluß der Reichsregierung find darin zu sehen, daß die Beschaffung neuer Mittel für die Reichsbahn auf dem Anleihewsge nach Ansicht des Reichs- finanzminifteriums nicht möglich erscheint. Der - von der Reichsbahn auf ISO Millionen geschätzte Neubedarf kann nach dieser Auffassung weder auf dem inneren Geldmarkt« aufgebracht werden, noch bei der Haltung der Amerikaner durch eine Ausländsanleihe beschafft werden. Diese Auffassung ist in der letzten Zeit wiederholt mit den leitenden Persönlichkeiten der Reichsbahngesellschaft besprochen worden, so daß in der heutigen Kabinettssitzung «ine Vertretung der Reichsbahngesellschaft durch den Generaldirektor Dr. Dorpmüller nicht mehr erforderlich erschien. Vielmehr haben die Leiter der in Betracht kommenden Ministerien lediglich über ihre Verhandlungen und ihre Stellungnahme Bericht erstattet und auf Grund dieser Berichterstattung hat das Reichskabinett die Entscheidung getroffen, von der am Nachmittag der Vorsitzende des Derwaltungsrates der Reichsbahngesellschaft Dr. von Siemens, in einer Unterredung mit dem Reichsfinanz- mrnister unterrichtet wuroe. Der Streit, den das Reichsbahngericht zu entscheiden hat, betrifft hauptsächlich di« Frage, in welchem Zeitpunkt eine Tariferhöhung oder überhaupt die Neubeschaffung von Mitteln unerläßlich erscheint. Die Reichsbahngesellschaft sah die Tariferhöhung gewissermaßen als ein Borbeugungsmittel gegen die Gefahr von Mindereinnahmen an, während die Reichsregierung sich auch in ihrer heutigen Sitzung auf den Standpunkt gestellt hat, daß vor einer wirtschaftlich so einschneidenden Maßnahme erst di« Entwicklung der Reichsbahneimiahmen abgewartet werben müsse. Für die Zustimmung der Reichsregierung zur Anrufung des Reichsbahngerichts ist es natürlich auch ausschlaggebend gewesen, daß sowohl die Rcparationskommisfion, wie auch der Reichsbahnkommissar Leocroe, oer dieser Auffassung schon in seinem letzten Halbjahrsbericht Ausdruck gab, für «in« Tariferhöhung haltend ausgesprochen und lediglich die Stellungnahme des Reichseintreten. Der Generalagent für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, hafte sich in seinem Halbjahrsbericht noch ziemlich zurück- bahnkommissars Leverve angeführt. Er hat sich aber — wie schon vor seiner Reise nach Paris feststand, vollständig der Auffassung Leoerves angeschlossen und hält die Tariferhöhung für unvermeidlich. Leverve hat in seinem Jahresbericht zugunsten der Tariferhöhung ausgeführt. daß es zweckmäßiger wäre, eine Vermehrung der Reichsbahneinnahmen in einer wirtschaftlich günstigen Zeit vorzunehmen. Er hat — und dieser Hinweis dürste in den Porbesprechungen ein« gewisse Rolle gespielt haben — Darauf aufmerksam gemacht, daß die Reparationssachoerständigen seiner- zett der Reichsbahn absichtlich eine gewisse Bewegungsfreiheit in der Tariffrage lassen wollten, und daß das Aufiichtsrecht der Reichsregierung durch die Bestimmung eingeschränkt ist, die Reichs- bahngesellschast dürfe nicht gehindert werden, die Einnahmen zu erzielen, die für den Zinsen- und Tilgungsdienst der Schuid- vcrschreibungen sowie für die Vorzugsaktien und die Einziehung per Vorzugsaktien erforderlich find. Durch die Anrufung des Reichsbahngerichts zur Entscheidung dieser Frage wird natürlich der politisch« Charakter des ganzen Problems stark abgeschwächt unb die beiden Parteien, also Reichsregierung und Reichsbahngesellschaft, verpflichten sich- eine rein iurtstifche Lösung anzunehmen, so oaß das Schiedsgericht gewissermaßen die Verantwortung für die Tariferhöhung oder für di« weitere finanzielle Entwicklung der Reichsbahn übernehmen muß. Die nächste Aufgabe wird die Berufung der zwei Beisitzer fein, über deren Auswahl sich Reichsregierung und Reichsbahugefell- fchaft natürlich ins Benehmen fetzen werden. Schwere Vorwürfe gegen die Reichsbahn Berlin, 24. Juli. Die „Vofsische Zeitung" meldet aus München: Die „Süddeutsche Sonntagspost" bringt die ungeheuerliche aufgrund genauer Beobachtungen und Untersuchungen eines Mitarbeiters gemachte Feststellung. daß auf der Bahnstrecke München—Ingolstadt, die täglich unö nächtlich mehrmals von Schnellzügen der Fcrnstrecke München- Berlin mit Höchstgeschwindigkeit durchrast wird, die Schienen auf morschen Holzschwellen ruhen. Diese morschen Holzschwellen geraten täglich mehrmals in Brand oder wenigstens ins Glimmen, was von den Anwohnern der Strecke gewohnheitsmäßig gelöscht wurde. Die Schienen ruhen nicht direkt auf den morschen Holzschwellen, sondern aus einer kleinen eisernen Platte, die keinerlei Halt hat. Man kann mit dem Finger an den Bolzen rütteln. Die Unterlage der Platten liegt nicht mehr fest auf dem Holz, so daß man eine ganze Hand zur Hälfte unter die Platten schieben kann. Die Oberfläche der Schwellen ist verkohlt, weist tiefe Risse und dicke Beulen auf. Mas ist aus den württembergifcheir Eisenbahnen los? Im „Pforzheimer Anzeiger" lesen wir: Wer am Sonntag mit dem v-Zug ab Frtedrichshafen 17.55 Uhr nach Pforzheim fahren wollte, der konnte seine blauen Wunder erleben. Schon in Laupheim gab es einen 14stündigen Aufenthalt, weil die Lokomotive schadhaft war: schließlich fuhr man bis Ulm, wo die Lokomotive Wasser faßte, was noch einmal 20 Minuten Verspätung abgab. Plötzlich auf dem kleinen Bahnhof Westerstetten machte der Zug wieder Halt, der Lokomotivführer erklärte, keinen Schritt fahre er weiter, weil seine Steuerung völlig zerstört sei und versage. Es wurde eine Lokomotive aus Ulm heranbeordert, was über eine halbe Stunde ging, so daß man erst nach 11 Uhr in Stuttgart ankam. Der Anschluß nach Pforzheim war natürlich längst abgefahren,' also hieß es, nochmal eine Stunde warten bis zum ersten Morgenzug, so daß man endlich um i Uhr nach Pforzheim kam. Unb in diesem Zug war die elektrische Lichteilung zerstört, so daß man völlig dunkel oder mit Kerzenbeleuchtung fahren mußte. (Erst kürzlich ist bekanntlich auf der Getsinger Strecke eine Zugentgleisung erfolgt und am Sonntag abend entgleisten im Bahnhof Wildbad mehrere Wagen; diese letztere Entgleisung soll aus eine längst schadhafte Weiche zurück- zuführen sein.) Sitzung des Reichskchmetts Berlin, 24. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichs- 'abinett trat gestern unter dem Vorsitz des Reichskanzlers m einer Sitzung zusammen. Hierbei wurde vor dem Ur- aubsantritt des Reichskanzlers und verschiedener Mitglieder des Kabinetts noch eine Anzahl laufender Angelegenheiten beraten und entschieden, deren alsbaldigee Erledigung notwendig war. Die nächste Sitzung des Reichskabinetts dürfte voraussichtlich Mitte August stattfindev Reichskanzler Müller acht in ilrlanb Berlin, 24. Juli. Reichskanzler Müller wird sich am Montag in Urlaub begeben. Er reist nach dem Schwarzwald, wirb jedoch am 11. August nach Berlin zurückkehren. Während seiner Abwesenheit wird er durch den Reichswehrminister Groener vertreten. Gemeinsame Heeres- und Marineübungen abgesagt Berlin, 24. Juli. Das Reichswehrministerium teilt mit: Die für Mitte September angesetzten Uebungen der Reichswehr an der Ostseeküste, an denen Teile des Heeres und der Marine gemeinsam teilnehmen sollten, finden in diesem Jahre nicht statt. Den Grund für das Ausfallen oieser Hebungen bildet im wesentlichen die angespannte Lage der Reichsfinanzen und das Bestreben, im Rahmen des Heer- hanshaltes Ersparniffe zu erzielen. Die Bereitstellung der Truppen in dem für die geplanten Manöver wünschenswerten Umfange hätte in diesem Jahre wegen der gleichzeitigen Heeresübnngen in Schlesien verhältnismäßig hohe Aufwendungen bedingt. Aus diesem Grunde erschien e-s zweckmäßig, eine gemeinsame Uebung für Heer und Flotte erst zu einem späteren Zeitpunkt vorzusehen, wo die Heranführung der beteiligten Truppenkörper voraussichtlich unter vergleichsweise aünstiaere nftnanziellen Vorbedingungen möglich sein wird. Das Ehrengericht über Lambach vertagt Berlin, 24. Juli. Das »on der Deutschnationalen Volkspartei bestimmte Ehrengericht, das am Montag den Fall Lambach behandeln sollte, ist aus Dienstag vertagt worden. Fememörder Raphael entwichen Berlin, 24. Juli. Tie Abendblätter melden ans Küstrin: Der im Landsberger Fememordprozeß zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Fememörder Oberleutnant Raphael, der anläßlich, der Amnestie von Sonnenburg nach Tegel transportiert werden sollte, ist am Sonntag vormittag auf dem Küstriner Hauptbahnhof entwichen. Die Typhuserkranlungen bei der Rbeinland- fahrl des Deutschen Tourning-Llubs Wie seinerzeit gemeldet, erkrankten auf der Rheinlandfahrt des Deutschen Tourning-Clubs zahlreiche Teilnehmer. Bei einzelne» der Erkrankten wurde nachträglich P a r a - tvvbus festgestellt. Das Präsidium des Tourning-Clubs hat in Verbindung mit den Polizeibehörden alles versucht, um eine restlose Aufklärung der Erkrankungsursache herbet- ,«führen. Nach den bisherigen Ermittlungen steht fest, daß die Erkrankungen während einer Dampferfahrt auf dem Rhein entstanden sind. Es ist noch nicht aufgeklärt, ob die Infektion durch bei der Tafel gereichten Fisch oder durch sonstige Speisen hervorgerufen wurde. Dagegen steht fest,, daß die Krankheit nicht durch einen menschlichen Infektionsträger veranlaßt wurde, da auf dem Schiffe weder vorher noch nachher Erkrankungen beobachtet wurden. Nicht von der Hand zu weisen ist die Möglichkeit, daß durch Abspülen des Geschirrs mit Rheinwasser, das bekanntlich als typhusgefährlich zu betrachten ist, die Bazillen auf die Gäste übertragen wurden. Leider sind von den Erkrankten im ganzen zehn Perso-, nen gestorben. Es sind die folgenden Teilnehmer der Rhein- landfahrt: Herr Sven Alinder, Naturforscher, München: Herr Casaretto, Krefeld: Frau Dr. M. Lechner, Pasing,' Frl. Ammann, Pasing: Frl. Anni Stöckerl, Garmisch: Herr Theodor Hozzel, Techniker, München: Herr Joses Ertl, München: Frau Lilly Schreckenbach, Oberarztsgattin, Schon- stett: Herr Richard Schulze, Görlitz und Herr Hans Ferchl, Kunstgärtnereibesitzer, Weilheim. Die noch in den Krankenhäusern liegenden Personen befinden sich zum überwiegenden Teil auf dem Wege zur Besserung. Es hat übrigens in keinem Falle eine Uebertragung auf nicht au der Reise beteiligt gewesene Personen stattgefunden. Insbesondere besteht keinerlei Gefahr mehr, daß Uebertragungen stattfinden können. Die Rheinstromstaffel in Worms Worms, 24. Juli. Der zweite Abschnitt der Rheinstaffel zum Deutschen Turnsest in Köln von Kehl nach Worms hat einen reibungslosen Verlauf genommen,- abgesehen von einer kleinen, nicht nennenswerten Verspätung. Die Staffel passierte um 19 30 Uhr Mannheim—Ludwigshafen, nach, dem in Speyer die Pfälzer Turner die badischen abgelöst hatten, begleitet von dem Schwimmwart der D.T. Braun- Frankfurt und dem Kreisschwimmwart Wolfsperger-Frei- bürg, in dem nach dem kleinen Unfall bei Breisach wieder reparierten Motorboot. An der Neckarmündung wurde programmäßig die Neckarstaffel als erste Nebenstaffel übernommen, wobei sich die Uebergabe der Urkunde glatt vollzog. Ter Augenblick wurde durch den Filmoperateur für den Badener Film festgehalten. — Die Neckarstasfel selbst hat ihren zweiten Abschnitt am gleichen Tage in Eberbach begonnen. Sie wurde in Heidelberg dem Mannheimer Gau übergeben und rechtzeitig auf die Hauptstaffel. die am Sonn- iaabend noch vor der Dunkelheit Worms erreicht hatte, überbracht. Sieben Zimmer für einen Haupimann Kaiserslautern, 24. Juli. Die französische Wohnungs- kommisiion hat anstelle der freigegebenen Villa des kürzlich verstorbenen Justizrates Wadtinger zur Unterbringung eines Hauptmanus beschlagnahmt. Die Wohnräume wüsten bis spätestens 3. Auaust frei sein. Es wird der Stadtverwaltung freigestellt, statt dieser eine andere Wohnung anzubieten, unter dem Vorbehalt, daß diese Wohnung nicht kleiner wäre als der Anspruch des Hauptmanns (7 Herrschafts- zimmer mit Nebenräumen), und daß sie am 1. August bezogen werden könne. Der Stadtverwaltung ist es unmöglich eine derartige Wohnung in der gestellten Frist anzubieten. es sei denn, daß unerwartet eine solche frei würde. Reparationen nnd Schulden. Poincare verhandelt mit Parker Gilbett. Paris, 23. Juli. Poincare hat heute den Generalagenten für die deutschen Reparationszahlungen, Parker Gilbett, nochmals empfangen. Parker Gilbett weilte in den letzten Tagen in Dinard, wo ec Besprechungen mit dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon hafte, der sich dott zur Erholung aufhält. Die eifrige Berhandlungstätigkeit Parker Gilbetts dürste wohl, wie man auch in Pariser politischen Kreisen unumwunden zugibt, mit dem Problem der Revision des Dawes planes und der endgültigen Festsetzung der Gesamthöhe der deutschen Verpflichtungen in Zusammenhang stehen, wofür sich Parker Gilbert bereits in 3n wenigen Motten , Die amerikanischen Weltreisenden Mears und Collyer find in diesem Jahre in 23 Tagen und 18 Stunden um die Welt gekommen. * * Am Sonntag find in den bayerischen Bergen wieder zwei Personen tödlich abgestürzt. * Zum Abschluß des Sängerfestes fand am Sonntag in Wien noch ein großer Rathausempsang statt. * Die französischen Ozeanstieger sind auf ihrem Etappenflug nach Neuyork auf den Azoren glücklich gelandet. » Im chinesischen Bezirk von Wutschang sind fünfhundert Kommunisten erschoffen worden. * Der in der Wolgarepublik verhaftete deutsche Arzt Dr. Fletsch soll wegen Kritik deutscher Kommunisten verhaftet worden sein. * Das Reichskabinett hielt am Montagvormittag eine Sitzung ab. Am Nachmittag begibt sich Reichskanzler Müller in die Ferien, die er im Schwarzrvald verbringen wirb. * Bei Tschifu haben die füdchineflschen Truppen eine Niederlage erlitten. Dienstag, den 24. Juli 1928. Nr. 171. Jahrgang 1928. seinem letzten amtlichen Bericht ausgesprochen hat. Man glaubt hier in Paris zu wissen, daß Poincare von Anfang an einer Revision des Dawesplanrs nicht unbedingt ablehnend gegenübrr- fleht, vorausgesetzt, daß damit gleichseitig dir französische Schuld bei seinen Alliierten in entsprechendem Matze herabgesetzt werden würde. Den Vorschlägen Parker Gilberts habe Poincare «in geneigteres Ohr geschenkt. Dieses größere Entgegenkommen des französischen Ministerpräsidenten erklärt sich zwanglos aus den Schwierigkeiten, denen er bei der Aufstellung des Budgets für 1929 begegnet. Den gleichbleibenden Einnahmen, die infolge der restlosen Ausschöpfung der Steuerkraft Frankreichs keine neue Erhöhung mehr zulassen, stehen wachsende Ausgaben für Bcamtengehälter, soziale Zwecke u. unaufschiebbare Neubauten entgegen. Es müßte daher für Poincare eine große Erleichterung sein, falls er eine merkliche Minderung der französischen Kriegsschulden erhalten könnte, für deren Zinsendienst zusammen mit dem der inneren Schuld nicht weniger als 3/4 der Budgeteinnahmei» verausgabt werden müßte. Die Revision des Dawesplanes würde/ selbst wenn es zu einer Verminoerung der von Deutschland zu zahlenoen Annuitäten käme, für Frankreich nicht so stark ins Gewicht fallen, da von dieser Verminderung der Annuitäten die deutschen Barzahlungen am wenigsten betroffen würden. Die Differenz entfiele zum großen Teil auf das Werklieferungskontingent. > Poincare hat zur Feier des zweijährigen Bestehens seines Kabinetts, das am 23. Fuli 1926 gebildet worden war, seine Minister zu einem feierlichen Frühstück eingeladen, das in an- betracht der Ferienzeit erst am 1. September auf dem Landgute Poincares in Sampigny bei Bar-le-Duc stattfindet. Bei dieser Gelegenheit wird auch der nächste Kabinettsrat abgehalten -werden, in dem Poincare das Budget für 1926 vorlegen wird. Mnffolini über den Ausgang der Mile-Expedition Nom, 24. Juli. Im Ministerrat am Montag nahm Mussolini u. a. auf die Nobile-Expedition Stellung. Er wies darauf hin, daß der Ausgang des Polarfluges das Volk beunruhige und schmerzlich bewege. Man müsse jedoch den Abschluß des Dramas abwarten, bevor man ein endgültiges Urteil fällen könne. Mussolini protestierte sodann gegen die antiitalienische Stimmung, die gegen den Urheber des Unternehmens laut werde. Die Männer, die vor ihrer Abreise wußten, daß es sich um ein sehr gefährliches Unternehmen handele, hätte» Mut bewiesen und verdienten allgemeine Achtung (!). Erst wenn alle Nachforschungen nach der fehlenden Gruppe der Schiffbrüchigen abgeschlossen seien, könne eine Untersuchung über die Entwicklung des Unternehmens und die Hilfsaktion eingeleitct werden. Diese Untersuchung werde natürlich in Italien und von Italienern durchgesührt werden. Jede andere Forderung sei unangebracht und verletzend und werde unbedingt zurückgewiesen werden. Heimfahrt Nobiles im plombierten Eisenbahnwagen Zappi geisteskrank? Oslo, 24. Juli. Entgegen anders lautenden Meldungen liegt noch keine ^Bestätigung der Nachricht über den Tod Marianos vor. Die hiesige italienische Gesandtschaft hält die Meldung für unzutreffend und erklärt, daß sie am Sonntagabend ein Telegramm von der „Citta di Milano" erhalten habe, in dem der Todesfall nicht erwähnt wird. Ein weiteres Gerücht will wiffen, daß Zappi den Verstand verloren haben soll. Eine Meldung aus Neuolesund besagt: Zappis Bericht an Bord des Eisbrechers „Krassin" habe viele Widersprüche enthalten. Sein Geisteszustand sei jedoch vollkommen normal gewesen. Professor Behounek hat erklärt, daß Malm- green bas Lager nicht auf seinen eigenen Wunsch verlassen habe, sondern nur mitgegangen sei, weil die Italiener einen Führer brauchten. Wie aus Narvik verlautet, sollen Nobile und seine Gefährten die Reise nach Schweden auf Wunsch der italienischen Regierung in plombierten Eisenbahnwagen antreten. Ter Zug soll auch nicht über die Hauptstrecke, sondern über eine Nebenstrecke geleitet werden. Die französischen Aeberfeesiieger auf. den Azoren gelandet London» 24. Juli. lFunkspruch.) Wie aus Horta auf den Azoren gemeldet wird, ist der französische Fliegerleutnant .äneJeUrtgg» «ritte» 30MAN von J.SCHN! Mit seiner Ehre hat er meine Ehrlosigkeit gedeckt, weil ich zu feige war, mich schuldig zu bekennen. So gemein, so niederträchtig hat noch keines Ihrer Pfarrkinder gehandelt, wie ich gehandelt habe. Man sagt, der Goller war ein großer Sünder! Aber ein Menschenleben hatte er nicht auf dem Gewissen!" Eine unbeschreibliche Angst hatte in Pfarrer Schmitt Platz gegriffen. Der Wahn, sie sei Helbings Mörderin, schien Lona vollständig zu beherrschen. Wenn es ein zweites Unglück gab, noch gräßlicher vielleicht, als das erste? Er hatte- in Lona Petersen immer noch das Kind gesehen, dem er die Hände falten gelehrt, in dessen Augen er zu lesen glaubte, wie in einem Spiegel, und nun stand kein Kind mehr vor ihm, sondern ein junges Weib, zu Boden geschmettert durch seine Schuld, von der er nicht wußte, wie schwer sie wog, eine Seele lag vor ihm aufgeschlagen, die er für kinderrein gehalten und die gefehlt hatte und nun in Gefahr war, doppelt in die Irre zu gehen. Also bedurfte sie nach Schmitts Grundsätzen doppelt des Erbarmens und der Liebe. „Tu jetzt heimfahr'n, Kind'l!" sprach er liebevoll, „und lagst, daß ich gleich komm'! Sofort tu' ich kommen! — Bei Bewußtsein ist der Herr Helbing nicht, gelt? — Da tu' ich nur 's heilige Oel mitnehmen!" Als er ihrem verzweifelten Blick begegnete, quoll heißes Mitleid mit ihrem Jammer in ihm auf. „Deswegen muß er noch nicht sterben, Kind'l. O g'wiß nicht! So, und nun tust geh'n!" Er faßte nach' ihrer Hand, die sie ihm willenlos über- ließ. Mit der Rechten machte er das Zeichen des Segens über sie. „In Nomine Domini .. ." Ein paar schwere Tropfen rollten über ihre Wangen, dann beugte sie sich herab und küßte den Saum seines Rockärmels. Einen Augenblick später fiel die Türe hinter ihr fast lautlos ins Schloß. Der Landvolk * Emshelmer Zeitung . Parts mit seinen Begleitern im Flugzeug „La Fregate" am Montagmorgen dort gelandet. Damit haben die Flieger die erste Etappe ihres Ueberseesluges abgeschlossen. Nach Aufnahme neuen Brennstoffes werden sie zu ihrer zweiten Etappe in Richtung auf die Bermudas-Inseln starten. Abiranspvrt der Sänger Wien, 24. Juli. Bereits am Sonntag abend fetzte der Abtransport der Teilnehmer am Sängerbnndesfest ein. Die Kahn batte einen Riesen-Andrang auszuhalten. Alle fahrplanmäßigen Züge wären überfüllt und zahlreiche Sonder- »üge mußten eingeschaltet werden. Einzelne der fahrplanmäßigen Züge wurden in drei Teilen gefahren, doch genügte «ich diese Teilung nicht mehr, um ^en Ansturm Hü^ewä^ !igen. Ter Abtransport der Sänger vollzieht sich unter roeS*" Icvtlich ungünstigeren Umständen als die Hinreise, da die deutsche Bahnverwaltung fast alle Sonderzüge, mit denen die gesamten deutschen Sänger nach Wien gebracht wurden, wieder zurückbeordert hat, um sie zur Beförderung der deutschen Turner zum Turnfest nach Köln zu verwenden. Die österreichische Bundesbahnverwaltung ist daher gezwungen, ihren gesamten Wagenpark zum Abtransport der Sänger zu mobilisieren. Sie pariser Presse gegen die Wiener Kundgebungen Paris, 24. Juli. Die Wiener Kundgebungen aus Anlaß des Sängerbundesfcftes. finden in Paris keine objektive Beurteilung. Ties kommt nicht allein in den zahlreichen Kommentaren, sondern schon in der Berichterstattung zum Ausdruck. So bezeichnet der Wiener Berichterstatter des „Petit Paristen" die Teilnahme der deutschen Sänger als eine deutsche und nicht österreichische Angelegenheit. Deutschland habe für die Belange seiner nationalen Ansprüche Wien für einige St unden bermtzt. Das sei ein gefährliches Spiels besonders in einem Monat, der daran eriiniöre, daß Oesterreich für {Ten Frieden der Welt gefährlich sein könne, wenn es sich der Füh rung d^r Deutschen überlasse. Der „Avcnir" muß zu- ch benHaß sich die Wiener Tage zu einer großen Kundgebung gestaltet hätten, die eine bisher unerreichte Kraft des An- schlntzgedankcns bewiesen. Es sei nicht unmöglich, daß Deutschland und Oesterreich den Augenblick nahe glaubten, den Anschluß verwirklichen zu können. Die bei jeder Gelegenheit bekundete Schwäche der Alliierten, ihre Rücksicht und Gefälligkeit gegenüber dem Reich, seien geeignet, in Berlin und Wien die größten Hoffnungen zu erwecken. Es sei an der Zeit, daß Frankreich in Wien und Berlin klar wissen lasse, daß der Anschluß von den Alliierte« nicht geduldet werde. Der „Gaulois" kommt zu dem Schluß, daß es anscheinend keine Grenzen mehr gebe, die die beiden Nationen trennen. Deutschland und Oesterreich betrachteten den Anschluß als bereits durchgeführt, wenn sie ihn auch nicht öffentlich proklamierten, um nicht den Einspruch der Alliierten heraufzubeschwören. Der „Homme Livre" will beweisen, daß Oesterreich lebensfähig und nicht aus den Anschluß an Deutschland angewiesen sei. Das „Oeuvre" erklärt, Deutschland habe nicht das Recht, im Namen aller Deutschen zu sprechen. Allerdings mutz das Blatt anerkennen, daß man wahrscheinlich keine politische Partei in Oesterreich finde, die nicht Anhängerin des Anschlutzgedankens sei. Es fei aber an Oesterreich, diese Frage aufzurollen, während es Aufgabe aller Länder sei, diese Frage zu prüfen. Die Deutschtums- pvlitik, die Deutschland gegenwärtig treibe, könne nicht ohne Gefahr weiter geführt werden. Zur Verhaftung des dcntsche« Arztes Dr. Sketsch. Kowno, 24. Juli. lFunkspruch.) Wie aus Moskau ge- meldet wird, ist der verhaftete deutsche Arzt, Dr. Fletsch bisher noch nicht aus Charkow nach Moskau überführt worden. Dr. Fletsch hat 2)4 Jahre im Dienste der Wolga-Republik gestanden und genoß den Ruf als einer der besten Aerzt« der Republik. Dr. Fletsch soll angeblich die Tätigkeit de: deutschen Kommunisten in der Wolga-Republik kritisier! haben." Loewenstein in aller Stille beigesetzt Brüssel, 24. Juli. lFunkspruch.) Am Sonntag nachmittag wurde Alfred Loewenstein auf dem Friedhof Evere beigesetzt. Dem Sarg, der als einzigen Blumenschmuck den Kranz der Witwe trug, folgten der Sohn, einige Verwandten und einige Freunde. In dem großen, nach dem Park zu gelegenen Erkerzimmer der Villa Petersen lag Helbing in dem breiten, mit Atlas bespannten Messingbette. Die grüne Seite der Steppdecke ließ sein Gesicht noch fahler erscheinen. Wie ein Toter lag er in den Kissen. Die Fenster waren weit geöffnet, flimmernde, tanzende Sonnenringel stahlen sich durch das Geäste der uralten Bäume und zitterten über die goldumrahmten Oelgemälde an den Wänden und den dicken Perserteppich, der den ganzen Boden bedeckte. Behrens, die Hände zitternd, die Augen feucht von Tränen, war mit dem Kommerzienrat dem Doktor beim Entkleiden Helbings behilflich gewesen und ging nun lautlos hin und wieder, Karsten Handreichungen zu tun. Pfarrer Schmitt war gekommen und hatte den Doktor gebeten bleiben zu dürfen, bis Helbing zum Bewußtsein gekommen sei, aber Karsten schüttelte den Kopf. „Vorläufig ist gar nicht daran zu denken, Herr Pfarrer! Ich bin ohne jede Hoffnung. Sollte er aber erwachen, dann werde ich Sie sofort rufen lassen, denn wenn er auch zum Bewußtsein kommt, so dauert dieser Zustand jedenfalls nur kurze Zeit, jede Minute wird kostbar sein!" Dann schlichen die Stunden. Wie Ewigkeiten dünkten sie Lona, die in einem Stuhl zusammengekauert neben ihrem Vater an einem Erkerfenster des Krankenzimmers saß. Karsten, den Kopf in beide Hände gestützt, starrte unverwandt auf den Freund. Ein glühender Ball, blutrot und scharf in der Rundung abgegrenzt, sank die Sonne hinter dem Park. Ein verschwommenes Dämmer stahl sich in den Raum und ließ die Ecken dunkeln. Lona war es, als griffen ein Dutzend Hände nach ihr und würgten sie und aus dem Raunen der alten Bäume wuchsen Stimmen auf, der Mann dort trägt den Tod auf der Stirne und das ist dein Werk. — Mörderin! — Als Behrens eintrat, schrak sie auf. Er hatte im Zimmer nebenan gedeckt. Karsten lehnte ab. Petersen aß einige Bissen. Er hatte seit dem Morgen nichts mehr zu sich genommen. Lona brachte nichts über die Lippen. Dann faßen sie wieder schweigend. Durch die offene Türe des Krankenzimmers glitt der rote Schein der Ampel, mit allen Sinnen gespannt, horchten sie beide auf jeden Ton. der heraus drang. Gegen elf Uhr kam von dort die Stimme Karstens, so voll Liebe und Zärtlichkeit, wie Lona ne noch nie gehört hatte. Der kroatisch-serbische Ausgleich gescheiten Belgrad, 24. Juli. lFunkpruch.) General Hadchitch hat am Montag mittag dem König erklärt, daß er eine Mision zur Bildung einer neutralen Regierung zurückgebe. Damit ist der Versuch eines Ausgleichskabinetts zwischen Serben und Kroaten als gescheitert anzusehen. Man will nunmehr versuchen, auf der Grundlage der alten Regierungskoalition eine Arbeitsregierung zu bilden, die mit der alten Skupt- schina weiterregieren soll. Ter König hat am Montag nachmittag die Parteiführer nacheinander in Audienz empfangen. Als Kandidat für die Ministerpräsidentschaft wird der Führer der slowenischen katholischen Volkspartei, Dr. Koro- scheh, genannt. - Zapan entsendet eine Protestnote an Wna Tokio, 24. Juli. Das japanische Außenministerium hat der Nankingregieruug eine Note überreichen lassen, in der vie japanische Regierung energisch gegen die Kündigung des japanisch-chinesischen Handelsvertrages protestiert. Wenn die Nankingregierung ihre Kündigung nicht zurückziehe, werde die japanische Regierung Mittel zum Schutze ihrer Interessen in China finden. Niederlage der chinesischen Südtrnppen Tokio. 24. Juli. Wie aus Mukden gemeldet wird, hat der nordchinesische General Tschangsuntschang die Südarmee nach zweitägigem Kampfe in der Nähe des Konsnlarviectel» von Tschifu geschlagen. Der amerikanische Matrose Smith, der die Verbinönng »wischen dem Konsulat und seinem vor Tschifu liegenden Lchisf unterhielt, wurde getötet. Die Südtruppen haben sich aus Tschifu in der Richtung Peking zurückgezogen. Blutige Kämpfe in Schaninng Berlin, 24. Juli. Wie der „Lokalanzeiger" aus Tsingtau meldet, kam es am Sonntag zwischen chinesischen und japanischen Truppen in Schantung zu schweren blutigen Zusammenstößen Die Chinese«; sollen an Tofey allein 660 Mann zu verzeichnen haben. 500 Kommunisten erschossen Peking, 24. Juli. lFunkspruch.) Wie aus Nanking gemeldet wird, sind wegen der Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Regierungstruppen im Wuntschang-Bezirk 600 Kommunisten erschossen worden. Unter der Erschossenen befindet sich auch Tschenkaitai, das Mitglied der chinesischen Sektion der Komintern und Mitarbeiter Borodins. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wird immer noch täglich von einigen Tausend Fremden besucht, unter denen sich zahlreiche Ausländer befinden, die absichtlich für ihre Sommerreise den Weg über Friedrichshafen gewählt haben. Vor allem an Sonntagen ist Friedrichshafen von Fremden überfüllt. Wer damit gerechnet hätte, das neue Luftschiff noch im Juli aufstetgen zu sehen erlebt allerdings eine Enttäuschung. Die ersten Werkstätten- , führten, die für die letzten Julitage vorgesehen waren, wer- den frühestens Ende der ersten Auguftwoche stattfinden, mal eine neuerliche Verzögerung um mindestens 10 Tage be deutet. Das für den neuen Gasbetriebsstoff erstellte Gas werk war auf den zuletzt vorgesehenen Zeitpunkt wieder nicht fertig geworden und man befindet sich im Gaswer: auch jetzt noch im Stadium der Versuche. Die Motore bleiben noch bet den Maybachwerken, wo auf den Bremsständeri noch einmal Prüfungen vorgenommen werden können. Erfl wenn festgestellt, bis wann die nötige Menge Betriebsstoff verfügbar ist. wird sich der genaue Zeitpunkt für die erst« Fahrt festlegen lassen. Für die ersten Flüge rechnet mar mit einem Besuch wie an den Tagen der allerersten Zeppe- linfahrten. Fremdenschutz im Schwarzwald Baden-Baden, 28. Juli. Seit geraumer Zeit sind im Schwarzwald besondere Schutzmaßnahmen getroffen, die den Spaziergängern und Touristen gestatten, ohne Angst und Sorge die Schönheiten des Schwarzwaldes zu genießen. — Von Baden-Baden aus wird z. B. der mittlere Schwarzwald „Hans! Mein Älter! Kennst du mich?" Dann Helbings Stimme, matt, gebrochen. „Rolf! — Was ist denn mit mir? Ist es denn Nacht?" . „Ja, mein Lieber, du hast geschlafen!" „Ich hatte einen fürchterlichen Traum und habe rasende Kopfschmerzen!" „Du bist krank, Hans! — Sprich nicht mehr! — Heule nicht! — Morgen, mein Alter!" „Sage mir doch wenigstens, wo ich bin." „Bei mir, Hans!" „Dann ist es gut! — Ich wüßte nicht, wohin ich sonst sollte!" Ueber Lonas Gesicht rann Träne um Träne. „Ich wüßte nicht, wohin ich sonst sollte!" Alles hatte sie ihm genommen. Ihr war, als müsse ihr Herz verbluten, so schnitt jedes seiner Worte in ihre Seele. Drinnen herrschte wieder tiefes Schweigen, Helbing lag mit geschlossenen Augen, Karsten hielt seine Rechte umfaßt. Der Kranke wendete das Haupt um ein Weniges zur Seite, aber es schien ihm unsägliche Schmerzen zu verursachen. „Möchtest du gerne eine andere Lage haben? fragte der Doktor liebevoll. „Nein, Rolf! — In meinem Inneren ist alles entzwei! — Wenn du mir den Herrn Pfarrer rufen mochtest oder auch Kooperator Ellermann. — Wenn du aber glaubst, daß es einem von ihnen schadet, jetzt zur Nachtzeit, dann will ich warten bis morgen früh — wenn ich noch fo lange Zeit habe," fügte er müde bei. „Pfarrer Schmitt kommt zu leder Stunde, wenn du es wünschest, mein Alter!" _ Mittel" Noch ehe Karsten heraustrat, um Petersen zu bitten, nach dem Pfarrhof zu schicken, war Lona bereits hinausgeeilt. Wie sie war, ohne Tuch, ohne Mantel, rannte sie durch den Park, über die Wiesen, über den Steg. Schrill, überlaut schlug die Glocke im Pfarrhause an. Im Studierzimmer war noch Licht. Schmitt mochte wohl geahnt haben, daß er noch gerufen würde. Eilig knirschte der Schlüssel im Schloß der Haustüre. In banger Angst, mit aufeinanderschlagenden Zähnen stieß sie atemlos hervor. „Herr Pfarrer, er ist bei Bewußtsein und bittet um Ihr Kommens" Nr. 171. Jahrgang 1928. Der Landvste * Einsheimer Zeitung. Dienstag, den 24. Juli 1928. überwacht. An den Razzien beteiligen sich jeweils 8—10 Polizeibeamte. Der Kraftwagen führt sie Hinaus. An irgendeinem Punkte wird Halt gemacht. Die Leute schwärmen in kleinen Gruppen auseinander und durchstreifen ein bestimmtes Gebiet systematisch. An einer vorher bestimmten Stelle sammeln sich die Beteiligten wieder, um weiterzufahren und von einem neuen Punkt aus abermals Streifen zu unternehmen. In wenigen Stunden kann aus diese Weise ein großes Gebiet eingehend nach verdächtigen Elementen durchfahndet werden. In der Hauptsache werden auch die Wald- und Spazierwege begangen. Bet der letzten derartigen Razzia wurde u. a. das Waldgebiet bis zur Badener Höhe durchforscht, dabei wurden sämtliche Hütten besucht. Das Ergebnis der Razzia war befriedigend. Es wurde nichts verdächtiges festgestellt, die Hütten waren alle leer, lediglich einige kleine Trupps fröhlicher Wanderer wurden angetroffen, die ausgezogen waren, um in den herrlichen Wäldern Siesta zu machen. Auch zwei berittene Schupo beteiligen sich neuerdings an den Streifen. Welche« Äuge« hat der Landwirt von dem Be^fnchsring? Von Diplom-Landwirt und Versuchsringassistent G. Kal l. Gerade heute in der Zeit der großen Geldknappheit sollte jeder Landwirt an Aufwendungen iu der Wirtschaft sparen wo es nur möglich ist und es sollte sich jeder die Frage vorlegen, ob nicht der Versuchsring eine jener Organisationen ist, welche ihm kostenlos den Weg zum Sparen zeigt. Ja gerade von staatlicher Seite sowie vom Kreis aus werden ihm Mittel in die Hand gegeben, von denen dt-.' meisten glauben, keinen Gebrauch machen zu müssen. Die meisten Versuchsringe innerhalb des Deutschen Reiches haben ihre Mitglieder mit zur Bestreitung der Kosten herangezogen und die Ringmitglieder zahlen gerne ihren Beitrag in Anbetracht und Erkenntnis der Wichtigkeit für ihren Betrieb. Jene Landwirte wissen genau, daß wenn sie dem Versuchsring angeschloffen find, so macht sich der Beitrag bezahlt nur durch sachgemäßere Feldarbeit, Düngung und Fütterung. Der Erfolg eines Verfuchsrtnges hängt eben zum größten Teil von dem wahrhaften Interesse und Verständnis der ihm angeschlossenen Landwirte ab. Bei intensiver und gutdurchdachter Tätigkeit sind folgende Vorteile für den Landwirt sehr wichtig. Wenn es dem Landwirt gelingt, die bisher angebauten Sorte» einer Kulturpflanze durch andere ertragreichere zu erietzen, so kann er hierdurch ohne jede Mehrausgabe an Geld eine nicht unerhebliche Mehreinnahme erzielen. Jede Kultursorte hat aber ihre speziellen Ansprüche an Klima, Boden und Nährstoffverhältnisse, deshalb ist nicht gesagt, daß eine Sorte, die an manchen Orten sehr gut abgeschnitten hat, überall nun Höchsterträge gibt. Die Sortenwahl im landwirtschaftlichen Betrieb'kann sich aber nur auf ganz genaue Sortenversuche mehrerer Jahre stützen, da nur solche ein wahres Bild von der Leistungsfähigkeit einer Sorte abgeben können. Auch der Ankauf von Kunstdünger macht in den meisten Betrieben einen großen Teil der Unkosten aus. Die Kunstdüngeranwendung bedeutet deshalb für jeden landwirtschaftlichen Betrieb ein Risiko, und der Erfolg dieser Maßnahme ist meistens bestimmend für den Reinertrag der Wirtschaft. Der dauernde Streit über die Unrentabilität oder Rentabilität der KunsLüngung zeigt» wie groß die Unsicherheit in landwirtschaftlichen Kreisen heute noch ist. Hier hilft uns nur der Feldversuch und der zeigt, daß eine sachgemäße Kunstdüngergabe rentablere Mehrerträge ohne Zweifel bringen kann. Es muß allerdings der Bersuchs- ring sich den genauen Einblick verschaffen in den Nährstoffvorrat der einzelnen Felder, da sehr große Unterschiede bestehen im Nährstoffgehalt der einzelnen Ackerstücke. Eine schematische Düngeranwendung nach Gefühl und allgemeinen Regeln oder gar durch Befragen bei seinem Nachbarn bedeutet für den Landwirt stets ein großes Risiko mit nicht unerheblichen Geldverlusten. Bei der Bersuchsringarbeit werden daher immer diejenigen Maßnahmen zuerst geprüft, bei denen am meisten Geld zugesetzt wird, wenn sie falsch gemacht werden. Genau so wichtig wie auf dem Ackerland nö auch die Düngungsversuchc auf den Wiesen und Weiten, wobei natürlich neben der absoluten Düngerwirkung »uch noch die Wirkung auf die Zusammensetzung des Grasbestandes mit berücksichtigt werden mutz. Auch die Aussaatstärke- und und Reihenweiteversuche innerhalb der Versuchsringe geben den Landwirten gute Ausschlüße und zeigen mit großer Deutlichkeit, wo noch im Betriebe gespart werden kann. Was die Bodenbearbeitungsversuche anbetrifft, so müsien hier gerade die neuen Methoden, wie Tiefkultur durch Untergrundlockerung oder Tieflockerung während des Wachstums auch das Wiesenritzen geprüft werden. Es muß hier hervorgehoben werden, da i alle diese Maßnahmen von den jeweiligen Klima- und Bodenverhältnisien weitgehendst abhängig sind. Für den Erfolg solcher Kulturmaßnahmen ist nicht allein die Tatsache maßgebend, daß sie überhaupt durchgeführt werden können, sondern auch die Güte der Durchführung ist mitbestimmenö. Die Schädlingsbekämp- fungsversuche zeigen den Landwirten, wie man durch recht, zeitige Anwendung von Bekämpfungsmitteln seine Kulturpflanzen vor Ertragsverminderungen bewahrt. Auch aus dem Gebiete der Tierzucht bietet die Blehsütte- rung ein durchaus erfolgversprechendes Arbeitsgebiet für die Versuchsringe, und im kommenden Winter werden m einigen Gemeinden Fütterungsoersuche durchgesührr. Leider weiß beinabe jeder Landwirt nur noch viel zu wenta von Eiweiß oder Stärkewert und es wären Kurse für alter< Landwirte im Winter über Düngungs- und Futterungs- kragen nur sehr zu empfehlen. Aus Rah und Sern. . ^ Sinsheim, 23. (Poftbetrjebserwesierung.) Bon jetzt ad wird der Paketschalter zur Auflieferung einzelner gewöhnlicher Pakete auch von 18 bis 19 Uhr (6-7 Uhr N.) offen gehalten. ** 45. Juli findet eine zweit« Paketzustellung nachmittags statt * Sinsheim, 24. Juli. (Einlösung von Rentenbankschejneni) "gerufenen Rentenbankscheinen über 1, 2 usnd 5 Mark ohne Kopsottd vom l. November 1923 werden vom I. Oktober ds. 3s. " , "ur noch von der Deutschen Rentenbank in Berlin W 8 «in- ?i''f ba ^' n kann der Umtausch noch wie bisher bei allen Relchsbankanstaltrn erfolgen. Nicht aufgerufen und weiter im Berkehr verbleiben di« Zweitausgaden der Rentenbailbschein« über 10, 5 mb 50 RM. mit Kopfbild, sowie die Abschnitte zu 100, 500 und 1000 RM. der Erstausgaben ohne Kopfbild. * „ Sinsheim, 24. Juli. (Hausfrauenschule.) Bom Arbeits- omtsduro wird uns geschrieben: Neue Ausbildungsmöglichkeiten fcJm Volksschule entlassene Mädchen. Die Stadt Mann- ? Ade April eine ftäbt. Hausfrauenschule errichtet mit ^ientlassene Mädchen aus der Volksschule in einem zwetiahrigen Lehrgang oie fachliche Ausbildung für Hauswirtschaft und Hausfrauenberuf zu vermittele. Sie stellt einen für Mannheim und Umgebung völlig neuen Schultyp dar. Die Haus- frauenfchültzrinnen sollen in den Stand gesetzt werden, späterhin hausmütterliche Pflichten und staatsbürgerliche Frauenaufgabcn Wirtschaft zu bekleiden und nach dem 16. Lebensjahr in Fachin befriedigender Weise zu erfüllen, gehobene Stellen in Hausschulen für Frauenberufe, wie Fröbelseminare, Soziale Frauenschulen usw. überzutreten. Nähere Auskunft hierüber erteilt das Arbeitsamt, weibliche Abteilung, Zimmer N.. 7. cf Reihen, 23. Juli. (Bürgermeisterwahl.) Beim zweiten Wahlgang wurde Wilhelm Rupp Foh. S. zum Bürgermeister der Gemeinde Reihen gewählt. □ Ehrstiidt, 23. Juli. (Verschiedenes.) Vergangenen Sonntag veranstaltete der Gesangverein Konkordia (Eintracht) ein Gartenfest. Nach dem es zunächst einen einträchtigen und friedlichen Verkauf genommen hatte, artete es unter dem Einfluß des Alkohols in eine wüste Schlägerei aus, bei der ein Treschklinger so verletzt wurde, daß der Arzt gerufen werden mußte. — Ein 19 jähriger Bursche von hier wurde wegen eines schweren Ssit- lichkeitsverbrechens an einem 6 jährigen Schulkind vom Neuhaus ins Gefällgnis nach Mosbach cingeliefrrt. Auch bei diesem trau- rigen Fall soll der Alkohol mitgespielt haben. . % Kirchardt, 23. Zull. (Fußballklub.) Das seitens des hiesigen FußbaNvereins am letzten Sonntag veranstaltete Sport- werbefest lockte sehr viele Sportfreunde der näheren und weiteren Umgebung an und nahm einen wohlgelungenen Verlauf. % Bad Rappenau, 23. 3uli. (Verschiedenes.) Einen großen Tag hatte gestern der hiesige Verein für Bewegungsspiele. Hatte sich doch auf seinem herrlich am Waldrand« gelegenen Platze eine überaus große Zahl Sportfreunde vereinigt, um das Werbe-Spiel zwischen Germania Friedrichsfeld und dem B. f. B. Heilbronn zu folgen. Es war ein harter Kampf für die Spieler, um so interessanter aber war das Spiel für die Zuschauer, da sich zwei gleichwertige, hartnäckige Gegner gegenüberstanden. Erst nach 2- maliger Spielverlängerung fiel die Entscheidung und das Spiel endete mit dem bescheidenen Resultat 1 :2 zugunsten Heilbronns, In den beiden Vorspielen Sportklub Siegelsbach 2 — V. f. B. Rappenau 2 blieb das Spiel mit 1:1 unentschieden. Das Spiel 1. Mannschaft des Polizeisport-Vereins Heilbronn — 1. Mannschaft des B. f. B. Rappenau endet« mit 5 :2 sür Heilbronw. Magen diese Werbespiele dazu beigetragen haben, dem Verein neue Mitglieder zuzuführen. — Bei dem am gestrigen Sonntag in tzeinsheim stattgefundenen Sommerfest des Turn- und Kraft- Sportvereins Heinsheim beteiligten sich, auch einige Turner vom Turnverein Rappenau beim Geräteweftkampf und konnten folgende Preise erzielen: Will). Gollerthan den l., Wilh. Schmidt den 3., Emil Brötel den 4. und Karl Kirrstetter den 5. Preis. Den wackeren Turnern zu ihrem schönen Erfolge ein kräftiges „Gut Heil". — Der hiesige Musikverein beteiligte sich am gestrigen Sonntag an dem 25 jährigen Stiftungsfest des Musikvereins Neckarbischofsheim. % Neckarbischofsheim, 23. Fuli. (Mustkfest.) Das war ein Klingen, das Musikfest, das anläßlich des 25 jährigen Bestehens des Musikvereins am gestrigen Sonntag hier, stattfand. Bon den Straßen hallte es und die Wälder und Täler gaben sie wieder die mächtigen Akkorde der erschienenen Musikvereinie. Bier auswärtige Musikoereine nämlich: Hüffenharot, Rappenau, Unterschwarzach und Waibstadt hatten sich eingefunven, dazu gesellten sich alle Neckarbischossheimer Vereine, sodatz ein« statt- liehe Anzahl Festteilnehmer, die zu einer Gartenwirtschaft eingerichtete Allee bevölkerte. In seiner Begrüßungsansprache gab auch der Borstand des Musikvereins, Herr Gemeinderat Rup- pert. seiner Freude über den guten Besuch Ausdruck. In einem kurzen Rückblick nannte er die Personen, die sich um den Verein verdient gemacht. Die Festrede hielt Herr Hauptlehrer Schmidt. Herr Bürgermeister Ahlheim überbwchet hierauf die Glückwünsche der Gemeinde. Manch treffliche Probe des musikalischen Könnens des Musikvereins unter der bewährten Leitung von Herrn Hauptlehrer Laible folgte nun, und auch den auswärtigen Vereinen war Gelegenheit geboten, sich hören zu lassen. Am Abend vereinigte sich die Einwohnerschaft zu einer gemütlichen Feierstunde in der Allee. Ein blendendes Feuerwerk bildete den Abschluß des Festes. * Gemmingr», 23. Juli. (Gerste in Flammen.) In dem benachbarten Streichenberg standen gestern Mittag auf einem Acker ca. 30 Garben Gerste in Flammen. Durch kräftiges Eingreifen konnte ; ein größerer Brand verhütet werden. Es ist wirklich von Glück zu sagen, daß der Acker gemäht war, sonst wäre ein FIMeuer enfftanden, welches «normen Schaden angerichtet hätte, besonders jetzt bei der Trockenheit. Die Stebbacher Feuerwehr war bereits alarmiert, brauchte aber weiters nicht mehr einzugreifen. Spielende Kinder sollen den Brand verursacht haben, was aber bis jetzt noch nicht festgestellt werden konnte, deshalb können die Eltern ihre Kinder nicht genug warnen. x Neckarsteinach, 23. Juli. (Der Bahnbau Neckarsteinach —Schönau.) Der Bau der Bahn nach Schönau schreitet rüstig vorwärts. Der Unterbau jft größtenteils vollendet, und mit dem Legen der Geleise ist von der hiesigen Station aus schon ein Stück ins Tal fortgeschritten. Auf dem Bahnhof Neckarsteinach ist man jetzt an der Errichtung eines neuen Bahnsteigs, dem sofort auch der Bau einer Unterführung folgt, da die später vorhandenen drei Bahnsteige dies unbedingt nötig machen. Im Steinachjal ist die neue Bahnlinie, die unter badischer Oberleitung gebaut wird, im wesentlichen dem alten Bahnkörper gefolgt, den man schon einmal unter privater Förderung kurz nach dem Krieg als Notstandsarbeit begonnen, dann aber doch wieder eingestellt hatte. Der Bahndamm wird größtenteils benutzt. In Schönau ist das Empfangsgebäude längst im Rohbau fertig. Cs enthält außer Warteräumen, Dienstzimmer usw. aych Wohnungen sowie die Frachtguthalle und liegt nahe an den letzten Häusern des unteren Ortsteiles von Schönau. Eine Wirtschaft ist nicht vorgesehen. Man kann wohl ännehmen, daß die Bahn im Oktober dieses Jahres in Betrieb genommen werden wird. x Schwetzingen, 23. Fuli. Das angefahrene Straßenwart- häuschen.) Eine tolle Autoszene, die einem amerikanischen Groteskfilm entnommen sein könNje, spielte sich auf der Straße zwischen Schwetzingen und Hockenheim ab. Ein Ludwigshafener Auto kam von Hockenheim her gefahren und steuerte unterhalb der Abzweigung des Weges nach Talhaus auf die linke Straßenseite. Das Auto kam immer mehr nach links und fuhr schließlich nur noch zur Hälfte auf der Straße, während die andere Wagenhälfte über die angrenzend« Rasenfläche holperte. Die Fahrt ging durch zwei Wassergräben, über einen großen Sandhaufen und schließlich direkt in die Straßenwarthütte. Die Holzbaracke wurde umgerissen wie ein Kartenhaus, aber auch dem Auto ist die Expedition nicht wohl bekommen. Der Wagen wurde schwer beschädigt und mutzte abgeschleppt werden. Dem Chauffeur des Autos ist nichts passiert,- sein Begleiter, ein Monteur, mußte im Schwetzinger Krankenhaus verbunden werden, konnte jedoch am Abend die Heimfahrt antreten. x Weinheim, 23. Juli. (Betrug mit altem Silbergeld.) Landwirte aus dem Odenwald, die zum hiesigen Schweinemarkt Vieh zum Verkauf stellten, mußten wiederholt die Wahrnehmung machen, daß ihnen altes Silbergeld, das nicht mehr im Kurs ist. mit in Zahlung gegeben worden war. So z. B. halte ein Biehverkäufer unlängst vier alte Talerstücke vereinnahmt, die ihm mit 12 Mark angerechnet waren, obwohl sie längst nicht mehr diesen Wert haben. Die Gendarmerie ertappte nun auf dem gestrigen Biehmarkt einen Händler aus Neulußheim bei der Verausgabung alten Silbergeloes. Er und feine Gehilfin, eine Frau aus Käfertal, bei der gleichfalls altes Silbergeld vorge- funden wurde, wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt. Es ist Betrugsanzeige erstattet worden!, * Bon btt südlichen Bergstraße, 23. Juli. (Die Ernte.) Die Sonnentage ließen in diesem Jahr die Getreideernte rasch vorwärtse schreiten. Ueberall in der Ebene rauscht die Sense und die Sichek. Gerste ist schon zum guten Teil unter Dach und Fach, und auch der Roggen wird schon gebunden. Spelz und Weizen können ebenfalls geschnitten werden, so daß der Landmann zur Zeit alle Hände voll zu tun hat. Was bis jetzt an Gerste gedroschen ist, war schön und voll im Kern. Man darf erwarten, daß das bei den übrigen Halmfrüchten auch der Fall ist. Der Ktand oon Halm und Aehre gibt zu der Hoffnung Berechtigung, daß wir in diesem Fahre mit einer Bollernte rechnen dürfen. Nach oenr großen Ausfall an Früh- und Steinobst ist das ein Trost für die Landwirtschaft. Die Hackfrüchte stehen im allgemeinen gut, obwohl sich die Trockenheit schon empfindlich bemerkbar macht. Der Gewitterregen im Laufe der Woche hat etwas geholfen, aber doch nicht die nötige Feuchtigkeit gebracht. Besonders die Kartoffeln und Hopsen brauchen Nässe. Mit Frühkartoffeln, die sich noch in der feuchten Zeit bilden konnten, ist es besser bestellt. Dis- Reben haben sich trotz der Maifröste wieder entwickelt und tragen »reichen Samenkehang. Bei einigermaßen Zünftiger Witterung ist ein reicher Herbst zu erwarten, der den Weingärtner sür die schlechten Ernten der letzten Jahre entschädigen dürste. * Walldürn, 23. Juli. (Eine Kriegsopfer-Kundgebung des Hinterlandes soll hier am 28., 29. und 30. d. Mts. anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Organisation Reichsbund K. K. u. K. stattfinden. Damit verbunoen ist die Bannerweihe der Ortsgruppe Walldürn. Hunderte oon Kriegsopfern vom Main bi? zum Neckar haben sich bereits angemeldet. Am Samstag, den 28. wird das Rathaus beleuchtet werden. Am Sonntag, den 29. findet vormittags eine Kundgebung der Kriegsopfer und anschließend hieran eine Trauerkunogebung auf dem Friedhof stylt. Turnverein sowie die beiden Gesangvereine werden an den verschiedenen Veranstaltungen Mitwirken. ** Mannheim, 24. Juli. «Auf dem Soziussitz getötet..» Auf der Straße zwischen Wachenheini und Bad Dürkheim fuhr der 25jährige Maler Alfred Roos aus Neustadt an der Haardt mit dem Motorrad, auf dessen Sozius sich die 20jäh- rige Gertrud Bär aus Mannheim befand, auf einen Haufen Stratzenschvttersteine auf. Beide Fahrer wurden herunter- geschleudcrt. Während Roos nur leichte Verletzungen erlitt, waren die der Svziusfahrerin tödlich. ** Mannheim, 24. Juli. (Die Diebin Im Opelzweisitzer). In der letzten Zeit wurden zahlreiche Diebstähle in den Damenkabinen des Familienbadcs verübt. Jetzt gelang es, die Diebin zu verhaften. Sie fuhr als Besitzerin eines Opel-Zweisitzers täglich am Bad mit dem Wagen vor. ** Mannheim, 24. Juli.. (Im Gefängnis erhängt). — Sonntagnacht hat sich ein ISjährtger Provisionsreisenöer aus Nieder-Liebersbach, welcher sich wegen Diebstahls im Bezirksgefängnis befand, erhängt. ** Mannheim. 24. Juli. (An einem Insektenstich gestorben). Der Direktor der Getreidefirma Wetngart u. Kaufmann, Stefan Kaufmann ist in St. Wolfgang, wo er zur Erholung weilte, im 41. Lebensjahre gestorben. Er war in der letzten Woche von einem Insekt gestochen worden,' die Wunde schien anfänglich unerheblich, Blutvergiftung trat hinzu und hat seinen jähen Tod herbeigeführt. ** Lndwigshafe« a. Rh., 24. Juli. (Vom Zug erfaßt und getötet). Am Samstag wurde auf einem Stratzenüber- gang am Bahnhof Ramstein die 85j8hrtge Mitwe Elisabeth Stemmler aus Ramstein von dem fahrenden Personenzug 1278 erfaßt und getötet. Sie war unter der geschloffenen Schranke öurchgeschlüpst und wollte noch vor dem Zuge den Uebergang überschreiten. ** Heidelberg, 24. Juli. (Mit dem Motorrad tödlich verunglückt). Der 28jährige Buchdrucker Adam Fontius von hier wurde auf der Fahrt von Heidelberg nach Ravensburg von einem Postkraftwagen überfahren und so schwer verletzt, baß er alsbald starb. Der Verunglückte hatte erst vor acht Tagen geheiratet und wollte, während seine Frau noch hier blieb, mit dem Motorrad an seine Arbeitsstätte zurückkehren. ** Söllingen, bei Hurlach, 24. Juli. (Auf die Tenne totgestürzt.) Beim Reinigen der Scheune sür die kommend« Ernte fiel der Maurerpolier Benjamin Dörfler durch das Garbenloch des Zwischenbodens auf die Tenne. Die später znrückkehrende Frau des Genannten fand ihren Mann mit zerschmetterter Hirnschale tot auf. ** Pforzheim, 24. Juli. (Ein unangenehmes Wieder, sehen.) Am Samstag abend versammelten sich die roten Frontkämpfer auf dem Theaterpiatz zu einer Proetestkund. gebung. Als dabei einer ihrer früheren Mitglieder mib seiner Frau vorüberging, überfielen drei derselben dieses Ehepaar und mißhandelten es derart, daß es in die Sanitätswache verbracht werden mußte. ** Rheinbischofsheim, 24. Juli. (Der älteste Leibdragoner 90 Jahre alt). Vorgestern beging Karl Grampp, der älteste Einwohner des Städtchens, seinen 90. Geburtstag, Er ist der älteste badische Leibdragoner, denn er diente von L859 bis 1862 bei der 2. Eskadro des 1. Badischen Leibörago- neregiments 20 in Karlsruhe. Kurz vor seinem 90. Geburtstag traf ihn die Todesnachricht seines 34jährigen Soh- nss Ludwig, der in Hugsweiler bei Lahr mit dem Starkstrom in Berührung kam, als er mit Arbeitskollegen eine Dreschmaschine einrichten wollte. ** Urkoffe« (bei Offenburg), 24. Juli. Noch ein tödlicher Vergiftungsfall.) Vorgestern ist der Feldhüter Andreas Langenecker unter ähnlichen Vergistungserscheinungen gestorben wie die kürzlich verstorbene Frau Laug. Es liegen noch etwa 19—12 Personen im Dorfe krank, die alle dieselben Vergiftungserscheinungen (Durchfall mit Brechen) haben. ** Schutterwald (bei Offenbnrg), 24. Juli. (Unvorsichtiger Radfahrer.) Als der 18jährige Otto Junker über einen schmalen Steg mit seinem Rabe fahren wollte, fiel er in den Graben und brach dabei den Arm. ** Hohnhnrst (bei Offenburg), 24. Juli. (Nach der Hochzeitsfeier in den Tod.) Am Sonntag morgen hat der 58- jährige Ochsenwirt Georg Beinert seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht. Am Tage zuvor hatte seine Tochter Hochzeit. ** Billiugen, 24. Juli. (Ein schwerer Fall von Widersetzlichkeit) gegen die Polizei ereignete sich hier in der Nacht zum Sonntag. Um halb 3 Uhr früh kam eine Frau zur Polizeiwache mit der Bitte, sie gegen ihren Mann zu schützen, der nach reichlichem Alkoholgenuß seine Frau bedrohte. Als zwei Polizeibeamte die Treppe zur Wohnung des Wütenden emporstiegen,. empfing sie dieser mit einem Prügel. Er traf beide Beamte und zwar einen derart auf der Kopf, daß der Schutzmann bewußtlos die Treppe hinabstürzte und schwere innere Verletzungen erlitt. * Rr. 171. Jahrgang 1928. Der Landbote * Sinsheim« Seitru«. Dienstag, den 24. Juli 1928. ** Sander«. 24. Juli. (Erhängt). Der in den 70er Nähren stehende Landwirt Matthias Eichin von Malsburg pmrfie gestern Montag früh in seinem Hofe erhängt aufge- funben. Man vermutet, daß der alte Mann sich den Weggang seines Sohnes so zu Herzen genommen hat. daß er seinem Leben ein Ende machte. ** Lörrach, 24. Juli. Zu der Verhaftung des 28 Jahre alten Arbeiters Adolf Maier und der 20 Jahre alten Italienerin Adele Taroni, die unter dem Verdacht ihr ein Jahr altes Kind ermordet zu haben, festgenommen wurden, erfahren wir noch, daß Maier nunmehr nach mehrtägigem Leugnen ein Geständnis abgelegt hat. Er habe das Kind im Februar von der Pflegemutter weggeholt und will es dann mit einem Kissen erwürgt haben. Die Leiche hätte er zwischen einer Mauer in Lörrach-Stetten unter Backsteinen versteckt, wo sie von der Behördd auch aufgefunden wurde. Der Körper des Kindes war schon stark in Verwesung übergegangen. Die Leiche wurde nach Freiburg zu ddr gerichtlichen Untersuchungsstelle gebracht, um sestzustellen, ob das Kind nicht vergiftet wurde. Maier sagte aus. daß die Mutter des Kindes von der Ermordung auch gewußt habe. Die Mutter hat bis zur Stunde noch kein Geständnis abgelegt. ** Meßkirch, 24. Juli. Zur 2. Ringtagfahrt des bäuerlichen Versuchsringes Pfullendorf hatten sich rund 150 Teilnehmer eingefnnden, unter denen man die Vertreter der Behörden und Gemeinden, der Landwirtschaftskammer, der verschiedenen Organisationen und, was besonders erfreulich ist, Landwirte aller Altersstufen bemerkte. Wie die Teilnehmer zahl, so war auch das Interesse gegenüber der 1. Tagfahrt noch bedeutend gestiegen. ** Friedrichshasen, 24. Juli. (Eine neue Flugmaschine). Eine neue Flugmaschine D 178, ein grober Delphin-Typ, ist in den Dienst des Bodensee-Aero-Lloyds gestellt worden. Sie kann mit Besatzung 12 Personen aufnehmen. ** Linda«, 24. Juli. (Flugzeugunfall.) Am Samstag abend sauste ein von einem Rundflug zurückkehrendes Dor- nier-Großflugzeug des Bodenfee-Aero-Lloyd, kurz nachdem es ans dem Wasser aufgesetzt hatte, beim Ausfahren mit voller Wucht gegen die Hafenkaimauer von Lindau. Das erst kürzlich in Dienst gestellte Flugzeug ist schwer beschädigt. Von den sieben Passagieren wurde ein Ehepaar schwer verletzt, einige andere Fluggäste sind leicht verletzt. Der Klapperstorch im Enztalbad. Pforzheim, 24. Juli. Sonntag früh, etwa gegen ^6 Uhr, badete ein in anderen Umständen befindliches Mädchen im Enztal, als sie plötzlich einem Kinde des Leben schenkte. Das Mädchen wurde in das Eutinger Spital gebracht. Mutter und Kind befinden sich wohl. , Eine blutige Anseinandersetznng «nd ihre Folge«. Esten, 24. Juli. Im Volksgarten zu Kra.; bedrohte in der Nacht zum Montag der 22jährige Bergmann Steinacker aus Wattenheim drei junge Mädchen mit einer Pistole. Als der Friseur Siepmann den Burschen deswegen zur Rede stellte und ihm eine Tasche, die er einem jungen Mädchen weggenommen hatte, wieder abnehmen wollte, gab Steinacker auf ihn, sowie auf den 28 Jahre alten Bergmann Peter Menne aus Kray, der Siepmann Beistand leisten wollte, mehrere Schüsse ab, durch die Siepmann schwer verletzt wurde. Der Täter ergriff hierauf die Flucht. Um 6 Uhr wurde seine Leiche auf der Eisenbahnstrecke gefunden. Steinacker hatte sich vom Zuge überfahren lassen, wobei ihm der Kopf vom Rumpfe getrennt wurde. Tödlicher Unfall Gäbelmanns. Berlin, 24. Juli. Wie das „Berliner Tagblatt" aus Leipzig meldet, ist der durch seine abenteuerliche MotorraS- fahrt Berlin—Kairo bekanntgewordene Leipziger Rennfal» rer und Sportsmann Gäbelmann in der Nacht zum Montag mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Bier Feuerwehrleute bei einem Großsener verletzt. Este«, 24. Juli. I» der Möbelfabrik Rosendahl und Bachrach brach am Sonntag ein Großfeuer aus, durch das die Werkitätte und das Kesselhaus bis auf die Grundmauern zerstört wurden. Der Sachschaden ist beträchtlich, jedoch zum größter: Teil durch Versicherung gedeckt. Bei den Löscharbeiten wurden drei Feuerwehrleute leicht und einer schwer verletzt. Dreister Raubnbersall. Bochnm, 24. Juli. In der Nacht zum Montag wurde von einem unbekannten Täter ein frecher Einbruch verübt. Als die Wohnungsinhaber durch Geräusche erwachten, schlug er mit einem Hammer auf sie ein und verletzte beide schwer. Leider konnte der Uebeltäter unerkannt entkommen, ohne jedoch irgendeine Beute mitzunehmen. Auf die Ergreifung des Räubers ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt worden. Straßenschlacht im Nenyorker Negerviertel. Berlin, 24. Juli. Wie die „Voffische Zeitung" aus Neu- york meldet, kam es im Negerviertel der Stadt Neuyork zu einer Straßenschlacht zwischen der Negerbevölkerung und 150 Polizisten. Erst nach mehrstündigem Kampfe konnte die Polizei mit Hilfe der Feuerwehr die heulende Menschenmenge in die Gewalt bekommen. Die Beranlaffung zu dem Zwischenfall gab die Verhaftung eines Negers durch die Polizei, die darauf von der vütenden Menge mit Backsteinen, Knüppeln und Bügeleisen bombardiert wurde. Später umlagerte eine etwa 3000 Menschen zählende Negermenge johlend und brüllend die Polizeiwache und konnte erst mit Hilfe der Feuerspritze vertrieben werden. Ein Opfer des englische« Wettflnges. London, 24. Juli. Große Sorge herrscht hier um das Schicksal des Fliegers Warwtck, der am Kvnigspokal-Wett- flug-teilnahm und von dem seit seinem Start in Neweastle jede Nachricht fehlt. Man nimmt an, daß das Flugzeug akgestürjt ist. Flugzeuge und hunderte von Polizisten «nd Zivilisten aus Motorrädern und zu Fuß suchen nach dem vermißten Flieger. Die Leiche des vermißte« englische« Fliegers gesunde«. London, 24.- Juli. (Funkspruch.) Die Leiche des Fliegers Warwick, der an dem Wettflug um den Königspokal tcilgenomme« hatte und seit Freitag vermißt wurde, ist von einem Hirten neben seinem zertrümmerten Flugzeug in der Näbe von St Marn aufaeiunden worden ^ Die Flucht des Ehemanns. Kürzlich fand in Chicago ein Scheidungsprozeß statt, der einen eigentümlichen Abschluß hatte. Ein Mann namens Mr. Carr hatte seine Frau heimlich verlaffen und war seit Jahren spurlos verschwunden, ohne sich jemals um das Wohlergehen seiner Familie gekümmert oder auch nur irgendwelche Lebenszeichen von sich gegeben zu haben. Da alle Nachforschungen ergebnislos blieben, glaubte die Frau zuletzt an einen Unglücksfall oder ein Verbrechen und beantragte die Todeserklärung ihres verschollenen Ehemannes, um das von diesem gegründete Geschäft auf eigene Rechnung weiterführen zu können. Als die gesetzlichen Aufrufe in den Zeitungen erschienen, die einer solchen Todeserklärung vorausgehen müssen, meldete sich zum namenlosen Staunen aller Beteiligten der verschollene Ehemann sehr schnell. Er war bei bester Gesundheit und hatte sich unter angenommenem Namen und mit gefälschten Papieren wenige Straßen entfernt von seiner Ehehälfte sogar ein ähnliches Ladengeschäft betrieben, wie das vorher innegehabte. Auf Befragen weigerte er sich ganz entschieden, die Ehegemeinschaft wieder aufznnehmen. Er erklärte, daß seine Frau eine gute und tüchtige Frau sei, aber sie sei von einer derartigen Ruhelosigkeit besessen, daß es ihm unmöglich sei, mit ihr zusammenzuleben. Er habe in den Jahren ihrer Ehe nie auch nur eine Viertelstunde Ruhe vor ihr gehabt. Insbesondere habe sie ihn niemals ungestört die Zeitung lesen lassen. So oft er sich in sein Leibblatt vertieft habe, habe sie ihn mit Fragen oder Anliegen überschüttet oder sie hätte gesungen, oder sei im Zimmer herumgelaufen in dem Bestreben. ihn zu stören Da sei in ihm d:r Entschluß gereift, ihr zu entfliehen. Es habe ihm ta sehr bald leid getan, all die Jahre nichts von sich hören zu lassen, aber sobald st« von feinem Aufenthaltsort erfahren haben würde, wäre eS wieder um seine Ruhe geschehen gewesen. — Der ruhe- liebende Ehemann erklärte sich bereit, -er Gattin das Geschäft zu überlassen und ihr sogar noch ein stattliches Reu- geld auszuzahlen, um den Preis seiner Freiheit, und so wurde die Ehe zur beiderseitigen Zufriedenheit und sozusagen in aller Freundschaft geschieden. Zum Schluß machte der „Eheflüchtling" seiner vormaligen besseren Hälfte sogar noch ein wertvolles Schmuckstück zum Geschenk gegen ihr feierliches Versprechen vor Zeugen, daß sie sich auch jetzt, nachdem sie seinen Aufenthaltsort kenne, nicht weiter in sein Leben einmischen werde, und er übersandte seinen beide« Töchtern je 1000 Dollar als Beitrag für ihre Aussteuer mit der eindringlichen Warnung, später einmal in ihrer eigenen Ehe unter keinen Umständen ihre Gatten beim Frühstück und beim Zeitunaslesen ru störenl_ Marktberichte. Mannheimer Dchlachtviehmarkt. Das Geschäft am gestrigen Mannheimer Viehmarkt verlief äußerst ruhig. Die Zufuhr bis gegen 10 Uhr betrug 200 Ochsen 300 Farren, 600 Kühe. 600 Kälber. 2700 Schweine und zirka 160 Pferde. Für Ochsen nannte man Preise von 58—60, für Kühe 50—25, für Kälber 74—76. für Schweine 64—70 Mark pro 50 Kilo. Gute Qualität war sehr gesucht. Der Marktverlauf in Großvieh setzte schleppend ein und bewegte sich in ruhigen Bahnen; ebenso verlief der Markt in Kälbern und Schweinen äußerst ruhig. Karlsruher Schlachtviehmarkt vom 23. Jnli 1828. Ausfuhr: 25 Ochsen, 43 Bullen, 18 Kühe, 154 Färsen, 61 Kälber, 1242 Schweine. Preise: Ochsen: 56—59, 54—56, 58 bis 54, 51—53, 49—51, 48-40; Bullen 49-50, 48-49, 47-48, 45—47; Kühe 25—35, 15—25; Färsen 58- -59, 45—52; Kälber: 72—78, 57—72, 53—57, 50—53; Schweine: 59-63, 63 bis 65, 66—69, 69—71; norddeutsche 72—75, 63—65, 59—63, 52—59. Tennenz: Bei Großvieh und Schweinen langsam und Ueberstand, bei Kälbern langsam geräumt. .^iannheimer Produktenbörse. Auf reichlicheres Angebot vom Auslande verkehrte die Börse in ruhiger Haltung. Futtermittel lagen weiter gut behauptet. Man nannte im nichtoffiztellen Verkehr gegen 12.30 Uhr: inländ. 26,50—26,75, ausländ. 28—80,75; Roggöti ausländ. 28, Hafer inländ. 27,50-28; Braugerste ausländ. 31—35; Futtergerste 23,50—24,50; Mais mit Sack 24,75—25. Südd. Weizenmehl, Spez. Null, 35,50; südd. Roggenmehl 36—37,50; Kleie 14—14,25; Biertreber m. S. 17,75—18,50 M., alles per 100 Kilo, waggonfrei Mannheim. Neueste amtliche Kurse vom 24. Juli 1928. Huteitcn: Ablösungsschuld mit AuswsnngSschetn ' ohne AnslosungSschetn . in «Io 51,50 17,»» Bankaktie in Bad. Bant .... 166,50 SarmftSMec- und Raitonalbank 266 Deutsche Banl .... i«3,5o Deutsche B er einsbank . . 103 Dresdner Bank .... 163,75 Mitteldeutsche Kreditbank > . 198,50 Reichsbank .... 267,75 Rhein. Kreditbank . . . >27 Südd. DtSconto «es. . . . 157 Semsnttverk Heidelberg . Daimler Rotoren . Dtfch. Gotd- «n Sttberscheid«. Elektr. Licht und »rast . Kmaill.und Stanzwerk Ullrich. Srttzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . . Knorr Heilbronn . Mainkraslwerke Höchst . , Neckarsnlmer Fahrzeugwerke . Schuckert Elektr. Nürnberg . Seiltndustrte Wolfs . . . Südd. Zucker ... Zellstoff Waldhos Stamaktteu . Aktie» keutschee 13! 101 205 113 15 158 130,50 1«S Il6£0 51,60 196 66 151 Beetwetka» Aktie» in 0/0 Harpener Bergbau . . . >15,75 «all Weste regeln . . — ManneSmannröhrenwerke. i2»o/s Mansselder Bergb. u.Hütienw 108,25 Oberschl. «is-nb. B-dars . . — Phönix Bergbau n.Hütteubetrieb — Sazwerk Hetlbronn . . .193 Berleiuigte Königs- Laurahütte — Aktie» I»d»str. Unternehmung,»: in «Io Allg. Elektr. Stammaktien. . — Bad. Elektrtzttät Mannheim . — Bad. Maschinen Durlach . . wo Xra*»»»tta»k«itea: ta »/« lamOutg. Amertl. Paketsahrt 163,15 «Idelberg. Straßea-n.Bergbatzn 65 lvrddeutfcher Lloyd . , 154 Devise»: Geld «rtel Rew-Iork l Dollar 4 184 8 4,1928 London 1 Pfund Holland lio Gulden »0.31V» 20,380» 168.4» 188,78 Schweiz loo Francs 80,58 80.74 Wien 100 Schilling 59.05 69.17 Paris 100 Franc (8.38 18.41 Italien loo Lire »1,9» ILM Verhütung von Waldbründen. Die anhaltend tcockenheise Witterung begünstigt das Vorkommen von Waldbründen. 1. Es wird daher daraus hingewiesen'daß nach 64 des Forstgesetzes in Verbindung mit § 26 des efetzes über Forststrafrecht- und Verfahren das An- zündcn von Feuer im Wald oder in der Nähe desselben (in fünfzig Schritt Abstand) ohne Erlaubnis des zuständigen Forstamls bei Vermeiden von Geld- und Haststrafen verboten ist. 2. Wer durch Wegwerfen von brennenden oder glühenden Streichhölzern oder Tabakresten einen Waldbrand verursacht, machtfich der fahrlässigen Brandstiftung schuldig, (tz 309 Reichsstrafgesetzbuch: Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.) Außerdem ist der Täter schadenersatzpflichtig. 3. Schadenersatzpflichtig und straffällig werden auch diejenigen Eltern, Pflegeeltern, Vormünder und sonstige Aufsichtspersonen, welche es unterlassen, die unter ihrer Aufsicht stehenden Kinder oder Pflegebefohlenen von den obengenannten strafbaren Handlungen abzuhalten. 4. Nach der bezirkspolizeilichen Vorschrift vom 27. 4. 1887 ist bei anhaltend trockener Witterung das Tabakrauchen in den Waldungen des Amtsbezirks bei Vermeiden von Geld- oder Haststrafen untersagt. Sinsheim, den 21. Juli 1928. Badisches Bezirksamt. Gasthaus z. Ochsen Äer verehr!. Einwohnerschaft von Sinsheim zur gefl. Kenntnisnahme, daß die Eroffnun meiner neu renovierten Wirtschaft heule Abend stattfindet. Für la. Speise w Getränke ist bestens gesorgt. Es ladet freundlichst ein Familie H. Wacker. ■■■■■■■■ Große Automobil-Versteigerung Beste Gelegenheit zur Anschaffung eines Automobilst Montag, 30. Juli 1928 ab 9 Uhr vormittags, bei der Jungbusch-Garage e. m. n. h. Tel. 33055/57 Mannheim j e, 5—17 Es gelangen mit behördlicher Genehmigung zam Angebot: ca. 40 Personenwagen (2-, 4- und 6-Sitzer, offen u. geschlossen) ca. 10 Last- und Lieferwagen Günstige Zahlungsbedingungen. 40o/o Anzahlung, Rest nach Vereinbarung. Verzeichnis wird auf Wunsch kostenlos zugesandt. Ortsrichter Julius Knapp Mannheim, U 5, IO Tel. 23036 Weltruf! haben die Absetzferkel der echt, mit S'den- bürgern durchgezüchtete» westfälischen Sdel- arsse, lanagestrecki, breitbucklig und mit Schlappohren. Die besten zur Zucht und Mast. Liefere hiervon jeden Posten freibleibend. 6- 8 wöchige Mk.8-12, 10-12 wöchige MK.16—20 8-10 „ m 12-16,12-15 „ Mk 20-24 pro Stück, sowie größer« LLuserfchweine billigst nach Gewicht per Nachnahme ab hier. Es kommen nur erstklassige, kerngesunde, tierärztlich untersuchte Tiere direkt ab Züchterstall, daher frisch und widerstandsfähig zum Versand. Garantie für gesunde An- Kunst auch noch 14 Tage nach Empfang. — Das feit 1890 langjährige Bestehen unserer Firma, sowie unzählige Dankschreiben und Nachbestellungen von langjährigen Kunden beweisen die streng reelle und fachmännische Bedienung. Rimuasnsrerkelverfand. Windelsbleichei. W. Seither das größte und älteste Geschäft am Platze. der Wäsche nun JjmM» wusch-unö S>»nto« c IMeicf)fo6