•cftetet «wich M> Aulnahm« der Feierlag« Bezugs-Preis: Durch diePost bezogen und durch ko Briefträger und unsere Aul- träger frei in» tdaus Monatlich Goldmark l.KV Der Bezugspreis ist im Voraul zu entrichten. & Füllen von höherer Gewalt ebt kein Anspruch auf Liefer- m,g der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 biS 5 Uhr Sonntags geschloffen. Verusprech-Anschlutz Nr. 468 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6908 M 300. Der Condbote Sinshctmcr MM Zeitung fiss General-Anzeiger für üjenz-unö Lduvarzbadda! HelteTte und verbreiterte Leitung dieler Sagend. I)*upt-Hnj*ig*n-Blatt CCISthmtl . Settagen, ein Blich tn di« Welt . Pte BrnwwenTtobe » T**« - N.r»»v-r Samstag, den 22. Dezember 1928. A»reige«.Preise: Anzeigen: Die 33 mm totk Millimeter-Zeile 6 Gotdpn. - Reklamen: Di« 92 mm beeilt Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- u»d Textteü ist Petit. Bei Wiederholungen tariffefte» Rabatt» der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen uach Rech- uungsdatum oder bei gerichtliche» Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 U^r vormittags; größere An ze che» müssen am Tage vorher a»E gegeben werde». Bank-Konto Dereinsbank Einshel» e. G. m. b. L- 89. Jahrgang Das Attentat gegen Glaa tsanwaltlF achot. Der Täter ein SlMer? - Der Zustand des Verletzten sehr ernst. Paris, 21. Dez. Das Revolverattentat gegen den General- staatsumvalt Fachot hat bisher noch keine Aufklärung gesundes. Die Polizei glaubt aber, annehmen zu können, daß der Täter ein Elsässer sei und daß er seine Tat aus politischen Gründen unternommen habe. Fachot ist erst vor wenigen Wochen von Kalmar noch Paris an den Kassationshof versetzt worden. Er hatte sich hier in dem Dillenvorort Auteuil eine Wohnung gemietet, deren Einrichtung er auch heute morgen wieder persönlich kontrollieren wollte. Schon nach 8 Uhr klingelte, ein Unbekannter an der Wohnungstür^ der nach Fachot verlangte. Der Diener, oer allein in der Wohnung anwesend war, erklärte dem frühen Besucher, daß die Wohnung noch nicht eingerichtet sei, daß Fachot noch im Hotel wohne.' daß er aber sicher gegen 10 Uhr kommen werde, um den Fortgang der Arbeiten zu besichtigen. Um 10 Uhr kehrte der unbekannte Besucher zurück und begann «in längeres Gespräch mit der Gattin des Staatsanwalts. Fn dem Augenblick traf Fachot jelbst in der Wohnung ein. Der Fremde, der ein durchaus ruhiges, korrektes Perhalten zeigte, fragte Fachot in höflichem Tone: „Habe ich die Ehre, Herrn Staatsanwalt Fachot vor mir zu sehen". Auf die bejahende Antwort griff er in die Tasche seines Mantels, zog einen Revolver und gab ohn» jedes weitere Wort drei Schüsse auf Fachot ab. Dieser brach sofort blutend zusammen. Der Mörder steckte seine Waffe in die Tasche, schlug die Türe hinter sich zu und ging ruhig die Treppe hinab. Im Treppenflur traf er noch die Gattin eines im gleichen Hause wohnenden Arztes, die ihn fragte, ob er die Schüsse gehört habe. Jawohl, erwiderte er ruhig und höflich. Ich glaube, im zweiten oder dritten Stock hat es einen Unfall gegeben. Spmchs und verließ das Haus durchaus ruhig und ohne Aufregung. Die Hausmeisterin und die Mieterin, die eben mit dem Mörder gesprochen hatten, klingelten nun an der Tür der Wohnung Fachots. Im Korridor lag Fachot auf dem Rücken, krümmte sich vor Schmerzen und stöhnte. Man glaubt hier, daß der Täter «in Elsässer aus Kalmar war. In aller Eile wurde der Verletzte in eine nahe Klinik geschafft und sofort einer Operation unterzogen. Man stellte dabei fest, daß die Kugeln die Eingeweide an sieben verschiedenen Stellen'durchschlagen und schwere innere Verblutungen hervorgerusen hatten. Die Acrzte halten den Zustand Fachots für sehr ernst. Der Mörder, der in der allgemeinen Aufregung und dank seiner ungeheuren Kaltblütigkeit ohne Schwierigkeit entkommen konnte, war sehr gut gekleidet. Er soll einen ausgesprochen el- sässischen Dialekt gesprochen haben. Der Diener Fachots, selbst ein Elsässer, glaubt wenigstens auf das bestimmteste versichern zu können in dem Mörder einen Landsmann erkannt zu haben. Die Polizei' hat sofort sämtliche Bahnhöfe von Paris überwachen lassen; namentlich die Züge na chdem Elsaß und nach Deutschland werden scharf kontrolliert. Im übrigen fand tzje Polizei im Korridor Fachots «inen Brief, den der Mörder augenscheinlich verloren hatte, als er feine Waffe aus der Tasche zog. Der Brief enthält nur einen Satz: „Ich bitte Sie um ein Rendezvous morgen nachmittag im Hotel Moderne." Unterschrieben war er: Eine Freundin. Man vermutet, daß der Mörder mit diesem Brief sein Opfer, falls er es heute verfehlt haben würde, in einen Hinterhalt locken wollte. Autonomie für das Elsaß! Antrag des Abg. Walter in der französischen Kammer. Paris, 21 . Dez. Der elsässische Abgeordnete Walter und mehrere seiner Kollegen haben heute in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, der dem Elsaß eine selbständige regionale Verwaltung geben soll. Der Entwurf, der 16 Artikel enthält, fordert, daß die allgemeine Verwaltung in Elsaß-Lothringen dem Ministerpräsidenten direkt unterstellt wird und daß die lokalen Interessen von einem in direktem Wahlrecht zu wählenden Landrat geregelt werden sollen. Außerdem verlangen die Antragsteller, daß die wiedergewonnenen Provinzen ein selbständiges Budget aufstellen dürfen. Der Schiedsspruch im WeiiskouW Mdivest Berlin, 22 . Dezember. Reichsiunenminister Severing verkündete gestern im Arbeitskonflikt Nordwest einen 7 Druckseiten langen Schiedsspruch, in dem es n. a. heißt: »Kür die Zeit von der Wiederaufnahme der Arbeit bis znm 81 . Dezember 1928 regelt sich die Entlohnung «ach dem für verbindlich erklärten Schiedsspruch vom 27. Oktober 1928. Mit Wirkung vom IHanuar 1929 erhalte« die in reine« Zeitlvh» beschäftigte« Arbeiter im Alter von über 21 Jahre» einen Zusatz »ach Maßgabe einer besonbere» Tabelle, in der die Zulagen von 1 bis 6 Pfennig je nach dem bisherige» Zeitlvh« gemährt werde». Die Ecklöhne bleiben unverändert. Die sozialen und sonstigen tariflichen Zulage» «erden durch diese Regelung nicht berührt. Die Akkorde find so anzusetzen, daß der Durchschnittsarbeiter bei gesteigerter Leistung unter normalen Betriebsverhältniffen 18 v. H. über den Tariflohn der entsprechenden Gruppe hinaus verdienen muß. Für die Dauer der Arbeitszeit find die gesetzlichen Vorschriften maßgebend, soweit sie nicht durch die Lrbeitszeitregelung dieser Entscheidung oder durch eine spätere Vereinbarug der Tarifvertragsparteien in zulässiger Weise abgeändert werden. Mit Wirkung vom 1. Januar 1929 wird die Arbeitszeit für alle Arbeiter, die bis 60 Stunden arbeiten, allgemein auf 87 Stunden pro Woche verkürzt. Die Arbeitszeit ist in de» verschiedenen Betrieben nach einer besonderen Vereinbarung geregelt, die im Schiedsspruch festgelegt ist. Maßregelungen aus Anlaß des Lohntarifstreits sind unzulässig." Ans dem Schiedsspruch Severings ist noch die Tatsache hervvrzuheben, daß sich der neue Tarif im Interesse der Befriedung der lohnpolitischen Lage auf einen verhältnismäßig weiten Zeitraum erstreckt. Der Rahmentarif ist erstmalig am 1. Mai 1930 mit zweimonatiger Frist zum 80. Juni 1930, die im Schiedsspruch getroffene Regelung der Löhne und der Arbeitszeit erstmalig am 1. August 1980 mit pveftnonatiger Frist zum 30. September 1930 kündbar. Das Recht zur Kündigung häugt jedoch für jede Vertragspartei davvu ab. daß sie die Kündigungsabsicht den anderen Vertragsparteien wenigstens einen Monat vor dem Künbi- »»ngszeitpunkt anzeigt, um in gemeinsamen Verhandlungen die wirtschaftliche «nü soziale Lage zu klären. Wird »er Rahmentarif nicht gekündigt, so läuft er jeweils um ei« Jahr «uter den gleichen Künüigungsbedingungen zu de« neue» Zeitpunkt weiter. Dasselbe gilt für die Rege- hm« »er Löhne und der Arbeitszeit entsprechend, Die Begründung Kn »er Begründung des Eisenschiedsspruches heißt es m. „An die Spitze der Entscheidung ist die Bestimmung gestellt, daß für die Zeit von der Wiederaufnahme der Arbeit bis zum 81 . Dezember 1928 die Lohnerhöhungen des verbindlich erklärten Schiedsspruches Geltung bekommen fvlle«. Daß dies« Bestimmung lohntechnisch Schwierigkeiten hereitel, «nß ohne weiteres zugegeben werden. Wenn trotzdem auf diese Bestimmung nicht verzichtet worden ist. so waren dafür gewichtige Gründe maßgebend, die lrtzten Endes in der Verpflichtung liegen, dem heute »och geltenden Schlichtungsverfahren Achtung z« verschaffen. Die-erzeugende Industrie habe — so wird in dem Schieds'pruch weiter «nsgesührt — seit 1924 die Preise nicht erhöht und den Auslandsmarkt trotz der mit diesen Geschäften verbundenen Verluste gehalten. Bezüglich bet Ertraglosigkeit oder der anßerordeutlich geringen Rentabiliät der Jnlandsaefchäfte habe der Sachverständige des Reichswirtschaftswinisteriums Zahle» vorgelegt, die nicht ernstlich angezweifekt weiden könnte« Diese Feststellung zusammenfaffend, läßt sich sagen. »aß hie Verhältnisse feit Ende »es vergangene« Jahres nicht günstiger geworden find «nd daß keine Anzeichen vorliegen» die eine erhebliche Beffernng in kurzer Frist erkenne« ließen. Dieser Umstand konnte hei der Prüfnng der Lohnerhöhungen nicht ««berücksichtigt bleibe». Bei den tariflichen Abmachungen hat sich herausgestellt, daß sie unter erheblichen konstitutiven Mängeln leiden, die in der Hanptsache in der Uebersichtlichkeit und Systemlostgkeit bestehen. Daß in dem ausgedehnten Jndustriebezirk, der von Düsseldorf bis Hamm reicht, in dem neben Urproduktion auch die weiterverarbeitenden Werkstätten liegen, die selbst noch die größten Mannigfaltigkeiten in der Arbeitsweise aufweisen, die Durchführung von Normativbestimmungen für die Berechnung der Verdienstpflicht nicht allzuleicht ist, leuchtet ei». Aber die vorliegenden Schwierigkeiten müssen überwunden werden, wenn nicht die heutige Undurchsichtigkeit der Entlohnung eine stetige Quelle von Mißhelligkeiten werden soll. Bei der Bemessung der Lohnzulagen war zu berücksichtigen, daß von jeder Teuerungswelle im deutschen Wirtschaftsleben die Angehörigen der rheinischwestfälischen Eisenindustrie, sowohl als Konsumenten wie auch als Produzenten erfaßt werden. Der Lebensunterhall ist im Westen verhältnismäßig teuer Das Ziel einer planmäßigen Lohnaufbesserung mußte deswegen in erster Linie eine Aufbesserung der niedrigsten Lohn- und Akkordsätze sein. Die finanzielle Auswirkung dieser Aufbesserungen häli sich in den Grenzen des Erträglichen. Die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie und insbesondere der Schwerindustrie des Westens hat nicht nur eine Erleichterung der Ausfuhrbeü'ngungen zur Voraussetzung, sondern vor allen Dingen die Erhaltung einer gesunden leistungsfähigen Arbeiterschaft, die am sichersten durch eine planmäßige Erhöhung des Lohnniveaus und durch eine verständige Akbeits- zeitregelung erreicht wird. Die Kündigungsabsicht einer Partei soll in Zukunft wenigstens einen Monat vor dem Termin angezeigt werden. Durch eine derartige Sicherung hätten sicherlich die früheren beklagten Formen der Lohnkämpfe vermieden werden können. Ausnahme des Severingschen Schiedsspruches in Arbeitgeberkreisea Berlin, 22. Dezember. In Arbeitgeberkreisen verbucht mau den Severingschen Schiedsspruch, dem Allgemeinen Deutschen Handelsdienst zufolge, als einen grundsätzlichen Erfolg, da er doch in wesentlichen Punkten von dem Jöt- lenschen Schiedsspruch abweiche. Rein wirtschaftlich gesehen hält man jedoch den Schiedsspruch wegen der damit verbundene« Lohnerhöhungen «nd der Arbeitszeitverkürzung für wenig tragbar. Man ist hierüber um so mehr erstaunt, als Minister Seve- ring in der Begründung die Richtigkeit der Begründung des vorherigen Schiedsspruchs anerkennt und die außerordentlich schwierige Lage der Industrie zugibt. Man versteht auch nicht den Standpunkt des Ministers, der den Jöt- tenschen Schiedsspruch als untragbar erklärt, ihn aber bis Ende Dezember in Kraft treten läßt. Man sieht hierin gewissermaßen eine Bestrafung der Arbeitgeber für ihre Aussperrung und fürchtet, daß sich Schwierigkeiten daraus ergeben, wenn ab 1. Januar die Löhne teilweise wieder herabgesetzt werden. Die Auswirkung der hohen Löhne bis 31. Dezember ist um so stärker., als für diesen Zeitraum bekanntlich, um den Ausfall mährend der Aussperrung teilweise wieder wettzumachen, Sonntagsarbeit, die mit einem Zuschlag von 80 v. H. bezahlt wird, zugelassen ist. Anerkannt wirb, daß durch die lauge Lanfzeit des Schiedsspruches wenigstens sür einen längeren Zeitraum stabile Verhältnisse geschaffen werden. Ser Streit um Simons Berlin, 21. Dezember. (Funkfpruch.j Amtlich wird mit-- geteilt: „Reichspräsident von Hindenburg hat den Reichsgerichtspräsidenten Tr. Simons in einem persönlichen Schreiben gebeten, baldmöglichst nach Berlin zu kommen, um den zwischen der Reichsregierung und dem Staatsgerichtshof entstandenen Konflikt und zugleich das inzwischen eingegangene Rücktrittsgesuch des Reichsgerichtspräsi- denten zu besprechen. — Der Reichsgerichtspräsident Dr. SimonB hat mitgeteilt, daß er zu diesem Zweck morgen beim Herrn Reichspräsidenten sich einfinden wird." Die Antwort des Reichspräsidenten «nd »er Reichsregiernng an Dr. Simons. Berlin, 22. Dezember. Die Beschwerde des Reichs- gerichtspräsidenten Dr. Simons an den Reichspräsidenten in der zurzeit vor dem Staatsgerichtshof schwebenden Streitsache wegen der Besetzung der Stellen tm Verwal- tungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft, hat der Reichspräsident durch nachstehendes Schreiben beantwortet: „Sehr geehrter Herr Reichsgerichtspräsident! Ihre Beschwerde vom 16. Dezember in der zurzeit vor dem Staatsgerichtshof schwebenden Streitsache wegen der Besetzung der Stellen im Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft hat mir Anlaß gegeben, den Sachverhalt tm allgemeinen und die Entscheidung der Reichsregierung über die Wieöerbesetzung der vier frei gewordenen Stellen vom 11 . Dezember im besonderen eingehend nachzuprüfen. Nach dem Ergebnis dieser Nachprüfung bin ich der Auffassung, daß die Reichsregiernng oersaflungs- «nd pflichtgemäß gehandelt hat, daß insbesondere weder ein Eingriff in die verfassungsmäßige Tätigkeit des Staatsgerichtshofes, «och irgend eine Minderung der Autorität seiner Gerichtsbarkeit vorltegt. Zu einer förmlichen Entscheidung über die Beschwerde erachte ich mich aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht für zuständig. Mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung und mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr sehr ergebener gez. von Hindenburg." Diese Entscheidung des Reichspräsidenten ist dem Retchs- gerichtsprästdenten durch Reichskanzler Mäkler übersandt worden, der namens der Reichsregierung nachstehendes Schreiben beigefügt hat: „In der Anlage übersendet die Reichsregierung Ihnen, Herr Reichsgerichtspräsiüent, die Entscheidung des Herrn Reichspräsidenten auf Ihre an ihn gerichtete Beschwerde vom 16. Dezember 1928. Das Reichskabinett beehrt sich, folgendes hlnzuzufügen: Die Gründe, durch die die Reichsregierung gezwungen wurde, die Besetzung der Stellen der Mitglieder des Eisenbahnverwaltungsrats am 14. d. M. vorzunehmen, find Ihnen inzwischen bekannt geworden. Die Ernennung mußte an diesem Tage erfolgen, weil sonst schwere Schädigungen der Reichsbekange von der Reichs- regierung befürchtet werden mußten. Sie bittet Sie daher, davon Kenntnis nehmen zu wollen, baß von einer Mißachtung der Antorität des Staatsgerichtshofes durch die Reichsregierung keine Rede fei« kann. Die Reichsregierung glaubt diesen Hinweis mit der Feststellung verbinden zu sollen, daß eine Frage nach den Gründen dem Staatssekretär des Reichsverkehrsministeriums bei seinem Telephongespräch mit Ihnen. HerrReichs- gerichtspräsiöent, nicht gestellt worden ist. daß vielmehr bei diesem Gespräch von Ihnen lediglich die Möglichkeit erwogen wurde, am folgenden Tage in der Hauptsache zu verhandeln. Unter diesen Umständen konnte nicht erwartet werden, daß der mit den politischen Entschließungen nicht vertraute Sachreserent des Rcichsverkehrsministeriums. der zur Vertretung in der Hauptsache nach Leipzig entsandt war, über politische Gründe der Reichsregierung in öffentlicher Sitzung Aufschluß geben würde. Es bedarf nicht der Hervorhebung, daß auf eine Anfrage bei der Reichsregie- ruug jede erwünschte Aufklärung erkolar wäre. Die Reichsregierung ist davon überzeugt, daß auch der ,7-taatsgerichtshof für das Deutsche Reich den vorstehende» Darlegungen entnehmen wird, daß sie ihm in keiner Weise die Achtung und das Vertrauen versagt hat, die ihm gebühren. Genehmigen Sic, Herr Reichsgerichtspräsident die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung, mit der ich bin Ihr sehr ergebener gez. Müller." Das Kabinett billigt Stresemanns Haltung in Lugano. Berlin, 22. Dezember. In der gestrigen, unter dem Vorfitz des Reichskanzlers abgehaltenen Kabincttssitzung. erstattete Reichsaußenminister Dr. Stresemann Bericht über die in Lugano stattgefundene Tagung des Rares und die dort geführte» Verhandlungen. Das Reichskabinett stimmte den Darlegungen des Ministers einmütig zu. Darauf ver- abschtebete das Kabinett den Entwurf eines Gesetzes über Aenderung der Rechtsverhältnisse der Wartegeldemvsänger, der sofort dem Reicksrat zuaeleitet wird. ' < Rr. 300. Jahrgang 1928. Der Lauddot« * Simtzed»« gfettasg. Samstag. d«n 22. Dezember 1928 . Die Landwirtschaft an der Jahreswende. Sine Mahn- und Wami-ede Dietrichs. — Gefahren für Volk und Wirtschaft. Ihre GrsmntverschnlLung wird auf 11,5 Milliarden Mark geschätzt. Gefahren für Volk und Wirtschaft. Berlin, 20. Dez. Im landwirtschaftlichen Rundfunk der deutschen Welle sprach heute abend der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dietrich (Berlin) über die Lage der Landwirtschaft an der Iahreswent^. Der Minister führte u. a. aus: Die deutsche Agrarkrise ist nur ein Teil der internationalen Agrarkrise und kann nur im Zusammenhang mit dieser verstanden werden. Die Grundursache ist das Mißverhältnis zwischen den Preisen, die der Landwirt für seine Erzeugnisse bekommt, und den Preisen, die er für seine Betriebsmittel und Bedarfsartikel anlegen muß. Dazu kommt, daß der Weg vom Produzenten zum Konsumenten teurer geworden ist. nicht zum wenigsten auch durch die hohen Steuern und die verteuerten Frachten — alles Folgen des verlorenen Krieges — und daß die ungeheuren Kredite, die die Landwirtschaft- im vergangenen Jahre in Anspruch genommen hat, bei uns in Deutschland zu Zinssätzen gegeben sind, die der Landwirt unmöglich aus seinem Betrieb Herauswirtschaften kann. Die Agrarkrise ist nicht eine Angelegenheit, die lediglich die Landwirtschaft angeht, sie bedeutet vielmehr in ihren Auswirkungen eine unübersehbare Gefahr für das gesamte Bold und ferne Wirtschaft. Ein Rückgang der landwirtschaftlichen Produkte um 20 Prozent würde bedeuten, daß das deutsche Pulk zwei bis drei Milliarden Reichsmark jährlich weniger zu verbrauchen hätte. Hinzu kommen die bedenklichen Folgen für die Handelsbilanz, die Gefahr der Proletarisierung und das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Enge Zusammenarbeit aller schaffenden Stände unseres Volkes ist notwendig. Der Minister ging dann im einzelnen auf die gegenwärtige Lage der Landwirtschaft ein und sagte hierzu: Rach den bisher vorliegenden Unterlagen darf angenommen werden, daß wir mit unserer Brotocrsorgung im laufenden Wirtschaftsjahre weit unabhängiger vom Auslände fein werden, als in den beiden zurückliegenden Fahren. Die Kartoffelernte kann wohl als gut bezeichnet werden. Trotz dieser Lage der Dinge will die Stimmung auf dem Lande nicht zuversichtlicher werden. Wir haben die gefährliche Erscheinung zu verzeichnen, daß die Landwirtschaft für Getreide und Pietz Preise bekommt, die im wesentlichen den Vorkriegssätzen entsprechen, während sie auf der anderen Seite für ihre Bedarfsartikel, ihre Betriebsmittel und Löhne rund das N/z fache aufzuwenden hat, für Soziallasten aber. Steuern und Abgaben ein Mehrfaches. Hierbei muß betont werden, daß das Reich nennenswerte Steuern von der Landwirtschaft nicht mehr erhebt. Sehr schwierig ist die Kreditlage. Die Gesamtverschuldung der Landwirtschaft ohne die Rentenbankgrundschuld von 2 Milliarden Mb. wird auf 11,8 Milliarden Mark geschätzt. Die Zinsenlast betrügt über eine Milliarde Reichsmark im Jahre. Ein Zwangseingriff durch RegierungsmaßnahMen würde die Lage was wir endlich aus der Zwangswirtschaft her wissen sollten, nicht verbessern, sondern verschlechtern. Richtig ist. daß das Geld auf dem Wege vom ersten Geldgeber bis zum letzten Geldnehmer zu stark verteuert wird. Eine Besserung kann vielleicht soweit genossenschaftliche Kassen in Frage kommen, erreicht werden wenn die schon feit langem in Gang befindliche Rationalii- sierung und Reorganisierung des Genossenschaftswesens zustande kommt. Ich glaube, daß wir uns dem Höhepunkt der Krise nähern, daß wir im Begriffe sind, über den ungeheuren Berg hinüber- zustcigen der sich vor der deutschen Landwirtschaft aufgetürmt hat. Mit gesetzgeberischen und zöllnerischen Maßnahmen sind Agrarkrisen allein nicht zu beheben. Sie sind überhaupt nicht von heute auf morgen zu beseitigen. Der Wille, soweit die Mittel und Möglichkeiten des Staates ausreichen, hier zu Helsen, ist vorhanden. Er muß ergänzt werden durch den Willen der Landwirtschaft, sich selbst zu helfen. Protest der sächsischen Regierung gegen die Ernennungen bei der Reichsbahngesellschaft Dresden, 22. Dezember. Ministerpräsident Held hat un- rer dem 20. Dezember namens der sächsischen Regierung ein Schreiben an den Reichskanzler gesandt und durch den iachsischen Gesandten in Berlin überreichen lassen, in dem «xegen das Verhalten der Reichsregierung bei der Ernennung der neuen Vertreter im Verwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft Einspruch erhoben wird. Es heißt darin zum Schluß: „Tie sächsische Regierung wirb das ihr zustehende Recht auf Ernennung eines Mitgliedes des Ver- ivaltungsrates mit alle» verfassungsmäßigen Mitteln weiter verfolgen «nd ersucht zunächst die Reichsregiernng, die Ernennungen der Berwaltungsratsmitglieder auf jede nur mögliche Weise rückgängig zu mache« und eine sofortige Verhandlung zur Hauptsache beim Ltaatsgerichtshof herbei- zuführcn, damit dieser in die Lage versetzt wird, noch vor Ablauf des Jahres das Urteil zu fällen, wie dies auch in dem Schreiben des Reichsverkehrsministeriums vom 8. Dezember beim Staatsgerichtshof selbst angeregt worden ist. Ueberöies erwartet die sächsische Regierung eine Aeußerung der Reichsregierung, durch die sie glaubt, das durch ihr Vorgehen schwer erschütterte Vertrauensverhältnis wieder herzustellen und eine Gewähr dafür schaffen zu können, daß die sächsischen Jntereffen auch in Zukunft in angemessener Weise Berücksichtigung finden." A«-enpoli1ifthe Erklärungen Ehamberlams London, 22. Dez. Unmittelbar vor der vorgestrigen Vertagung des Unterhauses gab Außenminister Chamberlain auf Grund einer Anfrage des arbeiterparteilichen Abgeordneten Malone noch eine außenpolitische Erklärung ab. Er führte u. a. aus, daß Großbritannien in Lugano keine neuen Verpflichtungen eingegangen sei und daß ihm niemand solche Verpflichtungen angetragen habe. Es habe sich in Lugano nur um erläuternde und ausgleichende Besprechungen gehandelt, die, wie er hoffe, zu einem gütlichen Uebereinkommen in der Reparationsfrage führen würden Großbritannien wünsche das Rheinland so bald als möglich geräumt z« sehe«. Was die Frage der Unterstützung Frankreichs durch England angehe, so könne er erwidern, daß die Stellung der britischen Regierung jeweils von ihrem eigenen Urteil ab- hänge und wenn sie sich veranlaßt sehe, sich mit der einen oder anderen Partei solidarisch zu erklären, dann geschehe das sicherlich nicht zu dem Zweck, den Einfluß Großbritanniens für die Sicherung des Rheinlandes in Gemeinschaft mit den anderen Besatzungsmächten zu erreichen. Ueber die Rechtsauffaffung Großbritanniens zu Artikel 431 des Versailler Vertrages sei die deutsche Regierung auf den Län- derbesprechungen und bei früheren Gelegenheiten verständigt worden. Im Dezember hätten die sechs an der Reparationsfrage direkt interessierten Mächte versucht, eine praktische Lösung zu erreichen. Er glaube, daß es nicht im all- Vmieinen Interesse liege, einen Ueberblick über jene Verhandlungen zu geben, sondern sei nach wie vor überzeugt, daß sowohl die Räumung wie die Reparatiousfrage aus möglichst praktische« Wege behandelt werde« sollten. Was die Zusamenarbeit zwischen der britischen Kavallerie im Rheinland und den französischen Besatzungstruppen angehe, so verweist Chtmberlain darauf, daß die britischen Streit- kräfte im Rheinland eine so kleine Formation darstellten, daß es unmöglich sei, ihnen eine ausreichende Gelegenheit zu Hebungen zu geben. Großbritannien habe daher die Einladung der französischen Behörden zu den Manövern begrüßt. Weiter wies Chamberlain darauf hin, daß weder eine offizielle noch inoffizielle Zusicherung bestehe, daß die Zurückziehung der britischen Truppen aus dem Rheinland nur mit Zustimmung Frankreichs erfolge» dürfe. Im weiteren Verlauf ging der Außenminister dann noch auf die Stellung Großbritanniens z« Rnßland «nd Amerika ein. Er betonte, daß in den Beziehungen zu Moskau keine Aenderung eingetreten sei. Zwischen zwei Staaten mit so engen Beziehungen auf den mannigfaltigsten Gebieten wie England und Amerika könne nach seiner Auffassung keine dauernde Verstimmung bestehen. Ueber die Bedingungen des neue» Schtedsgerichtsvertrages und die weiteren Schritte zur Herbeiführung der allgemeinen Abrüstung stelle die Regierung eine sehr sorgfältige Untersuchung an. Sie sei bis jetzt noch zu keinem bestimmten Beschluß gelangt, der sie in die Lage verletzen würde, weitere Verhandlungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten über die Flot- tenabrüftung cinzuleiten. Zn den Rnanzfkandalen im SisaS Gtratzbnrg i. E., 22. Dezember. Nach einer offiziösen Mitteilung des Untersuchungsrichters beläuft sich das Defizit des Instituts Financier auf 2 Millionen Fres. Das Verhör des „Direktors" Weil ist beendet, er hat sich ans den Stand- Punkt gestellt, nur mit der Herausgabe des FinanzanzeigrrS befaßt gewesen zu sein, während die eigentliche Finanzopcra- tion durch seinen Mitschuldigen Gurfein getätigt worden sei. Das Verhör des letzteren hat begonnen. Ter . Elsässer" kritisiert scharf den Umstand, daß der Untersuchungsrichter nicht sogleich durch Sachverständige die Bilanz des verkrachten Unternehmens aufstellen ließ, sondern ermöglichte, daß die beiden verhafteten Betrüger nach acht Tagen vom Gefängnis aus die Bilanz dem Handelsgericht unterbreiteten. Unverständlich sei auch, daß sämtliche Papiere in den Büroräumen liegen blieben und daß die 330 Geschädigten sich bisher nickt gerührt haben. - Die Zahl der elsässischen Opfer der „Ga- zette du Franc" beträgt nach einer vorläufigen Schätzung etwa 200 Die von ihnen erlangten Beträge beziffern sich auf insgesamt 3 Millionen Frs. Verhaftung von Anhängen, der Alttnn Francaise Paris, 22. Dezember. Am Donnerstag wurden 38 Kundgeber der Actton Francaise wegen des Ueberfallcs aur das Landwirtschaftsministerium verhaftet. Für Freitag waren iveitere Kundgebungen der royalistischen Studenten gegen den Landwirtschaftsminister Hennessy geplant, denen die Polizei durch die Verhaftung zuvorkommen wollte. Einer der Verhafteten wurde wegen unbefugten Waffentragens in Untersuchungshaft genommen. Das royaltstische Blatt fordert auch für heute abend zu einer allgemeinen Kundgebung der Studenten in der Sorbonne auf. Vestrasung eines hohen französischen Offiziers in Algier Paris, 22. Dezember. Wie zu dem Kabinettsrat vom Donnerstag vormittag ergänzend verlautet, kam auch der nach Paris gelangte Bericht über den Handstreich vom 8. Dezember in Oran zur Sprache, bei dem auf dem Wege oou Beni-Abbes General Clavery und seine Begleiter getötet wurden. Der Kabinettsrat beschloß, den verantwortlichen Kommandierenden Oberst von Colomb-Bechar seines Postens zu entheben. Erfolge der Aufständischen in Afghanistan Kowno, 22. Dez'. Wie aus Moskau gemeldet wird, sind dort neue Nachrichten über die politische Lage in Kabul eingetroffen. Es wird zugegeben, daß die Lage des Königs sich durchaus nicht gebessert habe und daß.seine Truppe« kampfmüde seien. Im Gegensatz hierzu soll Amanullah er- klärt haben, daß er genügend Truppen gesammelt habe, um den Kampf gegen die Aufständischen wieder aufzunehmen. In nördlichen Teilen Kabuls haben sich schwere Zusammenstöße zwischen den Regierungstruppen und den Aufstänbt- scheu abgespielt. Die Aufständischen haben Djellalabad umzingelt. Der Führer der Aufständischen hat die Stadt auf- gefordert. sich zu ergebem Den Aufständischen sind durch den Uebergang von Regierungstruppen zwei italienische Berg- batterien in die Hände gefallen. In der Nähe der Stadt wurden mehrere Regierungsbeamte von den Aufständischen fcstgenommen und hingerichtet. Englische Waruung an die streitende« Parteien in Afghanistan. Konstantinopel, 21. Dez. Nach einer Meldung aus Kabul teilt das afghanische Pressebüro mit. daß am Donners- tag ein englisches Flugzeug Flugblätter über Kabul abgeworfen habe. Der Text der Flugblätter laute, das afghanische Volk könne sich auf das englische Volk verlassen, das große Sympathien für Afghanistan hege. Die englische Regierung mache das afghanische Volk für die Schäden verantwortlich, die die streitenden Parteien englischen Interessen zusügen würden. Wie weiter gemeldet wird, hat dieser Aufruf in afghanischen Kreisen größte Empörung hervorgerufen. Der König sei von diesem Aufruf in Kenntnis gesetzt worden. Er werbe darüber zu entscheiden haben, ob die afghanische Regierung in dieser Angelegenheit Schritte unternehmen wolle. Ahenteuerliche Fahrt eines estnischen Schoners Kopenhagen, 22. Dezember. Eine recht abenteuerKche Fahrt hat der estnische Schoner „Pauline" hinter sich, der dieser Tage in Rönne auf Bornbolm eintrai. Der Sckvner MATA HARI RQMAN von ARNO FRANZ „Ich kann den Koffer nicht tragen, Hannele," antwortete >je Mutter, „er ist zu schwer. Wir muffen warten, bis Hilfe lommt." „Wir wollen doch wieder nein tehn, Mamali. Drinn is osrm." vWir dürfen nicht. Hannele. Die Tante will uns nicht nehr " ».Warum denn? Wir haben doch gefolgt." .»Schon! Aber sie will nicht. Sie denkt, wir tragen ihr Zchmutz ins Haus." -Nichts ließ die Kleine gelten. Auch jetzt wieder sagte sie: -»Wir, haben uns doch immer abtetreten" .»Latz: Hannele. Ich erzähle dir das mal. wenn du groß nstin Komm kusche! dich an mich. Hier ist es auch warm," «mit, leblug sie den Mantel um ihr Kind und drückte es fest iN-Sch.^ .Nach wenig Minuten schon hörte man Hanneles tiefe iftemzüge. Sie war eingeschlafen. Die-Baronin, die vom Fenster aus, durch die Zofe auf- nerkfam gemacht. Nichte und Großnichte da draußen sitzen ah» schäumte vor Wut. ein Skandal." fauchte sie. „so eine Rücksichtslosigkeit. W»-Me Zigeuner! — Ganz Arnheim wird das heute wissen." geschieht dir recht, dachte die Zofe und erklärte: t.-Meorouw konnte den Koffer nicht tragen." „Wer sagt denn, daß sie das sollte," fuhr die Alte das Mädchen an „Ich habe wohl nicht Dienstboten genug? Zaule Gesellschaft! Stehen Sie nicht hier. Sagen Sie. zranz, daß —" Die Zofe war schon verschwunden. Franz lief mit großen schritten. Die Baronin aber jammerte und stöhnte, nicht ßber die eigene Hartherzigkeit, sondern über das ihr zu- zefügte Unrecht. Franz stand vor der Emittierten. Er hätte schon von sich aus so viel Menschengüte auf- ä ebracht, der Aermsten zur Hand zu gehen, wenn er nicht tüffel und Vorwürfe gefürchtet hätte. Sehr herzlich klang seine Bitte: „Mevrouw, lassen Sie nich Ihr Gepäck befördern." Aber Traute lehnte freundlich und bestimmt ab. „Danke." sagte sie. „Ich habe schon nach Hilfe geschickt. 5ie wird gleich kommen. Gehen Sie nur wieder hinein. Es st kalt hier." „Ich hätte Ihnen gern geholfen. Frau Hauptmann." ver- icherte er. „so sehr gern." „Ich glaube es Ihnen, Franz. Aber es ist wirklich nicht lötig. Meine Tante könnte Sie brauchen." „Die schickt mich ja, Mevrouw." „Bestimmt nicht aus Menschenfreundlichkett." „Nein," sagte Franz sehr ehrlich. „Die kennt sie nicht. Iber unangenehm scheint es ihr zu sein, daß Sie gerade vor hrer Tür sitzen." „Das kann ich nicht ändern. Leider! Wenn mein Mädel- hen nicht eingeschlafen wäre, würde ich mich einige Häuser veiter wegsetzen." „Nein, nein, Mevrouw, deshalb sagte ich das nicht. Es st dem —" Schindluder wollte er sagen, verbefferte sich aber «nd sagte: „Es ist ihr schon gut, wie es ist" und ging grüßend «avon. Traute lächelte ihm nach. „Wird auch ein hartes Brot zu kauen haben," dachte sie. Kaum war der Diener fort, da kam die Hilfe. Kara! Bon weitem schon sah er die Herrin sitzen, wendete sich um und rief eine Droschke. Sein erstes Wort an Traute war: „Schweigen!" Sie verstand ihn und weckte Hannele nicht, dje immer noch auf ihren Knien schlief. Sie fuhren nach der Pauwstraat. Wenige Häuser von seiner Wohnung entfernt, befand sich ein kleineres Hotel „De Constabel" hieß es. Dorthin brachte er sie. „Meine Verwandten," hatte er dem Portier erklärend gesagt und war dann mtt nach Trautes Zimmer gegangen. Hannele, die erwacht war. hing jubelnd an keinem Halse. „Daß ich Sie immer wieder bemühen muß. Kara," sagte Traute, „immer von Neuem, das ist so beschämend für mich." „Wenn Ihr es nicht tätet, Nonna. was sollte ich in diesem Land ohne Sonne? Hier leben die Menschen nur sich und der Stunde. An meine Heimat erinnert mich nichts außer Euch. Ich möchte immer um Euch fein " Das sagte er in heiligem Ernst, etwa so, wie ei gefall haben würde „Schiwa. großer Gott, erbarme d'.ch meiner. Und Traute antwortete aus gleich tiefem Empfinden heraus: „Ich fühle. Kara, daß beffere Tage kommen Dann solle. Sie immer um mich sein." „Lakschmi gebe Sie Euch, die lächelnde Göttin des Glückes! Und er küßte den Saum ihres Kleides. * * Am anderen Morgen fuhren Traute. Hannele und Kare nach dem Haag. Kara. der wie ein Afzet lebte, keine Bedürfniffe kannte, nicht trank und nicht rauchte, legte von dem Verdienst, de, er hatte und mit dem andere nicht auskommen konnten, »bei die Hälfte weg. Nicht, weil er geizig war, nein, weil er nich' wußte, was er damit hätte anfangen sollen. So konnte er die Fahrt bestreiten und — falls sich bei Vater sträubte, Tochter und Enkelin aufzunehmen — Herrin über die ersten Monate hinweghelfen. Daß ihr » diesem Lande das Glück nie blühen würde, das fuhlteer, wn er Wärme und Kälte fühlte. Deshalb war er auch iml mr d Sorge um sie. Das Glück war nur da, wo die Sonne schien Das war seine unerschütterliche Ueberzeugung. und hier saz man sie tagelang, wochenlang, monatelang nicht. Es war ein düsteres Land, dieses Nordland. Je näher die drei dem Haag kamen, desto schweigsam« wurde Traute. ^ Sie kamtte ihren Bater, den Friesländer, mtt dem «ferne» Einem Kampf fühlle sie sich nicht gemäßen. Die Demütß gung in Arnheim war noch in zu junger Erinnerung. Kara. der in ihrer Seele las, fragte: „Woran denkt Ihr, Herrin? „An meinen Datei denke ich "' . m Da jagte er: „Ich werde zu mm ge^en, Ronna. Sorg! Euch nicht." . ->. „Und er wird mich aufnehmen. Da ward es licht und ruhig in ihr. * » Im Haag bat Kara die Herrin auf dem Bahnhof ztt wart« und fuhr *u Miinbeer SdW. Nr. 300. Jahrgang 1928. _ hatte Zuckermehl geladen und befand sich mit fünf Mann Besatzung aus der Fahrt von Reval nach der Insel Oesel. die gewöhnlich 12 Stunden dauert, als sich plötzlich ein heftiger Schneesturm auftat. Es blieb der Besatzung nichts anderes übrig, als alle Segel zu streichen und den Schoner vom Winde treiben zu lasten. Als der Sturm sich nach zweimal 24 Stunden gelegt hatte, kam Land in Sicht, das sich als die Insel Bornholm herausstellte. Vedrohliche Lage im Londoner Gxplofionsgebiet Laudon, 22. Dezember. Die Explosionsgefahr in den von der Gasexplosion am Freitag betroffenen Gebiet im Herzen Londons ist immer noch nicht vorüber. Die Behörden wollen die Klammen nicht unterbinden, da sie als ein Sicherheitsventil für das entströmende Gas angesehen werden, obwohl die Gefahr damit verbunden ist, daß die Fundamente einiger anderer Gebäude durch die Flammen ernstlich bedroht werden. Wegen der Gefahr weiterer Explosionen hat die Polizei das vergaste Gebiet abgesperrt und den Bewohnern das Verbleiben in ihren Wohnungen untersagt. Obwohl die Flamme» an mehreren Stellen noch meterhoch emporschießen, hoben sich in der Nacht zum Freitag nur noch unbedeutende Explosionen ereignet. Bericht der Londoner Feuerwehr über das Explostonsnnglück. London, -22. Dezember. Die Londoner Feuerwehr veröffentlicht am Freitag abend einen amtlichen Bericht über de« durch , die Explosion im Zentrum Londons angerichteten Schaden, aus dem hcrvorgeht, daß auch der Gebäudeschaden außerordentlich groß ist. Die Sachverständigen sind sich im Augenblick noch nicht klar, ob die Fundamente der angrenzenden Gebäude so stark beschädigt sind, daß sie niedergeriffen werden müssen. Das Betreten der gefährdeten Gebäude bleibt vorläufig verboten. Inzwischen spielt auch bereits die Schnldfrage eine sehr große Rolle. Es ist ziemlich sicher, daß die Regierung eine Untersuchung über die Ursache der Explosion einleiten wkrü. Letzte Telegramme in Kürze. Cadorn« gestorben. -Rom, 22. Dezember. Marschall C a d o r n a ist am Freitag nachmittag 14 Uhr g e st o r b e n. Die Flucht des Täters. Paris, 22. Dezember. Der Zustand des Generalstaats- anwalts Fachot ist außerordentlich bedenklich. Die Revol- verkngeln haben den Anwalt siebenmal durchbohrt und Zeinen Bluterguß in den Eingeweide« hervorgerufen. Nur die Gattin darf ihren Mann besuchen. Nach der Operation trafen der Generalstaatsanwalt der französischen Republik sowie die Leiter der obersten französischen Gerichtsbehörden ein. lieber den Verlauf des Anschlages veröffentlichen die -französischen Abendblätter ausführliche Schilderungen. Danach ist es dem elegant gekleideten Attentäter erst beim idritten Besuch gelungen, Fachot selbst zu sprechen. Als Fachot die Schüffe erhalten hatten griff er sich von Schmerzen gekrümmt an den Leib und stöhnte: ^Jch bin verloren! Es ist ein Mensch vom Colma- rer Prozeß, der Die Tat vollbracht hat!" Inzwischen hatte der unbekannte Täter in aller Ruhe die Tür zur Wohnung Fachots hinter sich geschloffen und war Die Treppe hinuntergegangen. Im Hausflur stieß er auf die junge Frau eines im Hause wohnende» Arztes, die den jungen Menschen auf die Schüffe aufmerksam machte. Ohne Aufregung erwiderte dieser, daß er die Schüsse vernommen hätte und daß sich im dritte» ober vierten Stock anscheinend ein Mieter das Leben genommen habe. Er könne sich aber nicht aufhalten, da er es sehr eilig habe. Die beiden Frauen, die inzwischen den im Hause wohnenden Arzt benachrichtigt hatten, begaben sich nunmehr in die Wohnung Fachots, wo der Arzt dem Verletzten die erste Hilfe gewährte und sofort telephonisch einen Krankenwagen herbeirief. Beim Herausziehen 8er Pistole hat der Unbekannte einen Brief verloren, der wahrscheinlich für den Fall der Abwesenheit Fachots geschrieben worbe» war und der eine Einladung an Fachot enthielt, sich am Freitag im Hotel Moderne einzufinden. Die Unterschrift lautete: „Mne Freundin". Außerdem fand die Polizei einen Regenschirm, den der Täter auf einem Treppenabsatz zurückgelaffen hat. Die Polizei läßt vor allem die Bahnhöfe überwachen. Während seines dreimaligen Bes»ches ist der Täter von zahlreichen Personen beobachtet worbe», so daß die Polizei eine genügende Kennzeichnung der Persönlichkeit des Täters besitzt. Neues Bombeuattentat i» Chicago. London, 22. Dezember. Nach Meldungen aus Chicago ist dort ei« intimer Freund des Bürgermeisters durch eine Bombe getötet. Die Zahl der Opfer von Bombenanschlägen i» Chicago ist damit im Laufe des Jahres auf 479 gestiegen. Explofions«»glück in Mexiko Stadt. London, 22. Dezember. Nach Meldungen aus Mexiko Stadt ereignete sich dort am Freitag vormittag ein schwere- Exptvfionsunglück. Ein Feuerwerkslager, das in einem EÜenwarengeschäft untergebracht war, flog in die Lust. Sechs Prasiouen wurden getötet und zehn andere schwer verletzt. pr-tejttelegranrm der badischen Regierung au den Reichskanzler Der Reichskanzler lehnt eine vertragsmäßige Verständignng ab. Aarlsrshe» 22. Dez. Das Staatsministerium hat am Donnerstag nochmals den Versuch gemacht, zu erfahren, »b »egen der Besetzung des Verwaltungsrates der Reichs- bah»-Gesellschaft eine vergleichsmäßige Verständigung möglich sei. Hierauf hat di« Regierung am 21. Dezember d. I. beschlossen, folgendes Telegramm an den Reichskanzler ab- •efraten: De« Lande Baden steht auf Grund der zwischen dem Reich nnd Batzen ausgetauschten Erklärungen vom 26. März ««d 6. Mai 1824 ein vertraglicher Rechtsanspruch auf Be- »cvnnng eines Mitgliedes zum Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft zu. In der Klagesache Preußen gegen Reich, in welcher Preuße» einen gleichartige» Anspruch geltend machte, wurde der Anspruch mit Urteil des Staatsgerichtshofes vom 7. Mai 1927 grundsätzlich anerkannt. Auch der Reichskanzler ist im Schreiben vom 18. Juli 1827 an die Badische Regierung der Auffaffung. daß die Reichsregieruug „zur gleichen Zeit und unter den gleichen Umständen die gleiche Zusage in bezug auf den Verwal- tnngsrat der Reichsbahn" an Baden gemacht habe wie an Preuße«. Die Reichsregierung hat diese Rechte des Landes Baden bet der neuerlichen Ernennung der Berwal- tnngsratsmitglteder übergangen. Die vom Lande Baden gestern noch versuchte oergleichsmäßige Verständigung hat Der Londdote 4- Sinsheim« Zeitnng. ver Reichskanzler als unmöglich bezeichnet. Die Badische Regierung legt gegen die wiederholte Uebergehung der Ber tragsrechte Badens Verwahrung ein. Desgleichen erhebt sie gegen die etwaige Absicht. Bertragsrechte der Länder durch Reichsgesetz einseitig zu ändern, ebenso nachdrücklich Widerspruch wie gegen die Auffaffung, als ob Bcrtrags- rechte eines Landes bann weniger beachtlich seien, wenn das vertraglich berechtigte Land klein ist. Badisches Staatsministerium: Tr. Schmitt. Plenarsitzung der Handwerkskammer Karlsruhe. Karlsruhe, 22. Dezember. Im Vürgersaal des Rathauses trat dieser Tage die Handwerkskammer zu ihrer 71. Plenarsitzung zusammen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung gab nach Eröffnung der Tagung Präsident Jsenmann ein anschauliches Bild von der gegenwärtigen Lage des Handwerks' Die Lage des Handwerks sei schlecht. Der Konjunkturabstieg gehe in einem Tempo vor sich, das selbst die schlimmsten Befürchtungen überschreite. Die Arbeitslosigkeit fördere weiter die Schwarzarbeit, und auch hier liege eine Schädigung des Handwerks. Der angespannte Geld- und Kreditmarkt tue sein übriges. Durch die ausgedehnte Kreditgewährung, die das Handwerk gezwungen sei zu geben, wird eine Kapitalbildung unmöglich gemacht. Gute Beschäftigung meldet im Handwerk allein nur das Elektro-Jnstallationsgewerbe. Präsident Jsenmann berichtete dann über die letzthin in Berlin stattgefuyöene Kundgebung des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks. . Direktor Endres kritisierte scharf die gegenwärtige Steuerpolitik. Eine weitere steuerliche Belastung wäre das Schlimmste, was man der deutschen Wirtschaft antun könnte. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 22. Dez. (Wie wird das Wetter in den nächsten Tagen?) Das möchten so viele Menschen wissen, denn es hängt davon für Geschäft und Reise und Weihnachtsstimmung sehr viel ab. Das Barometer ist jetzt etwas gefallen, und für heute und morgen haben wir anscheinend mit etwas milderem Wetter zu rechnen das uns vielleicht neuen Schnee, in der Ebene aber unter Umständen auch Regen bringen wird. Dann wird es aber allem Anschein nach wieder etwas kälter werden, so daß bisher die Möglichkeit vorliegt, daß wir zu Weihnachten noch winterliches Wetter mit Schnee und Frost haben werden. Die Winterspvrtler dürsten daher mindestens im Schwarzwald an den Weihnachtstagen noch mit günstigen Schneeverhältnissen rechnen können. ’O? Sinsheim, 22. Dez. (Weihnachts- und Neujahrs-Glückwunschtelegramme) sind für die Zeit vom 15. Dezember 1928 bis 2. Januar 1929 versuchsweise auch im Inlandsverkehr zugelassen worden. Der Wortlaut dieser Telegramme muß den beabsichtigten Zweck eines Glückwunsches oder Grußes erkennen lassen, im übrigen ist der Text wahlfrei. Die Gebühr beträgt 5 Pfg. für das Wort (Mindestgebühr 75 Ppfg.) Sinsheim, 22. Dez. (Neue Formblätter für Glückwunschtelegramme.) Bom 24. Dezember an werden zwei weitere Formblätter für Glückwunschtelegramme eingesührt. Der Aufgeber eines Luxustelegrammes kann im Inlandsverkehr künftig das Schmuckblatt wählen, auf dem sein Telegramm zügestellt werden soll, indem er den mitzutelegraphierenden, als Gebührenwort zu zählenden Dienstvermerk Lx 1 oder Lx 3 oder Lx 4 vor die Anschrift setzt. Ebenso kann der Empfänger eines Telegramms beantmgen, daß fiir ihn eingehende Glückwunschtelegramme aus einem bestimmten Schmuckblatt ausgefertigt werden. Die Telegrammannahmebeamten und die Beamten der Telegrammaufnahme haben die Absender von Glückwunsclstclegram- men, insbesondre von Weihnachts- und Neujahrsglückwünschen auf' die Möglichkeit der Wahl eines bestimmten Formblattes aufmerksam zu machen. Die Schmuckblätter sind am Schalter zur Einsicht bereit zu halten. % Neckarbischofsheim, 20. Dez. (Fettviehabfatz.) Die hiesigen Landwirte haben mit der Piehwertungsgenossenschaft Karlsruhe ein ilebereinkommen getroffen, in Hinkunft das Fettvieh an die genannte Genossenschaft abzugeben. | Bad Rappenau, 21. Dez. Die älteste hiesige Einwohnerin Frau Auguste Veith Ww., geb. Waibel, ist gestern im Alter von 88 Jahren gestorben. cf Bargen, 22. Dez. (Schützenverein.) Am zweiten Weihnachtsfeiertag hält der Schützenverein Bargen seine Weihnachtsfeier im Gasthaus zur Krone ab. Theathralische und gesangliche Darbietungen (Quartettvorträge) sorgen für fesselnde Unterhaltung. Anschließend findet Christbaumverlosung statt. Freunde und Gönner sind herzlichst eingeladen und willkommen. □ Hüffeühardt, 20. Dez. (Goldene Hochzeit.) Zum zweitenmal konnte in diesem Jahre hier die goldene Hochzeit gefeiert werden. Diesmal sind es die Schuhmacherseheleute Martin Metzger. Da die beiden noch bei guter Gesundheit sind, konnte die Feier in der Kirche abgehalten werden. Verschönt wurde sie durch Gesang des Kirchenchors. Neben den üblichen Geschenken von Staat und Gemeinde erhielt der Jubilar noch verschiedene Kleinigkeiten. Vom Kriegerverein, dem er jetzt 43 Jahre angehört, lange Jahre als Schriftführer und zweiter Vorstand, erhielt er einen Korbsessel. Vom Landw. Konsum- und Absatz-Verein, bei dem er heute noch als Rechner tätig ist, wurde ihm ein Schreibzeug, und vom Genossenschastsoerband in Karlsruhe «ine Taschenuhr überreicht. Einen schönen Abschluß fand die Feier durch die Verlobung seines jüngsten Sohnes. •. = Bom südliche» Odenwald, 21. Dez. (Probealarm bei der Reichsbahn.) Die Reichsbahnverwaltung inszenierte kürzlich eitlen Probealarm, um die Schlagfertigkeit der zu ergreifenden Rettungs- maßnahmen auszuprobieren. Als Grundgedanke der Aktion war eine Zugentgleisung in der Nähe der Station Gaimühl mit schlimmen Folgen angenommen. Anwesend war eine An.zahl höherer Reichsbahnbeamten. Die betreffenden Dienststellen trafen sofort die für den Ernstfall nötigen Maßnahmen und auch aus Darmstadt traf ein Hilfszug ein. — Solche Uebungen find im Interesse des Publikums nur zu begrüßen; denn prompte Hilfe hat schon manches Leben gerettet. Wiesloch, 21. Dez. (Einweihung der Gedenktafel für Johann Philipp Bronner.) Gestern nachmittag wurde unter Teilnahme von Vertretern der badischen Regierung, des badischen Weinbauverbandes, der Badischen Landwirtschastskammer und der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Literatur der Landwirtschaft an dem ehemaligen Wohnhause des großen Geologen Johann Philipp Bronner eine Gedenktafel angebracht, die folgende Inschrift trägt: Dem Andenken des verdienstvollen Forschers und Schriftstellers des Weinbaues und der Rebenkunde Johann Philipp Bronner in Wiesloch. geb. 11. 1. 1792, gestz 4. 12. 1864. Gesellschaft für Geschichte und Literatur der Landwirtschaft Weimar. Im Namen der Gesellschaft würdigte Geheimrat Du v. Bassermann-Iordan die Verdienste Bronners um den Weinbau, worauf Bürgermeister Dr. Gröppler (Wiesloch) die Ehrentafel, eine künstlerisch ausgeführte Bronzeplatte enthüllte. = Heidelberg. 21. Dez. (Schwere Rodelunfälle auf dem Königstuhl.) Während für Skisahrer das Gelände am Kohlhof gut ist, ist die Rodelbahn vereist. Das Rote Kreuz unterhält seit Beginn des Winters einen fortgesetzten Sanitätsdienst. Wie wir vernehmen, ist es an der oberen Kurve schon zu einer Reihe, teilweise schwerer. Rodelunfälle gekommen. Die Sanitätsleuts Samstag, den 22. Dezember 1928. I hatten von Sonntag bis gestern 11 Verletzungen zu behandeln, darunter zwei Beinbrüche, ferner Kopfverletzungen. Armverletzungen. Handverstauchungen. Es sollten jetzt nur geübte Fahrer die Bahn -benutzen. Die Schneehöhe beträgt 15—20 Zentimeter. Heute morgen betrug die Kälte oben 6—7 Grad. = Schwetzingen, 21. Dez. (Ein seltener Wintergast.) Donnerstag mittag flog ein Storch mehrere Male über Schwetzingen. Der Vogel der um diese Zeit immerhin ein sehr seltener Gast ist. entschwand in südlicher Richtung. Man nimmt an. daß er aus einem Gehege der Gefangenschaft entflohen ist. --- Brette», 21. Dez. (Einbruchsdiebstahl.) In der Nackst vom Mittwoch zum Donnerstag wurde in der hiesigen Bahnhofswirtschaft Jakob Zimbrich wieder einmal eingebrochen. Die Diebe sind nach Mitternacht von der Bahnsteigsperre her durch ein Fenster eingestiegen. Mit einer Kerze durchsuchten sie dann die Wirtsräume. Mittels eines Schierhakens erbrachen sie die Kasse, wo sie zum Glück nur etwas Kleingeld vorfanden. Sie öffneten dann noch gewaltsam einige Schubladen nnd raubten u. a. Zigarren, Zigaretten und Schokolade. Auch Kuchen und frische Würste hießen sie mitgehen. Die Gauner sind anscheinend mit den Oettlichkeiten gut vertraut gewesen; auch ist wohl anzunehmen, daß die Einbrecher mit den früher dort ausgeführten Diebstählen in Zusammenhang stehen. Hoffentlich gelingt es diesmal der Gendarmerie, die Täter ausfindig zu machen. % Sulzfeld, 21. Dez. (Hohes Alter.) Der zweitälteste Mann der Gemeinde, Johann Fundis, kann heute seinen 86. Geburtstag begehen. Der Jubilar ist körperlich noch voll auf dem Damm, wenn auch sein Augenlicht zu wünschen übrig läßt. Daß Herr Fundis sich hier großer Achtung erfreut, geht schon daraus hervor, daß er seit einem Menschenalter als Kirchengemeinderat tätig ist. Diedelsheim, 21. Dez. (Ein mutiger Retter.) Der Brük- kenwürter Heck aus Obrigheim rettete zwei Kinder aus den Fluten des Neckars. Bier Kinder waren bei der Schiffsbrücke mit einem Schlitten in den Neckar geraten. Während zwei sich an einer Kette festhalten konnten, wurden die zwei Jüngeren von der Strömung fortgerissen. Glücklicherweise hörte der Brückenwärter die Hilferufe der Kinder und konnte rettend eingreisen. Mannheim, 22. Dezember. (Zwei Kinder vom Ertrinken gerettet.) Donnerstag nachmittag wollten zwei Kinder in Edingen mit einem Schlitten am Neckar rodeln. Sie konnten wegen der Schnelligkeit nicht mehr auhalten und fuhren i» den Neckar. Ein zufällig in der Nähe stehender Mann eilte hinzu und rette die Beiden vom Ertrinken. Auch der Schlitten konnte mit einer Stange herausgcholt werden. Reichelsheim st Odenwald, 22. Dez. tJm Streit erschlagen.) Bei einer Rauferei zwischen mehreren jungen Leuten auf einem Bauernhof in der Nähe von Reichelsheim im Odenwald schlug der 28jährige Friedrich Brill den 20jäh- rigen Latzoff mit einem Holzscheit auf den Kopf und verletzte ihn so schwer, daß er nach wenigen Stunden starb. Der Täter wurde festgenommen. Weinheim, 22. Dezember. (Entdeckung eines unterirdischen Ganges.) Bei Erneuerungsarbeiten in einem Keller an der Mtttelgaffe wurde ein unterirdischer Gang entdeck:, der etwa 2 Meter hoch und 1 Meter breit ist. Ob es sich dabei um einen unterirdischen Gang handelt, wie sie die Geschichte Weinheims andeutet, wird erst die nähere Untersuchung ergeben. Ettlingen, 21. Dez. (Arbeiterauswechslung in der Spinnerei und Weberei.) Mit Beginn dieser Woche wurde bei der Firma Gesellschaft für Spinnerei und Weberei Ettlingen der größte Teil der bereits arbeitslosen Textilarbeiter wieder in den Betrieb genommen zu den alte» Rechten. Dafür wurden jedoch andere Arbeiter entlaffen. Zell st W., 22. Dez. Am Donnerstag brach in der Spinnerei und Weberei Zell-Schönau ein Schadenfeuer aus. und zwar in dem in Zell gelegenen Betrieb. Das Feuer hatte in einem sogenannten Abfallschacht seinen Ursprung. Dieser Schacht vestand ganz aus Holz und läuft durch drei Stockwerke. Der ganze Schacht wurde zerstört, ebenso die in der Nähe des Schachtes liegenden Warenbestände, sowie einige Maschinen zum Teil vernichtet. Der Sachschaden ist bedeutend. Schweres Erdbeben anf de« Philippinen. London» 22. Dezember. Nach Meldung aus Manila wurde die Insel Mindanao (Philippinen) in der Nacht zum Mittwoch von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Reben zahlreichen Verletzten fand eine Person den Tod. IW verschiedene» Provinze» MrzteZ MjrWi Getzäude ein. Das Drama auf den Schiene». Das Selbstmörderpaar aus Mannheim. Mannheim, 22. Dez. Das auf der Schienenstrecke zwischen Watdshut und Schaffhausen auf schweizerischem Gebiet abgespielte Drama hat jetzt seine Aufklärung dahin gefunden, daß das lebensmüde Paar, zwei junge Leute, aus Mannheim stammst Es handelt sich um den 21jährigen Glaser gehilfen Willi Truckenmüller und die 20jährige Kontoristin Erna Müller. Die beiden wurden seit letzten Samstag als vermißt gemeldest Dieser Tage kam von ihnen eine Karte aus Basest Außerdem soll der junge Mann schon früher die Absicht geäußert haben, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Die Vorgefundenen Eheringe weisen die Initialen W. T. bzw. E. M. auf. Die weiteren Ermittelungen der Behörden find im Gange. ErwerbÄosaukrawalle i« Mannheim. Mannheim, 22. Dezember. Bon der Polizei war am Donnerstag nachmittag eine Kundgebung des Erwerbs- loscuausschuffes untersagt worden. Dem Verbot zuwider sammelten sich in großer Zahl Demonstranten auf dem Marktplatz an, die singend und unter Schmährufen durch die Straßen zogen. Auf dem Marktplatz mußte die Polizei sogar mit Gummiknüppeln einschreiten. Für die nächsten Tage ist ein polizeiliches Demonstrattonsverbot auf Straßen und Plätzen erlassen worden. Der uene Karlsruher Branddirektor. Karlsruhe, 22. Dezember. Anstelle des zum Leiter des Thüringer Feuerwehrwesens ins thüringische Ministerium berufenen derzeittgen Branddirektors Dr. Johann Meyer wurde Brandingenieur W i l k e n s aus Hamburg, zurzeit bei der Hamburger Berufsfeuerwehr, zum Branddirektor und Leiter der hiesigen Berufsfeuerwehr gewühlt. Willens ist geborener Pfälzer. Brant und Bränttgam tödlich überfahren. Backnang (Würtst), 32. Dez. Der 27 Jahre alte ledige Kraftwagensührer Paul Jetter von Backnang fuhr mit einem Lieferwagen in verkehrswidriger Weise. An einer Kurve kam ihm ein Motorradfahrer entgegen, der nicht mehr ausweichen konnte und so in den Lastkraftwagen hineinfuhr. Der Fahrer und seine mitfahrende Braut kamen unter dem Lastkraftwagen zu liegen, wurden eine Strecke weit mttgeschleifst Die dabei erltttenen Verletzungen waren so schwerer Natur, daß die beiden bald nach ihrer Etnlie- fcrnng starben. Rr. 300. Jahrgang 1928 . 0«.Zritfqrifte, »ei 3. Dsll v«tzH»ig.. Marktberichte. Schweinemarkt Ep gingen 00 m 21. Dezember. Der heutige Schweineinarkt war beschickt mit 190 Milchschweinen und 26 Läufern. Die Preise der ersteren waren 30—50 Mk., der letzteren 65 Mark per Paar. Heidelberger Wochenmarkt. Kartoffel 7 Pfg., Weißkraut 15, Rotkraut 18—20, Wirsing 15—20, Rosenkohl 30—35, Grünkohl (Winterkohl) 20—25, Blumenkohl 40—150, Mangold 30—35, Endiviensalat (Stück) 10 bis 25. Feldsalat (V 4 Pfd.) 25—35, Rettich (Stück) 8-15. Schwarzwurzeln 50—65, Gelbrüben 12—15, Rotrüben 12^15, Weißrüben 10. Bodenkohlrabi 10—12, Kohlrabi 10—15. Zwiebeln 15—20, Sellerie 20—25, Meerrettich 50—100, Landbutter 220 per Pfd., Landeier 14—17 Pfg. per St., Tafeläpfel - 25 bis 45 Tafelbirnen 25—50. Kastanien 20-35, Nüsse 60—65 Pfg. per Pfd. _' Evangelischer Gottesdienst. 4. Advent, 23. Dezember. V 2 IO Uhr: Hauptgottesdienst Vikar Becher. Voll Uhr: Christenlehre Dekan Eisen. 4 Uhr: Weihnachtsfeier der Kleinkinderschule. 1. Weihnachtsfeiertag. 28. Dezember. Kollekte für die evang. Rettungsanstalten in Baden. Kircheuchoh V 2 IO Uhr: Hauptgottesdienst mit Abendmahl. Dekan Else». Vr2 Uhr: Predigtgottesdienst. Dekan Eisen. 2. Wechnachtsfeiertag, 2 «. Dezember. V 2 IO Uhr: Hauptgottesdienst, Bikar Becher. Evang. Pereinshaus. Sonntag, den 23. Dezember, abends 8 Uhr Versammlung. Am 26. Dezember, nachmittags 4 Uhr Weihnachtsfeier der S»«a- tagsfchule. ' Am 26. Dezember, nachmittags 2 Uhr Monatsoersanunlung. Weihnachts- in allen Abteilungen Sonntag geöffnet von 1/212 bis © Uhr. Melhlow Heidelberg Hauptstr 1© am Markt' Unerwartet rasch entschlief unsere liebe Mitarbeiterin Fräulein Dora Qmelin ln ihr verlieren wir eine treue, pflichtbewußte Kollegin, .deren wir stets gedenken werden. Frankfurt a. bl., den 21. Dezember 1928; Das Personal der Ufa-Filmverlei, G.m.b.H. Filiale Frankfurt a. M. Inseriere« bringt Gewinn. Jetzt kommt die schöne Weihnachtszeit Wo Jung und Alt sich stets drauf freut, Wo Festeszauber uns umgeben Und überall herrscht frohes Leben. Der Weihnachtsbock wird angesteckt Kommt her und seht, wie gut erschmeckt! Und stoßt er Euch mit seinem Horn Wer ist dran schuld? die Brauerei Zorn. Empfehle zu den Feieringen: Faß- und Flaschenweine Süd- und Dessertweine I Schaumweine 1 und Spirituosen I zu Tagespreisen frei Haus Carl Nerpel Inh. Eugen Stegmayer, Sinsheim. Tel. 252. , liefert die = ! Frachtbriefe g. ßedier’fche Buchdrudterei. ■ Za jedem Feste! ■ Grosses Los das Beste! 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In diesen Tagen ging der fünfte Kreuzer der London-Klasse auf deni Elyde vom Stapel. Die Gräfin von Leicester, die Gattin des Lords von Norfolk, taufte den Kreuzer auf den Namen „Norfolk" Graf und Dollarprinzessin. Im Aufträge des britischen Kriegsministeriums wurde ein Ganzmetall-Großflugzeug nach dein Typ unserer bekannten Rohrbach-Maschinen gebaut und in diesen Tagen in den Dienst gestellt. — Das Flugzeug fertig zum ersten Start. Svjähriges Priesterjubiläum des Papstes. Krrea zwischen Bolivien und Paraauau mmm . v»; «fr ' ^ ^ f WWZsMMM Gras Bernadotte, ein Neffe des Königs von Schweden, hat sich mit der Tochter des amerikanischen Asbestkönigs, der vielfachen Dollarmillionärin Estelle Romaine Manville, verheiratet. Die Hochzeit, die mit großem Pomp gefeiert wurde, hat mehrere Millionen gekostet. — DasHochzeitspaarverläßt nach der Trauung die Kirche. Zwischen den beiden sudamerikanischen Staaten ist es bereits zu erbitterten Kämpfen im Grenzgebiet gekommen, und es ist fraglich, ob die Ber- mittlunasaktton von Erfolg sein wird. — Bolivianisches Militär «ach der Mobilmachung in Paradeuniform. Papst Pius XI. begeht sein goldenes Priesterjubiläum. Anläßlich dieses hohen Tages wird die katholische Kirche vom 20. Dezember dieses Jahres bis zum 21. Dezember nächsten Jahres ein Iubiläumsjahr feiern. Während des gan» zen Jahres werden Pilgerfahrten nach Rom stattfinden. Das fahrende Tiroler Knusperhäuschen Eine Riesenschwimmhalle in der Olympiastadt. , * Ilm den Konkurrenzkampf mit den großen Geschäften und ihren wirkungsvolle» Weihnachtsauslagen aufnehmen zu können, ist ein findiger Kopf auf die Idee , gekommen, fein Tiroler Knusperhäuschen auf ein großes Lastautomobil aufzu- mantiere« «»d damit in den Städten herumzufahren und so gewissermaßen ei« fliegende Verkaufsstelle einzurichten. Amsterdam, wo in diesem Jahre die Olympischen Spiele stattfanden, hat eine große Schwimmhalle gebaut, mit der den Schwimmern zur Austragung großer Wettkämpfe eine vorbildliche Stätte geschaffen worden ist. — Einweihung der Schwimmhalle mit einem Schwimmfest. Nr. 300. Strang 1928. Der Landbote * Sdrsheimer Zeitttng. Samstag, den 22. Dezember 1928 i J Proletarifierung des Bauerntums Von Giselher Wirsing. Die ungeheure Verschuldung der deutschen Landwirtschaft ist in den weitesten Kreisen bekannt. Trotzdem gilt der Bauer sozial als günstiger gestellt wie der Industriearbeiter — hat er doch in seinem Besitz ein festes Kapital. Wie wenig derartige Argumente bei nüchterner Betrachtung ausfagen, wird durch einige Berechnungen erwiesen, die Prof. Dr. Münzinger von der Landwirtschastsschule Hohenheim auf der Oktobertagung der D.L.G. in Heidelberg dargetan hat. Die bäuerliche Wirtschaft — Münzinger ging vor allem von süddeutschen Verhältnissen aus — ist in ihrer heutigen Form nur dadurch noch in der Lage, ihren Mann notdürftig zu ernähren, daß der Bauer seine Arbeitskraft überhaupt nicht in eine Gewinnrechnung einsetzt. Sie hat er kostenlos, wie er meint, alles andere dagegen muß mit Bargeld bezahlt werden, das infolge der Saisonbedingtheit der Landwirtschaft zu manchen Zeiten überhaupt kaum beim Bauern zu finden ist. Don der Hohenheimer Schule wurde durch eine Reihe von Diplomlandwirten verschiedene typische, jedoch verhält- nismäßig gut bewirtschaftete Betriebe untersucht. Besonders interessant sind die Ergebnisse, die über den Reinertrag der bäuerlichen Familienwirtschaft geliefert wurden. Hierbei wurde zunächst der ortsübliche Lohn be» rechnet, wie er sich ergibt, wenn man die Arbeit der Familienkräfte so einsetzt, wie sie entsprechend den betreffenden Landarbeiterlöhnen sich bewerten läßt. Hierbei stellte sich in den untersuchten Betrieben heraus, daß der Reinertrag nicht so groß ist, daß sich das Kapital mit 5 Prozent verzinsen könnte! Bedenkt inan jedoch, daß der Bauer seine und seiner Familie Arbeitskraft, wie oben erwähnt, meist ganz gering oder fast gar nicht einschätzt, daß er faktisch weniger Stundenlohn aus seinem Betrieb herauswirtschaf- .tet, als ein Lohnarbeiter bezahlt bekäme, so verändert sich das Bild noch bedeutend. „Denn wenn man das errechnete Lohneinkommen zum Reinertrag wieder zuzählt und dabei berücksichtigt, daß der Bauer in seinem Betrieb ja auch Besitzer, also Ka-nmlist ist, und wenn für dieses Kapital nur eine fünfprozentige Verzinsung gerechnet werden soll, dann jssxjben für den Lohn der Arbeitsstunde nur ein Drittel bis T& Hälft» tzes ortsüblichen Landarbeiterlohns übrig, und es erhellt, daß der Arbeitslohn der bäuerlichen Familien» wirtfchast nicht entfernt verglichen werden kann mit dem Lohn des Industriearbeiters in der gleichen Gemeinde. Selbst wenn der Bauer auf eine Verzinsung des Bodenwertes, auf eine Grundrente verzichtet, kommt fein Arbeitslohn vielfach noch nicht an den Lohn seines Gesindes heran." i Zur weiteren Erläuterung feien einige sprechende Zah- len «iedergegeben: In derselben Gemeinde betrug der Arbeitsertrag pro Stunde (bei fünfprozentiger Kapitalverzinsung des Bauerngutes) für den Bauern in einem Falle 22 Pfg., für den Landarbeiter 36 Pf., für den In- dustriearbeiter 55 Pf.; in einem anderen Falle ist das Verhältnis 10 Pf.: 30 Pf.: 50 Pf., in einem dritten Fall 21 Pf.: 30 Pf.: 70 Pf. Rur in einem der unter- suchten Fälle steigt der bäuerliche Arbeitsertrag über den des Landarbeiters, bleibt aber hinter dem Industriearbeiter noch immer weit zurück; hier ist das BerhMnis 34 Pf.: 31 Pf.: es Pf. Von den angeführten sieben Beispielswirtschaften (von 8,5—24 Hektar) hatten nur zwei einen Gewinn von 35 und 142 Mark zu buchen, bei allen anderen verschlang der Zins- anspruch den gesamten Reingewinn. Wenn man bedenkt, daß gerade auch in der kleinen Landwirtschaft die Verschuldung täglich steigt, so muß man sich den Ernst, der aus diesen Zahlen spricht, klarmachen. Der Bauer arbeitet im Durchschnitt vier bis sechs Stun- den (je nach der Jahreszeit) länger als der Induftriearbei- ter. Trotzdem verdient er nicht so viel, daß er beispielshalber sein« Tochter in einer Berufsschule zu einer tüchtigen Bauernfrau ausbilden lassen kann; er muß sie in die Fabrik schicken, damit auf diesem Weae noch etwas Bargeld ins ± \ aS paus kommt. Durch diese Verhältnisse werden viele Familien gezwungen, einige ihrer Mitglieder aus dem haus- virtschaftiichen Verbände zu entlassen, und für die anderen äegt dann natürlich die Versuchung nahe, die Scholle, auf der trotz größten Fleißes nur ein ganz dürftiger Reinertrag und meist kein Gewinn erwirtschaftet werden kann, aufzu- zeben. Diese schlechten Verhältnisse auf dem Laiche haben zu einem guten Teil den Reichtum der Städte, die Ansammlung von Kapital in den Industrie- und Handelszentren ermöglicht; denn nur durch die schwierige Stellung der Bauernwirtschaft wurden alljährlich Abertausende gezwun- gen, ihre Arbeitskraft verhältnismäßig billig auf dem städtischen Arbeitsmarkt anzubieten; nur hierdurch entstand die „industrielle Reservearmee"! Für die Zukunft unseres Bol- l kes muß es aber von höchstem Schaden sein, wenn sich die ' Stadt weiterhin auf* Kosten des Landes und der ! Landschaft ausdehnt und bereichert. SfandJ i i 3 » s 40 9- 8 § Z 6 - - - ._ Z, L Q C w >w Im fl C — 2* o 4— Q Ml r-* 2 3 Q) -O > -O £ <*> w Q -Achtstundentag« [40 9 8 Bäuerliche Andererseits ist denjenigen Stimmen, die eine Rentabilität des bäuerlichen Betriebes nicht in größerem Umfange für nötig halten, solange er sich nur eben noch als Familien- wirtschast trägt, entgegenzuhalten, daß die R e n t a b i l i - tät auf die Dauer die einzige Grundlage ist, welche den Bauern auf dem Lande halten kann; vor allem aber auch die notwendige Vorbedingung für jegliche Siedlung. Wo Siedlerstellen durch Zinslasten und allgemeine Verhält' aisse in eine Passivwirtschaft hereingerissen werden, werden sie unmöglich zu halten sein. Professor Münzinger blieb jedoch nicht bei der rein betrachtenden Darlegung stehen, sondern gab klare Wege in, wie der-bäuerliche Betrieb rationeller zu gestalten wäre Er legte hierbei besonderes Gewiche auf die Rolle der Grün Handflächen innerhalb der Feldwirtschaft und auf die Roll »er Kuh innerhalb der Biehwirtschaft. Durch ein ratia n e l l e r e s Wirtschaften kann die einzelne, bisher auf Handarbeit abgestellte Bauernwirtschaft sicherlich noch viel größere Intensität erreichen. Man bedenke nur, daß im Jahre 1927 für 3,9 Milliarden Lebensmittel eingeführt wurden! OfleußjDJjrt Für den Wintersport M er Wintersport verlangt einebesondere ^ Kleidung, die in erster Linie zweckmäßig und praktisch sein muß. Der Skianzug z. B. wäre den Anforderungen, die man an chn stellt, keineswegs gewachsen, wenn man nicht einen sehr stabilen, absolut wasserdichten Stoff wählen und wenn man chn nicht mit einem langen, am Fußgelenk fest cch- schließenden und sehr bequem sitzenden Beinlleid ausstatten würde. Unser Modell ist ein vorbildlicher Anzug in einfacher, gut geschnittener Form, der aus dunkelblMem, natürlich imprägniertem Tuch, Trikot, Gabardin oder Loden gearbeitet werden kann. — Für die Kostüme für Rodel- und Eislauffport sowie für eine Wanderung durch die winterlich-heschneite Natur gibt es weniger strenge sportliche Regeln als gerade für den Skianzug. Natürlich »erlangen auch diese Kostüme, die meist noch durch ein praktisches Beinkleid aus gleichem Material ergänzt werden, einen sehr guten, stabilen Stoff, der unempfindlich ist gegen die Einflüsse der Witterung, besonders der Feuchtigkeit, und der genügend Wärme spendet — denn mollig muß ein Win- tersportanzug auf alle Fälle sein. Sehr flott und dabei äußerst praktisch sind die Kostüme, die aus einem karrierten Wollstoffrock und einer gutverarbeiteten Lederjacke bestehen; solche Lederjacken, die übrigens sehr fesch aussehen. werden genau wie die Wollstoffjacken mit großen Taschen und kleidsamen Pelzkragen und -Manschetten ausgestattet. Zu allen \ Modellen sind Lyon-Schnitte er- X hältlich. A. K. i*3*5Är 8 Stattartöten. 5onstige2etr.flrb.MM^ Hofarbeiterr, Essen u.KNuße, Fel-arbeite n 1 Jedenfalls muß immer im Auge behalten weroen, o»U ein Großteil des Volkes unter sehr viel schlechteren Lohnbedingungen und Arbeitsverhältnissen lebt als der städtische Arbeiter, ohne daß dieser Volksteil die Möglichkeit irgen»- welcher Hilfe von außen besitzt. _. Statistik^des Amtsbezirks Sinsheim. ‘f Das vor kurzem vom badischen statistischen Landescuut herausgegedene Merkchen: „Baden in Mort und Bild" enthält auch fiir den Amtsbezirk Sinsheim wertvolle statistische Angaben. 1. Die Landwirtschaft. Don den 254 607 landwirtschaftlichen Betrieben des badischen Landes antfallen rund 9000 auf den Amtsbezirk Sinsheim. Diese gliedern sich entsprechend ihrer tzektarzahl in pU gende Größenklassen: Parzellcnbetricbe — 4979; kleinbäuerliche Betriebe = 1556; großbäuerliche Betriebe -= 46 und Großbetriebe = 16. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt 31076 Hektar -= 70,3 Prvz. der Gesamtfläche. 27 561 Hektar entfallen auf Aekerkind 3053 auf Miesen, 26 auf Meiden, 209 auf Rebland und 227 auf Obstanlagen. Das Ackerland dient zum Anbau folgender Kulturen: Getreidebau -- 12 936 Hebt.; Hül- fenfriichte = 726 Hebt.; Kartoffeln — 4508 Hektar; Futteroflan- zenbau - 8428; Handelsgewächse = 690 Hektar; Gartengewächse = 253 Hektar. Der Getreidebau niinmt also eine wichtige Stelle ein. Die einzelnen Getreidearten sind der Fläche nach sehr verschieden; Winterweizen = 4151 Hekt.; Spelz — 9322 Hebt.; Winterroggen = 1381 Hekt.; Sommergerste = 3323 Hektar; Hafer --- 2529 Hektar. Der Zuckerrübenbau steht an der Spitze aller badischen Amtsbezirke. Bon der Gesamtfläche — 2741 Hektar; in Baden entfallen auf den Amtsbezirk — 960 Hektar. Ebenso ist der Zichorienanbau mit 429 Hekt. im Amtsbezirk am stärksten vertreten. Der Bestand an Obstbäumen beträgt nach der Erhebung 498 000, d. i. 1600 Bänore auf je 100 Hektar bewirtschafteter Fläche. Der Kernobstbau überragt mit 180 000 Apfelbäumen und 137 000 Birnbäumen. X «ns» \ ccra 9 j5Kn(D2 Cö733 C 8139 Scganies Sötnter(porHo[tüm, bestehend aus püner SBiftlebaiade xttb grün tariertem Wolpoff- nd. Dieser ist durchgehend in Fallen geordnet. «» der Jacke Pelzschnmck und aufgesetzte Taschen. Breiter «riet. Lyon-Schnitt, «ritze 44 UN» 48 erhW- llch («rotzer Schnitts. St 102 Praktischer Lislausaiyug in Neidsamer Blusenform au« Schottentasha und unt Nash» kombiniert. Da« einfarbige Material ist für die Muse verwendet, die Nnopsschlutz und glotze aufgeietzte Taschen zeigt. Breiter Lürtel. Lyon-Schnttt, Grdtze 44, erhillt- «ch (Grotzer Schnitt) L 8138 wintersporttostüin au« grünem Wollstoff für di« Jacke und grtlnkariertem Wollstoff für den Rock tandiniert. Dieser ist vorn in ganzer Länge jmn Nnöpfev eingerichtet. An der Jacke RückengürtU au« Leder »ud Pelzschmuck. Lyon-Schnitt, «rdtze i:. erhLllich fvrotzer Schnitt). ^.liLNMg aas dunkiAanem Tuch mu Jacke u» Schlupfs«« und langem Lemlleid. Aermel- «rdülechhündche» zeige« Lnouffchdch. «ürtel mll Schnalle. Hoher Äragen, in der Foet- Ntzung de« Schlitze« ebenfalls mit Änopffchlutz. Ly»»- Schnitt, «ritze 41, erhillllich iSrotzrr Schnttk». r % Ächrgaag 2B28. D« Landßote * Siastzei»« Iethmg. Samstag, den 22. Dezember 1928. !! f Py, de» übrige» Obstsorten sott» vertreten: 'Zwefschgenbäume 133 000. Pflaümenbäume 10000 mnd tKirsttzdiiume --L2000. Neben dem Ackerbau ist rmch die Wchhaltung von nicht geringer Bedeutung. Nach der Zählung am 1. Dezember 1928 waren vorhanden: 2892 Pferde. .20-357 Rindvieh. 20 999 Schweine. 4974 Ziegen. 2309 Schafe und 106 387 Stck. Federvieh. 2. Me Bevölkerung. Don Len 2 312 462 Bewohnern des badischen Landes entfallen auf den Amtsbezirk = 45 411, b. i. 1,96°/° der Gesamtbevölkerung. Die Bevölkerungszunahme in den'letzten 100 Fahren beträgt nur 4305, während die Vermehrung z. B. im Amtsbezirk Mannheim in demselben Zettraum eine 6 fache ist. Nach der Religionszugehörigkeit gehören der eoang. Landeskirche 32 764 Bewohner an <72,2 °/eX der kath. Kirche — 10942 (24,1°/°), Fsrae- ttten wurden 732 gezählt (1,6 °/°), der Rest von 973 (2,1 °/°) sind Angehörige selbständiger Sekten und freireligiöser Gemeinschaften. Der Amtsbezirk umfaßt eine Fläche von 44 201 Hektar, sodaß auf ein Quadratkilometer — 103 Einwohner.kommen, eine Zahl, die wesentlich unter dem Landesdurchschnitt liegt. An Wohngebäuden waren i. F. 1925 vorhanden: 7977, iu denen 11009 Haushaltungen untergebracht waren. Don Zntercsse ist auch die Austeilung der Bewohuer in die verschiedenen Berufe. Ungefähr die Hälfte (22 589) zählen zur Landwirtschaft oder den verwandten Gewerben. Auf Gewerbe und Industrie kommen 13 567. auf Handel und Verkehr - 3784. aus Verwaltung usw. = 1628, auf Gesundheitswesen -- 490, auf häusliche Dienste - 626, Berufslose oder solche ohne Berufsanzabe wurde» 2724 ermittelt. Von besonderer Wichtigkeit ist iüe statistische Erfassung der Bevölkerungsbewegung. Diese zeigt i. F. 1926 im Amtsbezirk folgendes Bild: Geburten --- 979. Eheschließungen --■■■ 264, Todesfälle = 613. Der Devölkerungsüberfchuß somit -= 366. Auf 1000 Personen kommen demnach 21,6 Geborene. 5.4 Ehen. 13,5 Todesfälle. Der Ueberschuß = 8.1 Prozent. _ __ Verschiedenes. ” Ei«e englische Herzogin hinter dem Ladentisch. Man ist baron gewöhnt, daß ehemalige Erzherzöge und frü- Here russische Großfürstinnen ihren Lebensunterhalt als Verkäufer «der Verkäuferinnen verdienen. Bei einem Mitglied der englischen Aristokratie war aber «in derartiger Anblick bisher etwas völlig Ungewohntes. Nun hat die älteste Tochter des Herzogs von Newcastle diesen Bann gebrochen. Eie hat längere Zeit in einem großen Newyorkrr Putz- und Modengeschäst als schlichte Verkäuferin Dienst« getan. Bis eines Tages entdeckt wurde, wer sich hinter dem „Fräulein Hope" verbarg und damit das Abenteuer zu Ende war. Die zwanzigjährige Heldin dieser romantischen Geschichte lebt« bis zum Beginn der vorigen Woche mit einer Freundin zusammen in einer kleinen Wohnung in Greernvich-Village. einem Vorort von Newyork. in dem die ungebundenen jungen Leut«, Literaten. Künstler. Musiker usw. zu wohnen pflegen. Das Geschäft, in dem sie tätig war, ist «in Modeladen ersten Ranges in der fünften Avenue. Dieses Leben gefiel der jungen Herzogin jo gut. daß sie die Absicht hatte, sich an das Einwanderungsmnt zu wenden und um eine Verlängerung ihres, auf ein halbes Jahr ausgestellten Aufenthaltsscheines zu bitten. Aber da wurde das Idyll gestört. Eines Tages betrat eine Käuferin den Laden, die in der bescheidenen Verkäuferin die englisch« Herzogstochter wtedererkanntg. Sie trat an den Ladentisch und redete Fräulein Hope mit ihrem wirklichen Namen an. Die Verkäuferin sah. daß ihr Geheimnis nicht länger zu wahren war. Sie kündigte dem Geschäftsinhaber noch an demselben Tage ihre Stellung und zog sich nach Washington zurück, wo sie bei einer Bekannten, einer vornehmen Amerikanerin, Zuflucht fand. Der Ladcmnhaber hätte sie natürlich gerne erst recht beschäftigt und ihr Gehalt von 100 Mark die Woche verdoppelt oder verdreifacht. Denn die Herzogstochter hinter.dem Ladentisch hätte sicher sehr viele reiche und kauflustige Kunden angezogen. Aber gerade das fürchtete „Fräulein Hope". und deshalb ließ st« sich auf eine Verlängerung ihrer Derpslich- tungen nicht ein. Die ersten Weihuachtsbänme. ..Was bas für ei» Getue ist um das Mitfommcn" . . - »Gine ganz atte vertrocknete Fichte hatte das in spitzem Tonfall gesagt, als die hübschen, jungen Bäunie sich die ganzen Tage angeregt darüber unterhalten hatten, ob sie wohl auch als Festbäume abgeholt würde». Ja. die Kleinen, denen man . erklärte, sie eigneten sich nicht zum Weihuachtsbaniu. weinten,dicke Tränen, bis eine Tanne, die auch schon hundert.Jahre auf das Leben im Walde slhaute, sie tastete und ihnen sagte, daß kleine Bäume sehr begehrt wären und die Möglichkeit des Mitkommens durchaus vorhanden sei. Und nun waren sie alle, die Großen und die Kleinen» »ach langer Fahrt an dem Platze angelangt, der die letzte Station vom Walde zum Weihnachtstisch bildete. In Reihen hatte man sie aufgestellt und der Größe nach, so daß ein richtiger kleiner Park entstand, und zwischen ihnen liefen jubelnde Kinder und kritisierende Eltern. Und da zeigte es sich recht, daß die kleinen Bäume recht begehrt waren, namentlich, wen» sie über eine gute Figur verfügtem Die Großen spielten auch hier die Bornehmen, doch mutzten sie länger.warten, ehe sie gewählt wurden. Für die Vereinsfeste, größere Kinderbescherungen und Kirchen waren sie passender, als für kleine Wohnungen, und ihr Preis war .auch so gehalten, daß sich Familien, die von der Hand in den Mund leben — und das sind die meisten — diese stolzen ragenden Exemplare gar nicht stch leisten können. Wie sieht es aber in den Herzen der Käufer aus, die den Träger des Lichterglanzes und den Zeugen heimlicher and lauter Liebe begrüßem Man kann wohl sagen, daß es selten einen Menschen gibt, der mit absoluter Gleichgültigkeit vor den Wethnachtsbäumen steht, daß selbst der von seinen Zettengoffen als „verworfen" Angesehene tiefernst «nd bewegt de» Wunderbaum betrachtet und sich von ihm ins Kinderland, in den Unschuldstraum zurückgleiten läßt. Wer nach dem Kostenpunkt nicht fragen braucht, sucht selbstbewußt „den Schönsten", »nd wer rechnen mutz, geht vorsichtig die Berkaufsstänbe ab, ob nicht billig und schön -sich harmonisch vereinigen läßt — manchmal gelingt es, im allgemeinen ist tS aber nicht beisammen . . . Die Kinder find ständige Gäste an den Verkaufsstellen, und es ist ein Jubel «m jeden Baum, der wieder mit seinem „Fuß" ver. sehen ausgestellt wird; denn die Christbaumstänber in Form von Holzkreuzem werden gleich an Ort und Stelle am Baum befestigt. De» Reden des kleinen Volkes kann man unermüdlich zuhören, und es würde ein Kapitel für sich ergeben, würde man dies unter „Kindermund" zu Papier bringen. Ein weiteres Kapitel ließe sich über die Aerursten schreiben denen es unmöglich ist, sich, ob sie allein sind, oder Kinder haben, ein Bäumchen zu leisten: aber vielleicht wird schon heimlich irgendwo dafür gesorgt, daß auch ihnen die Lichter eines Weihnachtsbaums brennen. Schönheitskonknrrenz für die Häßlichste. Iw Chicago fand dieser Tage eine eigenartige Konkur» renz statt. Ein reicher Amerikaner hatte stch entschlossen, eine« Schönheitswettbewerb für die Häßlichste, deren Gesicht die meisten Sommersprossen aufweist, zu veranstalten. Da er aber wußte, daß sich zu diesem Wettbewerb nicht allzuviele Domen einfinde» würden, stiftete er insgesamt Preise von 10 000 Dollar für die Häßlichsten. Die Häßlichste unter ihnen sollte hiervon 5000 Dollar erhalten. Und dies wirkte. Sechsundzwanzig Anwärterinnen meldeten stch, die alle miteinander wetteiferten, als die Häßlichste bezeichnet zu werden und als solche den Preis dieser Schönhettskonkurrenz davonzu- tragen. Siegerin blieb ein 17 Jahre altes Mädchen aus San Francisco, Fern Sahlberg, die nach der Meinung der gestrengen Jury die meisten Sommersprossen anfwies. Nun wurde die häßliche Fern plötzlich berühmt. Die Zeitungen brachten ihre Photographie, und sie bekam, wie es schon bei Berwattnngsstelle für Betrügereien. In Rumänien wird mit den Steuergeldern eine Rand- Wirtschaft getrieben, stellt wehmütig das Bukarester Blatt „Avcrul" fest. Wenigstens 25 Prozent der Einnahmen er. reichen nie i^een Bestimmungsort, sonder« verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Nun befaßt man sich mit dem Geda«. ken, eine Institution zu schaffe«, die dieser Mißwirtschaft endlich Einhalt gebietet. Zu diesem Zwecke — berichtet das Blatt weiter — hat man höheren Orfes die Idee, im Rah. men des Finanzministeriums eine Verwaltungsstelle für Betrügereien einzurichten. Natürlich soll dieses neue Amt nicht die Betrüger, sondern den bisher betrogenen Staat vor ihnen behüten. Ob man über diese Verwaltungsstelle nicht eine Oberverwaltungsstelle wird einsetzen müssen — -aS wird die Zukunft zeige». Warum die Araber keine Hemden tragen. Gute Kenner des arabischen Wesens geben eine kurios« Erklärung für die traditionelle Kleidung der Araber, dir unter ihrem weißen Burnus nie ein Hemd zu tragen pflegen. Als die Araber noch in Spanten saßen, pflegten ste ebenso wie die Europäer Leinenyemden zu tragen. Wäh. rend des spanischen Befreiungskrieges gegen die arabische Herrschaft belagerte die Königin Jsabella von Kastilien -1« Stadt Granada und tat das Gelübde, daß sie ihr Hemd nicht eher wechseln wolle, als bis diese Stabt im Besitz -er Spanier sei. Nach schweren Kämpfen gelang es endlich auch de» Spanier», die hartnäckig verteidigte Stadt zu nehmen. Der tapferen Besatzung war freier Abzug zugestanöen worbe». Durch sie erfuhr der Führer der Araber in Spanien von -ei» Gelübde der Königin Jsabella und tat nun seinerseits -e» Schwur, daß kein Araber jemals wieder ein Hemd anlege» «volle, bevor nicht Granada wieder im Besitze der Araber sei. Nach Ablegung dieses Schwures entledigten sich alle Kriege» ihrer Hemden. Der Schwur wurde auf die Schlüssel -er Stadt Granada geleistet, welche die abgezogene Besatzung heimlich mitgebracht hatte. Fast fünfhundert Jahre sin- fett jenem Tage verstrichen und Granada ist nach wie vor tt» Besitze der Spanier. Die Araber aber haben ihren Schwur gehalten, sie tragen noch immer keine Hemden. 10 Gebote der Tierfreunde im Winter. 1. Füttert die hungernden Bögel. Singvögeln streue man Körnerfutter an geschützte Stellen. 2. Nehmt euch der herrenlosen Katzen an. schützt sie dadurch, vor Quälereien. Sie lohnen Pflege mit drolliger Liebe. Ueber» zählige Tiere laßt schmerzlos töten. 3. Wenn ihr einen Kettenhund endlos heulen hört, forscht nach der Ursache. Sorgt dafür, daß Kettenhunde und Zughunde ein trockenes Lager haben. Schützt den Eingang der Hütte durch einen vorgehängten Sack vor dem Wind«. 4. Achtet darauf, daß bei Fuhren von Sand, Holz usw. Vorspann genommen wird, wenn dies nötig. Ein ausklärendes Wort an den Fuhrmann schützt manches Pferd vor Schlägel». Beim Stehen sollen die Pferd« genügend zugedeckt sein. Bei Frost erwärme man die Eisenteile des Zaumes vor dem Anlegen durch Reiben. 5. Sorgt dafür, daß auf Märkten mit dem Geflügel nicht roh umgegangen wird. 6. Gänsestopfen ist eine Tierquälerei. Gestopfte Gänse sind krank. 7. Beachtet die Biehtransporte besonders bei Verladungen. 8. Macht in den Landgemeinden auf die Verwendung des Bolzenschußapparates bei den Hausschlachtungen aufmerksam. 9. Schützt die Ställe für Groß- und Kleinvieh einschließlich Kaninchen und Geflügel gegen Kälte und Nässe; die Tier« werden dadurch vor Krankheit bewahrt. 10. Verlangt von den Tierschntzvereinen Aufklärungsmaterial für Jugend und Eltern. Automobilisten! Abgefahrene und beschädigte Reifen werden in meiner neu errichteten, mit den modernsten Apparaten ausgestatteten DampfVulkaolsier-Anlage nach den Grundsätzen der Neufabrikation sorgfältigst instandgesetzt. Hartlieb Sontheim- Heilbronn Telegramme: Hartlieb Heilbronn Fernsprecher: Heilbronn Nr. 1736 Traurings vorteilhaft mit sofort. Grav. bei AltJickuliigstr'Si, Werkzeuge für Jeden Baruf Transmissionen FiOgeipumpen Baugeräte Berghelmerstraße 3. Ar die WeihnmhtsMerei empfehle smtlilhe MMel Telefon 344 Ludwig Moll b. d. Kirche Brauchen Sie einen neuen Schirm 7 Sa nn denken Sie an meine große Auswahl in Damen- n. Herrenschirme. Nur der Fachmann gibt Ihnen die Gewähr, wirklich Qaalitits-Schirme, sowie Spazierstöcke za billig« Preis« anxabieten. 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