Erscheint täglich mit Ausnahme der Feiertage Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.6V Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr - Sonntags geschlossen. Fernsprech-Anschlutz Rr. 468 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanöbote Sinsheimer MM Zeitung ?sis General-Anzeiger für Äsenz-unö Schuxugbachtal Heltefte and verbreitetste Zeitung dieser Gegend. I^aupt-Hn^eigen-Blatt Möchentl. Verlogen r 6in Blick in die Mell » Pie BrannenTttib« » Hws dem Reith der {Code • Ratgeber für Raus- «. Eandwirtldiaft Anzeigen-Preife: Anzeigen. Die ZZ mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Peftr. Bei Wiederholungen mriffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher auf- gegeben werden. Bank-Konto Pereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 196. Donnerstag, den 24. August 1933. Die AuseinMttWng ier iien ReWW-M Briefwechsel Oberreichsanwalt—Branting — Romain — Rolland. Leipzig, 24. Aug. Der schwedische Rechtsanwalt Branting hat auf das an ihn gerichtete Schreiben des Oberreichs- anwalts in der Reichstagsbrandsache mit einem längeren Schreiben geantwortet. Er macht darin Mitteilung von der Bildung des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes, führt die Namen der neun Mitglieder dieses Ausschusses an und meint, es sei ein außergewöhnlicher Schritt» daß eine Anklagebehörde nach Abschluß der Vornntersuchnng und nach Fertigstellung der Anklageschrift bei nicht direkt am Prozeß beteiligten Personen wegen weiteren Beweismaterials anfrage. Branting stellt fest, daß die vom Gericht bestellten Verteidiger sich nicht an ihn gewandt hätten und fährt dann fort: Fch persönlich habe nicht das alleinige Verfügnngsrecht über das Beweismaterial des Untersuchnngsansschusses. Ich zweifle aber nicht daran» daß dieser Untersnchnngsansschntz in Uebereinstimmnng mit de« vom mir bereits dargelegten Anschauungen das gesamte Material den Verteidiger« sofort l«r Verfügung stellen wird, falls genügende Boranssetzu«- zen für eine freie und unabhängige Verteidigung der An- »eklagte« gegeben find. Als solche Voraussetzungen sehe ich in diesem Falle an: 1. Freie Wahl der Verteidiger durch die Angeklagten, 2. Zulassung der von den Angeklagten bestellten ausländischen Verteidiger. 3. Unbeschränkte Einsicht der Akten durch die Verteidiger und Uebersenöung der Anklageschrift an die von den Angeklagten bestellten ausländischen Verteidiger. 4. Volles Recht der Angeklagten zur Aussprache mit ihren Verteidigern ohne Anwesenheit Dritter. 5. Oeffentlichkett der Verhandlungen des Gerichts während der ganzen Tauer des Prozesses. 6. Menschenwürdige Behandlung der Angeklagten, so baß sie körperlich und geistig imstande sind, ihre Verteidigung vor Gericht zu führen. 7. Freies Geleit und Sicherheit des Lebens für die von der Verteidigung oder vom Untersuchungsausschuß benannten Zeugen sowie Gelegenheit zu ungehinderten Aussagen. 8. Sicherheit des Lebens für die Verteidiger und Sicherheit der ungehinderten Möglichkeit zur Verteidigung durch sie. 9. Ladung der von der Verteidigung benannten oder noch zu benennenden Zeugen. 10. Genehmigung der uneingeschränkten Aussage für die Zeugen, soweit sie sich im Dienste des Deutschen Reiches oder eines deutschen Staates befinden oder befunden haben. Die Antwort des Oberreichsanwalts. „Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! Ich bestätige ergebenst den Empfang Ihres Schreibens vom 18. ds. Mts. Ihre darin zum Ausdruck gebrachte Auffassung, meine Bitte um Ueberlassung des im Besitz der Kommission befindlichen Beweismaterials berechtige zu dem Schluß, daß ich das gegen die Angeschuldigten vorliegende Beweismaterial selbst nicht für ausreichend halte, geht fehl. Nach den mir zugegangenen Mitteilungen über die Ziele der Kommission habe ich nicht erwartet und konnte ich auch nicht erwarte«, daß ich Material zur weiteren Belastung der von mir verfolgte« Personen erhalten werde. Bei meiner Bitte bin ich vielmehr, soweit die von mir an- geklagtcn Personen in Frage kommen, von dem von allen deutschen Staatsanwaltschaften von jeher als vornehm« Pflicht empfundenen Bestreben ausgegangen, möglichst restlos alle für die Beurteilung der Schuldfrage bedeutsamen Tatsachen, also auch etwa die zur Entlastung dienenden Momente dem Gericht zur Kenntnis z« vringen. Darüber hinaus mußte ich nach den Pressemeldungen annehmen können» Material erwarten z« könne», das geeignet sei, den Verdacht der Beteiligung am Reichstagsbrand gegen Personen zu begründe«, gegen die bisher ein Verfahren nicht anhängig gemacht worden ist. Ich war der Meinung, daß der Sinn meiner Worte nicht mißverstanden werden könne. Mit voller Deutlichkeit ist er jedenfalls aus meinem Schreiben an Herrn Romain Rolland ersichtlich, dessen Inhalt Ihnen, wie ich aus Ihrem Schreiben entnehme, bei dessen Abfassung bekannt war. Sie selbst kennzeichnen entsprechend auch in Ihrem Schreiben das im Besitz der Kommission befindliche Material als zur Verteidigung der Anklage dienlich. Im übrigen entnehme ich Ihrem Schreiben mit Genugtuung Ihre Zustimmung zu meiner Auffassung, daß aus die Vorlage des gesamten der Ermittlung der Wahrheit dienenden Materials an das Reichsgericht das größte Gewicht gelegt werden müsse. Wenn Sie dabei erklären, daß Sie es kür richtig halten, das Material dem Gericht nicht durch die Anklagebehörde, sondern durch die Verteidigung vorzulegen, so darf ich bemerken, daß der Weg, auf dem das Material dem Reichsgericht zugängig gemacht wird, für mich von untergeordneter Bedeutung ist. Ich bin auch damit vollkommen einverstanden, daß das Material durch Vermittlung der Verteidigung zur Kenntnis des Gerichts gebracht wird. Zum weiteren Inhalt Ihres Schreibens gestatte ich mir folgendes zu bemerken: 1. De« Angeklagten steht nach de« Vorschriften der Stras- prozeßordnnng sParagraph 138s die freie Wahl des Verteidigers ans der Zahl der bei einem deutschen Gericht zuge- laffene« Rechtsanwälte sowie der Rechtslehrer an deutsche« Hochschnlen frei. 2. Die Zulassung ausländischer Verteidiger unterliegt nicht meinem Befinden, sondern ist von der Genehmigung des Gerichts abhängig. Ausländische Verteidiger können nach gesetzlicher Vorschrift (§ 138, Absatz 2 Strafprozeßorb- nungs nur in Gemeinschaft mit einem deutschen Verteidiger zugelassen werden. Das Einverständnis des deutschen Verteidigers, die Verteidigung gemeinschaftlich mit einem ausländischen Verteidiger zu führen, ist deshalb Voraussetzung der Zulassung. 3. Der Verteidiger ist nach Paragraph 147 der St.P.O. zu: Einsicht in die dem Gericht vorliegenden Akten befugt. 4. Nack Einreickuna der Anklaaeickrikt stebt hem Verteidiger nach der Strafprozeßordnnng lss 148 St7P.O.) das «n- eingeschränkte Recht der Aussprache mit den Angeschuldig- ten ohne Gegenwart Dritter zu. 8. Die Hauptverhandlung vor Gericht ist grundsätzlich öffentlich. Die Entscheidung darüber, ob aus den in Paragraph 172 GVO. angegebenen Gründen die Oeffentlichkett für die Verhandlung oder einen Teil derselben ausgeschlossen werden soll, steht dem Gericht zu. Mir sind keine Umstände bekannt, die mir Anlaß geben könnten, meinerseits einen Antrag auf Ausschluß der Oefsentlichkeir zu stellen. 6. Die Unterstellung der Möglichkeit, baß die Angeklagten in der Untersuchungshaft nicht „menschenwürdig" behandelt werden, weife ich als jeder Grundlage entbehrend mit Nachdruck zurück. 7. Sicheres Geleit kann durch das Gericht nach den Vorschriften der Prozeßordnung (8 295s nur einem abwesenden Beschuldigten hinsichtlich bestimmter strafbarer Handlungen erteilt werden. Erst wenn mitgeteilt worden ist, für welche Personen und wegen welcher strafbaren Handlungen das sichere Geleit in Anspruch genommen wird, bin ich in der Lage. Gewährung sicheren Geleits bei Gericht zu beantragen. 8. Besorgnisse für die Sicherheit des Lebens des Verteidigers oder der von der Kommission genannten Zengen entbehren jeder Grundlage. Sie können n«r erwachse« aus dem Boden ««wahrer Tendenzmeldnngen, wie sie ans unlauteren Gründe« in einem Teil der Anslandspreffe verbreitet werden. Fch bin indessen bereit, auch unbegründeten Wettere WWW ms dem Die Entlastung des Arbeitsmarktes hat in der eisten Augusthälfte wettere Fortschritte gemacht. Während in den Vorjahren die Arbeitslosenzahlen im Monat August bereits wieder im Steigen begriffen waren, hat sich in der Berichtszeit die Zahl der Arbeitslosen wieder vermindert, und zwar um mehr als 2200 Personen. Dieses weitere Absinken der Arbeitslosenziffer in Südwestdeutschland ist vor allem aus den steigenden Krästebebarf der Landwirtschaft und die umfassenden Maßnahmen des Sofortprogramms zurückzuführen. Darüber hinaus ist jedoch auch in verschiedenen anderen Wirtschaftszweigen eine fühlbare Belebung eingetreten. Die Gesamtzahl der in der Statistik der württem- bergischen und badischen Arbeitsämter erfaßten Arbeitslosen betrug am 1. August 232 943 gegen 235 459 am 31. Juli: am gleichen Stichtag des Vorjahres betrug diese Zahl noch 295 022. Auf Württemberg und Hohenzollern entfielen am 1. August 85 477 Arbeitslose und auf Baden 147 466. Die Jnanspruchnabme der Unterstützungseinrichtungen hat in der Berichtszeit eine Entlastung erfahren. Die Gesamtzahl der Hauptunterstützungsempfänger ist um 2392 oder um 2.4 v. H gefallen. Davon kamen auf Baden 9 887 gegen 60 616 am 31. Juli 1933. Im Gesamtbezirk des Landesarbeitsamtes Sübwestdeutschland kamen am 15. August 1933 auf 1000 Einwohner 199,2 Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge, dazu kamen auf 100k Einwohner noch rund 14 Wohlfahrtserwerbslose. Landspende auch im allen Gau Sstmark Frankfnrt-Oder, 24. August. Anläßlich eines Besuches der hier stattfindenöen ersten Arbeitsdienst - Ausstellung deS Arbeitsgaues Ostmark durch den Oberpräsidenten und Gauleiter Kube hob dieser in seiner Ansprache hervor, daß sein Aufruf an die Brandenburger und grenzmärkische Bevölkerung. nunmehr dem Volke durch Landspenöen die Möglichkeit zur Siedlung zu geben, bereits am dritten Tage seiner Veröffentlichung aus dem alten Gau Ostmark einen hervorragenden Erfolg buchen könne. Bo« mehrere« kleineren Besitzern sei bereits ein Gebiet von 390 Morgen als Landspende dem vom Oberpräsidente« eingesetzten Kuratorium zur Verfügung gestellt worden So würde, wie der Oberpräsident weiter betonte, der Opfersinn des Jahres 1813 dank der genialen Staatsführuna Adolf Hitlers im Jahre 1933 neue Wirklichkeit. Großgrundbesitz stellt Land zur Verfügung Königsberg, 24. Aug. Der ostpreußische Großgrundbesitz trat am Dienstag in Königsberg zu einer Sitzung zusammen, in der folgender hochbedeutsamer Beschluß gefaßt wurde: „Die heute versammelten Vertreter des alteingesessenen Großgrundbesitzes der Provinz, insonderheit die der Fideikommisse, die in alter Tradition und Pflichterfüllung ihren Königen mit Blut und Gut dienten, stehen voll überzeugt hinter dem Rettungswerk unseres Reichskanzlers Adolf Hitler. Nachdem die Neubildung des Bauerntums von der Reichsregiernng begonnen, werde« wir freudigen Herzens hieran Mitarbeiten «nd, falls es an Land kehlt, dieses, soweit es an «ns liegt, zur Verfügung halten. In Fortführung alter Ueberliekernng wisse« wir, daß Besitz verpflichtet »nd nur der mit dem Boden verwachsene Landftand nach dem Wort unseres Kanzlers das Fundament des nationalsozialistische« Staates «ach innen und außen 'ein wird. Für die Erweiterung des Bauernstandes kommen in erster Linie neben den nachgeborenen ostprentzischeu Bauernsöhnen unsere alteingesessenen Landarbeiter, unsere trenesten nnd bewährteste« Mitarbeiter in Krieg und Frieden, in Frage. Unser Landesbanernführer Otto-Rosenan wird gebeten, diesen unseren Willen dem Führer Adolf Hitler, dem Ministerpräsidenten Goering, dem Reichsbauernführer Walter Darre, dem Reichsobmann für die bäuerliche Selbstverwaltung. Mernberg, dem Reichsfiedlnngskommissar Granzow nnd allen andere« zuständigen Stellen kund zu tun." Keine Aulerstützung für Viedereingestellle Berlin» 24. August. Ter Präsident der Reichsanstalt hat an die Landesarbeitsämter folgenden Erlaß herausgegeben: In dem dankenswerten Bestreben, örtliche Bezirke von Arbeitslosen freizumachen, sind in großem Umfange Arbeitslose in Betrieben der Industrie, des Handwerks, der Land- 94. Jahrgang «eiorgnitzen oaourch Rechnung zu tragen, daß ich mich bet den zuständigen Polizeibehörden für etwa gewünschten besondere» Schutz einsetzen werde. 9. Die Entscheidung der Verklarung der von der Verteidigung benannten Zeugen steht dem Gericht zu. Ich werde für die Vernehmung aller Zeugen, die zur Aufklärung der Sache dienliche Aussagen zu machen in der Lage sind, mit Nachdruck eintreten. Im übrigen hat nach Paragr. 220, Absatz 1 der Strafprozeßorönung der Angeklagte auch das Recht, falls der Vorsitzende des Gerichts den Antrag aus Ladung des Zeugen ablehnt, diesen unmittelbar laden zu lassen. 10. Die Erteilung der Genehmigung an Beamte und frühere Beamte zur Aussage als Zeuge über Umstände, aus welche sich ihre Pflicht zur Amtsverschwiegenheit bezieht, ist Dache der Vorgesetzten Dienstbehörde l8 54 St.P.O.s. Deren Entscheidung kann erst herbeigeführt werden, wenn dii Person des Beamten und die Umstände mitgeteilt werden, über die sie aussagen sollen. Ich werde Ihr Schreiben vom 10. d. M. zusammen mit meiner Antwort der Presse übergeben. Genehmigen Sie usw. Der französische Schriftsteller Romain Rolland hat in einem Schreiben an den Oberreichsanwalt die Aushändigung des angeblich im Besitz des ausländischen Untersuchungsausschusses befindlichen Beweismaterials von denselben Bedingungen abhängig gemacht wie Rechtsanwalt Branting. Der Oberretchsanwalt hat darauf in seinem Antwortschreiben an Romain Rolland zu diesen Forderungen in gleichem Sinne Stellung genommen wie in dem vorstehend wiedergegebenen Schreiben an Rechtsanwalt Branting. sMOeWell WeitsnmKt. Wirtschaft und in der Hauswirtschafr zusätzlich eingstellt worden. Dieses Verfahren ist nach den mir vorliegenden Berichten neuerdings mehrfach dadurch begünstigt worden, daß Arbeitslosen, die vor der Einstelluna Empfänger von Arbeitslosenhilfe waren, die ihnen zustehende Unterstützung ganz oder teilweise durch Vermittlung der Arbeitgeber in Anrechnung auf Sen Lohn nach der Einstellung in die Betriebe weitergezahlt wurde. Tie Arbeitsämter haben für die Empfänger von Arbeitslosen- und Krisenunterstützung mangels einer gesetzlichen Grundlage derartige Unterstützungszahlungen nach erfolgter Einstellung der Arbeitslosen in die Betriebe mit Recht abgelehnt. In einem Schreiben des Herrn Reichsministers der Finanzen an den Herrn preußischen Minister des Innern hatte bereits der Herr Reichsminister darauf hingewiesen daß Wohlfahrtserwerbslose nach Einstelluna bei einem Arbeitgeber nicht mehr als anerkannte Wohlfahrtserwerbslose für die Gewährung von Reichszn- schüffen gezählt werde» dürfen «nd hatte de« Herr« preußische« Minister gebeten, das Notwendige bei den Bezirkssür- korgeverbände« im Wege der Gemeindeanfsicht z« veranlasse«. Bei der Bedeutung der Entscheidung habe ich in den letzten Tagen nochmals die Stellungnahme der beteiligten Reichsministerien herbeigefnhrt. Dabei hat sich die übereinstimmende Auffassung dahin ergeben, daß die Weiterzahlung der Unterstützung nach erfolgter Einstellung der Arbeitslosen die Uebernahme eines beträchtlichen Teiles der Löhne der privaten Wirtschaft aus öffentliche Mittel bedeute, und daher aus wirtschaftlichen Gründen sehr bedenklich sei. An- ßerdem sei im Interesse der Arbeitsvermittlung eine gleichmäßige Behandlung aller Arbeitslosen nötig. Einheitsfront der Kapital- und Kleinrentner Berlin, 24. Aug. Im Aufträge des Führers der deutscher Arbeitsfront. Dr. Ley. hat Reichstagsabgeordneter Pg. Rud Schmeer die Anordnung getroffen, daß alle im Deutschei- Reich vorhandenen Kapital- und Kleinrentnerverbände oder -Vereine vom 15. August 1933 ab dem seitherigen „Deutscher Rentnerbund e. V.". jetzt „Reichsbund der deutschen Kapital, und Kleinrentner" unterstellt sind und diesem bis spätestenk 1. September 1933 die hiernach erforderlichen Angaben ein zureichen haben. ?itm Bundesführer wurde der seitherig» Bundesvorsitzende des Deutschen Rentnerverbandes Pg Michael Wiesinger-Nürnberg, ernannt. Der „Reichsbuni der deutschen Kapital- und Kleinrentner" ist korporativ de- Reichsführung der NS-Volkswohlfahrt angegliederl. Da- Bundesamt befindet sich in Berlin W 30, Münchenei Straße 33. Slahlhelmlag abgesagt Reichsführertaa des Stahlhelm erst am 23. September Berlin, Z4. August Der Bundesführer des Stahlhelm hat anf Wunsch des Reichskanzlers Adolf Hitler die für den 9. September anberaumte Reichsführertagung des Stahl, Helm in Hannover anf den 23. bis 24. September verlegt. Wege« der durch diese Berlegnna bedingte« organisatorischen Schwierigkeiten wird die Durchsührnng des ursprünglich im Zusammenhang mit der Führcrtagung vorgesehene« Stahlhelmtages abgesagt, lieber den Umfang und Verlaus der Reichsführertagung solle« in de« nächste« Tage« die Befehle erlaffe« werden. Zn wenigen Worten Wie das österreichische Abendblatl meldet, soll in Regierungskreisen eine Verordnung erörtert werden, wonach jeder Verurteilung eines Beamten wegen verbotener Betätigung für die NSDAP automatisch ein Meineidsverfahren angeschlossen werden solle, da die Beamten einen Treueid auf die Republik geleistet hätten. * Ter empfindliche Temperatursturz hat im Allgäu am Dienstag Neuschnee gebracht. Tie bekannten Allgäuer Berge Hochvogel und Mädelegabel zeigten Mittwoch früh bis auf 1700 Meter herab weitzbedeckte Gipfel und Hänge. In den Vorbergen gingen die Niederschläge nur leicht in Schnee über, der aber nicht liegen blieb. ! I |i tif Nr. 196. Jahrgang 1933. Der Landbote ♦ Sinsheim« Zeitung. Donnerstag, den 24. August 1933. Dl» Werbung für Leitungen. „Nationalsozialismus ist Lei« Geschäft". Auch der Reichsstatthalter für Hambarg weist — wie schon eine Reihe anderer Stellen vor ihm — darauf hin, daß bei der Werbung für Zeitungen unter allen Umständen Androhungen, wonach der Nichtbezug einer Zeitung politische oder wirtschastlicbe Nachteile für den Betreffenden haben soll, unzulässig und strafbar seien. Der Reichsstatthaltcr hat Anweisung gegeben, daß jeder solcher Geschäftemacher der ihm gemeldet wird, auf der Stelle seiner Bestrafung zageführt wird. Die Bevölkerung wird ausge- fordcrt, die staatlichen Stellen bei der Ausmerzung dieser Schädlinge zu unterstützen. Keine der Zeitungen, die ehrlich milzuarbeiten bereit ist. ioll, so wird amtlich erklärt, vou dieser Mitarbeit ausgeschlossen werden. „Der Nationalsozialismus ist kein Geschäft, und darum hat niemand Vorteile oder Nachteile durch den Bezug der Zeitung, die er am liebsten liest". Stabschef Nöhm dankt der rheinischen Bevölkerung Frankfurt-Main, 24. August. Anläßlich der SA-Führer- tagung in Bad Godesberg und der Fahrt durch das Rheinland übermittelte Stabschef Rühm durch die Telegraphen- Union folgende Danksagung: „Anläßlich der SA-Führertagung im Rheinhotel Treesen in Bad Godesberg ist den Teilnehmern von der gesamten Bevölkerung eine außerordentlich herzliche Begrüßung zuteil geworden. Insbesondere die Fahrt durch die Eifel, an der Ahr, an der Mosel, am Rhein und der vom Geiste rheinischer Gastfreundschaft getragene Empfang in Boppard werden uns ein unvergeßliches Erlebnis bleiben. Allen denen, die in so reichem Maße ihre Verbundenheit und Zuneigung bekundet haben, v.r allem auch die Bevölkerung Boppards, an ihrer Spitze die liebenswürdige NS-Frauen- schaft und den Gruppen rheinischer Mädchen vom BTM, hierfür unseren aufrichtigen Tank zu sagen, ist mir ein Herzensbedürfnis. Die Tage an deutschen Rhein werden den Soldaten Adolf Hitlers neue Kraft geben in ihrem Kampfe um Volk und Vaterland. Heil dem deutschen Rhein, Heil dem deutschen Vaterland. Heil unserem Führer Adolf Hitler! Der Chef des Stabes: gez. Röhm." Die illegale Tätigkeit der 8P9. 16 Verhaftungen in Chemnitz. Chemnitz. 24. Aug. In den letzten Tagen wurden unverhofft bei mehreren verdächtigen Personen Durchsuchungen vorgenommen, bei denen das Vorgefundene Material den Beweis für illegale Tätigkeit erbrachte. Es wurden fünf Personen, die sich.zu einer geheimen Funktionärsitzung zusammengefunden hatten, festgenommen. Darunter befand sich eine kommunistische Reichstagsabgeordnete aus Dresden, die schon seit Februar 1933 flüchtig war. In der Sitzung sollte der Aufbau der KPD. für den hiesigen Bezirk durchgesprochen werden. Weiter gelang es. fünf Angehörige des kommunistischen Nachrichtendienstes, die schon vor mehreren Jahren auf der Ziegelstraße ihr Geheimbüro hatten, festzunehmen. Sie hatten sich an frühere Funktionäre der KP.• jetzige SA-Anwärter. herangemacht und diese für die illegale Tätigkeit der KPD. zu gewinnen versucht. Es sollten briefliche Anweisungen und Befehle der NSDAP, entwendet werden. Weitere Erörterungen führten zur Festnahme von drei Spitzenfunktionären der Roten Hilfe. Ferner konnten noch drei Funktionäre der l..GO. wegen ihrer illegalen Tätigkeit festgenommen werden. Ei« kommunistischer Hauplfunktiouar auf der Flucht erschossen Mönche». 24. Aug. Am 22. August versuchte der schon seit längerer Zeit im Konzentrationslager Dachau untergebrachte kommunistische Hauptfunktionär Franz Stenzer aus Pasing aus dem Lager zu entfliehen. Der Flüchtende wurde jedoch rechtzeitig von einem Lagerposten entdeckt. Als er trotz wiederholter Anrufe nicht anhielt, gab der Posten mehrere Schüsse ab. Ein Schuß tötete Stenzer aus der Stelle. Eiu Vassenlager des Reichsbanners in Nürnberg ausgehoben Nürnberg, 24. Aug. Der politischen Polizei gelang es, in der Gartenstadt bei Nürnberg ein großes Wafsenlager des Reichsbanners auszuheben. Das Versteck befand sich in einem Wald und bestand aus einer Grube, die mit Holz und Erde verdeckt war. Man fand im ganzen: ein schweres Maschinengewehr, drei leichte Maschinengewehre, zwölf Er- satzläufe, einen Gurtkasten mit Gurt und 500 Schuß Munition fottjte verschiedene Zubehörteile. London und die Grutzverfuguug des stellvertretenden Führers Heß London, 24. August. Die Verfügung des Stellvertreters des Führers, Heß, die die Ausländer des Hitlergrußes entbindet, hat. soweit die Berliner Berichte der Londoner Presse erkennen lassen, einen guten Eindruck gemacht. Der „Timcs"- Bericht betont a. a. auch, daß die von dem Sturmtruppführer Ernst dem amerikanischen Botschafter abgegebene Entschuldigung in amerikanischen Kreisen sehr anerkannt worden wäre. Den Anlaß hierzu hat ein Vorfall in der vergangenen Woche gegeben. Bei den Aufnahmen für den Horst- Wessel-Film am Brandenburger Tor war es einem amerikanischen Arzt gegenüber zu Tätlichkeiten gekommen, weil dieser die Hoheitszeichen des Reiches nicht gegrüßt hatte Zur Vermeidung außenpolitischer Schwierigkeiten und aus Gründen selbstverständlicher internationaler Höflichkeit hatte Gruppenführer Ernst beim amerikanischen Botschafter einen offiziellen Besuch gemacht. Es darf bei dieser Gelegenheit den in Deutschland sich aufhaltenden Ausländern gesagt wer. den. daß die Mitglieder der deutschen Kolonie in Englank sich auf das peinlichste bemühen, den Sitten und Gebräuchen des Landes, in dem sie zu Gast sind, gerecht zu werden. Ohne Ausnahme ziehen Deutsche ihren Hut vor dem Kriegerdenkmal in der Whitehall entsprechend der englischen Gepflogenheit, obwohl ihnen diese Sitte hänsia etwas fremdartig erscheint, und es muß nochmals betont werden, daß die Mitglieder der Ortsgruppen der NSDAP die allerstrengste Anweisung haben, sich auf keinen Fall in innerpolitische Verhältnisse in England einzumische«, weil sse die Gastfrenud» schast des Landes durch ihr Verhalten zn achten haben. Das „Mekka des Marxismus. // pariser Kongreß der roten Bonzen. Hauptthema: Kampf gegen das neue Deutschland. Paris, 22. Aug. Paris, das sich seit einigen Monaten zu einem Mekka des internationalen Marxismus entwickelt hat, beherbergt seit einigen Tagen die roten Bonzen fast sämtlicher Länder Europas, die sich hier versammelt haben, um einen sogenannten außerordentlichen Kongreß der zweiten Internationale zu halten. Auch die aus Deutschland geflohenen „Größen" der früheren deutschen Sozialdemokratie, darunter Hilferding, Otto Weis und Breitscheid, haben sich mit ihren österreichischen Genossen Otto Bauer und Seitz eingefundcn, und in den Gängen und Räumen des Pariser Genossenschastspalastes, in dem der Kongreß der Zweiten Internationale untergebracht ist, wimmelt es nur so von deutschen Emigranten. In der Umgebung des Gcnofsenfchastshaufes preisen Etraßenverküufer mit kreischender Stimme die verschiedenen in Paris, Prag und Amsterdam verlegten Emigrantenblätter an, während bebrillte Jünglinge mit roter Armschleise die Passanten um eine Spende für die deutschen Flüchtling? angehen. Hauptthema und Hauptgcsoräch dieses internationalen So- zialistenkor.gresses ist natürlich der Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland der die Propheten der deutschen Sozialdemokratie mit ihren österreichischen Genossen brüderlich vereint sieht. Wie arg die Hetze sein mag, die bei diesem Anlaß gegen das neue Deutschland betrieben wird, geht schon daraus he.ro:-, daß der interna io.:a!e Marxistenkongreß seine Sitzungen unter strengem Ausschluß der Oeffentlichkeit hinter dicht verschlossenen Türen hält. Nur von Zeit zu Zeit wird der Presse ein kurzes „Communique" verabfolat, dem man entnehmen kann, daß der Vorsitzende der zweiten Internationale, der Belgier Vandcroclde eine Berschärfang des Boykotts deutscher Ware« verlangt, oder daß der Generalsekretär der Internationale, Fritz Adler der Mörder des österreichischen Ministerpräsidenten Stürgkh folgende Weisheiten verzapft: „Der internationale Marxismus sei von einer schweren Krise betroffen und müsse sich daher fester zusammenschliehen. Er müsse eine rcalpolitische Taktik' befolgen und sich von radikalen Lösungen fernhalten. In den demokratisch regierten Ländern werde der Marxismus die Demokratie zu unterstützen haben, in den Ländern, in denen die Demokratie unterlegen sei, müsse er zu revolutionären Mitteln greifen." Es muß ausdrücklich festgesteilt werden, daß dieses internationale Sozialistengesckwätz die französische Oeffentlichkeit — natürlhch mit Ausnahme des engen Parteikreises der französischen Marxisten — im allgemeinen herzlich gleichgültig läßt. Eine Reihe von nationalistischen und konservativen Organen, wie z. B. die „Liberte", verwahren sich sogar entschieden gegen den Mißbrauch der französischen Gastfreundschaft durch berufsmäßige politische Hetzer. Zerstörung der letzte« VisMOMMr in MerWeße«. Kattowitz, 24. Aug. Ohne Befragen der Stadtverordnetenversammlung und lediglich auf Grund einer eigenmächtiger Anordnung des Kattowitzer Bürgermeisters wurde am Dienstag mit dem Abbruch des Bismarckturmes im Kattowitzer Süöpark begonnen. Der aus massiven Steinguaderu bestehende, etwa 2g Meter hohe Turm wurde 1903 als Aussichtsturm gebaut und dem Andenken des großen deutscher Kanzlers geweiht, Nach dem Uebergehen in polnische Händ« wurde das an dem Denkmal angebrachte Vronzerelief Bis marcks entfernt und durch ein Relief des polnischen Freiheitshelden Koszinßki ersetzt. Die Zerstörung des Denkmals. hat selbst unter der polnischen Bevölkerung groß« Entrüstung, ausgelöst. Ebenfalls am Dienstag wurde auch mit der Abtragung des Bismarckdenkmals an der ehemaligen Drei-Kaiserreichs- Ecke in Myslowitz und in Olsau an der früheren deutschösterreichischen. jetzt polnisch-tschechischen Grenze begonnen Bewegung in Oesterreich. Berlin 23. Aug. Aus Wien kommen jetzt Meldungen, die auf eine vielleicht entscheidende innerpolitische Schwenkung hindeuten. Der Landbund, der die nationalständische Front gegründet hat, strebt offenbar darauf hin, das nationalsozialistische Gedankengut in Oesterreich selbst zu verbreiten, ohne daß etwa eine Wiederzulasfung der nationalsozialistischen Partei selbst beabsichtigt fei. Der Führer dieser Front, Minister Winkler, hatte vor kurzem auf das entschiedenste erklärt, daß Oesterreich und Deutschland in Frieden und Freundschaft leben mühten. Jetzt erläßt die nationalständische Front einen Aufruf, in dem unter anderem erklärt wird, die Volksbewegung in Oesterreich müsse von dem leidenschaftlichen Bekenntnis erfüllt fein, Oesterreich in unzerstörbarer Verbundenheit mir dem großen deutschen Volks- itnb Kulturkreis, seiner Ostmarkcnscndung getreu, deutsch zu erhalten. Dem varieigcbundcnen Staat von gestern solle ein Ende gesetzt und allen reaktionären Gewalten entgegengetreten werd.n. Man müsse mss restloser Hingabe für ein freies und deutsches Oesterreich Kämpfen gegen alle jene, die den Zeiger zurückdrehen möchten. Nicht ohne Grund werden solche Erklärungen auf die letzten Besprechungen Mussolinis mit Dollfuß zurückgeführt. Es scheint, daß in diesen Besprechungen auch bestimmte inner-österreichische Voraussetzungen erörtert worden sind, die einen Brückenschlag zum Deutschen Reiche erleichtern sollen. Völkischer 9rmt auch der österreichischen Negierung gegen ein reichsdeuksches Nachrichtenbüro Berlin, 24. Aug. Nachdem vor einigen Tagen die tschecho slowakische Postverwaltung den deutschsprachigen Zeitungen in Böhmen die Genehmigung zur Abnahme des Pressefunks der Telegraphen-Union entzogen hat. haben nun auch di« österreichischen Behörden ohen besondere Angabe von Gründen die der Wiener Tochtergesellschaft der Telegraphen- Union gegebene Konzession für die Herausgabe politischer Nachrichten nicht erneuert. Die Wiener Tochtergesellschaft der Telegraphen-Uuio« war daber ae^wunaen. mit dem heutigen Abend die Herausgabe von politischen Nachrichten an ihre österreichischen Bestehe einstweilen einzustellen, den übrigen Dienst führt dt« Tochtergesellschaft weiter. 9er Einfiedler von Thierberg aus Sesterreich ausgewiesrn Küfstein, 24. Aug. Der auch in Bayern bekannte Einsiedler am Thierberg bei Kufstein. Beatus Brettschneider, ein Laienbruder des Serviten-Ordens, wurde wegen „politischer Unzuverlässiqkeit" aus Oesterdeich ausgewiesen. Der Einsiedler hat bereits leine Klause am Thierbera verlassen und sich nach Deutschland begeben. Innsbruck. 24. Aug. Das bekannte rechsdeutiche Gymnasium des Jeiuitenorociis Stella Matutina. das bisher als deutsche Auslandsichulc in Feldkirch im Boralbera betrie- Der Sturz von der Höhe. Roman von Fritz Ritzel-Mainz. 41) „Dummkopf?" sagte Platen, beifällig mit dem Kopfe nickend. „Selbsterkenntnis führt zum wahren Heile, sagt ein Weiser! Aber was du da quatschst von nichts mehr von dir wissen wollen — das ist Nonsens! Die Weiber sperren und zieren sich alle ein bißchen — das gehört dazu!. Hast du sie denn schon einmal in Sachen deiner Herzenspein interviewt?" „Der einzige Besuch, den ich, wie du weißt, bei ihr machte, hat mir die Lust zu allen weiteren -gründlich versalzen!" „Warum?" fragte der Ingenieur in großer Gemütsruhe. „Weil sie sich trotz aller Freundlichkeit innerlich gegen mich abschloß, wie ein Bild ohne Gnade! Natürlich — wenn man so eine gefeierte Künstlerin ist wie Martha, dann denkt man nicht mehr an einen armen Teufel, wie ich gegenwärtig bin! Im Grunde genommen kann ich es ihr ja auch nicht verdenken!" „Kalkuliere, du bist auf dem Holzwege, Alterchen!" meinte Platen. „Wirst es falsch angepackt haben — hast wahrscheinlich zu viel den Empfindsamen, den Schmachtlappen gespielt! Komm den Weibern zart entgegen und du gewinnst sie, auf mein Wort; doch wer kühn ist und verwegen, kommt dabei viel besser fort! Hättest ihr einfach um den Hals fallen sollen und ihr einen gediegenen Kuß aufpappen sollen — ich wette unfern „Kondor" gegen eine Mausefalle, daß sie dich nicht hinausgeschmissen hätte, sondern daß ein auf die Minute richtig gehendes Brautpaar aus euch geworden wäre!" Felix war nicht für Scherz zu haben und schüttelte nur bettübt den Kopf. „Sei kein Frosch und probiere es noch einmal!" fuhr der Ingenieur fort. „Ich habe es deutlich gesehen, daß dein Stern -für dich leuchtet oder meinetwegen glüht, wenn dir Schöngeist das besser gefällt. Und schon ein gewisser Schiller sagt: Di« Sterne lügen nicht! Hast du aber keine Kurage, dann schlage ich dir vor, jeden Morgen ein eiskaltes Brausebad zu nehmen, und dann ein paar Löffel Rhizinusöl, das soll wirklich sehr heilsam für trüb gewordene Gemütszustände fein!" „Spotte du nur — du weißt nicht, wie es mir um das Herz ist!" seufzte Fettx. „Na — so schlimm wird es nicht fein! Dein Herz ist ein bißchen em quecksilbernes Ding, bei dem nur der Wechsel beständig ist! Wird so rasch nicht vor Kummer in Stücke gehen! Kommt Zeit, kommt Rat! Vom ersten Hieb fällt kein Baum! Wenn du mir folgst, dann wirfst du die Flinte nicht ms Korn, sondern unternimmst noch einmal frisch und fröhlich einen Sturm auf die Festung! Jetzt aber gute Nacht — das Thema wird nachgerade langweilig! Gestern Nacht ward es eine lange Sitzung, da gehe ich heute einmal mit den Hühnern in die Klappe. Ich denke einen langen Schlaf zu tun, denn dieser Tage Sorg und Qual wo? groß." Gähnend erhob sich der riesige Mann, schüttelte dein Fr?-,^erb die Hand und "" r - Es war noch früh am Abend. Felix blieb noch eine Weile sitzen und begab sich alsdann ebenfalls auf den Heimweg. Die Worte des Freundes hatten feine niedergeschlagenen Hoffnungen wieder belebt. Sollte Martha ttotz ihres kühlen Verhaltens ihm im innersten Herzen dennoch gewogen fein, wie Platen es so bestimmt versichert hatte? Wenn er bedachte, daß Martha ehemals ihre Gefühle für ihn so stteng beherrscht hatte, daß er über ein Jahr lang neben ihr hergegangen war, ohne etwas von ihrer Liebe zu ahnen, so schien es nicht undenkbar, daß der Freund recht haben könnte. Ein hoher Mut kam über ihn, während er langsam durch die auf den Trottoirs wimmelnde Menschenmenge schritt, die sich entweder an die glänzend erleuchteten und dekorierten Schaufenster der Warenmagazine drängte, oder mit Paketen beladen dem Heim zusttebte. War doch übermorgen Weihnachtsabend, zu dem alle diese Menschen Vorbereitungen ttafen und Einkäufe besorgten, um ihre lieben Angehörigen zu erfreuen. Felix blieb plötzlich stehen und schlug sich mittler Hand vor den Kopf. Herrgott — er hatte ja ganz vergessen, seiner Mutter ein Geschenk für das Fest zu kaufen! Dazu war es aber jetzt die höchste Zeit, wenn das Paket noch rechtzeitig in T eintteffen sollte! Was aber sollte er wählen? Denn das war bei seiner guten Mutter eine heikle Sache. Noch jedesmal war er früher, wenn er das Ehristgefchenk nach eigener Wahl besorgt hatte, gründlich damit hereingefallen. Die Mutter hatte sich zwar immer bei der Ueberreichung der Gaben anscheinend über alle Maßen gefteut, aber nach Frauenart begann sie schon am nächsten Tage zu ckritisicren, und Felix wurde von ihr schließlich davon überzeugt, daß er etwas Unpassenderes, Alberneres, wie das Gekaufte, gar nicht hätte erstehen können. Ja, wenn er Martha zu Rate gezogen und ihr die Wahl übertragen hatte, dann stimmte alles bis auf das Tipfelchen auf dem i. Wenn er das heute noch könnte! Aber daran war ja nicht zu denken — er mußte sehen, wie er allein mit der Geschichte fertig wurde! Einen der großen Bazare betretend, sah sich Felix nach einem passenden Gegenstände utn v Einige Verkäuferinnen, die den jungen Mann wohlgefällig "betrachteten, näherten sich ihm sofort und besttebten sich, ihm das Unmöglichste anzuhängen — einen Amor aus Marmor, ein giftgrünes Kaffeeservice und mehrere Bilder im Sezessionsstile, bei deren Anblick den guten Felix ein Grausen überlief. Aber er hielt sich tapfer, murmelte etwas von Wiederkommenwollen und enteilte seinen niedlichen Bedrängerinnen. Hoffentlich ließ sich in der Abteilung für Seidenwaren etwas Geeigneteres f-nden! Da blieb er wie gebannt plötzlich stehen. Dieses melo- difche Lachen sollte er doch kennen! Richtig — dort stand Martha vor einem mit Kinderspielwaren ausgestatteten Verkaufstisch, in der Mitte einiger Herren und Damen — augenscheinlich Kollegen und Kolleginnen — und wählte unter den Gegenständen aus. Und sich umwendend, erblickte sie ihn und nickte ihm freundlich zu. Sofort war Felix an ihrer Seite und bot ihr die Hand. „Das trifft sich ja herrlich, Martha!" sagte er dabei eifrig. „Ich bin nämlich in der größten Verlegenheit, was ich meiner Mutter zu Weihnachten kaufen soll — du mußt mir raten!" Lachend erwiderte die junge Dame: „Da ist es allerdings ein Glück, daß du mich getroffen hast, denn du hättest wahrscheinlich wieder etwas nach Hause geschickt, worüber sich der guten Tante die Haare auf dem Kopfe gesttäubt hätten! Aber gestatte, Felix, daß ich dir meine Kollegen vorstelle: Herr Karoli — Heldentenor, Herr Magnus — seriöser Baß, Fräulein Bernhardt — unsere Altistin und dieses reizende Ding ist unsere Koloratursängerin Fräulein Harkort!" Und auf Felix deutend, fuhr sie fort: „Mein Detter Felix Tauber, den ihr ja alle vom Hörensagen kennt — derselbe, welcher der Fremdenlegion in Algier per Flugmaschine entflohen ist!" _ _ y Je i ; J s@jfe5*5r' • WM. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Donnerstag, den 24. August 1933. Nr. 196. Jahrgang 1933. hen wurde, ist nach St. Blästen im Schwarzwald veriftgt worden. Die Verlegung wurde dadurch veranlaßt, daß Gefahr bestand, es könnten infolge der politischen Verhältnisse die reichsdeutschen Scküler überhaupt ausbleiven. rijöhnger HaHona(fojialiff zu drei lonalcn Arrest uerurtM Innsbruck. 24. Aug. Da es immer noch nicht gelungen ist die Leute sestzunehmen, die kürzlich aus der Nordkette bei Innsbruck ein Hakenkreuz angemalt haben, wurde der Besitzer des Schlosses Büchsenhaus, der 74 Jahre alte Rob. Nitzl, als eines der bekanntesten Mitglieder der NSDAP, zu drei Monaten Arrest und 2000 Schilling Geldstrafe verurteilt. Ser assyrische Aufstand vor dem Völkerbund &enf, 24. Aug. Tie irakische Regierung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Telegramm übermittelt, das von diesem unverzüglich sämtlichen Mitgliedsregierungen des Völkerbundes zur Kenntnisnahme zugesandt worden ist. In dem Telegramm betont die irakische Regierung mit großem Nachdruck, daß es sich bei dem Aufstand der Assyrer nur um den bewaffneten Aufstand einer kleinen Gruppe von Ayy- im:» handelt, die unter der Führung des bereits deportierten Mar Schimum steht. Der Aufstand sei jedo-ch von der überwiegenden Mehrheit der Assyrer auf das entschiedenste abgelehnt worden. Entgegen einer verleumderischen Hetzpropaganda hätten keinerlei Ausschreitungen gegen Frauen oder Kinder stattgefunden. Verluste habe es lediglich aus seiten der Rebellen, fowie der regulären Truppen gegeben. Tie Ruhe und Ordnung sei innerhalb einer Woche wieder vollständig hergestellt worden. Menschenleere Dörfer in Syrien London, 24. Aug. Die Gerüchte, daß große Teile in dem französischen Mandatsgebiet Syrien von den Einwohnern verlassen worden sind,, haben sich nunmehr bestätigt. Einige Steuerbeamte wurden kürzlich nach einem Gebiet, das östlich des Bezirks von Aleppo liegt, entsandt, um dort rückständige Steuern in ungefähr 300 Dörfern einzusammeln. Die Dörfer waren jedoch vollständig verlassen. Es war auch nicht möglich festzustellen, wohin sich die Dorfbewohner begeben haben. Ls gärl in Marokko Paris, 24. Aug. Das „Journal" meldet aus Madrid daß in Spanisch-Marokko die bedeutendsten Eingeborene«: stämme geheim an der Vorbereitung eines allgemeinen pan- islamischen Ausstandes anch gegen Frankreich arbeiteten nni alle Berhandlnngsoorschläge der spanischen Behörden ab- lrhntcn. Die Unterhändler, die man z« ihnen geschickt habe seien gefangen genommen worden. England kündigl neue Zlollenbaulen an London, 24. Aug. In einem bemerkenswerten Artikel erklärt der Marinekorrespondent des „Daily Telegraph", daß die Schiffsbauprogramme Amerikas, Japans, Frankreichs und Italiens die englische Marinebehörde zwinge. Maßnahmen zu ergreifen um eine weitere Schwächung der englischen Seemacht zu verhüten. Sie würde deshalb noch vor Einbringung des neuen Staatshaushalts mit einem neuen Flottenverteiöigungsgesetz herauskommen. Man erwartet, daß die Admiralität folgende Forderungen stellen werbe, um den Bedürfnissen der Marine gerecht zu werden: 28 neue Kreuzer, die der Größe und Rüstung nach mit den besten ausländischen Fahrzeugen gleichwertig find, ein jährliches Kontingent von 13 bis 18 Torpedobootszerstörern, um die Unterlegenheit Englands in dieser Klaffe wieder gut zn machen, ein großes Unterseebootbauprogramm, erhebliche Verstärkung des Marinefliegerkorps, Vermehrung des Personals in der Marine «m mindestens 19 flOO Mann und Vermehrung der Flottenmanöver. Die verhältnismäßige Stärke der englischen Flotte sei jetzt io gering, wie sie seit 180 Jahren nicht mehr gewesen wäre, schreibt der Korrespondent weiter. Das amerikanische Bauprogramm insbesondere Habe England sehr überrascht, da man angenommen hatte, daß die Amerikaner den größten Wert aus eine Abrüstung zur See legen würden. - Sie Besprechungen zwischen Roosevell und Norman Savis Washington, 24. August. Zu den Besprechungen zwischen Roosevelt, Norman Davis, führenden Beamten des amerikanischen Staatsdepartements und der Abrüstungsabordnung wird ergänzend bekannt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf der nächsten Sitzung der Abrüstungskonferenz in Genf beantragen werde, daß der französische Vorschlag einer Ueberwachung der Abrüstung grundsätzlich in den Macdonaldplan mit ausgenommen werden soll. Die französische Forderung nach Sicherheit solle durch Zugeständ- niffe in der Frag« der Verteidigungswaffen, wie Festungsanjagen usw., befriedigt werden. Me umdrängten Felix und schüttelten ihm die Hand. In wenigen Augenblicken war der junge Mann unter dem gemütlichen Theatervölkchen heimisch, und ein lebhaftes Gespräch entwickelte sich, in welchem sich Felix in seiner, durch Marthas Anwesenheit gehobenen Stimmung als ebenso unterhaltender wie launiger Gesellschafter erwies. Aber Martha ließ zu langem Schwatzen keine Zeit und drängte, die Einkäufe zu beenden. „Wir fünf von der großen Oper bescheren nämlich alle Jahre eine Anzahl armer Kinder zu Weihnachten!" erklärte sie Felix. „Fräulein Harkort und ich haben den Brauch eingeführt und die anderen freuen sich jedesmal darauf wie die Schneekönige! Unsere kleine Harkort hat schon heute nachmittag den Christbaum geputzt — wunderbar soll er sein — ein Traum, wie sie versichert! Wenn du dabei sein willst, Felix, dann bist du freundlichst eingeladen! Jetzt wollen aber das Geschenk für die Tante aussuchen!" B-.ld hatten sie dasselbe in Gestalt eines Seidentuches erstanden und verließen mit Paketen beladen das Warenhaus, um sich zu Fuß nach der hauptsächlich von Künstlern besuchten Weinstube zu begeben, wo die Bescherung für die armen Kinder stattfinden sollte. Es hatte schon zu schneien begonnen und war kälter geworden, so daß die langsam niederschwebenden großen Flocken eine weiße Decke über die Straßen und Häuser legten und jedem Laternenpfahl, jedem Maste der elektrischen Bahn ein weißes Käppchen aufgesetzt hatten. „Richtiges Weihnachtswetterl" meinte Martha Möller, indem sie den ihr von Felix gebotenen Arm nahm und neben ihm tapfer darauf losschritt. Dabei plauderte sie unaufhörlich und kam aus dem Hundertsten in das Tausendste — eine Art, wie sie Felix an dem früher so stillen Mädchen gar nicht gewohnt war. „Der Karoli ist ein seelenguter Mensch, der Herz für die Armut hat!" erzählte sie. „Ra — bei sein« Riesengage kann er es sich auch leisten! Und die kleine Harkort ist eine Meisterin im Fechten! Selbst unserem griesgrämigen Regisseur hat sie zehn Mark für unsere Bescherung abaeknöpfi — wenn das dem seine Frau wüßte — o weh! Aber sage einmal, Felix — warum läßt du dich denn gar nicht mehr bei mir sehen? Bist du von deiner Flugkunst so in Anspruch genommen, daß du nicht einmal deinem alten Väschen hier und da guten Tag sagen kannst?" Vlauhemdev-orgamsakion ungesetzlich Die Entscheidung der Regiernng de Baker«. Dublin, 24. Aug. Die irische Regierung hat die Nationalgarde der Blauhemden als ««gesetzlich erklärt «nd d»e Mitglieder des Militärtribunals gemäß Notstandsgesetz ernannt. General O'Duffy. der Führer der irischen Blauhemden hat die Verfügung der irischen Regierung zur Auflösunc seiner Organisation mit Ruhe ausgenommen. Er erklärte Satz die Nationalgarde am Ende das Urteil des Volkes ab- warteu werde. Der ehemalige Finanzminister Blythe. de, Mitglied der O'Dnffy-Organisation geworden ist. sagte, daß die Nationalgarde gefaßt den Verhaftungen entgegensehe« werde. Hoover verweigert die Aussage über den Selroiler Bankkrach Newyvrk» 24. August. Wie aus Palo Alto lKalifornien! gemeldet wird, hat der frühere Präsident Hoover die Aufforderung des Untersuchungsausschusses, über den Detroitei Bankkrach als Zeuge auszusagen, telegraphisch abgelehn" Er habe die Berichte über die Tetroiter Vorgänge selbst nur aus zweiter Hand, n-ämlich von dem Federal Reserve Board und vom Schatzamt erhalten und müsse daher den Untersuchungsausschuß an diese Behörden verweisen. Deutsche Technik und Industrie als Dorbtkd X Zur Zeit erobert sich die Stromlinienform im Verkehrswesen der Luft, des Wassers uno des Landes die Welt. Deutsche Forscher Ingenieure und Industriesinnen haben sich aber zuerst für sie eingesetzt und sie praktisch angewandt. Dabei waren sie anfänglich .vielfach Unverstand und Spott ausgesetzt. Heute beruht die Leistung der schnellsten Verkehrsmittel, so der neuen Schnellocrkehrsflugzeuge, die Amerika, Deutschland und Italien entwickelten, auf der Anwendung der Gesetze der Stromlinienform. Auch die Eisenbahn empfing neue Anregungen von dieser Seite, wobei wiederum Deutschland mit dem Schienenzeppelin bahnbrechend wirkte. Nun soll von Newyork nach Kalifornien in Zukunft ein Stromlinienzug verkehren, der Geschwindigkeiten von 150—200 Kilometer in der Stunde erreichen wird. Der Kamps gegen de» Marxismus an de» HoWalea. Karlsruhe, 24. August. In einem neuerlichen Erlaß des badischen Ministeriums des Kultus- und des Unterrichts wird wie der Führer meldet, in Ergänzung zu dem Erlaß vom 11. Juni 1933 darauf hingewiesen, daß außer den kommunistischen Studenten der badischen Hochschulen, die gemäß dem vorstehenden Erlaß vom 11. Juni 1933 von den Hocy- schulen auszufchließen sind, auch andere Studierende den Hochschulen angehörten, die in den letzten Jahren ein volks- und staatsfeindliches Verhalten an den Tag gelegt und den Bestrebungen der Regiernng entgegengearbeitet haben. Tiefe Studenten haben in gleicher Weise das Recht, einer Hochschule anzugehören verwirkt. Alle Studierenden an den badischen Hochschulen, die sich in den letzten Jahren im marxistischen oder sonst volks- und staatsfeindlichen Sinne betätigt haben, werden daher mit sofortiger Wirkung ausgeschlossen. Es sollen die eigentlichen Schädlinge entfernt werben, während gegen diejenigen Studenten, die lediglich aus Unreife oder unter dem Einfluß von Verhetzung dem Marxismus oder anderen volksfeindlichen Bestrebungen gehuldigt haben, nicht allzu streng verfahren werden soll. Es genügt also nicht, wenn ein Studierender lediglich eingeschriebenes Mitglied einer entsprechenden Partei — abgesehen von der Mitgliedschaft in der KPD. die immer die Ausschließung zur Folge hat — gewesen ist, an eine derartige Partei Beträge abgeführt und Versammlungen besucht hat Dagegen muß die Beschimpfung der nationalen Bewegung oder ihrer Führer in Wort oder Schrift, der rücksichtslose Kampf gegen die nationalgesinnte Studentenschaft und deren Führer immer zur Ausschließung führen. Als volksfeindliches Verhalten in diesem Sinne ist die Zugehörigkeit und die Mitarbeit in pazifistischen, lanöesverräterischen und ähnlichen Vereinigungen lz. B. der deutschen Friedensgesellschaft) anzusehen. Die Ausschließung der in Frage kommenden Studierenden mutz bis spätestens 15. Oktober 1933 erfolgen: die für die Ausschließung erforderlichen Feststellungen und Prüfungen sind im Benehmen mit dem Führer der örtlichen deutschen Studentenschaften vorzunehmen. Di« Ausschließung muß auf die längst zulässige Dauer von vier Jahren erfolgen. psarrer Kappes in Kislau Büchenbronn bei Pforzheim, 24. August. Der früher« Landesjugendpfarrer und Anhänger der religiösen Sozialisten. Heinz Kappes, wurde nach Kislau gebracht. Ende April kam Pfarrer Kappes nach Büchenbronn. Eine strenge Verwarnung traf ihn von der Kirchenregierung und Polizei, als er in seiner Pfingstpredigt Kritik an der neuen Regierung übte. Dies hielt ihn aber nicht ab, jetzt in der gleicher Weise in einem Briefe an Adam Remmele zu verfahren. Der neue Vorstand des badischen Schuhmacherhaubwerks. Waldshut, 24. Aug. Bei der Neuwahl des Vorstandes des Landesverbandes des badischen Schuhmacherhandwerks im Sinne der Gleichschaltung sprach sich die Versammlung für den langjährigen Vorsitzenden Grether-Lörrach aus. Der Leiter des Kampfbundes. Troendle-Karlsruhe, schlug jedoch den Kollegen Brändlin-Lörrach zum 1. und Müller-Heidelberg zum 2. Vorsitzenden vor. Diesem Vorschlag wurde zu- gestimm.t Die nächstjährige Sitzung des Verbandes wird in Wolfach im Kinzigtal stattsinöen. Hansahaas i« Lörrch durch GroWer zerstört. Die Bewohner über das Sprungtuch gerettet. — Eine Frau und ein Junge erheblich verletzt. — Schaben sehr groß, da nur teilweise versichert. Lörrach, 24. Aug. (Drahtbericht.) In der Nacht znm Mittwoch wurde bas im Mittelpunkt der Stadt am Marktplatz gelegene Hansahaus, das Lebensmittelgeschäfte, Büros, und im dritten und vierte» Stockwerk Privatwohnungen enthält, durch Grotzfeuer zerstört. Man vermutet, daß der Braud durch Kurzschluß i« der Nähe des Lebeusmittellagers der Firma E. G o t t l i e b entstanden ist. Das Lebeusmittel- lager und das reiche Holzwerk des Hauses boten dem Feuer gute Nahrung, so daß der innere Teil des Hauses im Nu vom Erdgeschoß bis unters Dach in Flammen staub. Den Bewohnern war dadurch der Weg über die Treppe abgeschnitten: sie mußten durch das Sprungtuch gerettet werden. Gegen 8 Uhr gelang es, die größte Gefahr zu beseitigen. Besonders gefährdet waren die angebanten Nachbarhäuser, größtenteils älteren Datums. Zur Festsetzung des Sach- und Gebäudeschadens wurde vom Bezirksamt eine Kommission eingesetzt. Das Hans gehört der Stadt. Ein Teil der Einwohner ist nicht versichert «nd da sie nur das nackte Leben retten konnten, sind sie durch die Branb- katastrophe schwer getroffen. Eiuzeiheileu über das Grotzfeuer Die Sirenen und die Kirchenglocken riefen nach K3 Uhr nachts die Feuerwehren zusammen, um im Hansahaus, das zuerst eine große Rauchwolke und dann ganze Feuergarben gen Himmel schickte, die Bekämpfung des Feuers aufzunehmen. Die elektrischen Leitungen der Umgebung des Hauses wurden sofort abgestellt, um eine weiters Kurzichlußgesahr zu verhüten. Bei der dunklen Nacht bot der Brand einen- gespenstischen Anblick, der erhöht wurde, da die im dritten und vierten Stockwerk um Hilfe schreienden Bewohner sich anschickten, nur mit dem Hemd bekleidet in t 7s aufgehaltene Sprungtuch hinunterzuspringen. Da die Feuerwehr erst allmählich anrückte, hatten die Nachbarn schon Leintücher ausgebreitet, in die aber niemand hinunterzuspringen wagte, Starke Männer halfen dann, von allen Seiten das Sprungtuch aufzuhalten, während SA. und Stahlhelm zusammen mit der Polizei die Absperrung besorgten. Als erste konnte Frau Uhl gerettet werden, gleichzeitig wurden die Schnei- dcrmeistereheleute Müller mittels Rettungsleine in Sicherheit gebracht Tie im Dachstockwerk wohnende Familie Roth, die erst kürzlich den Vater durch Wundstarrkrampf verlor, sowie die Familie Pfoff Hutten sich wegen der Rauch- und Fsuerent- wicklung aufs Dach geflüchtet und warteten hier sehnlichst aus die Feuerwehr. Zuerst sprangen die drei Kinder der Witwe Roth in das Sprungtuch hinunter. Dabei kam ein Junge ans die Drähte der Straßenbahn, die glücklicherweise stromlos gemacht morden waren, z« liegen, blieb hier hängen «nd kam dann verkehrt in das Sprungtuch hinein. Er zog sich einen Oberschenkelbrnch zn. Dann solgts die Mutter Roth, dann die Eheleute Pfaff mit dem kleine« Kinde. Frau Pfasf biß sich beim Ausschlagen in das Sprungtuch die Lippen dnrch und erlitt einen Bluterguß, anch zog sie sich eine Rückenverletzung z«. so daß sie bewußtlos «ach dem Krankenhaus transportiert «erden mußte. Die Schwere der Verletzung sieht noch nicht fest. Glücklicherweise ist das Hansahaus an zwei Seiten offen am Marktplatz gelegen, so daß die Feuerwehr, unterstützt von der Fabrikfeuerwehr von Christian Baumgartner unk der Tumringer Feuerwehr, gut an das Branöobjekt herankommen konnten. Ein weiterer günstiger Umstand war, das der starke Wind der letzten Tage aufgehört hatte und sc durch mächtige Wasserstrahlen verhütet werden konnte, das die dicht angebauten alten Nachbarhäuser der Rdolf-Hitler- und der Teichstraße sowie die städtischen Werke davor bewahrt blieben, daß die umhersprühend-v Funken zündeten Der Feuerwehrmann Mutter zog sich bei den Löicharbeiteri eine schwere Fußverstauchung zu. Gegen 5 Uhr war die Gefahr größtenteils beseitigt. Der um 4 Uhr einsetzenöe Reger half noch mit, den Brand zu ersticken. Das ganze vier Stockwerk hohe Gebäude ist innen völlig ausgebrannt. Es stehev eigentlich nur die Außenmauern und das Haus muß wohl nieöergerissen werden. Aus dem Kaffee Binoth konnte Eint- ges ins Freie geschafft werden, ebenso aus dem Lebensmittel- lager Gottlieb. Die Geschäfte sind größtenteils versichert dagegen ist der Schneidermeister Müller^ dem das ganz« Tuchlager verbrannte, nicht verstchert, ebenso auch nicht di« Familie Pfaff. die eine Gemüsehandlung und eine Güterspedition betreibt. Kurz bevor die Hellen Flammen emporschlugen, ging eine Polizeipatrouille am Haus vorbei, ohn« etwas von dem Brande zu bemerken. Dieser muß aber schor länger geschwelt haben, der in dem reichen Holzwerk unl dem alten Treppenhaus gute Nahrung fand. Die Schadenshöhe steht noch nicht fest. Nach neueren Feststellungen scheint der Brand nun doch nicht im Erdgeschoß, sondern im zweiten Stockwerk, wo sich die Bürvräume befanden, entstanden zu sein. Die im dritten Stockwerk wohnende Familie Müller wurde durch die furchtbare Rauchentwicklung zuerst den Brand gewahr. Der Weg nach außen war aber bereits abgeschnitten, da das Treppenhaus in hellen Flamme« stand. Nach der Uebersiedlung der Diskontobank in den gegenüberliegenden Neubau hatte das Hansahaus zwar eine Aufstockung und einen Umbau in Läden und Büros erfahren, das alte winklige Treppenhaus aber war bestehen geblieben. Das Kind der Familie Roth, das beim Herunterspringen aus etwa 16 Meter Höhe in den Drähten der Straßenbahn sich verfing und sich beim Weiterspringen einen Oberschenkelbruch zuzog, ist erst drei Jahre alt. Der Absprnng des kleinem Kerlchens von der Dachrinne aus war a« sich schon eine Leistnng. Auch das Kind der Familie Pfaff, das von den Eltern von der Mauerranö aus in das Sprungtuch hinuntergestoßen werden mußte, ist nicht älter. Bei der Rettung der sieben Bewohner machte sich das Fehlen einer motorisierten Drehleiter bei der Feuerwehr sehr unangenehm bemerkbar. Die Anschaffung ist zwar schon länger in Aussicht genommen, aber infolge der Wirtschaftslage noch nicht durchgeführt. Wäre die Leiter vorhanden gewesen, so hätte der gefährliche Sprung in das Sprungtuch im Dunkel der Nacht aus etiva 15 Meter Höhe vermieden werden können. Typhuserkrankungen Erkelenz (Rheinland), 24. August. In Hückelhoven sin! zahlreiche Typhuserkrankungen festgestellt worden. Aus der Arbeitsstätten der Grube Josefa Jakoba mußte eine ganz« Anzahl Arbeiter wegen Typhusverdacht einstellen An einen! Tage wurden über 20 Personen dem Linnister Krankenhaut zugeführt. Auf dem Friedrichsplatz fand gerade der Jahr- markt statt, der aufgelöst wurde. Me Kinos und Vergnügungsstätten wurden geschlossen und vorläufig alle Versamm- jungen verboten. Es sollen bis jetzt rund 300 Kranke in Neu unb Alt-Hückelhoven gezählt worden sein. Ter Verkauf vor Genutzmitteln ist streng untersagt. Aus Nah und Fern. Sinsheim, den 24. August. „“o Turnverein Sinsheim 1861. In diesem Jahre können die Turner Wilhelm Brenneisen, Fritz Hnß und Heinrich Hosfmann auf eine 25 jährige Tätigkeit als aktive Turner im Verein zurückblicken. Seit 1908 stehen alle ununterbrochen im Dienste der Deutschen Turnerschaft. Ihr Können und Wissen stellten sie mehrere Jahre als Führer der Aktivität zur Verfügung. Wilh. Brenneisen begleitete auch längere Jahre hindurch das Amt des Gaujugend- und Gaupressewarts. Möge Gesundheit und Lebensfreude uns diese Turner noch recht lange erhalten zum Vorbild unserer Aktivität und zum Blühen und Gedeihen unterer Deutschen Turnerschaft. Lehrgang »m Rettungsschwimmen. Gestern abend begann im städt. Schwimmbad hier unter der 'Leitung des tech- Nr. 196. Jahrgang 1933. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Donnerstag, den 24. August 1933 . Nischen Leiters der D.L-R G. (Landesverband Baden) Hans Flaig, Heidelberg ein Lehrgang im Rettungsschwimmen. Trotz- der vorgeschrittenen Jahreszeit hatten sich zahlreiche Teilnehmer (Ar- beitsdienst. SA. und Stahlhelm) eingefunden. Da der Lehrkurs kostenlos erteilt wird, sollte sich kein Schwimmer von Sinsheim, auch wenn er einem Verband nicht angehört, diese Gelegenheit entgehen lassen, sondern sick zur Teilnahme an dem Ausbildungslehrgana entschließen. Die nächste Uedungsstunde findet am kommenden Samstag, nachmittags 4 Uhr statt. * Süddeutsche Sckreinerei-Ausstellnng. Unter dem Protektorat von Herrn Reichsstatthalter Wagner findet in den Tagen vom I. bis 5. September 1933 in Freiburg die erste Süddeutsche Schreinereiausstellung statt. Verbunden damit sind die diesjährigen Verbandstagungen des Reichsverbandes für das Deutsche Tischlergewerbe und des Landesverbandes Badischer Schreinermeister. sowie die Jubiläen der Schreinerinnung und der Schrei- ncrgenossenschaft Freiburg. Die Lieferanten des Schreinerhand- werks zeigen ihre hochinteressanten Rohstoffe vom deutschen Baumstamm bis zum Sperrholz und Edelfurnier, alle erforderlichen Bedarfsartikel und sämtliche Werkzeuge bis zu den neuesten Holzbearbeitungsmaschinen, die im Betrieb vorgeführt werden. Einzigartig ist die Sonderschau „Das Holz und seine Oberflächenbehandlung". 2m Interesse der dringend notwendigen För- deruna des Quaiitätsgedankens in unserem Volke ist zu wünschen, daß jeder Deutsche, ganz gleich, ob Handwerker oder Käufer, daß vor allem aber die deutsche Frau diese vielseitige Ausstellung ansieht. * Berwaltungsräte der Sparkassen. Der Minister des Innern hat an die Bezirksämter folgenden Erlaß gerichtet: „Soweit Bürgermeister oder Gemeinderäte gleichzeitig dem Verwaltungsrat einer Sparkasse als Vorsitzende oder Mitglieder angehören, ist .stets davon auszugehen, daß ihnen dieses Amt nicht als Privatperson - sondern im Zusammenhang mit dem Gemeindeamt übertragen worden ist. Der Verlust des Gemeindeamtes hat daher gleichzeitig auch das Ausscheiden aus dem Bermaltungsrat der Sparkasse zur Folge. * Gegen Fremdwörter in den Speißekarten. Die Propagan- dastelle des Reichsverbandes des deutschen Gaststättengewerbes veröffentlicht in der Fachpresse eine Mahnung, die sich gegen die Verwendung von Fremdwörtern in den Speisekarten wendet. * Ausbau von Schutzräumen für den Lustschutz. Auf Anregung des Reichsministers für Luftfahrt hat der Reichsarbeitsminister sich damit einverstanden erklärt, daß Arbeiten zum Ausbau von Schutzräumen zum Zwecke des Luftschutzes als „größere Instandsetzungsarbeiten" im Sinne der Ziffer 12 der Bestimmungen vom 15. Juli 1933 angesehen werden. X Bekämpsung der Gewerbsunzncht. Der Minister des Innern erläßt im neuesten Gesetz- und Verordnungsblatt erne Verordnung, nach der Absatz des 8 11 der Verordnung zum Vollzug des Reichsgesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten vom 16. September 1927 folgende Fassung erhält: Zum Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes wird gemäß 8 361 Ziffer 6c des Reichsstrafgesetzbuches angeordnet, daß in Gemeinden mit weniger als 20 000 Einwohnern niemand gewohnheitsmäßig zum Erwerb Unzucht treiben darf. X Die Treuhänder des Landes Bade« für das marxistische Vermöge«. Auf Grund des 8 4 der Verordnung über die Einziehung marxistischen Vermögens vom 28. Juli 1933 tGesetz- und Verordnungsblatt S. 1391 wird neben dem am 3. August zum Treuhänder bestellten Rcgierungsaffeffor K 8 r ch e r, Wirtschaftstreuhänder Otto R 0 m a n n in Karlsruhe zum Treuhänder ernannt. Die Liguidation des marxistischen Vermögens wird von den beiden Treuhändern gemeinschaftlich durchgesührt. Die Anschrift der Treuhänder lautet: „Tie Treuhänder des Landes Baden für das marxistische Vermögen. Karlsruhe. Ministerium des Innern". x Katholische Kirchensteuer mit gestaffeltem Kirchengeld. Aus Grund der Beschlüsse der katholischen Kirchensteuerver- tretung vom 30. Mai 1933 wird für das Rechnungsjahr 1933 an allgemeiner Kirchensteuer ein Zuschlag von 10 v. H. der maßgebenden Ursteuern erhoben und auf Grund des Gesetzes vom 18. März 1932 ein Kirchgeld in folgender Staffelung: Nur kirchgeldpslichtige jährlich 3 RM.. Kirchqeldpflichtiqe bei einer Einkommensteuer bis zu 10 RM. jährlich 3 RM. bei einer Einkommensteuer bis zu 600 RM. jährlich 4 RM.. bei einer Einkommensteuer über 600 RM. jährlich 6 RM. X I« das Präsidium des Badische« Kriegerbundes berufen. Kommissarischer Bürgermeister Otto Wilhelm, Berbe- rich-Buchen wurde als Vertreter der NSDAP und der Nordbadischen Keise in das Präsidium des Badischen Krie- gerbunöes berufen. X 200 000-RM -Gewinn nach Süddentschland gefalle» Am Mittwochvormittag wurde auf das Los 280 897 der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie ein Gewinn von 200 0M RM. gezogen. Das Los wird in Baden und Württemberg gespielt. ik Rohrbach b. S.. 23. Aug. (Den Verletzungen erlegen.) Der vor einer Woche in dem blutigen Streit zwischen Vater und S^hn schwer verletzte Sohn ist nunmehr seinen Verletzungen erlegen 1 ' x Zazenhausen, 23. Aug. (Neuer Ratschreiber.) Nachdem Ratschreiber Kirsch freiwillig seinen Dienst niedergelegt hat, wurde Walter Kasper zum Ratschreiber bestimmt. P Mkckesheim, 22. Aug. (Landwirtschaftliche Rundschau.) Trotz einiger Unterbrechungen durch Regenschauer ist die Getreideernte nunmehr gut unter Dach und Fach gebracht worden. Die Dreschmaschine ist längst Tag für Tag im vollen Gang. Mit dem Ausdrusch der kleineren Partien ist man bereits zu Ende. Der Ertrag kann fast durchweg als ziemlich gut angesprochen wer- . den. Auch der Hafer ist bis auf einen kleinen Rest geerntet und zeigt ein gutes Ergebnis. Das Feld hat jetzt schon ein recht herbstliches Aussehen. — Die Kartoffeln und übrigen Hackfrüchte und Ackerfutterschläge zeigen teilweise bedenkliche Wirkungen der Englerlingenfraßes. — Auch die Tabakernte dürfte in diesem Jahre hinter dem Ergebnis des vorigen Jahres Zurückbleiben. — Die Stoppelrüben als zweite Frucht sind rechtzeitig gesät worden und zum Teil schon aufgelaufen. — Unter dem Einfluß besserer Witterung wird gegenwärtig der zweite Schnitt der Luzernenkulturen und der Wielen zur Heubereitung vorgenommen. Die Quantität läßt zu wünschen übrig, während man mit der Qualität zufrieden sein kann. — Die Gartengewächse leiden zur Zeit unter großer Trockenheit an ihrer Entwicklung — Die Obst- und Rebkulturen zeigen zwar eine gute Entwicklung, jedoch ist der Behang sehr schwach. — Einen sehr empfindlichen Rückschlag erleiden die Imker, die infolge ungünstigen Wetters im Frühjahr jetzt schon Futterzusatz geben müssen und zum größten Teil überhaupt nicht schleudern konnten. = Hochhausen a. N.. 22. Aug. (Bon einer Kuh erdrückt.) Beim Futterbolen kam der ledige Heinrich Fink zu Fall und geriet unter eine Kuh. Die Last der Kuh bewirkte, daß Fink innerlich verblutete und starb. Wiesloch, 24. August. (In der Fremde tödlich verunglückt) Der 24jährige Sohn Georg der Familie Heinrich Menrath der vor viereinhalb Jahren nach Amerika ausgewandert ist kam dort in einem Schwimmbad derart zu Fall, daß er das Rückgrat brach, was seinen sofortigen Tod zurfolge hatte, Heidelberg, 24. August. (Todesopfer eines Motorradunfalls.) Der etwa 22jährige Sohn deZ Bäckermeisters Kollber aus Eppelheim, der Sonntag nacht mit seinem Motorrad im Pfaffengrund beim Marktplatz mit einem Radfahrer zu- sammenstietz, wobei er schwere Schädelverletzungen davön- trug, ist im Akademischen Krankenhause gestorben. — (Bei der Arbeit vom Zuge erfaßt.) In der Schlierbachcr Landstraße wurde der 27jährige Arbeiter Georg Schmitt aus Heidelberg-Kirchheim, als er von dem Gleise Schotter für den Bau der neuen Straße schaffen wollte, von dem Neckar- gemünder Perfonenzug erfaßt und am Oberschenkel schwer verletzt. Schmitt, der anscheinend das Kommen des Zuges überhört hatte, wurde in das Akademische Krankenhaus eingeliefert. — (Kreisbauerntagung.) Unter der Leitung des Kreisbauernführers Robert Schank findet am kommenden Sonntag in Heidelberg eine Kreisbauerntaaung statt, in der wichtige Tagesfragen behandelt werden. Landtagsabgeorö- neter Albert Roth spricht über „Ter Bauer im neuen Staat" Dr. Hausamen über „Tierzuchtfragen". Landwirtschaftsrai Engelhardt über „Tabakfragen". Kreisbauernsührer Schank über „Die Durchführung des 8 38 des Reichsmilchgesetzes" Heidelberg, 24. August. (Kommunistenverhaftung;n.) Nach einem Bericht des „Führer" wurde in der Nacht vom 21. auf den 22. August gemeinsam mit dem Nachrichtendienst der NSDAP unter Hinzuziehung von SA- und SS-Formatio- onen in der ganzen Stadt eine Razzia vorgenommen, wobei eine Menge illegaler Schriften, Abziehapparate, zwei Schreib Maschinen, verschiedene Waffen und Muniton gefunden und beschlagnahmt wurden. Hockenheim, 24. Aug. (Vom Rheingold-Zug überfahren laffcn.) Auf der Rhetntalbahn, etwa 200 m vom Bahnhof Hockenheim entfernt, ließ sich am Dienstagnachmittag der 29 Jahre alte ledige Schuhmacher Burkhardt aus Hockenheim vom Rheingold-Zug überfahren. Er war sofort tot. Ein schweres Nervenleiden dürfte den jungen Mann zu dem Schritt veranlaßt haben. Mannheim, 24. August. (Razzia in Rennwettbüros.) Das Städtische Fürsorgeamt hat bereits seit Jahren die Wahrnehmung gemacht, daß sich, ein großer Teil der Wettbürobesucher aus den Fürsorge- und Arbeitslosen-Unterstüt- zungsempfängern zusammensetzt. Eine am 14. August zur Durchführung gelangte Razzia bestätigte diese Annahme., Den Betroffenen wurde die Stempelkarte abgenommen. Die Razzien werden in kürzeren Abständen solange wiederholt. bis der letzte Unterstützungsempfänger zur Einsicht gekommen ist. Hemsbach bei Weinheim, 24. August. (Gemeiner Racheakt.) Einem hiesigen Einwohner wurde aus seinem Pflanzgarten die Vohnenhecke mit den 200 Stöcken aus dem Boden geriffen, so daß die Pflanzen vollständig verdarben. Dem Hilfsfeldhüter gelang es. den Täter zu ermitteln. Mosbach, 24. Aug. (300 Karlsruher in Mosbach.) Vergangenen Sonntag trafen hier in acht großen Omnibussen etwa 300 Karlsruher und Karlsruherinnen anläßlich einer großen „Neckar- und Burgenfahrt" ein. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Lang im Rathaus, begaben sich die Gäste unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle ins Bahnhotel, wo Hauptlehrer Palm einen Vortrag über Mosbach und seine Geschichte hielt. Eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten schloß sich dem Vortrag an. Schonach, 24. August. In Schutzhaft genommen wprde ach Anordnung des Bezirksamtes Vtllingen der hiesige Pfarrei Thoma. Dem Vorgang liegt folgendes zugrunde: An dei kirchlichen Feier aus Anlaß des goldenen Jubiläums det Turnvereins zum Gedächtnis für ihre gefallenen Kameraöer nahm auch der SA-Sturm mit Fahne teil. Als die Fahne» aborönung unter den üblichen Ehrenbezeugungen die Fahrt« am Altar aufgestellt hatten, trat der Pfarrer hinter dem All tar hervor und sagte: Mir wäre es lieber gewesen, Ihr wäret draußen geblieben. Ich sehe das nicht gerne. Es isi eine Parteifahne! Die Folgen dieser Worte war eine urige- heure Erregung unter den Festteilnehmern und der Bevölkerung, so daß die Sicherheit des Pfarrers aus das Höchst« gefährdet erschien. Auf Weisung aus Villingen wurde öahe: die Schutzhaft verhängt. — Pfarrer Thoma von Schonach if inzwischen wieder aus der Haft entlaffen worden, dürfte abe: wahrscheinlich nicht mehr in sein Seelsorgegebiet zurückkeh ren. Schonach. 24. August. (Ortsverweisung.) Der Hilsgeist liche Vikar Trapp hat den vom Unterichtsministerium an geordneten Hitlergruß als deutschen Gruß bei seinen Schülern verboten. Auf diese Feststellung hin erhielt der Vikai Trapp die Weisung, innerhalb Stundenfrist den Ortsbereiö Schonach zu verlassen, da für seine persönliche Sicherheit in folge der erregten Stimmung unter der Bevölkerung keine Gewähr übernommen werden könnte. G ö r w i h l (im Hotzenwald), 24. Ang. (Eine Fanrilien- tragödie.) Am Montagnachmittag entfernte sich die etwa 25 Jahre alte Frau Marie Maier geb. Frank nach einem eheliche« Zwist und ertränkte sich in einem in der Nähe gelegene» kleinen Weiher im Hnmbachtal. Da die Fran schon mehrmals sich von Hanse infolge Zwistigkeiten entfernt hatte, so schenkte man ihrem Fortgehen keine Beachtung und glaubte, daß sie wieder freiwillig znrückkommen würde. Als der Ehemann, Metzger Maier, hörte, daß die Fra« diesmal in den Tod gegangen sei, erhängte er sich in seiner Wohnung. Die Mutter des etwa 30 Jahre alten Mannes hat sich sofort der hinterlaffenen beiden Kinder angenomen. die drei «nd eineinhalb Jahre alt sind._ Marktberichte. Karlsruher Produktenbörse vom 23. August. Abteilung Getreide, Mehl und Futtermittel. An der Kauflust hat sich nichts geändert. .Sie läßt in allen Artikeln immer noch zu wünschen übrig. Jn- landweizen, je nach Qualität, neue Ernte 19—19.25 RM, Jnland- roggen, je nach Qualität, neue Ernte 15.50—15.75, Sommergerste, je nach Qualität und Herkunft, neue Ernte 18—19.75, Ausstichware über Notiz. Wintergerste, neue Ernte 15.25—15.75, Futter- und Sorlierqerste, je nach Qualität, alte Ernte 15, deutscher Laser, aelb oder weiß, je nach Qualität, alte Ernte 15, bto., neue Ernte '1? 25 bis 13, Weizenmehl, Basis Spezial Null, mit Austauschweizen, August-Oktober 28.25, Weizenmehl, Basis Spezial Null, Jnlands- mohlung, August-Oktober 27 (beides Forderungen der Südd. Mühlenvereinigung Mannheim mit den entsprechenden Spannungen für für 00: plus 3 RM, für Brotmehl: minus 8 RM), Roggenmehl, Basis ca. 65prozentig, je nach Fabrikat, neue Ernte 22.25—22.50, Weizenbollmehl (Futtermehl), je nach Fabrikat 10—10.25, Weizenkleie, fein 7.50—7.75, Weizenkleie, grob 8—8.25, Biertreber, je nach Qualitär 14, Trockenschnitzel, lose, je nach Fabrikat 7.50—7.75, Malzkeime, je nach Qualität und Herkunft 10—10.60, Erdnußkuchen, lost, je nach Fabrikat 15.75—16; Palmkuchen, je nach Fabrikat 14; Sojaschrot, südd. Fabrikat, je nach Lieferzeit 14.25—14.75; Lein- kuHenmehl, je nach Fabrikat 16.25—16 50 seinschl. Monopolabgabe); Frühkarioffeln, in!., aelbfleischig, einschl. Sack 5—5.10, Fruhkar- toffeln, inl., gelbfleischig, einschl. Sack 4.80—4.90. — Rauhfutlet- mittel: Loses Wiesenheu, gut. gesund, trocken neue Ernte, 4 80 bis 5, Luzerne, ggt, gesund, trocken, neue Ernte'6.50—7, Weizen-Rog- genstroh, drahrgepreßt, je nach Qualität 2.20—2.30. Alles Per 100 Kg., soweit nichts anderes vermerkt, prompt verladbare Ware. Turnen * Sport * Spiel Hoffmeister (Münster» erzielte bei einer Kampfbahn-Einweihung ,n Dülmen im Diskuswerfen mit 47.72 m eine gute Leistung. Für Carnera und Paolino ist jetzt für Anfang September ein Kampf nach Rom abgeschlossen worden, der aber nicht um den Titel geht. ^ Für den zweiten Großen Preis der Nationen, der am 10. September zum Austrag gelangt, wurde von deutscher Seite bisher nur Ludwig Geyer verpflichtet. U. a. gehen auch die beiden Weltmeister Egli und Speicher an den Start, ^as Rennen geht über 140 Kilometer und wird mit Zeiten gewertet Hein Müller und Hans Schönrath treffen am 15. Septem- Lunchen jjj, Titelkampf um die deutsche Schwergewichtsmeister,chaft zusammen. . (Erfurt) gewann mit 990 Pfund die deutsche Meisterschaft im Stemmen 5er Halbschwergewichte vor dem Effe- ner Vierwirth. Meister der Mittelgewichts-Ringer wurde scharfe (Hörde) vor Ertl (Nürnberg) und Neuß (Essen!. Es gab also in Alsfeld zwei Ueberraschungen. Deutsche Tennissiege aab es bei einem Tennisturnier in Tallin (Estland). Im Damen-Einzel gewann Frl. Koll- meyer das Finale und Denker war bei den Herren im Endspiel erfolgreich. Im Doppel schieden Schwenker-Pietzner vorzeitig aus. Die deutsche Studenten-Fußballelf probte am Dienstag in Berlin gegen Minerva 93 Berlin und gewann vor 500 Zuschauern mit 2 : 1 (0 :0» Toren. Radioivroaramm Donnerstag, de« 24. August. Alle deutschen Sender. 19: Stunde der Nation. Aus Berlin: Musikalische Wahrzeichen deutscher Städte. Mühlacker. 13.30: Aus Köln: Mittagskonzeri. 15: Aus Do- naueschingen: Württembergiscke und badische Märsche, ausgeführt vom Musikkorps des Ausbildungsbataillons Inf.- Regt. 11. 16: Aus Stuttgart: Stunde der Jugend. 16.30: Aus Karlsruhe: Populäre Unterhaltungsmusik. 18.10: Aus Freiburg: Das hohe Lied der Arbeit. 20: Aus Stuttgart: Fahrten und Wanderungen einer jungen Italienerin durch deutsches Land. 20.20: Aus der Messehalle der Funkausstel- iung Berlin: Unterhaltungskonzert. 22.25: Aus Markgröningen: Der Sckäferlaul (Hörbericht). 23: Aus Berlin: Tanzmusik. München—Kaiserslautern. 13: Mittagskonzert. 13.30: Fortsetzung des Mittaaskonzertes. 14.20: Die Klarinette hat das Wort. 15.25: Schöpfung nah um uns. 16.30: Vesperkonzert. 18.05: Wir singen Volkslieder. 20: Konzert der Münchener Orckestervereinigung. 21: „Siegfried", 3. Akt, aus dem Prinzregententheater München. Breslau. 20: Aus Brieg: Volkstümliches Konzert dcs Trompeterkorps vom Reiter-Regiment 8. 20.40: Ein Tag auf dem Truppenübunasplatz. 21.30: Aus Brieg: Volkstümliches Konzert. 22.25: Vom Deutfchlandsender: Deutschlandflug 1933. Köln-Langenberg. 20.05: Abendmusik. 21: Stahl und Brot- 22.30: Nachtmusik und Tanz. Leipzig. 20.20: Unterhaltungskonzert des Funkorchesters. 21.30: „Leopold von Anhalt-Desiau". Ein Hörspiel von Hans Martin. Wien. 19.15: Salzburger Festspiele 1933. „Die ägyptische Helena". Oper in 2 Aufzügen v. H. o. Hofmannsthal. 22.30: Abendkonzcrt. Beromünster. 20.30: Zyklus: „Die Biolinsonate". 2125: Mu- sikanekdoten. 21.40. Der Humor in den Klavicrwerken uw serer Großmeister. wetlerberichl Vorhersage für Donnerstag: Wieder sehr wechselnd bewölktes Wetter mit einzelnen westlichen, meist schauerartigen Niederschlägen bei lebhaften westlichen, vorübergehend nordwestlichen Winden kühl. Witternngsaussichte« für Freitag: Unbeständig. Nieder- schalgstätigkeit voraussichtlich zunehmend. Güterrechtsregister Band I Seite 334: Herp, Wilhelm, Roßhaarspinner in Steinsfurt und Ella geb. Barth. Vertrag vom 28. Juni 1933. Gütertrennung, anstelle der allgemeinen Gütergemeinschaft. Den 17. August 1933. Amtsgericht Sinsheim. Dr. Bell : Deutsche Bau^uÄedelunWemewschast (9®S) e. G. itt. b. h. Darmftadt. Eingeschaltet in das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung mit 100 Millionen * Ausschüttung an die Bausparkaffen Veroielfachung der Darlehenszuteilung zur Erstellung von Eigenheimen. Es ist Zeit, D. B. S.- B a u sp a r er zu werden! Näheres: Ortsgruppe derDBS-Bausparer Sinsheim. O. G. O. E. Nerpel. Käse billig! I Sckweizerkäse saf«* ,/ 4 pm. 21 n. 30 pf g . Edamerkäse 200/0 . . v 4 pal 16 pf g . 400/0 . . 1/4 Pfd. 20 Pfg- Besonders vorteilnalt: Allg. Stangenkäse 20 °° 32 pf 8 . o/Rinde . Vi Pfd. 12 Pfg. Romadonrttise 2o° o2oogr. stck. 22 pf g . > I Alig. Streicbkise . saachtei 10 pf g . 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