K SUDKURIER UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag. Tel.: 924, 925, 1130, 1510. 1511 Fernschreiber: 073239. 8. JAHRGANG Verlag und Redaktion Konstanz. Marktstätte 4 * DONNERSTAG 16. OKTOBER 1952 4c NUMMER 164 Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark zu- lügl. 30 Pig. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark, zuzflgl. 30 Pfg. PostzusteUgebühr. Einzelpreis 20 Pfg. Jugendbund-Führer als Kommunist entlarvt Enthüllungen in der „Partisanen 1< -Untersuchung — Lüth als falscher Lagerarzt Betriebsverfassungs-Gesetz BONN. Das Betriebsverfassungsgesetz, das die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Betrieben regelt, tritt am 11. November in Kraft. Das Gesetz wurde im Bundesgesetzblatt vom 14. Oktober veröffentlicht. 7000 Tote durch Betriebsunfälle WEINHEIM. Bei Betriebsunfällen kamen 1951 über 7000 Menschen ums lieben. Die Betriebsunfälle verursachten einen Gesamtschaden von 3,6 Milliarden Mark. Für jeden Todesfall muß ein Rentenkapital von durchschnittlich 35 000 Mark aufgebracht werden. Die Höhe der gesamten Rentenverpflichtungen beträgt 600 Millionen Mark. Der gleiche Betrag mi«Hiinii!nuiiiii< Wer diese Blätter sammelt, gewinnt eine weite Übersicht über die bunte Speisekarte unserer sdiänen Heimat! n «in«« Dflienj&gers werden geprüft. m Düsen-Zeltalters — Wirkung der Schallgeschwindigkeit kann. Zugunsten einer idealen Flugzeugform überhaupt kann aber nicht auf das unerläßliche Zubehör verzichtet werden, um so weniger, als bei Schallgeschwindigkeit die menschlichen Sinne allein nicht mehr Herr aller technischen Funktionen der Maschine sind. Kriegsschauplätze sind die fatalen Versuchsfehler technischer Entwicklungen. Flugapparate, die sich heute in Korea bewähren, sind die Passagierflugzeuge von morgen. Das gilt für Düsenjäger, unbemannte Schlachtflugzeuge und Düsenbomber in gleichem Maße. Auf ungezählten Zeichenbrettern wird versucht, den Düsenmotor, der in seiner Motorleistung im Verhältnis zu Eigengewicht, Brennstoffverbrauch, noch nicht aber zu den Herstellungskosten, wirtschaftlicher als seine Vorgänger arbeitet, weiter zu entwickeln. Die Düsen - Passagierflugzeuge, wie sie England auf der Strecke nach Südafrika einsetzt, leisten Pionierdienste: die Passagiere loben die „ruhige Fahrt“, gegen die das Vibrieren von früher nur ein böser Spuk ist. Es stellt sich ferner heraus, daß die Betriebskosten bei Düsenmotoren niedriger sind; eines Tages kann also auch ein Düsenfahrzeug trotz der hohen Herstellungskosten wirtschaftlich werden. Die kürzeren Verkehrszeiten - man erinnere sich an die zweimalige Atlantiküberquerung binnen acht Stunden — werden dann wohl auch auf den kürzeren Strecken die liebenswürdigen Stewardessen überflüssig machen, die den Passagier reichlich und gut verpflegen helfen — 9agen die Kalkulatoren der Fluggesellschaften. Eine Konkurrenz in dieser Entwicklung besteht sicher vorerst nicht im Atommotor, wohl aber in der Gasturbine, vor allem, sofern sie den Kolbenmotor bei erdgebundenen Fahrzeugen ablösen könnte. Turbinengetriebene Propellerflugzeuge haben den Weg bereitet, und die Väter dieser Konstruktion weisen auf die vielen Vorzüge hin, zu denen allerdings höchste Geschwindigkeit nicht zählt. Die Gasturbine ist um die Hälfte leichter als ein gleichstarkes Strahltriebwerk, etwa eines Sabre- Jägers. Die beim Düsenantrieb in der Einlaufdüse verdichtete einströmende Luft aber erhöht die Energie so vorteilhaft, daß ihren Verfechtern unsere hastige und ruhelos-geschäftige Zeit künftig vollends recht geben wird. Dr. Ing. A. Degen w i T Z T X o z O BP BENZIN. UND PETROLEUM-GESELLSCHAFT MIT BESCHRÄNKTER HAFTUNG Donnerstag, 16. Oktober 1952 SÜDKURIEB Nr. 164 / Seit» 2 schichte und Völkerkunde zu betreiben, den menschlichen Austausch zwischen den Soldaten der EVG zu pflegen, um einen natürlichen Kontakt nach draußen zu gewinnen und selbstverständlichereUmgangs- formen zu prägen; denn Auseinandersetzungen, ob heiß oder kalt, werden immer auf der menschlichen Ebene gewonnen oder verloren. Damit dürfte wohl auch der Standpunkt überholt sein, daß in der Vergangenheit „alles richtig gewesen“ 6ei, daß sich „alles bewährt“ habe und daß nur „die äußeren Formen“ geändert werden müssen. Dr. Chr. von Imhoff Stalins Parole für Kommunismus des Westens Thorez und TogUatti wurden gelobt — Zersetzung von innen als Ziel MOSKAU. Am letzten Tage des kommunistischen Kongresses der Sowjet-Union ist Stalin aus seinem Schweigen herausgetreten und hat eine kurze Ansprache an die kommunistischen Parteien des Auslandes gehalten. - Die Sowjet-Union, so sagte er, werde ii ner die Unterstützung brüderlich gesinnt Menschen im Ausland brauchen, vor all« in der Form, daß die „Bruder-Parteic ihre Länder an dem Eintritt in einen Kri gegen die Sowjet-Union hindern. „We Thorez und Togliatti erklären, ihre Voll würden nicht gegen die Sowjet-Un; kämpfen, dann sehen wir darin ein Zeich« daß die Arbeiter und Bauern Frankreic und Italiens die Bemühungen der Sowj Union um den Frieden unterstützen.“ 1 sowjetische kommunistische Partei mü den kommun Ls tischen Parteien im Ausla in ihrem Kampf helfen. Das sei umso el möglich, weil der sowjetische Stoßtru heute nicht allein stehe, sondern dui Stoßbrigaden von China bis Korea u von der Tschechoslowakei bis Ungarn u terstützt werde. „Die Lage unserer Brudc Parteien ist schwierig, aber nicht so schw rig wie es die unsere in der Zarenzeit w Wir sind vor Schwierigkeiten nicht zurüc geschreckt, deshalb haben wir gesiegt. C nau so werden auch die anderen komir nistischen Parteien siegen.“ Die Brudc Parteien hätten die Pflicht, „das Banr der Freiheit in die Hand zu nehmen“, nac dem die Bourgeoisie zum Hauptfeind c Freiheit geworden sei. Der Kongreß, der in seinem ganzen V« lauf das Machtbewußtsein der Sowji Union herausstellte, schloß mit einer I klärung des ältesten Sowjetmarscha Woroschilow: „Die Partei Lenins und' S1 lins hat den Aufbau der kommunistisch Gesellschaft in unserem Lande zu siche und damit der ganzen Menschheit den W zum Kommunismus zu bahnen.“ In den vorangegangenen Wahlen 2 obersten Instanz der kommunistischen P« tei, dem Zentralkomitee, wurden 125 vc her benannte Personen gewählt, währe das Zentralkomitee bisher höchstens aus Personen bestehen durfte. Nur 35 der b herigen Komiteemitglieder wurden wiedc gewählt. Interessant sind einige Verseil bungen bei der Wahl der stellvertretend Gegen „kommunisti Erregte Debatte in der Landesverss STUTTGART (Tfz.-Eigenbericht). 1 Mittelpunkt der Mittwochsitzung der Vc fassunggebenden Landesversammlung y Baden-Württemberg Stand eine äußel eregte Debatte über eine Große Anfra der CDU, die von der Landesregieru wissen wollte, was sie zu tun gedenke, i den fortschreitenden Umtrieben der linl radikalen Bewegung tatkräftig Einhalt gebieten. Dr. Werber zählte in der E WETTERVORHERSAGE des Badisdien Landeswetterdienstes Ein Zwischenhoch zieht über Mitteleurc weiter nach Osten. Ein neues Sturmtief nSh sich dem Kontinent, das dazugehörige Sdilec wettergebiet hat bereits die spanische Küste reicht und wird auch Südwestdeutschland wie« beeinflussen. Wettervorhersage bis Freitagabel Am Donnerstag in den Morgenstunden stri weise Nebel, im Verlauf des Tages Bewölkun Zunahme, zunächst aber noch wenig Regen, auflebenden Winden aus Südwest wieder w mer. Am Freitag bei stärkerem Druckfall we selnd bewölkt und einzelne schauerartige Reg fälle. Sonst wolkiges, herbstliches Wetter C starken Temperaturgegensätzen zwischen 1 und Nacht. 100 DM in Zürich: 15. 10.: 90/92 sfr.. Englands kühler Gei* Kultur-Ereignisse bei der Während an den Rebenhängen Stu garts die Winzer die Ernte einbringen u in den Vororten der Stadt rund um c Keltern, in den kleinen Weinstuben, Bs chus den Herbst feiert — vermittelt < „Britische Woche“, über deren Eröffnt! der Südkurier bereits ausführlich beric tete, einen Einblick in das englische G ßtesleben von heute. Das Theater begann den Reigen der zahlreichen Veranstaltungen mit einem literarisch-musikalischen Abend „Englischer Geist in Dichtung und Musik au drei Jahrhunderten“. Der neue | Chefdramaturg der Württembergiechen | Staatstheater, Gerhard F. Hering, bisher Leiter der Falckenberg-Schauspielschule in ; München und von seiner Tätigkeit als I Komiteemitglieder. Die Frau Molotows wurde nicht als Stellvertreterin wieder- gewählt. Dagegen trat zum ersten Male nach langer Zeit wieder Marschall Schu- kow als stellvertretendes Komiteemitglied in Erscheinung — der frühere sowietische sehen Abgeordneten, alle hier angegriffenen Gruppen und Vereinigungen sowie die Kommunistische Partei wollten nichts anderes, als der Demokratie und der Völkerverständigung dienen, von allen Rednern unter Hinweis auf die Verhältnisse in der Ostzone unter Protest zurückgewiesen. Der SPD-AbgeorcLnete Angstmann rief dem KP-Sprecher Rues in großer Erregung zu: „Es ist ja eine Zumutung, sich diesen Unsinn von Ihnen hier anhören zu müssen“, gleichzeitig verließ eine große Zahl der Abgeordneten protestierend den Saal, als Rues von den Vorzügen des kommunistischem Systems im Osten sprach. Schließlich nahm die Landesversammlung einen Antrag an, in dem die Regierung ersucht wird, unverzüglich zu prü- Klein-Iwan wurde „Nationalheld“ Jugoslawische Begeisterung um Johann-Dieter Siersch (AJR. - Eigenbericht.) „Ivan BELGRAD Piretöchnik ist wieder in seinem Vaterland. Das Gerichtsverfahren, das tagelang die Weltöffentlichkeit in Atem hielt, wurde zugunsten 4er Mutter entschieden. Mutter und Sohn, volle 11 Jahre getrennt, sind glücklich und zufrieden auf heimatlichem Boden eingetroffen." Mit diesem patriotisch bewegten Worten meldete der Korrespondent der Belgrader »Politika“ seinem Lesern die Ankunft der beiden. Die Fahrt von Mutter und Sohn glich einem Triumphzug. Auf dem Grenzbahnhof erwarteten die Schuljugend und Flei[chernes ein gebratenes Hendl oder, wenn es sdion später im Jahr ist, ein Gansviertel oder, wenn man es billiger geben muS, ein geräuchertes Ripperi. Nirgendwo in der Weit gedeihen die Würste so üppig wie in dem „Wurstdreieck" München, Regensburg, Nürnberg. Aus Nürnberg kommen die Rostbratwürstel, aus Regensburg die Regensburger, die der Münchner mit Zwiebelringen, Essig und 01 vornehmlich kalt als Salat iBt. In München selbst aber gedeiht neben der WeiBwurst ein ganzes Dutzend eingefleischter und bodenständiger Würste: G'sdiwoilene, 6'selchte und Dicke, Miizwurst (aus der Milz, den Netzen und Briesen des Kalbes) und „Stockwürst", so benannt nach dem Fleisdistodc, dem altertümlichen Amboß, auf dem In einer Reihe von Ausstellungen kommen englische Künstler der Gegenwart zu Wort. Die graphischen Sammlungen der Staatsgalerie stellen Werke bedeutender englischer Graphiker aus. Hier entdeckt der Besucher zum erstenmal in Deutschland gezeigte Steindrucke des bekannten Bildhauers Henry Moore. Seine stehenden . TT ., , _ ,_, { Figuren,ganz von der monumental-wuch- Dramaturg an Hilperts Deutechan Theater | tj Form P i as tiken, öffnen in de- lnKonstanz bekanntgab gleichsam sem . Farben eine echte Traumwelt, hin- Debut in Stuttgart. Diese vom Geist der ; ^ der et ^ Drohung Iauert . Gra _ Dichtung getragene Feier war eine Art Modellstück für zukünftige Morgenfeiern, mit denen Dr. Hering — am Vorbild Louise Dumants — den Stuttgartern den Zugang zu den jeweiligen Aufführungen im großen und kleinen Haus erleichtern will. Praktisches Anschauungsmaterial zur klassischen und modernen englischen Literatur liefern Theateraufführungen: Shakespeares „Othello“ (die Inszenierung von Paul Hotffmann wirkt beinahe klassizistisch); Shaws „Heiliger Johanna“ (mit Edith Herdegens leidenschaftlicher Verkörperung der Titelrolle und Hans Cani- nenbergs morbidem Dauphin); Christopher Frys „Venus im Licht“ mit Theodor Loos und Lola Müthel als Lavinia. Der Dichter Stephen Spender kam eigens aus London, um in einem Vortrag den etwas gewagten Vergleich zu ziehen zwischen T» S. Eliot und — Rilke. Im Kammertheater spielen „Die Gaukler" auf mit Geoffrey Chaucers „Canterbury Geschichten“ — pantomi- phik in den Farben Toulouse-Lautrecs, von der Gedankenfracht George Grozß’ („Londoner Schankmädchen“, „Klaviereinst der Metzger das „Brat" für die Bratwurst herstellte. Typisdi-mündinerisch ist auch die milde mit Keineswegs empfindet es der Münchner als Schande, daß er ein Fleischesser ist. EineSachverständige,Maria Wenzel, die Wirtin der Hoftaferne von Neuburg, behauptet, daß es im Fleischvertilgen nur noch der bengalische Königstiger mit ihm auf nehmen könne. Das ist leicht übertrieben wie das Gdmälde, das August Lewald 1835 in seinem „Panorama von München" entwarf, wonach der Münchner die Arbeit den Gesellen überläßt, um selber nur kauend und trinkend von einer Brotzeit zur anderen zu schreiten. Das allerheiligste Leibgericht ist die Kalbshaxe, welche die Kellnerin täglich zuallererst auf der Speis’karte streicht. Daneben: der Schweinsbraten - besonders „resdi",weil die Münchnerin ihm einen mehrmaligen Bieranstrich gibt - und das „Kronfleisch", das man besonders gut in den alten Kronfleischküchen antrifft, wo einst die Metzgergeseflen, wenn sie vom Schlachthaus kamen, für einen Kreuzer ihr mitgebrachtes Fleisch an einem Spagatsdinürl' in den Siedekessel hineinhängen durften - und schließlich das „Sur- fleisch" vom Schwein, das mit Salz, Salpeter, Wacholderbeeren und Zwiebeln acht Tage gebeizt worden ist. „Auf dem Keller", in den schattigen Gärten der Bräus, wo man den Abendtrunk einnimmt, „ehe der Bergwind aufkommt", ißt der Münchner, was ihm die Gattin, die ihn zum Zweck der Verpflegung begleitet, in der großen Tasche mitgebracht hat: m'M rischen Hauptleibgerichten zählenden Suppe zwölf alt- backeneSemmelnbeimBäckeraufschneiden,weichtsie in Milch auf, schabt ein halbes Kilo Rindsleber, wiegt vier handgroße Stücke rohes Rindsfett,vierSträußchen Petersil, zwei Zwiebeln, ein Stück Zitronenschale dazu und vermengt dies alles mit vier Eiern, einem Löffel Salz und zwei Händen Mehl, um sie zu Knödeln zu formen. Man kocht sie in Salzwasser, nicht in der Rindsbrühe, in der man sie ißt. Safran gefärbte Leoni, von der die Münchner selbstbewußt glauben, sie stamme aus Leoni am Starnberger See. In Wirklichkeit ist sie einegeboreneFranzösin, eine „Saucisson de Lyon", die vom Herzog Karl Theodor, dem ersten Wittelsbacher der pfälzischen Linie, an die Isar gebracht worden ist. Großer Gunst erfreuen sich zuzeiten die „Ablaßwürste" eine glückliche Kreuzung von Schweinswürstel und Thüringer Bratwurst, deren Duft die Wallfahrtsorte Thalkirchen, Ramersdorf und Harlaching an den Ablaßtagen in so verlockender Weise erfüllt, daß viel Volk in diese Vororte strömt. Die Dampfnade Der Leberkäs istwederein Käs noch aus Leber. Er wird aus warm aus- gesdilachtetem Rindfleisch gemacht. Zwei- oder dreimal durch die Maschine getrieben, mit Salz und Pfeffer gewürzt, allenfalls mitStücken ungeräucherten Specks untermischt, wird er ohne irgendwelche Bindemittel in die Form eines langgestreckten Bauernbrotes gebracht und in der Pfanne gebraten. Der Münchner liebt es, ihn bratenwarm direkt beim Metzger an einem kleinen Solo-Tischchen zu essen, bevor er den wichtigen Gang zum Bräukeller antritt. Knöde widerlegt die Behauptung, daß der Bayer Süßes nicht möge. Zugleich aber ist sie, wie Lewald festgestellt hat, die älteste und nützlichste Anwendung der Kraft des Wasserdqmpfes in Europa. Elly Petersen, die Herrin der Moosschwaige im Dachauer Moos, die sie köstlich zu kochen versteht, hält es für das Wichtigste, daß man eine Stunde, bevor man den Teig rührt, im Mehl aus Hefe und Milch ein Hefestück, das sogenannte „Dampfl", ansetzt und daß man sie (in Milch!) im fest verschließbaren Dampfnudeltopf, ohne den Deckel zu lüften, so lange kocht, bis sie „pumpern". Als 1783 eine bayerische Köchin zu Schiff nach Wien die ersten Dampfnudeln brachte, war in der Zeitung zu lesen: „Es ist traurig! Die Entdeckung des Planeten Uranus vor vier Jahren und der Luftballon Mont- golfiers vor drei Jahren haben die Wiener nicht so in Aufregung versetzt wie die bayerische Dampfnudel!" Die „Dopfen-Nudel" wird aus Dopfen (Quark) gemacht. Rosamunde, „die Köchin ohne Fehl und Tadel", empfiehlt in ihrem „vorzüglich den Frauen und Töchtern des deutschen Bürgerstandes" gewidmeten Kochbuch den Teig „so über die gebogene Kniee zu ziehen, daß die Mitte dünn wird, der Rand etwas dicker bleibt." Was man anderen Orts als „Nudeln" bezeichnet, heißt — wohlgemerkt! — in München „G’schnittne." Kartoffeln sind nicht sehr beliebt, wie schon die Redensart sagt: „Erdäpfel san am besten, wenn’s durch d'Sau triebn wem". Lieber ißt man Knödel: Grieß-, Mehl-, Semmel- und Kartoffelknödel, die letzten auch „Reiber" genannt. „Germknödei" sind Hefeknödel, „Zwetschgenknödel" in Teig geschlagene Zwetschgen, „Knödelzähler" aber sind Geizhälse, weiche den Dienstboten die Knödel in den Mund zählen. An einer Leberknödelsuppe „fehlt nix". Nach Joseph Maria Lutz läßt man zur Bereitung dieser zu den baye- Die Zulien Dank der guten Beziehungen zur Pfalz, wohin zurZeit des „Winterkönigs" der ein Schwiegersohn Jakobs von England war, englische Grenadiere die neue Mode des Rauchens aus Virginia brachten, hat das Rauchen in Bayern schon früh in Blüte gestanden. Einer der ersten großen Cigarettenraucher Münchens scheint der Prinz Arnulf gewesen zu sein, der seine geliebten „Pa pyros" von dem berühmten Cigarettendreher Georgji Zuban aus Saloniki bezog und diesen tüchtigen Fachmann schließlich auch ermutigte,die„Hofcigarettenfobrik 6. Zuban" in München zu errichten - draußen in der Plin- ganser Straße, wo heute wieder täglich viele Millionen Päckchen „Zuban", die mit dem Doppelporträt des bayerischen Löwen geschmückt sind, hergestellt und versandt werden - weit über die blau-weißen Grenzen hinaus, in alle Länder des Bundesgebietes! Eine Ausstellung im Stuttgarter Lindenmuseum „Moderne Britische Kunst“ mit den eher naturalistischen als realistischen Vertretern Englands erscheint gegenüber jener Schau bedeutungslos. Kühl wirkt hier ein Programm, das ohne Ziel ist und allseits im Epigonenhaften stecken bleibt lische Handschriften von den Evangeliendokumenten bis Shakespeare, Cromwell und Carlyle — eine Augenweide für Graphologen — runden in einer 15chau der Stuttgarter Landesbibliothek das Bild der Ereignisse dieser der Verständigung und dem geistigen Ausdruck dienenden Woche. Dr. Wolf gang Schwer brock. am uci r lvmic uuu In Wien: Prozeß mit Musik Ein Sänger klagte, ein Richter begleitete „Das gibt es garantiert nur in Wien!“ Freudestrahlend sagten es sich die Wiener, als sie die Gerichtsverhandlung verließen, die im — Konzerthaus abgehalten wurde. Und auch so etwas hat man noch nicht erlebt: daß ein Oberlandesgerichtsrat, der den Vorsitz führt, sich mitten in der Verhandlung ans Klavier setzt und einen Opernsänger begleitet! So geschah es in einem Prozeß, den der Heldenbariton der Belgrader Oper, Jovan Gligor, gegen die Wiener Staatsoper angestrengt hatte. Als er auf Probeengagement in Wien gesungen hatte, war mit ihm sofort ein Vertrag auf 32 Opernabende abgeschlossen worden, so begeistert war man von dieser großen Stimme. Er trat nur in zwei Aufführungen auf, im „Rigoletto“ und in der „Butterfly“ — dann wollte man ihn sang- und klanglos ziehen lassen. Der Opemdirektor Salmhofer sagte, es wäre katastrophal gewesen... Mit dem Gerichtsvorsitzenden Dr. Lahr war hier nicht zu spaßen. Der Bariton hatte sich erboten, vorzusingen. Prof. Moralt, der an beiden Abenden dirigiert hatte, verneinte, daß das Singen Gligors eine Katastrophe gewesen war: „provinziell“ habe es gewirkt, und was darunter zu verstehen war: „herkömmliche Schlamperei“, „rhythmische Freiheiten“. Er habe auch nichts von vollendetem Engagement künstler und als glänzender Pianist in Konzerten als Begleiter gesucht. In seiner Aktentasche pflege er Beethovens Sonaten und Prozeßakten zu vermengen... Er hörte die Stimme Gligors in „Butterfly“ nach dem Tonband — es genügte ihm nicht! Im Studio der Symphoniker nahm er sich den Opernsänger vor, schlug die Partitur der „Aida“ auf und spielte brillant, der Jugoslawe sang ebenso — und dann diktierte Dr. Lahr sein positives Gutachten! Theatercoup! Als am nächsten Tag die Verhandlung fortgesetzt wurde, war Dr. Lahr als Vorsitzender abgesetzt! Die Finanzprokuratur hatte ihn für befangen erklärt, weil er sich selbst zum Experten ernannt habe. Den Protest des Anwalts nannte der neue Vorsitzende „nicht unbegründet“. Darf ein Richter nicht selbst Fachmann sein? Soll er selbst möglichst wenig v.on der Sache verstehen, über die er zu urteilen hat? Und warum, fragt man, müssen jetzt tumusweise je 12 Richter auf der Schulbank der Verkehrspolizei sitzen und Autofahren lernen, um bei Unfällen sich auszukennen.. ? — Nun, es zeigte sich, daß der Kläger mit dem neuen Richter auch nicht schlecht gefahren war. Der setzte die Verhandlung gleich im Konzerthaus fort. Ein neuer Sachverständiger, Pros. Ferd. Großmann, ließ sich gar im Großen Konzertsaal aus „Fürst Igor“ und „Othello“ Vorsingen — nur begleitete kein Richter, sondern Kapell- Sohn eine Gasse durch die begeisterten Massen zu bahnen. Ivan fand sich plötzlich auf den Schultern eines älteren Freundes und ritt ständig zdravo-rufend in den Wartesaal, von dem auch sich dann ein großartiger Triumphzug durch die Stadt formierte. Etwa 10O 000 Menschen begleiteten die vorausfahrenden Heimkehrer unter Gesang und Musik zum Hotel „Union“, wo Ivan wiederum große „Manifestationen“ erwarteten. Der 12jährige Nationalheld hatte jedoch kaum Zeit die Geschenkpakete auf ihren Inhalt zu untersuchen. Am nächsten Morgen mußte er zunächst Radio Laibach ein „Interview“ geben und dann dem Kreuzfeuer der Fragen und Blitzlichter der Lai- bacher Presse standhalten. Anschließend zum Empfang beim Präsidenten des Sozialrates und den Vertretern des örtlichen Par- teikomitees, die ihm „von dem heroischen Freiheitskampf seines Volkes, den Erfolgen Jugoslawiens nach dem Kriege und von der glücklichen Zukunft erzählten, die ihn hier erwartet“. Es folgte eine Ermahnung, fleißig zu lernen und ein braver Pionier zu werden. Wenig später traf eine Delegation der Parteiorganisationen aus Schoschtanj, dem Wohnort der Familie Piretschnik ein, die den früheren Johann - Dieter Siersch auf der weiteren Fahrt begleitete. Inzwischen hat aber der kleine Ivan neben seinen offiziellen Pflichten als der zur Zeit berühmteste Jugoslawe doch Gelegenheit gefunden, die Geschenke anzusehen. und auszuprobieren. Er fand darunter sämtliche Sportgeräte — meistens doppelt und dreifach — außerdem Fahrräder, Fotos, Rundfunkgeräte, Bücher und viel Schokolade. Der Eingang von Glückwunsch- ■ adreseen und Geschenken hielt auch die nächsten Tage an. Zu Beginn der letzten Woche erschien bei Ivan und Paula Piretschnik eine Delegation des Arbeiterkollektivs des kommunistischen Organs „Bor- ba“ und überreichte der Familie ein Stipendium von monatlich 4000 Dinar (60 DM) für Ivans Schulausbildung. Neben der Freude über Ivans Heimkehr vergaß man in Jugoslawien nicht den Aer- ger über die unfreundlichen Bemerkungen des amerikanischen Richters Clark hinsichtlich der politischen Verhältnisse in Ivans neuem Vaterland. Im Belgrader Außenministerium liefen 150 Protestschreiben ein und die „Borba“ widmete den „Frankfurter und Moskauer Clarks“ einen gehässigen Kommentar. Da aber Ivan weder serbisch noch englisch kann, dürften ihm hoffentlich die politischen Begleiterscheinungen seiner Heimkehr verborgen bleiben. Zweimal 100 prozentig BERLIN. Der Traktorist Richard Kluge von der Maschinenausleihstation Blankensee im Kreis Neustrelitz (Sowjetzone) ist für vorbildliche Leistungen als Aktivist ausgezeichnet worden. Kluge war, wie der Sowjetzonen - Nachrichtendienst berichtet, ■ Träger des „Goldenen Nazi-Parteiabzeichens“. Seine Ehrung sei ein Beispiel dafür, daß „die Mehrheit der ehemaligen Mitglieder und Anhänger der Nazipartei“ die Politik der Sowjetzonen-Regierung unterstütze. nüssen Sie den einen Stalin vom andern unter- ;önnen. (Elseviers Weekblad .Amsterdam) meister Prof. Pilsz. Alle Zuhörer waren begeistert — Großmann begutachtete, man dürfe nicht den Stab brechen, auch wenn ein Sänger zweimal versagt habe; die Stimme sei wertvoll und zwar so, daß man ihr helfen müsse; ein Wink habe genügt, um nach einem nicht locker genug angesetzten Ton den Sänger zur vollen Entfaltung seiner Stimme zu bringen. Nur bei altroutinierten Sängern von auswärts genüge eine Arrangierprobe. Das Urteil wurde im Strauß-Lanner- Saal gesprochen' — es herrschte unter den vielen anwesenden Künstlern eine Stimmung wie in der „Fledermaus“. Jovan Gligor erhält seine 52 000 Schilling und kann wegen weiterer 50 000 prozessieren. — Sofort nahm eine Konzertagentur die Konjunktur wahr — und kein Zweifel, daß demnächst Gligor ein volles Wiener Haus haben wird! Dr. B. H. Prof. Walter Gieseklng ist in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste als Pianist vom Präsidenten der französischen Republik zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt worden. Gieseking, einer der bedeutendsten Klaviervirtuosen unserer Zeit, leitet seit 1948 die Meisterklasse des Staatlichen Konservatoriums in Saarbrücken. Franz Sawicky, der Religionsphilosoph, ist im Alter von 75 Jahren in Pelplin, dem Bischofssitz der Diözese Culm (früher Westpreußen, jetzt Polen), gestorben. Dr. Sawicky wurde 1900 zum Priester geweiht und promovierte 1902 in Freiburg zum Doktor der Theologie. Seit 1903 wirkte Dr. Sawicky als Professor für Theologie und Philosophie ununterbrochen bis zu seinem Tode am Priesterseminar in Pelplin. Jean Cocteau wird bei der deutschen Erstaufführung seines Schauspiels „Bacchus“ im Düsseldorfer Schauspielhaus als Gast anwesend sein. Die Erstaufführung findet am 18. Oktober unter der Regie von Gustaf Gründgens statt. Donnerstag, 16. Oktober 1952 SÜDKTJRIEB Nr. 164 / Seite t Was geschah mit den Kranken anf dem Eicbberg? Das Recht der Öffentlichkeit a Sonderb Mit einer Art von Stelldichein der deutschen Kapazitäten der Psychiatrie im Wiesbadener Gerichtssaal ist die Beweisaufnahme im Eichbergprozeß, in dem leitende Aerzte dieser großen hessischen Heil- und Pflegeanstalt angeklagt sind, jetzt zu Ende gegangen. Sie hat fast ein Vierteljahr gedauert, und über 150 Zeugen sind vernommen worden. Am Freitag, dem 17. Oktober, beginnen die Plädoyers, die sich bis in die folgende Woche erstrecken werden. „Kotzspritzen“ mit Apomorphin und Hypomorphin, dazu das Schockmittel Azo- man und das fiebererregende Olibinthin strafweise verabreicht und sich außerdem nach dem Kriege der Freiheitsberaubung, mangelnder ärztlicher Aufsichtspflicht und der Körperverletzung schuldig gemacht zu haben, hatte eine Hamburger Zeitschrift vor zwei Jahren dem Eichberg-Chefarzt Dr. Wilhelm Hinsen und seinem Oberarzt Dt. Ohm vorgeworfen. Hinsen zeigte damals die Verfasser wegen Verleumdung und übler Nachrede an, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage und ließ Dr. Hinsen und Dr. Ohm als Nebenkläger zu. Für die letzten Tage der Vernehmung, die zu den spannendsten und aufschlußreichsten des ganzen monströsen Prozesses zählen, waren abermals drei neue Sachverständige vorgeladen worden. Nun sind es im ganzen acht, und fast alle sind sie Professoren der Psychiatrie und Chefärzte großer Heil- und Pflegeanstalten von Hamburg bis Erlangen. Aber was diese Kapazitäten bekundeten, hat die Waage der Gerechtigkeit weder nach der einen noch nach der anderen Seite sinken lassen. Die Gegensätze zwischen Licht und Schatten, zwischen pro und contra (immer im Hinblick auf die Aerzte des Eichbergs) haben sich nur noch weiter verschärft. Die Antwort auf die Schuldfrage ist noch schwieriger geworden. Eines aber trat mit aller Klarheit hervor, und das ist für die Oeffentlichkeit eminent wichtig: Die Sachverständigen stimmten völlig darin überein, daß es die Pflicht der Anstaltsärzte ist, der Presse Auskunft zu geben. Einer begründete diesen Standpunkt mit den Worten: „Die Irrenanstalten haben eine so furchtbare Vergangenheit hinter sich, daß die Oeffentlichkeit sich noch nicht beruhigt hat, und deshalb ist es unsere Pflicht, über die gegenwärtige Tätigkeit der Anstalten Auskunft zu geben. Ich habe noch nie einen Pressevertreter abgewiesen.“ Der Sachverständige meinte damit die bekannten Massentötungen, die im Dritten Reich an geisteskranken Personen verübt worden sind. Dieses Votum ist für die ange- klagten Journalisten von großer Bedeutung, wenngleich der Chefarzt des Eichberg. Dr. Hinsen, daraufhin für sich in Anspruch nahm, auch er stehe grundsätzlich auf diesem Standpunkt, und er habe im vorliegenden Falle die Auskunft nur wegen der Art des Auftretens der ange- klagten Journalisten abgelehnt. Ansfaltsärzfe keine Zuchthauswärter Recht ungünstig für die Aerzte des Eichbergs war das übereinstimmende Votum der Sachverständigen über die berüchtigte Kellerzelle, in der sich ein Patient erhängt hat. Vergebens hielt der Anwalt der Aerzte ihnen vor, daß dieser Patient ein gefährlicher Sittlichkeitsverbrecher war, der mehrmals aus der Anstalt entfloh. Da man 1947 nicht genug Wärter hatte, um ihn besonders zu überwachen, mußte man ihn in diese Zelle sperren. f Auskunft — Sachverständige sagten aus - rieht unseres Dr. Th. - Korresp „Wollen Sie die Verantwortung übernehmen“, fragte der Anwalt den Professor, „daß dieser Mann abermals ausbrechen und neue Untaten begehen konnte?“ — „Nein“, antwortete der Sachverständige, „das natürlich nicht, aber ich hätte ihn trotzdem nicht in diese Zelle gesperrt.“ „Was denn?“ „Ich hätte fürchterlichen Krach bei der Behörde gemacht, bis ich mehr Wärter bekommen hätte.“ Da lächelt selbst der Vorsitzende, denn das wäre damals wohl zwecklos gewesen. Der Sachverständige bleibt aber bei seiner Meinung. „Eine Anstalt, aus der keiner ausbricht, ist noch lange keine gute Anstalt, und Aerzte sind keine Zuchthauswärter.“ Ein .böser Engpafj’ Immerhin muß er bei dieser Gewissensfrage zugeben, daß die Aerzte des Eichbergs sich in diesem Falle in einem „bösen Engpaß“ befanden, aber heutzutage könne man solche Zellen keinesfalls mehr dulden. Er habe sie in seiner Anstalt alle abgeschafft. Der andere Professor berichtet, er habe weder Zellen noch große Säle, sondern lauter freundliche Krankenzimmer. Man habe heute doch ganz andere moderne Beruhigungsmittel für Geisteskranke. Den „nackten Tobenden“ in der Zelle, den es noch vor dreißig Jahren gab, kenne man heute nicht mehr, und ebensowenig den Kranken, der sich „wie ein Raubtier auf seinen Wärter stürzte“. Die Isolierung der Kranken in Zellen verwerfen sämtliche Sachverständige. Man darf den Kranken nicht das Gefühl nehmen, daß sie noch Kontakt mit der Umwelt haben. Das Gegenteil führt zum Selbstmord. .Das stelle ich mirschrecklich vor" Nicht viel besser erging es den Aerzten mit dem Votum über die oft erörterten Dauerbäder und Packungen. Die Kombination von beidem verwerfen die Sachverständigen restlos. Sie sagen sogar, diese Methode sei ihnen völlig unbekannt, und einer fügt hinzu: „Das stelle ich mir geradezu schrecklich vor.“ Ein anderer hielt dieses Verfahren nur dort für zulässig, wo es an ausreichenden Pflegern und Aerzten fehlt. Aber gerade das ist ja immer wieder festgestellt worden, daß es besonders 1947 auf dem Eichberg an beiden bedenklich mangelte. Sieben Aerzte für tausend Kranke sind nun einmal zu wenig. .Was hätte ich tun sollen?' Einer der Patienten Ist seinerzeit während einer sogenannten Dauerschlafbehandlung gestorben, und das ist einer der Fälle, die von der öffentlichen Kritik besonders unterstrichen wurden. Jetzt vertreten die Sachverständigen aber (wieder übereinstimmend) die Meinung, daß die Schlafkur auch heute'noch als ein therapeutisches Mittel, sogar als ein besonders humanes, angewendet wird. Auch schwere Fälle von Veitstanz können damit behandelt werden. Allerdings ist strengste Ueberwachung notwendig. Der in Frage stehende Todesfall wird genau analysiert. Der Mann wäre auf jeden Fall sehr bald gestorben, sagen die Sachverständigen. Es war richtig, die Schlafkur zu versuchen, auch wenn sie gefährlich war. Nur einer meint, man hätte vielleicht etwas anderes tun können. Als Dr. Ohm, der für diesen Fall verantwortlich ist, nun aber direkt fragt: „Bitte, welche Therapie hätte ich anwenden sollen?“, da weiß der Professor keine positive Antwort zu geben und meint nur, „Vielleicht dieselbe Methode, nur etwas milder.“ - Abschluß der Beweisaufnahme ondenten Weiterhin ist bekanntlich gerügt worden, daß manche Patienten viel länger, als es medizinisch notwendig war, auf dem Eichberg zurückgehalten und zur Arbeit angehalten worden seien. Hier stößt man auf eine Kollision zwischen Aerzten und Verwaltung der Anstalt. Der Verwaltung war an solchen billigen Arbeitskräften anscheinend viel gelegen. Aber da fährt ein Sachverständiger dazwischen: „Wer Kartoffeln schält, das bestimme ich und nicht die Verwaltung!“ Episoden dieser Art hat es im Verlauf des Prozesses oft genug gegeben. Bei der Diskussion über den Unterschied zwischen der Behandlung in der Frauenabteilung und in der Männerabteilung sagt ein Sachverständiger auf die Frage nach der höheren Reizbarkeit der beiden Gruppen: „Frauen sind natürlich immer interessanter.“ Und als er damit Heiterkeit im Saale erweckt, fügt er rasch hinzu: „Natürlich in der Psychiatrie.“ Heiterkeit gibt es auch, als Dr. Ohm bei der Erörterung der berüchtigten Apomorphinspritzen, der sogenannten „Kotzspritzen“, die zur Beruhigung gegeben werden, erklärt: „Bei sehr starker Anspannung rauche ich eine Zigarre, damit mir übel wird, und damit ich auf diese Weise die affektive Spannung überwinde." Hartam Falscheid Bei einem Prozeß, bei dem viele der Zeugen Geisteskranke oder Rauschgiftsüchtige sind, ist es verzweifelt schwer, die Wahrheit herauszuflnden. Immer wieder war sich das Gericht im Zweifel, ob ein Zeuge zum Eid zugelassen werden konnte. Oft war es nicht der Fall, und ebensooft mußte der Vorsitzende sehr nachdrücklich auf die Gefahr des Meineides hinweisen. Einer der letzten dieser Zeugen war ein Arzt, der auf dem Eichberg eine Entziehungskur genlacht hatte, aber im Verdacht stand, wieder Rauschgifte zu nehmen. Er verwickelte sich so' in Widersprüche, daß einer der Anwälte verlangte, man solle den Mann sofort untersuchen lassen, ob er unter dem Einfluß solcher Mittel stehe, was er selbst strikt ableugnete. Nur aus formalen Gründen war diese sofortige Untersuchung prozessual nicht zulässig, sonst hätte die Sache für diesen Zeugen einen bösen Ausgang nehmen können. Und derselbe Mann, der mehrere Stunden lang den Eichberg in Grund und Boden kritisiert hatte, hielt dann plötzlich eine spontane Lobrede auf Dr. Ohm, und sprach von der „Tragik“, unter der dieser tüchtige Arzt auf dem Eichberg habe arbeiten müssen. Aus diesem Dickicht von Widersprüchen soll das Gericht nun einen Ausweg ftnden. Man wartet mit Spannung darauf, wie durch die bevorstehenden Plädoyers dieses Dik- kicht zunächst vermutlich noch undurchdringlicher gemacht werden wird. Lichter der Großstadt Zu Ehren des Mannes, dem die Großstädte der Welt ihren abendlichen Lichterglanz verdanken, fand in Londons Universität ein Diner statt, auf dem der Herzog von Edinburgh eine Gedächtnisansprache hielt. Die Ehrung galt Sir William Ramsay, dem Entdecker des Neons, der vor hundert Jahren in Glasgow gebaren und im Jahre 1904, zwölf Jahre vor seinem Tode, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Ihm gelang ferner als erstem Chemiker die Darstellung von Helium und Argon; bekannt wurde er auch durch seine Forschungen auf dem Gebiet der Radioaktivität und der Atomspaltung. . Seltsam und heiter Das Geheimnis des Erfolges In einem kleinen Theater in Hollywood wird seit 20 Jahren ein und dasselbe Stück gespielt. Es heißt: „Der Trinker“. Der literarische Wert des Stückes ist gering, aber die Zuschauer kriegen während der Aufführung gratis Bier zu trinken... Das zieht. 16 Millionen Liter Bier sind bereits ■’urch die Kehlen der Besucher geflossen. Eine Krankheit unserer Zeit Der englische Schauspieler Sir Laurence Olivier und seine Gattin Vivian Leigh leiden an Steuerlähmung. Da6 Londoner Fernsehstudio bot dem Ehepaar für ein einziges Auftreten im Fernsehen 2000 Pfund (ca* 22 000 DM). Nach Rücksprache mit dem Steuerberater lehnte das berühmte Schauspielerehepaar ab. „Wir haben in diesem Jahr soviel verdient, daß wir von diesen 2000 Pfund nach Abzug der Steuern genau 50 Pfund zurückbehalten würden. Dafür wollen wir die Schwitzkur im Femsehatelier doch lieber nicht haben.“ Liebeskummer staatlich geheilt In seiner Klinik behandelt der Londoner Arzt Dr. Bierer ausschließlich Leute, die an Liebeskummer erkrankt sind. Das ihnen innewohnende „Fieber“ sucht er mit Tabletten und Psychotherapie zu dämpfen. Sein Institut erhielt vom staatlichen Gesundheitsamt Zuschuß, „da unglücklich Verliebte sich hemmend im Wirtschafts- und Geschäfteleben auswirken.“ Der faulste Angler der Welt Wenn Fred Filkins aus Grand Rapido (USA) seinen Nachbarn erzählt, er habe in seinem Wohnzimmer wieder einmal «in paar größe Fische geangelt, so ist das kein Anglerlatein. Fred hat sein Holzhaus über einem Bach gebaut. Der Bach fließt durch da« Wohnzimmer, er ist mit zementierten Feld- »teinen eingefaßt. Ein Steg führt von einer Zimmerhälfte fiber den Bach in die andere. Wenn Fred Wilkins Lust hat, setzt er sich in einen Polstersessel und wirft die Angel aus. Ihn stören weder Regen noch Sonnenbrand. Filkens wird mit Recht der „faulste Angler der Welt“ genannt. Der Wurm als Hypnotiseur Mit einer Büchse fetter Würmer im Gepäck flog der Geschäftsmann Richard Wishart nach einem Angelurlaub in England zurück ins heimatliche Amerika. „Ich weiß nicht, woran es liegt“, sagte er, „aber mit englischen Würmern angelt es sich besser. Sie hypnotisieren jeden Fisch.“ Die Sünden der Großväter Ehrlich währt am längsten, sagte sich ein Pariser Student und gab der Universitätsbibliothek ein Buch zurück, das er im Bücherschrank seines Vaters gefunden hatte. Ein Urgroßvater des Studenten hatte das Buch im Jahre 1776, also noch vor der französischen Revolution, entliehen. BP BENZIN. UND PETROIEUM-GE IM WINDKAiNAL. Dl« Flugetgeradiaftan «inei Düianj&ger« werden geprüft. An der Schwelle des Dftsen-Zeltalters Motorleistung und Temperaturerhöhung — Wirkung der Schallgeschwindigkeit Es sind reichlich zehn Jahre her, seit das erste Düsenflugzeug von einem Flugplatz aufstieg, und schon haben viele Motorentechniker in aller Welt keine Zweifel mehr, unser Zeitalter, wenigstens solange der sagenhafte Atommotor seine Herrschaft noch nicht angetreten hat, nach dem Düsenmotor zu benennen. Der Fortschritt in dieser verhältnismäßig kurzen Zeitspanne ist nahezu unglaublich, die Weiterentwicklung nur mit Staunen abzusehen. Angesichts der imponierenden immer wieder höheren Zahlen über Flugzeuggeschwindigkeiten übersieht man manchmal die übrigen Vorzüge der neuen Motoren. Seit den Tagen des ersten Airacomet- Düsenjägers ist das Prinzip des Triebwerkes zwar das gleiche geblieben, aber die Unterschiede zu den Sabre-Jägern oder den achtmotorigen B-52-Bombern sind so groß, daß man Bedenken hat» sie der gleichen Kategorie zuzuordnen. Die Entwicklung der Düsenmotoren trug die Flugzeuge in die Bereiche der Schallgeschwindigkeit, und die früheren Rumpfund Flügelprofile mußten aufgegeben werden, weil sie dem ungeheuen Luftwiderstand nicht mehr standhielten; die Rückstoßwirkung eines modernen Düsenmotors mit einer Leistung bis zu 4000 kg ist fünf- blS sechsmal höher als bei einem Kolbenmotor. Noch im letzten Stadium des Krieges wurde der höchste Wirkungsgrad eines Triebwerkes dadurch erreicht, daß man den Kolben mit geringstem Widerstand im Zylinder zu bewegen suchte; seiner Leistung waren durchaus absehbare Grenzen gesetzt. Die Leistung eines Düsenmotors aber ist in erster Linie das Resultat einer äußerst hohen Temperatur, die theoretisch noch so lange erhöht werden kann, als Techniker Motoren zu bauen vermögen, die diesen Temperaturen widerstehen. Die unbändige Kraft der Motoren rief bemerkenswerte Veränderungen der Flugzeugformen hervor. Die Trägflächen wurden pfeilförmig nach hinten angewinkelt und beginnen bei neuen britischen und amerikanischen Typen sogar in einen dreieckigen Rumpf — die sogenannte Delta- Form — überzugehen; gleichzeitig wird das Flügelprofil immer dünner. Das hat zur Folge, daß das Gewicht der Triebwerke, soweit sie an den Flügeln montiert werden, nicht beliebig erhöht werden l kann. Zugunsten einer idealen Flugzeugform überhaupt kann aber nicht auf das unerläßliche Zubehör verzichtet werden, um so weniger, als bei Schallgeschwindigkeit die menschlichen Sinne allein nicht mehr Herr aller technischen Funktionen der Maschine sind. Kriegsschauplätze sind die fatalen Versuchsfehler technischer Entwicklungen. Flugapparate, die sich heute in Korea bewähren, sind die Passagierflugzeuge von morgen. Das gilt für Düsenjäger, unbemannte Schlachtflugzeuge und Düsenbomber in gleichem Maße. Auf ungezählten Zeichenbrettern wird versucht, den Düsenmotor, der in seiner Motorleistung im Verhältnis zu Eigengewicht, Brennstoffverbrauch, noch nicht aber zu den Herstellungskosten, wirtschaftlicher als seine Vorgänger arbeitet, weiter zu entwickeln. Die Düsen - Passagierflugzeuge, wie sie England auf der Strecke nach Südafrika einsetzt, leisten Pionierdienste: die Passagiere loben die „ruhige Fahrt“, gegen die das Vibrieren von früher nur ein böser Spuk ist. Es stellt sich ferner heraus, daß die Betriebskosten bei Düsenmotoren niedriger sind; eines Tages kann also auch ein Düsenfahrzeug trotz der hohen Herstellungskosten wirtschaftlich werden. Die kürzeren Verkehrszeiten - man erinnere sich an die zweimalige Atlantiküberquerung binnen acht Stunden — werden dann wohl auch auf den kürzeren Strecken die liebenswürdigen Stewardessen überflüssig machen, die den Passagier reichlich und gut verpflegen helfen — sagen die Kalkulatoren der Fluggesellschaften. Eine Konkurrenz in dieser Entwicklung besteht sicher vorerst nicht im Atommotor, wohl aber in der Gasturbine, vor allem, sofern sie den Kolbenmotor bei erdgebundenen Fahrzeugen ablösen könnte. Turbinengetriebene Propellerflugzeuge haben den Weg bereitet, und die Väter dieser Konstruktion weisen auf die vielen Vorzüge hin, zu denen allerdings höchste Geschwindigkeit nicht zählt. Die Gasturbine ist um die Hälfte leichter als ein gleichstarkes Strahltriebwerk, etwa eines Sabre- Jägers. Die beim Düsenantrieb in der Einlaufdüse verdichtete einsträmende Luft aber erhöht die Energie so vorteilhaft, daß ihren Verfechtern unsere hastige und ruhelos-geschäftige Zeit künftig vollends recht geben wird. Dr. Ing. A. Degen SCHÜTZT R G 0 L SELLSCHAFT MIT BESCHRANKTER HAFTUNG V.V> Donnerstag. 16. Oktober 1952 SÜDKURIER Nr. 164 / Seite 2 Klein-Iwan wurde „Nationalheld“ Jugoslawische Begeisterung um Johann-Dieter Siersch schichte und Völkerkunde zu betreiben, den menschlichen Austausch zwischen den Soldaten der EVG zu pflegen, um einen natürlichen Kontakt nach draußen zu gewinnen und selbstverständlichereUmgangs- formen zu prägen; denn Auseinandersetzungen, ob heiß oder kalt, werden immer MOSKAU. Am letzten Tage des kommunistischen Kongresses der Sowjet-Union ist Stalin aus seinem Schweigen herausgetreten und hat eine kurze Ansprache an die kommunistischen Parteien des Auslandes gehalten. - Die Sowjet-Union, so sagte er, werde Iraner die Unterstützung brüderlich gesinnter Menschen im Ausland brauchen, vor allem in der Form, daß die „Bruder-Parteien“ ihre Länder an dem Eintritt in einen Krieg gegen die Sowjet-Union hindern. „Wenn Thorez und Togliatti erklären, ihre Völker würden nicht gegen die Sowjet-Union kämpfen, dann sahen wir darin ein Zeichen, daß die Arbeiter und Bauern Frankreichs und Italiens die Bemühungen der Sowjetunion um den Frieden unterstützen." Die sowjetische kommunistische Partei müsse den kommunistischen Parteien im Ausland in ihrem Kampf helfen. Das sei umso eher möglich, weil der sowjetische Stoßtrupp heute nicht allein stehe, sondern durch Stoßbrigaden von China bis Korea und von der Tschechoslowakei bis Ungarn unterstützt werde. „Die Lage unserer Bruder- Parteien ist schwierig, aber nicht so schwierig wie es die unsere in der Zarenzeit war. Wir sind vor Schwierigkeiten nicht zurückgeschreckt, deshalb haben wir gesiegt. Genau so werden auch die anderen kommunistischen Parteien siegen.“ Die Bruder- Parteien hätten die Pflicht, „das Banner der Freiheit in die Hand zu nehmen“, nachdem die Bourgeoisie zum Hauptfeind der Freiheit geworden sei. Der Kongreß, der in seinem ganzen Verlauf das Machtbewußtsein der Sowjetunion herausstellte, schloß mit einer Erklärung des ältesten Sowjetmarschalls Woroschilow: „Die Partei Lenins und Stalins hat den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft in unserem Lande zu sichern und damit der ganzen Menschheit den Weg zum Kommunismus zu bahnen.“ In den vorangegangenen Wahlen zur obersten Instanz der kommunistischen Partei, dem Zentralkomitee, wurden 125 vorher benannte Personen gewählt, während das Zentralkomitee bisher höchstens aus 71 Personen bestehen durfte. Nur 35 der bisherigen Komiteemitglieder wurden wiedergewählt. Interessant sind einige Verschiebungen bei der Wahl der stellvertretenden STUTTGART (Tfz.-Eigenbericht). Im Mittelpunkt der Mittwochsitzung der Verfassunggebenden Landesversammlung von Baden-Württemberg Stand eine äußerst eregte Debatte über eine Große Anfrage der CDU, die von der Landesregierung wissen wollte, was sie zu tun gedenke, um den fortschreitenden Umtrieben der linksradikalen Bewegung tatkräftig Einhalt zu gebieten. Dr. Werber zählte in der Be- WETTERVORHERSAGE des Badischen Landeswetterdienstes Ein Zwischenhoch zieht über Mitteleuropa weiter nach Osten. Ein neues Sturmtief nähert sich dem Kontinent, das dazugehörige Schlechtwettergebiet hat bereits die spanische Küste erreicht und wird auch Südwestdeutschland wieder beeinflussen. Wettervorhersage bis Freitagabend: Am Donnerstag in den Morgenstunden strichweise Nebel, im Verlauf des Tages Bewölkungszunahme, zunächst aber noch wenig Regen. Bei auflebenden Winden aus Südwest wieder wärmer. Am Freitag bei stärkerem Drudcfall wechselnd bewölkt und einzelne schauerartige Regenfälle. Sonst wolkiges, herbstliches Wetter *mit starken Temperaturgegensätzen zwischen Tag und Nacht. 100 DM in Zürich: 15. 10.: 90/92 sfr., auf der menschlichen Ebene gewonnen oder verloren. Damit dürfte wohl auch der Standpunkt überholt sein, daß in der Vergangenheit „alles richtig gewesen“ eei, daß sich „alles bewährt“ habe und daß nur „die äußeren Formen“ geändert werden müssen. Dr. Chr. von Imhoff Komiteemitglieder. Die Frau Molotows wurde nicht als Stellvertreterin wieder- gewählt. Dagegen trat zum ersten Male nach langer Zeit wieder Marechall Schu- kow als stellvertretendes Komiteemitglied in Erscheinung — der frühere sowjetische Oberkommandierende in Deutschland, der 1946 in Ungnade fiel und abberufen wurde. * SK. Die außenpolitische Aufgabe des Kongresses war es offenbar, die Verteidigungsfront des Westens aufzusplittern, indem man darlegte, daß die Sowjet-Union nicht mit kriegerischen Mitteln ihre Macht auszubreiten beabsichtige. Dadurch soll die Ueberflüssigkeit umfassender westlicher Verteidigungsmaßnahmen, vor allem den wirtschaftlich schwächeren Völkern, wie etwa Frankreich, vor Augen geführt werden. Die Schlußrede Stalins entspricht dieser Linie. Audi den kommunistischen Parteien des Auslandes wird bedeutet, daß die Sowjet-Union nicht das Risiko eines Krieges auf sich nahmen wird, um ihnen zum Siege zu verhelfen. Vielmehr sollen die kommunistischen Parteien ihre Heimatländer von innen her zersetzen. Dafür wird ihnen Hilfe zugesagt. Zugleich aber wird ihnen vorgehalten, daß sie es bei ihrer Zer- eetzungsarbeit mit geringeren Schwierigkeiten zu tun hätten als einst die Bolschewisten vor der russischen Revolution- Nag b entläßt seinen Freund KAIRO. Der ägyptische Ministerpräsident General Na gib hat Oberst Mehanna aus dem dreiköpfigen Regentschaftsrat entlassen, der eingesetzt wurde, als König Faruk gezwungen wurde, sein Land zu verlassen. Begründet wird dieser Schritt mit der Feststellung, Mehanna habe wiederholt in die Regierungsangelegenheiten eingegriffen und den Eindruck erweckt, daß über die Verwirklichung der Reformen in der Armee Meinungsverschiedenheiten bestünden. Mehanna gilt als der geistige Urheber des Militärputsches. Er gehört zu den engsten Freunden des Nil- Diktators General Nagib. Der Ministerpräsident hat den dreiköpfigen Regentschaftsrat aufgelöst und Prinz Mohammed Abdel Moneim, einen Vetter des Exkönigs Faruk, zum alleinigen ägyptischen Regenten ernannt. gründung einen Katalog von Veranstaltungen solcher Gruppen auf, die dazu geführt hätten, daß das Land Baden-Württemberg, insbesondere die Stadt Stuttgart, als Naturschutzpark der Kommunisten bezeichnet worden sei. Der Feind stehe eben nicht nur rechts, sondern im gleichen Maße links. Innenminister Ulrich erklärte in der Entgegnung, ein Vorgehen gegen die extremen Parteien sei erst möglich, wenn sie vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt worden seien. Vereinigungen könnten nur dann verboten werden, wenn ihre Tätigkeit sich gegen die Verfassung oder gegen die Völkerverständigung richte. Die angerufenen Gerichte hätten in Einzelfällen für die notwendige Säuberung der Behörden von Staatsfeinden nicht immer das erforderliche Verständnis gezeigt. Er sei auch der Meinung, das Vorgehen der Stuttgarter Polizei bei verschiedenen Kundgebungen und Veranstaltungen politischer Gruppen sei nicht angemessen gewesen. In der zum Teil erregten Diskussion wurden die Erklärungen der kommunistischen Abgeordneten, alle hier angegriffenen Gruppen und Vereinigungen sowie die Kommunistische Partei wollten nichts anderes, als der Demokratie und der Völkerverständigung dienen, von allen Rednern unter Hinweis auf die Verhältnisse in der Ostzone unter Protest zurückgewiesen. Der SPD-Abgeorclnete Angstmamn rief dem KP-Sprecher Rues in großer Erregung zu; „Es ist ja eine Zumutung, sich diesen Unsinn von Ihnen hier anhören zu müssen“, gleichzeitig verließ eine große Zähl der Abgeordneten protestierend den Saal, als Rues von den Vorzügen des kommunistischen Systems im Osten sprach. Schließlich nahm die Landesversammlung einen Antrag an, in dem die Regierung ersucht wird, unverzüglich zu prüfen, ob nicht auf Grund bestehender Vorschriften die Durchführung des „Monats deutsch-sowjetischer Freundschaft“ und die damit verbundenen Veranstaltungen verhindert werden können und das wenn möglich zu veranlassen. Der Gesetzentwurf zur Verschiebung der südbaddschen Gemeindewahlen auf November 1953 wurde ohne Debatte an den Verwaltungsausschuß überwiesen. Außerdem wählte die Landesversammlung den Präsidenten und die Mitglieder des vorläufigen Staategerichtshofes. BERLIN (G.-Eigenbericht). Der zweite ordentliche Bundeskongreß des Deutschen Gewerkschafts-Bundes in Berlin stand bereits an seinem zweiten Arbeitstag im Zeichen des Kampfes um die Wahl des neuen Vorsitzenden. Etwa 40 Delegierte sprachen in der Debatte über den Geschäftsbericht Christian Fettes. Ihre Ausführungen hatten zum größten Teil den Charakter reiner Wahlreden. Die Debatte führte zu einer indirekten Stärkung der Position Fettes, da August Schmidt von der Bergbau-Gewerkschaft, der drittgrößten innerhalb des DGB, sich hundertprozentig für den bisherigen Vorsitzenden einsetzte. Einen weniger guten Eindruck machte Freitag von der IG-Metall, die mit 1,5 Millionen Mitgliedern die stärkste Gewerkschaft ist. Er griff in einer bemerkenswert derben Sprache den Vorstand an. Noch völlig ungewiß ist es, auf welcher Seite — Fette oder Freitag — die zweitmächtigste Gewerkschaft, die ÖTV steht. Die Diskussionsrede ihres Vorsitzenden Kummernuß ließ das nicht erkennen. Die Debatte drehte sich vor allem um das Betriebsverfassungsgesetz und um den Wehrbeitrag. Der Vorsitzende der IG- Metall, Freitag, erklärte, daß die Frage des Wehrbeitrages auf politischer Ebene gelöst werden müsse. „Die Gewerkschaften sind nicht dazu da, das gut zu machen, was die Bevölkerung bei der Wahl zum Bundestag versaut hat“. Er machte Fette den Vorwurf, öffentlich zum Wehrbeitrag Stellung genommen zu haben. Sollte es zum Wehrbeitrag kommen, sagte Freitag, so muß es die Aufgabe des DGB sein, die Arbeiter soweit wie möglich vor den Belastungen zu schützen. Der 74jäh- rige August Schmidt, der Führer der Bergarbeiter, übernahm für das, was Fette in der letzten Zeit getan hat, die volle Mit- j Verantwortung. Er meinte damit vor allem die Politik des Vorstandes gegenüber dem Betriebsverfassungsgesetz. Zu lauten Zwischenrufen kam es, als ein Vertreter der IG-Metall dem Berliner DGB-Vorsitzenden Scharnowski vorwarf, eine Hetzrede gehalten zu haben. Sdhar- I nowski hatte die Delegierten davor gewarnt, offiziellen Einladungen nach Ostberlin zu folgen und ihnen geraten, lieber mit den Ostberliner Arbeitern zu sprechen. Der IG-Metall-Vertreter erklärte, Scharnowski habe eine Nation beleidigt, die „mit dazu beigetragen hat, Deutschland vom Faschismus zu befreien“, außerdem habe er den „Lebensstandard dieser Nation in den Schmutz gezogen“. Aus den BELGRAD. (AB. - Eigenbericht.) „Ivan Piretschnik ist wieder in seinem Vaterland. Das Gerichtsverfahren, das tagelang die Weltöffentlichkeit in Atem hielt, wurde zugunsten 4«r Mutter entschieden. - Mutter und Sohn, volle 11 Jahre getrennt, sind glücklich und zufrieden auf heimatlichem Boden eingetroffen.“ Mit diesen patriotisch bewegten Worten meldete der Korrespondent der Belgrader „Politika“ seinen Lesern die Ankunft der beiden. Die Fahrt von Mutter und Sohn glich einem Triumphzug. Auf dem Grenzbahnhof erwarteten die Schuljugend und die Vertreter der kommunistischen Parteiorganisationen die beiden Heimkehrer und überschütteten sie das erste Mal mit Blumen, Geschenken und Willkommensreden. In Laibach war der recht geräumige Bahnhof gefüllt mit Neugierigen und Begeisterten, die mit einer solchen Masse von Blumen und Geschenken für Ivan anrückten, daß schon einige Gepäckträger benötigt wurden. Erst nach einer Stunde — der Tauem- Epreß wartete geduldig ob des seltenen Ereignisses — gelang es, für Mutter und Reihen der Delegierten schallte ihm mehr als einmal entgegen: „Du bist wohl von Pankow geschickt“. Einige Anträge, die am Donnerstag behandelt werden sollen, liefern dem Osten gutes Material für den Versuch, die Delegierten gegen die DGB-Führung aufzuwiegeln. So besonders der Antrag der radikalen Ortsverwaltung der IG-Metall, Stuttgart, der die Aufnahme von Verhandlungen mit dem sowjetdeutschen FDGB fordert, um eine „Entspannung der Lage“ herbeizuführen. Ein zweiter Antrag aus Stuttgart liegt ebenfalls ganz auf der Linie der kommunistischen Propaganda. Er verlangt, die Abänderung des Betriebsverfassungsgesetzes notfalls mit dem „Generalstreik“ zu erzwingen. Am Ende der über sechsstündigen Diskussion bedauerte Fette, daß es ihm in seiner Amtszeit nicht gelungen sei, sich die größte Gewerkschaft im DGB, die IG- Metall zum Freund zu machen. Dann gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß er mit Freitag in der Frage Schuman- Plan einer Meinung sei. „Wir dürfen es uns als Gewerkschaftler nicht so leicht machen und uns zurückziehen, wenn etwas geschaffen wird, was nicht in allen Teüen unserer Vorstellung von diesen Dingen entspricht. Es muß stets reiflich überlegt werden, ob nicht durch Teilnahme an solchen Einrichtungen manches in die Bahnen gelenkt werden kann, die wir wlinsen“. Zu dem Thema' Verteidigungsbeitrag sagte Fette, daß ein, Volk, das nicht-bereit ist, seine Freiheit zu verteidigen, unweigerlich den Weg zur Diktatur gehe. Anschließend hielt Hans vom Hoff ein mehrstündiges Referat über „Die gewerkschaftlichen Aufgaben in der Wirtschaft“. Sohn eine Gasse durch die begeisterten Massen zu bahnen. Ivan fand sich plötzlich auf den Schultern eines älteren Freundes und ritt ständig zdravo-rufend in den Wartesaal, von dem auch sich dann ein großartiger Triumphizug durch die Stadt formierte. Etwa 100 000 Menschen begleiteten die vorausfahrenden Heimkehrer unter Gesang und Musik zum Hotel „Union“, wo Ivan wiederum große „Manifestationen“ erwarteten. Der 12jährige Nationalheld hatte jedoch kaum Zeit die Geschenkpakete auf ihren Inhalt zu untersuchen. Am nächsten Morgen mußte er zunächst Radio Laibach ein „Interview“ geben und dann dem Kreuzfeuer der Fragen und Blitzlichter der Lai- bacher Presse standhalten. Anschließend zum Empfang beim Präsidenten des Sozialrates und den Vertretern des örtlichen Parteikomitees, die ihm „von dem heroischen Freiheitskampf seines Volkes, den Erfolgen Jugoslawiens nach dem Kriege und von der glücklichen Zukunft erzählten, die ihn hier erwartet“. Es folgte eine Ermahnung, fleißig zu lernen und ein braver Pionier zu werden. Wenig später traf eine Delegation der Parteiorganisationen aus Schoschtanj, dem Wohnort der Familie Piretechnik ein, di« den früheren Johann - Dieter Siersch auf der weiteren Fahrt begleitete. Inzwischen hat aber der kleine Ivan neben seinen offiziellen Pflichten als der zur Zeit berühmteste Jugoslawe doch Gelegenheit gefunden, die Geschenke anzu- eehen und auszuprobieren. Er fand darunter sämtliche Sportgeräte — meistens doppelt und dreifach — außerdem Fahrräder, Fotos, Rundfunkgeräte, Bücher und viel Schokolade. Der Eingang von Glückwunschadressen und Geschenken hielt auch die nächsten Tage an. Zu Beginn der letzten Woche erschien bei Ivan und Paula Pi- retschnlk eine Delegation des Arbeiterkollektivs des kommunistischen Organs „Bor- ba“ und überreichte der Familie ein Stipendium von monatlich 4000 Dinar (60 DM) für Ivans Schulausbildung. Neben der Freude über Ivans Heimkehr vergaß man in Jugoslawien nicht den Aer- ger über die unfreundlichen Bemerkungen des amerikanischen Richters Clark hinsichtlich der politischen Verhältnisse ln Ivans neuem Vaterland. Im Belgrader Außenministerium liefen 150 Protestschreiben ein und die „Borba“ widmete den „Frankfurter und Moskauer Clarks“ einen gehässigen Kommentar. Da aber Ivan weder serbisch noch englisch kann, dürften ihm hoffentlich die politischen Begleiterscheinungen seiner Heimkehr verborgen bleiben. Zweimal 100 prozen tlg BERLIN. Der Traktorist Richard Kluge von der Maschinenausleihstation Blankensee im Kreis Neustrelitz (Sowjetzone) ist für vorbildliche Leistungen als Aktivist ausgezeichnet worden. Kluge war, wie der Sowjetzonen - Nachrichtendienst berichtet, Träger des „Goldenen Nazi-Parteiabzeichens“. Seine Ehrung sei ein Beispiel dafür, daß „die Mehrheit der ehemaligen Mitglieder und Anhänger der Nazipartei“ die Politik der Sowjetzonen-Regierung unterstütze. Um die Neuigkeiten aus Moskau zu verstehen, müssen Sie den einen Stalin vom andern unterscheiden können. (Elseviers Weekblad .Amsterdam) LV * IN-T" SM Stalins Parole für Kommunismus des Westens Thorez und Togliatti wurden gelobt — Zersetzung von innen als Ziel Gegen „kommunistischen Naturschutzpark" Erregte Debatte in der Landesversammlung — Regierung will scharf Vorgehen Radikale Strömungen beim DGB-Kongreß Heftige Wahlreden — Fette oder Freitag? — Anträge der IG Metall Englands kühler Geist - zwischen Weinbergen Kultur-Ereignisse bei der S t u 11 ga r t e r b r i t i s c h en Woche Während an den Rebenhängen Stuttgarts die Winzer die Ernte einbringen und in den Vororten der Stadt rund um die Keltern, in den kleinen Weinstuben, Bacchus den Herbst feiert — vermittelt die „Britische Woche“, über deren Eröffnung der Südkurier bereits ausführlich berichtete, einen Einblick in das englische Geistesleben von heute. Das Theater begann den Reigen der zahlreichen Veranstaltungen mit einem literarisch-musikalischen Abend „Englischer Geist in Dichtung und Musik au drei Jahrhunderten“. Der neue Chefdramaturg der Württember gischen Staatstheater, Gerhard F. Hering, bisher Leiter der Falckenberg-Schauspielschule in München und von seiner Tätigkeit als Dramaturg an Hilperts Deutschem Theater in Konstanz bekannt, gab gleichsam sein Debüt in Stuttgart. Diese vom Geist der Dichtung getragene Feier war eine Art Modellstück für zukünftige Morgenfeiern, mit denen Dr. Hering — am Vorbild Louise Dumonts — den Stuttgartern den Zugang zu den jeweiligen Aufführungen im großen und kleinen Haus erleichtern will. Praktisches Anschauungsmaterial zur klassischen und modernen englischen Literatur liefern Theateraufführungen: Shakespeares „Othello“ (die Inszenierung von Paul Hotffmann wirkt beinahe klassizistisch); Shaws „Heiliger Johanna“ (mit Edith Herdegens leidenschaftlicher Verkörperung der Titelrolle und Hans Cani- nenberga morbidem Dauphin); Christopher Frys „Venus im Licht“ mit Theodor Loos und Lola Müthel als Lavinia. Der Dichter Stephen Spender kam eigens aus London, um in einem Vortrag den etwas gewagten Vergleich zu ziehen zwischen T* S. Eliot und — Rilke. Im Kammertheater spielen „Die Gaukler“ auf mit Geoffrey Chaucers „Canterbury Geschichten“ — pantomi- | misch gedeutet, mit Verve getanzt von I dieser jungen Stuttgarter Truppe unter ' der Leitung des 22jährigen Harry Raymon, : der hier erneut seine in Frankreich unter ; der Leitung von Jean Louis Barrault ent- ; faltete Begabung zeigt. Effektvoll im Stil und in der Art eines Holzschnittes von Masereel sind diese Szenen. In einer Reihe von Ausstellungen kommen englische Künstler der Gegenwart zu Wort Die graphischen Sammlungen der Staatsgalerie stellen Werke bedeutender I englischer Graphiker aus. Hier entdeckt ' der Besucher zum erstenmal in Deutsch- , land gezeigte Steindrucke des bekannten | Bildhauers Henry Moore. Seine stehenden I Figuren,ganz von der monumental-wuch- ! tigen Form seiner Plastiken, öffnen in de- i zenten Farben eine echte Traumwelt, hin- ! tet der etwas wie Drohung lauert. Graphik in den Farben Toulouse-Lautrecs, von der Gedankenfracht George Grozß’ (.Londoner Schankmädchen“, „Klavierspielende Frau“) zeigt Robert Colquhoun. Stärksten Ausdruck vermitteln Keith Vaughans in hellen Farben brennende Bilder, z. B. ein Akt in Stahlblau. John Mintons „Schwarz auf Orange mit Figur“ und vor allem Jankel Adlers von der Einsamkeit des Menschen sprechende Holzschnitte erinnern an die Schwermut Carl Hofers, wie Robert Macbrydes „Frau am Tisch“. Urwelthafte Formen beschwört Graham Sutherland, während William Gears mehr im Dekor schwelgt. Eine Ausstellung im Stuttgarter Lindenmuseum „Moderne Britische Kunst“ mit den eher naturalistischen als realistischen Vertretern Englands erscheint gegenüber jener Schau bedeutungslos. Kühl wirkt hier ein Programm, das ohne Ziel ist und allseits im Epigonenhaften stecken bleibt lische Handschriften von den Evangeliendokumenten bis Shakespeare, Cromwell und Carlyle — eine Augenweide für Graphologen — runden in einer iSchau der Stuttgarter Landesbibliothek das Bild der Ereignisse dieser der Verständigung und dem geistigen Ausdruck dienendem Woche. Dr. Wolf gang Schwerbrock. In Wien: Prozeß mit Musik Ein Sänger klagte, ein Richter begleitete „Das gibt es garantiert nur in Wien!“ Freudestrahlend sagten es sich die Wiener, als sie die Gerichtsverhandlung verließen, die im — Konzerthaus abgehalten wurde. Und auch so etwas hat man noch nicht erlebt: daß ein Oberlandesgerichts- rat, der den Vorsitz führt, sich mitten in der Verhandlung ans Klavier setzt und einen Opernsänger begleitet! So geschah es in einem Prozeß, den der Heldenbariton der Belgrader Oper, Jovan Gligor, gegen die Wiener Staatsoper angestrengt hatte. Als er auf Probeengagement in Wien gesungen hatte, war mit ihm sofort ein Vertrag auf 32 Opernabende abgeschlossen worden, so beeeistert war man von dieser großen Stimme. Er trat nur in zwei Aufführungen auf, im „Rigoletto“ und In der „Butterfly“ — dann wollte man ihn sang- und klanglos ziehen lassen. Der Opemdirektor Salmhofer sagte, es wäre katastrophal gewesen... Mit dem Gerichtsvorsitzenden Dr. Lahr war hier nicht zu spaßen. Der Bariton hatte sich erboten, vorzusingen. Prof. Moralt, der an beiden Abenden dirigiert hatte, verneinte, daß das Singen Gligors eine Katastrophe gewesen war: „provinziell“ habe es gewirkt, und was darunter zu verstehen war: „herkömmliche Schlamperei“, „rhythmische Freiheiten“. Er habe auch nichts von vollendetem Engagement gewußt, da auf dem Zettel „a. G.“ stand. Gligor klagte, daß er nur eine Stellprobe hatte und indisponiert war, nach der Reise von Belgrad, wo er jetzt wieder beliebter Sänger ist, trotz Rufschädigung. Dr. Lahr wollte sich selbst überzeugen — er wurde Richter, als er aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkam, aber als Hofsängerknabe hatte er einst begonnen, war Korrepetitor des Philharmonischen Chors gewesen, Opemklassen- leiter am Wiener Konservatorium, ist noch auf der Violine und Bratsche Quartettkünstler und als glänzender Pianist in Konzerten als Begleiter gesucht. In seiner Aktentasche pflege er Beethovens Sonaten und Prozeßakten zu vermengen... Er hörte die Stimme Gligors in „Butterfly“ nach dem Tonband — es genügte ihm nicht! Im Studio der Symphoniker nahm er sich den Opernsänger vor, schlug die Partitur der „Aida“ auf und spielte brillant, der Jugoslawe sang ebenso — und dann diktierte Dr. Lahr sein positives Gutachten! Theatercoup! Als am nächsten Tag die Verhandlung fortgesetzt wurde, war Dr. Lahr als Vorsitzender abgesetzt! Die Finanzprokuratur hatte ihn für befangen erklärt, weil er sich selbst zum Experten ernannt habe. Den Protest des Anwalts nannte der neue Vorsitzende „nicht imbegründet“. Darf ein Richter nicht selbst Fachmann sein? Soll er selbst möglichst wenig v,on der Sache verstehen, über die er zu urteilen hat? Und warum, fragt man, müssen jetzt tumusweise je 12 Richter auf der Schulbank der Verkehrspolizei sitzen und Autofahren lernen, um bei Unfällen sich auszukennen.. ? — Nun, es zeigte sich, daß der Kläger mit dem neuen Richter auch nicht schlecht gefahren war. Der setzte die Verhandlung gleich im Konzerthaus fort. Ein neuer Sachverständiger, Pros. Ferd. Großmann, ließ sich gar im Großen Konzertsaal aus „Fürst Igor“ und „Othello“ Vorsingen — nur begleitete kein Richter, sondern Kapellmeister Prof. Pilsz. Alle Zuhörer waren begeistert — Großmann begutachtete, man dürfe nicht den Stab brechen, auch wenn ein Sänger zweimal versagt habe; die Stimme sei wertvoll und zwar so, daß man ihr helfen müsse; ein Wink habe genügt, um nach einem nicht locker genug angesetzten Ton den Sänger zur vollen Entfaltung seiner Stimme zu bringen. Nur bei altroutinierten Sängern von auswärts genüge eine Arrangierprobe. Das Urteil wurde im Strauß-Lanner- Saal gesprochen' — es herrschte unter den vielen anwesenden Künstlern eine Stimmung wie in der „Fledermaus“. Jovan Gligor erhält seine 52 000 Schilling und kann wegen weiterer 50 000 prozessieren. — Sofort nahm eine Konzertagentur die Konjunktur wahr — und kein Zweifel, daß demnächst Gligor ein volles Wiener Haus haben wird! Dr. B. H. Prof. Walter Gieseking ist in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste als Pianist vom Präsidenten der französischen Republik zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt worden. Gieseking, einer der bedeutendsten Klaviervirtuosen unserer Zeit, leitet seit 1948 die Meisterklasse des Staatlichen Konservatoriums in Saarbrücken. Franz Sawicky, der Religionsphilosoph, ist im Alter von 75 Jahren in Pelplin, dem Bischofssitz der Diözese Culm (früher Westpreußen, jetzt Polen), gestorben. Dr. Sawicky wurde 1900 zum Priester geweiht und promovierte 1902 in Freiburg zum Doktor der Theologie. Seit 1903 wirkte Dr. Sawicky als Professor für Theologie und Philosophie ununterbrochen bis zu seinem Tode am Priesterseminar in Pelplin. Jean Cocteau wird bei der deutschen Erstaufführung seines Schauspiels „Bacchus“ im Düsseldorfer Schauspielhaus als Gast anwesend sein. Die Erstaufführung findet am 18. Oktober unter der Regie von Gustaf Gründgens statt Donnerstag, 16. Oktober 1952 SÜDKURIES N*. 164 / Seite t Was geschah mit den Kranken anf dem Eicbberg? Das Recht der Öffentlichkeit auf Auskunft — Sachverständige sagten aus — Abschluß der Beweisaufnahme Sonderbericht unseres D r. Th. - Korrespondenten Mit einer Art von Stelldichein der deutschen Kapazitäten der Psychiatrie im Wiesbadener Gerichtssaal ist die Beweisaufnahme im Eichbergprozeß, in dem leitende Aerzte dieser großen hessischen Heil- und Pflegeanstalt angeklagt sind, jetzt zu Ende gegangen. Sie hat fast ein Vierteljahr gedauert, und über 150 Zeugen sind vernommen worden. Am Freitag, dem 17. Oktober, beginnen die Plädoyers, die sich bis in die folgende Woche erstrecken werden. „Kotzspritzen“ mit Apomorphin und Hypomorphin, dazu das Schockmittel Azo- man und das flebererregende Olibinthin strafweise verabreicht und sich außerdem nach dem Kriege der Freiheitsberaubung, mangelnder ärztlicher Aufsichtspflicht und der Körperverletzung schuldig gemacht zu haben, hatte eine Hamburger Zeitschrift vor zwei Jahren dem Eichberg-Chefarzt Dr. Wilhelm Hinsen und seinem Oberarzt Dr. Ohm vorgeworfen. Hinsen zeigte damals die Verfasser wegen Verleumdung und übler Nachrede an, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage und ließ Dr. Hinsen und Dr. Ohm als Nebenkläger zu. Für die letzten Tage der Vernehmung, die zu den spannendsten und aufschlußreichsten des ganzen monströsen Prozesses zählen, waren abermals drei neue Sachverständige vorgeladen worden. Nun sind es im ganzen acht, und fast alle sind sie Professoren der Psychiatrie und Chefärzte großer Heil- und Pflegeanstalten von Hamburg bis Erlangen. Aber was diese Kapazitäten bekundeten, hat die Waage der Gerechtigkeit weder nach der einen noch nach der anderen Seite sinken lassen. Die Gegensätze zwischen Licht und Schatten, zwischen pro und contra (immer im Hinblick auf die Aerzte des Eichbergs) haben sich nur noch weiter verschärft. Die Antwort auf die Schuldfrage ist noch schwieriger geworden. Eines aber trat mit aller Klarheit hervor, und das ist für die Oeffentlichkeit eminent wichtig: Die Sachverständigen stimmten völlig darin überein, daß es die Pflicht der Anstaltsärzte ist, der Presse Auskunft zu geben. Einer begründete diesen Standpunkt mit den Worten: „Die Irrenanstalten haben eine so furchtbare Vergangenheit hinter sich, daß die Oeffentlichkeit sich noch nicht beruhigt hat, und deshalb ist es unsere Pflicht, über die gegenwärtige Tätigkeit der Anstalten Auskunft zu geben. Ich habe noch nie einen Pressevertreter abgewiesen.“ Der Sachverständige meinte damit die bekannten Massentötungen, die im Dritten Reich an geisteskranken Personen verübt worden sind. Dieses Votum ist für die ange- klagten Journalisten von großer Bedeutung, wenngleich der Chefarzt des Eichberg. Dr. Hinsen, daraufhin für sich in Anspruch nahm, auch er stehe grundsätzlich auf diesem Standpunkt, und er habe im vorliegenden Falle die Auskunft nur wegen der Art des Auftretens der ange- klagten Journalisten abgelehnt. Anstaltsärzfe keine Zuchthauswärfer Recht ungünstig für die Aerzte des Eichbergs war das übereinstimmende Votum der Sachverständigen über die berüchtigte Kellerzelle, in der sich ein Patient erhängt hat. Vergebens hielt der Anwalt der Aerzte ihnen vor, daß dieser Patient ein gefährlicher Sittlichkeitsverbrecher war, der mehrmals aus der Anstalt entfloh. Da man 1947 nicht genug Wärter hatte, um ihn besonders zu überwachen, mußte man ihn in diese Zelle sperren. . „Wollen Sie die Verantwortung überneh- ' men“, fragte der Anwalt den Professor, „daß dieser Mann abermals ausbrechen und neue Untaten begehen konnte?“ — „Nein“, antwortete der Sachverständige, „das natürlich nicht, aber ich hätte ihn trotzdem nicht in diese Zelle gesperrt.“ „Was denn?“ „Ich hätte fürchterlichen Krach bei der Behörde gemacht, bis ich mehr Wärter bekommen hätte.“ Da lächelt selbst der Vorsitzende, denn das wäre damals wohl zwecklos gewesen. Der Sachverständige bleibt aber bei seiner Meinung. „Eine Anstalt, aus der keiner ausbricht, ist noch lange keine gute Anstalt, und Aerzte sind keine Zuchthauswärter.“ Ein .böser Engpaij" Immerhin muß er bei dieser Gewissensfrage zugeben, daß die Aerzte des Eich- ) bergs sich in diesem Falle in einem „bö- I sen Engpaß“ befanden, aber heutzutage ; könne man solche Zellen keinesfalls mehr ] dulden. Er habe sie in seiner Anstalt alle ] abgeschafft. Der andere Professor berich- j tet, er habe weder Zellen noch große Säle, sondern lauter freundliche Krankenzimmer. Man habe heute doch ganz andere moderne Beruhigungsmittel für Geisteskranke. Den „nackten Tobenden“ in der Zelle, den es noch vor dreißig Jahren gab, kenne man heute nicht mehr, und ebensowenig den Kranken, der sich „wie ein Raubtier auf seinen Wärter stürzte“. Die Isolierung der Kranken in Zellen verwerfen sämtliche Sachverständige. Man darf den Kranken nicht das Gefühl nehmen, daß sie noch Kontakt mit der Umwelt haben. Das Gegenteil führt zum Selbstmord. .Das stelle ich mirschrecklich vor* Nicht viel besser erging es den Aerzten mit dem Votum über die oft erörterten i Dauerbäder und Packungen. Die Kombi- i nation von beidem verwerfen die Sach- I verständigen restlos. Sie sagen sogar, | diese Methode sei ihnen völlig unbekannt, i und einer fügt hinzu: „Das stelle ich mir j geradezu schrecklich vor.“ Ein anderer ' hielt dieses Verfahren nur dort für zulässig, wo es an ausreichenden Pflegern und Aerzten fehlt. Aber gerade das ist ja immer wieder festgestellt worden, daß es besonders 1947 auf dem Eichberg an beiden bedenklich mangelte. Sieben Aerzte für tausend Kranke sind nun einmal zu wenig. .Was hätte ich tun sollen?’ Einer der Patienten ist seinerzeit während einer sogenannten Dauerschlafbehandlung gestorben, und das ist einer der Fälle, die von der öffentlichen Kritik besonders unterstrichen wurden. Jetzt vertreten die Sachverständigen aber (wieder übereinstimmend) die Meinung, daß die Schlafkür auch heute'noch als ein therapeutisches Mittel, sogar als ein besonders humanes, angewendet wird. Auch schwere Fälle von Veitstanz können damit behandelt werden. Allerdings ist strengste Ueberwachung notwendig. Der in Frage stehende Todesfall wird genau analysiert. Der Mann wäre auf jeden Fall sehr bald gestorben, sagen die Sachverständigen. Es war richtig, die Schlafkur zu versuchen, auch wenn sie gefährlich war. Nur einer meint, man hätte vielleicht etwas anderes tun können. Als Dr. Ohm, der für diesen Fall verantwortlich ist, nun aber direkt fragt: „Bitte, welche Therapie hätte ich anwenden sollen?“, da weiß der Professor keine positive Antwort zu geben und meint nur, „Vielleicht dieselbe Methode, nur etwas milder.“ Weiterhin ist bekanntlich gerügt worden, daß manche Patienten viel länger, als es medizinisch notwendig war, auf dem Eichberg zurückgehalten und zur Arbeit angehalten worden seien. Hier stößt man auf eine Kollision zwischen Aerzten und Verwaltung der Anstalt. Der Verwaltung war an solchen billigen Arbeitskräften anscheinend viel gelegen. Aber da fährt ein Sachverständiger dazwischen: „Wer Kartoffeln schält, das bestimme ich und nicht die Verwaltung!“ Episoden dieser Art hat es im Verlauf des Prozesses oft genug gegeben. Bei der Diskussion über den Unterschied zwischen der Behandlung in der Frauenabteilung und in der Männerabteilung sagt ein Sachverständiger auf die Frage nach der höheren Reizbarkeit der beiden Gruppen: „Frauen sind natürlich immer interessanter.“ Und als er damit Heiterkeit im Saale erweckt, fügt er rasch hinzu: „Natürlich in der Psychiatrie.“ Heiterkeit gibt es auch, als Dr. Ohm bei der Erörterung der berüchtigten Apomorphinspritzen, der sogenannten „Kotzspritzen“, die zur Beruhigung gegeben werden, erklärt: „Bei sehr starker Anspannung rauche ich eine Zigarre, damit mir übel wird, und damit ich auf diese Weise die affektive Spannung überwinde.“ Harfam Falscheid Bei einem Prozeß, bei dem viele der Zeugen Geisteskranke oder Rauschgiftsüchtige sind, ist es verzweifelt schwer, die Wahrheit herauszuflnden. Immer wieder war sich das Gericht im Zweifel, ob ein Zeuge zum Eid zugelassen werden konnte. Oft war es nicht der Fall, und ebensooft mußte der Vorsitzende sehr nachdrücklich auf die Gefahr des Meineides hinweisen. Einer der letzten dieser Zeugen war ein Arzt, der auf dem Eichberg eine Entziehungskur genlacht hatte, aber im Verdacht stand, wieder Rauschgifte zu nehmen. Er verwickelte sich so' in Widersprüche, daß einer der Anwälte verlangte, man solle den Mann sofort untersuchen lassen, ob er unter dem Einfluß solcher Mittel stehe, was er selbst strikt ableugnete. Nur aus formalen Gründen war diese sofortige Untersuchung prozessual nicht zulässig, sonst hätte die Sache für diesen Zeugen einen bösen Ausgang nehmen können. Und derselbe Mann, der mehrere Stunden lang den Eichberg in Grund und Boden kritisiert hatte, hielt dann plötzlich eine spontane Lobrede auf Dr. Ohm, und sprach von der „Tragik“, unter der dieser tüchtige Arzt auf dem Eichberg habe arbeiten müssen. Aus diesem Dickicht von Widersprüchen soll das Gericht nun einen Ausweg finden. Man wartet mit Spannung darauf, wie durch die bevorstehenden Plädoyers dieses Dik- kicht zunächst vermutlich noch undurchdringlicher gemacht werden wird. Lichter der Großstadt Zu Ehren des Mannes, dem die Großstädte der Welt ihren abendlichen Lichterglanz verdanken, fand in Londons Universität ein Diner statt, auf dem der Herzog von Edinburgh eine Gedächtnisansprache hielt. Die Ehrung galt Sir William Ramsay, dem Entdecker des Neons, der vor hundert Jahren in Glasgow gebaren und im Jahre 1904, zwölf Jahre vor seinem Tode, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Ihm gelang ferner als erstem Chemiker die Darstellung von Helium und Argon; bekannt wurde er auch durch seine Forschungen auf dem Gebiet der Radioaktivität und der Atomspaltung. . Seltsam und heiter ' Das Geheimnis des Erfolges In einem kleinen Theater in Hollywood wird seit 20 Jahren ein und dasselbe Stück gespielt. Es heißt: „Der Trinker“. Der literarische Wert des Stückes ist gering, aber die Zuschauer kriegen während der Aufführung gratis Bier zu trinken... Das zieht. 16 Millionen Liter Bier sind bereits torch die Kehlen der Besucher geflossen. Eine Krankheit unserer Zeit Der englische Schauspieler Sir Laurence Olivier und seine Gattin Vivian Leigh leiden an Steuerlähmung. Dae Londoner Fernsehstudio bot dem Ehepaar für ein einziges Auftreten im Fernsehen 2000 Pfund (ca. 22 000 DM). Nach Rücksprache mit dem Steuerberater lehnte das berühmte Schauspielerehepaar ab. „Wir haben in diesem Jahr soviel verdient, daß wir von diesen 2000 Pfund nach Abzug der Steuern genau 50 Pfund zurückbehalten würden. Dafür wollen wir die Schwitzkur im Femsehatelier doch lieber nicht haben.“ Liebeskummer staatlich geheilt In seiner Klinik behandelt der Londoner Arzt Dr. Bierer ausschließlich Leute, die an Liebeskummer erkrankt sind. Das ihnen innewohnende „Fieber“ sucht er mit Tabletten und Psychotherapie zu dämpfen. Sein Institut erhielt vom staatlichen Gesundheitsamt Zuschuß, „da unglücklich Verliebte sich hemmend im Wirtschafts- und Geschäftsleben auswirken.“ Der faulste Angler der Welt Wenn Fred Filkins aus Grand Rapido (USA) seinen Nachbarn erzählt, er habe in seinem Wohnzimmer wieder einmal «ln paar größe Fische geangelt, so ist das kein Anglerlatein. Fred hat sein Holzhaus über einem Bach gebaut. Der Bach fließt durch daß Wohnzimmer, er ist mit zementierten Feld- eteinen eingefaßt. Ein Steg führt von einer Zimmerhälfte Aber den Bach in die andere. Wenn Fred Wilkins Lust hat, setzt er sich in einen Polstersessel und wirft die Angel aus. Ihn stören weder Regen noch Sonnenbrand. Filkens wird mit Recht der „faulste Angler der Welt“ genannt. Der Wurm als Hypnotiseur Mit einer Büchse fetter Würmer im Gepäck flog der Geschäftsmann Richard Wishart nach einem Angelurlaub in England zurück ins heimatliche Amerika. „Ich weiß nicht, woran es liegt“, sagte er, „aber mit englischen Würmern angelt es sich besser. Sie hypnotisieren jeden Fisch.“ Die Sünden der Großväter Ehrlich währt am längsten, sagte sich ein Pariser Student und gab der Universitätsbibliothek ein Buch zurück, das er im Bücherschrank seines Vaters gefunden hatte. Ein Urgroßvater des Studenten hatte das Buch im Jahre 1776, also noch vor der französischen Revolution, entliehen. BP BENZIN- UND PETROLEUM-GE IM WINDKANAL Dl« Flugelgenachafton «in«« Dü*anjiger* werden «eprtift. An der Sehwelle des Dttsen-Zeitalters Motorleistung und Temperaturerhöhung — Wirkung der Schallgeschwindigkeit Es sind reichlich zehn Jahre her, seit das erste Düsenflugzeug von einem Flugplatz aufstieg, und schon haben viele Motorentechniker in aller Welt keine Zweifel mehr, unser Zeitalter, wenigstens solange der sagenhafte Atommotor seine Herrschaft noch nicht angetreten hat, nach derp Düsenmotor zu benennen. Der Fortschritt in dieser verhältnismäßig kurzen Zeitspanne ist nahezu unglaublich, die Weiterentwicklung nur mit Staunen abzusehen. Angesichts der imponierenden immer wieder höheren Zahlen über Flugzeuggeschwindigkeiten übersieht man manchmal die übrigen Vorzüge der neuen Motoren. Seit den Tagen des ersten Airacomet- Düsenjägers ist das Prinzip des Triebwerkes zwar das gleiche geblieben, aber die Unterschiede zu den Sabre-Jägern oder den achtmotorigen B-52-Bombern sind so groß, daß man Bedenken hat„ sie der gleichen Kategorie zuzuordnen. Die Entwicklung der Düsenmotoren trug die Flugzeuge in die Bereiche der Schallgeschwindigkeit, und die früheren Rumpfund Flügelprofile mußten auf gegeben werden, weil sie dem ungeheuen Luftwiderstand nicht mehr standhielten; die Rückstoßwirkung eines modernen Düsenmotors mit einer Leistung bis zu 4000 kg ist fünf- bf! sechsmal höher als bei einem Kolbenmotor. Noch im letzten Stadium des Krieges wurde der höchste Wirkungsgrad eines Triebwerkes dadurch erreicht, daß man den Kolben mit geringstem Widerstand im Zylinder zu bewegen suchte; seiner Leistung waren durchaus absehbare Grenzen gesetzt. Die Leistung eines Düsenmotors aber ist in erster Linie das Resultat einer äußerst hohen Temperatur, die theoretisch noch so lange erhöht werden kann, als Techniker Motoren zu bauen vermögen, die diesen Temperaturen widerstehen. Die unbändige Kraft der Motoren rief bemerkenswerte Veränderungen der Flugzeugformen hervor. Die Trägflächen wurden pfeilförmig nach hinten angewinkelt und beginnen bei neuen britischen und amerikanischen Typen sogar in einen dreieckigen Rumpf — die sogenannte Delta- Form — überzugehen; gleichzeitig wird das Flügelprofll immer dünner. Das hat zur Folge, daß das Gewicht der Triebwerke, soweit sie an den Flügeln montiert werden, nicht beliebig erhöht werden l kann. Zugunsten einer idealen Flugzeugform überhaupt kann aber nicht auf das unerläßliche Zubehör verzichtet werden, um so weniger, als bei Schallgeschwindigkeit die menschlichen Sinne allein nicht mehr Herr aller technischen Funktionen der Maschine sind. Kriegsschauplätze sind die fatalen Versuchsfehler technischer Entwicklungen. Flugapparate, die sich heute in Korea bewähren, sind die Passagierflugzeuge von morgen. Das gilt für Düsenjäger, unbemannte Schlachtflugizeuge und Düsenbomber in gleichem Maße. Auf ungezählten Zeichenbrettern wird versucht, den Düsenmotor, der in seiner Motorleistung im Verhältnis zu Eigengewicht, Brennstoffverbrauch, noch nicht aber zu den Herstellungskosten, wirtschaftlicher als seine Vorgänger arbeitet, weiter zu entwickeln. Die Düsen - Passagierflugzeuge, wie sie England auf der Strecke nach Südafrika einsetzt, leisten Pionierdienste: die Passagiere loben die „ruhige Fahrt“, gegen die das Vibrieren von früher nur ein böser Spuk ist. Es stellt sich ferner heraus, daß die Betriebskosten bei Düsenmotoren niedriger sind; eines Tages kann also auch ein Düsenfahrzeug trotz der hohen Herstellungskosten wirtschaftlich werden. Die kürzeren Verkehrszeiten - man erinnere sich an die zweimalige Atlantiküberquerung binnen acht Stunden — werden dann wohl auch auf den kürzeren Strecken die liebenswürdigen Stewardessen überflüssig machen, die den Passagier reichlich und gut verpflegen helfen — sagen die Kalkulatoren der Fluggesellschaften. Eine Konkurrenz in dieser Entwicklung besteht sicher vorerst nicht im Atomtno- tor, wohl aber in der Gasturbine, vor allem, sofern sie den Kolbenmotor bei erdgebundenen Fahrzeugen ablösen könnte. Turbinengetriebene Propellerflugzeuge haben den Weg bereitet, und die Väter dieser Konstruktion weisen auf die vielen Vorzüge hin, zu denen allerdings höchste Geschwindigkeit nicht zählt. Die Gasturbine ist um die Hälfte leichter als ein gleichstarkes Strahltriebwerk, etwa eines Sabre- Jägers. Die beim Düsenantrieb in der Einlaufdüse verdichtete einströznende Luft aber erhöht die Energie so vorteilhaft, daß ihren Verfechtern unsere hastige und ruhelos-geschäftige Zeit künftig vollends recht geben wird. Dr. Ing. A. Degen R G 0 L SCHÜTZT SELLSCHAFT MIT BESCHRÄNKTER HAFTUNG Donnerstag, 16. Oktober 195J SÜDKURIER Nr. 164 / Seite 4 Das Versichernngsweseo als Spiegelbild nnserer Wirtschaft lVi Milliarden Prämieneinnahmen in der Sach- u. Lebensversicherung — Zur großen Hamburger Tagung des Gesamtverbandes Sportdienst des Südkurier Mehr Sportplätze und internationaler Sportverkehr Bundesinnenminister verspricht Sportförderung im Rahmen eines Bundessportplanes Hamburg. CDr .Pl-Eigenbericht) Innerhalb einer zur Zeit in Hamburg stattfindenden Tagung hat der Gesamtverband der V ersi ch erungswiirtsdiaft auch seine diesjährige Jahresversammlung aufgerufen und legt Rechenschaft ab über die großen Aufgaben, die ihm obliegen und über das, was in der Verricherungswirtschaft erreicht worden ist. Es liegt in der Eigenart der Versicherungen, daß die an sie in diesem Zeitabschnitt gestellten Anforderungen besonders schwierig waren, denn es galt, sich elastisch und geschmeidig auf die Erfordernisse der Wirtschaft einzustellen. Zwei große Gruppen stehen in Frage: Die Lebensversicherung und die Sachversicherung. Die Lebensversicherung In der Giruppe der Lebensversicherung vereinnahmten die im Lebensversicherungsverband zusammengeschlossenen Versicherungsgesellschaften rund eine Milliarde DM im Geschäftsjahr 1951. Berücksichtigt man, daß die Prämien in der Lebensversicherung im letzten Vonkriegsjahr 1938 im gesamten Deutschen Reich 1,4 Milliarden RM betrugen, so wird deutlich, welches hohe Maß an Vertrauen der Lebensversicherung heute schon wieder entgegengebracht wird. Noch immer allerdings ist der DM-Umstellungsprozeß in der Lebensversicherung nicht ganz abgeschlossen.-Das ist verständlich, wenn man an die Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre, an die West- Ost-Wanderung und an die dadurch bedingte Zerrissenheit der Familie überhaupt denkt. Nicht immer liegen die Stornos (Abgänge) über der früheren normalen Grenze. Bemerkenswert ist aber, daß die sogenannte Klein - Lebensversicherung ihre prozentualen Anteile an der Versicherungssumme gegenüber dem Vorjahre von 33,3 auf 33,7°/« erhöht hat und daß gleichzeitig in der sogenannten Groß-Lebensversiche- rung eine Steigerung der durchschnittlichen Versicherungssumme festzusteülen war. Denn hieraus läßt sich ein gewisser Schluß auf den schon wieder erreichten wirtschaftlichen Wohlstand der Versicherten geben. Der Bericht über die Lebensversicherung wäre unvollständig, gedächte man nicht der Sorge, die die Lebensversicherer unter dem Gesichtspunkt der besten zinstragenden Anlage der Versicherungsgelder haben. Hier werden die Gesellschaften immer noch von der Kriegserscheinung bedrückt, daß ihnen ihre Kapitalien zum Teil nur in sogenannten Ausgleichsforderungen zur Verfügung gestellt werden. Diese Notlösung aus der Umstellungszeit bringt den Versicherungsgesellschaften nur einen sehr geringen Zinssatz, der weit unter dem liegt, was sie im Wege freier Kapitalanlage erzielen könnten. Es ist nicht mehr vertretbar, die infolge der niedrigen Verzinsung und Nichttilgung der Ausgleichsforderungen ständig wachsenden Zinsverluste — seit der Währungsreform über 25 Mill. DM — hinzunehmen, da hierdurch insbesondere auch die Versicherten benachteiligt werden, die bereits durch die Währungsreform eine erhebliche Abwertung ihrer Versiche- rungeansprüche in Kauf nehmen mußten. Die Sachversicherung Von den rund 500 Mill. DM Prämieneinnahmen, welche die 17 privaten und öffentlich-rechtlichen, dem Verbände der Sachversicherer angehörenden Unternehmen im Jahre 1951 vereinnahmt haben, entfallen: 320 Müll, auf die Feuer- und Betriebsunterbrechungsversicherung, 54 Mill. auf die Einforuchdiebstahlversicherung, 35 Mill. auf die Maschinenversicherung, 41,35 Mill. auf die Hagelversicherung, 25,90 auf die Tierversicherung, 12,60 auf die Leitungswasserschadenversicherung, 7,30 auf die Glasversicherung und 5,80 auf die Sturmschadenversicherung. Der Schadenverlauf des Jahres 1951 kann, nachdem die Jahre nach der Währungsreform überdurchschnittlich schadenbelastet verliefen, als normal bezeichnet werden. Der bessere Schadenverlauf eines einzigen Jahres kann indessen für die Beurteilung der Entwicklung eines Versicherungszweiges nicht von entscheidender Bedeutung sein. Erst die Beobachtungen und Erfahrungen vieler Jahre gestatten ein Urteil darüber, mit welchem Erfolg ein Versicherungszweig betrieben wurde, ob die verwendeten tech- Bei keiner Frucht war es in diesem Jahr so schwierig, sich ein genaues Bild über den zu erwartenden Ertrag zu machen, wie bei der Kartoffel. Nachdem nun aber aus dem gesamten Bundesgebiet Ertragsfeststellungen vorliegen, läßt sich die Lage auf dem Kartoffelmarkt überblicken, und so kann vorweg genommen werden, daß sie durchaus nicht so kritisch ist, wie wir in Süddeutschland zunächst annah- men. Gewiß, infolge der Trockenheit sind in weiten Teilen Süddeutschlands, besonders auf den leichten Böden, Emteaus- | fälle entstanden, die durch die September-Regenfälle nicht mehr verhindert werden konnten. Dagegen hat der Herbstregen auf allen schwereren Böden und in den Berglagen das Wachstum der Kartoffel noch einmal belebt und den Ertrag erhöht. Im ganzen gesehen spielt aber die Kartoffelerzeugung in Süddeutschland für die Bedarfsdeckung eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind die Erträge aus den nord- und nordwestdeutschen Anbaugebieten. In diesen Gebieten fiel den ganzen Sommer über genügend Regen, so daß die dortige Kartoffelernte der letztjährigen kaum nachsteht. Mehr als die Frage der Bedarfsdeckung wird aber auch die Preisentwicklung auf dem Kartoffelmarkt diskutiert. Seit Beendigung der Frühkartoffelernte hält sich der Preis für die Kartoffel auf einer fast gleichmäßigen Höhe. Der im allgemeinen mit der Ernte der mittelfrühen und mittelspäten Sorten verbundene Preisrückgang ist in diesem Jahre nicht eingetreten. Weite Kreise der Bevölkerung sind deshalb beunruhigt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat sich auch dieser Sache bereits angenommen und bei der Bundesregierung die Festlegung von Höchstpreisen für Speisekartoffeln verlangt. Die Erfolge einer solchen Maßnahme müssen aber ange- zweifelt werden. Höchstpreise führen in der Regel zu einer Verminderung des Angebots. Sollten amtlicherseits Preise festgesetzt werden, die der allgemeinen Marktlage widersprechen, dann werden. die Kartoffeln vom Markte verschwinden und über den Tiermagen rentabler verwertet werden. Als erste Maßnahme zur Festigung der Kartoffelpreise beabsichtigt die Bundesregierung die Aufhebung der Einfuhrzölle. Bis zum Inkrafttreten dieser nischen Grundlagen ausreichend kalkuliert waren oder nicht. In besonders schwieriger Lage befanden sich die Sachversicherer bezüglich der Kraftfahrzeug- und der allgemeinen Haftpflichtversicherung. In der immer mehr an Bedeutung gewinnenden Kraftfahrzeugversicherung haben die Versicherer eine Steigerung der Prämientarife erreichen können, die vielfach kritisiert wurde. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß diese Tariferhöhung grundsätzlich richtig war. Soweit Gesellschaften Ueberschiüeee in der einen oder anderen Kraftfahrzeugsparte erzielen konnten, werden diese jetzt an die Versicherten zurückvergütet. Es ist ein großes Programm, daß der Haftpflichtversicherer für ein großes Repertoire von Haftpflichtschäden der Versicherten einzustehen hat, eine Belastung, die zudem schwer zu durchschauen ist. Maßnahme wurden bereits die Einfuhrzölle den Importeuren gestundet. Eine wesentliche Preissenkung wird aber damit nicht erreicht werden, da die Kartoffel in Holland und Dänemark, die als einzige Exportländer auftreten, fast genau so teuer ist wie im Bundesgebiet. Der Preis der Kartoffel wird durch den Schweinepreis festgelegt. Dieser liegt z. Zt. so, daß sich der Zentner Kartoffeln unsortiert, wie ihn der Stock gibt, bei Ver- fütterung mit mindestens 6.- DM bewerten läßt. Damit ist der Grundpreis festgelegt. Für sortierte Ware sowie für bestimmte Qualitätssorten, wie Bona, Olympia, Heida, Sieglinde und andere, kommt auf diesen Grundpreis ein Aufschlag von 0,70 bis 1,00 DM. Damit sind wir bei dem heute tatsächlich geltenden Erzeugerpreis für Speisekartoffeln. Die gebietsweise große Verteuerun' zwischen Erzeuger und Verbraucher tritt nun nicht, wie so oft fälschlicherweise angenommen wird, durch eine hohe Handelsspanne ein, sondern durch die erhöhten Frachten, die beim Bezug aus den norddeutschen Anbaugebieten den Zentner mit 1,20—1,50 DM belasten. Auf Grund dieser hohen Frachten ist es dem hiesigen Einzelhändler zur Zeit auch bei schärfster Kalkulation kaum möglich, die Winterkartoffeln frei Keller unter 9.- DM pro Zentner zu liefern. Dr. Schindler, Donaueschingen •reise werden überwacht Stuttgart. Das Wirtschaftsministerium von ■ Baden - Württemberg hat die Preisüberwachungsbehörden im Lande angewiesen, während der Einkellerungszeit die Kartoffelpreise aufmerksam zu überwachen. Es sind in einzelnen Fällen nämlich Verbraucherpreise gefordert worden, die bei Lieferung frei Keller sogar 10 DM je Zentner übersteigen. Das Wirtschaftsministerium teilt mit, daß diese Preise auf Grund der Marktlage nicht gerechtfertigt seien. Die Verbraucher werden aufgefordert, von sich aus ungerechtfertigt hohe Preise abzulehnen. Vieh- und Srhweinemärkte Tettnang. 52 Ferkel wurden am 14. Oktober zum Sdiweinemarkt angeführt. Verkauft wurden 46 Stüde zum Preis von 30—40 DM. Großvieh war nicht aufgetrieben. Bundesinnenminister Dr. Robert Lehr kündigte am Mittwoch in Berlin einen Bundessportplan an, der künftig eine Art Gegenstück zum Bundesjugendplan sein soll. Auf einem Empfang zum 100. Todestag des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn unterstrich Lehr vor führenden Vertretern des öffentlichen Lebens und der Tum- und Sportverbände seine Bereitschaft, auch künftig der deutschen Tum- und Sportbewegung zu helfen. Innerhalb eines Bundessportplans sagte der Minister dem internationalen Sportverkehr und einer bundeseinheitlichen Ausbildung in den verschiedenen Zweigen des Sports sowohl für die Verbände wie für die deutsche Studentenschaft seine besondere Förderung zu. Besonderes Augenmerk wolle er auf zentrale Maßnahmen für den Versehrtensport legen. Auch innerhalb des Bundesjugendplanes solle der allgemeinen körperlichen Erziehung der Jugend genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden, um eine zu frühzeitige einseitige sportliche Festlegung zu verhindern. Anregungen zu körperlich-geistigmusischen Mehrkampfwettbewerben sollten gegeben werden, um „Ungeist durch den Geist zu überwinden“. Schließlich sollen die besonderen Förderungsmaßnahmen auch dem Segelsport, der aus dem Herzen der deutschen Jugend hervor- jjegangen sei, und den wissenschaftlichen Forschungsgebieten innerhalb der allgemeinen Leibesübungen zugute kommen. Dr. Lehr zeichnete dann das Leben und Wirken Jahns. In ihm werde der echte Kämpfer für deutsche Einheit verehrt. Nachdem seine feurigen Worte von dieser „Einheit als dem schönsten Weihqeschenk, der Grundfeste von allem“ schon einmal ihre Erfüllung fanden, bedeuteten sie heute mehr denn je sehnliche Forderung. „Keiner Generation kann Jahn so recht aus dem Herzen gesprochen haben wie der unseren. Deutschlands Einheit — wie es der echte Demokrat Jahn natürlich meinte; eine Einheit in Freiheit — ist heute wieder der Traum unseres nationalen Lebens, an dessen Verwirklichung wir nicht zweifeln.“ Jahn habe im Turnen alle Formen der Leibesübungen verstanden, und so begehe der ganze deutsche Sport mit den Turnern diese Feier zum Gedenken des Turnvaters. Jeder', der sich über den Sinn seines Lebens Rechenschaft gebe, müsse sich auch beim Turnen und beim Sport des kategorischen Imperativs menschlicher Pflichten bewußt bleiben. Aus dieser Erkenntnis seien im Turnen zwei große Ziele verwirklicht worden; die Vielseitigkeit körperlicher Ausbildung und ein hoher Idealismus. An diesem Ehrentage Jahns sollten sich Turnen und Sport zu einem (jemeinsamen Bekenntnis zusammenfinden. In diesem Sinne forderte Lehr zu einer Stärkung der allgemeinen sportlichen Leistungen auf, weil dadurch auch die eigentlichen Grund- kräfte des deutschen Volkes gewahrt und gestärkt würden. Insbesondere müsse auch die Körpererziehung im Schulturnen wirklich als ein tragender Teil der Gesamterziehung angesehen und entsprechend gefördert werden. Eine Voraussetzung dafür seien genügend Ubungsstätten, Sportplätze, Turnhallen und Schwimmbäder. Er hoffe, durch Einrichtung einer Spielplatzberatungsstelle, an der sich die kommunalen Spit- zenverbände und der Deutsche Sportbund beteiligen wollen, helfen zu können. Der Minister setzte sich dafür ein, daß sich Bundesregierung und Jugend „von Zeit zu Zeit gegenseitig ins Auge sehen“, um Vorhaben entwickeln zu können, die eine unmittelbare Verbindung von der Bundesregierung zur deutschen Jugend schlagen. Selbstverständlich rechne er dabei auf die verständnisvolle und freudige Mitarbeit der Länder. In wenigen Zeilen Der amerikanische Olympiasieger Tommy Kono verbesserte in Kopenhagen zwei Leichtgewichts- Weltrekorde. Dreikampf 377,900 kg (Drücken 112,9, Reißen 115, Stoßen 150). Gleichzeitig bedeutet das Ergebnis Im Drücken neue Weltbestleistung. Das in privatem Besitz befindliche Mannheimer Eisstadion, dessen Wert auf 250000 bis 300 000 DM geschätzt wird, kommt im Monat Januar 1953 zur Versteigerung. Weltmeister Ray Robinson wird am 7. November dieses Jahres in einer Music-Hall von New York sein Debüt als Artist geben. Dreihundert Panzergranaten und Gewehnnuni- tion wurden unter einem bisher als Sportplatz benützten Grundstück in Pödeldorf (Oberfranken) entdeckt. Der Deutsche Handballbund vergab das Endspiel um den Handball-Pokal (2. Nov.) zwischen West- und Norddeutschland nach Braunschweig. Der Deutsche Turnerbund weist in seinem Fach- organ darauf hin, daß bis zum Deutschen Turnfest im Juli 1953 in Hamburg keine Turner der Spitzenklasse für Schauturnen freigegeben werden. Der Tennisspieler Jaroslav Drobny wird wiederum die Schweizer Eishockey-Mannschaft des HC Gstaad trainieren. Die „Katholische Sportinternationale“ wird in Gelsenkirchen ein großes Sportfest mit holländischen, belgischen und Schweizer Mannschaften veranstalten. Als Termin ist die erste Januarwoche 1953 vorgesehen. Anderl Ostler, der zweifache Bobweltmeister und Olympiasieger (108 kg) muß sein Gewicht abtrainieren, um seine Titel verteidigen zu können. Der zweifache deutsche Meister im Kugelstoßen, Werner Theurer (SpVgg Feuerbach) ist nach den Vereinigten Staaten abgereist, wo er eine Stellung antreten wird. Der Schwergewichtsboxer Heinz Neuhaus (Dortmund) erkrankte in seinem Trainingslager in Haltern/Westfalen leicht an Grippe. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimtiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiimiiiiiiimtii Kampf um Seide - und eine kluge Frau Unser neuer Roman, mit dessen Abdruck wir in der nächsten Nummer' beginnen, führt in die Welt der großen Konkurrenzkämpfe, der internationalen Wirtschaft. Hier, in unserem Roman, stehen sich die japanische Seidenindustrie und ein amerikanischer Kunstseide-Konzern gegenüber. Die Handlung spielt in New York und Osaka, vor dem zweiten Weltkrieg. Aber nicht in nüchternen Zahlen und Fabrikationsmethoden äußert sich das erbitterte Ringen um die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt. Ganz ins Menschliche ist dieser erbitterte Krieg verlagert, der dadurch seine fast unmenschliche Härte bekommt, daß auch vor dem Leben des Mitmenschen nicht haltgemacht wird. Und zu allem persönlichen Haß gibt die Liebe zu einer Frau den Spannungen noch die heiße Leidenschaft: Jane Ryder, die Tochter des großen William C. Ryder, Chef der Ryder-Werke, steht zwischen zwei Männern, deren letztes Ziel eines jeden es ist, den Gegner geschäftlich zur Strecke zu bringen und ihn bei der geliebten Frau auszustechen. Jane schwankt lange, bis sie weiß, wem ihr Herz gehört und sie muß ihr Unentschlossensein bitter bezahlen. Udo Wolter, der Verfasser vieler und erfolgreicher Romane erzählt diesen Roman. Eine von Anfang an erregende und mitreißende Handlung, die in einem fast atemraubenden Tempo abläuft, reißt den Leser sofort in seinen Bann bis zum dramatischen Ende. Elisabeths Wimpern glänzten feucht, als sie heimkam. Im Sprechzimmer saßen die beiden Doktoren und hatten unheimliche Mengen von Zigarrenrauch fabriziert Der triumphale Fall Lungaus bedeckte in Papierstößen den Schreibtisch. „Sie haben da einen fabelhaften Kerl zum Mann“, sagte der Geheimrat, als Elisabeth das Tablett mit Kaffee und Spritzkuchen hereinbrachte. „Einen Prachtkerl haben Sie da erwischt — wissen Sie das überhaupt. Frau Doktor? Viel zu schade für hier, der Mann. Da muß einmal Dampf dahinter gemacht werden — es muß sich doch, verflixt noch einmal, ein Platz finden lassen, und wenn‘s nur eine Assistenz an einer anständigen Klinik ist da kriegt er doch Material unter die Hände, da kann er doch arbeiten. Es ist nicht immer ein Honiglecken, wenn man's mit so einem Kerl zu tun hat, nicht wahr, Frau Doktor? Kann ich mir denken. Aber das sind die Leute, die wir brauchen. Kämpfer brauchen wir, Denker brauchen wir, Leute, die lieber verrecken, als vom Gedanken ablassen. — Hochachtung, Frau Doktor! Danke für die liebenswürdige Bewirtung. Es wird Zeit zum Abmarsch“. Elisabeth stand mit ihrem höflichen Hausfrauenlächeln tapfer auf dem Posten, bis der Geheimrat das Angermannshaus verlassen hatte. Doktor Persenthein begleitete seinen Gast noch, das Rehle, an der Hand des Geheimrats hängend, schloß sich mit großer Selbstverständlichkeit an. Elisabeth blieb benommen zurück. Sie dachte ein wenig darüber nach, ob die Begeisterung des Geheimrats nur durch die Tabellen entstanden war, oder ob das Sonnentreppchen ein wenig mitgewirkt hatte. Es klang alles ein wenig sonderbar, was er gesagt hatte, aber es hatte doch ein kleines, entferntes Licht angezündet Kola. Kola? dachte sie; Sie rief es in sich hinein, wie auf der Suche nach jemandem, der verloren gegangen war. Sie stand auf, ging ins Ordinationszimmer hinunter, dort war Kolas Luft und Kolas Arbeit und Kolas Wesen eingefangen. Sie versuchte nachzudenken, aber noch war keine Ordnung in ihr. Doch das kommt wieder, sagte sie 6icfa in tröstlicher Gewißheit Ende. Ick UoU dick, (UeotetU 531 Roman von Vicki Baum Nicht nur hatte der Geheimrat den Artikel von Doktor Wolland in der Medizinischen Wochenzeitschrift gelesen, er war auch ein Duzfreund jenes Professors Mehl, der die Freiburger Schule begründet hatte, auf die Wolland sich mehrfach bezog. Und er fand es durchaus nicht tragisch, ganz und gar nicht schlimm, daß man dort im großen die gleiche Therapie versucht, und die gleichen Resultate gezeitigt hatte, wie Dr. Persenthein hier so mühevoll im kleinen und in aller Stille. Er verstieg sich sogar zu wärmeren Worten. „Im Gegenteil“, sagte er, „Hut ab. Alle Achtung vor einem Arzt, der unter solchen Umständen eigene Wege geht Bravo, Persenthein. Solche Leute brauchen wir. Wenn Ihre Resultate stimmen — ich werde mit Wolland sprechen. Assistenz kann man immer brauchen. Wenn Ehre Resultate stimmen —“, und dann erklärte er sich bereit, im Angermannshaus zu essen und Einblick in den Fall Lungaus zu nehmen. Der Geheimrat kehrte indessen in das obere Stockwerk zurück, um seine Tasche zu holen und sich von der Lama zu verabschieden. Sie machte schon Späße über ihre Verwundung, und alles andere lag schon hinter ihr. „Ich komme mir so blamiert vor,“ sagte sie zu dem eintretenden Geheimrat „Ich habe solches Trara gemacht und nun bin ich ganz in Ordnung. Da hat dieses Ekel von Doktor also alles ganz richtig geflickt scheint mir?“ „Scheint mir auch“, sagte Raiffeisen gutmütig. „Sie können sich bei ihm bedanken, gnädige Frau, und abreisen“. „Abreisen?“ „Dem steht nichts im Weg. Hier ist es etwas ungemütlich, nicht? Ich würde als Arzt Vorschlägen, daß einer der Herren Sie heute noch einpackt und nach Baden-Baden hinüberbringt“, sagte der Geheimrat und empfahl sich. „Selbstverständlich bringe ich dich nach Baden-Baden“, sagte Mollzahn ziemlich steif. „Ich habe drei Tage Urlaub genommen“. „Na — fein“, antwortete die Lania und betrachtete Peter Karbon, der etwas überflüssig daneben stand. „In acht Tagen muß ich doch wieder in Berlin sein. Sehe ich dich dann, Pitt?“ fragte sie beiläufig. Peter Karbon zuckte die Achseln. Keine Ahnung hatte dieser Doktor Persenthein davon, in welche Schwierigkeiten er seine Frau brachte, als er zwanzig Minuten vor eins eine Zelebrität zum Mittagessen einlud. Elisabeth kochte, briet, deckte den Tisch, heizte den Ofen, garnierte die Salatschüseel, heizte wieder den Ofen, der ausgegangen war, das Rehle trabte zum „Weißen Schwanen“ um zwei Flaschen des Raitzoldschen „Sonnen treppchens“, Elisabeth schlug Sahne, kostete Speisen, zankte mit dem Mädchen und hatte alles in allem und zu ihrer eigenen, wunderlichen Erleichterung keine Sekunde Zeit mehr, an sich oder an Karbon oder sonst etwas zu denken, bis zu dem aufregenden Moment, da sie den berühmten Gast in der Diele begrüßen konnte. Der Herr Geheimrat küßte der Kol- legenfrau die Hand, besah das Rehle mit Verwunderung und steigendem Vergnügen, er aß zerstreut, aber viel, er trank gründlich vom „Sonnentreppchen“ und fachsimpelte über Tisch so ausführlich mit dem Doktor Persenthein, daß fast keine deutschen Worte mehr in ihrem Dialog vorkamen. Sofort nach Tisch und noch vor der Zigarre zogen die Herren sich ins Sprechzimmer zurück um den Fall Lungaus und die Ideen des Doktor Persenthein in Ruhe durchzugehen. Der Doktor kam nachher noch einmal zurück, fand seine Frau, wo sie hingehörte, nämlich beim Geschirrwaschen, murmelte etwas von Kaffee und Kuchen um vier Uhr und verschwand dann endgültig. „Ich gehe fort, Kuchen holen“, sagte Elisabeth, die es so in rieh spürte, als werde sie gerufen, irgendwohin gerufen, aus dem Haus hinaus, auf die Straße oder noch weiter fort Aber vielleicht war dies nur ein Irrtum ihrer angestrengten Nerven. Sie nahm das Einkaufsnetz und verließ das Haus, Peter Karbon, der vergeblich versucht hatte, nach dem Mittagessen ein wenig zu schlafen, stand um diese Zeit unschlüssig an dem Fenster des riesengroßen und erschütternd unbehaglichen Zimmere, das er im „Weißen Schwanen“ bewohnte. .Elisabeth!“ versuchte Karbon wieder zu denken, mit der Intensität der vergangenen Tage zu denken, aber es gelang nicht ganz. „Ich habe jetzt genug von dieser Aussicht“, sagte er schließlich mißmutig an seinem Fenster. „Immer die gleichen zwei Hunde und immer der gleiche alte Mann mit Hemdärmeln und Hosenträgern, der aus der Tür kommt, die Mütze abnimmt, die Glatze kratzt, die Mütze aufsetzt und wieder ins Haus zurückgeht“. An dieser Stelle seiner Gedanken aber war es, daß Peter Karbon einen Schlag bekam. Elisabeth nämlich, die in Mantel, Hut und mit dem Marktnetz unten vorüberging, hob in diesem Augenblick den Kopf, sie konnte einfach nicht an dem Gasthof vorbeikommen, ohne zu seinem Fenster hinaufzusehen, und er erkannte sie. Es war ganz unwillkürlich, daß er vom Fenster zurücktrat ins Zimmer und da unbeweglich stehen blieb. Er stand noch eine Weile mitten im Zimmer, dann nahm er Mantel und Mütze, ging hinunter und stellte sich zwischen die beiden Oleanderbäumchen vor das Haustor, entschlossen, Elisabeths Rückkehr abzuwarten. „Ach“, sagte sie und blieb stehen, mit ihrem Einkaufsnetz voll Kuchen. „Wie gehfls heute?“ fragte er und schloß sich im Schlenderschritt ihr an, auch sie war langsam geworden. „Danke. Gut nach Hause gekommen?“ fragte sie zurück, und beide vermieden das Sie und auch das Du. „Ist schön, daß wir uns treffen, nicht?“ sagte er. „Ja. Es war nötig“, antwortete sie ernsthaft. Er faßte ihren Arm unter. „O nein“, sagte sie und löste sich fast erschrocken von ihm los. „Komm hier“, sagte er, „hier ist es ruhiger“, und schob sie um die Ecke der Kirche, an die Ostseite, wo es windstill war. Sie gingen schweigend bis zu dem kleinen Kreuzgang mit den Grabtafeln, und dann blieben sie stehen. Elisabeth hob das Gesicht zu ihm auf, lächelte und wußte selber nicht, wie flehend das aussah. „Ich wollte Ihnen sagen: Das von gestern gilt nicht“, sagte sie. „Aber Elisabeth — was denn —“ „Das alles gilt nicht Was wir besprochen haben — gilt nicht“, flüsterte sie. „Ich komme hier nicht los —“ „Nein?“ fragte er gedankenverloren und schaute sie an. Erst hinterher besann er sich auf Heftigkeit und Widerspruch. „Du mußt aber loskommen“, sagte er und hatte gar keinen Schwung. Er stimmte die Arie der vergangenen Nacht an. „Du kommst mit mir, du bleibst bei mir, wir werden unsinnig glücklich sein, Elisabeth“. Karbon nahm sie in die Arme. Dann standen sie beide still und hielten den Atem an als horchten sie auf etwas, als erwarteten eie etwas, das nicht kam — bei ihr. nicht, bei ihm nicht. ,.Siehst du“, sagte sie ernsthaft, und das klang überaus kindlich, „es ist schon vorbei“. Sie lächelte noch immer. „Wae soll denn jetzt sein? Wie geht's denn weiter?“ fragte er. „Jetzt packst du ein und reist ab. Um 5 Uhr fahren sie mit dem Auto fort.“ „Ist es dir denn lieber, wenn ich ab- reise?“ fragte er. „O ja“, antwortete sie „Schön. Dann reise ich. Aber das bedeutet nichts. Ich schreibe dir. Ich hole dich doch noch, Elisabeth“. Sie hörte ihm ernsthaft zu. Jetzt, dachte sie immerfort, jetzt, jetzt, jetzt. Einen Augenblick lang tat es tödlich weh, tödlich. Das ist ja wie Sterben, dachte sie, während sie immer weiter ging. „Nicht weiter. Genug. Ich möchte in die Kirche““, sagte sie plötzlich. Sie konnte nun nicht mehr. Sie ließ ihn einfach stehen, mitten unter dem Portal mit den steinernen Engeln, deren barocke Pausbacken er ratlos erstarrte. „Schön. Dann reise ich eben“, sagte er sodann laut und bockig, zögerte noch, und wanderte dann durch den staubigen Wind hinüber zum „Weißen Schwanen“. Hohe Frachten belasten Kartoffelpreis Jahreszeitlicher Preisrückgang ausgeblieben — DGB empfiehlt Höchstpreise 7'ipp uudt Du Ui dieser UJocke im Hi * IM WEST-SÜD-BLOCK Hauptstelle O Konstanz - Telefon 671 - Postfach 5S5 SÜDKURIER lümjlnnscr Iritutig Nr. 164 / Seite 5 ftottftang ben 16. Oktober 1952 Äueflug tm Nebel Wer den Nebel erfunden hat, den sollte man... aber halt! Das wäre Gotteslästerung. Der Nebel gehört zum Schöpfungswerk wie die Sonne. Und halten wir fest an dem Grundsatz: Es gibt kein schlechtes Wetter — es gibt nur — gute Kleider. Und die ziehen wir eben nicht an zum Ausflug im Nebel; denn deswegen etwa zuhause bleiben — kommt gar nicht in Frage! Was bietet der Nebel doch für Überraschungen! Es ist etwas anderes, leuchtend, weil beleuchtet, sonnig, weil besonnt, leichthin die Seestraße entlang zu „schreiten“, als sich von Laternenpfahl zu Latemenpfahl, von Baum zu Baum mühsam voranzutasten. Gut, daß die hellen Rindenflecke der Platanenstämme eine Art Wegweiser abgeben. Schließlich gelangt man doch zur Rheinbrücke — und weil man es weiß, daß man sich unter einer Brücke Wasser vorzustellen hat, so glaubt man es zu sehen. Bloß daß die wirklichen Wasser farbenschillernd sind — und das Nebelmeer grau in grau. Und das soll Meersburg sein? Man kennt doch seine ganze Pracht von leuchtenden Sommertagen her. Freilich, da war auch eine Kehrseite — es waren sooviel Leute um den Weg, daß man selbst kaum gehen konnte. Heute ist Platz genug vorhanden. Die Burg kann man selbst in ihrem Nebelkleide finden., Übrigens — es steht ihr gut. Es macht sie noch romantischer. Sie zaubert uns die Vision der Gralsburg vor, des hehren Tempels auf dem Berge des Heils. — Zum Nebel gehört eben etwas Phantasie. Aber mit dem Regen ist auch der Höhepunkt des Spuks erreicht. Das ist immerhin tröstlich. Schlimmer kann es nicht kommen — und weiter als bis auf die Haut kanns nicht gehen. Ein Glück ist nur, daß das soviel nicht schadet. — Im Wechselschritt gehen Freuden und Beschwerden. — Und hast dein Teü du tapfer ausgebadet — Wird sich die Welt nicht mehr so wild gebärden“. — Und wirklich sie scheint es einzusehen, daß schlechte Laune nicht ewig dauern sollte. Die Sonne will doch einmal zum Rechten sehen — wie es da unten zugeht — ohne sie. Sie lüftet ein bischen den Schleier vorm Gesicht. Sie sieht das enttäuschte tropfnasse Menschenkind vor der verschlossenen Tür. Und da — lacht sie! Und wenn die Sonne lacht — ist alle Trübsal ausgelöscht. Welch schönes Wunder?! Welch neue Herrlichkeit rundum! Der See blitzt wie ein Silberspiegel, das Städtchen zeigt rein seine entzückenden Konturen, der Meersburger schmeckt fast süß, und der zwiefach „benebelte“ Mensch ist wieder herzensfroh. Nächste Programmnummer: wieder ein Ausflug im Nebel! Chr. N-L. Weshalb heine DlrehtoerbinDung Konftanz-Zürich? Zürich ist nur umständlich zu erreichen — Eine Bitte an die SBB Als „Tor zur Schweiz“ ist Konstanz gerade im vergangenen Sommer im gesamten westdeutschen Bundesgebiet, aber auch im Ausland, zu einem Begriff geworden. „Jeder einmal in die Schweiz!“ war die Ferienparole Ungezählter, die eine Fahrt nach dem Süden in ihre Reisepläne einbezogen hatten. So nimmt es nicht wunder, daß am Kreuzlinger- und Emmishofer-Tor während der Sommermonate ein Verkehr herrschte, wie er in diesem Umfange niemals erwartet worden war. Wenn man den Tagesdurchschnitt vom August mit 280 Omnibussen, die in Konstanz die Grenze in Richtung Schweiz passierten, als Grundlage nimmt, dann wechselten bei einer Fahrzeugbesetzung von je 40 Personen allein während dieses letzten Ferienmonats rund 375 000 Reisende über die Grenze. Im Juni/Juli werden es bei einem Tagesmittel von 200 Fahrzeugen rd. 500 000-600 0000 Reisende gewesen sein. Der Durchreiseverkehr über die Konstanzer Zollstellen war so stark, daß es der Zollkontrolle ab Mitte August gar nicht mehr möglich war, darüber Buch zu führen. Das „Tor zur Schweiz“ ist, was den Omnibusverkehr anbelangt, keine Ueber- treibung. Lediglich die Schweizerische Bundesbahn hinkt hinter dieser Entwicklung. Als „Brückenkopf“ auf Schweizer Territorium verfügt Konstanz auch heute noch nicht über eine direkte Zugverbindung nach der 91 Bahnkilometer entfernten größten und modernsten Schweizer Stadt: Zürich. Seit 1948/49, seitdem mit der Schweiz wieder engere Verkehrsbeziehungen aufgenommen wurden, ist Zürich über Konstanz nur mit einiger Mühe zu erreichen. Ein Blick in das Schweizer Kursbuch illustriert diese Tatsache: Von Stäöttfcbes Orchefter im RunDfunh Der Südwestfunk Baden-Baden überträgt am Freitag, den 17. Oktober von 15.15—16.15 Uhr ein Konzert des Städtischen Orchesters unter der Leitung von Städt. Musikdirektor Dr. Richard Treiber. Zur Sendung gelangen die Sinfonie iD-dur für Doppelorchester von Johann Christian Bach und eine Symphonie in Es-dur von Georg Abraham Schneider (1770—1839). Der in Darmstadt geborene Komponist war zuletzt Hofkapellmeister in Berlin, wo er als Dirigent und Komponist ein fruchtbares Wirken entfaltete. — Die Sendung wird auf Mittelwelle übertragen. 42 Zügen, die im benachbarten Kreuzlin- gen ankommen oder abfahren, haben nur elf einen Pendel-Anschluß nach Konstanz. Praktisch heißt dies, wer von Konstanz nach der Innerschweiz mit der Eisenbahn reisen will, muß sich schon in Kreuzlin- gen zum ersten Male im Umsteigen üben. Weinfelden, Wil, Winterthur oder Romans- hom, je nachdem ob die Reise nach St. Gallen oder nach Zürich führt, sind die nächsten Umsteigestationen. Zugegeben, man ist ohnehin in knapp zwei Stunden an der Limmat, aber wer von den Reisenden steigt nun einmal gerne um? Was für Konstanz—Zürich gilt, ergibt sich im gleichen Maße auch für St. Gallen. Obwohl nur 44 km von Konstanz entfernt, gilt es sowohl in Kreuzlingen als auch in Romanshom umzusteigen. Zwar ist auch hier der Reisende in knapp eineinhalb Stunden in St. Gallen einschließlich Umsteigen und Wartezeiten. Sicher weiß die Schweizerische Bundesbahn den Wert einer direkten Verbindung von Konstanz nach Zürich zu schätzen, umso mehr wenn man dabei berücksichtigt, daß die Strecke dann nicht nur im deutschen Kursbuch erscheinen würde, sondern auch manchem deutschen Ferienreisenden im Sommer oder Winter den Weg ins Herz des Schweizerlandes wesentlich verkürzen hilft. Nicht zu vergessen: Für Konstanz wie für den übrigen badischen Teil des deutschen Bodenseegebietes ist Zürich die nächstgelegene Großstadt, eine Stadt von großer wirtschaftlicher und vor allem kultureller Bedeutung. Mit einer direkten Verbindung Konstanz—Zürich oder zumindest ein bis zwei direkten Kurswagen an die Mittel- Thurgaubahn aber wäre auch für viele Nordschweizer eine schnellere und bequemere Verbindung sowohl an die Limmat wie auch an das Verkehrsnetz des deutschen Grenzgebietes geschaffen. Elternabend bei „Sparta“ Am kommenden Dienstagabend führt der Schwimmklub „Sparta“ im Rahmen seiner Uebungsstunde einen Elternabend durch. Nebet Wettkämpfen für die Jüngsten, bestreiten die Aktiven (Damen und Herren) ihre Klubmeisterschaften. Dieser interne Vergleichskampf im Brust-, Rücken- und Kraulschwimmen gewinnt an Bedeutung, weil derselbe als Probe für die süddeutschen Hallenmeisterschaften, gilt. LebenOige Wtffenfchaft Winterprogramm der Wissenschaftlichen Vortragsgemeinschaft Seit Beginn dieses Jahres ist in Konstanz eine Wissenschaftliche Vortragsgemeinschaft an die Oeffentlichkeit getreten. Es ist oft gefragt worden, was diese Vortragsgemeinschaft will. So soll zu Beginn des Winterprogramms ihre Entstehung und ihre Absicht näher dargelegt werden. Die Vortragsgemeinschaft Ist aus der Konstanzer Ortsgruppe des Verbandes der Freunde der Universität Freiburg entstanden. Die Universität Freiburg steht der Stadt Konstanz durch ihre Geschichte nahe — war doch das gleichfalls vorderösterreichische Konstanz in vergangenen Kriegswirren sogar Zufluchtsstätte der Universität. Deren Bestreben, durch Vorträge ihrer Professoren und Dozenten eine geistige Brücke zu den badischen Städten zu schlagen, hat daher in Konstanz freudige Aufnahme gefunden. Es begegnete sich mit ähnlichen Zielsetzungen in der Bodenseestadt, den Geist ernster Wissenschaft durch Vorträge hervorragender Sachkenner spürbar zu machen. Die Landschaft um den Bodensee liegt in einem toten Winkel des deutschen Universitätslebens. Die beiden nächsten Universitäten Freiburg und Tübingen sind je 140 km vom Bodensee entfernt, und — wenn man an die dazwischen gelagerten Gebirgszüge denkt — so kann man wörtlich davon sprechen, unser Gebiet liege, von den Universitäten aus gesehen, „hinterm Berg“. Umso dringender muß es das Ziel der geistig Schaffenden wie Interessierten hier sein, die Verbindung mit der Wissenschaft aufrecht zu erhalten. Das kann auf dem Wege der Forschung geschehen, wie es das Städtische Institut für Landschaftsgeschichte unter Universitätsprofessor Dr. Theodor Mayer, dem früheren Präsidenten des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde, in hervorragender Weise für die mittelalterliche Geschichte unserer Landschaft tut Das kann auf dem Gebiete der Wissenschaften insge- s«nt durch Vorträge erstrangiger Fachkräfte geschehen. So haben sich einige Männer dieser Stadt, an ihrer Spitze Oberbürgermeister Knapp, zusammengetan, um durch jährliche Vortragsreihen allen Interessierten ein Bild der heutigen Wissenschaft zu vermitteln. Sie haben zunächst für den Verband der Freunde der Universität Freiburg ein reichhaltiges Programm durchgeführt und werden dies auch weiterhin tun. Das Herbst- und Winterprogramm des Verbandes steht noch nicht ganz fest Aber es sind schon neben dem vor einigen Tagen gehaltenen Vortrag von Professor Schumacher über Paracelsus solche vielversprechenden Vorträge vorgemerkt, wie von Professor Wolfgang Kimmig, einem Sohn unserer Stadt über die Höhlen von Lascaux. von Professor Kurt Walter Merz über das Wesen der Arznei und von dem hier bekannten Zoologen Professor Otto Köhler über das -unbenannte Denken“ (mit Schmalfilm). Von Anfang an war es das Ziel der leitenden Männer, auch von anderen Hochschulen und Forschungstätten möglichst die besten Sachkenner zu Wort kommen zu lassen. Dies konnte nicht unter dem Zeichen des Freiburger Universitätsverbandes geschehen. Es mußte ein umfassender Titel gewählt werden. Daher ist die „Wissenschaftliche Vortragsgemeinschaft* ins Leben getreten. Sie veranstaltet eigene Vortragsreihen und wird daneben auch als Dachorganisation für auswärtige wissenschaftliche Gesellschaften Vorträge durchführen. Für das kommende Vortragsjahr, das von Oktober bis Juli laufen soll, ist ein eigenes, Die Biber ließ ein Zirhue öa In Konstanz fehlt ein Tierheim — Hunde und Katzen fressen aus einem Napf Anläßlich des Welttierschutztages sah man in dem Umzug, den der Tierschutz- verein Konstanz veranstaltete, einen Wagen, in dem drei Biber als Pfleglinge des Vereine lustig knabbernd durch die Straßen der Innenstadt spazierenfuhren. Bei dem Anblick dieser Nagetiere fragte sich mancher Konstanzer, wo denn diese Tiere untergebracht seien und wieso der Tierschutzverein gerade in den Besitz von drei Biber gekommen sei. Da in diesem Umzug stolzer Pferde und bellender Vierbeiner auch einige Transparente mit der Forderung „Gebt uns ein Tierheim!“ zu sehen waren, erschien die Frage umso berechtigter, wo die dem Tierschutzverein anvertrauten Tiere heute Obdach und Pflege finden. So suchten wir denn den Vorsitzenden des Konstanzer Tierschutzvereins, Schneidermeister Weinberger, auf, um uns von der Arbeit des Tierschutzvereins und von seinen jetzigen Schwierigkeiten berichten zu lassen. Die größte Sorge des Konstanzer Tierschutzvereins ist das Fehlen eines Tierheimes zur Unterbringung der ihm anvertrauten Kreatur. Fast täglich werden dem Verein Tiere zugeführt: vor allem Hunde und Katzen, aber auch Schildkröten, Vögel und — weiße Mäuse! Auch Tauben, Schwalben, Möven, Turmfalken und andere gefiederte Beherrscher der Lüfte, die durch irgendeinen Unfall oder eine Brutalität des Menschen verletzt worden sind, werden auf der Geschäftsstelle des Vereins abgeliefert. Frau Weinberger ist durch jahrelangen Umgang mit den Tieren zu einem tüchtigen Helfer und Retter der ihr anvertrauten Kreatur geworden, und so brauchen nur die schwierigen Fälle einem Tierarzt zur Behandlung übergeben werden. Da dem Verein seit über einem Jahr kein eigenes Tierheim mehr zur Verfügung steht, mußte man dazu übergehen, für die dem Verein zugeführten Tiere Pflegestellen bei Tierfreunden ausfindig zu machen. Hier sind es vor allem die Hunde, die oft infolge der Steuer von ihren Besitzern Aljschied nehmen müssen, und die nun — statt getötet zu werden — einen neuen Herrn finden sollen. Das ist nicht immer leicht, und die Wohnung des Vereinsvorsitzenden würde sich restlos in Asyl für obdachlose Hunde, Katzen und anderes Getier verwandeln, wenn sich nicht draußen im Weiherhof ein Tierfreund gefunden hätte, der sich der verlassenen Kreatur annimmt. Hier vor den Toren der Stadt ist gewissermaßen das „Asyl für Obdachlose“ aus der Tierwelt, das Notheim des Tier- schutzvereins und gleichzeitig ein „Zoo en miniature“. Unter der Obhut von H. Weber finden wir zur Zeit neben einer Anzahl von Hunden und Katzen auch die drei Biber, denen wir anläßlich des Tierumzuges bereits begegnet sind. Diese Tiere sind die letzten „Darsteller“, die der Zirkus Holzmüller hinterließ, seitdem die zurückgelassenen Kamele und Bergziegen Konstanz wieder verlassen haben. Sie stellen nebst dem dazugehörigen Bassinwagen eine Sicherheit für die bisher von H. Weber geleistete Pflege und Ernährung der zurückgebliebenen Zirkustiere dar. Hunde und Katzen im Weiher- hof haben sich bereits so an die rotzähni- gen Nager gewöhnt, daß sie sich einander wohlgefällig beschnuppern und in trauter Harmonie aus einem Napf futtern. Es bleibt alber die Forderung nach einem neuen Tierheim. Das Ansinnen des Tierschutzvereins scheint nicht ganz unmotiviert zu sein, wenn vorgeschlagen wird, einen Teil der alljährlichen Hundesteuer, die die Stadt für etwa tausend Hunde einnimmt, zum Bau eines Tierheimes zu verwenden. Für eine Stadt von der Größe von Konstanz ist es auf die Dteuer unmöglich, ohne ein solches Heim auszukommen. Konstanz als Grenzstadt müßte ein „Hunde-Hotel“ schon aus dem Grunde besitzen, weil fast täglich Hunde in der Stadt Zurückbleiben, für die die in die Schweiz reisenden Fremden keinen Zoll hinterlegen wollen oder für die sie kein Gesundheitszeugnis eines Tierarztes zur Hand haben. In all diesen Fällen wendet man sich nicht selten an den Tierschutzverein. Wo aber soll dieser die Hunde unterbringen, wenn ihm kein Heim zur Verfügung steht? Abschließend sei noch auf folgendes hingewiesen: in letzter Zeit mehren sich die Klagen aus der Bevölkerung über Tierschutzgeeetz, durch das das Recht der Tiere auf Schutz gesetzlich verankert ist. Jeder, der gegen diese Tierschutzbestimmungen verstößt, wird unnachsichtlich zur Verantwortung gezogen. Auch der Konstanzer Tierschutzverein hat wieder einen beachtlichen Mitgliederstand, der sich täglich erhöht. Jedes seiner Mitglieder ist satzungsgemäß verpflichtet, Tierquälereien zur Anzeige zu bringen. Der Tierschutzverein ruht nicht, bis die Täter zu empfindlichen Strafen verurteilt sind und, falls Anlaß besteht, Schadenersatz geleistet haben. Der Tierschutzverein „Senta“ und die Biber haben gute Freundschaft geschlossen. Hier paßt „Senta“ auf, ob nicht auch ein Stückchen Brot für sie abfällt. (Foto: Finke) Quälereien und Mißhandlungen von Tieren. Vor allem nimmt seit der Freigabe von Luftgewehren die Unsitte überhand, daß Jugendliche Jagd auf Singvögel machen und wahllos jedes geflügelte Lebewesen abschießen. Der Tierschutzverein sieht diesem Treiben nicht tatenlos zu. Deutschland besitzt ein vorbildliches finanziert bei Bedarf auch den Rechtsanwalt, so daß jeder, der sich an der unschuldigen und wehrlosen Kreatur vergreift, sich diese Warnung zu Herzen nehmen möge. Niemand kann sich der trügerischen Hoffnung hingeben, daß sich für seine Taten kein Ankläger finden werde. H. F. Hundert Schmelzer Uhren uerfchmanden „In Schmugglerprozessen wird immer gelogen“, sagte der Amtsrichter Eine geschiedene junge und stellenlose Bedienung aus Konstanz und ein Metzger aus Herisau (Schweiz) lernten sich kennen. Irgendwie fiel man gemeinsam auf die Idee, statt zu bedienen, einträglichere Geschäfte zu machen. Man kommt darauf, Schweizer Uhren über die Grenze zu schmuggeln, die viel Geld bringen. Damit sich das Geschäft auch lohnt, sollen es gleich 1000 Uhren sein. Schließlich gibt man sich bescheiden mit nur 100 Uhren zufrieden. Aber auch die müssen ja erst einmal gekauft werden. Und Geld ist keines da. Gleich jedoch tritt ab Geldbesorger der Metzger auf, — der, am Rande bemerkt, wegen einer Betrugsaffäre in Deutschland fünf Monate Gefängnis bekam und nach Verbüßung seiner Strafe ausgewiesen wurde. Aber auch die stellenlose Bedienung ist wegen Betruges vorbestraft. Der Schweizer besorgt laufend Gelder bei Landsleuten, einmal 200 Franken, dann wieder 400 Franken, ein andermal 700 Deutsche Mark. Langsam läuft im vergangenen Sommer das Uhrengeschäft an. Zuerst werden 30 Uhren besorgt. Taschen- und Armbanduhren. Jede kostet 9.75 sfr. In Deutschland sollen sie für 35 DM verkauft werden. Der Verdienst soll später prozentual gestaffelt anteilig ausgeschüttet werden. Auf nicht mehr feststellbare Weise gelangen diese 30 Uhren illegal über die Grenze nach Konstanz, wo sie den in einem Lokal wartenden Abnehmern abgeliefert werden sollen. Aber von Abnehmern keine Spur in diesem Lokal. Jetzt taucht auf einmal die Idee auf, die geschmuggelten Chronometer in Stuttgart abzusetzen. Aber die junge Frau erklärt, mit 30 Uhren lohnte es sich nicht, nach dort zu fahren. Es müßten mindestens 100 Uhren sein. Wie der Metzger nun in der gestrigen Gerichtsverhandlung vor dem Amtsrichter behauptete, habe er gesehen, wie die junge Frau mit dieser zweiten Rate von 70 Uhren beim Kreuzlinger Zoll über die Grenze gegangen sei. In jedem Fall sind nun insgesamt 100 Schweizer Uhren unverzollt in Deutschland. Jetzt tritt ein Konstanzer Textüvertreter in Aktion. Dieser ist auch vorbestraft, einschlägig sogar — wegen Zoll- und Steuerhinterziehung. Er fährt die junge Frau nach Stuttgart. Mit einem gemieteten Wagen, den sie bezahlt. In Stuttgart wird Verbindung mit einer anderen Frau aufgenommen. Von dieser werden sie zu einem ägyptischen Ehepaar gewiesen. Die Frau, gebürtige Deutsche, verdient mit schwerer Arbeit ihr Geld als Bedienung. Der orientalische Ehemann, — nun, er ist halt der Mann seiner Frau und sonst — wegen Trunksucht entmündigt. Bei diesem ägyptischen Ehepaar geben die beiden Stuttgartfahrer sich als — Schweizer Ehepaar aus, das, so nebenbei bemerkt, auch ein paar Schweizer Uhren bei sich hat, 50 insgesamt. Diese 50 Uhren geben sie den Aegyptern in Pfand, denn, wie man hört, hat man dem armen Schweizer Ehemann in einem Cafe den Mantel samt Brieftasche gestohlen. Angeblich hat nun der Aegypter sich erboten, die Uhren zu verkaufen. Bei dreien soll ihm das gelungen sein. Und etwa fünf oder sechs hat die junge, unternehmungslustige Schmugglerin, die von dem Metzger auch schon mal 700 Deutsche Mark „einführte“, selber verkauft. Wo sind die anderen Uhren nun hin? Das weiß heute kein Mensch mehr. Sie sind verschwunden — ins Nichts. „In Schmuggel-Prozessen wird immer gelogen!“ stellte Amtsgerichtsrat Scholl fest. besonders reichhaltiges Vortragsprogramm der Wissenschaftlichen Vortragsgemeinschaft vorgesehen, für das mehrere Gelehrte bereits fest zugesagt haben. An ihrer Spitze wird am Montag, 20. Oktober, der derzeitige Präsident der deutschen Rektorenkonferenz und Rektor der Technischen Hochschule Stuttgart, Professor Dr. Erwin Fues, die Reihe mit einem Vortrag über „Physik und Erkenntnis“ eröffnen. Am Freitag, 7. November, spricht über „Amerika und Rußland in der Geschichte“ der frühere Berliner Universitätsdozent Dr. Erwin Hölzle. Ihm folgt ein gleichfalls in ein brennendes Gegenwartsproblem führender Vortrag des Stuttgarter Geographen Professor Dr. Hermann Lautensach über „Korea, Land und Leute“, am Freitag, 28. November. Der Dezember ist für zwei Vorträge des Freiburger Universitätsverbandes freigehalten. Am 9. Januar 1953 wird der bekannte Universitätsprofessor Dr. Friedrich Metz, Freiburg, „die Bretagne“ uns näher zu bringen versuchen. Beide landeskundlichen Vorträge werden durch Lichtbilder unterstützt werden. Am 30. Januar hält einer der ersten Altertumshistoriker, der Münchner Professor Dr. Helmut Berve, einen Vortrag über das die Geister immer wieder bewegende Problem des „Untergangs der antiken Welt“. Ihm folgt am 20. und 21. Februar der gelehrte, international bekannte Ikonograph Pater Dr. Frowin Oslender von der Abtei Maria Laach. Er wird in zwei Vorträgen aus großenteils unbekannten frühmittelalterlichen Handschriften der deutschen und französischen Bibliotheken und Klöster ein Material von großartigen Farblichtbildern ausbreiten, das letztes Jahr vor dem Kunstwissenschaftlichen Institut Marburg höchstes Aufsehen erregt hat. Am Mittwoch, 11. März, wird der Münchner Literarhistoriker Professor Wentzlaff-Egge- bert, dessen Vortrag über Heinrich Suso und die deutsche Mystik noch in Erinnerung ist, wieder hier einkehren. Sein Vortrag über „Luther in der deutschen Geistesgeschichte“ wird die Ergebnisse der evangelischen und katholischen Lutherforschung zusammenfassen. Noch für den gleichen Monat März hat der Heidelberger Historiker, Universitätsprofessor Willy Andreas in Aussicht gestellt, über „Italien und die Anfänge der neuzeitlichen Diplomatie“ zu sprechen und damit in Studien einzuführen, die ihn sein Leben lang begleitet haben. Bereits im Frühjahr, am 24. April, b3tucht der jetzige Münchner Kunsthistoriker, Universitätsprofessor Dr. Hans Sedlmayr, die Stadt. Der Gelehrte, dessen Werke, insbesondere der „Verlust der Mitte“, zu den meistgelesenen wissenschaftlichen Büchern unserer Zeit gehören, wird über die „Hagia Sophia“, die „Kirche der Weisheit“ sprechen. Für den Somnfer sind einige weitere Vorträge, worüber die Verhandlungen noch schweben, vorgesehen. Ohne die Unterstützung der Stadt könnte dieses umfassende Programm nicht durchgeführt werden. Der Unkostenbeitrag soll um der Bildungsschicht willen, die zu erhalten und zu erweitern das Ziel der Wissenschaftlichen Vortragsgemeinschaft ist. so niedrig wie möglich gehalten werden. Eine Jahreskarte zu einem wesentlich verbilligten Preis von 4.- DM, die zu den von der Wissenschaftlichen Vortragsgemeinschaft durchgeführten Vorträgen — ausgenommen sind die Vorträge des Verbandes der Freunde der Universität Freiburg — freien Eintritt gewährt, kann bei der Wessenbergbibliothek oder an der Abendkasse erworben werden. Die Wissenschaftliche Vortragsgemeinschaft will dazu dienen, daß die Menschen dieser Stadt und der weiteren Umgebung in lebendiger Verbindung mit dem Geist der Wissenschaft, der eine der besten Traditionen Deutschlands ist. zu bleiben vermögen. Die Finanzdirektion als die Hauptgeschädigte bei diesen mehrfachen Zoll- und Devisenvergehen trat als Nebenklägerin auf. Sie beantragte durch ihren Vertreter für jeden der drei Hauptangeklagten Geldstrafen von je 300 DM und für die nicht mehr greifbaren Uhren eine Wertersatzstrafe von 1200 DM. Das Gericht verurteilte schließlich den Metzger, der seit August wegen der unerlaubten Einreise und einer Sachbeschädigung in Konstanz sitzt, wegen Einfuhr- vergehens in Tateinheit mit Steuerhinterziehung zu einem Monat Gefängnis und einer Geldstrafe von 300 DM. Wegen der gleichen Vergehen erhielt die junge Bedienung sechs Wochen Gefängnis und ebenfalls eine Geldstrafe von 300 DM. Den Textilvertreter verurteilte man wegen Steuerhehlerei und fortgesetzten Vergehens gegen die Abgabenverordnung auch zu einem Monat Gefängnis und der gleichen Geldstrafe. Alle drei Angeklagten müssen auch die Wertersatzstrafe von je 1200 DM zahlen. Im Nichtbeitreibungsfalle je 100 DM einen Tag Haft. Die deutsche Aegypterin wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die einzelnen Untersuchungshaftzeiten wurden entsprechend angerechnet. Auf diese Art ist der Schweizer Metzger nur noch — fünf Tage seiner Freiheit beraubt . . . dann darf er herüber — aber nie wieder zurück. K. H. K. Ein 52 Jahre alter Ausländer nahm in selbstmörderischer Absicht eine zu große Dosis Schlaftabletten. In der Nacht zum Mittwoch ist der Mann im Krankenhaus gestorben. i Donnerstag, 16. Oktober 1952 SÜDKURIER K Nr. 164 / Seite 6 Schutjbeztrh am Wafferroerh? Ein Antrag des Gesundheitsamts — Chlor lm Wasser Wie das Staatliche Gesundheitsamt Konstanz mitteilt, wurde beim Landxatsamt beantragt, im nächsten Jahr das Baden im näheren Gebiet des Wasserwerkes entweder zu verbieten, oder dort für Toilettenanlagen zu sorgen. Der Antrag des Gesundheitsamtes wird damit begründet, daß im Bereich des Badestrandes die Pumpleitung für die Wasserversorgung der Stadt Konstanz liege und die unhygienischen Verhältnisse, wie sie besonders im letzten Sommer aufgetreten sind, die Sauberkeit und Keimfreiheit des Wassers in Frage stelle. Das Gesundheitsamt verlangt die Errichtung eines Schutzbezirkes, innerhalb dessen Grenzen Dicht gebadet werden darf. * kulturellen Verbindung der beiden Länder befassen und den Austausch von Rednern und Künstlern vermitteln werde. In Frankreich seien ähnliche Institutionen mit Hilfe der Kulturabteilung der deutschen diplomatischen Mission geplant. Der europäische Gedanke sei für die Jugend schon selbstverständlich. Durch Hinweise auf das Beispiel allgemein geachteter und hervorragender Persönlichkeiten soll in allen Kreisen Propaganda für die Verständigung gemacht werden. Es wurde beschlossen, vor allem den Ferien- und Arbeitsplatzaustausch zu intensivieren. Rund X) deutsche und französische Mitglieder nahmen am gemeinsamen Essen und geselligen Beisammensein in den Clubräumen teil. Glochenroethe in Dettingen Vier neue Glocken aus Spenden der katholischen Bevölkerung SK. Es handelt sich hierbei um eine Forderung des Gesundheitsamtes, die nur begrüßt werden kann. Die Badeverhält- nisse, vor allem aber der Zustand, daß für die ungezählten Badegäste nicht einmal eine Toilettenanlage besteht, zwingen zu einschneidenden Maßnahmen. Obwohl das Trinkwasser in Konstanz seit beinahe einem halben Jahr leicht gechlort ist, bieten gerade die unhygienischen Verhältnisse am Strand beim Wasserwerk im Sommer die Möglichkeit, das Wasser weiterhin zu verschmutzen. Delegierten-Tagung der Deutsch-Französischen Vereinigungen Auf Einladung derDeutsch-Französischen Vereinigung Konstanz fand im Europaihaus in Konstanz eine Tagung der Deutsch- Französischen Vereinigungen statt. Es waren Vertreter aus Konstanz, Ueberlingen, Villingen, Säckin-gen, Lahr, Bühl und Rastatt erschienen. Unter ihnen befanden sich Kreisdelegierte, Landräte, Vertreter des Wirtschaftslebens sowie Professoren und ehemalige deutsche und französische Offiziere Das Institut Frangaise Mainz u. Freiburg war durch leitende Herren vertreten. Die Leitung der Tagung hatte der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Vereinigung Konstanz, Kommerzienrat Dr. H. C. Paulssen. Man erfuhr bei dieser Gelegenheit, daß auch nach Aufhebung des Besatzungsstatuts das Institut Frangaise sich weiterhin mit der Seinen 70. Geburtstag feiert heute Friedrich Soilger, Schreiner, Konradigaese 19. 77 Jahre alt wird am Freitag August Roth, Bankkassier i. R., Neugasse 14. Die Gehilfenprüfung im Fotograifen- handwerk haben vor der Handwerkskammer Konstanz Frl. E. Anschütz, Allensbach, und Frl. Ingeborg Werner mit Erfolg bestanden. Der Vorstand der Versehrten-Sportab- teilung Konstanz dankt allen Förderern und Gönnern, die es durch eine Geldspende ermöglichten, Sporthandgeräte sowie eine Spezial-Bodenmatte für die Schwerkriegsbeschädigten der Vereehrten- Sportabteilung Konstanz anzuschaffen. Die Oberprima des Humboldt-Gymnasiums hat eine Einladung erhalten, demnächst einer Plenarsitzung des Bundestages in Bonn beizuwohnen. Die Gewerkschaft ÖTV hält morgen Freitagabend in der Gebhardshalle eine Versammlung ab. Vom Flachs bis zum Tischtuch Geschäftsinhaber und Angestellte aus der Textilbranche — wenn auch nicht allzu viele — waren am Freitagabend in St. Johann zusammengekommen. Ein Vortrag von Dipl.-Kaufmann Rave — für den sich bestimmt auch Hausfrauen 'interessiert hätten — stand unter dem Thema „Leinen“. Man denkt dabei an Wäscheschätze in Truhen und Schränken, behütet und gepflegt, dem Nützlichen und auch dem Schönen dienend. In früheren Zeiten waren es die unermüdlichen fleißigen Hände der Bäuerinnen, die den auf eigenem Felde geernteten Flachs verarbeiteten, die Fäden spannen und - dann verwebten, zu haltbarem, schönen Getüch. Heute schalten sich die Maschinen der industriellen Betriebe ein. Eine Reihe von Lichtbildern erläuterte die Worte des Redners und zeigte sehr anschaulich die sorgsame und anschauliche Verarbeitung des Rohstoffes, Verwendung der starken und glänzenden Flachsfäden zu den verschiedenartigsten Wäschestücken für den Hausgebrauch, für die wohnliche Ausschmückung des Heims. Hervorgehoben wurden die besonderen Eigenschaften des Leinengewebes. Nach Beendigung des Vortrags kam es zur Besprechung fachlicher Fragen und Anregungen für die Verkaufspraxis und ansprechender Schaufensterwerbung. Textilobmann Dietsche sprach -im Namen der Zuhörer den Dank an den Redner für seine Ausführungen aus. Heute abend gibt die Geigerin Herman Studeny im Lyceumclub ein Konzert. Die Künstlerin wird am Flügel von ihrer Schwester Grete Studeny begleitet. Die Veranstaltung findet im Europahaus statt. Wohltätigkeitsbasar — ein schöner Erfolg Der katholische Mütterverein des Stadtteils Wollmatingen veranstaltete einen Wohltätigkeitsbasar für die Pfarrei St. Martin, um für die Pfarrei finanzielle Mittel zu beschaffen, die für verschiedene Zwecke dringend benötigt werden. Unter der tatkräftigen Leitung von Frau Nosis hatten die Frauen in mühevoller und langer Kleinarbeit hübsche, praktische Wäsche, Kleider und Stricksachen selbst angefertigt. Der günstige Verkauf aller dieser schönen Dinge im „Rößle“ begegnete großem Interesse von seiten der Einwohnerschaft. Die Pfarrjugend trug am Abend mit frohen Spielen zur Unterhaltung bei, so daß der Basar zu einem schönen Erfolg für die Pfarrei St. Martin wurde. Etroas für Frühauffteher Wer morgens um sechs Uhr schon zur Arbeit gehen muß, wird nie so richtig zufrieden sein, wenn er im ersten Morgengrauen daran denkt, daß sich die meisten Einwohner noch im Schlaf wiegen können. Wer aber in den letzten Tagen frühmorgens gegen halb sieben den Sonnenaufgang bestaunen konnte, wird sich bei dem wirklich herrlichen Himmelsanblick aufrichtig gefreut haben. Am Montagfrüh stieg die Sonne wie ein dunkelroter Ball hinter der Silhouette der Allgäuer Alpen empor. Die wenigen, über den Himmel verstreuten Wolken glänzten ebenfalls rot. Es war als wenn die Landschaft im Osten brennen würde. Im Volksmund ist dieses ausgeprägte Morgenrot ein zuverlässiger Die Straße ist kein Spielplatzl Schlechtwetterverkünder. Und diesmal war es auch so. Bereits um 11 Uhr begann es ! zu regnen, an diesem Tag zog eine | Schlechtwetterfront von Westen über den Bodensee. Ganz anders zeigte sich der Osthimmel am Dienstag um die Zeit des Sonnenaufgangs. Diesmal war der Osthimmel ein fahles, man möchte sagen, giftiges Gelb, das bei der Reflektion an den Wolken noch lichter wurde. Die Luft war unendlich durchsichtig, der See leicht grünlich. Diese Himmelsfarbe bei Sonnenaufgang läßt auf kräftigen Wind und zuweilen auf Regenschauer schließen. Und ab 11 Uhr setzte auch ein frischer, zuweilen böiger Westwind ein, der in Konstanz in Spitzenböen nahezu Sturmstärke erreichte. Diese Farbe das Osthimmels bei Sonnenaufgang hängt mit augenblicklichem Wasserdampfgehalt der Luft und der Luftreinheit zusammen. Hoher Wasserdampfgehalt hat Morgenrot zur Folge und deutet auf Wetterverschlechterung hin. Man kann also auf diese Weise zu seinem eigenen Wettervoraussager werden, wenn man sich bemüht, die Sonne beim Aufgang auf ihre Farbwirkung hin zu betrachten. Für die Kinderfürsorge Der Caritasverband Konstanz veranstaltet Anfang November wieder einen großen Bazar, dessen Erlös dem Ausbau der karitativen Kinderfürsorge zugute kommef soll. Die Errichtung und der Unterhalt von Kindertagesstätten, die Verschickung von gesundheitsgefährdeten Kindern in Heil- und Erholungsstätten liegt dem Caritasverband besonders am Herzen. Alle diese Aufgaben erfordern jedoch ständig beträchtliche finanzielle Mittel, deren Beschaffung große Sorgen bereiten. Schon heute sind fleißige und aufopfernde Hände am Werk, um dem Basar zu einem guten Gelingen zu verhelfen. Die Veranstaltung findet in der Zeit vom 6. bis 9. November 1952 im großen Saal von „St. Johann“ statt. Von Firmen, Geschäften und Privatpersonen treffen laufend Spenden ein, damit die Verkaufsstände und die Tombola mit vielen schönen und nützlichen Dingen ausgestattet werden können. Auch für das leibliche Wohl der Besucher wird ausgiebig gesorgt werden. Zur Unterhaltung von groß und klein werden eifrig Vorbereitungen getroffen, damit alle Besucher des Basars am Nachmittag oder Abend einige frohe Stunden erleben. Beilagenhinweis Unserer heutigen Ausgabe ist eine Beilage der ZUBAN-Zigarettenfabrik München beigefügt. Dettingen-Wallhausen. Nun sind die festlichen Tage der Pfarrei, die Weihe unserer vier neuen Glocken, vorüber. Es waren vier Tage der Freude und Erbauung. Am Freitagabend wurden die schön gezierten Glocken am Dorfeingang von der Bevölkerung mit großer Begeisterung unter Vorantritt der Musikkapelle, der Jugend und der Vereine abgeholt und zur Kirche geleitet Auf dem Kirchplatz erfolgte die eindrucksvolle Begrüßungsfeier. Musikkapelle, Kirchenchor und Männer- gesangverein sowie der Schülerchor wetteiferten mit ihren gut eingeübten, musikalischen und gesanglichen Darbietungen. Namens der Gemeinde entbot Bürgermeister Aßfahl den neu angekommenen Glok- ken den Willkommgruß. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Zeller, dem die Glockerv- beschaffung seit seinem Hiersein Herzenssache war, dankte mit bewegten Worten allen Pfarrangehörigen, welche durch ihre Opferfreudigkeit und ihre sonstige Mithilfe diese Neuanschaffung ermöglichten. Am Samstag erfolgte dann die Aufstellung der Glocken im Chor der Kirche und ihre Ausschmückung. Der Sonntag, der Tag der Glockenweihe, begann mit dem Fest- gottesdienst, wobei Pallottinerpater Glaser aus Hersberg bei Immenstaad über Sinn und Bedeutung der Glocken sprach. Das levitierte Hochamt hielt Dompräpendar A. Striebel von Freiburg, ein Neffe unseres Pfarrherrn, unter Assistenz von Pater Glaser und Vikar Schilling, Konstanz. Der Kirchenchor, unter der Leitung von Hauptlehrer Brodmann, brachte überaus exakt die „Missa brevis“ von Mozart sowie mehrere mehrstimmige Gesänge und Chöre zum Vortrag. In liebenswürdiger Weise hatten die Solisten und Musiker von Radolfzell und Konstanz, welche bereits am Patroziniumsfeste mitwirkten, die schwierigen Solopartien übernommen. Die eigentliche Feier der Glockenweihe am Nachmittag wurde mit dem Vortrag der Osterhymne von Palestrina, durch die Musikkapelle und da6 mehrstimmige „Emitte spiritum“ des Kirchenchors eingeleitet. Geistl. Rat Stadtpfarrer Zuber, Radolfzell, sprach markante Predigtworte. Dann erfolgte die Weihe der Glocken, die Heute morgen um 4 Uhr sind vier Omnibusse mit der Boxstaffel des KSV „Rheinstrom' und zahlreichen Schlachtenbummlern zu einer sechstägigen Italien-Fahrt gestartet. Die Konstanzer Boxer kommen einer Rüdekampfverpflichtung in Mailand nach und treten außerdem gegen Como und gegen eine ligurisdie Auswahl in Genua an. Abgesehen davon, daß diese Fahrt für die „Rheinstrom'-Boxer ein wohl einmaliges Erleb- nis werden wird, kommt dieser Expedition auch j eine sportliche und ideelle Bedeutung zu, denn der „Rheinstrom" ist der erste deutsche Amateurboxclub, der nach dem Krieg in Italien boxt. Das bedeutet eine Verpflichtung für Boxer, Funktionäre und .Schlachtenbummler". Ob sich die sportlichen Beziehungen zwischen italienischen und deutschen Boxclubs (und ganz besonders dem .Rheinstrom“) künftig noch enger gestalten und vertiefen werden, hängt nicht nur von den Leistungen im Ring ab. Entscheidend ist die persönliche Haltung, die Kameradschaft und Verständigungsbereitschaft. Die Konstanzer Boxer erwartet im sonnigen Süden keine leichte Aufgabe. Zwar haben die Mailänder, wie erinnerlich, im April d. J. beim „Rheinstrom" 5:15 verloren, aber ’kie haben gezeigt, daß sie boxen können. Naturgemäß wird die stimmgewaltige Unterstützung ihrer Dekanatsverweser Geistl. Rat Sälinger, Markelfingen, unter Assistenz von Dompräpendar Striebel, Freiburg, und Vikar Schilling, Konstanz, vornahm. Stadtpfarrer Schmidt, Konstanz-Wollmatingen, erklärte jeweils die einzelnen Abschnitte der Weihehandlung. Bei der anschließenden Segensandacht erklang u. a. der Chor „Die Himmel rühmen“ von Beethoven, von Kirchenchor und Musikkapelle gemeinsam vorgetragen. Nachher erfolgte der übliche Brauch des Glockenschlagens. Allgemeine Bewunderung fanden die neuen Glocken, besondere Anerkennung fand ihre Tonreinheit. Schon über zehn Jahre war die Pfarrei Dettingen nur noch im Besitz der kleinsten Glocke. Die Namen der neuen Glocken lauten: Christkönig6-, Marien-, Verena- und Michaelsglocke. Zum Ausklang des Tages fand in der „Traube“ eine Feier für die gesamte Pfarrei statt. Musikkapelle, Kirchenchor und Gesangverein verschönten den Abend. Namens des Stiftungsrates begrüßte Architekt und Gemeinderat Ferdinand Kaibach die zahlreich Erschienenen von hier und auswärts und dankte besonders dem Ortsgeistlichen, Karrer Zeller, für seine viele Mühe und Arbeit. Ergreifend und wirkungsvoll gestaltete die Jugend „Das Lied von der Glocke“ von Friedrich Schiller. Bürgermeister Aßfahl fand ebenfalls herzliche Begrüßungsworte und dankte allen, die diesen Tag ermöglichten. Unser verdienter Pfarrherr sprach zuerst dem Bürgermeister, Gemeinde- und Stiftu.r#sarat, allen Spendern, dem Kirchenchor, Musikkapelle, Gesangverein, Feuerwehr und ganz besonders dem unermüdlichen Chorleiter Hauptlehrer Brodmann für seine viele Profoenarfoeit, sowie seinem 13 Jahre alten Sohn Winfried als feinfühlendem Orgelbegleiter den Dank aus. Musikdirigent Ignaz Schulter wurde ebenfalls Dank und Anerkennung abgestattet. Der Dank des Pfarrherrn galt auch allen an der Ausschmückung und feierlichen Gestaltung des Gotteshauses Beteiligten. * Allensbach. Im Rahmen der katholischen Aktion läuft heute abend im „Löwen“- Saal der Film „Loueiana-Legende“. Landsleute die Leistungen der ohnehin sensiblen Italiener zu Hause noch erheblidi steigern. Außerdem muß sich der „Rheinstrom 1 ' auf einen erheblich verstärkten Gegner gefaßt machen. Man hörte sogar etwas von Europameistern, Olympiasiegern und anderen Titelträgern. Aber wie dem auch sei, die Konstanzer Boxer werden ihren Mann stehen und ihr Bestes geben. Sie dürfen eines besonderen Empfangs gewiß sein, wenn sie heute abend in Mailand eintreffen. Die Italiener wollen sich für die in Konstanz genossene Gastfreundschaft revanchieren und ihren Konstanzer Kameraden den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich machen. Abnahme des Bundessportabzeichen» Am Samstag, 18. Oktober, 16 Uhr, findet auf der Jahnwiese und am Sonntag, 19. Oktober, 10 Uhr, im Bodensee-Stadion in diesem Jahre die letzte Abnahme der leichtathletischen Uebungen für das Bundessportabzeichen statt. Bewerber, welche noch nicht alle Uebungen abgelegt bzw. erfüllt haben, können diese Uebungen bis zum Zeitpunkt, zu dem sie die erste Bedingung erfüllt haben, im kommenden Frühjahr nachholen. Nach diesem Zeitpunkt müßten bereits abgelegte Uebungen von neuem erfüllt werden. &ur$e Stabtnochrtdjten Italien-Fahrt des KSV „Rheinstrom“ Als erster deutscher Boxclub nach dem Krieg in Mailand, Como und Genua Moöentee im Europabaus Eine schon traditionelle Veranstaltung des Lyceumclub» Der Modentee, den der Lyceumclub zu Beginn jeder Wintersaison im Europahaus veranstaltet, gehört schon zu den traditionellen Modenschauen unserer Stadt Keine Veranstaltung des Clubs ist von Mitgliedern und Nichtmitgliedern gleich stark besucht Ursache: die besondere, intime Note dieses Modentees. Die Tische werden von den Mitgliedern selbst festlich gedeckt. Sogar die Bilder an den Wänden sind — diesmal waren es sehr gefällige Ölbilder und Aquarelle der hiesigen Malerin Alma Linder — „selbst gestellt“. Außerdem sind die Mannequins in der Mehrzahl Clubmitglieder, die noch ihre zusätzlichen Erläuterungen zu den von ihnen getragenen Erzeugnissen der Mode geben. Diesmal waren folgende Firmen dabei: wie immer das Damenkonfektionshaus Schumann- Kitsche und das Haus für Kinderbekleidung Fritz Schnell; Breisach und Reinhart Blusen und Röcke; Sigrid Rosenthal; Pelzhaus Martin; Hutsalon Eugen Rode und Juwelier J. N. Müller. Schumann-Ritsche zeigte wieder eine sehr große Auswahl aus seiner Herbst- und Winterkollektion. Die Mäntel waren der uns nun schon vertrauten Moderichtung gemäß überwiegend Hänger. Einige leicht taillierte, sehr elegante schwarze Mäntel wurden ferner vorgeführt. Die Hänger zeigten vielfach die beliebten, tief eingesetzten Keulenärmel, hoch- stellbare Kragen. Mehrfach waren sie aus den modischen, zweifarbig gemusterten Wollstoffen, z. B. in Schwarz-Gelb, Schwarz-Grün. Typisch diesmal für die Mäntel das oft farbig kontrastierende Futter. Die Kleider unter dem Mantel: sehr viel Wolljersey, überwiegend mit angeschnittenen Dreiviertelärmeln, vielfach quergestreift gemustert. Auch an Wollkleidern Querstreifen aus Metallfäden. Sie geben dem Kleide die elegantere Note, die sonst auch durch den sehr dekorativen, von der Mode diesmal sehr bevorzugten Strasschmuck (Juwelier J. N. Müller) erreicht wird. Keine Kollektion, die heute nicht auch für elegantere Zwecke Bluse und Rock brächte. Schumann-Ritsche zeigte zu einigen jugendlichen Blüschen Röcke aus Ottomane, aus Samt, und natürlich auch die beliebten jugendlichen, gesteppten Mehrbahnenröcke. Die eigentlichen Cocktailkleider, einteilig oder als „Deuxpieces“, hatten mehrfach die modisch kleinen, oft kelchartig angeschnittenen Kragen; ferner den kleinen angeschnittenen Arm. Die Rocklinie sowohl schwingend wie schmal. Schumann-Ritsche brachte diese eleganteren Kleider z. T. aus schwerem Brokat-Material, sehr kostbar ein Pariser Cocktailkleid aus silbergrauem Brokat. Sonst war das Material Samt, Ottomane, Moiree und modegemäß viel Taft, uni, kariert, gestieift (Kupferstreifen!). Zu den großen schulterfreien Abendkleidern brachte Schumann-Ritsche diesmal durchweg kleine Jäckchen oder — sehr modisch — auch Stolas. Die Kollektion von Fritz Schnell enthielt alle Arten von Kinderkleidung. Viele Kinder- Mäntel; auch hier tragen die Größeren bereits Hänger wie die Frau Mama. Für die Kleineren hat man meist gegürtelte Mäntelchen. Bunte Teddy-Mäntel für jedes Kinderalter. Viele bunte Strickkleidchen. Skianzüge fast so modisch wie für die Großen, mehrfach aus unifarbenem Popeline mit Flanellfutter oder auch gern mit Teddy gefüttert — Die junge Firma Breisach und Reinhart liegt insofern modisch besonders richtig, als ja Bluse und Rock, auf deren Herstellung sie sich spezialisiert hat, zur Zeit wieder groß im Kommen sind. Breisach und Reinhart brachten diesmal noch elegantere Blusen, teils für den Nachmittag, teils für den Abend. Für den Nachmittag in erster Linie weiße Blusen aus' knitterfreiem Ggorgette, betont modisch im Schnitt der Aermel und der Kragen. Als Verzierung Schleifen und Krawatten aus dem Material, viel Applikationen aus Schweizer Spitze. Zum Abend weiße Taft-Moiree-Blusen, als Garnierung Pailletten- und Perlen-Orna- mente. Für „Cocktail-Zwecke“ einige elegante Deuxpieces in Anthrazit-Farbe (aus Ottomane mit Silber gespritzt) und aus Schwarz (Faille). Die Damenschneidermeisterin Sigrid Rosenthal führte nur wenige, aber um so sorgfältiger gefertigte, betont modegerechte Stücke vor: zwei Kombinationen beispielsweise zu einem schwarzen Rock mit sehr aparter rückwärtiger Falten-Aufteilung und seitlicher Hüftbetonung. Ein Oberteil dazu war eine lange Jumperbluse in typischer „Dior-Linie“ mit Stehbündchen und tief angeschnittenen langen Ärmeln. Auch ein schwarzes Cocktailkleid zeigte das Stehkrägelchen, die tief eingesetzte Taille, die betonte Hüfte, Halbraglanärmel und den konisch fallenden Rock. — Das Pelzhaus Martin brachte wie in jedem Jahr einige Stücke aus seiner eigenen Werkstatt: Stolas, die die Mode diesmal besonders bevorzugt, aus Silber- und Blaufuchs. Jacken und vor allem Hänger aus verschiedenen wertvollen Pelzarten, darunter Mäntel aus Grießfuchs, indisch Lamm, afrikanisch Kid und zwei klassische Persianerhänger. Die Hüte, die Eugen Rock zeigte, waren auch überwiegend in eigener Werkstatt angefertigt. Das Material: Velours, „Melusine“, Samt, Federn, Leder. Die Formen: Kappen, Toques, Turbane. Abendhütchen und abendliche Samtkäppchen mit Goldschleier garniert, auch mit Metallschmuck. Federn am Tagesund Nachmittagshut. — Die Frisuren, die unter den kleinen Hutgebilden sichtbar wurden, kurz geschnittene Tagesfrisuren meist, waren das Werk Konstanzer „Friseur-Kunst“. Dr. EH. „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ Der Leiter der Kepler-Sternwarte in Wildbach, Dr. Paul Roßnagel, ein Nachkomme des berühmten Astronomen Johannes Kepler, sprach im Bürgersaal in einem Gemeindeabend der evangelischen Kirche über das Thema „Ein Gang durch die Wunderwelt der Sterne“. Er ging davon aus, daß die Menscher sich mit den Sternen bereits sehr früh beschäftigt, und geglaubt haben, daß zwischen der Konstellation der Sterne und dem Schicksal der Menschen enge Verbindungen bestünden. Dieser Stemenglaube habe in der Geschichte der Menschheit eine große Rolle gespielt, aber er habe niemals den christlichen Glauben verdrängen oder ersetzen können. Je tiefer der Astronom in das Weltall vordringe, um so mehr müsse er erkennen, wie groß die Ohnmacht der Menschen sei, denn die göttlichen Ordnungen würden von einer Allmacht bestimmt, die über den Sternen wohne. So lehne heute der gläubige Mensch zwar die Pseudowissenschaften der Magie und der Astrologie grundsätzlich ab. Andererseits brauchte er sich nicht den Erkenntnissen der astronomischen Wissenschaft u. der wissenschaftlich bewiesenen Beziehungen zwischen Weltall und Mensch zu verschließen. Das Wissen über den Sternenhimmel sei nicht zu einem Beweis gegen Gott, sondern zum Ruhme göttlicher All. macht geworden. Die lebendige Darstellung des Redners über das Wesen und die Eigenart dar Gestirne, sowie über deren Beziehungen zu Mensch und Erde, wurden von den zahlreichen Besuchern mit reichem Beifall aufgenommen. Dr. W. E. Kirchenmusik in Wollmatingen Eine ansehnliche Anzahl andächtig lauschender Besucher füllte am vergangenen Sonntagabend die evangelische Christuskirche, um der stilistisch einheitlichen Vortragsfolge mit Kirchenmusik des Lübecker Orgelmeisters D. Buxtehude zu folgen. Martin Schneider spielte mit großer Einfühlungsgabe Orgelwerke desselben Meisters. In der Solokantate „Herr auf dich baue ich“ vereinigten sich Ursula Buckel (Sopran), Gerda Finkenbein« und Ilse Muffler (Violine) zum gekonnten musizierfreudigem Zusammenspiel. Das Krebsproblem Als verheißungsvoller Auftakt für die Herbst- und Wintertätigkeit des Arbeiterbildungsvereins durfte der Vortrag angesehen werden, den Frauenarzt Dr. W. Jauch über das Krebsproblem hielt. Daß einem derartigen Vortrag auch von Laien Interesse entgegengebracht wird, bewies die große Zahl der Zuhörer, die sich eingefunden hatte. Mit einem Rückblick auf die Geschichte des Krebses erläuterte der Redner, daß es sich nicht um eine Krankheit der Neuzeit handelt, sondern daß es Krebs gibt, seit die Menschheit besteht. Wenn der Krebs aber besonders in den letzten Jahrzehnten stark in Erscheinung getreten sei, dann habe dies seine Ursache darin, daß sich die Krebshäufigkeit mit zunehmendem Alter steigere und daß sich andererseits gerade in den letzten 100 Jahren das durchschnittliche Lebensalter wesentlich erhöht habe. Anhand von Statistiken konnte der Redner zeigen, daß der Hauptanteil der Krankheit auf die Menschen über 60 Jahre entfällt. In allgemein verständlicher Weise erklärte Dr. Jauch das Wesen und die Ursache des Krebses soweit die letztere bis jetzt bekannt ist, sowie die Methoden, die zur Erkennung und Bekämpfung angewandt werden. Durch zahlreiche Lichtbilder ergänzte er seine Ausführungen anschaulich. Erzeigte dabei auch Aufnahmen der modernsten Apparate, wie sie für die Krebsforschung heute Verwendung finden. Erfreulich war es dabei zu hören, daß diese Forschungen insoweit erfolgreich waren, als die Zahl der absoluten Krebsheilungen z. B. in der Frauenheilkunde seit dem Jahre 1925 von 18,5*/« auf 50,5V* im Jahre 1950 gestiegen ist. Dies ist immerhin ein Beweis dafür, daß sich die Schulmedizin trotz mancher gegenteiliger Behauptungen auf dem richtigen Weg befindet in der Bekämpfung dieser Krankheit. Abschließend kritisierte Dr. Jauch scharf die Art, wie in der illustrierten Presse über derartige Krankheiten oft geschrieben und dem Leser ein falsches oder zerzerrtes Bild gezeigt wird. Der interessante Vortrag fand bei den Anwesenden dankbare Anerkennung. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde u. a. auch das kommende Programm besprochen und dabei mitgeteilt, daß die auf den 25. 10. 1952 vorgesehene Veranstaltung nicht stattfinden kann. K. F. Dte neuen Filme Im Roxy läuft ab morgen der nach einer Novelle von Maupassant gedrehte Film „Die Perlenkette“. In den Hauptrollen: Winnie Markus, Richard Häußler, Olga Tschechows. — Das Gloria zeigt das musikalische Lustspiel „Saison in Salzburg“ mit Hannerl Matz, Gretl Schörg und Adrian Hoven. — In der Scala läuft „Die Mutter der Kompanie“. Die Hauptrolle spielt der bekannte Münchener Humorist Weiß Ferdl. — Im Capitol ist der amerikanische Film „Viva Zapata!“ zu sehen. — Sondervorstellungen: Roxy „Späte Sühne“, Capitol „Der Räuber von Old Mexiko“. Gloria „Badende Venus“. Erhallen Sie immer OS RAM-Lampen, wenn Sie OSRAM verlangen? Daran! müßten Sie achten, der Qualität wegen. r OSRAM T *1 11 » f !| t |IMMSZkitefWM|IMgiO|NN||p^mvapeg«MU9mtaiglllf|P|j||p|jNlpp4|M! Donnerstag, 16. Oktober 1952 SÜDKURIEH Nr. 164 / Seite 7 Der Forfchung eine neue Heimftätte Fortschritte beim Wiederaufbau des Freiburger Institutviertels Freibnrg (A.-Eigenbericht). Vor ■wenigen Tagen wurde der Neubau de« chemischen Institut* der Universität Freiburg eröffnet. Damit ist der Aufbau de« »Freiburger Institutsviertels" um einen weiteren, beachtlichen Schritt vorangekommen. Vor nahezu hundert Jahren, als die Naturwissenschaften begannen, im Reigen der wissenschaftlichen Disziplinen mehr und mehr eine führende Rolle zu spielen, mußte sich auch die Freiburger Universität in der Nordstadt nach Baugelände für die Errichtung der naturwissenschaftlichen Institute Umsehen. Die meisten der damals im Viereck zwischen Stefan-Meier-, Johanniter-, Sautier- und Albertstraße erbauten Institutsgebäude sind beim Luftangriff im November 1944 vernichtet worden. Kaum 20 Prozent der Gebäude blieben — mit erheblichen Beschädigungen — eihalten. Sofort nach Kriegsende arbeitete der jetzige Regierungsbaudirektor Linde einen neuen Plan für die künftige Gestaltung des Institutsviertels aus, der den neuzeitlichen Anforderungen des akademischen Lehrbetriebs und der wissenschaftlichen Forschung ebenso Rechnung trägt wie dem allgemeinen Wunsch nach einem geschlossenen, verkehrsmäßig günstig gelegenen und dennoch vom Verkehr nicht gestörten Institutsviertel. Der Wiederaufbauplan fand die Billigung des Staates und der Stadt. Das Institutsviertel soll bis zur 500-Jahr- feier der Freiburger Universität im Jahre 1957 fertiggestellt sein. Dann wird die Freiburger Alma Mater über vier große Zentren verfügen: das neue Kollegiengebäude mit den Hörsälen und Se- minarien für die Geisteswissenschaften, das Institutsviertel in der Nordstadt, wo sieh beinahe alle naturwissenschaftlichen Institut« befinden, das große Klinikviertel und der Botanische Garten. Um das Institutsgelände zu einem geschlossenen »akademischen Viertel“ ohne Durchgangsverkehr machen zu können, war neben einem Geländetausch mit der Justizverwaltung auch die von der Stadtverwaltung inzwischen erklärte Bereitschaft erforderlich, Hebel- und Katharinenstraße später für den Verkehr zu sperren. Beide Straßen werden künftig als einfache Wege zwischen den modernen Institutsgebäuden hindurchziehen, die sich harmonisch in eine Garten- und Griinlandschaft ein- Vcranftaltungcn am ßoöenfee Konstanz. Stadttheater: Donnerstag, 16. Oktober, Proszenium-Aufführung „Der Tausch“ von Paul Claudel — 18. Oktober „Ein Engel namens Schmitt“ — 19. Oktober „Ein Engel namens Schmitt“. Singen. 18. Okt., Vortrag in der Aula des Gymnasiums (Dr. med. Frh. v. Ga- gem-München) „Die Lebenskrisen, ihre Erkennung und Ueberwindung“. — 19. Okt. Wohltätigkeitskonaert des Männergesangvereins in der Herz-Jesu-Kirche.— 22. Okt Vortragsabend mit dem dänischen Jagd- und Tierschriftsteller Svend Fleu- ron. Überlingen. 19. Okt. Museumssaal: Vortrag von Dr. med. Frh. v. Gagem- München „Die Lebenskrise und ihre Ueberwindung“. Friedrichshafen. 18. Okt. 20 Uhr (Tum- u. Festhalle) 1. Abonnementskonzert mit dem Schwab. Symphonie-Orchester Reutlingen. Lindau. 18. Okt. Stadttheater „Wallensteins Lager“, „Die Piccolomini“. Sonntag, 19. Okt. „Wallensteins Tod“, Gastspiele aus Tübingen. — 18. Okt ,/Stift“ Sitzung der Bundestage- und Landtagstfraktion der Bayernpartei, Versammlungen mit Dr. Baumgartner und Dr. Fischbacher (Vizepräsident des bayerischen Landtags). L1 n d e n b e r g. 17. Okt. Löwensaal. Vortrag Dr. J. Höffner, Münster, „Was will die christliche Soziallehre?“ — 18. Okt, 16 Uhr Waldseehaus Tagung des Bundes Katholischer Unternehmer, Gruppe Bodensee. gliedern werden. Gerade durch den park ähnlichen Charakter des gesamten Viertels werden die Studenten Gelegenheit haben, auf die gespannte Atmosphäre einer Vorlesung oder mehrstündiger Laborarbeit die wohltuende Entspannung bei einem Spaziergang in den ausgedehnten Grünanlagen folgen zu lassen. Das Innere des Viertels wird von Fahrzeugen aller Art freigehalten, ausreichende Parkplätze werden entlang der äußeren Straßen angelegt. Die neuen Institutsbauten, die hier zur Zeit emporwaebsen, sind reine Zweckbauten, die in ihren Formen beinahe modernen Fabrikbetrieben gleichen. Die meisten Neubauten sind im Stahlbetonskelettbau emporgeführt und so eingerichtet, daß sie jederzeit nach der Höhe und nach der Seite hin erweitert werden können. Diese Bauweise, die sich rein äußerlich gesehen durch große, lichte Fensterflächen auszeichnet, hat noch den anderen Vorzug, daß die Raumgrößen im Innern ohne Schwierigkeiten jederzeit geändert werden können. Das neueröffnete Chemische Institut ist ein Musterbeispiel dieser Art. Das Institutsviertel wird nach seiner Vollendung insgesamt zwölf Institutsbauten umfassen. Davon sind bereits fertiggestellt das Zoologische Institut, ferner das Pathologische Institut und der moderne Hörsaal des Physikalischen Instituts, der gleichzeitig auch als Kongreßsaal benützt werden kann. In den soeben fertiggestellten Bau des Geologischmathematischen Instituts ziehen in diesen Tagen da* Geologische und Mineralogische, das Geographische und das Mathematische Institut ein. Das Chemische Institut (erster Bauabschnitt) Ist vor wenigen Tagen eröffnet worden, das Pharmazeutische Institut ist im Bau, ebenfalls das Radiologische, in dem dann auch das Elektronenmikroskop aufgestellt werden soll, das die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft einer Gemeinschaft von Freiburger Forschern gestiftet hat. Im Bau befindet sich ferner der dreigeschossige Forschungsflügel des Anatomischen Instituts. Im kommenden Winter wird noch mit dem Bau des Physiologisch-chemischen Instituts begonnen werden, so daß dann nur noch der Bau von vier Hörsälen und einiger kleinerer Bauten, wie Erfrischungsraum, Anbauten usw. aussteht. Die gewaltigen Fortschritte beim Aufbau des modernen Freiburger Institutsviertels, das zur Zeit immer häufiger den Besuch interessierter Ausländer bekommt, wären undenkbar ohne die von der ehemaligen badischen Landesregierung bereitgestellten erheblichen finanziellen Mittel. In der Tat hat der badische Staat für die Universität Freiburg eine großartige Leistung des Wiederaufbaus vollbracht, die jetzt vom neuen Bundesland fortgeführt wird. Süddeutsche Umschau Sammlung für die Kriegsgräberfürsorge Stuttgart. Die Bezirksverbände Nordwürttemberg, Südwürttemberg und Südbaden im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge werden auch in diesem Herbst eine Haus- und Straßensammlung vornehmen. In Nordwürttemberg wird in der Zeit vom 1. bis zum 9. November, in Südwürttemberg und Südbaden vom 15. bis zum 21. November gesammelt. Die Landräte und die Bürgermeister zahlreicher Städte und Gemeinden haben die Schirmherrschaft über die Sammlung übernommen. Unter dem Gartenhaus begraben Reutlingen. Beim Abtransport eines 30 Zentner schweren Gartenhauses, das nicht zerlegt werden konnte, kam dieser Tage der Oberwerkmeister i. R. Fuchs aus Reutlingen ums Leben. Trotz der Warnung von zwei Arbeitskollegen versuchte er, das kippende Häuschen, einen ehemaligen Eisenbahnwagen, mit seinem Rücken abzustützen, konnte aber dem gewaltigen Gewicht nicht standhalten und wurde zu Tode gedrückt. US-Präsldentenwahl in Göppingen Göppingen. Die amerikanische Staatsbürgerin Susan Simrall hat am Dienstag im Rathaus der nordwürttembergisdien Stadt Göppingen ihren Stimmzettel für die amerikanische Präsidentenwahl am 4. November abgegeben. Er hatte eine Fran niedergeschlagen Ulm. Wegen zweier versuchter Verbrechen des schweren Diebstahls und Raubes verurteilte das Schöffengericht in Ulm einen vorbestraften Hilfsarbeiter aus Ludwigsburg zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte im Sommer auf einer Straße der Ulmer Altstadt eine Frau niedergeschlagen und versucht, ihr die Aktentasche zu entreißen. Hieran war er jedoch von herbeikommenden Passanten gehindert worden. Die Polizei hatte ihn bald darauf festgenommen. Samstag: lOoehaH-dluHclßuHkprogramm Uebermorgen, Samstag, ist es soweit: Das neue Rundfunk-Wochenprogramm des Südkurier, schon seit längerer Zeit geplant und vorbereitet, kann zum ersten Male erscheinen. Das neue große Rundfunkprogramm des Südkurier wird von November an immer ln der dann erscheinenden neuen Montagsausgabe des Südkurier stehen. Wir bringen es bis dahin schon am Samstag, damit unsere Leser es bereits jetzt kennen lernen. Das neue Rundfumkprogramm bringt über ein Dutzend Sender. Es hat den Umfang einer ganzen Südkurier-Seite. In besonders übersichtlicher Form verbindet es bewährte Gesichtspunkte mit neuen Vorzügen. Es bringt nicht nur wie das bisherige Rundfunkprogramm die Sendungen des Südwestfunks, von Stuttgart, Beromünster und Vorarlberg. Darüber hinaus werden jetzt auch die Sender München sowie alle wichtigeren Sendungen von Frankfurt, Nordwestdeutschen Rundfunk und Rias angekündigt Eternit enthält unser neues Programm sämtliche mit Empfängern der Mittelklasse bei uns erreichbaren westdeutschen Sender. Als besonders wichtige Neuerung sind auch die UKW- Programme des Südwestfunks und von München mit aufgenommen und außerdem noch das zweite Programm von Stuttgart, das sowohl auf Mittelwelle wie auf Ultrakurzwelle gehört werden kann. Außer den Darbietungen der genannten Sender zeigt das neue große Rundfunk- programm des Südkurier in einer besonderen Abteilung für jeden Tag die schönsten und bemerkenswertesten Sendungen von weiterher, aus dem Ausland, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Verbreitungsgebiet des Südkurier gut empfangen werden können. In umfangreichen Erhebungen und eingehenden eigenen Versuchen ist der Äther nach allen Richtungen „durchgekämmt“ worden, und wir glauben, jetzt ein Programm vorlegen zu können, das genau auf die Leser unserer Heimatzeitung abgestimmt ist und auch verwöhnte Ansprüche weitestgehend befriedigen wird. Und das alles übersichtlich und handlich auf einer Seite zusammengefaßt! Das neue Wochenprogramm des Südkurier reicht jeweils von Montag bis Sonntag. Jeder Rundfunk-Liebhaber kann sich also schon acht Tage vorher wichtige Sendezeiten aus dem besonders ausführlichen Sonntagsprogramm freihalten. Und nun wünschen wir allen unseren Lesern recht guten Empfang mit dem neuen großen Rundfunkprogramm des Südkurier. Blick über die Grenzen Mißerfolg der Rheinau-Gegner in St. Gallen St. Gallen. Das Überparteiliche Komitee zum Schutze der Stromlandschaft Rheinau-Rheinfall mit Sitz in Winterthur und Schaffhausen hatte Gesinnungsfreunde sowie einen weiteren Interessentenkreis zu einer Versammlung nach St. Gallen eingeladen, deren ausdrücklicher Zweck es war, ein sanktgallisches Initiativkomitee gegen das Kraftwerk Rheinau und damit gegen die Hodirheinschiffahrt zu gründen. Ein Wintertirarer Kantonsrat suchte in anderthalbstündiger Rede Argumente gegen das Kraftwerk beizubringen, und auch andere Redner konnten ihren Standpunkt offen vertreten. Die Absicht, ein Komitee zu bilden, wurde aber nicht erreicht: eine entsprechende Liste erhielt keine einzige Unterschrift. Vielmehr nahm die von den Kraftwerkgegnern einberufene Versammlung mit großer Mehrheit eine Resolution an, worin die Mehrzahl der Anwesenden dem Bau des Kraftwerkes Rheinau zustimmte, weil die vitalen Interessen der Ostschweiz das Einstehen für die Hochrheinschiffahrt und das Kraftwerk Rheinau erforderten. Ein Presse-Foyer ln Zürich Zürich. Im ehrwürdigen Hause »Zum Schwanen" an der Münstergasse, der langjährigen Wohn- und Arbeitsstätte des im 18. Jahrhundert hochberühmten Dichters und Zeichners Sa- lomon Geßner, ist jetzt vom Stadtpräsidenten den in- und ausländischen Journalisten ein anheimelnder Treffpunkt und eine ruhige Arbeitsstätte eingeräumt worden. Im oberen Teil des Hauses befindet sich auch das Internationale Presse-Institut. Strafentlassung eines früheren Pfarrers Bern. Der 1886 geborene ehemalige Pfarrer Wirth, der in einem Landesverratsprozeß 1947 zu 10 Jahren Zuchthaus unter Anrechnung von 689 Tagen Untersuchungshaft verurteilt worden war, ist jüngst vom Justiz- und Polizeidepartement aus der Strafe, diie er zu zwei Dritteln verbüßt hat, unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren entlassen worden. Der Pfarrer hatte seinerzeit gebilligt, daß die Schweiz durch wirtschaftlichen Druck und nötigenfalls durch Einsatz der SS ln einen nationalsozialistischen Staat mngewandelt und in das Hitler-Reich eingegliedert werden solle. Als Leiter des »Oberdeutschen Arbeitsbüros' hat er sich des politischen Nachrichtendienstes schuldig gemacht. Wirth, so wird erklärt, sehe heute seine Schuld ein und bedauere das Verwerfliche seiner Handlungsweise. Trotzdem fragt ein angesehenes Schweizer Blatt, ob in diesem Falle mit der Milde nicht zu weiit gegangen worden sei. Schließlich habe Wirth Listen von reichsfreundlichen und reichsfeindKchen Schweizern aufgestellt und dem SD Stuttgart, teilweise auch der Gestapo, übermittelt: er sei also bereit gewesen, Landsleute kaltblütig ans Messer zu liefern. Feuer in einem Skizentrum Neuchätel (Neuenburg). Ein Brand, dessen Ursachen noch nicht einwandfrei abgeklärt sind, den man aber auf Unvorsichtigkeit eines Rauchers zurückführt, brach am Montagmorgen auf der Töte de Rang nordwestlich von Neuenburg aus. Durch das Feuer wurden zwei Säle des Hotelgebäudes zerstört und der Westflügel ziemlich schwer beschädigt. Dank dem sofortigen Eingreifen der Feuerwehr von La Chaux-de-Fonds konnte der Brand ziemlich rasch gelöscht werden^ doch ist der Schaden bedeutend. Die Töte de Rang ist Skizentrum (1425 m) im Neuenburger Jura mit prächtiger Aussicht über den Neuenburger See und die Alpen vom Säntis bis zum Montblanc. Das Laboratorium für Atomforsdiung Genf. Die Anlagen des, wie gemeldet, füi Genf geplanten europäischen Laboratoriums für Atomforschung werden einen Raum von etwa einem Quadratkilometer umfassen. Die Gesamtkosten für die Errichtung des Laboratoriums sind auf rund 100 Mill. Schweizerfranken veranschlagt worden. Man muß mit einer Bauzeit von 5 bis 6 Jahren rechnen. Hü*id$ü*tk Südwesttunk (SWF); Stuttgart (STG) Beromünster IBER); Vorarlberg (VOR) DONNERSTAG, 16. Oktober: SWF: 6.45 Uhr Marktberichte; 13.15 Musik nach Tisch; 14.30 Kinderliedersingen; 15.00 Welt und Wissen: 16.00 Musik am Nachmittag: 16.30 Orient in Europa; 17.15 Rechtsspiegel; 17.40 Badische Chronik (Freiburg); 18.20 Jugend spricht zu Jugend: 20.00 Konzert, 21.00 Hörfolge um Dostojewski; 22.30 Heitere Sendung: Rebellion im Lexikon; 23.00 Paul Alverdes: Mundraub. — * STG: 5.20 Marktrundschau; 6.40 Lauinger Liebestragödie; 11.20 Musik von Händel; 12.00 Volksmusik; 15.00 Schulfunk: u. a. Hausspinne und Wolfsspinne, 16.00 Konzertstunde: Chopin und Janacek; 16.45 Hörfolge; Kleines Dorf im Schuttertal; 17.10 Unterhaltungsmusik; 18.00 Klänge aus London; 18.30 Sport gestern und heute; 19.00 Musik am Abend, dazwischen; Galanterie u. Gleichberechtigung; 20.50 Neue Unterhaltungsmusik; 22.40 Peter de Mendelssohn: Der englische Volkscharakter; 23.00 Oper von Purcell: Die Elfenkönigin. — * BER: 6.25 Geistliches Frühkonzert; 7.15 Leichte Musik; 11.00 Basler Kammerorchester; 12.00 Berühmte Stimmen; 12.15 Ein Jazzgitarrist spielt; 13.15 Aus Mozarts .Zauberflöte“; 17.30 Basler und Zürcher Eigenart: 18.15 Der Doktor David verzellt; 18.30 Unterhaltungskonzert; 20.00 Ein Spiel von Zwietracht und Versöhnung; 21.00 Nicht ganz ernst zu nehmen: Der verrückte Bunker; 22.20 Konzert des Studio-Orchesters. — * VOR: 7.15 Musik am Morgen; 8.20 Hausfrauenstunde mit Musik; 16.03 Jugendfunkmagazin; 16.15 Das wandernde Mikrophon; 16.30 Aus französischen Opern; 17.00 Bastelecke, 17.10 Nadunittagskonzert aus Wien: 18.00 Fragmente von Werfel; 19.15 Tiroler Blaskapellen; 20.15 Komische Oper nach Motiven von Strauß; Geschichten aus Alt-Wien; 21.30 Flötenkonzert von Vivaldi; 22.30 Weltweite in dei Dichtung; L. Brom- field. FREITAG, 17. Oktober; SWF: 6.45 Marktberichte; 11.30 Für den Heimatfreund (Freiburg); 12.15 Unterhaltungsmusik; 13.30 Musik nach Tisch; 15.15 Nachmittagskonzert; 16.45 Gefährliche Utopien; 17.00 Sang und Klang um den goldenen Wein, 19.30 Chorgesang; 20.00 Tonfilmmelodien; 20.45 Seelische Hilfen in der Alterskrise, 21.00 Klaviersonate von Chopin, Quartett von Dvorak, 22.30 Zärtliche Weisen, 23.00 Die Tugend der Geduld. — * STG: 5.20 Marktrundschau; 6.40 Bei einem Glasmaler; 12.00 Musik am Mittag, 15.30 Kinderfunk: Singt mit); 16.00 Nachmittagskonzert; 18.00 Leichte Unterhaltungsmusik; 18.35 Frauenfunk: fm Schatten der Angst; 19.10 Rechtsspiegel; 20.05 Ballettsuite von Gluck: Don Juan; 20.45 Englische Dokumentarfilmschule; 21.00 Hörfolge um Shakespeare; 22.20 Unterhaltung und Tanz; 23.15 Jazz — *BER: 6.25 Muntere Morgenmusik; 11.30 Konzert des Studio-Orchesters; 12.40 Sport und Musik; 13.25 Heitere Schallplatten; 14.00 Halbe Stunde der Frau; 16.00 Wunschkonzert; 18.00 Aus Hum- perdincks »Hänsel und Gretel“; 18.10 Au* Kalman-Operetten; 19.10 Weltchronik; 20.00 Volkstümlicher Abend; 22.20 Die neue Weltschau. — * VOR: 7.15 Musik am Morgen; 8.20 Hausfrauenstunde mit Musik, 12.00 Mittagskonzert au» Wien; 13.00 Wunschkonzert, 16.00 Für die Jugend; 16.20 Konzertstuttde aus Wien; 17.10 Nachmittagskonzert; 18.00 Romanlesung; Sommer im Dorf, 19.15 Diesel — Tragödie eines Erfinders; 19.45 Politische Wochenschau; 20.15 Abendkonzert; 22.20 Leise Klänge zum späten Abend; 23.00 Orchesterkonzert, u. a. 4. Symphonie von Mendelssohn. Wissen Sie schon das Neueste vom roten Taket l # Sie waschen noch leichter noch schonender schwan weiß „Fast sein ganzes Taschengeld hat mein Sohn Rolf seit Jahren ausgegeben, um von seinen Hautunreinheiten, besonders Mitessern, befreit zu werden. Alle Versuche schlugen fehl. Da las er ein Inserat über Aktiv-Puder. Ich war skeptisch, zumal der Preis so niedrig war. Doch schon nach 4 Tagen entdeckten wir die wunderbare Wirkung des Aktiv-Puders, und nach einer Woche war von den Pickeln nichts mehr zu sehen! Rolf hatte Aktiv-Puder auch »einen Freunden empfohlen: alle hatten gleich guten Erfolg damit!’ So schreibt Frau Hilda Jänicke, Berlin-Lichter, felde, Kastanienstr. S/4. Aktiv-Puder, Streudosen ab 75 Pfg. in allen Apotheken und Drogerien. Denken Sie auch an Klosterfrau Melissen, feist bei Beschwerden von Kopf, Herz, Magen, Nerven! SteHee«gebet« J Konditorlehrling, willig, mit gut. Begabung, für alsbald ln gute Konditorei nach Konstanz gea. 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Tatsächlich sind es nicht nur Tausende, sondern gerade 1,5 Millionen, die täglich die westdeutschen Filmtheater besuchen. Sie legten im letzten Jahre mehr als eine halbe Milliarde DM in die Kassen! Was aber geschah nun eigentlich mit dieser immensen Summe? Die ersten Teilhaber an der Kino-Mark waren — wie könnte es anders sein — die Länder und Gemeinden. Sie „zweigten“ den bescheidenen Betrag von 105 Millionen DM als Vergnügungssteuer von der halben Milliarde ab, — ein Betrag, von dem man etwa 130 neue Filme hätte produzieren können. Daß diese Vergnügungssteuer in ihrer heutigen Höhe der Filmwirtschaft ein Dom im Auge ist, bedarf keiner Erläuterung. Eine Reihe von Bundesländern gewährt jedoch dem von der Bundesprüfstelle mit dem Prädikat „Wertvoll“ ausgezeichneten Film einen Steuernachlaß. Dieser ist nur relativ gering und wird heute nur dem Kulturfilm gewährt. Dieser lebt von diesen Ermäßigungen. Bezeichnend ist vielleicht, daß gerade jene Städte, die am stärksten unter den Kriegseinwirkungen gelitten haben, dem Kulturfilm gegenüber am großzügigsten sind — und umgekehrt. Der Stadtstaat Hamburg und das Land Südbaden spielten im Bundesgebiet in der Förderung des wertvollen Films eine maßgebliche Rolle, allerdings unter der Einschränkung, daß einige „Kulturzentren“ Badens (Donaueschingen, Konstanz) die Ermäßigung so weit zurückschraubten, daß sie zur Geste wurde und praktisch bedeutungslos ist. Nachdem also 105 Millionen DM in den kommunalen Schatullen verschwanden, teilt sich den Rest der Kinobesitz, der Filmverleih, die Produktion und c}ie Wochenschau, die mit einem Anteil von 10 bis 12 Millionen nur über einen sehr bescheidenen Posten in diesem Zahlenreigen verfügt. Die Filmtheater mußten mit einem Anteil von 250 Millionen DM arbeiten, ein Betrag, der sich unter die 4000 westdeutschen Theater aufteilt, so daß CValt Qisuey, d Meter Rohfilm durch ihre Kopiermaschinen laufen lassen. Sie nahmen dafür etwa ihre 15 Millionen ein (ein Meter Schwarz-Weiß- Film = 0,35 DM, ein Meter Farbfilm = 1,86 DM). Allein 3°/o von unserer Kino- , Mark flössen also in die chemische Indu- strie ab. Letzte Teilhaber an unserer Kino-Mark _ - HEIDI, die Liebungsfigur aller Mädchen seit aber sind die Hersteller der Filme. Die • * * w-u 4 - Produzenten dürften im letzten Jahre Jahrze ^‘ e "’™ r ? *** “ emem zwischen 100 und 120 Millionen DM ein- . .1 . genommen haben. Hieran sind die auslän- ......■■■■•>■■■•■■■>■■*■« dischen Produktionen maßgeblich beteiligt, Steuer. Vor wenigen Wochen errechnete allerdings ließen sie auch für die Eindeut- ein bekannter Wirtschaftsprüfer der Film- schung und die Herstellung der Kopien industrie, daß der Staat an jedem Filmtitel manche Mark im Lande. Die deutschen gerade den Betrag durch die Umsatzsteuer Produzenten hingegen zahlten zunächst einnimmt, den die Herstellung des Films einmal bei ihren Banken ihre Schulden ab. gekostet hat!!! Da die Kreditgeber im letzten Jahre bis Wie man sieht: der Film ist für den zu 23 °/s Zinsen gefordert — und auch er- Staat kein übles Geschäftchen. Die Obrig- halten — hatten, mußten in einigen Fällen keit kann mit uns eifrigen Kinobesuchern 30 °/o des eingespielten Produktionsetats an (und Steuerzahlern auf Umwegen) recht die Banken abgeführt werden. zufrieden sein... h a m o s jOia dtei Qzojimuttet des TriLms HennyPorten hieltam längsten durch Henny Porten Pola Negri und Asta Nielsen — dies leuchtende Dreigestim am Filmhimmel ist als solches längst erloschen. Aber die Trägerinnen dieser berühmten Namen leben noch, wenn auch in stiller Zurückgezogenheit. Manche Leute bezeichnen sie respektlos als „Großmütter“ des Films, was kulturgeschichtlich gesehen ein Ehrenname ist. Asta Nielsen, die heute bereits 69 Jahre ist, wirkte schon von 1901 bis 1919 in ihrer dänischen Heimat als Schauspielerin. Im Jahre 1911 begann eie in Deutschland zu filmen, wo sie — auch auf der Bühne — bis 1932 tätig war. Als Darstellerin tragischer Frauenrollen, z .B. in der „Kameliendame“, wurde sie durch ihre ausdrucksvolle Mimik zu einer der ersten, großen Künstlerinnen auf der damals noch stummen und sehr flimmernden Leinwand. Korb (ür Goebbels Das dritte Reich bemühte sich vergeblich, den Star in Deutschland zu halten und machte ihm die verlockendsten Angebote. Aber weder Hitler noch Goebbels gelang es, die „Düse des Stummfilms 1 ' in ihre gigantische Propagandamaschinerie einzubauen. Asta Nielsen zog sich in ihre Geburtsstadt Kopenhagen zurück, wo sie über 5 Jahre lang vergeblich versuchte, sich eine neue Existenz aufzubauen. Die Erfüllung ihres Lieblingswunsches, die Leitung eines Filmtheaters zu übernehmen, «heiterte an der unnachgiebigen Haltung des dänischen Justizministeriums, das der Künstlerin die Erteilung der hierzu erforderlichen Lizenz verweigerte. Die Gründe hierfür waren ein früherer, längst verjährter Kontraktbruch gegenüber einer dänischen Filmgesellschaft und der Umstand, daß sie jahrzehnetelang im Ausland gewirkt hatte. So war Asta Nielsen gezwungen, tatenlos in ihrem gepflegten Heim zu sitzen, das einem Film- und Theatermuseum gleicht Die russische Ballettratte Aufregend und romantisch wie ein Abenteuerfilm gestaltete sich das Schicksal Pola Negris. Diese Künstlerin, die eigentlich Apollonia Chalupec heißt, stammt aus ZWEI WELTEN verkörpert das Liebespaar in dem erschütternden Film „Fräulein Julie“: die Grafentochter (Anita Björk) und der Lakai (Ulf Palme), die in triebhafter Abhängigkeit aneinander gekettet sind. cf Polen. Sie begann ihre Laufbahn als „Ba- lettratte“ der russischen Hofoper in St. Petersburg und wurde als Partnerin Emil Jannings durch den Regisseur Ernst Lu- bitsch auf den Gipfel des Filmruhms geführt In Hollywood bekam Pola Negri von der Metro-Goldwyn-Mayer eine Jahresgage von 150 000 Dollar. Nach vorübergehender Tätigkeit als Fümjoumalistin in Paris ging sie 1936 zu Willi Forst nach Berlin, der mit ihr „Mazurka“ drehte. Später lebte die Künstlerin in Italien, von wo sie 1940 erneut nach Hollywood ging. Dort spielte sie die Hauptrolle in einem Opernfilm der Paramount, trat am New Yorker Broadway als Sängerin in „Oklahoma“ auf und lebt heute in der Nähe dieser Millionenstadt, wo sie vor einigen Jahren ihre Lebensgeschichte von 388 Seiten niederschrieb. Henny war unerwünscht Henny Porten galt als Filmschauspiele- rin kn Dritten Reich trotz ihrer großen Verdienste als „unerwünscht“ und verlor später durch Kriegseinwirkungen ihr gepflegtes Berliner Heim, in dem buntbemalte Bauernmöbel, eine große Bibliothek und kostbare Plastiken von ihrem guten Geschmack zeugten. Mit wenig Gepäck und einem Rucksack auf dem Rücken schlug sie sich mit ihrem Mann bis Ratzeburg durch, wo sie .hängen blieb“. Ms Bühne und Film sie erneut holten. In dem Lustspiel „.Absender unbekannt“ der Real-Film erschien Henny Porten nach dem Kriege wieder auf der Leinwand. Von den drei weltbekannten „Großmüttern“ des Films ist somit allein die deutsche Künstlerin der bunten Scheinwelt der Jupiterlampen und Pappkulissen bis zur Gegenwart treu jcgfolieben. Reinhold Schnick Von den großen amerikanischen Filmgesellschaften wurden im ersten Halbjahr 1952 fast 30 abendfüllende Spielfilme in Ubersee gedreht. Hollywood „verirrte“ sich dabei nicht nur bis nach Europa, wo einige der größten Erfolgsfilme — „Quo vadis“ in Rom, „Ivanhoe“ in London — hergestellt wurden, sondern sogar bis auf die Fidschi-Inseln. ULLA JACOBSSON, die in ihrer Natürlichkeit faszinierende schwedische Schauspielerin aus dem Film „Sie tanzte nur einen Sommer“. Mut ftüz stacke Mezveu Vor weinigen Tagen lief in einem Broadwaytheater das erste „Cinerama“ an, ein dreidimensionaler Farbfilm mit stereophonetischem Ton. Der Name ist eine Zusammenziehung von „Cinema“ und „Panorama“. Sein Schöpfer ist ein New Yorker Tontechniker namens Fred Waller, der seit etwa 15 Jahren mit dieser Idee gespielt hat und nunmehr den Geldgeber fand, der ihm die Möglichkeit zur Verwirklichung dieser Idee gab. Die Zuschauer sitzen bei dieser „Cinerama“-Vorstellung vor einer halbkreisförmigen Leinwand von etwa 19 Meter Breite und 8 Meter Höhe. Im Hintergrund des Theaters befinden sich drei Vorführkabinen, von denen aus drei verschiedene Filmkopien gleichzeitig auf die Leinwand projiziert werden. Acht Lautsprecher sind an verschiedenen Stellen des Raumes eingebaut. Das neue Aufnahmegerät ist eine Kamera mit drei Linsen, die in Winkeln von 48 Grad zueinander montiert sind und insgesamt einen Blickwinkel von 146 Grad erfassen. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, daß das menschliche Auge auch nur einen Blickwinkel von 165 Grad besitzt Die drei Linsen belichten unabhängig voneinander einen 35 mm breiten Filmstreifen. Die fertige Kopie vermittelt dem Zuschauer das sensationelle Gefühl, nicht nur Betrachter, sondern Mithandelnder in dem Geschehen auf der Leinwand zu sein, wobei der aus den Lautsprechern von allen Seiten auf ihn eindringende Ton dieses Gefühl noch intensiviert. Die enge Koppelung von plastischem Film und plastischem Ton eröffnet dem Film ungeahnte Möglichkeiten, und es scheint als leite diese Erfindung eine neue Phase des gesamten Filmschaffens ein. Wenige Tage nach der ersten „Cinerama“- Vorstellung in New York sind die großen Tageszeitungen der Stadt voll des Lobes über die neue Erfindung. Sie beschreiben genau das Verhalten des Publikums, während der Film einen Flug über den Grand Canyon, das gewaltige Naturschutzgebiet in Arizona, zeigt während einer Aida- Aufführung in der Mailänder Scala, während einer Bootsfahrt auf dem C anale Grande, während eines Stierkampfes in Madrid und einer Achter-Bahn-Fahrt auf Coney Island, dem großen Vergnügungspark der New Yorker, bei der die Zuschauer unwillkürlich die Bewegung des kleinen Wagens auf den Schienen der Bahn mitmachten, um die nötige Balance zu halten. Die „New York Herald Tribüne“ schloß ihren Bericht mit der Feststellung, daß „Cinerama“ kein Film, sondern ein Erlebnis sei. Film als Absekseekungsmittet Ein schon öfters gemachter Vorschlag ist jetzt von den französischen Mäßigkeitsvereinen in die Tat umgesetzt worden, um Trunkenbolde von ihrem Laster zu heilen. Man filmt die Betrunkenen auf dem Höhepunkt ihres Rausches und führt ihnen dann in nüchternem Zustande die Aufnahmen vor. Diese Methode wirkt so ernüchternd, daß fast neun Zehntel aller Betroffenen sich für so angewidert erklären, daß sie das Trinken aufgeben wollen. Redaktion: Dr. W. Manggold DAS SACHLICHE EHEPAAR: Katharine Hepbum und Spencer Tracy in der sprühenden Komödie „Ehekrieg“. f'v Donnerstag, 18. Oktober 1993 SÜDKURIIR R H K Nr. 164 / Seite 9 t Dar Herr über Leben und Tod hat heute nachmittag unsern lieben Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder Johann Renner Landwirt und 7oratwart am Tage vor »einem 78. Geburtstag xu sich heimgerufen. Dettingen, den 18. Oktober 1983. In tiefer Trauer Geschwister Renner und Anverwandten. Beerdigung Samstag, den 18. Oktober 1952, 9.30 Uhr in Dettingen. t Tiefbetrübt machen wir Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß heute mittag unsere gute, treusorgende Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Sophie Horlacher Wwa, geb. Ipple im Alter von 45 Jahren, wohlvorberdtet, nach langem, schwerem Leiden im Krankenhaus Konstanz ihrem im Kriege gefallenen Gatten ln die Ewigkeit nachgefolgt ist. Beutehöf-Böhrlngen, den 14. Oktober 1SU. In tiefer Trauer Die Kinder Lieselotte, Theresia, Paula, Luise und Klaus Horlacher Im Namen aller Verwandten Der Vater Konrad Epple. Beerdigung am Freitagvormittag, S.SO Uhr. ln Böhringen. t Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute mittag unsere Hebe Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante • Kreszentia Fröhlich geb. Schneider nach einem arbeite- und opfervollen Leben, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, im Alter von 71 Jahren zu sich ln die ewige Heimat abzurufen. Wald, St. Paulo/Braslllen, den 14. Oktober 1951. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Die Kinder Frei Caetano, eap., St. Paulo Josef Fröhlich Sense Fröhlich Heinrich Fröhlich mit Familie. Beerdigung am Freitag, den 17. Oktober, 1.30 Uhr, ln Wald, mit darauffolgendem Trauergottesdienst. Gestern verschied sanft meine geliebte Frau und unsere gute Mutter Johanna Anna Wohlgemuth Überlingen, den 15. Oktober 1952. ; Fritz Wohlgemuth Die Kinder Gerd und Marianne Statt Karten i DANKSAGUNG Tür alle Zeichen der Liebe und Wertschätzung, die meiner lieben Schwester Mathilde Rohr Postbeamtin LR. anläßlich ihrer Beisetzung erwiesen wurden, danke ich allen aus tiefstem Herzen. Kons tarn, 19. Oktober 1992. SchulstraSa 1 Marie Rohr, Lehrerin L R. Zu der am Batnstag, den IS. Oktober, im Gasthaus „Sternes“ lo Neuhausen stattSämlendera HOCHZEIT SFEHR laden wir Verwandt» und Bekannte herzlich Mn. Das Brautpaar Erna Mater Hans Holl Heohaasen, dan 11. Oktober IMS Zu unserer am Samstag, den IS. Oktober. Im Gasthaus rar „Krone* in Anzelflngen stattfindenden HOCHZEITSFEIEB laden wir all» Verwandten, Freunde und Bekannten herzlich ein. Das Brautpaar Theresia Heim Herbert Vogt Hthlhauni Anselfingen Trauung S.M Uhr. — Ab IS Uhr- TANZ. Zu unserer am Samstag, den IS. Oktober IMS, im Gasthaus um „Adler* ln Obersdiwandorf stattfindenden HOCHZEITSFEIEB laden wir Verwandte, Freunde und Bekannte herzlich ein. Das Brautpaar Helene Vogler Hans Sion Obirtchwtndorf Tuttlingen Trauung um t Uhr ln der Pfarrkirche zu Oberschwandorf. SÜDKURIER, das Blatt der Familien-Anzeigen x Achtung Fußkranke! ^ Tr Hilfe bei Senk- u. Spreizfuß usw. bringen Elastik-Einlagen „System Fiedler“ DRGM Federleicht — kein Metall — seit 10 Jahren bewährt 1 Menz & König, Starnberg. Wieder zu sprechen: Samstag, IS. Oktober, von *—12 Uhr, Konstanz, Hotel Barbarossa Samstaf, 18 . Oktober 1952: Radolfzell, 13—14.30 Uhr, Gasthof „Lamm“; Singen, 15—18 Uhr, Hotel „Zähringer Hot“. DANKSAGUNG Für dfo vielen Beweise herzlicher Anteilnahme beim Tod# unseres lb. Bruders und Onkels Friedrich Brunner Zlmmormelstor sowie für die Kranz- und Blumenspenden danken wir aufs herzlichste. Konstanz, 14 . Oktober 19« Dl# Geschwister nebst Anverwandten. Ihre Vermählung zeigen an Emil Staiger Angela Staiger geb. Flederte Singen (Htwl.) Steißlingen Hauptstr. 62 Lange Str. 37 W. Oktober 1962 FÜRST fiolJ-Scabmale Hussenstrafje 11 + Gutschein üb. einmalige Kostprobe »Frauengold« für neryös», reiz« bare, erschöpfte Frauen, wenn Unausgeglichenheit, innere Unruhe u. schwere Tage ihren Alltag vergällen. Boden-Drogerie Rosgartenstr. 31 Wie neugeborem fühlen Sie sich nach der tag!, lasse RICHTERTEE. Er hilft bei -Darmträgheit und Fettansatz, ohna die Gesundheit nt gefährden. Auch als DR1X-DRAGEES. M8.2S DM in Apotheken s„ Drogerie» Münster-Drog,. Wessenbergstr, SO Drogerie Kombeck, Kanzleistr. 11 Drogerie Lohengrin, am Schuetztor Bodan-Drogerie, RoegartenatraBe 31 peterahausen: Gebhards-Drogerie, Gebh&rdspiati Drogerie Sterk, Zähriugerstraße S ^uMteHeStHrMüm durch Rsco-SttM-SchloslÜHÖldtsr in30Tg.8Pfd.u.mshrabzunsh- jmen. Keine Hungordiöt. Fragen {Sie Ihren Apoth. od. Drogisten. ■ bolDersitrilptmlMhce-ZItrosw Drog. R. Kornbrdc. 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