hränkung -« HSfen iÄ lisch« Kanitzy n den Gesetz, efugnifie d« - Erk.Lrn^ c die aur^ 'S Bündniz, Italien utz rhandlungr^ hen seit de, »pen 10400s s und 35z Rassen duH r italienisch, stimmen de, lmachten sjx kläruug dg Allgemein i Stellung >nd bei 3^, asammen. l Schawdich «in Regime, anfgeriebe, «ine Mobil. ital enisch, die Krieg», aisrr Fratz rag alS eine, -schichte nicht Anweisung h-uvgarischk, Gefechten d« - 30 Offizim lie Zahl da ) und Oester, n ganz Ost- : Freitag nd wärmet auwnver s ------ Krscheiat tt,kkch ! ß außer Sonn- und Feiertags. > - monatlich67 Vfennig, e vierteljährlich: 2 Mas?- ^ frei ins Haus geliefert. S euer Au,tißt« belesenstes Tageblatt bes Wmrlan-es. werden mit 16 Pfennig per einspaltige Zeile berechnet. Bei! HiuMmigÄilt fir die KkDk Mlchm, und dem Wgcknig. NchLüVLSTLK« N-iLubmissllMS- «nd Uerfteigerungs Anzeiger für de» GdrnwM. Krcrtis: Praktische Mitteilungen für Gewerbe (monatl.) und Handel, Haus- und Landwirtschaft l Druck und Verlag der Atl*. 1o1 I Buchdruckerei Adelsheim. Adolf Heppeler I Telefon Rr. 18 Amt Ud-lSH-i« »delshei«, Freitag, 11. Juni ISIS Tagesberichte. WTV. Großes Hauptquartier 10. Juut. (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Kämpfe bei Souchez und Neuville dauer« a». Nordwestlich voa Souchez tvurdeu alle A« griffSversuche der Franzose« im Keime erstickt Westlich vo» Souchez, i» der Gegend der Zucker, sabrik, erlaugte« die Kravzofr« kleiue Vorteile. Keiudltche Angriffe gege« unsere Stelluuge« »Srdltch von Neuville brache» zusammen Im Grabeukampf südlich vo» Neuville behielte« wir die Oberhaut». Ei« feiudlicher Vorstoß südöstlich vo» Hebuterue scheiterte. Im Verlaus der letzte« Kämpfe wurde« dort erwa 20« Franzose« vo» u»S gefaugeu. I» der «hampague setzte» wir uns »ach er- folgreiche« SPreuguuge« i» Gegeud Souai« «»- «ördlich vo« Hurlu» i» Vesttz mehrerer feiudlicher Grabe«. Gleichzeitig wurdeu «ördlich vo» Le» meSutl die srauzöfifche« Stelluuge» i« Breite vo» etwa SOO Meter» erstürmt und gege« «acht, liche Gegeuaugriffe behauptet; ei» Maschiue«, gewehr «ud 4 Miuruwerser fiele» dabei i« «usere Hand Am W-stt-il- des Priesterwaldes blieb ei» Grabeustück unserer vorderste» Stellung i« ve- sttzr des Geguers Oeftlicher Kriegsschauplatz. Südwestlich Szawle setzte« die Nuffe» gestern »usere« Vorgehen lebhaften Widerstand eutgegeu; es wurde« «ur Heinere Fortschritte gemacht. Die Beute der beiden letzte» Tage betrug hier 22s« Gefangene «ud 2 Maschinengewehre. als rieget id die stehen;^ ^ find, wm - Kapitals D ° Flotte. mit ihres ° ht auf der» ^ iterstützunK ^ oder duw Diese ti» Frühlings eine soigew durch eiw ia 250 < Hans ^ erdetes Koffnung und HkÜÄ. Roman von E. v. Buchholtz. 81 „Sehen Sie. Gnädigste, in jeder der drei Frauengestalten will ich einen Gedanken verkörpern. Sie schreiten voran, die Lebendigere, Lebensneugierige. „Fräulein Wellenkamp bleibt ruhig zur Seite stehen, antike Ruhe und Abgeklärtheit personifizierend. Die Zigeunerin ist gewissermaßen daS Symbol deS Universal-Rätsels. Sie wird gefragt — von der ganzen jungen Menschheit gefragt — und sagt jedem eine Antwort. Eine verständliche? Nein, jeder muß sie sich deuten. Gefällt Ihnen die Idee?" Er ist ein Schwadroneur, dachte Alfred. Balder war ihm nicht synipatisch. Wenn er so viel Gedanken in das Bild hin- einlrgen will, wird er gut tun, extra eine Broschüre dazu zu schreiben. Biola war entzückt. Das Porträtmalen hatte ihr schon Spaß gemacht, jetzt wurde die Sache en gros betrieben und versprach noch mehr Amüsement. Nun wurde die Kostümfrage besprochen. Biola, der rosa am besten stand, sollte ein Kleid in dieser Farbe tragen, dazu einen nach des Malers Angabe hergestellten koketten Hut. Für Magdalene wählte er ein weißes loses Kleid; sie sollte den großen Gartenhut in der Hand halten. Um jede Kleinigkeit kümmerte er sich, und sein fast kindlicher, froher Eifer dabei steckte die anderen Beteiligten an. Inzwischen begann er mit den Vorbereitungen, die sich nicht ohne Schwierigkeiten erledigen ließen, die Handwerker zeigten sich ungeschickt, vergessene Kleinigkeiten mußten mit vieler Mühe beschafft werden. Zuletzt kam gar die Leichen» Wäscherin angetobt. Di« Zigeunerin hatte sie beim Baden ge» bissen und gekratzt. Nun verlangte sie Schmerzensgeld. „An dieser SpezieS der holden Weiblichkeit können Sie etwas erleben," meinte Alfred. „Suchen Sie sich lieber für Ihren Pinsel ein gesitteteres Opferlamm aus." Aber Balder lachte nur. Je mehr er mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, desto größer wurde sein Verlangen, das Bild genau nach seinem Plan auSzuführen. Nun fragte «S sich, in welchem Kostüm die Zigeunerin «scheinen würde. Man traute ihr iu dies« Hinsicht nicht viel Verantwortlicher Schriftleiter: Adolf Heppeler in Adelsheim. SS. Jahrg. Gege» »usere Umfaffurrgsbeweguug östlich der Dubiffa setzte der Gegner aus »ardöstlicher Richtung Verstärkungen a«. Bor dieser Bedroh» «ug wurde «user Flügel vom Feiude »»belästigt i» die Linie Betygola-Zogiuie zurückgeuomme». Südlich des Njeme« «ahms» wir bei de« Angriffe« «ud der Verfolg«»- seit de« V. Juui 3020 Nuffe» gefaugeu. Ferner erbeutete« wir zwei Fahne», 12 Maschinengewehre «ud viele Feldküche« «ud Fahrzeuge. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Oestlich Przemysl ist die Lage «»verändert. Aus der Gegend vo« Mikolajow-Nohaty« (südlich «ud südöstlich vo» Lemberg) stud «eue ruffische Kräfte «ach Süde« vorgegauge». Fhr Angriff wird vo» Teile« der Armee des Generals vo» Ltufiuge» i« Liuie Lityuia (nordöstlich Dro- H»byeztz)-D»jeftrabsch»itt bei Zurawuo abgewehrt. Oestlich vo» Stauisla« «ud bei Haliez fiud die Berfolguugskämpse »och i« Gauge Oberste Heeresleituug. Ein englischer Kreuzer versenkt. We«, 10. Juui. Unterseeboot 4, Kommandant Nnirrrschiffolentnant Singnlr, Hot am 9. d. M. Vormittag» 30 Meile« westlich non Sa« Giovanni di Medna eine« englische« Kreuzer vom Typ „Liverpool." der von 6 Zerstörer« grschnht fuhr, torpediert «nd versenkt. Flottrnkommando. (Liverpool faßte 4900 Tonnen und hatte 376 Mann Besatzung.) Die Oesterreicher entwickeln gegenwärtig einen N», ternehmungsgeist, der ihnen alle Hochachtung verschafft. Noch hat Italien empfindlich an den Folgen des Angriffs der österreichischen Flotte auf seine Ostküste zu leiden, kaum sind die Nachrichten von den kühnen Taten der k. k. Marineflieger über das Land verbreitet, so ruft eine Meldung einer neuen Heldentat der österreichischen Flotts allgemeine Bewunderung hervor. Ebenbürtig stellt sich das österreichische U-Boot 4 an die Seite »der im Mittelmeer kämpfenden deutschen U-Boote. Aus der Mitte von 6 Zerstörern heraus hat das österreichische U- Boot den englischen Kreuzer herausgeholt und in den Grund gebohrt. Diese neue Heldentat wird den Schrecken der Feinde vor den U-Booten noch vermehren. „Die Kämpfe bei Souchez und Neuville dauern an/' Es ist ein mühseliges Stück Arbeit, das unsere braven Truppen dort täglich zu verrichten haben. Ein schwieriges, unübersichtliches, von Wald, Flußläufen und Gebirgszügen durchschnittenes Terrain, das an sich schon allen größeren Fortschritten ungünstig ist und es natürlich noch in viel höherem Grade im Lause der Zeit geworden ist durch die befestigten Stellungen, die sich die Franzosen dort angelegt haben. Es ist wahrhaftig keine Kleinigkeit für unsere Truppen, hier Woche für Woche in den Mühseligkeiten eines unablässigen Stellungskrieges auszuharren und der an sich zwar großen, in der Ausführung aber recht harten und ermüdenden Aufgabe zu dienen, den Feind hier festzuhalten und ihm den Durchbruch zu verwehren, durch den in erster Linie den hart bedrängten Russen Lust verschafft werden sollte. Mehr als 40mal sind im Laufe der letzten vier Wochen Franzosen und Engländer gegen unsere Stellungen angestürmt. Hier und da errangen sie wohl ab und zu einmal kleine Erfolge, aber mit dem Durchbruch war es nichts, und ungehindert durch die Rücksicht auf die Lage im Westen konnte unsere Heeresleitung unsere im Osten versammelte Macht ohne Schwächung ihren Siegeslauf fortsetzen lassen. , Während nordwestlich von Souchez die französischen Angriffe bereits im Keime erstickt wurden, erlangten die Feinde westlich davon bei der Zuckerfabrik Keine Vorteile. Südlich von Neuville brachen die feindlichen Angriffe zusammen und auch in den anschließenden Grabenkämpfen behielten wir die Oberhand. Auch in der Champagne leben die Kämpfe wieder in größerem Maßstabe auf. In der Gegend von Souain und nordwestlich von Hurlus setzten wir uns durch Sprengungen in den Besitz mehrerer feindlicher Gräben. Dabei machten wir etwa 200 Gefangene und erbeuteten ein Maschinengewehr und vier Minenwerfer. Im Gouvernement Kowno hat die deutsche Offensive an der Dubiffa stärekre Erfolge gehabt, als man zunächst zu erwarten zu dürfen glaubte. Oestlich von Rossinis Gutes zu, und Balder erwog schon allen Ernstes, ob er nicht noch mal in die Tasche greifen und eine reguläre Ausrüstung für sie beschaffen müßte. Natürlich war sie nicht pünktlich. Als man schon ihr Ec- scheinen aufgegeben hatte, erschreckte sie die im Gartenhause Versammelten; niemand hatte ihren schleichenden Gang gehört. Aber nun wurde sie bewundert. Sie trug ein wirklich schönes, wertvolles Gewand, wie solche sich manchmal im Besitz wohlhabender Zigeuner befinden, reich mit goldenen Knöpfen, Schnallen und Schmuckstücken aller Art verziert. Und nun begann die Arbeit. Zuerst wurden die Gestalten gruppiert und der Hintergrund durch Zweige und abgeschnittene Bäumchen als Wald markiert. Balder hatte die ganze Sache schon fix und fertig im Kopf. Die Kohle glitt über die Leinwand, die Konturen wurden gezeichnet. Meta, die sich zu diesem wichtigen Akte eingefunden hatte, sah staunend, wie Balder arbeitete Fast jeder Strich saß. Es genierte ihn augenscheinlich gar nicht, ob ihm da jemand auf die Finger sah oder nicht; er schaffte eben wie ein Großer aus der Fülle seines Könnens. Das Zigeunermädchen hielt natürlich nicht still. Das verursachte jedoch Balder keinen Kummer, er wußte auch so die Steilung, die er haben wollte, sestzuhalten. Hin und wieder wurde eine Pause gemacht, und Tel- chow, der im Garten promenierte, kam dann herein und bewunderte die Fortschritte des Bildes. Die Arbeit war sür die Beteiligten so amüsant wie ein Fest. „Wenn alles glatt geht, werde ich in wenigen Monate» fertig sein." freute sich Balder. Die Zigeunerin betrug sich überdies gesitteter, als man angenommen hatte. „Sie ist eine Elite-Schönheit," sagte Balder immer wieder bewundernd. „Sie ist mir unheimlich," charakterisierte sie Telchow. „Sie stiehlt wenigstens nicht," konstatierte Alfred lobend. Aber sie stahl doch, wie sich mit der Zeit herausstellte. Früchte auS dem Garten wurden nicht gerechnet, Kleinigkeiten vonder Damengarderobe verschmerzt« man, aber als eines Tage- ein Schmuckstück fehlte, wurde man vorsichtiger. Freilich konnte der Gegenstand auf andere Weise verloren gegangen sein. Einmal hatte Telchow seine goldene Uhr auf dem äußeren Fensterbrett des Gartenhauses liegen gelaffen, während er sich mit Viola, die ihm Tennis lehren wollte, in diesem Spiele übte. Die Zeit, wo Balder zu malen pflegte, war vorüber die Zigeunerin entlassen. So glaubte man sich sicher. Da kam Magdalene des Weges. Sie sah das braune Mädchen durch die Büsche schlüpfen. Ein Blick auf den jetzt leeren SimS des Gartensensters sagte ihr alles. — Sie stürzte aus die Diebin zu, und diese, von dem unerwarteten Ueberfall überrumpelt, ließ die Beute fahren. Vielleicht glaubte sie auch in ihrer naiven Anschauung. Magdalene könne durch ihre Stummheit ihr nicht zur Verräterin werden. Aber sie mußte bald einsehen. daß dies doch der Fall gewesen war. Balder las ihr gründlich die Leviten, sagte ihr auf den Kopf zu, daß sie den Schmuck gestohlen hätte und forderte ihn zurück. Natürlich leugnete sie, aber als er mit der Polizei drohte und mit ihr in das von ihm für sie gemietete Quartier ging, um ihre Sachen durchsuchen zu lassen, wurde sie frech und schimpfte. „Es nützt Dir nichts, schönes Kind!" meinte Balder gelassen. „Wenn Du Dich weigerst, das Gestohlene heransznge- ben, wirst Du einfach eingesteckt. Bei Wiederholungen wird die Strafe noch größer, merke Dir das, Mädchen. — Wi» würde Dir das scheinen, statt im Freien umherzuschweifen, monatelang im finstern Loch bei Wasser und Brot zu sitzen?' Er erschrak vor dem Anblick, den die juizge Wilde bei dieser Schilderung bot.Jhre Augen traten ihr ooöAngst fast aus den Höhlen, ihre Lippen zitterten, die Hautfarbe wurde ganz fahl. Entziehung der Freiheit, das war's, das diesem Naturkinde als fürchterlichste Strafe erschien. Da haben wir eine Handhabe I dachte Balder befriedigt, um bedenklich hinzuzusetzen: Wenn sie mir nur nicht entschlüpft! Glücklicherweise war das nicht der Fall. Die goldene Lok- kung, die ihr Balder bot, hielt ste fest. Den Schmuck hatte sie herausgegeben, ohne ein Zeichen von Verlegenheit zu äußern. DaS Gefühl der Scham kannte dieses Mädchen nicht, wohl aber ein anderes: den Haß. Sie haßte Magdalene seit dieser Zeit. Diese erschrak oft vor dem heimtückischen Blick der Wi>a- katze, mit dem ste gestreift wurde, und die gemeinschaftlichen Sitzungen im Atelier verursachten ihr jetzt Unbehagen. 223,20 ES ist bald vorbei, tröstete sie sich daun. Es gehtja alles v orb ei. ist die Dubissa von den Deutschen überschritten worden und die Russen wurden nach Südosten, also in'der Richtung auf Kowno, zurückgeworfen. Gegen unsere Umfassungs- bewegung östlich der Dubissa setzte der Gegner in nordöstlicher Richtung Verstärkungen an. Die Russen haben vor der Hmdenburgschen Zange einen Heidenrespekt. Lie bieten alle zur Verfügung stehenden Kräfte auf, um der ihnen drohenden Einschließung zu entgehen. Sie werfen wert überlegene Kräfte entgegen, um unsere Uni- sasiungsbewegung zu vereiteln. Vor dieser Bedrohung wurde unser Flügel vom Feinde unbelästigt in die Linie Betygola-Aoginie zurückgenommen. Betygola liegt unmittelbar am östlichen Ufer der Dubissa. Wieder ein Meisterstück Hindenburgischer Strategie, die der feindlichen Uebermacht geschickt auszuweichen versteht, ohne dabei das beabsichtigte Ziel auch nur um Haaresbreite aus dem Auge verlieren zu müssen. Südlich des Nje> men nahmen wir bei den Angriffen und der Verfolgung seit dem 6. Juni 3020 Russen gefangen und erbeuteten 2 Fahnen, 12 Maschinengewehre und viele Feldküchen und Fahrzeuge. Der Erfolg beweist, daß auch hier die Russen nicht mehr die Kraft einer Offensive besitzen und sogar in der Verteidigung schwächer werden. Bei Schau- len, das unsere Truppen bekanntlich bei der Ansammlung größerer russischer Truppenmassen bei Mitau seinerzeit aufgeben mußten, betrug die Beute aus den beiden letzten Tagen 2250 Gefangene und 2 Maschinengewehre. Während östlich Przemysl die Lage unverändert ist, sind neue russische Kräfte in der Gegend von M i k o- lajow-Rohatyn nach Süden vorgegangen. Ihre Angriffe werden von Teilen der Armee des Generals von Linsingen bei Zurawno abgewehrt. Der Vorstoß des rechten Flügels der Armee Linsingen, der den Russen ganz überraschend kam, diente der Entlastung der Armeegruppe Pflanzer-Baltin, die sich vor mehreren Wochen vor einer starken russischen Uebermacht vom Dnjestr bis über den Pruth hatte zurückziehen müssen und die seitdem in hartem Ringen gegen diese Uebermacht die Pruth- linie verteidigt hatte. Zwischen Delatyn (45 Kilometer südlich von Stanislau) und Kolomea war es den Russen sogar schon gelungen, den Pruth zu überschreiten. Jetzt, wo die Armee Linsingen in ihrem Rücken erschien, war natürlich das Halten der Pruthlinie für die Russen unmöglich geworden. Die Armee Pflanzer-Baltin ging erneut zur Offensive über, warf die Russen über den Pruth zurück und drang nördlich von Kolomea bis zu der Linie Kulacz-Kowce-Korscow vor. Korscow liegt an der Eisenbahn Lemberg-Czernowitz zwischen Stanislau und Kolomea, Kulacz-Kowce an der Eisenbahn, die von Kolomea nach Horodenka abzweigt. Mit dem Vordringen auf diese Linie ist der Pruth überall von der Armee Pflanzer-Baltin überschritten und der Vormarsch auf den Dnjestr angetreten. Die Verbindung zwischen der Armee Linsingen und der Armee-Pflanzer-Baltin stellten die österreichisch-ungarischen Truppen dar, die bisher auf der Linie Dolina- Nadworna standen. Sie schlossen sich dem Vormarsch der Armee Linsingen nach Osten an und sind schon bis zu der Linie Stanislau-Ottynia vorgedrungen. Stanislau ist schon von den Verbündeten besetzt worden, und damit ist eine der wichtigsten Städte des östlichen Galiziens wieder in die Hände der Verbündeten gekommen; die Stadt, die etwa 35000 Einwohner zählt, war einer der Stapelplätze der Russen für ihr Kriegsmaterial. Ottynia, das 25 Kilometer südlich von Stanislau an der Bahn Lemberg-Czernowitz liegt, ist von den Russen noch nicht geräumt worden, doch sind die Höhen vor der Stadt schon im Besitz der Verbündeten, ' " ^ Kranzöfischer Tagesbericht Abends 11 Uhr: Im Abschnitt nördlich Arras dauern die heftigen Artilleriekämpfe fort. Wir eroberten in der vergangenen Nacht und heute morgen Neuville- St. Vaast, das der Feind noch hielt Die Gesamtheit des Dorfes ist noch in unserem Besitz. Wir rückten außerdem im Innern des Häuserblocks nördlich des Dorfes vor. Im Labyrinth dauerten unsere Fortschritte besonders im Südwestteile fort. Im Gebiet von Hebuterne verbreiterten wir trotz heftiger Beschießung unsere Stellungen um die Touvent-Ferm. Im Gebiet östlich Tracy-lc-Mont an der Ornenneviers-Ferm mißlang ein feindlicher Gegenangriff nachts vollkommen. Wir behaupteten gänzlich das am 6. Juni gewonnene Gelände. Von der übrigen > Front ist nichts zu melden. WTB. Wien, 10. Juni. Amtlich wird verlaütbart vom 10. Juni 1915 mittags: Italienischer Kriegsschauplatz: An der Jsonzofront wurden neuerliche Uebergangsversuche des Feindes bei Plava, Gradisca und Sagrado abgewiesen. In der Gegend von Flitsch und am Kar- nischen Kamm östlich des Plöckenpasses wird weiter gekämpft. Auch die Artilleriegefechte im Raume der Tiroler Ostgrenze dauern fort. Ein feindlicher Angriff im Tonale- gebiet scheiterte am Widerstand unserer tapferen Sicherungstruppen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Höfer, Feldmarschalleutnant. WTB. Wie», 10. Juni. Amtlich wird verlautbart vom 10. Juni 1915 mittags: Russischer Kriegsschauplatz: Die Kämpfe am oberen Dnjestr und im Raume zwischen Dnjestr und Pruth dauern fort. Die Armee Pflanzer-Baltin gewinnt weiter Raum nach Norden. Ihre Anariffskolon- nen sind unter fortdauernden Kämpfen bis Obertyn und bis auf die Höhen südlich Horodenka vorgedrungen. Dem erfolgreichen Vorgehe» der auf galizischem Boden kämpfenden Teile der Arm« hat sich nun auch eine Gruppe in der Bukowina angeschlossen, die gestern den Pruth überschritt und starke russische Kräfte südwestlich Kotz mann zurückwarf. Die sonstige Lage im Norden ist unverändert Balkankriegsschauplatz: Eines unserer Fliegergeschwader belegte gestern früh das Arsenal und die pyrotechnische Anstalt von Kragujevacz erfolgreich mit Bomben. Zwei Brände wurden konstatiert. Unsere Flieger sind wohlbehalten zurückgekehrt. WTB. Rom, 10. Juni. Ter gestern ausgegebene Bericht der Obersten Heeresleitung lautet: An der Grenze von Tirol und im Trentino dauert unsere Offensive gegen die Stellungen, die besetzt werden müssen, damit der Feind veranlaßt wird, seine Defensivvorbereitungen aufzudecken und damit die Entwickelung weiterer Operationen möglich wird. Obwohl unsere Truppen vom Feinde lebhaft behindert wurden, näherten sie sich doch jenseits der Grenze dem zwischen Hochtälern gelegenen Falzaregosattel. Etwa 10 Kilometer vom Passe von Cortina d' Ampezzo fand ein siegreicher Kamps statt. Ein Geschütz und Munition blieben in unseren Händen. In der Nähe von Monte Croce-Carnigo wurde seit mehreren Tagen um den Besitz der wichtigen österreichischen Stellung aus dem Freikofen gekämpft, die die Oesterreicher hartnäckig verteidigten. Am Abend des 8. Juni bemächtigten sich unsere Alpini endgültig derselben und machten dabei etwa 100 Gefangene. Längs der Linie am Isonzo dauerten am 7. und 8. Juni die Operationen fort, die darauf abzielen, den Feind aus den beherrschenden Stellungen zu vertreiben, die er auf dem rechten Isonzoufer noch besetzt hält, um feste Brückenköpfe zu errichten. Der Feind setzte erbitterten Widerstand entgegen, der durch die Bedingungen des Geländes begünstigt wird. Das Gelände ist durch Kunstbauten sehr stark gemacht worden und infolge der Zerstörung zahlreicher Brücken und Straßen und der Ueberschwemmungen am Unterlauf des Flusses schwierig zu durchziehen. Unsere Truppen kämpften überall mit Schwung und Energie und eroberten dabei wichtige Stellungen. Wir besetzten die Stadt Monsalcone. Das Feuer unserer Batterien beschädigte sichtlich mehrere Artilleriestellungen des Feindes. In dem schwierigen Gelände des Monte Nero führte uns ein glücklicher Angriff zur Besetzung einer Stellung, aus der die Oesterreicher flohen. Sie ließen etwa 100 Tote, die von uns begraben wurden, und 60 Verwundete zurück. Bei Karfreit stellten sich 70 bosnische Deserteure als Gefangene. In einem anderen Abschnitt längs des Isonzo machten wir insgesamt über 400 Gefangene. Unsere Berluffte sind nicht ernst. Die Gefangenen versickern, daß die österreichischen Verluste beträchtlich sind. Cadorna. Augenzeugen der Wiedereroberung . Przemysls. Aus dem Kncgspressequartier wird gemeldet: Augenzeugen berichten über den Hergang der Einnahme von Przemysl: Das rasche Vordringen der Verbündeten nach dem Siege in Westgalizien hatte die Russen offenbar höchst überrascht. Mit unheimlicher Schnelligkeit näherten sich die Verbündeten Przemysl und überraschten die geschwächte Besatzung, die nun nicht die Kraft hatte, die weit ausgedehnten Vorstellungen zu behaupten, sondern dem Ansturm der Verbündeten besonders der von Westen heranrückenden Kavallerietruppendivision Bern dt und dem von Südwest heranziehenden 10. Korps überlassen mußte. Fast schien es, als ob auch der Gürtel der Werke nur als Nachhutstelttl"g dienen sollte, um den Masse» der über den San strebenden ge'chlagenen russischen Truppen einen Borsprung zu verschaffen. Das 10. Korvs setzte auch sofort, schon am 16. Mai, zum Angriff an. Trotzdem zur artilleristischen Vorbereitung nur Feldgeschütze zur Verwendung kommen konnten, drangen die unsrigen in einem Zuge trotz wütender Gegenwehr der Russen bis an den Rand der Hinderniszone des südwestlichen Abschnittes und namentlich des Werkes Pralkovce. Bon hier ab ging es aber nicht weiter, da zur Zerstörung der soliden Hindernisse und betonierten Werke die Feldartillerie nicht ausreichte. Inzwischen war in Przemysl ein Befehl des Oberbefehlshabers Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch eingetroffen, daß die Besatzung die Festung bis zum Aeutzersten zu verteidigen habe, und in welchem das Eintreffen bedeutender Kräfte zur Verstärkung der Besatzung angekündigt wurde. Das so dicht am Feinde liegende 10. Korps hielt die Besatzung nunmehr ständig in Atem. Mittlerweile vollzog sich die Einschließung der Festung im Süden und bald auch im Norden. Gegen Ende Maß kam allgemach die schwere Artillerie der Verbündeten heran, deren Vormarsch durch di« Zerstörung aller Brücken beträchtlich verzögert worden war. Kaum waren beim 10. Korps einige schwere Batterien eingetroffen, als das Bombardement. insbesondere gegen die hartbedrückte Front Pralkovce begann. Als sich dessen Wirkung zeigte, setzte die Infanterie zum Sturme an und nahm das Werk am Abend des 2 9. Mai. Als Pralkovce fiel, wurde die gesamte Reserveartillerie der Festung und alles Geschütz, das an den anderen Fronten entbehrlich war, herangezogen und zur Abwehr in Tätigkeit gesetzt. Inzwischen war auch vor der Nordfront, wo die bayerische Division Generalleutnant Kneussl verstärkt mit etwas preußischer Garde und einem preußischen Infanterie-Regiment sowie mit dem Fußbataillon einer Honved-Kavalleriedivision nach dem Siege bei Radymno den Raum bis zum San abschloß, schwere Artillerie eingetroffen und begann am 30. mittags die Beschießung des Abschnittes zwischen Ujkowice und Dunkowici, in dem sich die Werke 10 (Uikowici), 10 a, 11a, 11 (Dunkowici) nebst etlichen Zwischenwerken befanden. Vom zwerghasten Gebirgsgeschütz bis zum 42er Riesen traten hier alle Kaliber der deutschen und österreichisch-ungarischen Artillerie in Tätigkeit. Mit un- heimlicher Genauigkeit und Wirkung bearbeiteten die Feuerschlünde den Abschnitt, namentlich aber die Werke 10 a, 11 a und 11. Die Arbeit wurde wesentlich dadurch gefördert, daß die Rüsten nur verhältnismäßig wenig Artillerie entgegenstellen konnten, war doch das Gros an der Südwestfront durch das 10. Korps gebunden. Uebrigens hielten die Russen den Angriff gegen diesen stärksten Teil des Gürtels für eine Demonstration, die nur die Aufmerksamkeit von der Südwestfront ablenken sollte. Die Befestigungen, namentlich die Hinderniszone, waren so stark, daß die Beschießung am 31. fortgesetzt werden mußte. Doch hatte sich die Infanterie während der Nacht nahe an die Stellungen herangearbeitct. Am Mittag des 31. trat eine Feuerpause ein. Ein preußischer Unteroffizier schlich sich aus der Deckung gegen 11 a vor, um die Wirkung des Bombardements zu erkunden. Er fand mehrere Breschen in den Hindernissen und merkte beim Vorgehen, daß die Schießscharten der Werke unbesetzt waren. Rasch eilte er mit mehreren herbeigewinktcn Soldaten vor und erkletterte die Brustwehr. Die Russen waren während der fürchterlichen Beschießung aus den Werken in rückwärtige Stellungen zurückgegangen. Als die Feuerpause eintrat, eilten sie in ihre Stellungen zurück. Schon aber hatte der Unteroffizier mit seinen wenigen Leuten die Brustwehr erklettert. Bor den drohend angeschlagenen Gewehren stutzten die Russen, einzelne warfen die Waffen weg und hoben die Hände hoch. Mittlerweile hatten aber auch die nächsten Kompagnien das Vorgehen der kleinen Gruppe bemerkt und stürmten herbei. Im Nu waren die Stellungen voller Angreifer, die der russischen Gegenwehr in kurzem Kampfe ein rasches Ende bereiteten. 10 a und 11a waren nebst Zwischenwerken genommen. An der Erstürmung der zwischen II a und 10 a gelegenen Infanterie- strllungen deteiligten sich Honvedhusaren zu Fuß. Vom Standpunkt des Gruppenkommandanten sah es aus, als ob dort der Rückzug »getreten werde, da plötzlich aus den Stellungen zurückaeh ade Schwvrmlinien sichtbar wurden. Bald stellte es fich aber heraus, daß es waffenlose Gefangene waren. Nun tzog 11 (Dunkowici). obschon es im besten Verteidigungszustände war, und am wenigsten gelitten hatte, die weiße Fahne aus. Zrtzt wandten sich die Sieger rechts und links, um den Gürtel auszurollen. Me Russen aber sahen endlich doch, daß hier die größte Gefahr droh«. Reserven eilten herzu. Sie konnten zwar den Schaden nicht mehr beheben, vereitelten aber in wütendem Gegenangriffe, ein Vorgehen gegen die Straßensperre bet Dunkowici. Bald kam auch ein Gegenstoß in Richtung 10 a und 11a, der nach heiße« Kampf unter Mitwirkung der die Infanterie mit bewunderungswürdigem Verständnis unter- stützenden Artillerie abgewiesen wurde. Diese schweren Kämpfe füllten den 1. Juni aus. Am Abend wurde die Straßensperre ae nommen. Auch auf dem westlichen Flügel war die Infanterie an das Werk 10 gekommen. Das Werk 9 a hatte durch Flankenfeuer ihr Vordringen zu stören versucht, war aber von der schweren Artillerie sogleich derart mit Bomben belegt worden, daß es rasch zum Schweigen gebracht wurde. Das Werk 10 war aber so stark, daß die Infanterie nicht durch die intakten Hindernisse zu stürmen vermochte. Zu ihrer unmittelbaren Unterstützung war eine leichte Batterie zur Hand. Schweren Herzens mußten sie das Feuer einstellen, um nicht den eigenen Leuten zu schaden. So füllte dann die leichte Batterie die Zeit bis zum Abend aus, indem sie Bonnet aus Bonnet mit bestem Erfolge zum Zielen nahm. In der Nacht ging die Infanterie auf 1000 Meter zurück, damit am Morgen die 42er und die 30,5 ihre Grüße hinübersenden konnten. Nach wenigen Schüssen schon sah man im Werk Rauchwolken aufsteigen. Gleich darauf äußerte sich die Wirkung des Feuers auch darin, daß die Besatzung d es Werkes Hände hoch an der Brust- wehr erschien und sich der rasch heraneilenden Infanterie ergab. Zu spät eilten russische Reserven herbei. Die Unseren waren bereits in das Werk vorgerückt und wiesen diese Stürme blutig ab. Inzwischen war am 2. Juni mittags die Gruppe, die Dunkowici genommen hatte, gegen die Stellung vorgegangen, welche die Russen nördlich von Zrawica besetzt hatten. Namentlich um das Barackenlager und die benachbarten Höhen entwickelte sich ein heftiger Kampf, der mit dem Zurückwerfen der Russen endete. Die Verbündeten gelangten am Abend noch bis auf die Höhen nördlich Zurawica und rüsteten sich zum Angriff gegen den Nohau. Als jedoch die ersten Abteilungen vorgingen, fanden sie diese Werke geräumt. Demoralisiert von der Beschießung und den schweren Niederlagen hatten die Russen sich zur Preisgabe von Przemys' entschließen müssen, ohne den letzten Widerstand in Äohau zu versuchen .trotzdem bekannt war, daß die Feldarmee einen allgemeinen Angriff plante und äußerster Widerstand befohlen war, um das Ergebnis dieser Rettung verheißenden Aktion abzuwarten. Heftige Angriffe gegen die französischen Militär- operationen. WTB. Paris, 9. Juni. Im Anschluß an den gestrigen Artikel, in dem Herde scharf tadelt, wie bas französische Publikum über die Ereignisse unterrichtet werde, richtet er heute in der „Guerre soziale" heftige An- griffegegendieArtderfranzösi scheu Militär operationen. Herde schreibt, die Regierung und die Heeresleitung dürften nicht glauben, daß die Nation über die Ergebnisse der militärischen Operationen seit September begeistert sei, denn die Resultate seien im Verhältnis zu den gebrachten Opfern allzu mittelmäßig. Alle Versuche, die deutschen Linien zu durchbrechen, sowohl bei Soissons und 'Saint Mihiel wie in der Champagne, seien vollkommen mißlungen und die Verlusteschwer gewesen. Augenblicklich versuche man anscheinend, bei Arras durchzubrechen, aber nach anfänglichem Erfolge sei auch diese Offensive stecken geblieben. Jedermann habe den Eindruck, daß es in militärischer Beziehung nicht gut gehe und snan beginne, Unbehagen zu empfinden. Herve fragt, ob etwa Munitionsmangel der Grund des Versagens der Offensive sei. Wenn dies der Fall sei, dürfe die Heeresleitung selbst nicht unter dem Vorwände, den Russen Luft zu schaffen. HunderttausendevonMenschenlebenin einer nutzlosen Offensive opfern. Jedenfalls aber müsse man sich angesichts der Unmöglichkeit, irgend ein Resultat zu erzielen, sagen, daß es in der Verwendung der französischen Streitkräfte hapere. Die Heeresleitung müsse doch wissen, wo sie der Schuh drücke und solle auch dementsprechend handeln. Die Wirkung -er deutschen Gegenmatzregeln. WTB. London, 10. Juni. (Reuter). Im Unterhaus erklärte Balfour, daß seit einigen Wochen kein nennenswerter Unterschied in de r Behandlung Kriegsgefangener von U-Booten und anderer Kriegsgefangener gemacht worden sei. Er erklärte namens der Regierung, daß Maßregeln getroffen worden seien, um die Behandlung zukünftig vvllstän - dig gleich zu gestalten. Wilsons Parteinahme für England. WTB. Stockholm, 10. Jüni. „Swenska Morgen- bladed" sagt zum Bruch zwischen Staatssekretär Bryan und Präsident Wilson: Eine gehässige Sprache gegen Deutschland wegen der „Lusitania"-Affäre ist für ein Land nicht angemessen, das dadurch, daß es amerikanischen Bürgern gleichsam als Schutz für die Munitionslast mitzufahren gestattete, selbst mitschuldig an dem Untergange ist. Doümrch verliert Amerika vom moralischen Stan dpunkte aus das Klagerecht. Aus Stadt und Land. ** Adel-Heim, 11. Juni. Unsere Gegner an der Arbeit vor Jahresfrist: 11. Juni: Forderung der russischen Presse, daß Frankreich bei der Erörterung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit die „internationale Lage" nicht vergessen solle. Französische Agitation in Luxenburg. Franzosenfreunde rufen: »Wir wollen keine Preußen sein'. 12. Juni: In der französischen Presse wird behufs Einschüchterung Italiens die deutsche Regierung der germanischen Ausdehnung bis an das Mittelmeer verdächtigt. Die Dreiverbandspresse hofft von der Begegnung des Königs Karol mit dem Zaren den Anschluß Rumäniens an den Dreiverband. 13. Juni: Kundgebung der französischen Regierung an das Parlament, daß sie willens sei, den Reserven, die einen wesentlichen Bestandteil der Armee bilden, eine festere Organisation zu geben und daß sie eine Verzettelung der Kräfte, die der Verteidigung Frankreichs gewidmet seien, .verhüten' werde. 14. Juni: Eintreffen.der Zarenfamilie in Constanza in Rumänien in Begleitung des russischen Ministers des Aeußern, Ssasanow. 15. Juni: Die konservative englische Presse bringt zum Ausdruck, daß Poincare nicht vor denen, die gegen die dreijährige Dienstzeit find, die Waffen strecken solle. Abfahrt deS englischen Mittelmeergeschwaders von Malta nach der Levante. 16. Juni: Erklärung des russische» Kriegsministers Suchoulinow in (der Petersburger Börsen- Zeitung: „Rußland und Frankreich wollen keinen Krieg- Rußland ist aber .kriegsbereit' und hofft, daß auch Frankreich „kriegsbereit' sein wird.' 17 Juni. Erklärung des franzöfischan Ministerpräsidenten Mviani in der Deputiertenkammer: „Die Regierung wird eS als eine ihrer höchsten Pflichten betrachten, in der bisher folgten äußeren Politik zu beharren und wird jede direkte oder indirekte ,,Verkürzung" der dreijährigen Dienstzeit „verweigern-' ** Boxberg, 11. Juni. Mit dem Verpacken der Kroßherzogs-GeburtstagS-Sendung an die badischen Truppen im Felde ist begonnen worden. Der badische Landesverein vom Roten Kreuz wird einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in welchem um Gaben, insbesondere um Geldspenden, für die Sendung gebeten wird. (-) Schweiger«, 10. Juni. Als Bürgermeister Wegert vom Felde mit seinem Fuhrwerk heimkehrte, fiel er von demselben so unglücklich herab, daß er den unken Arm brach. Der Wagen kipple an einem Ram um und Wegert wurd«: heruntergeschleudert Wir wünschen, daß Herr Bürgermeister Wegert bald wieder hergestellt sein Bobstadt, 10- Juni. Am letzten Sonntag fand die gemeinsame Trauerfeier für 4 tapfere Krieger statt die den Heldentod erlitten haben: für Gustav Behringer. Karl Scherer, welcher schon lange als vermißt gilt, Johann Hoffmann und Karl Fischer. Herr Pfarrer Scharf spendete den trauernden Angehörigen der gefallenen Helden herzliche Worte des Trostes und der Aufrichtung. Er verlas sodann einen ehrenvollen Nachruf des Turnvereins Schweigern, dessen aktives Mitglied Gustav Behringer war und der eine Wordnung zur Trauerfeier gesandt hatte. Ferner verlas der Vorstand des Militärvereins Bobstaot, Schneidermeister Behringer, einen Nachruf und Fräule n Luise Volk legte im Namen der Jungfrauen einen Kranz nieder, ebenso Karl Krieger namens der Jugendwehr. Ehre den tapferen, fürs Vaterland gefallenen Helden! (-) Mannheim» 10. Juni. In der Lanzschen Kesselschmiede geriet gestern nachmittag ein 150 Liter Oel enthaltender Tank in Brand. Das Feuer griff um sich und verursachte einen Gebäudeschaden und Fahrnisschaden von rund 20 000 Mark. Die Fabrikfeuerwehr unterdrückte den Brand, lieber die Ursache schreibt der Polizeibericht, daß Oel gegen einen brennenden Ofen gespritzt sei. — Beim Zusammenkuppeln zweier Eisenbahnwagen auf dem Zentralgüterbahnhof hier stürzte einem 38 Jahre alten, verheirateten Rangierer von hier ein etwa zwei Zentner schwerer Heuballen von einem Wagen herunter auf den Rücken. Durch die Wucht des Falles wurde der Rangierer zu Boden gedrückt, dabei brachte er seinen linken Arm unter die Räder «des Eisenbahnwagens und der Arm wurde ihm abgefahren. — Am gleichen Tage fiel ein verheirateter Weichenwärter beim Einlegen von Heu in feinen Heuschuppen etwa 5 Meter hoch herunter und zog sich schwere Verletzungen zu. (-) Karlsruhe, 10. Jüni. Dre Mitglieder des Badischen Landesverein für Bienenzucht haben seit Kriegsbeginn rund 2 220 Mark für das Rote Kreuz gespendet und außerdem noch über 1000 Pfund Honig. Bis jetzt sind 45 Mitglieder des Vereins gefallen. Heimatblatt. Es sollte in keinem vaterländisch gesinnten Haus unseres Baulandes als täglicher Gast fehlen. Tagesberichte. WTV. «rotzes Hanptgnartier II. Jnut. (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche' Vorstöße nordöstlich der Loretto- höhe, sowie wiederholte Angriffe gegen unsere Stellungen nördlich und südlich po« Neuville scheiterte«. Der Rahkamps in de» Gräben nördlich von Eenrie dauert «och an Südöstlich von Hebnterne und Beanmont wurde» feindliche An- Hoffnung und Hluck. Roman von E. o. Buchholtz. 52 13. Kapitel. Der Tag. an dem vor hundert Jahren Herr Heinrich von Laudeck das Licht der Welt erblickt hatte, war herangekomnien. Der alte Herr war überglücklich..Nun halte er das Ziel, das ihm als höchst erstrebenswert vor Augen gestanden Halle «reicht. Hundert Jahre! Die Menge der Blumen und der Glanz der hundert und einen Kerze rührte ihn sehr. Man hatte ihn an seinen Geburtstagstisch tragen müssen; die alten Knochen, heute durch die Erregung besonders geschwächt, versagten ihren Dienst. Nun saß das heftig mit dein Kopf wackelnde Geburtstagskind auf dem weichsten Lehnstuhl im Kreise seiner Angehörigen vor dem blumengeschmückten Aufbau und führte mit den zitternden Händen, die von jüngeren unterstützt wurden, jedes Geschenk ganz dicht an die armen, schwachen Augen. — Balder hatte den alten Herrn, von ihm selber unbemerkt, gezeichnet — es war eine sehr ähnliche charakteristische Arbeit 7-und ihm diese geschenkt. Der Alte erschrak davor, «wurde last wütend. Das wäre eine Karikatur. Er sprach kein Wort wehr mit dem Maler. Da er sehr spät anfgestanden war, wurde erst das zweite frühstück gemeinsam eingenommen. Als Alfred die Gläser voll Wein schenkte, grinste ihn der alte Mann erwartnngsocll an und zitterte vor Spannung; er verlangte eine poetische Huldigung. Alfred senkte schuldbewußt das Hanpt. er hatte total vergessen. dem Onkel ein paar Verse zu schmieden, andere Gedanken hielten ihn gefangen. Seine Spottlust regle sich; für den kindischen Greis genügte» die Strophen, die er einmal gehört hatte. Er erhob sein Glas: „Heinrich von Landeck, Dir klingt mein Lied, Dn Haft nun hundert Jahr geblüht. Ich geb' Dir noch hundert Jahr zum Reisen, Dann wirst Du lernen und begreifen. Was vor Dir gesagt schon mancher Mann: Ach fing es doch wieder von vorne an." (-) Karlsruhe, 10. Juni. Erschossen hat sich in verflossener Nacht ein in der Rudolsstraße wohnender, 20 Jahre alter Kriegsfreiwilliger, anscheinend in einem Anfall geistiger Störung. — Erhängt aufgesimden wurde gestern nachmittag im Anwesen einer Wirtschaft im Vorort Rüppurr ein unbekannter Soldat. (-) Karlsruhe, 10. Juni. Die bisher geltenden Vorschriften über die Ermäßigung der Fahrpreise für Schulfahrten usw. sind geändert worden. Diese gelten für Fahrten zu wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken, bei Schulfahrten und Fahrten nach und von Ferienkolonien usw. Bei Fahrten zu wissenschaftlichen Zwecken in zweiter oder dritter Wagenklasse unterscheidet yran Lehrer und Studierende, bei Fahrten im Interesse der Jugendpflege in dritter Wagenklasse die Aufsichtsperson und die jugendlichen Personen. Bei einer Beteiligung von ^ehn Personen werden zwei Lehrer oder Begleiter, bei einer größeren Teilnehmerzahl für je weitere zehn Personen ein Lehrer oder Begleiter zugelässen. (-) Mühlenbach bei Lahr, 10. Juni. Durch Feuer wurde das Anwesen des Schreiners Matthias Vollmer, der sich zur Zeit beim Militär befindet, vollständig «eingeäschert. Drei Familien wurden obdachlos und sind fast um ihre ganze Habe gekommen. Das Feuer entstand durch spielende Kinder, die zwischen den Holzvorräte» ein Feuer angezündet hatten. Letzte Nachrichten. (Mitgeteilt von Wolffs Telegraphenbüro.) Ausdehnung der Laudsturmpflicht. Wien, 11. Juni. Infolge der Ausdehnung der Land- sturmpfltcht bis zum so. Lebensjahr ergibt sich die Notwendigkeit, die 43—50jährigen einer Verzeichnung zu unterziehen. Diele bet der großen Anzahl in Betracht kommenden Landsturmpflichtigen längere Zeit beanspruchende Maßnahme wird nun vorgenommen. Die Krieg-begeifternn- Berlin. 11. Juni. Wie der „Deutschen Tageszeitung' aus Laibach gemeldet wird, haben sich im Herzogtum Krain über 30000 Kriegsfreiwillige im Alter über SO Jahre gegen Italien gemeldet. Furchtbare Unwetter. Berlin. II- Juni. Das „Berliner Tageblatt" erfährt aus Genf: Aus verschiedenen Städten und Ortschaften Savoyens und der Dauphine werden furchtbare Unwetter gemeldet Die Flüsse und Bäche wurden zu reißenden Strömen und setzten Felder und Wiesen unter Master. Viele Bauerngehöfte find verbrannt. Auch wurden durch Blitzschlag mehrere Personen getötet. Eisenbahnen und Chausseen wurden durch bedeutende Erdrutsche vielfach zerstört. Starke Berlnßte der Italiener Wien, 10. Juni. Aus dem Kriegspreffequartier wird gemeldet: Die Italiener können auf dem südlichen Kriegsschauplatz bisher, trotzdem sie wiederholte Anstrengungen machten, um Vorteile zu erzielen, keine Erfolge aufweisen. Es bedecken die Abhänge des Krn Hunderte von remmg lind die Kämpfe an der gesamten Westfront noch überall im Gange, ohne daß an einem Punkte eine wichtigere Entscheidung gefallen wäre. Ueberall wurden die feindlichen Angriffe mit schweren Verlusten für den Gegner abgeschlagen. Nur am Wege Serre-Mailly erzielten die Franzosen einen unbedeutenden Fortschritt. Erfreulich ist, daß auch die wiedererwachten Kämpfe in der Champagne zu unseren Gunsten ausgegangen sind. Von den beiden ö stlichen Kriegsschauplätzen wird keinerlei Veränderung der allgemeinen Kriegslage gemeldet. An der unteren Dubissa nordwestlich Eiraaola wurden sämtliche russischen Angriffe abgewiesen und hem Feind dabei 300 Gefangene abgenommen. Der Erste Lord der englischen Admiralität Balfour hat im englischen Unterhause mitgeteilt, daß die deutschen U-Bootsgefangenen künftighin ebenso behandelt würden, wie die anderen Kriegsgefangenen. Im übrigen hat es sich der edle Lord nicht versagen können, den U-Bootkrieg geme in, feige und brutal zu ne neu. Es kann uns voll- Leichen von Alpini, die wegen des starken Feuers noch nicht geborgen werden konnten. Die italienische Heeresleitung schweigt sich aber über alle Verluste wohlweislich aus. «iui«-»krisis? Berlin, 11. Juni. Die „Voffische Zeitung" meldet aus Petersburg : Hier mehren sich die Gerüchte über eine bevorstehende Ministerkrise. In erster Linie soll wahrscheinlich der Ministerpräsident Goremykin gestürzt werden, der als Anhängereines Krieges ohne Ende gelte. Auch der Kriegsminister soll nicht mehr das Vertrauen der Duma besitzen. Der kraute König. Athen 10. Juni, abends 8 Uhr. Der Krankheits- bericht besagt: Der Zustand des Königs ist weniger zufriedenstellend. Es haben sich Nierenschmerzen eingestellt und im Urin ist Albumin gefunden worden. Die Einnahme «onstautinopels anSgeschloffe« Wien, 10. Juni. Das .Neue Wiener Abendblatt' veröffentlicht eine Unterredung eines seiner Mitarbeiter mir Kapitänleutnant von Mücke über die Dardanellenaktion. An die Dardanellen, sagte von Mücke, kann nicht gerührt werden. Ebenso ist diel Einnahme Konstantinopels ausgeschlossen. Man muß sich vor Augen halten, daß die Türken ausgezeichnete Soldaten find und sich in Gallipoli hervorragend schlagen. Die Arbeiterführer lege« sich ins Zen- Berlin, 10 Juni Der „Täglichen Rundschau' wird aus London berichtet: Nach der .Times" wollen die Arbeiterführer der Vereinigten Staaten erneut den Versuch unternehmen, die Ausfuhr von Kriegsmaterial zu verhindern und um auf jeden Fall einen Krieg mit Deutschland zu vermeiden, sofern keine Verletzungen der amerikanischen Grenzen erfolge. Rene kanadische Truppe» London, 10. Juni. Nach einer Timesmeldung aus Toronto hat der Verteidigungsminister einen Aufruf zur Erlangung von 35 000 neuen Soldaten erlassen. Das neue Kontingent soll aus 27 Infanterieregimenten» und 6 Batterien Artillerie bestehen. Wenn eS zustande gekommen ist, wird Canada im ganzen 150 000 Mann aufgebracht haben. Dewet Var Gericht. Bloemfontein, 10. Juni. (Reuter.) Heute hat die Verhandlung gegen Dewet, der des Hochverrats mit der Allernativfrage des Aufruhrs angeklagt ist, begonnen. Dewet erklärte, des Hochverrats nicht schuldig, d s Aufruhrs aber schuldig zu lein. Nach Vernehmung wichtiger Zeugen wurde die Verhandlung vertagt._ Wetterbericht. Der Hochdruck im Osten beginnt zu schwanken. Bon Nordwesten her naht ein neuer Luftwirbel. Unter seinem Einfluß sind für Samstag und Sonntag zahlreiche Gewitter zu erwarten, im übrigen wird das Wetter vorwiegend trocken und warm bleiben. —. ^aap, uvci. nicht, es wieoer zu nehmen. Wir verwirklichten neue Gewinne im Labyrinth. In der Gegend von Hebnterne haben wir unsere Gewinne ganz behauptet, die sich auf eine Front von 1800 Meter und auf eine Tiefe von einem Kilometer erstreckt. Nichts Neues auf dem Rest der Front. Abends 11 Uhr: Im Abschnitt nördlich von Arras dauerte der Artilleriekamps an. Er wurde indes durch einen sehr dichten Nebel gehemmt. Der ergänzende Bericht über die Einnahme von Neuville-St. Vaast stellt fest, daß der nördliche Teil des Dorfes und die Schanze, die der Feind hergerichtet hatte, mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt worden sind. Durch einen Kanrpf Schritt für Schritt, Haus um Haus hatte sich unsere Infanterie der ganzen Stellung bemächtigt. Die Deutschen haben sich nur im letzten Notfall zurückgezogen, wobei sie in unseren Händen zahlreiches Material zurückließen, darunter eine 77er Kanone und mehrere Maschinengewehre. Wir haben in den Häusern in den Laufgräben und in den Kellern nahezu 1000 Der Alte ivar gerührt, während die anderen lachten. Er stieß mit allen Anwesenden, in dem stolzen Bewußtsein, der gefeierte Mittelpunkt zu sein, andächtig au und bemühte sich, jedem einzelnen liebenswürdig znznlächeln. Es sah fürchterlich ans, wie sich dabei die dürren Lippen bis zu den nackten Kinnladen öffneten; das mumienhafte Gesicht war brauublaß wie Pergament. Viola hatte einen Ekel vor der Berührung der welken Haut, die nur aus Runzeln bestand, aber der Greis empfand den Mangel au Zärtlichkeiten als Kränkung. Er blinzelte ein wenig mit den ausgetrockneten Augen, die nicht mehr weinen konnten und jammerte über die Herzlosigkeit der heutigen Jugend. Im nächsten Augenblick war er jedoch wieder versöhnt tind kramte Kindheitserinnerungen ans, bei denen er aber nie über den Anfang hiiiauskam. „Mein Gedächtnis beginnt schlecht zu werden," klagte er lallend, „bald werde ich nur noch genau wissen, daß ich Alfred von Laudeck heiße." Die Anwesenden tauschten Blicke — der Alte merkte nichts davon. Er wirrde bald in sein Zimmer gebracht, damit er ruhte, den» zu Mittag war ein großer Kreis von Bekannten geladen. Und nun war die Zeit des Diners herangekommen. — Vor dem Kuvert des hundertjährigen Geburtstagskindes stand ein schönes Blumenarrangement, sein Lehnsessel war bekränzt, die Armleuchter angezündet. Alles sah so festlich wie möglich aus. Unter den vielen Gästen, die gekommen waren, um die Zentenarfeier würdig zu begehen, war auch der Bürgermeister von Elshansen. Sein dekorativer Globus-Bauch, der durch den Frack mit einer Anzahl Orden sehr stattlich ergänzt wurde, erschien für solche Feste förmlich prädestiniert. Frau von Laudeck saß neben ihreinOnkel, sorgsam bemüht, alle seine Ungeschicklichkeiten beim Essen zu verhüten oder den Augen der Gäste zu emziehen. Der alle Mann zitterte starkoorAnfregung.„Wanda." lallte er. „wenn das mein seliger Vater erlebt hätte!" Und nun vertiefte er sich in Jugenderiiluerungeii, während die Gegenwart in haltlosen Umrissen vor diesen verschwand. Beim Braten erhob sich der Bürgermeister. „Verehrte Anwesende, liebe Festgeiiossen!" Und nun hielt er eine schwungvolle Rede an den Hundertjährigen, in der die Worte: „Stolz der Familie — ehrwürdiges Greil'en- haupt — alttestameutarisches Alter — immerdar von Gott behütet — segensreiches Alter" in wohltuender Abwechslung den Inhalt bildeten. „Und so laßt unS," fuhr das brave Els- hausener Stadtoberhaupt sott, „die Gläser erheben und au- stoßen auf den Chef der hochoerehrten Familie von Laudeck dem es vergönnt ist. das Fest der hundertjährigen Wiederkehr seines Geburtstages in einer so seltenen geistigen und kör- perlicheu Frische zu verleben. Lassen Sie uns darauf ansto- ßeu, daß dem würdigen Geburtstagskinde noch manches Jahr beschert sein möge, wie bisher von seinen Angehörigen geliebt und verehrt, als einer, auf dessen Erfahrungsschatz die ganze Familie bewundernd blickt, diesen Tag zu begehen." Ein lautes, dreimaliges Hoch schallte durch den Raum. Der alte Mann zitterte noch stärker, das Glas, das er in der Hand hielt, schlotterte derartig, daß Frau von Laudeck es mir anfassen mußte. Langsam und mühsam erhob er sich, alles Abraten war nutzlos, der Hundertjährige wollte durchaus selber im Toasts danken. „Meine Lieben, Verehrten," begann er stammelnd. — Dann hielt er iune, er wußte nichts weiter. „Meine Lieben " — setzte er nochmals an. Plötzlich wurde das Zittern stärk«. — die wankenden Knie brachen unter ihm zusammen — er fiel auf seinen Stuhl zurück — die Augen bewegten sich n, eigentümlicher Drehung nach oben — noch ein leiser Seufzer — der alte Mann war tot. ° Man stürzte auf ihn zu. horchte aus den Atem Der kam nicht wieder. Das hundertjährige Leben war ausgelöscht. — Es entstand eine große Bewegung, ein großer Schreck —der Schreck vor dem Tode. Trauer war nicht dabei. Der kindisch« Greis war eine uberzeitige Frucht geioesen; es erschien wie eilte gewisse Erlösung für alle, daß sie endlich vom Baume des Lebens gefallen war. Nur schade, daß dies gerade heute ge. schehen mußte, dachte mancher, der sich aus die opulente Mahlzeit gefreut hatte, bedauernd. Die Leiche wurde heraus getragen. — Die Gäste fuhren ab — die Tafel mußte abgedeckt werden. — Aus dem Geburls- tagshaus war ein Sterbehaus geworden. Nach drei Tagen war die Beerdigung. 222,22 8—1« LaglShuer !-w>- 1 Kmmermauu als Platzmeister finden dauernde Beschäftigung bei Gebr. Hammer, Mergentheim Mehrere Werkstatt- und Magnzinschreiber zu sofortigem Eintritt gesucht. Klm», Komik ü Me., AktieogrstWost Mannheim-Käferlhal. Spar- u. Maiskllkch Ogerbilkkell. Die hiesige Spar- und Waisenkaffe nimmt jederzeit Spareinlage« bei einer Verzinsung von 40/g an und gibt Gelder ab s. Darlehen auf l. Hypotheke und aus Anunitäten, d Darlehen an Private gegen doppelte Bürgschaft sowie 0. 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Wir eroberten in der vergangenen Nacht und heute morgen Neuville- St. Vaast, das der Feind noch hielt Die Gesamtheit des Dorfes ist noch in unserem Besitz. Wir rückten außerdem im Innern des Häuserblocks nördlich des Dorfes vor. Im Labyrinth dauerten unsere Fortschritte besonders im Südwestteile fort. Im Gebiet von Hebuterne verbreiterten wir trotz heftiger Beschießung unsere Stellungen um dieT 0 uven t-F erm. Im Gebiet östlich Tracy-le-Mont an der Ornenneviers-Ferm mißlang ein feindlicher Gegenangriff nachts vollkommen. Wir behaupteten gänzlich das am 6. Juni gewonnene Gelände. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. WTB. Wien, 10. Juni. Amtlich wird verlaütbart vom 10. Juni 1915 mittags: Italienischer Kriegsschauplatz: An der Jsonzofront wurden neuerliche Uebergangsversuche des Feindes bei Plava, Gradisca und Sagrado abgewiesen. In der Gegend von Flitsch und am Kar- nischen Kamm östlich des Plöckenpasses wird weiter gekämpft. Auch die Artilleriegefechte im Raume der Tiroler Ostgrenze dauern fort. Ein feindlicher Angriff im Tonale- gebiet scheiterte am Widerstand unserer tapferen Sicherungstruppen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Höser, Feldmarschalleutnant. WTB. Wie«, 10. Juni. Amtlich wird verlautbart vom 10. Juni 1915 mittags: Russischer Kriegsschauplatz: Die Kämpfe am oberen Dnjestr und im Raume zwischen Dnjestr und Pruth dauern fort. Die Armee Pflanzer-Baltin gewinnt weiter Raum nach Norden. Ihre Anarisfskolon- nen sind unter fortdauernden Kämpfen bis Obertyn und bis aus die Höhen südlich Horodenka vorgedrungen. Dem erfolgreichen Vorgehen der auf galizischem Boden kämpfenden Teile der Arm« hat sich nun auch eine Gruppe in der Bukowina angeschlossen, die gestern den Pruth überschritt und starke russische Kräfte südwestlich Kotz mann zurückwarf. Die sonstige Lage im Norden ist unverändert Balkankriegsschauplatz: Eines unserer Fliegergeschwader belegte gestern früh das Arsenal und die pyrotechnische Anstalt von Kragujevacz erfolgreich mit Bomben. Zwei Brände wurden konstatiert. Unsere Flieger sind wohlbehalten zurückgekehrt^ in Atem. Mittlerweile vollzog sich die Einschließung der Festung im Süden nnd bald auch im Norde«. Gegen Ende Mat kam allgemach die schwere Artillerie der Verbündeten heran, deren Vormarsch durch di« Zerstörung aller Brücken beträchtlich verzögert worden war. Kaum waren beim 10. Korps einige schwere Batterien eingetroffen, als das Bombardement, insbesondere gegen die hartbedrückte Front Pralkooce begann. Als sich dessen Wirkung zeigte, setzte die Infanterie zum Sturme an und nahm das Werk am Abend des 2 9. Mai. Als Pralkooce fiel, wurde die gesamte Reserveartillerie der Festung und alles Geschütz, das an den anderen Fronten entbehrlich war, herangezogen und zur Abwehr in Tätigkeit gesetzt. Inzwischen war auch vor der Nordfront, wo die bayerische Division Generalleutnant Kneussl verstärkt mit etwas preußischer Garde und einem preußischen Infanterie-Regiment sowie mit dem Fußbatailion einer Honved-Kavalleriedivision nach dem Siege bei Radymno den Raum bis zum San abschloß, schwere Artillerie eingetruffen und begann am 30. mittags die Beschießung des Abschnittes zwischen Ujkowice und Dunkowici, in dem sich die Werke 10 (Ujkowici), 10 a, 11a, 11 (Dunkowici) nebst et- lichen Zwischenwerken befanden. Vom zwerghasten Gebirgsgeschütz bis zum 42er Riesen traten hier alle Kaliber der deutschen und österreichisch-ungarischen Artillerie in Tätigkeit. Mit unheimlicher Genauigkeit und Wirkung bearbeiteten die Feuerschlünde den Abschnitt, namentlich aber die Werke 10 a, 11 a und 11. Me Arbeit wurde wesentlich dadurch gefördert, daß die Russen nur verhältnismäßig wenig Artillerie entgegenstellen konnten, war doch das Gros an der Südwestfront durch das 10. Korps gebunden. Uebrigens hielten die Russen den Angriff gegen diesen stärksten Teil des Gürtels für eine Demonstration, die nur die Aufmerksamkeit von der Südwestfront ablenken sollte. Die Befestigungen, namentlich die Hinderniszonc, waren so stark, daß die Beschießung am 31. fortgesetzt werden mußte. Doch hatte sich die Infanterie während der Nacht nahe an die Stellungen herangearbeitct. Am Mittag des 31. trat eine Feuerpause ein. Ein preußischer Unteroffizier schlich sich aus der Deckung gegen 11 a vor, um die Wirkung des Bombardements zu erkunden. Er fand mehrere Breschen in den Hindernissen und merkte beim Vorgehen, daß die Schießscharten der Werke unbesetzt waren. Rasch eilte er mit mehreren herbeigewinkten Soldaten vor und erkletterte die Brustwehr. Die Russen waren während der fürchterlichen Beschießung aus den Werken in rückwärtige Stellungen zurückgegangen. Als die Feuerpause eintrat, eilten sie in ihre Stellungen zurück. Schon aber hatte der Unteroffizier mit seinen wenigen Leuten die Brustwehr erklettert. Bor den drohend angeschlagenen Gewehren stutzten die Russen, einzelne warfen die Waffen weg und hoben die Hände hocy. Mittlerweile hatten aber auch di« nächsten Kompagnien das Borgehen der kleinen Gruppe bemerkt und stürmten herbei. Fm Nu waren die Steilungen voller Angreifer, die der russischen Gegenwehr in kurzem Kämpft ein rasches Ende bereiteten. 10 a und 11a waren nebst Zwischenwerken genommen. An der Erstürmung der zwischen 11 a und 10 a gelegenen Insanterie- stellungen beteiligten sich Honvedhusaren zu Fuß. Vom Standpunkt des Gruppenkommandanteu sah es aus. als ob dort der Rückzug ngetreten werde, da plötzlich aus den Stellungen «zurückgeh lde SchnMrmlinien sichtbar wurden. Bald stellte es fich aber heraus, daß es waffenlose Gefangene waren. Nun -zog 11 (Dunkowici). obschon es im besten Verteidigungszustände war. und am wenigsten gelitten hatte, die weiße Fahne auf. Fetzt wandten sich die Sieger rechts und links, um den Gürtel «mfzurollen. Die Russen aber sahen endlich doch, daß hier die größte Gefahr drohe. Reserven eilten herzu. Sie konnten zwar den Schaden nicht mehr beheben, vereitelten aber in wütendem Gegenangriffe, ein Vorgehen gegen die Straßensperre bet Dunkowici. Bald kam auch rin Gegenstoß in Richtung 10 a und 11a, der nach heiße» Kampf unter Mitwirkung der die Infanterie mit bewunderungswürdigem Verständnis unterstützenden Artillerie abgewiesen wurde. Diese schweren Kämpft füllten den 1. Juni aus. Am Abend wurde die Straßen- sperre genommen. dementsprechend handeln. ' Die Wirkung der deutschen Gegenmatzregeln. WTB. London, 10. Juni. (Reuter). Im Unterhaus erklärte Balfour, daß seit einigen Wochen kein nennenswerter Unterschied in der Behandlung Kriegsgefangener von U-Booten und anderer Kriegsgefangener gemacht worden sei. Er erklärte namens der Regierung, daß Maßregeln getroffen worden seien, um die Behandlung zukünftig vollständig gleich zu gestalten. Wilsons Parteinahme sür England. WTB. Stockholm, 10. Jüni. „Swenska Morgen- bladed" sagt zum Bruch zwischen Staatssekretär Bryan und Präsident Wilson: Eine gehässige Sprache gegen Deutschland wegen der „Lusitania"-Affäre ist für ein Land nicht angemessen, das dadurch, daß es amerikanischen Bürgern gleichsam als Schutz für die Munitionslast mitzufahren gestattete, selbst mitschuldig an dem Untergange ist. Dadurch verliert Amerika vom moralischen Standpunkte aus das Klagerecht. Aus Stadt und Land. ** Adel-Heim, 11. Juni. Unsere Gegner an der Arbeit vor Jahresfrist: 11. Juni: Forderung der russischen Presse, daß Frankreich bei der Erörterung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit die „internationale Lage" nicht vergessen solle. Französische Agitation in Luxenburg. Franzosenfreunde rufen: »Wir wollen keine Preußen sein'. 12. Juni: In der französischen Presse wird behufs Einschüchterung Italiens die deutsche Regierung der germanischen Ausdehnung bis an das Mittelmeer verdächtigt. Die Dreiverbandspresse hofft von der Begegnung des Königs Karol mit dem Zaren den Anschluß Rumäniens an den Dreiverband. 13. Juni: Kundgebung der französischen Regierung an das Parlament, daß sie willens sei, den Reserven, die einen wesentlichen Bestandteil der Armee bilden, eine festere Organisation zu geben und daß sie eine Verzettelung der Kräfte, die der Verteidigung Frankreichs gewidmet seien, .verhüten'werde. 14. Juni: Eintreffen.der Zarenfamilie in Constanza in Rumänien in Begleitung des russischen Ministers des Aeußern, Ssasanow. 15. Juni: Die konservative englische Presse bringt zum Ausdruck, daß Poincare nicht vor denen, die gegen die dreijährige Dienstzeit find, die Waffen strecken solle. Abfahrt des englischen Mittelmeergeschwaders von Malta nach der Levante. 16. Juni: Erklärung des russische» Kriegsministers Suchoulinow in (der Petersburger Börsen- Zeitung: „Rußland und Frankreich wollen keinen Krieg. Rußland ist aber .kriegsbereit' und hofft, daß auch Frankreich „kriegsbereit' sein wird.' 17 Juni. Erklärung deS franzöfischan Ministerpräsidenten Biviani in der Deputiertenkammer: „Die Regierung wird es als eine ihrer höchsten Pflichten betrachten, in der bisher