auNnder DE Grßhow tS-llch, an-« S«m» on» Zeioriag» vretor Monatlich. . . vterteljührllch . se»t ta« yaa» geliefert Soxberger Mzeiger Helrfenftes Tageblatt -es baöljchea Saalau-e» Knzeige» «er»«, mit pfenntz , per einspaltig» Zeile derechnri. ^ ^ Set mehrmaliger stuh.ahmr NadaS Postscheck-Konto 4054 , Karlsruhe " tzauptanzeigeblatt M -K sezlrke M-elsheim, Hoxberg u. -eren Umgebung «eattor Mttiches vertttn-igungsblatt Köchrntl.) Illustriertes Sonntag»»Statt hotzsubmiDoas» uaS verstrigerungs-fiazeiger für den DSenwal» ^,'WNLiLLW Rr. 12» Verantwortlich:AdolfHeppeler, . Druck und Verlag: Joseph Viel, i beide in Adelsheim. — Telefon dir. 18. ' Steker Vacmarsch zwischen Oise nn» Marne. ! WTL. Großes Hauptquartier, 4. Juni. (Amtlich.) ! i Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Artilleriekampf wechselnder Stärke. Rege Erkundungstätigkeit des Feindes und stärkeres Vorstoßen an ^ verschiedenen Stellen der Front. Südwestlich von F er- > ris hat sich der Feind in kleineren Grabenstücken festge- ! letzt. , Heeresgruppe deutscher Kronprinz: i Nördlich der Aisne entrissen wir dem Feinde in ! hartem Kampfe einige Gräben. Der zähe Widerstand l des auf den Höhen westlich und südwestlich ovn Sois- so ns sich anklammernden Feindes wurde gestern gebrochen. Die Höhen von Vanxbuin und westlich l von Chaudun wurden ge nomme n. Nach E r stür - mung von Peruand und MissY-aux-Bois warfen wir den Festrd auf die Linie Le ouiler-Dommiers zurück. Mehrere Batterien wurden erobert, einige tausend Gefangene eingebracht. Französische Gegenangriffe beiderseits des Ourcsilusses scheiterten unter schweren Verlusten. Nordwestlich von Chateau-Thierry haben wir an Kampf die Buhn Busstares—BoureÄhes überschritten und feindliche Gegenangriffe abgewiesen. An der Marne, zwischen Marne und Reims ist die Lage unverändert. , Der erste Generalquartiermeister: Ludendorff. * Was will Hindenburg? Diese Frage beschäftigt di« feindliche Seite heute lebhafter denn je. Clemenceau meint nach der Mitteilung eines Londoner Blatts, das Ziel der deutschen Heeresleitung sei weder Soifsons nach Reims, weder Calais noch Amiens; es werde vielmehr - beabsichtigt, die strategischen Reserven der Verbündeten ' zu vernichten. Auch sei der Angriff an der Aisne noch gar nicht das Hauptunternehmen, die eigentliche große Offensive der Deutschen werde erst noch kommen. Die Bee:rindeten, meint Clemenceau, müßten daher auth l en f und aushalten, bis sich das ganze Gewicht der groß- Maigen Vorbereitunaen Amerikas bemerkbar mache. Das Karte Urüfung. Roman von Max Hoffman». 2S „Woher hatten Sie Kunde davon?" „Nun, man hat so seine Quellen. Unsereins kann doch nicht so ins Blaue hineinleben, man mnß sich auch etwas unr die Mensche», mit denen man Geschäfte macht, beküm» niern. Na, nnd da ging ich denn schließlich zu der Frau Re». giernngSrat, stellte ihr die Sache dar und bat sie, Herrn Dok» tor Waldow zu veranlassen, daß er mich doch endlich befrie» digt. Ich rechnete ans den Einfluß, den sie wohl immer noch auf ihn haben würde." „Teufel!" zischte der Doktor empört und drohte ihm mit der erhobenen Faust. Aber Herr von Scharffenstein stampfte mit dem Fuß« auf und schlug mit der Hand so heftig auf die Akten, daß es wie ein kleiner Kanonenschuß krachte und daS Tintenfaß in di« Höhe sprang. „Niemand hat hier etwas zu reden, wenn nicht die Reihe an ihm ist, oder ich mnß andere Maßregeln ergreifen!" drohte ,, außer sich. Er gewann aber sofort sein« Selbstbeherrschung wieder und set.tr mit seiner gewöhnlichen Stimme hinzu': ,Wann waren Sie bei Frau von Marleben?" Der Agent zog gemächlich sein Notizbuch hervor nnd blätterte darin. „Es war gerade sechs Wochen vor jenem Berbre» Len." „Und wann mahnten Sie den Herrn Doktor?" „Nnqesähr jede Woche einmal." „Wie benahm sich der Herr Doktor dabei zu Ihnen?" „Er war grob wie Bohnenstroh." „Also von der Einwirkung, die Sie erhofft hatten, war nichts zu merken?" „Durchaus nicht! Bis ich dann zu meiner eigenen Ueber- raschnng am Lage »ach jener Tat plötzlich das ganz« Geld auf einmal erhielt." Herr von Scharfenstei» klopfte mit einem der übermäßig langenBleistifte. die auf seinem Schreibtisch lagen, nervös auf die grün überzogene Tischplatte und sah mit seinen stechenden Augen abwechselnd bald den Doktor und bald den Agenten an. TaS dauerte so einige Minuten. Dann nickte er befriedigt Adelsheim. Mittwoch, 5. Juni 1918. i Bezugspreis: Pro Vierteljahr 3 Mark. — Anzeigenpreis: Die Sgespaltene Petitzeile i 20 Pf. Reklumezeile 60 Pf. Postscheck 4654. 42. Jahrg. AP MLm/w «7 cks-Z/E WW»W! - - c«4>qin> -«s-»-»«MH,- AP MLm/w «7 cks-Z/E sei der einzige Weg, um Frankr.ich zu retten. — Um die „Rettung" Frankreichs also handelt es sich schon, nicht mehr um die Vernichtung der Boches. Und zur Rettung des Landes gibt es nach der Ansicht Clemenccaus nur noch einen einzigen Weg: die Hoffnung auf die ».großzügigen — Vorbereitungen." Amerikas. Gewiß, „großzügig" find sie, die Rüstungen, die Wilson befohlen hat, viel zu großzügig, als daß sie in naher Zeit in dem von Clemenceau erhofften und erforderlichen Maße sich austvirken könnten. Sie kommen um zwei Fahre z» spät, und es erfüllt sich das Wort Hindenburgs vom vorigen Jahre: man werde doch nicht glauben, daß die Deutschen warten, bis die Amerikaner ein Millionenheer nach Frankreich geworfen haben; bevor die amerikanische Hilfe wirksam fein könne, werde die Entscheidung mehrere Male wie jemand, der zufrieden mit dem Ergebnis seines Nachdenkens ist, und sagte: „Es ist gut, Herr Grulich. Ich danke Ihnen. Sie können gehen." Grulich warf sich in die Brust. „UebrigenS. Herr Untersuchungsrichter, auf den etwa auf mein Konto entfallenden Teil der Belohnung verzichte ich." „Hin. Na, also gut k Sie können gehen." „Und was die zweitausend Mark betrifft, die da beschlagnahmt sind." fügte der Agent großspurig hinzu, „so verzichte ich auch darauf." „Das ist eine Sache für sich." unterbrach ihn Herr von Scharffenstein mit grimmigem Lachen. „DaS wird noch besonders geregelt werden. Adieu!" Als Grulich hinaus war, winkte er die beiden Kommissare, die bis jetzt respektvoll zugehört hatten, zn sich heran und sagte leise zu ihnen: „Diesen Ehrenmann werden wir in ganz besondere Beobachtung nehmen muffen." „Ist bereits vorgesehen!" erklärte Herr von Bardekow. Herr von Scharffenstein machte jetzt ein sehr oerguügteS Gesicht, als er sich an den Doktor wandte. „Und nun, Herr Doktor, zn Ihnen I Wissen Sie, daß mir jetzt die ganze Geschichte mit den zweitausend Mark klar wie Sonnenschein ist?" „Sie können nur Bermutungsn anssprechen. Herr Untersuchungsrichter." „Ich möchte mit Ihnen wetten, daß ich eS genau weiß. Denn ob nun meine Darstellung des Vorganges stimmt oder nicht, das werde ich an Ihrem Verhalten während meiner Worte merken, darauf können Sie sich verlassen. Nicht umsonst führe ich seit beinahe dreißig Jahren solche Untersuchungen!" Der Doktor sah ihn sche» von der Seite an. Dieser kleine Herr hatte unzweifelhaft etwas Dämonisches an sich, das mit eigentümlicher Macht auf feine Umgebung wirkte. Aber nein, es war unmöglich, alles konnte er nicht wisse»! Das Geheimnis, daS er in seinem Busen bewahrte, war ja für ihn selbst auch nur Vermutung! Dieses Furchtbare, Unheimliche, daS er nun in allen diesen Wochen mit sich herumtrug, das seine Seele mit Zentnerlast bedrückte und ihn fast zum Wahnsinn getrieben hatte I Und da saß nun vor ihm dieser im Justiz» dienst ergraute Mann und freute sich offenbar darüber, daß Won gefallen sein. — Was will Hindenburg? Auch der in Ungnade gefallene englische General Maurice glaubt, wie er dem Londoner „Daily Chr-znicle" schreibt, nicht, daß die deutsche Heeresleitung sich darauf lege, Paris oder Reims zu nehmen; was die Deutschen bis jetzt erreicht haben, besonders die' Beherrsichlttg der Verbindungslinie Verdun—Paris bzw. Calais, werde ihren Absichten schon genügen. Das Ziel sei die Zermürbungl der Reserven des Generals Foch. Deshalb müsse Fach an alle Versuche denken, die der Feind noch unternehmen könne, und er müsse seine Reserven „süx das kritische Stadium der Schlacht" zurückhalten. Auch Mami e, der > allerdings seither nicht gerade für einen hervorragenden : Strategen gegolten hat, hält nicht dafür; daß in der ; Aisneschlacht der große Abschluß, etwa die Eroberung ' von Paris sich anoahne, daß vielmehr Hindenburg noch mit weiteren Ueberraschungen aufwarten werde. Allerdings glaubt er noch an das Vorhandensein genügend i großer Reserven für das kritische Stadium, während der » wohl besser unterrichtete Clemenceau auf diese Reserven i keine Hoffnung mehr setzt. Und Foch offenbar auch nicht, ! denn seine Kenntnis von der militärischen Lage kann ; Clemenceau nur von Foch selbst bei seinem letzten Besuch an der Front — bei dem Clemenceau übrigens um ein Haar von deutschen Vortruppen gefangen genommen worden wäre — erhalten yaven. Me Reservearmee FocyÄ hat jedenfalls als solche aufgehört zu sein. Wie schon der gestrige Tagesbericht meldete, war Foch gezwungen, Verstärkungen von fern gelegenen Frontteilen heranzuholen. Heute lassen sich englische Blätter schon sehr ungnädig über diese Maßnahme aus. wie zu erwarten war. MtZ ^Selbstvertrauen der Engländer aüf dem Schlachtfeld — natürlich nur da! — hat eben durch die Offensiven an der Somme und Lys doch einen argen Stoß erlitten und sie wissen, daß mit ihrer Macht allein nichts mehr.getan ist. Aber gerade das beweist, daß die Taktik Hindenburgs und Ludendorffs richtig und dem Ziele schon erheblich näher gekommen ist, was das „Berner Jntelli- genzblatt" zu der Aeußerung veranlaßt: „Die neuen Ereignisse bringen die deutsche Führung ihrem Ziel, die feindliche Kampfkraft und die feindlichen Kampfmittel zu zerstören, näher und näher. Das ist Ludendorsfs Art. Die Geschichte der Führung des modernen Krieges ist um eine Anwendung des Grundsatzes reicher, daß die Vernichtung der bewaffneten Macht des Gegners das Ziel ! ist. Was im gewaltigen Aufeinanderfolgen der Schläge ! erreicht werden soll, ist die Zerstörung der Streitkräfte im weitesten Sinne und damit die Schwächung des Wider« der Fall so schön klar vor ihm lag. Unmöglich! Warscheinlich irrte er. Warscheinlich? Nein, sicher! Ja, sicher. m„ßt«..dieser Mann irren, und es würde gewiß irgend ein! ganz vänale Geschichte dabei herauSkommen. Aber waS auch kommen sollte, er wollte, wenn er geendet hatte, ruhig anfstehen nnd sagen: „Sie haben recht, Herr Untersuchungsrichter, so ist eS gewesen!" Und dann würde man ihn entlassen, und die ganze Sache wäre erledigt. Nnd er raffte sich zusammen nnd sagte mit fester Stimme: „Ich habe volles Vertrauen zn Ihrer Er» fahrnng und zu Ihrem Scharfsinn, Herr Rat, und da Sie so klar sehen, so ist mein weiteres Derweilen hier wohl nicht inetzr nötig, und ich bin entlasten?" Der Untersuchungsrichter verzog feine schmalen Lippen zv einem schwachen Lächeln und drohte mit dein Finger. „Ei. ei. Herr Doktor! Sie denken wohl, ich könnte die Sache jetzt übers Knie brechen ? Nein, so schnell geht das doch nicht' Ich habe Ihnen ja auSeinandergesetzt. daß wir erst hören ivol» len, was Sie zn meiner Darstellung sagen werden." Doktor Waldow machte eine verbindliche Verbeugung. »Hm. Ich mnß Sie vorher bitten, mich in meinem Gedankengang nicht zu unterbrechen. DaS wirkt immer störend ans mich und zerreißt mir den Faden meiner Schlüffe." Der Doktor verbeugte sich wiederum schweigend. „Schön. Sehen Sie, Herr Doktor, eS gibt ja Menschen, denen nichts nahegeht. Diese Menschen plätschern k».«e-re des Lebens umher wie ein Seehund, an dessen fettigem Fell auch nicht ein Tropfen des ihn umgebenden Elementes haften bleibt, WaS sie auch treffen mag. ihr Geist bleibt sich immer gleich, keine tieferen Eindrücke graben sich in ihn ein. Das sind entwe« der die Gleichgültigen, die alles kalt läßt, oder die Leichtferti. gen, die überhaupt keiner tieferen Erfahrungen fähig sind, oder die Leute mit der ehernen Stirn und den stählernen Nerven an denen die stärksten Beschaffe des Schicksals wie Gummtt bäll« abprallen. Zn diesen drei Sorten gehören Sie nicht! Si« sind ein Mann mir starker, gemütvoller Begabung, der nie sicher davor ist, daß ihm sein Gefühl nicht einen Streich spielt. Mit einem Wort, ein Gemisch von einem Sanguiniker und einein Melancholiker." Worauf mag er nur hinauswollen? dachte Doktor Wak» dow. 234.20 standswillens. Der militärische Widerstandswille ist indessen mit dem politischen je und je übereinstimmend gewesen." Das dürfte den Nagel auf den Kopf treffen. Die militärischen Machtmittel der verbündeten Feinde will unsere Heeresleitung vernichten, an der Somme, vor Ipern, an der Aisne und morgen irgendwo anders, wo der Scharfblick gerade die beste Gelegenheit erspäht. Beim Anblick des ganz in Grund geschossenen, ehemals so schmucken Dorfes Pinon am Ailettegrund sagte der Kaiser: „All das Elend hätte sich Frankreich ersparen können, wenn es mein Friedensangebot vom IS. Dezember 1916 angenommen hätte." Franlreich und seine Verbündeten haben die Friedenshand höhnisch zurückgewiesen; ihr» militärischen Machtmittel waren noch nicht mürbe gemacht und sie versteiften den militärischen und deck politischen Widerstandswillen. Diese Machtmittel mußten erst völlig gebrochen und vernichtet werden — nicht zum wenigsten auch durch unsere wackeren Tauchboote —, dann kam die Bereitschaft zum Frieden von selbst. Wer jetzt in der Seele des Kriegstigers Clemenceau zu lesen vermöchte, — ob da nicht schon recht deutliche Neigungen zur Umkehr zu finden wären? Die oben angeführten Worte Clemenceaus find ja doch in Wahrheit nichts als ein Ausdruck der Hoffnungslosigkeit. Bon den Engländern erwartet er nichts, und von den „großzügigen Vorbereitungen" der Amerikaner offenbar ebenso wenig; mit „Vorbereitungen" ist dem in höchster Not Befindlichen nicht geholfen und nicht zu Helsen. Der Tagesbericht bestätigt weitere. Fortschritte iyi Kamvi gegen di? ^och'schc Gegenoffensive, sowohl nördlich der Aisne, als südwestlich von Soissons uno zu vewen Seiten des Ourcqflüßchens. Die Franzosen hatten an der ganzen Schlachtfront schwerste Verluste, verloren einige tausend Gefangene und mehrere Batterien, außerdem wurden sie abermals weiter westlich abgedrängt. So wurde namentlich ein wichtiges Stück der Bahnlinie, die Chateau- Thierr'y in nordwestlicher Richtung mit der Linie Soissons Meaux-Paris verbindet, in Besitz genommen und der Feind darüber hinaus zurückgeworfen. Vor Reims hat sich nichts geändert. In Flandern und an der Lys spielen sich fortgesetzt Vorfeldkämpfe ab. Im Westen und Südwesten von Soiss ons wird hartnäckig gekämpft. Eine bekannte ruhmreiche deutsche Reservedivision stand in schwerem Ringen um die autausgebauten alten Stellungen bei Vauxbuin. Jeder Nuß breit des mit tiefen Stollen und unterirdischen Gängen versehenen bewaldeten Höhengeländes mußte erkämpft werden. Nicht weniger als 7 französische Divisionen, darunter Elitetruppen, hat diese tapfere Division in den letzten zwei Tagen zu bekämpfen gehabt. In erster Linie war es das berühmte französische „eiserne Korps" /mit der marokkanischen Division, die sich, todesmutig verteidigend, verbluteten. Zum Teil empfingen die Afrikaner aus den Grabenböschungen stehend unsere stürmende Infanterie. Sie waren von Paris aus in Autos heran ggschafft worden, wo sie nach ihren letzten schweren Verlusten bei Amiens neu aufgefüllt worden waren. -Ihre Verluste wie die der 61. französischen Elitedivision sollen sich nach Gefangenenaussagen auf 70 Prozent belaufen. TaS schöne Vauxbuin mit seinen herrlichen Landstraßen ist bereits ein rauchender Trümmerhaufen. In Paris sind 120 000 Flüchtlinge eingetroffen. Sie Men in der Normandie, in der Bretagne, in Burgund und anderen Gegenden untergebracht werden. ._ Die Bedeutung der deutsche« Hochseeflotte. 2. Tie Wichtigkeit einer großen Flotte jetzt und nach d em Kriege. Wie schon im vorhergehenden Abschnitt angedeutet, wären die riesigen Erfolge unseres Tauchbootskrieges ohne die Flotte gar nicht denkbar. Nur allein die Schlagfertigkeit derselben läßt den Engländer einen Angriff auf die Ausgangsstationen der Tauchboote als nicht ratsam erscheinen, andernfalls er längst die Wurzel alles Hebels für ihr: auszurotten versucht haben würde. Hat er überhaupt schon mal einen Angriff auf die deutsche Küste versucht? Geht nicht heute wie vor Jahren das rege Handels- und Erwerbsleben in den Küstenstädten vorwärts, hindert irgend ein Einfluß der Feinde die deutschen Wersten daran, den Anforderungen dieses langen Krieges voll und ganz nachzukommen? Noch heute geht die Handelsschiffahrt in den Teilen der deutschen Gewässer ruhig ihren Gang. Denke man sich die deutsche Küste bei Beginn des Krieges ohne Sicherung einer starken Flotte, wie sähe es in den blühenden Seestädten ans! Das Verdienst, den Feind von der gesamten Nordküste abgehalten zu haben, ist dem Konto der Hochseeflotte znzuschreiben. Wie unsere Truppen im Osten und im Westen eine eiserne Mauer mir das Vaterland gebildet, und den Krieg in seiner ganzen Schwere von Deutschlands Grenzen abgewendet haben, so war es im Norden die Flotte, die ihren großen Teil zur Reinhaltung des Vaterlandes vom Kriegsgreuel beitrug. Dies sollte sich jedermann zu jeder Zeit vor Augen halten. Aber nicht allein wählend des Krieges, sondern auch nach demselben wird sie ein wichtiger Faktor für das Deutsche Reich seit,-. Haben wir nach einem glücklich beendeten Kriege unsere Kolonien wieder, so sind es zuerst Teile der Hochseestreitkräfte, die an einem Aufbau derselben wirksam Mitarbeiten. Sie werden dazu mitberufen sein, das Lügengewebe des Engländers über uns im Auslande gründlich zu zerstören, dem deutschen Namen wieder zum alten guten Klang zu verhelfen und, was die wichtigste Folgerung davon ist, deutschen Waren wieder die alten Absatzgebiete zu verschaffen. Ter Verlauf des Krieges hat gezeigt, daß internationale Abkommen über das Völkerrecht usw. leere Phrasen sind uyd der beste Schutz uir eine emporstrebende Handelsflotte eine nicht minder starke Kriegsflotte ist. Dieser Satz ist schon von den seefahrenden Völkern des Altertum? beachtet worden, wie es auch in der deutschen Geschichre der blühende .Hansabund war, der den Ausbau einer starken Schutzflotte anstrebte. Eine solche sichert die Einfuhr der Waren und Rohmaterial.en, deren der deutsche Kaufmann nach dem Kriege besonders dringend bedarf und gibt letzterem wiederum die Gewißheit, daß auch seine Erzeugnisse unbehindert ferne Weltteile erreichen. Daß Millionen Menschen im Lande eine gesicherte Existenz und ein sozialer Aufstieg verschafft werden kann und auch der geringste Arbeiter sein gutes Auskommen hat, ist insofern ein Verdienst der Flotte mit, weil eben unter ihrem Schutz die Entwickelung der deutschen Handelsflotte ungestört vor sich gehen kann. Und nicht an letzter Stelle steht die Beschäftigung Hunderttausender im allgemeinen Schiffbau und in der eigentlichen Schiffahrt. Ihnen allen wird durch das Dasein einer großen Kriegsflotte ein auskömmliches Brot und eine gesicherte Position im Leben gegeben. Es gibt eine Unmenge von Punkten, die, bis ins kleinste dargelegt, den unumstößlichen Beweis bringen, daß zum Lebensunterhalt des deutschen Vaterlandes in erster Linie eine starke Flotte gehört. Sie alle hiev darzulegen, geht nicht an, nur dies eine sollen diese Ausführungen zeigen, daß auch nach dem Kriege die Flotte nicht ein „Spielzeug" sein wird, sondern einen notwendigen Faktor für das deutsche Volk bildet. Je stärker die Kriegsflotte, desto lebensfähiger ist der friedliche Handel und desto sicherer die Existenz und das Einkommen auch des kleinsten Mannes. Darum soll man wohl bedenken, daß jeder Steuergroschen, der zur Erhaltung der Flotte dient, auch gleichzeitig einen sicheren Grundstock zur Erhaltung einer lebensfähigen Existenz bildet. Reichstag. Berlin, 4. Juni. Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die Sitzung um 2.1Z Uhr und gedenkt des verstorbenen Präsidenten Dr. Kämpf in längerer Rede: Kämpf habe als Erster Präsident dieses Hause« gewaltet in einer Zeit, wo schwere politische Kämpfe es dahin führten, daß zwei fast gleich starke Parteigruppen einander gegenüberstanden, er habe es verstanden, den Pflichteifer und die Würde des Hauses zu wahren. Ihm mar es vergönnt, als dieser furchtbare Krieg ausbrach, während dieser größten Periode an leitender Stelle die Geschäfte zu leiten. Er war das beredt« Sprachrohr des Volkes, wenn es sich darum handelte, zu verkünden, daß unser Volk bereit sei, zur Verteidigung des Landes weitere schwere Opfer zu bringen, wenn er verkünden durste, daß unsere Truppen von Sieg zu Sieg schritten, oder daß unser Volk wirtschaftlich und finanziell ungebrochen dastehe und die schwerste» Opfer zu bringen bereit sei. Er konnte auch dem tiefsten Schmerz Ausdruck verleihen, daß so viele Söhne unseres Volkes ihr Blut fließen lassen mußten, und verkünden, daß es uns Pflicht und Aufgabe sei, für ihre Hinterbliebenen zu sorgen. Die Abgeordneten erheben sich von den Plätzen. Reichskanzler Graf Hertling: Der schwere Schlag, der den Reichstag durch den Tod seines hochverehrten Präsidenten getroffen, hat bei den verbündeten Regierungen und vei der Reichsleitung die schmerzlichste Anteilnahme gefunden. Der Verewigte war ein Mann von großen Talenten des Geistes und des Herzens, vielseitiger Bildung, von vielgestaliigen Interessen und vor allem ein Mann der Arbeit und der Pflicht. Berufen zu großer Zeit an der Spitze des Hauses zu stehen, hat er seines Amtes unermüdlich gewaltet, bis ihn schwere Krankheit davon fernhielt und der Tod ihn erlöste. Vizepräsident Dr. Paasche bringt sodann eine Reihe von Beileidstelegrammen zur Verlesung und gedenkt mit warmen Worten des Wirkens unserer braven Truppen bei den neuen schweren Kämpfen, die uns in siegreichem Vorgehen bis an die User der Marne gebracht haben. Jetzt werden wir im Stande sein, einen entscheidenden Schlag zu führen. Für das neue Blutvergießen sind nicht wir verantwortlich, sondern die, die unsere Friedenshand zurückgewiesen haben. Hoffentlich gelingt es unseren Truppen recht bald, einen ehrenvollen Frieden zu erreichen. Eine Anfrage des Abg. Peirotes (S.) wegen der Beurlaubung der aus Elsaß-Lothringen stammende» Soldaten beantwortet General v. Wrisberg: Mit der Aufhebung d«k allgemeinen Urlaubssperre für die Westfront trat diese auch für Elsaß-Lothringer außer Kraft. Eine Urlaubsbeschränkung für die Elsaß-Lothringer besteht nicht. Beurlaubungen nach Elsaß- 6othringen unterliegen für alle Heeresangehörige den gleichen Vorbedingungen. Äs wird nur solchen Mannschaften die Beurlaubung nach Elsaß-Lothringen verweigert, die politisch unzuverlässig sind oder von deren Angehörigen eine ungünstige Beeinflussung zu erwarten steht. Bei der Novelle zum Schutzhastgesetz vom 4. Dezember 1916 bemerkt Abg. Freiherr v. Rechenberg fZ.): Das Schutzhastgesetz sollte Auswüchse des Belagerungsgesetzes beseitigen, hat fick aber als lückenhaft erwiesen. ,Di« Vaterlandspartci wird von den militärischen Stellen einseitig bevorzugt. Wir wünschen gleiches Recht für alle. ^ Die Wahl des Präsidenten wird am Donnerstag vorae- nommen werden. Mitte Juli wird die Sommerpause des Reichstags beginnen. Neues vom Tage. Beförderung des Prinzen Eitel Friedrich. Berlin, 4. Juni. . Prinz Eitel Friedrich von Preußen, Oberst u In suits des Jnfanterieregi« ments Kaiser Friedrich, König von Preußen, Nr. 12st wurde zum Generalmajor befördert. Die amtliche» Mitteil««ge» Clemenceaus. Paris, 3. Juni. (Havas.) Ministerpräsident Clemenceau gab heute vormittag vordem Heeresausschuß lange Erklärungen ab über die militärische Lage, den Stand der im Gang befindlichen Kriegshandlungen und die Verwendung der Streitkräfte der Alliierten. Tie Blätter bemerken, der durch diese Erklärungen hervorgerufene Eindruck sei derartig gewesen, daß es jetzt fast sicher sei, daß morgen keine Erörterung vor der Kammer stattfinden werde und daß die Urheber der in der letzten Woche eingebrachten Anfragen über die militärische Lage nicht auf der Besprechung bestehen werden. Tie sozialistische Kammergruppe hat beschlossen, morgen die Forderung nach einer Geheimsitzung zur Erörterung der von den Sozialisten eingebrachten Interpellationen über die letzten militärischen Unternehmungen zu stellen. Amerikanisch-dänisches Handelsabkommen. Washington, 2 Juni. (Reuter.) Zwischen einer Schiffahrtskommission aus Dänemark und dem Kriegshandelsamt sind Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen Dänemark und den Bereinigten Staaten begonnen worden. Die Ereignisse im Osten. Ukrainisch-russische Friedcnsverhandlungen. Kiew, 3. Juni. In der Militärkommission wurde eine Einigung über die Grenzlinie noch nicht erzielt. Tie Hauptschwierigkeit bereiten die Bestimmungen für Reisen aus dem einen Staatsgebiet in das andere. Ti« Ukraine besteht aus einer genauen vertraglichen Festlegung der Bedingungen, um zu verhindern, daß den aus der Sovjetrepublik zurückkehrenden Ukrainern ihre Habe an der Grenze abgenommen wird. RakomSki lehnte es ab, für die Ukraine Ausnahmen in den allgemeinen Ausreisebestimmungen zuzugestehen. Ein seltsamer Einspruch. Berlin, 4. Juni. Tie französische Negierung hat gegen die Absicht Finnlands, die monarchische Verfassung einzuführen, Einspruch erhoben. Tie „Nordd. Mg. Ztg." bemerkt dazu, dieser Einspruch könne nur als Anmaßung aufgefaßt werden. Welche Verfassung dis Finnländer wählen, sei allein ihre Sache. Frankreich habe sich nie um Finnland bekümmert, solange es unter dem zarischen Joch seufzte. wlvsnau, 4. Auni. (Per. Tel.-Ag.) Eine Erhebung der t,chechifch-slowakischen Ueberläufer, die in der Riästung aus Wladiwostok ziehen, um von dort nach der französischen Front übergeführt zu werden, führte zu heftigen " ammenstößen mit Sovjettruppen in Pensa. Die tschechische ? owaken lei- steten den Entwaffnungsversuchen seitens der n Armee e» vitterten Widerstand. Der Volksbeauftragtc den Krieg, Trotzki, schickte an alle Eisenbahnangestelltenr ide des Ostens einen telegraphischen Erlaß, in dem er die ^ Äderung der erwähnten Truppen aus den sibirischen Ei ahnen verbietet. Alle Tschechoslowakei!, die bewaffnet i- di Gewalt der Roten Armee fallen, sollen nach dem neuen BR Tro chis erschossen werden. Um die Meuterer am Vorrücken n -.y Oste» zu hindern, haben mehrere Eisenbahnlinien den gesa > n Berkehr eingestellt. Die Meuterer leisten kräftigen Widerstand uaö haben in mehreren Kämpfen die Oberhand über die Regiernngstruppen gewonnen. Influenza in Spanien. Der „Franks. Ztg." wird geschrieben: » Schon die ersten Nachrichten über die plöflich in Spanien aufgetretene Epidemie ließen vermuten, daß eä sich um „Grippe", um die uns alt und gute bekannt« „Influenza" handeln könne. Die letzten Berichte sprech?» schon deutlicher von einer grippenartigen Erkrankung. Es ist in der Tat beträchtlich wahrscheinlicher, daß ist Spanien eine neue Influenza-Epidemie ausgebrocheu, afl daß dort eine neue Krankheit entstanden ist. Ganz besonders ist die törichterweise ausgesprochene Befürchtung, die spanische Krankheit sei der Beginn einer Pest-Epidemie, znrückzuweisen. Die Pest tritt nie explosionsartig auf, sondern im Gegenteil ganz allmählich. Das plötzlich« massenhafte Auftreten, die rasche Verbreitung über ein großes Land, die katarrhalischen Krankheitserscheinungen, die verhältnismäßige Seltenheit bösartiger Fälle, das gleichzeitige Erkranken der Pferde, all das sind altbekannte und typische Erscheinungen der echten Influenza. Diese Krankheit ist ein sehr alter Gast der Menschheit. Ihr Stammbaum geht in unsichere Quellen bis auf das fünfte vorchristliche Jahrhundert zurück. Durch unbestrittene Dokumente ist sie aber erst seit dem 16. Jahrhundert belegt. Die erste gut beschriebene Influenza - Epidemi« trat im Frühjahr 1580 im Orient auf und hatte sich bis gegen Ende des Jahres über die Mittelmeerlünder und dann nach Norden bis an die Ostsee allsgebreitet. Besonders berühmt sind noch die von Sydenham im 17. Jahrhundert beschriebenen englischen Epidemien und die „Modekrankheit" der Jahre 1729—1737. Das 19. Jahrhundert hat die Influenza oft g flehen. Eindrucksvoll trat sie aber vor der noch uns erinnerlichen Epidemie nur in den Jahren 1836—1837 auf. Damals wurde sie zuerst in Australien, Hinterindien und Südafrika beobachtet. Im Jahre 1889 ist sie gewaltiger denn je anf'etretcn. Mitte Mai des Jahres wurde sie in Buchara in Turkestan beobachtet. Gleichzeitig kam sie damals in G.öa and und Nordamerika vor. Von Turkestan zog sie langsam nach Sibirien. Nachdem sie St. Petersburg und oamfl den lebhaften europäischen Menschenverkehr erreicht batte, überzog sie rasch Länder, Welttci'e, die ganze Erve. Ende Oktober war sie erst in St. Petersburg, Mitte November schon in Berlin, im selben Monat noch in Paris, im Dezember war Europa infiziert, im Januar große Teile von Nordamerika. Ende 1890 hatte sie die Erde überzogen. Sie beginnt plötzlich mit Schüttelfrost, F-flbec, Kovf- und Rückenschmerzen, mit großer Abgeschlagenheid Die örtlichen Krankheitserscheinungen bestehen zumeist in einem Katarrh der Luftwege, viel seltener in Magen- darmkatarrhen, gelegentlich in Entzündungen des Gehirns. Sie ist häufig durch. Lungenentzündung kompliziert und manchmal von Nierenlrancheitcn, Nervenentzündungen, Nervenschmerzen gefolgt. Das Fi Per dauert in t p sichen Fällen nur wenige Tage, die Nckonva eszenz mit auälen- der Mattigkeit zieht sich, wie bekannt, lang? hin, und Rückfälle sind häufig und nicht immer harmlos. Das Ueber- stehen der Krankheit schützt nicht vor Neuerkranknng, es hinterläßt keine Immunität. 1892 entdeckte R- Pfeiffer den Influenza-Bazillus, den Erreger der Krankheit. Er ist seitdem nicht bei allen kleinen Epidemien, die nach ihren Erscheinungen als Influenza bezeichnet werden müssen, gefunden worden, und andererseits kommt er auch bei gesunden Menschen und bei verschiedenen Krankheiten gelegentlich vor. Seine Beziehung zur Influenza ist also nicht ganz einfach.^ Influenza kommt, wie man weiß, nicht nur in Epidemien, sondern. jederzeit auch in vereinzeilten Fällen und kleinen Epidemien vor. Tie großen Ausbrüche rechnet man zu den Pandemien, den Wclrkrankheiten. In den frühen Quellen wird die Krankheit meist als epidemücher Katarrh bezeichnet Um die Mitte des 18. Jabrl nn- derts nennen sie die Franzosen „Grippe", die Engländer „Influenza". Wir finden heute mit Unrecht „Grippe" eine besonders deutsche Bezeichnung. Wir kennen kein sp i -s Heilnuttel gegen die glücklicherweise verhält-- Nismüh harmlose Seuche. Vorbeugend kann das Verbot von Grenzsperre» und Menschenansammlungen wirke»; Wenn die spanische Krankheit der Beginn einer n.ue Influenza Pandemie ist, kann sie vielleicht — »n da? Schicksal der Menschheit emareik«. ^