mtniflars ^ >ebr aus. die Auf. > Waffen diesigen e Regie» EeschäftLstelle und Verlag: Xarlrruhe, Lrbprinzenstr. k : : Zernspr. 2S7S Aürger- imcl kauernkreuncl * kackilcke polt Redaktion: Karlsruhe, Lrbprinzenstr. b Fernsprech-Knjchluß Nr. 2273 -int wöchentlich zweimal: Dienstag und Freitag (die Freitag- labe mit achtseitigem illustriertem „Familiensrermd*) — e Regik WHyogspreis vierteljährlich in Karlsruhe oder durch die Vertreter GmerL D hqagen einschließlich Zustellgebühr 1.50M., bei der Post 1.80 M. :: kür «Iss Mücke VsterlMlll:: kür «lsntlSs ürt llllä Sittel kür Ü 65 Lürgerz ISokttsürt in Stallt miü Knnü! Anzeigen im Inseratenteil die sechsgespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 20 pfg. Zm redaktionellen Teil die dreigespalten« p wehren., einige Offiziers e. Drei* !us der! Ebert-! Haupt- str. SS. ibbelen. - ilsandacht Wir haben unlängst in einem Artikel „Religiöse tsentwicklung?" festgestellt, daß im geistigen Haus- der Nationen sich etwas anbahne wie eine „Re- Wffance des Religiösen" und daß im religiösen Fühlen der Gegenwart „ein Umbildungsprozeß einsetze", der r nicht dem „positiven" in der Religion gelte, sondern einer „unverbindlichen Stimmungsreligion". H, leben wir in einer Zeit verstärkter öffentlicher Errungen religionsphilosophischer Fragen mit dem gemeinsamen Untergrund: über Religion und religiöses Hedürfnis, über Gottesglaube und Kirche kann man doch t ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen; es sich geistige Mächte, über deren Herkommen man zwar Lild den Schleier der Nachsicht decken will, die aber durch die einfache Tatsache ihres Vorhandenseins die Achtung der Politiker finden müssen. Wie weit diese Beachtung geht, ist ja am besten daraus zu ersehen, daß eine ihrer ganzen politischen und «ttanschauungsmäßigen Vergangenheit nach «religiöse, wtireligiöse »nd antikirchliche Partei, wie die deutsch-demokratische, plötzlich ihr religiöses und kirchliches Herz entdeckt und in der Frage der Trennung von Kirche und Ztaat den alten einfach-radikalen Standpunkt verlassen tzt,'um den Modus der Trennung mit allerhand retar- Lerenden Gewichten zu behängen. Es wirkt beinahe hunoristisch, wenn bisher hartgesottene akirchliche und «religiöse liberal-demokratische Organe mit erhobener Stimme daraus Hinweisen, daß nichts die konservative Lchauptung, daß die demokratische Partei antireligiös sti. so bestimmt zurückweise, wie die Tatsache, daß evan- >er als kplische Geistliche als Kandidaten der demokratischen volkspartei aufgestellt seien. Man rechnete vor allem in Lesen Kreisen mit dem Umstand, daß die Parole „Tren- mmg von Kirche und Staat" in weiten Kreisen unange- stchm empsunden wurde. Viel bedeutsamer, wie diese demokratische Wendung - — in der neben den taktischen Erwägungen gewiß auch Le allgemeine religiöse Renaissance zum Ausdruck kommt — ist aber die Tatsache, daß auch die Sozialdemokratie ihre Stellung zur Religion und Kirche geändert wissen will; auch an ihr ist die „religiös-kirchliche Re- Äkion" nicht eindruckslos vorübergegangen. Das will umso mehr etwas bedeuten, als wir bisher gewöhnt waren, in der Sozialdemokratie den entschlossensten und nicksichtslosesten Feind des Christentums und der christlichen Kirchen zu erblicken, abgesehen von Nietzsche und lkm diesem anhängenden Ausläufer des Alldeutschtums. In Baden speziell hatte sich schon früher eine Wendung in religiösen Dingen innerhalb der Sozialdemokratie 8«Mgt. Anton Fendrich — der zwar in der letzten Zeit kaum mehr zur Sozialdemokratie gerechnet wurde ^ hat wiederholt mit Geist und Herzenswärme sich für das Christentum eingesetzt; war er auch von den Kirchen als solchen nicht besonders erbaut, so brachte er doch dem Evangelium und auch dem transzendentalen Gehalt der Hwstlichen Lehre ein tiefgehendes Verständnis und eine Debendig-gläubige Teilnahme entgegen. Auch Wilhelm Molb, der früh Verstorbene, hat im badischen Landtag Deutlich dokumentiert, daß er sich auch in „religiösen n gemausert habe" und daß er keineswegs als Gottes- ner angesehen werden wolle. Bei seiner Totenfeier e denn auch die Trauermusik: „Jesus, meine Zuver- Es ist meine Ueberzeugung, daß Wilhelm Kolb, n er länger gelebt hätte, beim positiven Christentum kommen wäre. Auch sonst zeigten sich in der Sozial- ^ratie Ansätze einer religiösen Neuentwicklung. Hat sogar der alte Liebknecht einmal im deutschen Reichs- - . gesagt: „ich mag zwar die Pfaffen nicht leiden, aber ^vch weniger die Anti-Pfaffen". Im sozialdemokratischen Programm ist indes von religiösen Renaissance nichts zu merken; dort steht *der alte Grundsatz: „Religion ist Privatsache" mit kutung: die Religion ist Nebensache, ein Aufgeklärter sich mit ihr nicht ab, sie ist etwas für die Dummen ^ Zurückgebliebenen. ^ In den Parteilagern selbst aber macht sich das ^en eines neuen Geistes bemerkbar, schüchtern uni^. I^r bmdlich. Nannten sich doch von den 110 alten stagsabgeordneten die meisten als konfessionslos, e jüdische sozialdemokratische Abgeordnete, wie verstorbene Abgeordnete Frank, bezeichneten sich jüdischer Konfession" und einige andere nicht e Sozialisten, wie Südekum, Heine, Dr. David, n sich evangelisch. Die übergroße Mehrheit der ^ mokratischen Abgeordneten will von Religion und nichts wissen. 23. eber. . Höschel«. >s-r BolkS >i. Lieber^ arum bi» Ihr, >ach. na d«r !«r I»- rhSltlicp eil Rark Neuerdings gewinnt die ganze Angelegenheit eine erhöhte Bedeutung dadurch, daß der jetzige führende badische Sozialdemokrat, Dr. Eduard Dietz, eine ausgesprochen christlich-religiöse Stellung einnimmt und das in einigen sehr beachtenswerten Artikeln im sozialdemokratischen Zentralorgan, dem „Volksfreund", zum Ausdruck bringt. Man merkt an diesen Artikeln und an der Tatsache, daß Dr. Dietz auch in der neu gegründeten volkskirchlichen Vereinigung — einer Gründung der liberalen Protestantenvereinler Rohde, Längin, Jmgraben, Herr Hesselbacher fehlt vorläufig noch —, eine leitende Stellung einnimmt. So ist das Thema: Religion und Sozialismus aktuell geworden und dies um so mehr, als Dr Dietz in ebenso bestimmter wie nachdrücklicher Weise das Christentum für' den Sozialismus in Beschlag nimmt und die Religion als „Privatsache, als Herzenssache, als Gemütssache, als Volkssache" behandelt wissen will und zwischen beiden eine innerliche Wahlverwandtschaft erblickt. Bevor darauf eingegangen wird, sollen kurz die Quellen dargelegt werden, aus denen die geschichtliche Feindschaft des geschichtlichen Sozialismus der christlichen Religion gegenüber entstanden ist. A. R. Zur Lage. In der Nationalversammlung zu Weimar wird das Sozialisierungsgesetz beraten. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die Verstaatlichung großer Industriezweige, die heute schon monopolistisch betrieben wurden, besonders der Kohlen, elektrischer Kraft und Licht und ähnlicher Erzeugnisse. Die Ansichten über die Zweckmäßigkeit der Vorlagen gehen weit auseinander. Doch wird nicht zu umgehen sein, daß der Staat eine weitgehende Aufsicht über die Großindustrie und deren Erzeugung apsübt und den Arbeitern eine Gleichstellung gegenüber den Unternehmern gewährleistet. Zu viel Staatsbetrieb wird aber keine Förderung des Allgemeinwohls bedeuten. Im Reiche treibt der Aufruhr weiter sein ver- keerendes Unwesen. Aus Berlin werden entsetzliche Taten der Aufrührer gemeldet. Nach den Feststellungen des Berliner Bürgerausschusses haben bei den jetzigen Unruhen 182 Zivilpersonen ihr Leben verloren, über 340 Häuser sind durch die Geschützkämpfe schwer beschädigt und 18 Häuser vollständig zertrümmert worden. Der angerichtete Sachschaden ist mit mindestens 800 Millionen Mark vorsichtig zu schätzen. Nach ihrem Mißerfolg in Berlin besetzten die Aufrührer Lichtenberg bei Berlin und unternahmen einen Rachezug gegen die Polizeiwache des 1. Reviers, die am Dienstag einen Angriff unter beiderseitigen Verlusten abgewiesen hatte. Die Aufrührer ermordeten sämtliche Offiziere, Wachtmeister und Soldaten, angeblich 60 an der Zahl. Im Laufe des gestrigen Tages wurden Fahrzeuge, die zum Verpflegungsempfang für ein Freiwilligenkorps avgesandt worden waren, in der Warschauerstraße von einer hundertköpfigen Menge angehalten. Die Insassen wurden mißhandelt und entwaffnet. Von der aus ffebLN Mann bestehenden Besatzung eines Fahrzeuges kehrten fünf Mann zurück, die unter ihrem Eid u. a. folgendes aussagten: Wir sollten mit 18 Mann zusammen im Omnibusdepot der Warschauer Straße erschossen werden. Die Erschießung auf dem Hofe, der wir beiwohnten, wurde von früheren Verbrechern und Zuchthäusler^ ausgesührt, während die eigentlichen Spartakisten größtenteils ohne Waffen dem Treiben zusahen. Die Leute, die vor uns vernommen waren, wurden dann immer zu je 18 auf Verpflegungswagen gestellt und beim Heraufklettern auf den Wagen getötet. Wenn der Wagen voll war von Leichen, fuhren die Spartakisten ihre Opfer ab. Auf dem Hofe des Omnibusdepots spielten sich furchtbare Szenen ab. Die gefangengenommenen Kriminalbeamten wurden, ungefähr 60 an der Zahl, geschlossen von den Spartakisten alle durch Kopfschüsse getötet. Beamte, die sich zur Wehr setzen wollten, wurden teilweise von 4 bis 5 Spartakisten gehalten, während der Sechste ihnen mit der Pistole zwischen die Augen schoß. — Nach zuverlässigen Meldungen haben in Lichtenberg insgesamt über 240 Zivilpersonen durch den aufrührerischen Massenmord ihr Leben verloren. Die Aufrührer in Lichtenberg stehen unter dem direkten Kommando der Matrosen. Die Abschlachtung im Hauptpostgebäude war noch grauenhafter als die im Polizeipräsidium. In der Hauptpost wurden sogar die Austrägerinnen der Post vor die Revolverläufe der Matrosen gestellt und niedergeschossen. Wer noch Lebenszeichen von sich gab, wurde von Matrosen mit Gewehrkolben niedergeschlagen. In der Wrangelstraße wurde ein mit dem Roten Kreuz ausgestattetes Krankenautomobil von bewaffneten Zivilisten überfallen. In dem Automobil liegende verwundete Soldaten wurden,zum Entsetzen des Publikums herausgerissen und sämtlich getötet. So gehts im Reich wüst zu. Es fehlt an zuverlässigen Truppen zur Herstellung und Erhaltung der Ordnung. Ein Mahnruf an alle waffenfähigen Männer zur Meldung für den Heimatschutz. WaS heute in Mitteldeutschland und Berlin geschieht, kann morgen hier losbrecheu. Unsre Feinde nach außen kennen nur das Eine: Deutschlands Wehrlosmachung und Niederzwingung auf Jahre hinaus. Lebensmittel geben sie uns nicht. Die Friedensbedingungen werden auch hinausgezögert. Alles deutet auf eine planmäßige Vernichtung hin. Und wir? Wir sehen dem allem mit Gleichgültigkeit, ja vielfach mit Lächeln zu, als obs uns nichts anginge. Gott helfe unserm Volk zur Ernüchterung und zur kräftigen Tat! ^ /Aach -er Krisis. Ver linerGeneral streik- und Kampftage. ^ L. Berlin, 8. März. , ' Noch knallen zeitweilig die spartakistischen Kugelspritzen von den Dächern der volksreichen Gebiete des Nordostens und Ostens der Stadt, noch mischen die Stahlhelme der Regierungstruppen eine heroische Note in die flottbewegte ^Sinfonie des flottbewegten Straßenlebens — aber die Krisis dieser angstvollen Woche scheint überwunden und der morgige Sonntag wird aller Voraussicht nach ein aufatmendes, der Genesung entgegengehendes Berlin sehen. >Die offizielle Ankündigung von der " Beendig^rg des Generalstreiks, ^ das Wiedererscheinen der Zeitungen, das erneute Klingeln der Fernsprech-Apparate, die teilweise Aufnahme ,des Betriebes durch die Untergrundbahn schon am heutigen jMorgen und andere Zeichen der Wiederkehr normaler Zu-1 Mnde lassen die während banger mit Schrecken erfüllter '.Tage an den Boden gedrückten Hoffnungen wieder — wenn auch nur schüchtern — aufleben. — Am Dienstag beschloß die Gewerkschaftskommisfion für Berlin und Umgegend, gedrängt durch die Macht der Umstände und die! .Drohungen der unabhängigen Streikgewillten und der kommunistischen Spartakiden, wenn auch mit schwerem Herzen und gegen die Meinung der .großen Mehrheit ihrer Mitglieder, den Anschluß an den Streik, Zwar sprach man von der unblutigen Durchführung der großen Demonstration, aber daran glaubte kein Mensch. Die Presse wurde lahmgelegt, die Nervenbahnen der elektrischen Schienen lagen leblos, die fleißigen Hände in Fabriken, Betrieben und Geschäftshäusern ruhten— Generalstreik. Wer sich den Ablauf der Dinge aber ohne Gewaltanwendung vorgestellt hatte, wurde schwer enttäuscht durch den Beginn der -— ^ Straflenschlachten ^ ^ am Mittwoch. Schon in der Nacht vorher Halle sich die immer bereite Meute gewerbsmäßiger Verbrecher auf Läden im Norden und Osten der Stadt gestürzt und geplündert.^ Am Mittwoch kam es auf dem Alexander- ! platz zu überaus heftigen Zusammenstößen, in deren Mittelpunkt das Riesengebäude des Polizeipräsidiums ^ stand. Die vielgenannte Volksmarine-Division, die^ seit den Novembertagen wie ein Pfahl im Fleische Berlins stak, hatte wieder einmal gemeutert und versuchte daG, Präsidium zu erstürmen. Auch ein Teil der Republikanischen Volkswehr schloß sich den aufständischen Matrosen an, während die Mehrheit dieser Sicherheitstruppe anerkennenswerterweise treu blieb. In dem Kampfe wurden alle Mittel moderner Kriegskunst verwendet, Maschinen- gewehre, Minenwerfer, Langrohrgeschütze, Reizbomben, Aufklärungsflieger, Panzerwagen. Allmählich wurden alle benachbarten Straßen in den Streit hineingezogen, Barrikaden wuchsen aus der Erde, Kaufhäuser erfuhren Umwandlung zu fchwerbefestigten Forts, Neugierige und Unbeteiligte fielen zu Dutzenden als Opfer — fast ein Schlachten war's und keine Schlacht zu nennen. Der Sieg der Regierungstruppen war bereits am Donnerstag entschieden, sie behielten drrs von Frenvilligen des Regiments Reinhardt und zweihundert Schutzleuten tapfer trotz gelegentlicher Vorstöße der Spartakiden verteidigte Polizeipräsidium. Heran- ruckende Reserven nahmen auch die sonstigen Stützpunkte der Aufständischen, die mehr und mehr zerstreut wurden und sich zu zwecklosen Rückzugsgefechten in Straßen- vierteln und nach beliebter Manier hinter Schornsteinen festsetzten. Namentlich die Gegend der Großen Frank- ! »vstraße hielten die Aufrührer mit Hartnäckigkeit ! noch lange trotz des auf sie niederprafselnden Granaten» i Hagels. Die Nacht zum Freitag war entsetzlich für die: Anwohner. Das Krachen der einschlagenden Geschosse, die i absolute Dunkelheit — sämtliche Laternenpfähle waren! gerausgerlssen — ware n nur die Begleiterscheinung zu dem « Wüte« von Plündrrerbande«, ^ die in fast alle Geschäfte der Großen Frankfurter und der benachbarten Straßen einbrachen und alles mit sich 6 . schleppten, wa? zu tragen war und das übrige zerstörten.. Kür viele Millionen Schaden ist entstanden, zahlreiche Hänier sind durch Volltreffer zerstört. Auf dem Alexander- platz zeigen sich Löcher von 6 bis 7 Meter Tiefe, das Polizeipräsidium sieht wie eine Ruine aus. keine Fensterscheibe in weitem Umkreis ist mehr ganz, aus öden Schaufensterböhlen und Mauerlöchern schaut das Grauen und drohend ertönt von Zeit zu Zeit das Hundegebell der Maschinengewehre oder die grobe Stimme eines gröberen Geschützes; denn die Kampfhandlung ist, darüber ist keine Täuschung möglich, noch nicht beendet, wenn auch die kommunistischen Rebellen längst jede Aussicht auf die Ausrichtung ihrer Reoolverherrschaft aufgeben mufften. Ihre Drohung mit vollständiger Absperrung der Elek- trizitäts-, Gas- und Wasserleitung ist zunichte geworden, wenn auch die Elektritätsarbeiter streikten und weite Viertel der Stadt Berlin tatsächlich ohne Licht blieben. Die regelmäßige. Lebensmittelversorgung hat dagegen starke Einbuße erlitten, die Vieheinfuhr stockte vollständig und für die kommende Woche werden die Berliner sich wahrscheinlich ohne Fleisch behelfen müssen. Aber daran wurde das Gros von ihnen, ausgenommen die Kriegsgewinnler und sonstigen Schieber von hintenherum, ja während des Krieges und der folgenden Unruheepoche ja genügend gewöhnt. Die Absperrung des Zentrums der Stadt und der daran anschließenden nordöstlichen und östlichen Straßenfluchten war Freitag streng durchgeführt und dauert noch an. Überall haben die Regierungstruppen Kordons aufgestellt und inmitten dieses weiten zernierten Gebiets geht die Säuberung und' Reinigung von der Brandfurie des Aufruhrs weitet vor sich. Dabei geht es natürlich nicht leicht her, noch knattert das Kleingewehrfeuer, noch hört man das Detonieren der großen Explosivgeschosse und der Minenhunde. Viele Gefangene, so Hundertevon der aufständischen und nunmehr wohl für immer aufgelösten Volksmarinedivision sah man abführen und fortwährend werden noch einzelne Leute, die sich ergeben haben, über die Postenkette hinaus transportiert. In der Reichsbank hatten sich ebenfalls Matrosen eingenistet, die entwaffnet wurden. Beträchtliche Teile der republikanischen Soldatenwehr wurden entwaffnet und diejenigen ihrer Depots, die sich gegen die Regierung gestellt haben, aufgelöst. Der Fünfer-Ausschuß der republikanischen i Soldatenwehr ist aufgelöst. In der erstürmten Haupt- festüng der Matrosen, dem Volksmarinehaus, fanden die Regierungssoldaten Tausende von Gewehren, viele Geschütze und unzählbare Vorräte von Munition. Die Zahl der Opfer läßt sich nicht annähernd übersehen. Das Leichenschauhaus konnte am Freitag die zahlreichen ihm zugeführten Leichen wegen Überfüllung nicht mehr aufnehmen. -Auf den Rettungswachen waren von Donnerstag bis Freitag nachmittag 125 verletzte Zivilisten, darunter 25 Frauen und drei Kinder auf den Unfallstationen 14 Tote, darunter ein Kind, eingeliefert worden. Die« Gesamtheit der Toten und Verwundeten geht in die Hunderte, man spricht von über 600 Töten. Auf seiten der Regierungskämpfer blieben die Verluste verhältnismäßig gering, die Zahl der Toten und Verwundeten bleibt unter hundert. — Auch in Spandau, Charlottenburg, Neukölln entwickelten mich Unruhen, Gewalttaten, Plündereien, die aber überall von den Soldaten der Regierung eingedämmt oder unterdrückt wurden. Und so darf man wohl heute mit Fug und Recht behaupten: die Ordnung schreitet vorwärts, die Räder fangen wieder an zu laufen, es handelt sich noch um das Austreten der nachglimmenden Feuerherde — Berlin kann sich wieder ersprießlicher und notwendiger Arbeit zuwenden. 4^ neute schwere Kämpfe. LovOO Mann Regierungstruppen in Berlin. Berlin, 8. März. Heute nachmittag entbrannte ein neuer schwerer Kampf um das Viertel, in dem die. Bötzow-Brauerei liegt, wo sich die Spartakisten verschanzt hatten. Die Regierungstruppen schossen das Gebäude mit schwerer Artillerie und Minenwerfern sturmreis. Als sie zum Angriff schritten, flüchteten die Spartakisten auf die umliegenden Dächer, wo sie erneut Widerstand leisteten. Ein heransausender Kampfflieger der Regierungstruppen griff in das Gefecht ein und warf eine schwere Bombe auf eins der Häuser. Dieses wurde glatt durchschlagen. 30 Spartakisten wurden dabei getötet. Ferner schritten die Spartakisten zum Angriff gegen das Haupttelegraphenamt, - wurden aber auch hier mit blutigen Köpfen abgewiesen. Vas Vreimännerkolleg. Roman von Otto Hoecker. 18) (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) ^"ZN der Minute^ darauf 'wume jedermann im Dame, Haß die. Verhandlung mit Riesenschritten ihrem Höhepunkt ^zustrebte. Keinem war die gewaltige Erregung entgangen, oie bei Nennung des Namens seiner Schwester den Angeklagten gepackt hatte. Er stand mit halb erhobenen Armen weit über die Anklagebank vorgebeugt und schaute mit flackernden Blicken und dunkelgeröteten Zügen, in denen es fieberhaft arbeitete,. nach der Tür, durch die sie kommen mußte. Viele im Saale kannten Agnes Buser persönlich; aber die nun mit raschen Schritten und ohne links oder, rechts zu blicken an den Zuschauerreihen vorübereilte, war, so dicht verschleiert, daß ihre Züge unkenntlich blieben. Auf ihrem Wege zum Zeugentische mußte sie die Anklage-, bank und den in ihr Stehenden nicht nur deutlich sehen,, sondern sie auch in unmittelbarer Nähe passieren . ^.j Aber auch als der Angeklagte wie sehnsuchtüberwältigt beide Arme weit nach ihr ausstreckte und mit schluchzendem« Aufschrei ihren Namen in den Saal hinausschrie, wendete, sie nicht den Kopf nach ihm um. Als hätte sie ihn weder« gesehen noch gehört und wüßte überhaupt nichts von seiner! Gegenwart, völlig fremd und ungerührt schritt sie an ihmj vorüber und stellte sich in ruhiger Fassung an den^ihr, vom Nuntius gewiesenen'Platz. ' In grober Überraschung hatte auch Emil Fiedlerifichj unwillkürlich von seinem Platz erhoben und. war-ein,, zwei Schritte auf sie zügegangen. Aber mochte sie. ihn im der Anwallsrobe nicht gleich erkennen oder auch ihn rychv sehen wollen, jedenfalls hatte auch ihn keiner ^ihrer. Micke; gestreift. Nun sie den Richtern gegenüberstand, schlugfsie! den dichten Schleier zurück. Wie Emil jetzt seinem Blich in ihr farbloses Gesicht warf, entsetzte er sich innerliche vor^ dem schmerzversteinerten Niobeausdruck darin. FMsidi neuerlich wurde er an ibr irre. Wo hatte er nur all drei Jahre über seine Augen gehabt, daß er dieses sich.Fm schüchtern,und weich gebende Mädchen genau ru ^smLll' D-ie Regierungstruppen sind überall in siegreichem Vorgehen. Ihre Stärke in Berlin beläuft sich auf über 20 OOlWNann. Die Pläne der Kommunisten. Berlin, 8. März. Bei der Regierung bestand von Anfang an kein Zweifel, daß die Spartakiden den Generalstreik zu einem großangelegten Ausstand, benutzen wollten. Deshalb wurde auch sofort nach dem Ausbruch der Arbeitsniederlegung derBelagerungszustand verhängt und größere Truppenabteilungen gegen die Reichshauptstadt in Marsch gesetzt. Die Volksmarine-Dioision und die Republikanische Soldatenwehr hatte man in die Mitte Berlins gelegt, man wußte, daß sie beim ersten Schuß zum Teil die Gewehre gegen die Regierung umdrehen würden. So schloß man sie gleichsam durch Gardetruppen und Freiwillige ein. Die Spartakisten aber hatten geglaubt, daß gleich nach hem Besinn der ersten Kämpfe nicht nur die Garderegimenter, sondern später auch die Freiwilligenkorps zu ihnen übergehen würden. Die spariaktstischen Plane gingen, wie beschlagnahmte Papiere beweisen, dahin, das Polizeipräsidium, das Köuigltche Schloß, das Reichstag-, die Rcgierungsgebäude, die Zeitungshäuser und sämtliche Bahnhöfe zu besetzen, wobei sie annahmen, daß fast alle Truppen zu ihnen übergehen würden. Am fünfte» Tage, also heute» aber sollte — dieser schriftliche Plan ist bei verhafteten Führern der Kommunisten gefunden worden — die deutsche Räterepublik ausgerufe» werden. Die Truppen blieben außer den längst als zweifelhaft angesehenen Matrosen und Teile der Republikanischen Soldatenwehr der Regierung treu und so mißlang der ausgeklügelte Plan. In den Kreisen der niedergeworfenen Kommunisten wird jetzt der Vorwurf vielfach laut, daß die Führer ihre Anhänger in Stich gelassen hätten, als der Putsch verderblich für seine Schürer endete. . ^ "Mer den Berg? Die Regierung bat jetzt auch in der Reichshauptstadt mit kräftiger Hand zugepackt. Daß sie Gewalt mit Gewalt beantworten würde, hat Scheidemann in Weimar laut und vernehmlich angekündigt, und die ganze Nationalversammlung hat sich damit einverstanden erklärt. Bis auf die Radikalen natürlich, die grundsätzlich nur die Gewalt für erlaubt halten, die sie anzuwenden für gut finden. Sie haben es auch wieder fertig gebracht, ziemlich beträchtliche Truppenteile, die sogenannte Volksmarinedivision in ihrer Gesamtheit und ganze geschlossene Gruppen der republikanischen Soldatenwehr, für sich ins Feuer zu schicken. Aber umsonst, völlig umsonst. Es ist wieder viel Blut vergossen worden in den Straßen Berlins; an den Machtverhältniffen, wie sie vorder lagen, hat sich aber nicht das geringste geändert; wenigstens nicht zugunsten der Aufrührer und ihrer Hintermänner und Drahtzieher. Aber auch nicht zugunsten der Regierung? Bedeutet es nicht doch eine wesentliche Stärkung ihrer Position, daß sie gewillt und imstande gewesen ist, offene Empörung mit zureichenden Machtmitteln niederzuschlagen und die verbrecherischen Elemente der Großstadt in die dunklen Schlupfwinkel der Außenbezirke zurückzuscheuchen? Ehe man sich entschließen möchte, diese Frage zu bejahen, muß doch bedacht werden, daß fortgesetzte Gewaltanwendung, zumal gegen die eigenen Volks- ja gegen Klassengenossen keiner Regierung so sehr widerstreben, aber auch keiner so sehr schaden muß wie einer. sozialistischen, einer Arbeiterregierung, einer Regierung, die das Vertrauen des Volkes als die einzige Grundlage ihrer Macht anerkennt und dabei immer in erster Reihe die handarbeitenden Schichten der Bevölkerung im Auge hat. Herr Scheidemann weiß ganz genau, daß ein sehr bedenklicher Radikalisterungsprozeß durch die Massen geht, der um so raschere Fortschritte macht, je öfter Herr Noske seine Freiwilligenverbände marschieren und kämpfen lassen muß. Der Ausgang dieser« Kämpfe entscheidet nur die Lage und die Fragen des Augenblicks, die Einwirkung auf den Geist der Mafien« bleibt davon unberührt, ja sie wird verstärkt durch jede neue Straßenschlacht, in der Opfer fallen unerhört» und gelingt es auch, die äußere Ordnung immer wieder herzustellen, die Stimmung des Volkes muß angesichts so furchtbarer Erlebnisse tiefer und tiefex sinken — sich eingebildet hatte? 'Vor wenigen Sturkden ersk^bei ihrer Begegnung an der Gefängnispforte war sie ihm fremd erschienen, und nun war sie wiederum anders geworden. Es lag etwas Dräuendes in dieser fast unversöhnlich wirkenden geruhigten Fassung, die sie nun zur' Schau trug; er vermeinte hinter dieser letzten Maske ordentlich das ihrer eigensten Natur am verwandtesten -4atzenhafte Sprungbereit-lauernd zu sehen; und warum« eigentlich, wußte er sich selbst nicht zu sagen, aber' er. empfand, plötzlich ein tiefes Mitleid mit seinem Klienten/ und das verstärkte sich noch, als er sich von ungefähr nach; ihm umschaute. § Georg Buser stand, wie vom Donner gerührt, nicht länger seiner Sinne mächtig. Seine Augäpfel waren wett - aus den Höhlen gequollen und hingen mit Blicken blöden, unfaßbaren Staunens an der ihm den Rücken wendenden schlanken Gestalt der Schwester, die ihn soeben vor aller Öffentlichkeit verleugnet hatte. Jetzt trug er keine Maske, — darüber war sein Verteidiger sich völlig klar.. Die Abkehr der Schwester, an deren treuergebene Liebe er offenbar bis zu diesem Augenblicke wie an die Himmelssonne geglaubt, hatte ihn mitten ins Herz hinein getroffen. Der seine Züge verzerrende schreckvolle Schmerz war echt! Wieder stellte der Vorsitzende die vorgeschriebenen Personalfragen, die von der Zeugin mit zwar leiser, aber überall im Saal deutlich verständlicher Stimme be-^ antwortet wurden. s .Als Schwester des Angeklagten sind Sie zur Ver--, Weigerung Ihres Zeugnisses berechtigt", belehrte sie. dev Vorsitzende. .Wollen Sie davon Gebrauch machen?" < .Nein, ich will aussagen." Das klang so leidenschast-' sich erbittert, daß der Vorsitzende erst das Mädchen, dann den Angeklagten mit einem Blick voll innerer Betroffenheit, anschaute. -«- ' > j Auch im Saal flutete ein Murmeln voll Erstaunen hoch, um indessen wieder doppell atemloser Stille zu weichen. . . . .Ich will aussagen!" wiederholte AgneS nochmals, und unter ihren Worten schien ihre schlanke Gestalt zu wachsen. »Man hat mich in schmachoollster Weise^yeMstet was wreoerum niemand mehr zu beklagen har die Regierung, die ohne tätige, mit einer gewissen Freuds ^ keit gewährte Mitwirkung der Allgemeinheit keinen SchM vorwärts kommen kann auf der Bahn, die zur WiedA aufrichtung unseres inneren Lebens führen soll. So sieU sie sich in einen Kreislauf gebannt, der die besten KrW verzehrt und doch immer wieder nur in Zerstörung uH« Auflösung mündet. Es ist ein tragisches Verhängnis.-ü, das sie verstrickt ist. Und Spartakus setzt natürlich Himmel und Hölle h, /Bewegung, um die Regierung trotz ihrer Waffenerfolge z, /Fall zu bringen. Verfügt sie sieben dem Schwert eintz, j weilen nur über Plakate, Proklamationen, Versprechung^ und allenfalls noch Gesetzentwürfe — Papier, nichts atz. Fetzen Papier! —, so weiß er hunderterlei Mittel untz Mittelchen ausfindig zu machen, mit denen er, wenn eir .großer Schlag gescheitert ist, seine Aktion fortsetzen karvtz « Heute läßt er die Elektrizitäts-, morgen die Gas- ody , Wafierarbeiter strecken, dann kommen die Eisenbahn« an die Reihe und dann wieder die Grube» « arbeiter. Nebenher laufen kleine Putsche, deren Zst und Richtung ständig wechseln, bald einmal eins Merraschungserfolg davontragen, bald, wenn die Gelegenheit günstig ist, tiefer auf das Herz des Gegners von dringen. So hält er seine Anhänger ständig in Bewegung — und bekommt immer neuen Zulauf, weil die Menge Gefallen findet an der Vielseitigkeit eines so listenreicher und rücksichtslosen Kleinkrieges, und weil die notwendige Schroffheit der Regierungsabwehr die Gemüter reizt, reize» muß. Das bedeutet für die gegenwärtigen Lenker unsere! ^ Staates eine Sackgasse, aus der sie schwerlich entriwW^ können. Mer den Berg sind wir also noch lange nicht, sich des siegreichen Kampfes um den Alexanderplatz. Di Revolution ist nun einmal im Lande und will nich. weichen. Wir werden noch lange mit ihr zu ringen habe« Geschottertes Lebensmr'ttelabkommen« Unerhörte Forderungen der Entente. Daß die Verhandlungen in Spaa über die Bes sorgung Deutschlands mit Lebensmitteln in die Brüche gehen mußten angesichts der geradezu unerhörten Fords rungen der Alliierten, war oorauszusehen. Wir gebrauche« bis zur neuen Ernte etwa 820000 Tonnen Lebensmittel monatlich. Nicht ganz den dritten Teil dieser Monatsc rate, sage und schreibe 270000 Tonnesi, will uns die Entente zuführen, und dafür sollen wir nicht nur mit blankem Golde, sondern auch mit der nahezu restlose» Auslieferung unserer Handelsflotte bezahlen. Und die Hergabe unserer Schiffe, des einzig Wertvollen, das uns für die Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft geblieben U soll erfolgen, bevor wir überhaupt etwas bekommen; dem — so sagte in Spaa der englische Delegierte — d« zwischen Deutschland und der Entente noch der Kriegszustand besteht, lege die Entente den größten Wert daraus, daß Deutschland eine Vorschußleistung mache. Energischer Protest der Rcichsregierung. Diese unglaubliche Zumutung hat die verdient« Zurückweisung gefunden. In einer nach Abbruch der Verhandlungen an die Entente gerichteten Note verwest die deutsche Regierung nochmals auf die traurige Tatsache, daß in Deutschland täglich über 800 Menschen sterbe« müssen, weil sie nichts zu essen haben. Diese wiederholte Feststellung ist dringend nötig, wenn sie auch auf die En sinder der Hungerblockade offenbar keinen Eindruck mach^ Auch, der Umstand, daß die Entente sich in den Waffen-^ stillständsverträgen ausdrücklich verpflichtet hat, sofort vck Lebensmittelsendungen zu beginnen, ist für unsere Feinde belanglos. Sie ignorieren diesen Umstand ganz einfach nur wir müssen Punkt für Punkt getreulich erfüllen, so Unmögliches darin auch gefordert wird. Recht und Sitte. Die deutsche Note schließt mit den Mahnworten: „Die deutsche Regierung hat genügend oft betont, daß sie fick ihrer Verpflichtung zur Versügungstellung der Handelsflotte in keiner Weise entziehen will und sie empfindet tief die fast verhängnisvolle Lage, in die sie durch d«s Scheitern der jetzigen Verhandlungen gebracht ist, das die Lebensmitielzufuhren in unbestimmte Fernen rückt. Sie konnte aber angesichts einer Sachlage, bei der sie durü das Schwergewicht aller rechtlichen und sittlichen Gründe gestützt ist, vor ihrem Volk und der Geschichte nicht die Verantwortung dafür tragen, die deutsche Flotte unter die Kontrolle der Assoziierten zu stellen, ohne daß der Zweck gesichert war. für den dieses barte Ovier klar kx-stimn-e - T Me 2 sichen besinn sieierr sorgen Garr 3 posei ö Sechs geltest den s die 6 Aarto größt« könnt so gu Zustä Poser word« flügel nach Rheir loren. abseh« muß enger Zeitu «höhen sjede l ^rioch Uanz gibt « Mick «Helfer die T schaff« die A -.sprüh Hurt « sEinsc «ward «wicht «und «Greri /sicher «Dem !1. Jc «nicht «der Freu «Volk- dring genar !jetzig« «Ding «lichen Mlke Re, Ausx 3 Berli Strei übern haben eines Partc bestin 2. F 8. Sc 4. Er Aufborden komr und meinen guten Ruf vernichtet-- ' " „Nun, das ist gewiß äußerst bedauerlich, hat aber der uns beschäftigenden Sache insofern nichts mehr K tun, als Ihre völlige Unschuld an dem Ihnen zur Äst gelegten Einbruchsoerbrechen seither gerichtskundig worden ist. Gern spreche ich Ihnen öffentlich mein richtiges Bedauern darüber aus, daß Sie ohne jegliche» eigenes Verschulden der ebenso bösartigen wie unM? ' ständigen Denunziation der wirklich in Betracht kommende Täterin zum Opfer fielen und dadurch unverschuldet Demütigungen ausgesetzt wurden-" ^ „Ich will dennoch aussagen!" unterbrach ihn AM unverbindlich kurz. „Wie Sie wünschen." Auch der Ton des Vorsitzende wurde merklich förmlicher. „Werden Anträge wegen ^ Vernehmung der Zeugin gestellt?" Staatsanwalt Nägele hatte sich bereits erhoben. „Die zuvor vernommene Zeugin Dora Wolthusen b» wiederholt von einem Streit, der sich in Gegenwart dH Zeugin zwischen deren Bruder und Tecklenburg im ArsE vor etwa Jahresfrist abgespielt haben soll, gesprochA Bald darauf soll die Zeugin zu einer Verwandten badischen Schwaczwald übergesiedelt sein. Da jener S> die Quelle der zwischen den beiden Freunden im deutlicher zutage getretenen Entfremdung gewesen zu ß scheint — einer in Todfeindschaft ausgearteten fremdung, deren verhängnisvolles Ende uns allen blutiger Erinnerung vorschwebt, so möchte ich beantrag die Zeugin zu einer Schilderung des damaligen Borg« zu veranlassen." „Gewiß, ich will alles sagen, was ich weiß", Agnes auch schon ein, ehe der Vorsitzende überhaupt fand, sich über der; Antrag des Staatsanwalts zu äuß« Ein dumpfer, halb erstickter Schrei, wie ihn äußerste Qual oder — Angst Hervorbringen kann, durch den Saal. Der Angeklagte stand mit weit gebeugtem Oberkörper und verzweifelt gerungenen H „Agnes ... ich beschwöre dich, sag nichts ... w willst du mich verderben?" Seine Worte wirkten auf die Versammlung gd einer Offenbarung. Nicht einer war im Saal, der « ihnen gehört war z runo« - und i hin r verste von i steh er Haber darül dring gefall reich Dam große wilde Zorn «s st verzn heilig Stur" L Und j des v W be «eifül währ« Er ho wn s, «wisst hat, c S «uitta «ich Zeß Wen Ene var U, n Freuds renSchriL ir WieSy: So siG ten Kräftx örung angnis.-ii d Hölle i, rerfolge ^ wert eins» prechungg, nichts llL Mittel- unk wenn eir^ etzen kan^j 8as- oder, llsenhah^ ^ Gruben ? leren nal einE e Gelegen, iners vor- Bewegung >ie Menge istenreichek rotwendige eizt, reize» !er unseres entrinnen nicht, trot latz. Die will ni« igen haben mmen« die Ver-M )ie Brür^ en Forde-' lebrau-W bensmittel Monats« uns die nur mit restlose» Und die , das uns -lieben isl, nen; denn te — da r Kriegs- ert daraus, >g. . verdiente iruch dee : verweiß Tatsacke, n sterbe» -iederholte rf die Ei- uck macht n Waffen- ' sofort mit re Feinde i iz einfach - füllen, fl - Diese energische Sprache der Reichsregierung scheint Me Wirkung nicht verfehlt zu haben, denn nach neuerten Meldungen aus Paris scheint man sich dort doch zu besinnen und bereit zu sein, Deutschland gegen Auslieferung der Handelsflotte bis zur neuen Ernte zu versorgen. Oie Hungerblockade der Polens Warum vermehrt sich die Not in unseren Grob- und Industriestädten? Der Vollzugsausschuß des Grenzschutzes West- iiosen ersucht uns um die Aufnahme nachstehender Zeilen: Es steht fest, daß die Provinz Posen bisher ein Sechstel sämtlicher landwirtschaftlicher Erzeugnisse Preußens ^liefert hat. Diese Lieferungen bewirkten, daß gerade in Hen schwierigsten Monaten Februar, März, April durch He Getreide- und vor allen Dingen durch die riesigen Aartoffellieferungen der Provinz Posen der Bedarf zum «roßten Teil ohne auswärtige Zufuhr gedeckt werden konnte. In diesem Jahre hat die Provinz Posen bisher so gut wie nichts abgeliefert und wird bei den jetzigen Zuständen auch nichts abliefern. Dagegen .sind jetzt aus Posen 49 Waggon Mehl nach Russisch-Polen ausgeführt Worden. Die ganz erheblichen Mengen Fleisch, Butter, Ge, flügel usw.. welche die Provinz Posen sonst ebenfalls nach Berlin, Sachsen, Mitteldeutschland und nach dem Rhein geliefert hat, gehen in diesem Jahre ebenfalls verloren. Eine Lebensmittelbelieferung durch Amerika ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Das deutsche Volk muß demnach für die Zukunft den Schmachtriemen immer «nger anziehen, während die Polen nach amtlichen Zeitungsnotizen Getreide- und Kartoffelrationen usw. erhöhen, in verschiedenen Gegenden Lebensmittel sogar ohne 'jede Karte geliefert werden. Dabei ist seitens der Entente jnoch nicht entschieden, daß die Provinz Posen tatsächlich -ganz von Deutschland abgetrennt werden soll. Jedenfalls gibt das eigenmächtige Vorgehen der Polen sehr zu denken. 'Pflicht jedes unverheirateten Deutschen ist es somit, hier helfend einzugreifen. Größere Pflichten haben allerdings die Verheirateten, welche für Weib und Kind Brot herbeischaffen müssen. Wie im ganzen Deutschen Reiche bekannt, beabsichtigen die Polen nicht nur die Provinz Posen für sich in Anbruch zu nehmen, sondern bis zur Oderlinie (Frankfurt a. O.) vorzurücken. Dieses ist durch das tatkräftige (Einschreiten des Grenzschutzes Westposen verhindert worden. Ebenso wurde verhindert, daß die Polen die «wichtigen Eisenbahnkreuzungspunkte Bentschen-Meseritz und Birnbaum in die Finger bekamen. Noch steht der (Grenzschutz und verteidigt mit allen ihm zu Gebote Hetzenden Mitteln die von der Entente festgesetzte (Demarkationslinie. Die Kameraden, welche seit dem (1. Janu-r diesen schwierigen Grenzschutz ausüben, können (nicht immer in der Feuerlinie stehen. Es muß deshalb der in letzter Zeit etwas abgeschwächte Zustrom von Freiwilligen wieder stärker werden. Im Interesse der Lolksernährung des ganzen Deutschen Reiches ist es dringend erforderlich, immer mehr Freiwillige zu dem -genannten Grenzschutz zu entsenden, welcher nicht nur die «jetzige Demarkationslinie verteidigt, sondern vor allen ! Dingen dafür sorgt, daß die Polen wie bisher die reich- jlichen, überflüssigen Lebensmittel dem hungernden deutschen Molke zur Verfügung stellen. Regierung und Berliner Arbeiierräie. Lusgletchsverbandlungen nach dem Generalstreik. Weimar, 8. März. Mit Mehrheitsbeschluß hatte die Versammlung der Berliner Arbeiterräte bei der Erklärung zum Abbruch des Streiks Bedingungen aufgestellt, die der Regierung inWeimar übermittelt wurden. Die Mehrheit im Berliner Arbeiterrat haben oie Unabhängigen, die dann auch unter Ablehnung eines Antrages der Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands folgenden Wortlaut der Forderungen bestimmten: 1. Keine Maßregelungen infolge des Streiks. 2. Freilassung aller wegen des Streiks Verhafteten, fl. Sofortige Räumung aller militärisch besetzten Betriebe. 4. Entfernung der Freiwilligen-Verbände aus Berlin und Aufhebung des Belagerungszustandes und der außerordentlichen Kriegsgerichte. Das Kabinett in Weimar hat die Absicht, entgegenkommend zu antworten, und zwar in folgender Weise: Zu Punkt I will die Regierung erwidern» däsi sie in ihren Betrieben Maßregelungen nicht vornehmen und Nch auch bet den Privatunternehmern dafür cluscyer» werde, daß Maßregelungen unterbleiben. Die zweite Bedingung ist von den Gerichten bzw. von der preußische» Staatsregierung zu prüfen. Die Reichsregierung wird eine Verfolgung wegen Strcikvcrgeheu von sich aus nicht veranlassen. Die Entscheidung über die dritte Bedingung wird auf dem Wege der Verhandlungen mit dem Minister NoSke verwiesen. Die Annahme der vierten Bedingung ist unmöglich, bevor geordnete Verhältnisse wiedergekehrt sind. Die fünftens geforderte Aufhebung des Belagerungszustandes ist Sache der preußischen Staatsregierung, die für seine Einführung zuständig war. , Vorläufig sollen besonders wichtige Betriebe in Berlin» bei denen man eine Störung der Arbeit nach deren Wiederaufnahme durch versprengte oder sonstige Unruhestifter noch erwarten könnte, durch Truppenabteilungen geschützt werden. _ Bismarcks Testament. " Juristische Anmerkungen zu dem 3. Bande der Erinnerungen. Vor einiger Zeit, nach der Revolution, ging die Meldung durch die Zeitungen, der Cottasche Verlag habe die Absicht, den dritten Band von Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen* nunmehr herauszugeben. Die bisher bestandenen Hemmungen, die nach dem Herauskommen der beiden ersten Bände das Erscheinen des dritten verhinderten, sieht man anscheinend als nicht mehr bestehend an. Der Rechtslehrer Professor Dr. Hans Reichel in Zürich beschäftigt sich nun in ganz interessanter Weise mit der Rechtslage, die sich aus den von Bismarck getroffenen (testamentarischenBestimmungen ergeben hat: „Zum zweitenmal, so schreibt er, „ist Bismarck nach seinem Tode zum Gegenstand einer furistischen Auseinandersetzung geworden. (Juristen erinnern sich, daß unmittelbar nach Bismarcks (Ableben ein Unbefugter in das Sterbezimmer eindrang und die Leiche photographisch aufnahm. Sofort erhob sich ein lebhafter Meinungsstreit darüber, ob und wie gegen diese Dreistigkeit rechtlich vorgegangen werden könne. Man sprach von einem „Recht am eigenen Bilde"; die einen bejahten, die andern verneinten es, bis schließlich die deutsche Gesetzgebung in den Streit eingriff und das Recht am eigenen Bilde ausdrücklich festlegte. Für die Schweiz ist dieses Recht zwar nicht ausdrücklich, aber doch dem Sinne nach anerkannt. Auch an den Plan zur Veröffentlichung des dritten Bandes der Erinnerungen hat sich sofort eine lebhafte juristische Erörterung angeknüpft. Bismarck hat nämlich testamentarisch untersagt, den dritten Band, der sich in der Hauptsache auf Wilhelm II. beziehen dürfte, während der Regierungszeit des letzteren zu veröffentlichen. Cotta steht auf dem Standpunkt, die Regie- rungszeit Wilhelms II. sei mit dessen Thronverzicht abgelaufen, so daß das Werk nunmehr veröffentlicht werden dürfe. Von anderer Seite wird dagegen geltend gemacht, „Regierungszeit" bedeute „Lebenszeit": es müsse daher das Ableben des Exkaisers abgewartet werden. Dieser Streit bietet einen sehr belehrenden Beitrag zur Auslegung von Rechtsgeschäften. Ich trage kein Bedenken, der Auffassung des Verlegers - beizustimmen. Richtig ist, daß der Wortlaut des Testaments durchaus nicht entscheidet. Das Testament wäre meines Erachtens ganz ebenso auszulegen, wenn statt von der „Regierungszeit" etwa von der „Lebenszeit" gesprcchen wäre. Denn nicht die Worte entscheiden, sondern der Sinn des Rechtsgeschäftes. Der Sinn eines Rechtsgeschäftes aber bestimmt sich in allererster Linie nach seinem Zwecke. Daher ist zu fragen: Was bezweckte die letztwillige AnordnungBismarcks? Über die Antwort kann dem, der die Persönlichkeit Bismarcks einigermaßen kennt, kaum ein Zweifel sein, Bismarck haßte den dritten Kaiser und diesem Haß läßt vermutlich der dritte Band frei die Zügel schießen. Wilhelm II. zu schonen, lag also gewiß nicht in Bismarcks Absicht. Aber anderseits war Bismarck bis zum letzten Atemzuge altpreußischer Monarchist vom reinsten Wasser. Daher erschien ihm eine Bloßstellung Wilhelms II. insolange unerlaubt, als durch diese zugleich die Monarchie als Institution bloßgestellt würde. Um letzteres zu vermeiden, bestimmte Bismarck, Band 3 solle nicht eher erscheinen, als bis Wilhelm II. nicht mehr Kaiser und König von Gottes Gnaden sein würde. Hierbei hat allerdings Bismarck höchstwahrscheinlich nur an Wilhelms Tod gedacht. Aber nicht darauf kommt es an, woran Bismarck damals dachte, sondern daMluf. was er aesaat haben würde. wenn er auch an das gedacht hätte, was schließlich eingetreten ist. Der Ausleger eines Testaments darf klüger sein als der Erblasser selbst. Alsdann ergibt sich ohne weiteres folgender Sinn des Testamentes: Die Veröffentlichung des dritten Bandes soll so lange unterbleiben, als (Wilhelm II. die Krone trägt. Sobald er sie niedergelegt hat, gleichviel ob tot oder lebend, glaubt Bismarck sich jeder Rücksicht gegen ihn enthoben: denn nicht dem Manne galt diese Rücksicht, sondern dem Monarchen. Hätte daher Wilhelm II. die Krone zugunsten seines Nachfolgers niedergelegt, so wäre der Vorbehalt hinfällig geworden. Doppelt und dreifach also muß er hinfällig geworden sein, nachdem nicht nur der Monarch Wilhelm, sondern mit ihm zugleich noch die Monarchie überhaupt vom Schauplatz abgetreten ist . . ." Apolitische Rundschau. ^ Deutsches Reich. T _, * Belagerungszustand in Oberschlesien. Der Kommandierende General des 6. Armeekorps hat im Ein- ! vernehmen mit dem Volksrat Breslau, dem Zentralrat der Provinz Schlesien und dem Zentralsoldatenrat des 6. Armeekorps infolge der Streikgefahr übw die Kreise Kreuzberg, Rosenberg, Oppeln, Kosel, Groß-Strehlitz, Lublinitz, Tarnowitz, Gleimitz, Hindenburg, Beuthen, ( Kattowitz, Pleß, Rybnik und Ratibor den Belagerungszustand verhängt. ... --s Verringerung des deutschen Heeres auf 13 Divisionen. Der Oberste Kriegsrat in Paris nahm grundsätzlich den Vorschlag Lloud Georges an, wonach Deutschland in Zukunft nur noch ein Heer von 15 Divisionen halten darf. Die englische Besetzungsarmee am Rhein besteht aus 12 Kavallerie-Regimentern, 5 Bataillonen Radfahrern, 260 Batterien, 12 Bataillonen Tanks, 102 Bataillonen Infanterie mit 30 Batterien leichter Laufgrabenmörser, 32 Geschwadern Luftstreitkräfte und aus entsprechenden Mengen Pionieren und Trains. ' ^ Österreich. - _ X Aufhebung der Hungerblockade. Die Alliierten haben beschlossen, die Blockade von Österreich aufzuheben. Die Lebensmittel werden über Fiume und Triest geschickt werden. Die Italiener waren gegen die Aufhebung, Franzosen, Engländer und Amerikaner dafür. Grnßbrilannken. -g x Munterer kanadischer Truppen. In dem Lager Rhyl, wo 25000 Kanadier liegen, kam es zu schweren« Meutereien. Die Kanadier verlangten schnellere Demobil-! machüng und Heimbeförderung. Im Verlaufe der Un-! ruhen wurden drei Aufrührer und zwei Wachtposten ge- ^ tötet, 40 Mann, darunter zwei Offiziere, wurden ver-! wundet. Gegen die Aufrührer soll mit aller Strenge ver- ^ fahren werden. .. ^ E iLtalien.^ x Amerika droht mit Lebensmittelsperre. Die Vereinigten Staaten teilten Italien mit, daß, wenn es weiterhin die Lebensmitteltransporte für den neugegründeten jugoslawischen und tschechoslowakischen Staat aufhält, Schritte unternommen -werden, um Italien von der Versorgung mit amerikanischen Lebensmitt-fti auszuschließen. .. -— fl--' - _' Amerika., _' ^ x Hilfe für Irland. Das amerikanische Repräsentanten-^ Haus hat noch unmittelbar vor seiner Vertagung mit 216 gegen 41 Stimmen eine Entschließung angenommen, worin es sich für Las Selbstbestimmungsrecht für Irland erklärt. Präsident Wilson hat in der Konferenz mit dem irischen Komitee, das durch den Konvent in Philadelphia ernannt worden war, erklärt, daß er die irischen Forderungen der Friedenskonferenz nicht vorlegen könne. Au- Ln« und Ausland. Berlin. Die deutsche Kommission für.die Ostfragen traf in Kreuz mit , den Ententevertretern zusammen. Diese weigerten sich trotz der getroffenen Vereinbarung, in Brom-! berg zu verhandeln. Man einigle sich schließlich auf Posen! als Verhandlungsort. ! Berlin. Die Eröffnung der preußischen Landes» Versammlung findet am Donnerstag, den 13. März, nachmittags 2 Uhr, im Abgeordnctcnhause statt. ! Berlin. Die Deutsch-nationale Volkspartei hat -an die preußische Regierung einen Protest gerichtet wegen der' Nichteinberufung der preußischen Landesversammlung. ' : aber mehr^ zur " urdig mein e jegllc! ie immenr uldet hn Ag vrsitze pegen ben. (Husen iwart m Arse> lesprock ndten ner Sb u i« , ;n z«^ ten allen -mittags Sorga eiß". aupt u äuße ihn m, ha weit r Hä ..wo ng gls der Ihnen nicht ein kaum mehr verkapptes SchuIdeingestSndmsj gehört zu haben glaubte. Aber die allgemeine Spannung »rar zu gewaltig, als daß sie sich in lärmendem Ausdruck! runogegeven hatte. Man harrte in atemlosem Zuwarten -Mich die Blicke wunderten zwischen den beiden Geschwistern ( .hin und her. Wie gebannt mußte auch Emil Fiedler in das haßversteinerte Antlitz des in kühler Abwendung abgewendet Arn der Anklagebank stehenden Mädchens blicken, das den flehenden-Hilfeschrei des Bruders gar nicht gehört zu haben schien, sicherlich aber ihn mißachtete; ja er vergaß darüber auf eine lange Minute sogar seine eben doppelt dringlichen Verteidigerpflichten. War wirklich die Maske gefallen, die das zarte, blonde Mädchen bisher so erfolgreich gegenüber aller Welt zu kagen verstanden hatte? Dann wunderte er sich nicht länger darüber, daß die großen Bildner des klassischen Hellas all die schlimmen, wflden Vernichtungstriebe in der Menschenseele: Haß, «orn und Rachsucht, im Weibe verkörperten. Oder war ks im Grunde doch die stumpfe, hoffnungslose Niobeverzweiflung, aus der ein überhartes Schicksal selbst das heruge Mitleid, diese weiblichste aller Tugenden, mit «turmesgewalt verjagt hatte? Mit gewaltiger Anstrengung suchte er sich zu sammeln überzeugender Rede den Gerichtshof zur Ablehnung ves von der andern Seite gestellten Vernehmungsantrages «.bestimmen. Umsonst! Es bedurfte nicht erst der Her- Amhrung eines Beschlusses: die Mienen der drei Richter Ehrend seiner Ausführungen sprachen deutlich genug. ^ hatte ja auch nur den chancenlosen Kampf ausgenommen, seinem Klienten einen letzten Dienst zu erweisen. „Wissen Sie uns den Grund, der zu einer Entfremdung -lynchen dem Angeklagten und Max Tecklenburg geführt *a» an xugeben?" .. Agnes nickte. „Ich weiß ihn erst sett heute Nach- Schon seit jener schrecklichen Veranlassung, di- m derselben Stunde Bruder und Verlobten verlieren LM — ich spreche von ,enem häßlichen Auftritt im '*na! ... der Unglückstag jährt sich im nächsten siltt-ahnte ich, daß mein Bruder schlecht ist." „«inen Moment,. Zeugin", unterbrach sie der Normende, indem er zugleich mit erhobener Hand das wie dumpfe Wellenbrandung durch den Saal gehende Geraun zu unterdrücken suchte, „Sie sprechen von einem Verlobten?" Wieder nickte das Mädchen, anscheinend kühl und gefaßt, aber in der Tiefe ihrer Augen lohte es leidenschaftlich düster. „Max Tecklenburg war mein Verlobter. Unser Verhältnis hielten wir vor aller Welt, selbst vor meinem Bruder geheim, weil entgegen der allgemeinen Ansicht Max Tecklenburgs Vermögen nicht zur Begründung eines Hausstandes ausreichte, solange die Ausbildung meines Bruders, die er ausschließlich aus seiner-Tasche bestritt -seit ungefähr einem Jahrzehnt bestritten hatte, ihm jährlich viele Tausende kostete, so hatte mir Max Tecklenburg wenigstens gesagt. Erst hinterher wurde mir klar, daß wohl seine Weltreisen auch einen erheblichen Teil seines Vermögens verschlungen hatten, daß es aber hauptsächlich die meinem Bruder gebrachten Opfer waren, die seine Einkünfte unverhältnismäßig stark beschnitten." „Tecklenburg war gerade mit einem sehr kostspieligen Umbau feines Gutshauses beschäftigt, als ihn der Tod ereilte", glaubte Emil feststellen zu müssen. „Ja, er handelte hierbei nach einem von uns wohlerwogenen Plane. Nach Fertigstellung des Umbaus wollten wir heiraten und dann auf der Besitzung ein Sanatorium in großem Stil betteiben", gab die Zeugin mit kühler Selbstverständlichkeit zu. „Die Verfehlungen meines Bruders machten nicht nur durch diesen Plan einen dicken Schlußstrich, sondern sie ließen mich auch den Mann meines Herzens verlieren." „Wollen Sie damit ausdrücken, daß Tecklenburg die Verlobung aufhob, als er Kenntnis von dem. was Sie die Verfehlungen Ihres Bruders nennen, erhielt?" vergewisserte sich der Vorsitzende. „Ja. An jenem Unglückstage im September löste Max Tecklenburg unsere Verlobung auf. Er erklärte mir rundweg, daß mein Bruder ihn schon seit Jahren immer wieder in unverzeihlicher Weise hintergangen und unge- ,achtet des ihm gewährten,, mehr als reichlich bemessenen Jahresgeldes um für seine Verhältnisse sehr beträchtliche Summen gebracht, seine gerechte Entrüstung aber immer wieder durch ein heiliges ehrenwörtliches Gelöbnis, sich in Zukunft tadellos aufführen und ihn aus seinen späteren Einnahmen schadlos zu halten, zu beschwichtigen gewußt habe." Von der Anklagebank her kam ein dumpfes Schluchzen. Ein Bild unbeschreiblichen Jammers, stand Georg Buser, den Angstschweiß auf der Stirn, kalkweiß das Gesicht, die Augen fieberisch gerötet und um die konvulsivisch zuckenden Lippen ein verzagtes Weinen. Aber als sich nun Agnes nach ihm umwandte und zum erstenmal seit ihrem Betreten des Saales ihn ansah, da kündete ihm ihr Blick, daß er eher einen Stein als ihr ihm ewig verschlossen bleibendes Herz zu heiligem Mitleid hätte rühren können. Kein Wort wurde zwischen den Geschwistern gewechselt, durch endlos lange Sekunden brannten ihre Augen ineinander, bis endlich der bis dahin so selbstbewußt und arrogant auf seine Unschuld pochende und das ihm geschehene himmelschreiende Unrecht verdammende Mann gleich einem ertappten Schulknaben den Blick sinken ließ. Seine ganze Gestalt begann sich zu krümmen, wie trunken taumelte er auf den Füßen. Dann sank er auf den harten Sitz zurück und gleich einem, der sich verloren weiß, preßte er beide Hände vor das Angesicht und verharrte fortan in dieser apathischen Haltung. Seine' Schwester dagegen, hochaufgerichtet, kühl und gefaßt, wendete sich, als sei nichts vorLsfallru. dem RLLLLxtische^vieder zu._ (Fortsetzung folgt.) L^even mW Wissen. -- Wieviel Vogelarten gibt es auf der Erde? In einer Sitzung der deutschen Ornithologischen Gesellschaft sprach Geh. Rat Dr. Reichenow über die Verbreitung der Vögel auf der Erde. Es lassen sich nach seiner Auffassung zehn Tiergebiete abgrenzen: Nordpolargebiet, Südpolargebiet. Neu- feeiand, Madagaskar, Nordamerika, Südamerika, europäisch- sibirisches Gebiet, Afrika. Indien und Australien. Im ganzen sind bis beute 20000 Vogelarten bekannt, die in 120 Familien mit insgesamt 131 Gattungen vereinigt werden. Die größte Familie mit 2000 Arten bilden die Sylvien. die Sperlings- vögel. Das Südpolargebiet mit nur 50 Arten ist das ärmste, das sudamerikanische Gebiet mit 5000 Arten das reichste. Weimar. In der Nationalversammlung wurde dke Debatte über die Sozialisierung fortgesetzt. Stuttgart. In der Landesversammlung ist mit 1VV von 129 abgegebenen Stimmen des bisherige Ministerpräsident Blos zum Staatspräsidenten gewäbll worden. Beuthcn O.-S. Der Bergarbeiterausstand hat weitere Ausdehnung erfahren. Insgesamt streiken 16 Gruben. Chemnitz. Der für Chemnitz angedrohte Generalstreik ist vollständig zusammengebrochen. Hamburg. Zu der Pressenotiz, daß Hamburg vor dem Staatsbankerott stehe, erklärt die Finanzdeputation, daß. diese Nachricht völlig unzutreffend sei. Wien. Der Verfassungsausschuß hat einstimmig die Regierungsvorlage angenommen, mit der die Erklärung Deutsch-Österreichs als demokratische Republik und als Bestandteil der deutschen Republik feierlich bekräftigt wird. Haag. .Manchester Guardian" schreibt, wenn Deutschland 40 Milliarden Pfund an die Assoziierten zahlen solle, so müsse es dreißig Jahre lang 16 Millionen seiner Einwohner für die Entente arbeiten lassen. Pressburg. Das Militärkommando verhängte über die gesamte Slowakei den Kriegszustand. Paris. Man erwartet, daß die Bedingungen für den Präliminarfrieden!am 22. März zur Vorlage für die Deutschen bereit sein werden. ^ Loudo«. Der Voranschlag für die Flottenausgabe beträgt 149200000 Pfund Sterling und sieht ein Flottenpersonal von 280000 Mann vor. ^ Die amerikamische Friederrsmissiou i« Bade«. Mannheim, 9. März. De amerikanische Friedensmission, wÄche in den den letzten Tage hier weilte, um die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und Ernährungsverhältnisse zu studieren, hatte hier eine längere Konferenz mit den Vertretern der Stadtverwaltung, der Industrie und der Arbeiterschaft. Dabei wrude der Kommission die immer trostloser werdende Ernährungsfrage und der schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung dargelegt. Auch die schlimme Lage auf anderen Gebieten wurde eingehend geschildert. Die Kommission ist zunächst nach Heidelberg, dann nach Paris zurückgereist. Aus Stadt und Land Karlsruhe, 10. März 1919. * Bad. Landestheater. Im Konzerthaus: Dienst. 11. (Die. 24.), „Schwanenweiß." 7 bis (?) Uhr. — Mittw. 12. Sondervorstellung. „Liebe im Schnee." Halb 7 bis halb 10 Uhr. — Donnerst. 13. (Do. 24.), „Das Konzert." Gastspiel des Herrn Felix Krones als Dr. Jura. 7 bis 9 Uhr. — Freit. 14. Sondervorstellung. Zum erstenmal: „Salome." Drama in einem Aufzuge. Musik von Richard Strauß. Halb 8 bis (?) Uhr. — Samst. 15. (Sa. 22.), „Die verkaufte Braut." 7 bis 9Z0 Uhr. — Sonnt. 16. (So. 2.), „Salome." 7 bis (?) Uhr. Mannheim, 10. März. Der Belagerungszustand ist durch Beschluß der badischen ^vorläufigen Volksregierung für Mannheim aufgehoben worden. Mannheim, 9. März. Der wegen Raubmords verfolgte 19jähr. Josef Neidig, der am 22. Febr. die Ehefrau des Stereotypeurs Grunert in ihrer Wohnung ermordet und beraubt hatte, ist verhaftet worden. Neidig darf als überführt gelten, da die Kette einer Uhr, die zu den geraubten Gegenständen gehörte, bei ihm gefunden wurde. Plankstadt bei Schwetzingen, 9. März. Eine Versammlung der Milcherzeuger beschloß, vom 1. April ab den Milchpreis auf 50 Pfg. zu erhöhen. Ob dieser Beschluß durchgeführt werden kann, ist noch fraglich, da bekanntlich der Milchpreis von der Regierung festgesetzt ist. Ettlingen, 9. März. In den letzten Tagen sind zwei Kriegsgefangene nach verwegener Flucht bei ihren Angehörigen in Ettlingenweier eingetroffen. Sie waren lt. „Mittelbad. Kurier" wie Hunderttausende unserer Landsleute zu den Aufräumungsarbeiten auf dem Kriegsschauplatz herangezogen worden. Dort mußten die Gefangenen schwer und unter größeren Gefahren arbeiten. Viele werden nicht wiederkehren. Rastatt, 9. März. Die Polizei verhaftete zwei halbwüchsige, mit scharf geladenen Pistolen ausgerüstete Burschen aus Kehl, die einem Landwirt aus Bietigheim in einer der letzten Nächte drei Pferde aus dem Stall gestohlen hatten. — Ferner wurde ein Kaufmann aus Gelsenkirchen wegen Schleichhandels mit Branntwein fest- genommen, man beschlagnahmte bei ihm 140 Liter Branntwein und 1200 Mark in barem Geld. Bühl, 9. März. Mehrere Burschen stahlen in Bühlertal aus der Zigarrenfabrik von Schulte Tabak im Werte von 19 000 Mark und versuchten ihn an eine andere Fabrik zu verkaufen. Bei diesem Verkaufe wurden die Gesellen festgenommen. Eigenes Petroleum; eigener Kautschuk. Fortschritte der deutschen Rohstoff-Erzeugung. Die Bemühungen, die deutsche Industrie vom Auslande möglichst unabhängig zu stellest, haben mit dem Kriege nicht ihr Ende erreicht. Es wird uns sehr zugute kommen, wenn wir Stoffe, die wir sonst im Auslande kauten mußten, selbst erzeugen und vielleicht gar ausführen können. Eine große chemische Fabrik in Baden ist dabei, das Geheimnis zu lösen, wie mau Petroleum auf künstlichem Wege Herstellen kann. Das Verfahren ist kurz das: man setzt ein Gemisch von Kohlenoxyd- und Wasserstoff unter hohen Temperaturen (300 bis 400 Grad) einem Druck von etwa 100 Atmosphären aus. Als „Katalysator", als chewischeKraft, dientAsbest.der mit Kobalt- oderOsmium- oxyd und mit Ätznatron getränkt ist. Es entstehen Wasser-, Kohlensäure und eine ölige Kohlenwasserstoffoerbindung, die man zum Brennen, als Schmieröl und zu anderen Zwecken gebrauchen kann. Man kann statt des Kohlenoxydgases auch Kohlensäure nehmen, aber dann ist der Ertrag geringer. Nun ist Kohlenoxyd und Kohlensäure in allen Fabrikanlagen umsonst zu haben, man würde zweckmäßig den Betrieb an Fabriken anschließen, deren Verbrennungsgase jetzt ungebutzt in die Luft stiegen. Wasserstoff ist rrrrtrotynni, llucy vluig zu erzeugen. -Zurzeit befindet fiw die Angelegenheit noch im Stadium der Laboratoriumsversuche. Die fabrikmäßige Herstellung, die Fabrikation im Großbetrieb ist noch eine Frage der Zukunft, liegt aber durchaus im Bereich der Möglichkeit. Hauptsache wird sein, daß das Kunstprodukt im Preise die Konkurrenz mit dem Natur-Erdöl aufnehmen kann, bei dem die Bohrtürme, die Reinigung und den Transport die Hauptlasten darstellen. Weiter gediehen ist die Industrie bereits mit der Herstellung des künstlichen Kautschuk. Man war eigentlich schon 1909 mit der Sache fertig, aber damals warfen die neuen Pflanzungen in Hinter-Jndien (Malakka) soviel natürlichen Kautschuk auf den Markt, daß der Preis des Kilogramms von 30 Mark auf 4 Mark fiel. Dieser Konkurrenz war die junge Industrie nicht gewachsen, und leider (wir haben im Kriege die Folge schmerzlich erlebt) schlief die Fabrikation ein. Sie ist dann notgedrungen wieder ausgenommen worden, und jetzt stellen wir schon 2000 Tonnen, den achten Teil unseres Bedarfs, im eigenen Lande her. Das Verfahren jst schwer zu schildern, da eine Menge Kenntnisse der organischen Chemie benötigt werden. Als Grundstoff dient das bekannte Azetylen, Las durch verschiedene Verfahren in Azeton übergeführt wird. Wir haben sogar schon zwanzig verschiedene Verfahren zur Herstellung künstlichen Kautschuks, und es bleibt nur festzustellen, welche Art im Großbetriebe sich als die einfachste und flotteste heransstellt. An Güte ist das künstliche Produkt, da chemisch rein, dem natürlichen Kautschuk, der von Milchsäften verschiedener Pflanzen herkommt, sogar überlegen. Solche Erfolge sind geeignet, uns mit großer Freude zu erfüllen. Wir bezogen vor dem Kriege (1913) aus dem Auslande 745 000 Tonnen Petroleum, was eine jährliche Ausgabe von 70 Millionen Mark bedeutete. Ani ^Kautschuk mußten wir 20 000 Tonnen kaufen, in rohem und gereinigtem Zustande, für 126 Millionen Mark. Wir können uns in Zukunft das Geld selbst verdienen. : Die Feinds suchen uns damit einzuschüchtern, daß sie- uns den Bezug von Rohstoffen für unsere Industrie ab-! schneiden wollen, selbst im Friedefl. Die beste Abwehr wird auch hier der Hieb sein: die Selbsterzeugung kann uns frei machen und schließlich bei den Mißgünstigen geradezu verheerend wirken. Man erinnert sich, wie die Erfindung des künstlichen Indigos von 1900 an den ganzen Jndigobau plötzlich überflüssig machte! /(. äk. - Wem die Kriegskost genutzt hat. Kranke, die gesunder geworden sind. Über die mannigfachen und schweren Schäden, die die Gesundheit unseres Volkes durch die Kriegskost erlitten hat, ist wiederholt berichtet worden. Früher kaum dem Namen nach gekannte Krankheiten hat das chronische , Hungern hervorgerufen, und die Tuberkulose besonders machte furchtbare Fortschritte. Und doch gibt es Krankheiten, denen die durch die'Kriegsverhältnisse notwendig gewordene Nahrungsänderung nicht nur nicht geschadet hat, sondern geradezu zugute gekommen ist. Vor allem hat infolge der Kriegskost die Zahl der Blinddarmentzündungen abgenommen, und die Arzte stellen fest, daß auch die Zuckerkranken wesentliche Besserungen zu verzeichnen haben. Die Abnahme der Blinddarmentzündungen wird auf den verminderten Fleischgenuß zurückgeführt, vor allem aber darauf, daß durch den reichlichen Gemüsegenuß die Darmfunktionen besser geworden sind. Über das Kapitel „Kriegskost und Zuckerkrankheit" wird in der Wiener klinischen Wochenschrift eine Studie zweier Arzte veröffentlicht, die zu folgendem Ergebnis gelangen: Die rationierte Kriegskost hat sowohl die Zuckerkranken mit leichter, wie auch die mit mittelschwerer und schwerer Zuckerausscheidung günstig' beeinflußt. Viele von diesen Kranken wurden zuckerfrei und vertragen verhältnismäßig viel Kohlenhydrate, also Mehlspeisen und Zucker und dergleichen, die für Zuckerkranke schwierigste Gruppe von Nahrungsmitteln. Dieser günstige Einfluß ist vor allem auf die Eiweißarmut der Kriegskost zurückzuführen. Denn im wissenschaftlichen Versuch konnte bei Nachahmung der Kriegskost nur durch Eiweißeinschränkung eine derart günstige Wirkung erzielt werden. Um aus diesen Erfahrungen etwas für die Behandlung - der Zuckerkrankheiten abzuleiten, mußte man zunächst feststellen, ob aus der Kriegskost oder der ihr nachgebildeten Diät kein Nachteil für den Kranken erwächst. Das Jahr 1918, das so ziemlich alle Menschen in Deutschland und in Österreich magerer werden ließ, brachte natürlich auch den Zuckerkranken eine UnteWilanz ihres Ernährungszustandes und bedeutende Einbußen an Körpergewicht. Aber die Eiweißbeschränkung kann, wie die Versuche ergeben haben, sehr weit geführt werden, ohne daß das eigene Körpereiwtziß angegriffen werden müßte. Es handelt sich nur darum, das Stickstoffgleichgewicht aufrechtzuerhalten, und hierzu ist wenig Eiweiß erforderlich. Die Kriegskost war — und ist es noch — ein Massenexperiment, das dem Mediziner viel Interessantes und Lehrreiches geboten hat. Daß der Fleischgenuß nicht unbedingt erforderlich ifi, um den Körper in seinem Gleichgewicht zu erhalten, ist deutlich erwiesen. Aber man braucht, um den Ausfall zu ersetzen, Kohlenhydrate, das heißt Mehl und dergleichen, und vor allem Fett. Hat man diese Nahrungsmittel, so wird die Eiweißeinschränkung nur Nutzen bringen und den Zuckerkranken ganz besonders. Es sei nur nebenbei noch erwähnt, daß infolge der Kriegskost viele Leute, die sonst, weil sie zu dick waren, nach Marienbad zur Kur gehen mußten, bequemer und billig zu Hause abmagern konnten. Landwirtschaft, Handel «nd Industrie. Pflanzt Sommerölsaateu! Die Bad. Landwirtschaftskammer richtet an die Landwirte die Aufforderung, auch in diesem Jahr zur Verbesserung unserer Fettversorgung Sommerölsaaten anzu- bauen„und zwar in erster Linie Sommerrübsen, Mohn, Leindotter und Senf. Für die Ernte werden folgende Preise bezahlt: Raps 85 Mk., Rübsen 83 Mk., Dotter 84 Mk., Mohn 115 Mk., Senf 74 Mk., für 100 Kilogr. Bei Gelbsenf wird außerdem eine Druschprämie von 10 Mk für 100 Kilogr., bei Braunsenf eine solche von 25 Mk. für 100 Kilogr. gewährt. Der Reichsausschuß gibt außerdem den Landwirten bei Abschluß eines Anbauoertrages eine Flächenzulage von 100 Mark für den Hektar. Diese Flächenzulage gilt als erworben, wenn die folgenden Mindesternten auf den Hektar Anbaufläche zur Ablieferung kommen: Sommerrübsen und Mohn 300 Kilogr., bei Leindotter und Senf 400 Kilogr. Für je wettere Für die Redaktion verantwortlich: I. B. Friedrich Dehn, Karlsruhe. — Druck und Verlag der Buchdruckerei 100 Kilogr., die über die vorgeschriebene Mindesternte geliefert werden, bezahlt der Reichsausschuß 33 A bezw. 25 Mk., doch beträgt die gesamte Flächenzulage in keinem Falle mehr als 200 Mk. auf den Hektar der Anbaufläche durchschnittlich gerechnet. Kann infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse oder sonstiger von der Sorgfältigkeit des Landwirts unabhängiger Umstände die Mindesternte nicht erzielt werden, so kommt die Flächenzulage doch ungekürzt zur Auszahlung, wenn eine Bescheinigung der Qrtsbehörde beigebracht wird, daß die Mißernte auf obige Umstände zurückzuführen ist. Außerdem wird dem Anbauer voraussichtlich vom Reichsausschuß 80 Kilogr. Natron-Salpeter für den Hektar geliefert zu den vom Reichsernährungsamt festgesetzten Preisen und Bedingungen. Der Anspruch auf Rücklieferung von Oel und Futtermitteln bezw. auf Belastung von Saat zum Gebrauch im eigenen Haushalt richtet sich nach den jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen. Jeder einsichtige Landwirt sollte sich diese Vorteile durch vermehrten Anbau von Oelfrüchten sichern und dadurch gleichzeitig durch Vermehrung der für die Volksernährung so notwendigen Oele und Fette beitragen. Alle Anfragen über Anbau usw. sind an die Badische Landwirtschafts, kammer und zuständigen Herren Landwirtschaftslehrer zu richten. Die Vermittlung von Saatgut wird durch den Kommissär des Reichsausschusses, in Baden den Genossenschaftsverband bad. landwirtschaftl. Vereinigungen Abteilung Oelsaaten Karlsruhe, Lauterbergstraße 3, erledigt. Drucksachen über den Anbau stellt die Badische Landwirtschaftskammer kostenlos zur Verfügung. lt« zWyabe »q»Srpr Nach einer Mitteilung der Regierung ist der Bad. Landwirtschaft die Auflage zur Lieferung von 120000 Doppelzentner Heu bis 1. August 1919 an Truppen hinter der neutralen Zone gemacht worden. Die schon seit langem bestehende Futternot, welche nunmehr für die Durchhaltung unserer Viehbestände bis zur nächsten Vegetation eine bedrohliche geworden ist, veranlaßt die Badische Landwirtschaftskammer, zu der Heuauflage Stellung zu nehmen. Sie bittet die Regierung, darauf hinzuwirken, daß den Badischen Landwirten ihre Heubestände belassen werden, da sonst Abschlachtungen und eine die spätere Produktion gefährdende Verringerung des Nutz-und Zuchtviehstandes unumgänglich sind. Die ungeheuerlichen Heupreise, die außerhalb der amtlichen Preise neuerdings in Erscheinung getreten sind, beweisen im Gegensatz zn anderen Bundesstaaten, daß- in Baden die Heunot sehr groß ist. _ Nah und Fern. v Tie überhandnehmenden Eisenbahndieb^ble. an denen teilweise auch Eisendahnangestellte b-> . ^ sind, haben die Eisenbahndirektion Kattowitz zu scharfen Maßregeln veranlaßt. Unter anderem wird jetzt dort ein sinnreich ausgedachtes Kontrollzetteloerfahren eingeführt, das Len Dieben das Handwerk mindestens sehr erschweren dürfte. Die Verkehrsämter müssen die Durchführung dauernd überwachen und am 1. April berichten, ob etwaige Verbesserungen einzuführen wären. o Ein beklagenswertes Opfer der Schießerei in Berlin ist der Direktor des Königstädtiscken Realgymnasiums, Geh. Studienrat Prof. Dr. Gotthold Bötticher mit seinem Dienstmädchen geworden. Das Schicksal wollte es, daß in dem Augenblick, als das Mädchen das Essen auftrug, Schüsse aus einem Maschinengewehr durch das Fenster schlugen und beide tödlich getroffen wurden. o Selbstmord eines Bürgermeisters. In einem Breslauer Hotel erschoß sich der langjährige Bürgermeister der Stadt Myslowitz, Dr. Haeusler, aus unbekannten Gründen. O Krjcgstraunng deS Generals Lettow - Vorbeck. General Lettow-Vorbeck, der dieser Tage heimgekehrte ruhmreiche Führer unserer Ostafrikaner, zeigt seine Kriegs- trauung mit Frau Martha, geh. Wallrath, an. 0 Epidemie in Wie». Seit einigen Tagen tritt hier eine geheimnisvolle Krankheit auf. Die Erkrankungen äußern sich in Bewegungsunfähigkeit der Erkrankten. Die Berührung der Knochen verursacht große Schmerzen. Die Krankheit breitet sich sehr schnell aus. Die Arzte sehen das beste Heilmittel in der Zufuhr von Phosphor und Lebertran, woran Wien Mangel leidet. D Diebstahl alter Prager Urkunden. In einem Prager Hotel kamen in letzter Zeit häufig Diebstähle vor. die lange nicht aufgeklärt werden konnten. Endlich überführteü Detektive einen Hotelgast, einen eleganten älteren Herrn, der Täterschaft. Bei einer Leibesdurchsuchung wurden besonders viele alte Urkunden gefunden. Die Polizei stellte fest, daß der Hoteldieb Franz Gärtner heißt und Diener des Prager Landesgerichts ist. Wettere Nachforschungen ergaben, daß Gärtner seit 1910 aus dem Archiv des Landesgerichts Hunderte von Urkunden gestohlen hat, darunter solche aus vorhussitischer Zeit, Originaldokumente von Kaiser Karl IV., Albrecht, Rudolf, Matthias, Briefe Rupvrechts von der Pfalz und Konzepte von Slawata. Diese Dokumente, die einen Millionenwert besaßen, verkaufte Gärtner für geringe Beträge an Antiquitätenhändler und Liebhaber. Einer der Käufer hat 50 Urkunde« zurückgegeben, wofür er 600 Kronen bezahlt hatte. Einige Antiquitätenhändler, sind verhaftet worden, doch sind die meisten Urkunden wohl unwiederbringlich verloren. s Flugdienst Padua—Wien. Wie verlautet, plant die italienische Regierung die Einrichtung eines regelmäßigen Flugdienstes zwischen Padua und Wien in zwei bis drei Flügen in der Woche. Es trafen bereits vier italienische Flugzeuge mit je vier bis fünf Offizieren aus Padua in Wien ein. amilien-Drucksachei aller Art, gut und preiswert Buchdruckerei Kdelist Karlsruhe, Lrbpnnzenjtr. 6 . Nach «» aneh KzialiSm M letzten »essenheit per die Msendes dener »ssung kvzialis ard gefi ttd ihr Kesetz ei trachtet. 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