Kriegsgefangene übernommen. Mit der Heimkehr der ini französischer Hand befindlichen deutschen Kriegsgefangenen kann vor der Ratifikation durch Frankreich nicht gerechnet werden. _ ^ Lord Beresford 1*. ^ Nach einer Reutermeldung ist der britische -"t' Admiral Lord Becesfard im Alter »oa ' ^ 73 Jahren in Schottland plötzlich gestarben. Der verstorbene Lord wurde in England mehr gefürchtet als geliebt. Man hatte Respelt vor seinen seemännischen Fähigkeiten, aber man war in gewissen Kreisen stets »unangenehm berührt*, wenn er mit seiner scharfen Kritik des in der englischen Marine herrschenden Schlendrians einsetzte. So oft er im Parlament das Wort nahm — und das geschah mehr als einmal auch während des Weltkrieges — gab es ganz sicher einen Konflikt. Rücksichtslos, wenn auch höflich in der Form, kritisierte er die Maßregeln der Regierung auf dem Gebiete des Flottenbaues und der Flottenverwaltung. Nicht geringes Aufsehen erregte besonders der Kamps, den er als Oberbefehlshaber der Mittelmeer- und der Kanalflotte mit dem damaligen ersten Seelord der Admiralität. Lord Fisher, ausfocht. Nachdem die Zeit seines Kommandos der Kanalflotte abgelaufen war, begann er eine für englische Verhältnisse geradezu unerhörte Agitation, indem er die Kriegsbereitschaft der britischen Flotte bestritt. Seine Beschwerden wurden von einem Ausichuß des Reichs- verteidigungsiomitees unter Vorsitz des Ministerpräsidenten geprüft und als in der Hauptsache unbegründet befunden, aber vergessen hat man ihm seine Bloßstellung der »großen Flotte* nicht. Als Politiker schloß sich Lord Beresford im Unterhause den Konservativen an und erhielt im August 1886 im Ministerium Salisbury das Amt eines Lords der Admiralität. Auch schriftstellerisch ist er hervor- getreten, und sein Luch »Nelson und jeme Zeit* wurde viel oeleien. ... Lötzen-orffs Nerven. »Die Deutschen haben uns verraten.* Dr. Friedrich Wiesner, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister, setzt in Anlehnung an das Buch Karl Friedrich Nowaks, das von dem Feldmarschall Conrad v. Hötzendorff inspiriert ist, seine Betrachtungen über den »Weg zur Katastrophe* fort. ^Das Unglück Conrads war*, sagt Wiesner, »nicht ein Geschenk böier Feen*» auch nicht ein Mangel seiner abstrakten Konzeptionen, sondern die harte Tatsache, daß er nach den Niederlagen des Einleitungsfeldzuges nicht mehr über die Armee verfügte, die seine Idee durchführen konnte, daß er die Grenzen nicht abzustecken vermochte innerhalb deren der verbliebene Rest zu handeln die Kraft hatte. Nur wenn festgefügte Körper des deutschen Bundesgenoffen binzutraten, konnte das Glück ihm lächeln. Daraus aber hat er für sich nur Bitternis geschöpft. Geärgert, vergrämt, gereizt zog er sich zurück, iperrte sich ab, wie Nowak es ausdrückt, er sorgte selbst für Dunkel und Schatten, darin er sich verbarg*. Daß man im Finstern nichts sehen kann, daß man mit der Absperrung den Kontakt mit dem LebeiHrerliert, das wollte man in Teschen nicht einseben. In seiner Umgebung machte sich eine der unerfreulichsten Gepflogenheiten breit: die Schuld» ablastung auf den Rücken anderer. Wiesner sagt: »Es war in den ersten Septembertagen, unmittelbar nach Zloczow und PrzernyKlany. Im engen Kreise wurden d e Mißerfolge besprochen. Alle wußten, daß die Deutschen nicht vor zwei Wochen kommen könnten. Da warf jemand die These hin: »Die Deutschen haben uns verraten,* Verraten, nicht etwa bloß »fitzen gelaffen*; verraten mit klarer Absicht, »um dann allein zu siegen*. Es gab über dieses horrende Diktum wohl eine Kontroverse: sie war aber bald erledigt, denn die Theie war rasch approbiert. Seither stand sie fest. Am nächsten Tage war sie Gemeingut. Das geflügelte Wort, fast als Erlösung empfunden, war da. um nicht mehr zu verschwinden.* Die Notwendigkeit, alle Kräfte zusammenzukegen. und die wirkliche Einheitsfront zu schaffen, lag seit Gorlice klar zutage. Aber diese Wahrheit war unbequem. Und so zog man es in Teschen vor, sich gegen sie zu spexren. bis neue schwere Schläge zu st-ät das Zusammengehen erzwungen. Was Österreich in Steiermark verliert. Deutsches Land in slowenischer Hand. In Steiermark herrscht tiefe Trauer: tiefere Wunden als der Krieg schlägt dem Lande der Friedensoertrag von St. Germain. Man hat die Grenze so gezogen, daß ganz deutsche Gebiete und deutsche Städte unter Fremdherrschaft fallen, um auch das letzte verfprengteste Dorf, in dem noch.ein Slowene wohnt, zu »betteten*. An 80 000 M piff! ... Deutiche lallen mit dem industriereichen Drau- und dem fruchtbaren Murtale geopfert, ein einheitliches, jahrhundertaltes Wirtschaftsgebiet soll rum Schaden beider Völker zerrissen werden. Die Mittelsteiermark bildet mit dem Draulande und dem Murtale und der Hauptstadt Graz eine Einheit. Seit 1147 gehört daS Draugebiet mit Marburg und Pettau, dem alten römischen Poktovio, zur Steiermark, und seit 1000 Jahren wohnen hier Deutsche neben Slowenen. Das Drauland ist eigenartig besiedelt. Geschlossenes deutsches Sprachgebiet setzt sich nirgends scharf ab; eS gebt in eine breite Zone eineS sprachlichen Mischgebietes über, wo beide Völker nebeneinander siedeln, genau io wie es bei uns in zahlreichen deutsch-polnischen Gebietsteilen der Fall ist. Und das ist so seit uralter Leit. Nachdem die von Aoaren und Magyaren bedrängten Slowenen dezimiert waren, wandelten seit 800 deutsche Bauern aus Franken und Bayern ein, fiedelten sich seit 1200 deutsche Handwerker in den verödeten Stätten an und vermehrten sich stets durch frisches Blut aus dem deutschen Mutterlands. Der Slowene blieb Äckerbauer, der Deutsche begründete Städte und Märkte. Die Slowenen haben sich im Laufe der Jahrhunderte die Sitten, Gebräuche und Sprache der Deutschen zu eigen gemacht und sich mit diesen vermischt. Deutsche tragen slowenische, Slowenen deutsche Namen. Sie find in erster Linie »Steirer* und fühlen sich ganz als solche. Nichts verbindet sie mit den Slowenen Krams, sie sind ihnen so fremd, daß sie kaum ihre Sprache verstehen. Leben, Handel und Volkswirtickaft zielt nach dem deutschen Norden. Das Kultur- und Wirtschastszentrum ist die deutsche Stadt Marburg, in der neben 23 000 Deutschen nur etwa 4000 Slowenen wohnen. DaS geistige Leben, die Schulen und Theater find deutsch. Deutscher Fleiß belebte den Handel und schuf die Industrie. Der Hausbesitz ist zu neun Zehnteln deutsch. Selbst die Toten auf dem Friedhof bezeugen, daß Marburg eine deutsche Stadt ist: neben 20 000 deutschen Grabinschriften finden sich nur an 200 slowenische. Marburg ist einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte Österreichs: hier liegt für Deutsch- Österreich seine' einzige Hauptverbindung mit Italien und dem Meere. Nahezu 4000 deutsche Beamte und Arbeiter sind, da in Marburg große Werkstätten und Heizhäuser errichtet wurden, im Laufe der Zeit hier seßhaft und mit ihren Familien bodenständig geworden. Im gemischt besiedelten Draulande, wo 40 000 Deutsche leben, liegt eine Reihe fast rein deutscher Marktgemeinden mit reger Industrie, eine Anzahl von Dörfern, die, wie slowenische Historiker festgestellt haben, schon im 11. Jahrhundert von Deutschen besiedelt wurden. Sie tragen als Zeugen ihre deutschen Namen und bilden die Brücke zur zweiten deutschen Stadt des Drautales, Pettau. Auch hier ist alles Leben deutsch: Handel, Gewerbe, Industrie, mustergültige deutsche Schulen. Sowohl Marburg als auch Pettau haben sich sofort nach dem Umsturz in Österreich-Ungarn zur deutsch-österreichischen Republik bekannt und mit ihnen eine große Zahl von Gemeinden des ganzen Draulandes. Unter Mißachtung des »berühmten* Selbstbestimmungsrechts wurden sie von den Jugoslawen militärisch besetzt und leiden seither unter slowenischer Gewalt- und Willkürherrschast. Der Friedensvertrag von St. Germain verschiebt die deutschen Steirer des Drau- und Murtales wie willenlose Steine auf dem Schachbrett ins jugoslawische Feld. Sie aber möchten samt den Slowenen des Mijchgebietes ihre alte Heimat nicht verlieren und bei ihrer deutschen Mutter bleiben. Ein Volk in Not erhob seine Stimme und rief die Demokratien aller Länder auf, es im Kampfe um sein unveräußerliches Selbstbestimmungsrecht za unterstützen. Aber sein Ruf verhallte ungehört... L. politische Rundschau. Deutsches Reich. ^ Die ungenügende deutsche Antwort. In Abwesenheit des Barons Lersner bat Legationsrat Schmidt die deutsche Antwortnote auf das Ultimatum der Entente wegen des Artikels 61 überreicht. Der Oberste Rat wird sich mit ihr beschäftigen und beschließen, was daraus zu geschehen habe, da die Note inhaltlich und der Form nach allgemein als unannehmbar bezeichnet wird. ^ Strafantrag gegen den Staatssekretär Helsferich. Der Reichspräsident hat an den früheren Staatsnumster Dr. Helsferich folgendes Schreiben gerichtet: »Auf das gell. Schreiben vom 5. September beehre ich mich Euer Exzellenz mitzuteilen, daß das Reilbskabmetf die er Taae . Rittergut Wroynorvo. . Oltmärkischer Roman aus der Vorkriegszeit von Guido Kreutzer. I4j (Nachdruck »erboten.) Dengelchen, Hansjürgen — mehr wie ein Dutzend Jahre haben wir uns nicht gesehen! Ganz verändert stehst du aus — kolossal ttudal; und hast ein Erficht bekommen, als ob du der Großmeister des Johanniter-Ordens wärst. Wahrer Segen, daß du noch kein Monokel trägst! Menschenskind — ich geb' dir Brief und Siegel, wir hätten einen ganzen Tag lang nebeneinander sitzen können und nicht im hitzigsten Fieber wär' mir eingefallen, daß du der Hansjürgen bist.- .Aber du stehst noch genau so «ls wie früher. Onkel. - Der Forstmeister umfaßte beide Oberarme seines Gastes mit den Händen und drückte ihn in einen am Fenster stehen- Len altmodischen Rohrsessel. Holle sich seine Pfeife wieder, rauchte ste schnell an und stellte sich dann breitbeinig vor den jungen Mann. Sein Gesicht strahlte. .Onkel" — sagt er immer noch zu mir. Hat er nicht vergessen, der Bengel. .Onkel- — ganz wie in alten Zetten. Also du, Hansjürgen — das finde ich großartig von dir. das rechne ich dir hoch an! Da steht man doch wirklich, ^daß du trotz der inzwischen hochherrschastlich gewordene» Physiognomie noch immer der alte gute Junge bist. Und vor allen Dingen natürlich mein herzlichstes Beileid zum Tode deines Vaters. Eigentlich hätte ich mir bei vernünftiger Überlegung ja selbst sagen können, daß du an einem der nächsten Tage hier austauchen würdest. Aber weißt du — wenn einer so zwölf oder fünfzehn Jahre lang von sich nichts sehen und hören läßt, dann wird man doch ein bissel irre oder zumindest unsicher und macht sich so langsam mit dem Gedanken vertraut, daß der Betreffende wohl doch in eine andere Weltanschauung rübergerutscht sei. Sa wie in deinem Fall. Denn weißt du — hin und wieder komme ich ja doch mal nach Berlin. Und jedesmal Hab' ch mir aus aller Anhänglichkeit von Leute», die dich kannten, so'n bißchen erzählen lassen. Gott, da hat fick in was getan — waS du für ei« Streber. Gesellschaftsmensch beschlossen hat, auf Veranlassung deS NeitbSmmmelS Erzberger Strafantrag bei dem preußischen Justiznnnnter gegen Sie zu stellen. -I- Die Provinzialwahlen in Oberhefsen ergaben im Vergleich zur Volkskammerwahl eine bedeutende Verschiebung nach rechts. Den größten Verlust erlitt die demokratische Partei, die anstatt der zu erwartenden 8 Mandate nur 2 Mandate erhielt. Der Bauernbund und die Deutschnationalen erbitten 15, die Mehrbeitssozm- Men 12. die Deutsche BolkSpartei und die unabhängigen Sozialdemokaten je 5 Mandate. 4- Besichtig««- deS französische« Anfbangebietes. über die Beteiligung der deutschen Arbeiter am Wiederau bau Frankreichs haben am 6. September Besprechungen stattgesnuden, an denen ein Vertreter der deutschen Gewerkschaften, rin Vertreter der französischen Konföderation du Travail und ein Vertreter des französischen Bau- arbeiterverbandes teilnabmen. Es ist so weit Einigung erzielt worden, daß wahrscheinlich in der nächsten Woche eine gemeinsame Besichtigung des Aufbaugebietes stattfinden wird. 4- Hilfstruppe» für lebenswichtige Betriebe. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, wird augenblicklich die Ausstellung von technischen Hilfstruppen vorbereitet, die die Aufgabe haben, in Fällen von Streiks die lebenswichtigen Betriebe in Gang zu erhalten und gegen Beschädigung zu schützen, also vor allem die Gas-, Wasser» und Elektrizitätsanlagen und die Lebensmittelverteilung. Es handelt sich um eine großzügige Organisation, die sich über alle wichtigen Städte Deutschlands erstreckt. 4- Industrie und Betriebsrätegesetz. Der Reichsoerband der deutschen Industrie veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Die Erregung, die sich der deutschen Industrie angesichts der Verschärfungen deS Gesetzentwurfes über die Betriebsräte bemächtigt bat, ist ganz außerordentlich groß und in auffälligem Maße stärker als gegenüber so mancher bedrückenden gesetzlichen und steuerlichen Maßnahme dieser für d'e Industrie so schweren Zeit. Durch das Mitbestimmungsrecht, den Einfluß der Arbeiter auf die Leitung der Produktion, den zwangsweisen Eintritt von Arbeitern in die Aufsichtsräte, die erzwungene Vorlegung der Bilanzen, der Gewinn- und Verlustrechnung an die Arbeiter sieht der deutsche Industrielle die Zukunft der Betriebe unmittelbar bedroht. Man fürchtet, daß hieraus eine nunmehr unheilbare Krisis für das deutsche Wichschaftsleben heraufgefübrt wird, und zwar unnötigerweise durch Maßnahmen der Gesetzgebung. In der deutschen Industrie hofft man, daß Regierung und Nationalversammlung wenigstens in letzter Stunde noch sich von diesen Gefahren werden überzeugen lassen.* ^ ifralirrettv. x Der Friedensvertrag für Bulgarien. Der Oberste Rat der Alliierten hat den Vertrag mit Bulgarien endgültig gutgeheißen. Bulgarien muß auf Thrazien verzichten und die später von den Alliierten seftzusetzende Neugestaltung annehmen, dafür erhält es den freien Verkehr mit dem Hasen von Dedeagatsch, die Benutzung der Schifffahrtslinien sowie die Binnenschiffahrt auf der Maritza. X Die Kriegsverlnste der Entente. Der Pariser »Exzelsior* bringt nach amtlichen Quellen die Zahl der Todesopfer der Entente im Kriege. Es haben danach Frankreich 1 385 000 Tote bei 8 Millionen Mobilisierten, England 835 000 Tote bei 6,7 Millionen Mobilisierten» Amerika 51 000 Tote bei 3,8 Millionen Mobilisierten, Italien 569 000 Tote bei 5250 000 Mobilisierten, Belgien 38172 Tote bei 380000 Mobilisierten, Portugal 8367 Tote bei 200000 Mobilisierten. Bei England und Frankreich sind die Kolonialtruppen nicht besonders kenntlich gemacht. Für Rumänien und Serbien fehlen noch die endgültige» Ziffern. Ungarn. X Die Schwierigkeiten der Kabinettsbildung. Handels- Minister Franz Heinrich teilte in dem Ministerrat mit. daß er sich mit der Neubildung des Kabinetts nicht weiter befassen werde. Er verständigte hiervon di« Budapester interalliierte Mission in einer Note, in der er erklärt, daß die öffentliche Meinung des Landes immer stärker und einheitlicher zugunsten der gegenwärtigen Regierung Stellung genommen habe, so daß er einen Erfolg seines Unternehmens für ausgeschlossen halte. X Gemeine Diebstähle Szamuelys. Eine Haussuchung in der Wohnung des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen kommunistischen Diktators Szamuely hat ein sensationelles Ergebnis aezeitiat. Man r^ei geworden und wie glänzend deine Karriere sich angelassen hätte: und was für Aussichten und Beziehungen und Pro- Lektionen! Also hol's der Deuwel. Hansjürgen — da Hab' ich mich einfach als aller unmoderner Waldläufer nicht getraut, dich aufzusuchen. Denn sonst natürlich — kannst dir denken, wie mir das aeiummelt bat. so mal ohne Anmeldung und mitten aus heiler Haut heraus dich in deiner Berliner Wohnung zu besuchen. - .Hättest du es doch nur getan. Onkel Dronkaul* . . . versetzte der Jüngere,- und saß ganz still in dem alten geflochtenen Korbsessel und mitten in den breiten Sonnenstrahlen. die jetzt daS Zimmer mit goldenem Glanz überschütteten. Der Alte rückte ihm noch einen Schritt näher. Seine sonst so grimmigen Augen waren ganz groß und dunkel vor lauter Zärtlichkeit. »Tcttsächlich, Hansjürgen? Aber ja — ich geb' zu. ich Hab' mir von dir ein ganz falsches Bild gemacht. Du bist ja gar nicht jo flach und äußerlich geworden: hast Gott sei Dank noch zu viel gesunde Urwüchsigkeit und zu viel schöne Kindheitserinnerungen dir bewahrt, daß aus dir nicht solch öder Asphaltfloh geworden ist! Menschenskind — aber jetzt bist du ja glücklich wieder im Lande; und bleibst auch im Lande, nicht wabr?- Hansjürgen von Schill starrte versonnen tn die brett- flutenden Lichtbänder. Er nickte. .Ja — jetzt bleib' ich im Lande. Ich muß ja wohl.* Doch da geschah es plötzlich, daß der Forstmeister Dronkau jählings einen Schritt zurückwich ... in sein Gesicht kam ein harter Ausdruck — hart auch klang die Stimme. .Halt, mein Junge — da hast du eben ein Wort gesprochen. das hier nicht hineingehört. . . nicht in unsere Wiedersehensfreude und nicht in dies Zimmer hier. daS mein Arbeitszimmer ist. Aber es ist trotzdem gut. daß du dies Wort ausgesprochen hast. Denn eS gibt mir Veranlassung. mich mit dir jetzt mal ganz ehrlich Aag' in Auge auszusprechen. WaS ich im übrigen auch sonst getan hätte und weswegen du ja wohl auch i» «strr Ante «ich ausgesucht hast.- „DeSwegen. und um dich wdstch «tt «chchMMsehe«. grobe, eyenbeschlagene Kisten, deren eine mtt Diademen goldenen Uhren und Ketten, Brillantrmgen, Brillant obrgehängen usw. oollgefüllt war. deren Wert von SaL verständigen auf 8 biS lO Millionen Kronen geschönt wurde. Die Wertgegenstände find ein Teil der von r>» Kommunisten zu Beginn der Räteherrschaft beschiß «ahmten Juwelen. Die beiden anderen Kisten enthielt«, ^Rttllion Kronen Bargeld der Österreichijch-ungari^bkg Holland. X Wohnungswechsel des dentschen Kronprinzen. Der frühere deutsche Kronprinz hat den holländischen Behörde» zu verstehen gegeben, daß ihm der Winter auf Wieringe» zu kalt sei. und er gern in einem anderen Orte unter gebracht sein möchte. Es sind daraufhin Unterhandlung«, über die Mretung eines Hauses in Baarn angeknüpst worden Baarn liegt in der Nähe von Amsterdam. ^n. China. x Die Empörung gegen die Japaner ist in gm,» China im Wachsen begriffen. So haben auch Studenten in Peking den Kamp' gegen die Politik Japans wieder ausgenommen. Viele Hunderte nahmen an einer Kundgebung teil. Aus Befehl der Regierung bat der Gouverneur von Schantung das Kriegsrecht vro- klamiert. Mehrere Perionen wurden vor Gericht gestellt und mehrere Studenten verhaftet, was allgemeine Unzu- iriedenhelt veranlaßt-. Der Boykott der japanisch«, Waren dauert fort. In Schanghai und Tientsin hat die Einfuhr japanischer Waren im Juli nur 30 der Einfudr des Vorjahres betragen. Die Regelung sämtlicher innerer Angelegenheiten wurde aufgeschoben, da sich das Kabinett gegenwärtig nur mit der Schantung-Frage beschäftigen kann. Im Norden ist die Militärnartei sehr stark, aber noch nicht imstande, ein Kabinett aus eigenen Männer« »u bilden. _ ^ * Wie unsere Feinde deutsche Erfindungen verwerten. Bei einem groß angelegten Konkurrenzflug in Amerika — Nero-Jork, Toronto, und zurück — hat ein durch den Waffenstillstand in die Hände der Entente gekommenes Fokker-D-7-Flugzeug (Kampfeinsitzer) mit einem Motor der Bayerischen Motoren-Werke gegen sie beteiligten französischen, amerikanischen und englischen Flugzeuge, gesiegt. Das Flugzeug wurde gesteuert von Kolonei Barker. Diese Nachricht hat entschieden auch ihr Erfreuliches, denn sie zeigt deutlich die Leistungsfähigkeit unserer deutschen Industrie gegenübe? der des Auslandes. Derselbe geniale Oberingenieur Fritz, welcher seinerzeit diesen Motor konstruiert hat, hat inzwischen auch einen neuen Motor speziell für Lastwagen, Motorpflüge und landwirtschaftliche Traktoren bei den bayerischer Motoren-Werken konstruiert in einer Stärke von 45M ? 8 ., der eine Menge konstruktiver Neuheiten aufzuweisen hat. Der Flugmotor der gleichen Werke hat neulich unter Oberleutnant Diemer einen Höhenrekord ausgestellt, in dem er in 54 Minuten 9200 Meter gewann. Deutscher Erfindergeist und deutsche Arbeit sind unsere Hoffnung und werden den Sieg erringen über alle Perfidien unserer Feinde'. Ans Bade«. Sozialdemokratischer Parteitag. Die sozialdemokratische Partei Badens hat in dies« Tagen ihren ersten Parteitag in der Revolutionszeit abgehalten. Die Verhandlungen boren manches Interessante. Zunächst die Feststellung: Die badische Sozialdemokratie fühlt sich als eine Art konservative« Faktors in der deutschen sozialdemokratischen Pattti. Herr Staatsrat Weißmann unterstreicht besonders dies« Gedanken in einem Artikel, den er über den Parteitag in der „Karlsruher Zrg." schreibt. Herr Weibmann hebt he' vor, daß wir in Baden „vor größeren staatlichen US- Wälzungen verschont blieben", denn: „Wenn wir in den ersten Monaten nach der Revolution i- wesenilichen vor größeren staatlichen Umwälzungen bewahrt bliebe^ Onret.- " Darauf jedoch antwortete der Forstmeister nicht me^- Er zog seinen Schreibsefftt heran und setzte sich zu Jüngeren dicht gegenüber: und rauchte stark und grübe»* lange vor sich hin. Unversehens Hub er an zu sprechen: mtt einer Stim^ .der man es anmerkte, wie sorgsam und vorsichtig er je«' Wort wog. ^ ! »Mein Beileid zum Tode deines Vaters habe rcy^ ja schon ausgesprochen. Hansjürgen. Du wirst denken, Att nur eine gesellschaftliche Lebensatt, um die ich nicht sdrumrumkäme. Dem aber ist nicht so. Ich weiß natür . wie kühl ihr euch beide schon immer und sd«n Tode deiner Mutter gestanden habt. Schön: oder -mehr alles andere wie schön. Wer das waren nun 'Tatsachen, an denen sich nichts mehr ändern ließ. DM stmgeachtet bin ich überzeugt und war es immer, deinem Vater in Motten und Taten und Gedanken Len Respekt des Sohnes entgegengebracht hast. sfich ja auch von selbst btt einer Natur wie der dews» durch die zwischen euch bestehende Entfremdung >l, was dos ldu mtt der Zeit natürlich jeden überblick verloren. ,18ater nach außen hin tat und trieb und wie er st« iLich mtt sich selbst herumschlagen mußte. - i Sieh mal, ich könnte dir ja hier nun endlose psycho!^'!.^ ^Auseinandersetzungen darüber liefern; denn schlie ßlik« -ich mtt ihm durch ein ganzes Menschenleben eng best^ kgewesen und habe durch Jahrzehnte Seite an Ser« Hm gelebt. Drei- bis viermal in der Woche Hab» frmS gesehen. Da gibt es dann keine Geheimnisse rnein-^ der eine vor dem andern haben könnte; auch keine ' Achen mehr. Und dein Vater, Jungchen — war ein stolzer War ein Mensch, der btt andern nie Anlehnung Mückendeckung suchte. Ist auch nie mtt dem Herzen a« iLunge um Rat und Hilfe zu mir gekommen: uno Selbst mußt du -och gut genpa Dänen. wn z« Ich mich nie ungebeten auKrch»»«. Id — was lästerliche EntwicNun» i» de» MG» d«Wß Vaters. W ^Mährend seiner GL. du « «M -ch»» «rische» und ungarischen Experimente bei uni in keiner Neuauflage oder gar Wiederholung fanden, wenn Baden politische Oase in der Wüste der staatspolitischen Ver- U war, daun darf — wiederum in aller Bescheidenheit — werden, daß zu diesem erfreulichen Ergebnis in hohem -Sagen hat die positive Mitarbeit der badischen Sozial- ^ä»f allen Gebieten des staatlichen Lebens schon vor dem eemd ihre Beharrung in dieser Tätigkeit auch während deS Weißmann fügt dem noch rühmend hinzu, daß xitag die „Befürwortung der Rätediktatur glatt habe" und beruft sich mit besonderer Befrie- kMf ein Wort des deutschen sozialdemokratischen Landes Wels, der gesagt hatte: - Wunen nur dann erkennen, daß wir die Massen hinter unS an sie in den Formen der Demokratie für uns stimmen, chen an die sagenhafte Weltrevolution der Unabhängigen ab.« Verfolg seiner Ausführungen bekommt aber der itSrat Angst vor seiner eigenen Kourage und sich, dem etwas verblaßten Rot seiner Dar- ^ etwas kräftigere Töne beizumischen, damit die , Reaktionäre usw. — wahrscheinlich aber auch die eigenen Lagers — am Ende nicht glauben, Regierung sei drauf und dran, den xn Zähringer wieder auf den Thron zu holen, denn Herr Weißmann ein wenig Erfurter Oel matten marxistischen Flammen badischen Revo- -ristes und schreibt weiter: ^ , würde sich aber doch täuschen, glaubte man in den Kreisen Mreichen Gegner, es sei der Sozialdemokratie bei ihrer >,ur darum zu tun gewesen, sich als artig« politische Kinder und möglichst für das politische Agitationsbedürfnis '.Freunde von rechts" zu sorgen. Ganz kategorisch plaidierten ' 'gierte nach dieser Richtung hin für scharfe Kampfansage und äe stürmischen Beifall, als er die Willensmeinung der zahl- mmelten dahin zusammenfaßte: „Die deutsche Arbeiter, der Parole ihrer Leitung gewiß freudig folgen, wenn eS ^gelten sollte, gegen di« Reaktion Front zu machen." -Weer auszudrücken: Sollten sich auch in Baden ostentative «n geltend machen, welche die Wiedereinführung der hie und die Einsetzung des alten Regimes zum Ziele hätten, Ie ihnen die Sozialdemokratie mit all der Energie, welcher srungsgemäß fähig ist, entgegentreten." Herr Weißmann! Sollten Sie wirklich nicht daß unterm „alten Regime" die sozialdemokratische jPe Republik grundsätzlich erstrebte und für rebung das Recht des freien Mannes, poli- berzeugung zu tätigen, in Anspruch nahm? Haben sals^ gehört, daß deswegen das „alte Regime" mit gie, welcher es erfahrungsgemäß nicht fähig war, die Republikaner einschritt? Uebrigens — was ' Gerede von der sozialdemokratisch-republika- iLllmächtigkeit? Weiß denn der Herr Weißmann die Sozialdemokratie gegenüber den bürgerleien in der ausgesprochenen Minderheit ist es doch sehr fraglich ist, ob die Mehrheit der Bevölkerung nicht für die Monarchie eintritt. heute an Vergötterung und VerluderuHg des Geistes, der öffentlichen Moral, an Disziplin- sst» allen Sparten des öffentlichen Lebens erfährt, "isst dem „republikanischen" und „sozialistischen" l kein Plus ins Kontobuch des sozialdemokratischen s. Die Herren vom sozialdemokratischen Parteitag hließlich deS Herrn Staatsrats Weißmann — ! es uns also schon gestatten müssen, daß wir als tive die Monarchie anstreben, wie sie als die Republik erstrebten. Selbstverständlich uns durch Gesetz und Sittlichkeit zugestan- llegitimen Mitteln. Gerade die „Erfolge der Re- beweisen es zur Genüge, daß die Monarchie den natürlichen Dingen und Verhältnissen be- logische, fftaats- und gesellschaftsbildende inng ist, die gegenüber der republikanischen Form züge hat. Das steht schon beim alten Homer. ! braucht das gar nicht im Urtext nachzuschlagen; dezernat sitzt der eine oder andere, der das gerne übersetzt. sind aus dem zersetzenden in das aufbauende getreten", sagte Herr Staatsrat Marum auf dem Parteitag. Wirklich? Wir sind weniger optimistisch. Sollten die Herren Geiß, Marum, Remmele, Weißmann wirklich nicht wissen, daß der Radikalismus der U. S.-Leute und der Kommunisten kräftiger als je das Haupt erhebt? Der Sozialismus hat doch Bankerott gemacht; das sieht ein Kind ein. Und nun kommen die Unentwegten und Ganzidealisten und wollen den „wirklichen Sozialismus" einführen. Wir stehen vor der Möglichkeit einer neuen Etappe gewaltsamen Umsturzes. Wohl ist die Bewegung rechts stärker geworden (die leider von einem blöden, nichts lernen wollenden Draufgängertum falsch ausgenützt wird), aber links hat der Radikalismus bedeutend zugenommen. Das werden die nächsten Wahlen beweisen. Es wird den Herren um den Ebert-Noske-Kreis schwer halten, ihre aristokratisierten Mandate über die nächsten Wahlen hinaus zu erhalten; auch sie laufen Gefahr, als altes Eisen zu den „Reaktionären" geworfen zu werden. A. R. Sozialdemokratischer Parteitag Badens. Karlsruhe, 8. Sept. Der sozialdemokratische Parteitag, der Samstag und Sonntag hier stattsand, wählte Horter-Karlsruhe zum 1. Vorsitzenden, Riedmüller-Frei- burg zum 2. Vorsitzenden. Vorsitzender Eeitz warf einen kurzen Rückblick auf die Geschicke der badischen Partei seit dem letzten Parteitag in Offenburg. Berichterstatter Kahn erstattete den Geschäftsbericht des Landesvorstands. — In der öffentlichen Sitzung am Sonntag sprach Maier- Heidelberg über die künftigen Ausgaben. U. a. führte er aus: Die Revolution brachte uns wenigstens auf dem Papier eine gute Verfassung. Der Geist läßt sich allerdings nicht von heute aus morgen ändern. Vor der Reaktion brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Das Proletariat, der Sozialismus, wird siegen, wenn nicht die Zersplitterung des Proletariats uns selbst das Grab gräbt. Der Rätegedanke basiert auf Unklarheit. Wir müssen jetzt aufs tatkräftigste an der Sammlung der Massen hinter der Fahne der Mehrheitspartei arbeiten. An einem Teil der Demokraten haften heute leider noch die Eierschalen des Nationalliberalismus. Man könne diese Demokratie nicht als sehr lebensfähiges Kind betrachten und eine Mehrheitspolitik mit dieser allein war nicht gut möglich, zumal sie in Steuerfragen nach rechts neigte. Zur badischen Verfassung bemerkte der Redner, dah diese in Deutschland weitaus ans meisten den demokratischen Prinzipien entspreche und mit allen Staaten der Welt den Wettkampf aufnehmen könne. In der Kirchen- und Schulfrage sei in Baden eine Lösung gefunden worden, die sich vom Standpunkt der Demokratie aus sehr wohl sehen lassen könne. Als künftige Aufgaben bezeichnet der Redner das Landtagswahlgesetz, die Reform der Eemeindeordnung und Kreisversassung, und namentlich das Siedlungsgesetz, das eine rationelle Bewirtschaftung des Grund und Bodens sicherstellen und der Eüterschlächterei Vorbeugen soll. Der Staat soll alle Güter über 50 Hektar an sich ziehen und eine zweckentsprechende Aufteilung der Standesherrschasten vornehmen können. Minister Remmele ging auf verschiedene Fragen ein. Der badische Aktionsausschuß zur Einigung habe versagt, weil sich die Einigenden selbst nicht konsequent zeigten. Arbeiterräte hätten keine Eri- stenzberechtigung mehr, sie seien nur noch die Agitationsstellen der Unabhängigen. Minister Rückert bestreitet, daß die sozialdemokratische Partei das Vertrauen der Massen verloren habe und weist auf die gesetzgeberische Tätigkeit der letzten Monate als Vorboten der sozialistischen Wirtschaft. Das Vertrauensvotum findet einstimmige Annahme. * Die Zwarrgswirtsch«ft. Karlsruhe, 8. Sept. Am Montag, den 8. Sept., fand im Sitzungssaal des Landtagsgebäudes eine Besprechung des Ministeriums des Innern mit Vertretern der Bad. Landwirtschaft über die Zwangsbewirtschaftung statt. Minister Remmele leitete die Besprechung mit längeren Ausführungen ein, indem er sich mit den zahlreichen Vorwürfen gegen die Zwangsbewirtschaftung auseinandersetzte. Das Streikrecht der Landwirtschaft sei zwar verfassungsgemätz berechtigt, doch warne er davor. Er richte an di« Landwirtschaft die Bitte, bezw. Forderung, doch die Staatsautorität zu stützen. Das Recht gegen die Zwangswirtschaft zu reden und zu schreiben habe selbstverständlich jeder Landwirt. Was aber gefährlich sei, das seien die Aufforderungen zur Selbsthilfe, nichts mehr zu liefern usw. Solche Forderungen seien gleichstehend mit Landesverrat. Die Preissteigerung der Bedarfsartikel, die der Landwirt kaufen mutz, betragen mehrere Hundert Prozent, angefangen beim Geschirr herab bis zum Saatgut. Aus den weiteren Ausführungen des Minister? ist zu entn.hmen, daß demgegenüber die Unterschiede der Körnerpreise zwischen Deutschland und dem Ausland stark unterschiedlich sind zu Ungunsten der deutschen Landwirtschaft, trotzdem der Minister die Valuta nicht in Betracht zieht. Was die Frage der Aufhebung der Zwangswirtschaft anbetrifft, so führte der Minister aus, daß sie sür»die Nahrungsmittel noch lange nicht angängig sei. Er bittet die Landwirte, ihm zu glauben, daß der Tag, an dem die Zwangswirtschaft aufgehoben werden solle, zu den glücklichsten Tagen der Regierung zählen werde. Insbesondere sei an eine Aufhebung der Kartoffelbewirtschastung, der Bewirtschaftung von Milch, Fett und Fleisch noch nicht zu denken. Der Minister begründete seine Ansicht mit den schlechten Erfahrungen, die man mit der Freigabe des Hafers Lind des Leders gemacht habe. Es sei sehr gefährlich, die Zwangswirtschaft an irgend einem Ende zu lockern. Der Minister bittet die anwesenden Landwirte zu diskutieren über die Möglichkeit, in gegenseitigem Vertrauen einen Weg zu finden zur Zusammenarbeit. Die Regierung stehe vor den Landwirten mit dem Bewußtsein, folgerichtig ihre Pflicht getan zu haben. Herr Gebhardt kritisiert an dem System der Zwangswirtschaft, daß sie sich unfähig erwiesen habe, eine gerechte Verteilung der Lebensmittel zu gewährleisten. Der Schleichhandel habe die Zwangswirtschaft durchbrochen. Der größere Teil des Verbrauchs werde durch ihn erworben. Beim Vergleich unserer Preise mit denen des Auslands müsse man den niederen Geldkurs einsetzen. Milch und Butter könnte man mehr haben, wenn das Geschäft lohnender wäre, genau wie beim Getreide. Der Anreiz zur Produktion fehle. Der Redner bitte! die Regierung, in der Frage der Aufhebung der Zwangswirtschaft nicht zu ängstlich zu sein. Weiterhin sprachen noch Herr Ziegler-Sinsheim, Herr H ö r n e r - Bockenheim, die vor allem darauf hinwiesen, wie stark die landwirtschaftlichen Bedarfsartikel im Vergleich zu den Getreidepreisen gestiegen sind. Herr Toberer betonte unter lebhaftem Beifall, dah nicht die Verteilung, sondern die Förderung der Produktion hätte die Parole sein müssen. Das bleibe auch heute noch der einzige Ausweg. Ein Vertreter aus dem Bezirk Ueberlingen ist der Auffassung, daß die Zwangsbewirtschaftung der Eenußmittel zum Mindesten nicht länger verteidigt werden sollte. Staatsrat Weihhaupt wendete sich gegen verschiedene Vorwürfe, die gegen ihm nahestehende Bauernverbände erhoben worden sind. Die badische Landwirtschaft habe voll und ganz ihre Pflicht getan. Die Aufhebung der Zwangswirtschaft halte er nicht für möglich ohne Gefahr für die Ordnung und Gedeih des Volkes. Nach längeren Ausführungen des Bürgermeisters Renner, der vor allem sich dagegen wandte, daß man die Frage der Zwangswirtschaft auf gewissen Seiten mit Schlagworten lösen wolle, sprach Abg.' Fischer- Lahr. Ausgehend von der Tatsache, daß niemand von dem leben kann, was ihm von Amtswegen zugeteilt ist und jeder doch zur Selbsthilfe greifen müsse, erhebt er die Frage, warum man es unter diesen Umständen nicht t, über die Veränderungen unterrichtet worden. Wroynowo und überhaupt sonst wirtschaftlich haben. Und hast es ja nun sehr leicht, den Etein, den du findest, aufzuhebe» und auf deinen werfen. dir selbst ins Gesicht hinein kühn behaupten: — Anne Mutter nie neben sich aufkommen lassen: durch "hrS Wesen, durch seine Selbstüberschätzung mußte führen, bei dem sie innerlich verkümmerte, -er nie ejn Herz entgegengebracht und war letzten ' leicht heilfroh, daß ich ihm seine Kälte mit gleicher gatt und mir meinen eigenen Weg im Leben brauchte er wenigstens keine Rücksicht zu nehmen lag ihm ja am besten, sich selbst stets und immer Mittchmntt zu stellen und seine eigene Eitelkett. Selbstgefühl zu streicheln. Nun ist er gestorben: ilanz seines Lebens liegt klar vor mir. Fast um Umfang hat er unser Familiengut geschmälert! M Reisen unternommen, hat an Spieltischen unser weggeworfen: und hat schließlich das. was ihm >«owo noch blieb, mit Hypotheken bis über die rdcckt. du. Jungchen — wenn du dich in die Brust W so sprichst, dann darf ich dich nicht einmal einen .Pharisäer schimpfen, höchstens eine» irrende» »ge Freiherr von Schill hob langsam den Kopf, klar ruhten seine Auge» aus dem Gesicht deS iS. hien eS nicht zu bemerken. Er saß noch immer Schreibstuhl vornübergebeugt, hielt mit der Pfeife, streichelte mit der Linken den Stichel- ^den struppigen Kopf zärtlich seinem Herrn aufs hatte und balbverschlafen in die Sonne i^gen Rede kurzer Sinn. Onkel Dronkau?" ^>orrms vu »ist trevsl oder wenn dir das z» ^sein sollte, denn meinetwegen: keinen angreifen. Mehr wehren kann! das ist nicht ritterlich." voa Schill erhgb sich, reckte sich unwilWv- Sand « tsmitte» Sonne, die mit tausend glitzernden Pfeilen nacy rym ,urog. Er war sehr blaß, aber die Stimme Lang fest und sicher. „Keinen angreifen, der sich nicht mehr wehren kann! — sagst du. Onkel. Das tu ich auch nicht: eben — well eS nicht ritterlich wäre. Und was sich mir nun aus all dem Grübeln und Sinnieren der letzten achtundoierzig Stunden als Schlußfolgerung ergeben hat: — nicht trag' ich meinem Vater nach, daß sich die Mutter an seiner Sette langsam verblutete . . . er'mag es oben vor seinem Herrgott verantworten. Nicht trag' ich meinem Vater nach, daß er unser Vermögen an Spieltischen und' problematischer Gesellschaft vertat... es mag ein Zeichen von Charakterschwäche gewesen fein; Geld aber läßt sich wieder einholen. DaS aber . . ." und jählings wuchs seine Stimme, wurde kalt und drohend . . . „das aber trag' ich »kleinem Vater nach und werfe es ihm als schwere Gewissensschuld in sein Grab — daß ihm Wroynowo nicht heiliger Grund und Boden war. daß er die drei Vorwerke Rogaczewo. Chelczonka und Palczynn in fremde Hände überlieferte. Sowett hätte es nimmermehr kommen dürfen. Und hätte er sich den Bettelsack umgehängt und wär' als Vagabund auf die Heerstraße hinausgezogen — tausendmal besser, als das, was er tat! Heimat ist Heiligland. Und von dem, was in zweihundert langen Jahren von den Freiherren von Schill mühsam unter Entbehrungen zusammengeschuftet und zusammengetragen wurde — davon leichtsinnige Spielerhände weg! Wer dazu fähig ist, die makellose Geschichte feines eigenen Hauses, die unverletzlichsten Traditionen der Familie mit einem Fußtritt . . ." Er schwieg jählings, als verschlüge ihm der Haß die Stimme. Ganz still war es im Zimmer geworden: selbst der Kanarienvogel wagte nicht mehr seine lustigen Triller. Einmal keckerte draußen der angekettete Jungfuchs giftig eine« vorübergehenden Knecht an. Dann wieder dieselbe tief« Lautlosigkeit. Nur der Stichelhaar batte den Kopf vom jttrie »emes Herrn genommen und schaute den Fremden, der da reglos mitte» im Somrenlicht stand, unverwandt au» große» slng-n 8»ge> U». ^ (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Der «e«e deutsche Reichsadler. Der Umsturz alles Bestehenden, den wir seit dem S. November vorigen Jahres erlebt haben, hat auch dem alten deutschen Reichsadler bös mitgespielt. Es war klar, -aß er mit feinen kaiserlichen Insignien nicht mehr für eine Republik paßte, und man hat ihn denn auch gehörig rurechtgestutzt, so daß er kaum noch wiederzuerkennen ist. Der neue Dienst- stemvel des Reichsministeriums deS Innern weist im Mittelfeld den oder einen neuen, der kaiserlichen Abzeichen entkleideten Reichsadler auf: Krone, Mittelschilü und Ordenskette fallen, der Kopf ist nach rechts gewandt heraldische Farben sind nicht erkennbar. Das Wappen- schildchen krhnt sich offenbar an mittelalterliche Vorbilder an und ähnelt etwas dem Frankfurter Wappenadler. Wer diesen neuen Reichsadler eingesührt hat, weiß man nicht, denn eS ist von einem amtlichen Erlaß, der den bisherigen Reichsadler abschafft und das beschriebene neue Bild au die Stelle setzt, bisher nichts bekannt geworden. » — Der dentsche Berlsfl an Bodenschätze« durch de« Artedensschlntz wird von der Geolog. Landrsanstalt in Berlin wie folgt berechnet r Wenn wir Oserfchleüen verlieren, dann gehen an Eisen 0.4 des Eisenirchaltes unserer Berg- werksproduktion und 0.171» unserer gewinnbaren Srzvorräte von uns fort. Blei- und Zinkerze verlieren wir dann in ganz fühlbarer Weise, denn i-e machen 70L N des Zink- und 54.4 ^ deS BieiinhalteS unserer Produttion aus. Verlustig geben uns 2 L 8 dK unserer Steinkobienförderung und 4g ^ unserer Reserven. Durch die Besetzung Saarbrückens büßen wir an Steinkohlen S sg unterer Zahretzförüeruag und rund 8^ unserer Vorräte ei». Maß-Lothringen nimmt 71.7 des Meninhalt» unserer Bergwerisproduktion und 77.4 ^ unserer gewinnbaren Erzvorräte mtt sich iort. 3 unserer Stein- kobleniSrder«» und 1 * unser« Vorräte gehe» mit ihm v«r- loreu. elfAUche» Kali wird «nier Weltmonovol aus dev Hände» und 10 ^ unserer Produktion. H sd« verRen» Wr »wer«« Bedarfes. In den adzu- ArMLIttwe» und Molmedv lagern 1.6 des EdMgW8ßE8»U»ch»i«»s unserer Bergroerkkvroduktioa», einmal mit etwas mehr Freiheit versuchen wolle. Er behandelte die Frage der hohen Futtermittelpreise, Lederpreise usw., um schließlich nach Verlesung einiger Strafzettel zu dem Schlüsse zu kommen, daß die Behandlung der Landwirte in jeder Hinsicht falsch sei, daß er aber hoffe, daß die vom Minister versprochenen Erleichterungen zu einer Beruhigung der Landwirtschaft führen wird. Unter den nachfolgenden Reden ist noch erwähnenswert die Entgegnung des Ministers Remmele, der vor dem drobenden Zustand der Gesetzlosigkeit warnt und dafür eintritt, daß in letzter Stunde die Zwangswirtschaft vor den: Zusammenbruch gerettet werde. Daher richtet die Regierung einen starken Appell an die Landwirtschaft und ihre Führer, weniger zu kritisieren und die Regierung in ihrem ehrlichen Willen zu unterstützen. , Aus Stadt und Land. Karlsruhe, 11. Sept. 1919. * Zum 2. Oktober, dem 80. Geburtstage des Altmeisters Hans Thoma, wird Herr vr. Anton, der unermüdliche Interpret volkstümlicher Kunst, im G. Braunschen Verlag, Karlsruhe, ein Büchlein erscheinen lassen, das den Freunden des Jubilars eine schöne Festgabe sein wird. Außer den Abbildungen von 20 Gemälden des Meisters, hat Hans Thoma selbst ein bisher noch unveröffentlichtes Bild beigesteuert, das den Wert der Festgabe noch erhöht. * Der Badische Blindenverein hält am 18. September vormittags j^ll Uhr im Wilhelmsgarten seine Landesversammlung ab. * Vom Eisenbahnverkehr. Vom 16. September fallen auf den badischen Strecken eine Anzahl Eisenbahnzüge aus. * Einstellungen der Zahlungen an die Arbeiterräte. Das Ministerium des Innern hat an die Bezirksämter eine Anweisung ergehen lassen, daß vom 1. Oktober ab sämtliche Zahlungen für Arbeiterräte einzustellen sind. Sollte in industriereichen Städten ein Bedürfnis nachgewiesen werden, Sekretariate der Arbeiterräte, die sich mittlerweile zu Volksbüros für die gesamte Bevölkerung ausgewachsen haben, weiterhin zu unterhalten, so ist das Ministerium bereit, für die Erhaltung eines solchen Sekretariats eine Beihilfe zu geben, wenn die Gemeinden und die Arbeiterorganisationen einen gleichhohen Beitrag leisten. * Kein Auslandszucker zu Einmachzucker. Die Reichszuckerstelle hat dem Ministerium des Innern mitgeteilt, daß die Erlangung größerer Mengen Auslandszucker nicht ermöglicht worden sei. Zur Verteilung von Einmachzucker dürften daher keine Mengen zur Verfügung stehen. * Rohzucker an Stelle von Verbrauchszucker. Infolge der außerordentlich großen Kohlenknappheit wird es nicht möglich sein, den Zuckerraffinerien soviel Kohlen zuzuführen, daß sie ihre Betriebe aufrecht erhalten können. Es muß also damit gerechnet werden, daß der Bedarf des Monats Oktober nicht in Verbrauchszucker, sondern in Rohzucker gedeckt werden muß. * Die Zwangsbewirtschäftung des Brotgetreides. Man schreibt uns: Der deutsche Müllerbund, Sitz Leipzig, hat seine Hauptversammlung abgehalten. Abgesehen von einer Entschließung darauf hinauszielend das Müllergewerbe genossenschaftlich zu organisieren, ist gegenüber den in süddeutschen Müllerkreisen bestehenden Tendenzen, die Zwangswirtschaft durch Leistung passive» Widerstands zu brechen, — es wurde sogar allen Ernstes der Müllerstreik erwogen — die entgegengesetzte Stellungnahme des deutschen Müllerbunves bemerkenswert. In der Hauptversammlung wurde eine Entschließung a^x- nommen, in der die Notwendigkeit der ^.oangsweisen Bewirtschaftung des Brotgetreides an.°crarmt wird, solang nicht genügende Bortgetreide^ygtzn zur Versorgung der deutschen Bevölkerung vhti? Zwangswirtschaft vorhanden Aft'o, da eine Vorzeitige Aufhebung der Zwangswirtschaft eine Katastrophe für die deutsche Volksernährung bedeuten würde. * Anzeige der Hausschlachtungs- sch weine. Damit die mit der Fleischversorgung betrauten Behörden rechtzeitig Kenntnis über die Zahl der für die Hausschlachtung bestimmten Schweine erhalten, wurde durch Verordnung des Ministeriums des Innern vom 9. September 1919 bestimmt, daß jeder Haushaltungsvorstand die Zahl der in seinem Besitze befindlichen, zur Selbstversorgung bestimmten Schweine, deren Schlachtung in der beginnenden Hausschlachtungsperiode in Aussicht genommen ist, dem Kommunalverband bis zum 25. September 1919 anzuzeigen ist. * Maßnahmen zur Bekämpfung der Kohlennot. Am Freitag nachmittag fand laut „Karlsruher Zeitung" im Ministerium des Innern eine Besprechung darüber statt, welche Maßnahmen im Interesse der Einschränkung des Verbrauchs an Brennstoffen und Beleuchtungsmitteln zu treffen seien. Die erforderlichen Bestimmungen sollen von dem Ministerium des Innern und dem Arbeitsministerium erlaffen werden. ' Der Verkauf von Auslandsmehl. Wie die „Karlsruher Zeitung" schreibt, ist an die Bezirksämter und städt. Kommunalverbände folgende Anweisung ergangen: Im Hinblick auf die nunmehr grundsätzlich geänderte Stellung der Reichsstellen, und da anzunehmen ist, daß durch die in Aussicht genommene Herabsetzung des Ausmahlsatzes für inländisches Getreide die Gefahr der Vermischung aus- und inländischen Mehles wesentlich verringert wird, wollen wir davon absehen, unsere Anordnung vom 10. Mai 1919 aufrechtzuerhalten und ermächtigen daher die Kommunalverbände, den Verkauf ausländischen Mehles allgemein solchen Stellen zu übertragen, die sich vor dem Kriege mit dem Mehlverkauf befaßt haben; ein alleiniges Verkaufsrecht der Bäcker darf nicht geschaffen werden. Die nähere Regelung bleibt de« Kommunalverbänden überlassen. * Die Herb st weide. Die Domänenämter, die Finanz- und Hauptsteuerämter mit Domänendienst und die Forstämter mit landwirtschaftlichen Besitz wurden angewiesen, auch im laufenden Jahre etwaigen Gesuchen von Landwirten und Gemeinden um Gestaltung des Weidegangs auf in Selbstbewirtschaftung stehenden Domänenwiesen zu entsprechen. * Ein von hier gebürtiger Angehöriger der Reichswehr in Berlin, der unvermutet auf Urlaub hierher kam und seine Frau mit einem Nebenbuhler überraschte, versetzte diesem in vergangener Nacht in der Durlacherstrahe drei lebensgefährliche Messerstiche in die Herzgegend und suchte alsdann das Weite. * Die Gastwirtsgehilfen sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen Abschaffung des Trinkgeldzwanges und Wochenlöhne von 160 bis 180 Man für Kellnerinnen und Kellner, außerdem Umsatzprämien. Heidelberg, 9. Sept.. Im Juweliergeschäfte von I. Nesselbach wurde eingebrochen und Schmuckgegenstände im Werte von 8000 Mark gestohlen. Bei der Firma Meiners wurden Kleiderstoffe im Werte von über 5700 Mark entwendet. Rastatt, 9. Sept. Nach der Rastatter Zeitung wird unter den französischen Besatzungstruppen Propaganda für den Bolschewismus gemacht. Baden-Baden, 10. Sept. Unter großer Anteilnahme wurde gestern nachmittag die Leiche des Generals d. Inf. z. D. Karl Dürr bestattet. Für das frühere Eroßherzogspaar nahm Freiherr Schilling von Cannstatt an der Trauerfeier teil. Vertreter verschiedener Regimenter und militärische Vereine legten Kränze nieder. Freiburg, 10. Sept. Wegen großen Diebstählen von Büchsenfleisch und Rotwein wurden unter Einrechnung früherer Strafen der Heinrich Simon aus Gundelfingen von der hiesigen Strafkammer zu 3 Jahren 3 Monaten Zuchthaus, der Karl Bugger aus Lörrach zu 2 Jahren 9 Monaten Gefängnis, der Heinrich Maier aus Freiburg zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. Außerdem wurden ihnen die Ehrenrechte abgesprochen. o Erweiterung des Rechts zum Waffengebranch fRr Forstbeamte. Das preußische Landwirtschaftsministerin« hat dem Vernehmen nach Maßnahmen getroffen, die den in letzter Zeit sich mehrenden Angriffen von Forst- und Jagdfrevlern auf Forstbeamte Rechnung tragen. So find die Forstbeamten zum Teil mit Militärgewehren zum Teil mit Karabinern und Revolvern ausgerüstet, ihre Befugnisse zum Waffengebrauch wesentlich erweitert worden. Nach den Instruktionen durften Forst- und Jagd» beamte bisher nur zu der bisherigen Waffe greifen, wenn Holz- und Wilddiebe sowie dem Jagd- und Forstrecht Zuwiderhandelnde tätlichen Widerstand leisteten oder durch gefährliche Drohungen dam berechtigten. Nach den jetzt erlassenen Bestimmungen brauchen die Beamten vor dem Waffengebrauch nicht erst abzuwarten, bis der Frevler seinerseits einen Angriff mit Waffen, Äxten und anderen gefährlichen Werkzeugen ausMrt, sondern es genügt allein die Bedrohung mit Widersetzlichkeit durch offen oder verborgen bereitgehaltene gefährliche Werkzeuge (z. B. Handgranaten). um von der Schußwaffe Gebrauch machen zu dürfen. Dasselbe gilt, wenn ein auf der Flucht befindlicher Frevler den Verdacht auikommen läßt, daß er die Flucht zu einem erneuten Angriff oder einer Widersetzlichkeit mit gefährlichen Werkzeugen benutzen will, was bei dem Hinzutritt anderer Umstände ohne weiteres anzu- nehmen ist, wenn der Fliehende trotz Aufforderung zum Halten di? Flucht fortsetzt Vermischte Nachrichten. Die nächste Novemberrevolution. Aerlin. An zuständiger Stelle rechnet^««» für de» kommenden November bestimmt mit einem neuen Umsturzversuch der Kommunisten und Unabhängigen. Diese schaffe» als Grundlage des Patsches besondere Betriebsorganl- sattonen. Allerdings fehlt es de» Umstürzlern vorläufig «och a» Geld. Auswanderung deutscher Großkanfleute. Hamburg. Aus allen Hansastädten wird gemeldet, daß die Auswanderung von Großkaufleuten dauernd wächst. Zahlreiche Exportfirmen haben ihre Geschäfte verkauft und find nach Holland und Spanien ausgewandert. Der Btehraub der Entente. Königsberg. Von dem laut Friedensvertrag^an die Entente abzultesernden Rindvieh entfallen auf Ostpreußen ungefähr 6500 bis 7S00 Kühe. 1200 bis 1300 Jungrinder und KO Bullen: als Durchschnittspreis sollen gezahlt werden für Kühe 3750, Jungrinder 1000 und Bullen 2000 bis 3200 Mark. Ausschreitungen in Breslau. BreSlau. Hier kam es zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen, io daß Militär emgreifen mußte, wobei es mehrere Ve-wundete gab. Man befürchtet für die nächsten Tage neue Ausschreitungen. Rumänien gegen den österreichischen Vertrag. Paris. Die diesige rumänische Delegation bat der Friedenskonferenz erklärt, daß Rumänien die Unterzeichnung des österreichischen Friedensvertragcs ablchne. da es nicht genügend berücksichtigt worden sei. Belgischer Geschäftsträger für Berlin. Versailles. Zum belgischen Geschäftsträger in Berlin ist der jetzige belgische Gesandte in Japan. Graf de la Sattle de Leoergbem. ausersehen. Er bleibt vorläufig Geschäftsträger. ba Belgien einen eigentlichen Gesandten erst später ernennen will. Verschiedene Meldungen. Berlin. Die außerordentliche Verbandsversammlung des Sparkaffen-Girooerbandes Sachien-Tbüringcn-Anhalt bat de- schloffen, sich durch die Sparkaij-ngirozentrale in Mageburg an der Reichsanieihe Ä.-G- Berlin mit rund 8.1 Mill. Mark zu beteiligen. Hannover. Die.Hanomag". Hannoversche Maschlnenbau- «ktien-Gesellschait in Linden-Hannover. hat wegen Kohlen- mangels ihren Betrieb iür Montag und Dienstag entstellen müssen. 6500 Arbeiter sind dadurch arbeitslos. Hirschberg. Infolge Blitzschlages ist in Schönwaldau die evangelische Kirche abgebrannt. Sie war eine der wenigen noch oorbandeneu Hoizfackkttchen Schlesiens und bara einiae wertvolle LolrickniLereien. 0 Ern ansterordentlich gemeingefährlicher B, wurde m Berlin in der Perlon des 30 jährigen Altenkyrch festgenommen. Er zwang mit vowZ Aeooloer Frauen, die er an einsamen Stellen traR ferne Wohnung zu geben, raubte sie dort aus untzE ihre Adressen zurück, um dann fortwährend Ermess zu begehen, deren sich die Frauen aus Scham unter Man tand bei ihm zahlreiche Trauringe, Dcrm«n sonstigen Schmuck und viele tausend Mark bares - Als er letzt ein durchreisendes Mädchen auf gleich? verschleppte, ertappte man den Lumpen. ^ Zahnpflege für Schulkinder. Stadt Neukölln hat erne Schulzahnklinik in eia«» i waltung genommen, um möglichst allen Volksschuin^ erne unentgeltliche Behandlung der erkrankten wahren zu können. Die Behandlung erfolgt ' kostenfrei. " O Ei» Moxd ans politische« Gründe« wurde mi Nähe von Arolsen verübt. Der Abgeordnete der' schen Nationalversammlung und Vertreter des Walo«, Volksbundes Reins, ein Gutsbesitzer, wurde auf dem-, von dem Schäfer Wetekamm, der anderer politisch»- sinnung ist, erschlagen. S Auslieferung des Attentäters Lindner. Wiener Staatsanwaltschaft hat dem Ansuchen , Münchener Staatsanwaltschaft um Auslieferung d-z Wien verhafteten Metzgergehilfen Lindner, der das A«' tat auf den Minister Auer in München verübte, M geben. An die Auslieferung ist jedoch die Bedinguv», knüpft worden, baß Lindner «icht schlechter beiM werden dürfe als nach dem österreichischen Strafgesetz > dürfte also nicht zum Tode verurteilt werden, weilt Deutsch-Österreich die Todesstrafe abgeschafft ist. ^ « Kampf mit einem Kommunisten. Ein pol Kommunist, der in Rotterdam wegen Vergehens ve werden sollte, zog den Revolver und lötete eine« Sc, sofort und verwundete zwei Polizisten lebensgefS« Nack einer Verfolgung, dt« sich über einen große, f der Stadt ausdehnte, und wobei der Kommunist! Säbelhiebe und Schöffe verwundet worden war, es erst, ihn festzunehmen. Der noch unbekannte Kmn, führte Waffen, revolutianäre Schriften, Adresse«, respondenzen mit kommunistischen Führern bei kck. 0 Kampf mit Mehldieven. Seit Wochen «urSerj dem Bahnhof Fischerkof in Linden - Hannover sch» Güterdiebstähle «usgekührt. In der SonntigriachtZ merkten einige Bahnbeamte, daß zwei Diebe einen M wagen mit Mehl plünderten. Sie stellten die Diebe s wollten sie abfüdren, als plötzlich auf sie geschossen « Ein« Eindrecherbande, die sich entdeckt glaubte, «ad . fünfzig scharfe Schüsse auf die BaE-beamten ,b mid r mundete alle drei schwer, auch die beiden Mehldich» hielten Schußwunden. »vang.-lnth. »emrinde, alte Friedhoftapelle, «aldhorntzr. Omtüloat rs Uhr Kottc»dienft. Herr Dr. keichminn. «oangeUschr GtadtmWo« «oA,putze, Adlerstraß« B. «»»»tag, 4 Uhr, Jungfraueiiverei». Schwester Lene, b Uhr: Aben»gotte»dienst Inspektor Schmidt. (Fällt Wege» de» Jahn der Etadtkirche aus.) M>W»-a, 8 Uhr: Bidtlstunde, Etadtnnssionar Lieber. Predigtausgabe. Louarjtog, abends. 8 Uhr: 8esangchor Etadtmisstonar Lieber. FreiixgM'i, Uhr: Borbereitung f. d. Kiadergottesdienft. «»«„tag. Diakoniffenhaus-Kapelle Uhr: «iudergorresdieust. Jntz-i Erbvrrnzenftraße tr, 4 Uhr: Zungkraoenverein von Frt. Weber. Zätz'i»,erste,ße 4b, 4 Uhr: Iungsrauennereiir von Krl. Lchwcickert. »reutstrahe iS, 8 Uhr: ,Biaukreu»"-Persammlung, SrrNa«. abend», 8 Uhr: Bibelstund«. Schesseistr. 87,1. Stack. Hilf»,eistlt Evang. Brretnshang, Nmalienstr. 77 . >»««<«-, vorm. Ii i/, Uhr, Sonntagsschule. Nachm. 2 Uhr: Jahressest in der Etadtkirche. . » Uhr, Jungfrauen,erem 8 Uhr abends: Nachfeier Pfarrer Weisman» ». «a Mo«»«0, adend» 8 Uhr: Jugendabteiiuug. 8>/r Uhr: Biau-Krenz-Berem. Kie«»tag» nachm, ä Uhr: «ibelstnndes. Frauen ^ abend» 8 Uhr: Bibclsprcchung snr Männer -»linalinae MittNmch, abend» 8 Uhr: Bibel- u. Sebel^»p,^ " " ' D»««s,9 Uhr, Singstunde snr Mannerchor. MtNtwoO. abends */«S Uhr: Bibel- und GeVetstunde. D»»n»«r»t«g, abend» Uhr. Singstunde für gemischten Chor. I JellWalimle mm-sKM V Ortsgruppe Karlsruhe. 8 Freitag, de« 12., abends 8'/, Uhr I MitgliederversammluZ D im Saal Hl, Brauerei Schrempp, Waldstr. 161 > TasessrdllM: 1- Anssprache über de» Vor D des Generalsekretärs D» D in der Mitgliederversa* 8 lnng vom 8. August- 8 2. Besprechung von P" 8 gelegenheite«. I Der Borst«**' Kchiifte seit Jahren die ersten, für Herren- und Damenstiefel sind wieder ein- getroffen u. wie auch div. Oberleder und Bodeuleder im Ausschnitt preiswert zu haben. Schoner, Nägel n. Stiften, Garne, Bindfaden ». Packfchustre. Carl Götz, Karlsruhe, Hebelstraße 15 beim Rathaus. Fmmlieni» , aller Art li- ft^Z VllchiMiketti Karlsruhe, Erbpr »rtok« S«ttzän«clrelti fiä Für die Redaktion verantwortlich: I. B. Friedrich Dehn, Karlsruhe. — Druck und Verlag der Buchdruckerei FidelitaS, G. m. b. H., in Karlsruhe, Erbprw