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V Geschäftsstelle und Verlag: kurzer- uncl kauernkreunä * kaäifcke Poll Redaktion: Karlsruhe, Lrbprinzenstr. k krscheint wöchentlich zweimal: Dienstag und Freitag (die Freitag- Ausgabe mit achtseitigem illustriertem „Familienfreund") — Zezugspreis vierteljährlich in Karlsruhe oder durch die Vertreter »ezogen einschließlich Zustellgebühr 2.00 M., bei der Post 2.25 M. :: kür ilss tlentlike VslerlMül:: kür üeiiHlke Uri Ml! Altöl kür üö5 Lürgörs Volilksürt ln 5tscl1 imä KM! Anzeigen im Inseratenteil die sechsgespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 40 psg. Im redaktionellen Teil die dreigespaltene Petit-Zeile oder deren Raum l.— IR. — Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird entsprechender Rabatt gewährt. Nummer 20. Karlsruhe, Dienstag, den 9. März 1929. 35. Jahrgang. oreirvsck und blLO zenlrr» s Kleine Zeitung für eilige Leser. * Der Oberste Rat will Deutschland gestatten, zur Be. Schaffung von Rohstoffen und Lebensmitteln eine grobe inter» nationale Anleihe auszuschreiben. * Die Abstimmung in Oberschlesten soll, nach Meldungen aus Paris, gleich nach Pfingsten ersolgen. * Die Mehrheitsparteien haben sich dahin geeinigt, daß die Neuwahlen zum Reichstage dis zum Jahresende hinaus» geschoben werden sollen. * Zwischen der preußischen Regierung und der Abordnung aus Schle-wig-Holstein wurden in der. Autonomie,rage de- friedigende Erklärungen ausgetauscht. p* * Der Führer der Unabhängigen, Ernst Däumig. ist durch Beschluß des Reichsmilitärgerichts aus der Schutzhaft ent» lasten worden. * Zn einer weiteren Note an die Entente lehnt Holland erneut die Auslieferung Wilhelms II. ab. * Marschall Foch fordert, daß die Türkei in Zukunst kein Heer mehr unterballen darf. * Nach Meldungen aus Rom bat Ministerpräsident Nitti eine Revision des Friedensoertrages bei der Entente durch, gesetzt. * Gerüchtweise verlautet, daß in Portugal die Räte, republik ausgerusen worden sei. Alle Verbindungen dorthin find unterbrochen. * Aus Tokio wird gemeldet, daß Japan mit der Ernennung Dr. Solfs zum deutschen Gesandten in Japan einver» standen ist. Zurück zur Bescheidenheit. Nicht zu Verzicht und Wunschlostgkeit soll das deutsche Volk aufgefordert werden: Ermahnungen allgemeiner Art, die sich an eine Gesamtheit richten, müssen ohnehin wirkungslos bleiben. Die Deutschen dürfen nicht nur. sondern sollen mit den Kräften jedes einzelnen dahin streben, daß der immerhin bescheidene Wohlstand der Jahre vor dem Knege wiedererlangt, wenn möglich, übertroffen wird. Nur darum ist es notwendig, das Maß unserer Verarmung kennen zu lernen, damit in der Zell des Wiederaufstiegs nicht übermäßige An» spräche besonders an den Staat und an die Unternehmer gerichtet werden, damit die Fülle gewissen Reichtums nicht über den Gütermangel täuscht — und. vor allem, damit die Armut nicht verbittert wie ein dem einzelnen zugesügtes Unrecht, sondern als eine unvermeidliche Erscheinung des Übergangs ertragen wird. Das deutsche Volk ist verarmt. Wir alle spüren es an der Erfahrung jedes Tages: wenn auch den meisten die Tatsache dieser allgemeinen Warnung immer noch nicht so deutlich bewußt ist. wie es notwendig wäre. Noch umflattert uns der Schein der früheren Lebenshaltung wie ein zu weit gewordenes Kleid: mir tragen, oft buchstäblich, die Reste des früheren Wohlstandes auf. Der .Ausverkauf' täuscht Ein- nahmen vor. deren Quellen doch einmal aufhören müssen zu fließen, und ebenso täuscht die zahlenmäßige Höhe des Einkommens. Nicht einmal das kann man mit Gewißheit sagen, wie weit in diesem Augenblick die Verarmung eine vollendete, wie weit sie noch eine werdende Tatsache ist. .Diese Ungewißheit bewirkt, daß manchem das deutsche Einkommen überhaupt als ein Trugbild, als eine papierne Täuschung erscheint. Dem ist entgegenzuhalten, daß die Masse des deutschen Volkes sich doch tatsächlich nährt, daß , sie wohnt und daß sie sich nicht lediglich aus Restbeständen bekleidet. Das alles ist gleichbedeutend mit einem stofflichen, unableugbar wirklichen Einkommen. Die Frage bleibt: wie hoch das Einkommen ist. Das zu ermitteln, muß man doch wieder auf die rechnerischen, in Mark und Milliarden ausdrückbaren Ein» künste zurückgreifen. Um Mitte 1914 hatte das deutsche Volk ein Einkommen, das einem Jahresertrag von 43 bis 44 Milliarden entsprach. Sechseinhalb Milliarden wurden für öffentliche Zwecke ausgegeben, acht dis neun Milliarden erspart (das heißt: in Heroorbringungsmitteln angelegt); der Rest von etwa 28 Milliarden wurde in den Einzel» wirtschaften verbraucht. Rein rechnerisch betrachtet ist das deutsche Einkommen seitdem unzweifelhaft, und zwar erheblich. gestiegen. Man hat die Einkünfte des jetzigen ver» kleinerten Deutschland auf rund 80 Milliarden geschätzt. Die Schätzung ist als weit übertrieben angegriffen worden. Da jedoch allein die Arbeiterlöhne heute rechnerisch so groß sein dürften, wie vor 6 Jahren das ganze deutsche Volksein» kommen, so hat die Berechnung einige Wahrscheinlichkeit für sich. Nimmt man sie als zutreffend an, so beträgt das Durchschnitts» einkommen des Deutschen gegenwärtig etwa 1350 Mark, ist also, den Ziffern nach, ungefähr doppelt so hoch wie das Einkommen unmittelbar vor dem Krieg (640 Mark). Täg» liche Erfahrung lehrt, haß die Kaufkraft des jetzigen deutschen Geldes im Inland allerhöchstens den fünften Teil des alten oder weniger erreicht. Das tatsächliche Einkommen des Deutschen ist somit auf etwa 270 Mark alter Rechnung ge» funken. Nicht zu verschweigen ist. daß ein Teil auch dieses geringen Einkommens aus dem .Ausverkauf' stammt. Da jedoch zukünftig manche jetzt gehemmten Einkünfte auch wieder reichlicher fließen werden, mögen die Ungenauigtesten sich ausgleichen, und es bleibt bei dem Ergebnis: daß sich das Einkommen des deutschen Volkes im Verhältnis von Fünf zu Zwei vermindert hat. Mit zwei Fünfteln des früheren Einkommens die alte Lebensführung beizubehalten. ist selbstverständlich »nmöolich. CS wäre oem Deutschen bester, wenn er. bei Vorkriegspreifen. mit den entsprechend verminderten Einnahmen rechnen müßte, und sich arm fühlte, statt überteuert. Eine Zigarette kostet so viel wie früher eine Importe, eine Importe so viel wie ein Hut, ein Hut so viel wie ein Anzug, ein Anzug so viel wie ein Pelz, ein Pelz so viel wie ein Automobil, ein Auto» mobil so viel wie eine Villa. Aber man lasse sich durch die Zahlen nicht täuschen: das alles ist nicht Teuerung, sondern Armut. Noch einmal: es soll keine Fastenpredigt gehalten werden. Aber wenn wir unsere Armut so sehen, wie sie ist. so sehen wir auch — ihre Ertragbarkeit. 270 Mark, auf das Jahr und den Kopf der Bevölkerung, sind immer noch mehr, als vor dem Krieg der Russe und selbst der Italiener hatte; und auch der Deutsche von 1870 mußte mit wenig mehr, mit etwa 300 Mark jährlich auskommen. Zuzugeben ist natürlich, daß die Einrichtungen früherer Zeiten oder wirtschaftlich unentwickelter Länder der Lebenseinfachheit besser angepaßt waren als unser Jndustrievolk. Nur darf man nicht behaupten, wir seien um ein Jahrhundert und mehr zurückgeworfen. Zum Berichtigen dieser Übertreibung braucht ein jetzt naheliegendes Beispiel nur angedeutet zu werden: die Kohle. Statt der 140 Millionen Tonnen Steinkohle, die wir. nach dem Maßstab von 1913, in unserm verkleinerten Gebiet verkaufen würden, werden wir in diesem Jahr bestenfalls 90 Millionen haben, also 64"/, des früheren Bedarfes oder 1500 Kilogramm für den Kopf der Bevölkerung. Nun gut: das war der Stand von — 1896. Bei einer Reihe im Ausland erzeugter Waren aber, der Baumwolle, den Ge- würzen, dem Kaffee, dem Kakao, dem Tee, dem Reis, den Südfrüchten, dem Petroleum ist der Verbrauch so ungeheuerlich schnell gestiegen, daß selbst eine Herabsetzung auf den fünften Teil uns nur eben in die Zest unserer Eltern zurück» führen würde. Steigt in absehbarer Zeü das deutsche Wirklichkeits» einkommen um 50 also auf 400 Mark alter Währung — bei der gegenwärtigen Zerrüttung doch wohl keine zu kühne Annahme —. so erreicht unsere Lebenshaltung mindestens den Stand von 1850 Sollt« es unerträglich sein, so zu leben wie das aufstcigende Deutschland der achtziger Jahre? ' _ L7/rckuc7o^. Deutschlands Ruin eine Gefahr. England für wirtschaftliche Hilfe. Trotz allen französischen Zetergeschreis scheint in England die nüchterne Überlegung mehr und mehr an Raum zu gewinnen, die keinen Vorteil mehr steht in der wirtschaftlichen Erdrosselung Deutschlands, im vollständigen Niederbruch des deutschen Reiches eine eminente Gefahr für ganz Europa siebt und deshalb zum Entschluß kommt, helfend einzugreifen. Deutsche Anleihe gestattet. Die Pariser Blätter verzeichnen unter großer Entrüstung, daß der neuernannte englische Botschafter in Washington, Sir Auckland Geddes, dem Londoner Korrespondenten der .Chicago Tribüne' erklärte, England werde bei der Friedenskonferenz die absolute Notwendigkeit betonen, Deutschland zu Hellen, sich wieder emporzuarbeiten. Es werde Deutschland eine Anleihe bewilligen, damit es seinen Verpflichtungen Nachkommen könne. Am späten Abend des Mittwoch brachte das Boulevardblatt .La Presse' eine Depesche folgenden Inhalts: Der Oberste Rat der Alliierte» habe beschlossen» Deutschland insofern z« Hilfe z« kommen, daß ikm die Aufnahme einer Anleihe gestattet werde, die den Vorzug vor allen Kriegsenischädi-ungen haben soll, um ihm dt« Mittel za liefern, seine Industrie wieder aufzubanen. Die englischen Delegierte« wie auch die übrigen Kollegen seien davon überzeugt, daß Europa gemeinsam leben oder gemeinsam sterben müsse, und daß infolgedessen Deutschland Hilfe gebracht werden müsse. Das sichtbare Resultat dieses Beschlusses werde sein, daß eine vollständige Revision des Ariedensvertrages stattfinden wird. In diplomatischen Kreisen werde angenommen. daß diese Maßregel sich nicht gegen Amerika wende. Es sei aber nicht zu leugnen, daß eine Anzahl Delegierter sich mit dem Gedanken trage, man müsse Europa von jeder Kontrolle der Amerikaner befreien. Die Redaktion dieses Beschlusses sei vom Obersten Rat der Alliierten beinahe fertiggestellt und man rechnet, daß sie Ende die,en Woche bekanntgegeben werden werde. Das Manifest der Alliierten. Aus London gelangte eine Auslassung des bekannten französischen Journalisten Pertinax nach Paris. Der Bericht meldet, das Wirtschaftliche Manifest, das die Alliierten veröffentlichen würden, werde in seinem Wortlaut soeben fest- gestellt. Nach seiner Ansicht fei das Manifest in der Atmosphäre entstanden, die das Buch von Kermes über die Folgen des Vertrages von Versailles in den Satz zusammen- fafse. die europäische Gefahr bestehe nicht darin, daß Deutschland stark sei. sondern sie bestehe darin, daß Deutsch, land ruiniert sei. Das Manifest beginne mit einem langen Vorwort, in dem die Notwendigkeit betont werde. Deutsch, lands und Rußlands wirtschaftliche Wiederherstellung sicher- zustellen, indem man ihnen Rohmatenalien liefere. Frank- reich begreife, daß es nicht an der Seite eines Deutschland leben könne, das von Anarchie und Elend beherrscht werde, und dass es nur entschädigt werden könne d»rä> bi- deutsche Arbeit. Aber Frankreich habe bas Recht zu verlangen, daß seine begründeten Forderungen aufrechterhalten werden. Besonders aufregend wirkt in Paris die Aussicht auf die Verhandlungen Deutschlands mit Rußland, hinter denen man große Beeinträchtigungen Frankreichs zu finden glaubt and gegen die deshalb mit allen Mitteln Sturm ge-' Lasen wird. Europas «neoerausvau. Das Manifest des Obersten Rates. Die Londoner Tagung des Obersten Rates ist beendet. Im Mittelpunkte des Interesses stehen die Entscheidungen finanzieller und wirtschaftlicher Natur, die in einem Manifest zusammengefaßt wurden. Dieses Manifest soll erst veröffentlicht werden, wenn es die Billigung Millerands erhalten hat. Die Londoner Korrespondenten berichten über den Inhalt folgendes: Im ersten Teile wird empfohlen: 1. Daß eine größere Menge Rohstoffe Deutschland geliefert werden soll; S. daß die Alliierte« an dem Wiederaufbau Deutschlands Mitwirken sollen, da dieses für ganz Europa von Wichtigkeit ist und Pflicht wie Interesse ihn gebiete; 3. daß der Wiederaufbau und die Wtederherstelluug der verwüsteten Gebiete Frankreichs und Belgiens als internationale und nicht als nationale Frage aufzufassen fei und daß alle Alliierten an diesem Wiederaufbau tetlzu- nehmen haben; 4. daß daS wirtschaftliche Gleichgewicht Europas nicht als hergestellt zu betrachte» sei, solange Deutschland und Frankreich nicht in die Lage versetzt find, ihr industrielles Leben wie vor dem Kriege aufzmichine«. Die hauptsächlichsten Entscheidungen des zweiten Teiles sind folgende: 1. Rückkehr direkten Tauschsystems in jenen Ländern, deren Valuta vollständig erschüttert ist. 2. Herstellung einer gemeinsamen finanziellen Grundlage für die von der Pariser Konferenz neu geschaffenen europäischen Staaten. 3. Entschiedene interalliierte Maßnahmen zur Stabilisierung des Wechselkurses. 4. Wichtige Ratschläge über den Ausbau der Wasserstraßen. Die Korrespondenten fügen hinzu, daß dieser Auszug nur ein mattes Bild deS großzügigen Werkes darstelle, das von den finanziellen und wirtschaftlichen Sachverständigen der Londoner Konferenz entworfen worden und bestimmt ist, den unmittelbaren Abbau der Preise und eine neue Entwicklung des industriellen und wirtschaftlichen Lebens in Europa heroorzurufen. Der Kanzler über die Vaiutafrage. Reichskanzler Bauer äußerte sich einem Pressevertreter gegenüber eingehend über die wirtschaftliche Lage. Er sagte u. a.: .Die Valutamisere ist von ähnlich verheerender Wirkung wie die fünfjährige Blockade. Der Tiefstand der mitteleuropäischen Valuten wirkt wie eine Säugpumpe, die den Rest des Wohlstandes unserer Völker fast automatisch in die Länder der Sieger hinüberzieht. Das ist aber nur ein vorübergehender Vorteil für die Sieger, dem der schwere Nachteil, daß Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann, auf dem Fuße folgt. Das allgemeine Valutaelend Deutschlands und der Länder der früheren Donaumonarchie mutz diese zu neuem wirtschaftlichen Zusammenschluß zwingen. Sie werden zu einer Art Valutaelenüsgemeinschaft gedrängt sein. Es ist zu hoffen, daß eine internationale Valutakonferenz versuchen wird, auf dem internattonalen Währungsmarkt das Gleichgewicht herzustellen, ohne das eine wirtschaftliche und politische Beruhigung in Europa nicht möglich ist.' Keine Auslieferung Wilhelms II» Holland lehnt erneut ab! Der holländische Außenminister ' hat bezüglich des Auslieferungsverlangens der Entente dieser in Paris eine weitere Antwortnote überreichen lassen, in der es heißt: „Die Regie, ung Ihrer Majestät hat die Brweggrandc der Machte nochmals in ernsthafte Erwägung gezogen und hat von neuem grw ssenhaft geprüft, was «uier den gegebene» Umständen ihre Pflrcht sei. Die Regierung ist aber außerstande, zu einer anderen Schlußfolgerung zu komme« als zu der, welche bereits in der Note vom 31. Januar ntedergclegt wurden und welche sich dagegen auSsprechen, dem Wunsche der Mächte Folge z« leisten." Bezüglich der Überwachung des Kaisers besagt die Note: .Sie ist sich indessen der Pflichten bewußt, welche ihr die Anwesenheit des Kaisers innerhalb der Grenzen des Königreiches. sowohl mit Rücksicht auf die eigenen Interessen des> Landes als auch auf die internationalen Sicherhetten aufbürden. Die Regierung bedauert, daß die Mächte anscheinend unter dem Eindruck stehen, daß sie, da die Antwort auf das Auslieferungsgesuch hiervon nicht spricht, diese Seite der Frage aus dem Auge verloren und ihr nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet habe. Dies ist keineswegs der Fall. Die Regierung Ihrer Majestät steht ihre Pflichten in dieser Hinsicht vollständig klar vor Augen und hat von Anfang an ihre Verpflichtungen berücksichtigt und sie wird dies auch weiter tun. da sie in der freien Ausübung ihrer vollen Hoheitsrechte in der Lage ist. sofort alle wirksamen Vorsorge» Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind, um die Freiheit des Exkaisers innerhalb der notwendiaev Schranken zu halten- ic. 6. Autonomie für Schleswig-Holstein. Erklärung der preußischen Regierung. Zwischen der schleswig-holsteinischen Deputation und der preußischen Regierung fand in Berlin eine eingehende Besprechung über die Wünsche der Schleswig-Holsteiner statt. Sie gipfelte in einer namens der Regierung von Minister Heine abgegebenen Erklärung, in der es heißt: .Die Regierung des neuin Preußen will, daß Schleswig-Holstein wie auch die anderen Landesteile eine möglichst weitgehende Selbständigkeit in provinzialen und Gemeindeangelegenheiten in Len Grenzen der Reichsverfafsung und der allgemeinen Gesetzgebung erhält. Die Reichsverfassung hat bereits bestimmt, daß die Hälfte der preußischen Vertreter im Reichsrat von den preußischen Provinzen bestellt wird. Der Entwurf der preußischen Verfassung steht eine Mitwirkung dieser Reichsratsmitglieder aus den Provinzen an besonders wichtigen Akten der preußischen Gesetzgebung vor. Nach den im Ministerium des Innern aufgestellten Entwürfen für die neue Selbstverwaltung (Städteordnung. Landgemetndeordnung. Provinzialordnung) soll überall das Selbstbestimwungsrecht der kommunalen Körperschaften befestigt und erweitert werden. Den Städten soll die Wahl zwischen verschiedenen Formen der Gemeindeverfastung sreigestellt werden. Die Erhaltung der dem Grundgedanken der Demokratie und der Reichsverfassung entsprechenden Schleswig-Hol- fteinischen Sonderrechte soll dabei ausdrücklich gewährleistet werden. Niemand denkt daran, einer schematischen Gleichmacherei wegen, höhere Kulturformen und individuelle Stammesgewohnheiten zu vernichten. Schon durch die Reichsverfassung ist es gesichert, daß die Amtssprache in gemischtsprachigen Gebieten nach den Bedürfnissen der Minderheit bestimmt wird, was selbstverständlich nicht ohne Zustimmung des Volkswillens in einem Landesteil durchgerührt werden kann. Der Geist der Selbstverwaltung fordert auch, daß auf die Besetzung wichtiger Ämter die Bevölkerung der Provinz Einfluß haben soll. In diesem Sinne werden auch die Kreis- und die Provinzialordnung und die allgemeine Landesverwaltung aufgebaut werden. Das neue Preußen kennt keine Unterdrückung ügend'i-ei.iikn Volkstums. Auf Freiheft und Vertrauen wird der Staat aufgebaut sein." politische Rundschau. Deutsches Reich. 4- Deutschland und der Völkerbund. Der Reichs- minister des Auswärtigen. Müller, erklärte einem Presse» Vertreter, die deutsche Regierung stehe nach wie vor unerschütterlich auf dem Standpunkt des Völkerbundes: selbstverständlich dürfe aber der Völkerbund nicht ein Instrument zur dauernden Niederhaltung Deutschlands werden. Die deutsche Regierung würde natürlich nur einer Aufnahme als vollkommen gleichberechtigtes Mitglied näher treten. Er sei überzeugt, daß die auf den internationalen Beziehungen heute noch lastende Atmosphäre des Hasses und Mißtrauens behoben werden würde, und daß die Bestimmungen der Artikel 11 und 19 der Völkerbundakte zu einer Revision jener Artikel des Friedensoertrages, die unerfüllbar seren, führen würden. Es fehle schon heute nicht an erfreulichen Anzeichen einer solchen Sinnesänderung in einigen Ententestaaten. 4 - Revision des Friedensvertrages. Aus Rom kommt die Meldung, daß Nittis Londoner Bemühungen für eine politische und wirtschaftliche Revision des Versailler Vertrages erfolgreich waren. Die Verbündeten hätten seinem Revistonsprogramm grundsätzlich zugestimmt. ^ Noske «der die Reichswehr. In der letzten Reichs^ ratssitzung wandte sich der Reichswehrminister gegen die Bestimmung, daß Baden und Hessen das militärische Begnadigungsrecht Vorbehalten bleiben solle und hob hervor, daß es heute nicht mehr möglich sein würde und auch gar nicht nützlich für den Geist des Heeres. Truppen für längere Zeit an demselben Ort stationiert zu lassen. Wenn etwa eine Truppe 12 Jahre lang an einem und demselben Ort bliebe, so würde das nach kurzer Zeit zu einer solchen Versippung und Verschwägerung der Truppe mit der Bevölkerung führen, daß nach seiner Überzeugung in wenigen Jahren dieses Instrument das Geld nicht mehr wert wäre, das dafür bezahlt würde. Es müsse darauf Wert gelegt werden, daß die Truppe, wenn sie auch gering an Zahl sei. ein Höchstmaß von Elastizität und von Stoßkraft besitze. Wtt hätten jetzt eine einheitliche Reichstruppe, und es würde oft dabin kommen, dab ein süddeutscher Soldat nach Ostpreußen. ein Münchener nach Hamburg, ein Hamburger nach München ufw. geschickt würde. Wenn nun beispielsweise ein preußisches Gericht geurteilt hätte und das Begnadigungsrecht dann nach Baden verlegt werden sollte, so Halle er das für eine glatte Unmöglichkeit. Erhöhung der Abgeordnetendiäten. Zwischen den Mehrheitsparteien der Landesversammlung und der Nationalversammlung schweben zurzell Erwägungen über eine Erhöhung der Entschädigungsgelder Nr die Abgeordneten. Die Mitglieder der Nationalversammlung sowohl wie der Preußischen Landesoersammlung beziehen gegenwärtig ein Monatsfixum von 1000 Mark, im voraus zahlbar. Für jeden Tag der Abwesenheit werden 30 Mark von der nächsten Fälligkeit in Abzug gebracht. Es ist nun beabsichtigt, die Entschädigungsgelder auf monatlich 1500 Mark zu erhöhen. Die Erwägungen sind noch nicht abgeschlossen. Frankreich. X Wehrlosmachung der Türkei. Marschall Fach hat dem Obersten Rat oorgeschlagen. daß ein Gebiet der Türkei militärisch zu besetzen sei, das auf der einen Seite durch den Bosporus, auf der anderen durch das Marmara-Meer und die Dardanellen begrenzt ist. Außerdem verwehren diese Vorschläge der Türkei, ein Heer zu unterhallen, so daß sie keinen neuen All des Verrates begehen können. Diese Vorschläge des Marschalls Foch wurden nicht alle vom Obersten Rat angenommen, er wurde aber aufgefordert, sich als Sachverständiger zu einzelnen Fragen zu äußern. Großbritannien. X Inseln statt Geld. Einem Bericht der .Times" aus Newyork zufolge wird dort viel von der Möglichkeit gesprochen, daß England seine Schulden an Amerika durch Abtretung der westindischen Inseln bezahlen könnte. Der Finanzsekretär Mc. Adoo Halle dies Nr eine glückliche Lösung. Amerika würde 200 Millionen Pfund Sterling für einige dieser Inseln bezahlen. Aus Zn. und Ausland. Amsterdam. .Times" meldet, daß die Sowjekregierung beschlossen hat. zwecks Förderung des ruisischen Lergoaues die Sozialisierung der Bergwerke auszuheben. Paris. Nach Meldungen aus Bukarest hat Kronprinz siarol von Rumänien eingewilligt, sich von seiner Frau zu trennen. Er bat eine Reise nach dem Orient angetreten und wird als Kronprinz demnächst wieder anerkannt werden. London. Nach einer Reutermeldung aus Konstaniinopel ist das Kabinett zurückgelreten; der Sultan hat den Maischall Jzzet-Pascha beruien. _ Mir- urro Volkswirtschaft. Berliner Produktenverkehr. Amtlich notierte Press der Berliner Produktenbörse am 5. Marz: Hafer N 1000 Kilogramm toko —. auf Abladung 4760—4800 Mar aü Station. Tendenz: fest. Nichtamtlich sind folgende Preise ermittelt, alles sch SO Kilogramm ab Station: Erbsen. Vtktoriaerbsen 440-581 Mark, gelbe und grüne Erbsen 380—540 Mark. Bobnen, weiße inländische 400-500 Mark. Peluschken 240—254 Mark Pferdebohnen 230-258 Mark. Wicken 180—LOS Mark Lupinen SO—122 Mark. Seradelle 121—12S Mark. Wiesen- Heu. lose. 50—58 Mark. Stroh, drahtgepreßt 34—38 Mark gebündelt 32—34 Mark. Trockenschnitzel 101—l03 Mark Patent Steffen 118-121 Mark. Rotklee, inländischer, seide- frei 1600—1900 Mark. Buchweizen 280-300 Mark. zß General Groener über die Berkehrsnot. Zur Erlösung aus den gegenwärtigen VerkehrLnöten macht der ehemalige Leiter des Eisenbahnwesens im Kriege. Genetal Groener. den Vorschlag, künftig ohne Rücksicht auf die Landesgrenzen lediglich nach wirtschaftlichen Zusammen, hängen einige wenige Generaldirektionen zu bilden, als Träger der gesamten Eisendahnverwaltung. Sache des Ministeriums sei es. nur noch einige Ausgleiche zwischen den Forderungen dieser Generaldirektionen herbeizuführen. Ferner muß man den technischen Beamten künftig einen größeren Einfluß einräumen und mit dem Juristenmonopot brechen. Heute seien wir aber glücklich so weit, daß nur die Schieber noch erster und zweiter Klasse fahren können. Man müsse endlich einmal einsehen. daß es nicht gut fei. immer den Verkehr durch Erhöhung der Tarife zu belasten. Es müsse eine Sparsamkeit der ganzen Organisation und eine Besserung im Betriebe und in der Verwaltung ein- treten. -st Englische Kredite für Deutschland. Der neuernannte englische Botschafter in Washington. Sir Auckland Geddes. erklärte, England werde bei der Friedenskonferenz die abfulute Notwendigkeit betonen. Deutschland zu helfen sich wieder emporzuarbeiten. Es werde Deutschland eine Anletbe bewillig«!, damit eS seinen Verpflichtungen Nachkommen könne. Erzberger gegen Helfferich. l24. Tag.) 8 Berlin. 5. März. Der wochenlange Kampf im Geiicktssaaie, der sich unter angespanntester Aufmerksamkeit des ganzen Volkes zwischen zwei Reichsfinanzministern abwukeite. dem ehemaligen der Kriegszeit und dem jetzigen der Republik, nähert fick dem Ende. Wohin die Palme des S-eges fällt, scheint schon entschieden zu sein nach den Äußern gen der berufenen Vertreter des öffentlichen Rechtes, der beiden Staatsanwälte. Noch aber tritt die Partei des Nebenklägers, des oielumstrittenen Herrn Erzberger, nochmals auf den Plan. Heute reden seine beiden Rechtsbeistände. Herr Geb. Juni,rat o. Gordon und Rechtsanwalt Dr. Friedländer. Montag sollen die beide» Gegner. Erzderger und Helfferich, in eigener Perlon sich nochmals auf Hieb und Stich im letzten Wort gegenübcrtreten. Mittwoch erwartet man das Urteil des Gerichtshofes in diesem bedeutendsten Prozeßverfahren seit der Umwälzung, soweit die innere politische Lage in Betracht kommt. Geh. Justrzrat v. ISsrSon wendet sich zunächst gegen den Anwalt Helfferichs. Er habe sich als Verteidiger des Angeilagten Helfferich in die Toga des Richters gehüllt, aber er nabe we.stich verschwiegen. Laß die Sünden, die der Nebenkläger beging, ein Erbteil aus jener Periode der Kriegszeit ist. in der S aatssekretär Helfferich an der Spitze der Leitung des Wrrtichaftsieüens stand. Gewiß sei uns aus dem Kriege eine Korruption erwachsen, aoer wenn das schon ein Gipfelpunkt dieser K-rruvtton üarstelle, daß ein Abgeordneter einen Aufsich srarsvosten an.iebme. so wäre unser Vaterland glücklich zu prellen. Der Redner geht dann auf die einzelnen Punkte ein, auf den Fall Lbyssen zunächst und sagt daoet, im alt-n Reichslag habe es genug Abgeordnete verichieüener Parteien gegeben, die mehrere Aufsichtsralssteiren be leidet baden. Er nennt die Namen Baffermann, Paafche und Stresemann. Es sei alio nichts Neues, was hier vorgebracht würde. Herr o. Gordon ist der Ansicht, daß. wenn die Grundlätze, die hier von der Gegenseite entwickelt worden wären, auf die Praxis angewendet werden, kein Pariament in der ganzen Well bestehen würde, das gegen diese Grundsätze nicht verstoßt. Er schildert dann eingehend die Tätigkeit Erzbergers für den Tbyffen-Konzern und kommt zu dem Schluß, daß das Eintreten Erzbergers Nr Thyssen .twtop" geweien sei. Nachdem Justizrat o. Gordon noch die anderen Fälle erörtert. manche geradezu Nr Nichtigkeiten und Kurt chereien erklärt hat. sagt er, jedenfalls sei darin nichts Nr Erzverger Belastendes zu entdecken. Sodann geht er zum Angriff gegen Herrn Hclfsrrich und sagt, er habe dasselbe Gefühl, wie er es im Krupp- Prozeß an dieser Stelle batte. Damals warf sich Lieokne. t in die Toga des entrüsteten Anklägers. Hinterher bat uns das ganze Ausland ausgelacht, das wir uns mit dergleichen Kleinigkeiten betchästigen. Heute lucht uns das Aas- ! land ebenfalls aus, weil wir in dieser trüben Zeit l mit solchen unrichtigen und unbegründeten Beichulüi- > gungen gegen einen Rerchsmuulter vorireten und > diese Beschuldigungen des br-iteren erörtern. Das ganze . Vermögen Erzvergers beläuft sich noch nicht einmal auf s 200000 Mark, die Millionen, von denen me Rede war. leien ' ein Märchen gewesen. Das habe der Dieonahi der Steuer- akten erwiesen. Herr Erzberger sei mit durchaus reinen ^ Händen aus der Tätigkeit oerausgegangen, die er für den Staat entfallet bat. Hätte die>er Mann mit seinen Fähigkeiten sich aus das Erwerdsieoen geworfen, er wäre deute ! wahrscheinlich ein Millionär, als Par amentarier in er nichts geworden. In bezug aut den Vorwurf er Unwahrvattig- k eit habe Herr Erzberger es idm nicht so leicht gemaait. ihn zu verteidigen, das müsse er aussp echen. ber ein Parlamentarier. der wie Er.bergei seit sturem 28. Jahr rm Parlament sitze, werde seine La orte nie so aus die Goldwage le en wie ein Kaufmann, ber Jurist, der R,ch er. Es bandele sich La vielleicht um eine gewisse Schwäche, nie aoer um eine bewußte Unwahrheit. Damft schließt Herr o. Gordon. U «rst. Anz ob änkr war Reg polt Reg -gest« Lbg wor tUNk Was Hau, von «ine , wor deut schäl ! mög ^ v er Dar i Mit hat tzDt.- iein : Spä deut rrsch ! sind. kine Trcu gebe der! Voll sehei wur! mit Krie, ! nicht .daN r.Da Es i geste der l Idem «lau ist u Auft bade Mni Ante der l eigei bald ist o «elec Lbri, «ns vart< Fricdländcr. der zweite Rechtsbeistand Erzbergers kommt dann zu Wort. Der Redner begann seine Ausführungen mit der Erklärung, daß Erzberger zweifellos schwere Febler begangen habe, die er büßen muß und auch schon gebüßt habe. Das habe aber damit nichts zu tun, daß er beanspruchen dürfe, hrer eine gerechte Würdigung zu erhalten. Helfferich mußte damit kraft seiner Natur über Erzberger siegen. Aber im ganzen müsse er als Anwalt doch sagen, den großen Zug habe er vermißt. Und es sei ihm etwas kleinlich vorge- »wenn ein Millionär über Herrn Erzberger, der streng kritisch genommen doch ein Emporkömmling sei. io stark »u Gericht sitze. Erzberger sollte nach Presseberichte« und anderen Mitteilungen eine Art Kolossalstatue des Mammons darstellen. Davon sel doch hier wirklich n'-bts erwiesen worden. Auf politischem Gebiete habe sich Erz- berger unvergängliche Verdienste erworben. ^ . rung >er -Regi »er «ugc Fra voll Hali eint wrte Reg Not tzätt 18. wer dem Bei! Ver ^riumpk äes Lebens. Roman von Lola Stein. 20j (Nachdruck verdate-.) Irene hatte dem Bruder nicht glauben wollen, wenn er sein seltenes Kommen, die wenige Zeit, die er für sie hatte, mit Überarbeitung entschuldigte. Ihr kam der Gedanke. ob in Wallers Leben wohl endlich die Liebe, die Frau Einlaß gefunden? Und als sie Helmut Körner einmal sprach, fragte sie Ihn danach. Aber der Architekt lachte sie so herzlich aus, sagte, daß daran gar nicht zu denken sei, und daß Walter nach wie vor den Frauen fremd und kühl gegenüberstand und nur seiner Arbeit lebte, so daß Irene ihm glaubte. Es schmerzte sie, daß der Bruder sich von ihr fernhielt, daß seine Arbeit ihm jetzt wichtiger schien als sie. Und sie begrüßte voller Freude seinen Entschluß, zu ihr nach Binz zu kommen. , . . ^ Seine plötzliche Abreise verstimmte sie tief. Was war das nur mit Walter? War er plötzlich launisch geworden? Oder war er krank? Sein bleiches Aussehen bestätigte diesen Verdacht. Sein« Unruhe, seine große Nervosität mußte doch eine Ursache haben. Und sie beschloß» nach ihrer Rückkehr nach Berlin mehr über den Bruder zu wachen. ^ „ Aber es wurde nicht anders mit Waller. Er entzog sich ihr und ihrer Sorge. Und sie war zu stolz, sich ihm aufzudrängen, nachdem er einige Male schroff und herb ihr begegnet war, ihre Besorgnis verlacht, ihre Bitten nicht beachtet hatte. . . ... Auch Helmut Körner hielt sich von Irene zuruck, seit Frau Marga gestorben war. Er hatte einige Male Andeutungen gemacht, als ob er von ihrer Liebe zu Horst Volkmer wußte. Und da Irene ihm nicht widersprochen, La fie im Volkmerschen Hause blieb und Walter ihm offen erklärt hatte, daß die Vereinigung zwischen Horst und Irene nur noch eine Frage der Zeit sei, erkannte Helmut, daß seine Liebe zu Irene hoffnungslos war. Nun erst gab er sie, die er so lange und so beharrlich umworben, völlig verloren, nun, da er von ihrem Gefühl für einen andern Mann wußte. " — Aber nun wollte er sie auch nicht mehr so viel sehen. Denn das ging über seine Kraft. So lebte er toller und leichtsinniger als je zuvor und suchte Zerstreuung und Betäubung, wo sie sich ihm bot. Nur manchmal suchte er noch Irenes Nähe. Denn ein Leben ganz und gar losgelöst von ihr ertrug er nicht. So hatte Irene den Freund und Gespielen ihrer Jugend verloren. Und auch der geliebte Bruder schien sich innerlich loslösen zu wollen von ihr. Ganz neu war ihr Leben geworden, verändert von ihrem früheren Dasein. Und immer fester und immer stärker ward ihr Gefühl für den geliebten Mann, der ihr, da Waller sich ihr entzog, jetzt alles war und alles werden sollte in Zukunft: Geliebter. Gatte, Freund. Sie spann sich ein in ihre Träume, wo diese Zell Wirklichkeit werden sollte. 2. Kapitel. Irene war heute still während der Kaffeestunde. Sie lieb Zischen mit der Großmutter plaudern, streichelte die weichen Locken des Pudels, der sich an ihre Knie schmiegte und dachte die letzten Monate zurück. Da wurde Käte Körner gemeldet. Sie kam von ihrer Sommerreise jetzt erst zurück. Die Freundinnen, die sich lange nicht gesehen hatten, begrüßten sich lebhaft, dann plauderte Käte ein Weilchen mit Frau Volkmer und Jlschen und folgte schließlich der Freundin in ihr Zimmer. Die jungen Mädchen hatten sich in den Sommermonaten selten gesehen. Käte war manchmal gekommen, in ihrer sprunghaften Art, die nie Dauer hatte, plauderte sie ein Viertelstündchen und ging dann wieder, weil eine Verabredung sie rief. Dann war sie ein Vierteljahr von Berlin abwesend gewesen. Sie betrachtete Irene jetzt musternd und rief: »Mein Gott, Irene, hast du dich inzwischen entwickelt! Du bist ia förmlich ausgeblüht, bist noch viel schöner geworden als früher! Und deine Augen strahlen! Ist dir inzwischen so viel Gutes begegnet?" Das junge Mädchen war errötet. »Nichts Besonderes, Käte. _ Aber mir geht es im.ganzen ja sehr gut. ich lebe HerMch und in Freuden, habe nicht viel zu tun, dabei muß man ja wohl sein und gut aussehen." »Aber du bist zufrieden mit deiner Tätigkeit?" »Manchmal erscheint es mir zu swenig, was ich leiste Kille. Meinen wirklichen Beruf habe ich ja, seit Marga tot ist, nicht mehr ausgeübt. Aber Horst und Jlschen und Tante, alle baten mich damals so sehr, bei ihnen zu bleiben. Da tat ich es denn." »Mm, du hast ja auch vorher niemals Ruhe und Erholung gehabt, Mädel, da ist es nur ein richtiger Ausgleich, wenn man dir das Leben jetzt leicht macht. Und nach deinem Beruf brauchst du dich doch nicht zurück- -»sehnen. Du wirst vermutlich bald andere Pflichten be- rammen." f Irene antwortete nicht. Sie fühlte kein Verlangen, sich Käte mitzuteilen. Sie trug eine Scheu in sich, über ihre geheimsten Empfindungen und Wünsche zu sprechet und es war ihr auch recht, daß Walter sie nie mehr nach ihrem Gefühl fragte, wenn sie sein Schweigen zuweilen auch als einen Mangel an Interesse empfand. Käte sagte jetzt: »Na. ich bin ja durch Helmut über alles, was dich betrifft, gut unterrichtet, zu fragen bra-icke ich nicht. Helmut bat seine Hoffnung auf dich wohl endgültig aufgegeben, wie?" »Ich hoffe es, Käte! Es wäre ja auch schrecklich, wenn er noch länger mit dieser ganz unmöglichen Idee einer Verbindung zwischen uns sich getragen hätte. Er soll sich nach einer anderen paffenden Frau um'chauen. »Damit eilt es ihm wohl nicht", meinte Käte trocken, »er amüsiert sich so ia weit besser. Höre mak, Ire- e. ich finde, Walter hat sich kolossal verändert. Er gefällt mir nicht. Ist er krank?" »Nicht wahr?" rief Irene lebhaft, »er ist verändert! Also auch dir ist das aufgeiaüen? Er selbst will ia nichts davon hören und auch Helmut hat mich immer wieder beruhigt, wenn ich ihm von meinen Befürchtungen sprach." »Was Nr Befürchtungen denn, Irene?" »Keine bestimmten. Ich zergrübele mein Hirn. waS ihm fehlen kann. Walter beiauptet, geNnd zu lein, aber seine Nervosität, seine Unttätbeit kann er nickt akle»on-n nerr iter den der >em Mieter koch nen :ine and de» schien. in mg. nbe . oga ! gen. aus !I!ch miß iser elle. «me. rner ^all labe die die alw don der an- de» Er den Lindem nche sagt ^ zu ivv- >e. t uns chen Ins- ! Zeit ! ttüi- > und > anze auf ! leien luer- ' inen ^ den «big- leute l ichts ttg- n zu iria- aria- e en sicb - he- Sort. ung. , die Das ichen erich Aber Zug srge- treng stark chte« deS >''.Das beweist Ihre Rede.") Reichsjustizminister Schiffer erwiderte dem Vorredner: Es ist gar nickt festzustellen, wer mit den in der Lstte aufgestellten Namen gemeint ist. Um diese Frage zu klären, hat der Oberreichsanwalt einen Aufruf erlaffen. (Abg. v. Gräfe (deutichnat.) ruft hier dazwischen: »Diese Zumutung ist unglaublich!") Der Reicksjustizminister erwiderte hierauf: »Es > ist unerhört, daß der Abg. v. Gräfe zur Nichtbesolgung deS Aufrufes rät." Abg. v. Gräfe: .Ichverbitte mir das". .Sie haben sich gar nichts zu verbitten", erklärte der Reichsjustiz- minister, worauf Präsident Fehrenbach dringend um das /Unterlassen derartiger Zwischenrufe ersuchte. ; In unter aller wohlverstandenem eigenen Interesse, fuhr - der Reichsjuslizminister fort, und es entspricht auch unserer eigenen Ehre, wie Herr v. Gräfe sagt. liegt es. daß möglichst bald «in Spruch des Reichsgerichts berbeigesührt wird. Es ist ohne Zweifel ein Fortschritt, daß wir jetzt in dieser Angelegenheit auf Len Boden des Rechts gelangt sind. Im übrigen bewundere ich den Mut des Abg. Dr. Düringer, -«ns zu unterschieben, daß wir bei dieser Sachlage nach j parteipolitischen Grundsätzen bandeln. Bei der weiteren Auseinandersetzung erklärt die Regie« DMNg. die anfgesteüte Gegenliste der Kriegsverbrecher auf tber Extent sctie werde vorläufig nicht herausgegeben. Die I Regierung behalte sich die Herausgabe vor. Dann wurde I»er Ecskyent.vurf gegen die Stimmen der Deutschnationalen jaugcuommen. — ,7A- ^>r. Kahl (Deutsche Vp.) erklärte im Namen seiner ! AnNÄ*' Ke sich nur mit äußerstem Widerstreben den vaterländischen Notwendigkeiten füoe. Wir aber bis Lage gegenwärtig, die unvermeidlich «»enn nunmehr nicht im Inlands eine Ab- der Kriegsverbrecher zustande käme. Ich frage die wie es mit der Gegenliste steht. Die deutsche Januar geht weiter über das hinaus.' dem wir -Emmen können. Soll auf d!e Note vom 5. und A nicht noch eine .deutsche" Antwort gegeben dAsA.», es diese Noten verdienen? Wir brauchen vor i "As dem Bauche zu liegen. (Lebhafter s) versau rechts.) Nunmehr nabm d sollte baS alles nur von Überarbeitung kommen? u bist doch die werdende Ärztin, Kate, kann das sein?* »Vorläufig verstehst du von Medizin ebenso viel wie Iren«, scheint mirl Von Überarbeitung kann ia Derlei kommen. Warum aber arbeitet er so wüst? um hältst du ihn nicht davon zurück?" »Weil^cr nicht mehr auf mich hört, weil er sich mir zieht", murmelte Irene traurig. .Walter entzieht sich dir?" Kate war sprachlos. Irene klagte ihr nun ihr Leid. Alles, waS ihr an Kalter fremd schien und krankhaft, sagte sie der Freundin. Die schüttelte den Kopf. .Da stimmt etwas nicht. Er tzuß sich ja sehr verändert haben. Und leider zu seinem iachteil." In ihrer resoluten Art meinte sie dann: .Komm, besuchen wir unsere beiden Brüder doch mal. öir wollen sehen, was sie treiben." - Irene überlegte. .Heute ist Samstag, also Walters reier Nachmittag. Da treffen wir ihn gewiß im Hause bl. Ja. wir wollen gehen." Sie bummelten Arm in Arm durch die Straßen bis ihn Nollendorsplatz. Käte zeigte ein« leise Unruhe, Irene atte sie mit ihrer Sorge um Walter angesteckt. Und was stene schon manchmal gedacht, das glaubte sie heute mit Bestimmtheit zu erkennen, daß das Interesse der Freundin ir Walter ein tieferes war als nur das der Jugendstundschaft. .Arme Käte", dachte Irene. Denn sie wußte, daß lter niemals Kätes Gefühl erwidern würde. Sie nahmen am Nollendorsplatz die Hochbahn und reu bis zum Knie in Charlottenburg. Dann gingen die Bismarckstraße hinunter bis zu dem eleganten Hause, dem die Freunde wohnten. Die Haushälterin, Helmut Körners .Perle", wie er nannte, eine ältliche, freundliche Frau, öffnete den gen Mädchen. .Der Herr Doktor ist zu Hause", sagte sie auf di« ge, .der Herr Baumeister leider nicht." .Um den sind wir auch nicht gekommen", erklärte e aleiLaültia. An dem Bruder lag. ihr nicht viel. der Minister deS Äußeren» Müller, das Wort. Selbstverständlich wird die Regierung auf die Noten vom 5. und 13. Februar eine Antwort geben. l«urm rechts .Auch eine deutsche?") Wir werden uns .^/wahren gegen alle Zumutungen. Jedenfalls kann davon nickt die Rede sein, daß wir vor dem Auslande auf Am Bauche liegen. Jedenfalls gibt auch keinerlei Bestimmung ?Fen?vertrages den Alliierten das Recht, im besetzten Leute aufzugreifen und vor Gericht zu stellen. Weiter A^ärte der Minister, es sei nicht das Verdienst der Presse der Schwerindustrie, wenn das Auslieferungsbegehren des Rechtes gebracht worden sei, sondern man 8? „ demUmiiande zuzuschreiben, daß das ganze deutsche dis. in die Reihen der Unabhängigen und Kommunisten emmutla zusammengehalten habe. Der Minister be- die Note vom 25. Januar zu weit gegangen sei dann auf die Gegenliste zu sprechen. Was diese Gegenliste anlange so liege darüber bereits Material vor in Len amtlichen Denkschriften hinsichtlich der Behandlung der Kriegsgefangenen rü.n^dEkich und England. Im übrigen könne man fest- AK. deute die allgemeine Überzeugung vorhanden ist. oatz Schwemereren und Verbrechen überall verübt worden «A' A? paddle Ansicht sich als falsch erwiesen habe, .der AfA -E A?, Stablbad oder ein Jungbrunnen." Es ist nickt deutsche Regierung im Falle ihres Sieges ein ähnliches Auslieferunasbegehren gestellt hätte. Das beweist der Frieden von Brest-Litowsk. in dem die Ausliefe- Vicht eines einzigen russischen Kriegsverbrechers verlangt wurde, die an der Verwüstung Ostpreußens schuld IflflAfl- Die Forderung nach der Aufstellung einer Gegenliste ^erlangt aus verletztem Rechtsempfinden, -niemand glaubt aber, daß die Liste die Entente zu einer Ver« tot ung der alliierten Kriegsverbrecher veranlassen würde. Da A Regierungen mit ihrer Liste keine Propaganda neutralen Ländern getrieben haben, liegt auch für uns Afl , zur Propaganda zu einer Gegenliste vor. denn in drüsfig^M^ wandern ist man dieser Haßpropaganda über- die Ni»therausgabe dieser Gegenliste find politische Gesichtspunkte maßgebend. Die Koalitkon nnserer Gegner hält noch zusammen, und die Regierung bat die feste Überzeugung, daß die Herausgabe einer Gegenliste . E Koalition noch fester zusammenschmieden würde, als fetzt. Darum lehut es die Regierung zurzeit ab, die Gegenliste herauszugebeu. Sie wird sich den Zeitpunkt Vorbehalten, den sie dafür für geeignet hält. (Beifall bei der Mehrheit.) „ A"4Am di« Abgg. Katzenstein (Soz.) und Falk (Dem.) mr die Vorlage eingetreten waren, und nach einigen weiteren Bemerkungen des Abg. Dr. Kahl (Deutsche Vp.) und deS Ministers des Auswärtigen wurde d?r Gesetzentwurf angenommen. Dagegen stimmten nur die Deutschnationalen. Hierauf trat das Haus in die Einzelberatmig deS Landessteuergesetzes ein. Eine lange Auseinandersetzung entspann sich bei dem wichtigen Z 2, der den Übergang der Steuerhoheit auf das Reich vorsiebt. Darüber hinaus kam man heute nicht. Badischer Landtag. 17. Oeffentliche Sitzung. Karlsruhe. Das Haus setzte die Beratung des 7. Nachtrags zum Staatsvoranschlage für 1918/19 fort. — Abg. Köhler (Ztr.): Trotz des verlorenen Krieges und trotz der Umwälzung sind unsere Finanzen in Ordnung. Mr möchten wissen, welche Ausgaben infolge der Familienunterstützung uns erwachsen sind und was das Reich davon bezahlt hat. Wir möchten weiter wissen, ob für diese Kriegskredite Deckung gefunden wurde' und ob cs nicht möglich ist, die Rechnungs- ergebniffe für 1919 zu erhalten. Wir vermissen noch die Höhe des umlaufenden Betriebsfonds. Endlich wollen wir auch wissen, welchen Kurs unsere Obligationen haben. Meine Fraktion gibt den Anforderungen im 7. Nachttage ihre Zustimmung. Die Anforderungen für das Landestheater geben zur Erwägung Veranlassung, ob man nicht die Theater in Mannheim, Heidelberg und Karlruhe Zusammenlegen sollte. Für Baden verlangen wir bei der Verreichtichung der Staatsbahnen ein Reichsverkehrsamt. Unser Bestreben ist, den Beamtenstand in seiner Reinheit zu erhalten. Das Landessteuergesetz schneidet in die Selbstverwaltung der Länder und der Gemeinden ein." Bei unfern Ausgaben müssen wir uns nach der Decke strecken. Das führt dazu, daß mit der Vereinfachung der Staatsverwaltung Ernst gemacht wird. Den Vorwurf einer Zentrumsherrschast müssen wir zurückweisen. Bei der Zwangswirtschaft sollten die lästigen Kontrollen vermieden werden. — Abg. Maier-Heideiberg (Soz): Gegen die Schieber muß vorgegangen werden. Durch eine Monarchie würden die Zustände jetzt auch nicht gebessert werden. Hätte die Demobilmachung unsere Arbeit nicht so sehr in Anspruch genommen, so hätten wir gründlicher mit ihnen (nach Rechts) abrechnen können und mancher von ihnen wäre nicht hier, vielleicht wäre er nicht mehr unter den Lebenden Die Sache ist ja eigentlich auch so furchtbar einfach. Man kauft irgendwo irgendwelche Posten von Seife. Streichhölzern. Wäsche. Automobilreifen. Schokolade. Benzin oder etwas Ähnliches, verschiebt die Ware zunächst einmal in einen der benachbarten Orte, im unbesetzten Geriet und läßt sie dort eine Zeitlang ruhig lagern. Die Preise steigen infolge der neuen Strafbestimmungen über die verbotene Ausfuhr aus dem besetzten Gebiete fortwährend: spielend und mühelos wird der Gewinn eingestrichen. Ob Kaufmann» Beamter. Handwerker. Arbeiter. Mann. Weib. Kind oder Greis, man schiebt, man schiebt, und wenn die Well darüber untergeben sollte. Vom Stecknadelknopf bis zum Automobil wird alles verschoben. Alle Begriffe von Anstand. Ehrgefühl und vornehmer, kaufmännischer Gesinnung find auf den Kopf gestellt. Täglich kann man in den Kölner Zeitungen Annoncen lesen, in denen Belohnungen von zehn- bis zwanzigtausend Mark und mehr ausgefetzt werden für die Ermittlung von Diebstählen an Treibriemen. Automobilen» Lederwaren usw. Momentbild vom Domplatz. z Am Domolatz -in Menickenauftaui! Was ist ae« Dehn, Karlsruhe. — Druck und Verlag sec Zuhorakerei schehen? Auf hohem Stuhl sitzt ein belgischer Soldat und läßt sich die Stiefel reinigen. Aber was für Stiefel! BtK fast ans Knie reichende braune Schnürstiefel aus feinem Chevreauleder und um ihn eine Rotte von Schiebern und Händlern, die ihm die fabelhaftesten Preise zurufen, falls er seine Stiefel verkaufen wollte. Der Belgier wirst verächtlich die Zigarette fort und geht seines Weges. Wenn man in einem Cafs in Köln nach der Uhr sieht, fragen einen die Umsitzenden: Was kostet die Uhr? Und daß ein Mensch zu anderen Zwecken dorthin kommen könnte, wie um dort zu kaufen und zu verkaufen, ist den Stammgästen unverständlich. Fortgesetzt wird man mit Fragen belästigt: „Was wünschen Sie zu kaufen?", oder „Was haben Sie zu verkaufen?" Nicht alle Ententesoldaten denken so wie der obenerwähnte Belgier. Viele von ihnen machen ganz im stillen ihre Geschäfte oder spekulieren mü der Valuta. Es gibt unter den Besatzungssoldaten sehr geschäftstüchtige Menschen, die die rheinischen Schieber zweimal in die Tasche stecken und sehr hohe Summen verdienen. Wer trinkt unsere Weine? Das Weintrtnken im Rheinlande ist heute ein Luxus geworden. den sich nur noch Reiche und Schieber leisten können. Welches sind nun die Ursachen dieser ungeheuren Preissteigerung der einst so billigen deutschen Rhein- und Moselweine? Durch die Kontingentierung von Malz und Gerste ist die Bierfabrikation auf ein Minimum herabgesunken, während die Weinerzeugung dieselbe blieb wie in früheren Jahren. Durch die gewaltige Erhöhung des Weinverbrauchs infolge des mangelnden Bieres und durch die begrenzte Ernte erklärt sich wohl zum Teil die Preissteigerung, aber die Hauptursache sind auch hier wieder die Schieber. Ganz besonders blüht der Schieberhandel an der Mosel. Schuster und Schneider und alle möglichen verkrachten Existenzen mit oder ohne Handelserlaubnis haben sich auf das Weingeschäft geworfen. Der Schieber geht zum Winzer, bietet ihm die höchsten Preise, dann wandert der Wein durch Dutzende von Händen, und da jeder anständig verdienen will, wird er immer teurer. Bei dem heutigen Stande der Valuta kaufen die Ausländer und die Angehörigen der im Rheinlande stationierten Besatzungsarmeen den Wein zu nack ihren Begriffen lächerlich billigen Preisen auf. Anderseits tun Kriegsgewinnler und Schieber das gleiche und zahlen, da Geld für sie ja keine Rolle spielt, jeden gewünschten Preis. Vergebliche Liebesmüh'. Der Kampf der Regierung mit den Schiebern hat auf der ganzen Front eingesetzt. Man sollte nun meinen, daß Heulen und Zähneklappern infolge der neuen Maßnahmen der Behörden bei den Schiebern und Konsorten herrsche. Aber weit entfernt davon, bereiten sich diese vielmehr auf neue fröhliche Kämpfe mit den Regierungsorganen vor. Die Behörden sind sich völlig klar darüber, daß jetzt infolge der verschärften Strafbestimmungen für verbotene Ausfuhr ein weiteres Aufblühen des Schmuggels zu verzeichnen sein wird. Es wird ein Schmuggel einsetzen, wie er, fett die Welt besteht, noch nicht getrieben wurde. Zu dem Heer der Schieber und Wucherer werden sich jetzt die Schmugglerheere gesellen. Kein Gesetz und kein hundert Meter tiefer Schützengraben wird imstande sein, diesen Schmuggel auch nur annähernd zu unterbinden. Die Schmuggler werden auf jede Maßnahme der Regierung mit neuen Tricks antworten. Als letztes, nie versagendes Geschütz bleibt den Schiebern und Schmugglern ja noch immer der Geldsack, oder vielmehr das Banknotenbündel, dessen Reiz und Zauber schon so viele erlegen sind oder täglich noch erliegen. Wieviel Pflichtgefühl und Treue, wieoiel Selbstüberwindung in Beamtenkreisen ist nötig, um in Entbehrungen für sich und seine Familie weiterzuarbeiten, wenn man steht, wie der Kollege, indem er ein oder zwei Augen zudrückt, sich und den Seinen alle Herrlichkeiten der Welt schafft, während man selbst darbt. Bleibt er selbst fest, so hat er vielleicht eine Frau, die den Verlockungen noch weniger widerstehen kann und voller Neid auf die elegant gekleidete Frau des Kollegen sieht und ihrem Manne so lange in den Ohren liegt, bis auch er endlich schwach wird und nachgibt. /vrLr OllL/av Doeme. * F kr r» Se >ez N be bc gr di ist ab vo 1 gr! Vermischte Nachrichten. Räterepublik 1« Portugal. Paris. Nach Meldungen von Reisenden, die im Automobil über die vortugiesvche Grenze gekommen sind, ist infolge des Streiks der Eisenbahner, Post« und Telcgrapbenangestellten jeder Verkehr zwischen Spanien und Portugal abgeschnitte«. Die bolschewistische Bewegung habe in Lissabon und Oporto gesiegt und dort lei die Räterepublik ausgeiufen worden. AsrsOtedene Melden«?*? Wien. Die ungarischen Funktionäre der Sowjetszeit, die Kommunisten Bela Kun und Genofien, werden von Wien nach Rußland adgeschoben werden. Paris. Wie der .^ clau" aus London meldet, soll die Minisierkonferenz bestimmt haben. Bebarabien Rumänien ohne Volksabstimmung zuzn «rechen _ fracblbiiese SuclMniclrerei Fläeliiar. flari;r*A a. i. ö-. "> ikrrlsruhe, Erbprmzenstc 6. ftiettt rs. o Dänische Staatsschulen in Nordschleswig. In der ersten nordschleswigschen Abstimmungszone sollen nach der Wiedervereinigung Nordschleswigs mit Dänemark dänisch« Staatsschulen eingerichtet werden, und zwar je ein Gymnasium in HaüerSleben und Sonderburg und je eine Realschule iS Apenrade und Tonüern. S Streikorohung der städtischen Angestellten Wiens. Sämtliche städtischen Angestellten haben der Gemeind« Wien ein Ultimatum bis zum 9. d. Mts. gestellt und drohen für den Fall, daß bis zu diesem Termin ihre Forderungen nicht bewilligt sind, mit dem Streik. » Bombenattentat in Zürich. Gegen das amerikanische Konsulat in Zürich wurde ein Bombenattentat verübt. Eine Bombe, die in die offene Haustür gelegt worden war, richtete bedeutenden Sachschaden an. Personen wurden nicht verletzt. Der Knall wurde in der ganzen Stadt gehört. Ma» vermutet, daß es sich bet dem Attentat um einen Racheakt handelte. « Das neue Heim Wilhelms II. An dem Umbau des Doorner Hauses sür den Exkaiser Wilhelm II.. das bis Juni zur Aufnahme seiner neuen Bewohner bereit sein soll, ist eine große Anzahl von Arbeitern eifrig tätig. In des letzten Tagen sind in Doorn neuerdings fünf Waggons mit Möbeln und Hausrat aus Berlin eingenoffen. 0 Tic ersten Kriegsgefangenen aus Rußland. Der Hy« erste Transport oon Kriegsgefangenen aus Sowjetrußland Hsi mit 600 heimkehrenden Invaliden sowie Frauen und Kinder» wurde bereits an der Demarkationslinie übern-i.nmen. Das Eintreffen des Transportes in Deutichland kann tu de» Nächsten Tagen erwcnrer w erden. _ t» uns ob« IlnseselnSrucli llktck^