N'°- 40. Freitag den 5. Oktober 1838. ochertMlt: enmrge Bekanntmachungen. Nro. 18970. (Den Ausbruch der Maul« und Klauenseuche betr.) Da die Maul« und Klauenseuche unter dem Hornvieh bereits in der Umgegend in verschie« denen Gemeinden ausgebrochen ist, und auch hier einige Stücke davon erkrankten, die jedoch wieder genesen sind: so findet man sich veranlaßt, die hohe Verordnung vom 15. Juli 1828 (Regierungsbl. No. 13), die medicinisch polizeiliche Maaßregel gegen die herrschende Maul« und Klauenseuche betreffend, in Erinnerung zu bringen, und die Ortsvorgesetzten anzuweisen, diese in ihren Gemeinden wiederholt verkünden zu lassen und sich in vorkommenden Fällen genau hiernach zu richten. Offenburg, den 28. September 1838. Großherzogliches Oberamt. Kern. Nro. 18512. (Fahndung und Signalement.) Der Wagnergeselle Karl Heeg von hier, welcher von dem Großh. Polizeiamt Karlsruhe wegen Bettel bestraft und unterm 10. v. M. mit Laufpaß hieher zurückgeschickt worden ist, hat sich bisher nicht gestellt. Da derselbe vermuth« lich arbeitslos und auf dem Bettel herumzieht, so ersuchen wir die Behörden, auf ihn fahnden und im Betretungsfall anher einllefern zu lassen. Offenburg, den 22. September 1838. Großherzogliches Oberamt. Kern. Signalement des Karl Heeg. Alter: 25 Jahre; Große: 5' 5"; Statur: schlank; Gesichtsform: länglicht; Gesichtsfarbe: gut; Haare: dunkelbraun; Stirne: hoch; Augenbraunen: schwarz; Augen: braun; Nase: mittelmäßig; Mund: mittelm.; Bart: schwarz; Kinn: spitzig; Zähne: gut; besondere Kennzeichen: keine. No. 16310. (Ganterkenntniß.) Gegen Taver Faaß, Bäckermeister von Oberkirch, ist Gant erkannt, und Tagfahrt zum Richtigstellungs« und Verzugsverfahren auf Samstag den 20. October d. I., Vormittags 8 Uhr, auf diesseitiger Amtskanzlei festgesetzt, wo alle Diejenigen, welche aus was immer für einem Grunde Ansprüche an die Masse zu machen gedenken, solche, bei Vermeidung des Ausschlusses von der Gant, persönlich oder durch gehörig Bevollmächtigte, schriftlich oder mündlich anzumelden, und zugleich die etwaigen Vorzugs« oder Unterpfandsrechte, welche sie geltend machen wollen, zu bezeichnen haben, und zwar mit gleichzeitiger Vorlegung der Beweis «Urkunden oder Antretung des Beweises mit andern Beweismitteln. Zugleich werden in der Tagfahrt ein Massepfleger und ein Gläubiger-Ausschuß ernannt, Borg« und Nachlaßvergleiche versucht, und sollen in Bezug auf Borgvergleiche und Ernennung des Maffepflegers und Gläubiger «Aus« schuffes die Nichterscheinenden als der Mehrheit der Erschienenen beitretend angesehen werden. Oberkirch, den 11. Sept. 1838. Grvßherzogliches Bezirksamt. Jüngling. Nro. 18626. (Gläubigeraufruf.) Das Pfandbuch der Gemeinde Niederhausen soll in Folge Erlasses des Großherzogl. Hvchpreislichen Justizministeriums vom 23. März d. Z., Nro. 5802, erneuert werden. Alle Diejenigen, welche mit Vorzugs« und Unterpfandsrechten auf Liegenschaften der Gemarkung Niederhausen versehene Forderungen zu machen haben, werden hiermit aufgerufen, daß sie solche nebst Zinsen, unter Vorlage ihrer desfallsigen Urkunden, entweder in Ur« oder beglaubigter Abschrift bei der Renovations-Commission in Niederhausen auf dem Rathhause den 24., 25., 26. und 27. October d. I. um so gewisser gehörig geltend machen sollen, als sonst der etwa schon in dem alten Pfandbuche zu Gunsten des Ausbleibenden vorhandene und nicht gestrichene Eintrag gleichlautend in das neue Pfandbuch übertragen werden würde, und sich jeder Pfandgläubiger die Nachtheile selbst beizumessen habe, welche daraus, daß er sich anzumelden unterließ, für ihn entspringen könnten. Kenzingen, den 17. Sept. 1838. Großherzogliches Bezirksamt. Diez. vdt. Vögele, Renov. Commissär. Nro. 2704. Auf Anstehen der niedergesetzten Commission für die auf den Schlangenmatten und weiter oben angelegte Wässerung wird anmit von Feldpolizeiwegen verfügt, daß Die>enigen, welche dem Wässerungsverband beigetreten sind, und an ihren im Wässerungsbezirk lie« genden^Eütern oder an den daranstoßcnden Wäfferungs« 158 Anstalten irgend Veränderungen vornehmen wollen, zuvor die Erlaubniß der Wässerungs-Commission einzuholen haben, widrigenfalls sie in eine Strafe von einem Reichsthaler verfällt werden, und gewärtigen müssen, wenn die Ver- änderungen auf ihre Kosten wieder in den alten Stand gestellt werden. Offenburg und Elgersweier, am 1. Oktober 1836. Die Bürgermeister-Aemler. K. Burger. Männle. vät. Kornmayer. No. 3734. Das städtische Waldamt nebst Besorgung der städtischen Baumschule ist dem Hrn. Gemeinderath Billet übertragen worden. Ferner erhielt Hr. Gemeinderath Henco zu der Brunnenleitung die Besorgung des städtischen Pflasters. Was andurch zur öffentlichen Kennt- niß gebracht wird. Offenburg, am 4. Oktober 1838. Bürgermeisteramt. K- Burger. vät. Kornmayer. No. 2. Alle Diejenigen, welche wegen der auf den städtischen Schlangenmatten und auf den weiter hinauf liegenden Wiesen angelegten Wasserung irgend eine Angelegenheit künftig Vorbringen wollen, haben sich an den unterzogenen Vorstand der Wässerungs-Commission zu wenden. Offenburg, am 28. September 1838. Die Wässerungs-Commission. K. Burger. c R e t o u r b r i e f t.) Be! diesseitigem Postamte stnd nach. verzeichnet« Briefe retour gekommen, weiche gegen Entrichtung des dar«uf hastenden Portos wieder abgelangt werden können: B a d e r in A l g i e r. B i i l > n g e r in S ä ck i n g e n. Huber in P a r i 8. Grimer in Straßburg. Kuhn in M a r s e i i l e. Offenburg, den ». Oktober iss». Großherzoaliches Postamt. Gaß. Nro. 4270. (Liegenschaftsversteigerung.) Am Montag den 15. dieses, Nachmittags 2 Uhr, werden auf Veranlassung der Erben des verstorbenen Oberlehrers Taver Gerstner von hier, auf dem Platze selbst, zu Eigenthum versteigert: ->) 3 1 /2 Haufen Reben im Heldenrecht, neben AlcyS Meisburger und Matthias Herrmanns Wiktwe, b) 5 Haufen allda, neben Heinrich Hurst's Erben von Rammersweier und Lorenz Busam, nebst dem diesjährigen Weinerwachs; — sodann am Montag den 22. dieses, Nachmittags zwei Uhr, auf der hiesigen Stadtkanzlei: 1) Eine zweistöckigte Behausung mit grofiem gewölbtem Keller, Hof, Scheuer, Stallungen und Gärtchen, auf dem Fischmarkte neben Sebastian Berger und Thierarzt Karl Ritter hier gelegen. 2) 1 Vz Zeuch Acker im Galgenfeld, neben Rath Kapferer und dem Spitalgut. , £ 3) H Zeuch Acker am Kähnerbach, neben dem Weg und Benedikt Basler. 4) Ein Viertel Acker allda, neben Benedikt Basler und Zakob Bühlers Erben. ^ 5) ’4 Zeuch in der Schlößlebühnd, neben Handelsmann Schaible und unbekannt. Zehntfrei. 6) Ein großer Gemüs» und Grasgarten am äußern Stadtgraben an der Landstraße. Hiezu werden die Steigerungsliebhaber anmit eingeladeu. Offenburg, den 1. Oktober 1838. Großherzogliches Amtsrevisorat. Killy. (Abstrichsversteigerung.) Die Erbauung von vier Stellfallen auf dem Wäfferungsbezirk Schlangenmatte und Gifitz i(. soll im Abstrich versteigert werden. Hiezu ist Termin auf Dienstag den 9. d. M., Nachmittags $ Uhr, im Rathssoale dahier anberaumt; wozu die betreffenden Handwerksleute mit dem Anfügen eingeladen werden, daß inzwischen die Kostenüberschläge bei dem Unterzeichneten eingesehen werden können. Offenburg, den 4. Oktober 1838. Wässerung- - Commission. A.A. König. (Pachtversteigerung.) Am Dienstag den 9. d., Nachmittags 2 Uhr, läßt Unterzeichneter in der hiesigen Stadtkanzlei auf einen dreijährigen Pacht wiederholt versteigern: % Zeuch Acker in der Lower, neben Anton Münchenbach und Joseph Herpp. Offenburg, den 4. Oktober 1838. Leopold Meisburger. (Fahrnißversteigerung.) Nächsten Montag den 8. und Dienstag den 9. d. M. werden in der vormaligen Behausung des Oberlehrers Gerstner dahier allerlei Haus- geräthe, als: Commoden, ein Secretaire, Glaskästen, Spiegel, Bettwerk u. s. w., der freiwilligen Versteigerung ausgesetzt, und wird Vormittags der Anfang gemacht Mit Modewaaren, nämlich Seiden - und Gazebändern, Handschuhen, Stauchern, Spitzen, Hauben, Damenhüten rr. Offenburg, den 3. Oktober 1838. * Therese Breig. (Zurücknahme einer Fässerversteigerung.) Die auf den 8. d. ausgeschriebene Versteigerung der Ehinger- schen Fässer kann wegen einigen Hindernissen noch nicht stattsinden, und wird später angekündigt werden. Lahr, den 1. Oktober 1838. Segisser, Tapator. (Aufforderung.) Vor ungefähr 3 Monaten blieb ein Fiertel Gerste im hiesigen Kornhause stehen. Wer Eigenthumsansprüche darauf zu machen hat, wird aufgefordert, sich unter genauem Ausweis dahier zu melden. Offenburg, den 3. Oktober 1838. (Köchin ge such.) In ein Gasthaus wird eine Köchin gesucht, die sogleich eintreten kann. Zn welches? sagt der Herausgeber dieses BlatteS. 159 (Kunst-Anzeige.) Unterzeichneter gibt sich die Ehre, einem hohen Adel und verehrungswürdigen Publikum die ergebenste Anzeige zu machen, daß er seine selbst gefertigte, in der Kunstausstellung zu Karlsruhe gehabte Pan-Orchestrion dahier im Saale des Gasthauses zum Adler aufgestellt har, wo solche nächsten Sonntag von 7. d. von Morgens 9 bis Nachts 11 Uhr gesehen und ihr Spiel gehört werden kann, wozu er alle Kunstfreunde hoflichst einladet. Offenburg, den 4. Oktober 1838. Matthias Tuffner, Spieluhrenmacher aus Triberg. (Freischießen.) Sonntag den 7. und 14. d. M. wird bei Kronenwirth Benz zu Berghaupten ein Freischießen in Zinn, im Werth von 83 st., stattfinden, wozu die Schießliebhaber hoflichst eingeladen werden. Hiebei wird noch bemerkt, daß mit Stutzern u. glgtten Flinten geschossen werden kann. (Anzeige.) Unterzeichneter hält eine Niederlage-von dem so berühmten Kunstmehl, welches, für die feinere Backmerke und Küche, alles bisherige Mehl bei weitem übertrifft; und ist der Centner erster Qualität ä 11 fl. und zweiter Qualität ä 10 fl. zu haben. Auch werden kleinere Quantitäten abgegeben. Offenburg, im Oktober 1838. Z. B. Kuenzer. (Logisvermiethung.) In der Hauptstraße N. 12 sind 2 neu tapezierte heizbare Zimmer und ein Mansard- zimmer nebst Küche u.s. w. zu vermiethen, und können sogleich bezogen werden. (Bierkessel-Verkauf.) Ein Bierkessel von 310 Maas Gehalt ist zu verkaufen, worüber Kupferschmied Tritschler dahier nähere Auskunft gibt. (Logisvermiethung.) Bei Gerbermeister Ignaz Stebel in der Hauptstraße No. 1 ist eine schöne geräumige Wohnung, so wie ein Zimmer für einen ledigen Herrn, sogleich beziehbar, zu vermiethen. (Nachricht.) Den Freunden deS geselligen Vergnügens dürfte es vielleicht nicht unangenehm sein, wenn man sie in Kenntniß setzt, daß von dem löblichen Offenburger Bürgermilitär künftigen Sonntag den 7. d. M. (bei günstiger Witterung) auf dem sogenannten Angel eine zweite Revue mit militärischen Evolutionen abgehalten werden wird. — Mit diesen militärischen Erercitien werden auch noch andere Volksbelustigungen verbunden werden, z. B. das Baumklettern, das Sacklaufen u. a. m. — Schöne Zelten mit geschmackvollen Verzierungen werden da aufgeschlagen sein, und das Ganze, verbunden mit der Unterhaltung der vortrefflichen Bürgermilirärmusik, dürfte Manchem einen sehr vergnügten Nachmittag gewähren. Offenburg, den 4. Oktober 1838. Ein Freund des geselligen Vergnügen- und der Volksbelustigungen. (Anfrage.) Es wünscht Jemand auf dem Lande von einem hiesigen Einwohner die Karlsruher Zeitung und das Frankfurter Journal fürs laufende Quattal zum Mitlesen gegen Zahlung eines Beitrags zu erhalten. Wer zur Abgabe geneigt ist, wolle sich bei dem Ausgeber dieses Blattes melden. Zeitungsberichte. Eins der ältesten christlichen Altertdümer ist die eiserne Krone, die dem Kaiser von Sestreich in Mailand auf's Hauvt gesetzt ward. Die Kaiserin Irene liest einen Nagel deS Kreuzes Cliristi dazu verarbeiten und schickte diese Krone ihrem Sohne Cvnstantin. Sväter schmückte man sie mit Goldreifen und Edelsteinen aus, und so trugen sie Karl der Große, Karl V. und zuletzt Napoleon. Schon wieder ist in Brüssel etwas Seltener zu sehen. Ein Mann hat die Kunst erfunden, auf dem Wasser hin und her ,u gehen, ohne weiter als bis zur Ferse das Wasser zu berühren. Leugne noch Einer, daß die Weiber die größte Geduld haben. Bei der Krönung der Königin von England waren die Leute, welche den Damen den Kopf zurecht setzten, so selten, daß sie mit io Guineen für den K»»s bezahlt wurden, und schon am Abend vorher ihre Arbeit anstngen. Biele Dame« mußten daher die ganze Nacht durch steif und unbeweglich bis Morgens halb » Uhr sitzen, und durften sich nicht einmal laut ärgern, wenn der Mann lachte. Das wachsame Polizeiauge zu Berlin hat In einer Branntweinschenke daselbst eine junge Diebsgesellschaft entdeckt und ein, gezogen, die aus lauter Buben von tr bis t« Jahren besteht. Sie saßen eben und zechten, ali die Polizeisoldaten eintraten. Ein Kelleraewölbe war mit ihrem Raub angefüüt und wnrde wieder ausgeleer» und dem Polizeiamt überliefert. Der Hehler wird noch übler wegkommen, als die Stehler. Um beguem zu trinken, bedient man sich ietzt in Paris eines Dampfwagens, der aus silbernen Schienen auf »er Tafel hin- und herlänft. Die Locomotive ist mit Weingeist geheizt; der Wagen mit Weinflaschen angefüllt. Wer trinken will, hält das Fähnchen an, da» darauf steht, der Wagen steht still und man schenkt sich ein. Zur Zeit der Revolution stand eine Guillotine auf dem Tisch, deren Messer man auf einen Puvvenkvvf fallen liest, au» dem der Wein hervorsvrudelte. Jetzt bringt die Mode es mit sich, daß es ein Damvfwaqen sein must. Anekdoten. Als ein Freund einem RathSherrn vorstesite, daß er eine sehr schlechte Schrift hätte, sagte dieser: Das verstehst du nicht, ich muß so schreibe«, damit man was zu rathen hat. Ein Geschäftsmann, der sehr bittere Erfahrungen gemacht hatte, und allen Umgang mit Menschen mied, sagte: „Seitdem mich alle meine Freunde betrogen haben, meid« ich sie, und vertraue nur einem Freund, und zwar einem Juden; denn da weist iw doch im Borau», daß ich mich in Acht nehmen muß." Josia« Post von Waldeck, genannt der Gütige, hatte ein reiches Mühlwerk, welches ihm viel Nutzen gkwährte. Einst liest er von einem Mühlsteine ein Stückchen in einen kostbaren goldenen Ring fassen, de» er dann stets am Finger trug. Als mehrere Edelleute darüber spotteten, antwortete er ihnen : „ Dieser Stein kostet mich ungefähr zwei Gulden, trägt mir dagegen taufend ein; Eure Edelsteine, die euch oft tausend kosten, nutzen euch nicht »inen Gulden dafür. Wer thut wohl »on «ns am klügsten 7 — Die Spöttler schwiegen beschämt. 160 Ein freundlicher Scsicier fragte «inen Gutsbesitzer/ auf dessen Gut ein Kommando Husaren verlegt war/ die unter dem Befehle dieses Ofsiciers standen : „ Wie betragen sich denn meine Leute?" „ 0/ sie sind wie die Kinder/ antwortete der Gutsbesitzer , „ Alles/ was sie sehen/ wollen sie auch haben." Ein Geisterbeschwörer wurde Vor Gericht gezogen/ und gefragt/ ob er Geister citire. ^0 ja/ sagte er, sie Fommen aber nicht." Unser alter Sberförster hat dieses Jahr bei dem großen Raupen- fraß / als alle ihm angezeigten Mittel nichts fruchteten , in der Verzweiflung seine Flinte blind geladen/ und alle Nauvennester herunter geschossen / und dieses Mittel zeigte sich vollkommen xrobak; denn die Raupennester waren durch Len Schuß total verbrannt. Seine Obstgärten sind die schönsten in der Umgegend. Er hat mir aufgekrage» , die Operation zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. _ An einem Liebhaber - Concert ließ sich eine schön« jung« Frau hören / und erhielt lauten einstimmigen Beifall. Aber sie hatte doch unter den Zuhörern einen jungen Mann bemerkt, der einige Zeichen von Mißfallen zu geben schien. Die Eigenliebe wird, wie bekannt, durch Lob weniger gerührt, als durch Tadel gereizt. Die schöne Frau näherte sich dem jungen Manne, den sie für einen strengen Tadler hielt, und fragte ihn, was ihm denn in ihrem Spiele und Gesänge mißfallen habe? Der junge Mann verbeugte sich und sagte kein Wort. Sie ward dringender, der Mann verbeugte sich noch tiefer und ging fort. »Ein sehr unhöflicher, sehr ungezogener Mensch!" — sprach sie — » mir nicht einmal zu antworten! " — », Der arme Mensch ist ja taubstumm "" — sagte einer von ihren Nachbarn. » Nun “ — hob sie wieder an — » so hätte er es mir wenig- stens sagen sollen ! “ Ein Taglöhncr hatte es zweimal versucht, sich zu ersaufen, und zweimal war er von einem Kameraden daran verhindert worden, der sn's Wasser gesprungen war, um ihn zu erretten. Dieser Unglückliche, der entschlossen war, sich das Leben zu nehmen, benutzte den Augenblick, wo er glaubte, der Andere sehe ihn nicht, und hing sich an das Scheuertbor. Sein Kamerad sah es mit an, ließ ihn aber machen. Al» einige Stunden nachher die Frau vom Pachthpfe vor diesem Thor« vorbei ging, fragte st« ihn, warum er seinen Kameraden vor seinen Augen habe um- kommen lassen? »Potz Blitz", erwiderte er, »zweimal nacheinander zog ich ihn aus dem Wasser, und da er von oben bis unten durchnäßt war, habe ich geglaubt, er hänge sich bloß dahin, um sich zu trocknen." » Wollten Sie nicht gefälligst meinen schweren Pelz in Ihre Kutsch« nehmen?" — O recht gern! aber wenn ich in der Residenz anlange, wie wollen Sie den Pelz wieder sinden? — »Sehr leicht, ich bleibe drin." Nachrichten aus Krähwinkel. Bei Kurzwaarenhändler Tifl und Com», ist so eben frisch ««gekommen: Zahnpulver zum Putzen der Weisheitszähne. Haarwichse für Schnauzbärte, um solche «infädeln und an den Ohren sestnähen zu können. Pechpflaster, um den Handwerksgesellen das Sitzleder zu schmieren, nebst Gebrauchsanweisung; besonders den Meistern anzuempfehlcn, deren Gesellen neben dem blauen Montag auch noch einen blaue» Dienstag machen. Ist übrigens auch gut zu Vertreibung de» blauen Montags allein. Elegante Etuis zur Aufbewahrung erhaltener Nasen. Brillen, womit junge Leute sich das Ansehen eines Gelehrten geben können. An dem letzten Viehmarkte mußte ein Gastwirth wegen der vielen zu beherbergenden Fremden vier Betten in ein Zimmer aufschlagen lassen. Die B-tten waren statt der Bettdecken mit Plumeaur und Couvertes versehen, unter den vier Fremden, welchen das Zimmer als Nachtguartier angewiesen wurde, befand sich auch ein wohlgenährter Viehhändler, der wahrscheinlich noch unter keiner Couvert« geschlafen hatte, denn als die Fremden schon am Einschlafen waren, hörten sie denselben noch fluchend mit seiner Bettdecke sprechen, die nirgends zureichen wollte. Am andern Morgen zeigte «S sich, daß er sich aufdie Couverte gelegt und mit dem Plumeau »ugedeckt hatte, das dann überall zu kurz war. Dreisyibige Charade. Erste und zweite Snlbe. Lieblich und sanft entgleitet es freundlichen Höhen, Senkt sich in§ Thal zum emsigen Wälzen der Räder Und begrüßet ein Völkchen, stets lustig und heiter; Zieht dann ruhig vorbei, sich dem Vater, dem Großen, zu einen. D r i t t e S » l b e. Bin ich lechzend und müd, umfängt es mich labend mit Frische; Dankend erhebt sich der Geist zum Labsal gewährenden Gotte; Freudig stimmet er bei den Bewohnern der herrlichen Wölbung, Um' zu preisen die herrliche Gabe der schattigen Kühle. D a S G a »z e. > Gehst »u dorthin, wo Kohlsaat pranget in duftiger Blüthe; Wo der kräftigen Jungen und Mädchen sich Herzen und spielen, Ü! so höre die Stimme des warnend dich liebenden Freundes: Fordere nicht Pflaumen dort, sonst wird etwas Anderes blau Dir. B. Kirchenbuchs-Auszüge. Getraut: Den 4. Sct. Herr Christoph Albert Hauer, Großherzogl. Postofsicial in Heidelberg, mit Fräulein Maria Salomea Franziska Bauhöfer dahier. Den 4. — Johann Klug von Epsenbach, Grenzausseher in Marlen, mit Martina Joggerst von nrloffen. Gestorben: Den r«. Septbr. Karolina Philixpina, io Monate alt, Tochter des Herrn Philipp Jakob Kugel, Großherzoglichen Ober- rechnungsrathes in Karlsruhe. Den g». — Jakob Schwendemann, «» Jahre alt, Burger und Tagwerker dahier. Den >. Octbr. Juliana Weinkauf, geb. Wurth, 7» Jahre alt, Witkwe von Michael Weinkauf, weil. Bürger u. Schlosser- mcister dahier. Fruch Da- Malter Waizen . . . Kernen . . . . Halbwaizen . . Korn . . . . Gerste . . . . Welschkorn. . . Haber .... t-Mittelpreis e vom 29 Sept. vom 2. Sct. st. kr. st. kr. 12 42 13 — 10 30 10 30 9 24 9 24 7 — 7 — 4 36 4 36 Marktgrricht. Mit einer Beilage. Redaction, Druck und Verlag vou I. Otteni.