Erscheint »t-nStag, Donnerstag nnd TamStag. Abonnements-Preis mit den Gratis - Beilagen Illustriertes Sonntagsblatt -und dem - Amtlich. Verkündigungsblatt durch die Post bezogen «onatkich 37 Pfennig am Postschalter abgeholt, durch den Briefträger und unsere Agenten fr« ins Haus gebracht monatlich 4b Pfg. andbote »rnstzemer Weitung General-Anzeiger für das Elsenz- und Schwarzbachtal Aeltefie und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Laupt-Znsertions-Organ. Anzeigen: Die einspaltige Garmondzeil« oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen 40 Pfg. (Petitzeile) Schluß d. Anzeigenannahme für größere Anzeigen TagS zuvor 4 Uhr nachm. Redaktionsschluß 8 Uhr vormittags. Bei schriftlichen Anfragen ist Freimarke für Antwort - beizufügen. - Telephon Nr. 1L M 30. Donnerstag, den U. März M5. 76. Jahrgang. V" Unsere und die feindlichen Truppen. Als zu Beginn dieses Krieges trotz aller Begeisterung die Meisten wohl fürchtet-n, daß die große Menge unserer Feinde und ihre gewallige numerische Ueberlegenheit kaum auf einen Sieg hoffen lasse, haben wir darauf hingewiesen, daß die numerische Ueberlegenheit, die Zahl im Kriege nicht immer ausschlaggebend wäre, und daß die Geschichte lehrte, daß die größten Heere bisweilen von ganz kleinen besiegt worden wären. Gewiß, meist siegen ja die großen Bataillone, wenn aber der Geist der kleinen Heere weit bester ist als der großen, dann kann man nicht geringe Hoffnung auf den endlichen Sieg auch des kleineren Heeres setzen. Seit dem Eingreifen der Türkei und der Erklärung des Heiligen Krieges sind wir übrigens auch numerisch den Feinden nicht mehr so weit unterlegen wie zu Beginn des Krieges. Aber wir wollen von der Zahl ganz absehen und nur an den Geist der Truppen bei uns und bei unseren Feinden denken. Aller Welt bekannt ist, daß die russischen Truppen mit Vergnügen sich gefangen nehmen lassen. Wie könnten wir auch sonst so viele russische Gefangene haben selbst nach so vielen großen Siegen? Die russischen Truppen mögen im Stumpfsinn stch gut schlagen, wenn ste den Befehl dazu erhalten und wenn die Offiziere mit geladenen Revolvern hinter ihnen stehen und Jeden niederschießen, der nicht dem erteilten Befehl gemäß handelt. Wenn es aber irgend geht, lassen ste sich zu Hunderten, zu Tausenden leicht gefangen nehmen. Es wird, natürlich wohl nur als charakteristcrender Scherz erzählt, daß ein von einem ruffischen Soldaten gefangener Deutscher diesem eine, zwei und schließlich drei Mark anbietet, wenn er ihn wieder frei ließe. Der Russe weigert stch und bietet seinem gefangenen deutschen Soldaten vier Mark, wenn er ihn gefangen nehme. Daß viele russische Soldaten stch selbst anschießen, d. h. verstümmeln, um vom Militärdienst frei zu kommen, ist bekannt, und die russische Heeresleitung hat sich bereits genötigt gesehen, dagegen einzu- schrriten. Daß ruffische Truppen in Weiberkleidern kämpfen, um den Feind zu täuschen, ist das neueste und nicht gerade ehrenvollste, das amtlich über russische Truppen gemeldet wird. Gegen Selbstverstümmelungen und Sich gefangen nehmen lassen^hat auch die französische Heeresleitung einschreiten zu müssen geglaubt. Es sind französische Heeresbefehle in unsere Hand gefallen, die uns dieses verraten haben. Em solcher vom U8. November schon beginnt: „Borkomm- niffe haben kürzlich gezeigt, daß die Soldaten verschiedener Truppenteile ihre Pflicht, ihre Gefangennahme auf jede Werse zu vermeiden, vergessen haben." „Der Oberbefehlshaber bestimmt, daß jeder gefangen genommene nicht verwundete Soldat bei seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft einem Uniersuchungsverfahren unterworfen wird. I: nach Der Wächter. Humoristischer Roman von Archibald Eyre. Frei bearbeitet von Helmut tan Mor. 8 tNarbdruck verboten.) „jpum! — Sprachen — sa, Sprachen find sehr nützlich, ja, ja! — Kunstgeschichte! — Literaturgeschichte! — Ja, das ist sehr gut, alles sehr gut! — Haben Sie auch sonst ein bißchen Geschichte getrieben, Herr Chap--* „Marschall," sagte die Gräfin. „Jawohl — Herr Marschall?" „Ganz oberflächlich — wohl. Ich kann mich keiner besonderen Kenntnisse darin rühmen." „Hum! — Ganz oberflächlich, ja! — Wollen Sie mir gestatten, einige Fragen an Sie zu richten, Herr Chap-" „Marschall," sagte die Gräfin. Ich glaube, die Verschiedenheit meines Familiennamens mit dem meines Vaters wollte ihm nicht in beit Kopf. „Jawohl — Herr Marschall. Gestalten Sie mir, ein wenig den Examinator zu spielen!" Ich hatte durchaus reine Lust dazu, mußte aber natürlich meine Zustimmung geben. „Sie erfreuen mich! — Wann wurde das Königreich Hannover aufgehoben?" „1866!" „Ganz recht, ganz recht! — Wissen Sie auch, wo das ehemalige Fürstentum Erlheim-Osterhausen lag?" Nein, ich wußte es absolut nicht. Aber ich wollte mir vor meiner Wohltäterin keine Blöße geben. Da ich einen gewissen Zusammenhang zwischen der ersten und der zweiten Frage vermutete, antwortete ich frischweg: „Beim Königreich Hannover!" „Ganz recht — ganz recht! — An seiner Grenzei" Er schien sehr erfreut. „So wissen Sie natürlich auch, durch wen es aufgehoben wurde?" Jetzt wurde die Sache unbehaglich. Durch die Preußen 1866 geschah es gewiß nicht; blieb eigentlich nur Napoleon — hniitt konnte andererseits das Fürstentum Nicki dem Ergebnis der Untersuchung soll gegen ihn disziplinarisch oder kriegsgerichtlich vorgegangen werden. Um bereits im voraus die Beweismittel stcherzustellen, haben die Korps und die sonstlgen Dienststellen jedesmal, wenn Soldaten in die Hände der Feinde fallen, einen Tatbericht einzureichen." Von englischen Truppen hat man noch nichts derartiges gehört. Indessen die Künste, die die Regierung und die Werbeoffiziere anwenden müssen, um Leute zu bewegen, stch anwerben zn lassen, spricht nicht für einen sonderlich großen militärischen Geist. Wenn mehr Desertionen bei den englischen Truppen in Europa wie in Afrika und Asten Vorkommen sollten und sicher auch werden, dann wird dies auf die erlangte Kenntnis von der Erklärung des Heiligen Krieges zurückzuführen sein. Was nun unsere Truppen anbetrifft, so wollen wir uns selbst nicht loben. Aber der 3?JtXitärfrtttfer des Londoner „Standard", der besonders deutschfeindlich ist, sagt von den Leistungen der deutschen Truppen auf dem östlichen Kciegschauplatz: „Wer mit der Verringerung des Gefechtswerls beim deutschen Nachschub gerechnet hat, hat sich übel verrechnet, denn Hingebung und Militärtugenden sind unvermindert." Im Uebrigen sprechen die Taten und dir Fortschritte unserer Heere für den bei ihnen herrschenden Geist. Unsere Feinde rechnen kaum noch darauf, uns im Felde besiegen zu können, ste hoffen nur noch auf den Bundesgenossen „Hunger". Wenn nur dieser nicht, was Bundesgenossen in Kriegen des öfteren schon getan haben, stck gegen sie wendet. In England wie in Frankreich steht es nicht zum besten um die,Volkskrnährung, sehr viel schlimmer als bei uns, wo durch weise Vorsichtsmaßregeln einer wirklichen Röt vorgebeugt wird. Deutsches Reich. bo. Karlsruhe, 9. März. Der Kaiser hat sämtlichen aus der Gefangenschaft in Frankreich zurückgekehrten deutschen Austauschgefangenen das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe verliehen. de. Karlsruhe, 9. März. Das stellvertretende Generalkommando des XIV. Armeekorps hat folgende Verfügung erlassen: Den Lieferungen für die Heeresverwaltung und für die Marineverwaltung verpflichteten kaufmännischen und industriellen Unternehmungen wird verboten, solche Lieferungen hinter Lieferungen an andere Personen oder Stellen in der Weise zurückzustrllrn, daß dadurch die von der Heeresverwaltung und von der Ma- rineverwältung bestimmteir Lieferungstermine versäumt werden. Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot sind in Anwendung des § 9 unter d des Gesetz-s über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 mit G sängnisstrasi bis zu einem Jahre strafbar. Dieses Verbot tritt mit der Verkündung in Kraft. de. Karlsruhe, 8. März. Der Staatsanzeiger veröffentlicht die Festsetzung der Umlagen zum Ersatz der im Jahre 1914 vorschüßlich bezahlten Entschädigungen für Seuchen Verluste. Darnach ist von den Pferde- besitzern im Jahre 1915 für jedes Pferd der ^gesetzliche Mindestbetrag von 10 Pfg. und von Rmdviehbefltzern für jedes Stück eine Umlage von 26 Pfg. zu entrichten. Der Zusammentritt des Reichstages.j Berlin, 9. März. Ueber die gestrige Besprich u n g im Reichskanzlerpalais ist dem von Wolff Gemeldeten nicht viel hinzuzufügen. D'e Besprechung war sehr ausgiebig und dauerte bis in den späten Abend hinein. Alles Weitere entzieht stch der Wiedergabe. Im übrigen bleibt es dabei, daß, wie wir bereits am Montag mit- teiltcn, der Kanzler morgen nicht sprechen wird. Es wird nur Herr Helfferich morgen seinen Eiat einbringen. Aber es ist nicht ausgeschlossen, daß stch daran dann noch eine kleine Debatte knüpft. Die Fraktionen halten heute Sitzung ab. Gute Nachrichten über Italien. Berlin, 9. März. Die Kundgebung des italienischen Ministerpräsidenten Salandra bei den F ierlichknten in Gaeta werden, so kriegerisch sie aussehen mögen, in Berlin nicht als Zeichen einer Verschlimmerung der Lage angesehen werden. Die Voss. Ztg. meldet hmte abend in offiziöser Aufmachung: Verschiedene dreibundfreundliche Stimmen in Italien dringen auf eine Klärung und Befestigung des Verhältnisses Italiens zu Oesterreich-Ungarn. In der Tat hat stch eine neue Verständigung der beiden verbündeten Staaten angesichts der Verhältniffe, die stch durch den Weltkrieg ergeben haben, als unerläßlich herausgestelll. Nachdem nunmehr die Schwierigkeiten, die der Einleitung der Erörterungen entgeqenstanden, überwunden stnd, ist» wie wir aus zuverlässigen Mitteilungen erfahren, die Verständigung im besten Gange. — Gestern abend fand in Rom ein Ministerrat statt, dem eine Unterredung zwischen Salandra Sonnino und dem Kriegsminister Zupelli vorausgegangen war. Sanlandra und Sonnino gaben Erläuterungen zur Lgge und es wird versichert, der Ministerrat sei zu wichtigen Entschließungen gekommen. Nach einer „Stampa"-Mcldung hatten vor dem gestrigen Ministerrat Salandra, Sonnino und Kriegsminister Zupelli eine wichtige Unterredung. Heute ging in Rom das Gerücht, Bülow habe mit Sonnino lange konferiert. Die von Deutschland und Oesterreich mit Italien geführten Unterhandlungen sollen sehr vorgeschritten sein. Sicher ist der entscheidende Augenblick in der Haltung Italiens jetzt gekommen. zugleich nnt dem Königreich Hannover existiert yaven. trotzdem entschied ich mich für die Antwort: „Napoleon I.!" „Und in welchem JMhre?" Na, nun kam's schon nicht mehr darauf an. Ich erwiderte also frischweg: „1806!" „Und da wollen Sie mir sagen. Sie besäßen keine Geschichtskenntnisse? — Wenn Sie über das Geschick des Fürstentums Erlheim-Oslerhansen unterrichtet sind, müssen Sie sehr gut in der Geschichte Bescheid wissen! — Sie haben noch keinen Plan für Ihre Zukunft gefaßt, Herr Chap-" „Marschall," sagte die Gräfin. „Ganz recht — Herr Marschall?" „Keinen," erwiderte statt meiner die Gräfin. Er sah mich an und wiegte den Kops. „Wäre es nicht seltsam, Gräfin, wenn ich ihm eine Beschäftigung geben könnte?" „Es wäre nur willkommen," lautete die Antwort. „Und doch, ich weiß nicht —" „Was wissen Sie nicht?" Da war wieder die alte, herrische Ungeduld. Mich aber erschreckte sie nicht mehr. „Vielleicht habe ich zu rasch gesprochen," erwiderte der Graf. „Ich suche einen Privat-Sekretär — jemanden, dem ich bedingungslos — ja, ganz bedingungslos vertrauen kann. Es handelt sich um eine sehr delikate Affäre sehr diskret, sehr delikat. Ich brauche einen Helfer, eine« ringen, gebildeten jungen Mann. Herr Chap — — Ihr Enkel erfüllt möglicherweise meine Boranssetzungen nicht —" „Was! Er erfüllt alles." „Ganz recht, natürlich. Er ist klug, gebildet, sicherlich vertrauenswürdig — wirklich, ohne alle Frage. Aber der junge Mann, den ich suche, mutz auch Eigenschaften besitze», über deren Vorhandensein bei Herrn Chap-" „Tn lieber Gott — Marschall I — Er heißt Marschall, lieber Graf!" „Ganz recht! — Ueber deren Vorhandensein bei Herrn Marickall ick kein Urteil babe. ?lck alaube. Sie und ick gnädige Gräfin, müssen die Angelegenheit miteinander ve- sprechen." Ich nahm das für einen Wink, sie allein zu lassen, und ich befolgte ihn recht gern. Der Graf schüttelte mir zum Abschied wohlwollend die Hand, die Gräfin aber küßte mich wieder auf die Stirn. „Adieu, mein lieber Junge," sagte sie, und ich war bewegt von der Rührung in ihrer Stimme. Ich stand schon an der Tür, als sie noch einmal sprach. „Ich gehe morgen nach Marialinden, Oswald! — Und ich möchte dich dort ein paar Tage zum Besuch haben." Ich dankte ihr. „Ich schreibe dir noch davon." Sie sah den Grafen an. „Vielleicht — hoffentlich gibt uns der Herr Graf ebenfalls die Ehre, und wenn er kommt —" „— wird er möglicherweise einen Sekretär finden," vollendete Darnsdorf lächelnd. 4. Wenige Tage darauf empfing ich ein Schreiben der Gräfin, das mich für den kommenden Donnerstag nach Schloß Marialinden rief und mir sogar die Abfahrtszeit des Zuges angab, den ich benutzen sollte. Es war ein sehr freundliches Billett, mit „Mein bester Junge" beginnend. Ich verbrachte eine schlaflose Nacht, ehe ich mich daranmachen konnte, die Antwort zu schreiben. Nicht, daß ich über den Inhalt meines Brieses im Ungewiffen war; ich nahm die Einladung natürlich freudigen Herzerls an; wie ich aber beginnen sollte, fiel mir durchaus nicht ein. Der Anfang „Gnädige Gräfin" oder „Gnädige Frau Gräfin" oder „Gnädigste Frau Gräfin" erschien mir bei weitern zu kalt für eine Frau, die mich in ihren Armen gehalten und geküßt hatte. Zu schreiben „Liebe Großmutter" dünkte mich denn doch zu kühn, obwohl mein Herz mich zu dieser An- rede drängte. „Eure Gnaden!" oder „Liebe Frau Gräfin!" oder „Meine liebe Frau Gräfin!" wollte mir alles nicht passend erscheinen. Sie war- meine Großmutter — eine liebende und geliebte Großmutter — und ich wagte sie nicht so anzureoen; sie war eine Gräfin, und ich mochte sie nickt ro nennen, weil es zu kalt klana nnd meinen \ Nr.' 30. Telephon Nr. 11. Der Landbote « Sinsheimer Zeitung. Donnerstag 11. März 1915 Ausland. Schweden. Erregung über das englische Vorgehen. Stockholm, 8. März. Die hiesigen Z-itungen sind über diernitgeteille englische Neutralitätsverletzung gegen den schwedischen Dampf.r, auf den sich englische Soldaten drängten, um auf deutsche Unterseeboote zu schießen, sehr erregt. Im schwedischen auswärtigen Amte sind sofort Vorkehrungen getroff n worden, um genaue Details über den Vorgang zu erhalten. England. Englands Sehnsucht nach deutschen Waren. 1 London, 7. März. Das Handelsamt erteilte in vier Fällen die Erlaubnis, Waren, die in England nicht zu haben find, aus Deutschland einzuführen. Italien. Am Wendepunkt. Mailand, 8. März. Die „Stampa" veröffentlicht eine Aufsehen erregende Nachricht, daß Ministcrp-ästdent Salandika am 4. März Giolitti in seiner Privatwohnung ausgesucht und mit ihm eine zweistündige Besprechung über die nationale Lage gehabt habe. Die Besprechung sei von geschichtlicher Bedeutung, weil sie die unmittelbar bevorstehende Entscheidung Italiens betraf und die Einigkeit der beiden italienischen Staatsmänner in diesem Augenblick bewiesen habe. — Nach der Auffassung in Wien wird immer deutlicher, daß wir an einem Wendepunkt des Weltkrieges angelangt seien. In welcher Richtung Italiens Schritte gehen werden, wisse man noch nicht, indessen brauche man nicht unmittelbar anzunehmen, daß sie zugunsten des Dreiverbands gehen werden. Die nächsten Tage dürften nach der Auffassung in Wien erweisen, daß sich ein Umschwung zugunsten der Zentralmächte vollziehen werve. Darauf deute auch der neuerliche Artikel der „Perseveranza" hin, der den ersten erheblich abschwäche. Spanien. Bürgerkrieg in Portugal? Madrid, 7. März. Die in Lamigo versammelten portugikfischen Demokraten hätten General Conea Barreto zum Präsidenten der nordportugiesischen Republik proklamiert. Türkei. Was plant Bulgarien? Koastautiuopel, 8. März. Nach hier eingetroffenen Nachrichten hat die griechische Regierung von Bulgarien Aufklärung über den Zweck der Truppenzusammen- ziehung an der griechischen Grenze verlangt. Bulgarien hat mit dem Hinweis auf die geplanten Frühjahrsmanöoer geantwortet. England und Frankreich drohen Griechenland. Konstautknopel, 9. März. Die aus Athen eintrrffen- den Meldungen besagen, daß England von Griechenland kategorisch ein politisches Glaubensbekenntnis verlangt habe, mit der Drohung, die Herrschaft Griechenlands im Aegäischen Meer zu unterbinden, falls es dreibund- freundlich bleiben (!) sollte. Frankreich schloß sich der Drohung an, die durch die bereits gemeldete Besetzung der Insel Lemvos durch die Engländer einen entsprechenden Nachdruck ei fahren hat. Der Kconrat soll in seiner Mehrheit die gestellten Forderungen abgelehnt haben. Bulgarien. Ausdehnung der bulgarischen Mobilisation. Sofia, 9. März. Angesicht der ungewissen Haltung Griechenlands hat die bulgariiche Regierung die Mobilisation weiter ausgedehnt. 100000 Mann sollen bei Tirnowo konzentriert sein. Ebenso sind Truppen an der serbischen Grenze zusammengezogen worden. Man glaubt in Sofia, daß ein Eingreifen Griechenlands den allgemeinen Brand auf dem Balkan entfesseln würde. Auch Rumänien könnte, so meint man, nicht länger zögern. Für diesen Fall sollen sogar bereits ganz bestimmte Abmachungen zwischen Rumänien und Bulgarien getroffen sein. Die griechische Armee hätte aller Wahrscheinlichkeit nach im E nstfalle nicht nur mir den Tmki-n, sondern auch mit den Rumänen und Bulgaren zu kämpfen. Griechenland. Die Stimmung in Griechenland. Athen, 9. März. Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: Es unterliegt nach meiner Ar stchr keinem Zweifel, daß die Entscheidung des Königs und des General- stabschefs zugunsten des Friedens von dem größten Teil der Athener Bevölkerung dankbar und freudig begrüßt wird. Die Plkffe legt hierfür einen unzwei dkuiigen Beweis ab. Selbst die früher der Regierung nahestehenden Zeitungen, die gestern den Krieg als unvermeidlich ansahen und ihn wünschten, b handeln die durch den Rücktritt Veniselos neugeschaffene Lage nüchtern und objektiv. In einem Teil der Presse herrscht die Meinung vor, daß die Regierung nicht genügend Garantien besaß, um das Land in einen zweifelhaften Krieg zu stürzen. Eine Verschwörung gegen König Konstantin. Athen, 8. März. Aus diplomatischer Quelle verlautet über den Kronrat das Folgende: Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Anstrengungen, Griechenland in den Krieg hineinzuziehen, in letzter Zstt von den Ententemächten verstärkt wurden, und der Dreiverband dürfte in der Wahl seiner Mittel nicht eben wählerisch gewesen sein. Die Verschwörung gegen das Leben des Königs, welche man in Athen aufgedeckt hat und die zur Verhaftung der Beteiligten führte, wird stch unschwer in Zusammenhang mit den von den Ententemächten beliebten terrorrstrschen Mitteln bringen losten, wiewohl der Anschlag anscheinend als eine Aufbäumung des Volkswillens gegenüber der ernsten Absicht des Königs, an der Neutralität frstzuhalten, dargestellt wird. Aussicht auf Erhaltung der Neutralität Griechenlands. Athen, 8. März. In unterrichteten Preisen glaubt man, d^ß es dem neuen Ministerpräsidenten Zaimis gelingen wird, ein Ministerium zustande zu bringen. Nach der bisherigen Betätigung Zaimis' darf man annehmen, daß er versuchen wird, in der auswärtigen Politik neutral zu bleiben. Dockst ist ohne Frage den Interessen Griechenlands am besten gedient und man kann nur hoffen, daß es dem König und Zaismis gelingen wird, diese Neutralitätspolitik, die unzweifelhaft beide wünschen, durchzuhaltcn. Im Moment scheint es, daß eine solche Haltung in Griechenland an Boden gewinnt. Eine Gewähr für die Zukunft ist damit natürlich nicht gegeben. Athen, 7. März. Die Blätter melden, daß König Georg von Griechenland auf den Rat des Generaistabs, der das Eingreifen Bulgariens befürchtet. Len Vorschlag Veniselos abgelehnt habe und daß dies der Grund zur Demission des Ministerpräsidenten sei. Die Ententemächte sollen die Entsendung eines griechischen Landungskorps von 100 000 Mann ve>langt haben. Der energische Entschluß des Königs darf als Beweis dafür angenommen werden, daß die Pr> ssemetdung über die Zustimmung des Generolsstabs zu dem Vorhaben Veniielos falsch ist und daß der Generalstab stch im Gegenteil vollständig den Ansichten des Königs angeschlossm hat. Persien. Die Stimmung in Persien. Teheran, 6. März. In Persien greife eine sehr ernste, bedrohliche Bewegung gegen die Ententemächte um sich, die von amtlicher Seite unterstützt würde. Es werde die Entfernung aller europäischen und besonders der belgischen Finanzkontrolleure verlangt, sowie die Einführung der allgemeinen W h pst cht und die Aufnahme großer Anleihen für Reformzw-cke gefordert. Salar ed Dauleh sei mit bedeutenden K ästen in Persien eingerückt. Rußland. Die Spannung zwischen China und Japan. WTB. Moskau, 8. März. „Rutzkoje Slowo" meidet aus Mukoen: In Verbindung mit der gespannten Srimmung gegen die Japaner hat der chinesische Gouverneur Tschanstlian seine Reise in die Provinz zum Zwecke von Truppendestchtigungen aufgeschoben. Die militärischen Kommissare der Provinzen Girien und Hallundstan wurden zur Beratung noch Mulden berufen. Nach A> sicht des japanischen Ofstziosus stehen die Maß' ahmen in Verbindung mit dem unabwendbaren Eintritt einer Krise in den ja- panisch-chimfijchen Verhandlungen. Amerika. Der amerikanische Einspruch gegen den Flaggenmiß brauch. Ncwyork, 8. März. Das Staatsdepartement hat eine offizielle Mitteilung an die Pr ff- herausgegeben, wonach es seinen Einspruch gegen den Mißbrauch der amerikanischen Handelsflagge durch die kriegführenden Staaten in vollem Umfange aufrechterhalte. Der Protest der Vereinigten Staaten gegen die Forderungen Japans. Newyork, 8. März. Das Staatsdepartement hat den angekündlgten Einspruch gegen die Beschränkung der Integrität Chinas am Freitag in Tokio überreichen lassen. Der DMerkrieg. Die Aämpfe im Westen. Die Lage in Flandern. Kerlin, 8. März. Ein recht nüchternes Urteil über die Lage des belgischen Heeres fällt der Kriegskorrespondent der holländischen Zeitung „Tyd". Er bezeichnet die Lagt det Verbündeten ats durchaus nicht rosig. Die lang erwartet« Durchbrechung der deutschen Linien sei nicht geglückt. Die Deutschen besäßen noch immer einen Teil ypn Lombartzyde. In der Umgebung von Ipern seien die Deutscken sehr gut befestigt. Dort lägen aus einer Front von 18 Kilometer Länge nicht weniger als 200 000 Deutsche den Franzosen und Engländern gegenüber. Das französische Volk kriegsmüde. Zürich, 8. März. Nach einer Korrespondenz der Neuen Züricher Zeitung ist der Krieg in Südfrankreich unpopulär. Man spricht davon wie von einem fernen Ereignis, von einer unangenehmen Sache, die in weiter Ferne vor stch geht, und möglichst bald beseitigt werden sollte, weil sie das tägk che Leben stört. Auch anderswo sind Symptome der Unzufriedenheit im Volk. Sie gehen teilweise zurück aus Mtznffe einzelner Jndu- Emppnonngen so wenrg angemepen war — was war ai]o zu tun? Die Lösimg kam der des gordischen Knotens gleich. Ich schrieb gar nicht, sondern machte mich einfach am bestimmten Tage und zur bestimmten Stunde ans den Weg. Und da stand ich denn glücklich vor der zweiten Schwierigkeit. Die Gräfin hatte mich ihren Enkel genannt aber doch deutlich gezeigt, daß sie nicht gesonnen sei, mich in Ueberfluß zu setzen, sondern mich mein eigenes Brot verdienen lasten wollte. Wenn ich nun ein Billett erster Klasse nahm, und sie war am Bahnhof — würde sie die Verschwendung nicht für mich jungen Mann unbillig finden? — Nahm ich aber ein Billett dritter Klasse, und nicht sie, sondern nur ein Diener war am Bahnhof — würde er nicht eine Fahrt dritter Klasse des Enkels feiner Herrschaft unwürdig finden? — Welch ein Salomo aber steckte doch in mir! — Ich fuhr zwar erster Klasse — aber ich hatte doch nur ein Billeit für die dritte in der Tasche! Und das einzig Fatale dieser Lösung war die Angst, mit der ich des 'Erscheinens des Kontrolleurs harrte, der glücklicherweise ein Einsehen hatte und sich dadurch bei mir beliebt machte, daß er nicht kam. „Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew'ger Bund zu flechten" — Das erste, was ich bei dem Einlaufen des Zuges in die Station wahrnahm, war die Kolossalfigur der Gräfin. Als der Zug hielt, sprang ein Diener zu mir ins Coupe, um sich meines Gepäcks zu bemächtigen. Meine Großmutter schüttelte mir die Hand, und gemeinsam wollten wir die Perronsperre passieren. Der Beamte in hellblau, der mir meine Karte abnahm, kann kein Bayer gewesen sein. Es ist schlechterdings unmöglich. Kein Schimmer von Gemütlichkeit durchleuchtete ihn — nein, ein in harter Pflicht gestähltes Herz pochte in seiner Brust. Erst blick e, er die Karte, dann mich, dann abermals die >larte an, und endlich rang es sich ans seinem Munde los: „Kamen Sie nicht in der ersten Klasse, Herr?" Ich tat ungeheuer erstaunt, obwohl ich fühlte, wie meine Wanaen brannten. „Jawohl.* erwiderte ich. „Dies hier, mein Herr, 'ist eine Fahrkarte dritter Klaffe.' Wäre ich Dante — weh dir dann» hellblauer Cerberus ! Aber ich bin leider Dante nicht. Und als schlichter deutscher Bürger mußte ich's geschehen lassen, daß der Wüterich mich in das Bureau des Stationsvorstehers schleppte, wo ich nach einigen energischen Reden meiner Großmutter und Hinterlegung des Betrages, der den Unterschied zwischen dem Fahrpreis erster und dritter Klasse ausmachte, freigelassen wurde. Von meiner Zerknirschung und Scham vermag ich keine Beschreibung zu machen. Glücklicherweise hielt die Gräfin die ganze Sache nur für einen Irrtum von mir und verlor kein Wort mehr darüber. Ich bedankte mich natülich dafür, daß sie selbst sich an den Bahnhof bemüht habe. Während wir in dem eleganten Wagen auf einem herrlichen Wege zwischen Mauern von grünen Tannen dahinfuhren, gab sie zur Antwort: „Ich mußte dich sehen, . bevor wir ins Schloß kamen. Ich war besorgt, du könntest etwas Ungeschicktes sagen." Ich fand diese Besorgnis durchaus überflüssig. Etwas Aehnliches sagte ich auch. Sie sah mich von der Seite an. „Bielleicht miß- verstehst du mich. Ich wollte dich nur warnen, deines Verhältnisses zu unserer Familie Erwähnung zu tun." „Ich hätte das wohl auch ohne diese Warnung kaum getan," sagte ich ein wenig bitter. Sie streichelte mir die Hand. „Lieber Im ge, wir wollen das nicht besprechen. Wirklich, wir wollen jene Dinge ein für allemal zwischen uns als »ich: vorba-.d.n anseben, als erledigt wenigstens. Ich habe dem Gra,e>. den Zusammenhang erklären müssen —" „Ich kann die Notwendigkeit nicht recht einsehen.' „Ueberlaß das, bitte, meinem Ermessen. Du magst mir glauben, daß ich mir zu deinem Besten handle. Du bist dem Grasen fremd, uub dein Name hatte ihn irritiert. Wn üherieitat. daß er dick wirklick in seinem Sekretär machen will — du könntest es nicht veper ireqen — unv deshalb mußte ich ihn aufklären. Ja, er wird dich in seinen Dienst nehmen — vorausgesetzt, daß du nicht Zeichen von Unfähigkeit gibst." „Ich werde mich bemühen, meine geistigen Defekte so lange zu verbergen, bis der Vertrag unterzeichnet ist." Sie überhörte die Ironie. „Ich sage dir, es wird dein Glück sein, wenn er dich nimmt. Er ist freigebig, reich, angesehen, kann dir in tausend und einer Hinsicht nützlich werden." „Wer ist der Graf?" fragte ich. Sie schwieg eine kleine Weile, und ich glaubte schön, sie habe mich gar nicht gehört. Endlich aber erwiderte sie: „Er ist viel, und er ist nichts. Es steckt mehr in ihm, als man glauben mag, und weniger, als er sich den Anschein geben will. Er ist der Hofmeister des Fürsten Erlheim - Osterhansen, Sprossen eines ehemalig regierenden Geschlechts. Ich will deine erstaunlichen Geschichtskenntnisse noch etwas verbessern. Das Fürstentum Erlheim- Osterhausen zählte einige Zehntausende Einwohner, hatte eine Armee von hundertundzwanzig Mann, dazu vierzig Offiziere, Minister eine Art von Kanzler und einen zweiten Fürsten in Person eines nicht unbernhmten Kammerdieners, der durch seinen Witz den wahren Sonverän vollkommen beherrschte. Auch soll er cs verstanden haben, eine unübertreffliche Pfirsichbowle zu brauen. Das Geschlecht derer von Erlheiui-Oste.hansen bekam erst einige Bedeutung, als sie durch den großen Franzoien abgesetzt würden: von da ab b.mühten sie sich, wenigstens durch den Schein wahrer Größe hervorzustechen, bekamen einigen Einfluß an einem norddeutschen Hds und führten mittels ihres großen BetmögenS beinahe das Leben souveräner Fürsten weiter. Darnsdors ist also, wie gesagt, der Hofmeister des gegenwärtigen Hauptes der Familie. Als ich jung und töricht war, war er jung und weise, und wir wurden so etwas wie Freunde. Jetzt ist er ein alter Mann und ich eine alte Ftan, mid man wird unsete Freundschaft bald mit uns zu Grabe traaen" Rr. BO. Telephon s Jtr. 11. ftrtfUer, welche stch mcht scheuen, die gegen wärtige Lage zu Lohnherabsetzungrn in unvernünftigem Umfange aüSzmwtzen. Ein weiterer Grund sind die zweifellos übertriebenen Gerüchte von riesigen Gewinnen gewisser Zwischenhändler. Der deutsche Tagesbericht. WTB. Gr. Hauptquartier, 8. März. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Flieger bewarfen Ostende nttf Bomben, die drei Belgier löteten. Die Kämpfe in der Champagne dauern fort. Bei Souain wurde der Feind gestern Abend im Hand' zemenge zurückgeschlagen, dann setzte der Kampf wieder ein. In der Geaend nordöstlich von Lemesnil mißglückte «in feindlicher Nachtangrff gänzlich. Unsere nächtlichen Ge ge nangriffe waren erfolgreich. 140 Franzosen wurden gefangen genommen. Im Priesterwald, nordwestlich Pont a Mouffon wiesen wir französische Vorstöße ab. In den Vogesen sind die Kämpfe in der Gegend westlich von Münster und nördlich Sennheim noch nicht abgeschlossen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Südlich von Augustow scheiterten ruffische Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind. Bei Lomza sind weitere Kämpfe im Gange. Westlich von Prasnyß und östlich Plozk machten die Ruffen mehrere vergebliche Angriffe. Bei Rawa schlugen unsere Truppen zwei russische Nachtangriffe ab. Russische Vorstöße aus der Gegend Nowo Miasto hatten keine Erfolge. Die Zahl der gefangenen Russen betrug dort 1500 Mann. Schöne Erfolge. 5550 Aussen gefangen. WTB. Großes Hauptquartier, 9. März, vormittags (amtlich). Westlicher Kriegsschauplatz: Auf der Loretto-Höhc entrissen unsere Truppen den Franzosen 2 weitere Gräben, machten 6 Offiziere und 850 Man» zu Gefangenen, eroberten 2 Maschinengewehre und 2 kleine Geschütze. In der Champagne sind die Kämpfe bei Souain noch nicht zum Abschluß gekommen. Nordöstlich von Le Mesnil wurde der züin Vordringen bereite Gegner dürch Unser Feuer gehindert. Zn den Vogesen erschwerten Nebel und Schnee die Gefechtstätigkeit. Die Kämpfe westlich von Münster und nördlich Sennheim dauern noch an. Oestlicher Kriegsschauplatz: Oestlich und südlich Augustow scheiterten russische Angriffe mit schweren Verlusten für den Feind. Nordwestlich von Lomza ließ der Feind nach einem mißlungenen Angriff 800 Gefangene in unfern Händen. Nordwestlich «on Ostrolenka entwickelte stch ein Kampf, der noch nicht zum Abschluß kam. Zn dem für uns günstig verlaufenen Gefecht nordwestlich und westlich Przasnysz machten wir 3000 Gefangene. Russische Angriffe nördlich Rawa und nordwestlich Nowamiasto hatten keinen Erfolg. 1750 Vuflen wurden hier gefangen genommen. Wieder rin ruglischer Dampfer versenkt. Genf, 9. März. Der englische Dampfer Surrey mit -rund 4000 Tonnen Gehalt, der eine Ladung Gefrierfleisch von Liverpool nach Dünkirchen transportierte, ist g es unke n. Nach der einen Meldung soll er auf eine Mine aufgefahren sein, nach einer anderen Meldung wurde er durch ein deutsches U Boot versenkt. Die Aämpfe im Osten. Der rnglisch-ruffische Dardanelleu-Eegeusatz. Vom, 8. März. In der Unterredung, die der Kriegskorrespondent der Gazette del Popolo mit dem ersten Attache der russischen Gesandtschaft in Rom, von Poggenpohl, hatte, erklärte dieser u. a., wie der Nationalzeitung über Zürich gemeldet wird, folgendes: Ein klares Abkommen zwischen den Verbündeten bezüglich Konstantinopels besteht nicht. Binnen kurzem wird ein russisches Heer bei Midia landen und den Engländern und Franzosen in ihrem Marsch auf Konstantinopel zuvorkommen. (!) Der Angriff auf die Dardanellen. Loustantiuopkl, 8. März. Die neuen Nachrichten lauten befriedigend. Das Bombardement der Meerenge ist r b e n s o e r f o i g l o s zu Ungunsten des Feindes verlaufen, wir die verschiedenen Landungsversuche der letzten Tage. Durch seinen lauen Angriff auf die Forts und sein schnelles Zurück weichen nach unseren Treffern hat der Feind gezeigt, wie sehr er großen Opfern abgeneigt ist. Auf den kaukasischen Grenzen ist den Russen ein Weiterkommen unmöglich. Hier herrscht die fiste Hoffnung, daß Italien, falls die Feinde das Bombardement der Dardanellen fort* fitzen, für uns Stellung nehmen wird (?). Die ruffischen Wünsche inbezug auf die Balkanstaaten sied bescheiden geworden. Sie beschränken sich nur noch auf das Festhalten ihrer Neutralität. Die serbischen Untaten in Mazedonien dauern fort. Die Preffe mrßt, zunächst nur die Turiner „Stampa", der langen Unterredung zwischen Salandra und G.olitti, welche am vorigen Donnerstag ßaitgefanden haben soll, großs Bedeutung- bei. Man steht schon an der Tatsache dieser Unterredung, daß eine vollkommene Einigung in erster Linie über internationale Fragen erzielt worden fei. Der Landbote * Linsheimer Zeitung. Auch die gestrige Beschießung der Dardanellen erfolglos. Dardanellen, 6. März. Das Ergebnis des gestrigen Bombardements der Dardanellenforls war tatsächlich völlig negativ. Die tü'kilchrn Batterien sind völlig intakt geblieben, auch Verluste an Mannschaften waren nicht zu beklagen. Offenbar ist den englischen Sch'ffen auch gestern nicht gelungen, die Stellung der türkischen Batterien fcst- zustellen, ihre Granaten setzten lediglich die ihrer Beschäf tigung nachgehrnde Z vilbevölkerung in Schrecken, verletzten aber niemand. Die Stimmung ist nach wie vor zuversichtlich. Es wird immer klarer, daß dir Engländer kein großes Risiko eingehen und aus den Unternehmungen möglichst ungeschwächt hervorgehen wollen. Die ergebnislose Beschießung. Lonstantiuopcl, 8. März. Von bk stunterrichteter Seite geht uns üver die Lage bei den Dardanellen folgende Mitteilung zu: Die Meldungen der englischen Admiralität, die von bedeutenden Erfolgen der Verbündeten bei dem Angr>ff auf die Dardanellen za berichten w sfin, sind augenscheinlich nur darauf berechnet, einen moralischen Druck auf die Balkanstaaten auszuüden und bei den Neutralen Stimmung zu machen. Tatsächlich hat aber noch kein Fahrzeug der Verbündeten bisher das Minenfeld erreicht und keine einzige Mine ist weggrräumt worden. Di« Landungsversuche am 6. d. Mts. bei Kum Kaleh und Sed- ul-Bahr sind völlig gescheitert. An beiden Stellen wurden die Angreifer unter großen Verlusten durch Bajonettangriffe' der türkischen Truppen zurückgeworfen und ins Meer getrieben. Die inneren Dardanellenforts haben noch gar nicht in den Kampf eingegriffen. Die Stimmung in Konstantinopel ist ruhig und zuversichtlich. Das polnische und wirtschaftliche Leben geht seinen gewohnten Gang. — Dieser letztere Satz ist bestimmt, gewisse englische Lügenmeldungen zu widerlegen, die über Konstantinopel verbreitet werden. Die tapferen Türken. Petersburg, 8. März. Der Berichterstatter des Rjetsch meldet: In den kaukasischen Kämpfen zeigen die Türken eine überraschende Hartnäckigkeit und todesverachtenden Muk. Die Türken werden auch unterstützt durch die topographische Lage, die ste vorzüglich ausnützten. Besonders vorzüglich schlagen stch die Konst an- tinopeler Truppen. Der Berichterstatter erzählt von einer kleinen Abteilung türkischer Truppen, die vor einer erdrückenden Uebermacht russischer Truppen weder flüchteten, noch sich ergaben, sondern bis zum letzten Augenblick im Bajoncttkampf standhielt und schließlich niedergemacht wurde, obwohl ste Gelegenheit gehabt hatte, die Stellung zu räumen. Die ergebnislose Beschießung. Konstantiuopel, 9. März. Der Korrespondent des „Tanin" in den Dardanellen schreibt, daß das über 14 Tage währende Bombardement an den türkischen Batterien keinen Schaden verursacht habe. Die letzte große Anstrengung des Dreiverbandes. Kopenhagen, 9. März. Aus London wird telegraphiert: Niemand in England zweifelt daran, daß das Dardanellen- Bombardement die Einleitung einer großen Offensive der Verbündeten auf allen Fronten ist. Dieser Generalangriff loird auf allen Fronten gleichzeitig einsetzrn. In Großbritannien sind in allen Lazaretten die außerordentlichsten Vorbereitungen getroffen worden. (Das wird auch sehr nötig sein. Me Red.) Aus Siadt und Land. * Sinsheim, 8. März. Zur Beihilfe bei den Frühjahrsfeldatbeittn gewährt die Generaldirektion der badischen Staalseisenbahnen während der Dauer des Krieges den schulpflichtigen Kindern von Beamten Und Bediensteten freie Fahrt auf der Eisenbahn. Voraussetzung ist, daß die Kmdrr körperlich zu den Feldarbeiten in Betracht kommen können. Sinsheim, 8. März. Eine dringende Mahnung. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, werden die an deutsche Kriegsgefangene in Feindesland gerichteten Briefe und Pakete vor der Ablieferung durch den feindlichen Zensor genau untersucht. Täglich etwa zweitausend S'ück allein an Paketen. Es empfiehlt stch, die bri'flichen Mitteilungen möglichst kurz zu fasten, um eine schnelle Abfertigung zu ermöglichen. Auch ist bekannt geworden, daß längere Briefe, die dem feindlichen Zensor zu viel Zeit kosten, einfach vernichtet werden, also gar nicht an die Adresse gelangen. Deshalb nochmals im Jnteresi- unserer gefangenen Landsleute: kurz schreiben, am besten Postkarten. * Sinsheim, 10. März. Der Winter scheint vor seinem Abschied nochmals den ausgiebigsten Gebrauch von feinem H-rrscherrechl machen zu wollen. Am Montag fiel fast den ganzen Tag der Scbnee in dichten Flocken, konnte stch aber auf dem nassen Erdboden nicht halten. Seit zwei Tagen herrscht scharfe? Frostwetter; heute früh zeigte das Thermometer 8 Grad unter Null. A Daisbach, 9. März. Bei großer Beteiligung wurde heule die irdische Hülle eines ehrenwerten ältesten Bürgers hiesiger Gemeinde zur letzten Ruhe gebettet. Es ist der am 23. November 1819 geborene ehrmal. Bürgermeister Friedrich Glasbrenner, welcher die Gnade hatte bei geistiger und körperlicher Frische ein so hohes Alter erreichen zu dürfen. Erstellte feine Kraft und fein Wissen in den Menst der Gemeinde als Waisenrat von 1851 bis 1913, als Bürgermeister von 1877 bis 1895; auch gehörte er eine Dienstperiode dem Bezirksrat an. Von nnsrrm Grotzherzog wurde ihm 1904 die Silberne Donnerstag. 11. März 1915 Verdienstmedaille und im J ihre 1908 die fü-ifz gjährige Ehejubiläums-Medaille gnädigst verliehen. Me Gemeinde und seine Familie haben dem Verstorbenen vieles zu danken. Er ruhe in Frieden! Gl Reichartshausea, 8. März. Dem Artillerie Unteroffizier Karl Engelhard von hier ward? für seine auf dem östlichen Kriegsschauplatz bewiesene Tapferkeit das Eiserne Kreuz verliehen. de. Mannheim, 8. März. Am Samstag abends wurde ein 10 Jahre alter Volksschüler von hier in dem Bedücfnishäuschen des Seckenheimer Bahnhofs von Unbekannten am Halse g?pack>, zu Boden geworfen, ihm ein Taschentuch in den Mund gesteckt und 15 Mark, bestehend in drei 5 Markschemen, geraubt. de. Karlsruhe, 8. März. Das Rote Kreuz hat neuerdings wieder Gefangenen in fran;5stschm Lrgern Liebesgaben zukommen lassen. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Erlaß des Zmtralkomites zur Kenntnis gegeben, das Publikum möge bei der Zusendung von Liebesgaben nach Frankreich im eigensten J rtereffe dringend davon ab- sehen, Zeitungen oder Zeitschriften berzugeben. Die franzöfische Kontrolle verbiete aufs strengste die Zusendung von Druckerz-ugniffen jeder Art. Es sek sogar vvrgekommen, daß in diesen Paketen Lektüre mit aggressivem Inhalt gefunden wurde. Bei öfterem Vorkommen sei ein Verbot der Zasendung von Liebesgaben an Gefangene in Frankreich zu erwarten. bc. Freiburg, 7. März. Eine Gastwirteversammlung nahm am Freitag eine Entschließung an, in der gegen die Erhöhung der Bierp reise Einspruch erhoben und die Beseitigung des Flaschenbierhandels außerhalb der Wirtschaften verlangt wird. + Bermatingen, 8. März. Im Himmelsbachschen Sägewerk wurde einem Säger der Brustkorb eingedrückt; der Mann war sofort tot. Jeder Deutsche hat die Pflicht, mit Brot und Mehl sparsam umzugehe«. verschiedenes. (Uhland und der Engländer.) Eine zeitgemäße Erinnerung, di« der 83 jährige Dichter Georg« Morin ift München zu erzählrnfwußie, gibt der „Türmer" in feinem Märzheft wieder: „Es tbar an einem schölten Sommertäg des Jahres 1848, als ich, ein erst siebzehnjähriger Jüngling, eine Dampfschiffahrt auf dem Rhein von Mannheim bis Gtümersheim mitmachte. Es waren nur wenige Fahrgäste an Bord, als das Dampfschiff, vor Speyer angelängt, zwei weitere, einen älteren Herrn und eine Dame, zur Weiterfahrt aufnahm. Als diese stch auf dem Verdeck ergingen, hörte ich, wie der Kapitän zu einem Fahrgast sagte: „Wissen Sie, wer der eben angekommene Herr ist? Der ist kein Geringerer, als der berühmte D chter Ludwig Uhland und seine Frau!" Die Kunde hiervon ging wie ein Lauffeuer über das Verdeck; alles sachte in die Nähe des hochinteressanten Fremden za tommen, selbstverständlich ich auch, hatten mich doch seine herrlichen Dichtungen stets hoch begeistert. Uhlanv, der eS wohl merken mochte, daß dieses Herändrängen der Leute nur seiner Person galt, hatte eben seiner Gattin etwas ins Ohr geflüstert, als ein heftiger Donnerschlag plötzlich alles darauf aufmerksam machte, daß, was man in der allgemeinen Uhland-Betrachtung gar nicht merkte, die Sonne stch verfinstert hatte und ein Gewitter üver uns stand.' Schon in der nächsten Minute fing es tüchtig zu regnen an. Die meisten tilien in die unteren Schiffsräume; Uhland nebst Gemahlin, ein Heidelberger Student und meine Wenigkeit in die kleine Kajüte des Kapitäns. Darin befand sich als einziger Sitzplatz ein Diwan, auf den stch unverschämterweise ein himmellanger junger Engländer, der uns vorausgeeilt war, der Länge nach auf dem Rücken liegend, hingestreckt hatte und eifrig in einem Buche zu lesen schien. Da hörte ich, wie Uhland zu seiner Frau sagte: „Wo England Platz genommen, da hat Deutschland immer das Nachsehen!" Da ging ich, ärgerlich über solche englische Rücksichtslosigkeit, die selbst einer Dame den S tzplatz mit den Füßen verlegte, an die Seite des Engländers. Dieser, der wie ich aus einem kurz vorher gehörten G-spräche mit einem anderen Fahrgast wohl wußte, gut Deutsch verstand, gab jedoch keine Antwort und rührte stch nicht; nun fragten der Heidelberger Student und ich ihn in kategorischer Weise, ob er Platz machen wolle. Als uns darauf, ein barsches Nein emgegentö.ite, wechselte ich mit dem Heidelberger einen verständnisinnigen Blick; der Student packte den englischen Grobian unter den Armen, ich ihn gleichzeitig bei den Füßen und plumps, lag er auf dem Boden, von dem et rasch aufsprang und mit einem Fluch zur Tür hinauseikte. Nun trat ich mit entblößtem Haupt auf U,land zu und sprach : „Sehen Sie, mlin Herr, wenn Deutschland ordentlich auftritt, muß auch England Platz machen!" Marktberichte. EinSheim. 8. März. Dem heutigen Schweinemarkt waren 25 Milchschweme zugefnhrt. Die Preise waren 20—35 Mk. JLF ärä ; oFaz ^Ege Schweinemarkt war be- fahren mrr s84 Mlch- und 24 Läusirschweiaea. Erster« wurden zu 16 — 35 Mk., letztere zu 38—85 M . das Paar verkauft« Brette«, 6. März. Der letzt« Schweinemarkt war mit 3 Läufer- und 70 Milchschweinen befahren. Für das Paar der ersteren wurde 00-00 Mk., 5er letzteren 21-38 Mk. bezahlt. ) i Nr. BO. Telephon Nr. 11. Der Landbote * SinSheimer Zeitung. Donnerstag. 11. März 1915. Amtliche Bekanntmachungen. Ter Ausschuß des Kommunalverbands Sinsheim hat die Anordnungen vom 16. Februar 1915, wie folgt, geändert und bezw. ergänzt: I. A. Mit Wirkung vom 15. März 1915 wird der Höchstpreis 1. für Roggenbrot festgesetzt auf: 32 Pfennig für den Laib zu 750 Gramm 64 Pfennig für den Laib zu 1500 Gramm 2. für Brotmehl auf 25 Pfennig für Weitzmehl auf 28 Pfennig. Ferner wurde bestimmt, daß der Gewichtsverlust des Schwarzbrotes 24 Stunden nach dem Äusbacken nicht mehr betragen darf, als 30 Gramm für den Laib von 750 Gramm “ 50 Gramm für den Laib von 1500 Gramm. B. Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht^daß nur"nöch"2 Sorten Roggenbrot gebacken und verkauft werden dürfen, eine mit 10"/° und eine mrt mehr als lG“/o Kartoffelzusatz. Dieses Brot muß auch mit einer Ziffer bezeichnet werden, die dem Monatstag seiner Herstellung entspricht. Es darf erst 24 Stunden nach Beendigung des Backens aus den Geschäftsräumen abgegeben werden. Als Weizenbrot dürfen nur noch Wosserweck und Zwieback, und zwar höchstens 1 mal täglich nachmittags gebacken werden. Das Gewicht des Doppelwasserwecks muß mindestens 75 Gramm betragen. Sein Preis ist auf 6 Pfennige festgesetzt. Die Herstellung aller anderen Backwaren insbesondere von Milchbrot, Tafelbrötchen, Salzweck, Hörnchen, Gipfel, Salzstangen, Faß- nachtsküchlein, überhaupt alle Arten von Küchlein sowie von Laugenbretzeln und Blätterteig ist verboten und strafbar. Einback darf nur zur Zwiebackbereitung herzestellt, jedoch nicht als Einback verkauft werden. HI- • Die Arbeits- und Backzeit in den Bäckereien und Konditoreien wird auf die Zeit von morgens 6 Uhr bis abends 6 Uhr festgesetzt. III. Das Austragen von Backwaren und Mehl seitens der Bäcker, Konditoren, Brot- und Mehlhändler ist verboten. IV. In sämtlichen Gast- und Schankwirtschaften darf Brot (Schwarzbrot und Weißbrot) nur noch auf besonderes Verlangen eines Gastes abgegeben werden. Jedes Stück ist mit 5 Pfg. besonders zu bezahlen. V. 1. Die Abgabe von Brot und Mehl darf nur gegen Brot- und Mehlmarken erfolgen, die vom Bürgermeisteramt des Wohnorts ausgegeben werden. Diese Marken befinden sich in einem besonderen Hefte, welches auf den Namen des Bezugsberechtigten mit einer Giltigkeitsdauer von 4 Wochen ausgestellt wird. Grundsätzlich soll jedes Mitglied einer Haushaltung ein besonderes Heft erhalten, das aber in der Regel auf den Namen des Haushaltungsvorstandes lauten soll. Nicht bezugsberechtigt find alle in den Jahren 1914 und 1915 geborenen Kinder. 2. Landwirte, welche von der Berechtigung der Selbstversorgung gemäß 8 4, Abs. 4 a der Bundesratsverordnung vom 25. Januar 1915 Gebrauch machen, erhalten Brot- und Mehlhefte erst von dem Zeitpunkt ab, an dem ihre Vorräte an Mehl und Getreide aufgebraucht sind. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sie alsdann nicht mehr die den Selbstversorgern auf den Kopf zustehende Menge von 9 kg Brotgetreide oder 7200 g Mehl monatlich wie bisher zu beanspruchen haben, sondern von da ab zum Brot- und Mehlbezug nur wie die übrige Bevölkerung (Nicht-Landwirte) zuzulassen sind. Sonstigen Besitzern von Vorräten an Brotgetreide und Mehl find diese Vorräte bei der Zuweisung von Brot- und Mehlheften entsprechend anzurechnen. 3. Bei Abgabe von Brot und Mehl hat der Verkäufer die entsprechenden Abschnitte des Heftes (z. B. für einen Laib Brot von 750 g zehn Abschnitte) persönlich abzutrennen, sämtliche Abschnitte sorgfältig aufzubewahren und sie jeweils sofort nach Ablauf einer Woche dem Bürgermeisteramt in einem mit seinem Namen versehenen Umschlag abzuliefern. Die Marken haben nur Giltigkeit, solange fie in dem Heft enthalten sind. Durch Abtrennen verlieren sie ihre Giltigkeit. Es muß also immer bei Entnahme von Brot und Mehl das ganze Heft mitgebracht werden, damit der Verkäufer — und nur dieser ist dazu berechtigt — die entsprechenden Marken abtrennen kann. Für verlorene Hefte «nd abgetrennte Marken kan« kein Ersatz geleistet werbe«. 4. Jede Aenderung im Bestand einer Haushaltung — besonders durch Wegzug oder Tod — ist sofort unter Rückgabe des Heftes auf dem Bürgermeisteramt besonders anzuzeigen. 5. Es ist sparsamste Einteilung der Marken auf die Giltigkeitsdauer eines Heftes geboten, da der vorzeitige Verbrauch der Marken für die Restzeit einen entsprechenden Brot- und Mehlmangel in der Familie zur Folge hat, gegen den keine Abhilfe geschaffen werden kann. Jedes Heft enthält 4 Blätter. Jedes Blatt des Heftes stellt das Betreffnis für eine Woche, jede Zeile dieses Blattes (mit 4 Abschnitten, also wagrecht gerechnet) dasjenige für einen Tag dar. (200 g Mehl oder 300 g Brot oder 4 Doppelwasserweck oder 16 Zwieback). Die Abschnitte gelte» nicht als Bezahlnng. 6. Neue Brot« und Mehlhefte werden nach Ablauf der Giltigkeitsdauer der alten Hefte — also alle 4 Wochen — und nur gegen Rückgabe der alten Hefte ausgestellt. 7. Jedermann hat die vaterländische Pflicht, möglichst wenig Abschnitte zu verbrauchen. Die unverbrauchten kommen dann der Allgemeinheit zugute. Jeder möge sich in seinen Ansprüchen hinsichtlich des Brot- und Mehl- verbrauchs beschränken und haushälterisch mit der ihm zugewiesenen Menge umgehen. Nur dann werden die in unserem Vaterlande vorhandenen Vorräte an Getreide und Mehl ausreichen. 8. Jeder Verstoß gegen diese Vorschriften zieht große Nachteile und schwere Strafen nach sich. VI. Soweit nichts anderes bestimmt ist, treten die Anordnungen sofort mit der Verkündung in Kraft. Der Zeitpunkt, in dem die Brothefte eingeführt werden, wird in den einzelnen Gemeinden besonders bekannt gegeben werden. Sinsheim, 8. März 1915. Der Borsttzende: Bauer. Als Sachverständiger zur Kontrolle der Mühlen und Bäckereien auf Einhaltung der Vorschriften über die Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl wurde heute Kunstmühlenbesitzer Heinrich Schmitt von Sinsheim und Kunstmühlenbesitzer Heinrich Schutzmann von Eschelbrorm verpflichtet. Sinsheim, den 6. März 1915. Grotzh. Bezirksamt. Monatliche Durchschnittspreise von Hafer, Roggenstroh und Heu. Auf Grund des § 11 Satz 2 des Kriegsleisinngsgesetzes vom 13. Juni 1873 (RGBl. S. 129 u. f.) in Verbindung mit der Vollzugsoerordnung vom 1. April 1876 (RGBl. S. 137 u. f.)in der für das Großherzogtum derzeit geltenden Fassung, gelten für Rauhfutter (Fourage), das durch Ankauf beschafft werden mußte, die folgenden Vergütungssätze: Für den Monat Februar Maßgebender Hauptmarktort Hafer | Roggenstroh Heu (100 Kilogramm in Mark) Mannheim 27,50 6,75 9,50 Auf nächsten Freitag frisch gewässerte Stockfische i Hugo Seufert. 32 Wochen trächtig, zu verkaufen. Friedrich Grittmauu, Land- rtir,, Reihen. Eicheln frisckgelesene kauft und zahlt Mk. 4.80 per Zentner Samuel Weil, SteiuSfurt. Kartoffeln Speise und Saat waggonweise in größeren Posten marktgemäß an Behörden, Vereine etc. abzugeben gegen Cassa. Anfragen mit Quantumsangabe unter Nr. 191 an die Geschäftsstelle, ds. Bl. Wssctie mit- Henkels Bleich-Soda. iieferi ’ 8 Hauitrnnk ist der beste a. natürlichste Yolkstrunk überall eingeführt. Einfachste Bereitung. Paket für 100 Ltr.nnrM.4.— Bessere Sorte 5.— franko Nachnahme mit Anweisung. Zucker auf Wonach rum billig. Preise. Zell-HarmersbacherHanstnmkstoff-Fabrik Willi. Siefeii Zell a. H. (Baden.) Patentimtl Oeschfitzt* Mark« Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß diese Preise nur für die Fntterankäufe der Gemeinden gelten. Sinsheim, 8. März 1915. Grotzh. Bezirksamt. 2 Amm Hit Ache sofort oder später zu vermieten. Muthstraße 426. £ Lebendfrische und g • geräucherte » Seefische 8 • • treffen vor aussichtlich g • Donnerstag ein • j Wilh. Scheeder. 5 •■••••••••••••••••••SS Danksagung*. Die Angehörigen des zur ewigen Euhe eingegangenen Friedrich Glasbrenner Altbürgermeister danken hiermit herzlich für die bezeugte Teilnahme und die so zahlreiche Leichenbegleitung von hier und auswärts. Daisbach, 9. März 1915. Die trauernden Hinterbliebenen. n Unsere Firma ist Zeichnungstelle für 0 Deutsche Kriegs- 5‘ 0 Anleihe zu 981 ohne Berechnung jeglicher Provision. Schluß der Zeichnung 19. März 1915. Sinsheim, 1. März 1915. Gebrüder Ziegler. A. Kaufmann Sinsheim a. &. klseiiz. Gärtnerei «nd Samenhandlung empfiehlt fich für den Bezug von WV zuverlässigen Gemüse- und Blnmensame« Dickrübe«- «nd Grassame« Bohne«, Steckzwiebeln, Rafiabaft, Baumwachs, Blnmen- düuger «sw. Wimpfen. Lremchch-Verkmif. Montag, den IS März, vormittags S'/s Uhr, kommen, im Forstwald, Distrikt Kohlhütte mit Borgfrist bis 1. Oktober- l. I. zur Vetsteigerung: ZSSgo« 227 Rm. buche Scheiter 40 „ eiche „ 14 „ buche und eiche Knüppel % 2 hdrt. „ Reisig. Zusammenkunft in Helmhof. Wimpfen, den 6. März 1915. Großh. Bürgermeisterei Wimpfen. Bornhäuster. Farren-Bersteigerrmg. Die G'weinde Zuzeuhausen versteigert am Donnerstag, den II. März lf. Js. nachmittags 4 Uhr im Hof des Farren- pächters einen fetten, zur Zucht untauglich gewordenen Rinderfarren, wozu Liebhaber eingelad.n werden. Zuzrnhaufen, den 8. März 1915. Bürgermeisteramt: Li chtn er. Kirsch. Liede JMer bitte wasche mich nur mit Steckeopferd-Buttermilch-Seife fie ist die beste Kinderfeste, da äußerst mild und wohltuend für die empfindlichste Haut. St. 30 Pf. bei: I. Neuß Wtw.; WUh. Geiß. Farren-Berfteigerung. Die Gemeinde Weiler versteigert im Farrenhof am Montag, den IS. März ISIS, nachmittags I Uhr einen fetten Rinder» farren. Weiler, den 9. März 1915. Gemeiuderat: A. Flach, Brgstm. Spengler. ^ICttbrtefC empfleh3t qottlieb Lecder'rcde Luekörnckerhk Schriftleitung: H. Becker; Druck und Verlag Gottlieb Becker'sche Buchdruckeret in Sinsheim. .[■■■■ r - I ■-.—■ .- -.r--‘"_— _;- » . " < . —wwm