Erscheint 9Hc«Stft0, Donnerstag und Samstag. Abonnements-Preis mit den Gratis - Beilagen Illustrierter Sonntagsblatt - und dem - Hm s sich . Kerkündignngrblatt durch die Post bezogen «»natlich 37 Pfennig mn Postschalter abgeholt, g«ch den Briefträger und unsere Agenten tat ins Haus gebracht monatlich 45 Pfg. er Landbote Ginsheimer General-Anzeiger für das Vertung Elsenz- und Schwarzbachtal Aettefie und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Laupt-Znsertions-Organ. «»»eigen: Die einspaltige Garmondzeil« oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen 40 Pfg. (Petitzrlle) Schluß d. Anzeigenannahme für größere Anzeige« Tag- zuvor 4 Uhr nach«. RedaktionSschlnß 8 Uhr vormittag-. Bei schriftlichen Anfrage» ist Freimarke für Antwort - beizufügen. - Telephon Ar. 1L M 70 . | | v" Die amerikanische Lusitania-Note. Die amerikanische Lusitania-Note ist nunmehr bekannt. Sie bietet eine höchst angenehme Ueberraschung. Da ist nichts von einem Ultimatum, nichts von einem scharfen Ton. Ja man kann sich kaum erklären, was den amerikanischen Staatssekretär Brr,an an dieser Note veranlaßt haben kann, zurückzutreten und so zu tun, als wollte er die Der. Staaten vor einem Kriege bewahren. Ob die Vermutung, daß er, um zum dritten mal seine Präsident- schaftskandidatur vorzubereiten, den Moment für günstig hält, sich die Stimmen der Deutschamerikaner, Iren, Juden zu sichern, zutrifft, wiffen wir nicht, ist uns augenblicklich auch gleichgültig. Genug, die amerikanische Lusitania-Note entspricht nicht im geringsten den tendenziösen Meldungen des Lügenbureaus Reuter und stimmt ganz und gar nicht mit dem Verhalten und den Erklärungen Bryans. Der Ton der Note ist ruhig, ja freundschaftlich. Von Deutschland wird nicht in schroffem Tone verlangt, daß es den Unterseebootkrieg aufgebe, die amerikanische Regierung will im Gegenteil eine Verständigung zwischen Deutschland und England anbahnen. Deutschland hat schon früher erklärt, wenn England den Aushungerungsplan aufgebe und den neutralen Handel ungeschoren läßt, dann sei es bereit, den U-Bootkrieg zu modifizieren. Wenn Deutschland auch jetzt noch bei diesem Zugeständnis bleibt, dann beweist es ein außerordentliches Entgegenkommen, denn wir haben ja den englischen Aushungerungsplan nicht mehr zu fürchten. Was insbesondere den Fall der Lusttania an betrifft, so behauptet die Note, daß die deutsche Regierung falsch informiert war hinsichtlich der Bewaffnung der „Lusttania", desgleichen hinsichtlich der Konterbandeladung. Nun die Möglichkeit falscher Informierung soll nicht in Abrede gestellt werden. Darüber müßte eine Untersuchung angestellt werden, die dann die Wahrheit ans Licht bringen würde. Auf den Hinweis, daß die Lusttania in erster Linie und vorzugsweise als Beförderungsmittel für Passagiere diente und über tausend Menschen beförderte, die keinerlei Anteil an der Kriegführung hatten, torpediert und versenkt wurde ohne geringsten Anruf oder Warnung, kann und wird sicherlich von der deutschen Regierung mit dem Hinweis geantwortet werden, daß die englische Regierung durch die Anweisung an die Handelsschiffe, sich zu bewaffnen, die Unterseeboote zu rammen und durch die Aussetzung von Belohnungen für Handelsschiffe, die deutsche Unterseeboote vernichten, den Unterschied zwischen Kriegs- und Handelsschiffen selbst verwischt hat. Jedes Unterseeboot, das ein britisches Handels- oder Passagierschiff vom Charakter der Lusttania, die auch englischer Hilfskreuzer war, warnte, würde sich der Gefahr aussetzen, vernichtet zu werden. Denn man kann einem solchen Schiffe nicht ansehen, ob es trotz der Anweisung der britischen Admiralität Kanonen nicht an Bord hat. Man kann der Besatzung eines Unter- Domrerstag, den 17. Juni 1915. seebootes nicht zumuten, um das feindliche Schiff zu schonen, sich selbst der Gefahr, vernichtet zu werden, auszusetzen. Wie man es auch dreht und wendet, die Schuld ist auf britischer Seite. Unter allen Umständen ist England das Karnickel, das mit Völkerrechtsvrrletzungen angefangen und den Feind, d. h. Deutschland zu Vergeltungsmaßregeln genötigt hat. England hat die Erklärung der Nordsee als Kriegsgebiet ohne jede Rücksicht damit motiviert, daß es für seine Existenz kämpfe. Das Gleiche gilt um so mehr für Deutschland, als dieses gegen eine Ueberzahl von Feinden zu kämpfen hat und seine Aushungerung von den Engländern geplant und offen als Ziel und Zweck ihrer Maßregeln offen angekündigt worden ist. Man kann jetzt ruhig den weiteren Verhandlungen entgegensehen. England hat den Unterseebootskrieg in seiner jetzigen Form, den Krieg überhaupt und noch vieles andere und unheilvolle für sich selbst heraufbeschworen. Wenn es humanere Wege einschlagen will, Deutschland wird hinsichtlich Menschlichkeit sich niemals von England übertreffen lassen, wenn es auch ein Land der Barbaren und Hunnen sein und von einem Attila regiert werden soll. Deutsches Reich. de. Karlsruhe, 14. Juni. Der Großherzog hat sich heme früh für einige Zeit ins Feld begeben. — Dem Minister der Finanzen, Dr. Rheinbold ist in seiner Eigenschaft als Eisenbahnminister vom Kaiser das Eiserne Kreuz am weißen Bande verliehen worden. Diese Auszeichnung stellt eine Anerkennung für die hervorragenden Leistungen des gesamten badischen Eisenbahnwesens während der Mobilmachung und im bisherigen Verlaufe dar. Ausschußsitzung des deutschen Handelstages. Berlin, 12. Juni. Der Ausschuß des deutschen Handelstages ist für den 21. und 22. Juni zu einer Sitzung nach Berlin berufen worden. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Punkte: Ersatz von Kriegsschäden, Forderungen an Angehörige feindlicher Staaten, Grundrrwerb, Gewerbebetrieb und Paßwesen in Rußland. Allgemeines Zolltarifabkommen mit Rußland, Vorzugszölle in den Kolonien Englands und Frankreichs, Zollverfahren in Frankreich, Behandlung der Handlungsreisenden und Muster, Veredelungs- und sonstiger Wiederausfuhrverkehr, Regelung der Zollstreitigkeiten, künftige Regelung der handelspolitischen Beziehungen zu Oesterreich Ungarn, den Balkanstaaten, zu der Schweiz, den Niederlanden und den nordischen Staaten, Kriegslieferungen (Beteiligung von Handel und Industrie, Betätigung der Handelskammern), Stickstoff-Handelsmonopol. I I 76. Jahrgang. Auslands England. Die Krise des englischen Weltreichess. Das Verhalten einiger Mitglieder bei der Debatte über die Ministergehälter will „Daily Telegraph" vom 9. Juni sin keiner Weise entschuldigen. Diese Vorgänge beweisen leider, daß ein Teil des Unterhauses entschlossen ist, die neue Regierung unter jedem Vorwand anzugreifen und zu berunruhigen, und das in der Stunde der schwersten Gefahr, in der das Land sich je befunden. Ueber die Schaffung eines Munitionsministeriums läßt sich. gewiß vieles sagen, aber der Ton der gefälligen Kritik ist entschieden Besorgnis erregend. Jeder Engländer, welches sein Standpunkt auch sein mag, ist überzeugt, daß diejenigen dem Lande schaden, die der einmal im Sattel befindlichen Regierung ihre Aufgabe erschweren wollen. Keinerlei Nutzen würde doch aus einem Sturz des Ministeriums erwachsen. Die Ruhestörer gehören zu den Anhängern der früheren Regierung, die es ihren Führern übelnehmen, daß sie ein Koalitionskabinett ins Leben riefen. Aerger, Enttäuschung und Mißtrauen stnd die Triebfedern der Angriffe, Regungen, die der Nation im ganzen in jetziger Lage völlig unbegreiflich erscheinen müssen. Holland. Das Scheiden Greys. Auch Asquith amtsmüde? Haag, 14. Juni. Sir Eduard Grey hat sich dieser Tage im Auswärtigen Amt von seinem Beamten mit Worten verabschiedet, die keinen Zweifel darüber lassen, daß er nicht mehr nach der Downing Street zurückkehren wird. In den Wandelgängen des Par- lamentsgebäudes tritt in auffällig bestimmter Form das Gerücht auf, daß auch Asquith amtsmüde sei und nur auf eine passende Gelegenheit wartet, um zurückzutreten. Lloyd George wird als künftiger Premierminister genannt, falls nicht etwa die Staatsleitung ganz in konservative Hände übergeht. Schweiz. Die Derprov iantierung der Schweiz. Zürich, 14. Juni. Der Vierverband macht die Verproviantierung der Schweiz von Tag zu Tag schwieriger. Das Journal kommt zu jder Forderung, Frankreich und seine Verbündeten sollten anstelle Deutfchlands und Oesterreich-Ungarns die Schweiz mit Kohlen und Zucker versehen. Alle anderen Mittel zur Verhütung des Handels durch die Schweiz seien unzureichend. Gestern abend 6 Uhr ist, wie bereits gemeldet, den italienischen Zollbehörden an der Grenze die Weisung zugegangen, bis auf weiteres keine Waren mehr, weder mit der Bahn, noch zu Schiff oder per Fuhrwerk nach der Schweiz durchzulaffen. Das Verbot ist wohl eine direkte Folge des angeblichen Warenschmuggels nach Oesterreich-Ungarn. Der Wächter. Humoristischer Roman von Archibald Eyre. Frei bearbeitet von Helmut tan Mor. 47 (Nachdruck verboten) »Sie allem machen alles lächerlich," sagte ich endlich gepreßt. .Gott weiß, daß nichts zum Lachen daran ist. Denn ich werde bis zum Tode kämpfen.* Sie zeigte noch immer ihre hübschen Zähne. .Welcher Waffen wollen Sie sich bedienen?' fragte sie. „Etwa eines ausgeriffenen Stuhlbeines? Oh, einen wie hübschen Bericht muß das in den Zeitungen geben! Oswald. Oswald, machen Sie uns nicht lächerlich, unmöglich !" „Es ist bester für einen kurzen Tag lächerlich zu scheinen, als ein langes Leben elend und unglücklich zu fein,* sagte ich. .Meinen Sie denn wirklich, daß eine — Prügelei zwischen Ihnen und Wilhelm Ihnen oder mir von Nutzen sein würde?* .Ich werde jedenfalls nur das tun, was ich im Interesse Eurer Hoheit für geboten erachte.* Ich wollte das Gespräch damit beenden, und wirklich schwieg sie eine gute Weile still. Dann aber ergriff sie ein letztes Mittel, die Angelegenheiten nach ihren Wünschen zu wenden — und zwar das Mittel, das sicherlich das wirk- samste und gefährlichste ist, deffen eine schöne Frau sich bedienen kann. „Lieben Sie mich nicht mehr, Oswald?* fragte sie plötzlich leise und sanft. Dabei schloß sie die Augen und wandte mir doch ihr voll vom Licht der Lampe beschienenes Antlitz zu. Ich schwieg. Auf der einen Seite beantwortete sich diese Frage von selbst und auf der anderen fürchtete ich. Mich in einer Schlinge zu verfangen. „Nur einen Tag ist es her, daß Sie mich Ihrer Liebe versichert haben,* fuhr sie leise und wehmütig fort. „Ist Ihre Zuneigung so rasch entflohen? Oswald — können Sie ko unaufrichtig — so. wankelmütig sein?". , „Ich bin nicht waElmutia," chgte ich rasch, und mein ■ Herzschlag ging mit Eilzugsgeschwindigkeit. „Damals aber \ wußte ich noch nicht, daß Sie mit nils spielten — daß Sie ! mich verlachten." i „Und nun, da Sie es wissen, hat ein wenig Lachen s Ihre heiße Liebe vertreiben können ?“ Sie schüttelte ein j wenig den Kopf. „Nein, Oswald — das kann keine große ! Liebe gewesen sein." Wußte sie denn, welche Grausamkeit sie da beging? Aufschreien hätte ich mögen, vor ihr niederstürzen, ihre Hände mit Küssen bedecken — hätte ihr's hundertmal sagen mögen, daß nie ein Mann so ein Mädchen geliebt hatte, wie ich sie! Aber ich war glücklicherweise zur Selbstbeherrschung erzogen. Und ich erinnerte mich just in diesem Augenblick, daß sie vor wenigen Minuten gesagt habe, sie hätte mich niemals ernst genommen. Das verlieh mir die notwendige Standhaftigkeit. Und ohne ihr auf die letzten Worte zu erwidern, setzte ich mich an den Tisch und griff nach der Zeitung. Da schlug sie plötzlich beide Hände vor das Gesicht und begann zu weinen. „Was soll ich tun — was soll ich tun?* schluchzte sie fassungslos. Das hotte ich nicht erwartet. Tränen hatte ich nicht m den Kreis meiner Berechnungen gezogen. Ich fuhr auf und sank wieder zurück. Ich fuhr wieder auf und sank abermals zurück. Ich erwartete jeden Augenblick, sie schreien zu hören — so heftig wurde ihr Weinen. .Bitte — bitte, schreien Sie nicht," stammelte ich. .Es wird ja alles gut werden. Sehen Sie denn nicht, daß ich nur zu Ihrem Besten handle? — Können Sie mir denn nicht vertrauen?* .Was soll ich tun? — Was wird aus mir werden? — Wohin soll ich gehen?* „Sie werden in Ihr Heim zurückkehren," sagte ich. „Und Sie werden Wilhelm bald genug vergessen haben. Sie wissen ja doch, daß Sie ihn nicht wahrhaft lieben." „Ja doch — ich liebe ihn!" sagte sie heftig. „Wie können Sie das sagen?" «Weil ich weiß, daß es die Wahrheit ist. Laben Sie selbst es nicht oft genug zugegeven? — Sie wissen wohl, daß Sie es mehr als einmal gesagt haben." „Ich habe es nicht gesagt. Es ist nicht wahr. Und ich kann nicht heimgehen. Sie sind grausam gegen mich daheim. Oswald — lieber, lieber Oswald, schicken Sie mich nicht zurück! Nur nicht heim! Sie wollen mich ja dort mit einem Mann verheiraten, den ich hasse — mit einem Mann, der alt genug ist, mein Großvater zu fein." Ich unterbrach sie rasch. „Nein, nein — das ist nun vorbei. Sie haben nichts derartiges mehr zu befürchten." „Wie können Sie das wiffen?" „Der Graf hat mich ausdrücklich beauftragt, Ihnen das zu erklären." „Ich glaube es nicht — es ist nur eine List, mich mit der Heimkehr einverstanden zu machen." „Verzeihung — aber es ist die Wahrheit. Der Herzog von Hanau selbst hat erklärt, daß er die Verbindung keinesfalls mehr eingehen wolle." Da sanken plötzlich die Hände von dem verweinten Gesicht, und in den Augen, die noch voll Tränen standen, blitzte es zornig. „Wie kommt er dazu? — Was heißt das? Ist es nicht unerhört? Er hält sich wohl zu gut für mich! Abscheulich ! — Aber nein — es beweist, wie häßlich sie ihm von mir gesprochen haben müssen. Hätten sie ihm nicht Lügen über mich erzähll — er hätte mich gewiß nicht aufgegeben. Nun — nun kann und werde ich gerade nicht nach Bentheim zurückkehren."- „Sie sollen durchaus nicht dazu gezwungen werden," erwiderte ich; aber ich muß gestehen, daß ich einigermaßen verdutzt war. „Ich muß eben Wilhelm heiraten!" fuhr sie entschieden fort. „Ich habe keine Alternative. Sie haben ein ungerechtes Vorurteil gegen Wilhelm.* „Es wäre ein Mesalliance,* entgegnete ich. „Ja doch — ich weiß es.* Sie strich sich mit der Hand über die Stirn. „Ja — es ist eine Mesalliance. Aber die Ehe wäre doch nicht so ungeheuerlich. Mein Vater ist schließlich kein regierender Fürst, ob er aleidb lebt wie ein Rr. 70. Telephon Nr. 11. Ein neuer Pu tschversuch in Lissabon. Genf, 12. Juni. Laut Meldungen aus Portugal trafen in Lissabon in der Nacht vom 10. zum 11 Juni mehrere Verschwörer zusammen, um einen Handstreich gegen die Regierung auszuführen. Sie wurden überrascht und verhaftet. Weitere Zwischenfälle traten nicht ein. Es herrscht Ruhe. Schweden. . Nachlassen der Spannung. Kopenhagen, 15. Juni. Der Daily Telegraph meldet aus Washington: Die Spannung zwischen Amerika und Deutschland habe in hohem Grade nachgelassen. In amerikanischen Regierungskreisen sehe man der weiteren Entwicklung mit großem Optimismus entgegen. Die Antwort auf die amerikanische Note würde jedoch nicht vor 14 Tagen erwartet, da man in Berlin unbedingt erst den Vertrauensmann des Grafen Bernstorff hören wolle. Dieser, Dr. Mayer-Gerhardt/wird heute an Bord des Kopenhagener Dampfers „United Staates" hier erwartet. Der Dampfer ist auf der ganzen Linie von englischen Schiffen unbelästigt geblieben. Griechenland. Abreise der behandelnden deutschen Professoren des Königs Konstantin. Athen, 14. Juni. Da das Befinden des Königs Konstantin keinen Anlaß mehr zu Befürchtungen gibt, reisen die Professoren o. Eiselsberg und Kraus morgen von hier ab. Die griechische Preffe widmet den beiden Gelehrten Worte aufrichtiger Dankbarkeit. Der IiMerkrieg. Die Aämpfe im westen. Englischer Pessimismus. London, 13. Juni. Die Zuschrift eines in Paris lebenden Engländers an die „Daily News" sagt, es sei schwer, den Schaden zu schätzen, den der Angriff der „Daily Mail" auf Lord Kitchener in Paris angerichtet hat. Sowohl die Franzosen, als die in Paris lebenden Engländer sehen auf die Autorität der „Daily Mail" hin äußerst pessimistisch die Lage Englands an. Auch ein Heer von „Freiwilligen". Amsterdam, 14. Juni. Sehr viele Engländer, die es vorziehen, den Krieg vom einigermaßen sicheren heimischen Herd aus zu verfolgen, anstatt sich auf dem Kriegsschauplatz Gefahren auszusctzen, haben stch zu Tausenden als „Freiwillige" zur Herstellung von Kriegsbedarf gemeldet. Reuter berichtet, diese Zahl von Freiwilligen sei in London derartig angewachsen, daß ein besonderes Büro für die Anmeldung dieser Leute notwendig werde. Zu den Freiwilligen zählen Geistliche, Kaufleute, Bankiers, Rechtsanwälte, Bücherrevisoren, Ingenieure, Friseure^ und Buchhalter, die die militärische Altersgrenze noch nicht überschritten haben. Tagesbericht. WTB. Gr. Hauptquartier, 14. Juni. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der Front zwischen LiLvin und Arras erlitten die Franzosen eine schwere Niederlage. Nachdem im Verlauf des Tages mehrmals die zum Vorgehen bereitgestellten feindlichen Sturmkolonnen durch unser Artilleriefeuer vertrieben waren, setzten gegen Abend zwei starke feindliche Angriffe in dichten Linien gegen unsere Stellungen beiderseits der Lorettohöhe sowie auf der Front Neuville-Roclin- soicyer unv vas Anseyen emes Souveräns genießt — und Graf Darnsdorf ist von altem Adel, ist seine rechte Hand." »Es würde nicht einmal eine legale Ehe sein ohne die Einwilligung Ihres Vaters." »Das ist kein stichhaltiger Einwand — Sie wissen es recht gut. In England wäre die Ehe gültig. Und wenn wir erst einmal verheiratet sind, wird mein Vater sofort seine Einwilligung geben, wenn er damit nur einen Skandal vermeiden kann. Glauben Sie etwa im Ernst, daß er sie verweigern würde ?" Ich zog es vor, auf diese Frage keine direkte Antwort zu geben. „Wie kommt es denn, daß man Ihrer Verbindung mit Wilhelm so lebhaften Widerstand entgegensetzt — wenn dieselbe so natürlich ist, wie man es nach Ihren Worten glauben müßte?" „Der Grund liegt in dem Götzendienst, den der Graf mit unserer Familie, richtiger mit unserem Adel treibt. In seinen Augen ist mein Vater ein besonderes Wesen, das über den »bürgerlichen" Menschen steht — unser Wappenschild ist sein Fetisch. Ich müßte lügen, wollte ich sagen, daß ich meine Geburt verachte, daß ich unfern alten Namen nicht hoch anschlüge. Aber doch nicht in der Art, wie es der Gras tut. Daß meine Ahnen durch Jahrhunderte bestrebt gewesen sind, sich über das allgemeine Niveau zu erheben, daß sie herrschen gelernt haben und die schwierige Kunst auch, dem "Volke wahrhaft zu dienen, daß sie in den vornehmsten Traditionen gelebt haben, daß sie bestrebt gewesen sind, sich zur Vollkommenheit zu erziehen — es hat mir Erbteile aus meinen Lebensweg gegeben, wie ich mir beffere nicht wünschen könnte. Aber die im Lauf der Jahrhunderte uns Adeligen in Fleisch und Blut übergegangenen vornehmen Eigenschaften finden ihren Lohn in sich selbst — finden ihn darin, daß wir die Kraft haben, unser Leben evel und vornehm zu gestalten, uns über Kleines und Kleinliches zu erheben, Unglück mit Stolz zu tragen. Und auch darin, daß sie uns befähigen, in dem Berus unserer Vorfahren, in dem Beruf, der innig mit uns verwachsen ist, Tüchtiges zu leisten. Für unsere Leistunaen nun, für die Ausnützung unserer Kräfte und Der Landbote * SiuSheimer Zeitung. court ein. Der Gegner wurde überall unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Sämtliche Stellungen sind voll in unserem Besitz geblieben. Schwächere Angriffe des Feindes am Dserkanal wurden abgeschlagen. Südöstlich Hebuterne haben die Jnfanteeiegefechte zu keinem nennenswerten Ergebnis geführt. Vorstöße gegen die von uns eroberten Stellungen in der Champagne wurden im Keime erstickt. Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Nähe Kuzowimia, nordwestlich Szawle, wurden einige feindliche Stellungen genommen und dabei 3 Offiziere und 300 Mann zu Gefangenen gemacht. Südöstlich der Straße Mariampol-Kowno erstürmten unsere Truppen die vorderste ruffische Linie, 2 Offiziere und 313 Mann waren hier die Beute. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen ist in einer Lreite von 70 Kilometer aus ihren Stellungen zwischen Czeniawa (nordwestlich Mosciska) und Sieniawa zum Angriff vorgegaugen. Die feindlichen Stellungen sind auf der ganzen Front gestürmt. 16000 Gefangene fielen gestern in unsere Hand. Auch die Angriffe der Truppen des Generals v. d. Marwitz und des Generals v. Linsingen machten Fortschritte. Oberste Heeresleitung. Fliegerangriff auf Karlsruhe i. B. Karlsruhe, 15. Juni Heute morgen griffen etwa 5 feindliche Flieger die Stadt Karlsruhe während einer Dauer von S U Stunden an. Mehrere Personen wurden getötet und verletzt. Anzahlreichen Stellen wurde militärisch bedeutungsloser Sachschaden angerichtet. KarSruhe, i. B., 15. Juni. Durch den feindlichen Fliegerangriff wurden, soweit bis jetzt bekannt geworden ist, 19Personen getötet, 14 schwer und zahlreiche leicht verletzt. Fast eine Otunde lang, von 3 /*7 bis gegen 8 Uhr, flogen die feindlichen Flugzeuge in großer Höhe über Karlsruhe. Besonders die inneren, in der Nähe des Schlosses gelegenen Stadtteile wurden getroffen. Groß ist der Schaden in der Karl-Friedrich-Straße, in der Erbprinzenstraße, am Kaiserplatz und in der Nähe der technischen Hochschule. So fielen allein in der Erbprinzenstraße, Ecke Bürgerstraße, 4 Personen dem Angriff zum Opfer. Es handelt sich fast ausschließlich um Zivilpersonen, Männer, Frauen und Kinder, meist Leute, die stch zur Arbeit begeben wollten und nicht mehr rechtzeitig flüchten konnten. Die Absicht des Angriffs ist schwer zu verstehen, da es stch um eine offene, unbefestigte und friedli che Stadt handelt. In der Tat ist auch keinerlei militärischer Schaden angerichtel worden. Nach den Orten an denen die Bomben besonders zahlreich niederfielen, ist der Verdacht nicht vollkommen von der Hand zu weisen, daß u. a. ein Angriff auf das Großherzogliche Schloß, in dem z. Zt. die Königin von Schweden weilt, geplant war. Auch das markgräfliche Palais wurde von einer Bombe getroffen. Die Nähe von Lazaretten hat nirgends abschreckend auf die Tätigkeit der Flieger gewirkt. Bei dem Angriff hat stch wiederum gezeigt, daß der Aufenthalt in einem durch Mauern gegen das Hineindringrn von Splittern geschützten Baues vollauf genügt, um die Gefahr des Angriffs abzuwehren. Die Bevölkerung verhält sich gegenüber diesem ruchlosen Angriff auf die friedliche Stadt gefaßt und ruhig, nur herrscht begreiflicherweise eine große Erbitterung über dieses sinnlose Vorgehen der Gegner. — Heule mittag wurden die nicht explodierten Bomben, die noch in den Straßen lagen, von sachkundiger Seite abgeholt und entladen. Soweit bis jetzt feststeht, wurden von den 5 Fliegern über 40 Bomben abgeworfen. ererbten Fäytgrenen mag man uns die Anerkennung und Bewunderung zollen, die man von Rechts wegen keinem tüchtigen Menschen schuldig bleiben darf — nicht aber für den alten Namen, der doch erst dann eine Bedeutung erhält, wenn sein Träger mit den Vorfahren, denen für ihre Verdienste Adel und Krone zuteil geworden ist, wettzueifern strebt." Das war eine lange Rede — und sie verfehlte ihre Wirkung nicht. Ich stand wieder der Hoheit gegenüber, und ich war eingeschüchtert. „Wenn es mir jedoch gestattet sein soll, aus Ihren Worten einen Schluß zu ziehen," wandte ich schüchtern ein, „so möchte ich mir die Frage erlauben, wie Wilhelm seine ererbten Kräfte und Fähigkeiten ausgenützt hat?" Sie sah mich verdutzt an. „Aber ich heirate ihn ja doch auch nicht wegen seines Adels," erwiderte sie, um so heftiger, als sie selbst fühlen mochte, daß es nicht ganz logisch war. „Und soll mein Glück an der Götzenanbetung eines in Vorurteilen ausgewachsenen und ganz von Vorurteilen erfüllten alten Mannes zerschellen, der es in seiner Art sehr gut und ehrenhaft meint, aber doch schließlich die Welt nur unter einem engen Gesichtswinkel steht?" Sie sprang auf. „Nein doch — nein! Ich werde heiraten, wen ich will — werde mir meinen Gatten selbst wählen und gegen den Grafen kämpfen." „Sie können sich nicht verhehlen, daß Ihr zum mindesten ungewöhnlicher Schritt sehr ernste und unangenehme Folgen haben muß und haben wird." „Aber ist denn Wilhelm nichts? — Steht er denn so tief unter der Tochter eines Fürsten, der auch nichts hat als seinen Titel — einen Titel und eine Krone ohne Land? — Wenn ich die Absicht hätte. Sie zu heiraten — das wäre freilich etwas anderes." Die Wahrheit dieser Bemerkung traf mich schwerer, als ihre Grausamkeit. Ich wandte mich ab, um sie mein blaffes Gesicht und meine Qual nicht sehen zu lassen. Im nächsten Augenblick aber stand sie an meiner Seite und hielt meinen Arm umklammert. Donnerstag, 17. Juni 1915. Französische Beklemmungen. Zürich, 15. Juni. Laut einer Meldung der Neuen Züricher Zlg. aus Paris, schreibt Senator Henry Beranger in einem Pariser Blatt über die Kriegslage: Jetzt können die Deutschen mit allen ihren schweren Geschützen aus Galizien zurückkehren und wieder einmal versuchen, sich den Weg nach Paris zu bahnen. Das deutsche Unterseeboot U 14 verloren. WTB. Lerlill, 15. Juni. (Amtlich.) Nach einer Mitteilung des ersten Lords der englischen Admiralität im Unterhause vom 9. ds. Mts. ist Anfang Juni ein deutsches Unterseeboot von den Engländern zum Sinken gebracht und die gesamte Besatzung gefangen genommen worden. Aus einer jetzt veröffentlichten Note der britischen Regierung über die Behandlung der kriegsgefangenen Unterseeboots-Besatzungen geht hervor, daß es sich um das deutsche Unterseeboot U 14 handelt. Da dieses Boot von seiner letzten Unternehmung nicht zur Lckgekehrt ist, muß es als verloren betrachtet werden. Neue Niederlage der Franzosen zwischen Arras und Litzvin. — Der Fliegerangriff auf Karlsruhe. Der russische Nückzug geht unaufhaltsam weiter. WTB. Gr. Hauptquartier, 15. Juni. (Amtlich^ Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen holten stch gestern eine neue Niederlage. Trotz der am 13. Juni erlittenen schweren Verluste setzten sie ihren Durchbruchsversuch auf der Front Lievin-Arras mit großer Zähigkeit fort. Die mit ungeheurem Munitionsaufwand vorbereiteten und in dichten Wellen vorgetragenen französischen Angriffe, brachen abermals in dem Feuer unserer braven Truppen unter den schwersten Verlusten für den Feind ausnahmslos zusammen. Nordwestlich von Moulin sous-tous-Bents (nordwestlich von Soisson) gelang es uns noch nicht, die am 6. Juni verlorenen Grabenstücke wieder zu nehmen. In der Champagne nördlich von Perthes und Le Mesnil lebte der Kampf stellenweise wieder auf, ohne daß der Feind einen Vorteil zu erringen vermochte. Am Sonntag wurde die Kirche in Leffinghe nordwestlich von Ostende während des bürgerlichen Gottesdienstes von feindlicher Artillerie beschossen. Mehrere belgische Zioispersonen wurden verletzt. Heute ist die offene Stadt Karlsruhe, die in keinerlei Beziehungen zum Kriegsschauplatz steht und nicht die geringste Befestigung aufweist, von einem feindlichen Flugzeuggeschwader mit Bomben beworfen worden. Soweit bisher bekannt, fielen 11 tote und 6 verwundete Bürger dem Ueberfall zum Opfer. Militärischer Schaden konnte natürlich nicht angerichtel werden. Von einem unserer Kampfflugzeuge wurde ein Flugzeug aus dem feindlichen Geschwader heruntergeholt. Die Jnfaffen find tot. Ein anderes feindliches Flugzeug wurde bei Schirmeck zum Landen gezwungen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Westlich Schawli stürmten deutsche Truppen das Dorf Danksze und wiesen darnach mehrere von zwei bis drei ruffischen Regimentern ausgeführte Gegenangriffe ab. 4 Offiziere, 1660Mann wurden dabei gefangen genommen. Unsere neu gewonnenen Stellungen südlich und östlich der Straße Mariampol-Kowno wurden gestern wiederholt von starken feindlichen Kräften vergeblich angegriffen. Wir stießen auf der Front Lipowo Karlwarja vor, drangen in die russischen Linien ein und eroberten die vordersten Gräben. Auch am Orzyc gelang es unseren angreifenden Truppen das Dorf Jednorrozec (südöstlich von Chorzele), die Czer- wona Gora und die Brücke östlich davon im Sturme zu nehmen. Bisher an dieser Stelle 325 gefangene Russen. Feindliche Angriffe gegen unsere Einbruchstellen nördlich von Bolimow scheiterten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Dem in der Schlacht am 13. und 14. Juni von der Armee des Generalobersten v. Mackensen geschlagenen Gegner ist es nicht gelungen, in seinen rückwärtigen vorbereiteten Stellungen nordwestlich von Jaworo» Fuß zu fassen. Der Feind wurde geworfen, wo er sich stellte. Die Beute mehrt stch. Durch die scharfe Verfolgung sind auch die rusiischen Truppen südlich der Bahn Przemysl- Lemberg zum Rückzüge gezwungen. Truppen des Generals von der Marwitz nahmen gestern Mosziska. Der rechte Flügel der Armee des Generals v. Lin- fingen stürmte die Höhen westlich Jezupol. Ihre Kavallerie erreichte die Gegend südlich Maryampol. Oberste Hkeresleitung. Die Aämpfe im Osten. Rußlands Verzweiflung. Serlin, 13. Juni. Ein in Sofia weilender angesehener Ruffe erhielt von Verwandten in Rußland einen Brief mit dem dringenden Rat, nicht nach Rußland zurückzukehren, weil dort große Unruhen erwartet werden. Nach der Räumung Lembergs durch die Russen, so heißt es in dem Briefe weiter, und besonders nach dem Rückzuge der Russen aus ganz Galizien, seien sogar Judenpogrome in Aussicht; die Friedenspartei gewinne täglich Anhänger. Selbst Hofkreise hätten stch bereits mit dem Gedanken abgefunden, daß der Feldzug für Rußland verloren sei; und nur ein baldiger Friedensschluß würde das Reich vor einer inneren Revolution retten können. Rr. 7 0« Telephon Nr. 11. _ ' Eine Zwangsanleihe in Rußland? Haag, 14. Zuni. Nach Petersburger Meldungen erwägt man in dortigen Regierungskreisen die Frage einer Zwangsanleihe, welche insbesondere die steinreichen Klöster treffen soll. Es wird angenommen, daß die Klöster dem Staate mindestens 2 Milliarden Rubel liefern könnten. An eine weitere regelrechte Kriegsanleihe im Auslande und Jnlande ist nach den Fehlschlägen der neuesten Milli ardenanleihe nicht mehr zu denken. Die russische Landung an den Dardanellen aufgegeben. Sofia, 14. Juui. Nach zuverlässigen Nachrichten sind alle für eine Landung an der türkischen Schwarzen Meer- Küste bestimmt gewesenen Truppen zur Verstärkung nach Galizien dirigiert worden, jodaß der Landunzsoersuch als au fg eg eben zu betrachten ist. Die unbequemen Serben. Lugano, 15. Juni. Nach einer angeblich ausgezeichneten Information aus Rom weist die "Stampa" auf die große Unruhe hin, die das Vorrücken der Serben gegen Durazzo in Rom hcroorgerufen hat. Schon vor zwei Jahren träumten die Serben von einem Marsche nach Durazzo, der damals an dem scharfen Veto Italiens scheiterte. Jetzt suchen die Serben, heißt es in der „Stampa", ihr Unternehmen mit befferem Erfolg zu wiederholen und mit oder ohne Einverständnis Italiens eine vollzogene Tatsache zu schaffen. Man ist hierüber in Rom umso mehr verstimmt, da die Serben fürwahr etwas besseres zu tun Hätten, nämlich gegen Oesterreich zu kämpfen, statt in der Adria gegen Italien zu stänkern. Aber Italien werde eine aktive Besitzergreifung Durazzos durch die Serben als Null und Nichtig betrachten, da die Durazzo-Frage erst seinerzeit durch die Entscheidung des Vierverbandes gelöst werden könne. Der Zusammenbruch der russischen Offensive. Köln, 14. Juni. Der „Kölnischen Zeitung" zufolge kann seit drei Tagen festgestellt werden, daß die mit großem Kraftaufwand durchgeführle Gegenoffensive der Russen, durch die sie dem Vordringen der Armee von Lin- fingen und Pflanzer zu begegnen suchten, die Einsetzung aller verfügbaren russischen Reserven bedeute. Am heftigsten war der Stoß gegen die Truppen Szurmay und Hoffmann, sowie gegen den vorstrebenden linken Flügel Pflanzer. Tatsächlich gab es einen Augenblick, in dem dieser wichtige Frontabschnitt durch die Russen bedroht war. Di« Krise brachte jedoch nur dir vorübergehende Räumung des Brückenkopfes von Zurawno, der nunmehr wieder in unseren Händen ist. Die Gefahr eines Stockens der vordringenden Armeen auf diesem südlichen Abschnitt ist beseitigt. Franzosen und Engländer, die letzte Rettung Rußlands. Petersburg, 15. Juni. Ein hoher ruffischer Offizier soll sich demnächst nach Frankreich begeben, um dort die recht kritisch gewordene Lage der ruffischen Feldarmee darzulegen und beide westlichen Verbündeten zu energischem Vorgehen anzuspornen. Diese Reise soll angeblich auf den dringenden Rat des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zurückzuführen sein, der in dem bereits erwähnten Handschreiben an den Zaren erklärt hätte, er könne -für nichts einstehen, wenn nicht Franzosen und Engländer sofort eine gewaltige Offensive aufnehmen, die allein die deutschen Kräfte von der Ostfront nach Westen abzu- leiten vermöchte; andernfalls müßte er seinen Rücktritt ins Auge fassen, da er außerstande sei, mit seiner erschöpften Armee allein der gewaltigen Stoßkraft der deutschen und «österreichischen Heere standzuhalten. Italienischer Kriegsschauplatz. Leiue Erfolge der Italiener. Wien, 14. Juni. Die vom italienischen Kriegsschauplatz eingelaufenen Nachrichten find günstig. Vorläufig gibt es für die Italiener nirgends einen Erfolg. Was sie an Siegen zu melden wissen, sind nichts weiter, als die Gefechte, die ihre vorgehenden Truppen mit den österreichisch-ungarischen Sicherungen zu bestehen haben. Die Aufgabe der Sicherungstruppen besteht natürlich nicht darin, «ine Schlacht zu liefern, sondern bei Annäherung des Feindes 'in die Stellungen kämpfend zurückzugehen. An diese Stellungen hat noch kein italienischer Truppenteil heranzukommen vermocht. Tiefe Medergrfchlageuheit in Italien. Serlin, 14. Juni. In Italien herrscht, wie die Nationalzeitung über Gens berichtet, tiefe Niedergeschlagenheit über die Niederlagen am Jsonzo, so sehr sich auch Cadornas Bericht bemüht, die Schlappen in schlechtem Wetter und ungünstigem Terrain zu umschleiern. Die kriegshetzerische Mailänder Presse ist bereits sehr kleinlaut geworden und läßt es auch an versteckten scharfen Angriffen auf die Armeeleitung nicht fehlen. Der Sera schreibt: Wir stehen leider nicht viel weiter als wir vor drei Wochen standen. Aber die — Aufgabe ist sehr schwer. Jtalia sagt: Der Feind ist unterschätzt worden. Alle Welt behauptete, Deutschland und Oesterreich seien am Verhungern, und jetzt entwickelt Oesterreich eine unerhörte Widerstandskraft, die uns auf die härteste Probe stellen wird. Wim, 14. Juni. Amtlich wird verlautbart unterm 14. mittags: In den Kämpfen bei Plawa am 12. Juni ließ der Feind, wie jetzt festgestellt wurde, über 10 0 0 T o t e und sehr viele Verwundete vor unserer Stellung liegen. Gestern spät abends wiesen unsere Truppen einen abermaligen Angriff gleich allen früheren ab. Die Italiener vermochten somit an der Jsonzofront nirgends durch- zudringen. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts wesentliches ereignet. Der Larrdvote * Sinsheimer Zeitung. Aus Stadt und Land. K SiuSheim, 14. Juni. Dem Vizefeldwebel Karl Körb er, welcher im Westen schon das Eiserne Kreuz erhielt und neuerdings bei der Ostarmee sich ausgezeichnet hat, wurde die Bad. Verdienstmedaille unter Beförderung zum etatmäßigen Feldwebel verliehen. * Sinsheim, 15. Juni. Der Sanitätsunteroffizier Leopold Fischer, Sohn des Stabsarztes Dr. Fischer, wurde wegen Tapferkeit vor dem Feinde am 10. Mai bei Lorelto zum Vicefeldwebel ernannt; für einen Mediziner eine außergewöhnliche Beförderung. O Sinsheim, 14. Juni. Das in letzter Zeit in der Stadt umlaufende Gerücht, daß auch der Postassisteni Ludwig Müller, Unteroffizier der Reserve, auf Frankreichs Boden gefallen sei, hat sich leider inzwischen bestätigt. Bei einem Sturmangriff an der Lorettohöhe traf ihn am 10. Mai das tödliche Geschoß. Mögen seine trauernden Angehörigen sich mit dem erhebenden Bewußtsein trösten, daß der unverwelkliche Kranz des Heldentums auch seinen Namen dauernd umfchmücken wird. Sinsheim, 14. Juni. Anonyme Anzeigen. In der letzten Zeit mehren stch bei dem stelloertr. Generalkommando Anzeigen, die keine Unterschrift oder aber nur eine unleserliche oder unrichtige Unterschrift tragen. Derartige Anzeigen wirken gerade in einer Zeit, in der der Mannesmut seine schönste Blüte feiert, recht wenig günstig. Es sollte erwartet werden, daß Jedermann den geringen Mut besitzt, für seine Mitteilungen auch mit seinem Namen einzutreten. Das Generalkommando wird derartige unterschriftlose Anzeigen fernerhin nicht mehr berücksichtigen. — Das ist der geeignetste Weg, den anonymen Unfug mit der Wurzel auszurotten, der überall, wo er in der Uebung ist, beschritten werden sollte. )( SiuSheim, 15. Juni. Das sächsische Ministerium des Innern hat kürzlich folgende zeitgemäße Warnung veröffentlicht: „Man sollte es nicht für möglich halten, daß es Angehörige von deutschen, in Gefangenschaft geratenen Kriegern gibt, die stch nicht schämen, in ihren Briefen nach den feindlichen Ländern einige in dieser Z nt unvermeidliche Entbehrungen zu einer Notlage aufzubauschen und stch darüber zu beklagen, daß Petroleum teurer oder der Reis knapp sei. Manche schreiben sogar Unwahrheiten, wie, daß wir keine Kartoffeln mehr hätten oder daß das Fleisch nächstens zu Ende sein werde. Ein derartiges Treiben grenzt beinahe an Landesverrat. Die feindliche Presse druckt diese gewissenlosen Schreibereien als Beweis für die angebliche Hungersnot in Deutschland ab und hebt damit den Mut und die Ausdauer der Feinde. Jeder der solche Briefe schreibt, verlängert also den Krieg. Sollte diese Warnung erfolglos sein, so würde nichts anderes übrig bleiben, als alle in das feindliche Ausland gehenden Gefangenenbriefe einer scharfen Zensur zu unterwerfen und möglichst auch die Schreiber unwahrer Behauptungen zur Rechenschaft zu ziehen." O Rohrbach,. 15. Juni. Adam Stelz von hier wurde, nach seiner kürzlich erfolgten Beförderung zum Unteroffizier, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. H Bau der Elseuz, 14. Juni. Beurlaubungen von zum Heeresdienst eingezogenen Handwerkern. Wegen der Beurlaubung von Handwerkern zur Erledigung ihrer geschäftlichen Angelegenheiten dringender Art hat stch der Landesverband der Gewerbe- und Handwerkervereinigungen bereits am 15. Mai mit einer entsprechend begründeten Eingabe an das Generalkommando des 14. Armeekorps gewandt und darauf nachstehende Antwort erhalten: Die in den Kreisen der einberufenen Handwerksmeister herrschenden Schwierigkeiten werden durchaus anerkannt und werden die eingehenden Urlaubsgesuche zur Regelung der geschäftlichen Verhältnisse mit dem gleichen Wohlwollen nach wie vor geprüft werden, wie diejenigen der Landwirte. Wenn nicht in allen Fällen denselben entsprochen werden kann, so bedauert dies das Generalkommando sehr, kann aber versichern, daß dies alsdann nur durch die militärische Lage veranlaßt wird. A Vom Lande, 15. Juni. Hitzschläge bei Zugtieren. Der Leipziger Tierschutzverein schreibt: In den letzten Tagen find wieder verschiedene Fälle von Hitzschlag vorgekommen. Wir möchten deshalb alle Fuhrwerksbesttzer, um ste vor Schaden zu bewahren, wiederholt darauf auf- merksam machen, daß in den meisten Fällen den Hitzschlägen vorgebeugt wird, wenn die Tiere öfters und reichlich getränkt werden. Bekanntlich hängen die Hitzschläge mit einer durch die hohe Temperatur bewirkten starken Verdickung des Blutes zusammen. Daß diese gefährliche Störung des Blutumlaufes durch reichliche Wafferzufuhr beseitigt werden kann, muß im Interesse aller Tierbefitzer immer wieder hervorgehoben werden. de. Heidelberg, 14. Juni. Gestern nachmittag wurde hier ein ziemlich heftiges Erdbeben verspürt. Der Seismograph der Königstuhlsternwarte verzeichnte den Einsatz 3 Uhr 15 S U Min. Die Hauptstöße kamen 3 Uhr 16 Min. 10 Sek. Das Ende erfolgte etwa 3 Uhr 18 Min. Die Entfernung des Herdes beträgt wenige 100 Kilometer. (Die Erdstöße wurden in anderen Gegenden, so in Südbaden, ebenfalls wahrgenommen. D. Red.) de. Weiuheim, 13. Juni. Im vaterländischen Interesse hat stch die Direktion des hiestgen Gymnasiums entschlossen, sämtlichen Schülern auf die Dauer der Kriegszeit das Barfußgehen zu erlauben. In den einzelnen Klassen wurden den Gymnasiasten die Gründe dargelegt, dir das Barfußgehen in der jetzigen Zeit wünschenswert erscheinen lassen. Schwanheim (Pfalz), 14. Juni. Deutsche Muster- jugrnd. Vier hiesige Geschwister, zwei Knaben und zwei Mädchen, die olle noch in die Schule gehen, haben, da ihre Mutter gestorben ist und ihr Vater im Heere steht, ohne jegliche fremde Hilfe ihren ansehnlichen Feldbau mit Donnerstag, 17. Juni 1915. Pferd und Viehbestand bewältigt und gedenken auch die Ernte allein mit ihren jungen Kräften heimzubringen, damit der Vater bei der Heimkehr alles in Ordnung findet. Alle Hochachtung vor diesen Kindern! de. Karlsruhe, 14. Juni. Auskunftstelle für vermißte Soldaten. Das Rote Kreuz weist darauf hin, daß die Karlsruher Auskunftsstelle für vermißte und verwundete Soldaten sich in der Geschäftsstelle des Nationalen Frauendienstes in Karlsruhe (Roonstraße 24, Fernsprecher Nr. 7) befindet. Die Geschäftsstelle ist täglich von 9—12 und von 3—6 Uhr geöffnet. Alle Anfragen über Vermißte oder Verwundete sind daher einzig und allein an die Geschäftsstelle des Nationalen Fraucndienstes zu richten. de. Pforzheim, 14. Juni. Am Dienstag vollendet Frau Schneider Wtw. ihr 98. Lebensjahr. Im Jahre 1817 geboren, war jw bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges schon 53 Jahre alt; daß sie 44 Jahre später noch einen weiteren viel schrecklichere n Krieg erleben sollte, war ein großer Schmerz für ste. de. Freiburg, 13. Juni. Das Eczbischöfl. Ordinariat hat die Geistlichen zur werktätigen Mithilfe in der Kriegsinvalidenfürsorge aufgefordert, unter Hinweis darauf, daß es stch um ein vaterländisches und echt christliches Unternehmen handelt, welches bei allseitiger Mithilfe reichsten Segen stiften wird. Verschiedenes. („Durum, ihr Buben und Mädel!") Einen prächtigen Aufruf an die Lindkinder hat die Lindwirtschaftskammer der Provinz Hannover erlassen. Auf einem Flugblatt liest man: „An die deutschen Lrndkin der ! Wißt ihr noch, wie im August des vorigen Jahres unter Heer mobil gemacht wurde? Wißt ihr noch, wie die Soldaten sangen: Deutschland Deutschland über alles und begeistert hinauszogen, um für das Vaterland zu kämpfen? Das war eine große Znt! Und jetzt ist wieder große Z-it, denn jetzt wird wieder mobil gemacht! W:r denn?, so werdet ihr fragen. Nun so paßt mal gut auf! Jetzt werden die Landkinder mobil gemacht. Sie sollen mitkämpfen und mithelfen, das Vaterland zu retten. Ihr wißt alle sehr gut, daß wir im Herbst und Winter nichts zu essen haben, wenn wir im Fühjahr die Necket nicht bestellen. Das erhoffen auch die Franzosen und Engländer, und freuen stch schon jetzt darauf, unsere durch Hunger geschwächten Soldaten zu schlagen und unser geliebtes, schönes Heimatland zu verwüsten. Das darf aber nicht sein. Um das zu verhüten, werden jetzs die deutschen Land- kindcr mobil gemacht. Der Kaiser gibt euch schulfrei, damit ihr der Mutter helfen könnt, die Aecker zu bestellen, denn die Männer, die sonst diese Arbeit geschafft haben, find im Kriege. Darum ihr deutschen Landkinder, ihr Buben und Mädel, helft tapfer und fl-ißig mit, soviel in eurer Kraft steht. Ihr seid dann Soldaten, die für das Vaterland kämpfen. Seht, die Ackerfurche ist euer Schützengraben, die Kartoffeln, die ihr legt, stnd eure Kanonenkugeln, die Steine, die ihr von der Wirse wegholt, stnd eure Granaten, und das Unkraut ist ein Feind, den ihr ausrotten sollt mit Stumpf und Stiel. Und wmns euch mal zu heiß ist, oder wenn ihr einmal müde werdet, dann denkt: ich bin ein deutscher Soldat, und darf nicht müde werden; ich bleibe auf meinem Posten, wie der Kaiser es bekohlen hat. Bergeßt auch nicht, frisch und froh zu singen, wie Soldaten tun: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!" Auszug aus -eu bürgerl. Standesdiicheru vou Zins hei« pro Mai 191». Geburten. 23. Anna Elise, V. Wilhelm Gottlob Gatekuust, Dreher hier. 27. Werner Heinz, V Joh. WamSler Christensen, Uhrmacher hier. 28. Wilhelm, B. Wilhelm Hoffman«, Trglöhner hier. 30. Helmut Friedrich, V. Phil. Aug. Kaufmann, Gärtner hier. Eheschließunge n. 22. Feldwebelleutnant Christof DeginuS und Maria Katharina Friederika Schick, beide wohnhaft dahier. Todesfälle. 3. Max Otto, 6 Monat alt, V. Paul Wohlgemuth, Kaufmann hier. 7. Emilie Fuhrmann, geb. Metzger, 72 Jahre alt, von Oberhof. 13. Christina Häußler, geb. Jarison, 62 Jahre alt, von Herrenberg. 21. Wilhelm Heinrich Weiser, Oberpoftassistent, 43 Jahre alt, von hier. 22. Lina Luise, 4 Wochen alt, V. Friedr. Stäbler, Maurer hier. August 1914. 19. Reservist Gefreiter Friedrich Frank, Friseur, 27 Jahre alt, von hier. Marktberichte. Diehmarkt Mannheim, 14. Juni 1915. Preise per 50 Kilo. Lebendgewicht Mk. Schlachtgewicht Mk. Ochsen(vollfleischig) Höchst4—7 Jahrealt 65—68 120-125 f„ (mäßig genährte). 59—60 110—112 Farren (vollfleischige). 62—64 110—118 „ mäßig genährte. 56 59 100—106 Kühe und Rinder (vollfleischige) . - 57-62 110—120 „ „ (mäßig genährte) . 46-48 96—100 KÄber (Vollmastk.). 00—00 00-00 „ (mittlere Mastk.). 78-81 130—135 Schafe (jüngere Masthammel) . . . 00—00 00-00 , (mäßig genährte). 42—44 84—88 Schweine (vollfleischige) ..... 114-115 146—148 , (gering entwickelte) . . . 00—00 00-00 Ziegen. 20-25 00-00 Znfnhrr Ochsen 226, Farren 144. Rinder und Kühe 923, Kälber 422, Schafe 29, Schweine 837, im Allgemeinen ruhig. Ziegen 7. Der tz aodel Nr. 70. Telephon Nr. 11. Der Laudbote * Siusheimer Zeitung. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung über Verbrauchszucker. Vom 27. Mai 1915. Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen: 8 1. Wer Verbrauchszucker mit Beginn des 1. Juni 1915 im Gewahrsam hat, ist verpflichtet, die vorhandenen Mengen getrennt nach Arten und Eigentümern unter Nennung der Eigentümer der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. in Berlin anzuzeigen. Zu diesem Zwecke haben die Berechtigten, deren Zucker in fremdem Gewahrsam liegt, den Lagerhaltern nach dem 1. Juni 1915 unverzüglich die ihnen zustehenden Mengen anzuzeigen. Die Anzeigen an die Zentral-Einkaufs- Gesellschaft m. b. H. sind bis zum 10. Juni 1915 abzusenden. Anzeigen über Mengen, die sich mit Beginn des 1. Juni 1915 auf dem Transporte befinden, sind unverzüglich nach dem Empfange von dem Empfänger zu erstatten. Die Anzeigepflicht erstreckt sich nicht 1. auf Mengen, die im Eigentums des Reichs, eines Bundesstaats oder Elsaß-Lothringens, insbesondere im Eigentums der Heeresverwaltungen oder der Marineverwaltung sowie im Eigentum eines Kommunalverbandes stehen, 2. auf Mengen, die insgesamt weniger als 50 Doppelzentner betragen. Geht der Gewahrsam an den angezeigten Mengen nach dem 31. Mai 1915 auf einen anderen über, so hat der nach Abs. 1 Satz 1 Anzeigepflichtige der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. den Verbleib der Mengen anzuzeigen. Wer nach dem 31. Mai 1915 Eigentum an Verbrauchszucker erwirbt, hat unverzüglich der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. anzuzeigen, welche Mengen und von wem er sie erworben hat und wo die erworbenen Mengen lagern; der Anzeige bedarf es nicht, wenn die erworbenen Mengen zusammen mit den bereits im Eigentume des Erwerbers stehenden 50 Doppelzentner nicht erreichen. Der Reichskanzler kann Wiederholungen der Anzeige anordnen und dabei bestimmen, daß auch kleinere Mengen anzuzeigen sind. 8 2. Wer mit Verbrauchszucker handelt oder ihn im Betriebe seines Gewerbes herstellt oder ihn sonst im Besitze hat, hat ihn der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. auf Aufforderung käuflich zu überlassen. Die Aufforderung hat die Wirkung, daß Veränderungen an den von ihr betroffenen Mengen und rechtsgeschäftliche Verfügungen darüber verboten sind, soweit nicht die Zentral- Einkauf-Gesellschaft m. b. H. zustimmt. Den rechtsgeschäftlichen Verfügungen stehen Verfügungen gleich, die im Wege der Zwangsvollstreckung oder Arrestvollziehung erfolgen. Der Aufgeforderte hat für Aufbewahrung und pflegliche Behandlung zu sorgen; er hat der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. auf Erfordern Auskunft zu geben und Muster der einzelnen Zuckermengen sowie Auslieferungsscheine zu übersenden, auch ihren Vertretern die Besichtigung der Mengen zu gestatten. Die Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. hat dem Aufgeforderten binnen zwei Wochen nach Erlaß der Aufforderung zu erklären, welche Mengen sie käuflich übernehmen will. Mit dem Ablauf der Frist erlischt die Wirkung der Aufforderung, soweit die Ueberlaffung nicht verlangt ist. Diese Vorschriften gelten nicht für Mengen, die der Anzeigepflicht nach § 1 nicht unterliegen. 8 3. Die Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. hat für die von ihr übernommenen Mengen dem Verkäufer einen angemessenen Uebernahmepreis zu zahlen. Sie darf, wenn eine Verbrauchszuckerfabrik Verkäufer ist, keinen höheren Preis als den im § 4 der Verordnung, betreffend Verkehr mit Zucker, vom 12. Februar 1915 (Reichs-Gesetzbl. S. 75) vorgesehenen Preis bezahlen; ist der Verkäufer nicht eine Verbrauchszuckerfabrik, so darf außer dem für die am frachtgünstigsten gelegene Verbrauchszuckerfabrik geltenden Höchstpreis eine Vergütung für die Transportkosten und ein angemessener Zuschlag gezahlt werden. Maßgebend für die Preisberechnung ist der Zeitpunkt des Ergehens der Aufforderung. Für die Aufbewahrung ist vom Zeitpunkt der Uebernahme- erklärung (§ 2 Abs. 3) an eine angemessene Vergütung zu entrichten, deren Höhe die höhere Verwaltungsbehörde des Aufbewahrungsorts endgültig festsetzt. Der Reichskanzler kann die Zuschläge, die 5 vom Hundert des Höchstpreises nicht übersteigen dürfen, und die weiteren Bedingungen der Ueberlaffung festsetzen. 8 4.. Erfolgt die Ueberlaffung nicht freiwillig, so wird das Eigentum auf Antrag der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. durch die zuständige Behörde auf die Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. oder die von ihr in dem Antrag bezeichnete Person übertragen. Die Anordnung ist an den Besitzer der Mengen zu richten. Das Eigentum geht über, sobald die Anordnung dem Besitzer zugeht. 8 5. Kommt zwischen den Beteiligten eine Einigung über den Preis nicht zustande, so wird er von der höheren Verwaltungsbehörde L'es Lagerungsorts endgültig festgesetzt. . Diese entscheidet ferner endgültig über alle Streitigkeiten, die sich zwischen den Beteiligten aus der Aufforderung zur Ueberlaffung und aus der Ueberlaffung ergeben. 8 6. Die Zentral-Einkaufs-Gesellschaft m. b. H. darf über den Verbrauchszucker nur nach näherer Bestimmung des Reichskanzlers verfügen. 8 7. Der Reichskanzler kann von den Vorschriften dieser Verordnung Ausnahmen gestatten. Donnerstag, 17. Juni 1915, i § 8 . Die Landeszentralbehörde erläßt die Bestimmungen zur Ausführung dieser Verordnung. Sie bestimmt, wer als höhere Verwaltungsbehörde und als zuständige Behörde im Sinne dieser Verordnung anzusehen ist. 8 9. Mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu fünfzehntausend Mark wird bestrafte 1. wer die im 8 1 vorgeschriebenen Anzeigen nicht erstattet oder wer wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht; 2. wer unbefugt Mengen, die von einer Aufforderung nach § 2 Abs. 1 betroffen sind, beiseite schafft, beschädigt, zerstört oder verbraucht; 3. wer einer Verpflichtung nach 8 2 Abs. 2 Satz 3 zuwiderhandelt; 4. wer den nach 8 8 erlassenen Ausführungsbestimmungen zuwid erhandelt. 8 10. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens. Berlin, den 27. Mai 1915. Der Stellvertreter des Reichskanzlers: Delbrück. Verordnung. Verbrauchszucker betr. (Vom 8. Juni 1915.) Zum Vollzug der Bundesratsverordnung vom 27. Mai 1915 über Verbrauchszucker (Reichs-Gesetzblatt Seite 308) wird verordnet was folgt: 8 r. Landeszentralbehörde im Sinne der Bundesratsverordnung ist das Ministerium des Innern. Höhere Verwaltungsbehörde und zuständige Behörde ist das Bezirksamt. 8 2 . Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft. Karlsruhe, den 8. Juni 1915. Großherzogliches Ministerium des Innern: von Bodman. Dr. Schühly. Sammlung von Konservenbüchsen. Das Garnisonkommando Heidelberg veranstaltet eine Sammlung von leeren aus verzinntem Blech hergestellten Büchsen (Konservenbüchsen), um durch Entzinnung Zinn und Eisen zu gewinnen, das für den Heeresbedarf dringend notwendig ist. Die Sammlung von Zinn und zinnhaltigen Gegenständen ist umso notwendiger, als auch die.neutralen Länder die Ausfuhr von Zinn und zinnhaltigen Rohstoffen neuerdings verboten haben. Wer solche Büchsen besitzt, möge sie im vaterländischen Interesse Hierselbst Klingenteich 3, Hof abliefern. Abnahmestelle: Zimmer 24. Auch wäre es von großem Nutzen, wenn in den Schulen derartige Sammlungen veranstaltet würden um diese alsdann an obengenannte Stelle zur Ablieferung zu bringen. Heidelberg, den 11. Juni 1915. Kgl. Garnisonkommanbo. Die Preise für den Großverkauf mit Mehl. Der Ausschuß des Kommunalverbandes hat in der Sitzung vom 1. ds. Mts. die Verkaufspreise für den Großverkauf mit Mehl mit sofortiger Wirkung festgesetzt auf: A. Für den dz. Roggenmehl 38 Mk. 73 Psg. B. „ „ „ Weizenbrotmehl 42 Mk. 6. „ „ „ Weizenauszugsmehl 47 Mk. Die Kleinhandelspreise sind in Nr. 64 des Landboten veröffentlicht worden. Sinsheim, den 1. Juni 1915. Der Borsitzende des Ansschnsses des Kommunalverbandes: Bauer. Mehlpreise im Grotzverkans, hier Festsetzung der Höchstpreise. Der Verkaufspreis im Großverkauf für den dz. Rogge«-- mehl beträgt nicht wie in der Bekanntmachung vom 1. ds. Mts. — veröffentlicht in Nr. 69 des Landdoten — enthalten 38 Mk. sondern 38 Mk. 75 Psg. Sinsheim, den 15. Juni 1915. Grotzh. Bezirksamt. Das Ab- und Zuschreiben im Monat Juli 1915 findet statt in Eschelbach am 1. Juli nachmittags 1—3 Hoffenheim am 5. Juli nachmittags 3—5 Trefchklingen am 8. Juli nachmittags 1—2 Kirchardt am 11. Juli nachmittags 1—2 Bockschaft am 13. Juli vormittags 9—10 Babstadt am 19. Juli nachmtttags 1—2 Reihen am 22. Juli nachmittags 1—3 Uhr. Sinsheim, den 14. Juni 1915. Grofih. Stenerkommiffär. Fuhrleute gesucht. Tüchtige militärfreie Fuhrleute bei hohem Lohn für dauernde Arbeit sofort gesucht. Lugen von Steffelin Amtliche Güter bepätterei d. Bad. Staatsriseubahue« Karlsruhe. Line Waggonladung Vlctoriawaster in 1 h und 1 h Flaschen frisch eingetroffen Wilh. Scheeder. Der Ankauf tum neuem He« für die Militärverwaltung hat begonnen und kann jedes Quantum abgeliefert werden an das Magazin in Sinsheim von Samuel Weil aus Steinsfurt. Jede Fuhre muß über die Stadtwaage in Sinsheim leer und beladen gewogen werden. Heukommiffiouär des 14. Armeekorps «amuel Weil, aus Steinsfurt. Größter Zahler für getr. Kleider, Schuhe, alte Zahngebiffe, altes Gold und Silber- fachen sowie altes Gummi. Kaufe auch Partiewaren besonders Herrenkonfektion u. Schuhe. Bin auf der Durchreise am Donnerstag den ganzen Tag hier u. bitte Ange bote umgehend unter Nr. 430 an die Geschäftsstelle ds. Bl. Siefert’» lla ii strunk ist der bestfe u. natürlichste Yolkstrunk überall eingeführt. Einfachste Bereitung. Paket für 100 Ltr. nnrM.4.— Bessere Sorte 5.— franko Nach- p»»„»«m» nähme mit An- CtosohQtzte Marke Weisung. Zucker auf Wunsch zum billig. Preise. Zell-HarmersbacherHaastnmkstoff-Fabrik Wilh. Siefen. Zell a. 8. (Baden.) tEFERTV Wasche mih Henkels Bleich-Soda. 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