LadiM Gmerbezeitung für Haus und Familie. Sucht den Fortschritt vou Naturwissenschaft und Gewerbe in ihre» Beziehungen zu dem gesammten Hauswesen zu verbreiten. Bringt vorzugsweise Original - Mitteilungen und berichtet über die in der großh. Landes-Gewerbehalle zu Karlsruhe «»gestellten Versuche. Organ der großh. badischen Landes-Keweröehalle. Redigirt von Prof. vr. H. Meidinger. Einmal monatlich mit 2t Seiten Text nebst lttho- graphirten Tafeln. JahreS- preiS i 1 st. oder 18 Sgr., durch Post und Buchhandel. Subskribentensammler für mindestens 1Ü Exemplare erhallen das Blatt zu 45 kr. (13 Sgr.) franko zugesendet; bei 2S Exemplaren auch noch 1 Freinummer. II. Jahrgang. Ao. 4. Karlsruhe. April 1868. Inhalt: Seite 49—64: Die Behandlung der Wäsche. — Kleinere Mittheilungen: Ueber den Werth der Bezeichnung „Patent" bei Maaren. Verstärkung der Leuchtkraft des Petroleums durch Zusatz von Kochsalz d Petroleumlampe ohne Cylinder. Die Rvßkopf'sche Arbciteruhr. Die Frauenarbeit. Putzpulver. Erkennungsmittel für den ächten Kirschbrannt- wein I. Hoss's Malzfabrikate. Malzextrakt und Gerstenzucker. Glimmerbrillen für Metallarbeiter. Verkaufsbuden moussirender Getränke. Nachtstuhl mit hermetischem Verschluß. Ne Behandlung der Wasche. (Fortsetzung.) III. Gebrauch der Schwingmaschine. Die auf S. 44 mitgetheilte Anweisung lautet zu einfach, um in ihren Ergebnissen von der Handwäscherin überhaupt für möglich gehalten zu werden. Gleichwohl kann man sie als wörtlichwahr annehmen und wo der Erfolg nicht ganz den Erwartungen entsprochen hat, kann man überzeugt sein, daß die Vorschrift nicht genau befolgt wurde. Ein eigentliches Reiben der Wäsche findet in der Maschine gar nicht statt. Bei dem Schaukeln gleiten die Stücke nur sanft über einander hin, indem die am Boden auf dem gewellten Zink aufliegenden Stücke etwas zurück- gehalten werden und die oben befindlichen Stücke darüber weg sich bewegen. Die mechanische Behandlung des Zeugs in der Maschine ist also einem Hin- und Herschwenken in Wasser von Hand aus ähnlich. Diese gelinde Operation muß aber bei der Kochhitze, in welcher die Wasche in der Maschine sich befindet, und die das Fett sofort auflöst, vollständig genügen, um den Staub allmälig aus den Zeugfasern herauszuschütteln und in den Seifenschaum hineinzuschaffen. Wer zum erstenmale mit der Maschine arbeitet, ist in der That überrascht über diesen außerordentlichen Erfolg. Daß die Maschine nicht zugleich die sehr beschmutzten Stellen der Wäsche mitreinigt — was manchen Hausfrauen die Maschine gleich von vornherein verwerflich erscheinen 4 läßt — liegt theils darin, daß die verhältnißmäßig sehr kurze Zeit, welche den weit größeren Theil vollständig säubert, nicht ausreicht, um das bis in die innersten Fasern eingedrnngene Fett zu lösen, theils darin, daß auch der Staub nicht blos oberflächlich sitzt, sondern in dem Grad zwischen den Fasern sich eingelagert hat, daß wirklich ein etwas kräftigeres Verfahren, ein Reiben, d. h. ein Verschieben der Zeugfasern gegeneinander erforderlich ist, um den Staub frei und wegschwemmbar zu machen. Dieses Nachwäschen von Hand erfordert aber immer nur höchst geringe Zeit, die Hauptmasse der Wäsche bedarf dessen nicht. Der Gewinn bei Anwendung der Waschmaschine ist ein vierfacher: an Zeit, an Arbeit, an Seife und an Schonung der Wäsche. Der Gewinn an Zeit läßt sich dahin ausdrückeu, daß mit Hilfe der Maschine dreimal so viel geleistet werden kann, als von Hand aus. Die Arbeit ist dabei weit geringer, namentlich leiden die Hände selbst nicht im mindesten; auch steigen keine unangenehmen Waschdünstc der Wäscherin in's Gesicht, da die Maschine alles unter festem Verschluß hält. Der Seifenverbrauch sinkt gewiß auch auf die Hälfte herab, indem die Brühe sich bis zu völliger Erschöpfung ausuntzen läßt. Der Gewinn durch schoncndere Behandlung des Stoffs, wodurch derselbe länger erhalten bleibt, entzieht sich jeder Berechnung. —, Es ist nicht zu viel behauptet, daß die Maschine unter alleiniger Berücksichtigung des ersten und dritten Punktes einer mäßig großen Familie binnen Jahresfrist sich völlig bezahlt macht. Es trifft sich bei Maschinen, welche einen sehr sorgfältigen Verschluß haben, daß beim Oesinen des Deckels eine Portion heiße Luft, mit Dampf gemengt, lebhaft ausströmt. Manche sind dadurch der Ansicht geworden, in der Maschine gehe eine Dampfentwicklung vor sich und dieser Dampf sei die Ursache des ausnehmend günstigen Waschergebniffes. Der Dampf wirkt jedoch in der;Wäsche eben so wenig fördernd, wie beim Kochen im Papiniani- schen Topf. Uebrigens ist die Erscheinung hier auch eine ganz andere wie dort. Was aus der Waschmaschine heraustritt, ist vorzugsweise Luft, gemengt mit etwas Dampf. Die Luft, indem sie in der geschloffenen Maschine warm wird, vergrößert ihren Druck und sucht sich auszudchuen. In dieselbe verdunstet nun eine gewisse Portion Dampf, dessen Menge ganz der Temperatur entspricht, welche in der Maschine herrscht, und dieses Gemische von gespannter heißer Luft und Dampf entleert sich nun später durch den geöffneten Deckel. Sowie der Deckel nicht vollständig schließt, kann dieser Vorgang natürlich nicht beobachtet werden. In Ermangelung einer Waschküche mit Waschkessel kann man zum Kochendmachen der Seifenbrühe jeden großen Weißblechtopf verwenden. Für unsere eigenen Zwecke ließen wir uns einen innen verzinnten kupfernen Topf von 13 Zoll bad. (39 Centimeter) Weite und 1 Fuß (30 Cent.) Höhe machen, der 24 Maß (36 Liter > im Ganzen bis oben faßt. Die Höhe wurde mit besanderer Rücksicht darauf bestimmt, daß der Topf auch zum Einkochen von Gemüsen in hermetisch verschlossenen Blechbüchsen, namentlich von Erbsen in Flaschen (s. bad. Gewerbezeitung 1867, S. 128) dienen sollte. Der Preis betrug 121s Gulden ohne Deckel. Der Topf erfüllt denn auch seit 3 Jahren beide Zwecke vollkommen. 51 Um ohne Aufenthalt fort zu arbeiten, isi es bei größerer Wäsche zu empfehlen, zwei Waschbrühcn anzusetzen, von denen die eine über dem Feuer steht und in's Kochen kommt, während die andere in der Maschine ist, und wechselweise. Zu den in voriger Nummer angegebenen Bezugsquellen von Waschmaschinen haben wir noch die von Würfel in Bochum hinzuznfügen, welcher auch zahlreiche, gut ausgeführte Exemplare in unsere Gegenden geliefert hat. Die Ringma schine?) Die gleichzeitig mit den so eben beschriebenen Waschmaschinen aufgekommencn Vorrichtungen, um aus dem nassen Zeuge das Wasser herauszudrücken, sind in ihrer Wirkung und ihrem Werthe jenen selbst mindestens gleich zu setzen. Sie beschleunigen die Arbeit ganz außerordentlich und behandeln die Stoffe in der schonendsten Weise. Hausfrauen, welche sich an beide Maschinen gewöhnt haben, wissen in der That nicht, welcher von beiden sie den Vorzug ertheilen sollten; eine eventuelle nochmalige Wahl würde sie, zumal auch die Preise sich nahe stehen, in Verlegenheit setzen. Das Wesen der Ningmaschine beruht darin, daß das nasse Zeug zwischen zwei sich drehende.: Gummiwalzen, die einen starken Druck gegeneinander ausüben, hindurchgeschafft wird; in das nachgiebige, elastische Gummi Preßt sich das Zeug ein, ohne gezerrt oder gedehnt zu werden, und verliert dabei den Ueberschuß seines Wassers, indem der Raum, worin es vordem enthalten war, sich verengt. Die Gummiwalzen sind eigentlich als über eine eiserne Stange gezogene dicke Cylinder von vnlkanisirtem (geschwefeltem) Gummi anzusehen (das Vulkanischen ertheilt dem Gummi die Eigenschaft, bei allen Temperaturen gleich elastisch zu bleiben). Die Umdrehung des Walzenpaars erfolgt durch Drehen der einen Walze, an deren Eisenstange eine Kurbel befestigt ist, die andere Walze wird dadurch mitgenommen. Fig. 11 und 12 geben Abbildungen von Ningmaschinen, die in den eben beschriebenen Theilen ohne Weiteres verständlich sein werden. Wird ein Stück Zeug zwischen die Walzen eingeschobm, so muß es unfehlbar deren Bewegung beim Drehen folgen, d. h. es wandert zwischen den Walzen hindurch, indem es von oben und unten stark zusammengedrückt wird. Die Ringmaschine ist darauf eingerichtet, auf einem Zuber festgeschraubt zu werden. Zuweilen läßt sie sich auch auf der Waschmaschine "befestigen, so daß, wenn das Zeug durch die Walzen läuft, die Brühe in dieselbe zurückfließt. Wir halten das letztere weniger empfehlenswertst, weil Zeit raubend. So lange die Ringmaschine arbeitet, kann die Waschmaschine nicht benützt werden, und soll letztere in Thätigkeit kommen, so muß die Ri»g- maschine wieder abgeschraubt werden und kann nichts schaffen. Deßhalb nur jedes getrennt vom andern. Das ans den Walzen heraustretmde Zeug fällt in einen vorn stehenden Korb, die ausgepreßte Flüssigkeit fließt in den Zuber zurück und wird zu der übrigen Brühe aus der Waschmaschine gegossen. *) Warum säst allgemein Wringmaschine 1 Die geradezu lächerliche Manier, womit die Fabrikanten und dadurch auch die meisten Schriftsteller ein gutes deutsches Wort verunstalten und dem Publikum Gaumcnbeschwerden verursachen, erklärt sich uns nur aus der Absicht, dem Gegenstand ein äußeres Zeichen der Abstammung aus der Fremde aufzudrücken und mit dem „amerikanisch", d. h. sehr praktisch, seinen Werth zu steigern. 52 Das Gestell der Ringmaschine ist zumeist von Holz, wie in Fig. 11; mail macht dasselbe jedoch auch von Eisen, wie Fig. 12, und damit in letzterem Falle das Eisen nicht roste und die Wäsche beschmutzt, wird es entweder verzinkt oder mit einem Asphaltüberzug versehen. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Herstellung und Regulirung des Drucks zwischen den Walzen. Die Walzen müssen von vornherein so gestellt sein, daß sie sich nicht blos berühren, sondern ein wenig aufeinander drücken, so daß auch der dünnste Stoff beim Durchpassiren eine genügende Pressung erfährt. Würden die Walzen aber in festen unbeweglichen Lagern laufen, so könnte ein Stück von gewisser Dicke, z. B. ein Betttuch oder Kleid nicht mehr hindurchgehen; es würde sich vor den Walzen stauen und reißen, letztere selbst könnten bei gewaltsamem Umdrehen leiden, das Gummi sich von der Eisenstange abdrehen. Die Walzen müssen also unbedingt nachgiebig sein; d. h. wenn ein dicker Stoff hindurchgeht, müssen sie sich etwas von einander entfernen können. Bei den älteren Maschinen war deßhalb die Einrichtung getroffen, daß die obere Walze sich in ihren Lagern gegen ganz kleine Gummiklötzchen stemmte, die durch eine Schraube in dem hölzernen Querbügel mehr' oder weniger zusammengedrückt werden konnten, je nach der Dicke des auszuringenden Stoffs. Es war dies etwas umständlich, da man eigentlich gezwungen war, fortwährend mit der einen Hand zu reguliren, während man mit der andern drehte. Neuerdings hat man zwei andere Systeme eingeführt, Selbstregulirer, deren Einrichtung man aus Fig. 11 und 12 verstehen wird. In Fig. 11 befinden sich über dem hölzernen Querbügel oben zwei an den Ecken in Scharnieren laufende Hebelstangen d und e, welche an den oberen spitzen Enden vermittelst eines Gummibandes gegen die Backen heruntergezogen werden. In die Backen selbst bei n und ä sind zwei hölzerne Zäpfchen eingelassen, welche unten auf der Axe der oberen Walze ruhen und oben von den Hebeln niedergedrückt werden. Wenn dicker Stoff durch die Walzen läuft, so kann sich die obere Walze lüften, indem sie in ihren Lagern die 2 Holzzapfen hebt und diese wieder ihrerseits die Hebel in die Höhe treiben, während die Gummibänder ein Bestreben haben, dieselben niederzuziehen. Die Figur zeigt die Lage der Hebel in diesem Falle; sobald das Zeug die Walzen durchlaufen hat, sinken die Hebel wieder nieder und legen sich flach auf den Bügel auf. Die Wirkung dieser Vorrichtung läßt nichts zu wünschen übrig; die Walzen sind unter allen Umständen fest gegeneinander angedrückt und doch nachgiebig, die dicksten wie dünnsten Stoffe werden gleichmäßig gut ausgewunden. Wir haben eine derartig eingerichtete Maschine seit bald drei Jahren im Hausgebrauch; ihre Wirkung ist heute, wie am ersten Tage. — Die Ausführung der Maschine in Fig. 12 ist wesentlich verschieden. Hier sind die Walzen zu beiden Seiten durch kräftige eiserne Federn in Form eines Hufeisens verbunden, welche zugleich die Lager der Wellen bilden. Wenn dicker Stoff durch die Walzen geht, so kann sich die obere Walze heben, indem die Federn sich erweitern. Der Druck der beiden Walzen ist dabei immer ein sehr kräftiger. Diese Ausführung gestattet, der ganzen Maschine zugleich eine sehr einfache gefällige Form zu geben. Die aus den Walzen heraustretende Wäsche hat so viel Wasser verloren, wie man selbst durch das kräftigste Drehen von Hand aus kaum auswinden 83 kann. Gleichwohl erfolgt das Umdrehen der Walzen an der Kurbel sehr leicht, sobald die Wellen etwas eingeschmiert sind. Als Schmiermittel verwendet man am zweckmäßigsten fein geschabte Seife, wenn die Wellenlager zugänglich sind, da dadurch das durchgehende Zeug nicht beschmutzt werden kann. Andernfalls muß man gelegentlich ein paar Oeltropfen in die Lager hineinfließen lassen; die Maschine Fig. '12 ist sogar ganz für letzteres Verfahren eingerichtet. Man muß dann nur ein wenig vorsichtig sein, daß die Stoffe beim Auswinden neben nicht streifen, da sie sonst leicht von der Schmiere abwischen können. Durch die Ringmaschine werden die zartesten Stoffe, wie Vorhänge, vollständig von ihrem Wasser befreit, ohne im mindesten zu leiden. Wie vorzüglich die Maschine arbeitet, kann man daraus entnehmm, daß eine Brille durch die Walzen lausen kann, ohne daß die Gläser springen. Wenn gelegentlich Knöpfe an Hemden rc. reißen, so kommt dies nur daher, daß sie nicht flach liegen, sondern senkrecht gestellt gegen beide Walzen sich stemmen. In solchem Falle muß man mit einiger Aufmerksamkeit arbeiten; man achtet daraus, daß die Knöpfe in richtiger Lage zwischen die Walzen kommen. Wenn das Gummi nicht ganz fest mit den eisernen durchgehenden Wellen verbunden ist, so dreht es sich auf denselben herum und die Maschine kann nicht mehr arbeiten. Dieser Fall kann Vorkommen nicht blos bei mangelhafter Ausführung seitens des Fabrikanten, sondern auch bei übertriebener Anstrengung der Maschine seitens der Wäscherin, wenn selbe mit Gewalt zu dickes Zeug durch die Walzen treiben will. Um dem Uebelstand in letzterem Falle vorzubeugen, werden zuweilen die beiden Wellen durch außen angebrachte kleine Zahnrädchen der Art miteinander verbunden, daß die eine Gummiwalze von der anderen nicht mehr oder nicht blos in Folge der Berührung mitgenommen wird, sondern in Folge des Eingriffs der Rädchen; Fig. 11 zeigt diese Anordnung. Noch vorteilhafter soll dieselbe in einem anderen Sinne wirken. Ist das Zeug zu dick, so kann es bei der gewöhnlichen Anordnung Vorkommen, daß die Walze mit der Kurbel allein sich dreht, während die obere stehen bleibt; das Zeug, das schon theilweise zwischen den Walzen steckt, kann dann ein Dehnen, wohl auch Reißen erfahren. Müssen jedoch beide Walzen in Folge des Zahneingriffs sich drehen, so wird das Zeug besser gepackt und durch die Walzen hindurchgeführt. Gleichwohl kann es auch hier Vorkommen, daß das zu dicke Zeug vorn sich staut und stecken bleibt, während beide Walzen sich drehen; dünner Stoff wird dann ebenfalls reißen. Ja auch das Abdrehen der Eisenwellen von den Gummicylindern ist durch den Zahneingriff nicht ganz ausgeschlossen. Mit ein ganz klein wenig Vorsicht, nicht gleich dem russischen Grundsatz huldigend „der Bien muß", sondern das Zeug hübsch glatt und gleichmäßig über die ganze Breite der Walzen legend, lassen sich die Maschinen auch bei der einfachen Ausführung in jahrelangem Dienst halten, ohne daß weder sie selbst leiden, noch die Stoffe. Uns selbst ist bis jetzt bei deren Gebrauch kein Unfall begegnet. Aus einen schwachen Punkt müssen wir jedoch noch zuletzt die Aufmerksamkeit lenken: die Qualität des Gummi'S. Das Gummi kann so beschaffen sein, daß es nach jahrelangen! Gebrauch wie neu aussieht, andernfalls aber auch schon nach kurzer Zeit schwarz, porös und brüchig werden. Diese Unterschiede werden durch die Behandlung beim Vnlkanisiren bedingt. Leider gibt 54 es kein äußeres bestimmtes Kennzeichen, durch welches sich das gut von dem schlecht vulkanisirten Gummi unterscheiden ließe. Neuerdings haben Wohl die Fabrikanten mehr Erfahrung in der Behandlung des Gummis gewonnen, so daß ihnen der Prozeß sicherer gelingt; in der ersten Zeit war der Erfolg aber immer ein sehr ungewisser. Der Mißstaird zeigte "sich namentlich auch in den Gummiröhren, welche zu Leitungen von flüssigen und gasförmigen Körpern so vielfach verwendet werden. Große Vorräthe von solchen wurden nach Jahresfrist in den Magazinen unbrauchbar. — Walzen von gut vulkanisirtem Gummi leiden durch die Hitze nicht im mindesten; die Wäsche, wie sie fast noch kochend aus der Waschmaschine herauskommt, kann sofort ausgerungen werden. Es ist dies von großem Vortheil, da das Waschgeschäft dadurch sehr beschleunigt werden kann. Die heißen Stücke aus der Waschmaschine herauszunehmen verursacht keine Mühe, sobald zuvor die Brühe durch den Hahn unten abgelaufen ist. Mit Hilfe der Ringmaschine läßt sich zum mindesten dreimal so schnell arbeiten, als durch Auswinden mit den Händen. Die Preise der Ringmaschinen gehen von etwa 10 fl. bis 20 fl.; sie richten sich vorzugsweise nach der Walzenlänge. Ob Holz-, ob Eisengestell macht dabei nicht viel Unterschied. Eine Maschine von 10 Zoll (30 Centi- meter) Länge der Gummiwalzeu dürfte sich für den Hausgebrauch am besten eignen; ihr Preis ist 16 bis 17 fl. (Einen Zoll mehr oder weniger in der Länge macht einen Preisunterschied von ca. 1 fl.) Ursprünglich hat man die Maschinen in der Form von Fig. 11 gleichfalls von I. Hilgers bezogen; neuerdings werden sie auch an verschiedenen anderen Orten zusammengesetzt, indem man das Holzgestell am Orte selbst machen läßt, die Gummiwalzen aber in einer Gummifabrik, deren es nur wenige in Deutschlang gibt, gewöhnlich in Harburg. Die Verkäufer der Maschinen besorgen denn auch auf diesem Wege die Herstellung neuer Gummiwalzen, wenn solche untauglich geworden sind. Die Preise für eine neue Walze sind nicht unbedeutend, da das Gummi sehr theuer ist; es steht eine selche in der Lange von 10 Zoll auf 3 hü bis 4 fl. Ringmaschinen in der Ausführung von Fig. 12 fertigt A. Lind in Stuttgart an; die Preise stimmen mit denen der andern Maschinen überein. Wir haben die Wäsche, nachdem sie aus der Waschmaschine gekommen ist, einmal durch die Ringmaschine laufen lassen und damit die Hauptmcnge der Brühe und des in dieselbe übergegangenen Schmutzes entfernt. Wir sehen setzt die Stücke im Einzelnen genau durch, nehmen diejenigen zurück, welche noch trübe Stellen zeigen und waschen solche von Hand aus fertig. Wir spülen hierauf alles zusammen in frischem Wasser herum, welches zweckmäßig erwärmt ist, weil sich der Rest zwischen den Fasern befindlicher Seifenbrühe besser löst; alsdann ringen wir die Stücke wiederum in der Maschine aus. Läuft dabei noch sehr trübe Brühe ab, so spülen wir die Stücke von neuem in ganz frischem Wasser und wieoerholcn das Ausringen in der Maschine, worauf denn endlich zum Trocknen geschritten werden kann, oder wenn man den höchsten Grad der Weiße erzielen will, zur Bleiche. (Fortsetzung folgt.) 58 Kleinere Mittheilungen. — U eber den Werth der Bezeichnung „Patent" bei Waaren. Nicht selten findet man Maaren, auch Maschinen, als Patent, oder patentirte, mit einem k. k. österr. Privilegium ausgestattete rc. in Ankündigungen dem Publikum ausdrücklich empfohlen. Es wird dadurch der Glauben verbreitet, als besäßen diese Gegenstände einen besonderen, seitens des Staats anerkannten Werth, wodurch der letztere sich bestimmt gefühlt, ihnen einen, eigenen Schutz angedeihen zu lassen. Es ist sicher, daß für viele Dinge Patente nachgesucht werden zu dem alleinigen Zweck, sie unter dieser Firma besser an Mann bringen zu können. Wenn das Manöver im Ganzen auch ein unschuldiges zu nennen und nur in die Klasse der Geschäftsreklame zu rechnen ist, so dürfte es doch angemessen sein, das Publikum mit wenig Worteil über den reellen Werth des „Patent" rc. aufzu- klären, da gelegentlich auch einmal eine arge Schwindelei auf diesem Wege unterläuft. — In allen uns bekannten Staaten, mit Ausnahme zweier, herrscht bei der Erthcilung von Erfindnngspatentcn das blosc Anmeldvcr- fahren. Das heißt, es macht Jemand bei der zukömmlichen Staatsstelle eine Eingabe, worin er bittet, ihm auf eine bestimmte Reihe von Jahren das Alleinrecht der Ausbeutung einer in dem Gesuch näher beschriebenen Erfindung zu ertheilen. Der Gcsnchsteller kann dabei selbst der Erfinder sein oder im Namen eines Andern anftreten. Es wird alsdann nach Entrichtung der betreffenden Spesen, die in manchen Ländern sehr hoch sind, ein Dokument verabfolgt, das Patent, worin dem Gesuchsteller das gewünschte Privileg ertheilt ist, unbeschadet der Rechte Dritter, welche nachweisbar die fragliche Erfindung schon früher gemacht und praktisch verwertet haben. In letzterem Falle, auch dann, wenn durch gedruckte Beschreibung die Erfindung schon vor der Eingabe bekannt gewesen ist, wird das Patent ohne Werth, d. h. der Besitzer desselben kann keinen Anspruch mehr ans staatlichen Schutz machen, wenn Andere die Sache ebenfalls aus- zubcuten suchen. Eine patentirte Erfindung in diesem Falle ist also eine solche, für welche — kurz und bündig — gewisse Spesen der Einregistrirung in die Patentlisten gezahlt worden sind, nicht mehr und nicht weniger. Es geht aus der Bezeichnung weder hervor, daß die Sache neu, noch daß sie gut oder nützlich ist. Der Staat ladet mit der Patentcrtheilung dem Publikum gegenüber nicht die mindeste Verpflichtung auf seine Schultern. — Kaum anders gestaltet sich die Sache in den beiden Staaten, wo ein etwas abweichendes Verfahren beobachtet wird, in Baden und Preußen. Hier wird nämlich die Eingabe einer sorgfältigen Prüfung durch Fachmänner unterzogen, um die Neuheit der angeblichen Erfindung zu konstatiren. Eine große Zahl von Gesuchen wird dabei thatsächlich zurückgewiesen, nicht selten unter Klagen und Beschwerden seitens der Erfinder, welche sich zurückgesetzt fühlen. In den Fällen, wo das Gutachten hinsichtlich der Neuheit günstig ausfällt, wird ein Patent ertheilt, wiederum jedoch unter Beifügung der stehenden Formel: unbeschadet der Rechte Dritter rc., indem ja es recht wohl denkbar ist, daß die Sache dem prüfenden Fachmann im Bereich seiner Erfahrung und in der ihm zugänglichen Literatur nicht vorkam, gleichwohl aber irgendwo schon von einem andern Andern ausgeführt oder in einer sremden Schrift 56 beschrieben war. Der Staat übernimmt durch das Patent also auch hier keine irgendwelche Garantie, weder hinsichtlich Neuheit, noch Nützlichkeit der Sache; er ertheilt das Patent auf Grund des Ausspruchs von Sachverständigen, daß die Nicht-Neuheit der Erfindnng nicht nachgewiesen werden könne. — Lasse man sich also im Publikum für die Zukunft nicht mehr durch den Köder „Patent" irre führen; schreibe man demselben keine höhere Bedeutung zu, als beliebte es dem Spekulanten die Bezeichnung „vorzüglich", „einzig", „noch nie dagewesen" auf seine Waare zu setzen, wovon Jedermann gleich weiß, was er zu halten hat?) Aber auch seitens der Industriellen möge man nicht immer glauben, daß jede Waare, die mit Patent bezeichnet ist, wirklich auf einem Patent ruht und deßhalb eventuell nicht nachgeahmt werden dürfe. Manche Dinge bleiben immer Patent, auch nachdem das Privileg längst abgelaufeu ist; man hat sich daran gewöhnt, beide Ausdrücke immer zusammen anzuweuden und der Verfertiger findet auch keinen Anlaß, die Etikette umzuändern, da die Sache so zieht. Andere Dinge sind vielleicht nie Patent gewesen, und werden doch so bezeichnet, oder erlangten vielleicht das Recht der Aufschrift in einem Duodezstäätchen, etwa in Monako, und durchwandern damit nun kühn die Welt. Wer sieht ihnen die Abstammung und die Berechtigung an? In jedem besonderen Falle, wo sich Jemand durch die Bezeichnung „Patent" bei einem Gegenstand näher berührt fühlt, versäume er nicht, in den Patcnt- listen seines Heimathlandes nachzusehen, ob die Sache auch wirklich daselbst geschützt ist. Ist dies nicht der Fall, so steht ihm jeder Zeit frei, die Sache bei sich uachzuahmen. In Baden werden seit mehreren Jahren Patente blos noch auf die Zeit von 3 Jahren ertheilt; die Zahl derselben beträgt kaum 40 im Laufe eines Jahres. Der gewünschte Nachweis ist deßhalb leicht und schnell zu erlangen. — Verstärkung der Leuchtkraft des Petroleums durch Zusatz von Kochsalz? In einem Schreiben aus Milwaukee im Staate Wiskonsin lasen wir kürzlich, daß man in Nordamerika die interessante Beobachtung gemacht habe, daß die Leuchtkraft des Petroleums in beträchtlichem Grade verstärkt werde, wenn man Kochsalz zu dem Oel in die Lampe bringe. So unwahrscheinlich uns in theoretischer Hinsicht die Angabe dünkte, so ließen wir es uns gleichwohl angelegen sein, durch einen Versuch die Sache zu Prüfen. Das Ergebniß war, wie wir erwarteten, ein negatives: das Kochsalz erwies sich vollkommen indifferent. Bringt man Kochsalz in eine Lampe mit Spiritus, so löst es sich ein wenig darin auf, steigt in dem Docht in die Höhe und färbt so die sonst lichtlose Flamme schwach gelb, so daß man etwas dabei sehen kann. In Petroleum löst sich das Wirklich hat der Sprachgebrauch den Begriff „Patent" auch schon in diesem Sinne ganz adoptirt, und zwar in der Anwendung auf Sachen wie Personen. Der Kaufmann bedient sich täglich des Ausdrucks: „Diese Waare :c. ist ganz patent, ist patent in jeder Beziehung", was soviel heißen will als untadelhast, neu und vorzüglich, ursprünglich: patentwürdig. — Bon Personen sagt man gleichfalls, sic seien patent, mit Beziehung sowohl aus ihr Amperes, ihre Kleidung, ihren Anstand, wie namentlich bei Geschäftsleuten auf ihre Gewandtheit, ihre Befähigung, in demselben Sinne wie geschliffen, gerieben, gestriegelt, gewich.St «' 57 Kochsalz aber nicht einmal, kann also auch nicht in die Flamme kommen; es fällt damit denn jeder Grund weg, aus dem es eine wenn auch noch so geringe Verstärkung der Flamme, wie bei Spiritus, bewirken könnte. — Petroleumlampe ohne Cylinder. Von Paris kommt seit kurzem eine neue Petroleumlampe in den Handel, welche das Problem gelöst hat, das Oel ohne Zugrohr mit brillantem Licht zu verbrennen. Die Wirkung des Glascylinders, einen starken gleichmäßigen Luftstrom herzustellen und in die Flamme zu senden, wird hier ersetzt durch ein Uhrwerk mit Blasebalg. Die Lampe ist ganz aus glattem Messingblech; in der Form kommt sie auf die frühere Moderateurlampe hinaus, welche durch eine aufgesetzte Kugel in eine Petroleumlampe umgewandelt wurde. Der untere Theil birgt das Uhrwerk, die Kugel enthält wie gewöhnlich das Oel. Der durch das Uhrwerk getriebene Blasebalg, wahrscheinlich in Verbindung mit einem Windkessel (das Innere ist verschlossen), sendet einen Luftstrom aufwärts, welcher zu beiden Seiten des Dochtes austritt und die Flamme regelrecht über dem Hut zu Stande bringt. Die Zeit, binnen der das vollständig aufgezogene Uhrwerk abläuft, beträgt 8 Stunden. Die Flamme wird nach stundenlangem Brande etwas größer, indem die Hitze durch die Messingtheile in den Oelbehälter herunterdringt und das Petroleum dünnflüssiger macht, wodurch der Docht stärker anzieht; man muß dann etwas zurückschrauben. Die Verbrennung ist nicht ganz vollständig; die Flamme riecht (wie die gewöhnlichen Lampen, wenn sie zu nieder geschraubt sind) ein wenig nach Petroleumdampf, was sich wohl durch eine etwas abgeänderte Form des Huts über dem Docht dürfte vermeiden lassen. Die neue Lampe wird sich namentlich zur Beleuchtung von Salons, Läden rc. eignen, wo sonst die Gläser durch Zugwind gerne Platzen; ihre Flamme wird selbst durch starken Wind nicht leicht ausgelöscht, doch rußt sie dann, wie auch die Flamme der gewöhnlichen Cylinderlampen. Eine lebhafte Konkurrenz werden letztere vorerst nicht zu befürchten haben, die Novität ist etwas theuer. Ein Exemplar, welches wir von Karl Schmitt in Leipzig bezogen, wurde uns mit 8 Thaler berechnet. — Die Roßkopf'sche Arbeiteruhr. Von Uhrmacher Roßkopf in La Chaux de Fonds, Schweiz, ist eine Taschenuhr verfertigt worden mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse des Arbeiterstandes, in solider, kräftiger Konstruktion und billig. Die gewerblichen Zeitschriften berichten seit einigen Monaten über dieselbe, Näheres wird jedoch erst neuerdings über dieselbe bekannt. Auf unsere Bestellung wurde uns eine solche, nach Verlauf längerer Zeit,'von L. Gutmann, Fahrstraße 31 in Frankfurt a. M., zugesendet, welcher demnach die Agentur für dieselben in Deutschland zu besitzen scheint. Berechnet wurden uns 20 Frankeil nebst 1 Frank Eingangs- zoll. Das Gehäuse ist stark von Neusilber; der Durchmesser ist 17 Linien (50"""), die Dicke beträchtlich 6'" (18"""), das Gewicht 9 st, Loth (die gewöhnliche Herrenuhr wiegt etwa 3 Loth). Die Uhr hat keinen Schlüssel, sie wird vermittelst des Kopfes des Bügels aufgezogen, die Zeiger werden mit der Hand gerichtet. — Der berühmte Uhrmacher Bregnet in Paris erstattete in einer Sitzung der sociütü ü'encourugelueut Ende Januar einen sehr 58 günstigen Kommissionsbericht über diese Uhr, in Folge dessen dem Verfertiger die Vereinsmcdaille zuerkannt wurde. — Chronometermacher H. Fischer in Wien äußerte sich in einer Sitzung des niederösterreichischen Gewerbevereins (dessen Verhandlungen und Mittheilungen Nr. 11) folgendermaßen über die Roßkopf'sche Uhr. „Ihre Hemmung ist die Ankerhemmung, und zwar von ähnlicher Konstruktion, wenn auch minder schon ausgeführt, als jene, mit welcher die ersten Produkte von Lange's Uhrenfabrik zu Glashütte in Sachsen ausgestattet waren. Es ist dies nicht die vollkommenste Konstruktion, aber sie ist leicht und billig herzustellen. Die Größenverhältuisse der Triebe und Räder, sowie die Form der Zähne sind die richtigen. Noß- kopf wollte ein Rad und einen Trieb ersparen und läßt zu diesem Zweck das Vierteltriebrad, welches den Minutenzeiger trägt, sowie auch das Stundenrad, auf dessen Rad der Stundenzeiger sitzt, von einem Räderpaar treiben, welches mit Reibung aus den Deckel des Federhauses aufgesetzt ist. So wünscheuswerth diese Ersparung und Vereinfachung auch ist, so bringt sic doch zwei nicht ganz unbedeutende Fehler mit sich, deren einer darin besteht, daß die Zähne des Federhauscs, da sie sehr zahlreich sein müssen, hinsichtlich ihrer Stärke in keinem Verhältnis; zur sonstigen Festigkeit der Uhr stehen und das Ausbrechen oder Umbiegen eines solchen Zahnes wahrscheinlich wird, wenn die im Federhans angebrachte Patek'sche Feder den Dienst versagen sollte. Der zweite Nachtheil in Folge der Ersparung des Minutenrades ist der, daß der Minutenzeiger durch die nothwendige Zahnluft des Eingriffes ein freies Spiel hat, welches beim Ablesen der Zeit einen Fehler von Einer Minute geben kann. Die sog. Patek'sche Feder ist für diese Uhr eine Nothwendigkeit wegen der Schwäche der Zähne des Federhauscs, und soll bei der Repassage sowohl, als bei der Reparatur dieser Uhren mit Sorgfalt geprüft werden. Da die Bestandtheile der Uhr alle roh sind, wie sie von der Feile, dem Stichel, der Drehbank oder je nach ihrer Beschaffenheit von der Presse kommen und da die Stahltheile mit Ausnahme der Triebe, der Hcbestifte des Ankers und der beiden Aufzngsräder weder gehärtet, noch geschliffen sind, so hat das Innere der Uhr ein sehr rohes Aussehen, was jedoch nicht verhindert, daß diese Uhr ein guter Zeitmesser ist." — Die Frauenarbeit, oder der Kreis ihrer Erwerbsthätigkeit. Unter diesem Titel wird von A. Daul (Altona, Hammrich), auf Grundlage des Werkes einer Amerikanerin, Frau Virg. Penny, eine Schrift heraus- gegcben, welche eS sich zur Ausgabe gesetzt hat, die Erwerbs- und Berufsarten , in welchen das weibliche Geschlecht eine Beschäftigung finden oder eine Existenz sich gründen kann, in eingehender Weise zu besprechen und statistische Nachweise über die Lohnverhältnisse damit 'zu verbinden. Das Ganze soll in 2 Bänden erscheinen, von denen der erste die mechanischen (gewerblichen und landwirthschaftlichen), der zweite die geistigen Berufsarten umfaßt. Von dem ersten Band, der vollständig in 8 Lieferungen zu 27 Kreuzer sein wird, liegen uns bis jetzt 6 Lieferungen zur Beurtheilung vor. Dieselben lassen ersehen, daß der Verfasser seinen Plan mit Sachkenntniß und Liebe durchführt; die Schreibweise ist gemeinverständlich und anziehend. Den Tausenden des weiblichen Geschlechts, welche durch die Verhältnisse gezwungen sind, für ihr Fortkommen durch eigene Thätigkeit zu sorgen, wird das Werk ein vorzügliches Mittel abgeben, um sich vor Allem über die Mannigfaltigkeit der für sie geeigneten Erwerbsarten zu unterrichten und dann diejenige, für welche sie die'meiste Qualifikation besitzen und die ihnen nach den gegebenen Verhältnissen am lohnendsten erscheint, sich herauszuwählen. Aber auch für Andere, nicht unmittelbar Betheiligte ist die Schrift als eine unterhaltende, den Jdeenkreis bereichernde Lektüre bestens zu empfehlen, die sie zum mindesten befähigen wird, hier und da durch Er- theilung eines angemessenen Raths sich ihrer Umgebung nützlich zu erweisen — Putzpulver. Von Fr.-Vaniceck in Kuttenberg (Böhmen) sind uns dieser Tage Proben eines Putzpulvers zugekommen, welches unserer Erfahrung nach zu dem Besten, hinsichtlich Wirkung und Preis, seiner Art zählt. Dasselbe ist von röthlicher Farbe und soll aus den alten Silberschachten stammen; der Angabe nach ist es selbst metallfrei und ganz unschädlich für die Gesundheit. (Nach einer Mittheilung von Herrn l>r. Nestler besteht dasselbe vorzugsweise aus kohlensaurem Kalk mit etwas Eisenoxyd.) Beim gelinden Reiben mit diesem Pulver, »sei es daß man die bloßen Finger gebraucht oder ein Stück Leder zu Hilfe nimmt, wobei man das Pulver trocken oder um das Verstäuben zu vermeiden, besser feucht verwendet, fliegt die Trübung geradezu fort und bildet sich eine hübsche Politur. Messing, Aluminiumbronze, Britanniametall, (an Thcekannen re.), Neusilber, Silber, welche Metalle wir nacheinander versuchten, verhielten sich ganz gleich. Der Engrospreis ist loco Kuttenberg 14 fl. östr. für 100 Pfund. Wenn bei uns im Kleinverkauf das Pfund mit 18 Kreuzer bezahlt wird, so macht der Händler ein gutes Geschäft und das Publikum kann sich für wenig Geld und Mühe alle metallenen Hausgeräthe blank erhalten. — Erkennungsmittel für den echten Kirschbranntwein, von O. Desaga (Wochenbl. des landw. Vereins in Baden; 1867, Nr. 24) Kaum eine Handelssubstanz wird so vielfachen Fälschungen unterworfen, als Kirschwafser. Es gibt sog. Destillateure, welche dasselbe durch einsaches Eiuma- chen und Ausziehen zerstoßener Kirschensteine mit Weingeist zubereiten, wieder Andere, die demselben ganz einfach eine alkoholische Losung von Lthrischem Bittermandelöl oder auch Kernöl substituiren; Andere endlich, welche, etwas gewissenhafter, sich damit begnügen, dem echten Kirschenwasser eine gcwisseQuan- tität gewöhnlichen Weingeistes zuzusetzen. Es existirt jedoch ein einfaches Mittel, ein unfehlbares Verfahren, um das echte Kirschwafser von dem unechten augenblicklich zu unterscheiden. Man gibt in ein Liqueurgläschcn eine Messerspitze voll geraspeltes Guaj akholz, welches in jeder Apotheke zu haben ist, und fügt demselben eine kleine Quantität des zu untersuchenden Kirschbranntweins hinzu. Ist derselbe echt, so entsteht nach einigem Schütteln beinahe augenblicklich eine schön indigoblaue Färbung, welche erst nach einer Stunde vollkommen verschwindet. Das mit Weingeist vermischte Kirschwasser nimmt eine schwach hellblaue Färbung an, die von bedeutend ' kürzerer Dauer ist, als beim reinen Produkt. Pseudokirschwasser, welches man vermittelst Bittermandelöl, Kirschlorbeerwasser oder auch durch Ausziehen von zerstoßenen Kirschkernen mit Alkohol bereitet hat, erzeugt mit Guajakholz eine gelbliche Tinte — von einer blauen Färbung jedoch keine Spur. — Als Kontrolprobe kann noch Folgendes dienen: man mischt eine 60 gewisse Quantität Kirschbranntwein mit reinem Olivenöl in einer Flasche und läßt beides l2 Stunden in Berührung, während mau zuweilen umschüttelt. Gießt man endlich das oben schwimmende Oel ab, so ist dasselbe, bei Anwendung echten Kirschgeistes, ganz geruchlos geblieben, während vom unechten Branntwein das riechende Prinzip in das Oel eingedrungen ist. Zu dieser Mittheilung macht vr. Neßler in Nr. 42 des landw. Wochenblattes die Bemerkung, daß in einzelnen Fällen das zuerst angegebene Untcr- scheidungsmittel auch trügerisch sein könne, indem nämlich auch ganz echtes, besonders älteres Kirschenwasser jene Färbung mit Guajakholz nicht annimmt. Bei einer Reihe von Versuchen hat sich Demselben nun herausgestellt, daß, wenn reines Kirschenwasser erwärmt wird und dann an der Luft stehen bleibt, es schon in einigen Stunden, oder wenn das Kirschenwasser in offenen Gefäßen aufbewahrt wird, schon in einem Tag ganz oder fast ganz die Eigenschaft verliert, mit jenem Holz blau zu werden. Echtes Kirschwasser, das sich sehr stark blau färbte, blieb nach Zusatz von Guajakholz vollkommen weiß und wurde dann gelb, wenn man es vorher 36 Stunden in einem offenen Gefäß stehen ließ. Bei 5er Destillation des Kirschenwassers wird nun zuweilen nicht hinreichende Sorgfalt auf das Kühlen verwendet; die Flüssigkeit fließt warm, kommt in höherer Temperatur mit Luft in Berührung und kann so nach obigen Versuchen die Fähigkeit verlieren, blau zu werden. Da außerdem das Kirschenwasser feiner wird, wenn man es bei der Destillation (beim Brennen) gut abkühlt, so hat man allen Grund, für gute Kühlvorrichtung und für genügendes Kühlwasser zu sorgen. Oft läßt man das Kirschenwasser einige Zeit offen stehen, damit es den „Blasengeruch" verliert. Es läßt sich dagegen nichts einwenden, nur darf es nicht zu lang geschehen, und besonders müssen beim Aufbewahren des Kirschenwassers die Gefäße gut geschlossen werden. — Nur bei diesen Vorsichtsmaßregeln kann der Produzent sicher sein, daß bei einer etwaigen Probe des Konsumenten mit Guajakholz sein echt fabrizirtcs Kirschenwasser auch als solches anerkannt wird. — Joh. Hoff's Malzfabrikate. Die in Berlin erscheinenden „Industrie-Blätter", welche es als eine besondere Pflicht ansehen, dem Geheimmittel-Schwindel energisch entgegen zu wirken, indem sie die Ergebnisse der chemischen Analyse veröffentlichen und damit die unter starker Reklame theuer verkauften Stoffe in ihrem währen Wertste kennzeichnen, bringen in ihrer Nummer 10 und 11 d. I. Enthüllungen über die berüchtigten Hoffschen Fabrikate, denen wir das Folgende entnehmen: Joh. Hoff hat nie Malzextrakt, wie man es als solches kennt, fabricirt, er gab aber seinem Bier, welches allerdings wie jedes andere Bier ans Malz gebraut ist, den Namen Malzextrakt bei. Als man die Bestandtheilc des Bieres uachwies und zeigte, daß es ein sehr gewöhnliches Braunbier war, vermischt mit Thee aus der ' Faulbaumrinde, und aus bitterem Kraute, wurden diese Zusätze geringer, dagegen wuchs der Extraktgehalt zusehends durch vermehrten Zuckerzusatz. Aus dem alle Krankheiten heilenden Biere wurde nun auf einmal ein Tafelbier, welches nebenbei immer noch Krankheiten heilte, sogar die Epilepsie. Wer kennt nicht die Reclame über dieses Bier, und wie viele Atteste, welche dies Bier Leben und Gesundheit bringend schilderten, las man in den Zei- 61 tungen, deren Aussteller aber längst unter kühlem Grabeshügel ruhten. Nach 8 Jahren eines Reclamenunwesens, wie es in Deutschland bis dahin noch nicht dagewesen war, kommt das leichtgläubige Publikum endlich dahin, das Malzextraktgesundheitsbier für das zu erkennen, was es in Wirklichkeit ist, und sein Verlangen nach dieser Univcrsalmedicin ist bis auf einen sehr niedrigen Grad herabgestiegen. Als Ersatz und zur Erhaltung dieser edlen Industrie beschenkt Herr Hofs die Einfältigen unter dem Volke mit andern schönen Malzextraktpräparaten, als da sind: Malzkräuterseifen, Brustmalzzucker und sogar aromatische Malzpomade. Zwar kann mit dergleichen: Zeuge weder etwas gut noch böse gemacht werden, dennoch erweckte es unsere Neugierde, diese Gegenstände näher kennen zu lernen, um Fragen, was davon zu halten sei, beantworten zu können. Die Seifen in verschiedener Form Md von verschiedenem Geruch sind Seifen aus Palmöl', wodurch sie an und für sich eine dunklere Farbe haben, als andere Seifen. Die Gerüche sind die gewöhnlichen, nach Malzextrakt sucht man aber vergebens und d:e Spur, welche sich darin nur mit vieler Mühe Nachweisen läßt, sowie eine in Wasser unlösliche schmutzähnliche Masse lassen vermuthen, daß hier der aus dem Biere sich absetzende Bodensatz das Malzextrakt, von welchem der Fabrikant ganz wunderbare Begriffe haben mag, vertritt. Das Malzextrakt in der Pomade ist von derselben Verfassung. Der Brustmalzzucker hat eine gerippte Tafelform, ist von braungelber Farbe und besteht aus gleichen Theilen gewöhnlichem Zucker und Kartofsclstärke- zucker, welche mit Bier zur Tafelkonsistenz eingekocht sind. Es hat einen unangenehmen kratzenden Geschmack, welcher bekanntlich den gewöhnlichen Kartoffelstärkezucker kennzeichnet, aber auch ein sehr starker Gehalt an Gyps, der unvermeidliche Begleiter des Kartoffelstärkesyrups, gibt Zeugniß seiner Herkunft. Daß diese Hoffschen Malzpräparate als Heilstoffe werthlos sind, wird jeder einsehen, und die Aerzte, welche denselben durch Atteste Heilkräfte beilegen, bezeugen damit auch ihre Stümperhaftigkeit in ihrer Kunst. — Malzextrakt und Gerstenzncker. Ucber die Herstellung eines wirklichen Malzextraktes (wie dasselbe von E. Löfluud in Stuttgart verkauft wird) gibt Prof, von Liebig in dem neuen Repcrt. für Pharmacie folgende Vorschrift. Drei Pfund frisches geschrotencs Malz werden mit Wasser zu einem Teig angerührt und hiezu unter beständigem Umrühren so viel heißes Wasser gesetzt, daß die Mischung eine Temperatur von 53" R. erreicht. In dieser Temperatur läßt man das Gefäß so lange stehen, bis eine Probe Flüssigkeit mit Jodtinktur keine blaue Farbe mehr gibt; in der Regel ist nach 2 Stunden die Zuckerbildung vollendet. Nun bringt man die Masse auf einen Spitzbeutel, wäscht den Rückstand mehrmals mit Wasser aus, kocht die ablaufende klare, süße Flüssigkeit bis ans die Hälfte ein, seiht nochmals durch, um sie' ganz klar zu erhalten, und dampft sie im Wasserbade bis zur starken Syrup- öder Honigkonsistenz ein. Man erhält in dieser Weise über 2 Pfund hellbraunen, klaren, fadenziehendcn Honig von mildem, süß-schleimigem, angenehmen Malzgeschmack, der nicht blos dieser Eigenschaften wegen als Brustmittel, sondern überhaupt zum Versüßen von Speisen, anstatt Melasse, brauchbar ist. Dieser Malzextrakt enthält noch eiweißartige Substanzen in Lösung, sowie eine gewisse Menge von Phosphaten, 62 er ist natürlich nichts anderes als ungehopfte eingedickte Bierwürze. Die Bereitung ist sehr einfach, sie wird in den Häusern von mehreren meiner Freunde, von Köchinnen ganz gut ausgeführt. Wenn man Malzextrakt im Wasserbad bis zur Konsistenz eines dicken Teiges eindampft, so erhält man das berühmte alte, aber jetzt außer Gebrauch gekommene Brustmittel, den Gerstenzucker. Dieser Teig läßt sich, noch warm, auf einem mit gepulvertem Zucker bestreuten Brett zu flachen Kuchen auswalzen, die nach dem Erkalten hart und brüchig werden; dies ist der echte Gerstenzucker. Derselbe läßt sich, mit Zuckerpulver geschichtet, in trockenen Gegenden, wie z. B. München, ziemlich lauge aufbewahren, aber an andern Orten wird er sehr bald durch Anziehen von Feuchtigkeit weich und die Stücke kleben zu einer äußerst zähen Masse zusammen, wodurch sie unverkäuflich werden. — Glimmerbrillen für Metallarbeiter. Beschädigungen des Auges kommen bei Metallarbeitern häufiger vor, als man anzunehmen geneigt ist; es scheint, daß kein einziger in seinem Berufe von bald mehr, bald weniger bedeutenden Verletzungen verschont bleibt. Nach einer sehr interessanten Untersuchung, welche 0>. H. Kohn veröffentlicht hat (Nr. 8 der Berliner Klinischen Wochenschrift, ausführliche Auszüge davon in verschiedenen Blättern, unter andern in der deutschen Industrie-Zeitung Nr. 13 und 14), muß die Hälfte aller Metallarbeiter aus diesem Grunde die Hilfe des Arztes beanspruchen. Unter 1000 Arbeitern büßen nicht weniger als 28 durch Verletzungen einen Theil ihres Sehvermögens und 16 ein Auge völlig ein, gewiß ein sehr trauriges Ergebniß. Durch die Kunst werden 91 Prozent der Verletzten wieder vollkommen geheilt. Von den von I)r. Kohn im Ganzen untersuchten 1283 Metallarbeitern arbeiteten 1231 ohne Schutzbrille, d. h. 97 Prozent. Als Gründe dafür wurden stets folgende angegeben: 1) die Brillen zerbrechen zu leicht; 2) die Brillen sind zu schwer; 3) die Brillen sind zu theuer. Sollte also den so massenhaften und häufig genug so folgenschweren Augenverletzungen vorgebeugt werden, so müßte man darauf sinnen, eine Brille zu konstruiren, die die genannten drei Uebelstände nicht besitzt, und 1)r. Kohn glaubt, dieses Ziel erreicht zu haben. Die in neuester Zeit in den Handel gebrachten unzerbrechlichen Lampencylinder aus Glimmer führten ihn ans den Gedanken, dieses Mineral zu Schutzbrillen zu benützen. Er vcranlaßte daher den Fabrikanten Max Raphael in Breslau, Bahnhofstraße Nr. 10, der ein großes Lager von Glimmer und Glimmergegcnständen besitzt, die Herstellung von Glimmerbrillen zu versuchen. Diese Versuche fielen so günstig aus, daß sich Herr Raphael durch die geschickte technische Ausführung der neuen Brillen ein wesentliches Verdienst um die Lösung der vorliegenden Frage erworben hat. Die Glimmerbrillengläser sind gebogen, wie die Gläser der französ. Uhrglasbrille, und bedecken nicht blos wie die gewöhnlichen Ccknvex- oder Concavbrillen den «ordern Theil des Augapfels, sondern legen sich in ihrer Messingeinfassung genau dem vordem knöchernen Augenhöhlenrande an, so daß von keiner Seite ein Splitter an den Augapfel gelangen kann, und dennoch die Wimpern das Glas nicht streifen. Das Gestell ist aus dünnem Messingdraht, dem leicht jede ilöthige Biegung mit der Hand gegeben werden kann. Die Bügel sind 63 am Rand der Mesfingeinfafsung der Glimmcrgläser festgelöthet und haben keine Charmere, damit die Brille möglichst billig sei. Die Glimmergläser sind 1 / 2 -mll. Da sür diese Schutzbrille nur die reinste und durchsichtigste Sorte Glimmer verwendet wird, so sieht man durch sie so gut als durch Glas. Einen kleinen Stich ins Hellgraue hat aber jede Elimmersorte und eine unbedeutende Hellgraufärbung der Objekte ist natürlich die Folge. Dieselbe hindert aber nicht ein normales Auge, eine Schrift auf dieMe Entfernung mit der Brille eben so scharf, als ohne diese zu lesen. Für Feuerarbeiter, z. B. Schmiede und Gießer, ist übrigens diese leichte Milderung des grellen Lichtes gewiß nur vortheilhaft. Für die Arbeiten der andern Metallarbeiter ist sie nicht störend. Diese Glimmerbrillen haben nun außer dem Umstande, daß sie daS ganze Auge schützen, folgende große Vorthcile: 1) Sie können nicht zerschlagen werden. Gewaltige Hammerschläge eines Schmiedes vermochten nur die Glimmeigläser stach zu drücken, während bei dem leisesten Schlage eine Glasbrille natürlich in Splitter zertrümmert wurde. Dian kann die Glimmerbrillen getrost mit aller Gewalt aus die Erde werfen, sie nehmen keinen Schaden. Glühende Metalle, die, auf Glas gegossen, dieses sofort zersprengen, lassen die Glimmerbrillen völlig intact. vr. Kohn ließ sic auf flüssigem weißglühenden Eisen 2 Minuten lang schwimmen; die Glimmergläser zeigten keine Veränderung. Nur mit der direkt aufgesetzten Messer- oder Bohrerspitze läßt sich der Glimmer zerichneiden, dagegen prallen spitze Dreh- und Feilspähne von der Glimmerbrille zurück. 2) Die Glimmerbrillen sind fast noch einmal so leicht, als die Glasbrillen. Eine französ. Uhrglasbrille wiegt 13,s Grm,, eine Glimmerbrille nur 7,s Grm. Dabei genirt sie die Bewegungen des Auges und die freie Orientirnng nach allen Seiten des Gesichtsfeldes gar nicht, während das wohl bei den Schutzbrillen der Fall ist, deren sich mitunter die Arbeiter bedienen und die nur den Blick geradeaus gestatten, da die seitlichen Thcile des Auges durch die breite Ledereinfassung der Brille verdeckt werden. 3) Die Glimmcrbrillcn kosten den fünften Theil der Glasbrillen. Eine französ. Uhrglasbrille, die allein im Stande ist, das ganze Auge vor Verletzungen zu schützen, wird für 1 Thlr. verkauft. Dagegen beläuft sich der Preis einer Glimmerbrille nur aus 6 Sgr. 4) Die Glimmergläser, da sie sehr schlechte Wärmeleiter sind, halten das Auge des Feuerarbeiters kühl. Wir haben ein Dutzend dieser Glimmerbrillen für unsere Ausstellung aus Breslau bezogen und können davon, soweit der Vorrath reicht, an Augenärzte zu Versuchen abgegeben werden. Die oben angegebenen Eigenschaften können wir vollkommen bestätigen. — Verkaufsbuden moussirender Getränke. In den norddeutschen Städten, soviel wir wissen, mit Berlin als Ausgangspunkt, begegnet man seit einer Reihe von Jahren einer eigenthümlichen Schöpfung von Durstlöschanstalten auf offener Straße, welche bis jetzt eine Verbreitung in unfern Süden nicht erlangt haben, sei es daß wir überhaupt geringeren Durst haben, sei es daß Bier und Wein als außergewöhnlich durststillende Mittel bei uns weit billiger sind und der Nachfrage bis jetzt noch genügt haben. An verschiedenen Punkten des Hauptverkehrs sieht man dort kleine 64 Häuschen errichtet, in welchen Mädchen kohlensaure nicht geistige — Getränke ausschenken, entweder reines kohlensaures Wasser (Sodawasser gewöhnlich genannt), oder mit Himbeersyrup versetzt. Der Berliner Volks- witz hat die Verkäuferinnen bald als kohlensaure Jungfrauen getauft, welche scherzhafte Bezeichnung auch bis zu uns gedrungen ist. - Der Posten wird jedoch nur ganz achtbaren Frauenzimmern anvertraut. Die Getränke werden sehr billig verkauft, ein Glas kohlensaures Wasser etwa 1 Kreuzer, mit Himbeersyrup das doppelte. Das Unternehmen hat sich überall, wo es eingeführt wurde, sehr gut rentirt, und damit als ein zeitgemäßes erwiesen, das einem vorhandenen Bedürfniß Befriedigung gewährte. Bis nach Gießen herunter hat sich die Einrichtung verpflanzt; in Frankfurt fanden wir bei unserm letzten Besuch vergangenen Sommer eine solche noch nicht vor. Es dürfte schon den Versuch lohnen, auch bei uns solche, doch mit nur geringen Kosten verbundene Anstalten zu errichten. Der Genuß des kohlensauren Wassers verbreitet sich bei uns von Jahr zu Jahr mehr, vorerst allerdings nur unter den bemittelten Klassen. Die Verkaufsbuden auf offener Straße dürften das kühlende und gesunde Getränke auch den niedern Volksklassen mehr zugänglich machen und dem überhand nehmenden Wirths- hausbesuch entgegenzuarbeiten. — Wir machen bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, daß in dem „praktischen Maschinenbauer" Nr. 3, 4, 5 dieses Jahres ausführliche, mit Illustrationen versehene Mittheilungen über die Fabrikation der kohlensauren Getränke enthalten sind. — Nachtstuhl mit hermetischem Verschluß. Auf Fig. 27, Tafel II ist ein von älleri kreros, rus 31 8t. Nurtin 1 in Paris zu 30 Frcs. gelegentlich der Pariser Ausstellung gekaufter Nachtstuhl abgebildet, welcher die Gerüche vollständig zurückhält. Der Apparat ist äußerlich aus lackirtem Blech, I, I, worin ein Topf von starkem Fayence, ic, Ic, ruht; beide Theile sind in fester untrennbarer Verbindung. Auf dieses Gefäß wird ein Holzkranz, 8, 8, aufgesetzt, an dem unten ein Ring, ti, d, von vulkanisirtem Gummi befestigt lst. Dieses Gummi dient als Auflage und bildet eine vollkommene Dichtung. In den Holzkranz ist unten ein Blechkegel, p p, eingesetzt, daran befindet sich ein Träger,