Badische Gewerbezeitung für Haus und Familie. Sucht den Fortschritt von Ratnrwiffenschaft und Gewerbe in ihren Bezie- hnngen zu dem gesammten Hauswesen zu verbreiten. Bringt vorzugsweise Original - Mittheilungen und berichtet über die in der großh. Landes-Gewerbehalle zu Karlsruhe angestellten Versuche. Organ der großh. badischen Landes- cheweröehalle. Redigirt von Pros. vr. H. Mei-inger. Einmal monatlich mit 24 Seite» Text nebst licho- graphirten Tafeln. JahreS- preis: 1 st. oder 18 Sgr., durch Post und Buchhandel. Subskribcntcnsammler für mindestens ü Erenrplare erhallen das Blatt zu 45 kr. (13 Sgr.) franko zugesea- det; bei 12 Exemplaren auch noch 1 Freinummer. ll. Jahrgang. No. 11. Karlsruhe. November 1868. Inhalt: Seite 1S3—160: Eismaschinen. — Kleinere Mittheilungen: Der Anhy- drat-Kochtopf. Mit einer lithographirten Tafel V. Eismaschinen. (Schluß.) V. Die Luftpumpen-Eismaschine von Edm. Carre in Mois- lains bei Peronne. Wenn man Wasser in einen geschlossenen Ranm bringt, aus welchem sich Luft und Dämpfe vollständig entfernen lassen, so vermag man eine so lebhafte Verdunstung herbeiznführen, daß sich in kurzer Zeit Eis bildet. Diese als physikalischer Versuch längst bekannte Thatsache benutzte Ed. Caere in Moislains, ein Bruder des früher als Erfinder der Ammoniak-Eismaschine genannten Caere in Paris, um eine für die Praxis, namentlich für das Hauswesen bestimmte Maschine zur Darstellung von Eis zu konstruiren. Im Prinzip unterscheidet sich diese Maschine durchaus nicht von der Anordnung des Versuchs: es ist eine Luftpumpe vorhanden behufs Entfernung der Luft, und die Wegnahme der Wasserdämpse wird durch konzen- trirte Schwefelsäure bewerkstelligt. Die Ausführung im Einzelnen ist gleich- * wohl ganz originell. Fig. 62 auf Tafel IV gibt eine äußere Ansicht der Maschine, Fig. 75 eine Durchschnittszeichnung in etwas vergrößertem Maßstabe, wobei die Haupttheile, die in Wirklichkeit nebeneinander stehen, hintereinander gerückt sind. N ist die Luftpumpe, an welcher zwei Führungsstäbe der Kolbenstange bis zu einem dieselben verbindenden Halbringe m einporsteigen. Die Kolbenstange ist in Verbindung mit einem Hebel, der sich bei l aus die Säule 11 > 154 H stützt und au einer Handhabe, bei k gefaßt wir,d (f. Fig. 62H Von dem untersten Theile der Luftpumpe geht eine Röhre r ab in ein cylindrisches wagrecht liegendes Gefäß R, das zur Aufnahme der ko'nzentrirten Schwefelsäure dient, von welcher die Wasserdämpfe absorbirt werden. Dieses Gefäß ruht auf zwei Füßen und läßt oben drei Aussätze 8, k und B, sowie seitlich ein Ansatzstück t erkennen, k und 8 sind oben offen und werden durch Platten fest verschlossen, k durch eine Glasplatte, die einen Einblick in das Innere gestattet, 8 durch einen Decket aus der gleichen Masse des Gefäßes. In 8 mündet die von der Luftpumpe kommende Röhre ein, außerdem aber auch eine Drehaxe, die von außen durch eine Stange p ergriffen wird, um einen im Innern angebrachten Rührer zu bewegen. Ohne diesen Rührer würde die Wirkung nur unvollkommen sein. Die konzentrirte Schwefelsäure absorbirt zwar sehr lebhaft den Wafferdampf; sie erhitzt sich dabei aber in hohem Grade, wodurch ihre Wirkung sich wieder schwächt, und außerdem bleibt die entstandene verdünnte Schwefelsäure als leichtere Flüssigkeit oben schwimmeil. Erst durch Vermischen derselben mit der übrigen Masse kann eine Absorption des Wafferdampfes weiter fortschreiten. — Die Oeffnungen bei k und 8 haben dann noch den Zweck, den Rührer daselbst einführenzu können und die Drehpunkte für denselben herzustellen. In den Aussatz I' mündet eine Röhre ein, welche bei ll einen Hahn besitzt und an ihrem umgebogenen, nach abwärts gehenden Ende eine Wasserflasche 8 aufnehmen kann, in welcher das Eis gebildet werden soll. Der Ansatz t dient zum Füllen des Bassins mit Schwefelsäure und zum Entleeren derselben, wenn sie ihre Wirkung erschöpft hat. Ein Bleistopfen ä dient als Verschluß. — Luftpumpe und Schwefelsäurebassin sind auf einem starken Brett aufge- schraM, so daß sich das Ganze leicht transportiren läßt. Das Bassin mit seinen Aufsätzen und Füßen ist in einem Stück aus Blei gegosseu (oder vielmehr der Angabe nach eine Legirung von Blei mit 5 bis 6 Prozent Antimon), welches von der Schwefelsäure nicht oder nur ganz wenig oberflächlich angegriffen wird. Die Wände sind so stark, daß sie einem mehrfachen Atmosphärendruck Widerstand leisten können. Die bei einmündende Messingröhre ist angelöthet. Die Luftpumpe besteht aus Messing, die Verbindungsröhre r aus Kupfer; dieselbe ist vermittelst Schrauben a und d (s. Fig. 75) an Luftpumpe und Schwefelsäurebassin befestigt. Die Deckel o und k, sowie der Stopfen ä werden vermittelst Einer Wachs- maffe aufgekittet, k mit einer etwas weicheren, wahrscheinlich mit Talg versetzten, e und von dem Rührereingriff gelöst, ohne zugleich die Luftpumpe zu bewegen. Ferner aber wird beim fortschreitenden Gefrieren des Wassers noch eine kleine Menge Luft ausgeschic- den, die mit großer Hartnäckigkeit an der Flüssigkeit haftet, mit dem Eis aber nicht in Verbindung bleiben kann. Diese Luft muß unbedingt entfernt werden durch einige gelegentliche Kolbenstöße, wenn der Gefrierprozeß rasch vorschreiten soll. Nach etwa 5 Minuten von Beginn der Operation fängt das Eis an sich zu bilden; nach 5 weiteren Minuten etwa ist dasselbe zu einer Scheibe von gegen 2 Linien Dicke angewachsen, welche plötzlich von dem Wasser unten sich loslöst, in die Höhe schnellt und in einem kleinen Abstand über dem Wasser an der Glaswand hängen bleibt. In ähnlicher Weise schreitet der Gefrierprozeß fort. Es bilden sich lauter Eisscheiben, die an einem Rande gewöhnlich an einander stoßen und zusammenwachsen. Diese Art der Eisbildung erklärt sich daraus, daß das Wasser sich ausdehnt, indem es zu Eis wird; nun gefriert es aber fest an die Glaswand an und so kommt es, daß der Wasserdruck gegen das dicker werdende Eis immer mehr zunimmt, bis dasselbe sich zuletzt mit Gewalt vom Rande loslöst und dabei in die Höhe geschnellt wird. Der ganze Vorgang ist im höchsten Grade interessant zu beobachten und bieten alle anderen Eisapparate nichts Dem entsprechendes. Nach 40 bis 45 Minuten ist der ganze Inhalt der Flasche erstarrt; man dreht nunmehr den Hahn d zu und zieht die Flasche vorsichtig durch Hin- und Herbiegen aus der Röhre heraus. Ihr Gewicht hat um 60 Gramm (nahe Hs Pfund) abgenommen; so viel ist an Wasser verdunstet und von der Schwefelsäure ausgenommen worden. Es bleibt also ein Rückstand von 340 Gramm Eis. Die hierbei abgegebene Wärme betrug, da das eingefüllte Wasser eine Temperatur von 9° R. hatte: 72 . — 49 W. E. Die bei der Verdampfung des Wassers bei 0° gebundene Wärme beträgt 485 W. E. R.; somit wird bei der Verdampfung von 60 Gramm latent: . 485 — 58 W. E. Der Nutzeffekt des Apparats läßt sich soniit durch die Zahl 157 jK — ? ausdrücken. Der geringe Verlust von beiläufig s ist auf Rechnung der Wärmeaufnahme der Flasche aus der umgebenden Luft zu fetzen. Wenn in der Flasche Kälte durch Verdunstung erzeugt wird, so muß andererseits bei der Verdichtung der Wasferdämpfe durch die Schwefelsäure eine entsprechende Wärme entstehen. Man beobachtet auch in der That eine starke Erwärmung des Schwefelsäurebassins. Da Wasser mit Schwefelsäure gemischt an sich schon eine starke Hitze entwickelt, so muß die Gesammttem- peraturerhöhung der Schwefelsäure bei der Absorption von Wasserdamps um diesen Betrag noch erhöht sein; dem Gefühl nach beträgt dieselbe jedoch nicht mehr als etwa 40 Grad. Wenn man, nachdem die erste Flasche mit Eis abgenommeu ist, sofort eine zweite aufstellt, so fängt das Sieden des Wassers jetzt schon nach 25 Kolbenspielen an, da weniger Luft als vorher auszupumpen ist. Im Ganzen läuft der Prozeß jedoch mit jeder folgenden Flasche in etwas längerer Zeit ab, indem die Schwefelsäure heiß ist und immer verdünnter wird, wodurch sie weniger lebhaft Wasser anzieht. Die sechste Flasche bedarf schon 5/4 Stunden bis zur vollendeten Eisbildung, auch verdunstet in dieser längeren Zeit etwas mehr Wasser, nämlich 70 Gramm (4Hs Loth). Die 12. Flasche verlangt bei wieder abgekühlter Schwefelsäure 2 Stunden Zeit; es verdunsten 75 Gramm Wasser. Weiter als bis zu 14 Flaschen kann man die Operation nicht treiben, da dann so gut wie keine Wirkung mehr erfolgt?) Nehmen wir 12 Flaschen an; der Preis der konze'ntrirten Schwefelsäure zu 6 Kreuzer das Pfund, so steht also die Flasche Eis (etwa Hs Pfund) auf 3 Kreuzer. — Die Schwefelsäure behält allerdings auch in der erlangten Verdünnung ihren vollen Gebrauchswerth für die meisten Verwendungen. Doch kann darauf bei der Kostenberechnung keine Rücksicht genommen werden, da man nicht überall als Verkäufer kleiner Quantitäten Schwefelsäure auftreten kann, der Lieferant aber kaum geneigt sein dürfte, die verdünnte Schwefelsäure wieder, wenn auch zu ermäßigtem Preise, zurückzunehmen. Schlußbetrachtung. Von allen Eisapparaten, die wir kennen gelernt, ist der so eben beschriebene ohne Zweifel am wenigsten praktisch, d. h. im Hauswesen verwendbar. Es wird in dieser Hinsicht vollkommen unsere Bemerkung genügen, daß es zweier voller Tage Erperimentirens bedurfte, ehe wir ihn wirknngsfähig erhielten. Die oben mitgetheilten Resultate sind so weit ganz befriedigend; um sie aber zu bekommen, d. h. um Eis in den angegebenen Zeiten zu bilden, ist es unbedingt nöthig, eine fast vollkommene Luftleere (Vakuum) herzustellen und zu erhalten. Die geringste unmerkbare Oeffnung an einem der vielen Verschlüsse hat ein Einströmen von Luft und dadurch eine völlige Wirkungslosigkeit des Apparats zur Folge. — Es ist zu beachten, daß von dem Operireuden selbst Verschlüsse an folgenden Orten herzustellen find: 1) am Flaschenhals k, 2) am Hahn d, Die eingefüllte Schwefelsäure hat dann überhaupt 60 Loth Wasfer, fast genau Vs ihres Gewichtes, ausgenommen; ihr spezifisches Gewicht ist 1,6. Die Säure kann zwar bei dieser Konzentration noch Wasser absorbiren, doch nur sofern sie dauernd in Bewegung gehalten wird; hört man aus, sie mit dem Rührer zu bewegen, so beginnt das vorher gebildete Eis wieder zu schmelzen, da dann in die Flasche mehr Wärme von außen hinein geht, als durch die nur langsam fortschreitende Verdunstung gebunden wird. 158 3) mit dem Stöpsel ci, 4) .mit der Glasplatte t, 5) mit dem Deckel c, 6) an der Führung des Rührers, 7) oberhalb der Luftpumpe. Von denselben bieten 1, 2, 6 und 7 keine weiteren Schwierigkeiten, da sie durch Einschütten von Wasser und Del sicher erfolgen; 3, 4 und 5 werden jedoch durch Aufschmieren von Wachs gebildet und diese Operation erfordert zu ihrem Gelingen schon einige Geschicklichkeit und Erfahrung. Ferner ist zu berücksichtigen, daß die verbindende Kupferröhre bei a und b angeschraubt ist an Ansatzstücken, welche an Luftpumpe und Bassin angelöthet sind. Das geringste Versehen, welches bei der Zusammensetzung gemacht ist, kann eine Undichtheit bewirken. Bei unserem Apparat ergab sich nach den mühevollsten Nachforschungen, daß an der Verbindungsstelle bei a ein Leck war, d. h. man schloß solches blos daraus, daß nach Zuschmiereu der Stelle mit Wachs die Maschine die Luftleere auf die Dauer hielt und Eis gab. Bei einem nächsten Versagen der Maschine würde man sich wohl jetzt schneller zu helfen wissen; immerhin bleibt es eine mißliche Sache, daß solche schwer zu verbessernde Störungen überhaupt, und noch dazu bei einem ganz neuen Apparat Vorkommen können. Nur ein Liebhaber wird dergleichen ertragen können und nicht sofort Muth und Lust verlieren. Mit konzentrirter Schwefelsäure umgeben, ist ferner eine mißliche Sache; ein Tropfen auf ein Kleid verursacht ein Loch, auf der Hand unter Umständen heftige Brandwunden, wenn man nicht schnell mit Wasser abwäfcht. Die Bedienung des richtig zusammengesetzten Apparates ist im Uebri- gen nicht schwierig zu nennen; man muß denselben jedoch im Auge behalten, da einige Kolbenstöße der Luftpumpe mit Rührerbewegung von Zeit zu Zeit erforderlich sind. Der Apparat läßt sich auch ganz gut in jeder Stube aufstellen, da er wenig Platz wegnimmt und keine Gerüche entwickelt; doch ist seine Transportirung, wenn das Bassin mit Schwefelsäure gefüllt ist, schwierig. Die Abnahme der Flasche Z erfordert ferner einige Aufmerksamkeit und Uebung. Noch ist zu beachten, daß man nicht etwa Vulkanöl als Schmiermittel der Luftpumpe zum Füllen des oberen Raumes in Anwendung bringe. Dasselbe ist etwas flüchtig, verdunstet in das Schwcfelsäurebassin und hindert auf diese Weise jede Eisbildung vollständig. Auch diese Erfahrung kostete uns eine lange Zeit. Rückblick. Nachdem wir so die in den letzten Zähren zur Ausführung gekommenen Vorrichtungen zur künstlicheil Eiserzeugung kennen gelernt, müssen wir nochmals zum Schluß unser Unheil dahin zusammenfassen, daß dieselben für den Gebrauch im Hauswesen nicht geeignet sind, indem sie zu viel technisches Geschick zu ihrer Handhabung bedingen, welches man wohl in längerer Uebnng sich aneignen, aber nicht von vornherein ohne praktische unmittelbare Anleitung entwickeln kann. So lange man Lagereis bei uns, sei es selbst zu hohen Preisen, beziehen kann, ist es immer vorzuziehen, solches zu kaufen, als sich selbst mit der künstlichen Fabrikation zu befassen. Die Bereitung von Gefrorenem vermittelst einer Mischung von Eis und Kochsalz in den früher beschriebenen Maschiuchen ist dagegen eine einfache und in jedem Hause leicht durchführbare Sache. — Zn besonderen Fallen wird allerdings auch eine Eismaschine sehr werthvoll erscheinen, namentlich auf dem Lande oder in warmen Wintern, wo die eingelagerten 159 Vorräthe erschöpft sind, zur Fabrikation von Eis für Heilzwecke. Spitäler und Apotheken dürften dann diejenigen Orte sein, wo solche Maschinen eine nützliche Verwendung finden. Die Ammoniak-Eismaschine wird unter solchen Umstanden den Zwecken wohl am meisten entsprechen, da sie die ver- hältnißmäßig geringste Mühe im Betrieb verursacht und am ergiebigsten in der Produktion ist. n. >' Kleinere Mittheilungen. Der Anhydrat-Kochtvpf. Vor einiger Zeit brachte die treffliche Modezeitung „Bazar" eine Mittheilung über einen neuen Kochtvpf, welcher, von dem Engländer Warren erfunden, von C. Kohn in Berlin (Hausvoigteiplatz 12) unter dem Namen Anhydrat-'Kochtopf auf den deutschen Markt gelangte. Anhydrat heißt soviel wie „ohne Wasser" und will hier bezeichnen, daß die Speisen ohne Zusatz von Wasser gekocht werden. Wir ließen uns ein Exemplar kommen, in der Absicht, die gerühmten Vorzüge aus der.Nähe kennen zu lernen und durch einige Versuche die Sache zu prüfen. Auf Tafel II. Fig. 26 haben wir bereits eine Abbildung des neuen Kochtopfs in Durchschnittszeichnung gegeben. Der Topf ist in verzinntem starken Eisenblech dein Material nach trefflich ausgeführt und besteht ans drei einzelnen Gefäßen nebst Deckel. Das unterste Gefäß mit den Griffen na, der Kessel, dient als Träger und Wärmequelle für die eigentlichen Kochtöpfe; in dasselbe wird Wasser 2 bis 3 Zoll hoch eiugeschüttet. Hier hinein wird der Fleischtopf mit den Griffen bb eingehängt; aus diesen kommt der Gemüsetopf ee zu stehen und hierauf endlich ein Deckel ä ans doppeltem Blech. Am Boden des Fleischtopfs ist ein Sieb (in der Figur nicht angedeutet), worauf daS Fleisch zu liegen kommt, damit es sich immer außerhalb der sich später bildenden Brühe befinde. Durch den Fleischtopf geht von der Seite eine Röhre nach oben, welche auf eine Bodenöffnung des Gemüsetopfs paßt: letzterer ist durch eine Scheidewand irr 2 Abtheilnngen getrennt, um Gemüse und Kartoffeln neben einander bereiten zu können. Noch erblicht man eine kleine Ocffnung in denr Boden des Deckels. Wird der Topf auf das Feuer gestellt, so kommt die geringe Menge Wassers in dem äußerere Gefäß bald ins Kochen; die Dämpfe umgeben den Fleischtopf von allen Seiten und steigen dann, ohne in das Innere desselben eindringen zu können, durch die Röhre in den Gemüsetopf, füllen diesen aus und gelangen endlich in die Deckelhöhlung. Was sich hier von den Dämpfen zn Wasser verdichtet, fließt zurück irr den Gemüsetopf und von da weiter herunter in den Kessel. Nur wenig von den Dämpfen entweicht durch die Fugen nach außen. Gemüse und Kartoffeln werden hierbei also in Dampf gekocht; das Fleisch jedoch durch blos von außen einwirkende Hitze. Was die Zeit des Garwerdens anlangt, so ist ohne weiteres ersichtlich, daß dieselbe für das Fleisch länger dauern muß, als bei dem gewöhnlichen Kochverfahren (geschweige denn gar bei dem Papinianischeu Topf), man wird ein Drittel mehr Zeitaufwand rechnen können. Für Gemüse und Kartoffeln wird sich 160 jedoch kein Unterschied geltend machen; die unmittelbare Dampfhitze fördert das Kochgeschäft in gleichem Grade wie das heiße Wasfer. Es wird sich hierbei wesentlich um die Frage handeln: wie fallen die Speisen in ihrer Güte aus, und: was bietet der Topf in der Handhabung für sonstige Vortheile? Das Hauptgewicht wird auf das Fleisch gelegt und dabei gerühmt, daß es ohne Wasser znbereitet nur wenig von seiner Kraft verlieren könne, welche gewöhnlich durch das Wasser zum großen Theil ausgezogen würde. Das Fleisch vermindert bekanntlich beim Kochen sein Volum; es wird leichter; es besteht frisch nahe zur Hälfte aus Wasser und von diesem tritt bei der Zubereitung ein großer Theil nebst schmeckenden Kleischbestandtheilen heraus und bildet die Fleischbrühe. Ein Pfund Fleisch ohne Knochen (32 Loth) verliert in kochendem Wasser bereitet beiläufig 13 Loth an Gewicht. Bei einem Versuche, den wir mit dem Anhydrat-Kochtopf anstellten, zeigte es sich uns nun, daß 1 Pfd. Fleisch in diesem 12 Loth an Gewicht verlor, es hatte sich dafür eine solche Quantität Brühe unterhalb desselben angesammelt. Es geht daraus hervor, daß es nicht das Wasser ist, welches das Fleisch beim Kochen auslaugt, sondern in Folge der Hitze ziehen sich die Fasern zusammen, wodurch ein Theil der Brühe herausgepreßt wird, und zwar ebensoviel bei Gegenwart wie bei Abwesenheit von Wasser. Das Fleisch zeigt sich demgemäß auch nicht verschieden im Wohlgeschmack. Man gewinnt allerdings im Anhydrat-Kochtopf eine sehr konzentrirte kräftige Brühe, die man jedoch für die Suppe in den meisten Fällen mit viel Wasser verdünnen muß. Nur ausnahmsweise wird sie — mehr als Medizin — unmittelbar zu genießen sein. In dieser Hinsicht bietet aber gegenwärtig das Liebig'sche Fleischextrakt alles Wünschenswerthe. — Für die Zubereitung des Fleisches können wir somit dem Anhydrat-Kochtopf keinen ersprießlichen Vortheil zuerkennen. Daß das Arom sich zugleich weniger verflüchtigen soll, da keine Dünste entweichen, ist jedenfalls ganz unerheblich und dürfte kaum von einem Feinschmecker mit Bewußtsein wahrgenommen werden. Die Kartoffel gerathen im Dampf, wie im Wasser gleich gilt; das Gemüse wird allerdings weniger ausgelaugt; und wenn man dasselbe, nachdem es weich geworden, dann noch mit etwas Butter über freiem Feuer schmelzt, so erlangt es ganz den Wohlgeschmack des von Anbeginn mit Fett gedämpften Gemüses. Als besondere Eigenthümlichkeiten des Anhydrat-Kochtopfs können wir nach dem Vorausgezogenen die folgenden Punkte hervorheben: 1) Man kann Fleisch und Gemüse aus einmal zubereiten und über demselben Feuer. 2) Die Gare des Fleisches erfordert eine längere Zeit, wie beim gewöhnlichen Kochen. 3) Geschmack und sonstige Beschaffenheit der Speisen, mit Ausnahme einer sehr starken Fleischbrühe, sind nicht verschieden von der üblichen Zubereitung. 4) Der Tops bedarf keiner besonderen Beaufsichtigung, da Brühe hier nicht überlaufen, auch sonst nichts einkochen oder verbrennen kann. Druck und Kommissionsverlag der G. Braun'scheu Hofbuchdruckerei in Karlsruhe. (Mit Beilage Nr. 10 u. 11.)