Ol' 08 Lll, I^.ä. Oksui.-Ioo^lw , k Ga-ischc Gmerbereitung. Argan der Hroßherzogl. Landes-chewerbeöalle und der Indischen Hewerbevereine. Redigirt von Hofrath Prof. vr. H. Mei-inger. Wöchentlich einmal. Jahrespreis 8 Mark. Anzeigen LS Pfg. die halbe Petitzeile. 28. Band. Nr. 48. Karlsruhe. 30. November 1895. Inhalt: S. 605 bis 616 . Bekanntmachungen (Prüfung im Hufbeschlag betr.; gewerbsmäßige Ausübung des Hufbeschlags betr.). — Gewerbevereins.Miltheilungen (Heidelberg). — Handwerk und Konsumvereine (Schluß). — Industrie- und Gewerbeausstellung in Straßburg (Fortsetzung). — Stickrahmen. — Behandlung der Betriebsmittel. II. — Unsere Musterzeichnung. — Anzeigen. Lekaimtmachurlg. Prüfung im Hufbeschlage betr. Mit Bezug auf tz 2 der Verordnung vom 24. Juli 1884 (Gesetzesund Verordnungsblatt No. XXX S. 347)" wird bekannt gegeben, daß die öffentliche Prüfung im Hufbeschlage Freitag, den 20. Dezember 1895, Morgens 8 Uhr beginnend, in der Hufbeschlagschule zu Karlsruhe; Samstag, den 21. Dezember 1895, Morgens 8 Uhr beginnend, in der Hufbeschlagschule zu Freiburg; Samstag, den 21. Dezember 1895, Morgens 8 Uhr beginnend, in der Hufbeschlagschule zu Tauberbischofsheim; Montag, den 23. Dezember 1895, Morgens 8 Uhr beginnend, in der Hufbeschlagschule zu Meßkirch; Montag, den 23. Dezember 1895, Morgens 8 Uhr beginnend, in der Hufbeschlagschule zu Mannheim stattfinden wird. Die Prüfungskommission besteht aus den Lehrern der Anstalt und dem technischen Referenten für das Veterinärwesen bezw. dessen Stellvertreter als Vorsitzenden. Wer die Prüfung ablegen will, hat bei dem Bürgermeisteramte seines Wohnortes ein schriftliches Gesuch unter Namhaftmachung derjenigen Schule einzureichen, an welcher er die Prüfung abzulegen gedenkt. Der Anmeldung müssen der Geburtsschein des Bewerbers und der bürgermeisteramtlich beglaubigte Nachweis über die mindestens vierjährige Thätigkeit im Schmiedehandwerk beigelegt sein. Hat der Bewerber eine 606 Hufbeschlagschule, eine Gewerbeschule oder eine andere Anstalt behufs seiner Ausbildung besucht, so sind die Zeugnisse des Vorstandes dieser Anstalten gleichfalls vorzulegen. Das Bürgermeisteramt hat das Gesuch alsbald dem Ministerium des Innern vorzulegen, welches den Bewerber, falls seine Zulassung genehmigt wird, zur Prüfungsvornahme vorladen wird. Für diejenigen Schmiede, welche zur Zeit der Gesuchstellung an einem Unterrichtskurse der staatlichen Hufbeschlagschulen theilnehmen, sind die Gesuche nebst den obenbezeichneten Belegen von dem Vorstande der betreffenden Schule an das Gr. Ministerium vorzulegen. Der einberufene Schmied hat sich zur bestimmten Zeit mit einem vollständigen Beschlagzeug in guter Beschaffenheit, sowie mit einem Schurzfell versehen, am Prüfungsort einzufinden und durch Vorzeigung des Einberufungsschreibens über seine Person sich auszuweisen. Für die Vornahme der Prüfung hat der Bewerber eine Gebühr von 10 M. zu entrichten. Unbemittelten kann die Taxe durch das Gr. Ministerium des Innern ganz oder theilweise nachgelassen werden. Karlsruhe, 21. Nov. 1895. Gr. Ministerium des Innern. A. A.: Schenkel. Sekanntmachung. Gewerbsmäßige Ausübung des Hufbeschlags betr. Der erste Lehrkurs im kommenden Jahre wird an den Hufbeschlagschulen zu Tauberbischofsheim, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg und Meß- kirch am 2. Januar beginnen. Gesuche um Aufnahme in die Schule sind alsbald an den Vorstand derjenigen Schule zu richten, welche besucht werden will. Auskunft über die Aufnahmebedingungen, über die Kosten des Unterrichts und den Lehrplan ertheilen auf Anfragen die betr. Gr. Bezirksämter. Karlsruhe, 21. Nov. 1895. Gr. Ministerium des Innern. A. A,: Schenkel. Gewerbeoereins-Mittheilungen. Gewerbe- und Jndustrieverein Heidelberg. Vortrag am 14. November. H. Thinius aus Essen hielt einen äußerst interessanten Vortrag über „die Gußstahlfabrik von Friedrich Krupp, sowie deren Entwickelung und Wohlfahrtseinrichtungen". Einleitend schilderte der Redner, mit welchen Schwierigkeiten Friedrich Krupp, welcher einen Gußstahl erfand, der das damals vorhandene englische Fabrikat noch übertraf, anfänglich zu kämpfen hatte. Das Geschäft, welches sich aus kleinsten Anfängen (mit nur 2 Arbeitern) heraus entwickelte, zählt jetzt unter Leitung seines Sohnes 30 000 Arbeiter. In Paris wurden im Jahr 1867 aus der 607 genannten Fabrik ein Gußstahlblock im Gewichte von 100 Centnern sowie die erste Hinterladerkanone ausgestellt, und wurden in Folge dessen dem Fabrikanten von Seiten Frankreichs die verlockendsten Anerbietungen gemacht, die er jedoch abwies. Bei Schilderung eines Ganges durch die Fabrik wurde vom Vortragenden besonders des 1000 Centner schweren Eisenhammers „Fritz" mit einem Fallgewicht von 5000 Centnern erwähnt; ferner eines 42 cm Geschützes, dessen Anfertigung zwei Jahre erforderte, mit einem Kostenaufwand von 300 000 M. (Das Geschoß hat ein Gewicht von 22 Centnern und bedarf 9 Centner Pulver zum Abschießen). — Beachtens- werth sind die von Krupp in's Leben gerufenen Wohlfahrtseinrichtungen für seine Arbeiter. Es existiren Krankenkassen, Pensionskassen, Lazarethe, Konsumanstalten, Arbeiterheime, Wohnungen für Invaliden in prachtvoller Lage, Gartenanlagen rc. in der Nähe der Fabrik. Für Ausbildung der jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge ist durch Errichtung von Fortbildungsschulen hinreichend gesorgt. — Dem Redner wurde von dem Vorsitzenden unter rauschendem Beifall der Anwesenden für den überaus lehrreichen Vortrag gedankt. v. Handwerk nnd Konsumvereine. (Schluß.) Betrachten wir nun das Verhältniß der Handwerker zu den Konsum- Vereinen, so ergibt sich zunächst, daß der Handwerker alle Vortheile des Konsumvereins genießt, wenn er demselben als Mitglied beitritt. Die Gegner des Konsumvereins, d. h. die Konkurrenten behaupten freilich, daß die Vortheile nur eingebildete seien, daß der Konsumverein eher theurer als der Händler ist. Ueber diese Frage sind im Jahre 1888 sehr sorgfältige Erhebungen auf Veranlassung des Vereins für Sozialpolitik angestellt; dieselben haben in einer großen Zahl Fälle ergeben, daß der Konsumverein in Folge außerordentlich hoher Preise am Orte entstanden ist, daß der Konsumverein wesentlich die Preise am Orte regulirt und die Händler zwingt, mit den Preisen zu folgen. Man müßte bei der fortschreitenden Entwickelung der Konsumvereine auch eine sehr geringe Meinung von dem Verständniß des Konsumenten für die Preiswürdigkeit der Waareu haben, wenn es nicht sein sollte, daß sich die Mitglieder der Konsumvereine hier freiwillig übervortheilen ließen. So unglaublich thöricht sind doch die vielen tausend Hausfrauen, welche im Konsumverein kaufen, nicht, das; sie nicht merken sollten, wenn sie hier theurer oder schlechter bedient werden als bei den Händlern. Es gehört leider zu den Gepflogenheiten der Gegner der Konsumvereine, deren Geschäftsbetrieb zu verdächtigen, ohne für die Behauptungen einen tatsächlichen Beweis zu erbringen, wie man 608 allen wirthschaftlichen und sittlichen Nutzen dieser Genossenschaftsart einfach bestreitet, ohne auf die Sache selbst einzugehen. Ja man geht soweit, den Händlern zu empfehlen, sich zu Einkaufsgenossenschaften zusammenzuschließen, um aus erster Hand einzukaufen und gleichzeitig es für „gemeingefährlich" zu erklären, wenn die Konsumenten sich der gleichen wirthschaftlichen Mittel bedienen; wobei offenbar außer Betracht gelassen wird, daß der Zwischenhändler für den Konsumenten vorhanden ist, und nicht etwa der Konsument seine Wirthschafts- und Lebensbedürfnisse einkauft, um dem Zwischenhändler einen Verdienst zukommen zu lassen; vermag er ohne Zwischenhändler nach seiner Ansicht besser einzukaufen, so hat er dazu ein gutes Recht, und seine, nicht aber des Händlers Ansicht kann nur über die Zweckmäßigkeit des Einkaufs entscheiden. Von besonderer Bedeutung für den Handwerker ist weiter die Behauptung, daß der Konsumverein den „Mittelstand" schädige; es ist bereits darauf hingewiesen, daß der gesammte Geschäftsbetrieb aller Konsumvereine verhältnißmäßig viel zu gering ist, als daß hier überhaupt von einem Einfluß auf den gesummten Handelsstand die Rede sein könnte; ein Schreckgespenst nur ist die Behauptung, daß bei weiterer Entwickelung einst ein großer Konsumverein Alles beherrschen würde; dem steht die heutige Wirth- schaftsordnung, dem steht insbesondere die Natur des Menschen entgegen, die es ausschließt, Alle zu einem wirthschaftlichen Ganzen zu vereinigen. Doch abgesehen von diesem Schreckgespenst, wer ist denn der „Mittelstand", der dabei überhaupt in Betracht käme? Das ist doch nur die kleine Anzahl von Spezeristen. Keineswegs wollen wir diese Existenzen gering veranschlagen, aber nach den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, daß es überhaupt nur ein verschwindender Bruchtheil ist, dem die Konsumvereine eine ernstliche Konkurrenz bereiten und die wohl alle auch ohne jede Mithilfe des Konsumvereins zu Grunde gegangen wären. Diesen wenigen Existenzen stehen nun gegenüber die Mitglieder der Konsumvereine, welche ihren Haushalt jetzt billiger bestreiten und somit für andere Wirthschafts- ausgaben Geld erübrigen. Wer hat davon den wesentlichsten Vortheil? Der Handwerkerstand, denn es sind wesentlich seine Kunden, welche zu den Mitgliedern des Konsumvereins gehören und deren wirthschaftliche Hebung in erster Reihe ihm selbst zu gute kommt. — So ergibt sich denn für das Verhältniß zwischen Konsumverein und Handwerker, daß dieser nicht nur die Vortheile der Mitgliedschaft mittelbar genießen kann, sondern daß der Konsumverein ihm mittelbar dadurch nützt, daß er die Kaufkraft seiner Kundschaft hebt; die dafür etwa ausfallenden wenigen Händler kommen dem gegenüber selbstverständlich nicht in Betracht. Gleichartige Verhältnisse für eigene Genossenschaftsbildungen und persönliche Vortheile ergeben daher, daß jede Gegnerschaft der Handwerker gegen die Konsum- Vereine das Handwerk sogar schädigt. Ein recht erheblicher Theil der Handwerker hat dies auch vollkommen erkannt, denn die Statistik zeigt, daß bei 351 Konsumvereinen, von welchen über die Vertheilung der Mitglieder nach Berufsklassen Mittheilungen zu erhalten waren, sich unter den Mitgliedern 13,5 Proz. selbständige Handwerker befinden, nämlich 27 526 unter 214 893 Mitgliedern. Mit Vorliebe wird von den Gegnern behauptet, daß die Unbemittelten in den Konsumvereinen nur schwach vertreten seien; es genügt dem gegenüber auf die eben erwähnte Statistik hinzuweisen, nach der sich unter den Mitgliedern befanden: 43,7 Proz. Arbeiter, 13,5 Proz. Handwerker, 8,6 Proz. Staats- und Gemeindebeamte, 7,6 Proz. untere Beamte, 4,3 Proz. Gehilfen u. s. w. Der Handelsstand nützt sich selbst ganz gewiß nicht, wenn er in dieser Weise gegen die ihm unbequeme Konkurrenz der Konsumvereine in gewissermaßen offizieller Weise agitirt, denn ein derartiges Vorgehen mit solchen Mitteln, die Verfolgung solch engherziger Ziele ist mit einem „lauteren Geschäftsgebahren" nicht vereinbar. Will der Zwischen-Handelsstand seine wirthschaftliche Lage verbessern, so muß er bei sich selbst anfangen, er muß die Konkurrenzfähigkeit seiner Mitglieder stärken und sich gegen das Eindringen schlechter Existenzen nach Kräften schützen, er muß insbesondere in Gemeinschaft mit dem Großhandel zu verhindern streben, daß Geschäfte auf unsolider Grundlage in leichtfertiger Weise gegründet werden, Geschäfte, deren Besitzern es sowohl an Betriebskapital wie an Kenntnissen fehlt. Die Vertreter des Zwischenhandels befinden sich auf falschem Wege, wenn sie glauben, durch Beschränkungen der Konsumenten beim Waareneinkauf ihrem Stande einen wirklichen und dauernden Nutzen zu verschaffen. Für den Handwerker aber entsteht daraus noch die Gefahr, daß auch ihm gegenüber sich der Zwischenhandel zu gleichem Zwecke zusammenschließen wird, wenn es demselben erst gelungen ist, auf einem wirthschaftlichen Gebiete Schranken zu ziehen, daß der Zwischenhandel dann für den Verkauf der Rohstoffe, Halbfabrikate, Werkzeuge u. s. w. die gleichen Rechte — Privilegien — für sich in Anspruch nehmen wird, wie heute für den Vertrieb von Lebensbedürfnissen. Industrie- und GewerbeausKellung in Straßburg. (Fortsetzung.) Vorzüglich vertraten die wenigen erschienenen Firmen der Hutfabrikation ihre Branche. Hervorragend stellten Rehfus L Comp., Hut- «10 fabrik in Kehl, ihre in aller Herren Ländern weltberühmten Fabrikate aus. Hüte in allen Farben und Fa^ons, von leichtem Gewicht — darauf ist besonders Werth gelegt — finden wir in reicher Auswahl in einem großen Schranke hübsch geordnet. Die Ausstellung gewinnt an Interesse durch Vorführung der zur Verwendung kommenden Fließe, sowie der bereits davon abgeschnittenen Haare in rohem und gefärbtem Zustande, ferner werden daraus hergestellte Filze in gewalktem Zustande gezeigt. Die seit etwa 30 Jahren bestehende Firma gebraucht für den Betrieb ihrer vielen Hilfsmaschinen Dampfkräfte von 90 Pferdestärken und beschäftigt an 200 Arbeiter. Das Haus Rehfus hat Vertretungen in Berlin, Hamburg, Brüssel, Kopenhagen, Christiania und Rio de Janeiro und setzt seine vielfach mit ersten Preisen ausgezeichneten Fabrikate nicht nur überall in Europa, sondern auch in überseeischen Ländern: Südamerika, den asiatischen Inseln u. s. w. ab. Besondere Beachtung verdienen auch die Erzeugnisse der Pforzheimer Stroh- und Filzhutfabrik von Ferd. Katzenberger in Pforzheim, die vorzugsweise aus Damenhüten in Filz und Strohgeflecht bestehen. Die Formen zeugen von feinstem Geschmack, sie entsprechen auch stets den neuesten Pariser Moden, welche jährlich mehrere Male seitens der Firma von dort bezogen werden. Das Geflecht der Strohhüte, aus feinstem Stroh hergestellt, läßt durchaus sorgsame Arbeit und hübsche Muster- sowie Farbenzusammenstellung erkennen. Den Schwarzwald vertritt Jos. Duffner in Furtwangen mit einer großen Sammlung von Strohgeflechten und Strohhüten, die in elfteren als Produkte der Hausindustrie anzusehen sind. Genannte Ausstellung bietet recht gute Hüte in modernen Formen und Farben verschiedenster Art, dann aber auch Trachtenhüte, wie sie noch heute von der ländlichen Bevölkerung des Schwarzwaldes vielfach getragen werden. Die in den Strohgeflechten und -Bändern niedergelegte Arbeit bekundet großes Geschick und Sorgfalt in der Behandlung. — Fast ganz ohne Konkurrenz stand die überaus prächtige Blumenausstellung von O. Speierer in Bühl da. Diese Firma hatte in einem hübschen achteckigen Schrank eine Spezialität von Braut- und Kommunion-Kränzen geliefert, deren Anfertigung vom derzeitigen Geschäftsinhaber auf eine Höhe gebracht worden ist, daß sie der darin früher einzig dastehenden Pariser Industrie vollständig gleichgestellt zu erachten ist; sie hat dafür auf der Weltausstellung in Chicago auch den Beweis erbracht und die höchste Auszeichnung errungen. Die einzelnen Blüthen, Knospen und Blätter (Orangen-Knospen, -Blüthen, -Blätter, Natur-, Gold- und Silbermyrthen, Mollrosen und Blüthenstäbchen), sowie die ganzen Zusammenstellungen daraus zeugen von vollendeter Schönheit und feinstem Geschmack. Diese aus Wachs hergestellten Blumen sind von seltener ^8 VMi Plafond-Dekoration. Entworfen von W Lang, Assistent an der Gr. Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. 611 Naturwahrheit und Farbenfrische; sie finden nicht nur in Europa, sondern -auch in andern Welttheilen ein weites Absatzgebiet. Auch ein Straß- Lurger Haus von Ruf ist mit einer sehenswerthen Kollektion künstlicher Blumen und daraus zusammengestellten Bouquets, Kränzen und Ballgarnituren zur Stelle, deren vorzügliche künstlerische Ausführung vollste Anerkennung verdient. Wir kommen nun zu Gruppe XIl, Leder- und Gummiwaaren, wo 'Gerbereiprodukte, gefärbtes und gepreßtes Leder, Pergament, Schäfte, Sattlerwaaren, Luxusleder- sowie Gummi- und Guttapercha-Waaren zu finden sind. Diese Industrie beschäftigt in Baden an 3500 Personen, wovon die Mehrzahl in den über das ganze Land verbreiteten Gerbereien beschäftigt wird. Die Erzeugnisse der Gerbereien von Gebr. Krafft in Fahrnau besprachen wir bereits in der vorigen Gruppe; wir beginnen hier mit der Ausstellung der bedeutenden Firma C. Freudenberg in Weinheim, die in einem großen Schrank ganz vorzüglich gegerbtes und zugerichtetes Leder: lackirtes, satinirtes, chagrinirtes, gewichstes und braunes Kalb- und Roßleder, ebenso aus diesem Leder gefertigtes Schuhwerk in hübschem Arrangement vorführen. Daß dieses Fabrikat begehrt ist, geht daraus hervor, daß beiläufig 1000 Arbeiter in den Etablissements dieses Geschäftes, das 1849 gegründet wurde, ihren Erwerb finden. Ein Geschäft von altbewährtem Ruf ist das von Georg Burckhardt Söhne in Wiesloch, die beste Qualitäten Sohlleder, Zahmochsenleder, brachten. K. Duffner in Elzach stellte Sohlleder, halbe Häute und Cylinderkalb- felle in bester Gerbung aus. Mit Kalbleder in jedem Gewicht, sowie Haarkalbleder, deren Qualitäten vielfach prämiirt sind, und Haarkalblederschäften in feinster Zurichtung und feinster Fertigstellung ist die Leder- und Schäftefabrik von F. Fischer L Comp, in Offenburg zur Stelle; die Anfänge des Geschäfts reichen bis in das Jahr 1762 zurück. Die vortrefflichen Leder für Musikwerke von Haberstroh in Haslach fanden schon an anderer Stelle dieses Blattes wohlverdiente Beachtung. Eine kleine, aber hübsche Ausstellung war von F. König in Willstätt geliefert worden. Sie bestand aus prima eichengegerbtem Haarkalbleder und daraus gefertigten Stiefelschäften mit Hintertheil, Herrenwalkschäften und Vorschuhen. Walter-Henninger L Comp, in Endingen hatten eine reichere Ausstellung von vortrefflichen Schäften und fertigen Schuhwaaren geliefert. Gute Ledertreibriemen aus bestem Kernleder, gleichmäßig in Stärke und in ausgezeichneter Näharbeit hatte Ioh. Bosch in Mannheim ausgestellt. Beachtenswertst waren seine Dynamo-Riemen und Riemen für Halbkreuz- und Winkellauf, die eine Spezialität seiner Fabrikation 612 bilden. Genannter unterhält stets ein großes Lager nicht nur in vorerwähnten Lederriemen, sondern auch in Balata- und Kameelhaar-Treib- riemen, in Nähriemen und allen Arten Riemenverbindungen. Die bedeutenden Saffianlederfabriken in Lahr hatten nicht ausgestellt, aber ihre Fabrikate waren in den vorzüglichen Luxus- und Gebrauchslederwaaren von Ferd. Haas in Lahr vertreten. Dieser hatte prächtige Reisenecessaire, Etuis und Koffer, aus Leder gefertigt, gebracht, welche als geschmackvolle und gediegene Leistungen in dieser Branche zu bezeichnen sind. Schuhmacher- Jäger in Kandern war mit solid gearbeiteten Handkoffern, Herren- und Damenkoffern vertreten, die von gutem Geschmack und tüchtigem Können dieser Firma ein beredtes Zeugniß ablegten. Die Sattlerei war mit Pferdegeschirren ganz vorzüglich vertreten. Durch außerordentlich akkurat und solid gearbeitete Luxus-Pferdegeschirre (schwarz lackirt und Silberbeschlag) ragte R. Hahn in Achern hervor. Die einfache Art des An- schnallens der Zugstränge an das Kummet und vor allem auch die feine Ausführung sämmtlicher Theile, besonders der Zügel aus einfachem, reinen Kernleder mit in der Mitte der ganzen Länge nach aufgenähten schmalen Lederstreifen bekundeten vornehmen Geschmack; eine derartige Ausführung war ein zweites Mal auf der Ausstellung in diesen Artikeln nicht zu finden; sie war eine verdienstvolle Leistung der Pferdegeschirrsattlerei, die Hahn als Spezialität betreibt. Ferner verdient hervorgehoben zu werden das elegante, blaugesteppte Zweispännergeschirr von Herm. Satink in Mannheim, schwarzlackirt und silberplattirt, welches luxuriöse und äußerst saubere Ausführung zeigte. Rühmlichst bekannt sind die Kummete und Pferdegeschirre von David Sohn in Friesenheim in Baden, der in diesen Artikeln ebenfalls Spezialist ist und von seinen Erzeugnissen eine reiche Collection ausstellte. Seine Geschirre sind leicht gehalten, dabei solid und von eleganter Form. Genannter machte seine Ausstellung durch Vorführung von ihm patentirten Neuheiten noch besonders interessant. Es sind dies Pneumatik-Sanitäts-Kummete, die bereits auf der Sport- und Gewerbeausstellung in Dresden mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurden. Diese sind an Stelle der sonst üblichen elastischen Polsterung mit durch Preßluft gefüllten Gummischläuchen versehen, wodurch das Drücken der Kummete und das dadurch verursachte Aufscheuern der Pferde vermieden werden soll. Bei Anwendung dieser Neuerüng soll auch das Unterkummet bezw. Kummetkissen vollständig in Wegfall kommen können. In ähnlicher Weise sind pneumatische Kammdeckel und Schwanzpauschen hergestellt, die in den ausgestellten Geschirren Verwendung gefunden hatten. (Fortsetzung folgt.) Ä s- st b g st kc st zi st u dl z> w st L b k. st ii a^ ei 3 n II st «ir Stickrahmen. * Von Ludwig Ebersbach in Wiesbaden wurde uns ein „Patent- Klapp-Stickrahmen" (unter Gebrauchs-Musterschutz stehend) zugesandt, der sowohl hinsichtlich seiner zweckentsprechenden Konstruktion wie auch seiner soliden Arbeit und gefälligen Ausführung Empfehlung verdient. Von den beiden beistehenden Abbildungen veranschaulicht die erste den zusammengeklappten Stickrahmen, wie er aufbewahrt wird, ohne viel Platz zu versperren, so daß er auch bequem in einer Arbeitstasche transportirt werden kann; die zweite zeigt ihn in arbeitsfertigem Zustand, am Rand einer Tischplatte befestigt. Es dient hierzu eine in einem Schlitz der Auflege- platte geführte metallene Schraubenzwinge, deren oberer Balken parallel zum unteren sich verschieben läßt, so daß die durch sein freies Ende geführte Schraube nur mit zwei Umdrehungen angezogen zu werden braucht, um die Befestigung zu vollenden. Der Schlitz in der Auflegeplatte dient dem Zweck, um die letztere mehr oder weniger über den Rand des Tisches zu schieben. Der Spannrahmen wird getragen von einer hölzernen Spindel, welche in der Auflegeplatte auf- oder uiedergeschraubt und in ihrer Lage durch eine Gegenmutter unveränderlich festgehalten werden kann. Seine Verbindung mit dem oberen Ende der Spindel ist vermittels Scharnirs bewerkstelligt, das durch eine Flügelschraube zusammengeklemmt werden kann, wodurch sich der Rahmen unter verschiedenem Neigungswinkel einstellen läßt. Man kann ihn überhaupt, wie aus vorstehendem ersichtlich, in jede für bequemes Arbeiten gewünschte Lage bringen, sei es in Bezug auf Ausladung, Höhe oder Neigung. Da der Spannring aus mehreren einzelnen Theilen mittels Verleimung zusammengesetzt ist, so erscheint seine Dauerhaftigkeit und Formbeständigkeit in hohem Grade gesichert. Der Patent-Klapp-Stickrahmen wird in drei Größen (des Durchmessers) und Preisen angesertigt: l, 17 cm, 3,25 M.; II, 21 cm, 3,50 M.; III, 24 cm, 3,75 M. Ein kleineres Exemplar befindet sich in der Ausstellung der Landesgewerbehalle. kt. 614 Behandlung der Betriebsmittel. II. Dampfmaschine. Welche Konstruktion der Steuerung zu wählen sei, wird sich zunächst nach der Richtung der Dampfökonomie, dann aber nach der vorliegenden besonderen Betriebsart zu richten haben Einer soliden und einfachen Schiebersteuerung wird man immer noch den Vorzug geben gegenüber der verwickelteren Ventilsteuerung, wo man der Maschine nicht einen guten Maschinisten ausschließlich zum Zwecke ihrer Wartung zur Seite stellen kann, wie z. B. in kleineren Betrieben. Man wird sagen können, daß man Maschinen unter 50 Pferdestärken überhaupt nur mit Schiebersteuerung ausstatten sollte. Zum Schmieren der Cylinder nehme man gutes mineralisches Cylinderöl und auf keinen Fall Talg, wie das früher geschah, wo man auch oft erfahren mußte, wie bedeutend die Fettsäure ranzigen Talges besonders die schmiedeisernen Theile im Schieberkasten und Cylmder angreist. Eine selstthätige Schmierpumpe sollte an keiner Dampfmaschine fehlen. Sehr zu empfehlen ist, die Dampfmaschine mindestens einmal im Jahr zu indiziren, wodurch sich am besten ermitteln läßt, ob ein Fehler der Steuerung, Undichtheiten an Kolben und Schiebern vorhanden sind, deren Beseitigung häufig eine große Dampfersparniß bedeutet. Auch Mängel der übrigen Maschinenanlage und der Transmission, welche Kraft verschwenden, können dadurch angezeigt werden. Bei größeren Betriebspausen, wie sie in Ziegeleien Vorkommen, sind Kolben und Schieber herauszunehmen, alles gut auszutrocknen und einzufetten. Geschieht dies nicht, so bleibt Kondenswasser in Cylinder und Schieberkasten stehen und giebt zu Anrostungen Veranlassung. — Als Schmiere zum Einfetten blanker Maschinentheile empfiehlt sich eine streichrechte Mischung von Schlemmkreide und Mineralöl. Dieselbe wird nie sauer, greift also das Eisen nicht an und läßt sich später leicht wieder beseitigen. Transmission. Diese muß von Zeit zu Zeit nach Wasserwage und Schnur ausgerichtet werden. Es ist dies nothwendig wegen der naturgemäß vorkommenden Verschiebungen der Gebäudetheile, durch welche die Transmission Abbiegungen erfährt, welche sich, wenn erheblich, durch Warmlaufen der Lager bemerkbar machen und viel Kraft vergeuden. Ein ruhiger Lauf der Transmission hängt außerdem davon ab, daß alle größeren Scheiben gut ausbalanzirt sind. Auch abgenutzte Lager können Anlaß zu Abbiegungen des Wellenstranges geben. Bestehen die Lagerschalen aus Weißmetall, so sind sie neu auszugießen, ebenso bei den Arbeitsmaschinen. Lagerschalen. Wichtig ist die Zusammensetzung des Weißmetalls, aus dem die Lagerschalen gegossen sind. Es wird hier viel Mißbrauch getrieben, indem minderwerthige Kompositionen zu verhältnißmäßig hohem 615 Preise in den Handel kommen. Das Weißmetall wird im Allgemeinen aus Kupfer, Zinn, Blei und Antimon zusammengesetzt; Kupfer und Blei können eventuell auch fehlen. Blei sollte nie mehr als die Hälfte des Zusatzes bilden, da es die Lagerschale zu weich macht; es sollte überhaupt fehlen, wo die Lager schweren Druck auszuhalten haben, wie bei Thonwalzen in Ziegeleien. Für solche verwendet Bolze eine Legirung, ähnlich der für Lokomotivachsenlager dienenden, bestehend aus 5 Kupfer, 85 Zinn und 10 Antimon; ihr Preis berechnet sich zu 131 M. pro 100 ÜA. — Für weniger beanspruchte Lager ist ein Bleigehalt nicht schädlich, sondern eher vortheilhaft. Eine Zusammensetzung aus 42 Blei, 42 Zinn und 16 Antimon gibt noch ein sehr gutes Lagermetall, das sich im Preise auf 70 M. stellt. Werden noch billigere Weißmetalle angeboten, so müssen dieselben unbedingt bleihaltiger und damit geringwerthiger sein.* Lagerschmierung. Wohl eben so wichtig wie Wahl des Lagermetalls ist das zur Verwendung kommende Schmieröl, als welchen man sich am besten des Mineralöls bedient. Leider giebt es zur Zeit noch keine einfachen Prüfungsmethoden, um sich der Qualität der Oele von Fall zu Fall zu versichern, und fährt man an Stelle dessen am besten, nur bei renommirten Spezialfirmen einzukaufen, die genügende Sachkunde besitzen, um die jeweils richtige Marke zu empfehlen, und deren Namen eine reelle Bedienung gewährleistet. (Schluß folgt.) Unsere Mufterzeichrmng. Die dieser Nummer beiliegende Tafel 48 enthält die Abbildung einer Plafonddekoration in Stuck oder Malerei. Entworfen von W. Lang, Assistent an der Großh. Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. * Den Preisberechnungen liegen die folgenden Marktpreise für 100 Lg zu Grunde: Blei 20 M-, Antimon 85 M., Kupfer 85,5 M., Zinn 140 M. Kartoffeln-Liefermrg. Für die Zeit vom I. Januar 1896 bis 31. Oktober 1896 einschl. soll der Bedarf an Kartoffeln für das Bataillon freihändig vergeben werden. Etwaige Angebote sind mit Aufschrift „Angebot auf Lieferung von Kartoffeln" bis zum Termin Montags, den 2. Dezember, Vormittags 9 Uhr, versiegelt an die Bataillonsgeschäftsstube einzureichen. Die Bedingungen können dortselbst eingesehen werden. (225. 3.3 Rastatt, den 12. November 1895. Die Menagekommission des I. Bataillons, Infanterieregiments Markgraf Ludwig Wilhelm (3. Bad.) Nr. 111. Großh. Badische Staats- Eisenbahnen. Lieferung von Lokomotiven. Wir beabsichtigen, die Vergebung von 20 Güterzugslokomotiven ohne Tender vorzunehmen. Die einschlägigen Bedingungen können bei unserem Centralbureau gegen Einsendung von M. 3,00 erhoben werden. Schriftliche, verschlossene, mit der Aufschrift „Lieferung von Güterzugslokomotiven" versehene Angebote wollen bis spätestens zum 9- Dezember 1895 postfrei bei uns cingereicht werden. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Karlsruhe, im November 1695. Generaldirektio». 228. 2.2 616 Preise sör Lehrlingsarbeiten betreffen-. Die unserm Verein angehörigen Herren Lehrmeister, deren Lehrlinge im letzten Lehrjahre stehen, benachrichtigen wir hiermit, daß wir auch im Jahre 1896 Preise für gute Lehrlingsarbeiten zu ertheilen beabsichtigen und eine Prüfung in den theoretischen Fächern veranstalten werden. Von letzterer sind nur diejenigen Lehrlinge befreit, welche die oberste Klasse der Gewerbeschule mit gutem Erfolg besucht haben- Die Anmeldungen sind spätestens bis zuni 26. Fsbruar in doppelter Ausfertigung an unser Sekretariat, Friedrichsplatz 3, zu richten; ebendaselbst liegt das Berzeichniß der anzufertigenden Arbeiten aus, können die erforderlichen Anmeldungsformulare erhoben und die Bedingungen, unter welchen wir Presse gewähren, eingesehen werden. Die Arbeiten sind am 17. März einzuliefern und wtrd den Herren Lehrmeistern der Prüsungsanwärter das Nähere s. Zt. mitgetheilt werden. Die Bestimmungen für Verleihung von Staatspreisen sind ebenfalls in unserm Sekretariat zu erfahren. Nach dem 26. Februar einlaufende Anmeldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Karlsruhe, 30. November 1835. s230. 2.1 Drr Vorstand des Grwrrbevrreins. vi'vyfuZLlVlaM-vmlw! d/lsnnksim. Koirkuncklung, Vsmpf-Kodsi- u. 88gsvsrk. Sro»»« irrootrsnanln^s 8°i>v«a. Ltsssrn, ZUarvon; gmvriksg!sokvDltoUl?ius. N»r«L»od» ». Llodstdrsttsr, 148. 52.20 ^apliult- ^näsrnscti, ösusl. kn-rn vsrmngs Ppewbuan irßsnä vslvdsn Lll sn dssodsnksn, Ssnsn 8is eins reirlr- Uob xuts, uotsrbslt. n. nütaliode ilads « bistsn rvoUsv, vsrlgllß. 8is geatl« ans. « ansrdgunt xrosssrtiss. »nsßsstLttst. - MMKEK/Ml .06 sr L Spisls, liirnzsrgtk., n. Utsagilise L kppgrgto, SssLiii>tt.-vnt»rk»Itui>g»«i>>«I. Lupsrimentisrliggton, «lsvtr. Apparat». » üsigkrl. llampimgiedinolisn, l-ol<»motl«., Soditks, in nnnbsrtroSdusr Lonstr., HsNsnapvarats n. Linosltsils rar SsIbstavrortiA. v. 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