Ow88k, vaä, ?rÜkUNZ 8 - u. V6?2U.U:2-^.^!tUi Gadischc GeVerbe^eitung. Drgan der Hroßherzogl. Landes-Heweröehalle und der Badischen Heweröevereine. Redigirt von Hosrath Prof. I)r. H. Merdmger. Wöchentlich einmal. Jahrespreis 3 Mark. Anzeigen 25 Psg. die halbe Petitzeile. 28. Band. Nr. 51. Karlsruhe. 21. Dezember 1895. Inhalt: S. 633 bis 644. Gewerbevereins.Mittheilungen (Schwetzingen, Wolfach, Meßkirch, Vöhrenbach, Seegauverband, Pfalzgauverband). — Gerichtliche Entscheidungen (Strafvollzug nach § 16 des Waarenzeichengssetzes). — Elektrische Ausstellung in Karlsruhe. Rückblick. — Industrie- und Gewerbeausstellung in Straßburg (Fortsetzung). — Anstrich auf Eisen (Schluß). — Unsere Musterzeichnung. — Anzeigen. Gewerbevereins-Mittheilimgen. Gewerbeverein Schwetzingen. Versammlung am I. Dezember. Zweck der Zusammenkunft bildete eine Besprechung über die anlässig des 20jährigen Bestehens des Vereins zu veranstaltende Lokal- Gewerbeausstellung, für welche auch Werkzeuge, Maschinen und Motoren, die für den Kleinbetrieb nutzbar gemacht werden, ohne Rücksicht auf ihren Herstellungsort zugelassen werden sollen. Zu der Versammlung waren nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern sämmtliche Gewerbetreibende des Ortes, die an der Ausstellung ein Interesse haben, eingeladen worden, und wie zu erwarten, fanden sie sich in großer Zahl ein. Gauverbandssekretär H außer aus Mannheim hatte einen Vortrag über den Zweck der projektirten Ausstellung übernommen, dessen er sich mit Geschick entledigte. Besonders hob Redner hervor, daß derartige Unternehmungen eine Schule seien für den Gewerbetreibenden und, auch für das kaufende Publikum. Die Ausstellung soll nicht nur ein Bild des Gewerbefleißes am Orte geben, sondern sie soll auch neue Erscheinungen auf dem Gebiete des Handwerkbetriebes vorführen. Bürgermeister Mechlin ermahnte die Anwesenden, Hand in Hand zu gehen, um das Unternehmen fördern zu helfen; er verwies auf die günstigen Erfolge der Sinsheimer Ausstellung (vergl. Bad. Gew.-Ztg. S. 446), welche nur der Kollegialität der dortigen Geschäftsleute zu verdanken sei. Es folgten noch einige die Sache berührende Bemerkungen von Seiten verschiedener Anwesenden, sowie Dankesbezeugungen und Toaste, worauf die Versammlung geschlossen wurde. L. 634 Gewerbeverein Wolfach. Versammlung und Familien- abend am 2. Dezember. Es wird einstimmig die Errichtung eines Lehrlingsheims beschlossen. Hierauf hält der Vorstand vr. Kürz einen Vortrag über „das Mikroskop und seine Bedeutung für Wissenschaft und Technik", wobei eine Anzahl von Photographien mikroskopischer Präparate mittelst eines Skioptikons demonstrirt werden. Den Schluß des offiziellen Theils bildet die Vorführung von farbigen Photogrammen aus Algier durch denselben Apparat. Versammlung am 16. Dezember. Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Fragen (Wahl eines dritten Bevollmächtigten zum Gauausschuß, Einsetzung eines Komitss für die Christbaumfeier, Neuaufnahmen rc.i hält Oberamtmann vr. Becker einen eingehenden Vortrag über „die Geschichte, Begründung und den Inhalt des Gesetzentwurfs betr. die Errichtung von Handwerkskammern." Die Versammlung erklärt sich mit den Grundzügen des Entwurfes einverstanden, hält denselben jedoch angesichts der in Baden schon bestehenden Organisation der Gewerbevereine re. nicht für ein Bedürfniß. Die in ß 11 den Innungen eingeräumte Vergünstigung sollte jedenfalls auch den Gewerbevereinen zugestanden werden. Zum Schluß referirt derselbe Redner noch über den Gesetzentwurf betr. „die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes". X. Gewerbeverein Meßkirch. Versammlung am 9. Dezember. Baumeister Angebrandt brachte, gestützt auf Mittheilungen aus der „Deutschen Baugewerkszeitung", verschiedene Fülle zur Kenntniß der Versammlung, in denen sich in Folge der Unfähigkeit der Bauleiter schweres Unglück ereignete; er sprach sich für einen Befähigungsnachweis im Baugewerbe aus. - Der Verein erklärte sich mit dem vorgelegten Gesetzentwurf, betr. die Errichtung von Handwerkskammern, im Wesentlichen einverstanden. Zum Schlüsse wurde über die schlechte Verbindung, namentlich mit Konstanz, geklagt und der Wunsch ausgedrückt, auch der Gewerbeverein mochte zu der Erlangung besserer Zuganschlüsse Stellung nehmen. IV. Gewerbeverein Böhrenbach. Versammlung am 14. Dez. Gewerbelehrer H auck hielt einen Vortrag über „die Währungsverhältnisse" — Nach den bei den Mitgliedern gemachten Erhebungen scheint die Betheiligung derselben mit ihren Lehrlingen an einer beabsichtigten Lehrlingsarbeitenausstellung eine lebhafte zu werden. Seegauverband. Gauausschußsitzung am 12. Dezember in Singen. Sämmtliche Vereine waren vertreten. Zur Berathung stand der Gesetzentwurf über die Errichtung von Handwerkskammern. Auf Antrag von Dekorationsmaler Emele aus Konstanz und Vorstand Beurer 635 aus Ueberlingen erklärte man sich mit dem Entwurf in der Hauptsache einverstanden. Man wünscht die Aufnahme einer Bestimmung, durch welche die Nichtbetheiligung an der Wahl der Kammer unter Strafe gestellt wird. Die Gewerbevereine möge man in seitheriger Weise weiterbestehen lassen und ihnen das Recht einräumen, einen Theil der Handwerkskammern zu wählen, wie dies in ß 11 des Entwurfs für die Innungen vorgesehen ist. — Hieran schloß sich die Besprechung verschiedener Gegenstände. B eurer-Ueberlingen machte den Vorschlag, in den Gewerbevereinen besondere Baukommissionen zu wählen, welche die Angelegenheiten der Bauhandwerker im Auge zu behalten hätten. Der nächstjährige Gautag joll in Pfullendorf stattfinden. 4V. Pfalzgauverband. Gauansschußsitzung am 15. Dezember in Mannheim. Sieben Verbandsvereine waren durch Delegirte vertreten. Außerdem wohnten der Versammlung die Obermeister der Bäcker- und Fleischerinnung, sowie die Vorstände der Schneider- und Schuhmachermeistervereinigungen bei. Den einzigen Gegenstand der Tagesordnung bildete die Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Errichtung von Handwerkskammern. Nach eingehender Berathung wurde beschlossen, „die Versammlung erklärt sich mit dem Entwürfe einverstanden und behält sich bezüglich einzelner Paragraphen (13 u. 14) kleine Abänderungsvorschläge vor". — Des Weiteren machte der Vorsitzende die Mittheilung, daß mit Genehmigung des Großh Ministeriums des Innern in der ersten Hälfte des Monats März ein Uebungskurs im Holz- und Marmormalen stattfindet, ferner theilt derselbe mit, daß der Vorort eine Denkschrift über „die berechtigten Klagen des Gewerbestandes" ausgearbeitet hat, welche demnächst auch den Verbandsvereinen zur Begutachtung zugeschickt werden wird. Ick. Gerichtliche Entscheidungen. * (Strafvollzug nach §16 des Waarenzeichengesetzes.) Das nunmehr seit einem Jahr in Kraft stehende neue Gesetz zum Schutze der Waarenbezeichnungen (Bad. Gew.-Ztg. 1894 S. 317) besagt in seinem 8 16: „Wer Maaren oder deren Verpackung oder Umhüllung oder Ankündigungen, Preislisten, Geschäftsbriefe, Empfehlungen, Rechnungen o. dergl. fälschlich mit einem Staatswappen oder mit dem Namen oder Wappen eines Ortes, eines Gemeinde- oder weiteren Kommunalverbandes zu dem Zwecke versieht, über Beschaffenheit und Werth der Waareu einen Jrr- thum zu erregen, oder wer zu dem gleichen Zweck derartig bezeichnete Waaren in Verkehr bringt oder feilhält, wird mit Geldstrafe von 150 bis 5000 M. oder mit Gefängniß bis zu sechs Monaten bestraft." Jeden reellen Geschäftsmann kann es nur mit Genugthuung erfüllen, daß 636 dieser, gegen ein vielfach gebrauchtes unlauteres Geschäftsgebaren gerichtete Gesetzesparagraph in einem Fall von weittragender Bedeutung zur Wirkung gebracht worden ist, indem auf Anzeige des Württembergischen Schutzvereins für Handel und Gewerbe ein Huthändler in Stuttgart zu 500 M. Geldstrafe (bezw. 50 Tagen Gefängniß) und der dem Verkaufsladen des Händlers vorstehende Schwager zu 250 M. Geldstrafe (25 Tage Gefängniß) vcr- urtheilt wurden, weil sie Hüte deutschen Fabrikates auf dem Futter mit dem englischen Staatswappen und englischer Inschrift zeichneten. Die Entscheidung des Landgerichtes (Stuttgart) wurde, da Revision eingelegt war, vom Reichsgericht bestätigt. Elektrische Ausstellung in Karlsruhe. Rückblick. * Am 14. Oktober wurde die elektrische Ausstellung geschlossen. Das Ergebniß derselben kann, nachdem am 16. d. M. der Rechnungsabschluß vom Gewerbeverein bekannt gegeben wurde, als ein für den Unternehmer wie für die Stadt Karlsruhe und, wie zu wünschen ist, auch für die Aussteller als ein durchaus befriedigendes bezeichnet werden. Der Einladung zur Beschickung der Ausstellung waren 88 Firmen gefolgt. Von denselben kamen 14 auf Klasse 1: Dampf-, Gas-, Petroleum-, Benzin- und Wassermotoren; 8 auf Klasse 2: Dynamomaschinen und Transformatoren im Betrieb; 10 auf Klasse 3: Elektromotoren zum Betrieb kleinerer Werkstätten oder einzelner Arbeitsmaschinen; 34 auf Klasse 4: elektrisch betriebene Hebezeuge, Werkzeug und Arbeitsmaschinen; 5 auf Klasse 5: Batterien, Akkumulatoren, Thermosäulen; 13 auf Klasse 6: Leitungen, Sicherheit- und Blitzschutzvorrichtungen, Jnstallationswerk- zeuge; 10 auf Klasse 7: Meßinstrumente, Kontrolapparate rc.; 13 auf Klasse 8: Beleuchtungsgegenstände, Heiz- und Kochapparate; 7 auf Klasse 9: Haus-Telegraphie und Telephonie, Uhren; 3 auf Klasse 10: Anwendung der Elektrizität in der Heilkunde; 13 auf Klasse 11: Demonstrationen, elektrische Schulapparate; 4 auf Klasse 12: Literatur über Elektrotechnik. Der Herkunft nach vertheilten sich die Aussteller auf: Augsburg (2), Berlin (8), Braunschweig, Breslau, Cannstatt (3), Darmstadt, Dresden (2), Durlach, Ensheim, Erfurt, Eßlingen (3), Ettlingen, Frankfurt a. M. (6), Frankenthal, Freiburg, St. Georgen, Göppingen, Grafenstaden, Greven- boich, Hagen, Hannover, Jmmeudingen, Kaiserslautern, Karlsruhe (10), Kassel, Klingenberg, Köln-Deutz, Landshut, Leipzig (4), Mainz, Mannheim (2), Mönchenstein bei Basel, Mülhausen i. E-, Nürnberg (2), Offenbach, Pforzheim, Ravensburg, Rapperswyl, Stettin, Straßburg (2), Stuttgart (6), Villingen, Wien (2), Wiesbaden, Winterthur, Wurzen, Zweibrücken. — Die Zahl der Aussteller aus dem Großherzogthum be- 637 .trug 20, von dem Ausland waren 5 erschienen aus den vorstehend gesperrt gedruckten Orten. Ein von Hofrath Meiding er bearbeiteter Katalog gab eine gute Uebersicht der Aussteller und des von ihnen Vorgeführten und wird bei der detaillirten Behandlung noch lange ein werthvolles Nachschlagebuch für Interessenten bilden. Exemplare können noch von dem Gewerbeverein bezogen werden. . ' Der Besuch der Ausstellung, welche nur Fachleuten ein volles Ver- ständniß gewähren konnte, war begreiflich nicht so groß wie der von Ausstellungen allgemeinen Charakters, die dem gesammten Publikum etwas zu bieten vermögen. Immerhin war der Besuch befriedigend, namentlich an den Abendstunden, wo die elektrische Beleuchtung einen besonderen Reiz bildete. Die Maschinen waren den größeren Theil des Tages in Thätig- keit, auch Abends, und hatten Gruppen von Besuchern immer Gelegenheit, unter sachverständiger Führung eine Erklärung von deren Zusammenwirkerl zu erhalten. Der Gesammtbesuch der Ausstellung belief sich auf 31836 Personen, in welcher Zahl jedoch 360 Abonnenten einbegriffen sind, die die Zahl der Eintritte auf mindestens 34 000 erhöhen dürften. Ausgaben nach der Vorlage des Gewerbevereins: Einnahmen. 1. Für 31 836 Eintrittskarten. 2. Für 1 035 Karten zu den Demonstrationen 3. Für 880 Karten zu dem Scheinwerfer . 4. Für 1 390 Kataloge. Zusatzzeilen 433 M. 55 Pf., Inserate 531 5. Für Platzmiethe von den Ausstellern. . , 6. Für Verkaufsprovision. 7. Für Provision aus der Wirtschaft . . . 8. Für Stromabgabe von den Ausstellern . . 9. Rückersatz für Gas und Wasser von den Ausstelle 10. Deßgl. für Frachten und Bestätterei . . . 11. Deßgl. für Bauten. 12. Für an die Stadt verkaufte Materialien . 13. Zinsen. 14. Sonstiges. Summe :rn nahmen und M. Pf 13 640 5 225 50 152 — 698 25 964 55 4 106 96 141 92 1 007 99 1 444 10 691 96 1 769 11 1 444 94 775 64 34 39 208 86 27 306 22 638 Ausgaben. M. Pf. 1. Vorarbeiten. 159 40 2. Installation. 3 933 11 3. Bauten und Dekorationen. 5 143 36 4. Demonstrationssaal und Führung. 318 94 5. Katalog. 1 140 85 6. Plakate . '. 415 — 7. Gas und Wasser. 1 268 2 8. Insertion . 371 10 9. Unfall-, Kranken- und Invalidenversicherung . . 148 50 10. Feuerversicherung. 963 80 11. Feuerwache . 510 — 12. Musik. 969 2 13. Frachten und Bestätterei . . 2 165 47 14. Löhne .. 2 609 — 15. Verwaltung. 2 819 80 16. Schreibmaterialien . 299 51 17. Porti. 366 81 18. Druckkosten. 457 95 19. Allgemeine Unkosten . 61515 20. Sonstiges. 25 95 Summe . . 24 700 74 Zieht man den Betrag der Ausgaben von dem der Einnahmen ab, so bleibt ein Ueberschuß von 2 605,48 M. Nach dem mit der Stadt, welche die Ausstellungshalle unentgeltlich für das Unternehmen abgegeben hatte, abgeschlossenen Vertrag wird dieser Ueberschuß zu gleichen Hälften an den Gewerbeverein und an die Stadtkasse vertheilt. Industrie- und Gewerbeausstellung in Straßbnrg. (Fortsetzung.) Beachtenswerthe Leistungen waren auch von der Glasfabrik von Hirsch «L Hammel in Dreibrunnen gebracht: Uhren-, Pendulen-, Barometer- und Kompaßgläser, flache und gebogene Gläser aus Krystall- und Tafelglas, die in einem hübschen, mit facettirten Spiegeln ausgestatteten Schrank aufgestellt waren. An sonstigen Glasarbeiten und -Malereien von vorzüglicher Ausführung sind hervorzuheben: die von der Glasmanufaktur von C. Geck in Offenburg wirkungsvoll zusammengestellte musivische Kunstverglasung ohne Malerei aus amerikanischem Opalescentglas, eine in Amerika sehr beliebte Manier der Dekoration mittelst farbiger Tafel 51. >L>—«U W Beilage zur Badischen Gewerbezeitung 1895 Nr. 51. 639 Gläser und Spiegel, ferner dessen gemalte Kirchenfenster (Gruppe XX), eines gothisch mit Figur, eines romanisch mit Teppichmuster; das große Glasgemälde von Hans Drinneberg in Karlsruhe, eine allegorische Darstellung von „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang", welche durch eine stimmungsvolle gemalte dekorative Einfassung noch gehoben wird (das Bild errang auf der Ausstellung in Chicago breits seine Anerkennung); das S.IO in x 1.90 in große Kirchenfenster von H. Beiler in Heidelberg (Gruppe XX), die Auferstehung Christi darstellend; das gemalte Fenster, welches der kunstgewerblichen Anstalt von Adolf Schell in Offenbnrg entstammt; das Treppenhausfenster, in Kathedral- und Antikglas, gemalt und verbleit von O. Vittali in Offenburg; die Fenster von Helmle u. Merzweiler in Freiburg, eines in romanischem Stil die heil. Cäcilia, eines in gothischem die Taufe der heil. Odilia und Copien spätgothischer Glasmalerei, Johannes der Täufer und St. Nikolaus darstellend; gemalte und geätzte Fenster von Gebr. Ott in Straßburg und die Glasarbeiten und -Malereien noch vieler anderer Aussteller aus Elsaß-Lothringen. Vielfach sind es Arbeiten von hoher künstlerischer Auffassung und Durchführung, deren richtige Beurtheilung jedoch mehr den Fachblättern des Kunstgewerbes als uns zufällt. Aehnlich verhält es sich mit der Besprechung der Erzeugnisse der außerordentlich reich vertretenen keramischen Gewerbe; wir beschränken uns auch hier vorzugsweise auf die Anführung der Namen der Aussteller und der von diesen gebrachten Gegenstände. Zu den hervorragendsten Ausstellern, besonders was Thonöfen anbetrifft, gehört F. Nerbel in Mosbach. Dessen Oefen waren in äußerer Ausstattung, hinsichtlich der Form und Farbe, vorzüglich zu nennen, auch zeigte die Anordnung der Feuerung (zumeist Dauerbrandfeuerung) wesentlich verbesserte Konstruktionen als sie den älteren Thonöfen eigen sind. Die Glasuren waren ohne Haarrisse, sie standen den berühmten Meißener Oefen nicht nach; es ist dies eine nicht zu unterschätzende Leistung des mit allen technischen Eigenheiten der Fabrikation vertrauten Inhabers der Firma. Derselbe hat sich auch mit Geschick der Herstellung von Majoliken zugewendet, wovon ein Weihwasserkessel (Gruppe XX) ein in ansprechender Form und hübscher Vergoldung ausgeführtes Meisterstück bildet. Die Fabrik wurde vor einigen Jahren vergrößert, sie ist mit Dampfbetrieb und den neuesten Brennöfen und Trockeneinrichtungen versehen; ihre beliebten Fabrikate finden Absatz auch weit über Badens Grenzen hinaus. Von hoher Bedeutung in der Ofenbranche ist auch die Fabrik von Carl Roth in Baden-Baden, die seit 1868 besteht, mit allen Einrichtungen 640 der Neuzeit, Hilfs- und Dampfmaschinen ausgestattet ist und etwa 140 Personen beschäftigt. Die ausgezeichnete Qualität der Erzeugnisse hat der Firma ein großes Absatzgebiet gesichert. Hervorzuheben sind ferner die Produkte der Lahrer Oefen- und Thonwaarenfabrik von Karl Müller in Lahr, Kachelöfen in schönen Farbentönen mit gemalten Füllungen, ebenso Kamine und Oefen, Herde, Bau-Ornamente aus Thon, Falzziegel, Verblendsteine, Bodenplättchen, Wandplättchen u. s. w., welche von Huber, Lesern. Comp, in Achern in Verbindung mit dem Parallelgeschäft von C. Leser u. Comp, in Straßburg in besonders erbautem Pavillon ausgestellt waren. Dieser war aus eigenen Materialien gebaut: rothe Ziegel, Verblendsteine, Wand- und Bodenplatten, naturrothe und bunte glasirte Falzziegel waren dazu in Achern hergestellt worden, während die reiche Ausstellung von Kachelöfen und Herden dem Straßburger Geschäfte entstammten; auch diese Fabrikate erfreuen sich eines vortrefflichen Rufes. Sehr schöne Majoliken, beachtenswerth in Modellirung und Farbenbehandlung, waren von Joh. Glatz in Villingen gebracht worden: Vasen, Urnen, Wandteller, Terracottafiguren rc., desgleichen von K. Blum in Kandern. Dieser stellte außer den bekannten Kanderner Majoliken (schweiz. Dekor) neuere Formen mit eigenartig farbiger dekorativer Malerei aus, welche unter dem Einfluß der Karlsruher Kunstgewerbeschule entstanden waren. Bemerkenswerthe Leistungen waren von Haager, Hoerth u. Comp, in Zell a. H. (Steingut und Majolika), Jac. Brüstle in Hornberg (Mosaikplatten, sehr schöne Muster in Zeichnung und Farbe), Cäsar Winterhalter in Straßburg (große Ausstellung von Cementfließen und Mosaiken zu ganzen Fußböden zusammengestellt, mosaikartige Tischplatten, Treppen u. s. w.) ausgestellt worden. Die Straßburger Firma A. Conrad brachte Porzellan-Füllöfen, die von Liermann, Fabrikant in Lahr, hergestellt waren, dieselbe Firma betreibt als Spezialität die Anfertigung permanent brennender Regulirfüllöfen. Töpferwaaren in bester Qualität führten mehrere Firmen aus Sufflenheim vor: Elchinger u. Comp., Ferd. Haas, Alois Beck und PH. Elchinger Söhne, diese auch Architektur-Keramik, reich verzierte Wandbrunnen, Majolikateller u. s. w. in glasirter Fayence. Tüchtige Leistungen boten K. Schaaff, vormals I. F. Lenz, in Zell a. H. in Tafel- und Kaffeegeschirren aus Porzellan, geschmackvoll in Form und dekorativer Malerei, in Steingut und Majolika. Auch das Oberbetschdvrfer Töpfersyndikat in Oberbetschdorf verdient Erwähnung mit seiner Ausstellung schöner Steingutwaaren, seinem Geschirr, seinen Phantasiewaaren, verzierten Bierkrügen, Bierseideln u. s. w ; ferner Julius Wingerter in Oberbetschdorf mit seinen Steingutwaaren: säurebeständigen Geschirren, Ein- 641 machtöpfen, Steingutröhren, Kanalisationsröhren, Rebpfahlschuhen rc. Eine Spezialität, die nur wenig Konkurrenz hat, stellte in einem großen Schaukasten CH. Karcher fils in Saarunion (Fabrik in Kleinreder- chingen) aus: prächtige Kränze und Bouquets aus farbigen Glasperlen, die durch geschickte Zusammenstellung von Perlen verschiedener Größe und reicher Farbennuancen wirkungsvoll komponirt waren. Eine außerordentlich reiche Ausstellung, einen Glanzpunkt in der Jndustriehalle bildend, war die von Utzschneider u. Comp, in Saargemünd. Aus Tafeln in bemalter Fayence sind die Ansichten der Städte Straßburg und Metz zusammengesetzt, welche die Wände schmückten, davor standen prächtige Majolikawaaren, die figürlich und ornamental ein tüchtiges Können bekunden, und Phantasieartikel, Oefen und Kamine mit farbenfrohen Majoliken verziert, daneben standen praktische Gebrauchs- waaren von großer Schönheit: Waschgeschirre, Krüge, Wasch- und Closeteinrichtungen, ferner reine Nützlichkeitsgeschirre und solche für Kochzwecke aus rothem, schwarzem und gelbem Steingut; berechtigt ist der Weltruf, den die Erzeugnisse dieser Firma genießen. Schließlich seien noch erwähnt die bemalten Fayencen und Porzellane, ausgestellt von Alb. Steinmetz sr. in Straßburg, in der Art von Alt-Severs, Wien und Straßburg behandelt; alles Arbeiten, welche fein in Farbegebung und in gewähltem Geschmack ausgesährt waren. (Fortsetzung folgt.) Anstrich ans Eisen. (Schluß). Wie weit die sonstigen Eigenschaften des Farbkörpers, insbesondere die Gestalt der einzelnen Aggregate von Einfluß sein könnten auf die Dauerhaftigkeit des Anstrichs, wurde nicht näher untersucht. Spenn- rath hält sie für gleichgiltig und spricht namentlich die der sog. Schuppen- panzerfarbe zugeschriebene Eigenthümlichkeit ab, wonach der Körper dieser Farbe aus (Glimmer-) Blättchen bestehen und diese sich in dem Anstrich schuppenartig übereinanderlegen sollen. Der Werth solcher Anstriche mag anfänglich überschätzt worden sein; doch konnten wir durch das Mikroskop (entgegen der Beobachtung Spennraths) Nachweisen, daß der Farbkörper thatsächlich aus dünnen Blättchen und nicht aus unregelmäßigen Gesteinsstücken besteht, und daß diese Blättchen in Wasser wie auch in Leinöl eine parallele Lagerung zu der gestrichenen Fläche einnehmen. — Wie dem auch sei, es steht soviel fest, daß die chemische Natur des Farbkörpers für die Dauerhaftigkeit des Anstriches nicht von Belang ist; das Bindemittel dagegen (Leinöl) und damit der ganze Anstrich wird immer unter den nämlichen Einflüssen in der gleichen Weise sich verhalten. 642 Um diese Einflüsse zu studiren, fährt man am besten, die Farbhaut für sich, also getrennt von der Unterlage zu prüfen; ein Weg, den wir bereits 1892 gelegentlich einer Untersuchung über die damals aufgekommene, bereits erwähnte Schuppenpanzerfarbe eingeschlagen und S. 97 , bezw. 109 des betreffenden Jahrgangs der „Bad. Gew.-Ztg." bekannt gegeben haben: Der auf dünnem Eisen- bezw. Zinkblech aufgetragene Anstrich wird nach seiner Erhärtung durch Auflösen des Metalls in verdünnter Schwefelsäure isolirt, er hinterbleibt als eine dünne, elastische Haut. Auch Spennrath erzeugte eine Reihe solcher Farbhäute (hergestellt aus Leinöl und Graphit), auf welche er die verschiedensten Reagenzien einwirken ließ. Die Ergebnisse lassen sich in Folgendem zusammenfassen: Jeder Oelanstrich wird von verdünnter Salzsäure, Salpetersäure und deren Dämpfe, sowie von Essigsäuredampf und schwefliger Säure zerstört. Die Gase bezw. Dämpfe wirken rascher als deren Lösungen. Dagegen greift verdünnte Schwefelsäure den Oelanstrich nicht an. — Alkalische Flüssigkeiten und Gase (Sodalösung, Kalilauge, Amoniak) zerstören den Anstrich auch bei großer Verdünnung in kurzer Zeit. - Bemerkenswerth ist, daß reines Wasser (Regenwasser) viel stärker zerstörend wirkt, als die sonst als Rosterzeuger gefürchteten Auflösungen von Kochsalz, Salmiak, Chlormagnesium, auch als natürliches Seewasser. Warmes Wasser wirkt noch energischer. Im weiteren Verfolg seiner lehrreichen Untersuchungen richtete Spennrath sein Augenmerk auch auf die Temperaturen, welche bei der Zerstörung der Oelfarbhäute von Einfluß zu sein schienen, wobei er die wichtige Thatsache förderte, daß die Farbschicht durch Erwärmung bedeutende Kontraktion erleidet, welche verschiedene, bisher nicht richtig erkannte Erscheinungen an Oelfarbanstrichen — so das Blasenzeichen, die Rißbildung — vollkommen aufklärt. Wir haben diesen Theil der Untersuchung, sofern er die Blasenbildung betrifft, schon S. 66 der Bad. Gew.-Ztg. zur Kenntniß gebracht, so daß wir darauf verweisen können. Bei Anstrichen auf Eisen hat die Kontraktion der Farbhaut und dadurch bedingte Rißbildung die bedenklichsten Folgen, indem das an den sog. Luftrissen blosgelegte Eisen zu rosten anfängt. Der Rost greift bald weiter um sich, der Anstrich wird von demselben förmlich abgehoben. Die Temperatur braucht keine besonders hohe zu sein, um den Anstrich in der geschilderten Weise zu beeinflussen; direkte Bestrahlung durch die Sonne an heißen Sommertagen übt schon jene Einwirkung aus. In Hinsicht auf dieselbe ist es nun nicht gleichgiltig, aus welchem Stoff der Farbkörper besteht, mit dem das Leinöl den Anstrich bildet; es -hat sich gezeigt, daß Körper vo be vo zu in di« fül ist au F- Bl Tl sw na m« da kie Ai nu be da bei da Al G« un bei mc es S. gal bei St Ti 643 von geringstem spezifischen Gewicht die geeignetsten sind; Graphit daher besser als Bleiweiß oder Mennige, und zwar nur aus dem Grunde, weil von ersterem ein geringerer Zusatz zum Oel genügt, um streichfertige Farbe zu geben, als von letzterem, so daß die Menge des Bindemittels vorwiegt; in diesem Falle wird selbstverständlich eine elastischere Farbhaut erhalten, die nicht so bald durch die Wärmewirkung rissig wird. Sämmtliche Beobachtungen bezüglich des Oelfarbanstriches auf Eisen führen dahin, daß ein Grundiren mit Oel, wie vielfach üblich, zu verwerfen ist. Die unteren Schichten des Anstriches sollen hart sein, ehe die obere aufgetragen wird; letztere soll fett, d. h. ölreich sein, auch soll sie einen Farbkörper von geringem spezifischen Gewicht haben. Andere als Rostschutzmittel benützte Eisenanstriche, die noch in das Bereich der Untersuchung gezogen worden sind — so die Ueberzüge mit Theer und Asphalt, auch das Einreiben mit Fetten — stehen an Wirksamkeit den Oelanstrichen entschieden nach. Den bisherigen Erfahrungen nach bedürfen übrigens tief in der Erde verlegte Leitungsrohre, welche man im Allgemeinen außen asphaltirt, dieses besonderen Schutzes nicht; das Eisen umkleidet sich von selbst mit einer harten, dichten Kruste von kieselsaurem und kohlensaurem Eisen, die jeden weiteren Einfluß fernhält. Auch das Ueberziehen des Eisens mit Zink (galvanisirtes Eisen), welches nur beschränktere Anwendung bei sonst guter Wirksamkeit zuläßt, wird berührt. Wir können hier der Ansicht Spennrath's nicht beipflichten, daß der Schutz nur in der mechanischen Bedeckung der Eisenoberfläche bestehe, und daß scheinbar entblößte Stellen nur dadurch rostfrei bleiben, daß sich das Zink mit dem Eisen legirt habe; daß somit eine galvanische Aktion, wie solche angenommen wird, nicht vorliege. Wir führten den Gegenbeweis, indem wir weiches Eisen mit einzelnen Zinkstücken verbanden und unter Wasser aufbewahrten, wobei auch auf die Dauer die nicht bedeckten Eisenflächen rostfrei blieben; umgekehrt ist die Wirkung, wenn man das Eisen mit Zinn oder Kohle (Koksstücken) in Berührung bringt, es rostet dann unter Wasser sehr rasch. Wir haben diese Versuche schon 1891 S. 332 in der „Bad. Gew.-Ztg." angegeben und die Erscheinungen als auf galvanischer Aktion beruhend erklärt. Allerdings rostet das nicht vollkommen bedeckte Eisen an feuchter Luft; in welchen Falle nämlich ein galvanischer Strom von Eisen durch Flüssigkeit zu Zink nicht stattfinden kann. kk. Unsere Mufterzeichnung. Die dieser Nummer beigegebene Tafel 51 enthält die Abbildung eines Tisches mit Hocker; gezeichnet von F. Ni er Holz in Karlsruhe. 1 -ILIIMIOI-! Weltausstellung /^ntwsnpsn 1894 „6w8SSt sireis" kiarigg höobsls üusrsjvliliung lür hokomobilsn lüt iaciuzlneüs ^^8vl(S l-vkomobüsn von 2—150 pfoi'cikkl'Lften. Lpecial-^.blüeiluQg kür lQÜu8lrie. /-r c^e-r L^/r-r ^/«^-'6-r r/öe?' »Är'/c^ Im V^ekinmaisniLl - Vs^dnaueli nLoli^vsisvar srtlsliUod «xLrss.iusr wie stationans vampfanlsgen mit slngemsusntvn Kesssin dsl mindestens gisickei' t-sistungsfätiigkeit:. Osuenksttiglceit und Vvtnlsdssielisl'keit. SMWMMMMMt»»»»»» 0ne>fu8LlV!a/ki'-vink6l IVlsnnksim. Nolrlisncllung, Osmps-stodel- u. 8ägs«erst. ttro»»« 'Vr<>vü»l>»nl»x» Sdnrock. Llsksra- Llsiuou; »m«rtk»alsod« ^ItoU lbtso. NorM»«d» «. ä«m»ok» S»d«Idratt»r, Ll-t-adr««», kür 8»u«^«vlr» vto. «to. 148. 52.23 Nachdruck von durch einen Stern o ohne Bezeichnung der Quelle ist untersagt. l^l-rn veri-rngl prelsbucd ßrstzh. W. StrstseiseilliilhUil. Wir haben in öffentlicher Verdingung zu vergeben: 60 Kästen, 40 Stehpulte, 100 Tische, 50 Schäfte, 10 Pritschen, 20 Waschtische, 40 Bänke und 100 Spiegel. Hierauf bezügliche Angebote sind bis längstens Mntag, den 6. Januar 1896, Bormittags 11 Uhr, bei uns «neureichen. Die Muster können bei dem Geschäfts, magazin an der Rüppurrerstraße eingesehen werden. f233. 2.1 Angebotsbogen mit Lieferungsbedingungen werden daselbst und von uns abgegeben. Die Zuschlagsfrist ist auf den 27. Januar festgesetzt. Karlsruhe, den 18. Dezember1895. Gr. Hauptverwaltung der Eiseubahn- magazine. Anfang charakterisirten Originalmittheilungen Druck und Kommissionsverlag der G. Braun'schen Hofbuchhandlung in Karlsruhe.