Mische GcwcrbcMung. Kr-a« der Hroßherzogl. Landesgeweröehatte und der 'Nadischeu Hewerbevereine. Redigirt von Hoftath Pros. vr. A. Meidinger. wöchentlich einmal. JahreSpreiS S Mark. Anzeigen SS Pf. die halbe PetttzeUe. 32. Band. Nr. 40. Karlsruhe. 6. Oktober 1899. Inhalt: S. 629 bis 646. Gewerbeausstellung in Offenburg II. — Ausstellung von Erzeugnissen des Handfertigkeitsunterrichtes. — Billige Wohnungen. — Winkel-Wasserwaage. — Berichtigung. — Gerichtliche Entscheidungen. — Unsere Musterzeichnung — Anzeigen. Gin Rückblick auf -ie Gewerbeansstellmig in Offenburg. Bon Professor Franz Sales Meyer. II. Die drei Glanzpunkte des kunstgewerblichen Theils der Ausstellung waren zweifelsohne die Glasmalereien nebst Zubehör, die kirchliche Bildhauerei und die Kunstschmiedearbeiten. Auf allen drei Gebieten war Hervorragendes geleistet. Bezüglich der Glasmalerei waren ausstellende Firmen: Eugen Boerner, Karl Geck, Adolf Schell, Wilhelm Schell senior und Otto Vittali. Von künstlerischen Hilfskräften waren vertreten: Alfred Geck, Karl Geck junior und A. Hansert (in Firma Geck); G. Bautz, A. Gerstner, K. Seigel, A. Siebein und K. Stiefvater (in Firma A. Schell); W. Metzler (in Firma W. Schell); K. Schaible und E. Stritt (in Firma Vittali). Der Kunstgewerbeverein Offenburg hatte außerdenr den künstlerischen Nachlaß des verstorbenen Malers Konrad Schmider von Uebelbach zur Ausstellung gebracht, der Hauptsache nach bestehend aus Skizzen, Studien und Entwürfen zu Glasgemälden. Selbstredend waren in Bezug auf die Kartons auch Künstler vertreten, die nur gelegentlich der Glasmalerei ihre Dienste leihen (Dürr, Herterich u. a. m.) So lag denn im ganzen ein Material vor, reichhaltig und vielseitig insofern, als nicht nur ausgeführte Glasgemälde, Kartons in Originalgröße und farbige Fensterentwürfe in verjüngtem Maßstabe, sondern auch Skizzen und Studien allgemeiner und vorbereitender Art, Ornaniente, Architekturen, Stillleben, dekorative Malereien, 630 Federzeichnungen, Diplome, Ansichtskarten, Kopien älterer Glasbilder, photographische Aufnahmen aus Tiefenbronn re. vorhanden waren. Es war außerordentlich interessant, in dieser kleinen Kunstausstellung den Kampf und das Emporringen der neuesten Stilrichtung gegen das Hergebrachte zu verfolgen. Die Glasmalerei wird heute mehr und mehr dahin zurückgedrängt, wovon sie ursprünglich ausging, zum Glasmosaik, zur Kunstverglasung. Das bezieht sich hauptsächlich auf die Technik; was die Auffassung und die Linienführung betrifft, so bleibt immerhin ein wesentlicher Unterschied bestehen zwischen den Denkmälern der romanischen Zeit und den Leistungen des 6n 6u siecls. Die kirchliche Glasmalerei hält, wie die kirchliche Kunst überhaupt, mit einer gewissen Zähigkeit am alten; sie ist konservativ. Die profane Glasmalerei ist weit weniger gebunden; sie geht mit der Mode — ein neuer Stil ist eben die neue Mode der Kunst — und in Offenburg war die Nutzanwendung bereits gezogen. Es waren dort Glasgemälde mittelalterlichen Stils, Renaissancefenster und Opalescentverglasungen nach amerikanischem Vorbild nebeneinander vertreten. Es liegt dem Schreiber dieser Zeilen ferne, zu untersuchen, wo das beste zu finden war; es genügt, festzustellen, daß in jeder Hinsicht Treffliches geboten wurde, auf kirchlichem und profanem Gebiet, in der alten und neuen Stilweise. Es seien nur beispielshalber erwähnt die kirchlichen Fenster von Boerner, Geck, A. Schell und Vittali, das Reichswappenfenster von W. Schell*, die modernen Profanfenster von Geck (mit dem Dreifuß, mit der Blumenvase, Lampions im Kastaniengrün rc.) und ein besonders gut geglückter Hahn, über dessen Urheber das Gedächtniß den Berichterstatter im Stich läßt. Die bescheidener auftragenden Techniken der Glasätzung sowie der Blank- und Rohglasbemalung waren durch Vittali und W. Schell vertreten. Einen glänzenden Eindruck im buchstäblichen und im bildlichen Sinne machten die Arbeiten von Bildhauer F. Simmler. Ein für die Freiburger Johanniskirche bestimmter Hochaltaraufsatz wirkte in seiner farbigen Fassung niit dem blanken Gold und Silber im neuen Zustande derart pomphaft, daß die Stimmung der rechten (unvollendeten) Seite beinahe vorzuziehen war. Staub und Zeit werden aber schon das ihrige thun. Eine höchst gediegene Leistung war das nebenanstehende in Eichenholz geschnitzte Chorgestühl. Als drittes größeres Objekt war ein * Dieses Fenster mit den Wappen sämmtlichcr Bundesstaaten, gruppirt um das Reichswappen, harrt wie es scheint, noch seiner Bestimmung. Besonders paffend wäre es wohl angebracht, wenn es zur Ausschmückung eines größeren kaiserlichen Postgebäudes Verwendung fände. 631 Reliquienschrein aufgestellt, ebenfalls reich gefaßt und vergoldet. (Bon B. Müller, einem Zeichner des Simmler'schen Geschäftes war eine Anzahl vielversprechender Portrütstudien in Kohle ausgestellt. — Auch Maler F. Henselmann, der eine alte Bildhauerarbeit in neuer Fassung brachte, mag hier miterwähnt sein.) Die Schmiedeisentechnik wurde in erster Reihe vertreten durch Schlossermeister K. Bühler. Das Hauptstück seiner Schaustellung war ein großer Radleuchter, für die Kirche in Ichenheim bestimmt, dem sich Grabkreuze, Blumentische, Geländertheile und allerlei geschmiedete Einzelheiten anschlossen. Schlosser Müller, Vater und Sohn, hatten ein Balkonrundgitter, ein Einfahrtsthor, Grabkreuze, ein Firmenschild und einen von früher her bekannten Makartstrauß ausgestellt. A. Schmidt war niit einem originellen Schild, Stiegengeländer- und Füllungstheilen vertreten. A. und I. Scheurer hatten Thore, Schilderund Geländertheile geliefert; F. Merk war mit einem Ofenschirm und einer Ampel auf dem Platze. In der Möbelindustrie hatte Tapezier I. Meisburger zwei Saloneinrichtungen gestellt (Posamentrie von K. Dosier), Schreiner F. Bob eine ansprechende Fremdenzimmerausstattung in polirtem kitcb- pine (Tapezierarbeit von A. Joos), F. Huber ein Schlafzimmer in Nußbaum (Tapezierarbeit von K. Mühling), C. W. Friedrich desgleichen und Tapezier I. Dreifuß ein Schlafzimmer. Von Schreiner F. Barbo war ein reichgeschnitztes Rococotischchen mit eingelegter Platte auf der Galerie zu finden; R. Schirrich und I. Hirth hatten hübsche Stühle mit Bildhauerarbeit geliefert und K. Speer hatte alte Möbel mit Geschick ergänzt und restaurirt. Die Bauschreinerei fand eine würdige Vertretung durch eine gut gefertigte Hausthüre in Eichenholz von X. Mandel. Die Drechsler K. F. Geßler und K. Mersy hatten ihre hübschen Erzeugnisse im Parterre der Halle gut zu gruppiren verstanden, während Bischof, Vater und Sohn ihre Erzeugnisse (Geweihe. Stickrahmen, Spazierstöcke, Holzbrandsachen u. s. w.) auf der Galerie untergebracht hatten. Die Steinbearbeitung war repräsentirt durch K. Jsenmann mit Grabsteinen und einer im Modell ausgestellten Gewandfigur sowie durch Kalfaß L Friesch, unter deren Arbeiten ein naturalistisch gehaltener Grabstein durch seine absichtlich erschwerte technische Behandlung auffiel. Die Ofenindustrie hatte nur einen Vertreter, K. Feiler, mit ganz gefälligen Wärmespendern der verschiedensten Art. K. Schweizer hatte eine schöne Dachgaupe (mit Fenstern von Glaser Fr. Bau mann) und ein sauber ausgeführtes Firmenschild aus Zinkblech ausgestellt. 632 Als eine beachtenswerthe Spezialität, hervorgegangen aus der Offenburger Glasmalerei, können die Glasplakate von A. Demuth und W. Schell zunior gelten. Der Aussteller R. Dold errichtet zur Zeit eine Fabrik für Zifferblätter und Emailschilder, von denen Proben Vorlagen. Die lithographische Anstalt von Reiff L Cie. zeigte den Besuchern „wie ein Plakat entsteht"; weitere Buch-, Kunst- und Plakatdruckarbeiten waren von Ad. Geck und I. Huggle vorgeführt. G. Gärtner hatte Holztypen für das Druckereigewerbe geliefert und Buchbinder A. Huber lieferte den Beweis, daß man in Offenburg die Bücher auch schön und solid einzubinden versteht. In dem Ausstellungsschrank von Fräulein Fr. Kederer sprachen zwei goldgestickte Hauben ganz besonders an und es war eine erfreuliche Wahrnehmung, daß die Durbacher Frauen sich nicht scheuen, 60 Mark für dieses Ausstattungsstück ihrer Volkstracht anzulegen. Es könnte nicht schaden, wenn man sich in andern Kreisen ein Beispiel daran nehmen wollte, wie man das Kunsthandwerk praktisch unterstützen kann. Zum kunstgewerblichen Theil der Ausstellung müssen wohl auch die gefälligen Arbeiten der beiden Blumenmacherinnen Beyle und Frick gerechnet werden und schließlich wäre noch die Bäckereigenossenschaft hier zu erwähnen. Sie hat das betreffende Handwerk der Kunst nahegebracht, indem sie neben dem rein Eßbaren ein Wappen mit heraldischen Löwen und ein Basrelief der Ausstellung in gebackenen» Teig aushing, um damit den Laien und den Kunstverständigen zugleich zu imponiren. (Schluß folgt.) Ausstellung von Erzeugnissen des Handfertigkeitsunterrichtes. In der Zeit vom 30. September bis 2. Oktober tagte in Karlsruhe der 15. Kongreß des Deutschen Vereins für Knabenhandarbeit (s. Bad. Gewerbezeitung Nr. 37), womit eine Ausstellung von Erzeugnissen des Handfertigkeitsunterrichts verbunden war; diesen waren auch einige größere Arbeiten von Lehrern, zugestellt. Es sei erwähnt, daß der Deutsche Verein für Knabenhandarbeit augenblicklich rund 1500 Mitglieder, darunter 300 Städte, Vereine und Korporationen, zählt. Das Ausland soll uns auf diesem Ausbildungsgebiete weit voraus sein; wir in Deutschland sollen erst an 12. Stelle kommen. Zum Kongreß waren aus ganz Deutschland Vertreter erschienen, aber auch das Ausland: Schweden, Norwegen, Oesterreich, die Schweiz betheiligten sich an demselben; die letzteren beiden Länder nahmen mit einigen Schulen auch an der Ausstellung theil. Der dem Handfertigkeitsunterricht zu Grunde liegende Gedanke ist ein erzieherischer, der Unterricht soll dazu dienen: das Auge, die Hand und den Willen des Schülers erziehlich zu beeinflussen, nach manchen Anschauungen ihn wohl auch für das praktische Handwerk zu interessiren und in gewissem Sinne dafür vorzubereiten. Bei uns in Baden wird der Handfertigkeitsunterricht lediglich unter dem erziehlichen Gesichtspunkt ertheilt nach den in der Kongreßversammlung gemachten Aeußerungen des Großh. Oberschulraths Geh. Rath Arnsperger; er wurde an Volksschulen, Mittelschulen, Lehrerbildungsanstalten fakultativ eingeführt, an den beiden Präparandenanstalten versuchsweise obligatorisch gemacht. Die Schulbehörde hofft so ein Ergebniß zu erhalten, ob sie diesen Unterrichtszweig allgemein oder nur für besondere Arbeiten desselben einführen soll. Die Ausstellung hatte in der großen Festhalle des Stadtgartens Aufnahme gefunden; sie war an vier Tagen von 9 Uhr Vormittags bis 7 Uhr Abends für Jedermann unentgeltlich geöffnet; sie erfreute sich eines außerordentlich zahlreichen Besuchs. Ausgestellt hatten von: Karlsruhe die Karl-Wilhelmsschule, die Schule in der Gartenstraße, die Leopoldsschule und das Lehrerseminar II; Mannheim die Volksschule und der Verein Knabenhort; Heidelberg die Volksschule und das Gymnasium; Baden-Baden die Volksschule; Freiburg die Volksschule; Pforzheim die Knabenarbeitsschule des städtischen Hilfsvereins: Waldkirch die Erziehungsanstalt von vr. Plähn; Meersburg die Lehrerbildungsanstalt; Frankfurt a. M. der Verein für Knabenhorte; Frankfurt a. M.- Bockenheim der Verein für Knabenhandarbeit; Ludwigshafen a. Rh. der Verein Knabenhort; Gerresheim-Vennhausen der Knabenhandfertigkeitskursus; Wasseralfingen die Volksschule; Straßburg i. E. die Schülerwerkstätten der Volksschulen; Saarbrücken die Grube v. d. Heydt, Werkstätte für junge Bergleute; Basel die Knabenarbeitsschule; Zürich die Knabenarbeitsschulen; Brünn die Knabenhandarbeitsschulen; Villach-Kärnthen der Verein Knabenhort. Endlich hatte der Lehrer A. Salm von Zerbst eine wirkungsvolle Neuheit vorgeführt: das Pflanzenornament im Dienste des Kerbschnitts; hier waren in verschiedenfarbig behandelten Flächen Eichenzweige, Hopfenranken, Aehren, Hafer, Gräser u. s. w. in hübscher Zusammenstellung nach Kerbschnittmanier tief eingeschnitten. In der Hauptsache herrschten die Schnitzereien vor und trat bei diesen der Flachschnitt gegenüber dem Kerbschnitt weit zurück; daneben nahmen die Hobelbankarbeiten und 634 davon wieder solche in Verbindung mit Schnitzereien und Holzbrandverzierung, letztere auch mit pntermalung, einen breiten Aatz ein. Dann waren Papp- und Kartonnagearbeiten, ferner Eisenarbeiten, sogenannte Filigransachen und einfachere aus Draht gebogene, sowie auch Feil- und Treibarbeiten geliefert worden. Weißblech- und Lötharbeiten waren nur vereinzelt vertreten. Es tagen zumeist tüchtige und recht tüchtige Leistungen vor, die gute Zeichnung, hübsche Technik nebst sauberer Ausführung bekundeten, geringere Sachen blieben sehr in der Minderheit. Nach einem sestgelegten Programm wird scheinbar noch nicht gearbeitet, man läßt hier vor der Hand den Lehrern noch freieres Spiel. Die Neigungen dieser kommen deshalb in den ausgestellten Gegenständen auch oft zum Ausdruck, indem hier die Schnitzereien, da Papparbeiten, dort die Hobelbankarbeiten mit Holzbrandmalereien, an anderer Stelle die Eisenarbeiten u. s. w. mehr hervortreten. Einverstanden kann man sich nicht immer damit erklären, wie durch die Verzierungen von Gebrauchsgegenständen diese an praktischem Werth verlieren (tief ausgeschnitzte Sitze, Tischplatten, Servirbretter, Brodteller rc.). Es war interessant, zu beobachten, wie die Einzelnen den Grundgedanken des Handfertigkeitsunterrichts auffafsen und zur Durchführung bringen. Die Ausstellungen der Schweizer Städte lassen erkennen, daß die Unterweisungen nach einem gewissen Lehrgang erfolgen, ebenso die, welche von Straßburg und Ludwigshafen gebracht worden sind. Die Werthschätzung des Handfertigkeilsunterrichts, insbesondere als Erziehungsmittel für Knaben im schulpflichtigen Alter, dringt erfreulicherweise in immer weitere Kreise, wozu die Ausstellungen der Erzeugnisse wesentlich mit beitragen. — In Deutschland wird dieser Unterricht gegenwärtig in 858 Anstalten ertheilt, davon kommen auf Preußen allein 570, auf Baden 46. Mt. KiUige Wohnungen. c> Ueber das Meyer'sche Unternehmen der Erbauung billiger Wohnungen in Leipzig haben wir auf Grund der ersten Jahresberichte in unserm Blatte zweimal (1891 S. 35 und 1893 S. 322) berichtet. Im Jahre 1894 erschien der dritte, 1895 der vierte, kürzlich der fünfte Jahresbericht* Es dürfte unfern Lesern nicht uninteressant sein, einiges Weitere über die Entwickelung der Anlage zu erfahren. * Die fünf Jahresberichte befinden sich in der Bibliothek der Landesgewerbehalle unter Nr. 8666. 635 Das in Deutschland einzig dastehende Unternehmen ist eine Stiftung des Chefs des bekannten Verlags „Bibliographisches Institut", aus deren Erträgen immer neue Wohnungen gebaut werden. Die Miethen sind so berechnet, daß auch eine mäßige Verzinsung des aufgewendeten Kapitals von etwa 3 Vs Prozent bei auf Erwerb angelegten Unternehmungen stattfinden würde. Die Wohnungen sind nur für die niedrigsten Lohnklassen bestimmt, abgesehen von deren Stellung; ihr Preis ist um 15 bis 20 O g billiger, als sie sonst zu erhalten sind — 130 bis 200 M., je nach Stockhöhe und Zimmerzahl (2 oder 3 Zimmer nebst Küche und Vorraum). Die Miethe ist wöchentlich voraus zu bezahlen, sie wird von Beamten bei dem Miether erhoben. Kommt dieser seinen Verpflichtungen nach, so wird ihm nie gekündigt und der Preis nicht gesteigert. Die Häuser bilden geschlossene Gruppen mit großem Hofraum oder Garten, Waschhaus und Kinderhort sind mit ihnen verbunden. Die im Jahre 1889 gegründete Anlage erforderte einen Aufwand von 759863 M., heute entspricht das gesammte Anlagekapital einer Summe von 2 438 519 M. Es sind jetzt vorhanden 52 Häuser mit 529 Wohnungen und einer Kopfzahl von 2110 Bewohnern. Dieselben gehören 85 verschiedenen Berufsarten an, der Bericht hat solche mit entsprechender Zahl verzeichnet (52 Arbeiter und Arbeiterinnen der verschiedensten Art, 49 Tischler, 33 Fabrikarbeiter, 30 Markthelfer, 27 Kürschner, 24 Handarbeiter und Taglöhner, 20 Private, meist Wittwen rc.). Die Häuser befinden sich in drei Blocken, über den zweiten berichtete schon der Jahresbericht von 1895, der dritte Block wurde im Herbst 1898 bezogen (13 Häuser für 121 Miethparteien mit 480 Köpfen). Diese drei Blocke befinden sich im Westen von Leipzig (Vorstadt Lindenau) einander gegenüber, durch Straßen getrennt. Eine neue Anlage ist im Norden der Stadt auf Eutritz'scher Gemarkung in der Nähe des Berliner Bahnhofs bereits in Angriff genommen. Der diesjährige Bericht enthält Näheres über dieselbe, Grundriß (ebenso wie bei den Anlagen in Lindenau) und Kostenveranschlagung. Beim Vermiethen wird ein neuer Grundsatz zur Geltung kommen. Der Miethpreis soll nicht mehr als '/? des Jahreseinkommens betragen. Den Miethern wird nun nicht die Wahl einer Wohnung gelassen werden, die eventuell mehr als '/? betrüge, sondern nach deren Einkommen wird ihnen eine entsprechend^, oder auf Wunsch auch billigere Wohnung zugewiesen werden. lAckr. 636 Winkel-Wasserwaage. o Die Firma Friede. Gebhardt in Heidelberg hat neuerdings die abgebildete Winkel-Wasserwaage, welche verschiedene Hilfswerkzeuge des Bauhandwerkers in sich vereinigt, zum Patent angemeldet, Das genannte Instrument besteht aus zwei hartholzenen Armen L und b, die um eine Schraube mit Flügelmutter c drehbar sind, und wovon der eine im geschlossenen Zustande in einer entsprechend großen Ruth des anderen — genau eingepaßt — liegt. Der äußere umschließende Theil L trägt zum Zwecke der Konstatirung von horizontalen und vertikalen Strecken und Flächen zwei Wasserwaagen 6 und e, und besitzt nahe bei der Flügelmutter eine Oeffnung f, durch welche eine auf dem Arm b angebrachte Gradeintheilung sichtbar wird. Am anderen Ende dieses Armes ist ein Stahlstift § eingeschraubt, der nach außen gewendet und festgestellt werden kann. Außerdem ist noch eine Metermaß- eintheilung angebracht. Das Instrument dient zunächst als Wasserwaage; dann kann es auch als Schrägmaß (sog. Schmiege) und als Winkelmesser benützt werden. Stellt man die beiden Arme auf 180 ° ein, so daß der eine Theil genau die Fortsetzung des anderen bildet, so erreicht das Instrument (wenigstens Nr. 2) eine solche Länge, daß es unmittelbar als Setzlatte zu gebrauchen ist. Bei kleineren Abmessungen kann ferner die Maß- eintheilung als Maßstab dienlich sein. Wird schließlich der Stift § nach außen gekehrt, und in der Ruth des Armes a ein Bleistift, eine Kreide oder dergl. befestigt, was leicht zu bewerkstelligen ist, dann bildet das Ganze einen Zirkel. Die beschriebene Winkel-Wasserwaage, von welcher einige Exemplare z. Zt. in unserer Ausstellung sich befinden, wird in zwei Nummern geliefert und zwar in den unten angegebenen Längen und zu den beigesetzten Preisen: I—I—^ °' Beilage zur Badischen Eeimrbezeirung 1899 Nr. 40. 637 Nr. 1 0,30 m lang 6,00 M.; Nr. 2 0,70 m 9,50 M. Die Ausführung ist eine durchweg gute. Wir machen auf den neuen Ausstellungsgegenstand empfehlend aufmerksam. 3ck. Berichtigung. In Nr. 39 S. 818, Zeile S von oben lies Kohlenstoff statt „Kohle". Gerichtliche Entscheidungen. o (Verträge unter Voraussetzung einer Patentertheilung.) Die Ertheilung des Patentes auf eine Erfindung erfolgt bekanntlich immer erst lange nach Eingabe des Gesuchs. Es gehen darüber Monate hin, bei vorhandenem Einspruch kann es über ein Jahr dauern. Vorläufig geschützt sind die zum Patent angemeldeten Erfindungen und es kann der Urheber mit denselben vor die Oeffentlichkeit treten in Beschreibung wie im Verkauf des Gegenstandes. Datirt wird das Patent nach seiner Ertheilung vom Tage der Eingabe des Gesuchs und von da laufen auch die Jahresgebühren. Tritt der Erfinder mit einem Anderen in Verbindung hinsichtlich Ausbeutung der Erfindung unter der Voraussetzung, daß dieselbe patentirt werde, so hat ein abgeschlossener Vertrag jedoch auch nur beim Zutreffen Giltigkeit; wird die Eingabe zurückgewiesen wegen mangelnder Neuheit der Erfindung, so verfällt auch ein zuvor abgeschlossener Vertrag; ein Käufer kann von demselben zurücktreten, denn vor dessen Abschluß hat eine Erfindung in Wirklichkeit nicht bestanden. Die Prüfung stellt solches in Deutschland und Nord- Amerika heraus; in andern Ländern, wo auf den Gegenstand nach bloßer Anmeldung ein Patent ertheilt wurde, hat dasselbe keinen Werth, denn es kann im Streitfälle angegriffen und vernichtet werden. In diesem Sinn hat sich das Reichsgericht am 27. Mai d. I. ausgesprochen. (Näheres s. Blatt für Patent-, Muster- und Zeichenwesen Nr. 7/8 S. 203.) Bei Abschluß von Verträgen auf Grund von nachgesuchten, aber noch nicht ertheilten Patenten ist deshalb mit besonderer Vorsicht zu verfahren, um gegen Schaden gedeckt zu sein. Unsere Musteyeichlnmg. Die dieser Nummer beigegebene Tafel 40 enthält die Abbildung eines Fenstertritts mit Ballustrade; entworfen von E. Schumacher, Bibliothekar an der Großh. Landesgewerbehalle in Karlsruhe. 638 LUbkungsIisRv der Lotterie der Gewerbe- und Kunstgewerbe - Ausstellung Offenburg am 28. September 1899. Loos- Nr. Gew.- Nr. Gegenstand. Loos- Nr. Gew.- Nr. Gegenstand. 9 8 Pferdkummet. 1905 117 Makartbouquet. 48 66 Waschseil mit Haspel. 1932 22 Uhr. 75 81 Fächerpalme. 1943 103 Damentasche. 151 105 Tasche. 2097 82 Hackklotz. 236 106 Kardätsche. 2218 34 Spinnrad. 239 91 Staub- und Handbesen. 2225 102 Handtasche. 244 115 Toilettel, rton. 2239 13 2 elegante Stühle. 281 6 Herd. 2254 60 Regenschirm. 291 62 Reisetasche. 2271 99 Marktnetz,Vorlage,Waschseil. 299 45 V, Dutzend Eßlöffel. 2289 24 Blumenständer. 408 104 Anhüngtasche. 2455 3l Obstpresfe. 418 109 Stock. 2496 83 Regenschirm. 442 30 Häufelpflug. 2606 50 >/, Dutzend Kaffeelöffel. 513 57 Bettflasche. 2806 5 Nähmaschine. 568 10 Futterschneidmaschine. 2815 67 Waschseil mit Haspel. 579 49 Tranchierbesteck. 2816 108 Kleiderbürste. 582 51 Uhr. 2844 72 Handtasche. 588 85 Toilettekarton. 2886 92 Hackbrett und Teller. 675 70 Topfpflanze. 2915 3? Uhr. 692 62 Gesticktes Nadelkissen. 2951 97 Waschseil. 730 111 Gießkanne. 2962 73 Reisetasche. 737 19 Badewanne. 2991 52 Uhr. 765 98 Waschseil. 3009 28 Gemälde. 915 26 Uhr. 3010 79 Topfpflanze. 972 66 Wichs- und Kleiderbürste. 3021 100 V, Dutzend Bestecke. 1034 36 Sitzbadwanne. 3096 56 Schaukel. 1036 114 Bettflasche. 3167 47 Blumenständer. 1046 61 Album. 3236 44 Ampel. 1064 107 Kehr- und Staubbesen. 3271 27 Uhr. 1076 9 Füllofen. 3480 21 2 Figurenständer. 1089 1 Zimmereinrichtung. 3442 12 Goldgesticktes Sophakissen. 1172 87 1 Packet Hanf. 3506 93 Plücheschachtel. 1238 63 Toilettekarton. 3526 46 Kübelpflanze. 1300 33 Gemälde. 3530 113 Schreibmappe. 1312 14 Futterschneidmaschine. 3632 112 Waschbecken. 1426 96 Anhängtasche. 3651 42 3 Stück Hemden. 1448 15 Faß- 3716 39 4 « . 1466 11 Badwanne. 3762 76 Topfpflanze. 1496 90 Staub- und Handbesen. 3796 94 Regenschirm. 1551 65 Wagenseil. 3800 40 Fuhbürste. 1592 17 Nähmaschine. 3804 76 Regenschirm. 1624 84 Toilettekarton. 3808 48 V, Dutzend Dessertmefser. 1699 69 Kardätsche. 3841 55 Tasche. 1717 101 Backform. 3852 95 Anhangtasche. 1723 74 Reisetasche. 3959 38 3 Stück Hemden. 1731 29 Blumenständer. 4042 89 Reisetasche. 1766 75 Postkartenalbum. 4061 25 Ovalfaß. 1778 71 do. 4090 116 Stock. 1793 2 Spiegelschrank. 4112 23 Ziertischle. 1838 7 Pserdekummet. 4163 110 Stock. 1869 77 Anhängtasche. 4292 59 Regenschirm. 639 Loos- Nr. Gew.- Nr. Gegenstand. L00s- Nr. Gew.- Nr. Gegenstand. 4414 68 1 Packet Hanf. 4691 35 Faß. 4438 20 Blumentisch. 4813 4 Flaschenzugj. 4538 80 Topspflanze. 4826 68 Backform. 4541 3 Sopha mit 2 Stühlen. 4865 41 Uhr. 4571 54 Uhr. 4920 18 Vs Dutzend Bestecke im Etui. 4623 58 Postkartenalbum. 4977 43 V, Dutzend Bestecke. 4624 16 ! Badwanne. 4992 53 Uhr. 4653 64 Dutzend Bestecke. Die Gewinne können vom 29. September ab im unteren Saale des Schulgebäudes, Spitalstraße 2, gegen Rückgabe des bestätigten Looses abgeholt werden. Gewinne, welche bis 15. Oktober d. I. nicht abgeholt sind, verfallen zu Gunsten des Gewerbevereins. Offenburg, den 28. September 1899. 242 Die Kommission. Oroßlk. Kail. " " " ' Karlsruhe. Schüleraufnahme zum Wintersemester am Dienstag den 17. Oktober und zwar Bormittags 8 Uhr für ständige Schüler, Abends 8 Uhr für Abendschüler. Architektur-, Bildhauer-, Ciselier-, Dekoratious-, Keramik-Schule, drei Jahreskurse; Zeichenlehrerschule, vier Jahreskurse. Wiuterschule, hauptsächlich für Dekorationsmaler, Abendschule für Gewerbegehilfen und Lehrlinge. 203 . 6.5 Schulgeld, bei der Aufnahme zu entrichten, für ständiSchüler: Reichsangehörige 25 M-, Ausländer 40 M., Eintrittsgeld 10 M. — Schulgeld für Abendschüler 10 M. Anmeldungen für ständige Schüler und Winterschüler schriftlich unter Beilage von Schul- und LeumundSzeugniß, Geburtsschein und Zeichnungen an die Direktion. — Kost und Logis in Privathäusern per Monat von 45 M. ab. — Programm gratis. Me Direktion: K ö H. Bauarbeiten -Vergebung. Für die Neubauten der Technischen Hochschule sollen die Gipscrarbeiten vergeben werden. Pläne und Bedingungen liegen im Bau- bureau in der Technischen Hochschule auf, wo auch die Angebote bis Dienstag, de» 17. Oktober, Morgens 11 Uhr, einzureichen sind. Die Zuschlagssrist beträgt 4 Wochen. Karlsruhe, den 2. Oktober 1899. 443 vr. Warth. Wucher-u. TuMttgeschiift 235 4.3 zu verkaufen. In einem 6000 Einwohner großen Jn- dustriestädtchen der Pfalz, in nächster Nähe Mannheims, ist ein der Neuzeit entsprechend eingerichtetes Tüncher- und veziergeschäft unter günstigen Bedingten zu verkaufen. Das Geschäft wurde 1826 gegründet. Der bisherige Inhaber arbeitete ständig mit zwei Gesellen und drei Lehrlingen und bediente stets die feinste Kundschaft am Platze und in der ganzen Umgebung. Jungen, tüchtigen Anfängern ist die beste Gelegenheit zur Gründung einer sicheren Existenz geboten. Offerte beliebe man unter I(. 51. Nr. 1208 an die Annoncenexpedition G. L. Daube <- Cie, in Karlsruhe zu richten. Di'v/fusMa^si'-vmlcvI k/lannksim. Kolrbanälung, Vsmpk-Uodol- u. 8Sgo«oi> Oro»»» r>ook»n»nl»?». Nelrvoäisvlio Msmon r »msrtkavtsvli« UNn« Uorckiool»» ^.äsntooko Li8t«vt>rvrt«r,I.sIotan Mi Lauovsoke «to »to 38.52 33 Stroh-Lieferung. Hie Lieferung von 1200 Zentner Kornstroh und 1200 Zentner Kurzstroh für 1899/1900 wird im Submissionswege vergeben. Die Angebote sind versiegelt und geeignet überschrieben bis längstens Donnerstag, de« 12. Oktober d. I., Vormittags 10 Uhr, portofrei dahier einzureichen, woselbst zu diesem Zeitpunkt die Eröffnung der ein- gcgangenen Angebote stattfindet. Die Zuschlagssrist ist auf 4 Wochen bestimmt. Die Lieferungsbedingungen können auf unserer Verwaltungskanzlei eingesehen werden. 241 Jllenau, den 28. September 1899. Großh. Heil- und Pflegeanstalt. für Familien und alle gewerblichen Zwecke beziehen Sie am besten und billigsten von Aug. Mappes, HkidklbttS- Gewerbevereinsmitglieder Ausnahmspreise Msckreuge in einem Nüvk. ------- Prospekte gratis und franko. Zu beziehen von Klick. Wtck, Wtlttt». 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