Der häusliche Jortschritt. Beilage zur badischen Gewerbezeitung. V. Band. Nr. 4. 1872. Inhalt, Seite 2S bis 32: Bronze und bronzirt. Bronze und bronzirt. (Schluß.) Gut ausgeführte Zinkbronzen, wie sie massenhaft von Paris zu uns gelangen, lassen sich von achter Bronze nicht unterscheiden, dabei kosten sie kaum die Hälfte; aus diesem Grunde verdrängen sie die ächte Bronze immer mehr vom Markte, so daß man in manchen Läden dieser kaum noch begegnet. Eine spezielle Gattung von Gegenständen gibt es fast nur noch in Zink, die Gehäuse der Pendulen, sowohl die in eigentlichem Bronzeton ausgeführten, wie die vergoldeten. Letztere werden in vielen Tausenden von Exemplaren jährlich auf dem Schwarzwald gefertigt (Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation in Lenzkirch) und möchten die meisten, denen wir in Deutschland begegnen, von dorther stammen. Die Gehäuse selbst, resp. die gesäuberten Zinkgüsse, werden zwar in Paris hergestellt, das Vergolden, sowie das Anfertigen und Einsetzen der Uhren findet jedoch auf dem Schwarzwald statt. Das schöne Matt dieser Vergoldung läßt sich nur auf einem eigenthümlichen Umweg gewinnen. Die Gehäuse werden erst in einem Cyankupferbad verkupfert; die Verkupferung wird alsdann in einem Bad von Kupfervitriol-Lösung fortgesetzt, bis ein schön rosiges Matt gebildet ist; von hier gelangen die Gegenstände endlich in das Cyangoldbad, worin nun die Umwandlung in das hochgelbe Goldmatt vor sich geht. Je nach Stärke des Stroms und des Bades und der Erwärmung desselben fallt die Goldfarbe mehr licht oder mehr roth aus und kann man diese Verschiedenheit der Töne bei einer Reihe im Laden nebeneinanderstehender Pendulen sofort erkennen. Einzelne hervorragende Parthien der Gehäuse werden alsdann mit dem Stahl polirt und dadurch ein angenehmer Wechsel von glänzenden und matten Stellen erzeugt. Neuerdings sieht man auch hübsch ausgeführte Nippsachen, z. B. Thiere als Briefbeschwerer, in matter Vergoldung, die Vertiefungen mit blaugrüner Patina ausgefüllt, von wohlthuender Wirkung. 26 Auch größere monumentale Stücke werden in) Zinkguß aus geführt, und durch galvanische Bronzirung wetterbeständig und der ächten Bronze ähnlich gemacht. So sind alle Figuren des Gutenberg-Denkmals in Frankfurt, mit Ausnahme der drei obersten galvanoplastischen Hauptfiguren, in Zink hergestellt (1858) anfangs allerdings schlecht galvanisirt, indem das Zink in häßlichen grauen Streifen bald durchbrach, neuerdings wiederholt und besser bronzirt. Die zwei Hirsche im hiesigen Schloßgarten vor dem Thore des Fasanengartens sind gleichfalls Zinkguß; die Bronzirung hat sich während 6 Jahren der Farbe nach gut gehalten; nur hat sich merkwürdigerweise die ganze Oberfläche mit kleinen Wärzchen bedeckt, die dem Auftreiben des wahrscheinlich nicht genügend vermessingten Zinks ihre Entstehung verdanken; die Wirkung wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. — In der Landes- Gewerbehalle befindet sich, von A. Winter u. Sohn ausgestellt, eine treffliche, etwa 4 Fuß hohe Kopie der Amazone von Kiß, in Zink gegossen und vorzüglich bronzirt. Der Eisenguß. Eisen schmilzt erst bei einer sehr hohen Temperatur, über 1000° C. Der Guß desselben läßt sich für feinere Sachen blos in Sand vornehmen. Metallformen sind nicht anwendbar, theils weil sie bei der starken Hitze keine lange Dauer besäßen, theils weil in Folge zu rascher Abkühlung der Guß in denselben unansehnlich ausfällt; auch wird dabei die Oberfläche außerordentlich hart, so daß sie keine mechanische Bearbeitung ferner gestattet. Von der letzteren Eigenschaft des Metallguffes kann man nur in wenig Fällen eine nützliche Verwendung machen, z. B. zur Anfertigung von Walzen für die Blechsabrikation, zur Herstellung von Kreuzungsstücken der Eisenbahnen rc., wo das Material der Abnutzung einen großen Widerstand entgegensetzen soll. Als Modelle für die Sandformung werden wie bei Zink Holz- und Metallmodelle verwendet. Gegossen wird theils in den noch feuchten Sand, theils in scharf getrockneten thonigen Sand, bei dem der Thon das Bindemittel bildet. Der Feinguß wurde früher wesentlich in letzterem Material gegossen, neuerdings versteht man denselben auch im feuchten Sand sauber zu gießen. Das Trocknen der Formen 'erfordert Hitze nnd viel Zeit und sucht man dasselbe möglichst zu vermeiden. Geschmolzen wird das Eisen für die ordinären Güsse im Kupolofen, der einen 3 bis 4 Meter hohen, 1 bis 3 Meter weiten gemauerten und mit Eisentafeln bekleideten Cylinder darstellt, welcher von oben abwechselnd mit Gußstücken und mit Koaks geladen wird, während unten durch einen Ventilator Luft eingeblasen wird. Das Eisen schmilzt auf der Sohle zusammen und wird gelegentlich für den Guß abgestochen. Für den Feinguß wurde das Eisen früher in Tiegeln geschmolzen wie auch die Bronze, das Messing; neuerdings wendet man auch hier Kupolofen an von aller- 27 dings sehr kleinen Dimensionen, etwa 2,5 Meter hoch und 0,3 Meter innerer Durchmesser. Die gegossenen Stücke sind je nach der Qualität des Eisens zuweilen so hart, daß sie sich nicht mit der Feile oder dem Bohrer bearbeiten lassen; sie müssen zuvor angelassen, d. h. weich gemacht werden. Zu dem Ende werden sie in einem verschlossenen eisernen Kasten stark geglüht und dann sehr langsam abgekühlt. Die weitere mechanische Bearbeitung besteht bei den meisten und gewöhnlicheren Stücken in einer Reinigung von dem anhängenden Formsand, im Abnehmen des Angusses und der Formränder, im Anbohren und Verschrauben oder Vernieten mit zugehörigen anderen Theilen. So schwierig ein Anstrich auf Zink haftet, so fest verbindet sich umgekehrt das Eisen mit Anstrichen, namentlich aus Oel- und Asphaltfirniß. Der Feinguß wird in der Regel mit reinem Leinöl dünn bestrichen und dann im Trockenofen erhitzt; dabei dünstet das Oel ab und trocknet auf dem Eisen fest zu einem mit demselben äußerst innig verbundenen kaum austragenden Ueberzug von mehr oder weniger tief schwarzen Farbe, je nach der Stärke der Erhitzung. Im Wesentlichen kommt dieses Vorverfahren auf das Schwärzen der eisernen Stecknadeln, Schnallen rc. hinaus. Die Schwärze wird glänzend, wenn das Metall selbst vorher blank war. Diese Decke schützt das Eisen schon vollständig vor dem Rosten. Behufs Bron- zirung wird nun weiterhin ein dünner Firniß aufgetragen und wenn derselbe nahe trocken ist, wird ein Bronzepulver*) von gelber, brauner, rother rc. *) Die (Mächten) Bronzefarben sind ihrer chemischen Zusammensetzung nach Kupfer oder Tomback von 6 bis SO Theile Zink auf 100 Kupfer, für rothe oder Helle Nuancen. Dieselben wurden ursprünglich aus den Abfällen der Metallschlägereien, der sogenannten Schawine, hergestellt; der massenhafte Verbrauch nöthigt schon geraume Zeit das Metall zu diesem Behuf besonders zu schlagen. Das Blatt wird mittelst einer Kratzbürste durch ein Eisendrahtsieb gerieben, dann weiter mit etwas Oel zusammengerieben und endlich vorsichtig erhitzt, wobei sich Anlauffarben bilden, die fast alle Nüancen herzustellen erlauben, außer Blau. Silberbronzefarbe besteht jedoch aus einer Legirung von Zinn und Zink oder aus Neusilber, Eisenbronze, welche die Metallfarbe des blanken Gußeisens nachahmt, aus Antimonmetall. — Aechte Bronzefarben bestehen blos aus Gold oder Silber und werden aus der Schawine der Schlägereien bereitet. Sie kommen selten als Staubbronze, in der Regel mit einem Bindemittel in Muscheln gestrichen als Muschelgold oder Silber in den Handel; die unächten Bronzefarben hingegen in kleinen Pakets als feine Pulver- — Die Bronzefarben werden zumeist mit einem Pinsel aus eine adhärirende Fläche aufgetragen, ihre deckende Kraft ist eine außerordentliche, mit geringen Mengen metallisirt man große Oberflächen; leicht kann man sich auf diese Weise selbst schadhaft gewordene Gegenstände ausbessern. Seltener werden die Bronzefarben, mit Leim oder Firniß verrührt, angestrichen, man bedarf dann erheblich größerer Mengen. — Die Bereitung der Bronzefarben ist eine Fürther Erfindung und geht bis zum Jahre 1750 zurück. Dieselben werden noch heutigen Tages vorzugsweise in Fürth und Nürnberg fabrizirt und beläuft sich der jähr- 28 Farbe mittelst eines Pinsels darauf getupft; endlich wird in der Regel noch ein zarter Lackfirniß aufgestrichen. Nach dem Trocknen sitzt die Brou- zirung vollständig fest auf und widersteht in hohem Grad der Abnutzung, wie Abreiben, Nageldruck rc. Die Bronzefarbe wird vorzugsweise auf die erhabenen Theile des Gegenstands gesetzt, die dadurch ein schön glänzendes metallisches Aussehen erlangen und den Anschein einer alten Bronze, bei welcher durch vielfaches Anfasseu die reine Metallfarbe hervorgetreten. Es läßt sich dies so naturgetreu machen, daß nur der Kenner die Imitation herausfindet. In dieser Weise werden behandelt, von größeren Stücken: Grabkreuze, Ofengestelle für Schippen, Schürhaken rc., Vasenträger, Tische, Schlüsselschränke, Kleiderhalter, Schirmständer, Wasserbecken zum Ablauf unter einem Krahnen rc.; von kleineren Stücken: Nadelkissen, Garnwickler, Cigarrenständer und Aschenbecher, Briefbeschwerer, Tintenfässer, Leuchter, Visitenkartenteller, Schmuckkästchen, Rähmchen, Zündholzbehälter, Taschenuhren- träger rc. rc. Ein Vierteljahrhundert etwa rückwärts (von Berlin ausgehend), goß man in Eisen sehr zierlich die feinsten Schmucksachen, wie Brochen, Ohrgehänge, Knöpfe, Vorstecknadeln rc., die in der Regel blos durch Erhitzen des Oelanstrichs glänzend geschwärzt und etwa noch mit Medaillons rc. verziert wurden. Gegenwärtig kennt man diese Artikel nicht mehr. Da sie zerbrechlich und nicht gerade sehr billig herzustellen waren, auch einen andern Farbenton nicht gut annahmen, so wurden sie nach einiger Zeit der Mode wieder verdrängt durch den vergoldeten Bronzeschmuck. Ofentheile, welche in die Hitze kommen, werden besser niit einem guten Asphaltfirniß grundirt, der dann bei einer möglichst hohen Temperatur getrocknet wird; das Bronzepulver wird hierauf, mit etwas Terpentinöl angemacht, aufgetragen. In mäßiger Hitze steht die Bronze recht gut; bei höherer Temperatur, in der Nähe von 200 " C-, verändert dieselbe jedoch ihren Farbenton, sie wird dunkel, dann grau und erblindet. Dem Feuer unmittelbar ausgesetzte Ofentheile lassen sich somit nicht bronziren. liche Verkaufswerth auf 800000 fl., sie bilden einen wichtigen Ausfuhrartikel nach Frankreich. (In Karlsruhe durch Gebr. Leichtlin zu beziehen.) Nichtmetallische Bronzefarbm stellt man feit etwa 5 Jahren aus Glimmer dar und führen dieselben den Namen Glimmerbronzen, Brokate, Krystallfarben. Dieselben bestehen aus fein gepulvertem Kaliglimmer, der in verschiedenen haltbaren Tönen gefärbt ist; die ungefärbte Substanz, Silberbrokat genannt, besitzt Silberglanz, widersteht allen Agentien und kann nahezu Glühhitze ertragen. Der Glanz der Brokate ist übrigens ein mehr glasiger; sie sind auch nicht so fein als Metallbronzen, können dehhalb letztere nicht ersetzen. Sie eignen sich übrigens für die meisten Metall-, Papp-, Holz-, Galanterie- und Putzgegenstände, bei der Blumen-, Buntpapier-, Tapeten-, Siegellack-Fabrikation, in der Schreinerei und Malerei (namentlich Theaterdekorationen). Fr. Rotier in Amberg bringt dieselben in den Handel. Muster davon befinden sich in der Landes-Gewerbehalle. Größere Gußstücke, wie Thore, Geländer, Pumpen ^ Gartenbänke, Springbrunnen, Säulen, Kandelaber werden zumeist mit einem gewöhnlichen farbigen Oelanstrich mehrmals bedeckt und auf den letzten noch nicht ganz trockenen Anstrich wird das Bronzepulver anfgetragen. Feine Ausführungen würden natürlich durch dieses Verfahren vollständig zugedeckt, die Schärfe der Konturen abgestumpft. Gegen äußere Verletzungen ist ein solcher Anstrich auch empfindlich, wenigstens so lange das Oel nicht vollständig erhärtet ist. Die Wirkung ist übrigens eine gute, wenngleich die Imitation sofort in die Augen fällt. Von recht freundlichem Ansehen ist namentlich eine weiße Silberbronzirung, wie man sie bei vielen öffentlichen Brunnen der neuen Karlsruher Wasserleitung seit diesem Jahre vorfindet. Leider hält sich die Bronzirung nicht lange im Freien, besonders wenn sie von Regen und Sonnenschein getroffen wird, am besten noch die Silberbronze. (Ueber das Bronziren der Pariser Kandelaber s. Badische'Gewerbezeitung'1867, S. 238.) — Einen ganz gleichfarbigen Metallton erhält man, indem man das Bronzepulver mit Firniß anmacht und dann mittelst des Pinsels aufstreicht. Wird der Rohguß mit einer Messing- oder Kupferbürste gekratzt, so bleiben an der rauhen Oberfläche Theile der Bürste fest hängen und kann dies Mittel auch zur Bronzirung dienen. Neuerdings werden durch die galvanische Bronzirung des Feincisengusses neue und treffliche Effekte erzeugt. Man überzieht das Eisen in derselben Weise und in demselbem Bad wie das Zink galvanisch mit Kupfer oder mit Messing und bronzirt hierauf nach einem der auf S. 11 mitgetheilten Verfahren, oder man versilbert weiterhin und färbt antik. Eine gewissermaßen einen neuen Styl repräsentirende Bronzirung ist die folgende. Größere glatte Flächen, wie sie an Leuchtern, Tintenfässern, Vasen rc. Vorkommen, werden vorerst abgeschliffen und polirt, was namentlich bei runden Gegenständen auf der Drehbank rasch erfolgt. Sodann werden die Stücke galvanisch mit Kupfer überzogen und dieses hierauf in schwarzes Schwefelkupfer (S. 11, 3) umgewandelt. Wiederum polirt erlangt der Ueberzug nun einen trefflichen schwarzen marmorähnlichen Glanz. — Erhabene Verzierungen lassen sich dabei im reinen Kupferton aussparen, indem man sie vor dem Schwefeln mit einem Firniß überzieht. Es entsteht dann eine sehr angenehme Abwechslung zwischen den Tönen roth und schwarz. Kleine Handleuchter sieht man vielfach der Art reizend ausgeführt, auch Schreibtisch-Garnituren und Anderes. Einen weiteren Farbenwechsel bringt man dadurch hervor, daß man das polirte Eisen stellenweise in seinem natürlichen Ton unverändert läßt, der (in allen Fällen) dünn aufgetragene Firniß schützt es vor dem Rosten. Auch den massiven galvanoplastischen Niederschlag nimmt man behufs Verzierung des Eisengusses zu Hülfe,, indem man 30 Medaillons und größere getriebener Arbeit ähnliche Flächen, die sich im Guß nicht so fein Herstellen lassen, an geeigneten Stellen einsetzt. Endlich wird auch polirter Marmor und zwar vorzugsweise belgischer schwarzer in Verbindung mit dem Eisenguß vielfach verwendet. Auf diese Weise entsteht eine große Mannigfaltigkeit der Eisengußwaaren im Aussehen. Zn Deutschland sind es namentlich drei Firmen, welche sich in dieser Branche auszeichnen und einen wirklichen Weltruf besitzen. E. G. Zimmer- mann in Hanau, das grast. Einsiedel'sche Eisenwerk Lauchhammer in Sachsen und das grast. Stolberg'sche Eisenwerk in Jlsenburg am Harz. E. G. Zimmermann, eine der ältesten Feineisenguß-Fabriken in Deutschland, fertigt wesentlich die kuranten Artikel an, und zwar in allen oben berührten Farbenmo- difikationen und in Verbindung mit dem galvauoplastischen Niederschlag und mit Marmor; auch Zinkbronzen werden neuerdings ausgeführt. Die Fabrik arbeitet lediglich nach eigenen Modellen, deren Nummer schon über die Zahl 12,600 hinausgegangen ist. Der Arbeiterbestand ist gegenwärtig 150 Personen. Die wohlorganisirte Fabrik fertigt Alles aus dem Rohen selbst; auch eine große Marmorschleiferei ist darin im Betrieb. Das Jlsenburger Werk zeichnet sich namentlich durch seine vortrefflichen Imitationen antiker und mittelalterlicher Geräthe, wie Vasen, Teller, Schilder, Waffen rc. aus, Lauchhammer durch ausnehmend dichten Guß und treffliche stahlähnliche Politur geschliffener Objekte in Naturfarbe, wie Schellen, Kamine rc. rc. In Lauchhammer werden auch ächte Bronzen, theilweise emaillirt, rühmenswerth aus- gesührt, sowie monumentaler Kunstguß. Ein reichhaltiges Lager von Eisenbronzen aus den genannten Fabriken, welches ein vollständiges Bild der Leistung dieser interessanten Industrie nach allen ihren verschiedenen Richtungen gibt, führen A. Winter u. Sohn in Karlsruhe, weit und breit ist uns eine ähnliche umfassende Vertretung des Artikels nicht bekannt. Auch ächte Bronzen, galvanoplastische und Zinkbronzen findet man daselbst in reichlicher Auswahl, ebenso bei F. Mayer u. Cie. Ein willkommener Gegenstand für die Bronze-Industrie ist der Hildesheimer Silberfund gewesen. Man sieht gegenwärtig die verschiedenen Stücke dieses merkwürdigen Fundes nachgeahmt in ächter Bronze, in Zink und in Eisen; antik versilbert und vergoldet, wie mit einfachen Bronzetönen ausgestattet. Die heutige Technik verstand die Originale durch die Mannigfaltigkeit der Wiedergabe gewiß noch zu übertreffen. Es ist -kein Zweifel, daß die allgemeine Verbreitung dieser mustergiltigen Erzeugnisse überhaupt einen wohlthätigen Einfluß auf unsere Geschmacksrichtung ausüben wird. Bronzirte Waaren. lieber diesen Gegenstand können wir uns kurz fassen. Gypsfiguren, Vasen, Figuren, Blumentöpfe, Nippsachen ver- 31 schiedener Art aus gebranntem (porösem) Thon, Verzierungen an Möbeln werden häufig bronzirt, im Ganzen nach einein gemeinsamen Verfahren. Gegenstände aus Holz und Gyps werden erst, entweder mit Leimwasser, das mit Kreide oder mit Farben verrührt ist, oder mit Oelftrniß, dem gleichfalls eine Farbe zugesetzt ist, Thonwaaren hingegen mit einem Lackftrniß grundirt; der Anstrich wird oft mehrmals wiederholt, bis die Poren der Unterlage vollständig verstopft sind; ist der letzte Neberzug nahezu trocken, so wird Bronzepulver darauf getupft, ähnlich wie bei dem Bronziren des Eisens; zuletzt wird noch ein dünner Firniß darüber gestrichen. Die Wirkung ist eine ähnliche wie bei dem derartig bronzirten Eisenguß. Eigentliche Handelsartikel dieser Gattungen sind blos die Thonwaaren, dieselben führen den Namen Siderolith oder Terralith und werden hauptsächlich im nördlichen Böhmen, in Pirna und Dresden, sowie an einigen anderen Orten gefertigt. Thonwaaren sind leicht zerbrechlich, die Masse erlaubt nicht die scharfe Modellirung und die feinen Verzierungen wie bei den Metallen; der verhältnißmäßig billige Preis macht die Artikel immerhin in vielen Fällen zu einem schätzenswerthen Ersatz der Metallbronzen. Büsten, Figuren, Vasen sieht man auch mit einem gleichfarbigen, braunen matten Ton ohne metallischen Glanz bekleidet, von nicht übler Wirkung; eine Beziehung zu Bronze bieten derartige Ausführungen übrigens nicht mehr. Goldrahmen und Goldleisten, ein so wichtiges Dekorationsstück unserer Wohnungen, bedürfen noch einer kurzen Erwähnung; dieselben werden zwar nicht unter den Begriff Bronze gefaßt, stehen der Bronze jedoch äußerst nahe und könnten ebenso als bronzirte Sachen bezeichnet werden. Eine neue Ausführung von Rahmen in auf der Drehbank rund oder oval gedrücktem Messingblech unterscheidet sich selbst materiell nicht von Bronze. Der Körper der eigentlichen Goldleisten und Goldrahmen ist Holz. Dasselbe wird grundirt mit einem mehrmaligen Anstrich aus Kreide und Leim und zuletzt mit dem Poliment bestrichen, einer gelbrothen, das Poliren ermöglichenden Masse (bestehend aus feinem fetten Thon, Seife, Fett, Wachs, Wallrath und Leimlösung). Verzierungen werden aus einem Teig von Leim und Kreide aufgeklebt. Zst das Poliment nahe trocken, so wird die Vergoldung vorgenommen. Für die meisten schlichten Artikel ist dieselbe gegenwärtig eine unächte; sie wird nämlich mit Blattsilber bewerkstelligt^ das auf das Poliment aufgelegt wird. Der Glanz wird durch Reiben mittelst Polirsteins-(Achat) hervorgerufen. Die Goldfarbe wird zuletzt durch Aufstreichen eines Goldfirnisses zur Täuschung erzeugt; die Stellen, welche matt bleiben sollen, überzieht man auch noch mit einem einfachen Schellackfirniß, dem etwas Kreide zugesetzt ist. — Die ächte Vergoldung (fast nur bei verzierten Rahmen in Anwendung) geschieht mit Blattgold; für Glanzgold 32 wird dasselbe aus das Poliment wie oben aufgelegt und nach dem Antrocknen polirt; für Mattgold wird neuerdings zumeist eine Grundirung mittelst schnell trocknenden Oelfirnisses vorgenommen, der mehrmals aufgetragen wird, auf den letzten fast trockenen Anstrich wird das Goldblatt aufgelegt; das Gold haftet hier viel fester, wie auf dem Poliment, ein Poliren ist jedoch nicht möglich. — Ein tauschendes Goldmatt auf Oelgrund stellt man auch häufig mittelst unächten Blattgolds aus Tombak her, dessen Mattirung und hochgelber Goldton durch einen gelb gefärbten und mit etwas Kreide versetzten Schellackfirniß gehoben wird, zugleich schützt derselbe gegen den Angriff der Luft?) Eine Bronzirung mittelst Bronzepulver auf Oel- oder Lackanstrich hält sich im Freien schlecht, sie verliert bald ihren Metallglanz und wird erdig. Metallglänzende Verzierungen, die Dauer besitzen, lassen sich blos mittelst ächten Goldblatts Herstellen; dieselben kommen auch häufig zur Anwendung, z. B. bei Firmenschildern, Thurmkreuzen, Wetterfahnen, an Balkongittern, auf Grabsteinen rc. Das Verfahren hierbei ist überall das gleiche und stimmt im Wesentlichen mit der Oelgrund-Vergoldung der Rahmen überein; nur wird hier mit einem farbigen Oelanstrich grundirt, der bei feineren Ausführungen vor dem Vergolden geschliffen wird; ist der Schliff sehr glatt, so kann die Vergoldung auch glänzend polirt werden, was z. B. beim Vergolden der Metallbuchstaben zu Finnen vorkommt. — Die beiden großen Wetterfahnen auf dem Thurm der Stadtkirche und auf dem Rathhausthurm zu Karlsruhe find in solcher Weise vergoldet. Die Vergoldung hält sich Jahrzehnte gut und kommt viel billiger zu stehen als die galvanische oder Feuervergoldung ; abgesehen davon, daß beide letztere Verfahren in manchen Fällen gar nicht ausführbar find. Die Ledervergvldung auf Bücherrücken rc. ist auch eine ächte; das Goldblatt wird hier durch Eiweiß gebunden, welches beim Ausdrücken der heißen Form fest wird. Reine Versilberung mittelst Blattsilbers wird wenig ansgeübt, da sich das Silber an der Luft schwärzt; statt dessen hat man Blattaluminium zuweilen angewendet, das seine Farbe behält, wenn es auch nicht ganz die schöne Weiße des Silbers besitzt. *) Ausführliches über diesen Gegenstand findet man in einer kürzlich herausgekom- menen trefflichen Schrift von Pöppinghausen: Die Fabrikation der Goldleisten, der verzierten Rahmen und der Politurleisten, nebst bewährten Vorschriften zur Anfertigung von Poliment, Goldfirniß, Spiritus-Glanzlacken rc. 1 Band Oktav von 158 Seiten mit 4 Tafeln Figuren. Weimar, Voigt, 1672. Preis 1 fl. 39 kr. Druck und Kommissionsverlag der G. Braun'schen Hofbuchdruckdrei in Karlsruhe.