Badische GeVerbeMung. Krgan der chroßherzogl. Landes-chewerbehalle und der Wadischen chewerßevereine. Redigirt von Hofrath Prof. vr. H. Meidinger. Wöchentlich einmal. Jahrespreis 3 Mark. Anzeigen 25 Pfg. die halbe Petitzeile. Karlsruhe. 16. Januar 1892. 25. Band. Nr. 3. Inhalt: S. 41 bis 52. Bekanntmachung (Prüfung im Hufbeschlag betr.). — Gewerbevereinsmittheilungen (Schwetzingen, Karlsruhe). — Die Engrospreise und der Detail- Handel. — Verbesserte Bürsten. — Unsere Musterzeichnung. — Literarische Besprechungen. — Neues in der Ausstellung der großh. Landesgewerbehalle. — Submissionen. — Anzeigen. Bekanntmachung. Prüfung im Hufbeschlag betr. Nachstehende 43 Schmiede, welche sich der unlängst abgehaltenen Prüfung im Hufbeschlage unterzogen haben, sind von der Prüfungskommission für bestanden und demgemäß vom Großh. Ministerium des Innern zur Ausübung des Gewerbes als Hufschmiede für befähigt erklärt worden, nämlich: Alois Altheimer von Thunhausen, Bez.-Amt Krumbach, Bayern; Johann Bender von Obergrombach, Bez.-Amt Bruchsal; Richard Böhler von Reichenau, Bez.-Amt Konstanz; Josef Brüder! e von Schutterwald, Bez-Amr Offenburg; Alexander Eßwein von Hohenwarth, Bez.-Amt Pforzheim; Franz Fauth von Malsch, Bez.-Amt Ettlingen; Markus Federte von Biesendorf, Bez.-Amt Engen; Gustav Frey von Söllingen, Bez.-Amt Durlach; Benedikt Fritsch von Lichtenthal, Bez.-Amt Baden; Mathias Fünfschilling von Eimeldingen, Bez.-Amt Lörrach; Adam Galle von Käferthal, Bez.-Amt Mannheim; Philipp Hefft von Sandhaufen, Bez.- Amt Heidelberg; Karl Hettig von Durbach, Bez.-Amt Offenburg; Valentin Hildenbrand von Weiler, Bez.-Amt Sinsheim; Otto Huber von Kön- dringen, B.-A. Emmendingen; Simon Joos v. Peterzell, B.-A. Villingen; Adam Jungmann von Epfenbach, Bez.-Amt Sinsheim; Eduard Kaltenbachs r von Rippoldsau, Bez.-Amt Wolsach; Wilhelm Kilian von Walldürn, Bez.-Amt Buchen; Johann Klett von Menningen, Bez.-Amt Meß- kirch; Daniel Kling von Handschuhsheim, Bez.-Amt Heidelberg; Albert Kür ner von Schonach, Bez.-Amt Triberg; Wilhelm Kunzmann von Neunkirchen, Bez.-Amt Eberbach; Xaver Marzluff von Marlen, Bez.-Amt Offenburg; Bernhard Maßmann von Braunschweig; Anton Peyre von 43 Altenstadt bei Weißenburg (Elsaß); Josef Preuß von Lembach, Amt Bonndorf; Josef Rein au er von Heinstetten, Amt Meßkirch; Binzens Restle von Göggingen, Amt Meßkirch; Gg. Frd. Rimmelspacher von Mörsch, Amt Ettlingen; Friedrich Schilling von Grießen, Amt Waldshut; Ferdinand Schlager von Durmersheim, Bez.-Amt Rastatt; Anton Schmitt von Wagenschwend, Bez.-Amt Eberbach; Peter Schuckert von Schatthausen, Bez.-Amt Wiesloch; Leonhard Schüttler von Gammerfeld, Oberamt Gera- brunn, Württemberg; Heinrich Schweizer von Holzhausen, Bez. Amt Emmendingen; Andreas Spielmann von Lindelbach, Amt Wertheim; Sigmund Spinner von Schutterwald, Amt Offenburg; Friedrich Steudle von Eifiugen, Amt Pforzheim; Cölestin Walz von Grünsseld, Amt Tauberbischofsheim; Daniel Werner von Wolterdingen, Amt Donaueschingen; Roman Zehnte von Schweighausen, Amt Ettenheim; Karl Zimmermann von Oberöwisheim, Amt Bruchsal. Karlsruhe, 14. Jan. 1892. Großh. Ministerium des Innern. Eisenlohr. Gewerbevereius-Mittheilunzeu. Gewerbevertin Schwetzingen. Generalversammlung am 21. Dezember. Der Vereinsvorfland Burger erstattete Bericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahr. Demselben ist zu entnehmen, daß 14 Vorstandssitzungen und 12 Versammlungen stattgefunden haben. Der nun folgende Rechnungsbericht des Kassiers Mühling zeigte eine Einnahme von 506 M. und eine Ausgabe von 469 M.; es verbleibt somit ein Kassenbestand von 37 M. — Der Verein zählt gegenwärtig 67 Mitglieder. Die Neuwahl des Gesammtvorstandes ergab die folgende Besetzung der Aemter: P. Burger, I. Vorstand; Gewerbelehrer A. Neimeier, Sekretär; L. Bopp, Bibliothekar; K. Mühling, Kassier; außerdem wurden als Beiräthe gewählt: M. Richter, L. Fackel, K. Schwab. 8. Gewerbeverein Karlsruhe. Monatsversammlung am 13.Ja- nuar unter dem Vorsitze von Fabrikant Schwindt. Zu der zahlreich besuchten Versammlung hatten sich auch Amtmann Beck und Ministerial- rath Braun eingefunden. Der Tagesordnung gemäß hielt zuerst Hofrath Meidinger einen Vortrag über die „Schwarzwaldindustrie" im Hinblick zugleich auf deren geschichtliche Entwicklung. Der Redner erläuterte zuerst den Begriff des Schwarzwaldes in geologischer und topographischer Hinficht, seine Scheidung durch das Kinzigthal in eine nördliche und südliche Hälfte, deren letztere etwa 1000 Fuß höhere Erhebungen zeigt, als die erster« und nur aus Urgestein (Granit, Gneiß) besteht, während die nördliche Hälfte mit buntem Sandstein überdeckt ist. Blos in einem Theil des südlichen Schwarzwaldes hat sich die dem Gebirge eigenlhümliche Industrie entwickelt. — Unter „Schwarzwaldindustrie" versteht man die aus der Initiative der bäuerl. Bevölkerung hervorgegangene^gewerbliche Produktion, welche zum Theil seit Jahrhunderten eine Reihe besonderer, nicht allgemein handwerksmäßig hergestellter Gegenstände des persönl. und Hausgebrauches in solchen Mafien liefert, daß ein großer fast über die ganze Welt sich erstreckender Handel damit getrieben werden konnte. Die Artikel sind theilweise ganz eigenartige, aus rohen Anfängen vyn der Bevölkerung selbst zu hoher Vollendung ausgebildete, wie sie sanft nirgends in gleicher Form und in gleichem Umfange gefertigt werden. Der Vertrieb der Maaren erfolgte ursprünglich durch Gesellschaften und auf dem Wege des Hausirens, lediglich durch die Bewohner des Gebirges selbst und gelangte dadurch der Schwarzwälder fast über die ganze civilisirte Erde. Die neuen Verkehrsverhältnifie haben darin größtentheils Aenderung geschaffen und geht auch die ursprüngliche Hausindustrie immer mehr in den Fabrikbetrieb über. Der Redner behandelte am heutigen Abend die Glasfabrikation, die Nagelschmiede, die Löffelschmiede, welche gegenwärtig fast jede Bedeutung für den Wald verloren haben — die Gewebeindustrie, welche ihren Charakter verändert hat. und in den großen Fabrikbetrieb in den Flußthälern übergegangen ist — die Zunderfabrikation, welche noch eine bescheidene Bedeutung besitzt — die Herstellung von Strohgeflechten zu Strohhüten, welche tausenden von Kindern und schwächlichen Personen lange Zeit Nahrung gab, aber seit einigen Jahren unter der chinesischen Konkurrenz sehr leidet — die Herstellung der geschnitzten und gedrehten Holzwaaren für den Hausgebrauch in Menzenschwand und Bernau am südöstlichen Fuße des Feldbergs, womit etwa 500 Personen beschäftigt sind — die Fabrikation der Bürsten am südwestlichen Fuße des Feldbergs in Todtnau und Umgebung (über )000 Personen) — die Fabrikation der Orchestrion oder mechanischen Musikspielwerke, welche in den Orten Vöhrenbach, Villingen, Furtwangen, Kirnach, Lenzkirch (auch Freiburg) ausgeübt wird und daselbst einige 30 Meister mit etwa 250 Gehilfen beschäftigt — endlich noch, im Anschluß, die Fabrikation von Drehorgeln in Waldkirch von 4 Firmen mit 40 Arbeitern und die eben daselbst befindliche Schleiferei von echten und unechten Edelsteinen in 2 Geschäften mit etwa 25 Arbeitern. — In einem zweiten Vortrage soll die noch übrig bleibende, weit wichtigste Schwarzwaldindustrie, die Uhren- fabrikation, eingehender behandelt «erden. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete die rauchfreie Verbrennung bei Dampfkefielfeuerungen. In der von Großh. Ministerium des 44 Innern unterm 24. Oktober 1891 ousgegebenen neuen Verordnung über die Dampfkessel (Gesetzes- und Verordnungsblatt Nr. XX vom 5. November 1891) heißt es in § 12: „Die Feuerungen und die Schornsteine der Dampfkessel sollen so eingerichtet sein, daß die Verbrennung möglichst rauchfrei stattfindet-; in allen Fällen, wo es mit Rücksicht auf die Lage des Ortes und die Verhältnisse der Nachbarschaft als angezeigt und nach der Art des Kessels und seiner Zweckbestimmung als durchführbar erscheint, ist eine besondere Einrichtung zur rauchverzehrenden Feuerung anzubringen -Im Hinblick auf diese Verordnung hatte das Großh. Bezirksamt Karlsruhe unter dem 9. Dezember 1891 ein Schreiben an den Gewerbeverein gerichtet, in welchem derselbe um Aeußerung darüber ersucht wird, ob es sich empfehle, als feststehendes Prinzip aufzustellen, daß in hiesiger Stadt der Regel nach nur die Aufstellung solcher Dampfkessel für die Folge zugelassen werden soll, welche mit einer besonderen Einrichtung zur rauchfreien Feuerung versehen werden. Es gab diese Frage Veranlassung zu einer angeregten Erörterung, an welcher sich die Herren Amtmann Beck, Fabrikant Schwindt, Fabrikant Printz, Hofrath Meidinger, Ingenieur Mattenklott, Fabrikant Himmelheber und Ingenieur Weisse von der Deutschen Metallpatronenfabrik betheiligten. Es wurde allgemein anerkannt, daß die Rauchbelästigungen durch die immer mehr sich entwickelnde Industrie auch bei uns groß werden und daß mit allen Mitteln dahin gestrebt werden muß, dieselben durch bessere Feuerungseinrichtungen zu vermindern. Theorie und praktische Erfahrung stimmen jedoch darin überein, daß dieses sehr schwierig und daß es zur Zeit noch nicht gelungen ist, für die so wechselnde Beschaffenheit des Brennstoffs und die außerordentlich zahlreichen Formen der Dampfkeffelkonstruktionen Anordnungen zu ersinnen, welche die Aufgabe an sich befriedigend lösten und nicht zu gleicher Zeit mit Betriebserschwerungen verbunden sind. So wurde besonders betont, daß die meisten Anordnungen nicht nur in der Anlage erhebliche Kosten verursachen, sondern statt des erhofften Gewinnes mit einem Mehraufwand von Kohlen verbunden sind, indem die vollständige Rauchverbrennung sich nur durch im Uebermaß zugeführte Luft bewirken ließ, welche die Temperatur herunterdrückt, wodurch sich die Uebertragung der Wärme an den Kessel vermindert. Die Frankfurter elektrische Ausstellung verflossenen Sommers führte nicht nur die großartigen Fortschritte auf elektrischem Gebiete vor Augen, sondern auch das Vollkommenste an Motoren der verschiedensten Art und an Dampfkeffelanlagen. In dieser Hinsicht hat gerade die neuere Elektrotechnik sehr anregend und fördernd gewirkt. ES war eine ganze Reihe verschiedenartiger Dampfkeffelanlagen vorgeführt zur Erzeugung 45 von Dampf für mehrere tausend Pferdekräfte. Die Besucher der Ausstellung hatten nun fortwährend das Bild starkqualmender Schornsteine vor Augen, was mitunter geradezu belästigend wirkte. Sofern die Frage der Rauchverzehrung befriedigend gelöst wäre, hätte sich solches gewiß bei einem derartigen Unternehmen zu erkennen geben müssen. Es wurde darauf hingewiesen, daß seitens des Vereins Deutscher Ingenieure zwei Preisausschreiben „zur Frage der Rauchbelästigung" ausgegeben wurden; das eine betrifft eine Abhandlung über die Feuerungseinrichtungen bei Dampfkesseln, das andere eine solche über die Feuerungseinrichtnngen für Haushaltungszwecke und gewerbliche Betriebe, für welche beide der Termin auf Ende dieses Jahres festgesetzt ist?) Die Ansicht der Versammlung geht nun dahin, das Ergebniß dieses Preisausschreibens abzuwarten, ehe eine besondere amtliche Verordnung für unsere Stadt erlassen wird; es ist wohl anzunehmen, daß seitens eines Fachmanns eine umfassende Arbeit einlausen wird, welche alle bis jetzt gemachten Vorschläge zur Rauchverzehrung bei Dampskesselfeuerung kritisch behandelt. Auch wurde noch geäußert, daß es wohl in erster Linie die Aufgabe der staatlichen Anstalten (Eisenbahnwerkstätten) sei, in dieser Hinsicht mit Beispiel voranzugehen, um die praktische Durchführbarkeit von Anordnungen zu beweisen. Die Engrospreise und der Detailhandel. * In den letzten Jahren hat man das Verhältniß der Detail- zu den Engrospreisen vielfach besprochen und ist dabei zu zwei einander ganz entgegengesetzten Ansichten gekommen. Die eine Partei sagt, der Detailhändler lasse von einem Sinken der Engrospreise den Konsumenten kraft seines lokalen Monopols nichts zu Gute kommen, die andere Partei behauptet, die Mehrkosten des Detailhandels gegenüber dem Engroshandel seien für einen einzelnen Haushalt verschwindend. Lassen wir jedoch die ersteren sprechen: Bekanntlich geht jedes Produkt, ehe es von dem Produzenten zum Konsumenten kommt, durch verschiedene Hände, durch die der Zwischenhändler oder Detailhändler. Man glaubt nun zwar gewöhnlich, daß das Gesetz der Konkurrenz die Detailhändler dazu bewege, mit den Engrospreisen zugleich auch die Detailpreise sinken zu lassen. Aber dieses Gesetz der freien Konkurrenz hat auf den Detailhandel wenig oder gar keinen Einfluß, denn während z. B. zwischen zwei verschiedenen Großkaufleuten das Konkurrenz- verhältniß ein gleiches ist, steht der Detailhändler dem Abnehmer ganz anders gegenüber. Der Abnehmer achtet gewöhnlich nicht auf einen Preisunterschied von einigen Pfennigen, er gibt sich nicht die Mühe, die Preise 46 zu vergleichen oder gar einen weiten Weg zu machen, um auf ein Pfund ein paar Pfennige weniger zu bezahlen. Namentlich ist dieses der Fall, wenn Dienstboten, die wenig Interesse an den Waarenpreisen haben, die Einkäufe besorgen. Die Detailhändler haben also gleichsam ein lokales Monopol, sie können es wagen, ohne einen Kunden zu verlieren, die Preise in gleicher Höhe zu halten, wenn auch die Engrospreise gesunken sind, zumal sie davon überzeugt sind, daß mancher Konsument sich vielleicht sagt: Für billige Preise bekommt man auch schlechtere Waare, oder: Mein .Detailhändler wird doch auch allmählich zu den niedrigen Preisen übergehen, u. s. w. Müssen solche Umstände den Detailhändler nicht geradezu einladen, den Profit, den ihm die niedrigen Engrospreise erlauben, einzustecken? Oft ist derselbe zwar selbst nicht in der Lage, sich dem Sinken der Engrospreise anzuschließen, da er noch ein Lager von Maaren vorräthig hat, welche er zu höheren Preisen angekauft hat; im Allgemeinen aber hat der Detailhändler von dem Preisrückgang der Maaren den meisten Vortheil. Man wird nun zwar sagen, daß heutzutage die Konkurrenz unter den Detailhändlern eine schärfere geworden sei und daß die Meisten sich sogar beeilen, ihren Abnehmern in allen Stadttheilen die Waare ins Haus zu schicken. Allerdings geschieht dies; die Kolonialwaarenhändler, Manufak- turisten, Modewaarenhändler u. s. w. sind mit dem größten Vergnügen dazu bereit und halten sich dafür Laufburschen, Hausknechte, ja selbst Pferd und Wagen. Sie suchen überhaupt den Kunden in jeder Weise entgegenzukommen, sie haben in ihren Läden männliche und weibliche Bedienung und wo früher zwei Mann thätig waren, haben jetzt vielleicht vier Mann zu thun. Wie sehen im Vergleich zu früheren Zeiten die Läden heute aus? Sie glänzen von Spiegeln, goldbordirten Einrichtungen und Gasflammen; elegante Möbel, Marmorplatten, Teppiche u. dergl. thun das Uebrige. In welch einladender Weise werden nicht dem Kunden die Maaren feilgeboten, in welch zierlicher, geschmackvoller Weise verpackt! Die Bierhändler mit ihren eleganten Wagen sieht man jetzt vor jedem Hause halten, derjenige aus dem Südtheile der Stadt verkauft im nördlichen Theile, derjenige aus dem nördlichen Theile in der südlichen Vorstadt. Man wird nun zwar sagen, daß ein solcher Verkehr der Detailhändler dem Kunden doch viel Angenehmes bringt, aber fragen wir, haben jener Luxus und jene Annehmlichkeiten im Detailhandel wirklich so großen Werth für den Konsumenten? Wir müssen das verneinen, denn in letzter Instanz mutz doch der Kunde alles bezahlen, oder er nimmt an dem Rückgänge der Engrospreise keinen Theil, da die Differenz zwischen dem niedrigeren und dem ursprünglichen 47 Preise, wenn auch gerade nicht von dem Detailhändler in die Tasche gesteckt, so doch für einen unnöthigen Luxus verwendet wird. So ungefähr mögen die Anhänger jener Partei sprechen. Ihre Ausführungen klingen allerdings wahrscheinlich, aber sie haben den Fehler, daß sie nicht zugleich durch Zahlen bewiesen sind. Von besonderem Interesse muß daher die Untersuchung von vr. R. van der Borght über den „Einfluß des Zwischenhandels auf die Preise auf Grund der Preisentwicklung im Aachener Kleinhandel" sein. Der Verfasser ist von dem Gedanken ansgegangen, daß der einzige Weg, der einigermaßen Klarheit in die Sachlage zu bringen vermöge, der sei, daß an den verschiedenen Plätzen in gleicher Richtung Sonderermittelungen über die Bewegung der Detailpreise angestellt würden. Diese so gewonnenen Detailpreise für einzelne Plätze müßten mit den Engrospreisen in Vergleich gesetzt werden, um für den betreffenden Platz in die Frage Licht zu bringen, ob die Preise des Kleinhandels zu hoch sind und ob die Entwicklung derselben sich an die Bewegung der Engrospreise anschließt oder nicht. Das gewonnene sichere Resultat jener Untersuchung beschränkt sich auf denjenigen Theil des Kleinhandels, der der wichtigste ist, auf den Handel in Kolonial- und Materialwaaren. Für den Handel mit Konsumgegenständen ist das Material, welches benutzt werden konnte, zu wenig zuverlässig, als daß daraus ein Schluß, der übrigens in der Hauptsache ungünstig sein würde, bezüglich der Vertheuerung durch den Kleinhandel gezogen werden darf. Für den Kolonialwaarenhandel — um diesen kürzeren Ausdruck anzuwenden — ist gefunden worden, daß 34 Artikel, die in 386 einzelnen Operationen bezogen wurden, nach den Preisen von 1878 42 M. 60 Pf. und nach den Preisen von 1886 35 M. 36 Pf. Differenz gegen die Engrospreise als Belastung eines Haushaltes von 8 Personen mit sich brachten. Dieser Betrag ist für einen großen Haushalt so geringfügig, daß es wenig zweckmäßig wäre, ihn durch den direkten Bezug der Kolonialwaaren vom Großhändler oder Produzenten ersparen zu wollen. Es wäre dann zunächst nöthig, für die Aufbewahrung großer Quantitäten aller dieser Artikel Einrichtungen zu treffen und das ganze, vielfach sehr beträchtliche Risiko zu tragen, falls es überhaupt möglich ist, den Bezug so umfangreich zu gestalten, daß die ermäßigten Großhandelspreise eintreten. Ferner ist die Arbeit, die mit einem direkten Bezug des Konsumenten vom Großhändler verbunden ist und die gegenwärtig der Kaufmann auS- übt. eine so umfangreiche, daß sie für die meisten Haushaltungsvorstände stärker in's Gewicht fällt als die Ersparniß von einigen 40 M. jährlich, 48 die sich beim direkten Bezüge der Artikel erhoffen ließe. Das gilt um so mehr, als dem Privatmann in der Regel die unumgänglich nöthigen Fach- kenntniffe und praktischen Erfahrungen, die dem Kaufmann zur Seite stehen, vollständig fehlen. Der Kaufmann muß endlich mit großer Aufmerksamkeit die Vorgänge auf den verschiedenen Märkten verfolgen, um billig und gut einzukaufen, er muß die Ernteberichte aus den verschiedensten Gegenden, die politischen Verhältnisse, die Bestrebungen und Verschiebungen auf dem Zoll- und Steuergebiete, die Frachtverhältnisse u. s. w. in zahlreichen Distrikten genau studiren, wenn anders er die Maaren, die er dem Publikum jeden Augenblick in konsumtionsfähigem Zustande zu angemessenen Preisen darbieten soll, in zweckmäßiger Weise herbeischaffen will. Und diese Arbeit — die nach Ankunft der Maaren noch um andere bezüglich der Aufbewahrung, Disposition, Kalkulation u. s. w. vermehrt wird — ist eine ununterbrochene, sie nimmt die Kräfte und den Geist des Chefs und der Angestellten vollkommen in Anspruch. In jedem größeren Geschäfte kann man sich hiervon überzeugen. Um auf jene Untersuchung zurückzukommen, so bezog sich dieselbe allerdings nur auf die Aachener Verhältnisse. Aber dieselben sind als normal zu betrachten, so daß man hiervon auch auf diejenigen in anderen Städten schließen darf. Interessant wäre es allerdings, wenn man aus vielen Orten recht viel positives Material erhielte. N. Verbesserte Bürsten. Die schwarzwälder Bürstenwaarenfabrikation, welche noch vielfach als Hausindustrie im Ganzen von über 1000 Personen am Fuße des Feldbergs betrieben wird, ist stets bemüht, ihre Erzeugnisse auf der Höhe des jeweiligen Standes dieser Industrie zu halten, sie sucht denselben durch geschickte Formen und Vorrichtungen zu ihrer vortheilhafteren Ausnützung Empfehlungen mit auf den Weg zu geben, welche sie dem Konsumenten besonders leicht käuflich machen müssen. Drei neuere Artikel dieser Art liegen uns in einem Schrubber, einem Handfeger und einem Flaschenputzer vor — alle drei gesetzlich vor Nachahmung geschützt —, welche von der Firma I. P. Leeven in Todtnau (Inhaber dieser Bürsten- und Pinselfabrik ist Albert Locherer) gefertigt und bereits in den Handel gebracht worden sind. ') Näheres stehe Bad. Gew.-Ztg. 1891, S. 566» wobei zu bemerken, daß daselbst durch einen Druckfehler der Termin des zweiten Ausschreibens auf Ende 1894 statt 1992 angegeben ist. Die praktischen Gegenstände erscheinen uns geeignet, die kleinen wirthschaft- lichen Leiden unserer sparsamen Hausfrauen herabzumindern und dadurch die Einführung in jeden Haushalt sich bald zu erobern. Schrubber und auch Handfeger erleiden bekanntlich im Gebrauch eine einseitige Abnützung; bei ersterem arbeiten sich die Fasern ans der Stielseite, bei letzterem an der vorderen, dem Handgriffe gegenüberliegenden abgerundeten, schmalen Seite der Bürste zunächst ab. Der eine Theil der Bürste ist demnach noch brauchbar, während der andere schon abgenützt ist. Diesem Mißstande zu begegnen, sind nun mancherlei Konstruktionen der Stielbefestigung ersonnen worden, die ein bequenies, einfaches Umdrehen der Bürste ermöglichen und so ein gleichmäßiges Abarbeiten derselben herbeiführen. Genannte Firma hat für Schrubber und Handfeger folgende Einrichtungen ersonnen. DerSchrub- ber besteht aus zwei Theilen: der Bürste und einem Metalldeckel mit Hülse für den Stiel, (als Anpacker zu bezeichnen). Letzterer ist aus zwei Hälften a und b gebildet, die hakenförmig an ihren äußeren Rändern umgebogen sind und mit diesen das Schrubberholz (den Rücken der Bürste) zu fassen vermögen. Auf der Hälfte a des Anpackers ist die schräg aufgenietete Stielhülse, auf derjenigen d eine Schraube mit Flügelmutter schräg befestigt, welche durch die Hülse ^ hindurchreicht, so daß durch Anziehen der Flügelmutter die Hälften a und d sich nähern und dadurch das Bürstenholz fest umklammern. Der in die Hülse gepaßte und in der Richtung der Schraube durchbohrte Stiel wird dabei von der Schraube ebenfalls festgehalten. Der Anpacker läßt sich so mit dem Bürstenholz verbinden, daß die Hülse sowohl nach der einen wie andern Richtung sich kehrt und ein Wechsel nach einseitiger Abnutzung der Fasern erfolgen kann. Sein Preis ist 1,25 bis 1,50 Mark, je nach Größe. Ein und derselbe Deckel läßt sich auf neuen Bürsten immer wieder verwenden. Bei dem Handfeger sind der Griff H und die Bürste L für sich hergestellt. Die Bürste ist an beiden Stirnenden rund gearbeitet, sie wird, wie aus der Zeichnung zu ersehen ist, an den Griff durch zwei Holzschrauben befestigt. Ist die Bürste vorn abgenützt, so wird sie abgenommen, umgedreht und wieder an den Griff geschraubt, sie kann so nochmalige Verwendung und vollständige Ausnützung finden. Die Firma stellt auch nach einen verbesserten Klaschenputzer her. 5V Dieser besteht aus zwei Bürstchen a und d, wovon das eine ein kurbelartigss Knie mit Holzknopf trägt. Beide find durch ein paar Blechringe vereinigt, so daß sie zu einander in die Stellung ^ oder ö gedreht werden können. Die Bürste wird in geschloffenem Zustande L in die Flasche gebracht, durch Drehen der Kurbel nach rechts nehmen ihre Theile s. und d die in ^ gezeichnete Lage an, wobei ein Ausbürsten der Flasche erfolgt. Linksdrehung hat ein Zusammenlegen der Bürstchen zur Folge und ermöglicht dadurch wieder deren bequeme Entfernung aus der Flasche. Preis 1 Mark. Vorstehende Gegenstände find in unserer Ausstellung zur Anschauung gebracht. Mt. Unsere Mufterzeichnung. Die dieser Nummer beiliegende Tafel 3 giebt die Abbildung einer Standuhr ('/„ nat. Gr.); entworfen von I. Hansen in Berlin. LUterarische Besprechungen. F. Grünwald. Der Bau, Betrieb und die Reparaturen der elektrischen Beleuchtungsanlagen. 3, Ausl. 199 S. m. 198 Abb. Halle, Knapp. 1892. 3 M- Die Veröffentlichungen über Elektricität und ihre Anwendungen mehren sich in überraschender Weise; jedes neue Werk kann auf zahlreiche Leser rechnen, sofern es einigermaßen gehaltvoll ist; ältere Schriften erleben neue Auflagen und vervollkommnen sich immer mehr. Die oben bezeichnete Publikation ist wesentlich dem Bedürfniß des ausführenden Technikers, des Monteurs, des Werkmeisters, angepaßt, und der Umstand allein, daß sie bereits in dritter Auflage erscheint, deutet darauf hin, daß sie wohl ausgenommen wurde. Eine Durchsicht derselben zeigte uns, daß sie den Anforderungen des Technikers an einen gewissenhafte», leicht orientirenden Leitfaden gut entspricht und glauben wir sie dcßhalb den Fachkreisen bestens empfehlen zu dürfen. Llär. I. Ettgtlmann. Die Rechtsverhältnisse der Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach dem Reichsgesetz vom 1. Juni 1891. 74 S. 6°. Erlangen, 1691. Palm L Enke. 80 Pf. Ter Verfasser, welcher in unserem Blatte anläßlich seiner journalistische» Thätig- keit auf dem Gebiete der Rechtswissenschaften schon früher*) genannt worden ist, giebt in der vorliegenden Broschüre eine Erläuterung der unter Titel VII der Deutschen Gewerbeordnung enthaltenen Punkte, welche sich insbesondere auf die Verhältnisse der Gesellen, Gehilfen, Lehrling«, Betriebsbeamten, Werkmeister, Techniker und de» Fabrikarbeiter beziehen. Gewiß ist mit der leichtfaßlichen Darlegung des Gegenstandes, so wie *) Vergl. Jhrg. 1891 S. 18S: Engelmann, Rechtslexikon für Kaufleute und Gewerbetreibende. Dieses Werk ist inzwischen i« S Lieferung«» (4öS S.) erschiene«, es hat da» gehalten, was Mir ven chm v, »aussetzten.. SI sie dem Verfasser gelungen ist, manchem kleinen Gewerbetreibende« eia werthvoller Hilfsmittel an die Hand gegeben, um sich auf dem ihm oft wenig bekannten Gebiete zurechtzufinden. Submissionen. Karlsruhe. Städtisches Hochbauamt. Maurer«, Zimmer», Gypser-, Blechner», Glaser-, Schreiner-, Schlosser- und Anstreicherarbeiten, sowie Herstellung eines Hslzrement- daches für den Neubau einer Turnhalle. Termin 20. Januar. Zeichnungen re. daselbst. Pforzheim. Städtisches Hochbauamt. Maurer-, Steirchauer-, Zimmer- und Schmiedearbeiten. Termin 20. Januar. Pläne r«. daselbst. Neues in -er Ausstellung -er groM. Lan-es-Gewerbehalle. Zur vorübergehenden Ausstellung wurden eingesendet: Bon II. SK. HH. dem Großhrrzog und der Großherzogin: 4 seidene Decken und 4 Glasvasen, italienisch; l Vase nebst Platt« aus Metall, 2 Thonkrügr und 7 verschiedene Körbe, sämmtliche Stücke ägyptisch. Von W. -llmhrrcht in Köttingen: Polymeter. Von F. Lax in Ludwigshafrn a. Rh.: Demonstrationstableau von Gasdruck- -re-lern nebst Druck- und Zugmessern. Bo« M- Selig fr. L Cie. in Berlin: Universalrohrabschneider, 30 M.; 2 Spann» kkuppen, S M. und 3,SV M.; Kettrnrohrzange, 8 M.; Maschinenschraubstock, 18 M.; Univnsalrohrzange, 2l M. Bon E. Ssonenthal jr in Berlin: Verstellbare Unterlager, 8 M.; Fettbüchsen, sstllapparat, 9 R.; doppelwirkendrs Cylinderlöthgebläse, 113 M.; Schraubendrehapparat, tb M.; Oelreinigungsapparat, 20 M.; Excelstorschlrifsteinabrunder, 69 M.; verdefferte Sägezahnstanze, 27 M. Bon L>, Bergner in Berks: Sammlung schmiedeiserner Gegenstände, als: Kandelaber für Gas und elektrisches Licht, 130 M.; Lampe, 35 M.; 6 Leuchter, von k<4 biß 28 M.; Schreibzeug, 18 M-, rc. Von den Eiseowerkr« Gaggena« in Gaggenau: Sparmotor von 4 bis 6 Pferdestärken, 2250 M. «zeigen untl Oariieval - Artikel. t!otiHou Llarr verlass Vrslsduod. ^keldkv L K6nvl1jo1u8, S59f Gebrauchs-Muster dbingt prompt und ssrMttigst zur Eintragung das Patentbüreau C. Kleyer, Karlsruhe, SS/4. 52 Orsßh. Kubische Staats- Eisenbahnen. Wir haben zu verdingen die Lieferung von: IVO eisernen Giiterverladepritschen, 60 kleine» Sackkarren, 500 Kieshanen, 200 Doppelpickel, 200 Grashauen, 190 Hämmer, 100 Kodlenlöffel, 50 Kohlenbecken, 130 Beißzange», 100 Rechen; 160 Tische, 33 Kasten, 30 Wasserständer, 24 Wasscrlübel, 24 Gepäckkarren, 100 Schubkarren, 100 Erdstößel; 120 Zugmeistertasche». 120 Schaffnertaschen, 90 Brustleder, 240 Flaggenfuttera^e, 240 Signalflaggen, 120 Oelkaunen, 30 Talg- kaunru, 30 Talgkapseln, 90 Kohlenbehälter, 30 Wasserbehälter, 30 Ztnkblech- eimer. 24 Fülleimer. Angebote sind portofrei, schriftlich, versiegelt und mit der Aufschrift „Geräthe" versehen, bis längstens Freitag, de« SS. Januar d. I., Vormittags 10 Uhr, bei uns emzureichen. s6 Die Muster können bei unserm Geräth- schaftsmagazin, Rüppurrerlandstraße, eingesehen, die Angebotsbogen bei demselben und bei uns bezogen werden. Die Zuschlagsfrist ist auf den 5. Febr. d. I. festgesetzt. Karlsruhe, den 8. Januar 1892. Hroßh. Kauptverwakluug der Kisen- öahnmagazine. Oeffenrliche Vergebung s) von Bauurbeiten. Zu dem Neubau eines Hauptsteueramtsgebäudes in Karlsruhe sollen die Ausführung der Verputzarbeit, Schreinerarbeit, Glaser- und Schlofserarbeit (einschließlich Kunstschmiedearbeit), ferner die Herstellung von Eicheu-Par- quetbbden in Asphalt und auf Blind- bobcn, sowie die Lieferung und Befestigung von Rolljaloufie Laden mit Ausstellvorrichtung — auf Grund der im Gesetz- und Verordnungsblatt Nr, 23 vom 24. Juni 1890 bekannt gegebenen allgemeinen Bedingungen öffentlich verdungen werden. Zeichnungen, Bedingungen und Angebotsformulare sind vorn 18. Januar d. I. bis einschließlich 23. d. M. auf unserem Geschäftszimmer »Stephanienstraße 94) in den Vormittagsstunden zur Einsicht aufgelegt. Die auf Einzelpreise zu stellenden schriftlichen Angebote sind spätestens bis Montag den SS. Januar 18SS, AvendS 6 Uhr, vorschriftsmäßig ausgefüllt, postmäßig verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei bei Unterzeichneter Stelle einzureichen. Die Eröffnung der Angebote erfolgt Dienstag den 26. Januar 18SS, Vormittags S Uhr. Zuschlagssrist: 14 Tage. Karlsruhe, den 12. Januar 1892. Grosth. Bezirksbauinspectio« Großh. Badische Staats- i Eisenbahnen. Wir haben die Eijeniheile zu zwei befahrbaren älteren Brückenwaagen von 25 Tonnen Tragfähigkeit zu verkaufen. Angebote werden bis Donnerstag de» S1. Januar k. I., Vormittags 10 Uhr, bei uns entgcgengenommen. 2/2. Die Waagen können bei unserem Hauptmagazine III besichtigt werden und werden die Bedingungen von uns abgegeben. Karlsruhe, den 31. Dezember 1691. Kroßh. Kauptverwaktung der Hisen- _bahnmag aziue._ Verlag von B. F. Voigt in Weimar. Aas «GM, 8