■•V ,• - Jnv r- itiBBcmm MittRihmann — — Landausgabe § MM MM i^M wM ^MLMM MM Mm ^KmtM MM Mm ^V ^M^JM MM MMf Herausgegeben von der amerikanischen Armee für die deutsche Zivilbevölkerung Rußland gegen Japan Kriegserklärung wurde 6 Tage nach Abschluß der Potsdamer Konferenz durch Außenminister Molotow überreicht MOSKAU. — Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken hat an Japan den Krieg erklärt. Die Kriegserklär ung wurde dem japanischen Botschafter in Moskau am Abend des 8. August übergeben. Sie erfolgte sechs Tage nach dem Abschluß der Dreimächte-Konferenz von Potsdam. Außenkommissar Molotows Erklärung an den japanischen Botschafter lautete: „Angesichts der Weigerung Japans, die Kapitulationsaufforderung der Alliierten anzunehmen, sind die Alliierten an die Sowjet-Regierung mit dem Vorschlag herangetreten, an dem Krieg gegen die japanischen Angreifer teilzunehmen, um dadurch die Kriegsdauer abzukürzen, die Zahl der Opfer zu vermindern und dazu beizutragen, so rasch wie faoglich einen allgemeinen. Frieden wieder herzustellen. Getreu ihren Bündnispflichten hat die Sowjet-Regierung den Vorschlag der Alliierten angenommen und schließt sich der alliierten Erklärung vom 26. Juli an. Die Sowjet-Regierung ist der Ansicht, daß die von ihr eingeschlagene Politik das einzige Mittel ist, um den Frieden näher zu bringen, die Völker vor weiteren Opfern und Leiden zu bewahret! und dem japanischen Volk die Gelegenheit zu geben, den Gefahren und Verheerungen zu entgehen, die Deutschland durch seine Weigerung, bedingungslos zu kapitulieren, über sich gebracht hat. Auf Grund dieser Erwägungen erklärt die SowjeTOtaion, daß sie sich ab morgen, den 9. August 1945, im Kriegszustand mit Japan befindet.“ Alliierte Botschafter wurden vorher verständigt Vor der Unterredung mit dem japanischen Botschafter hat der Außenminister Molotow die Botschafter Großbritanniens, der Vereinigten Staaten und Chinas empfangen, um ihnen die Entscheidung der Sowjet-Regierung bekanntzugeben. Die Botschafter brachten ihre außerordentliche Befriedigung zum Ausdruck. Kurz nachdem die russische Kriegserklärung an Japan in Moskau veröffentlicht? und über den russischen Rundfunk verbreitet worden war, gab Präsident Truman die historische Entscheidung Stalins in Washington bekannt.— Mit dem Eintritt Sowjetrußiands in das Schlußstadium des Kriegs gegen Japan hat sich der Ring militärischer Stützpunkte für die Durchführung der Offensiven gegen das japanische Mutterland geschlossen. Russische Militärstützpunkte, darunter der große Kriegshafen Wladiwostok, liegen ja nur 900 Kilometer entfernt von Tokio, und die amerikanischen, britischen und sowjetrussischen Streitkräfte besitzen jetzt überall Ausgangspunkte für die Durchführung von Luftangriffen von ungeheurer Wucht und für sonstige Operationen gegen Japan. An das deutsche Volk General Eisenhower über die Fortschritte der letzten drei Monate — Nationalsozialismus wird ausgerottet — Wiederaufbau auf demokratischer Grundlage FRANKFURT. — General der Armeen Dwigtat D. Eisenhower, der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Europa, hat am 6. August eine Botschaft an das deutsche Volk in der amerikanischen Besetzungszone erlassen. Diese Botschaft, die sich an die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz der drei Regierungschefs der Vereinigten Staaten, der Sowjet-Union und Grofibritanniens anschließt, gibt die weiteren Pläne für die amerikanische Besetzungszone Deutschlands bekannt Der volle Wortlaut dieses wichtigen Dokuments folgt: Die Botschaft Eisenhowers An das deutsche Volk in der amerikanischen Besetzungszone: Drei Monate sind seit der entscheidenden Niederlage Deutschlands verstrichen. Wir haben während dieser Zeit hauptsächlich auf Beseitigung der Nazis aus allen für das deutsche öffentliche Leben wichtigen Stellungen hingearbeitet. Ferner haben wir Recht und Ordnung wieder hergestellt und zahlreiche Maßnahmen getroffen, die eine Grundlage bieten, auf der Ihr jetzt Eure äußersten Kräfte zur Milderung der Euch im kommenden Winter bevorstehenden Schwierigkeiten anspannen könnt. Unser Programm, den Nationalsozialismus auszumerzen, ist jetzt weit genug fortgeschritten, und die Zeit ist gekommen, um weitere Pläne für die amerikanische Besetzungszone Deutschlands bekanntzumachen. Diese Pläne entsprechen in jeder Beziehung den Grundsätzen, die von den Alliierten Staatsmännern in der soeben beendeten Konferenz in Potsdam festgelegt worden sind. Die Erfahrungen zweier Kriege innerhalb 25 Jahren bestärkt uns in unserer Absicht, nie wieder eine Bedrohung des Weltfriedens durch Deutschland zuzu- lassen. Nazionalsozialismus und Militarismus in jeglicher Erscheinungsform werden ausgerottet. Kriegsverbrecher werden vor Gericht gestellt und der gerechten Strafe zugeführt. Deutschland wird vollkommen entwaffnet. Mit einem Wort, jede Möglichkeit Krieg vorzubereiten, wird und bleibt in Deutschland beseitigt. Positive Ziele Jedoch unsere Ziele sind nicht nur negativ. Es ist nicht unsere Absicht, das deutsche Volk zu demütigen. Wir werden Euch helfen. Euer Leben auf demokratischer Grundlage wiederaufzubauen Sobald Eure Gerichte und Schulen von Nazi-Einflüssen gereinigt sind, werden sie wieder geöffnet werden. Rechtspflege und Erziehungswesen, die auf achten demokratischen Grundsätzen beruhen, werden kräftigste Unterstützung finden. Bereits heute veröffentlicht Ihr eine Anzahl eigener Zeitungen, wählt Vertrauensmänner, die Euch in Euren Betrieben vertreten, und arbeitet in Ausschüssen als Berater der Militärregierung. Diese und ähnliche Maßnahmen werden in immer stärkerem Maße durchgeführt werden. Es wird Euch gestattet werden, örtliche Gewerkschaften zu bilden und Euch örtlich politisch zu betätigen. Versammlungen zu diesen Zwecken dürfen mit Genehmigung der örtlichen Militärregierung abgehalten werden. Zu den dringlichsten Aufgaben von Gewerkschaften und politischen Parteien gehört die Mitwirkung an solchen Maßnahmen, wie sie jetzt zur Vorbereitung auf den kommenden Winter notwendig sind. In demokratischem Sinne Volle Freiheit zur Bildung von Gewerkschaften und zur Ausübung politischer Tätigkeit in demokratischem Sinne werdet Ihr am schnellsten dort erlangen, wo Ihr zeigt, daß Ihr bereit seid, sofche Vorrechte verständig zu benutzen. Es hängt von Euren eigenen Handlungen ab, wann die noch bestehenden Beschränkungen von uns aufgehoben werden können. Die kommenden Monate werden für Euch eine schwere Prüfung sein. Es ist unvermeidbar, daß sie hart sein werden. Alle Anzeichen deuten auf Knappheit an Lebensmitteln, Heizstoffen, Wohn- raum und Transportmitteln. Dies sind die Folgen des deutschen Angriffskrieges. Es steht jedoch in Eurer Macht, durch beharrliche Arbeit und gegenseitige Hilfe diese Not zu lindem. Müßiggang darf es nicht geben. Die Ernteaussichten sind gut. Jedoch ist es zur vollen Einbringung der Ernte notwendig, daß die Stadtbevölkerung auf das Land geht und dort arbeitet. Für die Beheizung von Wohnräumen wird in diesem Winter keine Kohle zur Verfügung stehen. Zur Deckung des notwendigsten Bedarfes müßt Ihr in den nächsten Monaten in den Wäldern genügend Holz fällen und einsammeln. Eure dritte Hauptsorge ist die Beschaffung von Wohnraum. Solange die Witterung es gestattet, müssen beschädigte Häuser ausgebessert werden, um während dieses Winters so viel Schutz wie möglich zu bieten. Zu diesem Zweck müßt Ihr in größtmöglichem Umfange Altmaterial und in den Wäldern gefälltes Holz verwenden. Dies alles sind Eure Probleme. Ihre Lösung hängt allein von Eurer Arbeit ab. Die Militärregierung hat auf vielen Gebieten deutsche Zivilbehörden eingesetzt, damit Ihr Euch selbst helfen könnt., bis die Zeit reif ist, Eure eigene Regierung auszuwählen. Falls Ihr das Eure tut, können wir Euch anderweitig helfen. Ich habe bereits militärische Transportmittel zur Verfügung gestellt, um zur Verhütung des Verderbens der Ernte auf den Feldern beizutragen. Militärpersonen unter meinem Befehl ist jetzt gewöhnlicher Umgang mit Euch in der Oeffentlichkeit gestattet. Auf diese Weise werden wir in der Lage sein, die Probleme, die die kommenden Monate für Euch bringen werden, besser zu verstehen. Trotz aller Not braucht Ihr nicht ohne Hoffnung der Zukunft entgegenzusehen. Durch Eure eigenen Anstrengungen könnt Ihr Euch sowohl in der Heimat wie in den Augen der Welt wieder Achtung verschaffen. Es liegt in Eurer Macht, am Ende ein gesundes, demokratisches Leben in Deutschland aufzubauen und in die Gemeinschaft der Völker wiedereinzutreten. Um dieses Ziel zu erreichen, müßt Ihr zeigen, daß Ihr Euch für immer von Militarismus und Angriffsgeist losgesagt habt und in Frieden mit der Welt zu leben gewillt seid. Dwight D. Eisenhower General of the Army Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Europa 6. August 1945 Sfimson über Deutschland WASHINGTON. — Der amerikanische Kriegsminister Stimson sprach nach seiner Rückkehr von Potsdam in einer Pressekonferenz. Er erklärte, daß das schwierigste Protlem des kommenden Winters in Deutschland die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Kohle und Lebensmitteln ist. Er sagte: „Das dringendste Problem ist die Sicherung einer angemessenen Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung im kommenden Winter. Die Versorgungslage ist kritisch, obwohl es vielleicht im Augenblick noch nicht so aussieht. Bisher sind wenig Anzeichen von Unterernährung vorhanden. Aber ich habe persönlich viele Unterernährte in Berlin gesehen. Von dem, was in den Sommermonaten in Deutschland getan wird, hängt die Lebensmittelversorgung für den ganzen Winter ab. Wir haben den Deutschen mit aller Eindringlichkeit klar gemacht, daß sie alles tun müssen, um sich selbst zu ernähren und ich glaube, daß die Bevölkerung in Bayern, welches ich besucht habe, voll und ganz mit uns zusammen- atfaeitet." Monfgomerys Botschaft BAD OYNHAUSEN. — Der Oberbefehlshaber der britischen Besatzungstruppen, Feldmarschall Montgomery, hat an die deutsche Bevölkerung der britischen Besetzungszone eine Botschaft erlassen, ln der er, ähnlich wie General Eisenhower, in der amerikanischen Zone, die Bevölkerung über die Entwickung der alliierten Politik Deutschland gegenüber informiert. \ Det Wfy wmt VmckttUie JSfrs (WAH.) — Vor zehn Monaten, als die alliierten Truppen unter General Eisenhowers Befehl deutschen Boden betraten, erließ der oberste Befehlshaber eine Proklamation an das deutsche Volk, in der er erklärte, daß diese Truppen kommen, um den Nationalsozialismus und den Militarismus Q&yi- zumerzen.W.as Ge-' neral Eisenhower damals sagte, hat er jetzt in seiner Botschaft vom 6. August Im Namen der amerikanischen Streitkräfte unter seinem Befehl wiederholt. Aberinder Perspektive, die sich nach der Potsdamer Konferenz eröffnet, kann der General über die unmittelbarenNot- wendigkeiten der Säuberung vom Nazitum und der Entmilitarisierung hinaus weiter vorausblicken, und er kann andeuten, was für Möglichkeiten sich für den Wiederaufbau des deutschen zivilen Lebens ergeben, ln großen Zügen wird das Bild sichtbar: Jene Sphären des deutschen Lebens, die unter gewissen Umständen ein Kriegspotential entwickeln können, werden unter fester wirtschaftlicher Kontrolle stehen. Aber zugleich wird dem deutschen Volk in immer stärkerem Maße politische Freiheit gegeben werden, und es wird in die Lage versetzt werden, eine. Friedenswirtschaft aufzubauen, die imstande ist, die dringendsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen. Die Frage ergibt sich nun: Wie lange müssen die Kontrollmaßnah- men über Deutschland' aufrecht erhalten werden? Aber diese Frage kann nicht von den Besatzungsbehörden beantwortet werden. Die Antwort auf diese Frage liegt zum allergrößten Teil beim deutschen Volke selbst. Das amerikanische Volk glaubt — und General Eisenhowers Botschaft ist.auf diesen Glauben gegründet —, daß das deutsche Volk aus seiner eigenen Erfahrung und durch die Uebexprüiung seines eigenen Erbes einen Weg ins Leben finden kann, der für die ganze Weit wirkliche Werte schafft an Steile der Furcht, die es bisher bei seinen Nachbarn erweckt hat. Und weil die Amerikaner und ihre Verbündeten dies glauben, führen sie in Deutschland Maßnahmen durch, durch welche Freiheit des Glaubens, der Rede und der Presse einem von Nationalsozialismus und militaristischen Elementen gesäuberten deutschen Volke gewährleistet ist, so daß sich die Ideen frei entwickeln können, die eine neue Zukunft Deutschlands gestalten werden. Ob nun diese Ideen in konstruktiven politischen Formen zum Ausdruck kommen, hängt wiederum von den Deutschen selbst ab. Durch ihre eigene geschichtlichc/ Erfahrung ha- -£fl *H'. a General der Armee Dwight D. Eisenhower ben die Amerikaner iestgestellt, daß die Grundlage für eine verantwortliche Regierung die Bereitschaft des einzelnen Bürgers ist, persönliche Verantwortung für die Taten seiner Regierung zu übernehmen. Die Deutschen haben in den letzten Jahren die Gelegenheit gehabt, selbst zu erfahren, was geschieht, wenn der Einzelne diese Verantwortung von sich weist und sich selbst der Führung verantwortungsloser Despoten überläßt. Es ist die Politik der Militärregierung, die Deutschen in die Lage zu versetzen, aus dieser Erfahrung zu lernen und ihnen zu gestatten, in ihrem eigenen Interesse wieder die bürgerliche Verantwortung zu übernehmen. Das Maß dieser Verantwortung wird sich, nach dem Bericht der Potsdamer Konferenz, mit der Zeit immer mehr erweitern. Der erste Schritt in dieser Richtung ist die Schaffung örtlicher Regierungskörperschaften auf der Grundlage gewählter Vertreter. Sobald sich herausstellt, daß diese örtlichen Verwaltungskörperschal- ten erfolgreich sind, wird dieses Prinzip aut regionale Provinz- und Landesverwaltungen angewandt werden. Um diesen Prozeß zu beschleunigen, werden politische Parteien erlaubt werden. Ebenso wird die Schaffung freier Gewerkschaften gestattet sein, so daß die deutsche Arbeiterschaft ihren Anteil der bürgerlichen Verantwortung übernehmen kann. Wie schnell sich der Fortschritt in Richtung einer deutschen Selbstregierung vollzieht, hängt ab von der Bereitschaft und der Fähigkeit des deutschen Volkes, diesen Weg zu beschreiten. Eine wirkliche funktionierende Demokratie ist noch keinem Volk als freie Gabe geschenkt worden. Die Demokratie mußte immer erarbeitet werden, und man muß sie von den Grundlagen auf erlernen. Die Besatzungsbehörden können die Vorbedingungen für die Demokratie schaffen; aber die Schaffung der Demokratie selbst ist die Aufgabe des d;mtschen Volkes. P/fisdotnet Pmkie Wegen ihrer historischen WichÜgkeit und ihrer Bedeutung für die Zukunft Deutschlands veröffentlichen wir hier eine kurze Zusammenfassung der Hauptpunkte des Communiquös der Potsdamer Konferenz: — 1. Ein permanenter Rat der Außenminister der fünf Großmächte USA, UdSSR, Groß- oritannien, China und Frankreich wird zur Vorbereitung von Friedensverträgen in Europa geschaffen. — 2. Die Alliierten haben nicht die Absicht, das deutsche Volk zu vernichten oder zu versklaven. Deutschland wird völlig entwaffnet und entmilitarisiert. Völlige Austilgung der nationalsozialistischen Partei. Strenge Verfolgung aller Kriegsverbrecher. Reorganisierung des Gerichtswesens nach demokratischen Gesichtspunkten. Vorläufig keine Einsetzung einer deutschen Zentralregierung. Während der Zeit der Besetzung wird Deutschland als ein einheitliches wirtschaftliches Ganzes behandelt. — 3. Deckung, von Wiedergutmachungsansprüchen Rußlands aus der russischen Zone, der Ansprüche Amerikas, Großbritanniens und anderer Länder aus den westlichen Zonen. — 4 . Die endgültige Festlegung der deutschen Grenzen bleibt der Friedenskonferenz Vorbehalten. — 5. Deutsche Minderheiten aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei müssen auf organisierte Welse nach Deutschland zurückgeführt werden. Seite 2 SÜDDEUTSCHE MITTEILUNGEN Samstag, 11. August 1944. Offensive gegen Japan WASHINGTON. — Nachdem das Ultimatum, das dem Japanischen Volk eine Möglichkeit gegeben hatte, sich vor der Vernichtung zu bewahren, abgelehnt worden war, haben die Alliierten ihre grolle Offensive gegen die japanischen Kriegs- und Industrieanlagen fortgesetzt. Neben dem Abwurf der Atombombe werden die täglichen Bombenangriffe auf Japan fortgesetzt 820 amerikanische Super festungen haben 6 632 Bomben auf die fünf größten Industriestädte der Japanischen Heimatinsel Honshu abgeworfen. 580 amerikanische Riesenfestungen haben das Gebiet von Nishinomlya-Mikage und die Anlagen für synthetischen Treibstoff in Ube mit Brandbomben belegt Aus Luftaufnahmen, die nach dem Angriff von Superfestungen auf Toyoma gemacht wurden, geht hervor, daS das Industriegebiet Toyomas dem Erdboden gleichgemacht worden ist Amerikanische Jagd- und Kampfflieger, im Anflug von den Flugzeugstützpunkten Okinawa und Iwo Yima, haben weiterhin ihre Angriffe gegen die japanischen Flugfelder fortgesetzt Das Hauptquartier des Stützpunktes amerikanischer Supei festungen auf Guam hat bekanntgegeben, daft die Superfestungen seit dem 4. Juli 1945 während ihrer Einsätze über Japan nur H Prozent Verluste erlitten haben. Inzwischen sind weitere Japanische Industriestädte gewarnt worden, daü sie alliierte Luftangriffe zu erwarten haben. Von 31 Japanischen Städten, die durch Flugblätter vor bevorstehenden Luftangriffen gewarnt worden waren, sind 14 schon planmäßig mit Spreng- und Brandbomben belegt worden. Atombombe gegen Japan Wirkung das 2000fadie der schwersten Explosivbombe — Eine Bombe zerstörte zwei Drittel der japanischen Gamisonsstadf Hiroshima WASHINGTON. Präsident Trnman hat in einem Bericht vom Weißen Haus bekanntgegeben, 'daß in den Angriffen auf Japan zum ersten Mal eine „Atombombe“ abgeworfen wurde, die die Wir* kung einer 20 000 Tonnen schworen Sprengstoffbombe bat Die neue Bombe, deren Sprengkraft um das zweitau- sendfache größer ist, als die der schwersten im Krieg in Europa verwendeten Bomben, wurde zum erstenmal auf den Japanischen Armeestützpunkt Hiroshima abgeworfen. Ergebnis der Zusammenarbeit Präsident Trumen gab eine Erklärung über die neue umwälzende Erfindung auf einer Pressekonferenz ab. Nach der Ansprache des Präsidenten erklärten einige anwesende Sachverständige, daß die Atombombe die gewaltigste und wichtigste Erfindung für die Kriegsführung seit der Entdeckung des Schießpulvers darstellt. Die Konstruktion der Atombombe war das Resultat amerikanisch-britischer Zusammenarbeit. Der Präsident führte aus, daß Präsident Roosevelt und Premierminister Churchill Anfang 1940 beschlossen hatten, daß britische und amerikanisch« Gelehrte gemeinsam an der Herstellung der Atombomb« arbeiten sollten. Die Arbeiten wurden in den Vereinigten Staaten durchgeführt, da Großbritannien Luftangriffen ausgesetzt und von einer deutschen Invasion bedroht war. Präsident Truman erklärte: „Schon vor 1939 waren Wissenschaftler der Ueberzeu- gung, daß es theoretisch möglich sei, Atomenergie freizumachen. Aber niemand wußte, wie dies praktisch zu bewerkstelligen sei. 1942 erfuhren wir, daß die Deutschen fieberhaft daran arbeiteten, Atomenergie Ihrer Kriegsmaschine nutzbar zu machen, mit der sie die Welt versklaven wollten. Britische und amerikanische Wissenschaftler haben in gemeinsamer Arbeit den Entdeckungswettlauf mit den Deutschen aufgenommen. Wir haben die Schlacht in den Laboratorien ebenso gewonnen, wie die Schlachten im Felde. Wir sind Jetzt in der Lage, Jede japanische Produktionsstätte schnellstens und restlos zu vernichten. Eine Warnung Um das japanische Volk vor dieser völligen Zerstörung zu bewahren,, wurde von Potsdam aus am 26. Juli ein Ultimatum an Japan gerichtet. Die japanischen Führer haben dieses Ultimatum zurückgewiesen. Wenn sie jetzt unsere Bedingungen nicht annehmen, dann erwartet sie ein Vernichtungssturm, wie er auf dieser Erde bis jetzt unbekannt war." Der amerikanische Kriegsminister Stimson, der nach Präsident Truman eine Erklärung über die Atombombe gab, führte aus, daß Uranerz einer der wichtigsten Rohstoffe von Atomenergie ist und daß Maßnahmen ergriffen worden sind, um eine ausreichende Versorgung der Vereinigten Staaten mit diesem Erz sicherzustellen. Die Erfindung der Atombombe wirft die Frage auf, wie die neue Energiequelle für Zwecke des Friedens verwendet werden kann. Stimson erklärte, daß noch viele Versuche notwendig sein werden, um Maschinen zu entwerfen, die Atomenergie in produktive Kraft verwandeln können. Wirkung auf Hiroshima Zwei Tage nach dem ersten Abwurf einer Atombombe auf den japanischen Armeestützpunkt Hiroshima hingen noch immer gewaltige Rauch- und Staubwolken über der Stadt. Erst am dritten Tag hatten die alliierten Erkundungsflieger die Möglichkeit, die genauen Ergebnisse dieser neuesten und verheerendsten aller Waffen festzustellen. Aus Luftaufnahmen geht hervor, daß mehr als 10 Quadratkilometer — 60 Prozent des bebauten Stadtgebiets von Hiroshima — völlig zerstört worden sind. Auch außerhalb dieser völlig zerstörten Stadtteile sind größere Schäden angerichtet worden. Der Sender Tokio hat den Zustand von Hiroshima als eine „katastrophale Verheerung" beschrieben. Die Maijnschaft der amerikanischen fliegenden Superfestung, die den Abwurf der Atombombe durchgeführt hatte, erklärte, daß Ihre Maschine im Augenblick der Explosion 15 Kilometer vom Zielgebiet entfernt war. Trotzdem erschien der Luftdruck so stark, als ob Flak in unmittelbarer Nähe explodiert wäre. Die Stadt Hiroshima verschwand dann unter einer Rauchwolke, die 15 000 Meter hoch stieg. Die neue Atombombe, die von amerikanischen und britischen Wissenschaftlern gemeinsam hergestellt wurde, hat große Bestürzung in Japan hervorgerufen. Das japanische Kabinett ist in Tokio zu einer Sondersitzung einberufen worden. Ersfe Versuche Die ersten Versuche mit der neuen Atombombe wurden am 16. Juli in den Vereinigten Staaten gemacht. ’ Beobachter des Versuches, die neun Kilometer von der explodierenden Bombe entfernt waren, wunden zuerst durch die ungeheure Lichtstärke der Explosion geblendet, dann hörten sie einen gewaltigen Donner und wurden durch den Luftdruck zu Boden geworfen. Krlegsmint- star Stimson hat in Washington erklärt, daß alle Patente, die mit der Entwicklung der Atombombe Zusammenhängen, von den Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Kanada« kontrolliert worden. Unter den Wissenschaftlern, die sich ln den letzten Jahren mit der Atomspaltung beschäftigen, befanden sich Lord Rutherford und der dänische Professor Niels Behr, die für ihre Forschungen den Nobelpreis erhielten. Einen wichtigen Schritt zur Atomspaltung fand Professor Liese Meitner, eine Wiener Physikerin, die sich seit dem Einmarsch der Deutschen in Oesterreich, im Ausland aufhielt. Sie fand, daß die Atome einer Abart des Elements Ura- nium, nämlich Uran 235, sich leicht spalten ließen. Im Jahre 1940 setzten die britische und Japanische Gefangen* auf Okinaioa unter Bewachung amerikanisch« MP"s amerikanische Regierung auf Veranlassung Ihrer Gelehrten einen technischen Ausschuß ein, der sich mit der Erforschung der Atomspaltung und der Herstellung der Atombombe befassen sollte. Diese Gelehrten haben in planmäßiger Zusammenarbeit eine umwälzende Kriegswaffe geschaffen, und es wird jetzt die Arbeit weiterer intensiver Forschung sein, die Erfindung für friedliche Zwecke auszunützen. Todesurteile in München MÜNCHEN. — Nach dem Abschluß des Kriegsverbrecherprozesses io Darmstadt hat in München ein weiterer Prozeß, ebenialls wegen Ermordung alitierter Flieger, mit der Verhängung von zwei Todesurteilen vor einem Militärgericht seinen Abschluß gehuden. Der 40jährige frühere Leiter der Gendarmeriestation von Groß-Gerau, Nikolaus Fachlinger und der 24- Jährige Heinrich Flivana aus Groß-Gerau wurden des Mordes an zwei krlegsgefangenen amerikanischen Fliegern für schuldig befanden und znm Tode durch den Strang verurteilt. Die Urteile wurden dem Oberbefehlshaber der amerikanischen Dritten Armee zur Bestätigung vorgelegt Das Verfahren ergab, daß die beiden amerikanischen Flieger, die in der Nähe von Frankfurt abgesprungen waren und nach Groß-Gerau gebracht wurden, dort am 29. August vorigen Jahres auf Befehl Fachlingers mit Eisenstangen erschlagen wurden. Wie aus Zeugenaussagen hervorging, wurden die beiden Flieger, als sie im Kraftwagen in Groß-Gerau eingeliefert wurden, zuerst von einer Menschenmenge angegriffen and mißhandelt. Als Fachlinger von der Ankunft der Flieger verständigt wurdet fragte er: „Warum hat man sie nicht tot geschlagen?“ Der Angeklagte Flavaus hatte während der Voruntersuchung tu «in»m schriftlichen Geständnis mitgeteilt, daß Fachlinger ihm den Befehl gegeben hatte: „Schlag die Hunde tot, G o e b b e 1 s wird Dich decken.“ Tags darauf hatte Fachlinger erklärt, er werde Jeden verhaften lassen, der den Vorfall anzelgen würde. — WOLFENBUTTEL. — Die Todesurteile gegen den Steuermann Edmund Horlander und gegen Heinrich WÜbecke, die wegen verbotenen Besitzes von Schußwaffen und Munition zum Tode verurteilt wurden, sind im Gefängnis von Wolfenbüttel vollstreckt worden. — HANNOVER. _Der ehemalige deutsche Polizist Josef P a u e k, der wegen Ermordung eines britischen Soldaten am 28. Juni vom höheren Militärgericht Hannover zum Tode verurteilt worden war, Ist hingerichtet worden. I.G. wird umgestellt Konsumgüfer werden in beschlagnahmten Werken hergestellf HÖCHST. — Die I.G.-Farben-Indu- strie, die früher einer der wichtigsten Faktoren der nationalsozialistischen Kriegsmaschine war, wird jetzt zum Teil dazu verwandt, Friedensartikel für die amerikanischen Besatzungstruppen und die deutsche Zivilbevölkerung herzustellen. Friedensproduktion Die Beschlagnahme der I.G.-Farben- Werke fand im Zuge der allgemeinen Auflösung der deutschen Kriegs- und Rüstungsindustrie statt. Es wurde eine Anordnung herausgegeben, nach der in allen I.G.-Werken nur von den Vereinten Nationen benötigte Friedensartikel und Konsumgüter für den deutschen zivilen Bedarf produziert werden dürfen. Diesem Plan folgend, ist die Produktion in einigen der I.G.-Werke wieder aufgenommen worden. Unter den Artikeln, die jetzt wieder produziert werden, befinden sich zum Beispiel Kunstdärme und Maschinen zum Unterwasserbau. Die Kalle & Co. A.G.-Werke in Biebrich erzeugen in großen Mengen unentbehrliches Verpackungsmaterial. Die rheinische Gummi-Celluloid-Fabrik arbeitet an medizinischen Erzeugnissen und die I.G.-Farben in Höchst produzieren notwendig gebrauchte pharmazeutische Artikel, während Sera und Anti- Toxine im gewohnten Ausmaß in den I.G.-Farben-Werken in Marburg hergestellt werden. Von der Faßholzf-Fabrik Geldbach G.m.b.H. wird die von den Besatzungstruppen dringend benötigte große Menge von Sperrholz geliefert. Sobald jedoch der Bedarf der amerikanischen Armee gedeckt Ist, wird das Holz im Rahmen des Wiederaufbauprogramms der deutschen Städte verwendet werden. Prefjluff Die Agfa-Werke in München stellen laufend Kameras her. Ebenso kommen aus München eine große Anzahl von Chemikalien, die die Dr. Alexander Wacker-Werke G.m.b.H. herstellen. Kisten, die von der amerikanischen Besatzungsmacht dringend benötigt werden, entstehen in dem Mainkur-Werk der I.G. und Preßluft, die zur Herstellung von Schneidewerkzeuge» und einer Anzahl von chemischen Versuchen verwendet wird, produzieren die T.G -Farben-Werke in Bremen und Kassel. Während die Produktion aller Werke einer gewissen Beschränkung unterliegt, ist das gegenwärtig wichtigste Produkt der I.G.-Farben eine außergewöhnlich große Maschine zur Arbeit unter Wasser, die von den alliierten Nationen zur Reinigung der Häfen und Flüsse benutzt werden wird. Gismmwwf Mascagni gestorben ROM. — Der weltberühmte italienische Komponist Pietro Mascagni ist im 83. Lebensjahr gestorben. Als Komponist der Oper „Cavalleria Rusticana", die im Jahre 1890 zuerst in Rom aufgeführt wurde, ist er weltberühmt geworden. Keines der späteren Werke des Komponisten hat einen ähnlich großen Erfolg gehabt. Seine im Jahre 1891 komponierte Oper „Amico Fritz" wurde zwar bekannt, aber nicht in das Repertoire der großen OpetE aufgenommen. 1935 komponierte Mascagni die Oper „Nero", bei deren Uraufführung im Königlichen Opernhaus in Rom Mussolini anwesend war, und die unmißverständliche Huldigungen an das faschistische Regime enthielt. Aus Armut und Not zu Reichtum und Ruhm, dieser Weg kennzeichnet die Lebensgeschichte von Pietro Mascagni. Am 17. Dezember 1863 als Sohn eines Bäckers in Livorno ln Mittelitalien geboren, zeigte Pietro Mascagni schon früh mehr Neigung zum Klavier als zu den trockenen juristischen Studien, für die ihn sein Vater bestimmte. Er nahm heimlich Klavierstunden und sein Talent erwies sich als so groß, daß er bald als Assistent der Musikschule in Livorno angestellt wurde. 1879 wurde, dort seine erste Symphonie aufgeführt, und . kurz darauf ermöglichte ihm sein Onkel! das Studium am Konservatorium in Mal-! landl DU Eigenart Mascagnis jedoch lehnte sich rasch gegen die pedantische Weise seiner Lehrer auf, und er zog es vor, eigene Wege za gehen. Der Weg war schwer. Nach seiner frühen Heirat brachte sich Mascagni jahrelang als Klavierlehrer und Dirigent einer Opern trupp« ln Apulien kümmerlich durch, bis plötzlich der Erfolg bei einem Opem- wetfbewerb «ine entscheidende Wendung ln seinem Leben brachU. Ein Freund schrieb für Ihn ein an dramatischen Höhepunkten reiches Libretto, das sich auf eine Bauerageschichte von Giovanni Verga stützte, Mascagni komponierte dazu die Musik. Die Uraufführung dieser Oper „Cavalleria Rusticana“ in Rom war ein durchschlagender Erfolg. Mascagni wurde über Nacht der Liebling des italienischen Publikums, das ln ihm den Nachfolger von Rossini und Verdi erblickte. Der Komponist, der sich bis dahin kümmerlich durchgeschlagen hatte, wurde plötzlich ein reicher Mann. Ueberall im In- und Ausland spielte man seine Oper, und er erhielt 30 Prozent des Reingewinns von allen Aufführungen. Das berühmte Intermezzo dieser Oper allein sicherte ihm fürstliche Einnahmen. Auch als Operndirigent wurde Mascagni führend. Vor dem Kriege soll er als Dirigent in einer einzigen Woche in London 75 000 Mark verdient haben. Mascagni besaß eine Sammlung von mehr als 300 Taktstöcken, meistens Geschenke seiner vielen Bewunderer. Er selbst aber benutzte nur einen, einen winzigen Taktstock, der vor 45 Jahren äus den - Zweigen eines Feigenbaum« verfertigt worden war. Neben Taktstöcken sammelt« Mascagni auch Uhren. Er pflegte ln Jeder seiner vier Westentaschen ein« Uhr mit sich zu tragen. Mascagni ging mittags zu Bett, stand bei Sonnenuntergang auf und komponierte oder spielte Karten während der Nacht. Er pflegte zu klagen, daß die Sonn« niemals sein Freund werden könne, und doch war «r es, der die „Hymne an die Sonne" komponierte, die als ein Teil der Oper „Iris" zu seinen volkstümlichen Schöpfungen gehörte. ♦ 1 ten Kreisen der Lehrerschaft und von der orgoe nisierten Arbeiterschaft Die Einstellung des Präsidenten Truman ztf dieser strittigen Frage wurde bisher nicht offiziell bekanntgegeben. Aber es liegt Grund zu der Annahme vor, daß Präsident Truman weniger die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht, als ein erweitertes Wehrprogramm der „National Guari" (National-Miliz) wünscht. Bis zur Wiedereröffnung des amerikanischen Parlaments im Oktober wird sich Präsident Truman eingehend mit der Zukunft det allgemeinen Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten beschäftigen und dabei besonders di* militärischen Erfordernisse der Vereinten Nationen im Auge haben. In Washington wird allgemein angenommen, daß, selbst wenn die allgemeine Wehrpflicht in Friedenszeiten beibehalten werden sollte, die Ausbildung der neuen amerikanischen Soldaten nur teilweise in den Händen der Armee und damit eine Ausschaltung und Erziehern vermieden Marine liegen wird, von zivilen Aemtem wird. ...aus NEW TORR. — Eine beachtenswerte und neuartige Erscheint mg im amerikanischen J our- nallsmus ist zweifellos der 31 jährige Multimillionär MatshallField und sein* Zeitung "PM". "FM" bedeutet "Post Meridiem" »der "Nachmittag". Da* kürzlich abgeschlossen* fünfte Jahr seines Bestehens endete zum erstenmal nicht mit einem Defisit für di* "PM“. Dies* liberale Tageszeitung hat als einzige in den USA bisher kein« bezahlten lneetate angenommen; durch "PM" wurde der Beweis erbracht, daß eine inseratenlose Presse nicht verlustbringend sein muß, wenn ihr Inhaber dazu bereit ist, Verluste det Anfangsjahte mit In Kauf zu nehmen. Marshall Fltld ist jedoch nicht fest dazu entschlossen, euch in der Zukunft bezahlte Inserate und Reklame «bzuleh- nen. Field gibt zwar zu, daß die amerikanischen Zeitungsleser eine Vorliebe für Reklame haben, daß aber die augenblickliche Papierknappheit eine Reklameaufnahme «erbietet. Die „Chicago Sun“ in Chicago gehört gleichfalls zum Field-Konzem, sowie eine Radio- Sendestation in Cincinnati und die illustrierte Wochenschrift „The Parade". Field hat weitreichende Zukunftsprojekte; insbesondere ist hierbei ein in _roßem Stil geplantes Wochen-Magazin zu nennen, dessen Ausstattung und Titel noch nicht festste hen. Es arbeiten aber bereits einige der begabtesten Journalisten Amerikas an diesem neuen Produkt des Fteld-Konzems. ln Amerika flog im «ergangenen Monat ein Riesen-Trensportflugzeug mit dem Haushalt und Mobiliar von vier Familien von New York nach Las Angeles. Der transkontinentale Plug ist ein Experiment, des neue Bahnen in dem amerikanischen Transportwesen weist; zwar sind die Kasten dieses Flugtreneportes SO Prozent hi her als die einet Eieenbahnfrecht, eher diese* neu* Ttanepertflugzeug legt di* Strecke New York — Las Angeles in rund 24 Stunden zurück, während ein Transport per Eisenbahn annähernd einen Monet dauern würde. Die Flügelepamt det viermotorigen Maschine beträgt 33 Meter, sonst gleicht des neue Modell In vielen Zügen dem Liberator-Bomber. Eine det umstrittensten Gesetzvorlagen, die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht in Friedenszeiten, wird zur Zeit In dem amerikanischen Kongreß erörtert. Im Abgeordnetenhaus befürwortet der militärische Ausschuß für Nachkriegspolitik im allgemeinen die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht in Friedenszeiten. Dabei hat der Ausschuß die völlige Unterstützung det amerikanischen .'feer- und Marine- ärnter und der Veteranen-Organisation. Bekämpft wird det Geeetzeevorschlag van det Kirche, brei- Die amerikanischen Eisenbaimen sind einer unge h.-.-n Belastung ausgesetzt. Wie veranschlagt, müssen amerikanische Eisenbahngesellschaften vom 15. Juni dieses bis 15, April nächsten Jahres genau so viele Truppen transportieren wie in den vergangenen zwei Jahren zusammen. Zu der großen Zahl der von Europa nach dem Pazifischen Ozean umgruppierten Truppeneinheiten, die von New York nach der amerikanischen Westküste transportiert werden müssen, gesellt sich noch eint Fülle von Urlaubereisen zurück* gekehrter Soldaten, Truppentransporten von Rekruten, eine große Anzahl von Arbeitern, die von der Kriegsindustrie auf die Friedensindustrie umwechseln und nicht zuletzt Krank-nzüge und Güterzüge, die Hilfsmittel für die befreiten europäischen Linder von West r. sh Ost verfrachtend Eint Etsenbahngesellechaft hat durch Umfrage im Reisepublikum festgestellt, daß die amerikanischen'Reisenden in der Zukunft mehr Reisekomfort wünschen, insbesondere größere Fenstet, bequemere Sitze, verstellbare Rückenlehnen und mehr Platz, um die Beine aus- zustrecken. Diese Eisenbahngesellsc'.s.ft hat den Wünschen ihrer Kundschaft Rechnung getragen und mitten im Krieg bereits ein neues Zugmodell in Betrieb genommen. Die Frage, ob die Fenster geöffnet oder geschlossen werden sollen, bleibt weiter unbeantwortet. Josef Paremba ist ein 12; hriger Junge. Sein Vater, ein polnischer Patriot, wurde vor; den Deutschen ermordet. Seine Mutter ist gleichfalls tot. Josef Paremba wurde von Polen als Sklavenarbeiter nach Deutschland verschleppt. Hier wurde er dann von einer Familie, die 96 Mann stark ist, adoptiert. Josefs neue Familie ist eine amerikanische Geschützbatterie. Während der Kampfhandlungen hat sich Josef nützlich gemacht, indem er Munition trug, Schützenlöcher aushob und in der Küche aushalf. Die 86 Soldaten und Offiziere der Batterie hatten Josef so lieb gewonnen, daß sie ihn alt blinden Passagier nach New York mitnahmen. Blinden Passagieren ist aber ’ie Einwanderung in die Vereinigten Staaten verboten. Deswegen wird Josef Paremba jetzt von den New Yorker Einwanderungsbehörden festgehalten. Aber die ganze Batterie will den Jungen adoptieren und ein Amerikaner polnischer Abkunft, der gleichfalls den Namen Paremba trägt, hat sich gemeldet, um für den Jungen zu sorgen. Die New Yorker Einwanderungsbehörden beratschlagen noch, wer Josef Paremba adoptieren soll, der amerikanische Pole Paremba oder dis Batterie. Kulturleben FRANKFURT. — In Wiesbaden sind verschiedene bisher geschlossen* Buchläden wieder geöffnet worden, nachdem die notwendige Bereinigung des Büchermaterials vorgenommen war. Ebenso wurde hier die Ernennung von Dr. Karl Hagemenn, dem Intendanten des Theaters vor 1933, zum Generaldirektor des künftigen Wiesbadener Theaters von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Dr. Hagemann wird für die Aufführung musikalisch« und dramatischer Stück* verantwortlich sein. Da* Freilufttheater im Schöneberget Stadtpark in Berlin, wird als Einführungsvorstellung eine Inszenierung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung" auf die Bühne bringen. Mit Erlaubnis von Feldmarschali Montgomerj werden in Kürze 105 deutsche Kinos in der von den Engländern besetzten Zone Deutschlands wieder für die Zivilbevölkerung eröffnet. Es werden deutsche Filme gezeigt werden, die nachgeprüft und als brauchbar anerkannt worden sind. Bis jetzt sind von 300 nachgeprüften deutschen Filmen 40 zur Vorführung frei gegeben worden. Es wird gehofft, daß bis zum I. September englische oder amerikanische Wochenschaufilmt in Deutschland zur Vorführung gelangen können. ln der amerikanischen Zone sind je drei Kinos in Frankfurt und München und je ein Kino in Offenbach, Homburg, Friedberg, Bad Nauheim und Wiesbaden mit der Vorführung einer Reihe von Kulturfilmen wieder eröffnet worden, von denen ein Film von dem Dirigenten Toscaninl und ein anderer von einem großen Stauwerk in USA. handelt. In Bremen wurde det von den Nationalsozialisten im Jahr* 1942 entlassene Direktor der Bremer Philharmonie Richard Ahlers von den Amerikanern damit beauftragt, dae Bremer Philharmonische Orchester neu zueammenzustellen und öffentliche Konzerte vorzubereiten. In Mannheim wurde der frühere Musikdirektor Carl Eisenbarth mit der Aufgabe betraut, musikalisch« Darbietungen und Theateraufführungen für Mannheim vorzubereiten. Im Rahmen ihrer Bemühungen, die medizinische Fakultät der Universität München sobald wie möglich wieder zu eröffnen, hat die amerikanisch* Militärregierung eine Kommission von drei deutschen Aerzten eingesetzt, die die Aufgabe haben, da* Ausmeß det Bombenschadens des ünlversitätsgeländes zu überprüfen. Die Berliner Staatsoper wird in Kürze im Admiralspalast in der Friedrichstraße, der jetzt repariert wird, ihre Vorstellungen wieder eröffnen. Die erste Aufführung soll, wenn möglich, schon am 12. August stattfinden. Das Orchester der Staatsoper und mehrere bekannte Sänget hoben mit den Proben begonnen. r Samstag, 11. August 1945 SÜDDEUTSCHE MITTEILUNGEN Seit« 3 mHncm tyCH. SfniiU: ZmluecwaliuttQ. WASHINGTON. — Zum Direktor der Zivilverwaltung der amerikanischen Kontrollkommission in Deutschland wurde Generalmajor Luther S. Smith ernannt. Seine Hauptaufgabe wird es sein, das deutsche Berufsbeamtentum von allen nationalsozialistischen Einflüssen und Personen zu säubern und den Wiederaufbau des deutschen Verwaltungsapparates in der amerikanischen Besetzungszone zu leiten. * StecMcUHuwc* WASHINGTON. — Der kommandierende General der amerikanischen Luftstreitkräfte, H. H. Arnold, gibt Einzelheiten über ein neues sensationelles Kampfflugzeug bekannt, mit dem anscheinend eine neue Epoche im Kampfflugwesen beginnen wird. Das Flugzeug trägt den Namen „Sternschnuppe", hat einen Heißluftstrahlantrieb, erreicht eine Stundengeschwindigkeit von 900 Kilometern und kann bis zu 15 Kilometer Höhe steigen. Die Maschine kann ln größten Höhen fliegen, da die Kabine luftdicht abgeschlossen ist und dem Piloten Warmluft zugeführt wird. In einem Probeflug hat das neue Flugzeug 950 Kflo- meter in 62 Minuten zurückgelegt und sich damit als das schnellste Flugzeug der Welt erwiesen. hxedeH*ucctcag> genttideri HELSINKI. — Die alliierteo Waflenatlll- standsbedingungen gegenüber Finnland sind gemildert worden. Die Beschränkungen im finnischen Schiff- and Luftverkehr wurden aufgehoben, die Post-, Telegraph- und Telephonverbindung zwischen Finnland und dem Ausland wiederhergestellt. Diese Milderungen sind, wie amtlich mitgeteilt wird, ein Ergebnis der Veränderungen der allgemeinen Internationalen Lage nach Beendigung des Krieges gegen Deutschland. V 04 TtanUccicU wdoc PARIS. — Das französische Ministerium für Wiederaufbau beziffert die Kriegsschäden, die Frankreich erlitten hat, mit 4893 Milliarden Francs, zum heutigen Kurs umgerechnet etwa 976 Milliarden Mark. Dieser Betrag umfaßt alle Schäden, die durch Plünderung, Zerstörung und sonstige Beschädigungen entstanden sind, dagegen nicht Kapitalverluste, die auf 42,5 Prozent des Volksvermögens veranschlagt werden. Der Bericht des französischen Ministeriums wird voraussichtlich der Moskauer Reparationskommission übermittelt werden. — Nach amtlichen französischen Ziffern betragen die Verluste der französischen Streitkräfte seit September 1939 200 000 Tote und 250 000 Schwerverwundete usw. 150 000 Zivilpersonen wurden ln Frankreich getötet und 300 000 Franzosen sind in Deutschland gestorben. 228 000 wurden als Invaliden aus Deutschland zurückgeführt. AufBau a*n dn fCftc MOSKAU. — Der Wiederaufbau des gewaltigen Dnjepr-Ostrel-Dammes und der großen Wasserkraftwerke von Saporoshje am Dnjepr, die während des Krieges schwere Zerstörungen erlitten, macht gute Fortschritte. Die Instandsetzungsarbeiten sind soweit gediehen, daß die Kraftwerke lm Laufe des nächsten Jahres die Stromerzeugung wieder aufnehmen werden. Der Damm und die Wasserkraftwerke, der Stolz des ersten sowjetrussischen Fünfjahresplanes, wurden zum erstenmal im August 1941 von den Russen, und später im Oktober 1943 von den Deutschen, die die Werke wieder instandgesetzt hatten, gesprengt. ScUwri&u Acmu entlasse** BERN. — Die schweizerische Armee wird tm Laufe des Monats August aus dem aktiven Dienst entlassen werden. Der schweizer Bundesprästdant Steiger gab in einer Rundfunkansp rache der Hoffnung Ausdrude, daß der Schweis die Möglichkeit gegeben werde, zusammen mit anderen aufbauwilligen Völkern an der Schaffung einer besseren Welt mitzuarbeiten. Widerstand gegen jede Gewalt, ob eie von außen oder innen kommt, wird wie ln der Vergangenheit, so auch in der Zukunft die Haltung der Schweizer sein. Belgische Taedeeu n get* BRÜSSEL. — In einer Rede lm belgischen Parlament forderte Ministerpräsident van Acker die Teilnahme der belgischen Armee an der Besetzung Deutschlands und die Zahlung von deutschen Reparationen an Belgien. Die Regierung beabsichtigt das Recht, Reparationen zu fordern, für sich in Anspruch zu nehmen, da es die Gerechtigkeit verlangt, daß Deutschland den Schaden wieder gutmacht, der in den von Deutschen verwüsteten Ländern angerichtet wurde. Der Ministerpräsident teilte ferner mit, daß Neuwahlen für das belgische Parlament geplant sind. Amerikaner umgcutfuect WASHINGTON. — Die Umgruppierung der amerikanischen Truppen in Europa wird im Mai nächsten Jahres beendet sein. Bis Ende dieses Jahres werden 1 000 000 amerikanische Truppen aus Europa abtransportiert werden. Bis zum 12. Juli dieses Jahres haben 635 000 amerikanische Soldaten Europa verlassen. Amnestie BELGRAD. — Auf Empfehlung von Marschall Tito hat das provisorische jugoslawische Parlament eine allgemeine Amnestie beschlossen, die sofort in Kraft tritt. Das Amnestiegesetz sichert Straffreiheit für die Mitglieder der verschiedenen Organisationen, die gegen die Streitkräfte Mar- schall Titos gekämpft haben und für die Fahnenflüchtigen der jugoslawischen Armee. Auch die Personen, die für die Deutschen auf künstlerischem und kulturellem Gebiet gearbeitet haben, gehen straffrei aus. Nicht unter die Amnestie fallen die Mitglieder der verschiedenen jugoslawisch-nationalsozialistischen Terrororganisationen, die Mitglieder des deutschen Kulturbundes sowie alle jene, die im Dienste der Gestapo und der deutschen Polizei Kriegs verbrechen in Jugoslawien begangen haben. £aval im ( &eiain~%h*ozeß Hinter den Kulissen von Vichy - Erpreßte oder freiwillige Komplizen? PARIS. — Die endlosen Zeugenaussagen in dem Hochverratsprozeß gegen Henri Philipp« P4tain, der schon über zwei Wochen dauert, «ollen auf Beschluß des Gerichtshofes abgekürzt werden. Nach einer Erklärung des Anklagevertreters Momet wird demnächst mit der Vorlag« dokumentarischer Beweisstücke begonnen werden, die die Schuld des Angeklagten unter Beweis stellen. Weygand gegen Reynaud Die große Sensation des Prozesses war die Einvernahme von Pierre Laral, der vor einigen Tagen aus Spanien aus- gewiesen und von den Alliierten festgenommen wurde. Unter den Entlastungszeugen für Pö- tain wurden General Georges und General Herring einvemommen. Es wurde ferner ein Brief verlesen, den Admiral Leahy/ der ehemalige amerikanische Botschafter ln Vichy und jetzige Stabschef Präsident Trumans in Beantwortung eines Schreibens von Pätain an den Angeklagten gerichtet hat Ala weiterer Zeuge, der von der Verteidigung Pätalns genannt wurde, wurde der frühere französische Botschafter in Warschau und Angehörige der französischen Wa&enstillstandskommisslon, Löon Noel, auf gerufen. Am elften Tage de« Prozesses stand Piarre Laval, dar im Varlauf des Hochverratsprozesse« gegen Pitain von allen Seiten als der „üble Genius" des Marschalls bezeichnet worden war, als Zeuge vor Gericht. Er war 48 Stunden vorher an Frankreich ausgeliefert worden. Sonderverbände der Polizei hielten die erregte Menschenmenge zurück, die Loyal sich vor dem Gerichtsgebäude angesammelt hatte, um Laval, der sich selbst wegen Hochverrat und Feindbegünstigung zu verantworten haben wird, zu sehen. Ein Tausch Laval erklärtet „Ich weiß, daß alle Franzosen, die ich nach Deutschland deportieren ließ und auch viele andere nichts als ein Gefühl des Hasses für mich übrig haben." Im Verlauf seiner weiteren Aussagen erklärte Laval, daß Pdtain tat seinen Entschlüssen niemals frei gewesen sei. Es seien die Deutschen gewesen, die P4- tain gezwungen hätten, Anordnungen zu geben. So sei beispielsweise Pötains Befehl an die Streitkräfte der Vichy-Regierung in Nordafrika, sich der alliierten Landung su widersetzen, von den Deutschen erpreßt worden. Pitains Meinung Der Staatsanwalt verlas dann Auszüge aus einem Brief, den Pötain an Laral geschrieben hatte. In Bezug auf politische Morde schrieb der Marschall: „Ein paar prominente Hinrichtungen find sair Heber als Chaos und Unruhe." Level enthielt sich jeden Kommentars nnii kam dann auf Dsrnand. den früheren Fühler der französischen Miliz zu sprechen. Br sagte: „Der Marschall kannte Daraand besser als ich. Damand wurde uns als Chef der Polizei aufgezwungen." Während Laval noch über Damand sprach, schlief Pötain auf seinem Stuhl ein. Pierre Laval, der selbst als Angeklagter vor Gericht stehen wird, ist vor wenigen Tagen an Frankreich ausgeliefert worden und wird im Gefängnis von Fresnes bei Paris in Haft gehalten. Als Laval in das Gefängnis eingeliefert wurde, war er in niedergedrückter Stimmung. Der Untersuchungsrichter des Obersten Gerichtshofes, Böteille, der seinerzeit den Hochverratsprozeß gegen Pötain vorbereitete, ist mit der Untersudrung des Falles Laval beauftragt worden. Mahrara Pariser Rechtsanwälte haben es abgelehnt, die Verteidigung Laval« zu Übernehmen. Der Verteidiger wird voraussichtlich von den französischen Gerichtsbehörden bestimmt werden müssen. Der Hochverratsprozeß gegen Laval dürfte nicht vor Oktober oder November beginnen. Inzwischen verbleibt Laval in Einzelhaft und darf keine Besuche empfangen. ßrsic BericMe aus Wien Die Staatsoper ausgebrannt — Vom Stephansdom: Turm und Mauern stehen Kein Mangel an Lebensmitteln WIEN. — Zum ersten Mal seit der Besetzung Wiens bringt die Presse Westeuropas ausführliche Berichte aus der österreichischen Hauptstadt. Rückwanderung Aus den Berichten der britischen und französischen Korrespondenten geht übereinstimmend hervor, daß Wien, wie viele Städte in Deutschland, vor allem durch die Verlängerung des sinnlosen Widerstandes schwer gelitten hat und daß viele Jahre vergehen werden, bevor die Verwüstungen wieder gutgemacht werden können. Von den insgesamt 00 000 Häusern Wiens sind 2000 völlig zerstört worden; 11 000 weitere wurden beschädigt, Vom Stephansdom sind nur die Außenmauem und der Turm stehen geblieben. Die Staatsoper Ist völlig ausgebrannt und auch das Kriegsministerium zerstört Von den großen internationalen Hotels sind nur das Grand Hotel und das Hotel Imperial benutzbar. Ein großer Teil des Wiener Straßenbahnnetzes ist Wieder instand gesetzt worden. Trotz der schwierigen Lage hat eine beträchtliche Rückwanderung dm Bevölkerung eingesetzt Anfang Juli lebten in der Stadt die früher 2 Millionen beherbergte, 250 000 Menschen. Weitere 100 000 sind lm Laufe des Monats Juli zurückgekehrt. Dia Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist bis auf weiteres gesichert Die Russen haben genügend Getreide und Hülsenfrüchte eingeführt, so daß an diesen beiden Hauptnahrungsmitteln bis zum September kein Mangel herrschen dürfte. Wien ist gänzlich ohne Gas und Wasser. Die Wasserleitungen und Kanäle sind an vielen hundert Stellen zerstört worden. Vereinzelte TyphusfäH« sind vorgekommen, eine Ausbreitung der Seuche konnte jedoch verhindert werden. Zum Bürgermeister der Stadt wurde General Körner, einer der führenden Männer des früheren sozialdemokratischen Schutzbundes berufen. Noch nicht besetzt Die Besatzungstruppen der amerikanischen, britischen und französischen Vorausabteilungen, die ln Wien eingetroffen sind, haben ihre Zonen noch nicht Übernommen und die Stadt bleibt vorläufig weiter unter russischer Militärverwaltung, bis die gemeinsam« Verwaltung auf der bevorstehenden Zusammenkunft der vier alliierten Oberbefehlshaber und Mitglieder der Kontrollkommission für Oesterreich, General Marie Clark, General McCreery, Marschall Koniew and General Bethouard, geregelt werden wird. 2h?ominenfe in ftfoncZorf Ribbentrop räumte schlecht auf — Warlimont gibt englische Stunden MONDORF. — Wie bereite gemeldet, sind über 50 Persönlichkeiten ans ehemaligen deutschen Regierungskreisen in dem Luxemburger Ort Mondorf- les-Basins in Gefangenschaft and warten auf ihren Prozeß und ihre Aburteilung. Ein Sonderberichterstatter des Londoner „Daily Telegraph" gibt folgendes Bild vom Leben der Gefangenen: Schutz gegen Selbstmord Als Vorsichtsmaßnahmen gegen Selbstmord haben die Gefangenen weder Schlips noch Schuhbänder, keine Hosenträger und keine Gürtel. Als Besteck haben sie einen Löffel, aber keine Messer und keine Gabeln. Alle Glasfenster des Hotels sind entfernt und durch Zelluloidfenster ersetzt worden. In den Schlafzimmern gibt es keinen elektrischen Strom, keinen Spiegel und keine Glaslampen. Zwei kriegsgefan- gene deutsche Soldaten rasieren ihre ehemaligen Befehlshaber und politischen Führer und müssen die benutzten Rasiermesser wieder abgeben. Jeder Gefangene hat ein Feldbett, eine harte Matratze und einen Holzstuhl. Die Zimmer haben Waschbecken mit fließendem kalten Wasser. Am Samstag dürfen die Gefangenen ein warmes Bad nehmen. Ehemalige deutsche Wehnnachtsköche bereiten die Mahlzeiten zu, die hauptsächlich aus Brot und Hülsenfrüchten bestehen. Grüßen zwischen den Gefangenen oder zwischen den Gefangenen und dem amerikanischen Wachpersonal ist untersagt. Wenn der Lagerkommandant oder ein höheres Mitglied der Wachmannschaft ein Zimmer betritt, müssen die Gefange- Das Gebäude des Justlzpalastea in Nürnberg, in dem die Ptozeaae gegen die deutachen Kriegaverbrecher atattfinden werden nen aufstehen und stramme Haltung einnehmen. Ränge and Titel sind abgeschafft. Der ehemalige Reichsmarschall wird als „Gefangener Göring" angeredet. Die Berichterstatter der alliierten Presse sahen Ribbentrop in einer Ecke des Lesezimmers, Göring und Kesselring im Garten. Göring hat zehn Kilo abgenommen, aber der deutsche Arzt, der ihn behandelt, erklärt, daß seine Gesundheit nichts zu wünschen übrig lasse und sich durch tägliche Freiübungen gebessert habe. Ribbentrop und Prinz Philipp von Hessen wurden vor kurzem streng verwarnt, ihre Zimmer in Ordnung zu halten. Philipp von Hessen erhielt eine zweite Verwarnung, well er Essen mit auf sein Zimmer genommen hatte. Strenger Stundenplan Die Gefangenen müssen um 6 Uhr früh aufstehen und bei Dämmerung wieder in ihren Zimmern sein. Falls sie nicht zu Verhören geholt werden, dürfen sie ihre Zeit nach Belieben verbringen. General Warlimont und Vize-Admiral Bürkner geben den Gefangenen jeden Morgen englischen Sprachunterricht. Aber mit solcher bescheidener Unterhaltung müssen sich die Gefangenen auch begnügen, denn sie dürfen weder Briefe abschik ken, noch Nachrichten erhalten. Satdemt# 100000 werden entlassen FRANKFURT. — Die politisch« Säuberungsaktion in der amerikanischen Zone nimmt unablässig ihren Fortgang. In dem Potsdamer Schluß-Communiqud heißt es unter f 2, Punkt P: „Im einzelnen wird bestimmt: Strenge Verfolgung aller Kriegsverbrecher und Entfernung aller Nationalsozialisten aus Stellungen im öffentlichen Leben und wichtigen Posten ln privaten Unternehmungen." Wie dieser Paragraph in die Praxis umgewandelt wird, ergibt sich aus den folgenden Meldungen, die nur einen geringen Teil dessen darstellen, was täglich unsere Redaktion erreicht. * MÜNCHEN. — Major Otdwaj, der Lotter dtt Sicherheitsamtet in der Militärregierung für dem Land Bayern, erklärte kürzlich, daß 100 000 frühere Nationalsozialisten und Privatpereonan tn Schlüsselstellung bis zum Ende dieses Mo* nate aut äff entliehen Aemtem und privaten Unternehmungen entfernt und Ihr Besitz und ihre Guthaben beschlagnahmt werden. Das Sicherheitsamt, dem Major Otdwaj vor- etehl, wurde am 21. Mai dieses ]ährst gegründet und begann seine Arbeit am 8. Juni. Am 7. Juli erweiterte das amerikanische Hauptquartier in Europa das Betätigungsfeld des Amtes mit einem Erlaß, demzufolge alle früheren NSDAP-Mltglio- der weder öffentliche Ämter noch wichtige Po* sitionen ln Privatuntemehmungen bekleiden können. Hierbei wird allen jenen Deutschen, die vor dm 1. ö. 1937 der NSDAP beigetreten sind, vdet die sich im Dritten Reich besondere materielle Vorteile erworben haben, besonderes Augenmerk geschenkt. Major Otdwaj führte aus, daß zum Zweckt einer durchgreifenden politischen Säuberungs- aktion das Land Bayern in fünf Distrikts auf- geteilt ist, um dis einlaufenden Fragebogen, die von Beamten oder Stellungsanwörtem ausgefüllt worden sind, zu überprüfen. Ab. den Prüfungsausschüssen liegen nicht nur Fragebogen vor, sondern auch anderes reichhaltiges Material, das dis Nachrichtenabteilung der amerikanischen Armee tn den letzten zwanzig Monaten zusam- mengestellt hat % Aus den Gemeinden WIESBADEN. — 141 Beamte wurden wege s ihrer Mitgliedschaft der NSDAP während der drei vergangenen Monate entlassen. Vergangenen Mittwoch meldete der Bürgermeister, daß während der Woche des 29. Juli 12 Personen entlassen wurden. Folgende Beamte wurden entlassent Gustav Peppier, öffentlicher Gebäudeverwalter, Georg Günther Havbrich, Gemeinde-Inspektor; Wilhelm Kampfer, Gemeinde-Inspektor; Jacob Friedrich, Gemeinde-Sekretär; Heinrich Schmidt * Steuerassistent; Ludwig Willy Wendler, Statistisches Amt; Wilhelm Müller, Stadtgarteninepeke tor; Emil Beeiter, Regierungsbezirkbeamter) Josef Becker. # STUTTGART. — Im Zuge der Säuberung der Stadtverwaltung wurden lm Laufe der letzten Wochen der techniche Berater des Bürgermeisters, Walter Stöckle, sowie Dr. Eduard Könekomp, Emst Weldellch, Kail Klein und 137 andere Beamte, die früher Nationalsozialisten waren, entlassen. AUGSBURG. »—* Drei ehemalige National* Sozialisten in der Gendarmerie Prtedberg wurden entlassen, ln Augsburg wurden 3 Ortsgruppan- leitet, eine Ortefrauenschaftsleiteftn und zwei Ortsgruppenamtsleiter in Haft genommen. In Schwabmünchen wurden fünf höhere Beamte de* lG-Fatben wegen Ihrer Parteibesiekungen von ihren Posten entfernt. In Sonthofen wurde der Bürgermeister Otto Feßler und tn Immenhof Dr, Vogthert ihrer Ämter enthoben. * MARBURG. — Im Landkreis Marburg wurden zwei Bürgermeister aus ihren Aemtem wegen Zugehörigkeit zur NSDAP von der Militärregierung entfernt Heinrich Dielenbach tritt an die Stelle Heinrich Raus In Lohra und Johannes Nau an die Stalle von Heinrich Prenß, dee Bürgermeisters von Beltershausen. * BREMEN. — Erich Vogts, tegisrsndsr Bürgtr- meistar von Bremen, wurde von der Militärregierung aus Meinem Amt antlassan und Senator Wilhelm Kaisen, Senator für Volkswohlfahrt wtirda in die Bütgermeisterstelle eingesetzt. Harr Kaism erna nn te Dr. Spitta, Senator des Rechts- wtsens, zum stellvertretenden Bürgermeister. Vogts, von der Militärregierung am 7. Juni 1943 zum Amt ernannt, wurde entlassen wegen Nichtbefolgung der Anordnungen der amerikanischen Behörden. Obgleich er 1800 Stadtangestellte wegen NSDAP-Angehörigkeit entlassen hatte, verblieben doch viele Nationalsozialisten in höheren Stellen. RADIO STUTTGART Bin Sender dar Militärregierung Radio Stuttgart sendet aut einer Wellenlänge von 523 Meter, einer Frequenz von 574 Khz. TÄGLICH 11.27— 11.30: Beginn der Sendezeit; 11.30 bis 11.45; Nachrichten in deutscher und englischer Sprache zum Nachschreiben; 11.45—12.00: „Mutter und Kind" — Kindeiprogramm in deutsch; 12.00—12.15: Nachrichten und Nachrichten-Kommentar in deutscher Sprache; 12.15 bla 12.30: Nachmittagsmusiki 12.30—12.45: Nachrichten ln englischer Sprache; 12.45 bis 13.00: Russisches Programm; 13.00—13.15: Polnische* Programm; 13.15—13.30: Tägliches Programm in deutscher Sprache, „New York Pres» Review" von der Stimme aus Amerika aus New York; 13.30—14.00: Musik-Programm in deutsch; 14.00—14.03: Ende der Sendezeit. NUR SONNTAG 17.27— 17.30: Beginn der Sendezeit; 17.30 bis 18.00: Kirchliches Programm — katholisch. TÄGLICH 17.57—18.00: Beginn der Sendezeit: 18.00 bts 18.15: Jugendprogramm in deutscher Sprache: 18.15— 19.00: Musikprogramm — deutschi 19.00 bis 19.15: Nachrichten in englischer Sprache; 19.15— 19.30: Polnisches Programm; 19.30 bis 19.45; Nachrichtenprogramm in deutscher Sprache; 19.45—20.00: Abendmusik; 20.00 bis 20.30: Hauptprogramm in deutscher Sprache; 20.30—21.00: Nachrichten und Kommentar ln deutscher Sprache; 21.00—21.15: „Amerika ruft Europa“, ln deutscher Sprache von der Stimme au» Amerika aus New York; 21.15—21.30: Französisches Programm; 21.30—22.00: Die Militärregierung spricht; 22.00—23.00: Sympho- niekonzert (Sonntag: Orchester des Württem- bergischen Staatstheaters — Konzert! Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag: Musik von großen, Meistern — Schallplatten; Mittwoch: Konzert, ausgeführt vom Münchner Philhann. Orchester; 23.00—23.15: Weltnachrichten ln deutscher Sprachei 23.15—23.18: Ende der Sendezeit. vJ ! \ Seite 4 SÜDDEUTSCHE MITTEILUNGEN — LANDAUSGABE Samstag, 11. August 1946 Etsie VedafstiaeMi U eberreichung der Urkunde im Hauptquartier der 7. Armee General Milburn hebt Bedeutung der Urkunde hervor HEIDELBERG.—Hermann * Meister, ein stiller, bescheidener Mann von 55 Jahren, der es ablehnte, sich der Nazi-„Weltan- schauung" anzupassen erhielt letzte Woche als erster Verleger in der amerikanischen Besetzungszone die Lizenz der amerikanischen Behörden, Bücher zu veröffentlichen. Im Namen des Oberbefehlshabers der amerikanischen Streitkräfte in Europa nahm Generalleutnant Frank W. Milburn im Hauptquartier der Siebenten Armee die Ueberrei- chung der Urkunde vor, die mit der Unterschrift von Generalmajor Robert McClure, dem Chef des Infor- mationskontrollamtes, besiegelt ist. Nach der Ueberreichung des Dokuments hielt Generalleutnant Milburn eine kurze Ansprache, in der er unter anderem ausführte: „Die Presse, das Buch und der Rundfunk wurden, neben anderen Methoden der Uebermittlung von Gedankengut, von den Nazis voll dazu ausgenutzt, um den deutschen Geist mit den falschen Idealen zu durchsetzen, mit denen die nationalsozialistische Führung versuchte, erst Europa und später die ganze Welt unter ihre Herrschaft zu bringen. Die gleichen Mittel, nämlich Bücher, Presse und Rundfunk, müssen jetzt wieder zum Instrument der Wahrheit und der menschlichen Würde werden, wenn Deutschland je seinen Platz in der Familie der friedliebenden und fortschrittlichen Völker wiedergewinnen will. Meister ist gewissermaßen der Wegbereiter. Von der Art, in der er sich des Vertrauens bedient, das ihm mit der Erteilung der Lizenz zuteil geworden ist, hängt es ab, wie sich die Zukunft des deutschen Verlagswesens gestalten wird." Der Meisterverlag, der sich im Hause BÄmerstraße 2 in Heidelberg befindet, wird Ei*!* Die Übetteichung der Urkunde sofort mit der Veröffentlichung einer Serie von Kleinausgaben klassischer Werke beginnen. Diese „Kleinen Bücher" werden Werke von Emerson, Poe und Lucian in deutscher Uebersetzung enthalten. Eine Anthologie unter dem Titel „Krieg — ein Verbrechen" mit Schriften von Tolstoi, de Maupassant und Strindberg, ist ebenfalls geplant. Meister hat auch vor, die Schriften deutscher Schriftsteller zu veröffentlichen, die während der Nazi-Herrschaft wegen ihrer friedliebenden und demokratischen Einstellung verboten waren. Er selbst hat einen Roman mit pazifistischer Tendenz geschrieben, den er aber bisher nicht drucken lassen durfte. Ein gebürtiger Heidelberger, trat Meister im Jahre 1912 in das Verlagswesen ein. Bei ihm erschienen bekannte klassische Werke in Kleinausgaben. Von jeher war er sehr an sportlichen Dingen interessiert, ist im Ausland als Vorsitzender der ehemaligen Deutschen Rugby-Liga bekannt und war Herausgeber einer Sportzeitschrift. In den letzten Kriegsjahren war er als Geschäftsführer einer Schwetzinger Druckerei tätig, nachdem seine eigene Firma geschlossen worden war. , Samum Unsere ständige Rubrik „Das freie Wort“ hat einen über alle Erwartungen starken Erfolg gehabt. Tausende von Lesern haben uns Briefe zur Veröffentli chung eingesandt, in denen sie zu den verschiedensten Fragen des politischen und allgemeinen Lebens Stellung genommen haben. Man konnte aus diesen Aeußerungen, von denen wir aus Raumgründen nur einen geringen Prozentsatz drucken konnten, ersehen, wie sehr die Menschen es als eine Erlösung empfanden, daß sie endlich wieder frei ihre Meinung sagen und schreiben durften, daß „Das freie Wort" wieder ihnen gehörte. Das freie Wort, die freie, verantwortungsvolle Meinungsäußerung ist eine der Grundlagen der Demokratie und die Grundlage der freien, demokratischen Presse. Wenn wir jetzt dep Namen der Rubrik ändern und die Diskussion in eine bestimmte Bahn lenken, so geschieht dies, weil die Erfahrung des Lebens gezeigt hat, daß heute in Deutschland ein Thema besonders wichtig ist: Selbsthilfe. Es ist für alle Leser unserer Zeitung von größter Wichtigkeit zu erfahren, wie sich andere Menschen, andere Gemeinden, andere Fabriken, an dere Städte, in der Notlage selbst geholfen haben. Ob es eine praktische Erfin düng ist, die einer gemacht hat, um sein Dach mit Altmaterial zu flicken, — ob eine Gruppe aus eigener Initiative einem hilfsbedürftigen Mitmenschen zur Seite gestanden hat — die Beispiele darüber, wie der Einzelne oder die Gemeinschaft schwierige Lagen gemeistert haben, sind mannigfach, und sollen Anderen zugute kommen. Wir fordern daher alle unsere Leser auf, uns unter dem Kennwort „Selbsthilfe" Briefe und Berichte dieser Art einzusenden, die wir veröffentlichen werden. Die Redaktion. pnuiiimiiiiimmmiimmiimiimmimmiitmmiiiiiiiiiimmmmi.mmmiiimiiiiiiitmiimmimimmimiiiNmimmmimiimimtiiiuniiimmuHmimmmiimiiitmiiimimuimimiimmHmNntiiiiiiiiumNiiumimimmimiMiimiiiiNutimiiiiiiiiimiHimumui Besetztes DEUTSCHLAND Neuer Militärgouverneur MANNHEIM. — Das Informationsamt der Militärregierung meidet: Die Befehlsgewalt für den Landeskommissärbezirk Nordbaden (Mannheim) ist letzte Woche auf Oberst Clifton Lisle übertragen worden. Oberstleutnant Charles Winning, der bisherige Militärgouverneur, ist nach Stuttgart berufen worden. — Oberst Lisle, der neue Militärgouverneur für den Landeskommissärbezirk Nordbaden (Mannheim) wurde am 27. November 1891 in Philadelphia, im Staate Pennsylvania geboren. Er studierte auf der Uni- versity of Pennsylvania, wo er im Jahre 1913 promovierte. Im Weltkriege diente er als Infanterist und wurde mit dem „Silver Star“ ausgezeichnet. Er nahm an der Argonnen- offensive teil und erreichte den Rang eines Hauptmannes. Von 19.41 bis. 1944 diente .er in Island als Offizier für Zivilangelegenheiten und Präsident der Kommission für Schuldansprüche. Für seine erfolgreiche Tätigkeit wurde ihm die Medaille der Verdienstlegion verliehen. Seine letzte Station war Kufstein, an der deutsch-österreichischen Grenze, wo er als Militärgouvemeur diente, bis dieses Gebiet unter einer Neuregelung von französischen Einheiten besetzt wurde. — Oberst Lisles Vorgänger im im Amt, Oberstleutnant Charles D. Winning, war der Kommandeur der Vorausabteilungen, die im Ruderboot den Neckar überquerten, als Mannheim noch unter Feuer stand und an allen Ecken brannte. Er machte sich um die Wiederherstellung normaler Verhältnisse in der Stadt sowie die Schaffung eines gesäuberten Verwaltungsapparates für Mannheim und den Landeskommissärbezirk verdient. Ein gebürtiger Kalifomier, widmete sich Winning dem Rechtsstudium auf der Universität von Kalifornien in Berkeley. Im letzten Krieg diente er als einfacher Soldat und später als Offizier im Generalstab der amerikanischen Expeditionsstreitkräfte in Rußland. Nach seiner Ausmusterung widmete sich Winning weiter seinen Studien und erhielt den Doktortitel der Universität von New York, deren Verwaltungsbeirat er angehört. Im Jahre 1943 trat er wieder in den Wehrdienst ein und bereitete sich in Fort Custer auf seine Tätigkeit als Militärgouverneur vor. teste- fceie Wahl WOHLMUTSHULL. — In dieser kleinen Ortschaft, die eine Einwohnerzahl von 480 Personen hat, wurden am 18. Juli 1945 um 8 Uhr abends die ersten freien Wahlen in Deutschland seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 abgehalten. Der Grund, warum gerade dieser kleine Ort auserkoren wurde, freie Wahlen durchführen zu dürfen, liegt darin, daß keiner der Ortsansässigen jemals Mitglied der NSDAP gewesen war. In dieser Wahl wurden acht Stellen besetzt, und zwar die Stelle eines Bürgermeisters, eines Beigeordneten, von vier Gemeinderäten und zwei Ersatzmännern. Es stand allen Wahlberechtigten frei, zu wählen, wen sie wollten. Johann Sponzel, ein Bauer von 44 Jahren, ist der neue Bürgermeister von Wohlmutshüll, und somit der erste Bürgermeister in Deutschland, der sich rühmen kann, in freier Wahl von seinen Mitbürgern in sein neues Amt berufen worden zu sein. BuaUtuUc Ausschuß pe&ildel BAMBERG. — Hier wurde am 9. August 1945 ein aus 20 Mitgliedern bestehender Ausschuß gebildet, der die Aufgabe hat, an der Ausmerzung der Nationalsozialisten aus dem öffentlichen Leben und bei der Bildung neuer Regierungs- und Verwaltungsstellen mitzuhelfen. Der Ausschuß, der alle Bevölkerungsschichten und Kreise Bambergs umfaßt, und dessen Mitglieder von der Militärregierung aufs genaueste überprüft worden waren, wird außerdem dem Oberbürgermeister und auch der Militärregierung in laufenden Fragen beratend zur Seite stehen. Idiedec UUeiMcUiffaUd WIESBADEN. — Wie der Chef der Pioniere der amerikanischen Armee bekannt gibt, wird der Rhein zwischen Köln und dem Mainzer Schloß ab 15. August wieder schiffbar sein. Bis dahin werden die Hindernisse, wie zerstörte Brücken und versenkte Schiffe, soweit beseitigt sein, daß eine Fahrrinne offen ist * MANNHEIM. — Im Abschnitt Karlsruhe— Worms, berichtet die Wirtschaftskammer, sind bisher 130 Schiffe gehoben worden. Das Schwergewicht der Schiffshebung wird nunmehr nach dem Rhein verlegt werden, um den niedrigen Wasserstand auszunutzen. Die Rheinbrücken in Speyer und Germersheim sind soweit fortgeschafft, daß eine Durchfahrt möglich ist. Die Rheinbrücke Mannheim-Ludwigshafen soll bis zum 15. August d. J. soweit geräumt sein, daß auch hier eine Fahrrinne cutsteht. Um bei der Wiederaufnahme der Rheinschiffahrt die Schiffe sofort einsetzen zu können, ist es notwendig, daß die Schiffahrtskreise beginnen, ihre gehobenen Schiffe fahrklar zu machen und für die notwendige Ausrüstung, die zum größten Teile abhanden gekommen ist, zu sorgen. ÖcfyaHUati&h. des AcfoUsatnUs KARLSRUHE. — Die Hauptstelle des Arbeitsamtes für den gesamten Landeskommissärbezirk Karlsruhe hat, wie die Militärregierung meldet, im Gebäude des früheren Arbeitsamtes in der Kapellenstraße ihre Tätigkeit im vollen Umfang aufgenommen. Es ist vorgesehen, in der näheren Zukunft verschiedene Aemter der Stadt Karlsruhe in demselben Gebäude zu vereinigen. Die Arbeitsamtshauptstelle wird für das gesamte Gebiet zuständig sein. Ihr unterstehen 7 Nebenstellen. — Nach einer Reihe von Konferenzen zwischen der Militärregierung und den Leitern der Arbeitsämter ist ein Plan für die Registrierung aller arbeitsfähigen deutschen Staatsangehörigen im Landeskommissärbezirk Karlsruhe ausgearbeitet worden. Alle männlichen Personen zwischen 14 und 65 Jahren und Frauen zwischen 14 und 45 Jahren fallen unter die Registrierungspflicht, der sie in der Zeit vom 6.—11. August nach- kommen müssen. Vleuu OfabucQUineUtec KARLSRUHE. — Die Militärregierung hat bekanntgegeben, daß der Rechtsantwalt Hermann'Veit zum Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe ernannt worden ist. Er tritt an die Stelle des bisher amtierenden Oberbürgermeisters Josef Heinrich. pAoh-BohicHoieft einUefecH HEIDELBERG. — Die Militärregierung gibt bekannt: Wie bereits vor einigen Tagen im Stuttgarter Rundfunk gemeldet wurde, werden die von der Reichsbank Salzburg (Oesterreich) kurz vor der Besetzung ausgegebenen, mittels Photokopie hergestellten Reichsbanknoten im Werte von 5, 10, 50 und 100 Mk. eingezogen. Dies betrifft folgende Nummern: G — 13 663 932 (5 RM), D — j 03 776 733 (10 RM), E — 06 647 727 (50 RM) und T — 7 396 475 (100 RM). Wer noch im Besitz solcher Noten ist, hat sie bis zum 10. August 1945 gegen Empfangsbescheinigung bei den Banken einzuliefern. Zu einem späteren Datum werden derartige Scheine nicht mehr angenommen. AHyäuec Hase MANNHEIM. — Wie die Wirtschaftskammer Mannheim meldet, ist es jetzt möglich, Käse aus dem Allgäu ohne weiteres per Bahn in das nordbadische Gebiet zu befördern, sodaß Treibstoff und Fahrzeuge für derartige Transporte in Zukunft eingespart werden können. Aus der gleichen Quelle erfahren wir, daß die Schwarzwaldbahn wieder ihren Betrieb aufgenommen hat. Dies bedeutet eine wesentliche Entlastung der Strecke Ulm—Stuttgart-Mühlacker—Karlsruhe. Auch der Verkehr nach Frankreich wird über die Albtalbahn geleitet werden. Die Rheinbrücke in Kehl ist von französischen Pionieren bereits wieder fahrbar gemacht worden. ETTLINGEN. — Seit letzter Woche hat die Albtalbahn ihren Betrieb zwischen Karlsruhe—Dammerstock und Herrenalb wieder aufgenommen. Der Güterverkehr auf der Strecke nach Ittersbach wurde ebenfalls wieder in beschränktem Maße hergestellt. Durch die Brückensprengungen war es bisher unmöglich gewesen, die Strecke bis zum Alb- talbahnhof wieder in Betrieb zu nehmen. fedscUe Anboten WEINHEIM. — Wie aus Laudenbach gemeldet wird, ist der dortige Polizeichef, Michael Nickel, verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert worden, weil ihm nachgewiesen wurde, daß er falsche Angaben auf dem von ihm ausgefüllten Fragebogen der Militärregierung gemacht hatte. Um seine Stellung zu wahren, hatte er alle Fragen, betreffs Zugehörigkeit zu Parteigliederungen verneint, trotzdem er Parteimitglied gewesen war. Er wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. — Die Strafsache gegen Jakob Kolb, wurde an ein höheres Militärgericht verwiesen. Kolb steht unter drei schwerwiegenden Anklagen: Sprengstoffbesitz', Fluchtversuch und Fälschung des nach seiner Verhaftung von ihm ausgefüllten Fragebogens. fciedU&f peeäu&ect BRUCHSAL. — Aus Mingolsheim wird gemeldet, daß der dortige jüdische Friedhof von den Nazis geschändet wurde, die dann das Andenken an ihre Schandtat dadurch zu verwischen suchten, daß sie Laub und Unkraut über die verwüsteten Gräber wachsen ließen. Der neue Bürgermeister hat nun angeordnet, laß alle ehemaligen nationalsozialistischen Männer bei der Restaurierung des Friedhofs außerhalb ihrer normalen Arbeitszeit mithelfen müssen. Die Grabsteine werden wieder aufgerichtet, die Wege in Ordnung gebracht und dem Friedhöf sein früheres würdiges Aussehen wieder gegeben. 2.5000 T&HH&t TtoUol BRUCHSAL — 150 Tonnen Rohöl werden täglich aus den Speicherröhren gepumpt, die in den Oelfeldem des Ubstadter Forstes und bei Weiher eingelassen sind. Man schätzt, daß etwa 25 000 Tonnen Rohöl in diesen Röhren aufgespeichert sind, die erst ausgepumpt werden müssen, bevor die tägliche Produktion des Oelfeldes selbst festgestellt werden kann. Vor der Besetzung betrug die Produktion etwa 420 Tonnen pro Tag. Die Quellen und die Maschinen, die elektrisch ■«trieben werden, haben keine Kriegsschäden erHtten. Qoetkes tyfadskms aetstöd Ein Teil der Ausstattung gerettet - Erinnerungen an die Kindheit des Dichters FRANKFURT. — Unser O.S.-Berichterstatter hat die Stätte besucht y an der. einst Goethes Geburtshaus in der schwer getroffenen Stadt Frankfurt stand. Im folgenden geben wir seine Eindrücke wieder: Hausrat geborgen Wir stehen in Frankfurt im Großen Hirschgraben, an jener ehrwürdigen Stelle, wo Deutschlands größter Genius, Johann Wolfgang Goethe, geboren ist. Um uns ein Trümmerhaufen, aus dem nur eine rauchgeschwärzte Mauer hie und da noch aufragt — Zeugen eines furchtbaren Krieges, in den ein verbrecherisches Regime und ein diesem Regime allzu gefügiges Volk Deutschland und die Welt gestürzt hat. Das alte Goethehaus ist zusammengesunken, und doch beschleicht uns die Ehrfurcht an diesem Ort, da wir der schönen Worte aus Goethes „Tasso" gedenken: „Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, sie ist geweiht für alle Zeiten." Es ist als hätte auch das Schicksal Ehrfurcht gehabt vor dieser geweihten Stätte, — denn als wir nun mit unserem Führer, Professor Ernst Beutler, dem langjährigen Vorsitzenden des Freien Deutschen Hochstifts und des Goethe-Museums, das Gelände betreten, erweist sich doch, daß manch Köstliches der Vernichtung entgangen ist. Der ganze Hausrat, die vielen Schmuck- und Kunstgegenstände sind zum Glück geborgen worden. Rechtzeitig hatte man sie aus dem bedrohten Frankfurt ln umliegende Schlösser und Landsitze geschafft, wo sie in guter Obhut sind — bis zu dem Tage, da sie wieder an ihren alten Platz zurückgeführt werden können. Selbst Kleinigkeiten hat man bewahren können: da sehen wir denn die Kupfertöpfe aus der Küche der Frau Rat, — da in einer Ecke lehnen die Pumpenstöcke und Schwengel, die jeder Zeit wieder über dem Brunnen im Hofe festgemacht werden können, und hier entdecken wir die alte, schön geformte Laterne, die Frau Rat vor sich hertragen ließ, wenn sie des Abends die Komödie besuchte, für die sie ja bis ins hohe Alter eine gern eingestandene Leidenschaft hatte. Der Klingelzug Wir schreiten über das Gelände — und überall sehen wir die Angestellten des Hochstifts an der Arbeit, zu enl schütten, die Stelle von Trümmern zu reinigen und damit Voraussetzungen zu schaffen für einen eventuellen späteren Wiederaufbau. Mit größter Vorsicht wird jeder Stein behandelt, sorgfältig gestapelt und geordnet, und durch diese Sorgfalt ist es gelungen, die wichtigsten Fassaden- und Pfeilerstücke des alten Goethehauses zu erhalten. Selbst der alte Klingelaug, der der Goethe- schen Familie Besucher ankündiyte, ist mit dem Mauerstück, an dem er befestigt war, erhalten — noch ist er von losem Geröll bedeckt, aber bald wird auch er freigelegt sein. Und nun‘kommen wir in das Gärtchen, das sich uns fast in seiner alten Freundlichkeit und friedlichen Stille präsentiert. Die Mauern, die es umgeben, sind stehen geblieben, wie in alten Zeiten rankt sich der Efeu an ihnen hoch, wie in alten Tagen tröpfelt im Hintergrund das kleine Brünnlein. Es wachsen zwar keine Tulpen mehr darin, sondern in kluger Voraussicht hat man ein paar Bohnen und Salatköpfe angepflanzt, — und wir glauben, daß der Dichter, der für das vorsorgend Tüchtige, für die „Forderung des Tages" so viel Verständnis hatte, damit von Herzen einverstanden wäre. Und die Salatköpfe werden bewacht von den beiden Bubenstatuen, die immer hier standen. Im Keller des Goethehauses selbst befinden sich sorgfältig verwahrt die alten Eisenöfchen, und, auseinandergenommeji, aber jederzeit zusammensetzbar, die schönen Majolikaöfen, die ein besonderer Schmuck de« Hauses waren. Da liegen aufeinander geschichtet die Kacheln des Ofens aus dem Gemäldezimmer, und daneben der Ofen aus dem Zimmer des französischen Offiziers Thorane, der in Goethes Haus einquartiert war, und von dem der kleine Wolfgang manches über Kunst und Literatur lernte. Die Goethe-Bibliothek Die Grundfesten wenigstens, sie stehen — und alles ist gerettet, was nur gerettet werden konnte. Gerettet und bewahrt durch die Männer und Frauen des Freien Deutschen Hochstiftes, das seit 1863 schon der Hüter und Schützer des Goethe-Hauses und Goethe-Museums ist. Die große und einzigartige Bibliothek des Hochstiftes, etwa 55 000 Bände über Goethe und seine Zeit — sie ist erhalten. Ein kleiner Teil von ihnen ist hier in dem Keller des Goethe-Museums verwahrt, der Rest in Sicherheit auf umliegenden Ausweichplätzen. Die Bevölkerung hat ihr Interesse an der schönen Sammlung nicht verloren, Geldspenden gehen ein, Bücher werden von Freunden zur Bereicherung der Bibliothek geschickt — kürzlich hat sich sogar ein Gönner gefunden, der einen Original- Goethebrief dem Museum zur Verfügung gestellt hat. Am Großen Hirschgraben, der Stelle von Goethes Geburt, wird man sich bewußt, daß das Unverlierbare unverloren geblieben ist. Und man denkt an das Wort des Dichters, das seine Wahrheit heute mehr erweist als je zuvor: Manches Herrliche der Welt Ist in Krieg und Streit zerronnen. Wer beschützet und erhält, Hat das schönste Los gewonnen. fesitut# Lutdsktf - August 1945 Hitlers Zelle kein Wallfahrtsort mehr - 90 Nationalsozialisten aus der Verwaltung entlassen LANDSBERG. - Am 20. Dezember 1924, um 12.15 Uhr, wurde Hitler gegen das Versprechen, daß er sich keine strafbaren Handlungen mehr zuschulden kommen lassen werde, nach l^jähriger Haft aus der Festung Landsberg entlassen. Unser O.B.- Sonderberichterstat- ter hat das Gefängnis und die Zelle, in der Hitler „Mein Kampf" geschrieben hatte, 21 Jahre später, nach der totalen Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands, besucht und hat darüber folgendes zu berichten: Starker Kontrast Das Gefängnis in Landsberg wurde im Jahre 1909 als Mustergefängnis ge-’ baut. Nur zum ersten Mal Bestrafte wurden dort untergebracht. Außerdem gab es eine Sonderabteilung für Gefangene, die zu Festungshaft verurteilt worden waren — meistens Offiziere, die wegen politischer oder nicht ehrenrühriger Delikte bestraft wurden. Hitler selbst wurde in der Abteilung für Festungshaft untergebracht. Daß die Haft nicht unerträglich für Hitler war, ergibt sich aus den Festungshaftbedingungen, die heute, nach den Konzentrationslager-Erfahrungen, jedem Deutschen wie eine Schlaraffenlandidylle Vorkommen. Die Häftlinge durften täglich fünf Stunden spazieren gehen. Sie erhielten ^ Liter Wein pro Tag und durften rauchen so viel sie wollten. Licht durften sie jederzeit benützen, mußten jedoch nach 10 Uhr abends dafür bezahlen. Da Hitler von seinen Mitverschworenen aus politischen Demonstrationsgründen täglich besucht wurde, sah sich die Gefängnisverwaltung schließlich gezwungen, die Anzahl seiner Besucher auf 20 Personen pro Tag zu reduzieren. Man muß diese Zustände mit der Ernährungslage in dem gleichen Gefängnis vom Januar bis April 1945 ver- Die Kapelle des Gefängnisses Landsberg gleichen, — in diesen Monaten starben dort 128 Häftlinge an Auszehrung, Schwäche und Tuberkulose, da den Gefangenen nur noch Wasser und ein paar Kartoffeln als Nahrung gegeben wurden. Als die Amerikaner in Landsberg einzogen, wurde die Marmortafel, die besagte: „In der Zeit der schrecklichen Systemregierung befand sich Deutschlands größter Sohn, Adolf Hitler, hier in Haft“, entfernt. An dem gleichen Tage, dem 27. April 1945, wurde auch sein Bild aus der Zelle entfernt. Der leere Rahmen hängt noch schief an der kahlen Wand. Möbelfabrikation Das Gefängnis ist beinahe vollkommen unabhängig von Lieferungen aus dem Lande. Es erzeugt sein eigenes Gemüse, es bäckt sein eigenes Brot und hat seine eigene Gärtnerei, seinen Gutshof, seine Schuhmacherwerkstätte eine große Kirche, die 500 Personen faßt, eine Krankenabteilung und eine eigene Kapelle, eine Bibliothek und sogar seine eigene Lichtanlage. Das Gefängnis ist ein Kreuzbau: von der Zentrale können sämtliche Zellengänge übersehen werden. Alle 240 Häftlinge sind beschäftigt, und ein Teil von ihnen erzeugt auf Anordnung der Militärregierung Möbel für Bombengeschädigte. Unter der Leitung des Verwaltungsinspektors Singer hofft die Gefängnisverwaltung, durch diese Erzeugnisse am Aufbau Deutschlands mithelfen zu können.