'mm l p## -¥## |M#s Sr 5R MßW w^m -MS- WM MKK- item XMM LüWK A' ■' Mntetfajf W ro . 35 « _Vrchchnttr Jahrgang. 1 * 40 . Brücke von Shurkota. (Mit einer Abbildung.) 1'nk. XXV. ir haben in diesem und dem vorigen Jahrgange unseres Blattes schon manche Beschreibung des Himalaya- Gebirges mitgetheilt, aber noch nichts von dem Culturzu- stande der Einwohner dieses großartigen Gebirgslandes. Bor unser» Augen liegt heute ein Werk ihres Scharfsinnes und ihrer Industrie, eine Probe, wie weit diese Menschen es in der Baukunst gebracht haben. Wen» ein Strom zu breit ist, als daß man von einem Ufer zum andern einzelne Bäume legen kann, so errichtet man an beiden steinerne Strebepfeiler. Auf diese legt man Reihen abgestutzter Balken, welche ganz nahe an einander liegen und ohngefähr nur ein Viertel ihrer Länge in den Strom hinausragen, während die übrigen Theile auf dem Pfeiler ruhen. Ueber diese legt man'eine andere Reihe von Balken, welche noch weiter hervorragen und von den untern unterstützt und getragen werden. Auf diese Weise erheben sich die Seiten, Lage über Lage, bis der leere Zwischenraum zwischen beiden von einzelnen langen Balken ausgefüllt werden kann. Das ganze Werk ist sehr geschickt zusammenge- sügt, da dabei weder Klammern, noch Seile oder Nägel angewandt werden. Der gänzliche Mangel dieser Geräthe und das Eisenwerk, welches ein Europäischer Arbeiter für jedes Gerüst dieser Art unumgänglich nothwendig erachten würde, ist aus eine sehr scharfsinnige Weise durch Kunstgriffe ersetzt, welche dem Zwecke vollkommen entsprechen. Selbst das Mauerwerk wird von einem Kreuzgebälke, zusammengehalten, das die Stelle des Mörtels vertritt und so bewunderungswürdig angebracht ist, daß es der Arbeit große Festigkeit und Dauer giebt. Die Plattform der Brücke ist auf beiden Seiten mit Geländern versehen; aber obgleich sie einigen Schein von Sicherheit gewähren, so erfordert doch das beständige Schwanken der Planken und die reißende Schnelligkeit des Stromes, welche unten zwischen den Felsen hin- ranscht eine gewisse Geistesgegenwart, wenn man nicht von Schwindel überfallen werden soll. Die Brücke von Bhurkota ist von einer Art Lerchenbaum erbaut und der Strom wird von einigen schonen Erlen überschattet, welche hier eine riesenmäßige Größe erreichen. Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß die Besitznahme des Himalaya durch die Briten und die Einführung einer mehr wissenschaftlichen Methode, die Erzeugnisse des Landes zu cultiviren, sehr viel zur Verbesserung des Zustandes der Eingebornen beitragen wird. Ihre bisherige Armuth ist einzig und allein die Wirkung ihrer Unwissenheit, denn obgleich derLandwirih hier mit einer großen Menge natürlicher Hindernisse und Schwierigkeiten zu kämpfen hat, so würde doch ein 'höherer Grad von Bilrung und eine bessere Bekanntschaft mit den Grundsätzen des Landbaues, diese Schwierigkeiten aufwiegen und nicht bloß den Boden zur Ernährung einer größern Bevölkerung tüchtig machen, sondern auch dessen Ausfuhrartikel bedeutend vermehren. Die Bergbewohner, oder P»hartes, wie man das Völkchen nennt, zeigen, wenn sie auch an geistigen Fähigkeiten den Bewohnern 98 der Ebenen nicht gleichkommen, doch keinen Mangel an Fassungskraft und Verstand, und konnte» leicht dahin gebracht werden, die Mittel zur Verschaffung größerer Lebensbequemlichkeiten kennen zu lernen. Aber für eine Tugend, welche wesentlich nvthwendig wäre, wenn sie ihren europäischen Gästen angenehm sein sollten, haben sie keinen Sinn, und diese ist — Reinlichkeit. Es ist ausserordentlich schwer einem Volke das im Schmutz ausgewachsen ist, die Vortheile dieses für alle erreichbaren wohlfeilen Luxus und das Abschreckende ihrer Gewohnheiten begreiflich zu machen und es zu bewegen, eine bessere Lebensart sich anzneignen. DaS Beispiel wirkt hier gar nichts. Jeder Ausflug in den Himalapa liefert dem Europäer neue Beweise dieses eingerosteten, unvertilgbaren Fehlers und aller seiner häßlichen Beigaben, und während der Reisende die malerische Lage der Dörfer und den Scharfsinn bewundert, der sich in der Bauart der Häuser und Brücken kund giebt, wird sein Gernchsorgan, so wie sein Auge von dem überall herrschenden Schmutz im Innern der Wohnungen auf eine unerträgliche Weise verletzt. Da sie die Vortheile der Vertheilung der Geschäfte nicht kennen, so werden alle mechanische» Arbeiten, die zum Lebensunterhalt gehören, jedesmal auf ein Individuum gehäuft, und man sieht daher den Zimmermann, Maurer, Weber und Schneider rc. in einer und derselben Person. Die größere Zahl der Bergbewohner nennen sich Rajpoots (Krieger) aber sie haben gewiß für diesen Titel kein Recht, da sie im höchsten Grade unkriegerisch und entartet und viel gefühlloser sind als Gebirgsvölker sonst zu sein pflegen. Die Hindus in den Ebenen haben doch noch eine Art von Ehrgefühl, von Achtung gegen Sittlichkeit und beweisen gegen ihre Frauen eine gewisse Rücksicht. Aber in diesen Gebirgsgegenden scheint das sittliche Zartgefühl beinahe ganz erstickt und die Frauen werden nur als eine theure Waare betrachtet. Der Mann kauft seine Gattin und darf sie dann wie eine Sklavin behandeln. Ja, es herrscht sogar die Unsitte, die Kinder, die den Eltern lästig fallen, zu tödten, und dieses Loos trifft vorzüglich die Mädchen. Ein so elender Zustand des Familienlebens kann nicht anders als hindernd und nachtheilig für die Civi- lisation des Volkes sein, und es ist daher mit der Besitznahme des Landes durch die Europäer diesen armen Kindern der Unwissenheit und des Verderbens gewiß der Tag des Lichtes und der Erlösung gekommen. Der Sohn Äer Jüdin. Erzählung aus der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts. (MitzweiComposirionen v. F. W. Fasel. Tab. XIII. u. XIV.) >$rankreich hatte in der Schlacht von Crecy die Blüthe seines Adels verloren; die Stadt Calais war eine Beute der Engländer geworden, und, — als wenn des Unglücks noch nicht genug wäre — ein Todeshauch wehte Verderben und Verwüstung über das Königreich. Es war die schwarze Pest! — so hieß die Seuche, welche im Jahre 1346 im achtzehnten Regierungsjahre Philipps von Valois, Frankreich und mit ihm zugleich halb Europa heimsuchte; eine Seuche, ohne Erbarmen, die in ihrem verderblichen Laufe nichts hemmte, die eben sowohl an den goldenen Pforten der Palläste, wie an den schlöfferlosen Thüren der Hütten anklvpfte. Könige und Mönche, Fürsten und Bürger, Edelleute und Leibeigene, Alles ward ohne Unterschied des Ranges und der Macht von ihr ergriffen. Wenn indeß die Ansteckung in allen Städten des Königreichs wüthete, so hatte sie doch vorzüglich für Paris ihren bittersten Jammer und ihre zerreißenden Qualen aufgespart. Die fürchterliche Pest hatte sich plötzlich auf die große Citö geworfen und ihre entfleischten Arme von dem einen Ende bis zum andern ausstreckend, schien sie die ganze Bevölkerung unter ihrer cvnvulsivischen Umschlingung erdrücken zu wollen. Es war ein gräßliches Schauspiel, das damals die Straßen, die öffentlichen Plätze und Kreuzwege von Paris darboten. Der Tod bei jedem Schritte, aber ein scheußlicher und grauenvoller Tod; überall Stille, die Stille der Trauer, der Furcht und des Schreckens! Der Boden war mit Leichnamen überdeckt, die Häuser sorgfältig geschlossen. Niemand in den Straßen; oder wenn durch Zufall ein einsamer Fußgänger sie zu überschreiten wagte, so lief er mit solcher Haft, daß man hätte glauben können, er werde von der Seuche verfolgt, deren Angriff er zu vermeiden suchte. Bei diesem 'allgemeinen Unglück schienen alle Bande zerrissen; der Freund floh den Freund, der Gatte die geliebte Gefährtin, der Sohn selbst, der Sohn fürchtete unter den Liebkosungen der Mutter den verborgenen Tod zu finden! .... Die Selbstsucht allein war Meisterin; sie triumphirte über alle edler«, ja selbst über die heiligsten Gefühle; so sehr hatte der Schwindel der Furcht sich aller Seelen bemächtigt. Einige Frauen vielleicht waren die einzigen, die von dieser moralische», Pest des Herzens nicht ergriffen wurden, die einzigen, die erfüllt von Liebe und Ergebung den sichern Tod nicht achteten, indem sie nur in der Sorge für ihre Kinder lebten. Weit mehr ja lebt eine edle Mutter in ihrem Sohne, als in sich selbst; weil fast immer das Kind den schöner» Theil ihres in zwei Körper vertheilten Daseins für sich nimmt. Unter diesen frommen Frauen war ohne Zweifel die frömmste Sara Felix. Ihr Name wurde nie anders als mit Verehrung und Dankbarkeit in der Straße Parchemi- nerie, die sie bewohnte, ausgesprochen, und alle ihre Nachbarn näherten sich ihr statt zu fliehen, stets mit der sichern Hoffnung, wenn auch nicht ein wirksames Heilmittel für ihr Leiden, doch wenigstens einen Trost im Augenblick der Trübsal zu finden. Sie lebte mit ihrem Sohne, einem Kinde dem sie ihre ganze Liebe weihte, in stiller Zurückgezogenheit; denn die Pest hatte sie zur Wittwe gemacht und Jakob war das einzige Pfand, das ihr von dem theuern Bande geblieben war. Jedoch bestand ihre Familie nicht allein aus diesem geliebten Wesen; sie sah alle diejenigen, die in der Straße wohnten, als ihre Brüder an; denn sie waren alle Juden, wie sie, und diese Unglücklichen, welche in jener finstern Zeit überall verabscheut und zurückgestoßen waren, fanden nur in ihrer Eintracht einen Ersatz für die Verachtung, die sie in einen elenden Winkel der Stadt verbannt hatte. Es war also schon ihre Religion der sie die Freundschaft aller ihrer Nachbarn verdankte; was sie aber noch mehr auszeichnete, das war die Kenntniß gewisser Heilmittel gegen die Pest, welche sie während eines Aufenthaltes von mehreren Jahren im Morgenlande erworben hatte. Der Balsam, den sie bereitete, hatte, wenn er bei Anfang des Uebels angewendet wurde, allemal die glücklichste Wirkung gehabt und der wohlthätigen Sara die Erkenntlichkeit Aller gewonnen, die sie umgaben. Da die Jüdin mit dem Schatze, den sie für die Gesundheit besaß, nicht geizig war, so geschah es, daß eines Morgens dieser Schatz erschöpft war. Und doch verdoppelte gerade an diesem Tage die Pest, wie wenn sie diesen Mangel ihres Feindes wüßte, ihre Wuth und gar viele Stimmen ließen sich an Saras Thüre vernehmen, die ihr Mitleid auflehten. Plötzlich bemerkte sie, daß ihr eine der zur Bereitung des Trankes nöthigen Pflanzen fehle und rief ihren Sohn. „Jakob, sagte sie, mein Kind, hörst du die kläglichen Stimmen, die sich auf der Straße erheben?" „„Ja, meine Mutter, antwortete Jakob das ist Daniel Ledohe und Hiob Kaufmann, welche von der Pest ergriffen sind." " „Arme Freunde! .... Wenn« du im Stande wärest, sie zu retten, mein Sohn? würdest du ..... ?" „„Ob ich würde? Mutter! .... Sprich, wie kann ich es?"" „Wenn du durch die Stadt hinaus .... erwiderte Sara. Aber plötzlich stockte sie; ihre Wangen wurden blaß und ihre Augen füllten sich mit Thränen." „Nein, nein! du sollst nicht", fuhr sie lebhaft fort, wie wenn sie mit sich selbst spräche. — „Armes Kind" das hieße dein Leben opfern, um das ihrige zu retten .... „Oh,- nein, ich kann nicht." „ „Was ist dir, liebe Mutter? rief das Kind, indem es die tiefe Bewegung bemerkte, die die Züge seiner Mutter entstellte."" „Jakob, antwortete sie zaudernd — würde es nicht besser sein, sie ohne Hülfe zu lassen?" „„Wie, Mutter, was denkst du?"" „Es ist nicht recht, gar nicht recht, ich weiß es; aber es ist mir ein schrecklicher Gedanke gekommen .... Wenn du mitten durch die vielen Leichname durch die Stadt gingst, du würdest ansteckende und gefährliche Luft athmen . . . . und vielleicht . . . . " Hier versagte der armen Jüdin plötzlich die Stimme und tiefes Schluchzen drängte sich aus ihrer Brust. „„Was thut das, Mutter, antwortete Jakob entschlossen, — sagt das Gesetz Moses nicht: helfet und tröstet einander? — Es sind unsere Brüder .... ich eile . . . ."" „Ja, mein Kind, mein geliebter Jakob du hast Recht .... ja du bist der Ruhm der armen Sara — rief sie, ihn umarmend, .... Gott wird dich schützen; der Herr wird dir gnädig sein .... er wird mir mein Zögern verzeihen, wenn er das große Opfer ansieht, das ich bringe." „„Also durch die Stadt soll ich gehen und wohin?"" „ Nach dem Kloster Saint Nikolas, hinter der Abtey .... da allein wächst die zur Bereitung des Trankes nöthige Pflanze." Sie gab ihm alsdann mit ruhigem Tone alle Anweisungen mit deren Hülfe das Kind die Pflanze erkennen konnte, von welcher das Leben so vieler Menschen abhing, und als sie geendigt hatte, fügte sie mit einer von Rührung zitternden Stimme hinzu: „Gehe nun, mein vielgeliebter Jakob .... ich stelle dich unter den Schutz des Gottes Israels .... sei vorsichtig, vermeide sorgfältig die sonst am meisten besuchten Straßen: es sind die gefährlichsten in den Tagen der Pest .... Wenn ein Vorübergehender, sei es selbst einer unserer Brüder, dich aufhalten will, fliehe, was du kannst und erinnere dich, daß von deiner Schnelligkeit das Heil oder der Tod vieler Unglücklichen . . . . ja deiner Mutter 100 selbst, abhängt; denn, wenn ich dich verlieren sollte, [fb würde dieses Leben nichts mehr für mich sein, als ein Thränenthal und mir nichts übrig bleiben als mich in Trauer zu kleiden." Die unglückliche Mutter, welche der Schmerz um den Weggang ihres Sohnes beinahe niederdrückte, weinte bitterlich. Jakob ersah diesen Moment, und eilte nach der Thüre. „„Adieu, Mutter! — rief er mit einer Stimme, welche die Begeisterung stärkte, — der Herr wird den schützen, der seinem Volke sich weiht."" „Nein, Jakob, .... mein Sohn . . . .! bleibe, bleibe! . . . . wiederholte die arme Sara schluchzend. Doch Jakob war schon hinweg. Sie stürzte nach, um ihn zurückzuhalten, aber es war zu spät; das Geräusch der zufallenden Hausthüre sagte ihr, daß ihr Sohn gegangen sey — ach, vielleicht, um nicht mehr wiederzukehren. Ein kalter Schweiß stand auf ihrer Stirne; tausend düstre, schreckenvolle Bilder schwebten vor ihren Augen; kalt, wankend und kraftlos, ließ sie sich auf ihre Kniee nieder und suchte im Gebete eine Zuflucht gegen die grausamen Beklemmungen der Angst. In dem Ouartier des Jnnvcens, unfern von dem Kloster St. Agnes, sah man ein kleines Haus, dessen Erker ohngefähr vier Fuß in die Straße heraus ragte. Dieses Haus schien, obgleich es klein war, doch einem reichen Bürger zu gehören; denn die Zimmerarbeit war künstlicher und zierlicher, als die der Nachbargebäude; und ein von Holz geschnitztes Heiligenbild, das auf dem Gipfel des Erkers stand, ließ errathen, daß der Inhaber nichts gespart habe, um seine Wohnung zu einer der kenntlichsten in der Stadt zu machen. An dem Tage jedoch, von welchem wir sprechen, war es weder die zierliche Zimmerarbeit, noch das Bild des Heiligen, welches die Blicke der wenigen Vorübergehenden auf sich zog: eine Schaar Pestkranker heulte an der Pforte dieser Wohnung und flehte die Hülfe an, die nicht erschien. Die kränksten, welche sich durch das unnütze Geschrei erschöpft hatten, fanden bald in dem Tode das Heilmittel ihres Uebels; aber der Lärm hörte nicht auf; von allen Seiten her schleppten sich Unglückliche nach dieser Wohnung, wie nach einem Hafen des Heils, und vermehrten die vor der Pforte gelagerten Schaaren. Das anfangs klägliche Geschrei ward alsbald wüthend, weil es im Hause ganz stille war. Einige der Stärksten suchten die Thüre zu erbrechen aber sie widerstand ihren Anstrengungen. Steine flogen nach den Fenstern, aber die Fenster blieben geschlossen. „Der verdammte Doktor! — schrie Einer — er behält seine Teufelsmedizin für sich, sagte ein Anderer." „Laßt uns das Haus des Herenmeisters anstecken, rief ein Dritter." Wahrscheinlich wäre dieser Rath befolgt und ein Feuerbrand in das Haus des Arztes geschleudert worden, hätten nicht jetzt die zehn oder zwölf Unglücklichen, welche die Todesfurcht in Wuth gesetzt hatte, mehrere Leute von dem öffentlichen Platze her auf das Haus zukommen sehen. „Da kommt er — schrie einer der Kranken. Notre Dame, Heilige Mutter Gottes gieb ihm die Kraft uns zu heilen. Alsbald ftürtzten sie sich auf ihn los; aber gewaffnete Männer, welche den Arzt begleiteten, stießen die Unglücklichen mit ihren Piken zurück, und sie fielen da und dort nieder, gebeugt wie reife Aehren. Außer dem Trupp Soldaten, welche den Arzt umgaben, folgten ihm einige Männer mit einem Karren und räumten die Straßen von den Leichnamen, die in ihnen zerstreut lagen. Am Morgen dieses Tages nemlich hatte der Doktor, welcher der Leibarzt des Königs Philipp war, diesem erklärt, daß er ohne diese Maßregel keine Hoffnung habe, der Seuche zu steuern. Was ist das? — rief er, dem Hause sich nähernd. — Schafft alle diese Körper hinweg! Seine Befehle wurden auf das Eiligste befolgt; und als dieß geschehen war, zog der Arzt eine Phiole aus seiner Tasche, und spritzte deren Inhalt auf das Pflaster, welcher alsbald einen starken Geruch verbreitete. Auch theilte er allen denen, die ihn begleitet hatten, eine kleine Quantität von dieser geistigen Flüssigkeit aus, die sie mit größter Begierde empfingen; dann trat er in Begleitung eines jungen Mannes in sein Haus, den man noch nicht bemerkt hatte, weil er sich bescheiden hinter seinem Lehrer hielt. Als er in feinem Laboratorium angekommen war, so war sein erstes, daß er auf ein Kohlenbecken einige trockene Pflanzen warf, deren Rauch sich alsbald duftend erhob. Hierauf rieb er sich die Hände und Schläfe mit Kampfer. Der junge Mann ahmte seinem Lehrer in Allem nach, und nachdem beide alle Vorsichtsmaßregeln gegen die Seuche ergriffen hatten, ließ sich der Doktor in einen Lehnstuhl nieder und schien tief nachzudenken. (Fortsetzung folgt.) Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der C. F. Müller'schen Hvfbuchhandlung.