TAGESZEITUNG DER DEMOKRATISCHEN PARTEI FÜR BADEN ✓erlaa. Demokratische Verlagsgesellschoft mbH. Lahr /Beden)# Bankkonto« Oberrheinische Bank, Filiale Lahr, Postscheckkonto 4400 Freibarg, Redaktion. Lahi, Telefon 2365 ~ Geschäftsstelle and Berirksredaktion. Rastatt, Telefon 2557 Postscheckkonto Karlsruhe 2046 Girokonto Bezirkssparkasse Rastatt Geschäftsstelle and Bexirksredaktion Offenburg, Telefon 1339 Geschäftsstelle and Berirksredaktion Freibarg i. Br., Teleion ü765 Geschäftsstelle and Berirks- redaklion Lörrach, Telefon 2431 Ersoheinnngstage» Dienstag, Donnerstag, Samstag — Bezugspreis* DM 2.— einschließlich Trägerlohn, DM 2.20 bei Postbesag Gültige Anzeigen* and Preisliste 4 — Telegiamm-Adresse. „Neabaden" NR. 3/3. JAHRG. A B SAMSTAG, DEN 8. JANUAR 1949 PREIS 20 PFENNIG Bildung des Südweststaates ist deutsche Verpflichtung Vom Landesvertretertag der DVP Württemberg*Baden / Südweststaat würde Säule der Ruhe und des Ftiedens darstellen / Deutschland braucht seine eigene, keine fremde Demokratie / Lösung von innerlichem Stammesbewußtsein notwendig Wasserknappheit gefährdet Elektrizitätsversorgung in Südbaden — Kommunisten wollen keinen Frieden in China Stuttgart. Am Mittwoch wurde der Landesvertretertag der DVP Württemberg-Baden im Gebäude des Landtages in Stuttgart eröffnet. Während Rechtsanwalt Dr. Leuze die Grüße der südwürttembergischen DVP überbrachte, gab der stellv. Landesvorsitzende der DP Südbadens, Generalsekretär Wolf, seinerseits der Hoffnung Ausdruck, daß der Südweststaat im Jahre 1949 auf Grund der Karlsruher Beschlüsse vom August 1948 Wirklichkeit werde. „Die Bildung des Südweststaates“, so stellte Generalsekretär Wolf unter Beifall fest, „ist eine deutsche Verpflichtung“. Die Grüße der bayerischen FDP überbrachte Generalsekretär Kusch- m a n n. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied Ernst Mayer hielt ein Referat über das Thema „Freiheit in Sicherheit“. Auf die Entwicklung der Demokratie in Deutschland eingehend, sagte der Landesvorsitzende der DVP Württemberg - Badens Dr. Haußmann, daß im Jahre 1949 den demokratischen Institutionen die Möglichkeit einer freien Entfaltung und damit einer Bewährung in den Augen des deutschen Volkes gegeben werden müsse oder das Wort Demokratie werde in Deutschland vollends zum bitteren Gespött. Die halbfertigen demokratischen Institutionen befänden sich in einer unhaltbaren Lage zwischen den Besatzungsmächten und der deutschen Bevölkerung, was nicht nur für die Landtage, sondern in noch viel stärkerem Maße für Frankfurt und Bonn gelte. Es müsse den Besatzungsmächten immer wieder gesagt werden, ehe es zu spät sei, daß sie die demokratischen Institutionen, die sie selbst angeregt hätten, durch ihre dauernde Mißachtung nicht um jeden Kredit bringen dürften, wenn sie ein demokratisches Deutschland wünschten. Anschließend sprach Dr. Hermann Keßler, MdL, über die Rechtsstellung der Beamten im Staat und erklärte, daß das vom württembergischen Landtag beschlossene Gesetz über die politische Tätigkeit der Beamten aller Wahrscheinlichkeit nach von OMGUS Berlin abgelehnt werde. In diesem Zusammenhang äußerte Dr. Keßler, man sei sich darüber klar, daß alle Empfehlungen der Amerikaner an die Deutschen in Wirklichkeit Befehle seien. Abschließend führte Dr. Keßler aus, daß auf dem Gebiet des Beamtenrechts eine völlig neue Idee geboren werden müsse. In der folgenden Aussprache nahm Ministerpräsident Reinhold Maier zum Problem des Südweststaates Stellung. Die Diskussion um den Südweststaat, so führte der Ministerpräsident aus, sei nicht eingestellt worden, weil gegen diesen Staat so viel polemisiert wurde, sondern weü die Gefahr der Zerredung der Südwestpläne bestanden habe. Sachlich würden diese Pläne mit aller Konsequenz verfolgt. Die Stellungnahme der Militärgouverneure ist nach den Ausführungen Dr. Maiers in Kürze zu erwarten. Er könne als Regierungschef niemals für eine Teülösung dieser Staatenbildung eintreten, erklärte Dr. Maier weiter. Nordwürttemberg und Nordbaden würden sich als starke Klammern des Zusammenschlusses erweisen. Der Gesamtzusammenschluß sei wahrscheinlich leichter zu erreichen als eine Teillösung. Ganz Deutschland habe ein großes Interesse an einem lebensfähigen Staat im Südwesten, der eine Säule der Ruhe und des Friedens in Europa darstellen werde. Auf einer Kundgebung am Donnerstag behandelte Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier das Verhältnis Deutschlands zu den Besatzungsmächten und die Aufgabe der Deutschen bei der Schaffung einer Demokratie. Mit dem Ruf nach Exportfreiheit verband er die Bitte an die Militärregierung, den Deutschen mit der „Fairneß anständiger Geschäftsleute“ entgegenzutreten. Deutschland, so betonte der Ministerpräsident, bekenne sich zur westlichen Kultur, müsse und wolle aber eine eigene Form der Demokratie suchen. „Die Deutschen wollen die Demokratie, aber eine eigene, eine fremde nützt uns und Euch ’fhts“. Er forderte die Bevölkerung auf, ein richtiges Verhältnis zur Besatzungsmacht zu nnaen. In der US-Zone gebe es die Freiheit aer Meinungsäußerung, man solle getrost von l nr P ebrauch machen und „das Richtige zur rechten Zeit sagen“. Außerdem sei es drin- notwendig, innerpolitischen Frieden zu schatten, die deutsche Zwietracht müsse ein lur Mlemal aufhören. Dr. Maier bekannte sich zu einer mit Vernunft geführten freien Wirtschaft Der freie Staat brauche frei schaffende Menschen. * Der 1. Vorsitzende der FDP in den Westzonen, Professor Dr/ Theodor Heuß, referierte anschließend über die Verfassungsarbeiten in Bonn. „Wir sind nach Bonn gegangen, weil unser deutsches Gewissen uns die Legitimität gibt, dort für die deutsche Sache zu arbeiten“, sagte er. Die Delegierten schafften in Bonn den Rahmen, in dem in Deutschland einmal legitime Politik gemacht werden könne. Zu der Frage, ob Deutschland föderativ oder zentralistisch gestaltet sein werde, erklärte Professor Heuß: „Wir wissen, daß wir keinen zentralistischen Staat bekommen — und wir wollen ihn auch nicht.“ Es sei aber notwendig, sich, vor allem den Flüchtlingen gegenüber, „vom Stammesbewußtsein innerlich frei zu machen“. Paris. Der Atlantik-Pakt, ein Verteidigungsbündnis zwischen den Westunionsstaaten, den USA und Kanada, soll, wie am Donnerstag in Paris aus zuverlässigen diplomatischen Kreisen verlautet, Ende Januar unterzeichnet ' werden. Zur „atlantischen Sicherheitszone“ sollen im Vertragsentwurf auch Island, Norwegen und Dänemark gehören. Diese Staaten können jedoch, Wie weiter verlautet, die ihnen im Pakt vorgeschlagenen Verpflichtungen annehmen oder ablehnen. Der atlantische Verteidigungspakt, über den seit langem in Washington verhandelt wird, muß nach seiner Unterzeichnung noch von Washington. Die Botschafter, Gesandten und anderen diplomatischen Vertreter vieler ausländischer Regierungen wohnten am Mittwochabend der gemeinsamen Sitzung beider Häuser des amerikanischen Kongresses bei, in der Präsident Truman seine „State of the Union“-Botschaft verlas. Die wirtschaftliche und soziale Tragweite der Botschaft des Präsidenten Truman überragt bei weitem alles, was seine Vorgänger — einschließlich Roosevelt — je dem amerikanischen Parlament unterbreitet haben. Der Präsident forderte den Kongreß auf, folgende Punkte gesetzlich festzulegen: 1. Erneuerung und Erweiterung der Kon- trollvollmachten des Präsidenten über die- Verbraucherkredite sowie Erweiterung der Vollmachten zur Kontrolle der Bankkredite; 2. Ermächtigung des Präsidenten zur Regelung des Verkehrs an der Warenbörse; 3. Aufrechterhaltung der Exportkontrolle und der Mittel zu ihrer Durchführung. 4. Aufrechterhaltung der Vollmachten für Zuteilungen und Festsetzung von Dringlichkeitsstufen auf dem Gebiete des Verkehrswe- ssns* 5. Beibehaltung des Systems der Prioritäten und der Kontingentierung bei wichtigen Rohstoffen, die nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen; 6. Ausdehnung und Verschärfung der Kontrolle über die Mietpreise; 7. Ermächtigung des Präsidenten durch Festsetzung von Höchstpreisen für Mangelwaren und Beschränkung ungerechtfertigter Lohnerhöhungen, die zu einem Ueberschreiten der Höchstpreise führen könnten; 8. Vollmacht zur Erforschung der Möglichkeiten zur Steigerung ungenügender Erzeugungen, wie zum Beispiel der Stahlproduktion und nötigenfalls Ermächtigung der Regierung, die Förderung der Herstellung dieser Erzeugnisse zu finanzieren; Der Präsident zählte sodann eine Reihe von Maßnahmen auf, die er zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und des Wohlstandes als notwendig erachtet. Der wesentliche Sinn seiner Botschaft besteht nach ihm darin, die Gesetze gegen die Trusts zu festigen, das Programm der landwirtschaftlichen Entwicklung zu verbessern, die Politik zur Beibehaltung der Die FDP-Fraktion ln Bonn sei nicht, wie vielfach behauptet werde, das Zünglein an der Waage, sondern habe eine echte Mittler- Aufgabe, damit die beiden großen Parteien, SPD und CDU, zu einem „fruchtbaren Kompromiß im Geben und Nehmen“ kommen Heuß beklagte sich über „politische Instinktlosigkeit“ der Kirche, die auf die Auseinandersetzungen in Bonn Einfluß zu nehmen versuche, und betonte dabei, daß es nicht angebracht sei, wenn sich die Kirchen auf die Parteien und die Parteien auf die Kirchen stützten. Der bisherige Vorstand der DVP Württemberg-Badens wurde auf der Landesvertretertagung am Donnerstag wiedergewählt: L Vorsitzender bleibt Dr. Wolf gang Haußmann, 2. Vorsitzender Dr. Hermann Keßler und geschäftsführender Landesvorsitzender Ernst Mayer. den Parlamenten der Signatarmächte’ ratifiziert werden. Skandinavische Geheimkonferenz Stockholm. Die Ministerpräsidenten, Außen- und Verteidigungsminister von Schweden, Dänemark und Norwegen haben, wie am Donnerstag in einem Kommunique des schwedischen Außenministeriums bekanntgegeben wurde, auf einer zweitägigen Geheimkonferenz in Karlstad an der norwegischen Grenze „Bedingungen zur Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten auf dem Gebiete der Verteidigung“ erörtert. Eine weitere Ministerkonferenz, heißt es in dem Kommunique, soll nach Beendigung der Arbeiten des skandinavischen Verteidigungsausschusses in Kopenhagen stattfinden. Agrarpreise fortzusetzen, den zuständigen Behörden wiederum das Recht einzuräumen, Regierungsbeihilfe für die Lagerung von Nahrungsmitteln zu gewähren, das Programm der Elektrifizierung auf dem Lande zu beschleunigen, die Maßnahmen der Regierung hinsichtlich des Schutzes der natürlichen Hilfsquellen zu stärken und schließlich die großen Programme der Nutzbarmachung der Wasserkräfte nach Art des Stauwerks im Tennessee-Tal weiter zu entwickeln. Was die Sozialversicherung anbelangt, so will Präsident Truman sie auf alle diejenigen Personen ausdehnen, die bisher noch nicht versichert sind, d. h. auf ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung. In dem der Außenpolitik gewidmeten Teil der Botschaft sagte Präsident Truman unter anderem: „Die Quintessenz unserer Außenpolitik ist der Friede. Wir tun alles was wir tun können, um die freien Nationen und freien Völker überall in der Welt zu ermutigen, um den Menschen zu helfen, die in fremden Staaten moralisch und physisch leiden und um die demokratischen Nationen gegen einen Angriff zu stärken.“ Präsident Truman betonte, das Hauptprinzip der amerikanischen Außenpolitik bilde die internationale Zusammenarbeit, für die die USA eine Verpflichtung von historischer Tragweite übernommen hätten. Er sagte wörtlich: „So lange jedoch kein System zur Wahrung der Weltsicherheit besteht, in das wir unser volles Vertrauen setzen können, können wir uns auch nicht der Last entledigen, die die Aufstellung und Erhaltung von ausreichenden Streitkräften darstellt, um einen Angriff zu entmutigen. Daher ist der allgemeine Wehrdienst für die Sicherheit der Vereinigten Staaten von wesentlicher Bedeutung. Wir stehen zu Beginn einer Epoche, die entweder zu wunderbaren Ergebnissen oder aber zu einer entsetzlichen Katastrophe für uns selbst und die ganze Menschheit führen kann, und deshalb“, so erklärte Truman abschließend, „muß die Macht der Vereinigten Staaten auch weiterhin edelmütig im Kampf um den Weltfrieden und für die Hebung des menschlichen Geschlechts in der ganzen Welt eingesetzt werden.“ Vatikan zwischen den Weltmächten Der entrüstete Aufschrei der gesamten zivilisierten Welt über die kürzliche Verhaftung des ungarischen Fürstprimas’ Mindszen- ty war nicht ganz gerechtfertigt. In den letzten Jahren sind Hunderttausende in die firn- steren Kerker und Gefängnisse der östlichen Volksdemokratien und der sowjetischen Zone Deutschlands gewandert, die ebenfalls als Blutzeugen der Menschenrechte und demokratischen Freiheiten angesehen werden konnten, ohne daß man ihre Zeugenschaft in den Schlagzeilen der Weltpresse vermerkt hätte. Sie waren die Opfer einer modernen Kollektivschuld-These und wußten vielfach nicht, wessen sie sich schuldig gemacht haben sollten. Kardinal Mindszenty — übrigens ein Sohn schwäbischer Bauern — kannte dagegen das Risiko seines Kreuzzuges, er ahnte den Ausgang und fand seinen Lohn in der Erfüllung seines Wunsehes, mit lodernder Anklage und heroischem Bekenntnis die Aufmerksamkeit der Christenheit auf den Todeskampf der katholischen Kirche im Herrschaftsbereich des bolschewistischen Gegners zu lenken. Mit der Sorge um das Schicksal von 60 Millionen Katholiken in Osteuropa erhebt sich die weit wichtigere Frage, welche Rückwirkungen diese Vorgänge auf die Zukunft der katholischen Kirche überhaupt und auf die politische Stellung des Vatikans haben werden. Die Verhaftung des ungarischen Kirchenfürsten zeigt an, daß die Auseinandersetzungen zwischen Kommunismus und Kirche einem Höhepunkt zutreiben. Angesichts der Aehnlichkeit der Formen und Methoden in den einzelnen Ländern des Ostens braucht man nicht zu betonen, daß hier nach einem einheitlichen Plan gearbeitet wird über dessen Herkunft heute keine Zweifel mehr bestehen. Das kirchenpolitische Programm des Kreml wurde nicht nur in den offiziellen Erklärungen der kommunistischen Regierungen sichtbar, sondern fand in den Entschließungen des Moskauer Konzils der slawischorthodoxen Metropoliten programmatischen Ausdruck. Das Konzil übersetzte willig das Wörterbuch der Moskauer Politik auf das kirchlich-religiöse Gebiet und richtete eine gehässige Kampfansage an die katholische Kirche. Die Beseitigung des religiösen Einflusses scheint dabei am weitesten in Rumänien gediehen, wo man die griechischen Katholiken nach 350jähriger Trennung in den „Schoß der orthodoxen Mutterkirche“ zurückzwang und den römisch-katholischen Klerus unter dem Vorwand hochverräterischer ^Verdächtigungen jeder Verbindung mit dem Vatikan beraubte. Die kirchenpolitischen Verhältnisse in Bulgarien, dessen Bevölkerung fast ausschließlich dem griechisch-orthodoxen Bekenntnis angehört, wurden ebenfalls ganz nach Wunsch Moskaus geregelt und liegen abseits der Front zwischen Kreml und Vatikan. Dagegen bereitet sich der Katholizismus in Polen, Jugoslawien und in der Tschechoslowakei auf ähnliche Situationen vor, wie sie für Ungarn , durch die Verhaftung Kardinal Mindszentys charakterisiert werden. Der Vatikan muß diesen Vorgängen praktisch wehrlos Zusehen. Für den nach materiellen und machtpolitischen Gesichtspunkten urteilenden Beobachter behält Stalin Recht, von dem man erzählt, er habe in Jalta spöttisch nach der Zahl der Divisionen des Papstes gefragt. Trotz dieses drohenden Zusammenbruches der katholischen Mission im Bereich oder an der Grenze der slawischen Orthodoxie hat es der Vatikan bisher vermieden, sieh offen zu den westlichen Demokratien zu bekennen. Das neue Abendland aber ruht vor allem auf den Schultern der Siegermächte des zweiten Weltkrieges, die mit Amerika und England von überwiegend protestantischen Mächten geführt werden. Obwohl sich Katholik und Protestant in dem weltanschaulichen Konflikt zwischen Osten und Westen als Bundesgenossen fühlen, zeigte der Vatikan erst kürzlich durch sein Fernbleiben von der Wettkirchenkonferenz in Amsterdam, daß er allein stehen will. Diese Zurückhaltung kann jedoch auf die Dauer nicht verhindern, daß der östliche Drude den Vatikan automatisch 'em Westen näherbringt, Die Rolle des Vermittlers scheint auch hier den USA zuzufallen, deren Präsidenten seit Roosevelt einen ständigen Gedankenaus- AtlantiksPaktsUnterzeichnung im Januar Island, Norwegen und Dänemark in der „atlantischen Sicherheitszone“ Quintessenz der US=Außenpolitik: Friede Die „State of the Nation“-Botschaft Trumans Seite 2 „DAS NEUE BADEN* . Nr. -■8. 1. 4!) tausch mit dem Papst pflegten. Das Schwergewicht der politischen Tätigkeit des Vatikans liegt verstfindlicherweise in den katholischen Ländern des Westens und hier vor altem in Spanier, und den aüdamerikanischen Staaten. Es darf mit Hecht vermutet werden, daß der Vatikan in dem diplomatischen Spiel um Fruneo-Spanien einer, wesentlichen Anteil hat. Sollte die „Atlantische Völkergemeinschaft“ in Erweiterung des vor dem Abschluß stehenden nordatlantischen Verteidi- guhgspafctes und unter Einschluß Spaniens, Portugals und Südamerikas Wirklichkeit werden und damit ein gewisses Gleichgewicht der politischen Vertretung katholischer und protestantischer Länder hergestellt sein, wird der Vatikan wahrscheinlich nicht zögern, seine jetzige Isolation zugunsten einer westlichen Sicherung aufzugeben. Eine klare Entscheidung ' würde andererseits für die kommende Gemeinschaft des Westens eine nicht zu unterschätzende moralische Legitimation sein F. H Uebung'splatz, wo sie an Karabinern, Maschinengewehren und Uebungshandgranaten ausgebildet werden, singen die Polizisten revolutionäre Lieder. Im Gegensatz zu den übrigen im Sowjetsektor kasernierten Polizeibereitschaften ist diese Truppe noch nicht für Kontrollen im Sowjetsektor eingesetzt worden. Sowjets schicken Liebesgaben zurück Berlin. Fünfzehn Waggons mit Liebesgaben aus den USA, die für Berlin und die Sowjel- zone bestimmt waren und über Schweden in die Vier-Sektoreh-Stadt geleitet werden sollten, wurden von den Sowjets in Saßnitz ange- halten und wieder nach Schweden zurückgeschickt. Briefe an die Redaktio n: Kavlsvuhe Wenn es beim Zusammenschluß von Baden und Württemberg einen Leidtragenden gibt, so ist es die Stadt Karlsruhe. Sie war dereinst im 1 Badnerland das verbindende Element von Süd und Nord als Haupt- und Residenzstadt. Sie war daneben ein Quell- und ein Sammelpunkt geistigen Lebens und kulturellen Schaffens, der sein Fluidum über das ganze Land und darüber hinaus ergoß. Was war das Landestheater unter Felix Mottl und welche Wellen der Kraft gingen einst von der Gemäldegalerie mit ihrem Altmeister Hans Thoma, vom Landesmuseum und vom Generallandesarchiv aus! Und die Karlsruher Elektrischen Strom einsparen! Wassermangel zwingt zu Siromkürzimgen Ostpolim mH Nahkampfwaffe» Berlin. Eine 250 Mann starke kasernierte Polizeibereitschaft, die den Namen „Lützow" trägt, ist in der Polizciinspektion in Köpenick- im sowjetischen Sektor aufgestellt worden. Diese Einheit setzt sieh in der Hauptsache aus ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zusammen. Die Polizisten tragen dunkelblaue Uniformen, die im Schnitt denen der ehemaligen deutschen Panzenvaffe ähneln. Auf dem Marsch zum Freiburg. Der Vorstand des Badischen Gewerkschaftsbundes richtet nachfolgenden Aufruf an die Bevölkerung Südbadens: Die geringe Wasserführung des Rheins und der Rüdegang der Wassermengen in den Staubecken zwingen zu erheblichen Stromkürzungen und damit zu einer Einschränkung der Produktion. Das bedeutet unter Umständen für die L Vi- und Gehaltsempfänger eine wesentliche Lolmeinbuße. Um die Herabsetzung des Stromkontingentes für Industrie, Handel und Gewerbe auf ein Mindestmaß zu beschränken, richten wir an die Bevölkerung Uun- .jtrom -9 Uhr Kein Kompromiß der chinesischen Kommunisten London. Die chinesischen Kommunisten haben Tschiangkaischek in Nanking „vollständige Vernichtung“ angedroht. Die kommunistischen Streitkräfte wollen, wie aus einer Sendung des kommunistischen Rundfunks in Nordschensi hervorgeht, „die Revolution bis zum Ende durchführen“. Der „demokratischen Befreiungsarmee“ der Kommunisten in Stärke von drei Millionen Soldaten standen „nur eine Million und mehrere hunderttausend Mann der Kuominiang-Streitkräfte“ gegenüber. Generalissimus Tschiangkaisehek hat, wie aus chinesischen Kreisen, die der Regierung nahestehen, verlautet, den Transport der Regierungsakten und die Uebersiedlung des Personals von Nanking nach Kanton und Formosa angeordnet. Dies wird als Beweis dafür angesehen, daß Tschiang und seine Regierung die Hoffnung auf Friedensverhandlungen mit den Kommunisten aufgegeben haben. Parteikongrenz der Ost-LDP in Eisenach gewählt werden soll, sind bisher der gegenwärtige geschäftsführende Vorsitzende Dr. Karl Hamann, und Professor Hermann Kästner, Vizepräsident der DWK, in die engere Auswahl genommen worden. Seit dem Tode von Dr. Wilhelm Külz ist die Stelle des Ost-Parteivorsitzenden unbesetzt. das dringende Ersuchen, in ihren Ha 1 gen die Entnahme von elektrische-.. auf ein Mindestmaß zu beschränken, Insbesondere soll in der Zeit voh 7 morgens jede Benützung von Heizplatten, Staubsaugern und sonstigen elektrischen Apparaten unterbleiben, damit die so eingesparte elektrische Energie im Interesse der Volkswirtschaft für die Weiterführung der Produktion und die Erhaltung des Einkommens der Arbeitnehmer verwendet werden kann. Das Kultusministerium hat sich auf unsere Anfrage bereit erklärt, die Schulleitungen anzuweisen, daß in der Zeit von 7—9 Uhr morgens keine elektrische Energie verwendet wird. Wir erwarten, daß sich auch die Hochschulen dementsprechend einschränken. Die Hausangestellten ersuchen wir, in der angegebenen Zeit die Benützung von elektrischen Apparaten unbedingt zu unterlassen. Denkt daran, daß wir im Interesse der Be- darfsgüterdeekung bestrebt sein müssen, eine Verminderung der Produktion und des Einkommens zu vermeiden. |__ ieUüCSCkcUCH - kurz berichtet 20. Januar Indonesien^Konierenz asiatischer Staaten in New Delhi Teheran. Persien hat die Einladung des indischen Ministerpräsidenten Pandit N e h r u zu einer Konferenz asiatischer Staaten über Indonesien am Donnerstag angenommen. Die Konferenz beginnt am 20. Januar in New Delhi. PrlßzesMn EHsabeths Hochzeitsaussteuer von Krefalfler Textilindustrie geliefert Krefeld, Die Seide und der Samt für die Kochzeltsaassteuer der englischen Prinzessin Elisabeth wurde, wie erst jetzt verlautet, vor der Krefelder Textilindustrie geliefert. Kommunistisches Täuschungsmanöver Frankfurt. Auf ihrer Partei-Vorstands- tegung in Düsseldorf beschloß die KPD auf Grund der gegenwärtigen außenpolitischen Lage, sich von der Sozialistischen Einheitspartei der Ostzone organisatorisch zu trennen. Alle KPD-Mitglieder wurden verpflichtet, ihre Funktion in der SED niederzulegen. Lsa die Ost°LDF*Leiiimg Berlin. Für den Posten des 1. Vorsitzende« der Ost-LDP, der Ende Februar auf dem Notopfer Berlin ab 1«. Januar in Südwürttemberg. Nach erfolgter Zustimmung der Militärregierung wird nun vom 10. Januar bis Ende März 1949 auch in Südwürttemberg von der Post das Notopfer Berlin in Form einer Steuermarke in Höhe von zwei Pfennigen erhoben. Höchstpreise in der Bizone. Preisobergren- seine Landsleute seien geflohen, „um sich dem augenblicklich in Ungarn wütenden Polizeiterror“ zu entziehen. Glockengeläut bei Kriegsgefangenen-Äück- kehr. Die Pfarrämter der Stadt Fritzlar haben auf Anregung des Magistrate beschlossen, bfej der Rückkehr jedes entlassenen Kriegsgefangenen 5 Minuten die Kirchenglocken zu läuten, um damit der Freude über zen setzte die Preisbildungsstelle des bayeri- äieRückkehr Ausdruck zu geben, sehen Wmtschafteministenums für Geflügel nte« s t™r n flirii (5 DM je % kg), Kaffee (12 bis 14 DM je % hg) und Damenstrümpfe (je Paar 8 bis 10 DM bei Kunstseide, 8 DM für geschnittene Strümpfe) fest. Neuer MUitärgouverneur für Württemberg- Baden. Die amerikanische Militärregierung für Deutschland gab offiziell den Rücktritt des gegenwärtigen Militärgouverneurs für Württemberg-Baden, Charles M. Lafolette, bekannt. Zu seinem Nachfolger wurde Generalmajor a. D. Charles P. Groß ernannt, der bisher Vorsitzender des New Yorker Transportausschusses war. NBW - Bodenreforjmgesetz abgelehnt. Das vom Nordrhein-westfälischen Landtag beschlossene Gesetz über die Bodenreform ist von der britischen Militärregierung abgelehnt worden. Flugzeug mit geflüchteten Ungarn bei München gelandet. Eine zweimotorige „Dakota“ machte auf dem amerikanischen Militärflugplatz München-Riem eine Notlandung. An Bord der Maschine befanden sich außer dem Flugzeugfüher und 4 Offizieren der ungarischen Luftwaffe 21 ungarische Staatsangehörige. Der Pilot erklärte, er selbst und Hintergründe der Dienstverpflichtung brau- denburgischer Aerzte, Alle Aetzte in Brandenburg sollen nach einer vertraulichen Mitteilung der Landesregierung in Zukunft für je vier Wochen in das Lager Grönenfelde be? Frankfurt a. d. O. dienstverpflichtet werden, um dort die Arbeitsfähigkeit der in den KZ- Lagern der Sowjetzone und von sowjetischen Militärgerichten verurteilten deutschen Häftlinge festzustellen, die in die Sowjetunion abtransportiert werden. Otto von Habsbnrg bei Franco. Wie aus nicht-offizieller Quelle verlautet,“ soll General Franco Erzherzog Otto von Habsburg in Privataudienz empfangen haben. Bekanntlich' wurde kürzlich einem Angehörigen des Hauses Habsburg, und zwar dem Erzherzog Albert, die spanische Staatsangehörigkeit verliehen. Byrnes fordert Entlassung japanischer Gefangener. Der ehemalige amerikanische Außenminister James F. Byrnes erklärte, die Sowjetunion verletze das Potsdamer Abkommen, weil sie die japanischen Kriegsgefangenen noch nicht freigelassen habe. Die Sowjetunion soll Schätzungen -zufolge noch mehr als 400 000 japanische Kriegsgefangene fest- halten. Hochschule war einmal «in Polytechnikum von internationalem Ruhm, Heute ist Karlsruhe weithin verödet und verlassen.' Zwar ■wurde nach dem Zusammenbruch im Sommer' 1945 ein schmaler Silberstreifen sichtbar, als sich zögernd und schüchtern wieder eine Landesregierung zu bilden begann. Die Stadt, war damals wie auch Stuttgart französisch besetzt. Beide Hauptstädte wechselten die Besatzung und wurden amerikanisch. Von beiden Hauptstädten waren die südlichen Landesteile ab- ■geschnitten. Die Lage war also für beide Residenzen bis auf das I-Tüpfelchen dieselbe. Was tat die Württemberg!sehe Regierung? Sie blieb in der Hauptstadt und sandte nach Tübingen ein Landesdirektorium, .dessen Leitung sie in die Hand von Carlo Schmidt legte, der mit Stuttgart warme Tuchfühlung hielt. Was tat aber die badische Regierung? Sie verließ die Hauptstadt und ging mit Sack und Pack nach Freiburg. Warum? Die Gründe dafür sind bis heute im Dunkeln liegen geblieben. Doch das lehrt der Gang der Geschichte und alle Erfahrung: Wenn eine Regierung die Landeshauptstadt ohne ganz zwingende und für je* der mann einleuchtende Gründe aufgibt, gibt sie das Land auf. Man kommt den Gründen vielleicht aber doch etwas näher, wenn man das Drum und Dran, das Freiburg damals bot, ein wenig unter die Lupe nimmt. Dazumal bekam maa in Freiburg da und dort das Wort „Vorderösterreich“ zu hören. Die Biedermänner, die es gebrauchten, merkten wohl nicht, daß zwischen dem Breisgau und Oesterreich nichts mehr lag als ein Stück jener spießbürgerlichen Gemütlichkeit, die in dem Worte gipfelt: „Hä jo, ’s wird scho gehn!“ (Es ist inzwischen badische Staateparole geworden!) Dazu erfuhren in der Perle des Breisgaus Straßen Umbenennungen, die hellhörigen Ohren auflallen mußten. Denn obwohl Freiburg schon eine Maximilian-, eine Maria-Theresien- «und eine Kunigundertstraße hatte, tauchten dazumal die Kaiser-Josef-, die Erzherzog- und als Krönung des Wiederaufbauwerkes die Habsburgerstraße auf. Ausgerechnet die Zähringerstraße, die vom Zentrum der alten Zähringer Gründung hinausgeführt hat nach dem nach den Gründern benannten ehemaligen Dorf und nach ihrer Stammburg hatte das Glück, in Habsburgerstraße umgetauft za werden. War das „altbadisch“ gedacht und gehandelt? Oder war es nicht schnöder Undank gegen die Gründer der Stadt und gegen das ganze Haus der Zähringer, unter deren Schirmherrschaft, vor allem unter dem Großherzog Friedrich I., Freiburg das geworden ist, was es bis zum Tage der großen Katastrophe war? War, das nicht eine Absage an das Land Baden und das Deutsche Reich? Doch sei dem wie ihm wolle! In der alten Zähringerstadt etablierte sich die Freiburger, Schloßbergpolitifc, eine Politik, die in Bezirksämtern denkt, wo die Welt um sie in Kontinenten zu dertkdfi beginnt. Ihre „badische Politik“ hat dem badischen Lande und der Stadt Karlsruhe den Bogen vollends gegeben. Eine Entwicklung, an der niemand Freude haben kann. Doch wenn heute jene, die den Auszug aus Aegypten gemacht oder doch bedenkenlos mitgemacht haben, als südbadische Dialektdichter und Bänkelsänger Jeremiaden anstimmen und Krokodilstränen vergießen, so kann man ihnen nur sagen, daß es besser und richtiger und vor allem einsichtsvoll wäre, wenn sie in die eigene Brust klopften und reumütig bekennten: Mea culpa! Das Wäre wenigstens noch Haltung, der man Achtung zollen könnte. Die Zukunft wird ohnehin — so oder so — über sie hinweggehen, und das alte Wort, das es vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist, wird an ihnen Wahrheit werden. Der Brigant. JUS NEUE BADEN« Verantwortlicher Redakteur: Günter AGmann Anschr. der Sedakt.: Lahr/Schw., Posti. 270. Tel. 2385. Verlag: Demokratische Verlagsges. mbH. Lahr Schw. Druck: Moritz Schauenburg, Lahr / Schwarzwalri — A. Reiff und Cie., Offenburg (Baden) Der Knabe , der ging Vön Georg W.Pijet Warum schaut ihr mit so verächtlichem Blies; an meinen Kleidern herab. Es tut mir weh, eure Blicke zu spüren. Das Menschliche darin macht midi erröten. Es verwirrt mich wie alles außerhalb meiner schorfigen, zerknitterten Hülle. Glaubt nicht, daß ich darunter anders aussehe. Kleider sind kein Schute gegen die Vergasung, und keine Not »leibt in den Kleidern hängen. Was nützt es schon, daß ich sie gegen eine noblere Hülle umtauschte oder die alte auswüsche und bügelte, die Falten und Flecke darin entfernte und glättete; was nutzt es schon, daß man mich entlauste und umkrempelte. Darunter blieb doch alles: die versengte Haut, die ausgebrannte Seele, das zu Tode gehetzte Gewissen, das an zwei Krücken humpelt, und die grauenhafte Leere des ziellosen Weges. Zehn Jahre war ich alt, als ich das Messer bekam, Scnwüre banden mich daran, Schwüre, aarauf unsere Ehre stand, die kindliche, lächerliche, aufgeblasene Ehre, aber eine ’shrc^ die uns das Blut las Gesicht trieb, die uns die Augen verglaste und den Stolz begoß, ©as Messer, in jedem Augenblick spürten »^haundes Klopfen an unserer. Seite. War nicht jeder Schritt und jede Bewegung nichte weiter als ein Kreisen um Stahl? Unsere Gesichter spiegelten !*** «*»» *l läa ! e ' Er«gend war es, das kalte Steen us der Hand zu spüren, mit dem Daumen die Scharfe der Schneide zu betagten und die Makellosigkeit der Spitze voller grusiger Gedanken zu bewundern. Damals durchzuckte mich zum ersten Male der Gedanke: was bedeutet schon ein Messer, oas man untätig in seiner Scheide herum- vor meiner entsetz- Stehnsucht, bald doch «freute mich die Wildheit meines Blicks darin, das fremde Abbild meines absonderlichen Tatendranges. Und das Messer in mi£ wuchs mit den Jahren. Wir gruben den Krieg aus der Erde, hügeiten seine kahlen Kuppeln, versteckten seine knöchrige Fratze hinter grünbestreuten Tarnwänden. Aber der Krieg roch und stank, .er drohte und grollte und ging in furchtbaren Wettern über Gräbern und Hügel dahin. Die Mischung hieß Beton und Eisen. Dann kam ein weißer Tag, so weiß und leer wie die Steppe zwischen Don uhd Woiga. Nichts weiter als die Welte und Unendlichkeit türmte sich um mich auf. Wie eine Vision des Kommenden schrie das Blatt seine Leere und Hohlheit in mein Antlitz. Buchstaben schwirrten wie die Köpfe kreischender Krähen vor _ meinen Augen. Schluchzen tönte zu mir her, so nahe, als wäre es mein eigenes, und so fern, daß ich den Blick des Weinenden verlor. Einen Augenblick lang drängte es mich danach, in den Schoß meiner Mutter zu flüchten und aufzuheulen, aber ich verbiß mir mein Knabentum auf der Zunge, verbiß mir die Angst und die Not Ich, ein Messer, stählern und kalt, trotzte mir selber. In dieser Minute hätte ich gewünscht, daß mir jemand seine Hand gäbe und zu mir spräche. Ein Freund vielleicht, aber niemand trat aus der Leere auf mich zu. Niemand., Blutlos waren die Messer. Nichts klopfte in ihnen. Einsam dehnte sich um sie die Furchtbarkeit ihrer Verpflichtung. Ich sah midi selbst darin und suchte vergeblich nach meinem Gesicht . Weißt du, Mensch, Wie groß die Welt ist? Da haben wir gelernt, die Walt nach Kilometern zu messen. Wie lächerlich. Was kommt schon dabei heraus! Höchstens in die Zehntausende kommt ihr damit. Glaubt mir, die Welt ist viel größer, wenn man sie mit seinen Beinen durehmißt, wenn jeder Schritt zum Schmerz wird, zur Last, zum Elend, zum Erbarmen. Und wo sie im Meer ertrinkt, marschieren unsere Füße weiter. Und wo sie an den Himmel stößt, da reichen unsere Schritte hinüber. Viele Male umschritten unsere Sohlen den Weltumfang. Zweimal gingen wir ein und denselben Weg. Es war 'derselbe und doch nicht der nämliche. Ich, das Messer, ging ihn und ich, das Gewehr, ich, der Panzer, und ich, der Granatwerfer. Wie von Furien der Hölle gehetzt, durchmaßen wir den Raum. Warum blickst du auf meine Finger, nun, da ich ein Wehrloser bin? Ein Wehrloser mit einer verlorenen Seele und einem, ausgeplünderten Gewissen. Blickt mich nicht an. Modi ehe ich ein Mensch ward, wurde ich ein Messer. Viel Blut rann über meinen Stahl, verspritzte mein Gesicht, eigenes und fremdes. Und es verfärbte die Kinderhaut, tönte und musterte sie und verschüttete unser Gesicht. Messer du, nun, da du entwurzelt bist, entwaffnet, entlarvt, nun schimmert der verlorene Blick des Knaben aus deiner Blässe hervor, des Knaben, auf dessen Schultern die Schuld eines ganzen Krieges ruht. Seht ihr nicht, wie wir taumeln vor dieser Last, wie wir zusammenbrechen und uns entkleiden und entblättern?! Laßt uns ein Leben neben euch, daß wir an eurem Blick unser Antlitz erwärmen. Ihr Menschlichen und Großen, legt keine allzu großen Vorwürfe in euern Bilde, daß wir nicht unsere Augen vor euch' schließen müssen. Seht, wie wir uns darum quälen, daß auch unsere Gesichter wieder menschlicher werden Wir wissen: Kneipen und Tanzsäle sind keine Heimat, aber wir flüchten zuweilen zu ihnen, weil ihr uns keine bessere geben könnt. Glaubt ihr. wir ekelten uns nicht manchmal vor uns selber? Gebt uns Taten, die einen schönen, unverfälschten Sinn haben. Laßt uns einen Platz an eurer Seite. Tief und nachhaltig kreist in uns der Wunsch, über uns selber nachzudenken, uns selbst zu entdecken am Grunde unseres Gewissens. Schon rührt sich in uns ein zartes Klopfen. Schlagt es nicht tot mit großen Worten. Und die Ahnung ringt sich wie ein noch unsichtbares Grün aus der Rinde. Reißt sie nicht auf, die Knospen. Laßt sie selber aufspringen, wenn es an der Zeit ist. Laßt uns dabei leise sein, auch wenn wir zuweilen in die Herbheit der Sinnenlust, steigen. Könnt ihr nicht verstehen, daß wij?f Kin- derlüße haben? Kinderfüße, die um die halbe Erde getappt sind und nun hejmkommen zur großen Mutter, zur Mutter aller Sehnsucht Sind wir noch Knaben oder schon Männer? Wo ist der Spiegel, der uns Auskunft gibt? Wo, Menschliche und Große, ist unser Gesicht geblieben? Uns muß ein neues werden "und wachsen. Unser eigenes Gesicht» Das ist nicht das Bekenntnis eines einzelnen, sondern der Schrei einer Generation. Jeden Tag liest man es aus dem Antlitz eines jungen Heimkehrers, jeden Tag schreit es aus dem Schweigen, das diese Jungen umlauert. Jeden Tag häuft diese Stimme Anklage über Anklage auf dich und mich und uns. Wir müssen uns umsehen nach diesen Jungen. Wir müssen bei ihnen stehenbleiben und auch nicht davor zurückscheuen, kleinere Schritte neben ihnen zu nehmen oder ein paar zurückzugehen — zu ihnen zurück. Nodt nie war die Verpflichtung für uns so zwingend wie in diesen Tagen, da Begriffe sterben und neue in der Geburt liegen. Dieser Auftrag ist der menschlichste unserer Zeit, Das Klopfen der Heimatlosen geht nicht um Brot und Quartier allein. Es geht um den Sinn und die Wahrhaftigkeit unseres Wortes, es geht tun die Verläßlichkeit des Mensche liechen. Nr. 3/8. 1. 49 „DAS NEUE BAOEN* Seite 8 Bau« und Wirkungsweise der Atombombe Das im 83. Band vorliegende Jahrbuch „D a s Neue Universum" (Union Deutsche Ver- lagsgesellschaft, Stuttgart) bringt u. a. in seinem naturwissenschaftlich-technischen Teil wiedei- eine Fülle anregender, dabei gemeinverständlicher und hauptsächlich dem Verständnis der Jugend angepaßter Beiträge. Aus einem größeren Aufsatz über den Gesamtkomplex der Atomenergie von Alfred Fritz bringen • wir mit Genehmigung des Verlags den nachstehenden Ausschnitt: Eine Atombombe hat ungefähr die Größe eines Tennisballes. Sie wiegt zehn bis zwanzig Pfund. Wenn man etwas Merkwürdiges an ihr suchen will, dann ist es höchstens.. ar * in zu finden, daß der „Tennisball zunächst aus zwei oder mehr voneinander getrennten Teiletücken besteht Jeder der Teile ist tur sich harmlos. Man kann ihn beliebig erhitzen, hämmern und unter Druck setzen. Es wird nichts geschehen. Sowie jedoch die einzelnen Teile rasch aneinandergefügt werden, birst im selben Augenblick ohne irgendeine weitere Beeinflussung die Atombombe auseinander. Eine Atombombe ist viel „einfacher“ gebaut ais andere Bomben, Sie bedarf keiner Entschärfung und keiner Zündung. Ihre „Ex- plosivmasse“* ist als solche durchaus ungefährlich. Gefährlich ist es nur, eine bestimmte Menge dieses Stoffes nah zusammenzubringen. Der entscheidende Begriff ist daher bei der Atombombe die sogenannte „kritische Masse“. Nehmen wir an, die kritische Masse wäre 15 Pfund. Genau bekannt ist sie nicht, dürfte jedoch für reines Uran 235 oder reines Plutonium in der Nähe des angegebenen Gewichts liegen. Wir bilden nun etwa aus Plutonium eine Kugel. Die Kugel ist die günstigste Form. Bei einem Würfel müßten wir etwas mehr Substanz verwenden. Solange die Plutoniumkugel weniger als 15 Pfund wiegt, geschieht nichts. Die kritische Masse ist noch nicht erreicht. Wenn wir jedoch in die Nähe des Gewichts der angenommenen 15 Pfund kommen, kann das Hinziufügen schon einer kleinen Menge weiteren Plutoniums die Explosion — oder fachgemäßer gesagt, die Detonation, sqfern nicht überhaupt ein ganz neuer Begriff notwendig ist — attslösen. •Das Rätsel der Atombombe ist, daß sie, von außen gesehen, so erstaunlich einfach zur Entfaltung ihrer Kräfte gebracht wird. Es ist die alte Geschichte, die nun noch einmal zu erzählen wäre: die Neutronen sind schuld, diese Teilchen, die noch nie jemand gesehen hat, die aber dennoch überall vorhanden sind, wo Materie existiert. Dringt nun ein Neutron in einen Atomkern des Urans 235 oder Plutoniums ein, so wird das Atom nicht nur . verwandelt, ja, geradezu entzweigebrochen, sondern außerdem entstehen weitere Neutronen. Ist die Masse Plutonium oder Uran 235 groß genug,’ so werden die neuen Neutronen auf ihrem Lauf wieder in ein Atom ' Plutonium. oder Uran eindringen, dieses, zerbrechen und noch einmal Neutronen erzeugen. In reinem Plutonium oder Uran 235 — und bis jetzt nur dort — werden in einer Kaskade aus einem Neutron zwei Neutronen, aus zwei werden vier, aus vier werden acht, daraus 16, 32, 64, 128, 265, 512, 1024 usw. Dabei ist die Zeit, während der ein Neutron unterwegs ist, bis es andere Neutronen hervor- bringt, unvorstellbar kurz. Im Bruchtal einer Sekunde schwillt die Neutronenflut ungeheuer an und geht weit über Millionen, Milliarden, Billionen hinaus. Und jetzt tritt auch die andere Wirkung in Erscheinung; jedes aus der Unzahl von Neutronen zersprengt einen Atomkern und setzt damit die im Atom enthaltene Energie frei. Diese äußert sich darin, daß sich die Telle des auseinandergesprengten Uranatoms (es sind die von Hahn gefundenen Bariümatome und andere) mit größter Geschwindigkeit bewegen. Das heißt, die gesamte Materie befindet sich auf einer Temperatur, die mindestens der im Sonnen- innern gleich ist, sie aber wahrscheinlich noch um ein Millionenfaches übersteigt und Billionen Grade beträgt. Durch diese Erhitzung wird die Substanz des „Tennisballs“ mit außerordentlicher Gewalt auseinanderge- trieben. Durch den praktisch schlagartigen Zerfall der Materie werden die Atomreste und Urteilchen mit größter Geschwindigkeit vom Zentrum der Explosion wegstürmen. Zugleich bildet sich radioaktive Strahlung von sonst niemals auch nur entfernt erreichbarer Stärke. Die paar Pfund Uran oder Plutonium sind zum Ursprung tödlicher Flammen und Blitze geworden. 20 000 Tonnen des zur Zeit stärksten Sprengstoffes in Flugzeugbornben wären nötig, um dieselbe Wirkung zu erzielen, die von den 15 Pfund spaltbarer Atommaterie ausgeht. Dabei ist noch zu beachten, daß bis jetzt nur etwa ein Prozent der Energie einer Atombombe entfesselt wird. So schnell nämlich auch die Neutronen neue und immer wieder neue Neutronen erzeugen und Atomkerne ausbrechen, so geht, es doch nicht schnell genug. Ehe ein Hundertstel der Uranoder Plutoniumsatome gespalten ist, hat sich die Hitze schon so stark vermehrt, daß die Explosion die Bombe auseinanderreißt und die noch nicht zerbrochenen Atome so weit voneinander entfernt, daß die Kettenreaktion aufhört, weil die Neutronen keine spaltbaren Atomkerne mehr in ihrer Nahe finden. So einfach diese Bombe im Prinzip zur Wirkung gebracht wird, indem genügend Materie zusammengeiiigt wird, bis die kritische Masse überschritten ist, so schwierig kann doch gerade dieser letzte Vorgang in technischer Hinsicht sein. Mit einem Löffel genügend Uran 235 oder Plutonium anzuhäufen, ist begreiflicherweise nicht möglich. Der Nutzeffekt — wenn man bei einem Zerstörungs- Instrumente von einem solchen sprechen Was erwartet sie drüben? darf — hängt davon ab, daß die kritische Masse möglichst schnell und möglichst fest zusammengefügt wird. Sonst werden die spaltbaren Atome schon auseinandergefegt, ehe noch ein Prozent der Sprengmasse wirksam geworden ist. Es wird berichtet, daß das Zusammenfügen so erfolgen soll, daß zunächst drei voneinander getrennte Teile bestehen. Zusammen bilden sie eine KugeL Aber von dieser Kugel befinden sich nur die obere und die untere Haube an dem ihnen zukommenden Platz. Das Zwischenstück ist in gebührendem Abstand davon untergebracht. Soll nun die Atombombe zur Wirkung gebracht werden, dann wird dieses fehlende Mittelstück mit größtmöglicher Geschwindigkeit zwischen die beiden Kugelhauben gebracht, das heißt, es wird dorthin geschossen. Die Atombombe enthält zu diesem Nebenzweck eine Schußvorrichtung, gewissermaßen ein kleines — aber doch gewichtiges — Spezialgeschütz. Sowie das Mittelstück nach dem Abschuß zwischen die beiden t übrigen Teile tritt- und diese dadurch zu einer Vollkugel ergänzt, steigert sich im Bruchteil einer Sekunde die Neutronenzahl lawinenartig an, und die Atommaterie wird zertrümmert. Im nachfolgenden Bericht erzählt ein aus Canada zurüdegekehrter Kriegsgefangener im Zusammenhang mit den Auswanderungsbestrebungen von Möglichkeiten und Aussichten „drüben". Schon gleich nach dem Kriege tauchte in weiten Kreisen der Bevölkerung der Wunsch auf, auszuwandern. Nun, nachdem die Auswanderungsbestimmungen in die Vereinigten Staaten für Deutsche aufgelockert sind, hat dieser Gedanke einen neuen Auftrieb erhalten. Die USA stehen im Blickpunkt aller Auswanderungsziele. Und doch gibt es an ihren Grenzen ein Land, an das nur wenige denken, das aber für eine neue Auswanderungswelle aus Europa in der Zukunft günstigere Existenzmöglichkeit bietet: Canada. Es gehört noch immer zu den Gebieten der Welt, die am dünnsten besiedelt sind. Auf Grund seines Reichtums an Bodenschätzen und an anderen Rohstoffen kann es noch Millionen Menschen Arbeitsmöglichkeiten bieten. Ist es doch bald 20mal so groß wie Deutschland und hat nur 12.5 Millionen Einwohner — allerdings sind manche nördliche Teile für größere menschliche Ansiedlungen ungeeignet Gegenüber anderen Auswanderungsgebieten, z. B. Süd-Afrika, Süd-Amerika und einem Teil der Süd-Staaten der USA, findet man in den bewohnbaren Gebieten von Canada _ ein uns Deutschen zusagendes Klima. In einigen Provinzen fühlt man sich landschaftlich an deutsche Gaue erinnert. So ähneln die Rocky Mountains unseren Alpen und Teile der Provinzen Ontario und Quebec mit ihren Wäldern und Feldern und Seen Norddeutschland. Ich war als Kriegsgefangener in Canada und fühlte mich sehr schnell heimisch, we ; l ich ähnliche Verbindungen sah zwischen Landschaft und Menschen wie in Deutschland. Vorläufig sperrt sich Canada noch gegen eine allgemeine Einwanderung, weil es jetzt noch nicht über die organisatorischen Einrichtungen verfingt, die nun einmal ein Zustrom von größeren Menschenmengen erfordert. So paradox es klingt, ein dichtbesiedeltes Land kann sie leichter plötzlich aufnehmen und ihnen ein Lebensminimum gewährleisten, Oeffnet Canada aber eines Tages seine Pforten, braucht es in erster Linie Facharbeiter, Handwerker und Farmer. Ist es doch auf vielen Gebieten wirtschaftlich noch stark von den USA und anderen Ueberseeländern abhängig. Gerade durch den letzten Krieg entwickelte sich erst die canadisehe Industrie zu der Höhe, die sie jetzt erreicht hat. Wir Kriegsgefangenen konnten erfahren, was es bedeutet, in einem fremden Land leben zu müssen. Nur ein Teil äußerte den Wunsch, dort zu bleiben, in den meisten war eine starke Sehnsucht nach der Heimat lebendig.. Darum sollte sich jeder Auswanderungslustige prüfen, ob er stark genug' ist, endgültig mit dem alten zu brechen; denn ist er einmal draußen, hat er für immer die Heimat verlassen. Nur ganz wenigen ist es vergönnt, im Laufe ihres Lebens noch einmal die Spielplätze ihrer Kindheit und die Gräber ihrer Eltern wiederzusehen. Den Auswanderer erwartet nicht ein Land, in dem Milch und Honig fließt, sondern ein schweres Los mit harter Arbeit. W. B. 3 Milliarden tschechische Kronen Die Liquidation des Besitzes der Sudetendeutschen Prag. Die Liquidation des Besitzes der aus der Tschechoslowakei vertriebenen Sudeten» deutschen ist praktisch abgeschlossen. Die ungefähr 8 000 konfiszierten Betriebe wurden für 3 Milliarden tschechoslowakischer Kronen verkauft. Ergebnisse nach den ersten acht Monaten Die Durchführung des Marshall-Planes in der französischen Zone Baden-Baden. Nach einem Bericht der Wirtschaftsabteilung der französischen Militärregierung sind in den ersten acht Monaten nach Inkrafttreten des Marshall-Plans folgende Ergebnisse erzielt worden: Für die französische Zone wurden für die Zeit vom 1. April 1948 bis zum 30. Juni 1949 Kredite von insgesamt 120 Millionen Dollar bewilligt. Der Ge-amt- betrag der Kredite für 1948 beläuft sich auf 82,25 Millionen Dollar. In den ersten acht Monaten seit der Beschlußfassung des Kongresses der Vereinigten Staaten über die Marshall-Plan-Hilfe (1. April bis 30. Nov. 1948) erreichten die Einkaufsbewilligungen für die französische Zone die Summe von 48 819 000 Dollar. Diese Bewilligungen betreffen in erster Linie Lebensmittel (30 897 300 Dollar = mehr als 60%), Weitere Einkaufsgenehmigungen mit insgesamt 17 940 000 Dollar betreffen Industrie-Erzeugnisse. Auf Grund dieser Einkaufsgenehmigungen sind schon größere Warenmengen vevsch'fft worden. Sie stellen einen Wert von 25 753 800 Dollar, mehr als 5ü% des Gesamtbetrages der Einkaufshewilligungen dar, und bestehen in Mehl und Getreide für 21 123 500 Dollar Baumwolle für 3 432 900 Dollar Trockenkartoffeln für 1 137 400 Dollar Teigwaren für 59 900 Dollar Der größte Teil dieser Erzeugnisse ist bereits Sa den europäischen Ausladehäfen (Antwerpen oder Rotterdam) eingetroffen. Die Gesamtergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt. — Die bisher im Rahmen des Marshall-Plans eingetroffenen Waren haben bereits die wirtschaftliche Lage, insbesondere auf dem Gebiete der Ernährung und der Baumwollindustrie verbessert. Textil-Industrie Die Zahl der in der Textil-Industrie beschäftigten Arbeitskräfte stieg vom April bis zum September 1948 um 3,8V«, der Umsatz um 41%. Die Produktion der Baumwollspinnereien erhöhte sich um 30%, der Webereien um 34.7%. Die ersten Mar- shall-Plan-Lieferungen an Baumwolle wurden in den letzten Tagen des Monats August awgeladen und haben bereits im September den Auftrieb verstärkt. der in diesem Industriezweig nach der Währungsreform in Erscheinung trat. Zusammenstellung über den Stand der Marshall-Pian-Hilfe für die französische Zone am 3Ö. November 1948 (in tausend Dollar) Von der ECA bewilligte Vierteljahreskredite Wert dev erteilten Ein- kaufsbewilligungen Beschaffungen Wert der eingetroffenea Waren 2. Vierteljahr 20 000 17 479 Rest 2521. 19 626 19 34948 3. Vierteljahr 22 300 18 §04 Best 3396 9919 82514 4. Vierteljahr 35 500 + 15% = 49 250 Bei gleichmäßiger Verteilung dieses Kredits auf die drei Monate beläuft sich der Betrag bis 30. 11. auf 26 834 12 436 Betrag der noch zu erteilenden Bewilligung 13 717 Rest 681 5207 4357,8 Gesamtbetrag 69 1134 Gesamtbetrag der erteilten Einkaufsbewilligun- gen 48 819 Gesamtbetrag der noch zu erteilenden Einkaufs- bewilligungen 13 317 Rest insgesamt 6597 Gesamtbetrag 25 758 Gesamtbetrag 35 758 Der Handelsvertreter Von Ludwig Haberer Ein viel genannter und in weiten Kreisen der Bevölkerung höchstens dem Namen nach bekannter Beruf. Nach dem Handelsgesetzbuch des Jahres 1887 nannte man ihn „Handelsagent“. Im Ausland, vor allem im klassischen Land des Handels, in England, nennt man ihn heute noch „Agent“. In Deutschland fand diese Bezeichnung nur wenig Anklang. Nach dem ersten Weltkrieg führten Reich und Lander auf dem Verordnungswege die Bezeichnung „Handelsvertreter“ ein. Auf dem beide, seiner eigentlichen Tätigkeit, nämlich in der Industrie und im Großhandel, nennt man ihn kurzweg „Vertreter“. Welche Aufgaben hat der Handelsvertreter? Es ist überraschend, Immer wieder die Fest» Stellung machen zu müssen, wie wenig man außerhalb der unmittelbar beteiligten Kreise von een Aufgaben und der Bedeutung des Handelsvertreters weiß. Daher erscheint es ^ le „Allgemeinheit hierüber auf- o, k ?, rCn ’ alJzufr üh verstorbene Freibur- gei Umversitatsprofessor Dr. Lampe hatte es , S , * zu Aufgabe gemacht, diesen Berufsstand ? Z l IZleI l ung einer Gruppe ausgewähl- tei Handelsvertreter zu erforschen und in J hm heraus zugebenden Nach- chlagewerk die große Bedeutung des Han- delsvertreterberufes für das getarnte Wirt- ^aftsleben herauszustellen; gleichzeitig »“■fe dareelbe die Grundlage bilden für ein entbrechendes neues Gesetz anstelle des ver- |^eten aus dem Jahre 1897. Infolge des un- 2?“** Todes dieses hervorragen- ^ Ge 6^" blieb dieses bedeutungsvdUe werk le'der unvollendet. bind, m l eI , Ve , rtr . eter fungiert als Ver- teuren vnn n ^ e,s ”mlsweise zwischen Imnor- v R ° hst0ffen und Fabrikanten, zwi'- äTnZJZl El / emPi ' n von Halbfabrikaten und shie , n ev .Fertigwaren, zwischen Indu- k Großhandel auf der einen und Kleinhandel auf der anderen Seite usw. Der Nichteingeweihte stellt sich unwillkürlich die Frage, warum dieses Zwischenglied, es verteuert ja nur die Ware, weshalb kauft der Fabrikant seine Rohstoffe nicht direkt beim Importeur, warum der Großhandel seine Waren nicht.-direkt beim Fabrikanten? Bedauerlicherweise werden selbst seitens maßgebender Stellen, die es unbedingt wissen sollten, derartige Fragen aufgeworfen. Man erkennt auch hieran so deutlich, wie sehr Deutschland sich in den letzten 10 bis 15 Jahren von einer echten Volkswirtschaft entfernt und sich immer mehr in einer verbürokratisierten Warenbewirtschaftung verstrickt hat In der heutigen Zeit der Warenknappheit und der Warenbewirtschaftung, in der ohne Rücksicht auf die Warenbeschaffenheit alles gekauft wird, soweit Geld dazu vorhanden ist, weiß man leider sehr wenig von den Eigenschaften und Tugenden des Königlichen Kaufmanns, von wohlmeinender Beratung des Käufers, gestützt auf gründlichster Warenkenntnis und jahrzehntelangen Erfahrungen. Dennoch erweist sich der gute Handelsvertreter auch heute als ein wichtiges Glied der Versorgung seines Gebietes mit Waren aller Art Die von ihm vertretenen Lieferfirmen, die in der Regel weit außerhalb seines Gebietes ansässig sind, werden an den unablässigen Bemühungen eines guten und geschätzten Vertreters nicht vorübergehen, sondern diesem Gebiet nach bestem Können von ihrer Produktion abgeben. Berichte über die Verhältnisse im Vertretergebiet und über die Bonität der einzelnen Kunden, Vorschläge und Bemühungen wegen Versorgung der L’eferfirmen mit Rohstoffen, ■welche im Vertretergebiet gewonnen werden und noch manche anderen lebenswichtigen Fragen zwischen Lieferanten und Abnehmer erfordern große Erfahrungen, kaufmännisches Geschick und Tatkraft- Ganz anders aber gestalten sich die Aufgaben des Handelsvertreters bei etwas normalerer Versorgungslage, wie sie in nicht zu ferner Zeit erwartet werden darf. Dann ist der gute Vertreter im wahrsten Sinne der Marktbetreuer seines Gebietes. Gewiß soll er in erster Linie den Absatz seiner von ihm vertretenen Lieferfirmen fördern; entscheidend aber für diese primäre Aufgabe sind seine sonstigen Obliegenheiten. Er muß nicht nur die zu beliefernden Industriewerke und Handelsfirmen durch und durch kennen und über deren Versorgungslage jederzeit genau Bescheid wissen, sondern er muß den Bedarf in den einzelnen Warenartikeln geradezu vorausahnen und seinen Häusern auf Grund seiner sorgfältigen Beobachtung aller Gegebenheiten evtl. Vorschläge machen wegen Aenderung oder Neuaufnahme von Artikeln, auch wegen tragbarer Verbilligung oder Verbesserung, wobei er aber stets das Interesse des Verarbeiters oder Verbrauchers der Ware im Auge behalten muß. Seine ganze Sorge muß sein, daß seine Lieferanten wegen guter und vertrauenswürdiger Lieferungen eine Vorzugsstellung bei den Kunden bekommen und bewahren. Er wird daher nichts unversucht lassen, beide Teile durch die Lieferungen so zufrieden zu stellen, daß Verbindungen von großer Dauer entstehen. Bei Mängelrügen, die auch bei guten Geschäftspartnern immer wieder Vorkommen, wird er sich aufs äußerste anstrengen, eine ernste Auseinandersetzung zu vermeiden und eine gerechte gütliche Verständigung herbeizuführen. Er weiß, daß der Verlust eines Kunden für ihn ein nicht wiedergutzumachender Schaden bedeutet. Aus diesen Andeutungen ist zu ersehen, daß der Handelsvertreter mit seinen umfassenden Aufgaben in einer gesunden Volkswirtschaft nicht entbehrt werden kann. Große Industriegrunpen haben versuchsweise anstelle der Handelsvertreter in den" Absatzgebieten Verkaufskontore eingerichtet. Abgesehen davon, daß eine solche Verkaufsorganisation die Ware wesentlich mehr verteuert, als es die Provision des Handelsvertreters tut, hat man im allgemeinen mit den Verkaufskontoren nicht die gleich gute Erfahrung gemacht und ist teilweise wieder zu der Verpflichtung von Handelsvertretern zurückgekehrt. Es ist ohne weiteres klar, daß für diesen Beruf nur Personen geeignet sind, welche über eine beste kaufmännische Erfahrung sowie über gründliche Warenkenntnisse verfügen. Es müssen Menschen mit tadellosem Ruf und Auftreten, ausgestattet mit aller- feinstem Einfühlungsvermögen, sein. Daher ist es begründet, daß das Wirtschaftsministerium, die Handels- und Industriekammern und Handelsvertreterverband Zusammenwirken, um eine strenge Auslese vorzunehmen und alle jenen Personen von diesem Beruf fernzuhalten, welche diesen Anforderungen nicht entsprechen. Ist die Genehmigung erfolgt und die polizeiliche Legitimationskarte erteilt, so schließt der Betreffende mit Lieferfirmen, welche ihn mit der Vertretung betreuen wollen, einen sorgfältig ausgearbeiteten Vortrag ab. Darin wird das Gebiet, welches übertragen wird, genau festgelegt und ebenso die Provision, welche der Vertreter für alle Lieferungen an Abnehmer seines Gebietes erhält. Leider üben diesen Beruf auch viele ungeeignete Personen schwarz aus und schädigen den Ruf der ordentlichen Vertreter in der Oeffentlichkeit. Noch zu keiner Zeit war der Zudrang zu diesem Beruf so stark, wie gegenwärtig. Sie besitzen weder die vorgeschriebene Genehmigung noch die polizeiliche Legitimationskarte. Werden sie festgestellt, so wird ihnen die Ausübung dieser Tätigkeit natürlich untersagt. Es kann den Behörden nur dringend empfohlen werden, von allen denen, welche sich als Handelsvertreter bezeichnen, die Vorzeigung der Y“gitimations- karte zu verlangen. Nur so wird es nach und nach gelingen, die Allgemeinheit vor dem Treiben dieser sogenannten „Handelsvertreter“ zu schützen. I ROMAN VON BILLA SCHROEDTER 12 . Fortsetzung. Irene stellte jedem einen Teller und die große Schüssel mit dem künstlichen Schlagcreme hin, durch den sie Johannisbeeren aus unserem Garten gemischt hatte. Unter der Schale, in einem dafür angebrachten Gefäß, schwamm Eis. Sie hatte alles sorglich und nett vorbereitet. Frau Karringer nickte ihr lebhaft zu. Dieses Mädchen war nicht nur schön, es war auch liebenswert, weil es anstellig, fleißig und sanft war. Wir klatschten in die Hände, dainit die Männer näher kommen sollten. Dann saßen wir alle, ich mit Heinzchen auf dem Schoß, um den Tisch herum, unter der blau-weißen, kurzen Markise. Aber ich kam mir verlassen vor. Mein Herz war traurig und blieb es. Ich glaube, Frau Karringer hatte es gefühlt. 13 . Dieses Traurigsein verstärkte sich mit dem Vorschreiten des Sommers und verringerte Sich auch nicht, als der Herbst in unserem Weinen Garten die bunten und duftlosen Blumen in verschwenderischer Fülle blühen ließ. Nach außen hin ließ ich nichts davon merken, doch soviel ich auch dagegen ankämpfte, etwas quälte mich fortgesetzt, das nicht nur mit meinem Schuldgefühl zusammenhing. Vergeblich sagte ich mir immer wieder, wie harmonisch es in meiner Häuslichkeit sei. Alles war auf Güte, auf gegenseitiges Verstehen abgestimmt. Die Sorgen, die das ganze unglückliche Land drückten, waren auch die unseren. Wir litten Mangel wie die anderen Menschen, lebten von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde wie die anderen Menschen. AbeF wir waren bestrebt, uns untereinander das Leben leichter zu machen, wir überlegten, wir teilten, wir hofften zusammen, und so übergroß auch die leibliche Not in jenen Zeiten gewesen war — sie nahm niemals das Ausmaß meiner seelischen an, an der ich nicht unschuldig war, ich weiß es, die ich ja auch tragen wollte, nur eben nicht so, um mit meinem Teuersten zu bezahlen. Dabei hätte ich Irene nicht mehr missen wollen. Ich war ihr aufrichtig zugetan, sie war meine liebe, junge Schwester, mein. Töchterchen. Um so verwunderlicher mag es scheinen, wieso ein Stachel in meinem Herzen war, wenn ich aus anderem Munde die Schönheit Irenes rühmen hörte. Frau Texas streifte mich zuweilen mit ihren fragenden Blicken. Sie kam mir mitleidig vor und das Mitleid, das diese gute, einfache Seele mir zollte, war mir verdächtig. Was mir Frau Karringer im Garten sagte, war mir in Erinnerung geblieben, so sehr ich mich auch vor kleinlicher Eifersucht hüten wollte. Ach, es war wohl auch nicht Eifersucht, und bestimmt war es kein Neid, was mich jetzt immer so heftig betrübte. Nie bin idh auf schöne Frauen neidisch gewesen, habe sie eher bewundert, Gefallen an ihnen gehabt wie an schönen Kunstwerken, die mir Freude machten. Heute schmerzte mich ein noch unklares Bewußtsein, als sei ich in unserem Hause nicht mehr die Frau, die Mutter, sondern ein Gast, eine Verwandte, der man zugetan war, die man gern um sich hatte und nicht missen mochte. Dieser schwere Druck ln meiner Vorstellung löste sich besonders aus, wenn wir zusammen bei Tisch saßen, Heinzchen in seinem Stühlchen, von dem aus er schon versuchte, mit einem Löffel zu hantieren, ich neben ihm, weil er trotz allen Zuredens nicht zu bewegen war, sich von Irene füttern zu lassen, mein Mann in dem hohen Stuhl, der seine Würde als Hausherr dokumentierte, und neben ihm Irene, ein junger, sehr liebenswerter und williger Mensch, der niemals darauf aus war, sich vorzuspielen. Sie war jederzeit bemüht, mir eine Hilfe zu sein, sah mir nach den Augen, erriet meine Wünsche, und obwohl ich sie doch niemals anders als wie ein Vertraute behandelte, besaß sie einen ausgesprochen feinen Takt, der sie vor Überheblichkeit bewahrte. Sie verschwand nach dem Essen, besonders an den Abenden, um uns im engsten Familienkreis zu lassen. Es kostete mich jedesmal Mühe, sie zurückzurufen. Wir führten oft lange Gespräche darüber, was richtig, was falsch war, wobei sie die Ansicht vertrat, man dürfe die Güte von Menschen nicht ausnutzen und ich sei nun einmal eine so ungewöhnlich gütige Frau, über deren Seelenzustand man wachen müsse. Das war eine erstaunliche Erkenntnis bei ihrer Jugend, der ich, was meine Güte anging, zu widersprechen versuchte. Irene füllte unsere Wohnung mit ihrer Lieblichkeit aus. Was immer sie auch tragen mochte, ob ein hübsches Kleid oder das einfache alte Dirndlkostüm — ich erschien mir neben ihr stets wie ein armes zerzaustes Huhn, saß in gerade nicht herrschender Haltung auf meinem Platz und nur ein Glück, eine Sicherheit war mir geblieben: mein kleiner Heinz, von dem ich getrost immer wieder und wieder „mein“ sagen durfte. Er hatte Irene liebgewonnen, sich an sie gewöhnt. Er folgte ihr und saß brav auf ihren Armen. Denn sie gab sich alle Mühe mit ihm. Sie war ihm zärtlich zugetan. Oftmals nahm ihr reizendes Gesicht einen bewegten Ausdruck an, wenn sie ihn liebkoste, mit ihm spielte, ihn badete oder durch unseren Garten trug. Ich vermochte sie dann nie ohne tiefe Bewegung anzuschauen. Ich fühlte mich schuldiger, als in anderen Augenblicken, mir tat das Herz weh, ich bin manchmal davongegangen, um mich an einem stillen Platz herzlich auszuweinen. Solche Momente wurden häufiger. Irene wechselte erst jetzt vom Mädchen zur Frau hinüber, sie wurde sich erst jetzt bewußt, was Mutter sein bedeutet. Dennoch haftete ihr eine süße, stille Unschuld an, die um so auffälliger war, je mehr unsere jungen Mädchen in diesen trostlosen Tagen zum Leben drängten. Sie war imschuldig geblieben trotz ihrer schrecklichen Erfahrung oder gerade ihretwegen, und ich sagte mir, der Mann, der sie einmal lieben und heiraten würde, bekäme das reinste Geschöpf zur Frau, das er sich wünschen könnte. Mein Heinzchen aber, so gern er Irene hatte, schloß dennoch nicht die kleinsten Kompromisse. Seine kindliche Liebe galt nur mir. Sie ließ er nicht teilen. Er machte die gröblichsten Unterschiede zwischen Dadda, Irene und Maram. Dadda war* etwa wie ein großer, bewundernswerter Hund, mit dem es sich prächtig spielen ließ, der auf dem Teppich mit einem herumkollerte, der die wunderlichsten Töne ausstoßen konnte, pfeifen und singen und „Wauwau“ und „Kikeriki“ machen. Dadda war der angenehmste Zeitvertreib für ein so winziges Bübchen, wenn das Bübchen gerade Laune für ihn hatte. Doch das war nicht immer so. Manchmal herrschte Mißstimmung in der kleinen Jungenbrust. Dann wurde geschrien, ein ärgerliches Gesicht gemacht, man verschmierte sich mit Marmelade, mit Mehlbrei, mit dem Butterbrot, an dem man schon zu kauen versuchte. Dann kam Irene mit ihren schnellen, schlanken Schritten angelaufen, sie kam mit einem Schwamm und einem Handtuch daher, sie wusch das ungnädige Bübchen ab, sie trocknete ihm c}ie Tränen und sie nahm es auf den Arm und trällerte kleine, kindliche Melodien, sie ließ Bübchen auf- und abhüpfen, bis es sich beruhigt hatte. Wenn Irene bat: „Willst du denn kein Küßchen geben, Heinz?“ saß er starr auf ihren Armen. Er dachte nicht daran, auf so eine Bitte hin sofort den liebevollen Kavalier zu spielen. Er duldete wohl, daß Irene ihn küßte, aber er schielte doch mit seinen himmelblauen, lieben Augen seitwärts. War denn Mamm nirgends zu sehen? Wo nur Mamm sein mochte — endlos lange glaubte er sie nicht bei sich gehabt zu haben. Aber kam sie dann — o die selige Freude! Dieses Kreischen, Ärmchen- ausstrecken, dieser Jubel, wenn sie ihn aufhob, ihn so fest, so fest an ihre Brust drückte. Mamm bat nicht um den Kuß, Mamm bekam ihn so, tausend Küsse bekam seine Mamm, das feuchte Kindermäulchen rieb sich an ihrem Gesicht. Und Mamm vergaß dann alles, alles. Das Kind war die Entschädigung für das, was sie an Gram mit sich herumtrug. Denn wie ehrlich und gut auch Edwin und Irene waren —, Frau Karringer hatte etwas vorausgesehen, dessen Möglichkeit ich mit keinem einzigen Gedanken erwogen. Und auch Frau Texas in ihrer Einfältigkeit war mir in den Erfahrungen des Lebens und der Ehe weit über gewesen. Mein Mann war ein eifriger Arbeiter, der gewöhnlich auch zu Hause noch schaffte, zum mindesten meistens in Gedanken war. Er war nicht besonders redselig und nur während der Mahlzeiten ein unterhaltender Mensch, der dann gern dies und das hörte, was so während seiner Abwesenheit bei uns geschehen war. Sein Familiensinn ließ ihn an all den aufreibenden und alltäglichen Dingen teilnehmen, die jetzt nicht zu umgehen waren. Er gab gute Ratschläge, munterte mich auf, wußte auch manchmal pfiffig etwas zu arrangieren, was mir aus einer wirtschaftlichen Verlegenheit half. Sonst gab er sich mit Muße dem Studium seiner Zeitungen hin, er arbeitete seine Baupläne aus, schrieb die Artikel für den „Architekten“. So war es gewesen und so hielt er es auch, nachdem Irene an unserem Leben teilnahm. Es fiel mir aber auf, daß er bald häufiger pausierte, unterhaltender bei Tische wurde, sich nicht mehr so .bequem“ wie früher gab, sobald bene erschien und ihr schönes, klares Gesicht, eingehüllt in die silbrigen, weichen Häarwellen, ihm gegenüber wie eine große, sanfte Blume schimmerte. Im Anfang hatte er mir angedeutet, wie lieb ihm das behagliche Alleinsein, nur mit mir, vor der er sich ja zwanglos gab, wäre. „Mit der Ruhe ist’s nun dahin“, hatte er seufzend gesagt. Jetzt schien er jedoch nur wirkliche Ruhe zu haben, wenn Irene bei uns zu Hause blieb. Ich hatte ihr, die ich ja niemals als eine Angestellte, sondern immer nur wie eine mir liebe Verwandte behandelt habe, frei gelassen, an welchen Tagen sie ausgehen wollte. Es sollte keine bestimmten Abmachungen geben, alles lag mir daran, Irene ihre Abhängigkeit vergessen zu lassen. Öfter gingen wir zusammen aus, Irene und ich, in ein Theater, ein Konzert oder wir machten .Entdeckungen“, das heißt, wir bummelten aufs Geratewohl umher, suchten, was sich schon an Lokalen gebessert hatte, gingen in Konditoreien hinein, wo es schon Kuchen, zuweilen ein ganzes Gedeck, allerdings zu hohen Preisen, gab. Ganz selten nur ging Irene für sich allein aus. Vielleicht besuchte sie ihre Tante oder Freunde. Doch gewann ich den Eindruck, als ob wir ihre ganze geliebte Welt geworden waren. Ich durfte mich mit einbeziehen in diese Welt. Geliebt hat mich Irene herzlich und treu, wie auch ich sie liebte und ihr immer treu geblieben bin, nachdem dann alles so kam, wie der Himmel es über mich verhängte. 14 . Der Oktober war schon gekommen. Er war noch warm, noch immer pilgerten wir in unseren Garten. Dort blühten die Astern in allen Farben, steifstenglig standen Georginen an den Hecken und die gelben Studentenblumen säumten die Wege ein, herbe und bitter duftend, hinter den holzig gewordenen Rhabarberstauden. Es war ein Mittwoch, der Tag, den wir jetzt fixiert hatten, an dem ich mit Irene gewöhnlich nach dem Abendessen in ein Kino oder ein Theater ging. Wir hatten Karten für das Metropoltheater von einem Kunden Edwins bekommen. Es wurden Operetten gespielt, leichte Sachen, von denen ich wußte, daß Irene sie gern hatte, wie so junge Mädchen ja nicht ausschließlich schwerer Kunst ergeben sind. Das Theater war, nachdem das Stammhaus in der Behrenstraße im Kriege zerstört wurde, nach dem Norden, weit von unserer Wohnung, verlegt worden. Wir mußten uns also früh auf den Weg machen, um rechtzeitig hinzukommen. Leider konnte ich dann Irene nicht begleiten. Heinzchen hatte irgend ein Zeug im Garten gegessen, er bekam Erbrechen und ich ängstigte mich sehr. Ich blieb zu Hause, drängte aber Irene, allein zu gehen. Sie sollte ihre Abwechslung haben. Außerdem hatte sie sich so gefreut, ein neues Kleid anzuziehen, das ich ihr, um sie nicht immer in dem einen geblümten zu sehen, aus einem meiner früheren Kleider hatte machen lassen. Zuerst hatte ich mit dem Geschenk an sie gezaudert. Das Kleid war lila, eine Farbe, die ich für ein junges Mädchen wenig passend fand. Dachte ich aber an das silbrige Haar von Irene, so schien sie mir doch eine schöne Wirkung abzugeben. Ich hatte gerade die Näherin im Hause gehabt, dieses geschickte Wesen, das so glänzend verstand, auch aus mir „etwas zu machen“. Sie arbeitete heimlich nach jenem geblümten Kleid aus der lila Seide das Kleid für Irene. Es wurde wunderhübsch, die Freude war unbeschreiblich. Auch ich hatte meine Freude. Irene war aufgelebt, jung, erwartungsvoll. Es schien mir unzweifelhaft, daß sie einmal ein wahres Glück finden mußte. Sie ging also allein fort, nachdem ich lange hatte bitten müssen, denn auch sie ängstigte sich um den Kleinen und wollte mir durchaus behilflich sein. Schließlich hatte sie nachgegeben und suchte, mit meinem Opernglas und drei Bonbons von Heinzchen versehen, das Theater da draußen im Norden auf. Ich hatte durch meine Sorgen um den Kleinen an nichts anderes gedacht. Gott sei Dank besserte sich der Zustand gegen Abend. Er war nach dem Erbrechen ein bißchen schwach, wollte aber etwas essen und schlief später ruhig in seinem kleinen Bett. Mein Mann kam um die gewöhnliche Zeit nach Hause, kurz nach sieben, und wir aßen dann um halb acht. Diesmal war nichts vorbereitet, der Tisch noch nicht gedeckt, ich fand keine Zeit, mich umzuziehen. Noch immer war ich in dem grauen Kleid, mit dem ich im Garten Sträuße geschnitten, die Wege geharkt und die Markise von dem Vordach an der Laube abgenommen hatte, weil es allmählich Zeit wurde, an den nahenden Winter zu denken. Dieses graue Kleid war einmal recht hübsch gewesen, aus leichtem Wollstoff, in Prinzeßform gearbeitet. Nun war es mir aber zu weit geworden, es hatte hängende Schultern bekommen, sein Rock war zu lang, die Ärmel in ihrer Keulenform mehr als altmodisch. Doch ich dachte gar nicht an mich, ich war nur froh, weil mein kleiner Heinz wieder besser wurde, deckte schnell den Tisch für Edwin und mich und kochte die Suppe, die ich dann hastig hereinbrachte, zusammen mit dem Brot und einer heute ausgeteilten Wurst. Mein Mann saß hinter seiner Zeitung, noch im korrekten Straßenanzug. Es roch leicht nach Lavendel im Zimmer. Er hatte sieh also frisch gemacht, sogar einen neuen Kragen umgebunden, ein anderes Taschentuch genommen. Ich sah an meinem grauen Kleid herunter und lachte erheitert. „Bin ich denn fein genug für dich?“ fragte ich. „Du mußt mich entschuldigen, Edwin. Aber Heinzchen hat alle Pläne über den Haufen geworfen.“ Er legte die Zeitung zusammen und sah über den Tisch mit den beiden Gedecken. „Was hat er denn angestellt, der Junge?“ erkundigte er sich. Er hörte mir zu, war besorgt wie ich, riet, lieber noch einen Arzt zu nehmen. Da ich ihn aber beruhigte, er meine Sorgfalt kannte, zerstreuten sich auch seine Bedenken. Er aß langsam seine Suppe, manchmal nicht recht bei der Sache. „Ist heute nicht der Mittwoch, an dem du sonst mit Fräulein Prodahl ausgehst?“ fragte er, nachdem er sein letztes Brot verzehrt hatte und wieder die Zeitung entfaltete. Er nannte Irene niemals bei ihrem Vornamen, immer nur Fräulein Prodahl, wie er ihr überhaupt mit großer Hochachtung entgegenkam. Bisher war ich ihm dankbar dafür gewesen, ich erkannte seine vornehme Gesinnung daran, weil er sich gerade gegen Irene besonders ritterlich verhielt. „Ja, es ist Mittwoch,“ erwiderte ich. „Doch ich konnte Heinzchen nicht einfach Frau Texas überlassen. Ich hätte ja keine Ruhe gehabt. Darum ist Irene allein ins Theater gegangen. Es bleibt ja noch lange hell. Überdies fing es ja schon um sechs Uhr -an.“ Er sah in die Zeitung hinein, kam mir aber unaufmerksam vor. öfter lauschte er nach dem Korridor hin. Er schien etwas sagen zu wollen, unterdrückte es dann wieder. Während ich abräumte, half er mir, er beschäftigte sich in einer an ihm ungewöhnlichen, nervösen Weise. Dann fing er wieder von dem Theater an. Warum Irene nicht lieber auch hier geblieben sei. „Der Weg bis dahin ist weit, Thilde. Heute muß man vorsichtig sein. Es wäre besser, sie abzuholen.“ Ich hörte ihm, ebenso nervös wie er, verwundert zu. Es war gar nichts zu befürchten. Irene kam nach Hause, das wußte ich, ohne jedes Hindernis. „Wenn es dir sicherer erscheint,“ sagte ich, um ihn nicht zu verstimmen, „hole Irene ab. Ich glaube, das Theater wird um neun Uhr zu Ende sein.“ Er war befriedigt, weil ich ihm entgegenkam, lächelte, bekam gute Laune. Mir tat das Herz wph. Hinterher, als ich in der Küche für Irene das Abendbrot bereitete und hinstellte, schalt ich mich meiner kleinlichen Eifersucht wegen. Er hatte recht, Irene war so hübsch, wenn irgend ein Mann ihr nachstellte, litt sie vielleicht, mochte es auch nur ein harmloses Abenteuer bedeuten. Sie war ohne Eltern, wir hatten die Pflicht, auf sie zu achten, sie mit Liebe, mit Sorge zu umgeben. Aber diese Erwägungen machten mich nicht ruhiger. Ich verspürte noch immer den Schmerz in der Brust, die Tränen saßen mir recht locker. Gern hätte ich mich noch umgezogen. Ich lief ins Schlafzimmer hinein, betrachtete mich in dem großen Spiegel. Ich war garstig, wie ich dachte, ich sah ja ganz abscheulich in dem alten, grauen Kleid aus. Noch dazu hatte ich 'einen Fleck im Rock, der durch Heinzchen gekommen sein mochte. Ich wusch ihn eilends aus, zog mich aber nicht um. Ich schämte micäh es zu tun. Es sah aus, als wollte ich nun in Konkurrenz mit einem hübschen, jungen Mädchen treten. Mit einem Male hörte ich Irene wiederkommen, es war kurz nach acht. Ich eilte in den Korridor hinaus. Sie legte gerade den Mantel ab, ordnete ihr Haar vor dem Spiegel. „Sie spielen heute nicht,“ erzählte sie mir. „Im letzten Augenblick war ein Darsteller krank geworden, der keinen Ersatz hatte. Aber dafür gelten die Karten für nächste Woche. Ich freue mich eigentlich. Es wird ja viel hübscher sei, wenn ich mit Ihnen zusammen hingehe, Frau Stössing. Auf dem ganzen Weg haben Sie mir so gefehlt.“ (Fortsetzung folgt.) -fl. if wm »©luefe mit f&ren $üd)letn« nannte der Dichter Schick'ele dieses Dorf mit seinen um die Kirche geschalten Häusern Nr. 3/8. 1. 48 „DAS NEUE BADEN* Seit« 8 glas ien, den sei nd. :hen (lief [ein ach ann itet, äine ich ten und ube Zeit ten. >sch eß- 2U ern mel ich der für die mit irst. loch icht also gen ge- leid igte .vin. den sah se itsw»hl und damit eine Vertrauensfrage er- Stärker als alle Argumentationen im Inter- SSSSTaSSPie^kornLü^l«der sSSt aten Range». Man war sich im demokratischen esse des Gemeinwohls waren Doktrinarismus frainaen flrtaeo, sie die Fragw'flrtiigkeit der Lager völlig darüber klar, daß es unter den und Parteiegoismus. Die logische Folge ist nun iruKrefcten Wehlen erhellen. D Bed. nun einmal gegebenen Verhältnissen geradezu leider die Einsetzung eines kommissarischen „ .. ™ ., . , eim Patentlösung bedeutet hätte, wenn es Bürgermeisters. Auf alle Fälle aber kann die Die Vorgänge um die warn a»s g r g anne - mö gjj ch g ewe sen wäre, einer von allgemeinem DP mit Recht einen Erfolg ihrer Entschlossen- ** ers ,. in , Villmgen Uetem^em ^Musvercteisp^ Vertrauen getragenen Persönlichkeit rückhalt- heit darin erblicken, daß die Stadt Villingen für die hochst unerireuhchen Folgeers hemu - iog seine Unterstützung und Mitarbeit zu ge- nicht für 9 Jahre einem kräfteverzehrenden gen der unserer _ demo ^ ratischen Auf ms sung währen und dies umso mehr, als die DP in und höchst schwierigen Ausbalancieren der teilweise zuvwdarlaufmaen Bestimmungen u - villingen wie im ganzen Lande den gesamten Wünsche zweier praktisch gleich starker Par- f T Oamemaeoi ^nun g. Wahlkampf bewußt und betont in der fairsten teien — zum Nachteil einer dringend erforder- jä öl iJ*t < ! 18Che G l^ ndeor , d ^ un ^ Weise geführt hat, ohne Angriffe und Ausfälle, liehen ersprießlichen Arbeit — überlassen Tma rri? Gerade, um diesem Prinzip treu zu bleiben, bleibt, sondern daß die Chance geboten ist, über 3000 Ein wohne rn nichtdurch die Gesam - waj , leider dieser an sich am schnellsten zum evtl, schon vor Ablauf der zweijährigen Amts- fteit der MWbiöweP, sonuem ouren a s reia giele führende Weg nicht beschreitbar, ob der zeit des kommissarischen Bürgermeisters, eine Keine Gremium «üi^ Stadtr t*® - e{ne 0 der der andere Kandidat mehr als Ein- auf der Basis ruhiger Ueberlegung sich auf- ren ist. BemnriMMww * jm e erstaunli ch, da ze jp ergon a | s Repräsentant der von ihm bauende Einigung auf eine über der Gunst der Akuten rwüüwy vertretenen Richtung nach Auffassung der DP Parteien stehende Persönlichkeit zu bewirken. der obeQ angedeuteten Bedingung nicht ent- Diese Hoffnung ist umso berechtigter, als die imserem sprach. DP als einzige Partei darauf hinweisen kann, Nachbarland Württemberg steht. Di e jjp entschloß sich daher zu einem Ap- daß sie alle ihre Entschlüsse und Stellung- Groftes Schadenfeuer GERNSBACH. DienstagnaHimittag war in den großen Lagerschuppen der Firma Schoel» ler & Hoesch am Ausgang des Fabrikgelände« ein Brand ausgebrochen, der mit unheimlicher Schnelligkeit sich auf den glücklicherweise freistehenden Gebäudekomplex verbreitete. Bas Feuer fand in den Lagerschuppen an Roh« stoffen wie auch an den vorwiegend aus Holz gebauten Schuppen reichliche Nahrung. Die Fabrikfeuerwehr der Firma Schoeller & Hoesch griff sofort ein, bald kamen die Freiw. Feuerwehren Gernsbach und Hörden, sowie die Wehren der Firma Katz & Klumpp und der Daimler-Benzwerke hinzu; doch war es kaum möglich das Feuer einzudämmen. Nur ein Flügel des vorderen Schuppens blieb stehen. Noch bis zum späten Abend mußten immer wieder die aufflackernden Brände gelöscht werden. Der Schaden ist sehr erheblich. Al* Brandursache wird Kurzschluß oder Selbst« entzündung der Rohstoffe vermutet. dirBür^me^maÄmErS £*3 «» *» «*««>«> Menschenverstand und nahmen ausdrücklich von die Burgermeisterwahl ein Erge , so d deH Gemeinschaftssinn der Mitbürger, reprä- beschluß ihrer Mitgliederversammlungen ab dem Mehrheitssentiert durch die Parteien, Bei entsprechen- hängig machte. Flüchtlinge aus Dänemark Südbaden nimmt sie auf — Menschen mit schweren Schicksalen suchen eine neue Heimat Pie ersten kleineren Transporte der deutschen wie sie mit ihr®! Kindern über die See Oder ***** Lande davonkamen. Sie Rammen sehenen Kreise verteilt worden. Mehr werden sämtlich aus Ostpreußen, Westpreußen, Dan- folgen; denn das Gros ist im Laufe dieser Wo- zig und Pommern, sie haben mit ihrer Heimat chen zu erwarten. Ehe Transporte mit ie 750 a jj e Habe verloren und viele beklagen den Menschen gehen zündetest nach Offenburg in das _ , _ ■»/«+ n: K „ Hauptdurchgangsisger Holderstock, von wo sie Tod ihier nächsten Angehörigen. Mit Hilfe natih besonderen Gesichtspunkten weitergeleitet des Suchdienstes, Hamburg, gelang es man- tverden. eben Frauen, den Aufenthalt ihrer Männer die Stadt für weitere zwei Jahre ein kommissarisches Oberhaupt erhalten wird. Ein derartiger Wahlausgang ist letztlich nichts Ungewöhnliches — wenn auch keineswegs erstrebenswert —, so lange die Gemeindeordnung keine Urwahl Jn unseren Großgemeinden zulassen wird. Sicher ist es — zumindest theoretisch — auch bei einer Urwahl denkbar, daß «in kommissarischer Bürgermeister eingesetzt werden muß, weil eine Mehrzahl von Bewerbern jeweils die gleiche Stimmenzahl auf sich vereinigt hat. In der Praxis dürfte aber wohl spätestens nach dem 2. Wahlgang, also einer Wiederholung der Urwahl. eine klare Entscheidung gefallen sein. Me Vorgänge in Villingen smd kurz folgende; Aus den Gemeindewahlen ging die CDU erheblich geschwächt mit 7 Sitzen, die „ .. , ....... SPD. gegen früher verdoppelt, mit « Sitzen, Wenn man mit den Flüchtlingen spricht, die ausfindig zu machen, und jetzt smd sie viei- «nd die FDP sowie die KP in gleiehgebliebe- jetzt aus Dänemark zu uns in den Kreis Bühl dorthin unterwegs, wo ihre Mnaner sich «er Stärke mit 2 bezw. 1 Sitz hervor. Trotz kommen, hat man von ihnen häufig einen nea niedergelassen haben. Andere wiederum dieses Ergebnisses steht im übrigen ein be- irgendwie verstörten Eindruck. Die einen sind mußten den Tod ihrer Lieben erfahren oder trächtlicher Zuwachs auf Seiten der DP außer ganz still, in ihnen muß sich erst wieder ord- daß sie moch vermißt werden. Auf jedem ein- Frage, nur gefiel es einem launischen Schick- nen, was in der jüngsten Vergangenheit ihr zelnen der Flüchtlinge liegt tiefes Leid. *al, daß deT Partei eine Handvoll Stimmen zu inneres Gleichgewicht erschüttert hat. Andern Am meisten aber hat sie die Unfreiheit hin- «inem 3. Sitz im Stadtrat fehlte. hingegen springen die Sätze ungehemmt von ter dem Stacheldraht bedrückt, und die Vor- Die CDU präsentierte den bisherigen Bür- den Lippen, in firnen hat sich so viel auf- Stellungen über Menschenwürde und Humani- aermeister zur Wahl, während die SPD auf gestaut, daß sie es nicht schnell genug von der gerieten bei ihnen völlig ins Wanken. Zum Grund ihres überraschenden Wahlerfolges ver- Seele reden können. erstenmal seit drei Jahren durften in_ einigen »tändlicherweise der Ueberzeugung war, auch Es ist allen in den mehr als drei Jahren, die am Meer gelegenen Lagern die Internierten in Ihrerseits einen Kandidaten stellen zu sollen, sie in dänischen Internierungslagern verbrin- diesem. Soinrner aus dem Tor gehen, das aber Auch hier bewies das Schicksal seine manch- gen mußten, nicht gut ergangen. Sie haben die nur zü bestimmten Gruppen und unter Be-s» mal Sprunghafte Laune, indem sich bereits im ganze Zeit hinter Stacheldraht gesessen, wur- W ac nung durch deutsche Lagerpolirtsten,. die erstön' Wahlgang die beiden Kandidaten im den von Militär und Polizei bewacht, und es vorn und hinten mitmarschierten. So zog man Stimmenverhältnis SPD : CDU = 7:6 ge- geschah nicht eben viel, um ihnen das Leben an nahen Strand, und dort konnte dann genüberstanden — ganz entgegen dem Wahl- zu erleichtern. In den ersten beiden Jahren gebadet werden. Zu den Vorschriften gehörte Ergebnis —. da die CDU eines ihrer Mitglieder war auch die Ernährung nicht ausreichend, a '® e ' ne der strengsten die, daß mit keinem ausgeschlossen hatte, während es der SPD r ■; fehlte an Heizmaterial, und es kam vor, Dänen gesprochen werden durfte. Nach vier gelungen war, für die Gesamtdauer der Wahl- -iß iernand, der im Lagergelände nach Holz Stunden, war der Ausgang zuende. Diese handl ungen sich dar Stimme des Kcrmmunisti- ucht von den Posten auf den Wachttürmen „Freiheit” dauerte nur wenige Wochen, sehen Stadtratsmitgliedes zu versichern. Die- angeschossen wurde. „Unter solchen Verhältnissen muß man ja ser Konstellation befand sich nun die DP mit Das wird alles mit großer Bitterkeit er- verrückt werden”, wenden wir ein. ähren 2 Stimmen gegenüber. Es war natürlich zählt, auch daß bei der Verteilung der Le- „Das wurden auch genug”, antwortete eine Und selbstverständlich, daß beide großen Par- bensmittel und Bekleidungsstücke, die aus Danziger Mutter von drei Kindern. „In den teien sich lebhaft bemühten, die Stimmen der amerikanischen, schwedischen und Schweizer großen Lagern gab es regelrechte Irrenan- ©P für ihren jeweiligen Kandidaten au ge- Spenden stammten, Unterschlagungen vorge- st alten, die immer voll belegt waren. Sie glau- Wtahen, da keine von beiden Parteien, allein kommen sind. Man sah, wie ein dänischer wber die nötige Stimmenzahl verfügte. Es soll Lagerchef mit seinen deutschen Helfern ver- *n dieser Stelle nicht erörtert werden, daß die haftet wurde. Als die Flüchtlinge 1945 hinter Formen der Werbung um die begehrten De- stacheldraht gesperrt wurden, hatte man ih~ jnokratenstimmen in manchen Fällen — und neB sämtliches Bargeld abgenommen. Die xueht nur im übertragenen Sinne — die Gren- ganzen Jahre hindurch blieben sie ohne einen Pfennig, sie kennen überhaupt kein Geld mehr. Das heißt, jetzt bei der Entladung sind ihnen die damals beschlagnahmten Men der „Schicklichkeit” hart streiften. Flüchtig betrachtet hätte die DP also nur die relativ einfache Wahl gehabt, sich für den Kandidaten der einen oder anderen Partei zu feen nicht, wie es uns wohltut, hier wieder nach eigenem Willen herumlaufen zu können, wo man mag.” Agnes Miegel half den Flüchtlingen „Haben Sie im Lager gar keine Unterhaltung gehabt?” Doch. Filme, die von den deutschen Sol- »W» angelegten Li® P ?*?** 4 ab «r _bekanntlich W ieg er «usgezahlt worden — in Reichsmark Wrif****®* »jm stehen sie heute völlig ohne Mittel da. peinsten politischen Selbstverwaltungskörpern Imner noch besondersi kompliziert und oogu Nur 8 Prozent Männer gespannt zu sein, so daß es für eine Partei Seichter tot. dem Ministerkandidaten einer an- im Durchschnitt setzen sich die Dänemark deren politischen Gruppe ihre Unterstützung o lüchtlinge zu 45 Prozent aus Frauen, zu 47 bu leihen, als dem Bürgermehrterkandidaten Prozent aus Kindern und nur zu 8 Prozent einer anderen — und wenn auch durch viele aus Männern zusammen, die meist alt sind gemeinsame Ziele befreundeten — politischen Als es 1945 notwendig wurde, die Heimat zu ächtung. Eine Bürgermeisterwahl tot und verfassen, standen die gesunden Männer alle Gruppen für Theater und alle möglichen Gebiete taten sich zusammen. Es waren Fachkräfte unter uns. ln Oxbüll hatten wir richtige Schulen und für die begabten Kinder sogar eine Oberschule eingerichtet. Ich erinnere mich auch gern der ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel, die selfcstverfaßte Geschichten und Gedichte vorlas und uns durch ihre menschliche Art oft wieder aufrichtete, wenn wir verzweifeln wollten.” Alien hat das Leben erneut seine Pforte feleibt nun einmal In «inem Intakten demokra- im Einsatz, und die Frauen mußten sehen, aufgetan. Auch die Verbittertsten hegen eine Alban Sw- ■ alte öott UL- Li. idtocke KalOBdergesehiehlv *e war ehii.ial ein Gewerbstnann, und sein tkswerb wollte nicht recht gehen. Die Kunden ■wollen nicht zahlen und blieben von wegen des Gedächtnisses an die Schuld weg. Der Hauszins war noch rückständig, und der Hausherr hat schon ein paarmal gescholten und mit „Bettelvolk“ um sich geworfen, und er werde ihnen ihr Sach auf die Gasse raus- steilen lassen, wenn sie te vierzehn Tagen «kht gezahlt hätten. Zudem hat es im ver- wichenen Sommer fast gar nicht geregnet, so daß der Sester Kartoffel bis eine Mark zwanzig Pfennige kostete, und alles gar teuer war. und die reichen Leute viel jammerten darüber und die Armen Not litten. Darüber wurde der Mann gar sehr trübselig, er klagte bitter über sein Elend, so daß man es fest gar nicht hoso» trennte und manchmal ganz erschreckte denn er keß vielmehr bedenkliche Reden fal- leh, als wollte er seinem elenden Leben ein Ende machen. Die Frau war ein rechtschaffenes Weib mit nem festen, mwmharten Sinn, denn sie hatte ’gron. Sie suchte 4 ^ ^ at|ng? Trübseligkeit zuzureden und ihn aufzumun- tern, und wenn sie auch selber innerlich gedrückt war, so zeigte sie es auswendig nicht, um den Mann nicht noch ganz in Kleinmütigkeit versinken und versaufen zu lassen, .her alles umsonst. Einstmals saß aber auch die Frau selber ganz langweilig am Tisch und rührte kein Essen an und wollte nicht reden. Der Mann hatte sie noch nie so gesehen, und es begehrte ihn zp wissen, was mit ihr sei. — Die Frau wollte zuerst gar keine Antwort geben, da aber der Mann ihr keine Ruhe mit Fragen ließ, sprach sie endlich: „Ich habe eben heute nacht einen gar traurigen Traum gehabt, es hat mir geträumt,. unser lieber Herrgott sei gestorben, und alle Engel seien rnit der Leiche gegangen und haben dabei Flore getragen und gar bitterlich dabei geweint, und auch mir hat es schier das Herz abgedrücäct, daß Gott hat sterben müssen und es liegt mir jetzt noch schwer auf der Seele” — „Dummheiten“, sagte der Mann, „wie kannst du denn so etwas danken! Kann denn Gott sterben?“ Da wufde das Antlitz der Frau fröhlich, und es war, wie wenn ein Sonnenblick aus ihren Augen silbrig leuchtete. Sie nahm beide Hände des Mannes in ihre beiden Hände, sali ihm mit frommer Freundlichkeit in# Gesicht und sprach: „Also Wää *290!» alt« Gott?" Verwundert über die seltsame Rede seiner Frau, sagte der Mann: „Ja freilich lebt Gott noch, wie kannst du nur so kindisch reden?“ Da schaute die Frau noch fester und tiefer dem Mann in seine scheuen und verworrenen Augen und sagte: „Ei nun, wenn der alte Gott noch lebt, der nämliche Gott, der schon vierzig und fünfzig Jahre lang bis auf diese Stunde uns erhalten hat, warum willst du denn verzagen und kein Vertrauen mehr zu ihm haben? — wie er nicht gestorben ist, so ist er auch nicht anders geworden, und wie er für uns gesorgt hat, als wir alle zwei unmündige Kinder waren, so sorgt er heute für uns und für unsere unmündigen Kinder Tue ihm doch nicht die Unehre und die Sünde an, daß du Mißtrauen gegen den lieben Gott habest.“ Und wie das Weib so dem Mann zuredet, so redete ihm Gott auch innerlich zu, und es zerteilte sich in seiner Seele das Gewölk der schweren finsteren Gedanken, und er fing nach langer Zeit zum erstenmal wieder an zu lächeln und sprach: „Ja, Frau, du hast recht, du bist gescheiter und christlicher als ich, ich will jetzt und in Zukunft mehr auf Gott hoffen.“ — So tat er denn auch, und sein Vertrauen ist nicht zuschanden geworden. Den im Herderverlag neuverlegten Kalender- g'eschichten des volkstümlichen badischen Erzählers Zwischen Zeit und Ewigkeit” ent- noaunep. leise Hoffnung, daß sie nach den schweren Jahren zu einem ruhigeren Dasein und zu, erträglichen Verhältnissen gelangen werden. Freilich sind sie auch voller Zweifel, man darf es ihnen nicht verargen. Wer aber wollte* angesichts solcher Schicksale zögern, di« Flüchtlinge mit jener Menschlichkeit aufzunehmen, die einfach christliches und soziales Gebot ist, und ihnen jede nur erdenkliche Hilfsbereitschaft entgegenzubringen? Von der Landesleitung und den Kreisvev« waitungen wurde alles organisiert, was sich zur Behebung der ersten Not nur organisier ren läßt Jetzt liegt es bei den Bürgermeistern und den Gemeinden, das ihre zu tun. Vor allem ist es notwendig, den Flüchtlingen menschenwürdige Quartiere zu geben. Wohn« raum ist in den Dörfern unseres Kreises genug vorhanden, daran besteht kein Zweifel; noch immer gibt es Häuser, in denen mehr Zimmer sind als Menschen, und manche Gemeinde hat heute weniger Einwohner als vor dem Kriege. Von der Bereitwilligkeit der Einheimischen, etwas enger zusammenzurük- ken,. wird es abhängen, ob bei uns das Flüchtlingsproblem zufriedenstellend . gelöst werden kann oder ob vom Staat her erst , mit dem Zwang von Gesetzen eingegriffen werden muß. Man sollte wünschen, daß unter Führung der Bürgermeister und Pfarrer der Gemeinden mehr oder weniger freiwillig alla dazu beitraget», den Dänemark-Flüchtlingen das zu bieten, was sie als Deutsche unter Deutschen und als Menschen unter Menschen füglich erwarten dürfen E. M. Das Ausland hilft Südbaden Eine hochherzige Schweizerspende Radolfzell. Von der Ostschweizerische» Grenzlandhilfe wurde eine, Sammlung durch« geführt zii Gunsten deutscher Bedürftiger,, be« soiiders , der Flüchtlinge, dig. ejij ganz außerordentliches Ergebnis äüfzüweiSen . hatte. I» mehreren großen Kisten waren Wintermäntel für Männer und Frauen, Anzüge, Kleider, wollene Westen und Pullover, Strümpfe, Socken und Unterwäsche in großer Anzahl, sowie mehrere Kisten mit Schuhen, in Radolfzell angenommen! Im Bürgersaal des Rathauses waren am Mittwoch Angehörige der 1 verschiedenen caritativen Verbände mit dem Aussortieren der Spenden beschäftigt. Der Stadtrat beschloß, Anzüge und Schuhe für Radolfzeller Rußlandheimkehrer abzuzweigen, den Großteil der Schweizer Spende den Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen und den Rest für besonder» Notfälle über die caritativen Verbände. Der Stadtrat war überrascht und erfreut über dia überreiche Spendefreudigkeit unserer Schweizer Nachbarn ufid brachte 'seinen Dank zum Ausdruck. Großzügige et!0~ i,U tty&Art Ri.. I C H T SP» E LE Ab Freitag, 7. 1. 48 Der große deutsche Revue- und Ausstattungsfilm mit den beliebtesten Darstellern: Lizzi Waldmüller *— Fita Benkhoff — Irene v. Meyendorf — Karl Schön- böck - Theo Bingen. Neueste Wochenschau! Spielzeiten: Montag 14.15, 16.20, 18.15, 21 Uhr. Dienstag, Mittwoch, Freitag 14.15, 16.20, 18.15 Uhr. Donnerstag und Samstag nur 14.15 Uhr. Sonntag nur 10 Uhr. Vorverkauf an den Spieltagen 10—12 Uhr und ab 18.30 an der Tageskasse. (-41) Ab Freitag, 7. 1. 49 tättcielt&t Ein Film, der überall den größten Erfolg buchen konnte, mit: Olga Tscheeho- wa — Albrecht Schönhals — Friedrich Kayssler — Marina v. Dittmar. Jugendfrei. Neueste Wochenschau! Spielzeiten: täglich 14.15, 16.20, 18.45, 21 Uhr. (-42) Anit (lajuteeo- A*&AJSÄJtrtr ArCch.’A, qOArl Jll VEREINIGTE PAPIERWERKE NÜRNBERG R niemals lose! 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Die nichtbuchführenden Land- und Forstwirte (und dte gemischten Betriebe) haben — außer der auf Grund der Richtsätze laufend zu leistenden vierteljährlichen Umsatzsteuervorauszahlung — für ihre land- und forstwirtschaftlichen Sonderumsätze im 3. und 4. Kalendervierteljahr 1948 unter Abgabe der zugesandten Voranmeldung entsprechende Umsatzsteuervorauszahlung zu leisten. St Einkommensteuer (einschl. Wo Kirchensteuer) — sowie Körperschaftssteuer — Restvorauszahlung für das IV Viertel 1948, nach Maßgabe der für die Zeit vom 1 . 10.—31. 12. 48 abzugebenden Erklärung. Die Pflichtigen, die einen Vorauszahlungsbescheid für die Zeit ab 21. 6 . 48 erhalten haben, zahlen die in ihm festgesetzte Restvorauszahlung (Landwirte: den festgesetzten Monatsbetrag). 4'. Beförderungssteuer für den Personen- und Güterverkehr. 5 ; Börsenumsatzsteuer für Dezember und Abgabe der Anmeldung. Zu den in den Steuerbescheiden bezeichneten Fälligkeitsterminen: 6 ; Abschlußzahlung auf die Einkommen-, Körperschafts-, Gewerbe- und Umsatzsteuer für 1948 und 1947. Bei nicht rechtzeitiger Zahlung ist ein Säumniszuschlag von 5*/o des Rückstandes verwirkt. (- 37 ) Die Finanzämter: Freiburg, Emmendingen, Lahr, Lörrach, Müllheim, Neustadt, Schopfheim und Wolfach. (- 37 ) Ueberiingen Streupflicht und Schneebeseitigung Zur Vermeidung von Unfällen und ihrer Folgen weisen wir wie alljährlich darauf hin, daß die Hausbesitzer bzw. Mieter verpflichtet sind, vor ihren Anwesen bei Glatteis in genügender Breite mit Sand, Asche, usw. zu streuen und bei Schneefall der Beseitigungspflicht nachzukommen. — Zuwiderhandlungen werden auf Grund der ortspolizeilichen Vorschrift bestraft. (. 43 ) Ueberiingen, den 3. Januar 1949. Bürgermeisteramt. 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