[ ErschBmt 3mal wöchentlich! Dienstag, Donnerstag und Samstag 1 Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 5 - Verbreitungsgebiet = Baden ßreiögau * Sdiroarzroalö * BoOenfee Berogspreis: DM 2.— einschl. Trägerlohn, Postbezug: DM 2.S Geschäftsstellen und Vertretungen in allen größeren Orten Ü\ NR. 113/3. JAHR G. SAMSTAG, DEN 1. OKTOBER 1949 PREIS 20 PFENN|G Freiburger Note an Stuttgart und Tübingen ± Staatspräsident Wohieb hat es auf einmal eilig / Erneuerung des Augustangebots j Einspruch gegen Nichtbeantwortung seiner Vorschläge Sjidbaden zu Zugeständnissen bereit, wenn über die Alternativfrage „Altbaden oder Südweststaat“ abgestimmt wird ’ ' t Bruch zwischen Moskau und Belgrad - Bundestag gegen alliiertes Diktat - ZwehTonnensBomben auf Helgoland Freiburg. Der badische Staatspräsident hat dem Ministerpräsidenten von Württemberg- Baden und dem Staatspräsidenten von Würt- temberg-Hohenzollern am Donnerstag folgende Note überreichen lassen: „Mit meiner Note vom 24. August 1949, deren Empfang bestätigt wurde, hatte ich die Ehre, Ihnen, Herr Ministerpräsident, den Entwurf einer Vereinbarung über die Neugliederung in dem die Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern umfassenden Gebiet gemäß Artikel 118, Absatz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen. Gleichzeitig hatte ich gebeten, daß die Regierungen der bezeichneten Länder in Verhandlungen über diesen Vereinbarungsentwurf eintreten sollen. Die Festsetzung des Termins wollte ich der besonderen Absprache der beteiligten Länderregierungen Vorbehalten. Inzwischen sind fünf Wochen verstrichen, ohne daß mein Angebot eine sachliche Antwort erfahren hätte. Gewiß mögen die Vorgänge in Bonn als ausreichende Erklärung dieser Verzögerung dienen. Jedoch bin ich der Auffassung, daß eine weitere Aufschiebung der Verhandlungen über die Neugliederung des südwestdeutschen Raumes mit den gesamtdeutschen Interessen und den Interessen der beteiligten Länder selbst nicht mehr verträglich erscheint, weshalb ich das Verhandlungsangebot vom 24. August 1949 erneuern möchte. Diese Verhandlungen wären allerdings nur dann zweckvoll, wenn Sie, Herr Ministerpräsident, den überreichten Vereinbarungsentwurf wenigstens als Verhandlungsgrundlage anerkennen wollten. Der Vereinbarungs- entwurf sieht nun abermals wesentlich die Klausel vor, daß dem Volk die Alternative Wiederherstellung des Status quo ante oder Südweststaat 1 zur Abstimmung vorgelegt werde. Von dieser Klausel abzugehen, bietet sich für mich leider keine Möglichkeit, während in allen anderen Fällen nach meinem Dafürhalten durchaus Zugeständnisse von meiner Seite möglich erscheinen. Allerdings bin ich der Auffassung, daß unsererseits auch auf der Alternativfrage nicht unbedingt bestanden zu werden braucht, wenn nur die Südweststaatfrage zum Plebiszit gestellt Wird mit der Maßgabe, daß die Ablehnung dieser Frage in einem der vorgeschlagenen Abstimmungsbezirke ohne weitere Volksabstimmung die Wiederherstellung des Statuts quo ante zur Folge haben würde. Ich verkenne nicht, daß das Zugeständnis djeser Regelung eine Verfassungsänderung auch für das Land Württemberg-Baden zur Voraussetzung hätte, möchte aber der Auffassung sein, daß diese bei vorhandenem guten Willen, auf keine unüberwindlichen Schwierigkeiten stoßen würde. Denn auch für die Länder Baden und Württemberg-Hohenzollern wäre der bloße Anschluß an die nördlichen Landeshälften zu einem Südweststaal nur im Wege der Verfassungsänderung möglich. Ich bin ferner der Auffassung, daß nur die Frage nach dem Südweststaat, deren Verneinung die Bestätigung des Statuts quo zu bedeuten hätte, das Problem der Neugliederung nicht endgültig zu lösen vermag und daß man es, will man demokratischen Grundsätzen folgen, doch eigentlich dem beteiligten Volke überlassen sollte, ungeachtet der vorausgegangenen besatzungsrechtlichen Zwangslösung, in aller Freiheit zu bestimmen, was künftig im südwestdeutschen Raum Rechtens sein soll.“ Zum Schluß richtet Wohieb an den würt- tembergisch-badischen Ministerpräsidenten die Frage, ob er die Weiterbehandlung dieser Probleme auf der Basis direkter Verhandlungen noch für zweckvoll halte oder sein Ver- handiungsangebot durch die Ereignisse als überholt betrachtet. Er bittet daher um Stellungnahme innerhalb angemessener Frist, die nach seiner Meinung Mitte Oktober nicht zu kurz bemessen sein dürfte. Der Staatspräsident ist optimistisch Baden-Baden. Südbadens Staatspräsident Leo W o h 1 e b ist, wie er vor dem Presseklub versicherte, davon überzeugt, daß sich das badische .Volk bei einer Abstimmung für das Wiedererstehen des alten Landes Baden entscheiden wird., Andernfals könne der in Artikel 118 des Grundgesetzes vorgesehene Weg der Regelung durch Bundesgesetz nicht beschritten werden. Aber auch für den Fall, daß die Frage durch ein' Bundesgesetz geregelt werden müßte, sei es sicher, daß vier, Ministerpräsidenten ihn im Bundesrat unterstützen werden (!). Man müsse bedenken, daß ein Zusammenschluß der drei südwestdeutschen Länder zu einem einzigen Land sich auch auf. das Kräfteverhältnis der Parteien im Bundesrat auswirken werde. Pforzheim für Anschluß Pforzheim. Der Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim, Dr. J. P. Brandenburg, sprach vor -dem Pforzheimer Stadtrat die Hoffnung aus, daß die Pläne zur Schaffung des südwestdeutschen Staates bald in die Tat umgesetzt werden. Die künftige Entwicklung der Stadt Pforzheim sei eng mit der wirtschaftlichen und staatlichen Neuordnung im südwestdeutschen Raum verbunden. Nordbadische CDU nicht gegen Südweststaat Karlsruhe. Bürgermeister H e u r i c h , der Vorsitzende der nordbadischen CDU, hat im Anschluß an die außerordentliche Sitzung des Landesvorstandes festgestellt, daß bei den Besprechungen auf Schloß Windeck ausschließlich Verfahrensfragen berührt wurden Heurich legte Wert auf die Feststellung, daß von einer Gegnerschaft der nordbadischen CDU gegen den Südweststaat in keinem Falle die Rede sein könne. Die CDU wolle lediglich eine demokratische Abstimmung in der Frage des Südweststaates gesichert wissen und unterstelle deswegen ihre Entscheidung bewußt der augenscheinlichen Auffassung der Bevölkerung. Neuer Markkurs = 23,8095 Dollarcents Verhandlungen mit Hoher Kommission gehen weiter - Meinungsverschiedenheiten über Inlandskohlenpreis Bonn, Die Bundesregierung hat, wie am Donnerstagnachmittag bekanntgegeben wurde, auf Vorschlag des Zentralbankrates der Bank Deutscher Länder den Umrechnungskurs der Deutschen Mark zum Dollar mit Wirkung vom 19. September 1949, 00.00 Uhr, auf 23,8095 Dollarcents festgelegt. Die Hohe alliierte Kommission hat* erklärt, daß sie gegen diesen neuen Kurs keine Einwendungen zu erheben hat. Besprechungen auf dem Petersberg Bonn. Die Konferenz zwischen der von Bundeskanzler Dr. Adenauer geführten Regierungsdelegation und den drei alliierten Hohen Kommissaren begann am Donnerstag, um 9.45, im Gebäude der alliierten Hohen Kommission auf, dem Petersberg, um die deutschen Einwände gegen den Beschluß der Hohen Kommissare zur Neubewertung der D-Mark zu erörtern. Die Besprechungen begannen genau 24 Stunden nach Ueberreichung des alliierten Kommuniques. Sie. waren um 14 Uhr beendet. Von deutscher Seite hatten an den Beratungen Bundeskanzler Dr. Adenauer, die Minister Blücher, Dr. Erhard und Schäffer sowie der Präsident der Bank Deutscher Länder, Vocke, teilgenommen. Auf alliierter Seite war außer den drei Hohen Kommissaren und ihren ständigen .Beratern Harry Collins als Vertreter der Ruhrbehörde ’ zugegen., Das offizielle Kommunique über die Besprechungen hat folgenden Wortlaut: „Der , Bundeskanzler der Bundesregierung Deutschland traf sich heute morgen mit den alliierten Hohen Kommissaren, um gewisse allgemeine Fragen zu erörtern, die sich auf den von der Hohen Kommission gefaßten Beschluß über die Neufestsetzung des Umrechnungskurses der Deutschen Mark beziehen. Die Hohen Kommissare erklärten im einzelnen, die ihrem Beschluß zugrunde liegenden Motive, die aus dem Wunsch entspringen, die Interessen Europas im ganzen aufeinander abzustimmen, die europäische Wirtschaft zu fördern und Deutschland in diese europäische Gemeinschaft einzugliedern. Man kam überein, daß juristische Sachverständige der vier Länder zusammentreten sollen, um die Anwendung gewisser Bestimmungen des Besatzungsstatuts und das Verfahren für die Behandlung ähnlicher Fragen in Zukunft zu prüfen. Es wurde festgestellt, daß die endgültige Entscheidung aller dieser Fragen bei Es fand ein Gedankenaustausch über die verschiedenen Probleme des Beschlusses in völliger Offenheit auf beiden Seiten statt. § 3 des Beschlusses der Hohen Kommission besagte: „In Erwartung des Ergebnisses der durch die Hohe Kommission angeordneten Untersuchungen bezüglich diskriminatorischer Handelspraktiken sind binnen sieben Tagen Maßnahmen zu treffen, die gewährleisten, daß die Interessen von Kohle importierenden Ländern nicht durch die gegenwärtige Abwertung der D-Mark geschädigt werden. Dies kann.auf folgende Weise erreicht werden: Aufrechterhaltung desselben Preises in D- Mark für Exportkohle wie vor der gegenwärtigen Abwertung oder Angleichung der Export- und der internen Kohlenpreise in der Weise, daß die Differenz zwischen den beiden nicht größer ist als vor der gegenwärtigen Abwertung. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland wird der Hohen Kommission Maßnahmen zur Durchführung vorstehender Bestimmungen vorzuschlagen haben.*.* Dr. Adenauer zum D=Mark*Kurs Bonn. Zu Beginn der 9. Sitzung des Bundestages am Mittwochnachmittag verlas Bundeskanzler Dr. Adenauer die Vorschläge der alliierten Hohen Kommission zum neuen Auslandskurs' der D-Mark. In einer Erklärung an den Bundestag gab Dr. Adenauer bekannt, daß er den Präsidenten der Hohen Kommission, Francois-Poncet, um eine Unterredung mit den Hohen Kommissaren gebeten" habe, da die Bundesregierung der Auffassung sei, daß der Beschluß des hohen Rates' den berechtigten Interessen der deutschen Wirtschaft nicht gerecht werde. „Sie werden verstehen, daß ich mich weiterer Ausführungen enthalte, bis diese Unterredung stattgefunden hat. Ich möchte aber im Namen der Bundesregierung doch folgendes jetzt schon erklären: Unter Ziffer 3 dieses Beschlusses ist vorgeschlagen eine Angleichung der Export- und internen Kohlenpreise in der Weise, daß die Differenz zwischen den beiden nicht größer als vor der gegenwärtigen Abwertung ist. Das würde bedeuten, daß mit einem Schlage, also innerhalb dieser sieben Tage, der inländische Kohlenpreis um 25 Prozent heraufgesetzt werden müßte. Wir sind der Auffassung, daß eine derartige Heraufsetzung aus Anlaß der Angleichung — nicht der Abwertung — des Verrechnungskurses der D-Mark an den Dollar für die ■ deutsche Wirtschaft unmöglich und untragbar ist, und wir Werden diesen Weg unter keinen Umständen beschreiten. Ich erkläre das ausdrücklich namens der Bundesregierung, damit jede Beunruhigung im deutschen Volke, die etwa durch das Bekanntwerden dieses Beschlusses der Hohen Kommission ausgelöst werden könnte, von vornherein im Keime erstickt.“ Präsident Dr. Köhler vertagte auf Beschluß des Aeltestenrates die Sitzung auf 15.30 Uhr, damit sich die Fraktionen mit dem Inhalt der Regierungserklärung vertraut machen können. Die Parteien werden dann zu den Ausführungen Dr. Adenauers Stellung nehmen. (Fortsetzung auf Seite 3) Schweiz und SchwarzwalcUHiebe Eine Interpellation im Nationalrat —*Die Gefahren der Kahlschläge ♦ Bern. Im Schweizer Nationalrat kam es zu einer Debatte über die Kahlschläge in süddeutschen Wäldern, als ein Vertreter des unabhängigen „Landesringes“ eine Interpellation begründete, die sich gegen den „Raubbau in deutschen Wäldern“ und gegen die Beteiligung der Schweiz als maßgebender Abnehmer der geschlagenen Hölzer wandte. Der Interpellant erklärte, die „Demontage“ der deutschen Wälder verstoße auch gegen die Interessen der Nachbarn, und als Nachbar habe die Schweiz das Recht, sich mit der gewaltigen forstwirtschaftlichen Uebernutz- zung der süddeutschen Waldgebiete zu beschäftigen. Die Kahlschläge hätten unabsehbare Veränderungen in der Wasserführung, eine Verkarstung und Versteppung der Umgebung, Hochwassereinbrüche und die Ver- schotterung der Flüsse zur Folge. Auch aus naheliegenden „politischen und kulturellen Gründern“ sei die Teilnahme Schweizer Firmen an den Kahlschlägen abzulehnen. Der • Chef des eidgenössischen Volkswirtschafts-Departements, Bundesrat Rubat- t e 1, erklärte im Namen der Bundesregierung, die Holzschläge in Süddeutschland seien zum größten Teil auf die Borkenkäfergefahr zurückzuführen (?). Im übrigen bewegten sich die Hoizbezüge der Schweiz aus Deutschland gegenwärtig im normalen Rahmen. Der Interpellant erklärte sich mit dieser Begründung nicht befriedigt. Unwetterkatastrophe in Spanien Unterbrochene Straßen- und Telefonverbindungen Zahlreiche Todesopfer Madrid. Ein über Südspanien tobender Sturm nimmt katastrophale Ausmaße an. Aus Agualdulce wurden bisher 16 Tote gemeldet. Es wird befürchtet, daß sich die Zahl der Opfer noch erhöht. In der Gegend von Honda in Andalusien kamen 9 Personen bei einem Häuserzusammensturz um. Zahlreiche Personen wurden' verletzt. Die in den Dörfern Bena- jan, Montegaque und in Ronda selbst entstandenen Schäden sind beträchtlich. Sämtliche Land- und Telefonverbindungen sind unterbrochen. In der Umgebung von Valencia trat die Taria über ihre Ufer ufid setzte mehrere hundert Häuser unter Wasser, wobei weitere, Opfer zu beklagen sind. In Bonrepos und Betera sind die Brücken überschwemmt, der Verkehr ist lahmgelegt. Es handelt sich um die größte Katastrophe in Spanien seit 1897. Zwischen Aguadulce und Ronda wurde eine Eisenbahnbrücke ' über den Rio Blanco vom Hochwasser zerstört, wobei die letzten 10 Wagen eines Güterzuges mit in die Flut gerissen wurden. Die in die Häuser geschwemmten Schlammassen erreichten stellenweise bis zu 2 m Höhe. - In Aguadulce wurden 62 Häuser völlig zerstört und über 200 Menschen obdachlos. Valencia befindet sich im Alarmzustand. Mehrere. Häuser sind bedrpht, von den Fluten hinweggerissen zu werden. In der Nähe des Dorfes Valgona ist ein Personenzug vom Hochwasser eingeschlossen. Bisher konnten die 300 Reisenden, die äußerst gefährdet sind, noch nicht befreit werden. Das über 4 Stunden dauernde schwere Unwetter hat in der Provinz Valencia nach bisher erfolgten Feststellungen 10 Todesopfer gefordert. In Castellon de la Plana mußte ein Stadtteil geräumt werden. Der Eisenbahnverkehr ist mehrfach unterbrochen, und auf dem Lande stehen die Reisfelder unter Wasser. Auch in Aragonien hat der Sturm beträchtlichen Schaden angerichtet. Der Zugverkehr zwischen Barcelona und Madrid mußte eingestellt werden. Stile i, Abschluß der Generaldebatte 36 Ausschüsse des Bundestags — Sozialdemokratie will den Kampf fair führen — Adenauer zieht Bilanz Bonn. Der Bundestag schloß am Donnerstag auf seiner 10. Plenarsitzung die Generaldebatte über die Regierungserklärung ab. Bundeskanzler Dr. Adenauer nahm kurz zu der Generaldebatte Stellung. Er lehnte die von der SPD geforderte Vertrauenserklärung für seine Regierung ab, da dies im Widerspruch zum Grundgesetz stehen würde. Vor seiner Stellungnahme zu der Generaldebatte verlas Dr. Adenauer das Kommunique über die Verhandlungen, die am Donnerstag zwischen einer deutschen Regierungsdelegation und den Hohen Kommissaren auf dem Petersberg bei Bonn in der Frage der D-Mark-Angleichung und des Kohlenpreises stattfanden. Carlo Schmid beschließt die Debatte Als letzter Redner in der Generaldebatte ging der SPD-Abgeordnete Professor Carlo Schmid ausführlich auf di,e Regierungserklärung ein. Seine Ausführungen, die oft von humorvollen Zwischenrufen und Entgegnungen unterbrochen wurden, erhielten wiederholt Beifall auf allen Seiten des Hauses. Carlo Schmid sagte, der Kanzler sei ihm manchmal als der „Drachentöter“ erschienen, der in seinem Regierungsprogramm den Weg in eine blühende Zukunft öffne, der im wesentlichen von den Sozialdemokraten verstellt zu sein scheine. Der Redner schilderte die Entwicklung des Wirtschafts- und Soziallebens und der Arbeiterbewegung und betonte, daß keine Regierung über die sozialen Probleme hinweggehen könne. Nach einer Auseinandersetzung mit der rechten Seite des Hauses und der Bayernpartei fragte Carlo Schmid die Regierung, ob sie das Problem des Föderalismus als trennend oder einigend ansehe. Wenn sie es im Sinne der Vereinigung von bisher getrennten Teilen sehe, dann sei er der Ansicht der Regierung und hoffe, den Bundeskanzler dabei eines Tages zum Bundesgenossen zu haben. Zum Besatzungsstatut erklärte Carlo Schmid, die Auslegung des Begriffs „Kontrolle“ durch die Alliierten stimme bedenklich und wenig optimistisch. Die D-Mark-Abwertung sei ein schlechter Start gewesen. Die Revision des Besatzungsstatuts sei eine Sache der Praxis, doch wäre es besser, ein neues Recht zu schaffen. Zum deutsch-französischen Verhältnis sagte er, Frankreich könne nicht verlangen, daß die Deutschen ewig im Büßerhemd herumlaufen, aber auch in Deutschland sollte man nicht verlangen, daß die Franzosen „schlicht vergessen“. Dieses Verhältnis könne nur durch die Vereinigten Staaten von Europa endgültig bereinigt werden. Mit dem Eintritt in den Europa-Rat solle unmöglich, daß sich solche Vorgänge wiederholen, die man als Nichtachtung gegenüber der Bundesrepublik ansehen müsse. Die Forderung verschiedener Abgeordneter, auch Oesterreich und das Sudetenland in der Regierungserklärung zu erwähnen, lehnte Dr. Adenauer mit dem Hinweis ab, daß man von Dingen nicht sprechen dürfe, die im Auslande nur zu Mißdeutungen und Mißtrauen führen könnten. Zu den innenpolitischen Problemen sagte der Bundeskanzler, daß die Bundesregierung die Gewerkschaften als staatserhaltende Organisation anerkenne. Er forderte ferner, daß die Bundesregierung die Gewerkschaften als staatserhaltende Organisation anerkenne. Er forderte ferner, daß Bundestag und Bundesregierung gemeinsam danach streben müßten, wieder eine eigene deutsche Schiffahrt zu erhalten. Mit den Ausführungen von Dr. Schumacher, Ollenhauer und Prof. Carlo Schmid über das Verhältnis zwischen Opposition und Regierung erklärte sich Dr. Adenauer einverstanden. Die Bundesregierung begrüße eine solche Opposition und erkläre, daß sie von einer klugen Opposition sehr viel lernen könne und wolle. 36 Ausschüsse beschlossen Ein interfraktioneller Antrag, der 29 Ausschüsse vorsieht, wurde mit Stimmenmehrheit angenommen. Außerdem genehmigte der Bundestag folgende Ausschüsse: Einen Ausschuß für innergebietliche Neuordnung, einen Ausschuß für öffentliche Fürsorge, einen Ausschuß für das öffentliche Gesundheitswesens und einen Ausschuß für Jugendpflege auf Antrag der Regierungsparteien, einen Ausschuß für das Presse-, Rundfunk- und Filmwesen auf interfraktionellen Antrag, einen Ausschuß nach Artikel 15 des Grundgesetzes (Gemeinwirtschaft für Bodenschätze und Produktionsmittel) und einen ständigen Ausschuß für Bau- und Bodenrecht auf Antrag der SPD sowie einen Ausschuß für kulturpolitische Fragen auf Antrag der FDP. Fraktionen, die in den Ausschüssen nicht vertreten sind, können mit beratender Stimme hinzugezogen werden, soweit der Bundestag das für notwendig hält. .Mit Ausnahme der Kommunisten war das Plenum dafür, daß die Berliner Vertreter an allen Ausschußsitzungen mit beratender Stimme teilnehmen können. Auf Antrag des FDP-Abgeordneten Dr. Schäfer wurde die Beschlußfassung über die Mitgliederzahl und die Besetzung der Ausschüsse zurüekgestellt. Präsident Dr. Köhler vertagte darauf die Sitzung auf Freitag vormittag. Dr. Hoepker-Aschoff erklärte als Sprecher der FDP, die Hoffnung, daß das Besatzungsstatut loyal gehandhabt würde, sei enttäuscht worden. Das alliierte Schreiben habe nahezu die Form eines Diktats, dessen Befolgung den deutschen Haushalt über den Haufen werfen und das Lohn- und Preisgefüge unerträglich erschüttert würde. Wenn die Alliierten forderten. Subventionen zu unterlassen, so sei dies ein Messen mit unterschiedlichen Maßstäben. Die FDP sei der Ansicht, daß ein Kurs von 22,5 Dollarcents das allermindeste sei. Auch von der Deutschen Partei wurde das alliierte Verhalten bedauert. Dr. von Mer- k a t z erklärte, seine Partei werde die Bundesregierung bei ihren Maßnahmen unterstützen. Für die Bayernpartei erklärte Dr. S e e 1 o s , die von der Hohen Kommission angekündigten Maßnahmen würden der Bundesregierung jede Autorität nehmen. Der Sprecher der KPD, Riesche, bezeichnete als die wahre Ursache der Abwertung den Marshall-Plan (!). Der Beschluß der Hohen Kommissare zeige eindeutig, wer in Deutschland regiere, Als Sprecher der WAV rief Alfred L o r i t z der Regierung zu: „Landgraf werde hart!“ Das Zentrum protestierte durch seinen Sprecher Dr. Reismann dagegen, daß die Regierung es unterlassen habe, das Parlament über 1 die bisherigen Geschehnisse zu unterrichten. Das Edio im Ausland: Ein Erfolg Frankreichs Zürich. Fast alle Schweizer Zeitungen veröffentlichen die Meldungen über den Konflikt zwischen der Bundesregierung und der Hohen Kommission über den Umfang der D-Mark-Abwertung an hervorragender Stelle. Der Beschluß der Kommission wird im allgemeinen als ein „beträchtlicher diplomatischer Erfolg“ des französischen Hohen Kommissars Frangois-Poncet angesehen. Die „Basler Nachrichten“ schreiben, Frangois- Poncet habe sich gegenüber den Vertretern derjenigen Mächte durchgesetzt, die das Schwergewicht der finanziellen Unterstützung in Deutschland zu tragen haben. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt: „Eine Erhöhung des Inland-Kohlenpreises scheint in einem Moment „ wo sich die Regierung gegenüber dem Volk bereits in aller Form auf die Stabilisierung des bisherigen Preisniveaus festgelegt hat, tatsächlich ein völlig ungangbarer Weg“. Es habe nur der von Dr. Adenauer schon bisher befolgten Politik entsprochen, fährt die „Neue Zürcher Zeitung“ fort, daß er, ohne die Besprechung mit den alliierten Bomben auf Helgoland Die Abwürfe bis Cuxhaven spürbar Deutschland warten, bis es dazu eingeladen wurden. Cuxhaven. Etwa 100 britische Bombenflugzeuge führten am Donnerstag einen Uebungs- angriff auf Helgoland durch, bei dem Bomben bis zu einen Kaliber von 2 Tonnen geworfen werde. Erst müsse die Saarfrage durch eine deutsch-französische Vereinbarung geklärt werden. Man sollte, so betonte Schmid, eine Volksabstimmung im Saargebiet wagen, Am Schluß seiner Rede betonte Carlo 'Schmid; daß die SPD als Oppositionspartei nicht als Bremse, sondern als der andere Beweger der Politik wirken wolle. Sie wolle den Kampf fair führen und hoffe von der Regierüngskoalition, daß sie mit der SPD in den Wettstreit um den Ruhm eintrete, dem Volke am besten gedient zu haben. In seiner abschließenden Stellungnahme zu der Generaldebatte betonte Bundeskanzler Dr. Adenauer zunächst, daß zunächst das Saarproblem nur im europäischen Rahmen gelöst werden könne. ' Dr. Adenauer bedauerte dann die von der niederländischen Regierung am Wochenende vorgenommene Grenzkorrektur. Es sei völlig Im Gebiet der Elbmündung und im Stadtgebiet von Cuxhaven wurden seit Donnerstag, , 19 Uhr, starke, vermutlich von See her kommende Detonationen verspürt, die sich gegen 21.15 Uhr verstärkten und jeweils länger anhielten. Diese Detonationen verursachten in Cuxhaven Schwinggeräusche an Türen und Fensterscheiben. Die Cuxhavener Schiffsmeldestellen, denen eine genaue Beobachtung des diesigen Wetters wegen nicht möglich ist, vermuten, daß die Explosionsgeräusche auf die Bombardierung Helgolands zurückgehen. Im Gericht verhaftet Stuttgart. Im Verlauf der Gerichtsverhandlung gegen den ehemaligen Abteilungsleiter im württemberg-badischen Landwirtschaftsministerium Willy Frank wurden der Angeklagte selbst, sein Nachfolger im Amt, Willy Steudel und der ursprünglich Mitangeklagte, dann amnestierte Lebensmittelgroßhändler Anton Grünberger im Gerichtssaal verhaftet. Zu dieser Maßnahme kurz vor Abschluß der Beweisaufnahme sah sich die Strafkammer veranlaßt, da sich herausstellte, daß das Gericht aus durchsichtigen Gründen angelogen wurde. Die Aussagen standen im Gegensatz zu urkundlichen Unterlagen und früheren Aussagen der Zeugen. Vertretern abzuwarten, die Entschlossenheit seiner Regierung betonte, einer Maßnahme nicht beizustimmen, die eine Erhöhung des Kohlenpreises um 25 Prozent bedeute. In Bonn verberge man nicht die Bestürzung über die „schlechten Schrittmacherdienste“, die die alliierten Hohen Kommissare der jungen deutschen Republik gleich bei Beginn ihrer Tätigkeit leisteten, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ weiter. Britische Zweifel London. In privaten Finanzkreisen Großbritanniens wurden am Donnerstag die ersten Zweifel an der Richtigkeit der alliierten Beschlüsse über die Abwertung der D-Mark laut. Amtliche Kreise lehnten es jedoch ab, zu diesen Beschlüssen Stellung zu nehmen und betonten, daß die letzte Entscheidung über Währungsfragen den alliierten Hohen Kommissaren im Besatzungsstatut ausdrücklich Vorbehalten sei. Die „Times“ weisen als einzige Zeitung darauf hin, daß das Kommunique der Hohen Kommissare den neuen Kurs der D-Mark ni cht festgelegt habe, sondern nur feststelle, daß gegen einen Kurs von 23,8 Dollarcents nichts einzuwenden sei. Mark-Kurs zieht an Basel. Seit Bekanntgabe des alliierten Abwertungsbeschlusses für die D-Mark zog der Kurs der deutschen Banknote an den freien Devisenmärkten der Schweiz deutlich • an. Während in den Vormittagsstunden des 28. September die Notierung 65/100 lautete, betrug der Schlußkurs 67,5. Am 29. September wurden in Basel 68 Schweizer Franken für 100 DM bezahlt. Hochzeit im britischen Königshaus Das Märchen vom armen Mädchen und dem Edelmann Stalin bricht mit Tito Kündigung des russisch-jugoslawischen Freundschafts- und Beistandspakts London. In der St.-Markus-Kirche fand am Donnerstagnachmittag die Trauung des 26jährigen Earl of Harewood, eines Neffen des englischen Königs, mit der 22jähri- gen Wienerin Marion Stein statt, die vor 12 Jahren mit ihrer Familie aus Oesterreich emigrierte. Die Trauung war. von einem erlesenen Programm umrahmt, das Freunde des Paares zusammengestellt hatten. Die Braut ist eine hervorragende Pianistin, ihr Vater Musikverleger und der Bräutigam Musikkritiker einer Londoner Zeitschrift. König Georg, Königin Elisabeth, die beiden Prinzessinnen und der Herzog von Edinburgh hatten ihren Urlaub in Schottland unterbrochen, um an der Hochzeit teilzunehmen, zu der insgesamt 900 Gäste eingeladen wurden. Seit Tagen hatte das „Märchen von dem armen Mädchen und dem Edelmann“ alle anderen Ereignisse, selbst die Abweftungs- debatte im Unterhaus überschattet. Tausende von Engländern jubelten dem Paar auf den Zufahrtsstraßen zur Kirche zu und umlagerten den Buckinghampalast. Vor der Kirche drängten sich Hunderte von Frauen. Um einen Blick auf die Gäste werfen zu können, durchbrachen die Zuschauer die Absperrung. Viele Frauen fielen in Ohnmacht, so daß schließlich ein Sonderaufgebot von Polizei eingreifen mußte. Moskau. Die Sowjetunion hat am Mittwoch den sowjetisch-jugoslawischen Freundschaftsund Beistandspakt vom 11. April 1945 gekündigt. Jugoslawien, heißt es in einer dem jugoslawischen Gesandten in Moskau durch den stellvertretenden sowjetischen Außenminister Gromyko überreichten Note, habe den Vertrag „brutal mit Füßen getreten und in Fetzen gerissen“. Auf Grund der „feindseligen Politik Jugoslawiens gegenüber der UdSSR“ betrachte sich die Sowjetregierung von nun an von den in dem Vertrag eingegangenen Verpflichtungen entbunden. In dem Vertrag, der 20 Jahre Gültigkeit hatte, war vorgesehen, daß sich die beiden vertragschließenden Staaten gegenseitig beistehen sollten, wenn einer von ihnen nach dem Krieg in Feindseligkeiten mit Deutschland oder mit irgendeinem unmittelbar oder mittelbar mit Deutschland verbündeten Staat in eine etwaige Wiederaufnahme der deutschen Aggressionspolitik verwickelt werden sollte. Außerdem verpflichteten sich beide Staaten, keine Bündnisse abzuschließen und an keinen Koalitionen teilzunehmen, die sich gegen den anderen Vertragspartner richten. In der Note heißt es weiter, in Zusammenhang mit dem Prozeß gegen Rajk und seine Mitschuldigen seien Tatsachen zutage getreten, die bewiesen, daß die gegenwärtige jugoslawische Regierung seit langer Zeit an der _ „verschwörerischen und verbrecherischen Tätigkeit gegen den ungarischen Staat“ beteiligt gewesen sei und gegen die Sowjetunion und die anderen Volksdemokratien' eine „feindselige Politik“ betrieben habe. Die Sowjetunion sehe sich daher veranlaßt, die von ihr im Vertrag vom 11. April 1945 eingegangenen Verpflichtungen gegenüber Jugosla- Srian für nichtig nt erklären, da eich die jugoslawische Regierung, wie nunmehr bewiesen sei, in völlige Abhängigkeit des ausländischen Imperalismus begeben habe. Tito bei Manövern i Belgrad. Marschall Tito, der jugoslawische Innenminister General Rankovitsch und hohe Militärs wohnten an einem nicht näher bezeichneten Ort Jugoslawien Manövern bei. 35000 Frauen im Donezgebiet Hannover. Die SPD-Kriegsgefangenenhilfe veröffentlichte am Donnerstag Berichte von Rußland-Heimkehrern, nach denen sich im Donez-Gebiet etwa 35 000 deutsche Frauen, in der Mehrzahl Volksdeutsche, befinden. Diese Frauen seien fast ausnahmslos im Untertagebergbau eingesetzt. Andere Heimkehrer, die Mitte September Brest-Litowsk passierten, sollen von einem Transport mit etwa 250 deutschen Männern und 10 deutschen Frauen aus der sowjetischen Besatzungszone und Berlin berichtet haben, der vermutlich nach Sibirien unterwegs war. Die Angehörigen dieses Transportes seien zu Zwangsarbeit verurteilt gewesen. ERPsUnterstützung für Flüchtlinge Frankfurt a. M. Die Freigabe von Mitteln aus dem ERP-Gegenwertfonds zugunsten der Heimatvertriebenen in Westdeutschland soll in Frankfurt erörtert werden. An den Besprechungen nehmen Beamte der Hohen Kommissionen, Vertreter der Bundesbehörden und Delegierte des Weltkirchenrates teil. Außerdem soll das Problem der in Deutschland verbleibenden heimatlosen Ausländer diskutiert werden. 2tityc$cUeU&i - kurz berichtet Neuer' Heimkehrertransport in Ulm. Am Mittwoch trafen in Ulm 56 Heimkehrer aus Rußland ein, die in Württemberg-Baden beheimatet sind. Die Heimkehrer kamen aus dem Lager Stalinsk. 250 Heimkehrer für die französische Zone trafen ebenfalls am Mittwoch ein und wurden zur Entlassung nach .Tuttlingen weitergeleitet. 1 400 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion trafen am Mittwoch, in Frankfurt (Oder) ein. Die Heimkehrer werden am Freitag in ihre Wohnorte entlassen. Ein „Gefallener“ kehrt zurück. In Deißlingen (Württbg.) traf dieser Tage ein Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft ein, der seinerzeit von einem Kameraden als gefallen gemeldet worden war. Er war aber, als in seinem Frontabschnitt großer Kessel gebildet wurde, unverwundet in russische Hände geraten. Kirchenmaler Schenk gestorben. Der in Süddeutschland bekannte Kirchenmaler Alois Schenk ist in Schwäb.-Gmünd im Alter von 62 Jahren einem Herzschlag, erlegen. Am bekanntesten sind Schenks Ausmalungen der Kirchen in Rohlingen, Pforzheim, Landhausen, Rheineck, Bludenz, Schneidemühl und Aalen. Nachrichtendienst durchs Telefon. Durch Wählen einer bestimmten Rufnummer kann von Donnerstag an jeder Berliner Fernsprechteilnehmer einen ständigen Nachrichtendienst abhören, der jeweils die neuesten Meldungen wiedergibt. Die Nachrichten werden vom Rundfunk im amerikanischen Sektor (Ries) an das Fernamt übermittelt und dort auf ein Magnetofonband gesprochen. Dieses Einrichtung ist bisher einmalig in Europa. 28 Tote bei Flugzeugunglück in Mexiko. Nach bisher vorliegenden Meldungen kamen bei einem Flugzeugunglück in Mexiko 28 Personen ums Leben. Die Maschine, ein mexikanisches Transportflugzeug, stürzte über dem Popocatepetl brennend ab. Nach der Geburt von Vierlingen — zwei Knaben und zwei Mädchen — starb in Chicago eine Frau im Alter von 33 Jahren. Zwei der Neugeborenen • sind ebenfalls gestorben. Der Vater erklärte, er habe bis zur letz ten Minute nichts davon gewußt, daß seine Frau in anderen Umständen war. Wetterbericht Immer noch spätsommerliches Wetter Das mitteleuropäische Hoch schwächt sich zur Zeit ab. Gleichzeitig erfährt die westliche I-uli" Strömung über Nordeuropa und dem NordatlanuK durch die Neubildung eines Tiefs bei Öland «ne weitere Belebung, doch ist nicht zu erwarten, Ausläufer dieses Tiefs unser Wetter Start beeinflussen werden. . . __ Aussichten bis Wochenende: xm ganzen Fortdauer des freundlichen spätsommerliehen Wetters. Weiterhin überwiegend heiter, kühle Nächte, mittags warm, vielfach. Morgennebel. Zum Wochenende zeitweise etwas stärkere Bewölkung, „DAS NEUE BADEN* Chefredakteur: Adolf Kimmig Anschr. der Redakt.: Lahr/Schw., Postf. 270, Tel. 2365. Verlag: Demokratische Verlagsges. mbH. Lahr/Schw, Druck: Moritz Schauenburg Lahr/Schwarzwald Postscheckkonto: <100 Freiburg t, B*. 113 /1. 10. .Krgpyg g ois svo* . seit« t Bundestag gegen Währungsdiktat (Fortsetzung von Seite 1) Bonn. In über einstündigen Besprechungen beschäftigten sich dann die Fraktionen in einer Verhandlungspause mit dieser' Regierungserklärung. Nach der Wiedereröffnung der Sitzung nahm zunächst der Vorsitzende der SPD-Fralttion, Dr. Schumacher, zu der Erklärung des Bundeskanzlers Stellung. Die SPD-Fraktion bedauere es, daß in einer Frage europäischer Solidarität die Hohe Kommission es vorgezogen habe, auf Kosten der wirtschaftlichen Interessen eines Landes ein Diktat zugunsten anderer Interessen auszusprechen. Sie bedauere weiter, daß die erste Anwendung des Besatzungsstatuts so wenig Rücksicht auf das Ansehen ünd die Lebensnotwendigkeit der deutschen Demokratie nehme. Die SPD sehe in den von der Hohen Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen eine untragbare Erschwerung des Wirtschaftslebens und eine gefährliche Erschütterung des sozialen Gefüges. , Dr. Schumacher forderte zum Schluß die Bundesregierung auf, keiner Regelung zuzustimmen, die andere Länder auf Kosten Deutschlands begünstigt. Dem Bundestag sollte ein Programm für Abwehrmaßnahmen vorgelegt werden. Der Sprecher der CDU/CSU, Dr. Buce- rius, trat dagegen für eine Diskussion mit Vorsicht und Takt ein. Seine Fraktion erwarte, daß das Problem durch eine deutschalliierte Aussprache befriedigend gelöst werde. Die Bundesregierung solle unter allen Umständen an ihrem Standpunkt festhalten. Für die „Nationale Rechte“ forderte der Abgeordnete von Thadden einen Kurs von 22,5 Dollarcents für die D-Mark. Die alliierten Vorschläge seien ein Versuch, die deutsche Lebenshaltung herabzudrücken. Bundeskanzler Dr. Adenauer nahm dann nochmals das Wort und stellte fest, daß die Bundesregierung einmütig entschlossen sei, den Vorschlag der Hohen Kommissare, die inländischen Kohlenpreise zu erhöhen, nicht anzunehmen. Er teilte mit, daß neue Verhandlungen mit den Hohen Kommissaren im Gange seien und bedauerte es, wenn sie durch eine voreilige und unsachliche Kritik gestört würden. Zum Schluß setzten die Abgeordneten Agatz (KPD) und Dr. Reismann (Zentrum) die Generaldebatte zur Regierungserklärung fort. Präsident Dr. Köhler vertagte dann das Plenum auf Donnerstag nachmittag. Berliner Appell an Adenauer Berlin. Der Berliner Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung haben in einem Telegramm an den Bundeskanzler Dr. Adenauer, den Bundeswirtschaftsminister und die Berliner Vertreter im Bundestag auf die Beunruhigung hingewiesen, die durch die angekündigte Herabsetzung des Außenhandelskurses der D-Mark in Berlin hervorgerufen wurde. In dem Telegramm wird betont, daß jede Erhöhung des Preisniveaus die erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Berlins noch steigern würde. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung bitten, bei allen Verhandlungen über die Folgen des neuen Außenhandelskurses der D-Mark die Schwierigkeiten Berlins genügend zu berücksichtigen. Durch einen einstimmig angenommenen Dringlichkeitsantrag aller drei Fraktionen des Stadtparlaments wird der Magistrat beauftragt, bei der Bundesregierung auf die ungünstige Lage Berlins als Währungsgrenzgebiet hinzuweisen. Französische Abordnung kommt nach Bonn Paris. Eine Abordnung der französischen Kohleneinfuhrbehörde ist am Donnerstag aus Paris nach Bonn abgereist, um an Verhandlungen über den neuen Preis für die deutsche Kohle teilzunehmen. Die französischen Behörden messen, wie in Paris verlautet, der Festlegung eines angemessenen Preises für die deutsche Kohle höchste Bedeutung bei. Frankreich beabsichtigt, seine Kohlenkäufe in den USA einzustellen, da infolge der Franc-Abwertung die amerikanische Kohle für Frankreich zu teuer wurde. Aus diesem Grunde ist Frankreich mehr denn je auf die Versorgung mit deutscher Kohle angewiesen, wodurch sich auch das besondere Interesse Frankreichs am deutschen Kohlenpreis erklärt. Lebensmittelsubventionierung nicht betroffen Frankfurt. Leitende Beamte des Bundesernährungsministeriums äußerten bei Be-i kanntwerden der alliierten Bedingungen, daß das Verbot „direkter oder indirekter Sub- sidien“ nicht auf die Lebensmittelsubventionierung bezogen werden könne. Letzten Endes seien Lebensmittelsubventionen zwar auch ein produktionsverbilligender Faktor, jedoch bezögen sich die alliierten Bedingungen zweifellos nur auf die Preisgestaltung für industrielle Exportgüter. Die Lebensmittelverbilligung, die zum Ausgleich sozialer Härten dient, werde im übrigen von Großbritannien in noch weit größerem Umfang durchgeführt. Die Landwirtschaft im Bundestag Von Bundestagsabg. WiHi Stahl, Bürger meister in Titisee Es ist bedauerlich, daß innerhalb der Berichterstattung über die ersten Verhandlungen des Bundestags die landwirtschaftlichen Probleme zu kurz kamen. Das mag davon herrühren, daß die Presse die Auseinandersetzungen zwischen Regierungspolitik und Opposition auf allgemein staatspolitischem Gebiet in den Vordergrund stellte. So erachte ich es als richtig, wenn ich berichtigend ergänze und herausstelle, daß sehr wohl schon am zweiten Tag der Aussprache über die Regierungserklärung landwirtschaftliche Grundprobleme vor getragen wurden, eingedenk jener Sätze, die ich im Wahlkampf öfters gebrauchte: „Nahrung ist der Urgrund allen Werdens. Nahrung aber schafft nur die Erde und der die Erde in harter Arbeit bestellende Bauer.". Es war die Arbeitsgemeinschaft der in der Fraktion der Freien Demokraten zusammengefaßten Landwirte, die durch ihren Berufskollegen Rüdiger, Immenhausen (Hessen), den Bundestag wissen ließ, daß die FDP eihe die Produktion fördernde Landwirtschaftspolitik bewußt treiben werden, und stellte als erstes Erfordernis dieser Landwirtschaftspolitik die Beendigung der noch bestehenden Zwangsbewirtschaftung auf verschiedenen Gebieten auf dem Agrarsektor heraus. Er hatte den Beifall der Regierungsparteien und der Rechten, als er, zur Linken gewandt, frug: „Möchte irgendjemand den Zustand zurückholen, der auf dem Gebiet der Ernährung und des Schlangestehens vor nicht allzu langer Zeit noch bestand?" Der Beifall aber wurde zum Sturm, als er das Hohe Haus frug, ob es überhaupt einen Abgeordneten, auch der Opposition, gäbe, der nie die Bewirtschaftungsgesetze gebrochen hätte, und Abg. Rüdiger verwies mit Recht auf das Bundeshausrestaurant, wo auch die fanatischsten Anhänger der Bewirtschaftungsstrategie sich Essen ohne Marken geben ließen! Und in diesem Zusammenhang verlangte der Sprecher der freien Demokraten ein - Amnestiegesetz für die Wirtschaftsvergehen der kleinen Bauern, die in einer Zeit begangen worden wären, wo die Gesetzesmacher eben dieser Bewirtschaftungsgesetze diese selbst nicht mehr gehalten hätten. Es ist unsere Ansicht, daß die Fleischbewirtschaftung aufgehoben werden muß. Ich persönlich habe mich in Bonn überzeugt, daß z. B. Wurst ofine Marken in rauhen Mengen zu den gleichen Preisen wie Wurst mit Marken in den Metzgerläden abgegeben wird, und sie alle hängen voll von Wurst und Fleisch. . Die Aufrechterhaltung dieser Bewirtschaftung auf dem Papier ist nur noch eine papierene Maßnahme und verschlingt Staatsgelder, die wir für andere Dinge viel notwendiger hätten. Deshalb Schluß mit der Bewirtschaftung von Vieh und Fleisch und Beendigung der Schlußscheinpflicht. Die auch nur noch auf dem Papier stehende Eierbewirtschaftung in Baden aber muß nun endlich ein stilles Ende finden, denn in der Bizone gibt es schon lange auch keine gesetzliche Eierbewirtschaftung mehr, und wir haben jetzt einen Deutschen Bund, in dem Baden nicht mehr aus der Reihe tanzen darf, auch wenn es nur auf dem Papier wäre! Zum Getreidepreis aber erklärte der demokratische Sprecher Rüdiger sehr gut, daß die Bauern keinen apderen Preis wollten, als daß mit diesem Preis die Produktionskosten und ein kleinster Verdienst gedeckt wird, und im übrigen wäre die Kernfrage für den Bauern weniger der Preis, als die Bilanzfrage, was für den Erlös seiner Produkte wieder an Produktionsmitteln eingekauft werden kann. Im übrigen Wäre es höchste Zeit, daß das Wort „Erfassung“ aus dem Wörterschatz der Bürokratie endlich verschwinden müsse und daß die Bürokratie an Stelle der Erfassung sich mit der Frage der , Produktion und ihrer Förderung zu beschäftigen habe. Im Bundestag war sehr viel auch von sozialpolitischen Fragen und Problemen der Gewerkschaften gesprochen worden. Auch für die Landwirtschaft ist ein soziales Problem der Erörterung sehr wert, nämlich die Unterbewertung der Arbeit des Landmannes. Wohltuend wirkte in diesem Zusammenhang im Bundestag die Erwähnung der Arbeit der Bauersfrau durch den Sprecher der Freien Demokraten, für deren Arbeit es überhaupt keinen Maßstab in der Höhe und Größe der Bewertung gibt. Unsere Landwirtschaftspolitik, nun von der Fraktion der Freien Demokraten über die Länder hinaus im Bundestag noch verstärkt vorangetrieben, wird sein, im besonderen die kleinen und mittleren bäuerlichen Betriebe in ihrer Existenz zu fördern, nicht nur aus dem menschlichen Egoismus heraus, da sie Nahrung schaffen, sondern weil Bauernpolitik keine Interessehten- politik, sondern Volkspolitik im gesamten ist und ewig sein wird. Das Sonntagsprogramm : Oberliga Süd: Eintracht Frankfurt — BC Augsburg Olfenbach — Stuttgarter Kickers Schweinfurt — FSV Frankfurt Regensburg — SV Waldhof Oberliga West: Borussia Dortmund — Hamborn 07 Duisburg 08 — Rotweiß Essen Rhenania Würselen — Duisburger SV Dellbrüek — 1. FC Köln Rotweiß Oberhausen — Alemannia Aachen Münster — Erkenschwick Vohwinkel — Schalke Bielefeld — Horst Emscher Oberliga Nord: Concordia — Hosltein Kiel Eimsbüttel — VfB Lübeck Hannover 86 — Braunschweig Göttingen 05 —Oldenburg Zonenliga Süd: VfL Freiburg — Trossingen Reutlingen —. Fortuna Freifourg Villingen — Konstanz Offenburg — Schwenningen Friedrichshafen — Tübingen Rastatt —' Singen Ebingen — Kuppenheim Lahr — Heehingen Zonenliga Nord: VfL Neustadt — 1. FC Kaiserslautern VfR Kaiserslautern — FSV Kürenz SpVgg. Andernach — Phönix Lüdwigshafen Eintr. Trier: — Weisenau Oppau — ASV Landau FV Engers — Worms VfR Kim — FK Pirmasens Landesliga Südbaden: Schopfheim — Lörrach Rheinfelden — Blauweiß ASV Freiburg — Emmendingen .. StoCkach — Furtwangen * Achem — Ottenau Baden-Baden — SL Georgen fcandesliga Nordbaden: Durlach — VfR Pforzheim Brötzingen — Friedrichsfeld . Phönix Karlsruhe — Mosbach Rohrbach — Viernheim Neckarau — Eutingen Hockenheim — Feudenheim Ostzoneii-Liga: Meerane — Babelsberg Dessau — Gera Stendal — Halle Erfurt — Wismar Dresden-Friedrichstadt — Industrie Leipzig Schwerin — Horch Zwickau ' Grube Marga — Altenburg Randball-Zonenliga: VfL Freiburg — Offertburg Lörrach — Fortuna Schiltach — Hauingen Auswahlspiel: Süddeutschland — Norddeutschland Waldhof versucht es in Regensburg Im Süden wird das halbe Weihnachtsprogramm vorweggenommen, da die Spiele des 26. Dezember größtenteii vorverlegt wurden. Voller Achtung reisen die Waldhöfer nach Regensburg, denn die kalte Dusche für Offenbaeh muß ernüchternd wirken. Auch der FSV Frankfurt wird nicht ohne Gruseln vernommen haben, wie die Augsburger Schwaben in Schweinfurt abgeschliffen wurden. So darf man wieder auf allerhand Überraschungen gefaßt WEIT isein. Auch bei den Spielen in Frankfurt und Offenbach ist noch keineswegs ausgemacht, daß die Platzbesitzer Sieger bleiben. Im Westen hat es der Meister Borussia Dortmund diesmal mit Hamborn 07 zu tim. Auch wenn die Hambomer nicht mehr ganz so schlagkräftig wie im letzten Jahr sind, so bedarf es doch restlosen . Einsatzes der Mannen um Miehallek, wenn, endlich der erste Sieg erfochten werden soll. Schalkes Ausflug zu Vohwinkel wird ebensowenig ein Spaziergang sein wie, die Reisen von' Erkenschwick ünd Horst Emscher hach Münster bzw. Bielefeld. Im Norden sollten die Überraschungssieger Eintracht Braunschweig und TV Eimsbüttel auch diesmal zu besonderen Rollen befähigt sein. Vor allem die Hamburger werden sich von Lübeck nichts vormachen lassen. Schwerer haben es da schon die iBraunschweiger Löwen, die bei dem alten Widersacher Hannover 96 mit ihr schwerstes Treffen zu bestehen haben. Zum 23. Male: Nord — Süd Zum 28. Mal bestreiten Süd- und Norddeuisch- lland einen Kräftevergleich im Fußball. Schauplatz ist diesmal das 40 000 Zuschauer fassende Grün- iwalder Stadion in München. Dem Nürnberger 1 :1- iSpiel im letzten Jahr folgte im Frühjahr der glückliche 1: 0-Sieg des Nordens in Hannover. Der Norden ist also leicht im Vorteil. Wenn nicht alles täuscht, wird es auch diesmal ein knappes' Ergebnis geben. Übrigens gehören die Nord-Süd-Begeg- nungen zum Standardprogramm des deutschen Fußballsports. Schon viele Talente für die Nationalmannschaft wurden bei diesen regionalen Vergleichskämpfen genauer unter die Lupe genommen. Der Norden liegt mit 13 Siegen gegen 12 Niederlagen bei 2 Unentschieden vorne. Des Nordens Überlegenheit wurde vor allem in den Spielen vor dem ersten Weltkrieg errungen, während der Süden später aufholte. Wie die Mannschaften voraussichtlich stehen: Norden: Ilic Appel Hempel Stender Dzur Posipahl Adamkiewicz Hagenacfcer Boiler Spundflasche Beck de la Vigne Barufka Schade Morlock Hoffmann Gebhardt Kennemann Hammerl Knoll Baumann Süden: Schmid Weder an der Isar noch an der Elbe läßt man isich in die Karten sehen. Beiderseits wurden je 16 Spieler aufgeboten, aus denen die endgültige (Mannschaft erst am Spieltage selbst formiert werden soll. Auffallend, daß nur wenige Vereine jeweils zur Auswahl herangenommen wurden. Der Hamburger. Sportverein und st. Pauli, dazu die (Mannen von Werder Bremen, stellen die norddeutsche Streitmacht. Schon beim Länderpokal war Hamburgs Elf großartig in Fahrt und Spundflasche erwies sich einmal mehr als meisterhafter Regisseur und' .Torschütze. Gespannt darf man sein, ob der frühere Schalker Burdenski (jetzt Werder Bremen) eingesetzt wird. Die ehrgeizigen Norddeutschen sind“ sonst mit der Berufung von „Zugewanderten“ immer sehr langsam ins Zeug gegangen. Der Süden verspricht sieh vor allem durch den Einsatz der Fürther Schade und Hoffmann eine Auffrischung des Sturmes, in dem Barufka wohl der große Gegenspieler von Spundflasche sein dürfte. Bei der augenblicklich hervorragenden Klasse Ba- rufkas wird das Schwergewicht dann auf dem linken Flügel de la Vigne-Barufka liegen, zumal Morlock nach seiner längeren Kampfpause noch recht „füllig“ wirkt. Der verletzte Streitle wird in der Verteidigung eine Lücke hinterlassen, die aber Baumann gut ausfüllen könnte. Beinahe 119000 DM im Toto erschwindelt Einen neuartigen Totoschwindel ’ deckte eine Wetteinnahme jn Bamberg noch rechtzeitig auf, ehe dem Schwindler, einem Spieler aus Gütersloh (Westfalen), der Gewinn von 119 000 DM a.us- gezahlt wurde. Nach dem Wettbewerb am 4. September hatte die Wettannahme einen von der Post abgestempeiten Zahlkartenabsehnitt des Gü- tersloher Einsenders erhalten, der in der vierten und fünften Spalte je zwölf richtige Tips enthielt. Bei einer Kontrolle stellte man jedoch fest, daß der Wettbetrag nicht verbucht war. Die Wetteinnahme wurde stutzig und ließ durch die Ober- postdirektion Münster Nachforschungen anstelien. Daraus ergab sieh, daß die Zahlkarte des Spielers abgefangen und an diesen zurückgegeben worden war. Er hatte nach den Spielen die Ergebnisse eingetragen und den, Zahlkartenabschnitt zur Einlösung eingesandt. Dev Tabellenführer in Villingen Nachdem durch die Länderpokalspiele der vorgesehene Plan der Zonenllga Süd aus den Fugen geraten war, hat Spielausschußvorsitzender Hohner (Trossingen) eine neue Termineinteilung vornehmen müssen, nach der die Paarungen am nächsten Sonntag schon ablaufen. — Der VfL Freiburg bekommt mit der Spvgg. Trossingen eine Mannschaft vorgesetzt, die bisher ziemlich auf die leichte Schulter genommen wurde, wobei dann die Pleiten nicht ausblieben. Nach den in Singen und gegen Lahr gezeigten Leistungen sind die Trossin- ger in Freiburg für ein Unentschieden gut. — In Reutlingen wird Fortuna alle Kräfte zusammennehmen müssen, um kein zweites blaues Wunder zu erleben. — Der ASV Villingen, der in Schwenningen nur mit riesigem Glück zu den beiden Punkten kam und noch immer nicht die richtige Aufstellung gefunden hat, wird gegen Konstanz wesentlich Besseres bieten müssen, wenn er beide Punkte behalten will. — Offenburg und .Schwenningen, zwei Mannschaften, deren Stürmer in dem bisherigen Spielen noch kein Tor fertig brachten, werden höchstwahrscheinlich ein Unentschieden „zusammenverteidigen“. — In Friedrichshafen wird Tübingen versuchen, sein Verlustpunktekonto weiterhin sauber zu halten, was auch gelingen sollte^ — In Lahr geht es darum: wer hängt dem anders die rote Laterne auf? Beide Neulinge haben nocS kein Spiel gewonnen, nur scheint Lahr die besser* Hintermannschaft zu haben, die bis jetzt nur fünf Tore zuließ, während es im Hechinger Tor schon vierzehnmal rauschte; die Stürmerreihen scheinen aber gleich „gut“ zu sein! Es spricht demnach also nur der Platzvorteil für die- Einheimischen. — In Rastatt ist nach seinem letzten Spiel Singen als Sieger zu erwarten. Oder sollten wir uns täuschen? Wie Kuppenheim seine Konstanzer Niederlage verdaut hat, wird das Ergebnis in Ebingen beweisen. In der Landesliga muß Lörrach zu seine» alten Bekannten nach Schopfheim, Das könnte unter Umständen den Rotweißen die ersten Verlust- punkte einbringen. — Rheinfelden, zu Hause besonders kampfkräftig, müßte Blauweiß schlagen können. — Wie der ASV Freiburg mit Emmendingen fertig wird, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Die Abgänge von Seiter und Dudele haben schwere Lücken in Emmendingen hinterlassen. Aber es wird trotzdem höchste Zeit, dafl sich ein Erfolg einstellt. — In Stockach, früher eine der härtesten Mannschaften der Landesliga, wird Furtwangen wahrscheinlich ziemlich klar unterliegen. — Hochinteressant wird es in Achem werden. Dort treten Seyfried und Co, in die Arena Dieser Kampf wird sicher auf Biegen und Brechen gehen und 98 Minuten Volldampf drauf haben. — Baden-Baden dürfte zu beiden Punkten kommen, da St. Georgen auswärts durchweg sehr matte Partien liefert und schon rein spielerisch der schwächere Partner ist Die Handball-Zonenliga bringt als wichtigstes Spiel Lörrach gegen Fortuna. Der Altmeister, der wieder seine alte Form zu finden scheint, hat unbedingte Siegesaussichten. Der VfL Freiburg hat mit Offenburg nicht viel zu schlagen. In Schiltach könnte es den ersten Sieg in der neuen Klasse geben. Zumindest dürfte Hauingen ein Unentschieden abgerungen werden. Handball-Großereignisse im Oktober Der Monat Oktober wird für den deutschen Handballsport in verschiedener Hinsicht von besonderer Bedeutung sein. Zunächst findet am 1. Oktober in Mühlheim (Ruhr) die Gründung des Deutschen Handballverbandes statt. Hierbei vollziehen die Handballer denselben Schritt, den dis Fußballer bereits vor Monaten gemacht haben. Der Arbeitsausschuß Handball mit Daume-Dortmund an der Spitze wird in den DHV umgewandelt. Damit sind dann auch die Voraussetzungen gegeben, daß die deutschen Handballer wieder in den Internationalen Verband aufgenommen werden. In Mühlheim wird am kommenden Sonntag ein Ausscheidungsspiel zum Handball-Pokal zwischen Westdeutschland und dem Rheinland ausgetragen. Der Sieger muß am 16. Oktober in Süddeutschland gegen den Pokalverteidiger antreten, während am gleichen Tag Norddeutschland — Berlin in Bremen stattfindet. Unsere Meinen Sportmeldungen Der bayerische Fußballtoto zahlt für den Wettbewerb vom 25, September im ersten Rang bei elf richtigen Voraussagen an 30 Gewinner je 4500 DM aus. Im zweiten Rang entfallen auf 319 Gewinner je 423.20, während die Gewinnquote im dritten Rang bei 2435 Gewinnern 55.40 beträgt. Der deutsche Rekordschwimmer Walter Klinge (Braunschweig) ist vom SC Neptun Stockholm für Ende Oktober oder Anfang Februar zu einigen Starts in Schweden eingeladen worden. Die zweite Halbzeit des Fußballkampfes Süd- Segen Norddeutschland wird ab 16.00 Uhr vom Süddeutschen, Südwestdeutschen, Hessischen und Nordwestdeutsehen Rundfunk übertragen« • • (Fortsetzung.) Wo lag die richtige Entscheidung? Er schloß die Augen. In sich versunken, hörte er nicht, daß Simone Vendette summend hereinkam und sich 'vor dem Spiegel die Lippen nachzog und ihr schönes Haar bürstete. Als sie wieder gegangen war, blieb ein Hauch ihres Veilchenparfüms zurück. Niedermann sah auf. Aber das Mädchen war schon mit schnellen Schritten zum Speisewagen gegangen, wo Randalo sie erwartete. Randalo verhehlte sich nicht, daß er innerlich tief beunruhigt war. Was für eine Macht war es, die den geldgierigen Niedermann dazu brachte, ein Vermögen auszuschlagen? Hunderttausend Mark! Absichtlich hatte er so hoch gegriffen, weil er erreichen wollte, was er sich vorgenommen hatte, und nun war er doch gescheitert. Zum erstenmal seit Jahren war seinem harten Willen ein anderer entgegengebrandet, ein unbekanntes Etwas, das stärker war als er selbst. Und das bei einem Menschen, den er verachtete und dem er nicht das Recht zusprach, ihm die Schuhbänder zu lösen! „Kellner, einen Kognak!“ _ Randalo leerte das Glas Vuf einen Zug und ließ sich sogleich das zweite einschenken. Innerlich verfluchte er diese Reise, die nichts als Ärger und Widerstände brachte. Wäre er nur einen Tag später gefahren, er wäre weder Nidermann noch der Anwältin begegnet, und die Vergangenheit hätte weiter geschlafen wie bisher. Er ballte die Faust auf dem Tisch. Verjährt ist die Tat, hämmerte es in seinen Gedanken, verjährt und verbüßt. Niemand kann sie wieder ans Tageslicht zerren. „Ober, noch einen. Das ist eine gute Marke, ich verstehe mich darauf.“ Der Kellner verbeugte sich mit äußerster Höflichkeit. „Darf ich auch den Kaffee bringen, Senor? Und frischen Baumkuchen aus Lausanne? Ich kann ihn nur empfehlen.“ Randalo lachte. „Ja, zwei Kaffee und viel Kuchen. Ich erwarte eine junge Dame.“ Irgendwo hob die Zuvorkommenheit des Kellners seine Stimmung, gab ihm das Gefühl des eigenen Wertes zurück, das schwankend werden wollte unter den schattenhaften Ahnungen kommenden Unheils. Er warf einen Blick auf die Uhr. Warum kam Simone nicht? Die halbe Stunde, die er sie zu warten gebeten hatte, war vorüber. Hatte irgend jemand dieses Mädchen, das der Himmel ihm auf dieser Reise geschickt hatte, vor ihm gewarnt? Er brauchte sie, wie man ein Glas Sekt braucht, um wieder frisch zu werden. Er wollte in ihrer Jugend noch einmal die Zeit genießen, von der selbst die Götter sagten, daß sie die schönste des Lebens sei. Wo blieb Simone? Als die Tür des Speisewagens sich öffnete und der kühle Windhauch von draußen die überhitzte Luft des Restaurants bewegte, sah Randalo gespannt auf. Aber sein Gesicht, eben noch in der Vorfreude auf das Mädchen aufgelockert, wurde zu einer verbissenen, undurchdringlichen Maske, als Fräulein Doktor Mertens mit Axel Beckmann hereinkam. Randalo wandte sich ab und sah scheinbar uninteressiert aus'dem Fenster, aber seinen heimlich wachen Sinnen entging nichts von dem, was die beiden Vornahmen. Sie hatten sich an einen Tisch, nicht weit von seinem Platz entfernt, niedergelassen und Waren in ein lebhafts Gespräch vertieft. Aber Randalo spürte in kleinen Abständen den forschenden Blick der Anwältin. Was will sie von mir? dachte er erbittert. Wenn er seinen Blick vom Fenster wandte, mußte er ihr klares Profil sehen, mußte den klugen Augen begegnen, die er haßte. Plötzlich fiel ihm mit jähem Erschrecken ein, daß Niedermann ihr möglicherweise schon von seinem Vorschlag erzählt haben konnte. Glühende Hitze benahm ihm den Atem. Verflucht, daß er daran nicht gleich gedacht hatte. Sie würde dann den untrüglichen Beweis haben, daß er mit dem Mörder Lodart identisch war. Er umklammerte mit beiden Händen - die Tischplatte, die Knöchel traten weiß hervor, und die Finger knackten in den Gelenken, aber irgendwie tat ihm die heftige Bewegung wohl. Mochte sie ahnen, glauben und wissen, was sie wollte, er würde Beweise fordern, und die würden sie unmöglich erbringen können, denn er war sehr behutsam im Verwischen seiner Spuren gewesen. Wieder schlug der knarrende Laut der sich öffnenden Tür an sein Ohr. Schon an der liebenswürdigen Aufmerksamkeit, die sich auf den Gesichtem der männlichen Gäste des Speisewagens bemerkbar machte, erkannte er, daß Simone kam. Das leise Klappern ihrer hohen Absätze war wie Musik in ihrem jungen, schwingenden Gang; sie hatte die Jacke ihres Kostüms mit angeborener Grazie über die Schultern geworfen, und ihre Augen strahlten, als sie schnell an Randälos Tisch trat. „Hast du gewartet?“ fragte sie bestürzt. „Verzeih, aber ich mußte, als du von Niedermann fortgegangen warst, mich erst im Abteil etwas schön machen. Das dauerte ein paar Minuten länger, als ich gedacht hatte,“ Randalo nickte ihr zu. „Es schadet nichts, Simone, die Hauptsache ist, daß du jetzt da bist.“ Er schwieg einen Augenblick und fragte dann rasch: „Hat dein alter Reisegefährte noch mit dir gesprochen?“ durch die ZNaa Roman von Marieluise Lange „Ich glaube, er schlief“, sagte sie mit einer leichten Handbewegung, „und ich habe ihn nicht geweckt.“ Randalo lachte auf. Es tat so gut, diese leidenschaftlichen Mädchenaugen bewundernd auf sich gerichtet zu sehen! Der Teufel sollte allen Griesgram holen! Das Leben streckte ihm mit seiner schönsten Lockung beide Hände entgegen, er wollte sie greifen und in ihrer Umarmung Vergessen suchen. „Bald sind wir an der Grenze, Simone“, sagte er eindringlich. „Dann kommst du zu mir, und wir wollen es schön miteinander haben.“ Er hob sein Glas, das noch einmal vollgeschenkt worden war, und trank ihr zu. Sein selbstbewußter Blick streifte Hildegard Mertens. Jetzt fühlte er keine Wut mehr auf die Frau, eher ein geringschätziges Mitleid, daß sie es wagte, sich auf seinen Weg zu drängen. Seine Hand tastete über den Tisch nach den schmalen Fingern der kleinen Französin und umschloß sie fest. Simones hübsches Gesicht glühte vor Glück. Sie hätte jubeln und diesen großen Antwort. „Ich traf Frau Garcia das erstemal vor einigen Jahren, als ich eben nach Spanien gekommen war, in Gesellschaft ihres Mannes. Graf Garcia war ein charmanter Mensch, ein blendender Gesellschafter und Sportsmann, aber damit ist wohl auch alles gesagt. Als er vor drei Jahren verunglückte — ob mit, ob ohne Schuld, das habe ich aus Frau Garcias Worten nicht entnehmen können —, hinterließ er sie anscheinend in größten Sorgen.“ Hildegard Mertens nickte ernst. „Es ist für eine verwöhnte Frau aus diesen Kreisen, in denen Arbeit immer noch als Herabsetzung des eigenen Wertes gilt, nicht leicht, plötzlich auf eigenen Füßen stehen zu müssen“, sagte sie nachdenklich. „Mein Beruf hat mich oft die Tragik derartiger Situationen erkennen lassen. Not ist schwer zu ertragen und zwingt Menschen oft, ganz anders zu handeln, als es ihrem eigentlichen Wesen entspricht.“ mm ? * ■Vk.' 4 -"-!. Stltc 2>ud)e auf bet ©ttitoeui) bet -öbetitrcf) Conrad Kayser Mann umarmen mögen, der ein Füllhorn in seinen Händen trug, aus dem ihr Glück, Reichtum und Luxus in den Schoß fielen. „Du bist großartig“, flüsterte sie ihm über das Dröhnen des Zuges hinweg zu, „ich liebe dich!“ Ganz flüchtig ging ein Schatten über das starke Gesicht des Millionärs. Er warf dem Mädchen einen nachdenklichen. Blick zu, dann zog er ihre Hand an die Lippen. „Ich danke dir, Simone“, sagte er gedämpft. Doktor Hildegard Mertens hatte mit voller Absicht die Gesellschaft des jungen Deutschen Axel Beckmann gesucht. Sie wollte erfahren, wie er zu Mercedes Garcia stand, die seit Stunden in ihrem Abteil verschwunden war. Noch fünf Stunden Fahrt, und die deutschschweizerische Grenze, an der sich Randalos Schicksal erfüllen mußte, war erreicht. Dann sollte die schöne junge Frau, aus deren wenigen Worten Hildegard Mertens erraten hatte, daß sie Randalo nicht liebte, nicht bei ihm sein. Mercedes Garcia hatte nur angedeutet, daß sie im Begriff stand, sich von dem Millionär zu lösen, um einen neuen Weg einzuschlagen; auf diesen Weg aber gehörte Axel Beckmann. Die warmen Blicke, mit d^nen die beiden jungen Menschen einander wortlose Zärtlichkeiten gesagt hatten, verrieten Hildegard Mertens, daß hier das Schicksal Fäden spann, zart noch, aber bestreut von Licht und Schönheit. „Sie dürfen nicht denken, daß ich aus bloßer Neugierde frage, ob Sie mit Frau Garcia bekannt sind“, sagte Hildegard Mertens leicht entschuldigend. „Sie ist eine ungewöhnliche Erscheinung, nicht nur ihrer blendenden Schönheit wegen, sondern weil von ihr das Fluidum alter Kultur ausstrahlt, das einen unwillkürlich gefangen nimmt. Kennen Sie sie genauer?“ Beckmann sah die Anwältin ruhig an. „Ja und nein“, gab er nachdenklich zur Nach kurzer Zeit schon stand Hildegard Mertens auf und verabschiedete sich. Beckmann ließ ein paar Minuten verstreichen, dann verließ auch er den Speisewagen, um zu seinem Abteil zurückzugehen. Auf dem Wege dorthin traf Beckmann Mercedes Garcia. Ihr schönes Gesicht war blaß, und ihre Augen sahen merkwürdig müde aus, als hätte sie viele schlaflose Nächte hinter sich. Sie wollte mit einem leichten Neigen des Kopfes an Beckmann .vorübergehen, aber er hielt sie auf. „Warum weichen Sie mir aus, gnädige Frau?“ fragte er mit seiner warmen Stimme. „Viele Stunden, die hätten schön sein können, sind ungenützt verstrichen. Muß das wirklich sein?“ Sie sah ihn voll an, und er fühlte aus der Schwere ihres Blickes ein heimliches Leid, das sie trug. Unwillkürlich schweifte ihr Blick zu Randalo, der aufreizend laut und sichtlich - zu ihr gerichtet, mit Simone Vendette scherzte und lachte. Wie war es nur möglich, daß „Ja, es muß sein“, sagte sie Still. „Es ist besser, ich gehe wieder.“ In der Furcht, sie könnte ihn verlassen, ohne daß er ihr wenigstens etwas von dem gesagt hatte, was ihn bewegte, legte er ihr seine Hand auf den Arm. „Bleiben Sie noch einen Augenblick“, sagte er bittend. „Geben Sie mir die Möglichkeit, Sie später wiederzusehen, damit wir uns nicht trennen wie zwei Fremde, die gleichgültige. Worte miteinander gewechselt haben und die einander vergessen, sobald ihre Wege äuseiandergehen. Ich könnte Sie nicht vergessen“, fügte er rasch hinzu, „und es wäre sehr schwer für mich, wenn ich Sie aus den Augen verlöre.“ Eine zarte Röte huschte über das Gesicht der Frau, und in ihre ernsten Augen trat ein Glanz, der aus der Tiefe ihres Herzens kam. Sie sah in das ernste, männliche Gesicht Beckmanns und eine kaum stillbare Sehnsucht erwachte in ihr, sich ihm anzuvertrauen, danz offen das Geschehen der vergangenen Jahre vor ihm auszubreiten und dann sein Urteil abzuwarten. Aber noch ehe der Gedanke zu Ende gedacht war, scheuchte sie ihn tief in ihr Inneres zurück. Wie konnte sie von einem Manne wie Beckmann Verständnis dafür erwarten, daß sie die Härte des Alltags gescheut und lieber ihre Frauenehre hingegeben hatte, als daß sie Not gelitten hätte? Mußte er sie nicht verachten, weil 'sie nicht ihrem Herzen, sondern nur der Vernunft gefolgt war und sich Luxus und Reichtum mit einer gähnenden inneren Leere erkauft hatte, in der ihre Seele fror und ihr Herz sich hinter dem äußeren Schein kühler Überlegenheit versteckte? Mercedes Garcia fühlte eine hilflose Trauer über sich selbst, heiße Tränen stiegen ihr in die Augen. Und doch mußte sie etwas sagen. Beckmann sollte wissen, daß ■ auch für sie die Begegnung mit ihm etwas Besonderes war und daß auch sie ihn nicht vergessen würde. Sie tat einen Schritt auf den Mann zu und er nahm die Hände, die sie ihm mit einer rührend fraulichen Gebärde entgegenstreckte. Ein Lächeln, in dem viel Glück lag, spielte um seinen herben Mund. „Ist es so schwer, mir zu sagen, daß auch Sie mich Wiedersehen möchten?“, fragte er leise. eine Frau wie Mercedes Garcia es an der Seite dieses Menschen ausgehalten hatte? Als ahnte Beckmann die geheimen Gedanken der Anwältin, zwang er ihre Aufmerksamkeit mit einem leisen Räuspern zu sich zurück. „Man muß großzügig genug sein, .um auch solche Abwege zu verstehen“, ging er ernst auf ihre letzten Worte ein, „und vielleicht muß man auch das Vertrauen zu dem anderen Menschen haben, daß er eines Tages, unter anderen Verhältnissen, wieder zu sich selbst zurückfindet. Denn das allein entscheidet über seinen inneren Wert.“ „Gewiß“, Hildegard Mertens nickte. „Nur daß die Welt im allgemeinen und gerade die durch äußere Umstände bevorzugten Kreise meist sehr hart im Urteil sind. Ich habe immer wieder gefunden, daß nur eigenes Leid und eigene Anfechtungen wirkliches Verständnis für die Not anderer Menschen hervorbringen.“ Eine Weile rauchten sie schweigend, dann sagte Hildegard Mertens nachdenklich, als müsse sie erst prüfen, wie weit sie sich ihm anvertrauen sollte: Sie schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht“, gab sie still zur Antwort. „Ich möchte Sie gern Wiedersehen, aber nicht jetzt. Später, wenn ich allein bin. Das müssen Sie verstehen!“ Er zog ihr Hand an die Lippen. Ihre gepflegte Haut duftete wunderbar. „Und wann werden Sie allein sein?“ fragte er ernst. Sie neigte den Kopf, und die letzten Sonnenstrahlen des sinkenden Tages zauberten goldene Lichter auf ihrem Haar hervor. „Schon hinter der Grenze“, kam leise wie ein Hauch ihre Antwort.” Er spürte ein zärtliches Streicheln ihrer Hand auf - seinen Fingern, dann war er allein. Ein paar Sekunden lang hörte er noch das Rauschen ihres Kleides, und seine Augen folgten ihrer königlichen Gestalt, bis sie in ihrem Abteil verschwunden war. „Es kann sein, daß Frau Garcia an der Grenze einen Menschen braucht, der sich ihrer annimmt. Ich habe Schritte gegen den Millionär Randalo einleiten müssen, unter denen sie nicht leiden soll. Aber ich darf sie nicht warnen. Wollen Sie sich in ihrer Nähe halten, damit sie Hilfe hat, wenn sie ihrer bedarf? Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen, daß das, was gegen Randalo unternommen wird, mit Frau Garcia nicht das geringste zu tun hat und daß ich, wenn sie Schwierigkeiten haben sollte, Ihnen jederzeit zur Verfügung stehe.“ Ich habe diese Frau lieb, dachte er einfach. Ich habe sie gesehen, ein paar Worte» mit ihr gewechselt und wußte sofort, daß sie die Erfüllung aller meiner Wünsche verkörpert. Er sah sinnend aus dem Fenster. Es war merkwürdig, wie hinter dieser Begegnung - alles verblich, was er bisher an Liebe und Zärtlichkeit in seinem Leben kennengelernt hatte. Jede ändere Frau, die ihm einmal nahegestanden hatte, wurde vor Mercedes Garcia zu einem wesenlosen Schatten; sie allein bedeutete das Glück für ihn. Brausend durchfuhr der Zug die schöne Berglandschaft, die im rötlich-goldenen Glanz der scheidenden Sonne sich ausbreitete. Beckmann atmete tief auf. Selten noch war ihm die Welt so schön erschienen wie heute, da er von einer tiefen inneren Freude erfüllt war. Beckmann sah sehr ernst aus, als er sich schweigend verbeugte. Er wollte nichts fragen, wei^ er ahnte, daß diese kluge Frau, die ihm, dem Fremden, Vertrauen schenkte, nicht mehr sagen durfte. Es war, als hätten sie sich nun nichts mehr zu sagen, und aus dem Ernst ihrer Gedanken fanden sie sich nicht mehr in ein leichtes, gesellschaftliches Gespräch zurück. Der Schweizer Polizeileutnant Schuricht stellte sein Motorrad im Hof des Berner Präsidiums auf und ging eilig die breite Treppe hinauf, die zu den Amtszimmern des Fahndungsdienstes führte. Vor der Tür zog er sich ein letztes Mal die Uniform glatt und klopfte. Auf den kurzen Ruf seines Vorgesetzten trat er ein und meldete sich zur Stelle. (Fortsetzung folgt.) Di 14 . < Schi dam Klei ergo nach nen selb seine Freu lasse Willi Zu zog Goet De scher wein Von war gebli Erku war. bewä legen geste feind die I war er ve Die Herze Audic alsbä durch führt die V lebha volle Plünc Be: die s nisse aufge Krieg „Glau sehun ith ni Dan die vc über® für d endlic sten Zur „Das honen Der 'Neim nähen die nierl lieh zog 1 verlas sein K ziehen tet we sen se Erst später aus war in Sta Mann Fahne Kontr: ließ Sj. t sonder durch ' Vor begann Dörfche Basti freches merig klappte prall bis zu: unterr der al Durch Rain hinauf schnauf da nicl einer Gottlob Auf, FEUILLETON Goethe - Weimar - Napoleon Das standhafte Ausharren der Herzogin von Weimar.— Goethe in Lebensgefahr. leon und Goethe begegneten sich in Erfurt Napo- Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 entschied nicht bloß das Schicksal Prcußcns, sondsrn auch aller jener damals vorhandenen allzu vielen deutschen Kleinstaaten. Ohne Widerstand zu finden, ergoß sich das siegreiche französische Heer nach Berlin, wo Napoleon am 27. Oktober seinen prunkhaften Einzug hielt. Napoleon selbst nutzte nicht nur, sondern kostete auch seinen Sieg aus, insbesondere machte es ihm Freude, die deutschen Fürsten fühlen zu lassen, daß sie gänzlich von seiner Gnade und Willkür abhängig waren. Zu diesen gehörte auch Karl August, Herzog von Weimar, der Freund und Beschützer Goethes, Wielands, Herders, Schillers u. a. Der Herzog war Heerführer in der preußischen Armee, zu der er selbst ein Kontingent weimarischer Landeskinder gestellt hatte Von der entscheidenden Schlacht bei Jena war er nur aus dem zufälligen Grunde fern- * geblieben, weil er mit seinem Korps zu einer Erkundung nach Franken entsandt worden war. Seine Tüchtigkeit als Heerführer zu bewähren, bot ihm erst der Rückzug Gelegenheit, auf dem er, ganz allein auf sich gestellt, seine Truppen mitten durch die feindliche Umstellung hindurch sicher über die Elbe nach Norden entführte. Napoleon war daher besonders auf ihn ergrimmt, weil er verstanden hatte, ihm zu entwischen. Die im Schlosse in Weimar verbliebene Herzogin erbat sich am 16. Oktober eine Audienz bei dem Kaiser Napoleon, die ihr alsbald bewilligt wurde. — Unerschüttert durch Napoleons Vorwürfe und Drohungen, führte sie mit Würde und Nachdruck die Verteidigung ihres Gemahls, schilderte lebhaft ihre und des Landes verzweiflungsvolle Lage und drang auf Einstellung der Plünderungen in Stadt und Land. Bei dieser Gelegenheit kam Napoleon auf die allgemeine Lage der politischen Verhältnisse auch auf die, wie er versicherte, ihm auf gedrungene Notwendigkeit seines jetzigen Kriegszuges zu sprechen, wobei er betonte: »Glauben Sie mir, Madame, es gibt eine Vor- Behung, die alles lenkt und dessen Werkzeug ich nur bin!“ Dann auf die Schwester der Herzogin, auf Sie verwitwete Frau Markgräfin von Baden, übergehend, sprach er seine hohe Achtung ■ für diese Fürstin lebhaft aus und verließ endlich die Herzogin unter den verbindlichsten Aeußerungen des Wohlwollens. Zum General Rapp bemerkte er nachher: toDäs ist eine Frau, der selbst unsere 200 Kanonen keine Furcht haben einflößen können!“ Der Herzogin standhaftes Ausharren in Weimar, mitten unter den Schrecknissen der nahen Schlacht, ihre großartige Haltung und die ruhige' Gediegenheit ihrer Worte imponierten dem Kaiser und gewannen ihm endlich die Versicherung ab, daß, wenn der Herzog binnen 24 Stunden die preußische Armee verlassen, nach Weimar zurückkehren und sein Kontingent zurückrufen würde, ihm verziehen und seine Souveränität nicht vernichtet werden solle, was unwiderruflich beschlossen sei. Erst beim Friedensschluß, viele Monate später, nachdem der heimgekehrte Herzog aus der preußischen Armee ausgeschieden war und als Rheinbundfürst ein Kontingent in Stärke von 800 Mann einschließlich 200 Mann Kavallerie und 6 Kanonen unter die Fahnen Napoleons stellte, außerdem eine Kontribution v on 2 200 000 Frs. leisten mußte, ließ sich der Zorn Napoleons besänftigen. Besonders letztere Leistung war für das arme, durch die Kriegswirren ausgesogene Land eine sehr harte Maßregelung, die den Wohlstand des kleinen Landes fast vernichtete. Auch Goethe selbst hatte unter diesen turbulenten Geschehnissen der Besatzungszeit zu leiden. Er geriet dabei sogar in ernste Lebensgefahr. Einige eingedrungene betrunkene Tirailleurs begehrten unter Kolbenschlägen Eingang am Tor von Goethes Haus am Frauenplan, verlangten Wein und Essen, was ihnen gewährt wurde. Danach wünschten sie kategorisch, den Hausherrn zu sehen. Goethe kam. Sein Erscheinen zügelte die wilde Begehrlichkeit der Eindringlinge. Sie baten um Schlafgelegenheit. Goethe betonte, das Haus sei voll belegt. Seine Entschlossenheit machte Eindruck. Durch weitere Weinspenden wurden die „Eindringlinge aber sinnlos berauscht und einer derselben verfolgte Goethe bis ins Schlafzimmer im 2. Stock, um sich mit der Waffe auf ihn zu stürzen. Goethe stieß ihn Fremden und der Ueberfüllung aller Quartiere gelang es, für Goethe eine bequeme Wohnung in der Nähe des Herzogs aufzufinden und Goethe blieb daher mehrere Tage in Erfurt. Das französische Theater gewährte ihm einen geradezu unsäglichen Genuß, und es war höchst interessant, ihn nach jeder Vorstellung noch stundenlang bei dem Herzog über die Eigentümlichkeiten der französischen Tragiker und dramatischen Künstler sprechen zu hören. Er war dabei stets in der höchsten Aufregung, v 0 ll Feuer und hinreißender Beredsamkeit. Bei Frau von der Recke lernte er den Minister Maret kennen, auf den er einen außerordentlichen Eindruck machte, und der dem Kaiser davon erzählte, worauf Napoleon ihn sogleich am 2. Oktober zu sich einladen ließ. Diese Audienz dauerte fast eine volle Stunde. Nur Talleyrand, Ber- thier und Savary waren bei dieser Audienz gegenwärtig. Gleich nach Goethes Eintritt in das kaiserliche Kabinett kam auch noch der Generalintendant Daru hinzu. Der Kaiser saß an einem großen runden Tische frühstückend. Zu seiner Rechten stand . , ‘"'“Vf buel UH. Talleyrand, zu seiner Linken Daru, mit dem zuruck, Christiane aber warf sich rettend ' er Kontributionsangelegenheiten aus Preußen erörterte. Er winkte Goethe, näher zu zwischen Goethe und den Wahnsinnigen, dieser Nöt eilte der. Hauslehrer Riemer herbei und meldete das Eintreffen von Marschall Ney, der im Hause Quartier bezogen hatte. Die Nachricht traf das eingedrungene Volk wie ein Peitschenhieb und es verließ fluchtartig Goethes Haus. Goethes Dank an Christiane Vulpius für ihre Treue, die bereit war, das Letzte in diesen unruhevollen Tagen für ihn hinzugeben, war die eheliche Verbindung mit ihr. Seine einzige Eintragung ins Tagebuch enthält am 19. Oktober 1806 nur das eme schwerwiegende Wort: „Trauung“. Goethes erste persönliche Begegnung mitNa- poleon fand in Erfurt auf dem großen, von Napoleon einberufenen Fürstenkongreß statt. Der Herzog von Weimar hatte in' diesen Tagen seinen Freund Goethe nach Erfurt berufen. Trotz dem riesigen Andrang so vieler kommen und fragte, nachdem er ihn aufmerksam betrachtet hatte, nach seinem Alter. Als er erfuhr, daß Goethe im 60. Jahre stehe, äußerte er seine Verwunderung, ihn noch so frischen Aussehens zu finden und ging alsbald zu der Frage nach Goethes Trauerspielen über, wobei Daru Gelegenheit nahm, sich näher über sie auszulassen und überhaupt Goethes dichterische Werke zu rühmen, namentlich auch seine Ueber- setzung des Mahomet von Voltaire. „Das ist kein gutes Stück“, sagte der Kaiser und setzte umständlich auseinander, wie unschicklich es sei; daß der Weltüberwinder von sich selbst eine so ungünstige Schilderung mache. 1 „Werthers Leiden“ versicherte er sodann, siebenmal gelesen zu haben, und machte zum Die Temperamente Von Herbert Eulenberg Unsere Altvordern hatten es leicht, wenn sie bei der Gemütsart der Menschen nur vier Temperamente unterschieden und in freier Anlehnung an Schillers „Punschlied“ dachten: „Vier Elemente niemals gesellt, bilden das Leben, bauen die Welt“. Wir vermögen diese scharfe Trennung der Gemütszustände und -ihrer Erregbarkeit bei den Menschen nicht mehr ganz mitzumachen, weil wir die berühmten vier Eigenschaften allzu oft gemischt und verquickt Vorflnden. Der alte griechische Arzt Hippokrates, der vor 2000 Jahren die gesunde und kranke Menschheit um sich beobachtete, stellte jene berühmte Einteilung auf, indem er die seelischen Unterschiede, die in unserem Geschlecht bestehen, durch die ungleiche Mischung der vier körperlichen Grundsäfte erklärte: nämlich des .Blutes (sanguis), wonach man die von diesem Stoff beherrschten die Sanguiniker nannte. Sodann des Schleimes (phlegma), dessen Uebergewicht die Phlegmatiker schafft. Drittens der gelben Galle (chole), deren Vorherrschaft die Choleriker ihren Namen zuzuschreiben haben. Der schwarzen Galle (melaina chole), die, wenn sie in besonderer Stärke ihren Einfluß beimengt, die Melancholiker, die Trübsalbläser, hervorruft. Wir lächeln heute etwas über diese vereinfachte Aufteilung der Temperamente, wie dies schon der zanksüchtige römi- „Du einen - ich einen“ • Vor kurzem, als die ersten Aepfel zu reifen begannen, ereignete sich in einem pfälzischen Dörfchen das Folgende: Bastls Heiner und der Klettin ihr saufreches Fränzl gingen, als es gerade schummerig werden wollte, aufs Aepfelmausen. Es klappte vorzüglich wie immer. Doch als sie, prall die Taschen und vorn das Hemd schier bis zum Kragen voll, eben den Stamm herunterrutschten, tauchte hinter den Büschen der alte Zeißold auf und setzte ihnen nach. Durch das Loch im Zaun ging die Jagd den Rain hinab und ein Stück den Hohlweg hinauf. Erst hinter der Kirchhofmauer verschnauften die beiden Stibitzer. Aber kam da nicht einer den Graben entlang? Mit einer Fuchtel in der Hand? Rasch weiter! Gottlob, die Turmtür war nicht versperrt. Auf, hinein, zu und die Stufen hinauf war eins. Mäuschenstill hockten die beiden oben So klang es deutlich von oben herab. Der Alte erschrak zutiefst, bekreuzigte sich hastig und lief, was die Beine hergeben mochten, ins Pfarrhaus hinüber. „Herr Pfarrer“, keuchte er atemlos, „oben, vor der Orgeltür hocken zwei Teufel und verteilen die armen Seelen unter sich . . .!“ „Na, na, na, Baptist“, versuchte der Geistliche den Meßner zu beruhigen, „das ist doch nicht möglich!“ „Doch, doch!“ versicherte der Alte, immer noch bebend, „ich hab’s ganz deutlich — ganz deutlich hab’ ich’s gehört!“ „Aber, Baptist, wenn ich Dir sage, so etwas gibt es nicht —“ „Und es gibt’s doch, Herr Pfarrer! Beim heiligen Ambrosius, Herr Pfarrer,. ich hab’s vernommen, wie sie geteilt haben!“ Der Meßner, überzeugt, es mit wirklichem vor dem Eingang zur Orgelemnore Das Herz • Teufelswerk zu tun zu haben, war in keiner or dem Eingang zur Orgelempore. Das Herz We j se zu bewegen, zurückzukehren und das klopfte ihnen bis zum Hals. Nichts regte sich in derh alten Gemäuer. Die Dunkelheit nahm zu. Die Buben kauerten auf dem Treppenabsatz und horchten angestrengt hinab. „Verteilen wir die Aepfel“, schlug der Fränzl vor, Gesagt, getan. Sie wendeten die Taschen und beugten sich vornüber, damit auch der Hemdeninhalt sich entleere. Die Aepfel kullerten munter heraus. Zwei davon hopsten zu weit und sprangen die Stufen hinunter. „Macht nichts“, sagte der Heiner, „die holen wir nachher.“ Und begann, den großen Haufen zu teilen: „Du einen — ich einen, du einen — ich einen, du einen — ich einen . . .“ So wuchsen zwei Häuflein heran. Dieweil kam Baptist, der Meßner, das Ave zu läuten. Schon wollte er am Seil ziehen, da horchte er auf. „Du einen — ich einen, du einen — ich einen, du einen — ich einen . . .“ Ave zu läuten. Schließlich entschloß der geistliche Herr sich, den Alten in den Turm zu begleiten. Man würde sehen, daß nichts an der Sache wäre. Die beiden betraten das Untergeschoß und lauschten nach. oben. Und nun vernahm es auch der Pfarrer: „Du einen — ich einen, du einen — ich einen . . .“ Ganz deutlich wurde da ausgezählt. Der Geistliche sah mit großen Augen den Baptist an, der schon wieder am ganzen Leib schlotterte. „So“, sagte die Stimme oben, „jetzt haben wir nur noch die zwei da unten.“ Da aber machten Pfarrer und Meßner kehrt und stürzten hinaus. Drei Tage lang warteten die Dörfler vergebens auf das Ave-Maria- Geläut. Es hieß, der Baptist läge krank darnieder und auch der. Herr Pfarrer fühle sich nicht wohlauf. ' Ludwig Thome sehe Arzt Galenus, der immer alles besser wissen wollte, 500 Jahre nach Hippokrates getan hat. Er erweiterte bereits die vier üblichen Temperamente auf acht bis zwölf. Viel mehr haben'wir bis heute auch nicht feststellen können. Aber wir glauben infolgedessen überhaupt nicht mehr so steif und fest an die vorherrschende Note im Wesen eines Menschen, der von seiner Gesundheit und seinen Launen abhängig ist wie das Meer von den Winden. Denn wenn das Temperament eines Menschen immer sich gleich bliebe, würde man kaum Ueberraschungen an seiner Umwelt erleben. Aber so kann es geschehen, daß unsere Nachbarn und nächsten Freunde uns plötzlich durch einen Sinneswechsel in Erstaunen versetzen. Mutige und feurige Menschen können mit einemmal, wenn ihnen die Nerven reißen, in das Gegenteil, in Angst und Zaghaftigkeit verfallen. Was mancher, der im Krieg gewesen ist, wohl an sich oder an anderen hat beobachten können: „Ich kannte mich selbst nicht mehr“, sagt man wohl hinterher von solchen Augenblicken, in denen die Beherztheit oder Entschlossenheit in einem nachgelassen hat. Andererseits können zugespitzte oder gefährliche Lagen Kräfte und Gemütsanlagen in den Menschen anspannen, die er selbst oder andere gar nicht in ihm vermutet haben, so daß er außer sich gerät. Ein griesgrämiger Kerl kann infolge einer glücklichen ärztlichen Behandlung wenn auch nicht gerade zu einem immerfrohen Leichtfuß, so doch zu einem erträglichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft umgeformt werden. Und es gibt kaum ein unglücklich und weltschmerzlich veranlagtes Wesen, das nicht durch den Gewinn des großen Loses aufgeheitert oder gar im Grund verändert würde. Natürlich bleibt eine gewisse feststehende; Linie in dem seelischen Gefüge eines Menschen. Aber der Abwandlungen und Spielarten in seinem Wesen gibt es doch so viele, daß man von ständigen Temperamenten kaum sprechen, noch damit bei der Seelenforschung arbeiten mag. Vielfach liegen die menschlichen Wesensformen auch übereinandergeschichtet und werden erst durch bestimmte Wallungen aus ihrer Veranlagung frei gemacht. Zu diesem loslösenden Vorgang in unserem Innenleben findet sich bei Hebel oder Hauff ein ergötzliches Geschichtchen: Ein reisender Engländer fährt zu ihrer Zeit mit einem Postwagen durchs Schwabenland. Vorn auf dem Bock sitzt ein träger schwerfälliger, schlafmütziger Postkutscher, das Urbild des Phlegma. Plötzlich stürzen aus einem Gehölz drei oder vier Räuber hervor. Werfen sich vor die Kutsche, zwingen die Pferde zum Halten und die Reisenden zum Äussteigen. Der Bärenhäuter auf dem Bock sieht dem allen gemächlich zu. Da, als die Kerle anfangen, roh auf die Pferde loszuschlagen, ändert sich mit einem Ruck sein phlegmatisches Temperament. Er springt herunter, haut den ersten Strolch nieder und teilt auch den beiden anderen derartige „Schwabenstreiche“ aus, daß der vierte entsetzt über diesen sanguinischen rasenden Roland die Flucht ergreift. Auf die erstaunte Frage des Engländers an den saumseligen, trödligen Kutscher, warum er denn nicht sofort zugegriffen habe, gibt dieser die bezeichnende klassische Antwort: „Herr! Ich mußte erst in die richtige Wut geraten.“ Zu Hans Thoma’s Werken Von WERNER LENZ Sieh hier dies Bild: an hoher Hügel Bogen hegt in der Reifesonne Feld an Feld in goldenem, in sichtbar leichtem Wogen von Menschenhand fürs Menschenbrot bestellt! Und dort: ein kühler Bach entrauscht dem Walde! Du hörst sie fast, die Mühle, die er treibt, und ruhtest gern beim Wand’rer an der Halde, der dort zu köstlich kurzer Rast verbleibt. Ein Bauernhof! Der Hahn scheint hell zu krähen vor Heimatlust und wahrem Wächterstolz, indeß am sommerblauen Himmel wehen des Rauches Fähnlein überm Schindelholz. Und horch’: nach Tagesmüh’ am Feierabend des Mondscheingeigers innig schlichtes Lied! Man fühlt es fast, wie friedevoll, wie labend es mit dem Blumenduft durchs Gärtlein zieht. • Ein Ritter hier, des Heimattales Hüter! Ein Mutterantlitz, sorgenfroh ergreist! Hans Thoma malte uns’rer Heimat Güter! Aus seinen Bildern spricht der deutsche ‘ G eist I Beweis dessen eine tief eindringende Analyse dieses Romans, wobei er jedoch an gewissen Stellen eine Vermischung der Motive des gekränkten Ehrgeizes mit denen der leidenschaftlichen Liebe finden wollte. „Das ist nicht naturgemäß und schwächt bei dem Leser die Vorstellung von dem übermächtigen Einfluß, den die Liebe auf Werther gehabt. ' ‘ Warum haben Sie das getan?“ Goethe fand die weitere Begründung dieses kaiserlichen Tadels so richtig und scharfsinnig, daß er ihn späterhin oftmals mit dem Gutachten eines kunstverständigen Kleidermachers verglich, der an einem angeblich ohne Naht gearbeiteten Aermel so bald die fein versteckte Naht entdeckt. Dem Kaiser erwiderte er: „Es habe ihm noch niemand diesen Vorwurf gemacht, allein er müsse ihn als ganz richtig anerkennen; eitlem Dichter dürfte jedoch zu verzeihen sein, wenn er sich mitunter eines nicht leicht zu entdeckenden Kunstgriffes bediene, um eine gewisse Wirkung hervorzubringen, die' er auf einfachem, natürlichem Wege nicht hervorzubringen zu können glaube. Auf das Drama zurückkommend, machte Napoleon mehrfache,, sehr bedeutsame Bemerkungen, die den Beweis lieferten, dgß er die tragische Bühne mit der größten Aufmerksamkeit, gleich einem Kriminalrichter betrachtete. Auf die Schicksalsstücke übergehend, mißbilligte er sie höchlich: „Sie haben einer dunkleren Zeit angehört. Was will man jetzt mit dem Schicksal? Die Politik ist das Schicksal!“ Dann sprach er lange mit Daru über die preußischen Kontributionsangelegenheiten, währenddessen der Marschall Soult hereintrat, mit dem der Kaiser scherzend über einige unangenehme Ereignisse in Polen sprach. Auf einmal stand Napoleon auf, ging auf Goethe zu und fragte mit gemäßigter Stimme nach Goethes Familie und seinem Verhältnis zu den verschiedenen Personen des herzoglichen Hauses. Die Antwort, die er erhielt, übersetzte er sich sogleich nach seiner Weise in entschiedenere Urteile. Doch bald wieder auf das Trauerspiel zurückkom- kommend, sagte er: „Das Trauerspiel sollte die Lehrschule der Könige und der Völker sein, das ist das Höchste, was der Dichter erreichen kann. Sie z. B. sollten den Tod Cäsars auf eine vollwürdige Weise, großartiger als Voltaire, schreiben. Dies könnte die schönste Aufgabe Ihres Lebens werden. Man müßte der Welt zeigen, wie Cäsar sie beglückt haben würde, wie alles ganz anders geworden wäre, wenn man ihm Zeit gelassen hätte, seine hochsinnigen Pläne auszuführen. Kommen Sie nach Paris, ich fordere dies durchaus von Ihnen, dort gibt es eine größere Weltanschauung, dort werden Sie überreichen Stoff für Ihre Dichtungen finden.“ Jedesmal, wenn er sich über etwas ausgesprochen hatte, setzte er hinzu: „Quen dit Monsieur Goet?“ (Was sagt Herr Goethe dazu?) Als nun Goethe endlich abtrat, hörte man den Kaiser bedeutsam zu Berthier und Daru sagen: „Voilä uh homme!“ (Das ist ein Mann!) Goethe beobachtete lange ein tiefes Schweigen über den Hergang und den Verlauf di%- ser Audienz bei dem von ihm verehrten, genialen Imperator, sei es, weil es so in seinem Charakter lag, sich über wichtige, ihn ganz persönlich betreffende Vorgänge nicht leicht auszusprechen, sei es aus Bescheidenheit und Delikatesse. Daß aber Napoleons Aeußerungen ihn» einen mächtigen Eindruck hinterlleßen, konnte man ihm sehr bald anmerken, obwohl er selbst den Fragen seines Fürsten nach dem Inhalte der Unterredung mit Napoleon auf geschickte Weise auszuweichen verstand. Die Einladung nach Paris insbesondere beschäftigte ihn noch geraume Zeit. So erkundigte er sich nach dem ungefähren Betrag des Aufwandes, den sie wohl erfordern würde, nach den verschiedenen, für ihn nötigen Einrichtungen in Paris, Zeiteinteilungen usw. Aber späterhin mochte ihn wohl die Erwägung so mancher unvermeidlicher Unbequemlichkeiten in Paris v on dem Vorhaben einer solchen Reise dahin abgehalten haben. Nach mehrfachen abermaligen Begegnungen mit dem Kaiser sandte ihm derselbe durch den Minister Staatssekretär Maret die an Goethe verliehenen Insignien des Orden* der Ehrenlegion, begleitet von einem überaus schmeichelhaften Handschreiben, Seite 6 ,DAS NEUE BADEN* o aus Boden Erinnerungen vom Zollausschluß In diesen Tagen jährt sich zum 14. Mal, daß das ehemalige Zollausschlußgebiet auf Grund eines Reichsgesetzes unter dem Motto: „Gleichschaltung“ in das deutsche Zollgebiet einverleibt wurde. Dieser Umstand, der für unsere Bevölkerung von weittragender Bedeutung ist, macht es wohl wert, jene Zeit nochmals ins Gedächtnis zurückzurufen. Die ältere Generation erinnert sich ja noch gut der letzten Septembertage des Jahres 1935. Gerücht jagte Gerücht. Man wollte es nicht glauben, daß die Hitler-Regierung sich an dieses Problem heranmachte, ohne die Bevölkerung darüber zu befragen. Schon einmal in den zwanziger Jahren war dieses Gebiet in den Vordergrund gerückt, jedoch nach Protesten der beteiligten Gemeinden wieder „Ad acta“ gelegt worden. Aber dieses Mal blieben alle unternommenen Schritte erfolglos. Noch im Sommer 35 versicherte ein Ministerialbeamter aus Karlsruhe anläßlich einer Besprechung der hiesigen Geschäftsleute, daß die Aufhebung des Zollausschlusses gar nicht in Betracht komme. Mitte September tauchten aber schon die ersten „Vorboten“ des „Großdeutschen Reiches“ in Form von zivilen Zoll- und Gestapobeamten auf, um die Bevölkerung zu „beschatten“. Die Einwohner wurden unruhig und fingen an Angstkäufe zu tätigen. Die Geschäftswelt füllte ihre Lagerbestände bis zum höchstmöglichen. Benzin, Getreide, Zuk- ker usw. wurden tonnenweise eingekauft, um sich für die kommende Zeit zu schützen. Inzwischen nahm das Gerücht, „am 30. September wird das Zollausschlußgebiet aufgehoben“, festere Formen an. Und tatsächlich, das Unglaubliche geschah. Trotz Eingaben, Protesten, ja «sogar persönlicher Vorstellungen bei der Reichsregierung, wurde das Gebiet mit dem 1. Oktober 1935 „zollmäßig erfaßt“. Wer erinnert sich nicht noch jener Zeit, als die „fremden Zivilisten“ über Nacht grüne und schwarze Uniformträger wurden. Stummer Haß richtete sich gegen die an und für sich schuldlosen Beamten. Die negativen * Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen ließen aber auch nicht auf sich warten. Das einst blühende Zollausschlußgebiet und Devisenbringer mußte als „Notstandsgebiet“ erklärt werden. Den einsichtigen Leuten, die die Hitlerpolitik durchschaut hatten, war es seinerzeit schon klar, daß diese Maßnahmen politische Hintergründe hatten, denen gegenüber die Vorstellung der Mehrausgaben an Beamtengehältern usw. zum Verhältnis der Zolleinnahmen in diesem Gebiet keinen Erfolg haben könnte: Heute aber sind wir wieder in einer, ganz anderen: Lage. Vor noch nicht langer Zeit wurde die Bundesrepublik Deutschland geschaffen. lieber'die Aggressionspolitik Hitlerdeutschlands sind wir endgültig hinweg. Wir wollen in Frieden mit unseren Nachbarn leben, Handel und Wandel soll wieder auferstehen. In dem Grundgesetz ist wieder die persönliche Freiheit gewährleistet, und der Staatshaushalt soll wieder nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgebaut werden. Die „politischen Gründe“ des „Dritten Reiches“ sind nicht mehr gegeben, als das auf diesen aufbauend etwas weiterbestehen könnte, was sich überlebt hat. Wenn unsere neue Bundesregierung von Sparmaßnahmen in der Verwaltung und Senkung der Haushaltsausgaben spricht, so wird das jeder Steuerzahler nur begrüßen. Nach unserer Meinung müßte aber vor allem dort angefangen werden, wo es aus der Gebietsstruktur „naturgegeben“ ist und das wäre die Zurücknahme der Zollgrenze auf den Stand vor dem 1. Oktober 1935. Ganz abgesehen aber davon hat die Bevölkerung das Recht, Aufhebung der seinerzeitigen einseitigen hit- lerischen Verordnung zu verlangen. « Der Badische Handwerhertag Im alten ehemaligen Reichsstädtchen Gengenbach, das im wohlerhalten .gebliebenen Stadtbild so spürbar handwerkliches Schaffen veranschaulicht, veranstalten die beiden Handwerkskammern Freiburg und Konstanz am 8. und 9. Oktober einen Badischen Handwerkertag, der berufen sein soll, zum geschul-f ten. Meistertum wie zum handwerklichen Menschentum ein eindruckvolles Bekenntnis abzulegen. Am Samstag, dem 8. Oktober, wird ein abendlicher Gedenkakt an Goethe erinnern. Aus der Fülle seiner Aeußerungen über Wesen und Bedeutung des Handwerks hält eine das Plakat für den Handwerkertag fest: „Allem Lehen, allem Tun, aller Kunst muß das Handwerk vorausgehen, das nur in der Beschränkung erworben wird!“ Die Feierstunde, in der neben einem Goetheschen Prolog und „Hans Sachsens poetische Sendung“ ein Festvo.rtrag Goethes Beziehungen z um Handwerk schildern wird, wird das Ortenau- Streichorchester mit der Wiedergabe von Werken Glucks und Schuberts umrahmen. Am Sonntag, 9. Oktober, versammeln sich die Teilnehmer am Handwerkertag nach Festgottesdiensten für beide Konfessionen zu einer Großkundgebung. Neben den Präsidenten der beiden Handwerkskammern und dem Geschäftsführer Keller von der Freiburger Kammer, der über t die das gesamte Handwerkertum so lebhaft beschäftigenden Fragen des Großen Befähigungsnachweises und der Gewerbefreiheit .sprechen wird, werden der Staatspräsident Wohieb, der Wirtschaftsminister Dr. Lais und Vertreter der Universität Freiburg wie der Technischen Hochschule Karlsruhe das Wort ergreifen, um die Verbundenheit von Staat, Wissenschaft und Kultur mit dem Handwerk zu kennzeichnen. Im Verlauf eines Volksfestes auf dem herrlichen, altertümlichen Rathausplatz gelangt ein heiteres handwerkliches Stück: „Der bekehrte Amerikaner“ zur Aufführung, das mit dem schönen Rathaus als Hintergrund in Szene gehen wird. Die Vorbereitungen für den Handwerkertag sind in vollem Gang. Die bis jetzt vorliegenden Anmeldungen lassen mit einem sehr starken Besuch rechnen. Die Eisenbahn wird rechtzeitig Abfahrts- und Ankunftszeiten von Sonderzügen bekanntgegeben, die eingelegt werden. Sitzungsperiode des Landtages Die dritte Sitzungsperiode des badischen Landtags am 5. Oktober wird durch einen katholischen und evangelischen Gottesdienst eingeleitet. Erstes Jäger-Forum in Deutschland Karlsruhe. Die Württemberg-Badische Jägervereinigung, Kreisler ein Karlsruhe, veranstaltet am 1. Oktober erstmalig ein öffentliches Jägerforum. Motorisierte Zigeuner auf Fahrt Pforzheim. In der Umgebung Leonbergs, bei Göbrichen, kam es an einem der letzten Abende zu einer „Schlacht“ zwischen Landespolizei und einer Zigeunerbande, die wie im Zeitalter der Motorisierung üblich, mit einem Kraftwagen die Gegend unsicher machte.- Da die Bande aus über 50 Köpfen bestand, war schon ein starkes Aufgebot von Beamten der Landespolizei erforderlich, um die renitente Gesellschaft in Schach zu halten und eine notwendige Personalkontrolle zu erzwingen. Mitglieder der Bande hatten in Leonberg etwa 900 DM gestohlen und auch aus Stein und Umgebung mehrere 100 DM „mitgenommen“. Die Mistgabeln, Messer und Steine mit denen sich die Zigeuner bewaffnet hätten, zögen jedoch nach einigen Hin und Her gegenüber den polizeilichen Gummiknüppeln den kürzeren, die Diebe konnten festgenommen werden. Ein mit Hilfe, der Gummiknüppel erteilter Ratschlag, das Gebiet um Leonberg beschleunigt zu verlassen und eine Rückkehr möglichst zu meiden, veranlaßt« die lästigen Gäste, mit ihrem Kraftwagen zu verschwinden, um sich „ergiebigere und freundlichere Fluren“ zu suchen. Ein hartnäckiger Selbstmordkandidat Heidelberg. Ein 23jähriger. junger Mann stieß sich in der Absicht, Selbstmord zu begehen, ein Tranchiermesser in die Herzgegend. Vor rund 14 Tagen war der junge Mann wegen Einnehmens von Gift. in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Da seine Absicht auch in diesem Falle nicht zum Erfolg geführt hatte, nahm er am Tage vor seiner Entlassung aus der Klinik eine Ueber- anzahl von Schlaftabletten, deren Wirkung jedoch im letzten Augenblick zunichte gemacht werden konnte. Der hartnäckige Selbstmordkandidat mußte jetzt wieder dem Krankenhaus zugöführt werden. Todesurteil gegen Gestapobeamten Rastatt., Das Gericht erster Instanz zur Aburteilung von Kriegsverbrechen in Rastatt verurteilte den ehemaligen Beamten der Offenburger Gestapo Erwin Schöner aus Weil am Rhein zum Tode. Er wurde beschuldigt, am 6. Dezember 1944 die Erschießung von 11 elsässischen Widerstandskämpfern in einem Wald bei Offenburg durchgeführt zu haben. Der ehemalige Gestapobeamte Friedrich Dochart aus Bruchsal wurde wegen Beihilfe zur' Ermordung zu 10 Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt. Das Verfahren wurde gegen beide Angeklagte in Abwesenheit geführt. Drei tödliche Unglücksfälle innerhalb 24 Stunden Pforzheim. Innerhalb 24. Stunden ereigneten sich in Pforzheim drei Unglücksfälle mit tödlichem Ausgang., Eine 6jährige Schülerin ertrank beim Baden in der Enz, eine 28jähri- ge Frau wurde zwischen- Eutingen und Pforzheim von einem Personenwagen angefahren , und tödlich" verletzt und ein 67 * Jahre alter Malermeister wurde beim Versuch, mit seinem Fahrrad einem Fußgänger auszuweichen, von einem Kraftwagen angefahren und so schwer verletzt, daß er kurz darauf verstarb. 113 /1. 10. 49 Das Rundtunkprogramm Südwestfunk Samstag, l. Oktober. 8 . 00 : Kurznachricht ten; 8.15: Nachrichten aus Baden u. Württemberg- 11.00: Höre jeder, der es mag: Froher Klang am Vormittag! 11.39: Volksmusik; 11.45: Nachrichten aus Baden und Württemberg; 12 . 00 : Nachrichten- 12.10: Mittagskonzert; 12.45: Die Sendung- der bad* Regierung; 13.00: Nachrichten; 13.15: Musik nach Tisch; 14.15: Wir jungen Menschen; 14.45: Musik Musik, Musik! 15.45: Briefmarkenecke aus Kaiserslautern; 16 . 00 : Unser Samstag-Nachmittag'- 17.00: Kulturnotizen; 17.30: Sang u. Klang im Volksl tone; 18.00: Kreuz und quer durch Deutschland- 18.15: Badische Theaterrundschau; 18.50: Die Glok- ken von Allensbach (Bodensee) läuten den Sonntag ein; 19.00: Innenpolitischer Kommentar; 1915 . Kleine Abendmusik; 19.30: Die Tribüne der Zeit" 20.00: Wir erfüllen Hörerwünsche; 22.00: Nachrichten, Sport; 22.30: Der SWF bittet zum Tanz! 24 . 00 - Spätnachrichten; 0.15: Samstag nach Mitternacht' Sonntag, 2 . Oktober. 8.00 Kurznachrichten- 8.05: Musik am Sonntagmorgen; 8.45: Geistliche Musik; 9.00: Evangelische Morgenfeier; 9.30: Das Unvergängliche; 10.15: Katholische Morgenfeier- 10.45: Nachrichten aus der christlichen Welt; ll.oo: Die Aula; 11.30: Musik zum Sonntag-Vormittag- 12.00: Nachrichten; 12.10: Mittagskonzert mit Ope- rettenmusik; 12.45: Hörerpost; 13.00: Nachrichten" 13.15: Musik nach Tisch.; 14.15: Frohe Melodien; 15.00: Kinderfunk; 15.30: Stimme der Heimat; 16.15- Es spielt das Südwestfunk-Unterhaltungsorchesteis 17.15: Dichtung der Zeit; 17.30: Sport und Musik; 18.45: Reinhold Schneider: Politische Betrachtungen; 19.00: Sportnachrichten; 1915: Kleine Abendmusik: Erntetänze; 19.30: Die Tribüne der Zeit; 20.00: Sinfonie-Konzert; 21.15: Politische Wochenschau; 21.30: Wir tanzen Polka und Walzer; 22.09: Nach» richten; 22.00: Nachrichten; 22.15: Sport am Sonntag; 22.35: Fröhlicher Ausklang; 24.00: Spätnachrichten. Montag, 3. Oktober. 8.00: HtH-znachrich» ten und politische Zeitungssehau; 8.15: Nachrieh» ten aus Baden und Württemberg; 11.00: Höre je» •der, der es mag: Froher Klang am Vormittag! 11.3(1! „Leichte Kost“; 12.00: Nachrichten; 12.10: Mittagskonzert; 12.45: Der Montagkurier für Baden und Württemberg: 13.00: Nachrichten; 13.15; Musik nach Tisch; 14.15: Unterhaltungsmusik; 16.00: Musik am Nachmittag; 17.00: Von der Frau her gesehen; 17.30: Solistenkonzert; 18.00: Kreuz und quer durch Deutschland; 18.15: Diego Götz: Der Ring des verlorenen Sohnes; 18.30; Lieder von Spiel u. Sport für Bariton und Akkordeon; 18.45: Plauderei! und Kurzweil; 19.00: Bücherschau; 19.15: Kleine Abendmusik Musette-Klänge; 19.30: Die Tribüne der Zeit; 20.00: Musik für Dich; 20.45: Probleme der Zeit: 21.00: Die Oper. Franeios Adrien Bolldieu: „Die weiße Dame“; 22.00: Nachrichten; 22.30: Einkehr im Geist; 23.15: Ganz leis’ erklingt Musik!; 24.00: Spätnachrichten. Landes Vereinigung der Industriegewerkschaften Textil und Bekleidung Neustadt. In der am 23. September in Neustadt stattgefundenen Betriebsrätekonferenz der Landkreise Freiburg und Neustadt wurden nachstehende Resolutionen gefaßt. Die eine wendet sich an die Badische Regierung und betrifft den vor längerer Zeit durch den Badischen Gewerkschaftsbund eingereichten Antrag zur Erhöhung des steuerfreien Betrages auf 220 DM bei der Berechnung der Lohnsteuer. Die Konferenz fordert einstimmig, diesen Antrag im Badischen Landtag endlich zur Abstimmung zu bringen. Ebenso einstimmig nimmt die Konferenz in einer Entschließung an den Landtag mit Entrüstung Kenntnis, von der Verlängerung des Notopfers , Berlin—Kehl durch den Badischen Landtag, welches.- eine unnötige zusätzliche Belastung für die Arbeiter und Angestellten darstellt. Gesperrte Guthaben für Anleihe-Zeichung freigegeben Auf Grund der allgemeinen Genehmigung Nr. 24/49 der Bank. Deutscher Länder können ab 19. September Guthaben von natürlichen oder juristischen Personen mit ständigem Wohnsitz oder Sitz außerhalb der drei Westzonen, die nach den Gesetzen Nr. 52 und 53 der Militärregierungen gesperrt sind, zur Zeichnung von Anleihen, der Kreditanstalt für Wiederaufbau verwandt werden. Den ausländischen Eigentümern solcher Guthaben wird hierdurch Gelegenheit gegeben, durch Zeichnung der SVj-o/a^Wiederaufbauanleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau den Ertrag ihres Kapitals beträchtlich zu steigern. Nt STATT KARTEN Für die uns zur goldenen Hochzeit entgegengebrachteh Glückwünsche und Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst. Johann Erb, Lokomotivführer a» D. Offenburg, Hildastr.25 und Frau Maria, geb. Bährle v.__ _ J STÄDTISCHE BEKANNTMACHUNGEN Obus*, Straften- u. Bergbahn-Winterfahrplan Der Winterfahrplan für Obus-, Straßen- und Bergbahnbetrieb tritt am 15. Oktober 1949 in Kraft. Die Anschlüsse nach dem neuen Fahrplan der Bundesbahn werden bereits ab 2. Oktober 1949 berücksichtigt. Einsatz der Nacht wagen ab 2. 10. 1949: Frühlingstraße ab 0.15 Uhr — Leopoldsplatz ab 0.25 Uhr 1.05 Uhr Bahnhof Oos an 0.41 Uhr 1.21 Uhr Bahnhof Oos ab 0.50 Uhr 1.50 Uhr Der Winterfahrplan weicht nur gering vom jetzigen Fahrplan ai>, nämlich: Straßenbahn und Obus: Tallinie: An Sonntagen nur von 12.00—19.40 Uhr Zehnminutenverkehr, an den übrigen Tagesstunden Zwanzigminutenverkehr. Berglinie: An allen Tagen von 19.30—23.00 Uhr Dreißigminutenbetrieb, an den übrigen Tagesstunden Zwanzigminutenbetrieb. Bergbahn: Der letzte Wagen fährt um 18.45 Uhr, bisher um 23.00 Uhr. Ab 1. Dezember 1949 ruht der Bergbahnbetrieb. Einzelheiten sind aus den angeschlagenen Fahrplänen zu ersehen! (6863) Stadtwerke Baden-Baden ftanöftartnonifa sofort oder kurzfristig lieferbar Musikhaus Feeiburg i. Br. Tel. 3235 Beriidmdifigf die Inserenten dieser Zeitung Erstklassige hochtr^ ’ ‘ Kalbinnen und Kühe z. Teil mit Ab« stammungsnachweis u.eingefahren sowie 12 - 15 Wochen trächtige Erstlings« mutterschwelne und fette Schlacht« schwelne stehen zumVerkauf. Schlacht« vieh wird eingetauscht bzw. angekauft A. Letzer, Windschläg Hauptstraße 34 [6811] "P 25-jährige Kontoristin sucht neuen Wirkungskreis. Zuschrift. u. *2570 B an „Das. Neue Baden“, Lahr. Anfertigung von Hafthorsefts und Maßbüstenhalter Reparaturen werden noch angenommen Frau Martha Pook Gernsbach» Waldbachstraße 14 RESI LICHTSPIELE * Rastatt Sibylle Schmitz u. Karl John in dem spannenden Spionagefilm ?ic Stach* (Das Erlebnis einer großen Liebe) Eine packende dramatische Handlung mit atemberaubendem Höhepunkt. Achtung! Im Beiprogramm der dokumentarische „Sportspiegel“, welcher monatlich hei uns erscheint. Spielzeiten: Freitag,. Samstag, Dienstag .18.30; Sonntag 16.00 u. 18.30; Montag, Mittwoch 21.00 Uhr; Donnerstag kein Film. Jlcdetwoceh. DIE Weltmarke in in günstigem Angebot bei l 6/ fO ITEL Guten seriösen Nebenverdienst an jedermann vergibt; Papierverarbeitung Bläschke, Berlin-Spandau, Gelsenkirchener Str. 11 j 1. Unterlagen geg. Rückporto. (G*l-767) -PAUK- Lichtspiele — Offenburg Von Freitag bis Donnerstag 30. 9. — 6. 10. 1949 Der. grandiose Farbfilm 6ti&tt>arse flarjtffe Werktags 18.00 u. 20.30 Uhr, Sonntags 14.30, 17.30 und 20.30 Uhr. StadfhaSie-Liditspiele OFFENBURG Von Freitag bis Donnerstag 30. 9. — 6. 10. 1949 Der Tiger von Eschnapur Freitag, Sonntag u. Dienstag 18.00 u. 20.30; Samstag 15.30 u. 18.00; Montag u. Donnerstag 18.00 Uhr. Achtung! Nicht vergessen! Zusätzliche Vorstellung mit: „Der Tiger von Eschnapur“ am Sonntagmittag, um 1.30 Uhr, besonders geeignet für Auswärtige. Sichern Sie sich rechtzeitig gute Plätze im Vorverkauf. ■ (6846) HEIRATEN ätecanftaltitngett btt f&äfeer- mb ft umtuxiHiing Samsfasj, den 1. Oktober Pfeffer und Salz — Kl. Theater, 20.00 Uhr, Abonnement D Z Kl. Theater, 20.00 Uhr, Sonntag, den 2. Oktober Das große Welttheater Außer Abonnement. Mittwoch, den 5. Oktober Kleiner Walzer in a-moll — Kl. Theater, 20.09 Uhr» Abonnement A 2 Donnerstag» den 6* und Freitag, den 7. Oktober Un Caprice et les Caprices de Marianne — Kl. Theater, 20.30 Uhr Samstag, den 8. Oktober Erstaufführung! — Die Verschwörung — Kl. Theater, 20.00 Uhr, Premieren-Abonnement III Sonntag, den 9. Oktober Pfeffer und Salz — Kl. Theater, 20.00 Uhr, Außer Abonnement Eintrittskarten an der Kurhauskasse und der Kasse des Kleinen Theaters. (6865) Landwirt u. Geschäftsmann, 50 J. alt, sucht auf diesem Wege liebe Frau, am liebsten Einheirat in Geschäft oder Gasthaus. Ang. unt. Nr. 194 an die Gesch.-St. „Das Neue Baden“, Freiburg i. Br., Wilhelmstr. 14. (1-763) Nettes Fräulein, 36 Jahre alt, ev., blond, möchte charakterfesten Herrn, Witwer iveht ausgeschl., auf diesem Wege kennenlernen. Zuschr., die vertraulich behandelt werden, unt. Nr. Ba 095 an „Das Neue Baden“, Baden-Baden. (Ra-6864) Fräulein, Ende 40, solid, alleinstehend, Gesch.-Tochter, gute Ersch., in Haush. u. Kochen erfahren, sucht Herrn im Alter v. 50 bis 65 J., in sich. Stellung, kennenzulernen. Grundbesitz, Aussteuer u. Vermögen vorh. Schriftl. Ang. unt. Nr. 197 an die Gesch.-Stelle „Das Neue Baden“, Gernsbach. (6860) Schlosserhandwerkzeuge u. sämtl. dazugehörige Maschinen billig z. verk. Ang. unt. Nr. 181 an die Gesch.-Stelle „Das Neue Baden“ Gernsbach, Waldbachstr. 14. (68.62) Gut möbliertes Zimmer heizbar, in Offenburg, von Herrn in führender Position auf 15. Oktober gesucht. Ang. unt. Nr. 1000 K an „Das Neue Baden“, Lahr. VERSCHIEDE NES Stepp- u. Daunendecken! Neuanfertigung u. Umarbeitung. Federbetten, Matratzen preiswert! Paul Schweikert, Offenburg, B.» Am Waldbach 23.